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Bewahrung der Schöpfung

SCHRITT FÜR SCHRITT ZU MEHR NACHHALTIGKEIT

Im vergangenen Jahr haben wir Sie dazu eingeladen, in Ihrer Kirchgemeinde oder Pfarrei Schritte in Richtung mehr Nachhaltigkeit zu machen. Diesen Weg wollen wir nun weitergehen, um gemeinsam der fortlaufenden Zerstörung unserer Mit- und Umwelt entgegenzuwirken. Die vorliegende Broschüre von Brot für alle, Fastenopfer und oeku lädt Sie mit konkreten Vorschlägen dazu ein. Lassen Sie sich davon inspirieren.


Ein Schritt hin zu erneuerbarer Energie

EIN SCHRITT HIN ZU ERNEUERBARER ENERGIE Bei der Produktion von Wind- und Solarenergie steht die Schweiz im Vergleich zu den umliegenden Ländern an letzter Stelle. Dabei wäre unsere Ausgangslage günstig: In der Schweiz stehen rund 25 m2 Dachfläche pro Einwohner/in zur Verfügung, die sich für solare Nutzung eignen. Dazu gehören auch viele Kirchendächer aufgrund ihrer Lage und Ausrichtung. Wo kirchliche Gebäude unter Schutz stehen, können Kirchgemeinden zertifizierten Strom aus dem Netz beziehen und damit erneuerbare Energie indirekt fördern.

EINE INVESTITION IN DIE ZUKUNFT

KIRCHENDÄCHER SIND IDEAL AUSGERICHTET

KREATIVE FINANZIERUNGSMODELLE SIND GEFRAGT

Häufig nach Osten ausgerichtet, verfügen Kirchen über grosse, nach Süden orientierte Dachflächen. Diese sind meist steil, unverbaut und nicht beschattet. Darum bieten Kirchen gute Voraussetzungen für die Installation von Solaranlagen. Steht die eigene Kirche unter Denkmalschutz, kommt als Alternative vielleicht das Kirchgemeindezentrum oder das Pfarrhaus in Frage. Im Zentrum von Dörfern oder Quartieren haben Solaranlagen auf kirchlichen Gebäuden eine Leuchtturmfunktion: Sie stehen für ein neues Umweltbewusstsein.

Die Installation einer Photovoltaikanlage ist eine grosse Investition. Kreative Mittelbeschaffung ist deshalb gefragt: Ein Solarbazar, ein Sonnenstand am Gemeindefest, die Aktienausgabe an Gemeindemitglieder oder Kooperationen mit Stiftungen, der lokalen Wirtschaft oder Ortsvereinen bringen neue Kontakte und das nötige Kapital. Alternativ kann die Kirchgemeinde die Dachfläche auch vermieten, womit Realisierung und Betrieb an eine externe Firma übergehen.

Eine Solaranlage ist eine Investition in die Zukunft: Kollektoranlagen produzieren kostengünstig warmes Wasser und Photovoltaikanlagen liefern über viele Jahre Strom, der selbst verwendet oder verkauft werden kann. Mit der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV, die auf 25 Jahre hin zu einem festgelegten Betrag garantiert ist, arbeiten optimal ausgelegte Anlagen wirtschaftlich. Ausserdem gibt es verschiedene Finanzierungshilfen von Bund, Kantonen und Kantonalkirchen (z.B. Bern oder Aargau).

Bevor es losgeht, müssen bauliche Abklärungen durch Fachpersonen getroffen werden. Dazu gehört die Beurteilung von Schutzstatus, Statik, Dachzustand und Schattenwurf. Steht eine Kirche unter Denkmalschutz, müssen entsprechende Auflagen möglichst frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Die erste Anlaufstelle ist die Baukommission der Gemeinde.

Ökumenisches Solarprojekt in St. Gallen Die ökumenische Gemeinde Halden und die Stadtwerke St. Gallen realisierten 2010 gemeinsam eine Photovoltaikanlage. Die Kirchgemeinde finanzierte die Dachsanierung und die Stadt St. Gallen übernahm die Solarstromanlage. Das Projekt erhielt 2012 den Schweizerischen Solarpreis.

