Sauerland Seelenorte in Brilon und Olsberg

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S a u e r l a n d -Wa n d e rd ö r fe r — 1 . Qu a l i t ä t s re g io n ›Wa nd erbares Deutsc hland ‹

Sauerland·Seelenorte ankommen. bei dir.

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Schöpfung in Aktion, immer gleich, immer anders, immer Anfang. ALMEQUELLEN IN ALME

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Liebe Gäste! Nach ihren Seelenorten gefragt, haben sich die Menschen in Brilon und ­Olsberg auf­gemacht, ­Gästen und Einheimischen die Plätze zu zeigen, an denen sie immer wieder Stille, Alltagsferne, Verbundenheit und Heimat, aber auch die Begegnung mit den großen Fragen und Freuden des menschlichen Lebens erleben.

Die Orte, die sie für Sie ausgewählt haben, zeigen den besonderen ­ kul­­turellen und natürlichen Reichtum des ­Sauerlandes und die große Offenheit der Menschen für ganz unterschiedliche Zugänge und Möglichkeiten des Erlebens.

Jeder der sieben ausgewählten Orte ins­piriert auf seine ganz eigene Weise. Etwas dort berührt uns und wir gehen damit in Resonanz, ant­worten darauf mit Gefühlen und Gedanken. In diesem Heft erzählt unser Autor Michael Gleich die Geschichten der ­Sauerland-Seelenorte in Brilon und Olsberg als einer, der seine Heimat verließ, zu­rückkehrt und sie völlig neu e ­ rlebt. Damit möchten wir Sie ein­laden, sich selbst – wandernd oder lesend – auf den Weg zu machen, diese besonderen Plätze für sich zu ent­decken und sich von ihnen i­nspirieren zu lassen. Resonanz ist nichts Mechanisches, wie Michael Gleich zeigt. Sie kann für jede/n anders aussehen. Es braucht dazu etwas Wanderlust und Zeit. Und die Bereitschaft, still zu werden und nach innen zu blicken und zu lauschen.

Der Erzähler Michael Gleich, geboren 1960, aufgewach­ sen in Oberhundem im Sauerland, lebt in Berlin und arbeitet als ­Journalist, Buch­ autor und Moderator. Er ist begeisterter Wanderer und praktizierender Meditierer.

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Die Menschen aus Brilon und Olsberg freuen sich, ihre Schätze mit Ihnen zu teilen. Die Tourist ­In­formation hilft Ihnen dabei, auch die versteckt lie­ genden Orte zu finden und hält ein Angebot an ge­führten Wahrnehmungsspaziergängen zu den Sauerland-­ Seelenorten in Brilon und Olsberg für Sie bereit.

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Sauerland·Seelenorte — Brilon · Olsberg Seelenorte rund um

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· Olsb erg · Brilon

01 · Almequellen Brilon-Alme 02 · Lan dsch af ts­ th erapeutisch er Weg Brilon 03 · Gin sterkopf Brilon-Wald/ Olsberg-Elleringhausen 04 · Sch malah See Brilon-Wald 05 · Frieden skapelle Olsberg-Elleringhausen 06 · Borb erg Brilon-Petersborn Olsberg-Elleringhausen 07 · E isen b erg Olsberg

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Wald und Wasser sind die ursprünglichen Kräfte der Natur.

Dafür stehen die beiden Kneippheilbäder Olsberg und Brilon. Mächtige, zum Himmel strebende Baumkronen werfen ihren kühlenden Schatten über Wege und Weiler, Quellen sprudeln an hellen Lichtungen hervor. Frühlingsfrische Bäche und sanft strömende Flüsse ziehen blaue Bänder durch das üppige Grün. Und inmitten dieses vitalen Farbenspiels liegen die Städte Brilon und Olsberg mit ihren sieben Sauerland-Seelenorten. Brilon ist stolz auf seine Historie als Hansestadt, die bei einem informativen Stadtrundgang erkundet werden kann. Olsberg wiederum hat sich ganz den Lehren Sebastian Kneipps verschrieben.

