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Mitteilungen der evangelischen Werke für die Kirchgemeinden

Nr.4 | 2010

© 3wimage

Mit gemeinsamer Arbeit die Welt verwandeln


contigo Nr.4 | 2010

INHALT

S10 brot für alle – Klimaworkshop verbessert Aussichten für philippinische Fischer und Bäuerinnen © Brot für alle /Marion Künzler

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S4 DOSSIER Gemeinsam mit unterschiedlichen Schwerpunkten; die Leiter von Brot für alle, HEKS und mission 21 im Gespräch. Ergänzend vier Porträts der Werke und OeME.

Das Fischernetz ist ein altes theologisches Symbol. Es widerspiegelt auch die gemeinsamen Anstrengungen für eine gerechtere Welt. Verknüpft, doch mit unterschiedlichen Aufgaben und Arbeitsweisen, arbeiten die drei evangelischen Werke sowie die Fachstellen für Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit, wie ein ausführliches Gespräch mit den Leitern von Brot für alle, HEKS und mission 21 zeigt. Auf dem Bild arbeiten Fischerinnen und Fischer in Hinatuan auf den Philippinen Hand in Hand, um ihren kargen täglichen Unterhalt zu sichern.

contigo Mitteilungen der evangelischen Werke für die Kirchgemeinden Herausgegeben von Brot für alle, HEKS, mission 21 und den OeME-Fachstellen

S12 brot für alle – Miss Earth Schweiz, Lisa Andrea Kuster, hilft mit S13

brot für alle – Ecuador hat die illegitimen Schulden vermindert

S14

HEKS – Projekt Miraskhani: Ein Dorf im Wandel

S15

HEKS – Neun Grundüberzeugungen bilden die Wertebasis von HEKS

S16

HEKS – Neue Aktionen und Sammelkampagnen

S18

mission 21 – Frauen in Peru lernen jetzt sogar in Quetchua/Spanisch lesen

S19

mission 21 – « Theologie für alle » stärkt in Nigeria auch fürs harte Alltagsleben

S21 mission 21 – Alte Landkarten der Missionare bald elektronisch zugänglich S22

Agenda und Marktplatz

Brot für alle Monbijoustrasse 29, Postfach 5621, 3001 Bern Tel. 031 380 65 65, Fax 031 380 65 64 Mail: info@bfa-ppp.ch, Web: www.brotfueralle.ch Spendenkonto: 40-984-9

Redaktion Peter Dettwiler (ped), OeME Anna Wegelin (aw), mission 21 Urs Walter (uvw), Brot für alle Bettina Filacanavo (fb), HEKS

HEKS – Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz Seminarstrasse 28, Postfach, 8042 Zürich Tel. 044 360 88 00, Fax 044 360 88 01 Mail: info@heks.ch, Web: www.heks.ch Spendenkonto: 80-1115-1

Schlussredaktion Urs Walter (verantwortlich) Tel. 031 380 65 71 Monbijoustrasse 29, Postfach 5621, 3001 Bern Mail: walter@bfa-ppp.ch

mission 21 – evangelisches missionswerk basel Missionsstrasse 21, 4003 Basel Tel. 061 260 21 20, Fax 061 260 21 22 Mail: info@mission-21.org, Web: www.mission-21.org Spendenkonto: 40-726233-3 OeME-Fachstellen der Kantonalkirchen Web: www.oeme.ch

Layout grafik.trieb, 2560 Biel Druck Rub Graf-Lehmann AG, Bern

Adressänderungen und Abonnementsverwaltung Administration Brot für alle Monbijoustrasse 29, Postfach 5621, 3001 Bern Mail: contigo@bfa-ppp.ch Erscheint viermal jährlich im März, Juni, September und Dezember ISSN 1664-7637

Titelbild: Gemeinsam Hand anlegen, das steht über der Arbeit der Schiffbauer in Ghana wie über den Programmen und Projekten der drei evangelischen Werke.


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EDITORIAL

Sie haben es in der Hand Peter Dettwiler, OeME

Nämlich das erste « conti-

Brot für alle möchte im Grossen wenigstens Kleines

go », das Ihnen ein Fens-

bewirken, womit Beat Dietschy auf die Verbesserung

ter zur Welt öffnet mit ak-

der entwicklungspolitischen Rahmenbedingungen

tuellen Informationen aus

anspielt. Und für Martin Breitenfeldt ist das Evan-

den Projekten und Pro-

gelium jene Kraft, welche Menschen dazu bewegt,

grammen unserer evange-

miteinander etwas zum Besseren beizutragen.

lischen Werke.

Wir haben es in der Hand, unsere evangelischen

Sie haben es in der Hand

Werke in dieser Arbeit zu unterstützen und von ih-

– nämlich das Instrument,

ren Erfahrungen und Erkenntnissen etwas in unse-

mit dem Sie über die eige-

re Kirchgemeinde einzubringen. Auch darum heisst

ne Kirchgemeinde hinaus

das bisherige « Informell » neu « contigo », auf spa-

in anderen Ländern und

nisch « mit dir ».

Kontinenten etwas bewirken können. Denn Kirche ist nur Kirche, wenn sie ihre Verantwortung auch im weltweiten Bezug wahrnimmt. Das Evangelium drängt uns immer neu zur Solidarität mit Menschen

Peter Dettwiler

jenseits der Grenze. « Alle drei Werke sind ein Instrument der evangelischen Kirchen der Schweiz », heisst es im Interview mit den Leitern unserer Werke auf

PS. Rückmeldungen zum neuen « contigo » nehmen

den Seiten 4 - 6. Dieses Instrument gilt es zu nutzen.

wir gerne entgegen (an contigo@bfa-ppp.ch).

Genauer: diese drei Instrumente. HEKS kann im Kleinen Grosses auslösen, so Ueli Locher im Interview.


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DOSSIER

DOSSIER Drei Direktoren an einem Tisch: Martin Breitenfeldt, mission 21, Beat Dietschy, Brot für alle (BFA), Ueli Locher, HEKS

« Gott will die Welt durch uns verwandeln » GESPRÄCHSFÜHRUNG URS WALTER

© Patrik Kummer / Brot für alle

Das Kleid ist neu, vierfarbig und heisst « contigo »: Herausgegeben werden die Mitteilungen der evangelischen Werke für die Kirchgemeinden aber weiterhin gemeinsam von HEKS, BFA, mission 21 und den OeMEFachstellen. Was verbindet ihre Arbeit?

Dr. Beat Dietschy, Zentralsekretär Brot für alle

Beat Dietschy (BD): Alle drei Werke sind ein Instrument der evangelischen Kirchen der Schweiz. Jedes Werk gehört als Teil zum Ganzen. Wir sind da, um die Welt zu verwandeln und spielen das gleiche Lied, aber auf drei unterschiedlichen Instrumenten. Ueli Locher (UL): Verbindend und leitend ist die gemeinsame Vision einer gerechten Welt. Mit unserer Arbeit setzen wir uns für ein Leben in Würde für alle Menschen ein. Dazu gehören die Bewahrung der Schöpfung und die Förderung von Friede und Gerechtigkeit.

Martin Breitenfeldt (MB): Wir leben und arbeiten aus der christlichen Tradition heraus. Die gemeinsame Grundlage bilden die christlichen Werte. … und was charakterisiert Ihre eigene Organisation, was unterscheidet sie von den beiden anderen? MB: Schon zu Beginn etwa der Basler Mission zogen die Missionare gleichsam mit der Bibel in der einen und der Schaufel in der anderen Hand los. Auch heute arbeiten wir in den Ländern des Südens ganzheitlich, mit Wort und Tat. Das heisst: Das Evangelium ist nicht « nur » stummer Hintergrund, sondern ausdrücklich inhaltlicher Teil unserer Arbeit, zum Beispiel durch die theologischen Programme. Alles erfolgt zudem eingebettet in das Netzwerk von Partnerkirchen und – organisationen weltweit, das mission 21 unterdessen ist. UL: Wesentlich ist die Arbeit mit und für die Menschen. Bei HEKS liegt der Schwerpunkt bei der konkreten Projektarbeit. Es geht darum, dass es Menschen gelingt, sich aus Abhängigkeiten zu lösen und für sich selbst zu sorgen, indem sie genug zu essen und möglichst auch ein Einkommen haben, um etwa ihren Bedarf nach Bildung oder Gesundheit zu decken.

BD: Wie ein Bauer bearbeiten wir den Boden, damit die Entwicklungsarbeit unserer zwölf Partnerwerke gedeihen kann. Wir tun das primär hier bei uns, mit Verbesserung der Projektarbeit, « Wie ein Bauer bearbeiten wir den Mittelbeschaffung und Sensibilisierung, indem wir den Boden, damit die Entwicklungsarbeit unvielen Engagierten in den serer zwölf Partnerwerke gedeihen kann. Kirchgemeinden GrundWir tun das primär hier bei uns, mit lagen für BewusstseinsbilVerbesserung der Projektarbeit, Mittelbedung geben. Denn das « tägschaffung und Sensibilisierung » liche Brot  » ist ein Thema Beat Dietschy mit vielen Facetten. Es hat zu tun mit Klima, Handel,


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DOSSIER

Spekulation mit Rohstoffen. Darum beschäftigt sich Brot für alle auch mit Fragen von Konsum, Wirtschaft, Politik und Umwelt. Welches zentrale Anliegen leitet Sie persönlich in der Arbeit als Gesamtverantwortliche eines Werkes? MB: Mein roter Faden in der Arbeit ist die Frage, wie wir heute die christliche Tradition so lesen und so leben, dass daraus ein Mehr an Leben in Fülle wächst: materiell, sozial, spirituell. Dabei handeln nicht nur ein paar Spezialisten, sondern viele Menschen werden bewegt und bewegen miteinander etwas zum Besseren.

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BD: Auch für Brot für alle ist die Einbettung in die Kirchen wichtig, bei uns wie im Süden. Bleiben die Werke der evangelischen Botschaft treu, so gibt das einen langen Atem. Den brauchen wir, um uns nachhaltig für mehr Gerechtigkeit einzusetzen.

« Viele andere arbeiten mit ähnlichen Visionen wie wir und machen das auch gut. Aber was unterscheidet, ist unsere Entstehungsgeschichte als Hilfswerk der Kirchen und die christlichen Werte, an denen wir uns orientieren »

Hilfe tut vielerorts Not, darum engagieren sich auch einzelne Personen oder Kirchgemeinden. Wie stellen Sie sich zu individuellen Entwicklungsprojekten?

UL: Da steht meistens eine persönliche Betroffenheit Ueli Locher am Anfang. Das ist nachvollziehbar, doch fehlt manchmal die nötige Abgrenzung. Bei allem Vertrauen und gegenseitiger Sympathie braucht es auch eine professionelle Distanz zum UL: Ich weiss, dass wir mit unserer Arbeit nicht die Partner. Welt retten können. Aber wir verbessern radikal die Lebensumstände vieler Menschen. Mit bescheidenen BeiträMB: Wenn Leute sagen « jeder Franken kommt ohne gen im Kleinen entstehen grosse Verbesserungen für ganAbzug an, weil wir alles unbezahlt machen », ist das zu ze Gemeinschaften. Dies konkret zu erleben ist für mich kurz gedacht. Solide arbeiten heisst langfristig schaffen, immer wieder Ansporn in meiner Arbeit. nicht personenabhängig, und mit professionellem Knowhow inklusive Qualitätskontrolle. Wir möchten unseren BD: Die Einsicht: Gemeinsam sind wir stärker. ZusamPartnern im Süden auf Dauer die Treue halten. menhang zu stiften ist mein Hauptanliegen. Darum versuchen wir, die Spiritualität von mission 21 mit Befähigung von Einzelnen und Gemeinschaften zu verbinden, die das HEKS fördert. Und wir fügen, als Spezialität von Brot für alle, die Arbeit an besseren entwicklungspolitischen Rahmenbedingungen hinzu. Damit hoffen wir, auch im Grossen wenigstens Kleines zu bewirken. Viele andere Organisationen betreiben ebenfalls Entwicklungszusammenarbeit. Was charakterisiert die evangelischen Werke und ihre Arbeit?

