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JULI – SEPTEMBER 2016

THAILAND

SCHWULER TRAUMURLAUB IN BANGKOK UND AM STRAND

GRAN CANARIA

DIE WELT VERGESSEN IM YUMBO - CENTER

KAPSTADT

URLAUB MIT ALLEN SINNEN IN SÜDAFRIKAS SCHÖNSTER STADT € 3,95 | CHF 7,10 03 4 196365 303958

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CIRCUIT: LET THE MUSIC PLAY – SCHWULE MEGA-PARTYS

OSTSEE: VIER LIEBLINGSORTE IN ZÜRICH DEUTSCHLAND UND POLEN GROSSE KLEINSTADT


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26

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Thailand

Gran Canaria

Philadelphia

4  Spartacus Traveler 03/2016


SPARTACUS TRAVELER

JULI – SEPTEMBER 2016

INHALT www.spartacusworld.com

Ostsee

34 TRAVEL 18 Philadelphia Die Straßen Philadelphias sind nicht umsonst weltbekannt: Sie sind Bühne schwulen Lebens, Open-Air-Leinwand für Künstler und Spiegel amerikanischer Geschichte.

Circuit

26 Gran Canaria Nirgends lernt man so schnell neue Freunde kennen wie in Maspalomas, besonders zu den großen Events wie dem Pride oder dem Karneval. Die Bedingung, um hier richtig Spaß zu haben: den Alltag loslassen und eintauchen in den schwulen Massentourismus.

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34 Ostsee Manchmal liegt das Gute gleich um die Ecke: Von Strand bis CSD und Insel bis Stadt hat die südliche Ostsee alles im Angebot, um mal so richtig auszuspannen. Vier Autoren stellen uns ihre Lieblingsorte vor.

Kapstadt

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Fotos: Philadelphia: PHL CVB; sonstige: siehe Zielseite

40 Thailand Internationale Gay-Festivals, Radtouren durch Bangkok, rosa Delfine und Luxusurlaub an der Westküste: Im schwulenfreundlichen Königreich Thailand ist Langeweile fast ein Ding der Unmöglichkeit. 50 Circuit Man hasst sie oder man liebt sie, in jedem Fall aber sind sie ein Ereignis: die riesigen Circuit-Festivals, die meist ein ganzes Wochenende andauern und zu denen tausende feierwütige Schwule anreisen. Wir haben uns das Konzept näher angeschaut und stellen vier Partys vor. 60 Kapstadt Am Kap der Guten Hoffnung lässt es sich gut leben: Kapstadts Restaurants zaubern erstklassige Qualität auf den Tisch, die momentan dank günstiger Wechselkurse absolut erschwinglich ist. Ein schwuler Gastro-Kritiker zeigt uns seine Favoriten.

GUIDES Philadelphia 24 Gran Canaria 30 Thailand 46 Kapstadt 64 International 67

STANDARDS Editorial 3 Contributors 6 Impressum 6 Termine 8 Inspiration 10 News 14 Media 32 Genuss 48 Party 58 Berlin Duty Free

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Insider 74 Köln

EXTRA Win!

16, 32

03/2016 Spartacus Traveler  5


TERMINE

weltweit2009

San Francisco Folsom Street Fair 25. September Du bist eine kleine Sau? Ein kerniger Bär? Ein braves Hündchen? Dann auf nach San Francisco! Die Folsom Street Fair ist das Fest schlechthin für Lederliebhaber, Master und Slaves. BDSM-Vorführungen unterschiedlicher Ausprägungen und Härtegrade tragen die dunkle Vielfalt sexueller Männergelüste in die sonnigen Straßen San Franciscos. Bereits am 31. Juli bringt dich „Up Your Alley“ auf den verdorbenen Geschmack: etwas kleiner, dafür härter und exklusiver. Hier spielst du besser nur mit, wenn du schon eine richtig große Sau bist! www.folsomstreetfair.com

8  Spartacus Traveler 03/2016

New Orleans Southern Decadence 31. August bis 5. September Die einst kleine, ironisch-dekadente Party, die Anfang der 1970erJahre gegründet wurde, ist heute ein riesiges Event, dessen diesjähriges Motto „Decadence Takes the World” durchaus ernst genommen werden kann. Im Unterschied zu vielen anderen großen schwulen Veranstaltungen in den USA liegt der Fokus nämlich auf männlicher Erotik und Sex. Nach dem Straßenspektakel mit bunt verkleideten Besuchern trifft man sich zur nächtlichen Hormonausschüttung beim Big Dick Contest oder zur Amateur Strip Night. www.southerndecadence.net

Texte: tov; Fotos: Montréal: Fierté Montréal; San Francisco: Folsom Street Events; New Orleans: Hosts New Orleans; Kopenhagen: Copenhagen Pride; Lissabon: Vanda Noronha; Queenstown: Gay Ski Week Queenstown

