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Jochen Teuffel Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab.

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Jochen Teuffel

Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab. l ria ase Mate B n s nne ßtzte u r B ch is – ht-ges t n `fo yrig p Co

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de ial l abrufbar.

er se Ba s Mat n ne tzte run chüwurden B Soweit nicht anders angegeben, die Bibelstellen – ges is 1984 t t n der Lutherbibel Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, `fo yrigh p entnommen. Co

 2014 by `fontis – Brunnen Basel Umschlag: spoon design, Olaf Johannson, Langgçns Satz: InnoSet AG, Justin Messmer, Basel Druck: C. H. Beck, Nçrdlingen Printed in Germany ISBN 978-3-03848-011-2


Den Geschwistern der Praise Lutheran Church in der Mongkok Road, die es mir gezeigt haben …

Der Autor

al sel ateri a B sM en studierte Jochen Teuffel, geboren n1964, nach seiner Auste n ru chützEvangelische Theologie. B bildung zum Industriekaufmann is – ht-ges ont Dr. Promotion `fzum ig theol. Von 2002 bis 2008 von der pyr o Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern als Pfarrer C bzw. Dozent für Systematische Theologie an das Lutheran Theological Seminary in Hongkong entsandt. Seit Juni 2009 Gemeindepfarrer in Vçhringen/Iller (Kirchenkreis Augsburg).


Zwçlf Thesen zur Kirchensteuer 1. Die Kirche bekennt Jesus Christus als ihren Herrn: Ihre Handlungen und Ordnungen müssen sich deshalb an seinem Wort und Werk messen lassen. 2. Kirche ist kein Volk von Steuerschuldnern, sondern die Gemeinschaft aller Gläubigen, die unter und nach dem Evangelium leben. 3. Kirche lebt nicht von Abgaben der Gläubigen, sondern allein durch die Selbsthingabe Jesu Christi, die wir im Abendmahl empfangen.

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l ria 4. Die Lebensbeziehung, die Christus ase Mateschenkt, beB n seinem s Weg zu folgen fähigt Menschen, ihm auf nne ützte u r h werden. und selbst opferbereit sczu –B tis ht-ge n o f 5. Allein durch freiwillige Gaben kçnnen Christen ig ` pyr o C der Kirche unterstützen und daran den Auftrag Anteil gewinnen. 6. Freiheit und Nächstenliebe sind Grundpfeiler der christlichen Gemeinschaft. Gesetzliche Zwangsverhältnisse lassen sich nicht mit ihnen vereinbaren. 7. Kirchensteuer ist eine çffentlich-rechtliche Zwangsabgabe, kein freiwilliger Mitgliedsbeitrag. Man kann sich ihr als Kirchenmitglied nicht einfach entziehen.


8. Die Kirchensteuer steht im klaren Widerspruch zum Evangelium Jesu Christi und zu den evangelischen Lehrbekenntnissen. 9. Die Tatsache, dass getaufte Christen durch einen Austritt aus einer Kçrperschaft des çffentlichen Rechts generell vom Abendmahl ausgeschlossen werden, ist ein Skandal. Die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein durch Glauben wird damit in Frage gestellt. 10. Der Mammon droht, das Evangelium zu verl drängen: Je grçßer das Budget deraverfassten sel ateri a B Kirchen, desto mehr nEntscheidungen werden e ztes M n n t in Abhängigkeit rvom u Geld hü getroffen.

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ti t11. Das derzeitige `fon yrighKirchensteuersystem macht die p Landeskirchen zu Anstaltskirchen und verCo sperrt den Weg zum nachhaltigen Gemeindebau und zur Mission.

12. Ein Ausstieg aus der Kirchensteuerfinanzierung muss stufenweise erfolgen. Sein Ziel ist eine Kirche, die sich aus den freiwilligen Gaben der Gläubigen selbst finanziert und durch Umlagen übergemeindliche Dienste trägt.

Pfarrer Jochen Teuffel, Vçhringen/Iller


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Inhalt Zum Geleit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Solang das Geld im Kasten klingt & Warum die Abschaffung der Kirchensteuer ein Tabu ist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Mär von der Alternativlosigkeit . . . . . . . . . . . . . . Weiter so trotz berechtigter Zweifel . . . . . . . . . . . . . Eine verpasste Chance . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die verfasste Kirche sichert ihre Pfründe und entfremdet sich von ihren Mitgliedern. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

2. Zwang ist Freiheit & Wie Kirchenvertreter mit «Neusprech» al sel ateri die a B Sachverhalte verdrehen en . . . . .s. M. . . . . . . . . . .