MB: Viele Missionen sammeln in Kirchgemeinden, aber mission 21 ist das einzige Missionswerk in der Deutschschweiz, welches verbindlich mit den Kantonalkirchen und dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund zusammenarbeitet. Die Vielstimmigkeit unseres internationalen Netzwerks entspricht der Pluralität der Landeskirchen. Dazu kommen ein durchgängig emanzipatorischer Ansatz und der offene Dialog. Das unterscheidet uns von evangelikalen Missionen.

© Patrik Kummer / Brot für alle

UL: Viele andere arbeiten mit ähnlichen Visionen wie wir und machen das auch gut. Aber was uns unterscheidet, ist unsere Entstehungsgeschichte als Hilfswerk der Kirchen und die christlichen Werte, an denen wir uns orientieren.

Ueli Locher, Direktor HEKS

Entwicklung ist eine langfristige Aufgabe. Wo und wie arbeitet Ihr Werk im Jahr 2020? UL: Was wissen wir – doch das Paradies auf Erden dürfte es auch in zehn Jahren nicht geben. Sicher wird die Globalisierung der Kommunikation weitergehen, insbe-


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DOSSIER

sondere der Austausch innerhalb des Südens. So dürfte auch in unserer Arbeit die Vernetzung unserer Partner im Süden weiter an Bedeutung gewinnen.

Auch finanziell kommt bereits etwas zurück: Die einst von Basler Missionaren gegründete Kirche in Hongkong beispielsweise hat schon substanzielle finanzielle Beiträge an mission 21 geleistet.

BD: Sicher gibt es neue Herausforderungen. Aber es UL: Schon heute sehe ich enorm viel Wissenstranswird auch noch mehr bürgerschaftliches Engagement von fer aus dem Süden in den vielen Seiten geben, um Norden. Das wird noch diese zu meistern. Diesen stark zunehmen. Vor alAustausch in weltweiter « Mein roter Faden in der Arbeit ist lem jedoch wächst der Kooperation zu fördern, ist die Frage, wie wir heute die christliche Austausch zwischen den jetzt schon ein Teil unserer Tradition so lesen und so leben, dass Entwicklungsländern. Arbeit. Unser Ziel ist, im daraus ein Mehr an Leben in Fülle Jahr 2020 Katalysator für wächst: materiell, sozial, spirituell. » Naturkatastrophen in ChiKampagnen sein zu können, na und Chile, Haiti, Pakiin denen sich Menschen an Martin Breitenfeldt stan – wie verzahnen Sie vielen Orten gleichzeitig Aufbauarbeit und Nothilfe? engagieren. Wissenstransfer aus dem Norden in den Weltsüden ist das gängige Muster. Was fliesst zurück und beschenkt uns? BD: Von den Gästen unserer Kampagne lernen wir viel. Sie sind unsere Inspirationsquelle. Brot für alle und Fastenopfer sind nicht denkbar ohne die Anstösse eines Helder Cãmara, einer Sumaya Farhat, eines Desmond Tutu.

UL: Je besser wir in einem Land verankert sind und mit verlässlichen Partnern zusammenarbeiten, desto besser können wir in Notsituationen reagieren und desto besser sind wir auf diese vorbereitet. Oft gehen Entwicklungszusammenarbeit und die Prävention von Naturkatastrophen - wie etwa der Schutz vor Erosion – Hand in Hand. Und nach einem Naturereignis sind die Grenzen zwischen Humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit oft fliessend.

© Patrik Kummer / Brot für alle

BD: Brot für alle betreibt – wie mission 21 – keine direkte Nothilfe. Naturkatastrophen sind jedoch oft das Ergebnis von Klima- und anderen Umweltveränderungen. Für die am meisten betroffenen Menschen im Süden stellt sich die Frage, wie sie ihre Lebensgrundlagen erhalten können – wir helfen, die angepassten Antworten zu entwickeln. Was motiviert Sie persönlich immer wieder zu Ihrem Einsatz? UL: Es gibt nichts Berührenderes als zu erleben, wie schon kleine Hilfeleistungen Menschen ein besseres Leben ermöglichen. Das befriedigt und ich bin glücklich, dazu immer wieder meinen Beitrag leisten zu können.

Pfarrer Martin Breitenfeldt, Direktor mission 21

MB: « Mission » im Sinn von « in die Welt gesandt sein » wird es immer geben, aber die Bewegung ist heute nicht mehr einseitig, von hier nach dort. Unsere Arbeit bringt auch der Schweiz einen Mehrertrag. Das ist sozusagen Entwicklungshilfe in Gegenrichtung. Wir lernen in den Begegnungen viel über Lebensverhältnisse und christliches Leben, erhalten Impulse aus dem Süden, die in die Schweizer Kirchen zurückkommen. Diese internationale Gegenseitigkeit macht, dass sich lokale Gemeinden und Kirchen als Weltkirche, als Teil der Ökumene erleben.

MB: Meine Arbeit schenkt mir vor allem immer wieder Begegnungen mit fantastischen Menschen. Das gibt auch mir viel Befriedigung und weckt immer wieder grossen Respekt dafür, wie sie ihr Leben meistern und ihre Welt verändern. BD: Menschen wie Erwin Kräutler, die für die Rechte der Indios ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen. Oder die Begegnung mit Landlosen in Indien oder Brasilien. Wenn ich sehe, was sie an ihrem Ort bewegen, dann gibt das auch meinem Tun, meinem Leben Sinn.


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PORTRÄT

Christliche Werte und Spiritualität als Basis

mission  21 ist eine weltweite Lern- und Aktionsgemeinschaft von Kirchen und christlichen Organisationen. Sie verbindet Menschen aus Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika und ermöglicht so Begegnungen mit anderen Lebenswelten. Ihre Mission ist es, miteinander das christliche Erbe so zu deuten und zu leben, dass daraus überall ein grösseres Mass friedlichen und gerechten Lebens in bewahrter Schöpfung wächst.

Die interkulturelle Kompetenz von mission 21 ermöglicht den Dialog über Grenzen hinweg, auch über konfessionelle, religiöse und geschlechterbedingte Grenzen. Inhaltliche und strategische Entscheidungen werden gemeinsam an der internationalen Missionssynode gefällt. mission 21 bietet Kirchgemeinden Möglichkeiten zur Teilnahme und Mitgestaltung der weltweiten Kirche: mit Kursen, Veranstaltungen, Bildungsreisen und Austauschprogrammen. Junge Berufsleute und Studierende können im Weiterbildungsangebot PEP! (Professionals Exposure Program) zum Einsatz kommen; für erfahrene Fachkräfte gibt es langfristige Einsatzmöglichkeiten. Das umfassende historische Bildarchiv der Basler Mission, das auf www.bmpix.org laufend digital erweitert wird, ist öffentlich. mission 21 ist im Jahr 2001 aus dem Zusammenschluss mehrer Missionswerke entstanden. Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK und seine Mitgliedkirchen anerkennen mission 21 als das Missionswerk der reformierten Kirchen in der Deutschschweiz. mission 21 finanziert sich überwiegend über Spenden und Beiträge von Privatpersonen, Kirchgemeinden, Kantonalkirchen, der DEZA und Stiftungen. www.mission-21.org. aw

© Ueli Knecht / mission 21

Hilfe für die Menschen und die Zivilgesellschaft

Im Fair Trade Projekt « Prescraft » in Kamerun wird auch Raffia-Bast gefärbt.

Zusammen mit 57 langjährigen Partnern leistet mission 21 in rund hundert Projekten ganzheitliche Entwicklungszusammenarbeit im Weltsüden. Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Armutsbekämpfung, Frauenförderung, Friedensarbeit, Gesundheitsförderung, nachhaltige Landwirtschaft, theologische Bildung und kirchliche Aufbauarbeit. Die integrale Verbindung von weltweiter Diakonie (soziales Engagement) mit christlichen Werten und Spiritualität bilden die Grundlage des Wirkens von mission 21.

Brot für alle unterstützt Menschen in Asien, Lateinamerika und Afrika, damit sie sich aus Armut und Abhängigkeit befreien und ihre Lebenssituation nachhaltig verbessern können. Seit 1961 sammelt Brot für alle finanzielle Mittel, um damit Partnerorganisationen und einzelne Projekte zu unterstützen. Im Süden fördert Brot für alle die Entwicklungszusammenarbeit von 12 Schweizer Partnerwerken und unterstützt die Qualitätssicherung und –verbesserung ihrer Projekte und Programme. Dank der gemeinsamen Arbeit in der Schweiz und durch die Projektpartner erreicht Brot für alle Menschen in etwa 380 Projekten und über 55 Ländern. Ausserdem arbeitet Brot für alle auf dem Gebiet der Entwicklungspolitik mit Südpartnern zusammen und fördert den Aufbau von Netzwerken. Ziel dieser Arbeit ist Capacity Building, um die Menschen zu befähigen, sich für ihre Rechte und gerechtere Wirtschaftstrukturen einsetzen zu können. Die Zivilgesellschaften im Süden sollen gestärkt und die rechtlichen Verhältnisse verbessert wer-

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PORTRÄT

© Marion Künzler / Brot für alle

den. Stichworte dazu sind das Einfordern von verantwortungsbewusster Regierungsführung (Good Governance), die Eindämmung der Korruption oder Instrumente, um den drohenden Auswirkungen des Klimawandels in der Projektarbeit vorzubeugen. Im Norden soll die Informations- und Bildungsarbeit von Brot für alle Menschen dazu bewegen, sich solidarisch und gemeinschaftlich für eine gerechtere Welt einzusetzen und zu teilen. Hauptinstrument dafür ist die jährliche ökumenische Kampagne mit dem katholischen Fastenopfer und dem christkatholischen Partner Sein. Auch nimmt Brot für alle Einfluss auf Wirtschaft und Politik, setzt sich für fairen Handel und gerechte Finanzbeziehungen ein und fordert die Unternehmen auf, ihre soziale und ökologische Verantwortung wahrzunehmen. Brot für alle ist eine Stiftung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK. Das Team mit den Arbeitsorten Bern, Lausanne und seit kurzem im Tessin umfasst rund 30 Personen, die meisten mit Teilpensen. Dazu leisten engagierte Leute in den Kirchgemeinden jährlich rund 8500 Tage Freiwilligenarbeit. 2009 betrug das Jahresbudget von Brot für alle 17,7 Mio. Franken. www.bfa-ppp.ch. uvw

Bobby Pagusara, Regionalverantwortlicher für Mindanao bei MASIPAG, einer Partnerschaft von Bauern und Wissenschaftern für die landwirtschaftliche Entwicklung in den Philippinen.

Im Kleinen Grosses bewirken

HEKS ist das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz und setzt sich für eine menschlichere und gerechtere Welt ein. Es leistet Überlebens- und Soforthilfe und bekämpft die Ursachen von Hunger, Ungerechtigkeit und sozialem Elend im In- und Ausland. Im Zentrum seines Engagements steht die Würde jedes Menschen. Diese ist Teil der universellen Menschenrechte und zeigt sich auch in christlichen Grundwerten wie der Nächstenliebe. Beide Aspekte bilden die Basis für die Arbeit von HEKS. Das Hilfswerk betreibt in der Schweiz fünf Regionalstellen und ist im In- und Ausland in über 300 Projekten engagiert. HEKS arbeitet mit lokalen Partnerorganisationen in über 45 Ländern der Welt. In 22 Schwerpunktländern ist es mit eigenen Koordinationsbüros präsent. Oberstes Ziel ist, Benachteiligte in ihrem Land zu unterstützen, unabhängig von deren Kultur, Religion oder Konfession. Im Ausland unterstützt HEKS ländliche Gemeinschaften und setzt sich für mehr Gerechtigkeit, die Einhaltung der Menschrechte und die soziale Entwicklung ein. Nach Naturkatastrophen sowie während oder nach bewaffneten Konflikten wird humanitäre Hilfe geleistet mit dem Ziel einer sofortigen und andauernden Verbesserung der Lebenssituation der betroffenen Menschen. Die « Zwischenkirchliche Hilfe » in Form von Diakonie und Gemeindepartnerschaften geht zurück auf die Nachkriegshilfe in den Nachbarländern der Schweiz. Seit den fünfziger Jahren erreicht sie weitere Länder im Süden und Osten Europas. In der Schweiz setzt sich HEKS anwaltschaftlich für Flüchtlinge ein und ist in Beratungs- und Integrationsprojekten für Migrantinnen und Migranten sowie sozial benachteiligte Schweizerinnen und Schweizer aktiv. Seit 2007 wird Rechtsberatung für armutsbetroffene Menschen in der Schweiz angeboten. Im Auftrag des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) führt HEKS die Kontaktstelle für Menschenrechte und verwaltet die Mittel des SEK-Menschenrechtsfonds. Ein weiterer Schwerpunkt der Inlandarbeit ist die soziale Integration von sozial benachteiligten Menschen in die Gesellschaft. HEKS leistet durch seine Tätigkeit einen Beitrag zum gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalt in der Schweiz. www.heks.ch. fb


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© HEKS / Annette Boutellier

PORTRÄT

HEKS fördert in seinen Projekten die Entwicklung ländlicher Gemeinschaften wie hier in Äthiopien.