Tourismus Brilon Olsberg Ruhrstraße 32 59939 Olsberg Telefon 02962-97370 info@olsberg-touristik.de www.tourismus-brilon-olsberg.de

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Beide sind als Sauerland-Wanderdörfer eine Wanderregion höchster Güte. Zahlreiche Routen für Tages- oder Mehrtagestouren führen hinaus zu einmaligen Naturentdeckungen. Zu den prominentesten gehören die ausgezeichneten Wanderwege SauerlandWaldroute, Briloner Kammweg und Rothaarsteig. Deutschlandweit einzigartig ist der 39 Kilometer lange Olsberger Kneippwanderweg. Er führt durch Wälder und Wiesen zu insgesamt sechs natürlichen Wasser-Tretstellen: Hier kann man durch einen Bachlauf waten oder direkt sich an einer Quelle mit eiskaltem Wasser erfrischen. Wer mag, läuft danach barfuß über den weichen Waldboden. Eigens ausgebildete Kneipp-Animateure zeigen den Wanderern, wie sie die Kraftquellen der Natur für sich nutzen können.

Tourismus Brilon Olsberg Derkere Straße 10a 59929 Brilon Telefon 02961-96990 bwt@brilon.de www.tourismus-brilon-olsberg.de

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Ge b u r t u n d Wa c h s t u m

Almequellen

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Es ist still. Jetzt um die Mittagszeit scheinen die Singvögel zu schläfrig für Konzerte zu sein. Der frische Duft von Wasserminze begleitet mich, Sträuße von Mädesüß lassen die Luft nach Honig und Vanille schmecken. Von Süden kommend, wandere ich durch das schluchtartige Mühlental, auf Alme zu. Keine Mühle ist zu sehen, kein Bach, nach dem das Dorf benannt wurde. Auf der Suche nach dessen Quelle folge ich einem trockenen Bachbett, das in sanften Kurven nach Norden führt. Meine Idee von einer Quelle sieht so aus: Da gibt es eine kleine Mauer, heraus lugt ein Wasserspeier, dessen dünner Strahl in ein Becken fließt, darüber das Schild ›XY Quelle‹.

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Almequellen Geburt und Wachstum Quellteich mit 104 Quellen, umgeben von einem alten Laubwald. Brilon­Alme 51.449413 | 8.622434 Wanderweg: Quellenweg Alme, Sauerland-Waldroute Parken: Parkplatz an der Kirche

Hinter einem der Mäander erlebe ich etwas, das meine Vorstellungen komplett über den Haufen wirft. Das Wunder einer Geburt: Erst ist da nichts außer Staub und Steinen. Ein paar Meter weiter nur zeigt sich ein Schimmer, der die grauen Steine silbern färbt. Dann glitzert es stärker, überall ein Rinnen und Rieseln, ohne dass etwas zu hören wäre, so als hätte jemand den Ton abgedreht. Nur zwei, drei Schritte weiter wird das Wasser quirliger. Luftbläschen drängen wie Perlenschnüre von unten herauf und kräuseln in kleinen Kreisen die Oberfläche. Wahrlich, diese Quelle sprudelt. Jetzt beginnt die Alme, Geräusche zu machen. Sie säuselt, seufzt, blubbert. Sie wächst schnell. Ein paar Meter weiter erlebe ich sie schon als jemanden, der eine ziemliche Welle schiebt und mit pubertierendem Tosen auf sich aufmerksam macht. Wie sammelt sie diese Kraft? Woher kommt all das Wasser? Nach weiteren Gehminuten wächst sich die Quelle zu einem mehrere Meter breiten, unbändig strömenden Bach aus. Gemeinsam erreichen wir einen großen, aufgestauten Teich am Dorfrand. Die Alme wird still, als wolle sie sich besinnen. Und behält doch ihre angeborene Munterkeit. Mit aufsteigenden Bläschen und Ringen auf dem glasklaren Wasser verrät sie weitere unterirdische Zuflüsse, die sie nähren. Auch der Teich ist Quelle. Ich bin mit einem Bewohner von Alme verabredet, der mir diesen Seelenort erklären will. Wolfgang Kraft engagiert sich ehrenamtlich

