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unterwegs Die Mitarbeiter- & Kundenzeitschrift von Brüggli Ausgabe Nummer 32, November 2014

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www.unterwegs.brueggli.ch

Campus+

Industrie

Tätowierungen

Das neue Wohnhaus lebt: Wie läuft der 24-Stunden-Betrieb?

Recycling zum Umhängen: Aus Warnwesten werden Taschen.

Symbole auf der Haut, meist für immer: Was ist der Reiz daran?

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Inhalt

10-21 Eröffnung Campus+ Vollendet, mit Leben gefüllt und eingeweiht: Das Wohnhaus Campus+ ist ein weiterer Meilenstein für Brüggli. Wie kommen die Leitenden mit dem 24-Stunden-Betrieb zurecht? Wie gefällt's den jungen Bewohnerinnen und Bewohnern? Und was hat es mit dem Fotoprojekt «Romanshorner Perspektiven» auf sich?

Recycling zum Umhängen

Impressum Idee, Konzept, Redaktion : Michael Haller Mitarbeit : Predrag Jurisic, Daniel Köppel Layout-Konzept, Satz: Regina Furger Bild : Regina Furger, Mirjam Rickenbach, Kevin Graber Titelbild : Arrangiert von Regina Furger mit einem Bild von Roger Nigg Fotos : Fotostudio Bühler, Shutterstock und Private Druck, Auflage : Brüggli Medien, 2500 Ex. Herausgeber : Brüggli, 8590 Romanshorn www.brueggli.ch, www.unterwegs.brueggli.ch

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Unter die Haut

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Die Lern-Zukunft liegt im Spiel Partnerschaft am Beispiel der Ostschweiz Druck AG Nachgefragt: Was tun Sie für Ihren Frieden? Brügglianer: 10 Fragen an … Sozialbegleiter im Einsatz Den Pilzen auf der Spur Information = Motivation Mit Hoffnung nach Gambia Verlosung: Ihre Illustration Unser täglich Fleisch Humor für die Hausapotheke Andreas, der Lebensmeisterer Auch das noch: Das Announcement Dies & Das Unser Partner: Genossenschaft Kornhaus Rätsel: Wer findet die fünf Unterschiede? Jubilarinnen und Jubilare

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Unterwegs für das ganze Stück Das ist Musik, endlich. Zwischen dem Geschwätz, dem Werbebrei und den Staumeldungen spielt das Radio «Purple Rain» von Prince. Der Refrain hat zum zweiten Mal den Raum geflutet, das Gitarrensolo kündigt sich an. Rasch das Volumen aufgedreht, voller Vorfreude, auf dass der purpurne Regen und die wimmernde Gitarre dich mit den Widersprüchen des Alltags versöhnen mögen. Aber da kommt nichts. Und nichts ist viel. Noch mehr Geschwätz nämlich. Die Moderatorin hat das Lied abgedreht, einfach so, mittendrin, um wieder aufgesetzt-fröhlich zu plappern. Junge Frau, was tun Sie da? Sie haben ein Meisterstück abgewürgt. Aus, vorbei, bevor es richtig angefangen hat. «Purple Rain» erschliesst sich einem erst, wenn man es ganz gehört hat. Das Gitarrensolo ist das grosse Finale, wo sich eins zum andern fügt und Gitarrenfreunde feuchte Augen bekommen. Man stelle sich einen Film vor, einen richtig guten, der beendet wird, bevor die Geschichte zu Ende ist, oder ein spannendes Buch, in dem dir kurzerhand die alles erklärende Auflösung vorenthalten wird, oder

eine Bergwanderung, auf der man wenige Schritte vor dem grossen Aussichtsplateau zur Umkehr gezwungen wird. Genau: Der Weg ist nicht das Ziel. Es ist erst vorbei, wenn’s vorbei ist. Und erst die ganzheitliche Betrachtung lässt uns das gesamte Stück verstehen. Bei Brüggli gilt das auch in der Betreuung junger Berufsleute, die über den Berufsalltag hinaus auf ein gutes Umfeld angewiesen sind. Dieses «unterwegs» ist Campus+ gewidmet, der Einweihungsfeier, der Architektur, dem Leben in den neuen lichtdurchfluteten Gemäuern. Es erzählt von Leuten, die zuhören können; es versucht Anfang und Ende zu beleuchten, und es hat wie immer den Anspruch, Ihnen mehr als nur Geschwätz aufzutischen. Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation

PS: «unterwegs» hat eine Auffrischung erfahren: mehr Gliederung, mehr Leserführung, noch mehr Vielfalt statt Einfalt. Es freut mich, wenn es Sie freut.

«unterwegs» in Ehren Brügglis Mitarbeiterund Kundenmagazin gewinnt eine weitere Auszeichnung: diesmal eine «Silberne Feder» in der Kategorie «Betriebsjournalistische Texte», verliehen vom Schweizerischen Verband für interne Kommunikation (SVIK). Er würdigt

die Titelgeschichte unserer letzten Ausgabe: «Vom Kampftrinker zum Kampfkünstler». Brüggli ist mit dieser Auszeichnung in bester Gesellschaft, auf Platz 2 zwischen Novartis und Credit Suisse. Es ist die dritte Auszeichnung in Folge für «unterwegs» und Brüggli: 2011 verlieh uns der SVIK eine «Goldene Feder» für das Magazin insgesamt. Und 2013 konnten wir eine «Silberne Feder» in der Kategorie «Konzepte und Strategien» entgegen nehmen.

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Lernen

Die Lern-Zukunft liegt im Spiel Wer kennt das nicht: Lernfrust statt Lernlust. Und das, obschon in allen Menschen ein innerer Spieltrieb mit einer gesunden Portion Neugier steckt. Genau diese Begebenheit macht sich das Lernen der Zukunft zu Eigen. Die Rede ist von «Gamification», der Art und Weise, spielfremde, theoretische oder komplexe Arbeitsfelder und Problemlösungsprozesse spielerisch anzugehen. Das Ziel solcher Spiele ist es, die Teilnehmenden länger an einen Denk- oder Problemlösungsprozess zu binden, sie zu motivieren und zu belohnen. Auf diese Weise kommen die Spielenden innert kürzester Zeit zu kreativen Weiterentwicklungen. Dabei spielen der Erfahrungsaustausch und die Interaktion ebenfalls eine grosse Rolle – zum Beispiel über Ranglisten, Vergleichsmöglichkeiten oder über ein Quiz. Von Medizin bis Werbung Gamification ist im Alltag bereits angekommen – ob in der Medizin oder in der Werbung: Während Coca Cola zur Premiere von «Skyfall» eine JamesBond-Szenerie an einem Bahnhof öffentlich arrangiert und in Passanten den 007-Agenten entfesselt, hat die Medizin dank einem Spiel die Struktur von AIDS-Enzymen geknackt, indem das Spiel «Foldit» entwickelt wurde. Bei diesem Spiel gilt es, Enzyme möglichst gut zu falten – so, wie sie in der Natur vorkommen. Innert weniger Wochen haben es Teil-

nehmende von «Foldit» geschafft, das Rätsel zu lösen, an dem sich die Medizin jahrelang die Zähne ausgebissen hatte. Und das anhand eines Spiels, das die Schwarmintelligenz der vielen Spielerinnen und Spieler genutzt hat. Ein Spiel für den Ausgang Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) haben eine Game-App namens «After Party» entwickeln lassen, um Jugendliche im Umgang mit Alkohol zu sensibilisieren. Das Spiel simuliert das Betrunkensein nach dem Ausgang und fordert die Spielenden auf, auf dem Heimweg allen alkoholischen Angeboten zu trotzen und parallel ein Quiz zu lösen. Zur Motivation sind die Teilnehmenden miteinander vernetzt und sehen in einer Rangliste, wer wie viele Punkte geholt hat. Verkanntes Potenzial Während in den USA und in Finnland Game Studies längst etabliert sind, werden sie hierzulande noch zu wenig als Kunst-, Innovations- und Wirtschaftszweig anerkannt – ähnlich wie die Filmindustrie

früher. Dies mag in erster Linie daran liegen, dass Computerspiele allgemein auf das schlechte Image der «Ballerspiele» reduziert werden. Dabei ist das Potenzial bei sogenannten «Serious Games» – also ernsthaften Spielen – nicht zu unterschätzen, wie das Beispiel von «Foldit» zeigt. Ihren Ursprung haben Serious Games im Flugsimulator, anhand dessen Pilotinnen und Piloten verschiedene Flugsituationen gründlich lernen können. Die Anwendungsbereiche sind jedoch für Serious Games oder Lernspiele keineswegs limitiert – ob nun in der Jugend- und Erwachsenenbildung, im Gesundheitswesen und Sport oder in der Entwicklung neuer Produkte für den Markt. Erfolgreiches Lernen durch Spielen Das Wort für «Schule» hiess in der römischen Antike «ludus», was jedoch auch öffentliche Spiele, Schau- und Theaterspiele, Wettkämpfe, Spiel und Spass bedeutete. Das Spiel als Lern- und Erfahrungsmethode ist also uralt. Trotzdem findet in der modernen Bildungspraxis noch häufig abstrakter und theoretischer Unterricht statt, der kräftig an der

Montessori-Methode pju. Begründet wurde dieses pädagogische Bildungskonzept durch die italienische Medizinerin Maria Montessori. Das Konzept stellt primär die individuellen Ressourcen sowie die Lernneugier eines Kindes in den Unterrichtsvordergrund, bei dem das Kind die Lerninhalte selbst bestimmt, die es in einer vorbereiteten Lernumgebung vorfindet. Nach einer

Einführung durch die Lehrperson ist das Kind in der Lage, sich die Lernangebote selbst anzueignen. Die Lehrperson übernimmt dabei eine Coachingfunktion und unterstützt das Kind anhand von Beobachtungen und geeigneten didaktischen Lernhilfen auf dem Weg des Entdeckens – getreu dem Leitsatz «Hilf mir, es selbst zu tun».

Weitere Infos zur Montessori-Pädagogik: Assoziation Montessori Schweiz / http://www.montessori-ams.ch


Das Spiel als Lern- und Erfahrungsmethode ist uralt. In der heutigen Praxis kommt es zu kurz.

Lernmotivation mancher Schülerinnen und Schülern nagt. Doch es gibt auch alternative Lehrmethoden – wie z.B. das Rollenspielkonzept des dänischen Internats Østerskov Efterskole, in welchem die Lehrpersonen bestimmte Rollen einnehmen und dadurch mit den Klassen in eine Welt der Erfahrung und Interaktion eintauchen, um ein Thema zu erarbeiten – sei das ein Dialog über die Schwerkraft mit dem Mathelehrer in der Rolle des Archimedes oder ein Interview auf Deutsch mit einer RAF-Terroristin, die von der Deutschlehrerin gespielt wird (mehr Infos zu dieser Schule unter zeit.de, Stichwort Østerskov Efterskole). Unkonventionell erfolgreich Dass ressourcenorientierte, spielerische und experimentelle Methoden wie die Montessori-Methode (s. Kästchen) erfolgreiche und innovative Persönlichkeiten hervorbringen, beweisen die beiden Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page – beides Montessori-Schüler. Der verspielten und experimentellen Art verschreiben

sie sich auch heute noch, indem sie Google als Arbeits- und Spielplatz für Ideen eingerichtet haben und Mitarbeitende dazu motivieren, über unkonventionelle Herangehensweisen Neues zu entdecken. Weitere prominente Montessori-Kinder: die jüdisch-deutsche Tagebuchschreiberin Anne Frank und Amazon-Chef Jeff Bezos.

Predrag Jurisic Fachspezialist PR

Auch Brüggli arbeitet mit seinen Klientinnen und Klienten ressourcenorientiert, ganzheitlich und vielseitig und versucht, die Stärken der einzelnen Personen zu fördern, um so den Integrationsweg in den ersten Arbeitsmarkt zu ebnen.

Weiterführende Infos Gamification: http://de.wikipedia.org/wiki/Gamification SRF: http://www.srf.ch/wissen/digital/gamification-wenn-die-reale-welt-zum-spiel-wird Coca Cola auf YouTube, Stichwort «Unlock the 007 in you. You have 70 seconds!» Stanford University, Folding@Home: https://folding.stanford.edu/home/ Serious Game: http://de.wikipedia.org/wiki/Serious_Game YouTube, Almost Daily #110, Stichwort «Videospiele mit Prof. Dr. Breitlauch» Montessori-Pädagogik: http://www.montessori-ams.ch

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«Sehr gut, unkompliziert und nett» Engagierte Partnerbetriebe sind unerlässlich für Brügglis Integrationsarbeit. Einer dieser Partner ist die Ostschweiz Druck AG, wo derzeit ein Klient von Brüggli Medien als Korrektor arbeitet. Was bringt’s? Politik und Gesellschaft fordern ein Engagement der Betriebe, um der Arbeitslosigkeit und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Im Spannungsfeld von sozialem Engagement, Wirtschaftlichkeit und Nachwuchsförderung werden immer wieder betriebliche Grenzen erreicht. Brüggli hat einen Lösungsansatz erarbeitet. Die Lernenden von Brüggli absolvieren mit Unterstützung der Arbeitsassistenz Praktikumseinsätze in Wirtschaftsunternehmen. Wer sind diese Partnerfirmen? Was bewegt sie, unseren Auszubildenden einen Einblick und Arbeit in ihrer Firma zu gewähren? Welche Erfahrungen sammeln die Arbeitgeber

und die Praktikanten miteinander? Wir gehen diesen Fragen auf den Grund. Regelmässige Zusammenarbeit Jürg Bütikofer ist Abteilungsleiter der Druckvorstufe der Ostschweiz Druck AG, einem mittelgrossen Druckunternehmen in Wittenbach SG − seit 2011 Partnerfirma von Brüggli. Brüggli fragte ihn an, ob ein Polygraf ein Praktikum bei ihm absolvieren könne. Jürg Bütikofer dachte sich, es könne nichts schaden – und so lernte man sich kennen. Der gegenseitige Eindruck war positiv, und so wurden ein mehrwöchiger Einsatz vereinbart und wichtige Ziele definiert, in diesem Fall vor allem die Vorberei-

Mittlerweile läuft das 17. Praktikum in der Ostschweiz Druck AG.

Prüfende Blicke mit Jürg Bütikofer (links) von der Ostschweiz Druck AG

tung auf die Abschlussprüfung und das Arbeiten unter Zeitdruck. Am Ende des Wirtschaftseinsatzes konnte eine erfolgreiche Bilanz gezogen werden, und mittlerweile läuft das 17. Praktikum in der Ostschweiz Druck AG. Auch schon kam es zur Festanstellung – das ist eine optimale Integrationsarbeit. «Ich profitiere vom Erfahrungsschatz» Ein Klient von Brüggli Medien arbeitet seit Juni 2014 einen Tag pro Woche bei Jürg Bütikofer. Das ist ungewöhnlich; normalerweise arbeiten die Praktikanten die ganze Vertragsdauer über nur im Partnerbetrieb. Der Klient von Brüggli Medien beginnt im kommenden Frühling seinen Fernkurs mit Ausbildung zum Korrektor und ist überzeugt, dass seine Erfahrungen als Korrektor im Praktikum zusammen mit der Tätigkeit bei Brüggli Medien eine gute Vorbereitung dazu sind. Die Arbeit in Witten-


Praktikant und Arbeitgeber sind sich einig: Es lohnt sich für alle.

bach gefällt ihm sehr gut: «Ich bin ins Korrektorat eingebunden und profitiere vom Erfahrungsschatz und dem Fachwissen der Mitarbeiter. Es bedeutet mir sehr viel, dass ich Wertschätzung und Anerkennung erhalte.» Der Zeitdruck sei grösser, und es sei mehr Flexibilität gefragt, meint er.

In stetiger Begleitung Zum Erfolg trägt auch der Jobcoach bei. Er bereitet die Arbeitseinsätze vor und begleitet sie. Der Partnerbetrieb und auch die Lernenden haben dadurch eine Ansprechperson, die anstehende Fragen klärt. Der Jobcoach kennt die verschiedenen Betriebsbereiche und nimmt auch die Interessen der Betriebe wahr. Im Vordergrund stehen die Arbeitsleistung und Fachkompetenzen. Jürg Bütikofer beschreibt die Zusammenarbeit mit dem Coach als «sehr gut, unkompliziert und nett».

Ein Praktikum ist die konsequente und unverzichtbare Ergänzung zur Ausbildung.