OeME

Die Fachstellen Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit der Kantonalkirchen – auch « Weltweite Kirche » oder « Kirche im Dialog » genannt – verstehen sich als Drehscheiben und Koordinationsstellen zwischen den evangelischen Werken und den Kirchgemeinden. Ziel ist es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchgemeinden zu weltweiter Solidarität zu ermutigen und sie in ihren Aktivitäten zu unterstützen. Diakonisches Handeln (griechisch « Diakonia ») gehört so selbstverständlich zum christlichen Grundauftrag wie Leiturgia (Gottesdienst und Spiritualität), Koinonia (Gemeinschaft und Seelsorge) und Martyria (Zeugnis und Bildung). Weniger selbstverständlich ist, dass diakonisches Handeln nicht an der Gemeindegrenze oder Schweizer Grenze aufhören kann. Diakonie lokal, regional und weltweit ist je länger je mehr miteinander vernetzt. Bereits die Kollekte im Gottesdienst weist über die lokale Kirchgemeinde hinaus. Und wer Produkte aus fairem Handel kauft, leistet indirekt Hilfe zur Selbsthilfe in einem anderen Kontinent. Wer zudem an einem Basar oder einem Suppentag mitwirkt oder im Rahmen der ökumenischen Kampagne Rosen verkauft, unterstützt damit die Arbeit unserer evangelischen Werke in anderen Ländern und weitet so das diakonische Handeln der Kirchgemeinde aus. Mit Informationen, Behördenschulung, Tagungen und Lobbyarbeit in Synoden und Kirchenleitungen versuchen die kantonalen OeME-

Das Missionswerk - Weltweite Gemeinschaft von Kirchen und christlichen Organisationen - Unterstützung der Arbeit + Projekte von rund 60 Partnerkirchen in Asien, Afrika und Lateinamerika - weltweite Kirche Sammelschwerpunkt: Oktober/November, Missionssonntag (1. Advent)

Das Hilfswerk - Entwicklungsprojekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa - Humanitäre Hilfe - Hilfe für sozial Benachteiligte in der Schweiz - kirchliche Projekte in Mittel- und Osteuropa

Diakonie weltweit

Flüchtlingssammlung im Juni, Sammlung im Dezember

Der Entwicklungsdienst - Entwicklungspolitische Bildung und Einfl ussnahme - Ökumenische Informations- und Sammelkampagne - Unterstützung von Entwicklungsprogrammen von 12 evangelischen Partnerwerken Aktion und Sammlung in der Passions-/Fastenzeit

© Fachstelle OeME, November 2007

OeME – Drehscheibe zwischen den Werken und den Kirchgemeinden

Beauftragten in diesem Sinn das « Fenster zur Welt » offen zu halten. Sie verstehen sich aber auch als Brücke von den Kirchgemeinden zu den Werken und versuchen dort, den Stimmen und Stimmungen aus den Kirchgemeinden Gehör zu verschaffen. Die OeME-Fachstellen sind mit einer eigenen Homepage www.oeme.ch untereinander vernetzt. Dieses Portal bietet auch kleineren Kantonalkirchen ohne eigene OeME-Stelle eine Plattform für aktuelle Informationen, Veranstaltungshinweise und Materialien für die Gemeindearbeit. ped


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PROJEKT

Neue Klima-Ideen gegen die Aussichtslosigkeit Brot für alle und Fastenopfer haben im Juli auf den Philippinen mit lokalen Partnern Strategien erarbeitet, mit deren Hilfe sich die Bevölkerung künftig besser gegen Klimarisiken wie Dürre, Flut und den

Gemeinsam Lösungen suchen « Die Aussagen der Inselbewohner decken sich mit den wissenschaftlichen Szenarien für die Region », sagt Marion Künzler, Klimaexpertin von Brot für alle. Sie hat im Nordosten von Mindanao bei lokalen Partnern von Fastenopfer eine Projektanalyse durchgeführt, in verschiedenen Workshops mit Fischern sowie Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern diskutiert und nach Strategien und Lösungsansätzen geforscht. « Neben dem Anstieg des Meeresspiegels kämpfen die Fischerfamilien hier vor allem auch mit den indirekten Auswirkungen der immer

© Fastenopfer/Christoph Wider

steigenden Meeresspiegel schützen kann.

Land wird weggeschwemmt, der Boden versalzen », klagt Jose Novallo, Fischer und Bewohner der Insel Mahaba.

Neben Fischen und Muscheln gehört auch Seegras zur Ernte der Fischer in Hinatuan.

Das Boot gleitet durch die weitläufige Bucht vor Hinatuan. Die Fahrt führt an kleinen Inseln mit Kokospalmen und Fischerhütten aus Bambus, an Farmen für Seegras und riesigen Mangrovenwäldern vorbei. Bei einer der zahlreichen Inseln lässt Ervin More, Teamleiter einer lokalen Partnerorganisation von Fastenopfer, anlegen. Er deutet mit dem rechten Arm auf den spärlichen Palmenbestand: « Der Klimawandel ist hier unmittelbar zu spüren », sagt er. « Vor einigen Jahren standen auf dieser Insel noch 24 Kokosnusspalmen. Heute sind es noch sechs... Der steigende Meeresspiegel hat die Insel abgetragen, die Palmen sind abgestorben oder weggeschwemmt worden. » Die Philippinen – das sind 7100 Inseln, 18 400 Kilometer Meeresküste und 88 Millionen Menschen. 45 Prozent der Filipinos müssen mit weniger als 2 US-Dollar pro Tag auskommen. Die arme, ländliche Bevölkerung, die vor allem von Fischerei und Landwirtschaft lebt, ist von den klimatischen Veränderungen besonders betroffen. « Die Springfluten werden immer höher. Unsere Insel steht regelmässig unter Wasser.

heftigeren Taifune. Sie bringen massive Niederschläge, was Schwankungen des Salzgehalts im Meer verursacht und Fischerei und Seegrasfarmen beeinträchtigt », berichtet Künzler weiter. Fastenopfer engagiert sich seit 1996 für die nachhaltige Nutzung der Fischgründe in der Bucht Hinatuan und die Sicherung der Lebensgrundlage für die lokale Bevölkerung. Doch hat sich die Verletzlichkeit der Menschen gegenüber Klima- und Katastrophenrisiken bereits stark reduziert, etwa durch Meeresschutzgebiete, die den Fischbestand erhöhten, oder durch die Aufforstung von Mangrovenwäldern zum Schutz gegen hohe Wellen. « Doch es bleibt noch einiges zu tun », betont Künzler: « Wichtig ist eine weitere Diversifizierung in der Landwirtschaft sowie die Forschung nach salz- und trockenresistenten Getreide- und Fischsorten, Krevetten oder Muscheln. » Zudem soll die lokale Bevölkerung geschult werden, Anzeichen von Taifunen oder anderen Naturereignissen frühzeitig zu erkennen.


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Ergänzendes Projekt von Brot für alle ermächtigt die Menschen Lösungen zu finden

© Marion Künzler/Brot für alle

Künftig wird auch ein von Brot für alle und HEKS entwickeltes Arbeitsinstrument die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter darin unterstützen, systematisch nach Lösungsansätzen zu suchen, um Klimagefahren zu bannen. Vorgestellt wird das Instrument an Workshops der philippinischen Projektpartner von HEKS und Fastenopfer. Parallel dazu vermittelten internationale und lokale Fachleute weiterführendes Wissen. Bei einem Feldbesuch im Südwesten von Mindanao wurden erste Anwendungen durchgespielt und Lösungsansätze gezeigt. « Dank einer Saatgutbank von über 170 Reissorten, gezieltem Wassermanagement, dem richtigen Timing und biologischem Anbau habe ich sogar einen Umgang mit der lästigen Insektenpest der schwarzen Käfer gefunden », sagt Reisbauer Arthur voller Stolz. Das brachte ihm konstantere Ernten und Einkommen. Nun habe seine Familie stets genug zu essen, ein wetterfestes Haus, und er könne die Schulgebühren regelmässig bezahlen. Für den Transport vermochte der Bauer sogar ein Trycicle zu kaufen. Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik bei Brot für alle, der den Klima-Workshop in Davao mitgeleitet hat, ist zuversichtlich: « Damit wurde ein Grundstein für die weitere Entwicklung der Projekte gelegt. » Die Stimmung innerhalb der teilnehmenden Gruppe habe sich im Lauf des viertägigen Workshops frappant verändert: « Am Anfang herrschten Bedrückung und Aussichtslosigkeit vor. Doch bald breitete sich Hoffnung aus und am Ende äusserte sich vor allem Bereitschaft, den Klimawandel gemeinsam zu bekämpfen. » Ermöglicht werden solche Workshops durch das Projekt « K limawandel und Entwicklung » im Südprogramm von Brot für alle. km

Immer wieder wird der Reis des Reisbauern Arthur durch den schwarzen Käfer befallen.

Im Südprogramm « Fair Wirtschaften im globalen Haushalt » von Brot für alle richtet sich einer der vier Bereiche auf die Frage « Klimawandel und Entwicklung » aus. Durch Spenden in diesen Topf können Kirchgemeinden und Privatpersonen den Einbezug klimarelevanter Mass­nahmen in die Projekte fördern. Brot für alle unterstützt so seine Partner, gezielt die Auswirkungen der Klimaerwärmung in ihre Entwicklungsanstrengungen einzubeziehen (Projekt Nr. 835.8007/Projektheft 2011, Seite 37).

NACHRICHTEN Neue Stiftungsrätinnen GEWÄHLT Die Abgeordneten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK haben für den Rest der Amtsdauer 2010-2013 zwei neue Frauen in den Stiftungsrat von Brot für alle gewählt: Elisabeth Bürgi Bonanomi (Bern, 1969, Rechtsanwältin und Expertin im Völkerrecht) und Monika Hirt Behler (Steinhausen, 1964, Präsidentin der Reformierten Kirche Kanton Zug). sek

Newsletter von Brot für alle ÜBERSICHT Seit kurzem informiert Brot für alle regelmässig elektronisch über Aktuelles und Hintergründiges aus der entwicklungspolitischen Arbeit des Werkes sowie der Zusammenarbeit mit seinen Partnern im Süden. Der Newsletter lässt sich einfach auf der Website www.brotfueralle.ch abonnieren.

Ökumenische Kampagne 2011

KAMPAGNE WEBSEITE Für die ökumenische Kampagne 2011 vom 9. März bis 24. April wurde die Kampagnenwebseite www.oekumenischekampagne.ch klarer und einfacher aufgebaut. Zugleich wurde die Seite mit www.rechtaufnahrung.ch zusammengeführt. Wer letztere wählt, findet den Zugang zu den Informationen für Kirchgemeinden, Pfarreien und sonstige Aktive auf der Einstiegsseite in der Navigation oben rechts über das Stichwort INTERN. Bis zum Start der Kampagne 2011 wird das Angebot noch ausgebaut und ergänzt (auch französisch www.campagneoecumenique.ch und spätestens ab Januar 2011 italienisch www.campagnaecumenica.ch).