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Wolfgang Kraft »Die Landschaft rund um die Almequellen ist wie aus einem Märchen entlehnt. Man kann sich hier hinsetzen, auf das Wasser gucken und dessen Lebendigkeit genießen. Wie es fließt, säuselt und blubbert. Für manche Men­ schen ist das ein Geräusch, für mich ist es Musik«.

in der Alme AG. Der Verein will das Dorf lebendig erhalten, dem Sog der nahen Städte zum Trotz. Die Anziehungskraft, die die Quellen auf Spaziergänger und Fernwanderer ausüben, spielt dabei eine wichtige Rolle; auch die örtlichen Gasthäuser profitieren davon. Kraft beschreibt das Wunder der Alme-Geburt so: Das Tal liege am Rande der Briloner Hochfläche, die in der Tiefe aus so genanntem Massekalk besteht. Der ist vor 350 Millionen Jahren hier abgelagert worden, von den Schalen absterbender Korallen, als alles hier Meer war. Der hohe Anteil an Kalk im Boden ist leicht auswaschbar, sodass die umgebenden Berge und Hügel im Inneren rissig und löcherig wurden. Regenwasser sammelt sich unterirdisch, und weil es sich im Mühlental an einer Schicht aus undurchlässigem Schiefer staut, tritt es hier zutage. Fazit: Eigentlich entspringt die Alme einem Ozean. →

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Sauerland·Seelenorte — Brilon · Olsberg

Wolfgang Kraft erzählt, dass er abends oft an der Alme entlang bachaufwärts wandere. Einer seiner Lieblingsorte ist der Uhu-Felsen, von dem aus er wie ein Greifvogel das Mühlental überblicken könne. »Hier oben schalte ich ab, komme zur Ruhe, denke nochmal über den Tag nach.« Er hat lange bei der Volkshochschule gearbeitet, nahm oft an naturkundlichen und geschichtlichen Exkursionen teil. So wurde der Quellen-Erzähler mit der Zeit selbst zur sprudelnden Erzählquelle. Heute sind Quelle, Bach und die umgebende malerische Landschaft ein Magnet für Naturliebhaber. Botaniker freuen sich, seltene Pflanzen wie das Pyrenäen-Löffelkraut anzutreffen, Ornithologen über den Gesang von Mönchsgrasmücke und Rotkehlchen und die Möglichkeit, den Eisvogel, dieses fliegende Juwel, beim Fischen zu beobachten. Für den still Lauschenden sind spirituelle Qualitäten wie Klarheit und Ewigkeit spürbar. Denn hier sprudelt es schon seit Menschengedenken. Schöpfung in Aktion, immer gleich, immer anders, immer Anfang. —

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— QUELLENWEG ALME — www.sauerland-wanderdoerfer.de/Almequelle

Entenstall Alme, Untere Bahnhofstraße – Alme

6,3 km 118

Seelenort Almequelle

2 Stunden mittel

›Almer Schlossmühle‹ ›Eulenhof‹

Ruheplatz an den Almequellen

:Länge

:Höhenmeter

:Schwierigkeitsgrad

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:Zeit

:Seelenort

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Achtsamkeit

Landschafts­ therapeutischer Weg Brilon Olsberg V02.indd 12

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L a n d s c h af t s ­ t h e rap e u t i s c h e r We g Achtsamkeit Themenweg zwischen Kurpark und Wald mit 13 in Szene gesetzten Stationen. Brilon 51.383310 | 8.574984 Wanderwege: Briloner Kammweg, Rothaarsteig Parken: Landschaftsfenster oberhalb des Hotels am Kurpark