Jürg Bütikofer freut sich, dass seine bisherigen Erwartungen sehr gut erfüllt wurden. «Mit dem Druck, der bei uns herrscht, konnten die Praktikanten gut umgehen. Mit dem Arbeitstempo hatten sie am Anfang Mühe, das kam aber mit der Zeit. Mit ihrer Arbeit war und bin ich sehr zufrieden. Sie integrierten sich auch sehr schnell ins Team, was ich sehr wichtig finde.»

ebenso wie die Motivation, das Engagement und das Interesse an Neuem. Das benötigt es von allen Beteiligten, am meisten nach wie vor von den Lernenden. Die Wertschätzung und Anerkennung, die ihnen dann zuteil wird, stärkt ihre Persönlichkeit, lässt sie erwachsen werden und reifen und gibt ihnen Selbstvertrauen für ihren weiteren Lebensweg. Doris Schütz Mitarbeiterin Arbeitsassistenz

Was also macht einen erfolgreichen Wirtschaftseinsatz aus? Sicherlich das gegenseitige Vertrauen

Ostschweiz Druck AG, Wittenbach pd. Ursprünglich ein traditionelles Druck- und Verlagsunternehmen, wurde die Ostschweiz Druck AG im Jahr 1998 unter dem bisherigen Management verselbständigt. Ausgerüstet mit topmodernen Bogenoffsetmaschinen bietet die Ostschweiz Druck AG als Generalunternehmen individuelle Lösungen aus einer Hand. Rund um die Uhr ist beste Druckqualität garantiert, und die Buchbinderei sorgt mit

effizienten Ausrüst- und Versandmaschinen für die professionelle Weiterverarbeitung und Vollendung. Von der Bildbearbeitung über die Satzherstellung, von der Produktion bis zum Versand: Die Ostschweiz Druck AG unterstützt ihre Kunden mit gebündeltem Wissen und viel Erfahrung. Das umfasst folgende Dienstleistungen: Duckvorstufe, Offsetdruck, Ausrüsten/Versand, Abo- und Adressverwaltung.

Jürg Bütikofer schätzt die Zusammenarbeit mit Brüggli. Mittlerweile läuft bei ihm das 17. Praktikum.

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«Was tun Sie für Ihren Frieden?» Den Kanal voll? Den Puls auf 180? Den mentalen Drehzahlmesser im roten Bereich? Unsere Umfrage zeigt, was Einzelne für ihr inneres Gleichgewicht tun.

Mark Lampert Printmedienverarbeiter EBA Wenn ich meinen Frieden suche, muss ich ungestört und alleine in meiner Wohnung sein. Die innere Stille ist für mich während der Arbeit wie auch unter den Leuten sehr wichtig. Deshalb ist mein Auftreten eher ruhig und nicht darauf bedacht, eine «Show» abzuziehen. So kann ich mich konzentrieren.

 otiert : Daniel Köppel N Mitarbeiter Unternehmenskommunikation Bilder: Natasha Larocca

Francesco Garieri Büroassistent EBA, 1. Lehrjahr Wenn ich von Gedanken überflutet bin, gehe ich an einen Ort, an dem ich alleine bin, und atme tief durch. Geschieht dies während der Arbeit, sitze ich auf einem Stuhl und versuche, sämtliche Gedanken auszublenden, indem ich bewusst auf mich selbst höre und mir eine Leere vorstelle.

Florian Schäuble Büroassistent EBA, 1. Lehrjahr In angespannten Situationen versuche ich, einen klaren Kopf zu bewahren, indem ich mich über den Sinn des Nervöswerdens Gedanken mache und mich frage, ob es gute Gründe dafür gibt. Da diese meist nicht angebracht sind, stellt sich in mir eine Ruhe ein. Ich denke, dass man sich oft vieles einbildet.

Katharina Keller Mitarbeiterin Printmedienverarbeitung Ich war früher oft segeln; das Element Wasser ist mir wichtig. Ich habe das Glück, dass ich am See wohne, und so gehe ich oft dem See entlang spazieren. Er gibt mir die Ruhe, die ich im Alltag brauche. Im Weiteren vermitteln mir meine beiden Katzen das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein.

Monika Reber Mitarbeiterin Textil Am besten kann ich runterfahren, wenn ich nichts mache. Dies tue ich liegend und ganz ohne Nebengeräusche. Eine weitere Methode, um Stress abzubauen, ist für mich das ziellose Strampeln auf dem Velo durch die Gegend. Im Geschäft hilft oft das Reden mit den Vorgesetzten.

Larissa Badertscher Praktikerin PrA Restauration, 2. Lehrjahr Wenn ich im Betrieb meine Ruhe brauche, gehe ich unter Einwilligung meines Chefs Servietten falten oder putzen. Zu Hause finde ich meinen Frieden in meinem Zimmer, wo ich die Musik aufdrehe, oder indem ich mit meinem Hund spazieren gehe. Mit ihm kann ich mich entspannen.

Sascha Werner Kaufmann EFZ, 2. Lehrjahr Ich mache seit rund elf Jahren selber Musik und kann mich jeweils bis zu drei Stunden am Stück damit beschäftigen, um runterzufahren. Zudem meditiere ich jeden Abend, indem ich eine Tages-Rückblende mache, um mir vor Augen zu halten, was gut und was weniger gut war. So kann ich den Tag abschliessen.

Andrea Müller Leiterin Verkaufsdienste Backoffice Den inneren Frieden finde ich bei mir zu Hause mit meinen beiden Pferden. Wenn ich mit ihnen ausreite, kann ich sehr gut abschalten. Mit der Verantwortung, die ich ihnen gegenüber trage, gebe ich ihnen etwas, und sie geben mir etwas zurück. Man spürt ihre Ruhe richtiggehend.

Daniela Ulrich Mitarbeiterin Integrationsmassnahmen Eine Möglichkeit, um zu mir selbst zu kommen und negative Stimmungen positiv zu beeinflussen, bietet für mich die Musiktherapie. Mit Instrumenten, auf denen ich intuitiv musiziere, verleihe ich diesen Stimmungen Ausdruck und löse Blockaden. Ich schöpfe damit viel Kraft und Energie.


Brüggli

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10 Fragen an :

Barbara Schiavo und Pascal Cattilaz An dieser Stelle lernen Sie jeweils zwei Brüggli-Leute etwas näher kennen. Diesmal Barbara Schiavo, Fachleiterin im Technischen Büro, und Pascal Cattilaz, Fachleiter in der Logistik.

Ein Geruch, auf den Du sofort reagierst: Barbara: feines Parfüm. Pascal: Especially Escada Eau de Parfum. Eine Sportart, bei der Du gerne zusiehst: Barbara: Fussball. Pascal: Wasserball und Motorsport. Ein Gebäude oder Wahrzeichen, das Du gerne von Deinem Schlafzimmerfenster aus sehen würdest: Barbara: den Eiffelturm. Pascal: die Kapellbrücke in Luzern. Wann warst Du zum letzten Mal richtig glücklich? Barbara: Heute Morgen, als mich meine Mädchen zum Lachen brachten. Pascal: Als ich mit meinem Boot auf dem Bodensee war. Der Sänger, die Sängerin oder die Band, die Du momentan am häufigsten hörst: Barbara: Adele, Pegasus, Keane. Pascal: Schwierig zu sagen ... Helene Fischer, Andreas Gabalier, David Guetta, die Fantastischen Vier, alles, was so im Radio läuft. Welchen Wunsch möchtest Du Dir unbedingt erfüllen? Barbara: ein Haus am Meer. Pascal: eine Weltreise.

Wenn Du einen Tag die Welt regieren könntest, was würdest Du dann ändern? Barbara: Waffenstillstand und Frieden, Reich gibt an Arm, Nahrung und Bildung für alle. Pascal: Nahrung, sauberes Trinkwasser und Gesundheit für alle Menschen. Wenn Du einen eigenen Fernsehsender hättest, was würde darauf laufen? Barbara: Mode, Musik und gute Filme. Pascal: The Simpsons, King of Queens, Boardwalk Empire, Automagazine (Grip) und gute Actionfilme/Horrorschocker. Was ist das beste Gerücht, das Du über Dich gehört hast? Barbara: keines, zum Glück. Pascal: Es ist mir noch nichts zu Ohren gekommen … Beschreibe Dich in drei Worten: Barbara: ordnungsliebend, hilfsbereit, freundlich. Pascal: jung, dynamisch und ehrgeizig. Notiert: mha Bild: Roger Nigg

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+ Campus

Freude am Campus+ Brüggli feierte den gelungenen Neubau von Campus+, dem Wohnhaus für junge Lernende, mit zwei schönen Besuchstagen im September.

Bilder: Natasha Larocca und Yannick Müller

mha. Es gab Djembé-Klänge, ein Konzert von Crispy Dee & Band und viel Gelegenheit, durch die modernen, lichtdurchfluteten Räume zu schreiten. Alle konnten sehen: Im Campus+ ist Leben eingekehrt.


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Vom Campus+ in die Welt hinaus: Am Tag der offenen Tür konnten die Besucherinnen und Besucher solche Postkarten versenden.

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+ Campus

Der Bau spricht Campus+ lebt von klaren Linien. Diese Doppelseite unterstreicht die konsequente Architektur. Künstlerischdokumentarisch wird das Gebäude inszeniert – auf dass die Bilder von einem gelungenen, modernen Bauwerk erzählen.


Fotos: Romeo Mori

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+ Campus

Ein neuer Rhythmus Es ist Leben eingekehrt im Campus+. Wie gestaltet sich der Alltag mit 24-Stunden-Betrieb? Zvonko Pezelj, Leiter Wohnen, und Gudrun Knab-Topka, Bereichsleiterin Campus+, blicken zurück und voraus. Wie läuft es im Campus+? Gudrun: Soweit gut. Vieles ist neu, vieles ist anders. Wir haben innert kurzer Zeit einen 24-Stunden-Betrieb hochgefahren, mit Betreuung rund um die Uhr. Das war und ist anspruchsvoll, zumal unser Team noch nicht komplett ist. Zvonko: Es ist ein anderes System, eine andere Arbeitsweise. Es läuft erstaunlich gut, ohne Störungen. Womit hat das zu tun? Zvonko: Wir sind rund um die Uhr präsent. Was ist zur neuen Arbeitsweise zu sagen? Gudrun: Es hat ein Systemwechsel stattgefunden. Die Arbeitsplanung ist eine andere. Die Präsenzzeiten sind anders. Wer zum Beispiel Wochenenddienst geleistet hat, ist dann mal unter der Woche nicht da. Wir hatten früher denselben Rhythmus wie die anderen zu Brüggli gehörenden Bereiche. Neu, mit dem 24-Stunden-Betrieb, haben wir einen anderen Rhythmus – und das hat zuweilen einen Einfluss auf die Zusammenarbeit mit den anderen Bereichen. Da ist zum Beispiel eine Bezugsperson vom Wohnen an ein Standortgespräch auf Dienstagnachmittag eingeladen; sie kann dann aber nicht dabei sein, weil sie zuvor Nachtschicht hatte. Das sind neue Umstände, die einen Einfluss auf die Terminplanung und den Informationsfluss haben. Ich habe heute zum Beispiel Frühschicht, bin seit 6 Uhr hier. Jetzt, da wir dieses Gespräch führen, ist es 15 Uhr, und auf 16 Uhr ist ein Standortgespräch angesetzt – theoretisch hätte ich aber um 14 Uhr Feierabend. Diese Beispiele zeigen, das sich einige Dinge noch einpendeln müssen.

Euer Team ist ja noch nicht komplett. Zvonko: Wir müssen uns neu organisieren. Wir haben gemerkt: Die bisherige Arbeitsweise funktioniert nicht mehr. Darum haben wir beschlossen, dass alle im Wohnen-Team alles machen: Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht – wir wechseln uns ab und können so besser planen. Es gilt Erfahrung zu sammeln; es ist ja alles noch ganz neu. Und wir suchen noch Verstärkung. Es melden sich viele Interessierte. Aber nur wenige sind geeignet. Ich suche seit drei Monaten, bin aber noch nicht fündig geworden. Geplant ist, dass wir um 170% aufstocken. Wir tasten uns heran, wollen herausfinden, wieviel genau sinnvoll ist. So gesehen befinden wir uns aktuell in einer intensiven Probephase. Was heisst das für den Alltag im Campus+? Zvonko: Die Infrastruktur ist bereit. Nun gilt es zum Beispiel Konzepte für die Nutzung des Musik- und Fitnessraums zu entwickeln. Wir möchten die Freizeitgestaltung auf einer Bewohner-Befragung abstützen, zuerst also die Bedürfnisse eruieren. Wie erlebt ihr die Bewohnerinnen und Bewohner? Gudrun: Manche fühlen sich sehr wohl und zeigen viel Wertschätzung; es steht ihnen hier eine gute Infrastruktur zur Verfügung. Für andere ist es halt ein Muss, weil sie bei Brüggli ihre Ausbildung machen. Grundsätzlich beobachten wir: Es kommen vermehrt auch Leute aus unseren externen Wohngruppen hierher, ins Fitness oder um zu «tschüttelen»; hier begegnen sich die jungen Leute gerne. Zvonko: Es gibt natürlich auch Bewohner, die lieber gerne alleine sind; das kann mit ihrer gesundheitlichen oder psychischen Verfassung zu tun haben. Besonders jene, die im Sommer neu dazugekommen sind, die also keinen Vergleich mit unsern bisherigen Wohnformen haben, sind oft zusammen.

«Wir haben innert kurzer Zeit einen 24-StundenBetrieb hochgefahren.»

Zvonko Pezelj, Leiter Wohnen

Wie läuft’s mit den Nachbarn? Zvonko: Die Trampelpfade sind ein Thema. Der Mensch liebt halt Abkürzungen. Und so kam es, dass einige statt des Weges zu nutzen lieber über ein angrenzendes Grundstück schreiten. Dagegen


«Von manchen Eltern unserer Bewohner ist zu hören: So schön haben wir es zuhause nicht.»

werden wir sofort etwas unternehmen. Wir nehmen das ernst; uns liegt an einer guten Nachbarschaft. Wie ist das Echo von Besuchern des Campus+? Gudrun: Sie sind hin und weg. Zum Beispiel Ärzte vom EPD oder Berufsberater. Sie äussern sich begeistert. Von manchen Eltern unserer Bewohner ist zu hören: So schön haben wir es zuhause nicht. Zvonko: Ich erlebe viel Zuspruch. Am Tag der offenen Tür haben uns unzählige Leute gratuliert. Es ist kein Protzbau, sondern etwas Schönes, Praktisches.

sich optimal um die Menschen im Campus+ und in unseren teilweise weiter bestehenden Aussenwohngruppen kümmern kann. So sehe ich das. Ich sehe auch, wie wir auf die intensive Zeit, in der wir uns aktuell befinden, zurückblicken und gemeinsam sagen: Es hat sich gelohnt. Es ist etwas Gutes entstanden, für uns alle.

Gudrun Knab-Topka, Bereichsleiterin Campus+ Bilder: Roger Nigg

Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation

Welches ist euer Lieblingsplatz hier? Gudrun: Die obere Terrasse. Von dort sieht man schön zum Brüggli-Hauptsitz rüber. Zur Pausenzeit kann ich den Kolleginnen und Kollegen rüber winken. Der Fahrradunterstand gefällt mir auch sehr gut; die Leute sitzen gerne da. Zvonko: Mir passt auch der Fahrradunterstand vor dem Haupteingang sehr gut; ein Ort der Begegnung.

«Mir ist die BezugspersonenArbeit wichtig, ohne Reibungsverluste.»

Wenn ihr auf die letzten Monate zurückblickt: Was war die grösste Herausforderung? Gudrun: Das Umziehen, der Einzug ins neue Wohnhaus. Zvonko: Vorbereiten, alte Wohnplätze abgeben, entrümpeln, neue Wohnplätze einrichten ... wir sind mit 37 Bewohnerinnen und Bewohnern umgezogen, und es kamen im Juli 25 neue Bewohner dazu. Das war intensiv. Wenn wir zwei Jahre vorausschauen: Welches Idealbild von Campus+ seht ihr? Gudrun: Mir ist die Bezugspersonen-Arbeit wichtig. Wir haben uns neu organisiert, sind komplett und können uns optimal, ohne Reibungsverluste durch neue Strukturen, auf die Bewohnerinnen und Bewohner konzentrieren – so sehe ich die Zukunft. Zvonko: Ich sehe den Einklang von unseren externen Wohngruppen und dem neuen Wohnhaus Campus+. Wir haben ein kompaktes Team, das

«Wir müssen uns neu organisieren. Das Bisherige funktioniert nicht mehr.»