Politkabarett Birkenmeier buchen KAMPAGNE KABARETT Seit über 30 Jahren betreiben Sibylle und Michael Birkenmeier politisches Kabarett. Zur Kampagne 2011 haben sie das Programm « Es reicht » gestaltet. Als Auftaktanlass treten sie am 11. März 2011 in Kreuzlingen und am 13. März in Thun-Strättligen (17 Uhr) auf. Das Duo lässt sich buchen: www.theaterkabarett.ch. Weiterhin vermittelt Brot für alle Auftritte von « Spiel mir das Lied vom Brot » (Katharina Morello, Texte und Geschichten), Ruedi Baumann (ehemals Nationalrat, Biobauer) und Grupo Sal (Stimmen und Musik aus Südamerika). Kontakt: Sylvia Garatti, 031 380 65 81 / Garatti@bfa-ppp.ch.


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Miss Earth Schweiz ist schön und bewirkt Gutes

Die Ökumenischen Jury hat in Locarno den Film « Morgen » des rumänischen Regisseurs Marian Crisan ausgezeichnet.

Als schöne Botschafterin erreicht Liza Andrea Kuster viele Menschen und animiert als « Miss mit Sinn und Mission », kleine Schritte für eine bessere Welt zu tun.

Filmregisseur Marian Crisan

Charles Martig*, warum erhielt « Morgen » den Preis? Marian Crisan präsentiert einen Film, der mit viel Wärme und mit einem liebevollen Blick von der Verständigung über kulturelle Grenzen hinweg erzählt. Der Film ist die Geschichte des rumänischen Sicherheitsmannes Nelu und eines türkischen Migranten, der illegal nach Deutschland einreisen will. Nelu fischt seinen Schützling beim morgendlichen Fischfang aus dem Wasser und versteckt ihn, obwohl die beiden ungleichen Männer ausser dem deutschen « Morgen » kein gemeinsames Wort verstehen. Mein Eindruck ist, dass in Locarno – auch in Fribourg - wesentlich weniger Filme aus Afrika zu sehen sind als in früheren Jahren. Was sind die Gründe? An den internationalen Filmfestivals in Europa ist vor allem Südafrika präsent Das liegt an den andernorts schwierigen Produktionsbedingungen und der mangelhaften Finanzierung. Afrikanische Filmländer wie Nigeria oder Burkina Faso produzieren fast nur noch für den heimischen Markt. Interview Beat Dietschy * Charles Martig ist Filmbeauftragter des Katholischen Mediendienstes und am 63. Filmfestival von Locarno Mitglied der Ökumenischen Jury (www.kirchen.ch/filmjury).

Das Motto einer Miss Earth Schweiz lautet « Beauties for a cause, Schönheiten für einen guten Zweck ». Was ist darunter zu verstehen? Liza Andrea Kuster: Ich bin nicht nur ein Gesicht, sondern auch eine Botschafterin. Mein äusseres Erscheinungsbild, die Schönheit, bringt Präsenz bei Werbekampagnen, Werbespots, Anlässen usw. Bei diesen Aufträgen spenden unsere Partner Geld in unseren Spendentopf. Die Mittel werden für einen guten Zweck eingesetzt. So bin ich eine Miss mit Sinn und Mission. Schönheit als Hilfsmittel … ? Das Motto von Miss Earth Schweiz ist « Schönheit (bezogen auf ein äusseres Erscheinungsbild) für einen guten Zweck », das Füllen des Spendentopfs für Umweltschutz und Soziales. Es ist bewiesen, dass wir gutaussehenden Menschen besser zuhören als andern. Darum umfassen meine Aufgaben auch, als Botschafterin an Veranstaltungen Menschen zu sozialer HIlfe, Entwicklung oder Umweltschutz, aufzurufen und sie zu animieren, eine bessere Welt zu schaffen. Was motiviert Sie, sich einzusetzen? Schon als kleines Kind durfte ich meine Eltern bei sozialen- wie auch Umweltschutz Projekten begleiten. Sie haben viel für andere getan und versuchten stets, ihr Glück zu verteilen. Auch meine Grossmutter die auf den Philippinen wohnt, hat dies stets getan. Auch wenn sie Nichts besessen hat, hat sie stets versucht gütig, gerecht, vergebend zu sein und Liebe zu verschenken. Diese Menschen sind mir ein grosses Vorbild

und haben mein Handeln sehr geprägt. Darum will ich weiter meine Stimme erheben für Menschen ohne Chancen. Der verschwenderische Lebensstil im Norden führt zu Klimaerwärmung – doch betroffen sind viele Menschen auf den Philippinen und andernorts im Süden. Wie berührt Sie das? Das stimmt mich traurig. Ich glaube jedoch an das Gute. Wir können jeden Tag etwas verändern und unsere Chance sollte nicht im Denken verweilen, sondern wir sollten handeln. Als halbe Filipina kenne ich die Situation in den Philippinen sehr gut. Ich habe in Armenvierteln gelebt, Taifunkatastrophen erlebt und habe gesehen und gespürt, was Elend heisst.

© missearthschweiz

Verständigung über die kulturellen Grenzen

© pardo.ch

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Miss Earth Schweiz 2010, Liza Andrea Kuster, kennt als halbe Filippina die Auswirkungen heftiger Tropenstürme. Mit ihrem Engagement sensibilisiert sie die Menschen für die Arbeit von Brot für alle. Auf den Philippinen und in anderen Ländern bereiten von Brot für alle mit erarbeitete Klimaworkshops die Menschen besser auf die Folgen des Klimawandels vor.

Schon vermeintlich kleine Dinge, wie ein Kinderplauschnachmittag, wo zugleich über verschiedenste Themen aufgeklärt wird, bewirken viel. Wie gut das gelingt, zeigten mir einige Anlässe, die ich durchgeführt habe. Wenn wir alle kleine Schritte unternehmen, führt dies zu einem Grösseren. Wo setzen Sie mit Ihren Auftritte als Miss Earth Schweiz an? Aufklärung ist für mich der Schwerpunkt. Hier in der Schweiz und auch auf den Philippinen sollte vermehrt aufgezeigt werden, was wir für Umwelt, Menschen und Tiere machen können. Interview Urs Walter


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contigo Nr.4 | 2010

AKTUELL

Ecuador als Vorreiter in der Schuldenbekämpfung Yvan Maillard Ardenti

Jahren weder im Interesse des Landes noch der Bevölkerung angehäuft worden waren. Der Ökonom Franklin Canelos des lateinamerikanischen Kirchenrates CLAI wurde zum Vizepräsident der Kommission berufen. Bereits seit 2003 unterstützt Brot für alle CLAI bei der Lobbyarbeit für die Schaffung entsprechender Kommissionen in ganz Lateinamerika. Überall soll die Rechtmässigkeit der Auslandschulden überprüft werden.

Ecuador ist im Kampf gegen die Staatsverschuldung eine Pioniertat gelungen: Durch die Aufdeckung von so genannt illegitimen Auslandsschulden und deren Rückkauf zu einem tiefen Preis,

Brot für alle setzt sich seit Jahren für den Abbau von illegitimen Schulden in Ecuador ein. Mit Erfolg. Nun sollen die guten Erfahrungen an andere Entwicklungsländer weitervermittelt werden. Das würde die drückende Last der Schuldzinsen und Rückzahlungen, welche viele Entwicklungsländer jährlich an reiche Industrienationen oder Finanzinstitute bezahlen, vermindern. Die jährlichen Zahlungen übersteigen die nationalen Sozialausgaben bei Weitem. Ecuador gab im Jahr 2000 mehr als eine Milliarde US-Dollar für die Abzahlung von Schulden aus, rund 25 Prozent des nationalen Haushaltsbudgets. Gleichzeitig lebte mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Hinzu kommt, dass zahlreiche dieser Schulden « illegitim » entstanden sind. « I llegitim » bedeutet, dass die bereitgestellten Gelder nicht im Interesse der Bevölkerung eingesetzt wurden, sondern der persönlichen Bereicherung früherer Regime, der Korruption oder gescheiterten Grossprojekten dienten (vgl. Definition im Kasten).

Illegitime Schulden Illegitime Schulden sind Schulden für Kredite in Entwicklungsländern, die nicht der Bevölkerung zugute kommen. Dies, weil sie der persönlichen Bereicherung despotischer Regime, der Aufrüstung oder der Unterdrückung der Bevölkerung dienten oder weil die Schulden aufgrund eines schlecht konzipierten oder korrupten, gescheiterten Entwicklungsprojekts zustande kamen. ym

Staatsschulden unter die Lupe genommen 2007 wagte Ecuador eine Weltpremiere: Die Regierung des kleinen südamerikanischen Staates berief eine « Kommission für die umfassende Überprüfung der öffentlichen Schulden » ins Leben. Deren Aufgabe war, die Legitimität der öffentlichen Schulden zu untersuchen, welche in 30

© Brot für alle

spart das Land jährlich 300 Millionen Dollar.

Franklin Canelos ist Ökonom beim lateinamerikanischen Kirchenrat CLAI.

« Die Kommission hat in ihren Untersuchungen festgestellt, dass in Ecuador zahlreiche Kredite für nie umgesetzte Projekte oder für die Aufrüstung aufgenommen worden sind. Mit verschiedenen Geldern wurde auch die Korruption der früheren politischen Eliten finanziert. Das alles sind öffentliche Schulden, von denen die Bevölkerung nie profitiert hat », sagt Franklin Canelos. Aufgrund dieser Befunde stellte Ecuador im Jahr 2008 die Zahlung gewisser Schuldzinsen ein. 2009 kaufte die Regierung Schulden mit einem Abschlag zurück. Dank dieser Rückkäufe spart Ecuador 300 Millionen Dollar pro Jahr. Der namhafte Betrag soll nun zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes und zur Armutsbekämpfung eingesetzt werden.

Schuldenabbau bringt mehr als Entwicklungshilfe Der Abbau von Schulden und der damit eingesparten Schuldzinsen ist eines der effizientesten Mittel für Länder des Südens, ihre Entwicklung selbst zu finanzieren. Der Betrag, den Ecuador durch den Abbau seiner illegitimen Schulden einspart, entspricht dem Betrag der internationalen Hilfe, die das Land jährlich erhält. Aus diesem Grund unterstützt Brot für alle die Bemühungen des lateinamerikanischen Kirchenrates, die ecuadorianischen Erfahrungen an andere lateinamerikanische Länder weiterzugeben. Bereits haben Brasilien, Bolivien und Peru ihr Interesse am ecuadorianischen Beispiel angemeldet. Gemeinsam mit seinen Südpartnern wird Brot für alle diesen Prozess weiter unterstützen.


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PROJEKT Entwicklung ländlicher Gemeinschaften

Mirashkhani – Ein Dorf im Wandel In Mirashkhani haben es die Bewohnerinnen und © HEKS/Christian Bobst

Bewohner mit Hilfe von HEKS geschafft, ihren Lebensalltag zu verbessern. Das kleine Bergdorf mit circa 250 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt im äussersten Süden Georgiens, im kleinen Kaukasus an der Grenze zur Türkei. Hier leben auch Otari und seine Familie. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion waren die Bäuerinnen und Bauern in Mirashkhani auf sich allein gestellt. « Noch vor drei Jahren hatte ich nur meine fünf Kühe und einen kleinen Garten. Es war mir nicht möglich, mein Feld zu nutzen, um Nahrung zu produzieren », sagt Otari. Die Möglichkeit, das Land zu bewässern, fehlte. Manchmal litten die Familien im Dorf Hunger.