02 Es muss nicht unbedingt Wildnis sein, um eine ganz andere Welt zu betreten. Das geht auch hier, am Rande von Brilon. Ich verlasse den Kurpark und schlage den Weg ein, den ein weißer Pfeil auf rotem Grund weist. Eigentlich ist nicht die Welt neu, sondern die Wahrnehmung, mit der ich unterwegs bin. Der Name ›Landschaftstherapeutischer Weg‹ hatte mich zunächst irritiert: Soll die Landschaft geheilt werden? Soll ich therapiert werden? Auf dem Weg statt auf der Couch? Doch dann hatte ich gelesen, es gehe um die Stärkung von Faktoren, die uns körperlich und seelisch guttun. Um Landschaften als Räume, in denen wir uns lebendig, genährt, ausgeglichen fühlen können. In denen der Körper gepflegt werde, die Gefühle, das Wissen, die Seele. Ganz sein, ganz Mensch sein. Anders als im oft belastenden und monotonen Alltagsleben. Das leuchtet mir ein. Und so habe ich mir vorgenommen, diesen Weg besonders achtsam zu gehen. Nach ein paar hundert Metern zweigen rote Treppenstufen rechts ab. Treppe im Wald? Rot? Das macht mich neugierig. Die Stufen und Lauf-Roste enden abrupt, nächste Irritation. Als ich eine Weile still stehe, entdecke ich, halb verborgen im Gebüsch, den Eingang zu einer Höhle oder Erdloch. Kindheitserinnerungen tauchen auf. Wenn wir im Wald gespielt haben, sind wir in jede Grube, Grotte oder Stollen gekrochen, in die wir uns hineinzwängen konnten. Musste sein. Und vor den Eltern geheim gehalten werden. Das Loch vor mir ist zu klein. Besser gesagt: Ich bin zu groß. Während ich verweile, geht meine Nase auf Entdeckungsreise. Aus dem Loch dringt Modergeruch wie der von Pilzen. Von irgendwo her weht der Duft von frisch gemähtem Heu. Ich meine, ein Feuer zu erschnuppern, in dem Holz verbrannt wird. Das Riechen wird feiner.

Das Wegekreuz auf dem Landschaftstherapeutischen Weg ist eine von 13 Stationen und lädt dazu ein, sich Fragen nach dem eigenen Weg zu stellen.

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Weiter auf dem Weg. Wie er kurvt und wellt, manchmal enger führend, sich wieder weitend, sorgt er immer wieder für kleine Überraschungen. Neue Impulse, auch fürs Denken. Zwischen zwei Tannen, weit oberhalb meines Kopfes entdecke ich eine Leine, an der entlang sich kleine, rote Glocken aufreihen. Ein Windstoß versetzt sie in Schwingung. →