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n tz. . . . . . . . . . . . . . . Kirchensteuer als Zwangsabgabe Bru. . .s.ch. .ü. . . . . . . . . . . . . . . . – Leben aus der Hingabe e tis hOrt t-gder Gabe . . . . . . . . . . . . . . . Der Gottesdienst ig `fon rals opy

C 3. Gottes Werk und Herrschers Beitrag & Warum kirchliche Zwangsabgaben eine historische Fehlentwicklung sind . . . . . . . . . .

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4. Mammon sticht Bekenntnis & Wie die Kirchensteuer die christlichen Grundlagen untergräbt . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Es geht auch ohne Zwang . . . . . . . . . . . . . Wenn einer sagt, wo’s langgeht. . . . . . . . . . Opfer statt Evangelium. . . . . . . . . . . . . . . Die ersten ertragsbezogenen Zwangsabgaben Der «Zehnt» aus Sicht der Reformation. . . . .

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Wie die Steuer wirklich entstand . . . . . . . . . . . . . . . . Die Einführung der Landeskirchensteuern . . . . . . . . . .

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5. Abendmahl nur für Clubmitglieder & Warum die kirchliche Vereinsmentalität verkehrt ist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 Ein Kirchenaustritt und seine Konsequenzen . . . . . . . . . Dabei sein ist nicht alles. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gesetz und Evangelium dürfen nicht vermischt werden. . .

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6. Kohle statt Commitment & Warum Zwangsabgaben zukunftsweisende Entscheidungen verhindern . . . . . . . . . . . . . . 88 7. Geht nicht, gibt’s nicht & Wie die steuerlich finanzierte Kirche zum l el ateria s a Dienstleister verkommtn .B. . . . . M . . . . . . . . . . . 100

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te Zurück zur Anstaltskirche unn. . h. .ü.tz. . . r B c Märkte gebären keine s ..... – Christen tis Evangelium t-ge . . . . . n Entfremdung vom h o f g ` ri Steuern im Namen opy Jesu Christi?. . . . . C

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8. Schafft die Kirchensteuer ab! & Wie die mutige Reform gelingen kann . . . . . . 115 Finanzierung in den Gemeinden. . . . . . . . . . . . . . . . . 117 Kirchengemeinden als Personalgemeinden . . . . . . . . . . 119 Ein Weg durch die Wüste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121

Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130

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Zum Geleit

Dies ist ein prophetisches Buch – es ruft auf zur Umkehr und zur Neubesinnung auf das Wesentliche des Glaubens der Christen. Ich wünsche mir, dass es in Haus- und Bibelkreisen, in Kirchenvorständen, Synoden und weiteren Kirchengremien gelesen, besprochen und im Gebet vor Gott gel bracht wird. Daraus sollte eine breite um die eria sel Diskussion t a a B sM n Zukunft unserer Kirchen erwachsen. ne tzte ü runund Es ist meine Hoffnung B – geschmein Glaube, dass der Heis i t tlige Geist uns igh «verfassten» Kirche in eine wahr`fonausyreiner p haftig «befreite» Co Kirche führen wird. Das dürfen wir dann 2017 als zweite Reformation in Dankbarkeit und Freude feiern. Albrecht Fürst zu Castell-Castell

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1. Solang das Geld im Kasten klingt &

Warum die Abschaffung der Kirchensteuer ein Tabu ist Rettet die Kirche! Was für ein plakativer Aufruf. Wer ihn unhinterfragt für bare Münze nimmt, kann schnell Gotteswerk und menschliches Organisationsvermçgen miteinander verwechseln. Schließlich bekennen ja evangelische Christen mit dem Kleinen Katechismus Martin Luthers, dass der Heilige Geist «die ganze l Christenheit auf Erden beruft, sammelt, heieria sel aterleuchtet, a B sM n ligt und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen nne ützte Brugeistgewirkte Glauben». 1 Kirche– als Heilsgemeinschaft ch gesals Menschenwerk mçglich. is ist hnicht t t n in Jesus Christus `fo yrig opChristen um «Kirchenrettung» geht, ist Wenn es C für damit nicht die geistbestimmte, unsichtbare Kirche gemeint. Es geht vielmehr um die menschenmachbare Organisation der sichtbaren Kirche. So reden wir ja auch von notwendigen und wünschenswerten Kirchenreformen gemäß dem evangelischen Leitspruch «ecclesia semper reformanda»: Kirche ist immer wieder neu zu reformieren, um dem Evangelium treu zu bleiben. Dazu ist im Sommer 2006 ein viel diskutiertes Impulspapier unter dem ansprechenden Titel «Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 13