DVD: Mirashkhani – Ein Dorf im Wandel Peter Indergand zeigt in seinem einfühlsamen Film die Menschen von Mirashkhani, ihr Leben und ihre Arbeit, ihre Hoffnungen und Sorgen. Es ist ein Film über Menschen, denen es gelungen ist, Perspektiven zu schaffen für ein Leben in Würde. DVD Video, 27 Minuten Mit Marina und Juri Mosidze, Natia und Otari Bolkvadze, Jambul Kamashidze, Emzari Abashidze, Jambul Khosrevanidze und Nana Topuridze Schnitt: Marina Wernli Kamera und Regie: Peter Indergand Produktion: Hanspeter Bigler-Tillison, HEKS Die DVD kann bestellt werden bei: info@heks.ch

Bewässerung schafft Zugang zu Land 2005 ermöglichten HEKS und die lokale HEKS-Partnerorganisation Aspindza Union dem Dorf, eine Bewässerungsanlage zu bauen. Die Bevölkerung beteiligte sich mit Arbeitsleistung. Dank der Bewässerung konnten 30 Hektaren Land für Gärten und Ackerland gewonnen werden. Nach diesem ersten Erfolg begann im Bergdorf ein tiefgreifender Wandel: Die Bauern analysierten ihre Lage und beschlossen, ihre Milch nicht mehr zu schlechten Preisen an Zwischenhändler zu verkaufen, sondern gemeinsam zu verarbeiten und so vom Mehrwert zu profitieren. Sie legten ihr Geld zusammen und bauten eine Molkerei selber auf, finanziell und fachlich unterstützt von HEKS.

Die dorfeigene Molkerei in Mirashkani

« Selbstbestimmter » Käse Doch wieso die Milch zu einem schlechten Preis einer Käsefabrik verkaufen? Also entschied sich das Dorf, noch einen Schritt weiterzugehen und die Molkerei zu einer Käserei auszubauen. Auch den Verkauf wollten sie selbst organisieren. Dabei verpflichtete sich das Dorf, 85 Prozent der Kosten selbst zu tragen. HEKS steuerte vor allem fachliches Know-how und Schulungen bei. Die Käserei wurde im Frühling 2010 eröffnet. Durch die Beratung einer weiteren HEKS-Partnerorganisation, ABCO, gelang es auch, dass das Dorf den Käse direkt an zwei Läden in Tbilissi und Batumi verkaufen kann. Der Karkhnuli aus Mirashkhani verkauft sich gut, und dank des Milchverkaufs haben die Bauern ein regelmässiges Einkommen. Der Mentalitätswandel, der sich im Dorf vollzogen hat, ist überall spürbar. Neue Ideen reifen. Auch die Kartoffelbauern organisieren sich genossenschaftlich und werden zusammen ein Lagerhaus für die Kartoffeln bauen. Dadurch können sie Kartoffeln erst dann verkaufen, wenn die Preise gut sind. Auch für Otaris Familie hat sich in den letzten Jahren vieles verändert. Vor gut einem Jahr kam die kleine Tochter Mari zur Welt. Dank des Bewässerungsprojekts kann er heute Kartoffeln anbauen, dank der Käserei seine Milch verkaufen und ein Einkommen erwirtschaften. « Wir kümmern uns um unsere Familien, damit sie nicht hungern müssen », sagt er. « Und Gott sei Dank müssen sie das nicht. » fb In der Schweiz verantwortlich: HEKS, Seminarstrasse 28, 8042 Zürich Programmbeauftragte Georgien: Silvia Frei, Tel.: 021 613 40 72 Kirchgemeinden, die dieses Projekt unterstützen möchten, erhalten Auskunft bei: Annelies Hegnauer Tel.: 044 360 88 06 Spendenkonto: PC 80-1115-1 Weitere Informationen unter www.heks.ch


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AKTUELL

Werte gehören zum Kern Ueli Locher, Direktor HEKS

Karitative Organisationen werden in der Regel gegründet, um Menschen in Not beizustehen. Diese Solidarität könnte man auch als Grundwert oder Triebfeder von Hilfswerken bezeichnen. Das gesellschaftliche Umfeld und damit auch die Art und Weise, wie Hilfe geleistet wird, befindet sich aber in stetem Wandel. Das hat Auswirkungen auf die Interpretation von Werten und Grundüberzeugungen.

für unsere Arbeit müssen also sowohl sprachlich als auch inhaltlich der jeweiligen Zeit angepasst werden. Dabei darf die Wertebasis, welche bei der Gründung von HEKS massgeblich war, im Kern nicht tangiert werden.

Gemeinsamer Nenner Dieser Prozess der Weiterentwicklung unserer Wertebasis – an dem sich die Kader und der Stiftungsrat von HEKS beteiligten – war anspruchsvoll. So sollten möglichst alle Mitarbeitenden in ihrer täglichen Arbeit etwas mit den Werten und Grundüberzeugungen anfangen können. Wir wollten kein theoretisch abgehobenes Papier, das in einer Schublade verschwindet. Es sollten die Wurzeln unseres Hilfswerkes sichtbar werden und sowohl Mitarbeitende und Arbeitspartner ansprechen, die stark im christlichen Glauben verankert sind, als auch solche, deren Identität nicht primär von Kirche und Christentum geprägt ist. Und schliesslich war es uns wichtig, auch bei unseren Partnern in den Ländern des Südens, die anderen oder gar keinen Religionsgemeinschaften angehören, Akzeptanz für die von uns definierten Werte und Grundüberzeugungen zu finden.

Es gibt Hilfswerke, die sind aus politischen Bewegungen heraus entstanden. Andere wurden von Persönlichkeiten gegründet, die mit ihrem Charisma breite Kreise Neun Grundüberzeugungen der Bevölkerung von der Notwendigkeit solidarischen Handelns zu überzeugen vermochten. HEKS wurde von Ausgangspunkt unserer Arbeit war das in der Strategie den evangelisch-reformierfür 2008 bis 2012 skizzierte ten Kirchen der Schweiz christliche Menschenbild. geschaffen. Gemeinsam ist Der Aussage «  Der Mensch « So sind auch die universellen Menfast allen diesen Gründunist Geschöpf Gottes » wurden schenrechte, welche über Religigen, dass sie aus der Betrofdie Begriffe Gerechtigkeit, onsgrenzen hinaus von den Staaten fenheit angesichts menschSelbstbestimmung und Reanerkannt werden, zum Massstab für licher Not erfolgten. Für spekt zugeordnet. Der Satz HEKS – wie auch für andere « Der Mensch ist Mensch in unser Handeln geworden. » Hilfswerke, die in der gleider Beziehung mit andern » Ueli Locher, Direktor HEKS chen Zeit entstanden – war wurde mit den Werten Solies die Not im Europa nach darität, Hilfe ohne Grenzen dem Zweiten Weltkrieg. und Verantwortung unterlegt. Und aus der Aussage « Der Mensch ist Mensch in Christliche Nächstenliebe seiner Zerbrechlichkeit » wurden die Begriffe Partizipation, Nähe zu den Menschen und Wirkung hergeleitet. Jede Es liegt nahe, dass sich die Kirchen am biblischen Gebot der neun Grundüberzeugungen oder Werte wird in einem der christlichen Nächstenliebe orientierten, um ihre damaknappen Text veranschaulicht. ligen Aktionen zugunsten der Kriegsopfer zu legitimieren. Ist damit die Wertediskussion bei HEKS abgeschlossen? Auch heute, mehr als sechzig Jahre nach der Gründung von Nein. Denn einerseits werden diese Werte in unserer tägliHEKS, hat dieses Gebot nichts von seiner Bedeutung einchen Arbeit spür- und sichtbar, andererseits wird sich die gebüsst. Es ist mittlerweile allerdings nicht mehr die einziWelt weiter verändern und uns dazu herausfordern, unsere ge Wertebasis, an der wir uns orientieren. So sind auch die Grundlagen von Zeit zu Zeit zu überdenken. universellen Menschenrechte, welche über Religionsgrenzen hinaus von den Staaten anerkannt werden, zum Massstab für unser Handeln geworden. Und die Art und Weise, wie wir Das gesamte Dokument findet sich auf unserer Website unter Hilfe leisten, hat sich über die Jahrzehnte stark verändert. www.heks.ch/de/ueber-uns/werte-und-ziele. So wurde der karitative, vom Gedanken der Barmherzigkeit geprägte Ansatz der Aktionen von damals weitgehend abgelöst von Handlungsstrategien, die Werte wie Partizipation oder Selbstbestimmung ins Zentrum stellen. Die Leitlinien


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Aktion

Hilfe schenken! Überraschen Sie Ihre Liebsten mit einem Geschenk, das Freude bereitet, und leisten Sie gleichzeitig Hilfe zur Selbsthilfe für Notleidende auf der ganzen Welt. Auch dieses Jahr können wir Ihnen wieder sinnvolle Geschenke vorstellen. Zum Beispiel ein Stück Land:

Für die Jahre 2010/11 werden auf den Philippinen für HEKS-Projekte, die Zugang zu Land ermöglichen sollen, 142 776 Franken eingesetzt. Damit werden Protestaktionen geplant und organisiert, Erfahrungsaustausch zwischen den im Landkampf involvierten Gruppen ermöglicht, Allianzen aufgebaut und Betroffene vernetzt, Rechtsberatung und Trainings finanziert sowie Klagen vor Gericht eingereicht und begleitet. All diese Aktivitäten sind nötig, damit landlose Bäuerinnen und Bauern Zugang zu Land erhalten. Für das laufende und das kommende Jahr liegt die Zielgrösse bei 1847 Hektaren Land. Teilt man die Kosten durch die angestrebte Landfläche, liegt der Preis für die Erlangung einer Hektare Land bei 77 Franken.

© HEKS/Karin Desmarowitz

Schenken Sie symbolisch!

Baltasar Enomerables mit einem Farmplan

Ein Stück Selbstbestimmung Es sieht aus wie eine Kinderzeichnung, was Baltasar Enomerables aus dem philippinischen Davao Oriental in den Händen hält. Doch es ist ein Farmplan, welcher Baltasar zeigt, wie er sein Stück Land optimal nutzen kann. Sieben Jahre lang kämpfte der ehemalige Kokospflücker, der zu einem Hungerlohn auf einer Plantage arbeitete, für ein eigenes Stück Land. Mit der Unterstützung der HEKSPartnerorganisation zeigte der Landkampf schliesslich Wirkung: Die 110 Hektaren der Plantage wurden an die Plantagenarbeiter und ihre Familien umverteilt, wie es das Gesetz vorschreibt. Nun ist Baltasar stolzer Besitzer einer Hektare Land. Einer Hektare, welche für ihn ein selbstbestimmtes Leben bedeutet.

Eine Hektare Land für 77 Franken – eines der vielen sinnvollen Geschenke, die Sie zu Weihnachten schenken können! Wählen Sie aus, und Sie erhalten dann per Post die stilvolle Urkunde zum ausgewählten Artikel als Geschenk für Ihre Liebsten! Ihre Spende geht je nach Geschenk in einen von sieben Fonds mit fest definiertem Verwendungszweck. Jedes Geschenk ist einem Fonds zugeordnet. So haben Sie volle Transparenz über die Verwendung des Gelds, und uns ist es möglich, schnell dort zu helfen, wo es am nötigsten ist. Sie haben die Möglichkeit, Geschenke aus den folgenden Kategorien auszuwählen: Entwicklung ländlicher Gemeinschaften, Friedensförderung, Humanitäre Hilfe, Zwischenkirchliche Hilfe, Soziale Integration und Anwaltschaft für sozial Benachteiligte. Dies sind die Schwerpunktthemen von HEKS und damit ausgewiesene Stärken der Organisation. fb Bestellen Sie Geschenke Online unter www.hilfe-schenken.ch oder bestellen Sie den Geschenkkatalog mittels Bestellschein auf der Rückseite dieses Heftes oder telefonisch unter 044 360 88 99.