Montréal Fierté Montréal 8. bis 14. August Lebhaft und farbenfroh – so begrüßt Montréal seine Besucher zum zehnten Pride. In diesem Jahr sticht eine Farbe besonders hervor: Grün. Dies liegt nicht nur an den vielen Bäumen und Blumen der Metropole, sondern auch am Motto: Jedes Jahr sollen die Teilnehmer eine Farbe des Regenbogens interpretieren. Deshalb werden wohl besonders viele Naturburschen, ungeküsste Frösche und massig junges Gemüse beim Pride mitmarschieren. Und wem trotzdem der Stängel weich wird, keine Sorge: Sponsor der heißen Sause ist der Hersteller einer blauen Pille. www.fiertemontrealpride.com


Kopenhagen Copenhagen Pride 16. bis 21. August Seit Kopenhagen im Jahr 1996 Europäische Kulturhauptstadt war, feiert die Stadt mit dem Pride ausgiebig auch ihre schwule und lesbische Seite. Konzerte, Performancekünstler und Drag-Shows locken allabendlich zur Pride-Bühne und stimmen auf die große Parade am Wochenende ein. Das Motto „Joining People” verdeutlicht den Anspruch der Veranstalter: Nur geeint können wir Intoleranz und Diskriminierung von Minderheiten bekämpfen. Die jährliche Regenbogenwoche ist deshalb eine Feier der Unterschiede in der gesamten Gesellschaft. www.copenhagenpride.dk

Lissabon Queer Lisboa – International Queer Film Festival 16. bis 24. September Lissabon rollt im September den rosa Teppich für die internationalen Stars der wachsenden schwul-lesbischen, bi- und trans*Filmszene aus. Trotz des Fokus auf das Spezialthema queerer Filme ist die Genrevielfalt groß. Ob kurz oder lang, stringent erzählt oder so experimentell, dass das Gesehene erst nach dem fünften Glas Portwein Sinn ergibt: Cineasten werden sich hier wohlfühlen. Das älteste Filmfestival Lissabons ist zugleich eines der renommiertesten queeren Festivals weltweit. www.queerlisboa.pt

Queenstown Gay Ski Week 27. August bis 3. September In diesem Jahr wird Queenstown endgültig zur „Queens-Town”: Erstmals sind alle drei Skipisten der neuseeländischen Wintersportmetropole mit Regenbogen beflaggt und Teil des Winterpride. Der bewährte Mix aus Party, Show und „Man Candy” in den Neuseeländischen Alpen lädt zu sportlichen Abenteuern an Berghängen, im Tal und sogar zu Wasser und in der Luft ein. Schwule Männerherzen schlagen aber nicht nur in der spektakulären Natur schneller, sondern auch bei der Abschlussparty „Heroes & Villains”. www.gayskiweekqt.com 03/2016 Spartacus Traveler  9


TRAVEL

Kapstadt

Savoir-vivre am Kap der Guten Hoffnung

Kapstadts Restaurantszene lässt die meisten anderen Städte vor Neid erblassen. Und nicht nur die Qualität stimmt: Weil der Rand stark abgewertet hat, ist selbst ein Besuch in besten Restaurants so günstig wie noch nie. Ideal für ein Dinner zu zweit! Text und Fotos: Tobias Sauer

60  Spartacus Traveler 03/2016


L

angsam setzt sich der Glasaufzug am alten Silo der Old Biscuit Mill im angesagten und immer noch leicht verrufenen Kapstadter Stadtteil Woodstock in Bewegung. Er bringt uns bis direkt unters Dach. Von hier bietet sich eine fantastische Aussicht – auf die Stadt, übers Meer und hoch zum Tafelberg. Und hier residiert der Pot Luck Club, eines von Südafrikas besten Restaurants. Eine Bestellung quer durch dessen Karte gleicht einer kulinarischen Weltreise. Aufgeteilt ist das Menü nach Geschmacksrichtungen, neben den vier traditionellen – süß, sauer, salzig, bitter – findet sich auch umami auf der Karte, was sich vielleicht am besten mit „herzhaft“ übersetzen lässt. Vom Abschnitt „sauer“ überzeugt das peruanische Cerviche aus rohem, kleingeschnittenen Fisch mit einem ganz dezent scharfen Touch. Ein Höhepunkt aus dem Abschnitt „umami“ ist das extrem gute Chalmar-Rind aus Südafrika, das mit einer Caféau-Lait-Sauce serviert wird, die vier Tage braucht, bis sie richtig durchgezogen ist. Tolle Restaurants finden sich in Kapstadt fast an jeder Straßenecke. Daraus die wahren Perlen zu finden, hilft Seth Shezi. Der schwule 30-Jährige arbeitete als Analyst bei einer Versicherung, bis er im vergangenen Jahr seinen langweiligen Bürojob an den Nagel hing, um sich ganz seiner Leidenschaft zu widmen: der Gastroszene in Südafrikas Genusshauptstadt. Seither testet er neue Restaurants, schreibt in Zeitungen und im Internet darüber und hat sich eine große Fangemeinde auf Instagram geschaffen. Zum Frühstücken empfiehlt Seth das Hemelhuijs, dessen schwuler Besitzer in Johannesburg und auf Mauritius lebt. Das Hemelhuijs überzeugt sofort mit

