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Vera und Nico Liebe Herr Stirnkraus lernt Fliegen

Illustration: Thure Rรถttger


1. Kapitel - Tr a u t e s H e i m


H e r r S t i r n k r a u s k o m m t a u s Wa n n e - E i c k e l , ist Ruhrpottler von FuĂ&#x; bis Scheitel.


Aus Überzeugung Junggeselle, noch keine Frau bezwang die Schwelle.

M i t Ta f e l s p i t z u n d S p a r g e l s t a n g e n wird sein Geburtstag heut begangen.

Zu 60 Jahren Wiegenfeste s i n d d i e Ve r w a n d t e n s e i n e G ä s t e .

Und nach gutbürgerlicher Speise schenkt man ihm dann eine Reise.

Mit seinen stolzen 60 Jahren sollt‘ er mal schön in Urlaub fahren.


E s s p r i c h t z u i h m s e i n j ü n g s t e r Ve t t e r : „ D u m u s s t m a l r a u s , b r a u c h s t b e s s ‘ r e s We t t e r !

Dein Flieger wird nach Kreta starten. Du kannst‘s bestimmt schon kaum er war ten!“

He r r St i r n k r a u s z i e h t d i e St i r n i n Fa l t e n : Wa s s o l l i c h d e n n n u r d a v o n h a l t e n ?

„Da braucht es wohl schon knapp 10 Pferde, o d e r g a r ‘n e g r ö ß ‘ r e He r d e ,

mich in ein Flugzeug reinzubringen das wird Euch wohl nicht gut gelingen!“


Zudem hieß auch in all den Jahren stets die Devise: reichlich sparen!

E i n Ur l a u b i s t i h m n i c h t g e h e u e r, d a i s t d o c h a l l e s v i e l z u t e u e r.

„Ihr seid verrückt mit Eurer Reise, dort herrschen doch horrende Preise!“

Bewegt von soviel Widerständen, will man das Blatt dann doch noch wenden:


„Da kannst Du Dir die Seele wärmen u n d v o n d e n F r a u e n l ä s s t s i c h’s s c h w ä r m e n :

m i t L e i d e n s c h a f t u n d Te m p e r a m e n t , wie man es hierzuland nicht kennt.“

Doch Stirnkraus gibt sich nicht geschlagen und will noch einen Einwand wagen:

„ Ve r s c h o n t m i c h b l o ß m i t E u r e n W i t z e n ! Ich mag es gar nicht gern zu schwitzen!


Und um das hier mal abzukürzen, es reizt mich wenig abzustürzen!“

D e r Ve t t e r i s t n o c h n i c h t a m E n d e und hat noch weit‘re Argumente:

„Da brauchst Du keine Angst zu kriegen, am sichersten ist es zu fliegen!

Tu s t D u d i e R e i s e w i r k l i c h s c h e u e n , wirst Du es ewiglich bereuen!


Der Gutschein lässt sich nicht stornieren, w i r d a u c h d e n We r t s c h o n b a l d v e r l i e r e n . “

Herr Stirnkraus zögert, den Schein beäugend, doch was er hört, klingt überzeugend.

Er denkt: Ich hab doch keine Meise, verfallen lass ich nicht die Reise.


Er sagt: „Nun denn, nur Euch zu Ehren will ich die Freud Euch nicht ver wehren.“


2. Kapitel - F l u g h a f e n


G e s a g t , g e t a n u n d n a c h v i e r Wo c h e n ist Stirnkraus auch schon aufgebrochen.


Die Blumen erst noch mal gegossen, d i e Tü r e s c h l i e ß l i c h g u t v e r s c h l o s s e n .

Ganz aufgeregt konnt er kaum schlafen, nun steht er hier am Fliegerhafen.

Mit Stock und Hut, sehr schick gekleidet, fühlt er sich halbwegs vorbereitet.

Dass er gleich in den Süden startet, hätt‘ er wohl früher nie erwartet.

Bald wird zum ersten Mal im Leben er sich in die Lüfte heben.


Doch quälen ihn vermehrt Bedenken, die seine Stimmung merklich senken.