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Sie läuten leise. Feierlich. Das spitzt meine Ohren. Nach einer Weile können sie das kantige Rascheln der Buchenblätter, die der Wind bewegt, vom runden Flirren der Tannennadeln unterscheiden. Von weit her das helle »Wi-üü, wi-üü« eines Bussards. Ganz nah das aufgeregte Krächzen eines Eichelhähers, das den Rest der Waldbewohner vor mir warnt. Was heißt Achtsamkeit eigentlich genau? Mir fällt die Geschichte vom Weisen ein, den seine Schüler fragen: »Meister, wie ist das so als Erleuchteter?« Er sagt: »Bei mir ist das so: Wenn ich esse, esse ich. Wenn ich arbeite, arbeite ich. Wenn ich gehe, gehe ich.« – »Aber das machen wir doch genauso!« – Der Meister schmunzelt: »Das bezweifle ich...« Ein echter Menschenkenner. Er weiß, dass wir oft das eine tun und mit den Gedanken bei etwas anderem sind. Körperlich am einen Ort, mit dem Smartphone am anderen. Achtsam sein heißt: Ich gehe, und ich weiß, dass ich gehe. Ich sehe, und mir ist bewusst, was ich sehe. Etwa als ich auf einen der drei rot angestrichenen Hochsitze klettere. Wie ein Jäger ›auf Ansitz‹. Ich überblicke eine Wiese, die leicht ansteigt bis zum nächsten Waldrand. Keine Rehe zu sehen, aber dennoch freuen sich meine Augen. Am Computer stellen sie auf eine Distanz von 80 Zentimetern scharf, beim Laufen in der Stadt auf die nächsten fünf Meter. Dafür müssen sich die Augenmuskeln anspannen. Hier auf dem Hochsitz können sie auf unendlich stellen. Sie entspannen. Ich auch. Nach außen schauen. Und nach innen. Ich versuche bewusst wahrzunehmen, welche Erinnerungen mir kommen. Vergleiche, Tagträume. Und Fragen: Wo komme ich gerade her? Wo stehe ich in diesem Moment? Wie geht es für mich weiter? Der Weg inspiriert zu neuen Antworten. Seit die griechischen Philosophen das Nachdenken

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beim Wandern und Wandeln erfanden, zeigt sich: Es wird im Gehen gelöst. Fließende Bewegung lässt Gedanken frei fließen. Die Schritte mit den Füßen helfen mir, auch innerlich weiterzugehen. Am Hang über mir ist ein UFO gelandet. Rund, rot, strahlend und völlig unmöglich zwischen den dunklen Silhouetten der Fichtenstämme. Ich steige querfeldein dem seltsamen Objekt entgegen. Beim Näherkommen zeigt sich ein breiter roter Kreis, der hoch über einer Ruhebank hängt. Heiligenschein für Pilger auf dem Weg? Frisbee für Waldriesen? Abwurf vom Flugzeug? ›Feenkranz‹ heißt die Installation, lese ich auf dem Schild daneben. Jedem seine eigene Fantasie.

— LANDSCHAFTSTHERAPEUTISCHER — WEG www.sauerland-wanderdoerfer.de/LTW

Parkplatz: oberhalb Hotel am Kurpark

2,5 km 100

Seelenort Landschaftstherapeutischer Weg

1:30 Stunden mittel

Mein Tipp für die Inspirationswanderer nach mir gilt für alle Schilder an den Installationen am Landschaftstherapeutischen Weg: Erst erleben, dann lesen. Am Ende ist mir auch klar, wen dieser Pfad therapieren soll: niemanden! Es ist einfach eine Wohltat für Leib und Seele, ihn zu gehen. —

Hoch über dem Weg leuchtet die Installation ›Feenkranz‹ rot schimmernd im diffusen Licht des Hochwaldes auf.

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›Hotel am Kurpark‹

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:Höhenmeter

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Enge und Weite

Ginsterkopf

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Gi n s t e rko pf ( No rd k u p p e) Enge und Weite ca. 640 m hohe, aussichtsreiche Bergkuppe auf dem Rothaarsteig zwischen Brilon-Wald/Elleringhausen. Brilon­Wald und Elleringhausen 51.34316 | 8.56475 Wanderwege: Brilon-Walder Gipfeltour, Briloner Kammweg, Rothaarsteig Parken: Wanderparkplätze Schützenhalle in Brilon-Wald oder Feuereiche

Den Fokus auf ›unendlich‹ stellen: Ausblick vom Ginsterkopf in Richtung Bruchhausen.

