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Freizeit & Sport

Dem Sport verpflichtet

Fotos: Oskar Zingerle

70 JAHRE WINTERSPORTVEREIN BRIXEN

Der Wintersportverein Brixen blickte mit einer kleinen Geburtstagsfeier im Hotel Elephant auf 70 Jahre Vereinstätigkeit zurück.

E

s war eine sympathische Ge­ burtstagsfeier, die vor eini­ gen Tagen im Hotel Elephant stattfand – mit ehemaligen und heutigen Funktionären, interessan­ ten Zeitzeugen und spannenden Geschichten aus der Vergangen­ heit. Auf den Tag genau vor 70 Jahren, am 22. November 1947, hatten sich im Weinlokal des Hotel Elephant einige Brixner getroffen und die Gründungsurkunde des Wintersportvereins Brixen (WSV) unterzeichnet, der damals übri­ gens noch Ski Klub Brixen hieß. Peter Unterleitner war der erste Präsident, Gründungsmitglieder waren Hans Putzer, Paul Mader und Rudolf Klammer. Auch Zeno Giacomuzzi war da­ mals als 15-jähriger Knirps dabei. „Mit dem Wintersport hatte man in Brixen aber eigentlich schon in der Faschistenzeit begonnen“, und Giacomuzzi verwies dabei auf entsprechende Zeitungsmel­ dungen der Brixener Chronik, die von Skikursen eines italienischen Vereines berichtet hatten. „In den Dreißiger Jahren haben sich einige Brixner oft bei der Rabalberhütte getroffen, die früher schelmisch Revolverhütte genannt wurde“, erzählte er, „und von dort aus ging man auf den Gabler.“ Damals blühte der Fremdenverkehr am Berg; die Skihütte verzeichnete mehrere tausend Nächtigungen, und es gab fünf hauptamtliche Skilehrer. Das war die Zeit, als Karl Vallazza gemeinsam mit dem legendären Zeno Colò Teil der Ski-Nationalmannschaft war. Als der CAI erste Rennen or­ ganisierte, soll Peter Unterleitner gesagt haben: „Das können wir auch.“ Also organisierte er ein Rennen mit Start bei der Skihütte, Aufstieg zum Gabler und danach

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Abfahrt hinunter zum Fischer in Klerant, wo die Zeitnehmer war­ teten. „Die haben aber in der Ve­ randa Karten gespielt und nicht gemerkt, dass der erste Teilneh­ mer, das war der Skilehrer Wastl Oberhofer, bereits eingetroffen war“, erzählte Giacomuzzi. Dieser musste nach der Zieleinfahrt die Zeitnehmer erst suchen gehen: „Mander, jetzt megs außi giahn, jetzt kemmen die Nächstn!“, sagte er der Karterrunde.

1947 Gründung als „Ski Klub Brixen“. Dann kam der Krieg –

und nach dem Krieg, 1947, die Gründung des Ski Klubs Brixen. „Peter Unterleitner war die trei­ bende Kraft, und die Gründer verfolgten dabei zwei Ziele“, er­ zählte Giacomuzzi, „erstens wollte man eine Heimstätte gründen für die Wintersportbegeisterten und für die Jugend, und zweitens ging es auch um die Förderung des im Krieg abgeflachten Fremdenver­ kehrs.“ Ging es in den ersten Jah­ ren ausschließlich um Ski Alpin, keimten bald auch andere Win­ tersportarten auf: Renato Damiani und Willi Gamper begeisterten sich für den Bobsport, Wastl Gitzl und Walter Peer für das Eisstock­ schießen. Deshalb kam es 1952 zur Umbenennung des Vereins in „WSV Brixen“.

Wenn Zeitzeugen erzählen ... „Im Straßenbob war der WSV immer sehr stark; wir nahmen auch an Italienmeisterschaften teil“, erinnerte sich Hans Erla­ cher, damals Italienmeister der 3. Kategorie im Straßenbob, der neben Helmuth Kerer, Hans Cos­ tazza und Toni Tschiggfrei den Viererbob bediente. Straßenbob wurde damals auf eingeeisten

Bergstraßen praktiziert, die mit Strohballen rudimentär abgesichert wurden. „Natürlich mussten wir mit dem Material arbeiten, das zur Verfügung stand, und das war sehr wenig“, erzählte Erlacher. So hat man „alte ausrangierte Bobs zusammengesucht und damit in der Werkstatt herumgebastelt.“ Er kann sich noch an die Teilnahme an einer Italienmeisterschaft in Laggio di Cadore erinnern, zu der sie „mit zehn Bobs auf dem LKW“ hingefahren waren. Trainieren duften sie aber nicht, die Straße war am Tag vorher noch nicht freigegeben. „Also sind wir in der Nacht aufgestanden, und zu fünft sind wir im Viererbob die Straße hinuntergedonnert. Am nächsten Tag haben wir gemerkt, dass wir sämtliche Strohballen wegrasiert hatten. Dafür fuhren wir aber am Abend als Sieger nach Hause.“ Die Sektion glänzte aber auch als Organisator: 1957 veranstaltete der WSV in Brixen eine Italienmeis­ terschaft im Straßenbob. Bald gründete man auch eine Sektion Rodeln im WSV, die mit der Meransnerin Erika Lechner zum bisher größten Vereinserfolg der vergangenen 70 Jahre führen sollte: „Meransen hatte damals keinen Verein, weshalb ich ge­ meinsam mit meinem Bruder zum WSV ging, wo ich herzlich aufge­ nommen wurde“, erinnerte sich Lechner. Das war im Jahr 1964, Erika Lechner war 17 Jahre jung, Fredy Durchner war ihr Sektions­ leiter. Vier Jahre später nahm sie in Grenoble an der Winterolympiade teil – und wurde Olympiasiegerin! „Damals gab es nur Natureis­ bahnen, also war man auf kalte Temperaturen angewiesen“, er­ klärte Lechner, „in Grenoble hatte es ständig geregnet, die Verhält­

nisse waren denkbar schlecht. Dann wurde es plötzlich kalt, wir konnten drei der vier Läufe ab­ solvieren. Der letzte Lauf wurde dann aber abgesagt; ich selbst habe erst im Ort davon erfahren, dass ich Olympiasiegerin war.“ Mit Freude erinnert sie sich auch an die Siegesfeiern in Bozen und Brixen, als sie im offenen Cabrio durch die Altstadt gefahren wur­ de: „So etwa vergisst man nicht. Ich war 20, für mich war das fast zu viel. Auch wenn ich danach zum neu gegründeten Verein in Meransen wechseln musste: Mit dem WSV hat meine sportliche Karriere begonnen. Es war eine sehr schöne Zeit!“

Drei Präsidenten in 70 Jahren. Bis 1970, also 23 Jahre lang, war Peter Unterleitner Präsident des WSV – danach gab er die Leitung an Helmuth Kerer ab. Der 2015 verstorbene langjährige Stadtrat war bis 2014 Präsident des WSV, bevor er am Ende seiner Kräfte „seinen“ Verein an Sigi Wachtler übergab. Joachim Kerer erinnerte sich im Rahmen der Geburtstags­ feier des Vereins an seinen Vater: „Er war für viele ein Vorbild, auch für mich. Er war immer und über­ all für jeden da. Unser Geschäft war de facto eines seiner Büros, in dem sich alle trafen, die etwas von ihm brauchten. Ein zweites war um die Ecke, wo es auch

Brixner 335 – Dezember 2017  
Brixner 335 – Dezember 2017  

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