Gastro-Kritiker Seth Shezi (rechts) mit seinem Mann. 03/2016 Spartacus Traveler  61


TRAVEL

Kapstadt

Schlemmen in Kapstadt: Tapas im Chefs Warehouse und Cocktails im Pot Luck Club (Mitte); Kellner in der Gin-Bar (links) und im Hemelhuijs (rechts).

62  Spartacus Traveler 03/2016


seinem coolen Design: Die Wände sind in einem angenehmen dunklen Grün gestrichen, braune Apothekerfläschchen in Regalen enthalten wohlriechende Gewürze, die man auch kaufen kann. Selbst die Tassen und Becher des Lokals sind speziell für das Hemelhuijs hergestellt. Neben den Frühstücksklassikern von Omelette mit selbstgebackenem Brot bis Kuchen machen einen die Säfte fit für einen Tag voller Sightseeing, etwa die überraschend leckere Kombination aus Kohl, Grapefruit und Birne. Seth, der ursprünglich aus Durban stammt, schätzt an Kapstadt nicht nur die tolle Restaurantszene, sondern auch das Leben in der Metropole, das er als Student intensiv kennengelernt hat. „Es gibt keine andere Stadt in ganz Afrika, die so liberal ist“, sagt er begeistert. „Sie erlaubt allen einen eigenen Platz zu finden – jedenfalls allen, die es sich finanziell erlauben können, einem eigenen Lifestyle zu folgen.“ Denn wie in allen Dritt-Welt-Ländern ist auch in Südafrika die Ungleichheit enorm, wie schon ein kurzer Blick auf die Armensiedlungen am Stadtrand zeigt. Das gute Leben steht nur der Mittel- und Oberschicht offen. Und den Touristen, besonders in letzter Zeit. Denn nach einigen Regierungsskandalen hat der südafrikanische Rand stark abgewertet, für Ausländer wurde das Leben deutlich billiger. Selbst ein Essen in Restaurants wie dem Pot Luck Club ist schon für 30 Euro drin.

Klee, der – natürlich – nicht nur gegen Liebeskummer wirkt, sondern auch gleich gegen Impotenz. So gestärkt kann es dann losgehen, zum Beispiel in die Crew Bar, wo hunderte Schwule aus dem ganzen Land auf mehreren Stockwerken und einer Terrasse zu Popmusik tanzen. Es gibt einen Chillout-Bereich und sogar einen kleinen Darkroom. Wer direkt auf der Suche nach Abenteuern ist, kann sich in der Lederbar Amsterdam umschauen oder die Sauna Hot House besuchen. Wer es ruhiger mag, besucht die Piano Bar – alles in Laufweite voneinander. Und wer auf der Tanzfläche oder an der Bar jemanden kennenlernt: Wie wäre es mit einer Einladung zum Essen am nächsten Tag? •

GUIDE Kapstadt

Das muslimische Viertel Bo-Kaap beeindruckt mit bunten Fassaden.

Die Vielfalt Kapstadts drückt sich nicht nur in der großen Auswahl an Restaurants aus. „Kapstadt ist auch Afrikas schwule Hauptstadt“, berichtet Seth, der mit seinem Freund hier lebt. Das schwule Leben konzentriert sich im Viertel Waterkant, unweit der Innenstadt, gleich um die Ecke vom Hemelhuijs. Auch hier kann man essen gehen, wenn auch etwas bodenständiger. Ein beliebter Treffpunkt am Abend ist die Bar Manhattan, die Klassiker wie Burger serviert. Vor dem Ausflug ins schwule Nachtleben sollte man sich aber unbedingt noch einen Cocktail in einer der individuell eingerichteten Bars gönnen, etwa der Gin Bar. Die versteckt sich in einem Hinterhof in der Nähe des muslimischen Viertels Bo-Kaap mit seinen kunterbunt angestrichenen Häuschen. Einen Cocktail bekommt aber nur, wer dem betörenden Duft der Chocolaterie Honest widerstanden hat, durch die man erst einmal hindurchgehen muss. Im Hof wurden einst Tote für die Beerdigung vorbereitet, heute rufen die Drinks hier neue Lebensgeister wach. Die Verkaufsschlager heißen hier „Ambition”, unter anderem mit ThymianZweigen und Zimt, der gegen überbordende Impulsivität hilft, und „Heart”, mit Rosmarin, Erdbeere und 03/2016 Spartacus Traveler  63


SPARTACUS TRAVELER Das schwule Reisemagazin Juli-September 2016