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+ Campus

Signaletik im Einklang mit Architektur Vier Etagen, 48 Wohnplätze, weitläufige Dimensionen: Im Wohnhaus Campus+ sind klare Wegweiser wichtig. Sie drängen sich nicht auf, sondern lenken den Besucher dezent, aber unmissverständlich durch das Gebäude. Zuoberst steht die Klarheit: Die Signaletik weist den Weg, indem sie anzeigt, in welcher Richtung welche Räume, Etagen und Gebäudetrakte zu finden sind. Jede Etage hat ihre Farbe; das hilft dem Betrachter bei der raschen Informationsverarbeitung. Zudem sind die Informationen an allen wichtigen Punkten im Gebäude platziert; wer durch die Flure und das Treppenhaus schreitet, begegnet ihnen immer wieder. Das kommt der Memorierbarkeit zugute. Memorierbarkeit? So nennen das die Fachleute. Darunter ist der Einpräge-Effekt zu verstehen: Visuelle Botschaften, denen wir systematisch begegnen, prägen sich in unseren Köpfen ein und sind so einfacher abrufbar – wir lernen Schritt um Schritt, beiläufig, ohne bewusste Auseinandersetzung, wofür sie stehen. Dezent, aber klar Das geschieht unaufdringlich. Die Hausbeschriftungen sind nicht Selbstzweck, sondern Helfer, die uns an die Hand nehmen, ohne vom Gebäude abzulenken. Im Gegenteil: Sie harmonieren mit dem Gebäude. Da-

Die Signaletik harmoniert mit der Architektur. Bilder: Anita Kaminski und Roger Nigg

rauf haben wir besonders Wert gelegt. So wurden die zahlreichen Beschriftungen in enger Zusammenarbeit mit der Architektin verwirklicht. Am Anfang stand die Auseinandersetzung mit der Formensprache. Die runden Formen, die in den Licht-Installationen und in den Deckenisolationen vorkommen, boten sich an, um in der Signaletik weitergetragen zu werden. Nicht zuletzt ist der Kreis auch ein Bestandteil von Brügglis Corporate Design. Corporate Design? Darunter ist das einheitliche Erscheinungsbild eines Unternehmens zu verstehen: die Farben, die Formen, die Typografie und Bildsprache. Farb und Form im Dialog In einem weiteren Schritt galt es das Farbklima zu definieren. Die sanften Naturtöne, die im Bau konsequent zur Geltung kommen, boten sich als Basis an, auf der mit sanftem Blau, Braun und Grün den einzelnen Stockwerken die jeweilige Farbe zugeordnet werden konnte. Ziffernpiktogramme in entsprechender Stockwerkfarbe tragen zur Orientie-

rung bei. In der Wahl der Typografie lag der Entscheid nahe: Es kommt Brügglis Hausschrift Officina zum Einsatz. Eine klassische und zugleich moderne, leichte Schrift, die dank der schnörkellosen Anmutung auch auf Distanz gut lesbar ist und gut mit den klaren Linien des Baus korrespondiert. Gemeinsam getragene Lösung Kommunikationsdesignerin Regina Furger überliess nichts dem Zufall. Sie fertigte Farbmuster, die sie probehalber im Gebäude unter verschiedenen Lichtverhältnissen aufhängte. Sie abstrahierte sämtliche Informationen auf das Wesentliche, experimentierte mit der geeigneten Schriftgrösse und begleitete schliesslich die Applikationen vor Ort. Und sie involvierte stets alle Beteiligten, damit alle dieselbe Lösung im Kopf hatten. In guter Erinnerung ist die Zusammenkunft mit der Baukommission: Die Entwürfe fanden einhellige Zustimmung, was mit der gründlichen Vorbereitung und gewissenhaften Umsetzung zu tun hat.


Zimmer 44-48 Zimmer 37-43 Zimmer 1-36 Öffentliche Räume Technische Räume

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1a Zimmer 1-48 Technische Räume

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Übersicht im Erdgeschoss: Auf jeder Ebene dient ein Ziffernpiktogramm als gut memorierbares Leitelement. Jede ganze Etage erhält eine Farbe.

Coaching 1-3 Werken 1-2 Sport Büro Technik Saal Musik Sanität Büro Wohnen 1-3

Klare Informationsgliederung: Räume auf gleichen Etagen und Halbetagen sind in der entsprechenden Ebenenfarbe gekennzeichnet, alle Räume ober- und unterhalb in Anthrazit.

Zimmer 37-43 Zimmer 44-48 Zimmer 1-36 Öffentliche Räume Technische Räume

Zimmer 37-48 Zimmer 31-36 Zimmer 19-30

Erfahrene Designerin Regina Furger hat Erfahrung mit solchen Arbeiten. Im Rahmen ihres Bachelor-Studiums in Kommunikationsdesign hat sie für die Insel Reichenau ein Orientierungssystem und für die Stadt Konstanz eine Orientierungshilfe für blinde Menschen entwickelt, für die sie gleich mehrfach ausgezeichnet wurde: unter anderem mit dem Lista-Innovationspreis und dem Industrie- und Handelskammerpreis Thurgau als beste Schweizer Studentin. Zudem ging sie im Internationalen Marianne Brandt Designwettbewerb als Gewinnerin hervor und erhielt von der Hochschule Konstanz für Technik, Wirtschaft und Gestaltung einen Design-Sonderpreis.

Zimmer 1-18 Öffentliche Räume Technische Räume

2 2a Zimmer 37-48 Zimmer 31-36 Zimmer 19-30 Zimmer 1-18 Öffentliche Räume Technische Räume

Zimmer 19-48 Zimmer 13-18

Das ist viel geballtes Wissen, das Brüggli und den Besuchern von Campus+ zugutekommt. Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation

Zimmer 1-12 Öffentliche Räume Technische Räume

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Zimmer 19-48 Zimmer 13-18

Kommunikationsdesignerin Regina Furger prüft die Qualität der Beschriftungen.

Zimmer 1-12 Öffentliche Räume Technische Räume

Zimmer 1-48 Coaching 1-3 Werken 1-2 Sport Büro Technik Saal Musik Sanität Büro Wohnen 1-3 Technische Räume

Öffentliche Räume Zimmer 1-48 Technische Räume

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Ganz ohne Schilder: Die Signaletik gliedert sich harmonisch in die Architektur ein und wirkt dadurch leicht und dezent.

Die klare Formensprache wird weitergetragen – zum Beispiel auch in Form eines Memory-Spiels, das dem Fotoprojekt «Romanshorner Perspektiven» entstammt.

Klare Informationsgliederung: Die Signaletik greift mit den Punktelinien die halben Etagen als Besonderheit des Baus auf und dient als leitendes Element im Treppenhaus.

Die Sponsoren in Ehren: Sie erhalten einen eigenen Platz im Haus und präsentieren sich auf edlen Alurahmen in den Farben der Signaletik.

Erst grundieren, dann einfärben: Mithilfe von Folienschablonen wurde die Beschriftung direkt auf die Wand gepinselt.


Campus

Wie gefällt’s euch hier? Wohnen, arbeiten – und umgekehrt: Idealerweise stehen Arbeit und Freizeit im Einklang. Wie funktioniert das im Campus+?

Es gefällt mir gut. Es ist anders als früher. Ich war früher in einem Heim. Im Campus+ habe ich mehr Freiräume. Weil es hier Menschen hat, die mir Freiräume lassen. An meinem Zimmer gefällt mir besonders gut, dass ich eine eigene Dusche habe. Mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern verstehe ich mich gut. Wenn uns etwas nicht passt, sagen wir’s nicht hintendurch, sondern reden miteinander. In der Küche mit Fernseher fühle ich mich wohl. Auf dem Balkon ist es auch schön. Die Betreuer sind gut, normal. Meine Bezugsperson ist Frau Gersbach. Mein Hobby ist das Reiten. Sie reitet auch. So haben wir immer Gesprächsstoff. Ich gehe jeden Dienstag nach der Arbeit reiten. Das ist für mich Abwechslung, ein Ausgleich. Meine Arbeit im Usblick gefällt mir gut. Am liebsten habe ich den À-la-carte-Service; ich bediene die Gäste gern. Ja, doch, mir gefällt es gut im Campus+ und bei Brüggli überhaupt.

Ein schönes Gebäude; es gefällt mir gut hier. Ich habe mein eigenes Zimmer, mit eigenem Bad. Das ermöglicht mir ein eigenes Leben. Wenn ich für mich alleine sein will, kann ich mich gut zurückziehen; ich bekomme dann von den anderen nichts mit, zum Beispiel am Abend, wenn ich einen Film schaue oder ein Buch lese. Ich fühle mich wohl in der Ausbildung. Die Nähe zur Arbeit ist sehr praktisch. Die Betreuer sind sehr nett. Wenn man etwas braucht, ist immer jemand da. Und wenn man nichts braucht, bekommt man nichts mit, ausser beim Rein- und Rausgehen. An der Tschütteli- und Tischtennis-Meisterschaft hätte ich gerne auch mitgemacht; ich war aber nicht da. Solche Freizeitaktivitäten finde ich ganz gut. Wenn man will, kann man mit den anderen etwas machen, ohne dass dies mit einem Zwang verbunden ist. Vorher habe ich in einer Wohngemeinschaft gewohnt; das ging auch gut. Aber im Campus+ gefällt es mir besser als vorher.

Dillen Steinbrück, Kaufmann EFZ, 3. Lehrjahr

Nico Schegg, Informatiker EFZ, 2. Lehrjahr

Kerstin Forrer, Praktikerin PrA Restauration, 1. Lehrjahr

Notiert und fotografiert: Michael Haller

Zuerst war ich ein wenig hin- und hergerissen. Ich bin mir aus meinem Elternhaus viele farbige Wände gewohnt; ich hatte Türkis in meinem Zimmer. Im Campus+ ist’s moderner, weisser. Aber doch, ich habe mich daran gewöhnt. Es ist halt ein modernes Gebäude. Der Parkettboden gefällt mir gut; er ist warm, sympathisch. Besonders angenehm: Jedes Zimmer hat eine eigene Nasszelle. In der Wohngruppe, wo ich vorher war, mussten sich mehrere Leute ein Bad teilen; das widersprach meinen Vorstellungen von Hygiene. Am wohlsten fühle ich mich in meinem Zimmer auf dem Sitzsack; hier lese ich viel. Es ist so bequem, dass ich schon eingeschlafen bin beim Lesen. Die Nähe zur Arbeit ist praktisch. Ich hatte zuvor einen 15-minütigen Arbeitsweg. Die Betreuung ist sehr gut. Wenn etwas Probleme macht, ist man rasch beisammen. Meine Mutter ist auch froh, dass ich im Campus+ wohne; an der Bahnhofstrasse, wo ich vorher wohnte, wurde ja jemand angeschossen; Campus+ hat eine bessere Lage; hier fühle ich mich sicher.

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+ Campus

Du sollst Dir ein Bildnis machen Das Fotoprojekt «Romanshorner Perspektiven» bereichert Campus+. Die Aufnahmen wurden nicht etwa mit externen Profis gemacht. Vielmehr kam einmal mehr unser Selbstversorger-Gedanke zum Tragen – es hat sich gelohnt. In den Fluren sowie in den Gemeinschaftsräumen von Campus+ sind grossformatige Bilder zu sehen. Sie zeigen Romanshorn aus verschiedenen, teils ungewöhnlichen Perspektiven. Die Idee entstand zum einen durch die Auseinandersetzung mit Brügglis Werten; hier geht es ja auch um Perspektiven und das Zulassen verschiedener Blickwinkel. Zum anderen ist die Idee direkt im Campus+ verankert: Die Formate der Fotowerke entsprechen den markanten Fensterquadraten, und die verschiedenen Perspektiven sind den einzelnen Etagehöhen angelehnt. Ameise oder Vogel Im Erdgeschoss sieht man die Welt aus der Ameisensicht. Da wurden zum Beispiel Fotos durchs Gras hindurch gemacht. In der oberen Etage, wo der Blick in die Ferne schweift, kommt die Vogelschau zum Tragen, zum Beispiel auf einer Aufnahme der Romanshorner Hafeneinfahrt, die mit einer Flugdrohne möglich wurde; hier hat der Betrachter eine Sicht, die sonst nur Zeppelin-Fluggäste oder Vögel haben. Schöne Referenzen Mit diesem Konzept sind rund 40 Fotowerke entstanden, konzipiert von Kommunikationsdesigne-

rin Regina Furger, gemeinsam verwirklicht mit fünf Lernenden des Fotostudios Bühler, begleitet von Roger Nigg. Das sind schöne Referenzarbeiten. Sie fanden an der Einweihung von Campus+ sichtlich Anklang. Besonders Menschen aus Romanshorn schauen gerne zweimal hin und versuchen zu erraten, wo die Fotos gemacht wurden; bei einigen Bildern ist es ganz klar, bei anderen darf interpretiert werden. Romanshorn in Ehren Auch das ist Teil der Idee: Mit den Romanshorner Perspektiven erweist Brüggli der Gemeinde Romanshorn die Ehre und bereichert zugleich Campus+. Daraus ist auch ein Memory, ein Kartenspiel, entstanden; es enthält sämtliche Sujets des Fotoprojekts. Dieses Memory wurde am Tag der offenen Tür für 20 Franken verkauft. Auch hier funktionierte der Selbstversorger-Gedanke: Die Säcklein mitsamt Verschlusskordel wurden in der Textilabteilung verwirklicht, und die Memorykarten wurden bei Brüggli Medien hergestellt; dabei kam ein neues Pressverfahren zum Tragen. Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation

Gemeindeammann David H. Bon: «Ausgezeichnet»

Romanshorns Gemeindeammann David H. Bon im Campus+.

Herr Bon, wie gefallen Ihnen die «Romanshorner Perspektiven»? David H. Bon: Die Bilder gefallen mir ausgezeichnet. Es sind wirklich komplett neue und andere Blickwinkel. So entfaltet Bekanntes plötzlich eine neue Wirkung, Anderes wird erst wirklich entdeckt oder bewusst gemacht.

aber das Bild vom Kinder-Drehkarussell, das fast wie ein eigenes Kunstwerk wirkt. Mit gemeinsamer Kraft etwas Lustiges zu erleben, was gibt es Schöneres! Dann gefallen mir auch die zwei Bahnbilder, vor allem das mit der geparkten Rangierlok – Romanshorn, die Stadt der Eisenbahn mit Vergangenheit und Zukunft.

Haben Sie ein Lieblingsbild, einen Lieblingsplatz? Es gibt tatsächlich viele schöne Plätze, als Segler liegt mir der Hafen nahe. Am meisten gefällt mir

Wie haben Sie die Einweihungsfeier erlebt? Die Einweihungsfeier war sehr schön. Auch viele Besucherinnen und Besucher, die am Samstag


Dachgeschoss: Vogelperspektive

2. Obergeschoss: Blick auf den Horizont

1. Obergeschoss Ameisenperspektive

Erdgeschoss: Blick gerade nach oben Das sind einige der Aufnahmen, die im Rahmen des Fotoprojekts «Romanshorner Perspektiven» entstanden sind.

da waren, äusserten sich sehr positiv. Die Feier entspricht dem Brüggli: Gutes tun, nicht allzuviel darüber sprechen. Man spürt, dass sowohl Betrieb als auch Bewohner sich über die gelungene Arbeit freuen, aber auch sehr wertschätzen, dass so ein Projekt durch private aber auch öffentliche Unterstützung überhaupt erst möglich wird. Was halten Sie von Campus+? Der Campus+ ist ein rundum gelungenes Projekt. Es zeigt, dass man mit einfachen Mitteln doch

sehr viel machen kann. Es fällt die Liebe zum Detail auf: die gelungene Fassade und Einpassung in die Umgebung, das trotz moderner Bauweise und klaren, einfachen Linien wohnliche Ambiente, das Beschriftungskonzept, die schönen Gemeinschaftsräume, Loggias und Küchen. Es darf nicht vergessen werden, dass Menschen für Jahre hier wohnen müssen und so trotz Einschränkung ein echtes Zuhause finden können.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Brüggli rund um Campus+ gestaltet? Die Zusammenarbeit war sehr gut und angenehm. Bauherrin und Architektin haben die rechtliche Ausgangslage respektiert, sind auf die Wünsche von Stadt und Nachbarn eingegangen. Das Ganze war sehr professionell vorbereitet und begleitet; man darf das Projekt in diesem Sinne durchaus als beispielhaft bezeichnen. Interview: Michael Haller

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Agogik

Sozialbegleiter im Einsatz Inmitten von Fachpersonen der Agogik, Sozialarbeit und Sozialpädagogik hält eine neue Berufsgattung bei Brüggli Einzug. Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung Sozialbegleiter? Mit der Berufsbezeichnung Sozialbegleiter mit eidg. Fachausweis arbeite ich als Teamleiter bei den Integrationsmassnahmen von Brüggli. Viele Berufsfelder rund um die soziale Arbeit sind im Volksmund geläufig und der Allgemeinheit bekannt. Was aber verbirgt sich hinter der Bezeichnung Sozialbegleitung? Um dies zu erläutern, muss vorerst ein wenig Geschichte aufgerollt und der Werdegang des Berufes Sozialbegleitung veranschaulicht werden. Steigende Nachfrage Seit der Gründung im Jahr 1974 bot das «Zentrum für soziale Aktion und Bildung» Kurse und Selbsterfahrungsgruppen an. Die steigende Nachfrage nach einer zusammenhängenden und berufsbegleitenden Ausbildung führte 1981 zur Realisierung der ersten zwei Kurse in Sozialbegleitung. Ab 1991 wurden regelmässig zwei bis drei Kurse durchgeführt. Im Laufe der Jahre kam es zu mehreren konzeptuellen Anpassungen des Lehrplanes. 1991 wurde die Schule für Sozialbegleitung (SSB in Zürich) als eigenständiger Bereich vom «Zentrum für soziale Aktion und Bildung» ernannt und mit der Ausbildung betraut.

im angestammten Beruf oder im Hinblick auf einen Stellenwechsel zu verbessern, wandelte sich mit der Zeit das Ausbildungsziel: Ein psychosozialer Beruf wurde für die meisten Ausbildungsteilnehmerinnen und Ausbildungsteilnehmer zum primären Ausbildungsziel. 1995 beschloss die Schule, die Ausbildung in Sozialbegleitung zu einer Berufsausbildung umzugestalten. Die Frage der Anerkennung blieb aber ungeklärt. 1995 wurde der Schweizerische Berufsverband diplomierter Sozialbegleiterinnen und Sozialbegleiter (SBSB) ins Leben gerufen. 1998 wurde die Schule für Sozialbegleitung vom «Zentrum für soziale Aktion und Bildung» abgelöst und vom «Verein sozial 2000», heute «Verein Schule für Sozialbegleitung» übernommen. 1999 kam es zur Auflösung des Zentrums. Seit 2003 arbeitet der «Verein sozial 2000» neu unter dem Titel «Verein Schule für Sozialbegleitung». Bis heute haben über 800 Personen die Ausbildung am Zentrum beziehungsweise an der Schule für Sozialbegleitung absolviert. Seit Februar 2010 ist der Beruf Sozialbegleitung eidgenössisch anerkannt, und die Ausbildung wird mit einer Berufsprüfung auf Tertiärstufe abgeschlossen.

