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Motion Design | 25 Pit Bredimus Google Worldview, SS 13 //vimeo.com/69941439

ten. Das Beispiel ist also in der Bildebene auf der Verbindungslinie zwischen »Realismus« und »Bedeutung« irgendwo im ersten Drittel anzusiedeln, und da es ein Schwarz-Weisfilm ist, nicht ganz am Boden des Dreiecks. Aufgrund der gestischen Bewegungen und der variierenden Framezahlen ist die Position im zweiten Dreieck nahezu identisch und somit sind auch die Dreiecke deckungsgleich. So habe ich das noch nie betrachtet.

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http://motionbank.org

2 thejohnnycashproject.com http://vimeo.com/42381325 http://vimeo.com/79207239

Genau darum geht es ja in der Theorie: neue Blickwinkel zu erschließen, um dem Wesen der Dinge näherzukommen oder aber im Idealfall auch neue Gestaltungsansätze zu finden. Kommen wir vom Realfilm – wie falsch das nun klingt – zur Animation. Der nächste Schritt der Vereinfachung wäre etwa die Rotoskopie einer Filmsequenz, also das bildweise Nachzeichnen der gefilmten Handlung, wie es beispielsweise in »A Scanner Darkly« getan wurde. Hier reduziert sich das Gezeigte in Struktur und Farbe. Wir bewegen uns bereits in Richtung Smiley, wenngleich die Bewegungen noch den gleichen Realismus besitzen wie die zuvor gefilmte Sequenz. Das Spannende ist nun, dass wir heute durch die digitale Repräsentanz der Bilder die beiden Dreiecke gegeneinander verschieben und somit neue Bewegtbildästhetiken formulieren können. Im Extremfall könnten wir ein Strichmännchen mit Hilfe von Motion-Capture-Daten eines Tänzers bewegen. In dem Fall überlagern sich die Dreiecke derart, dass die rechte Ecke des Bild-Dreiecks, »Bedeutung«, auf die linke Ecke des Bewegungs-Dreiecks, »Realität«, trifft. Dies muss aber nicht auf der unteren Ebene des Bilddreiecks bleiben, wir können auch in den Bereich der abstrakten Grafik wechseln. Gerade seit dem preiswert gewordenen Zugang zu Echtzeit-Capture-Daten durch eine Zweckentfremdung der Wii Kinect schießen hier täglich neue Beispiele aus dem Boden. Exemplarisch sei hier das Motionbank-Projekt 1 genannt. Reduzieren wir jedoch die Anzahl der Bilder oder zerstören die Kontinuität der Sequenz, indem wir etwa jedes der Frames von einem anderen Zeichner zeichnen lassen, wie beim Johnny-Cash-Project2 geschehen, oder tauschen wir die einzelnen Bilder aus, wie in diesen Instagrammfilmen3, erhalten wir eine Abstraktion der Bewegung, die je nach Differenz unterschiedlich weit Richtung Dreiecksspitze vordringt. An die abstrakte Spitze beider

Motion Design Werkschau 2010–2015  

Dokumentation des Studiengangs Motion Design der Berliner Technischen Kunsthochschule BTK - Hochschule für Gestaltung. www.btk-fh.de

Motion Design Werkschau 2010–2015  

Dokumentation des Studiengangs Motion Design der Berliner Technischen Kunsthochschule BTK - Hochschule für Gestaltung. www.btk-fh.de

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