21. Jahrhundert» verçffentlicht worden. Mit diesem Papier stellt sich der Rat der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) dem Anspruch «auch im 21. Jahrhundert die Kraft und Schçnheit des Evangeliums zum Leuchten [zu] bringen. Menschen sollen erfahren, was es heißt, aus der Freiheit des Glaubens zu leben». 2 Dazu will man die eigene Kirche einladender, freundlicher und geistlicher gestalten. Wo in diesem Impulspapier von der Kirchensteuer die Rede ist, wird ein Rückgang der Kirchensteuereinnahmen in Deutschland im Jahr 2030 auf die Hälfte nach heutigem Geldwert prognostiziert. In Frage gestellt wird sie freilich nicht. Vielmehr heißt ial gute und es: «Die Kirchensteuer ist in Deutschland sel aterdie a B sM 3 verlässliche Finanzierungsbasis en der teKirchen.» n z n t ru chü Für einen kirchlichen soll also die Kir– B gReformprozess es s i t t n chensteuer `nicht zur Disposition stehen. Wenn es um die fo yrigh p zukünftige Finanzierung geht, wird in der «Kirche der Co Freiheit» der Freiwilligkeit der Gläubigen nicht allzu viel zugetraut.

Die Mär von der Alternativlosigkeit Dabei sehen ja die eigenen Mitglieder selbst die Kirchensteuer mehr als nur kritisch. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap vom Oktober 2013 ergab, dass 58 Prozent der evangelischen 14


Kirchenmitglieder gegen die Erhebung von Kirchensteuern unter Mitwirkung des Staates sind. 4 Und wenn Gründe für einen Kirchenaustritt erfragt werden, wird die Kirchensteuer als einer der drei Hauptgründe genannt. Man kçnnte also annehmen, dass in Gemeinden und Synoden, unter Pfarrerinnen und Pfarrern sowie in den Konsistorien und Landeskirchenräten über alternative Formen der Kirchenfinanzierung eine intensive Debatte geführt wird. Das Gegenteil ist der Fall. Das kirchenamtliche Mantra heißt: «Es gibt bei uns keine Alternative zur Kirchensteuer». Eine offene Diskussion findet nicht statt. Wo kämen wir denn da hin? rial Wer innerhalb der eigenen Kirche eKirchensteuer sel die t a a B s M den Unmut von offen in Frage stellt, ziehtnsich en mitunter te n u ütz Kirchensteuer çffenth Kirchenleitungen – zu. nicht Br«Bitte c s tisIn Sachen t-ge Kirchenfinanzierung müssen n lich kritisieren. h o f g i ` pyr wir schließlich Co nach außen hin mit einer Stimme sprechen.» Dahinter zeigt sich ein paternalistisches Kirchenverständnis: «Wir sind Kirche, wir wollen selbst bestimmen, was wir unseren Kirchenmitgliedern für unsere Finanzierung zumuten dürfen.» Die Kirchensteuer einfach für «alternativlos» zu erklären, ohne ernsthaft nach Alternativen zu suchen, ist kein Zeugnis vorausschauender Kirchenleitung. Man tut der eigenen Kirche damit keinen guten Dienst. Wenn in Deutschland 23 Millionen Menschen Mitglied einer 15


evangelischen Landeskirche sind, kann eine innerkirchliche Diskussion um die Kirchensteuer nur in aller Öffentlichkeit geführt werden. Und wenn offensichtlich mehr als die Hälfte der eigenen Kirchenmitglieder gegen die Erhebung von Kirchensteuern sind, sollte keine Kirchenleitung einfach behaupten dürfen: Wir als Kirche wollen an der Kirchensteuer festhalten.

Weiter so trotz berechtigter Zweifel Man scheint sich ja innerhalb der verfassten Landeskirchen durchaus bewusst zu sein, dass Kirchensteuer rial trotz grundgesetzlicher Verankerung ewesentliches sel als t a a B s Mauf unbestimmte Mittel der Kirchenfinanzierung en znicht te n n üt Welches Ausmaß an ru kann. h Zukunft funktionieren B c is – ges kirchlicher `fEntfremdung ont right- in Deutschland mçglich ist, opy zuletzt in den çstlichen Bundeslänwird einem C nicht dern vorgeführt. In Privatgesprächen zeigen sich Mitglieder von Kirchenleitungen durchaus kritisch über den Fortbestand der Kirchensteuer in Deutschland. Aber die Befürchtung besteht, dass eine kirchliche Diskussion über die Kirchensteuer den Prozess ihrer Abschaffung beschleunigen würde: «Wenn wir schon selbst an der eigenen Kirchensteuer zweifeln, verliert diese ihren letzten Rückhalt.» Als befänden wir uns in Sachen Kirche in einem 16


