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Mein Meister nahm den Betonpfeiler des Hauses zur Hilfe, um mir die Idee der „Zentrallinie“ und der „Stufen“ verständlich zu machen, also die theoretischen Ansichten des menschlichen Körpers, um die nützlichsten Ziele und Angriffslinien herauszufinden, die durch die Bewegungen benutzt werden. Im Zentrum der Säule korrespondierte eine vertikale Linie mit der Mittellinie meines Körpers und meine Arme hatten mit Techniken von Angriff und Verteidigung in gerader Linien in deren Richtung zu handeln, wodurch ich schneller und effizienter wurde.

Die Säule wurde außerdem von drei imaginären horizontalen Linien zerteilt, die für Gesicht, Sonnengeflecht und Unterbauch standen. Die Intersektion mit der vertikalen Zentrallinie zeichnete sechs Bereiche auf, die als die „6 Absagungen“ bzw. die „6 Türen“ die häufigsten Ziele darstellten, die man durch die geraden oder konvergenten Linien erreichen kann. Außer der geometrischen Konstruktion der Techniken, hatte mir mein Meister bereits die Bedeutung der Atmung und des Blickes gezeigt, die jede einnehmende und zurückweichende Handlung der Form begleiten. Der innere Rhythmus tanzte und floß mit den körperlichen Teilen der Techniken, wodurch ein perfektes energetisches Gleichgewicht geschaffen wurde. Es wurde mir bewußt, dass es schwierig war, das Wing Chun in die externen Stile einzuordnen. Daher sagte mir mein Meister auch, dass man diesen Stil selbst noch im Alter von 100 Jahren trainieren könne. Zehn Jahre lang wuchs ich mit der Lehre meines Sifu Fu Han Tang auf, ohne zu wissen, was in den anderen Schulen dieser Welt vor sich ging. Während meine Erfahrungen durch das Kennenlernen anderer Stile des Kung Fu und weiterer Kampfkünste bereichert wurden, blieb das Wing Chun mit seinen Konzepten, Prinzipien und einfachen Anwendungen für sich alleine stets sehr effektiv.

Kampfkunst Budo International 294 – August 2015  

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