N u n w i l l a u c h n o c h d i e s e r Ve r w a l t e r vom Fliegerei-Begrüßungsschalter

routiniert und sehr beflissen Einiges von Stirnkraus wissen:

Wü r d e e r e s d e n n w o h l s c h ä t z e n , rechts vorn am Fenster sich zu setzen?

Auch das Gepäck würd‘ zu viel wiegen, man habe noch mehr Geld zu kriegen.


He r r St i r n k r a u s z i e h t d i e St i r n i n Fa l t e n : Will mich der Mann zum Narren halten?

Er tut entnervt, wie ihm geheißen, doch steiger t‘s nicht die Lust am Reisen.

Auch ist man hier recht unverfroren: Als reichten nicht die Detektoren,

wird er schließlich noch betastet, da wär er beinah ausgerastet.

Duty-free will er nun shoppen, die Schnäppchen seien nicht zu toppen.


Par füm, Pralinen - nicht zu brauchen. Zudem tut er auch gar nicht rauchen.

B e i d i e s e n u n n ö t i g e n Wa r e n freut Stirnkraus sich hier Geld zu sparen.

Pü n k t l i c h , w i e i n j e d e m Fa l l e , s i t z t e r n u n i n d e r Wa r t e h a l l e .

Doch Kinderlärm will ihn hier stören, er kann sich immerzu empören.

Die Finger trommeln auf die Lehne, angespannt ist jede Sehne.


Jetzt einmal noch das Ticket zeigen, dann kann er in das Flugzeug steigen.


3. Kapitel - Ăœ b e r d e n W o l k e n


Nachdem er ein paar Schritt gegangen, wird er an Bord sehr nett empfangen.


Z u d e m t u t m a n ‘n e Z e i t u n g z ü c k e n und Stirnkraus in die Hände drücken.

Mit Argwohn prüft er auf die Schnelle es ist ja doch die aktuelle!

He r r St i r n k r a u s z i e h t d i e St i r n i n Fa l t e n : Kann ich die jetzt etwa behalten?

S e i n U n m u t k o m m t n u n l e i c h t i n s Wa n k e n , er tut sich zögerlich bedanken.

Wa s d i e s i c h w o h l n u r d a b e i d e n k e n , hier Zeitungen so zu verschenken?


Den Platz, den hat er schnell gefunden, will nun beim Nachbar sich erkunden.

Herr Stirnkraus räuspert sich und spricht: „Ich hoffe doch, ich stör‘ Sie nicht?

Ich wollt Sie nur mal eben fragen, was Sie zum Ticketpreis hier sagen.“

„Das Angebot, das die hier machen, lässt einen jeden Sparfuchs lachen.“

Hört man den Nachbarn zwinkernd raunen. Dies lässt Herrn Stirnkraus freudig staunen.


„Das ist ja spannend zu erfahren, da kann man ja erheblich sparen!

Bei diesen unschlagbaren Preisen könnt man ja glatt noch einmal reisen!“

Nun will man ihm noch mehr spendieren und etwas Süßes offerieren.

„Die Bonbons“, sagt der Nachbar leise, „sind inklusiv in dieser Reise!“

Dann bald schon sind sie abgehoben und mittlerweile fliegt man oben.


Man plaudert ungezwungen weiter u n d St i r n k r a u s ‘ St i m m u n g w i r d r e c h t h e i t e r.

Und dann noch diese durchaus kessen, langbeinigen Stewardessen.

Den Ausblick lässt er sich gefallen und löst getrost die Sich‘rungsschnallen,

um sich bequem zurückzulehnen. Herr Stirnkraus muss genüsslich gähnen.

Jetzt kann ihn gar nichts mehr verdrießen, Stirnkraus beschließt es zu genießen.


Entspannt im Sitz, braucht nichts zu denken, l ä s s t s i c h To m a t e n s a f t e i n s c h e n k e n .

Die Stirn legt sich in sanfte Glätte „ I c h r e i s ‘ n o c h m a l h i e r, j e d e We t t e ! “


ENDE


Herr Stirnkrause  

text by Vera und Nico Liebe

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