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Wirtschaft & Umwelt

BBT-ZULAUFSTRECKE: AUSSCHREIBUNG STEHT BEVOR

Auf Schiene

Während beim Brenner Basistunnel vor einigen Tagen der Bau der beiden Haupttunnel von Franzensfeste zur Staatsgrenze begonnen hat, gibt es für die Zulaufstrecke von Franzensfeste nach Waidbruck nun ein endgültiges Einreichprojekt, bei dem eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen der elf Anrainergemeinden berücksichtigt wurden. Der „Brixner“ erklärt, wie das Projekt aussieht – und wie es nun weitergeht.

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or etwa einem Jahr, in der Ausgabe Nr. 310, hat der „Brixner“ bereits im Zuge eines längeren Berichts zur „Mobilität der Zukunft“ über den Stand der Dinge beim Bau des Brenner Basistunnels berichtet sowie die Pläne zur südlichen Zulaufstrecke des BBT von Franzensfeste bis Waidbruck detailliert vorgestellt. In der Zwischenzeit ist einiges passiert: Was den BBT anbelangt, wird am Baulos Eisackunterquerung seit Oktober 2014 gebaut; die konkreten Arbeiten begannen im vergangenen Juli. Diese Arbeiten im Umfang von etwa 300 Millionen Euro dauern bis November 2022. Vor einigen Tagen feierte man in Mauls den Anstich zum zweiten und dritten Baulos: Bei diesen Arbeiten, die immerhin eine Milliarde Euro kosten, geht es um die Fortsetzung des Erkundungsstollens und um den Bau der beiden Haupttunnelröhren zwischen Mittewald und der Brennergrenze; insgesamt umfassen diese Baulose 69 Kilometer Tunnel. Die Ausschreibung hatten die Aktiengesellschaften Astaldi, Ghella, Oberosler, Cogeis und PAC als Bietergemeinschaft gewonnen; den Vertrag dazu hat die Führungsspitze der BBT SE mit der Bietergemeinschaft Ende August unterzeichnet. Mit dem Tunnelvortrieb hat man inzwischen bereits begonnen; 2017 wird mit vier Tunnelbohrmaschinen von

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Mauls aus in alle Richtungen gebohrt. Auch diese Arbeiten dauern voraussichtlich sieben Jahre. In seiner Ansprache anlässlich des Anstichs der beiden Baulose hat Landeshauptmann Arno Kompatscher die Bedeutung dieses Bauabschnitts hervorgehoben. Die Gründe dafür seien drei: ihr Wert von etwa einer Milliarde Euro, die Größenordnung und Wichtigkeit dieses Abschnittes des BBT und die politische Relevanz des Projektes als grenzüberschreitende Verkehrsverbindung im Herzen Europas. Zur Fertigstellung des BBT fehlt dann eigentlich nur noch die Vergabe des letzten Bauloses auf österreichischer Seite. Die Finanzierung dieses 1,3 Milliarden schweren letzten Teils „Pfons-Brenner“ ist seit dem 10. August sichergestellt; derzeit ist die Ausschreibung im Gange, sie läuft noch bis 18. April 2017. Der BBT ist bekanntlich Teil des skandinavisch-mediterranen TEN-Korridors zwischen Finnland und Malta und wird mit Mitteln der Europäischen Union gefördert. Nach dem geplanten Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2025 wird der BBT mit einer Länge von insgesamt 64 Kilometern den Schweizer Gotthard-Basistunnel als längsten Bahntunnel der Welt ablösen.

Zulaufstrecke war Sorgenkind. Der BBT ist also auf Schiene, aber: Die südliche Zulaufstrecke

von Franzensfeste bis Waidbruck war immer das Sorgenkind der Eisacktaler – es war klar, dass diese Zulaufstrecke zeitgleich mit dem BBT fertiggestellt werden müsse, damit der BBT auch sinnvoll genutzt werden kann. Während die Röhren von Innsbruck nach Franzensfeste von der Gesellschaft BBT SE realisiert werden, an der sowohl Österreich als auch Italien beteiligt ist, muss die Zulaufstrecke allein von der Rete Ferroviaria Italiana (RFI) gebaut werden. Der Bau des BBT hat bekanntlich bereits 2007 begonnen, aber das Projekt der Zulaufstrecke wollte anfangs nicht aus den Startlöchern kommen. 2010 gab es ein rudimentäres Vorprojekt, ab 2012 arbeitete man dann an einem Einreichprojekt. Am 23. Oktober 2015 wurde dieses Einreichprojekt dann endlich im Infrastruktur-Ministerium in Rom hinterlegt – das war der offizielle Startpunkt für das Projektgenehmigungsverfahren. Zur selben Zeit wurden die Projektdetails den Eisacktaler Gemeindevertretern vorgestellt; in der vorhin zitierten Ausgabe des „Brixner“ wurden diese auch veröffentlicht. Die Landesregierung und die Anrainergemeinden im Eisacktal hatten dann 60 Tage Zeit, dazu ihre Stellungnahmen abzugeben – für die Bewertung der komplexen Planunterlagen und Schaffung von eventuellen

Alternativen ein extrem kurzer Zeitraum. Die Koordination dieser Stellungnahmen oblag der BBTBeobachtungsstelle mit Martin Ausserdorfer und Walter Baumgartner, dem Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Eisacktal. „Wir haben alle Bürgermeister der betroffenen Gemeinden aufgefordert, ihre Änderungswünsche zu deponieren“, sagt Baumgartner, „denn sie kennen das Territorium am besten. Aber es war uns und dem Landeshauptmann ein Anliegen, dass sich die Bürgermeister im Vorfeld auf eine gemeinsame Forderungsliste einigen würden, damit sowohl das Ministerium als auch die RFI merken, dass wir hier geschlossen auftreten.“ Das ist dann auch gelungen: „Es gab am Ende eine gemeinsame Liste aller Gemeinden, die zu 99 Prozent mit jener übereinstimmte, die die Landesregierung in Rom deponierte“, sagt Martin Ausserdorfer. Am 19. Dezember 2015 sind einige Bürgermeister nach Rom gefahren und haben dort den „Wunschkatalog“ abgegeben – im Bewusstsein, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können. „Es gab im Projektprüfungsverfahren, der sogenannten Dienststellenkonferenz, eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem Ministerium“, sagt Ausserdorfer, „und wir hatten immer schon gute Ansprechpartner bei RFI.“

Brixner 323 – Dezember 2016  

Monatszeitschrift für Brixen und Umgebung

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