Professionalisiert und vernetzt Hatte die Ausbildung bis dahin den Charakter einer Weiterbildung mit dem Ziel, die soziale Kompetenz

Hilfe zur Selbsthilfe Psychosoziale Tätigkeit finden wir rund um die Betreuung von Menschen, die vor, während oder nach

Wer sich wertgeschätzt sieht, kann sich stabilisieren und an Autonomie gewinnen.

einem kritischen Lebensereignis in unserer Gesellschaft leben und auf Unterstützung angewiesen sind. Wenn eigene, persönliche Ressourcen für die Bewältigung schwieriger Lebensumstände nicht mehr ausreichen und wir Hilfe von aussen beziehen müssen, handelt es sich um psychosozialen Beistand. In Lebenssituationen, in denen wir nicht mehr auf unsere (Über-)Lebensressourcen zurückgreifen können, benötigen wir einen Antrieb zur Selbsthilfe und Selbstorganisation, und dieser kann in Form der Sozialbegleitung stattfinden. Psychosoziale Arbeit unterliegt nicht den Strukturen von Therapien. Therapien sind Bereiche der medizinischen und psychologischen Fachpersonen und können durch Sozialbegleiterinnen und Sozialbegleiter lediglich empfohlen werden. Ziel der Sozialbegleitung Der Beruf soll und will keine Konkurrenz zu anderen sozialen Berufssparten sein. Sozialbegleitung ist vielmehr als Ergänzung zum vorhandenen System zu verstehen. Gerade bei Brüggli, einem Unternehmen, das am Puls der Wirtschaft ist, erkenne ich Bedarf, die Lebensumstände einzelner Mitarbeiter lebensweltorientiert zu betrachten. Wer sich in schwierigen Lebenssituationen auf selbstbestimmende Weise unterstützt fühlt und sein Anliegen wertgeschätzt sieht, kann sich emotional, psychisch und sozial stabilisieren und an Autonomie gewinnen. Der Ansatz der Selbstbestimmung –

In Lebenssituationen, in denen wir nicht mehr auf unsere (Über-)Lebensressourcen zurückgreifen können, benötigen wir einen Antrieb zur Selbsthilfe, und dieser kann in Form der Sozialbegleitung stattfinden.


vorausgesetzt sie verletzt keine Vereinbarungen oder Rahmenbedingungen des Auftraggebers (beispielsweise IV-Stellen) – ist die Basis der Sozialbegleitung und der Grundstein eines erfolgreichen Ein- oder Wiedereinstiegs ins Berufsleben. Mit dem Grundgedanken, dass die Hilfe zur Selbsthilfe die gewünschte Stabilisation auf dem Weg ins Berufsleben bringen kann, sind Sozialbegleiter auch bei Brüggli Teil der Belegschaft geworden. Als Sozialbegleiter freue ich mich, in einem innovativen, wirtschaftsnahen Betrieb mit ausgeprägtem Blick auf die Lebensweltorientierung zu arbeiten. Ich sehe die täglichen Bemühungen unserer Mitarbeitenden bei Brüggli, welche im Berufsleben Fuss fassen wollen, und anerkenne den beruflichen Alltag eines jeden einzelnen Menschen als Teil seiner persönlichen Lebenswelt. Erarbeiten wir gemeinsam eine Verbindung in privat-persönlicher und beruflicher Hinsicht, so kann ein ganzheitlicher Prozess gelingen und Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen daraus resultieren.

der Integrationsmassnahmen, welche die Ausbildung zur Sozialbegleiterin FA in Angriff nahm. Mit Freude bringen wir heute unsere Arbeitsweise in die bestehenden, gut funktionierenden Strukturen bei Brüggli ein und sind bereit, mit Menschen neue Lebensperspektiven zu erarbeiten.

Sozialbegleitung ist als Ergänzung zum vorhandenen System zu verstehen.

Stefan Buschor Sozialbegleiter FA

Seit Anfang 2013 habe ich mit Elisabeth Büche eine weitere Kollegin im Team

Bild: Roger Nigg

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Agogik

Berufsbild Sozialbegleiter FA Sozialbegleitung orientiert sich an der Lebenswelt der Klientinnen und Klienten und bietet alltagsnahe soziale Begleitung in deren Umfeld an. Sie geht von Anliegen aus, die die Klienten in ihrer Lebenswelt beschäftigen. Sozialbegleitung versteht sich aufsuchend und hat ihren Schwerpunkt ausserhalb der stationären Arbeit. Sozialbegleiter sind Fachleute für die längerdauernde und verlässliche Begleitung von Einzelpersonen, Familien und Gruppen in Lebenslagen, in denen Sozialbegleitung unterstützend und/oder stabilisierend wirkt. Sozialbegleiter unterstützen die Klienten in der Bewältigung ihres Alltags. Sie begleiten sie bei der Verwirklichung ihrer Bedürfnisse und der Wahrnehmung ihrer Interessen in Bereichen der Alltagsbewältigung, der Freizeitgestaltung, der sozialen Vernetzung usw. Im Zentrum der Arbeit steht die Selbstbestimmung der Klienten. Das soziale

Stefan Buschor sucht als Sozialbegleiter individuelle Lösungen für Betroffene.

Umfeld wird in Absprache mit den Klienten in die Begleitung miteinbezogen. Sozialbegleiter sind geschult in der Gestaltung von Beziehungen. Sie sind transparent in ihrem Handeln. Sie schaffen ein Umfeld, welches Kontakt und Dialog ermöglicht und begünstigt. Sie erfassen die Situation der Klienten und anerkennen ihre Realität. Sie achten ihre Besonderheiten und ihre Bedürfnisse. Sie ermutigen sie, ihre eigenen Ressourcen zu erkennen und zu nutzen.

Sozialbegleiter orientieren sich an berufsethischen und rechtlichen Prinzipien, setzen sich mit sozialpolitischen Fragen auseinander und arbeiten nach den Prinzipien des Empowerments. Sie gehen professionell mit Spannungsfeldern und Belastungen um und reflektieren die eigene Arbeit systematisch.

Sozialbegleiter unterstützen die Betroffenen in der Hilfe zur Selbsthilfe.

Sozialbegleiter arbeiten auftragsorientiert. Sie planen, dokumentieren und evaluieren ihre Arbeit. Sozialbegleiter arbeiten effektiv mit anderen Fachpersonen und Diensten zusammen, sie vernetzen sich und arbeiten in Projekten mit.

Sozialbegleiter leisten lebensweltorientierte aufsuchende Arbeit mit Schwerpunkt im nichtstationären Sozialbereich. Sie begleiten Einzelpersonen, Gruppen und Familien. Sie übernehmen sozialbegleiterische Aufträge von Privaten, sozialen Diensten, Gesundheitsligen und Vormundschaftsbehörden, von Institutionen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich, der Kirche und weiteren Organisationen. Quelle: Schweizerischer Berufsverband für Sozialbegleitung


Gastron

omie

Den Pilzen auf der Spur Wie erkennt man geniessbare Pilze? Wie erntet man sie? Was ist beim Pilzgenuss zu beachten? Lernende aus der Küche kamen in den Genuss eines Pilzseminars. Bei besten Wetterbedingungen tauchten 15 Lernende der Brüggli-Gastronomie Usblick in die Welt der Pilze ein. Während rund drei Stunden wurden sie unter der Leitung von Noldi Vonwiller in einem Waldstück bei Muolen Zeugen einer wahren Pilzpracht. Der Pilzkenner wies auch auf die Gefahren des Pilzgenusses hin: Gesammelte Pilze sollten von einem Experten kontrolliert werden.

Wird der Täubling scharf, ist er ungeniessbar Der Pilzexperte führte die unterschiedlichsten Pilzsorten vor, zum Beispiel Maronenröhrlinge, Rotfussröhrlinge und Trichterlings-Arten. Er demonstrierte unter anderem, wie man Täublinge auf ihren Genuss hin testet, etwa durch das sorgfältige Abschneiden eines Stücks an der Krone, das man während zehn Sekunden auf der Zunge lässt. Nimmt der Pilz in dieser Zeit eine Schärfe an, ist er ungeniessbar. Bei einer anderen Sorte stehen die Zeichen auf grün, wenn sie beim Anschnitt Milch ausscheiden.

Respekt nötig «Ich erwarte einen respektvollen Umgang mit der Natur», sagte an jenem Morgen Noldi Vonwiller. Er wies auf ein achtsames Behandeln der Pilze hin und bat die Gruppe, diese beim Gang durch den Wald vor dem Zertreten zu bewahren und sie mit der nötigen Sorgfalt zu ernten, indem sie an der Wurzel mit einem leichten Drehen aus der Erde entfernt werden. Er lobte das ideale Pilzwetter, was unter Fachkundigen einen nebligen Tag mit feuchtem Boden bedeutet.

Vorsicht mit Alkohol Er warnte vor dem Pilzkonsum in der Kombination mit Alkohol. Es seien schon Leute wegen Magenund Darmverstimmungen ins Spital eingeliefert worden, sagt er, vornehmlich wegen des Schopftintlings in Verbindung mit Alkohol. Ebenfalls gälte es, die Pilze auf ihre Haltbarkeit zu prüfen. Nach zwei, drei Tagen seien sie nicht mehr geniessbar. Das Pilzesammeln war für alle Beteiligten eine willkommene Erfahrung und Bereicherung. Wir dürfen gespannt sein, was uns in Zukunft aus der Pilzküche erwartet. Daniel Köppel Mitarbeiter Unternehmenskommunikation

Theorie und Praxis verbinden: Pilzkunde ist eine spannende Wissenschaft.

Noldi Vonwiller zeigt Lernenden den richtigen Umgang mit den Pilzen. Bilder: Rahel Scheuber

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Textil

Aus Westen werden Taschen Das Unternehmen «Sputnik Zurich» entwickelt Taschen aus rezyklierten Warnwesten. Drei neue Modelle nehmen bei Brüggli Gestalt an. Ein Modell ist sogar in der Fernsehwerbung zu sehen. Wer kennt sie nicht, die orangen Warnwesten mit den Leuchtstreifen, die von Strassenarbeitern und Angestellten von Verkehrsbetrieben getragen werden? Aus diesen Westen werden Taschen hergestellt, die seit einiger Zeit im Handel erhältlich sind. Vor kurzem wurde nun eine neue Kollektion von Taschen mit modernem Design lanciert, die sowohl als Rucksäcke als auch als Taschen mit Reflektierstreifen getragen werden. Wer ist Sputnik Zurich? «Sputnik Zurich» versteht sich als Designplattform, auf der fortlaufend neue Ideen kreiert und umgesetzt werden. So

suchten sie nach Lösungsansätzen für mehr Schutz und Sicherheit der Fussgänger und Velofahrer im Stadtverkehr und entwickelten eine Tragtasche, die mit einem Leuchtstreifen versehen ist. Sie ist wasserabweisend und kann durch ihre Verschlussmöglichkeiten verschiedenartig getragen werden. Sie wird in der Schweiz mit dem Anspruch der Nachhaltigkeit und zu fairen Arbeitsbedingungen angefertigt.

abgeleiteten Version auch als «Max-Täschli» für die AXA Winterthur produziert; Brüggli ist mit insgesamt 2000 Stück beteiligt. Weitere 300 Stück stellt Brüggli von den anderen beiden Modellen her. Annette Winkler, Leiterin der Textilabteilung, freut sich über diesen Auftrag.

Allein die Anfertigung des Reissverschlusses erfordert höchste Konzentration.

Neuerdings stellt die Firma unter dem Namen «Orbit» drei neue Modelle her. Sie sind als Erwachsenentasche und als Kindergartentäschli erhältlich. Letzteres wird in einer

Die Umsetzung will von der Nähtechnik bis zu den Verschlussmöglichkeiten genauestens durchdacht sein. «Wir haben zuerst Prototypen hergestellt, um zu sehen, was für uns im Bereich des Möglichen liegt», sagt Annette Winkler. An der Gestaltung war auch Textilmitarbeiterin Ruth Niederer beteiligt. «Das Nähen der Taschen fordert einiges an Geschick», sagt sie, zudem sei der Stoff sehr empfind-


«Es macht einen schon stolz, wenn man einen Artikel aus der Fernsehwerbung mitproduziert hat.» Mit viel Sorgfalt werden die Einzelteile zu einer ganzen Tasche zusammengenäht. Edith Egli und Ruth Niederer sind stolz auf ihre Arbeit.

lich, und der Futterstoff würde anders zugeschnitten als sie es bisher gewohnt waren. «Max-Taschen» in der Fernsehwerbung Die «Max-Taschen», die bei Brüggli Textil angefertigt werden, sind in der AXA-Werbung im Schweizer Fernsehen zu sehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien begeistert von diesem Werbespot und würden jeweils gespannt darauf warten, bis er im Fernsehen gezeigt werde, sagt Annette Winkler. «Es macht einen schon stolz, wenn man einen Artikel aus der Fernsehwerbung mitproduziert hat.» Für Brüggli Textil sind solche Aufträge eine willkommene Herausforderung. Allein die Anfertigung des

Reissverschlusses erfordert höchste Konzentration, weil solche Reissverschlüsse eher selten sind. Die Produktion würde deshalb dem Anforderungsprofil angepasst und entsprechend an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugeteilt, sagt Annette Winkler. «Die einen verrichten gerne Routinearbeit, andere bevorzugen die Abwechslung.» Wenig Ausschuss Bei Aufträgen wie diesem ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass mehr Ausschuss als sonst produziert wird. Diesbezüglich kann Annette Winkler den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Lob aussprechen, denn der Ausschuss wurde gering gehalten. Edith Egli, die erst seit kurzem in der Tex-

Brüggli fertigt für «Sputnik Zurich» Taschen aus recyclierten Warnwesten.

tilabteilung arbeitet, gefällt die Beschaffenheit der «Max-Tasche». Die vielfältigen Arbeitsprozesse, die diese Tasche von der Planung bis zum Endprodukt erfordert, bewertet sie als positiv. «Es ist schon interessant zu sehen, durch wie viele Hände ein solches Produkt geht, bis man ein Resultat sieht.» Und wie die Fernsehwerbung zeigt, kann sich dieses Resultat sehen lassen. Brüggli sei Dank. Daniel Köppel Mitarbeiter Unternehmenskommunikation

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Motivierte Mitarbeitende sind wichtige Botschafter; zum Beispiel Charlotte Nour-ed-Din und die weiteren freundlichen Damen am Empfang.

on unikati

Komm

Information = Motivation Gut informierte Mitarbeiter sind ein Erfolgsfaktor. Schlecht informierte Mitarbeiter sind ein Risiko. Die Folgen mangelhafter Information: hohe Fluktuationsraten, teure Kompromisse, Vernichtung von wertvollem Wissen. Mitarbeiter, die sich verstanden, wertgeschätzt und involviert fühlen, identifizieren sich mit ihrem Unternehmen. Sie sind stolz, ein Teil davon zu sein. Idealerweise tragen sie die erklärten Unternehmenswerte nach aussen und werden so zu Markenbotschaftern: Ihr Denken und Handeln passt zur Unternehmenskultur und macht diese erleb- und nachvollziehbar. Je deutlicher und verbindlicher die Mitarbeiter sich einbringen können, desto höher sind die Chancen, dass Kultur und Kontur des Unternehmens dadurch profitieren. Mitarbeiter mit Profil geben dem Unternehmen ein Profil; sie machen es fassbar, berechenbar, erlebbar – und das hilft dem Unternehmen, sich von anderen zu unterscheiden. Preise, Leistungen, Angebote sind austauschbar, vergleichbar, mehr denn je. Die Unternehmenskultur, die gemeinsamen Wertvorstellungen, die Mitarbeiter und ihre Auffassung vom gemeinsamen Wirken machen den Unterschied und werden mehr und mehr zum Wettbewerbsfaktor – auch im Sozialwesen. Es dient der Produktivität Wesentlich: Mitarbeiter, die sich verstanden und involviert fühlen, beeinflussen die Produktivität und Innovationskraft eines Unternehmens. Auch das hat mit dem Informationsfluss zu tun, der idealerweise Folgendes begünstigt: • Infos über aktuelle Arbeitsabläufe werden den Leitungsebenen vermittelt. • Ungelöste Probleme im betrieblichen Ablauf werden in die Entscheidungsebenen getragen. • Vorschläge für Verbesserungen und Innovationen von der Belegschaft werden in die Managementprozesse integriert. • Wissen und Erfahrungen der Mitarbeitenden fliessen in Zieldefinitionen und Problemlösungen ein. • Meinungen, Einstellungen und Gefühle der Mitarbeitenden über ihre Aufgaben, den Unternehmensbereich und die Organisation als Ganzes werden in strategische Prozesse aufgenommen.

Kritik äussern zu dürfen ist wichtig – gerade in Zeiten starker Veränderungen.

