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foto: ap/daniel ochoa de olza

Liebling der Medien: Yanis Varoufakis.

Deshalb fließt Kapital aus dem Süden in den Norden. Das Geld landete auf Konten in Frankfurt und Berlin. Mit der Euroeinführung wurde die grenzüberschreitende Kreditvergabe spielend leicht und profitabel. Weil saftige Gewinne vor allem in Südeuropa zu holen waren, investierten die Banker aus Deutschland das Geld wiederum in den Süden. Das billige Kapital finanziert den Bauboom in Spanien und Griechenland. Als diese Blase platzte, begann die Eurokrise. Das vergiftete Klima beenden Varoufakis zeichnet dieses Bild der Krise, weil er damit das vergiftete Klima zwischen Deutschen und Griechen, zwischen Norden und Süden verbessern möchte, wie er sagt. Der Ex-Politiker sucht dazu auch den Kontakt zu Medien: Fast täglich erscheinen Interviews mit ihm. Dabei ist das Verhältnis zu Journalisten seit seinem Amtsantritt im Jänner 2015 im griechischen Finanzministerium problematisch. Journalisten lieben ihn, weil er Quote bringt. Zugleich wird er oft attackiert. Erst von wenigen Tagen erschien im "Telegraph" und in der "Times" eine Geschichte, wonach Varoufakis 60.000 US-Dollar und mehr für Vorträge verlange. Er publizierte daraufhin eine Liste, die wieder für Schlagzeilen sorgte, weil Varoufakis für ein Interview im italienischen Fernsehen 24.000 Euro kassiert hatte. Dass er sich von 25 Gastauftritten nur fünf bezahlen ließ, ging unter. Während die ökonomische Analyse des Griechen fundiert ist, ließe sich an seinen politischen Schlussfolgerungen so manches bemängeln. Dass Länder wie Griechenland, Portugal und Spanien verarmen konnten, liegt laut Varoufakis daran, dass Europa ein Mechanismus fehle, um das Ungleichgewicht zwischen Nord und Süd auszugleichen. Dass dieser Mechanismus fehlt, sei wiederum eine Folge der mangelnden Demokratie. In Europa regieren Technokraten: Wichtige Institutionen, eben wie die EZB, werden nicht von Parlamenten, sondern von Bürokraten kontrolliert. Wer aufmuckt wie die Griechen, wird von der Eurogruppe, einer intransparenten Schattenregierung, zerstampft.

Yanis Varoufakis in Vienna  

Am 4. November 2015 hielt Yanis Varoufakis im bis auf den letzten Platz ausgebuchten Audi Max der WU Wien einen viel beachteten Vortrag. Hie...

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