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03 Dieser Herbsttag beginnt mit Nebel, der langsam aufklart. Die Sonne zeigt sich, um gleich wieder von Wolken verschleiert zu werden. Wärmende Strahlen und kalter Wind im fliegenden Wechsel. Das macht Willi Otto nichts aus. Unsere Tour hat er minutiös vorbereitet; auf Flurkarten die Route auf den Ginsterkopf eingezeichnet; Wikipedia für Hintergrundinformationen befragt; ein Dossier mit Fotos früherer Wanderungen angelegt, das er mir übergibt. Er ist einer dieser Orte-Erzähler, bei denen ich spüren kann, wie sehr sie den natürlichen und kulturellen Reichtum ihrer Heimat schätzen. Nicht aufgrund blumiger Liebeserklärungen, sondern durch ihren verlässlichen Einsatz für die Gemeinschaft. Willi (»als Wanderfreunde lass uns Du sagen«), Jahrgang 1951, früher als Architekt tätig, ist heute im Ruhestand und aktives Mitglied im Dorfverein ›Brilon-Wald aktiv e. V.‹. Der Ginsterkopf, ca. 640m hoch, ist für ihn tatsächlich ein Seelenort. Warum? Das will er lieber erzählen, wenn wir oben angekommen sind. Vor dem Gipfelgenuss kommt ein anstrengender Anstieg. Aber was für ein wunderbarer Weg: Er ist mindestens so variantenreich wie das Wetter. Es geht, nachdem wir die breite Forststraße verlassen haben, auf schmalen Pfaden bergan. Sie führen in eine Anderswelt. Zwischen Nebelschwaden tauchen Hobbits zwischen dunkelgrün bemoosten Felsbrocken auf und verschwinden wieder im milchigen Nichts. Baumgeister stehen Spalier. Der weiche Teppich unter unseren Füßen besteht aus einer Mischung rotbrauner und grüner Tannennadeln, wie ich sie noch nie gesehen habe. »Die grünen Nadeln sind kein gutes Zeichen«, erklärt Willi, und holt mich wieder auf den Boden der Tatsachen. »Die Bäume sind vom Borkenkäfer befallen. Ihr Fraß unterbricht die Saftströme, deshalb fallen die Nadeln vorzeitig ab.« Blöd für die Bäume, denke ich, aber dieser rot-grün melierte Läufer, ausgerollt zwischen den Stämmen, ist eine echte Augenweide. Kaum haben wir uns an federnde Schritte gewöhnt, erreichen wir felsige Passagen. Der Begriff ›Klettervariante‹, den ich unten an einem Schild am Rothaarsteig gelesen habe, erscheint mir zwar leicht übertrieben, aber einige Anstiege haben durchaus alpinen Charakter. →

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Von Wind und Wetter geschaffene Holzskulptur auf der Nordkuppe des Ginsterkopfes.

Schließlich treten wir aus dem Wald heraus und erreichen mit einer letzten Kraxelei die freiliegende Nordkuppe des Ginsterkopfes. Fernblick, wir können den Fokus auf unendlich stellen. Das ist der Modus, in dem sich die Augenmuskeln entspannen. Südwestlich ragen die Bruchhauser Steine, gewaltige Vulkan-Felsen, aus dem Wellenmeer der Baumkronen. Weiter westlich Elleringhausen und dahinter Olsberg, in nördlicher Ferne Brilon, helle Einsprengsel im Flaschengrün. Willi trifft hier oben nur wenige Wanderer. »Wenn ich wirklich Stille suche, äußere und innere, dann gehe ich hierher. Beim Hochgehen fallen Alltagssorgen ab. Mit dem Blick in die Ferne komme ich auf ganz neue Gedanken.« Deshalb ist das ein beseelter und beseelender Ort für ihn, auch wenn er, die nüchterne Sprache der Ingenieure gewohnt, ihn nicht so bezeichnen würde. Und deshalb sorgt er sich auch, die Stille könne verloren gehen, wenn nun die Hundertschaften zum Seelenort strömen. So wie es beispielsweise bei der traditionellen ›Schnade‹ der Fall ist. Einem jahrhundertealten Brauch folgend, gehen Briloner Bürger die Grenzen ihrer Stadt ab, einst ein Kontrollgang, ob das eigene Territorium ausreichend geschützt ist. Willi erscheint es befremdlich, wenn sich 3000 Spaziergänger auf dem Rothaarsteig drängeln, auch wenn er einer von ihnen ist. »Zum Glück führt die Schnade nur alle zehn Jahre hier auf den Ginsterkopf.« Mir wird auf dem Ginsterkopf klar, wie eng Wege und die Orte, zu denen sie führen, zusammengehören. Stille hier oben kontrastiert mit Unrast unten im Tal. Die Erfahrung von Enge auf schmalen Pfaden steigert die Lust an der Weite. Die Leichtigkeit, die ich jetzt fühle, ist