SAMMELKAMPAGNE

« Entwicklung ermöglichen » Drei Viertel der mittellosen Menschen weltweit leben im ländlichen Raum. HEKS unterstützt ländliche Gemeinschaften, die mit vereinten Kräften ihre Lebenssituation verbessern wollen. So auch in Mirashkhani (siehe auch Text zum Projekt auf Seite 14). Das Dorf liegt im Süden Georgiens auf 1400 Meter über Meer. Die Sommer sind hier heiss und trocken, die Winter kalt. Bis vor fünf Jahren waren die 60 Bauernfamilien des Dorfes auf sich allein gestellt und manchmal litten sie Hunger. Heute werden in Mirashkhani täglich Quark, Butter und Käse, darunter der typisch georgische « Karkhnuli » produziert. Jede Woche können rund 200 Laibe davon direkt an Läden in Tbilissi und Batumi verkauft werden. Es geht aufwärts in Mirashkhani. Weitere Dörfer werden dem Beispiel folgen.

Informationen für die Kirchgemeinden In seiner diesjährigen Sammelkampagne stellt HEKS die ländliche Entwicklung im kargen Bergland Georgiens in den Mittelpunkt. Die HEKS-Sammlung dauert bis Mitte Dezember und wird begleitet durch einen Fernsehspot, Plakate und Prospekte, die den kantonalen Kirchenblättern beigelegt werden. Kirchgemeinden und Pfarrpersonen erhalten rechtzeitig umfangreiche Unterlagen mit weiteren Angeboten und konkreten Handlungsvorschlägen zur Sammlung. Zum ersten Mal erscheint ein umfangreiches Kampagnendossier mit Mitmachmöglichkeiten für alle, die HEKS unterstützen wollen. Das Dossier kann heruntergeladen werden unter www.heks.ch/sammelkampagne.


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Aktion

HEKS-Sternenaktion Agali Ikote Aminata aus Niger wünscht sich einen Brunnen mit sauberem Wasser in ihrem Dorf. Dann müsste sie nicht täglich ein- bis zweimal fünf Kilometer zu einem Wasserloch und schwer beladen mit dem Wasserkanister wieder zurückgehen, um Wasser für ihre Familie zu holen, das

können in den Stern gefüllt werden und der Stern kann so bedruckt und gefüllt mit Wünschen an den Weihnachtsbaum gehängt werden. So wird der Stern zu einem Sinnbild für Wünsche aus nah und fern, für die vielen Anliegen, die nur durch vielfältige gegenseitige Unterstützung erfüllt werden können. Inspirationen für Veranstaltungen oder Gottestdienste hat Pfarrer Andreas Fischer erarbeitet. Sie finden seine Texte unter www.heks.ch/ sammelkampagne.

NACHRICHTEN Hilfe für Flutopfer in Pakistan Bis zu 20 Millionen Menschen sind von der schlimmsten Flut, die es in Pakistan je gab, betroffen, und die Lage im Land ist weiterhin angespannt. HEKS leistete direkt nach der Katastrophe gemeinsam mit Caritas Soforthilfe für die Flutopfer im Nordwesten Pakistans. Ab Mitte August erhielten dort 65 000 Menschen Nahrungsmittel- sowie Haushalt- und Hygienepakete.

© HEKS

Winterhilfe

zudem noch verschmutzt ist. Und was wünschen Sie sich zu Weihnachten? Auf den Weihnachtssternen von HEKS stehen Wünsche von Menschen aus unseren Projekten. Es geht darin um elementare Bedürfnisse wie sauberes Wasser, ausreichendes Essen oder Land, aber auch um Frieden und um Würde. Damit sich diese elementaren Wünsche und Bedürfnisse erfüllen lassen, brauchen die Menschen in den HEKS-Projekten die Solidarität von Menschen in den Kirchgemeinden bei uns.

Für Kinder oder Jugendliche und alle, die gerne kreativ sind, bieten wir Ihnen einen Bastelbogen-Stern mit Anleitung. Er ist geeignet für Kinder ab ca. Schulalter und kann in einer Lektion hergestellt werden. fb

Spendenkonto: PC 80-1115-1 Vermerk « Überschwemmungen Pakistan » HEKS ist akkreditierter Partner der Glückskette.

Änderungen im HEKS-Stiftungsrat

So setzen Sie den Stern ein Falten Sie den Lampion-Stern auf und hängen Sie ihn an den Weihnachtsbaum in Ihrer Kirche oder im Kirchgemeindehaus auf und weisen Sie auf die Wünsche aus aller Welt hin. Fragen Sie die Gemeindemitglieder nach ihren Wünschen. Wunschzettel

Um den Obdachlosen über den Winter zu helfen, werden noch bis Mitte Januar an 7142 bedürftige Familien im Distrikt Malakand, südlich des SwatTals, Winterkleider und Decken verteilt. Eine Familie erhält 5 dicke Steppdecken, 4 Winterjacken in verschiedenen Grössen für die Kinder, 2 Winterjacken für Männer und 3 grosse wollene Winterschals für Frauen. Diese Schals sind so gross, dass sie in der pakistanischen Tradition wie ein Mantel gebraucht werden. Das Projekt dauert von Mitte Oktober bis Mitte Januar 2011. HEKS setzt für dieses Projekt (gemeinsam mit Caritas) 900 000 Franken ein.

Lampion-Sterne für den Weihnachtsbaum und Bastelbogen-Sterne für Kinder können Sie bestellen bei: HEKS, Sara Baumann, Seminarstrasse 28, 8042 Zürich. (BastelbogenSterne, 1 Franken pro Stück, Lampionsterne 3 Franken pro Stück)

Die Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) wählte JacquesAndré Schneider (Genf, Jahrgang 1952) und Martin Stingelin (Pratteln, Jahrgang 1957) neu in den HEKS-Stiftungsrat. Zudem werden 2011 für den zurücktretenden Roland Decorvet, der Direktor von Nestlé China wird, und die ausscheidende Silvia Pfeiffer-Sommerhalder zwei weitere Mitglieder in den HEKS-Stiftungsrat gewählt.


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Kurse werden an verschiedenen Standorten durchgeführt. Meistens stellt die Kirchgemeinde, die Volksküche oder die politische Gemeinde das Lokal zur Verfügung. Seit ein paar Jahren führt eine der Lerngruppen einen Kinderhort: Rund 30 Kinder zwischen drei und acht Jahren werden zu den Kurszeiten betreut und gefördert mit Musik, Tanz, Zeichnen und Hausaufgabenhilfe.

PROJEKT peru

Neue Horizonte mit dem ABC

Praktische Workshops

Frauen in Lima lernen mit Hilfe des Alphabetisierungsprogramms von ALFALIT lesen und schreiben. 2010 hat die Partnerorganisation von mission 21 ein ähnliches Bildungsprojekt für indigene Frauen im Süden Perus gestartet.

© Claudia Quispe-Rampa / mission 21

Die Qualität der Ausbildung an den öffentlichen Schulen Perus ist ungenügend. Es gibt keine wirksamen Strategien zur Reduktion des Analphabetismus. Zwar beträgt die Alphabetisierungsrate der über 15-Jährigen mehr als 90 Prozent. Doch 75 Prozent der Personen, die weder lesen noch schreiben können, sind Frauen aus ländlichen Regionen, die eine indigene Sprache sprechen.

Die ALFALIT-Alphabetisierungsgruppe « L a cumbre del condor » im Unterricht.

Acht Lerngruppen Das Frauenförderprogramm des evangelischen Entwicklungsdienstes ALFALIT (ALFAbetización-LITeratura) en el Perú, das von mission 21 mitfinanziert wird, verhilft diesen Frauen mit einem Alphabetisierungsprogramm und praktischen Workshops zu mehr Selbstvertrauen und wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Am Rand von Carabayllo gibt es zurzeit acht Alphabetisierungsgruppen mit je 15 bis 20 Frauen: von der 15-jährigen Mutter mit Baby bis zur 85-jährigen Grossmutter, die endlich lesen lernen will. Die

Um zu verhindern, dass die Teilnehmerinnen nach kurzer Zeit wieder aufhören, weil sie keinen unmittelbaren Nutzen sehen, wird das Alphabetisierungsprogramm mit praktischen Workshops kombiniert. So lernen die Frauen beispielsweise Konfitüre oder « chocotejas », peruanische Pralinés, herzustellen und zu vermarkten, eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle. Inzwischen können die Frauen auch lernen, wie man Wasserrohre repariert oder einfache elektrische Arbeiten verrichtet. Einige Kursabsolventinnen haben zusammen mit ihren Familien sogar kleine rentable Produktionsbetriebe ins Leben gerufen. So verbessern die beteiligten Frauen ihre kommunikativen, sozialen und beruflichen Kompetenzen und können sich vermehrt in Familie, Kirchgemeinde und Gesellschaft einbringen. Die Frauen, welche die Alphabetisierungskurse für Neueinsteigerinnen durchführen, stammen selbst aus Carabayllo. Für sie eröffnet sich eine neue berufliche Perspektive: Sie erweitern ihr Wissen in Erwachsenenbildung und können ihre pädagogischen und didaktischen Fähigkeiten verbessern. Das peruanische Erziehungsministerium anerkennt die von ALFALIT ausgestellten Diplome. Für sein innovatives Potenzial und die hervorragende Arbeit im Bereich der Alphabetisierung hat ALFALIT 2009 den Iberoamerikanischen Preis für die Alphabetisierung erhalten.

Projekt in Quetchua/Spanisch Seit Anfang 2010 führt ALFALIT zusammen mit einer weiteren Partnerorganisation von mission 21 im Departement Puno neu ein zweisprachiges Alphabetisierungsprojekt (Quechua/Spanisch) für indigene Frauen durch. Ziel dieses Projekts in einer der ärmsten Regionen Perus am Arapa-See ist es, einen integralen Entwicklungsprozess in Gang zu setzen, der Landwirtschaft, Umwelt, Gesundheit und Bildung als Ganzes betrachtet. aw In der Schweiz verantwortlich: mission 21, Missionsstr. 21, 4003 Basel; Claudia Quispe-Rampa, Programmverantwortlicher Peru Auskunft für Kirchgemeinden: Projektdienst, Seraina Vetterli, Tel. 061 260 23 03, seraina.vetterli@mission-21.org, Projekt-Nr. 476.1019 Spendenkonto: 40-726233-2 www.mission-21.org


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Raus aus dem Gefängnis nigeria

Theologie lernen und sich fürs Leben stärken Wer im ländlichen Norden Nigerias das Fernstudium « Mündiges Christ-Sein – Theologie für alle » der Kirche der Geschwister besucht, lernt die Bibel besser kennen. Das gibt den Studierenden wichtige Impulse für den harten Alltag. Die Kirche der Geschwister (Ekklesiyar Yan’Uwa a Nigeria, EYN) im muslimisch geprägten Norden Nigerias ist seit fast fünfzig Jahren eng verbunden mit mission 21 bzw. der Basler Mission. Gemeinsam werden Projekte in den Bereichen Alphabetisierung, ländliche Entwicklung, Bekämpfung von HIV/Aids, Frauenförderung, Friedensarbeit und theologische Bildung betrieben. Das Kulp Bible College richtet sich an kirchlichen Nachwuchs. Das breit angelegte theologische Fernstudium TEE (Theological Education by Extension) mit dem Motto « Theologie für alle » spricht die unterschiedlichsten Menschen an: Bäuerinnen und Lehrer, Marktfrauen oder Beamte. Sie lesen zusammen mit der Kursleitung die Bibel und lernen so, ein mündiges und offenes Christ-Sein zu leben: « TEE vermittelt biblisches und theologisches Wissen sehr lebens- und praxisbezogen und fordert die eigene Antwort der Lernenden heraus  », erklärt Pfarrerin Christine Gühne, die mit ihrer Familie von 2007 bis 2010 für mission 21 das Fernstudium in Nordnigeria begleitete. Dies habe oft Auswirkungen auf die Familie, die Gemeinde, die tägliche Arbeit und auch das Zusammenleben mit der muslimischen Bevölkerung.