Foto: oeku

Foto: oeku

BEZUG VON ÖKOSTROM ALS ALTERNATIVE RAHMENBEDINGUNGEN BERÜCKSICHTIGEN

Solarstrom und Solidarität in Basel Die erste Solaranlage auf einer Schweizer Kirche entstand 1990 auf dem Dach der Basler Tituskirche. Diese Anlage wurde 2003 erweitert und produziert nun 10 000 Kilowattstunden Solarstrom pro Jahr. Mit den jährlichen Einnahmen aus dem Ökostrom werden in Nigeria solarbetriebene Kühlschränke zur Aufbewahrung von Medikamenten finanziert.

Die Alternative zur eigenen Solaranlage ist der Bezug von Ökostrom – am besten mit dem Label «naturemade star» zertifiziert. Die aktuellen Angebote finden sich auf den Webseiten der Elektrizitätsversorger. Dieser indirekte Weg zur Unterstützung der erneuerbaren Energien ist sofort wirksam und kann gut nach aussen kommuniziert werden. So beziehen beispielsweise die Reformierte und die Römisch-katholische Gesamtkirchgemeinde der Stadt Bern ihren gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Quellen.


LINKS UND WEITERE INFORMATIONEN

«Du selbst bist die Quelle, die uns Leben schenkt. Deine Liebe ist die Sonne, von der wir leben.»

Der Leitfaden «Solaranlagen auf kirchlichen Gebäuden» kann heruntergeladen werden bei www.oeku.ch Zusammenstellung der finanziellen Unterstützung von Bund, Kantonen und lokalen Akteuren: www.energiefranken.ch Adressen der kantonalen Energiefachstellen und Energieberatungsstellen: www.e-kantone.ch

(Psalm 36,10)

Alle in der Schweiz erhältlichen Produkte mit dem Label «naturmade star» finden Sie unter: www.topten.ch Schweizer Fachverband für Solarenergie: www.swissolar.ch Agentur für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz: www.aee.ch

Foto: Bfa

Private Planungsbüros: www.solarprofis.ch


Ein Schritt hin zu mehr Klimagerechtigkeit

EIN SCHRITT HIN ZU MEHR KLIMAGERECHTIGKEIT Die Industrienationen gehören zu den Hauptverursachern des Klimawandels. Betroffen sind jedoch vor allem die Menschen im Süden – die zunehmenden Dürren, Stürme und Überschwemmungen bedrohen ihre Existenz. Deshalb ist unsere Solidarität gefordert, wenn es darum geht, den Klimawandel einzudämmen und die Menschen im Süden bei der Suche nach Anpassungsstrategien zu unterstützen.

ANPASSUNGSSTRATEGIEN FÖRDERN Die Auswirkungen des Klimawandels lassen sich so schnell nicht mehr rückgängig machen. Umso wichtiger ist es, dass wir als Hauptverursachende die Betroffenen im Weltsüden dabei unterstützen, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Mit der Idee der Solidarität haben Brot für alle und Fastenopfer den Klimafonds geschaffen. Er finanziert Massnahmen, mit denen bestehende Entwicklungsprojekte an die Auswirkungen des Klimawandels angepasst werden können, beispielsweise durch Schulung in alternativen Landwirtschaftstechniken, Diversifizierung der angebauten Gemüse und Früchte oder Aufforstung zum Schutz vor Erosion. Denn nur so kann die langjährige Aufbauarbeit gestützt und weitergeführt werden.

KLIMAGERECHTIGKEIT EINFORDERN Die Klimaverhandlungen auf internationaler Ebene stocken. Zwar hält das Kyoto-Protokoll fest, dass die Industrieländer ihre Emissionen eindämmen müssen und eine historische Verantwortung tragen. Bisher besteht jedoch keine Einigung darin, wer für was und zu welchem Teil Verantwortung übernehmen muss. Als wichtige moralische Instanz können die Kirchen wie bereits bei der Fair Trade-Bewegung hier eine Führungsrolle übernehmen.

RESSOURCEN SCHONEN UND ENTWICKLUNG ERMÖGLICHEN Wenn Sie als Kirchgemeinde, Institution oder Privatperson durch ein verbessertes Energiemanagement Geld einsparen, können Sie sich solidarisch zeigen und den Betrag in den Klimafonds einzahlen (PC 30-763778-3). Damit schonen Sie nicht nur Ressourcen, sondern tragen gleichzeitig zur Entwicklung und zur Existenzsicherung im Süden bei.