schneebedeckten Steilhang, wo der «Fehltritt» eines leichtsinnigen Tourengehers die Schneelawine ins Rutschen bringt, die schlussendlich uns alle begräbt. In der Tat ist die Legitimität von Kirchensteuern innerhalb der Kirche Jesu Christi hçchst fraglich. Wer kann denn schon behaupten, dass sie christuskonform, also im Sinne Jesu Christi ist. Die Schwierigkeit ist jedoch, dass scheinbar zu viel an der Kirchensteuer hängt, seien es Beschäftigungsverhältnisse oder aber der Unterhalt von Immobilien. Damit sind aber nicht mal Caritas und Diakonie gemeint, die sich wie andere Träger der freien Wohlfahrtspflege auch im Wesentlichen unter marktwirtschaftlichen l Bedingungen selbst finanzieren müssen. eriaDisposition sel atZur a B sM stehen vielmehr innerkirchliche en zteBeschäftigungsverhältn n t nisse in Gemeinden, Binrukirchlichen chü Werken und Diensten s – e tis t-g sowie in denfoKirchenämtern. ` n yrigh p Diese sind Coentweder çffentlich-rechtliche Dienstverhältnisse in Anlehnung an das staatliche Beamtentum, wie etwa bei Pfarrerinnen und Pfarrern, oder aber sind an die tariflichen Bestimmungen des çffentlichen Dienstes angelehnt. Und genau da fängt eigenes Rechnen und manches Bangen an: Kçnnen unsere Beschäftigungsverhältnisse im bisherigen Umfang und in der bisherigen Besoldung und Entlohnung ohne die Kirchensteuer fortgeführt werden?

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Eine verpasste Chance Es gab eine Zeit, da hätten Kirchenleitungen im eigenen Land lernen kçnnen, wie es ohne Kirchensteuer weitergeht: 1990, nach der Wende. In den ostdeutschen Landeskirchen herrschten damals große Vorbehalte gegen die Einführung der Kirchensteuer nach westdeutschem Muster. Schließlich existierte in der DDR über Jahrzehnte hinweg weder eine staatliche Mitwirkung noch eine Zwangsvollstreckungsmçglichkeit von kirchlichen Steuern. Da jedoch eine Angleichung der Dienstverhältnisse an die westlichen Landeskirchen offensichtlich nicht aus eil genen Kirchenbeiträgen zu finanzieren eria wurde sel atwaren, a B sM man sich kirchlich und staatlich en einig. n zte Die Kirchensteuer n t u ü r h çstlichen Landeskirchen wurde schnellstmçglich B insden e c g is –Folge, t t n eingeführt, `mit der dass es – entgegen der Erwarfo yrigh p tung eines kirchlichen Aufbruchs – zu gehäuften KirCo chenaustritten kam. Bis heute kçnnen sich die ostdeutschen Landeskirchen trotz Erhebung eigener Steuern nicht selbst finanzieren und sind weiterhin auf großzügige Finanzhilfen aus Kirchensteuermitteln der westlichen Landeskirchen angewiesen. Diese innerdeutsche kirchliche Solidarität ist nicht etwa christlicher Selbstlosigkeit geschuldet, sondern dient wesentlich dem çkonomischen Eigeninteresse der Landeskirchen in Westdeutschland. Fiele nämlich die ge18


bietskçrperschaftsähnliche Organisation der verfassten Kirchen in Ostdeutschland und entstünden an ihrer Stelle Freiwilligkeitskirchen, wäre der Fortbestand der bisherigen steuerfinanzierten Kirchenorganisation im Westen auch in Frage gestellt. Man nimmt in den verfassten Landeskirchen eher in Kauf, dass Menschen weiterhin wegen der Erhebung der Kirchensteuer standesamtlich aus der Kirche austreten, als dass man alternative Formen von Mitgliedschaft oder von Kirchenfinanzierung diskutiert oder erprobt. 5

Die verfasste Kirche sichert ihre Pfründe al und entfremdet sich von ihren sel Mitgliedern teri

a a n B tes M e n ütz run zu Was in besonderem Maße geben muss, ist die B chdenken s – e is ht-g t n zunehmende Entfremdung der kirchlichen Strukturen `fo yrig p von ihren jeweiligen Kirchenmitgliedern. Ein aufschlussCo

reiches Beispiel ist die Zusammensetzung der aktuellen Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, die sich im März 2014 konstituiert hat. Von den 105 stimmberechtigten Mitgliedern stehen 50, also fast die Hälfte in einem besoldeten Dienstverhältnis zur Kirche, der Diakonie oder einem kirchlichen Werk. Immer weniger echte «Laien» scheinen bereit zu sein, sich synodal zu engagieren, im Gegensatz zu denjenigen, die der Kirche beruflich verbunden sind. 6 Diese haben ja ein finanzielles Eigeninteresse bezüglich des landeskirchli19

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Jochen Teuffel: Retted die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab.  

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