Klingt gut. Doch die Realität spricht eine andere Sprache:

• 87% aller Mitarbeiter haben kein oder nur ein geringes Commitment mit ihrem Unternehmen. (Commitment = englisch für Hingabe, Verpflichtung) • 66% machen Dienst nach Vorschrift. • 21% haben bereits innerlich gekündigt. Quelle: Franz-Rudolf Esch, München, 2012

Eine Untersuchung unter 40000 Mitarbeitern aller Hierarchiestufen versuchte der Frage auf den Grund zu gehen, womit es zu tun hat, wenn sich Mitarbeitende nicht oder nur unzureichend mit ihrem Unternehmen identifizieren:

Gut informierte Mitarbeitende sind produktiver und loyaler.

• Mangelnde Information: 55% der Mitarbeitenden sagen, dass das Top-Management keine Vision habe. • Mangelnde Motivation: 47% der Mitarbeitenden sind lediglich mässig oder nicht motiviert. • Mangelndes Vorleben: 55% der Mitarbeitenden glauben, dass das Top-Management keine langfristigen Massnahmen und Verhaltensweisen zur Stärkung des Unternehmenserfolges ergreift und umsetzt. Quelle: Towers Perrin, 2003

Mehr Effizienz, weniger Ärger Es würde zu kurz greifen, gar alles auf den Informationsfluss als Kriterium für erfolgreiches Arbeiten zu reduzieren. Nicht zuletzt spielen die Grundhaltung eines jeden Einzelnen sowie äussere Umstände (technische oder gesellschaftliche Entwicklungen zum Beispiel) eine entscheidende Rolle. Dennoch: Es ist belegt, dass Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden involvieren, fördern und halten, bessere Ergebnisse ausweisen als andere Unternehmen. Dabei ist auch der Nutzen effizienter Kommunikationsabläufe nachweisbar: • Rasche Informationsverbreitung und Entscheidungsfindung • Beschleunigte Umsetzung von Projekten und Plänen • Erhöhte Produktivität in Veränderungsprozessen • Hohe Mitarbeitermotivation und -loyalität Quelle: Mast, 2013


Je deutlicher und verbindlicher die Mitarbeiter sich einbringen können, desto höher sind die Chancen, dass Kultur und Kontur des Unternehmens dadurch profitieren. Auch Kritik muss möglich sein Unternehmen sollten also interessiert sein an mündigen Mitarbeitenden mit einer eigenen Meinung, mit Ideen und Freude am Dialog über alle Hierarchiestufen hinweg. Das setzt Vorgesetzte voraus, die auch mit Kritik umgehen können und sich als Vermittler und Vorbild verstehen. Der Informationsfluss, eine Kultur des Miteinanders, funktioniert, wenn die Mitarbeitenden merken, dass es ernst gemeint und willkommen ist. Die Kommunikationskultur muss Mut machen, Widerstand und Widerspruch zulassen und auch Kritik befördern können. Das ist gerade in Zeiten starker Veränderungen besonders wichtig.

Fatale Dissonanzen Die Gefahr ist sonst, dass sich Mitarbeitende nur zurückhaltend oder gar nicht einbringen; sie nehmen eine passive Haltung ein und sagen das, wovon sie glauben, dass es erwartet oder gerne gehört wird – oder aber sie schweigen und meiden Situationen, die zu Spannungen führen können. Kurzum: Sie getrauen sich nicht, ihre Meinung einzubringen. Wer etwas Kritisches sagt, begibt sich in Gefahr, negativ aufzufallen. Das kann zu gefährlichen Dissonanzen führen: Die Geschäftsleitung, das Topmanagement, ist unvollständig oder verzerrt informiert und bekommt nicht mit, wo der Schuh drückt. Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation

Die Marke lebt von innen heraus mha. Betrachten wir das Unternehmen als Marke, so sind die Mitarbeitenden der Markenkern. Was heisst Marke? Darunter sind die klaren Vorstellungsbilder in den Köpfen möglichst aller Menschen zu verstehen, die mit dem Unternehmen zu tun haben: Ihnen ist klar, wofür das Unternehmen steht, welches seine Werte, Mission und Vision sind. Es ist erwiesen, dass Mitarbeitende, die sich dieser Werte be-

wusst sind und nach ihnen handeln, eine stärkere Bindung zum Unternehmen haben – sie sind Markenbotschafter. Für den Ruf eines Unternehmens ist das entscheidend: Die Geschichten der Mitarbeitenden, ihre Vorstellungen vom Miteinander und ihre Einstellung zu den erklärten Unternehmenszielen prägen die Marke und füllen sie mit Inhalt. So, und nur so, kann die Marke ihre volle Kraft entfalten.

Buchtipps • Claudia Mast, Unternehmenskommunikation, UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz, mit UVK/Luvcius, München, 2013 • Franz-Rudolf Esch: Strategie und Technik der Markenführung, Verlag Franz Vahlen, München, 2012

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t Was gut

Mit Hoffnung nach Gambia 7500 Kilometer durch Europa und Afrika, über das Atlas-Gebirge und durch die West-Sahara: Die Rallye Dresden-Dakar-Banjul ist ein Abenteuer für wohltätige Zwecke. Sebastian Riedel will die ganze Strecke mit dem Motorrad zurücklegen. Worum geht es bei der Rallye Dresden-Dakar-Banjul? Sebastian Riedel: Es geht um die Unterstützung der Menschen in Gambia, eine Rallye für karitative Zwecke. 50 Teams fahren Autos und Motorräder nach Gambia, die vor Ort für gute Zwecke versteigert werden. Durch den Erlös sollen so viele Hilfsprojekte wie möglich unterstützt werden. Ausserdem transportieren wir Gebrauchsgegenstände wie zum Beispiel Verbandsmaterial, Spielsachen und Werkzeug.

Was ist Deine Motivation? Sebastian Riedel: Es ist ein Abenteuer. Gefragt sind Ideen und Kreativität, die einen weiterbringen, ans Ziel, um jeden Preis. Ich darf nicht verzweifeln, wenn mein Motorrad defekt sein sollte; man kann es reparieren. Es geht immer irgendwie weiter. Wir wollen Lebensfreude nach Gambia bringen, Mut, Hoffnung. Die funktionierenden Fahrzeuge, die wir bringen, sind eine Unterstützung für die Menschen dort – Hilfe zur Selbsthilfe. Am meisten beeindruckt mich das Projekt eines Frauengartens: Die Frauen pflanzen dort selber Gemüse an und leiten den Garten in Eigenverantwortung; ich sehe, dass dies die beste Hilfe zur Selbsthilfe ist. Das gibt Geld für weitere gute Zwecke. Indem wir die Fahrzeuge selbst nach Gambia fahren, sehen wir, was damit geschieht. Es handelt sich um Fahrzeuge, die bei uns als ausgedient taxiert werden und nicht mehr manche Motorfahrzeug-Kontrolle bestehen würden. Aber in Gambia herrschen andere Regeln: Dort sind diese Fahrzeuge Gold wert. Die Menschen in Afrika können sie brauchen. Sie müssen aber auch bezahlbar sein. Darum ist eine Regel, dass die Fahrzeuge, die wir runterbringen, nicht mehr als 1000 Euro kos-

«Es geht auch darum, füreinander da zu sein und gesund anzukommen.»

Welches sind dabei die grössten Herausforderungen? Sebastian Riedel: Die Rallye startet in Dresden, am 8. November 2014. Spätestens am 30. November 2014 müssen wir in Gambia eintreffen. In den ersten vier Tagen müssen wir 3000 Kilometer zurücklegen, um rechtzeitig die Fähre über die Strasse von Gibraltar zu erreichen. Der Weg führt dann über das Atlas-Gebirge und sechs Tage lang durch die West-Sahara. Weitere Bedingung ist, dass eine Fahrt bei Ebbe an der Küste entlang stattfindet. Das alles steht unter dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Es geht auch darum, als Team füreinander dazu sein, die Fahrzeuge heil nach Gambia zu bringen und gesund anzukommen.

Kritik äussern zu dürfen ist wichtig – gerade in Zeiten starker Veränderungen.

ten sollten. Ich fahre auf einer Suzuki DR 650 RS; ein befreundetes Paar im selben Team ist mit einem Ford Transit unterwegs, und in einem Audi 80 fahren zwei weitere Personen mit; sie sind meine Ersatzfahrer; wir wechseln uns ab. Insgesamt sind 50 solcher Teams am Start. Was wird Dein Gewinn sein bei diesem Projekt? Sebastian Riedel: Ich habe mich dazu entschlossen, weil ich merkte: Ich stumpfe ab; die Nachrichten interessieren mich nicht mehr. Ich will wieder wertschätzen können, was ich habe. 10 Prozent der Erdbevölkerung leben in Wohlstand, 90 Prozent haben wenig oder nichts. Man kann das nur verstehen, wenn man es selbst gesehen hat. Man darf mit den Menschen im Staub sitzen, deren Alltag erleben, Leid und Not mitbekommen – dann weiss man wieder, was man hat. Das ist auch bei Brüggli ein Thema, einfach im kleineren Rahmen: Ich kann die Menschen nur verstehen, indem ich mich mit ihnen beschäftige. IV-Berichte und allerlei Dokumentationen reichen nicht – ich muss mich selbst mit den Menschen befassen. Was ist Deine grösste Sorge rund um das Projekt? Sebastian Riedel: Die ersten vier Tage dürften hart werden: Wir müssen Gibraltar erreichen. Ich hoffe auf gutes Wetter und darauf, dass ich es körperlich


50 Teams fahren Autos und Motorräder nach Gambia, die vor Ort für gute Zwecke versteigert werden. Mit dabei: Sebastian Riedel. durchstehe. Ich mache es mir extra schwer, weil ich mit dem Motorrad gehe. Schlamm, Sand, Regen, Kälte sind Unsicherheitsfaktoren. Sorgen machen mir auch die Krankheiten. Ebola ist ein Thema, wenngleich Gambia nicht direkt betroffen ist. Auf Krankheiten wie Malaria, Gelbfieber oder Tollwut kann ich mich mit einer Schutzimpfung einstellen. Was ist Deine grösste Freude rund um das Projekt? Sebastian Riedel: Ich muss mich überwinden. Ich glaube, ich mache etwas, wovon ich glaube, es nicht zu können. Daran kann ich wachsen. Eine gute Vorbereitung ist umso wichtiger: Sport, Fitness, Physio, Fahrertrainings. Ich befasse mich ausserdem mit der Geografie, dem Klima und der Kultur in den Ländern, durch die wir fahren.

DRESDEN

MONTPELLIER VALENCIA ALGECIRAS MARRAKESH

unbezahlten Urlaub gewähren kann. Darum habe ich gekündigt; das fiel mir nicht leicht; ich hatte mich aber für die Rallye entschieden und muss die Termine einhalten. Das ist eine Chance, die einem in dieser DAKAR Konstellation nur einmal gegeben ist – halt zu einer für die Gastronomie Usblick ungünstigen Zeit. Es ist noch offen, wie es weitergeht. Ich arbeite sehr gerne bei Brüggli und hoffe, dass ich zurückkehren kann. Ich verstehe aber gut, dass Brüggli nicht einfach auf mich warten kann, sondern die Lücke rasch schliessen muss.

BANJUL

«Ich glaube, ich mache etwas, wovon ich glaube, es nicht zu können.»

Wie bekommst Du Deine Tätigkeit als Koch bei Brüggli in Einklang mit Deiner Teilnahme an der Rallye? Sebastian Riedel: Ich bin im November nicht da. Das ist eine Zeit, in der ich besonders gebraucht worden wäre. So gesehen ist es schwierig. Und ich kann verstehen, dass mir Brüggli nicht einfach

Generell: Wie sind die Reaktionen bei Brüggli auf Deine Teilnahme an der Rallye Dresden–Dakar– Banjul? Sebastian Riedel: Es stand ja im Intranet, und ich machte auch sonst Werbung für die Rallye. Praktisch täglich sprechen mich Leute darauf an; sie finden es gut. Auf den Aufruf, mir Gebrauchsgegenstände mitzugeben, hat zum Beispiel die Wäscherei reagiert: Sie boten mir Verbandsmaterial sowie Salben an. Und jemand anders hat mir an-

onym ein Kuvert mit einer Spende drin zukommen lassen. Wer immer das war: Ich danke dieser Person sehr. Wie können wir Dich während der Rallye unterstützen? Sebastian Riedel: Daumen drücken und online mitfiebern. Ich berichte täglich auf Facebook – vorausgesetzt, wir haben eine Internetverbindung. Interview: Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation

Mehr von Sebastians Team: www.facebook.com/rallye2014 www.rallye2014.com Mehr zur Rallye generell: www.rallye-dresden-dakar-banjul.com

Die meisten kennen Sebastian Riedel aus der Usblick-Küche. In Motorradmontur dürften ihn die wenigsten gesehen haben. Bilder: Privatarchiv

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Ihre Illustration Wollen Sie auch ein solches Portrait von sich? Dann machen Sie mit: «unterwegs» verlost in jeder Ausgabe eine Illustration, verwirklicht von Luca Ammann, der bei uns Grafiker lernt. mha. Bewerben Sie sich mit dem Talon auf dieser Seite. «unterwegs» lost eine Gewinnerin oder einen Gewinner aus. Sie oder er erhält dann eine Illustration im Format A4, fixfertig eingerahmt. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird jeweils in der nächsten Ausgabe von «unterwegs» vorgestellt – natürlich mitsamt Illustration.

Es können alle interessierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Brüggli teilnehmen. Einzige Bedingung: Wer gewinnt, hängt seine Illustration am Arbeitsplatz auf. Unsere Leserinnen und Leser von auswärts bitten wir ausnahmsweise um Nachsicht; diese Verlosung ist Brügglis Mitarbeitenden vorbehalten. Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme.

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Ja, ich will mein eigenes Portrait gewinnen. Vorname Name Abteilung/Bereich

Senden Sie diesen Talon vollständig ausgefüllt per interner Post an: Michael Haller, Unternehmenskommunikation Teilnahmeschluss: 31. März 2015

Die Gewinnerin oder der Gewinner wird im April 2015 benachrichtigt.


Auf eine n

Hühner Enten Schweine Truthähne

Unser täglich Fleisch

1’383

Gänse/Perlhühner Ziegen

000’000

Schafe

58’110 000’000

Rinder

296

000’000

Blick

China: USA: Brasilien: Indonesien:

11’080 Mia 8’955 Mia 5’370 Mia 2’049 Mia

430

000’000

Der übermässige Fleischkonsum unserer Wohlstandsgesellschaft schadet der Umwelt aufs Gröbste. Leid für Mensch und Tier sind damit verbunden. Gönnen Sie sich heute ein vegetarisches Gericht – zum Beispiel in der Brüggli-Gastronomie Usblick oder in jedem anderen fortschrittlichen Restaurant.

2’817

649

000’000

000’000

654

000’000

517

000’000

Fleischproduktion pro Jahr weltweit in Tonnen

Schlachtungen weltweit in MilliardenTiere im Jahr

100’000’000 0

285’700’000

Prognose: 470’000’000

200’000’000

243’000’000

300’000’000

206’853’000

400’000’000

186’000’000

500’000’000

Produktion pro Jahr weltweit in Tonnen

Was braucht es für ein Kilo Fleisch?

1992 1995 2002 2007 2050

Schweinefleisch

?

Rindfleisch

Ein gezüchtetes Schwein liefert durchschnittlich 90 Kilo Fleisch, 5 Kilo essbare Innereien und 2.5 Kilo Haut.Es lebt 10 Monate.

Ein industriell gezüchtetes Rind lebt (je nach Weltregion)ungefähr drei Jahre und liefert rund 200 Kilo Fleisch.

15’455

Infografik: Regina Furger Quelle: EvB, Erklärung von Bern Fleischatlas 2014

Liter Wasser für ein Kilo Rindfleisch

5’033

36

Liter Wasser für ein Kilo Schweinefleisch

Kilo Rauhfutter für ein Kilo Rindfleisch

Kilo Getreide und Soja für ein Kilo Schweinefleisch

Kilo Getreide und Soja für ein Kilo Rindfleisch

4,3

6,5

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ut

t Was gut

Unter die Haut Drei Tätowierungen, drei Geschichten: vielleicht schräg, skurril, auf jeden Fall persönlich. Ein Tattoo ist etwas Einzigartiges, das unter die Haut geht – meist lebenslänglich.

Carmen Staubli: Im Namen der Blume «Die Blumen auf meinem Rücken haben mit meiner damaligen Trennung zu tun», sagt Carmen Staubli, die sich vor dreieinhalb Jahren dieses Ganzkörpertattoo hat anfertigen lassen. Die Rosen seien für sie ein Neubeginn in ein neues Leben gewesen, sagt sie, und sie würden ihr Kraft, Schönheit und Durchhaltewillen bedeuten. Sie liebe Blumen, sagt sie. «Ich liebe ihre positive Frische, und man begegnet den Blumen bei mir zu Hause in verschiedenen Variationen.» Für Carmen Staubli spielt die Ästhetik und die Stelle, an der tätowiert wird, eine wichtige Rolle. Sie habe deshalb eine Körperstelle gewählt, an der das Tattoo im Alter nicht zu sehr stören würde. Etwas Zeitloses, Schönes sollte es sein. Und dabei sei ihr auch wichtig gewesen, wer den Akt des Tätowierens ausführen würde. «Ich lernte den Tätowierer während des Zeichnens ein wenig kennen – er war mir sympathisch», sagt sie. Ansonsten hätte sie sich von ihm nicht tätowieren lassen können.