Klimawandel ist spürbar «Wir spüren die Auswirkungen des Klimawandels. Dieses Jahr blieb es in der Regenzeit zwei Monate lang trocken, und ich habe über 60 Prozent meiner Maisernte verloren», sagt Cristiano, Kleinbauer aus Brasilien. Dank dem Klimafonds kann er an einem Projekt zu alternativen Anbautechniken teilnehmen.

Foto: Bfa

Halten Sie die Klimadiskussion in Ihrer Kirchgemeinde am Laufen, indem Sie auch in Gottesdiensten oder beim Konfirmandenunterricht immer wieder den Zusammenhang von Konsum und Klima thematisieren. Denn würden die Treibhausgase dazugezählt, die bei der Produktion unserer Konsumgüter anfallen, würde sich der CO2-Ausstoss der Schweiz um satte 78 Prozent erhöhen. Anregungen, wie beim Konsum Energie gespart werden kann, finden Sie in dieser Broschüre.

Foto: Bfa

KLIMADISKUSSION AUFRECHTERHALTEN

Energieeffizienz dank Klimafonds «Früher reichte dieses Holz für einen Monat – dank dem neuen Herd kann ich nun auch nach vier Monaten noch mit dem gesammelten Holz kochen», freut sich Lucia aus Kitui in Kenia. Möglich gemacht hat es der Klimafonds von Brot für alle und Fastenopfer.


«Klimagerechtigkeit meint die grosse Transformation unseres Denkens und Handelns auf das Lebensdienliche hin, auf Nachhaltigkeit und Empathie für Gottes Schöpfung und seine Geschöpfe.»

LINKS UND WEITERE INFORMATIONEN

Der Klimafonds von Brot für alle und Fastenopfer: www.brotfueralle.ch/klimafonds www.fastenopfer.ch > Projekte > Klimafonds Themendossiers über Energie und Konsum/Abfall für den Unterricht: www.umweltbildung.ch/themendossiers Eine Sammlung von Informationen rund um den Klimawandel und Entwicklung: www.alliancesud.ch/de/dokumentation/e-dossiers/klimawandel

FRITZ ERICH ANHELM, EHEM. DIREKTOR DER EVANGELISCHEN AKADEMIE LOCCUM

Inputs zum Thema Klimagerechtigkeit: www.boell.de/oekologie/klima

Foto: bit.it, Photocase

Englische Seite des Forschungsinstitutes Stockholm Environment Institute mit vielen Forschungsarbeiten zu Klima und Klimagerechtigkeit: www.sei-international.org/reducing-climate-risk


Ein Schritt hin zum nachhaltigen Einkauf

EIN SCHRITT HIN ZUM NACHHALTIGEN EINKAUF

ansonsten verwenden Sie abwaschbares oder kompostierbares Geschirr. Es gibt Gemeinden und Organisationen, die Geschirr vermieten. Bei der anschliessenden Reinigung ökologische Putzmittel verwenden.

Bund, Kantone, Gemeinden aber auch Kirchgemeinden haben durch ihren Einkauf einen grossen Einfluss darauf, unter welchen Bedingungen Produkte hergestellt werden. Werden im öffentlichen Beschaffungswesen ökologische und soziale Kriterien berücksichtigt, unterstützt dies verantwortungsvolle Unternehmen. Nur so können sich Anbieter, die ethisch wirtschaften, auf dem Markt etablieren.

SOZIALE MINDESTNORMEN EINFORDERN Auch bei der Beschaffung von Mobiliar und Elektronikgeräten oder bei Bauvorhaben lohnt es sich, genauer hinzusehen: Viele Materialien werden in Ländern des Südens auf Kosten von Menschen und Umwelt abgebaut. Hinzu kommen problematische Arbeitsbedingungen in den Produktionsbetrieben. Da es für diese Bereiche bislang kaum Labels gibt, fragen Sie Ihren Lieferanten nach der Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindestnormen. Lieferanten, die solche berücksichtigen, können dies auch ausweisen. Wer regional hergestellte Produkte kauft, ist meistens auf der sicheren Seite und vermeidet lange Transportwege. Zudem gilt: Je länger ein Gerät oder Möbel genutzt wird, desto besser für die Umwelt.