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wie ein Echo des Anstiegs mit 90 Kilogramm Lebendgewicht. Gipfellicht erscheint heller, weil wir vorher durch Dämmer gegangen sind. So bereitet uns der Weg auf das Ziel vor. Warum klettern Menschen überhaupt auf Berge? Die biologische Antwort: Der Über-Blick zeigt, wo Schutz und Nahrung zu finden ist, von wo Gefahr droht, wo der Weg weiter geht – er steigert die Lebenschancen. Eine pragmatische Antwort gab der neuseeländische Bergsteiger Sir Edmund Hillary, der zusammen mit einem Sherpa erstmals den Gipfel des Mount Everest (8848 m) bestiegen hatte. Warum er auf hohe Berge steige? »Weil sie da sind.« Selbst auf dem so viel niedrigeren Ginsterkopf spüre ich, dass es auch eine spirituelle Antwort gibt. Auf einem Gipfel, so berichten viele Wanderer, kommen wir in Kontakt mit etwas Größerem, Weiteren, Gewaltigeren. Erhebung und Erhabenheit sind Verwandte, begleitet von Staunen und Stille. —

— B R I LO N -WA L D E R G I P F E LTO U R — www.sauerland-wanderdoerfer.de/Ginsterkopf

6,1 km 242 2 Stunden mittel Schützenhalle Brilon-Wald Seelenort Ginsterkopf ›Landhotel Menke‹

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Ins FlieĂ&#x;en kommen

Schmalah See

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Es heißt, man steige niemals in den gleichen Fluss. Mit Verlaub: Das gilt auch für Seen. Nun stehe ich schon zum dritten Mal an der gleichen Stelle am Ufer, dort, wo der Schmalah-Stausee überfließen darf, wenn sich bei ihm zu viel angestaut hat. Und doch betrachte ich jedes Mal einen völlig anderen See. Beim ersten Besuch fand ich ihn langweilig: zu künstlich, zu still, zu wenig spektakulär. Im letzten Jahr, am Ende eines langen trockenen Sommers, war der Wasserspiegel sehr niedrig und ich sah nur Mangel, Dürftigkeit, es fehlte was. Heute bin ich erneut hier. Ein Regentag im Frühling, der See ergießt sich über ein breites Bett aus Felsbrocken talwärts, weißer Dunst steigt aus den umgebenden Fichtenschonungen auf und plötzlich merke ich: Ich mag diesen See.

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Schmalah See Ins Fließen kommen Naturnah gestaltete Talsperre am Ende des Schmalah-Tals. Brilon­Wald 51.322942 | 8.564538 Wanderweg: Schmalahtalrundweg Parken: Wanderparkplatz Feuereiche am Rothaarsteig