Daniel Köppel Mitarbeiter Unternehmenskommunikation

Bilder: Rahel Scheuber, Natasha Larocca, Calvin Mattes und Yannick Müller


Anita Kaminski: What else? Echt jetzt?, mag man fragen, wenn man zum ersten Mal von Anita Kaminskis Tätowierung hört. Sie hat sich nämlich zwei Komikfiguren in Form von Kaffeekapseln auf die Wade machen lassen. Ihre Freundin besitzt ein eigenes Tätowierstudio – und so lag die Wahl nahe. «Mein Freund und ich sind zwei Kaffee-Junkies», sagt Anita Kaminski. Im Hinblick auf ihre Verlobung suchten die beiden nach einem originellen Symbol. «Wir wollten nicht die klassischen Verlobungsringe, die Otto Normalverbraucher in der Regel als Zeichen der Freundschaft tragen», sagt sie. So haben sich die beiden für ein Tattoo entschieden, das ihre Freundschaft durch zwei Komikfiguren in Form von Kaffeekapseln unterstreicht – sie trägt es an der rechten Wade, er an der linken. Die händchenhaltenden Kaffeekapsel-Figuren haben auch Anleihen an den Film «Herr der Ringe». Denn über ihnen steht in elbischer Sprache und in gebundener Schrift «im mile le». Auf Deutsch: «Ich liebe dich». «What else?», fragt der Gentleman im Werbefilm für Kaffeekapseln – was mehr, was sonst? Für Anita Kaminski ist die Antwort klar: Viel mehr – ein Bund fürs Leben.

César Kurat: Indianerblut «Geronimo» ist als Apachenhäuptling und Schamane einer der bekanntesten Indianer und Widerstandskämpfer im 19. Jahrhundert Nordamerikas. César Kurat trägt ihn als Tattoo und als Symbol der Liebe an seinem Oberarm. Er gebe ihm Kraft und Halt, besonders wenn er traurig sei. «Wenn ich in schwierigen Momenten das Tattoo berühre, stellt sich bei mir eine Zufriedenheit ein und ich spüre Wärme», sagt er. Und es gebe sogar Momente, in denen er mit ihm spreche, wie damals vor einer Operation, als er ihn darum gebeten habe, er möge für ihn nur das Beste tun. César Kurat erzählt, er sei schon immer ein Indianerfan gewesen, und er habe früher viele Dokumentarfilme über sie gesehen, und er lese noch heute gerne ihre Geschichten. Die

Tätowierung habe ihn einige Zigaretten gekostet. «Ich war sehr nervös.» Schliesslich sei «Geronimo» sein erstes Tattoo gewesen. «So wie ich ‹Geronimo› in den letzten Jahren als meinen treuen Begleiter kennengelernt habe, muss er in seinem richtigen Leben ein ganz lieber Mensch gewesen sein», sagt César Kurat.

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Pele Brunner, Betreiber des Tattoo- und Piercingstudios skin deep art GmbH in St.Gallen

tut Was gut

Symbole der Persönlichkeit Das Symbol gesellschaftlicher Randgruppen ist zum Popstar aufgestiegen und prägt über weite Strecken unser Alltagsbild: Wer ein Tattoo hat, gilt als cool. «Tätowierungen sind was für Matrosen, Sträflinge und Szenegänger des Rotlichtmilieus», mahnten damals die Eltern ihre Kinder. Sie waren von der Vorstellung nicht sonderlich angetan, dass ihre heranwachsenden Söhne und Töchter eines Tages mit einer Tätowierung für ungläubige Blicke in der Nachbarschaft sorgen könnten. Und heute? Tattoos machen Leute Die Eltern tragen mittlerweile auch eines, und ihre Sorgen haben sich inzwischen darauf beschränkt, dass sich ihre Kinder einen solchen Eingriff gut überlegen sollten. Inzwischen prägen die schmucken Bilder unter der Haut das Alltagsbild und werden in allen Gesellschaftsschichten getragen. Sie sind in einer Zeit der Individualisierung für viele Menschen Ausdruck für Exklusivität, Selbstdarstellung und Abgrenzung. Selbst in adeligen Kreisen gilt es als chic, wenn unter dem Seidenhemd «zufällig» ein Tattoo durchschimmert, das den Motor einer Harley Davidson zeigt – ein Hauch Rebellion hinter der gestandenen Fassade.

welche die gesellschaftlichen Wertvorstellungen in Frage stellte und ein neues Bewusstsein propagierte. Besonders in der Flower-Power-Bewegung wurde der Körper Teil der Botschaft; da wurden auch mal Friedensparolen tätowiert. Mitte der 1970er-Jahre wurde diese Haltung von der Punkbewegung übernommen als Teil des Protests.

Der Eingriff unter die Haut will gut überlegt sein.

Tattoos und Lifestyle In den 1980er-Jahren wurden die Tattoos mit den Heavy-Metal-Bands zum Trend. Die smarten Rocker belegten nicht nur die Stammplätze in den Top 10 der Musikcharts, sondern waren auch in der Modewelt omnipräsent. Die Tattoos wurden Teil der Vermarktung, und die Modebranche zog fleissig mit. Sie ermöglichte den Tattoos in den Neunzigern den Siegeszug, der bis heute ungebremst geblieben ist: Tätowierungen werden von der breiten Masse als Schmuckstück oder persönliches Markenzeichen getragen.

Ein Tattoo ist ein Symbol für die eigene Persönlichkeit und Individualität.

Der Körper wird Teil der Botschaft Es war dann auch während dem gesellschaftlichen Aufbruch in den 1960er-Jahren, als die Tattoos das Weltbild der Rocker und der Hippies prägten. In der Szene waren sie Ausdruck für das Zusammengehörigkeitsgefühl, aber auch Teil einer Weltanschauung,

soll an gewissen Körperstellen Einschnitte haben, die von starker Beanspruchung zeugen; es seien da Zeichen und Symbole mit Holzkohle unter die Haut gerieben worden. Man geht davon aus, dass es sich dabei um therapeutische Massnahmen zur Schmerzlinderung handelte. Auf Lebenszeit Sich ein Tattoo stechen zu lassen ist eine Entscheidung, die wahrlich unter die Haut geht, denn sie prägt ein Stück weit den Rest des Lebens. Das Motiv wird ein ständiger Begleiter und soll deshalb gut überlegt sein. Allein die Tatsache, dass sich der Mensch und seine Sicht der Dinge im Verlaufe des Lebens verändern können, soll Anlass dafür geben, diesen Schritt verantwortungsvoll zu gehen. Denn das Tattoo wird vom Augenblick des ersten Stichs zu einer Ausdrucksform und zu einem Symbol der eigenen Persönlichkeit. Daniel Köppel Mitarbeiter Unternehmenskommunikation

Die Tattoos unserer Vorfahren Wer hätte gedacht, dass bereits Ötzi ein Tattoo getragen haben soll? Gemeint ist nicht etwa DJ Ötzi, sondern dieser Ötzi, der vor über 5000 Jahren in den Ötztaler Alpen gelebt hat und nun als Gletschermumie das Südtiroler Archäologiemuseum hütet. Er

Tattoos und Gesundheit dkl. In der Schweiz wurden die Tattoofarben der Hersteller und Tätowier-Studios untersucht. Das Resultat gibt zu denken: Ein Drittel der 190 untersuchten Produkte gefährden die Gesundheit und dürften in der Regel nicht in den Regalen stehen, weil sie unzulässige Farbstoffe enthalten, die krebserregend sein könnten. Davon betroffen sind laut «Kassensturz» rund 700‘000 Schweizerinnen und Schweizer, die sich

Farbstoffe unter die Haut spritzen liessen, von denen die Tätowierer nicht wissen, ob sie keine gesundheitliche Schäden verursachen. Die Tätowierer wüssten zum Teil nicht, was sie für Farbstoffe beziehen, berichtet der Kassensturz. Die Farben würden aus aller Welt bezogen und zum Teil verunreinigte und nicht deklarierte Inhaltsstoffe enthalten, die nicht auf ihre toxikologischen Werte geprüft wurden.

Kantonschemiker aus der Stadt Basel begründen dieses Resultat damit, dass die Tätowierer Farbstoffe bevorzugen, die nicht wasserlöslich sind, im Gegensatz zu den herkömmlichen Kosmetika, die zwar wasserlösliche Stoffe enthalten, sich aber für das Tätowieren nicht eignen. Quelle: Kassensturz, Beitrag «Tattoo-Farben: Dauerhaft unsicher», 2011


«Ein Tattoo zeigt, was man erlebt hat» Pele Brunner ist Tätowierer. Er erklärt, was einen guten von einem schlechten unterscheidet. Und er zeigt auf, was dringend zu beachten ist, wenn man sich mit einem Tattoo befasst. Herr Brunner, was tun Sie, wenn ein 13-Jähriger zu Ihnen kommt und sich ein Tattoo machen lassen will? Pele Brunner: Wir lehnen grundsätzlich Tattoos unter 18 Jahren ab. Obwohl gesetzlich nicht geregelt, zeigt die 20-jährige Erfahrung, dass es richtig ist so. Wie sehen Sie die Rolle der Eltern und Erziehungsberechtigten? Bis zur Volljährigkeit liegt für mich die Mitverantwortung klar bei den Eltern. Sie sind auf jeden Fall beizuziehen. Wir informieren gerne auch Eltern vor Ort, die mit diesem Thema nicht vertraut sind. Leider wird es immer schwieriger, da nicht alle Jugendlichen wünschen, dass ihre Eltern mitreden; lieber orientieren sie sich an Gleichaltrigen. «Kassensturz» hat in einem Test nachgewiesen, dass ein Drittel aller verwendeten Tattoo-Farben gesundheitsgefährdend sind. Was sagen Sie dazu? Das ist schon eine Weile her. Heute ist es gesetzlich geregelt. Die Kontrollen liegen beim Kanton, finden aber spärlich bis gar nicht statt.

Gab es auch schon unzufriedene Kunden? Wie reagieren Sie in einem solchen Fall? Ja, das gibt es. Wir laden dann zu einem klärenden Gespräch ein, um den Grund zu erfahren. In den meisten Fällen finden wir eine Lösung. Welchen Stellenwert haben Tattoos heute? Sind sind Statussymbole und gehören zum Lifestyle. 40% der 18- bis 34-Jährigen in der Schweiz haben ein Tattoo. Die Werbung, die Modebranche und Sportler machen es ihnen vor. War vor 15 Jahren ein Model oder ein Fussballer tätowiert, bedeutete dies einen Karriereknick. Schaut euch heute die Werbung oder die Fussball-WM an – überall Tätowierungen. Sie sind moderne Tagebücher. Ein Tattoo zeigt, was man erlebt hat, wen man liebt, wer wir sind und was uns wichtig ist. Es verkörpert die letzte Freiheit in einer kontrollierten Welt: Mit meinem Körper mache ich was ich will. Was unterscheidet einen schlechten Tätowierer von einem guten? Über den künstlerischen Stand kann sich jeder durch Direktvergleiche ein Bild machen. Wichtig: Er befolgt einen Hygieneplan, er klärt seine Kunden auf, er versteht sich als Berater, arbeitet mit einer Einverständniserklärung und nimmt seine Verantwortung wahr. Das macht für mich einen guten Tätowierer aus.

Wie sollte man sich auf den Termin beim Tätowierer vorbereiten? Wir empfehlen, ausgeruht, stressfrei, satt und gesund zum Tattoo-Termin zu erscheinen. Schmerzmittel sind ein Tabu, ebenso Alkohol und Drogen. Auch ein Sonnenbrand oder Ausschlag ist ein Grund, den Termin zu verschieben. Wann raten Sie von einem Tattoo ab? Aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen. Politische Symbole sind ein absolutes No-Go. Auch wenn ich merke, dass der Kunde unsicher ist, rate ich ab. Wenn ich oder der Kunde selbst ein schlechtes Bauchgefühl habe, lassen wir es sein. Auch hier gilt: Wer mehr weiss, übernimmt die Verantwortung. Es gibt Möglichkeiten, ein Tattoo zu entfernen. Was halten Sie davon? Die Möglichkeiten überzeugen mich bis heute nicht zu 100%. Da die Haut bereits beim Tätowieren mechanisch bearbeitet wird, ist sie bereits verletzt und je nach Art der Tätowierung leicht vernarbt. Werden die Pigmente danach per Laser entfernt, bleibt vielfach die leichte Vernarbung sichtbar. Interview: Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation

Es sind längst nicht mehr nur Knastbrüder, Rocker und Matrosen, die sich tätowieren lassen. unterwegs 1114 |

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ut

t Was gut

Humor für die Hausapotheke Wer Humor hat, hat es leichter. Er ist ein Rezept und ein Ventil ohne gesundheitsschädigende Nebenwirkungen. Im Gegenteil: Mit Humor und einem Lächeln erhellen wir uns selbst und anderen den Alltag. Clowns, Kabarettisten oder Komödianten sind wahre Meister ihres Fachs, wenn es darum geht, ihr eigenes «Stolpern» zur Show zu stellen. Wir amüsieren uns und honorieren die Darbietung mit einem Lachen und Applaus. Könnte es sein, dass wir uns darin wiedererkennen? Können wir uns mit unseren Schwachstellen erst anfreunden, wenn wir ihnen mit Humor begegnen? Unsere selbsternannten Schwächen können ihren negativen Beigeschmack verlieren, wenn wir ihnen mit Humor begegnen. Sei es durch ein inneres Lächeln oder ein lautstarkes Lachen: Die Entfachung dieses heilsamen inneren Feuers scheint für den Menschen überlebenswichtig.

Der Humor als Überlebensstrategie Man stelle sich für eine Minute einen Menschen vor, der ein Leben lang weder für sich selbst noch für seine Mitmenschen ein Lächeln übrig hat und jeder Lebenslage mit bitterem Ernst begegnet. Auch wenn es den Anschein macht, dass wir pausenlos von solchen Menschen umgeben sind, wird sich wohl manch ein Leser nach dieser bitteren Andacht um ein paar Jahre älter fühlen. Selbst ein Zombie würde vermutlich bei diesem Gedanken in seinem trostlosen Dasein noch mehr ergrauen. Ein solcher Zustand ist schlichtweg nicht möglich und gleicht einem Scheintod. Selbst an Orten, wo «Hopfen und Malz» verloren zu sein

Lachen ist gesund. Es regt auch Herz und Kreislauf an.

scheint, kommt es unter «Gleichgesinnten» zu aufbauenden Sprüchen, auch wenn diese in der Regel weniger gesellschaftskonform sind. Hauptsache, der Humor hält sie bei der Stange und somit am Leben. Spiegel der Persönlichkeit Wenn man dem Humor in den gängigen Nachschlagewerken auf die Spur geht, wird er tatsächlich mit einer Überlebensstrategie in Verbindung gebracht. Er sei eine Begabung, die es uns erlaubt, mit den «alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen», steht da geschrieben. Und die Humorforscher sind sich darüber einig, dass alle Menschen mit einer humoristischen Anlage auf die Welt gekommen sind. «Als humorvoll gelten allerdings erst jene, die sich nicht allzu ernst nehmen», sagt Humorforscher Willi-


Wir dürfen auch mal über uns selbst schmunzeln – zum Beispiel beim Blick in den Spiegel.

bald Ruth, der davon überzeugt ist, dass der Humor Menschen verbinde und der beste Weg sei, mit dem Leben umzugehen. «Der Humor steht sehr stark mit der eigenen Person in Verbindung und sagt etwas über unsere Wertvorstellungen aus», sagt er zum Thema «Humor als ernste Wissenschaft».

lerweile über Generationen hoher Beliebtheit erfreut, sind die Filme der Monty-Python-Truppe. Hier wird der britische Humor in seiner Trockenheit und Schwärze richtiggehend zelebriert, was in seiner Emotionslosigkeit schon fast wieder zum Nachdenken anregt. Zweifelsohne wird im Humor eine Botschaft transportiert. Ob diese verstanden oder missverstanden wird, hängt vom Betrachter und von seiner eigenen Weltanschauung ab.

Es hilft, den eigenen Schwächen mit Humor zu begegnen.