Foto: Fastenopfer

Orientieren Sie sich beim Einkauf für Veranstaltungen, Kaffeepause und andere Gelegenheiten am Grundsatz «lokal, saisonal, biologisch und fair». Auch der Verzicht auf Fleisch verbessert die Nachhaltigkeitsbilanz. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Apéro aus Wildkräuter-Spezialitäten oder einem Cateringservice, der mit regionalen Produkten arbeitet? Vielerorts gibt es auch Biobauernbetriebe, die Caterings mit hofeigenen Produkten anbieten. Bei ausländischen Produkten fahren Sie am besten, wenn Sie auf Produktelabels wie «Max Havelaar» oder «claro fair trade» achten. Sie erfüllen soziale und ökologische Mindeststandards und garantieren den Produzenten ein besseres Einkommen.

VERANSTALTUNGEN UMWELTSCHONEND PLANEN Bei der Organisation von Anlässen gibt es viele Möglichkeiten, die Umwelt zu schonen. Wählen Sie Veranstaltungsort und -zeit so, dass die Teilnehmenden einfach und mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen können. Die Einladung muss z.B. nicht gedruckt, sondern kann auch elektronisch verschickt werden. Bei grösseren Anlässen fällt die Wahl der verwendeten Lebensmittel und Produkte besonders ins Gewicht. Vermeiden Sie nach Möglichkeit Plastikgeschirr. Oftmals reicht eine Serviette –

Ein Beschaffungskonzept für die Kirchgemeinde Luzern Die Katholische Kirchgemeinde Luzern erarbeitet zurzeit einen Leitfaden für ihre Beschaffungspolitik. Neben wirtschaftlichen sollen auch soziale und ökologische Prinzipien einfliessen.

Foto: ZVG

LEBENSMITTEL: REGIONALE PRODUKTE VORZIEHEN

Die Kirchgemeinde Horgen kauft bewusst ein Die Reformierte Kirchgemeinde Horgen kauft Büro- und Reinigungsmaterial, das ökologisch ist und fair hergestellt wurde. Bei den Lebensmitteln lautet die Devise «biologisch, saisongerecht und regional». An Veranstaltungen wird kein Wegwerfgeschirr mehr verwendet.


«Es kann niemand ethisch verantwortungsvoll leben, der nur an sich denkt und alles seinem persönlichen Vorteil unterstellt. Du musst für den anderen leben, wenn du für dich selbst leben willst.»

LINKS UND WEITERE INFORMATIONEN

Für die Suche nach Labels und deren Bedeutung in sämtlichen Bereichen von Nahrungsmitteln bis Mobiliar: www.labelinfo.ch Eine Übersicht zu den gängigsten Öko- und Soziallabels bietet eine Broschüre des Eidgenössischen Büros für Konsumentenfragen: www.konsum.admin.ch (Stichwortsuche: Labels) Interessengemeinschaft öffentliches Beschaffungswesen: www.igoeb.ch Nachhaltig und fairere produzierte Kleidung: www.fairwear.org Tipps für Veranstaltungen: www.saubere-veranstaltung.ch Tipps zu saisonalen Früchten und Gemüsen: www.landwirtschaft.ch

SENECA, RÖMISCHER PHILOSOPH, 4 V. CHR.

Foto: Beat Loosli, Bfa

Kompensation von CO2-Emissionen von Veranstaltungen: www.myclimate.org


Brot f端r alle B端renstrasse 12 3000 Bern 23 Tel. +41 31 380 65 65 bfa@bfa-ppp.ch www.bfa-ppp.ch

FASTENOPFER Alpenquai 4 6002 Luzern Tel. +41 41 227 59 59 mail@fastenopfer.ch www.fastenopfer.ch

oeku Kirche und Umwelt Schwarztorstrasse 18 3001 Bern Tel. +41 31 398 23 45 info@oeku.ch www.oeku.ch

Impressum Koproduktion von Brot f端r alle, Fastenopfer und oeku Kirche und Umwelt Auflage: 15 000 de ; 4500 fr Konzept und Gestaltung: Clerici Partner Design, Z端rich Druckerei: Cavelti AG, medien. digital und gedruckt, Gossau Papier: Cyclus Recyclingpapier Fotos Titelbild: SirName, Photocase; Bfa; Beat Loosli, Bfa

Schritt für Schritt zu mehr Nachhaltigkeit  
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