Über 1600 Kursteilnehmende Die Kursthemen sind vielfältig: biblische Bücher, traditionale Religionen und das Christentum, Islam, ethische Fragen, Gesundheit und Krankheit aus biblischer Sicht, Kinder und Jugendliche in der Gemeinde unterrichten usw. TEE ist ein Erfolg; über 1600 Studierende aus der EYN, aber auch aus anderen christlichen Denominationen werden zurzeit für den vielfältigen Dienst der schnell wachsenden Kirchen vorbereitet. Das Studium geschieht im Wechsel zwischen Selbststudium und regelmässigem Austausch in der Regionalgruppe. Mehr als 200 Seminarklassen sind über das gesamte Kirchengebiet verteilt. Die Kurse werden in Hausa, der Verkehrssprache Nordnigerias, oder in Englisch gehalten. Am Ende kann eine Prüfung abgelegt werden.

© Jan Gühne / mission 21

PROJEKT

« TEE hat mir geholfen, eigenständig zu denken », meint etwa der Kursteilnehmer Joshua Wakawa aus Abuja. Er habe gelernt, « Dinge von verschiedenen Seiten her zu bedenken und Argumente abzuwägen ». Das habe ihn als Person verändert und helfe ihm in Konfliktsituationen. Für Dawuda Ndao aus Michika ging es um viel Grundlegenderes: « Als Analphabet lebst du in einem unsichtbaren Gefängnis. » Mit dem Fernkurs habe er lesen und schreiben gelernt, so der Mann. Dies sei für ihn die « Befreiung aus dem Gefängnis » gewesen. Geradezu revolutionär im nigerianischen Kontext ist die Feststellung von John Ashifa aus Barawa: « TEE hat unser ganzes Familienleben verändert. Ich habe mit meiner Frau begonnen, über mein Fernstudium zu sprechen. Nun ist sie auch im Programm. Wir wenden unsere Erkenntnisse bei der Erziehung unserer Kinder und bei Problemen im Alltag einer Grossfamilie an. »

Das Team und die Leiterin Christine Gühne (Mitte) des Fernkurses « Mündiges Christsein - Theologie für alle ».

Die Bibel gibt Kraft Eine wichtige Erkenntnis, die Christine Gühne gemacht hat, ist, welcher Stellenwert die Bibel haben kann: « Die Menschen leben aus und mit der Bibel », so die Pfarrerin. Zu Beginn fragte sie sich: Brauchen die Menschen hier wirklich als Erstes theologische Weiterbildung? Gespräche mit TEE-Studierenden haben ihr gezeigt: « Lebensnahe theologische Ausbildung ist für die Christen in den Gemeinden in Nordnigeria kein Luxus, sondern stärkt die geistigen und geistlichen Fähigkeiten der Menschen. So können sie zu Trägerinnen und Träger einer Entwicklung werden, die sie selbst anstossen. » aw In der Schweiz verantwortlich: mission 21, Missionsstr. 21, 4003 Basel; Jochen Kirsch, Programmverantwortlicher Nigeria Auskunft für Kirchgemeinden: Projektdienst, Seraina Vetterli, Tel. 061 260 23 03, seraina.vetterli@mission-21.org, Projekt-Nr. 162.1006 Spendenkonto: 40-726233-2 www.mission-21.org


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ANGEBOT weiterbildung

Ein PEP!-Einsatz im Ausland

© mission 21

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Simone Mani, Verantwortliche für Kurzeinsätze.

Im Zivildienst Elektronikkurse für Jugendliche in Indonesien geben; als Ethnologin in einem Waisenkinderprojekt in Tansania Schulungen zu Ernährung und HIV/Aids entwickeln; vor Studienabschluss in Malaysia Migrantenkinder an einer kirchlichen Schule in Englisch unterrichten: Seit fast zehn Jahren bietet mission 21 Auslandeinsätze für Personen zwischen 22 und 35 Jahren an, die ihren Erfahrungshorizont erweiten möchten durch einen längeren Arbeitsaufenthalt in Afrika, Asien oder Lateinamerika. « Beim PEP! (Professional Exposure Programm) kann man sein Wissen einbringen, lernt eines unserer Partnerprojekte durch Mitarbeit auf Augenhöhe kennen und gewinnt im Austausch mit anderen auch Einsicht in seine eigenen Fähigkeiten und Interessen », erklärt Simone Mani, Verantwortliche für Kurzeinsätze bei mission 21. In der Fachsprache heisst dies « interkulturelle Sozialkompetenz ». Simone Mani, gelernte Sekundarschullehrerin und passionierte Berggängerin, hat selber am PEP!-Programm teilgenommen: Sie arbeitete während neun Monaten als Englischlehrerin in Tansania.

Bewerben kann sich, wer über eine abgeschlossene Ausbildung verfügt oder vor dem Studienabschluss steht. Ein Aufenthalt dauert zwischen sechs und zwölf Monaten. Zwei Mal im Jahr werden neue PEP!-Stellen ausgeschrieben: im Frühjahr (Einsatz ab September/Oktober) und im Herbst (Einsatz ab Februar/März). mission 21 übernimmt die Kurs- und Reisekosten und zahlt ein Einsatzgehalt inkl. Sozial- und AHV-Beiträge. Damit auch junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren ohne Berufserfahrung Einblick in andere Welten gewinnen können, gibt es zwei zusätzliche Angebote im diakonischen Bereich: ein achtwöchiger Einsatz im Heim « Elim » für behinderte Kinder und Jugendliche in Südafrika und ein einjähriges Praktikum in einem Kindergarten oder Wohnheim für Menschen mit Behinderung in Argentinien, das im August 2011 starten wird. aw PEP!: Simone Mani, Tel. 061 260 23 14 (Mo/ Di/Do), simone.mani@mission-21.org Infos: www.mission-21.org/pep

BILDUNG-AUSTAUSCHFORSCHUNG

Das neue BAFProgramm ist da! Ein Schwerpunkt zum Thema Mission und Entwicklungszusammenarbeit einst und jetzt; ein Vortrag zu den boomenden Migrationskirchen; eine Begegnungsreise zur kirchlichen Frauenarbeit in Kamerun; ein Auslandeinsatz mit mission 21 in Hongkong; Informationen zur Fair Trade Arbeit von mission 21 in Bolivien, Kamerun oder Indonesien: Die Abteilung Bildung, Austausch und Forschung (BAF) von mission 21 bietet Jung und Alt, Interessierten und Fachleuten eine breite Auswahl an Horizonterweiterungen im Bereich Religionen, Kulturen und Theologie. Lesen Sie es selber nach – im BAF-Programm 2011 in der Beilage oder auf www.mission-21.org/baf. Viel Vergnügen! aw

REFERENTENVERMITTLUNG BEGEGNUNGSREISE

Frauen in Kamerun Auf Reise nach Kamerun mit mission 21 begegnen Sie Frauen in den verschiedensten Positionen mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten. Das 50-Jahre-Jubiläum der Frauenarbeit der Presbyterianischen Kirche in Kamerun (PCC) bildet den feierlichen Mittelpunkt dieser Reise, die auch zu kulturellen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten führt. PCC ist seit Jahrzehnten eine Partnerkirche von mission 21. aw Reisedatum: 17. November bis 5. Dezember 2011; Route: Douala-Buea-BamendaBamessing-Nyasoso-Kumba-Limbe; Leitung: Magdalena Zimmermann, Abteilungsleitung Bildung, Austausch und Forschung; Rita Käslin, Designerin und Fair Trade Trainerin in Bamenda. Infoabend am 18. Juni 2011 in Basel. Details und Kontakt: Christa Debély, mission 21, Tel. 061 260 22 59, christa.debely@mission-21.org

Weltweite Kirche ganz nah Die Referentinnen und Referenten von mission 21 bereichern den Gottesdienst, den Gemeindeabend, den Jugendtreff, den Suppentag oder den Missionsnachmittag in Ihrer Kirchgemeinde. Shabnam-Edith Barth, seit neun Jahren verantwortlich für die Referentenvermittlung von mission 21, organisiert laufend Mitarbeitende und Gäste der Partnerkirchen und -organisationen von mission 21 in Afrika, Asien und Lateinamerika. Sie berichten für Sie über ein Projekt von mission 21 oder informieren aus erster Hand zu einem Thema (z.B. Fair Trade in Borneo, Theologie für alle in Nigeria, Alphabetisierung in Peru). Auch die erfahrenen Programmverantwortlichen der Abteilung Internationale Beziehungen von mission 21 und die Kursleitenden der Abteilung Bildung,


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Austausch und Forschung, die den Missionsbegriff näherbringen, stehen für Gemeindebesuche zur Verfügung. « Die Referentinnen und Referenten von mission 21 helfen Ihnen gerne beim Gestalten Ihres Anlasses », fasst Shabnam-Edith Barth zusammen: « Im persönlichen Gespräch und mit Hilfe verschiedener Medien bringen sie Ihrer Gemeinde die Anliegen der weltweiten Kirche auf lebendige und direkte Weise näher. » aw Referentenvermittlung mission 21: Shabnam Edith Barth, Tel. 061 260 22 31, shabnam.barth@mission-21.org Laufend aktualisiert auf www.mission-21.org

AKTUELL

haben rund 60 000 historische Fotografien aus der Zeit der Basler Mission zwischen 1850 und 1950 erfasst. Über 30 000 sind auf der Internetseite www.bmpix.org zugänglich. Sie dokumentieren namentlich die Tätigkeitsfelder der Basler Mission in Afrika (v.a. Ghana und Kamerun) und Asien (v.a. Südindien, den Südosten Chinas und Kalimantan/Indonesien). Diese erste digitalisierte Erweiterung des Archivs von mission 21 ist seit 2002 zugänglich und wurde 2008 neu aufgegleist: Mit der Einbettung von www.bmpix.org in das International Mission Photography Archive (IMPA), das von der University of Southern California Digital Library betreut wird, hat sich das Schweizer Projekt international neu positioniert.

Online auf den Spuren der Missionsgeschichte

Neuer Leiter Kommunikation BASEL Peter Felber, ordinierter Pfarrer und Partner einer Kommunikationsagentur in Basel, wird neuer Kommunikations- und Marketingleiter von mission 21. Er beginnt seine neue Tätigkeit am 1. Februar 2011. Er wird auch Einsitz in die Geschäftsleitung nehmen. Peter Felber ist ein engagierter, ausgezeichneter Kenner der reformierten Kirche. 1977 – 1986 war er Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde Beggingen SH. 1986  –  1996 leitete er das Amt für Information und Medien der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. Zu seinen besonderen Leistungen gehört die Mitgestaltung der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung «  Frieden in Gerechtigkeit » 1989 in Basel. Ausführliche Medienmitteilung auf www.mission-21.org. aw

Erfolgreiche Herbstkampagne © Archiv Basler Mission / mission 21.

« mission 21 fördert die kritische Aufarbeitung der Missionsgeschichte », sagt Pfarrerin Magdalena Zimmermann, stellvertretende Direktorin und Leiterin der Abteilung Bildung, Austausch und Forschung von mission 21. Möglich macht dies das einmalige historische Archiv des Missionswerks. Im Kulturgüterraum des Basler Missionshauses lagern tausende alte Fotografien, reichhaltiges Schriftgut und eine umfassende Kartensammlung. Das Archiv ist öffentlich und wird von Forschenden verschiedener Disziplinen aus aller Welt genutzt. Mit der Digitalisierung der historischen Kartensammlung werden die demokratischen Nutzungsmöglichkeiten des « joint intellectual / cultural property » nochmals erweitert. «  Wir verfolgen in diesem weltweit anerkannten historischen Missionsarchiv das Ziel, die internationale Vernetzung stetig zu fördern », so der Historiker und Afrikakenner Guy Thomas, Leiter des Archivs und der Bibliothek. Guy Thomas und sein Team mit Barbara Frey Näf, Anke Schürer-Ries und Claudia Wirthlin

NACHRICHTEN

Plan von Kaity auf den Nilgiri Bergen (Indien), Eigenthum der evangelischen Missionsgesellschaft in Basel. Survey Office, Ootagamund, 30. Januar 1850.