Entsprechend wird das Lachen in medizinischen Bereichen als Therapie eingesetzt. Untersuchungen aus den USA gehen sogar davon aus, dass das Lachen die Immunabwehr stärke und für Krebspatienten von Bedeutung sein könnte. So gibt es mittlerweile Lachtherapien wie das Humortraining oder das Lach-Yoga, wo mit spielerischen Übungen die Lachmuskulatur aktiviert wird. Die zwei Gesichter der Satire Vom einfachen Witz über die Ironie bis hin zum Spott und Zynismus: Der Humor ist vielfältig, individuell und von der eigenen Weltanschauung geprägt. Was die einen den Brüller finden, empfinden andere als moralisch verwerflich. Das wohl klassischste Beispiel in Sachen Satire, die sich mitt-

Humorspritze in Seminaren Clown Pello, der mit Humorseminaren das Feinfühlige in den Menschen berühren will, lehnt den schwarzen Humor ab. Seine Devise ist es, mit dem Humor die Seele der Menschen zu berühren und nicht zu verletzen. Er sieht darin die Möglichkeit, unsere unangenehmen Seiten anzunehmen und im Alltag zu integrieren. «Die Menschen müssen lernen, über sich selber zu lachen», sagt er. Dies würde schon am Morgen beim ersten Blick im Spiegel beginnen. «Anstatt uns dabei anzuwidern, weil wir zerknittert dreinschauen, sollten wir uns mit einem

Lächeln ‹Guten Morgen› sagen, findet er. Es passe nicht zusammen, dass wir mit unseren selbsterschaffenen Beleidigungen an den Arbeitsplatz gehen und dann noch erwarten, dass wir dort geliebt würden, sagt er weiter. Der Humor scheint also in allen sozialen Schichten ein bewährtes Heilmittel zu sein, denn wer lachen kann, lebt zufriedener. Darüber sind sich auch die Humorforscher an der Universität Zürich einig, die herausgefunden haben, dass beim Lachen von der Gesichtsmuskulatur bis zur Atemmuskulatur über hundert Muskeln beteiligt sind. Zudem würden das Herz und der Kreislauf in höchstem Grade angeregt. Wer Humor in den Alltag bringt, lässt Freude aufkommen und tut sowohl für die geistige Umwelt als auch für die eigene Gesundheit etwas Gutes. Dürfte dies nicht Anlass dazu geben, die eigene mentale Hausapotheke zu überdenken und aufzurüsten? Es darf also munter weiter gelacht werden, und dies ganz ohne Nebenwirkungen. Daniel Köppel Mitarbeiter Unternehmenskommunikation

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Por trait

Das Anziehen der Reitstiefel und die Arbeit im Stall sind ein Kraftakt. Doch Andreas Graf hat einen starken Willen.

Andreas, der Lebensmeisterer Seinen Lebensmut hat Andreas Graf trotz zerebraler Lähmung nie verloren. Das Reiten, das Schwimmen und die Familie geben ihm Kraft. In der MechanikAbteilung von Brüggli hat er eine sinnstiftende Arbeit gefunden. Andreas kam am 5. Oktober 1962 zur Welt. Das war einiges zu früh, nicht nur aus medizinischer Sicht, sondern auch unpassend für die Eltern, steckten diese doch mitten in der Obsternte wie viele andere Bauern auf ihren Thurgauer Höfen damals. Nach der Brutkastenzeit im Spital kam Andreas nach Hause zu den Eltern und drei Brüdern. Bald stellte sich heraus, dass er gewisse Beeinträchtigungen hat. Die Diagnose «Zerebrale Lähmung» (heute: spastische Diplegie) war hart für die Eltern, waren sie doch mit der Kinderschar und dem Hof mehr als ausgelastet. Therapien und Operationen Viele Therapien und einige Operationen prägten die ersten Lebensjahre von Andreas, und seine Mutter war unzählige Male mit ihm «turnen», wie in der Familie die Physiotherapie damals genannt wurde. Lange konnte er sich höchstens mit einer Art Rollrahmen fortbewegen. Mit sechs Jahren folgte ein längerer Spitalaufenthalt mit langer Rehabilitationsphase, da ihm die Sehne des einen Beines verlängert wurde. Immerhin konnte Andreas im Blick auf die Schulzeit dann an Stöcken und den Wänden entlang eine gewisse Selbständigkeit an den Tag legen. Auf die Frage, wie er

diese Situation seelisch verkraftet hätte, meinte er, sein Sonderstatus hätte ihm ja auch gewisse Vorteile gebracht, aber am ehesten hätte er dann gelitten, wenn «dicke Luft» herrschte und er sich nicht aus dem Staub machen konnte wie andere. Ein Glücksfall war es für ihn, dass in seinem Heimatdorf neben der Dorfschule auch eine Sonderschule angeboten wurde. Nicht selten nahmen ihn seine älteren Brüder hinten auf dem Mofa mit. So erlebte er eine ähnliche Schulzeit wie seine Brüder, einfach alle neun Jahre im gleichen Schulhaus.

es auf dem elterlichen und heute brüderlichen Hof wieder Pferde. Andreas wurde seither schon tausende Male aufs Pferd gesetzt. Mit wenig Hilfe schaffte er es in seinen besten Zeiten dank seiner kräftigen Armen selber hinauf. Heute wird er von familienexternen Begleitern unterstützt. Eingeschworenes Team Im Vergleich zu einem nicht gehbehinderten Menschen ist für Andreas aber nicht nur das Aufsteigen mit einem besonderen Willensakt verbunden. Alleine das Anziehen der Stiefel ist ein Kraftakt, den er sitzend bewältigen muss, wegen seinen versteiften Beinen. Geradezu halsbrecherisch mutet es an, wenn er das Pferd sattelt und das Zaumzeug umlegt, da er sich dabei stets am Pferd halten oder anlehnen muss. Wenn er schliesslich sogar daneben kniend die Pferdehufe pflegt und die Schutzgamaschen anzieht, ist unübersehbar, dass hier ein eingeschworenes Team von Mensch und Tier mit gegenseitiger Zuneigung entstanden ist. Und es versteht sich, dass dahinter nicht nur die Zeit auf dem Sattel, sondern viel übrige gemeinsame Zeit in Stall und auf der Weide steckt. Es ist auch leicht nachvollziehbar, was es ihm bedeutet, vier gesunde Beine unter sich zu wissen.

Viele Therapien und einige Operationen prägten seine ersten Lebensjahre.

Im Wasser und auf dem Pferd Da Bewegung die beste Vorbeugung gegen jegliche drohende Versteifung der Beine war und ist, begann er mit 14 auch regelmässig zu schwimmen. Er besuchte viele Jahre Kurse und Angebote des Behindertensportklubs in Weinfelden und pflegt dieses Hobby noch heute. Zahlreiche Schwimmdiplome schmücken daher sein Zimmer. Eine weitere freizeitliche Therapieform ist das Reiten. Seit inzwischen mehr als 45 Jahren gibt

Man kann sagen: Andreas hat zur Erhaltung seiner seelischen und körperlichen


Andreas hat zur Erhaltung seiner seelischen und körperlichen Mobilität ganz aufs richtige Pferd gesetzt. In der Nähe der Pferde blüht Andreas sichtlich auf. Bilder: Rahel Scheuber und Natasha Larocca

Mobilität ganz aufs richtige Pferd gesetzt. Unersetzlich ist auch die Hilfe seines Bruders, der ihm Stall und Koppel nicht nur günstig vermietet, sondern auch sicherstellt, dass die Pflege und der Auslauf selbst dann klappen, wenn es Andreas mal nicht so gut geht. Lobenswert ist auch die Treue seiner verschiedenen Reitbegleiter. Lehre als Metallbearbeiter Andreas stellt zwar das Begleitpferd zur Verfügung und kann aus dem Beitrag der Krankenkasse auch eine Spesenentschädigung berappen, aber es ist erfreulich, wieviel Unterstützung und Wohlwollen er von diesen Freunden erhält. Diese unternehmerischen und initiativen Fähigkeiten hat Andreas nicht von ungefähr entwickelt. Obwohl er sich als Jugendlicher auf dem Bauernhof nur wenig nützlich machen konnte, wurde er nicht verwöhnt. Lange kümmerte sich vor allem sein Vater um die Unterstützung im administrativen Bereich und in Verhandlungen mit Behörden. Nach dessen Tod packte Andreas vieles selber an und erhält dabei nur noch wenn nötig die Unterstützung seiner Brüder. In der «Milchsuppe» in Basel fanden seine Eltern damals für ihn eine geeignete Stätte, wo er sich nach diversen Abklärungen für eine Lehre als Metallbearbeiter entschloss. Dies, weil er an Bohr- und Fräsmaschinen sowie an Drehbänken sitzend einzelne Bearbeitungsschritte selbständig erledigen konnte.

Mit Berufskenntnissen und einem gestärkten Selbstvertrauen kehrte er auf den Hof zurück und hatte das Glück, im Nachbardorf einen Arbeitgeber zu finden, der Personal auf solche Maschinen suchte, wie Andreas sie kannte. Viele Jahre gehörte er dort zum Team und fertigte unzählige Kunststoffteile an, die in aller Welt zum Einsatz kommen. Seine Zuverlässigkeit und die Freude an der Arbeit führten dazu, dass man ihm das Ab- und Aufschliessen der Werkstätten übertrug. Einige Jahre fuhr er mit seinem Dreiradmofa zur Arbeit, was aber vor allem im Winter zu riskanten Situationen führte. Da es inzwischen auch Autos gab, die umgerüstet völlig von Hand bedienbar sind, wurde diese Option ins Auge gefasst. Dass es dann noch eine Weile dauerte und einiges auch an Überzeugungsarbeit kostete, bis das Auto angeschafft und damit auch die Fahrstunden und Prüfung erfolgreich bewältigt waren, kann man sich vorstellen. Den Arbeitsweg heute, um einiges länger als früher, bewältigt er indessen mehrheitlich mit dem Zug. Um auf einen für Gehbehinderte geeigneten Bahnhof zu gelangen, ist er dennoch auf das Auto angewiesen.

Die Diagnose «Zerebrale Lähmung» war hart – für Andreas wie für seine Eltern.

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Der Umgang mit den Pferden tut ihm gut. Dank den gutmütigen Tieren und engagierten Menschen in seinem Umfeld kann sich Andreas Graf trotz körperlicher Behinderungen entfalten.

Ein Rückschlag Seine Geschichte in der Arbeitswelt ist geprägt von Glück und Pech. Nach 20 Jahren wurde er Opfer der Rezession, da die Firma für seine Abteilung zu wenig Aufträge hatte. Mit Hilfe der IV-Stellenvermittlung ging es an die Arbeitssuche. Kurz fand er in Beschäftigungsprogrammen der Arbeitslosenkasse Arbeit. Schliesslich wurde er fündig in einer neu gestarteten Firma in Weinfelden, wo elektrische Bauteile assembliert werden. Nach zwei Jahren erhielt er von früheren Kollegen die Aufforderung, sich doch bei der Nachfolgeleitung seines ersten Arbeitgebers wieder zu bewerben. Glücklich gelang diese Rückkehr an den alten Arbeitsplatz. Die Wirtschaftslage war indessen noch nicht sehr solide und so war es für das Team ein Schock, der auch den inneren Zusammenhalt erschütterte, als sie erfuhren, dass ihre Abteilung mitsamt Gerätschaft und Personal nach Winterthur verkauft wurde.

mit nur noch einzelnen Einsatztagen. Irgendwann war es klar, dass er besser um eine Kündigung ersuchte, die dann auch bald ausgesprochen wurde. Neuen Sinn gefunden bei Brüggli Sein Alter und die Invaliditätsbeurteilung sind inzwischen aber ungünstige Voraussetzungen bei einer Stellensuche. Die Bereitschaft von Arbeitgebern, es mit einem nachweislich arbeitswilligen Behinderten zu versuchen, erlebte er als praktisch inexistent. Nach langem erfolglosen Suchen und der Einsicht, dass eine Tagesstruktur mit Arbeit doch mehr Wert hat als nur den Verdienst, entschied er sich für Brüggli in Romanshorn, da es dort auch eine Metallbearbeitungsabteilung mit ihm vertrauten Maschinen gibt.

In Brügglis Strukturen passen auch das Reiten und die Therapien.

Der Reitunfall Es folgten Jahre der langen Arbeitswege in Fahrgemeinschaften. Neue Chefs und andere Mitarbeiter und dennoch weniger Auslastung auf den Maschinen, die für Andreas geeignet waren, läuteten das Ende jener Beschäftigungsphase ein. In diese unsichere Zukunft hinein passierte Andreas privat ein Unfall, der letztlich die Weichen stellte. Da sein damaliges Begleitpferd vor einem Traktor scheute und die beiden Pferde in die Wiese sprangen, fiel Andreas vom Pferd und verletzte sich am Knie. Als Andreas nach längerer Absenz am Arbeitsplatz die Arbeit wieder aufnehmen konnte, musste er von Seiten der IV eine Neubeurteilung seiner Invalidität akzeptieren, aus welcher eine Vollrente resultierte. Er musste zudem wegen der zusätzlichen Therapien seine Präsenz auf 60% reduzieren, und schliesslich war die Auftragslage so schlecht, dass er nur noch auf Abruf beschäftigt wurde. So gab es bald Monate

Positiv ist das Angebot einer Arbeitsstruktur, in die auch die Therapien und das Reiten gut hineinpassen. Angesichts seiner inzwischen etablierten Lebensgestaltung mit Arbeit, Reiten als Hobby und Therapie sowie anderen Freizeitbeschäftigungen gilt es nebst den zu akzeptierenden «Alterserscheinungen» auch die Zufriedenheit zu pflegen für alles Erreichte. Die illustre grosse Gästeschar an seinem 50. Geburtstag bewies seine gute Vernetzung ausserhalb der Familie. Von nicht wenigen erhält er viel wohlwollende Unterstützung. Da sein aktuelles Pferd in die Jahre kommt, das Begleitpferd vom früheren Sport geschwächte Gelenke hat sowie Koppel und Stall verwaltet sein wollen, gehen ihm die Projekte nicht aus, mit denen er sich an seinem Bürotisch und Computer ausgiebig beschäftigen kann. Gerne setzt er sich auch bei Freunden und Bekannten an den Tisch und schöpft plaudernd aus seinem reichen Schatz an Erfahrungen mit seinen Tieren, Menschen, Behörden und Arbeitsstellen. Egon Graf, Bruder von Andreas


Auch da s

noch

Das Announcement A: Ich möchte ein Announcement machen. B: Was? A: Ein Announcement. B: Was ist ein Announcement? A: Ich möchte etwas ankündigen. B: Warum kündigst Du Deine Ankündigung nicht auf Deutsch an? A: Was soll das? B: Das frage ich mich auch. Warum auf Englisch. Alle Anwesenden sind des Deutschen mächtig. A: Mach kein Drama. B: Eben. Voll crazy, over the edge: So ist das, wenn allerlei Manager, Officers und Heads of XY das Leben komplizierter anstatt einfacher machen. Sagen wir es auf Englisch, wenigstens, wenn wir nichts zu sagen haben? Oder sind wir Spiesser, Ewiggestrige, wenn

wir uns kein schönes Weekend wünschen, einen coolen Event planen oder eine catchy Message kreieren? Sind unsere Meetings weniger gehaltvoll, wenn wir uns mit einer klaren Sprache treffen? B: Du solltest eine einfache Sprache pflegen. Sie erreicht die Menschen nicht nur an den Ohren, sondern im Herzen. A: Wärst Du doch ins Theater gegangen oder Pfarrer geworden. B: Hättest Du nicht den Draht zur Basis verloren, bräuchte ich Dir nicht den Spiegel hinhalten. A: Hör auf. B: Fang an. Es ist nie zu spät. Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation

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Dies & D

Technische Dienste mit noch mehr Vielfalt sbu. Vielfalt statt Einfalt: Dieser Leitgedanke kommt auch bei den Technischen Diensten von Brüggli zum Tragen. Sie haben sich neu organisiert und bringen einen Berufsnachwuchs hervor, der im ersten Arbeitsmarkt nachweislich gute Aussichten hat. Die Technischen Dienste sind neu in vier Bereiche aufgeteilt und dezentralisiert worden. Konkret: • Der Bereich «Hof» behält seinen Standort an der Hofstrasse 3+5 in Romanshorn. • Der Bereich «Campus+» hat sich im neuen Wohnhaus sowie an der Badstrasse in Romanshorn einquartiert. • Der Bereich Mobil befindet sich unweit des Mutterhauses in gemieteten Räumen mit eigenem Fuhrpark. • Die Lehrwerkstatt befindet sich direkt im Mutterhaus, an der Hofstrasse 5, wo auch die eigenen

Schulungsräume für Theorie und Praxis zur permanenten Schulung zur Verfügung stehen. Das ermöglicht uns die Umsetzung eines Stufenmodells: Die Lernenden können noch flexibler gefördert werden. Der Lernstoff ist mit den Gewerbeschulen abgestimmt. So bildet zum Beispiel der Bereich «Hof» zusammen mit der Lehrwerkstatt die Basis der Grundarbeitskenntnisse; hier startet jede Ausbildung. Danach folgt, je nach individuellem Fortschritt, ein mindestens sechsmonatiger Einsatz im Wohnhaus Campus+. Abschliessend gilt es das Erlernte im Bereich «Mobil» einzusetzen: Hier werden ausschliesslich Aufträge für externe Kunden verwirklicht: Gebäude- und Baureinigungen, Wohnungs- und Fassadenreinigungen, Garten- und Umgebungsarbeiten,

Winterdienst und Malerleistungen. So erlernen die jungen Berufsleute auch den Umgang mit der stetig wachsenden Kundschaft. Egal, in welchem Bereich: Die Lernenden besuchen interne Blockschulungen, wo sie theoretische und praktische Fachprüfungen haben. Dazu gehört auch ein Praktikum in der Mechanik-Lehrwerkstatt; dort ist die Verarbeitung von Metall ein weiteres spannendes Thema. Die Nachfrage nach Fachkräften mit umfassender Ausbildung ist gross, gerade auch auf PrA-Niveau. In den vergangenen zwei Jahren konnten die Ausbildungsabsolventen aller Niveau-Stufen im ersten Arbeitsmarkt integriert werden.

Ausbildungsberufe Technische Dienste: • Fachfrau/Fachmann Betriebsunterhalt EFZ • Hauswartpraktiker/in Anlehre BBT • Unterhaltspraktiker/in EBA • Praktiker/in PrA Betriebsunterhalt • Gebäudereiniger/in EFZ • Gebäudereiniger/in EBA • Praktiker/in PrA Gebäudereinigung • Hauswart mit eidg. Fachausweis

Brüggli mittendrin an der Berufsmesse Thurgau ehe. Lernende von Brüggli haben an der Berufsmesse in Weinfelden ihre Berufe vorgestellt und Auskunft über Brüggli gegeben. Die Messe wurde vor allem von Schülerinnen und Schülern der Thurgauer Oberstufen besucht. Sehr gefragt waren bei uns die Berufe Grafiker, Fotofachmann und Polygraf. Nebst den Berufsauskünften gab es ein Memory; wer die Karten richtig legte, gewann ein Geschicklichkeitsspiel.

Alle Standbetreuerinnen und -betreuer haben wiederum viel Stehvermögen gezeigt und sich als wahre Brüggli-Botschafter ausgezeichnet. Dafür sei allen nochmals herzlich gedankt.


Pasta zum Selber Zusammenstellen pju. In der Brüggli-Gastronomie Usblick können sich Gäste an der Pasta-Station die Zutaten und Saucen für ihre Pasta selbst zusammenstellen, die dann vom Usblick-Team frisch zubereitet wird. Das Buffet ist jeweils Montag bis Freitag von 11.30 bis 13.00 Uhr geöffnet. Weitere Menüs finden Sie als wöchentlichen Download unter www.brueggli-usblick.ch.

Workshops bei Brüggli Medien pju. Brüggli Medien gibt sein Marketing- und Kommunikationsfachwissen auch seinen Kundinnen und Kunden weiter: Für die Verbandsmitglieder von CURAVIVA Thurgau hielt das Brüggli-Medien-Team eine Einführung in professionelle PR- und Medienarbeit. Die Liechtensteinische Alters- und Krankenhilfe (LAK) bildete sein Team anhand eines Storytelling-Workshops weiter, um die eigene Hauszeitung vielfältiger zu gestalten, während die Genossenschaft Kornhaus einen umfassenden Workshop rund um Marketing- und Unternehmenskommunikation belegte. Mehr Infos über die individuellen Workshops erhalten Sie unter medien@brueggli.ch.

Schülerinnen und Schüler interessieren sich für Brügglis Berufsvielfalt.

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Dies & D

Brüggli erhält eine «Perle» mha. Das Ostschweizer Kompetenzzentrum für Berufsbildung (OKB) verleiht Brüggli am «Symposium 2014» Ende November

in St.Gallen eine Auszeichnung, eine «Perle». Der Anlass steht unter dem Leitgedanken «Jugend von heute – und ihre Werte». Mit der «Perle» werden Brügglis Arbeit für die jungen Menschen und Brügglis Unternehmens- und Kommunikationskultur gewürdigt. Das ist ein schönes Kompliment an alle, die sich für Brügglis Ausbildungs- und Integrationserfolge und generell für Brügglis guten Ruf einsetzen. Das Foto zeugt von den Filmaufnahmen, die bei uns gemacht wurden. Es kommen vor allem junge Menschen zu Wort; es geht um ihre Werte und Visionen. Diese Aufnahmen werden am Symposium, im Rahmen der Laudatio, verwendet. Das OKB ist eine Kooperation zwischen der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG), dem Institut für Wirtschaftspädagogik der Universität St.Gallen (IWPHSG) und dem Zentrum für berufliche Weiterbildung (ZbW). Wer mehr darüber erfahren will: www.berufsbildung-ost.ch

Dreharbeiten für die Laudatio Bild: mha

Brüggli Medien macht auch Bücher mha. Die Biografie des Schweizer Musikers Toni Vescoli und das Jubiläumsbuch der Berufsschule für Hörgeschädigte Zürich haben etwas gemeinsam: Sie sind bei Brüggli Medien verwirklicht worden. Die Zylinder der Speedmaster drehten sich während Wochen von frühmorgens bis spätabends. Der grosse Einsatz der Drucktechnologen, Polygrafen und Printmedienverarbeiter hat sich gelohnt: Es sind zwei spannende Bücher entstanden. Zum einen ist es die Biografie des Schweizer Liedermachers und Musikers Toni Vescoli. Ältere Semester dürften sich an ihn auch im Zusammenhang mit seiner Band «Les Sauterelles» erinnern, ein Urgestein der Schwei-

zer Musikszene. Das Buch erzählt von den wilden Anfängen bis hin zur Gegenwart – es ist das feinsinnige Portrait eines vielseitigen Musikers. Bei Brüggli Medien wurde das Buch korrigiert, umbrochen – so nennt man das Aufbereiten der Textinhalte –, gedruckt und verarbeitet. «Toni Vescoli – MacheWasiWill» ist im Verlag CEREUS erschienen. Fast zeitgleich hat Brüggli Medien das Buch «BSFH 2004 – 2014» gedruckt. Es würdigt die 60-jährige Geschichte der Berufsschule für Hörgeschädigte Zürich und portraitiert 40 Ehemalige an ihrem heutigen Arbeitsplatz und in ihrem aktuellen Wirkungsfeld. Das Buch ist im Eigenverlag der BSFH erschienen. www.vescoli.ch, www.bsfh.ch


Partnertag 2015 mha. Brüggli organisiert jedes Jahr einen Partnerund Arbeitgebertag, an dem sich rund 100 Arbeitgeber aus der ganzen Deutschschweiz über die Möglichkeit der Zusammenarbeit austauschen und sich mit aktuellen Fachthemen auseinander setzen. Dabei zeigen die Lernenden ihren Arbeitsplatz und laden die Tagungsteilnehmer ein, ihnen über die Schulter zu schauen. Am Partnertag vom 19. März 2015 werden Partnerbetriebe von ihren Erfahrungen berichten. Der Anlass steht unter dem Leitgedanken: Wie Arbeitnehmende aus dem 2. Arbeitsmarkt zur Nummer 1 werden. Das ist eine Chance, mehr über die vielfältigen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit Brüggli zu erfahren. Wer mehr wissen will, ist bei

Markus Kümin, Leiter der Arbeitsassistenz von Brüggli, jederzeit willkommen: Telefon 071 466 94 19, arbeitsassistenz@ brueggli.ch Mancher Partnerbetrieb konnte durch die Zusammenarbeit mit Brüggli einen geeigneten Mitarbeiter rekrutieren und innerhalb der Ausbildung bereits auf die betrieblichen Anforderungen vorbereiten. Das ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Der gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Nutzen eines solchen Engagements ist übrigens Schwarz auf Weiss belegt: Brüggli erstellt jedes Jahr eine Sozialbilanz, die zeigt: Diese Form von Integrations-

arbeit lohnt sich in jeder Hinsicht; mehr dazu auf www.brueggli.ch. Das soziale Engagement wird durch die Zusammenarbeit mit Brüggli einfach und mit grossem praktischem Nutzen gelebt. Die Betriebe haben die Chance, durch die Praktikumseinsätze für Lernende unternehmerische Gesellschaftsverantwortung zu übernehmen – und dies ohne Risiko. Denn die Ausbildungsverantwortung bleibt in der Regel bei Brüggli. Der Partnerbetrieb wird in kritischen Situationen durch die Kostenträger und Brüggli unterstützt.

4pets trifft Cesar Millan mst. Cesar Millan, der weltbekannte Hundeflüsterer aus den USA, gastierte für seinen ersten und einzigen Auftritt in der Schweiz im Hallenstadion in Zürich. Seine Show zog viele Interessierte aus der Schweiz und dem nahen Ausland an, und so eröffnete Cesar Millan seine Show im roten Trikot der Schweizer Nationalmannschaft vor über 10000 Fans. Die zweieinhalbstündige Show begeisterte das Publikum so sehr, dass Cesar Millan nach der Show Autogramme schrieb und Selfies am Bühnenrand machte.

Cesar Millan ist Werbepartner von 4pets, Brügglis Eigenmarke rund um den sicheren Autotransport von Hunden. Eine Delegation von 4pets folgte gerne der Einladung zu einem «Meet and Greet» mit Cesar Millan, wo Geschenke ausgetauscht und Fotos gemacht wurden. Es war eine tolle Show und eine tolle Begegnung.

Treffen mit dem Hundeflüsterer Bild: zVg

Cesar Millan ist Werbepartner von 4pets.

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«Glückliche Lernende zu sehen, motiviert uns.»

Unser Partner: Genossenschaft Kornhaus Die Genossenschaft Kornhaus in Dussnang ist ein Ausbildungsbetrieb, der in sechs Branchen Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen oder Lernschwierigkeiten in den ersten Arbeitsmarkt wieder eingliedert. 1976 mit dem Ziel gegründet, biologische und biologisch-dynamische Produkte zu vertreiben, ist das Kornhaus heute ein Integrationsbetrieb und arbeitet seit Frühjahr 2014 im Bereich Marketing und Kommunikation mit Brüggli Medien zusammen. Über die Zusammenarbeit berichten die beiden Kornhaus-Vertreter Rita Rechsteiner und Maurizio Ciardo im Interview.

Sozialversicherungen dienen - z.B. im Bereich von Ausbildungs- und Betreuungsangeboten.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Brüggli Medien? Maurizio Ciardo: Konkret im letzten Jahr an der INSOS-Tagung in Bern, als ich Alois Schütz kennen gelernt habe und wir uns darüber unterhielten, wie Brüggli Medien uns im Bereich Marketing und Kommunikation unterstützen könnte.

Die IV-Revisionen haben einen Spardruck ausgelöst, den die Sozialindustrie deutlich zu spüren bekommt: Wie geht das Kornhaus damit um? MC: Es ist schon so, dass Lernende vor der Gutsprache einer Ausbildung im Vorfeld genauestens geprüft werden und dadurch weniger Lernende im zweiten Arbeitsmarkt ihre Ausbildung absolvieren... RR: … aber das kann auch zum Bumerang werden: Denn erst Jahre später sind die Entwicklungen sichtbar, und manche Lernende fangen dann wieder bei null an. Es fragt sich also, ob das langfristig sinnvoll und erfolgreich ist.

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit? MC: Als sehr offen, sympathisch und hilfsbereit. Wir profitieren von wertvollen Impulsen für den Alltag. Brüggli und Kornhaus sind beide Integrationsbetriebe und damit Mitbewerber: Warum ist eine Kooperation trotzdem sinnvoll? Rita Rechsteiner: Weil wir Synergien nutzen können, die auch den

MC: Für uns ist es eine wertvolle Ergänzung: Wir können beide voneinander lernen, was ein Gewinn für beide Unternehmen ist. Auch in Bezug auf Brügglis innovative Art und Wirtschaftsnähe können wir viel mitnehmen.

Wie müssen sich «Sozialbetriebe» künftig positionieren, um den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen standzuhalten? RR: Durch Qualität – und zwar nicht nur fachlicher, sondern auch menschlicher Art: Bei uns haben die Lernenden die Chance, sich mit sich selbst

und ihrer Rolle in der Gesellschaft auseinanderzusetzen, was in einer Ausbildung im ersten Arbeitsmarkt manchmal zu kurz kommt. Diesen Spagat zwischen den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen machen wir dennoch gerne: Es gibt nichts Schöneres, als glückliche Lernende zu sehen. Das motiviert uns. MC: Jeder Betrieb ist sozial, weil er Produkte und Dienstleistungen für andere erbringt. Und vielleicht werden alle Betriebe noch sozialer, indem es im Sinne der Inklusion Usanz wird, dass Menschen mit Beeinträchtigungen im ersten Arbeitsmarkt mit Unterstützung begleitet werden. Bis es soweit ist, braucht es Betriebe wie die unseren, die sich auf den Weg machen, Betriebe zu sein wie alle anderen. Was geben Sie unseren Leserinnen und Lesern noch mit auf den Weg? MC: Für alle Menschen ist es wichtig, sich selbst zu erkennen und zu sehen, wer sie sind, wo sie stehen und wohin sie wollen und können. Diese Gelegenheit bieten wir unseren Lernenden. RR: Unsere Gesellschaft braucht vermehrt ökologisch und sozial verträgliche Produkte und Arbeitsprozesse, wenn wir an die Generation von morgen denken. Und hierfür setzen wir uns ein. Wie, erleben Sie am besten bei einem Besuch bei uns im Terra Viva in Wil oder im Kornhaus in Dussnang. www.kornhausvogelsang.ch Interview: Predrag Jurisic Fachspezialist PR

Rita Rechsteiner, Leiterin Biofachgeschäft Terra Viva (Wil SG), und Maurizio Ciardo, Geschäftsführer der Genossenschaft Kornhaus


Rätsel

Wer findet die 5 Unterschiede? Zweimal dasselbe Bild – mit fünf kleinen Unterschieden. Wer findet alle ? Kreisen Sie die entsprechenden Stellen ein und senden Sie den Talon vollständig ausgefüllt per interner Post an : • Michael Haller, « unterwegs », Unternehmenskommunikation Wenn Sie nicht im Brüggli tätig sind, senden Sie Ihren Talon in einem frankierten Kuvert an : • Brüggli, Rätsel « unterwegs », Hofstrasse 3 + 5, 8590 Romanshorn

Verlosung unter allen richtigen Einsendungen : 3 × 1 Brunch-Gutschein à CHF 29.50 von der Gastronomie Usblick Einsendeschluss : 31. März 2015 Die GewinnerInnen werden im April 2015 persönlich benachrichtigt. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung des Gewinnes.

Gewinner der Verlosung im letzten «unterwegs»: Rolf Huber, Technisches Büro Joanna Mooijman-Marciniak, Qualität und Service Yvonne Müller-Bischof, Qualität und Service

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Anuncia B

Alexander Gä

Sonja Bütikofer Alexand

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Jubilarinnen und Jubilare Juli bis Dezember 2014 25 Jahre

15 Jahre

Heinz List, Teamleiter Mechanik, 17.7.2014 Marcel Bucher, Mitarbeiter Montage, 1.9.2014 Reinhard Bär, Mitarbeiter Mechanik, 31.10.2014 Alexander Gähwiler, Mitarbeiter Qualität & Service, 1.11.2014 Jörg Kuster, Bereichsleiter Lernbüro, 1.12.2014

Reto Egger, Ressortleiter Informatik, 1.8.2014 Rolf Bürkler, Teamleiter Wohnen, 1.9.2014 Ruth Niederer, Mitarbeiterin Textil, 9.8.2014 Sandra Iseli, Mitarbeiterin Textil, 20.9.2014 Susanne Nägeli, Mitarbeiterin Bildung, 25.9.2014 Sabine Marti, Mitarbeiterin Textil, 1.11.2014 Erich Huber, Mitarbeiter Montage, 1.12.2014

20 Jahre

10 Jahre

Martin Faller, Mitarbeiter Usblick, 2.8.2014 Valerie Egloff, Mitarbeiterin Technische Dienste, 1.9.2014 Esther Hobi, Mitarbeiterin Qualität & Service, 1.11.2014

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Jeannine Harlacher, Teamleiterin Technische Dienste, 1.7.2014 Michael Rutz, Mitarbeiter Informatik, 12.7.2014 Anuncia Balanta, Mitarbeiterin Montage, 1.8.2014 Hans Kuster, Mitarbeiter Informatik, 9.8.2014 Therese Aeschlimann, Mitarbeiterin Personalwesen, 1.9.2014 Alexandra Schnüriger, Teamleiterin Logistik, 1.10.2014 Sonja Bütikofer, Ressortleiterin Technische Dienste, 1.12.2014

Jörg Kuster und Susanne Nägeli wollen ihre Jubiläen in Stille gewürdigt wissen; darum zeigen wir hier kein Bild von ihnen.

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Rolf Bürkler Marcel Bucher

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Pensionierungen

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Marie-Louise Bienz, Teamleiterin Textil, 31.7.2014

Herzlichen Glückwunsch Die Geschäftsleitung von Brüggli dankt allen Genannten für ihre Treue und ihren Einsatz. Alles Gute für die Zukunft.

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Ruth Niederer

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Reinhard Bär

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Herzlich willkommen Restaurant Seeblick • 240 Sitzplätze • Selbstbedienung mit täglich wechselndem Angebot • Frisch und gut, mit saisonalen Spezialitäten Restaurant Säntisblick • Neu restauriert • Kaffee und Kuchen ab 13 Uhr • 40 Sitzplätze • A-la-carte-Restaurant mit exklusiven Gerichten, frisch zubereitet Panorama-Terrasse • Höchstgelegene öffentliche Aussichtsplattform in Romanshorn Parken • Gratis Besucher-Parkplätze in der Tiefgarage • Mit dem Lift direkt in die Gastronomie Usblick

Churfirstensaal • 320 Sitzplätze • Ideal für Seminare, Tagungen und Hochzeiten Seminarräume Brisi, Frümsel und Selun • 12-15 Sitzplätze pro Raum • Zwei Räume können miteinander verbunden werden Seminar-Terrasse • Gedeckt, auch bei schlechtem Wetter eine Freude • Auch für Stehapéros geeignet Öffnungszeiten Montag bis Freitag 08:00 - 17:00 Uhr Für Gruppen ab 12 Personen nach Reservation auch am Abend und am Wochenende www.brueggli-usblick.ch

Brüggli Gastronomie Usblick ∙ Hofstrasse 3 + 5 ∙ 8590 Romanshorn ∙ usblick@brueggli.ch ∙ www.brueggli-usblick.ch

«unterwegs» - Nr. 32  

Mitarbeiter- und Kundenmagazin von Brüggli

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