Im ersten Halbjahr 2011 wird neu auch die historische Kartensammlung auf www.bmpix.org aufgeschaltet: Rund 6000 der total 9000 Landkarten, Kartenskizzen, Atlanten sowie Bau- und Situationspläne liefern ab dann auch in digitaler Form weiteres, aufschlussreiches Material für die Beschäftigung mit der Geschichte der Mission. aw Archiv online: www.bmpix.org

FAIR TRADE Mit anschaulichen Informationen zu Fair Trade in Borneo und intelligentem Theaterkabarett ist die Herbstkampagne von mission 21 unter dem Titel « Wir glauben an fairen Handel. » Mitte Oktober im Basler Missionshaus erfolgreich gestartet. Auch der traditionsreiche Missionsbazar mit fairen Produkten von freiwilligen Helferinnen und Helfern und der Studientag zu den UN-Millenniumsentwicklungszielen an der Uni Basel waren äusserst gut besucht. Im Zentrum der Kampagne von mission 21 stehen drei ausgewählte Fair Trade Initiativen in Bolivien, Kamerun und Indonesien. Als Einführung in diese drei Projekte sowie in das Angebot des Fair Trade Unternehmens Kalebasse von mission 21 in Basel steht eine attraktive DVD zur Verfügung. Bezug aller Kampagnenmaterialien unter Telefon 061 260 21 20, Mail: material@mission-21.org; Infos auf www.mission-21.org/fairtrade. aw


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DEZEMBER 2010

Öl- und Gasrealitäten in Nigeria WINTERTHUR Forum für Dokumentarfotografie, Volkart Haus, bis 23. Dezember 2010

AGENDA

18./17. Feb., Hilfe oder Profit? Entwicklungspolitik im 21. Jahrhundert, mit Peter Niggli, Geschäftsleiter Alliance Sud

6./7. Mai, Schöne Worte - und die Taten? Wirtschaft und Menschenrechte, mit Andreas Zumach, Journalist und Völkerrechtsexperte; Oliver Classen und Andrea Hüsser, EvB

Dem Genfer Fotografen Christian Lutz ist es gelungen, in Nigeria Zugang zur abgeschirmten Welt der internationalen Energiekonzerne zu finden. Seine Fotos zeigen den Arbeitsalltag und die Freizeit von Mitarbeitern westlicher Unternehmen und ihren einheimischen Verhandlungspartnern. Er zeichnet ein düsteres Bild von der Welt der Mächtigen im Erdöl- und Erdgasgeschäft.

2./3. Sept. Land Grabbing Die Gier nach Land

Details: www.coalmine.ch

Freitag, 4. März 2011

JANUAR 2011

Wem gehört das Wasser? Donnerstag 6. Januar 2011, 19 Uhr, Basel

Vorträge im Rahmen der Ausstellung « 2 Grad – Das Wetter, der Mensch und sein Klima » von den Professorender ETH Zürich, René Schwarzenbach und Bernhard Wehrli. Wasser ist für das Leben auf der Erde unabdingbar und entsprechend heisst die entscheidende Frage, wem gehört das Wasser. Eintritt: frei, Kunstfreilager Dreispitz, Florenzstrasse 1, Tor 13, 4023 Basel Die Ausstellung dauert noch bis 20. Februar 2011 (www.2grad.ch)

FEBRUAR 2011

Seminar 2011 im Romerohaus Global Supermarket Ein vierteiliges Seminar bringt wirtschaftliche Zusammenhänge nahe, vertieft aktuelle (entwicklungs-)politische Fragestellungen und zeigt praktische Handlungsmöglichkeiten auf. Die Module können einzeln besucht werden. Der Freitagabend wird als öffentliche Veranstaltung ausgeschrieben und dient der Annäherung an ein Thema, das am Samstag zusammen mit einer Fachperson vertieft wird.

4./5. Nov., Bis zum Hals - Müllpolitik und Umweltschutz (www.romerohaus.ch/kurse/ global-supermarket.html)

vom 9. März bis 24. April statt. Thema ist die Frage, weshalb es Ländern mit einem unermesslichen Reichtum an Bodenschätzen nicht gelingt, die einheimische Bevölkerung an diesem Wohlstand teilhaben zu lassen. Details und Programme: www.oekumenischekampagne.ch

JUNI 2011

50 Jahre CWF-Frauennetzwerk in Kamerun Samstag, 18. Juni 2011, 14 – 17 Uhr, Basel

MÄRZ 2011

Weltgebetstag 2011 zu Chile Die Liturgie zum ökumenischen Weltgebetstag 2011 haben Christinnen aus Chile verfasst. Das Motto lautet « How Many Loaves Have You? », « Wie viele Brote habt Ihr? » (Mk 6:38). Für die Organisation in der Schweiz ist das Komitee des Schweizerischen Weltgebetstags verantwortlich. Informationen: www.wgt.ch

17. Filmtage Nord/Süd 2011 Ab 23. Februar bis 23. März 2011

Alle zwei Jahre präsentiert die Fachstelle «  Filme für eine Welt  » neue, speziell für Bildung und Unterricht ausgewählte Filme zum Globalen Lernen und zur nachhaltigen Entwicklung und zeigt sie an verschiedenen Orten. 23./24. Feb. Basel Museum der Kulturen; 1./2. März PHBern; 8./9. März PHSG St. Gallen; 15./16. März PHZH Zürich; 22. März PHZ Luzern; 23. März PHZ Zug; Nov. Thusis (jeweils 17.30 bis ca. 21.15 Uhr) Details: www.filmeeinewelt.ch

Ökumenische Kampagne 2011 9. März bis 24. April

Die traditionelle Ökumenische Kampagne von Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein findet 2011

© Anna Wegelin / mission 21

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Beatrice Ngeh

Aus Anlass des 50-Jahre-Jubiläums des Frauennetzwerks Christian Women’s Fellowship (CWF), dem Rückgrat der Presbyterianischen Kirche in Kamerun (PCC), lädt mission 21 zu einer Veranstaltung unter dem Titel « ’Zu ihrem Gedächtnis’ – Frauen in der Mission » (Ort: mission 21, Missionsstrasse 21. Gastreferentin ist Beatrice Ngeh, nationale Koordinatorin von CWF in Kamerun (vgl. Porträt in « informell » Nr. 3/2010, S. 31).

… und ausserdem:

GEOPUZZLE AFRIKA Spielend zu mehr Wissen um die Länder der Welt: Seit diesem Sommer lassen sich die Konturen der Länder Afrikas finden. Oder suchen Sie die Bezirke im Kanton Solothurn, Schweizer Kantone und ihre Wappen. Und bei den nächsten Wahlen in den USA finden Sie die Staaten – mit der Zeit. uvw www.geopuzzles.ch


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Religion gehört zur Entwicklungsarbeit

« Sag, wie hast Du’s mit der Religion » war lange Jahre in der Entwicklungspolitik ausserhalb der Kirchen und Missionen ein Tabuthema. Doch an der wirkungsmächtigen Tatsache Religion führt kein Weg vorbei. Vor Jahren hat darum die Deza Direktion für Entwicklungszusammenarbeit angestossen, die Rolle und die Auswirkungen der Religion in der Arbeit mit den Partnern im Süden zu beleuchten. Federführend war dabei Anne-Marie Holenstein, früher Direktorin des katholischen Hilfswerkes Fastenopfer. Auch Brot für alle, HEKS, mission 21 und ihre Partnerorganisationen in der Schweiz befassten sich in einem längeren Reflexionsprozess unter der Leitung von Annette Dietschy mit der Rolle von Religion und Spiritualität. Jetzt hat Anne-Marie Holenstein ihre umfangreichen Arbeiten und die vielen Gespräche mit Praktikerinnen und Experten zu einem rund 200-seitigen Werk verdichtet. Die lesenswerte Übersicht beleuchtet nicht nur historisch und geisteswissenschaftlich das Auseinanderdriften und sich wieder Annähern von Religionen und Spiritualität mit der säkularen Entwicklungszusammenarbeit. Schweizer Praktikerinnen und Praktiker berichten über ihre umfangreichen und unterschiedlichen Erfahrungen. « Auf einen einfachen Nenner lässt sich das

vielschichtige Thema nicht bringen », folgert eine Autorin. Es lasse sich nicht auf die Frage reduzieren, « ob Religion den Entwicklungsvorhaben schade oder nütze ». Das gilt offensichtlich gleichermassen im fernen Süden wie im « nahen » ehemaligen Jugoslawien. Den Abschluss des Buches bildet eine Übersicht der Methoden und Instrumente für die Praxis. So wird das Werk nicht nur ein Hilfsmittel zur theologischen und philosophischen Auseinandersetzung mit der Frage. Es erlaubt allen, die in der Projekt- oder Programmarbeit tätig sind, deren Umfeld und die Einflussfaktoren genauer zu erkennen. Vor allem aber regt es zur persönlichen Standortbestimmung rund um die Frage von Religion und Spiritualität und deren Stellenwert für die Entwicklungsarbeit an. uvw Anne-Marie Holenstein (u.a.), Religionen – Potential oder Gefahr?, Religion und Spiritualität in Theorie und Praxis der Entwicklungszusammenarbeit, LIT-Verlag, Zürich und Berlin, 2010, ReligionsRecht im Dialog, Band 9, ISBN 978-3-643-80036-7

Studie des SEK zu Wirtschaft und Krise Wirtschaftliches Handeln muss an den Grundwerten der Verantwortung, Gerechtigkeit und der Option für die Armen orientiert sein, fordert der SEK in seiner neuesten Studie. Darin werden in der Tradition protestantischer Wirtschaftsethik nach Arthur Rich die Finanzkrisen 2009 und 2010 analysiert. Danach werden auf einer praktischen Ebene Vorschläge gemacht, wie ethische Werte das internationale Finanz- und Wirtschaftssystem nachhaltig und zum Nutzen aller stabilisiert werden können (Green New Deal). Gerechtes Haushalten und faires Spiel, Studie zu den jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrisen aus evangelischer Sicht, 104 Seiten, Fr. 20 .-, ISBN: 978-3-7229-0006-3, bestellen: www.sek-feps.ch/onlineshop, Artikelnummer: 10-15

film

Gold über alles Parabel über Ausbeutung und Neokolonialismus

© Filme für eine Welt

buch

MEDIENTIPP

Betroffene erzählen ihre Geschichten

Eigentlich plante Regisseur Robert Nugent einen Film über die Auswirkungen der Stilllegung einer Goldmine in Borneo zu drehen. Als er jedoch von der Verlegung der Mine nach Guinea erfuhr, reizte ihn der Gedanke, diese Reise um die halbe Welt und den Wiederaufbau mit all seinen Folgen in Guinea festzuhalten. Mit dem formal aussergewöhnlichen und mehrfach ausgezeichneten Film « Gold über alles » präsentiert der Regisseur ein berührendes und nachdenklich stimmendes Dokument unserer Zeit, in dem die Mobilität des globalen Kapitals und die scheinbar unüberwindbaren Unterschiede zwischen Schwarz und Weiss aus einer kritischen Perspektive heraus betrachtet werden. Langsam, aber unaufhaltsam erobert eine monströse Blechlawine die ländliche Umgebung Guineas, ca. 500 km nordöstlich der Hauptstadt Conakry, und verwandelet sie in eine grosse Wüste. « Gold über alles » offenbart eine Welt, die sich durch die Goldmine ökonomisch, ökologisch und sozial für immer verändert, und porträtiert jene Menschen, die diesen Veränderungen umgehen müssen. Mireille Gugolz Gold über alles (Tout l‘or du monde) Dokumentarfilm von Robert Nugent, F/Australien 2007, 52 Minuten, geeignet ab 16 Jahren Verleih und Verkauf: Bildung und Entwicklung, 031 389 20 21, verkauf@globaleducation.ch; Fr. 35.- (für Unterricht und Weiterbildung) Weitere Filme zur ökumenischen Kampagne: www.filmeeinewelt.ch

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© accumenimet

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« Mit einer Hand lässt sich kein Knoten knüpfen. » Sprichwort aus der Mongolei


Contigo 4/2010: Mit gemeinsamer Arbeit die Welt verwandeln