Dabei standen die Zeichen wenig günstig für den Beginn einer wunderbaren Freundschaft, als ich meine Wanderung an der Feuereiche startete. Es regnete Bindfäden und das hochaufragende Kunstwerk an der L 743, das der Urkraft des Feuers gewidmet ist, war kaum zu betrachten, ohne dass es mir in die Augen tropfte. Ich gestehe: Ich bin keiner von den begeisterten Wind-und-Wetter-Wanderern, an deren Laune Dauerregen buchstäblich abperlt. Von der stark befahrenen Landstraße führte der Forstweg hinunter ins Tal der Schmalah. Schritt für Schritt ebbte der Geräuschpegel weiter ab, auch in mir wurde es ruhiger. Ich dachte darüber nach, wie sinnlos eigentlich der Widerstand gegen Dinge ist, die ich nicht ändern kann. In diesem Fall: der Regen. Und wie befreiend es sein kann, wenn ich Momente des Lebens einfach annehmen kann, wie sie nun mal sind. Vielleicht verdanke ich dieser gedanklichen Annäherung, dass ich heute mit ganz anderen, mit wohlwollenden Augen auf den See blicke. In Ufernähe ist der Wasserspiegel glatt, in der Mitte des Sees kräuselt sich das Wasser und glänzt silbrig, selbst jetzt, unter dunkel dräuendem Wolkenhimmel. Ein Stockentenpärchen paddelt sanft schaukelnd vorwärts. Am Ufer führen Buchen und Birken im aufsteigenden Dampf zeitlupenhaft einen Schleiertanz auf. Ein stilles Wasser, gedankentief. Der Gang von der Feuereiche zum Wasserspeicher hat mich für die Wahrnehmung von Gegensätzen sensibilisiert. Ich bemerke an der Überlaufstelle, dass eine prickelnde Reibung entsteht, wenn sich das Wasser in Bewegung setzt. Gestautes wird

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Fließendes, das Schweigende zum leise Plaudernden. Als ich von dort zur Seeumrundung aufbreche, bemerke ich einen weiteren Kontrast. Rund um die Staumauer ist das Gras in ordentlichen Bahnen gemäht, kurz geschoren wie ein Golfrasen. Im weiteren Verlauf wird das Ufer immer naturwüchsiger. Dichtes Buschwerk wechselt mit wilder Wiese, hellbraune Blätterteppiche führen bis an die Wasserlinie, umgefallene Bäume erhalten eine Seebestattung. Ich vergesse auf weiten Strecken, dass es sich um einen angelegten Stausee handelt. Als ich nach vollendeter Umrundung wieder am Ausgangspunkt ankomme, hat sich mein Blick erneut verändert. Ich habe verschiedene See-Gesichter kennengelernt und weiß nun, dass es zwei Gründe hat, warum ich niemals am gleichen Gewässer stehen kann. Zum einen, weil dieser glänzende Spiegel immer neue Himmelsfarben, Jahreszeiten und Wetterbedingungen reflektiert. Zum anderen, weil auch ich als Betrachter niemals der gleiche bin: Auch meine inneren Gefühlslandschaften, Stimmungsfarben und Gedankenströme wechseln ständig. Das Lebendige tritt in Resonanz mit dem Lebendigen. Immer gleich, immer anders. —

— S C H M A L A H TA L R U N D W E G — www.sauerland-wanderdoerfer.de/Schmalah

8,5 km 225 2:30 Stunden mittel Wandertafel an der Feuereiche auf dem Rothaarsteig Seelenort Schmalah See ›Rosencafé‹

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Danke fürs Leben

Friedenskapelle Brilon Olsberg V02.indd 24

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Friedenskapelle Danke fürs Leben In einem Laubwald gelegene Kapelle, die von den Elleringhauser Heimkehrern aus dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurde. Olsberg­Elleringhausen 51.340.862 | 8.538.253 Wanderwege: Elleringhauser Panoramaweg, Golddörferweg Parken: Wanderparkplatz Kirchplatz

In einem lichten Laubwald bei Elleringhausen steht die Friedenskapelle als Zeichen der Dankbarkeit.

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05 Dankbarkeit ist nah mit dem Staunen verwandt. Sie hebt uns aus dem Alltagsbewusstsein heraus, in dem man kaum wahrnimmt, was das Leben uns alles gibt. Plötzlich durchströmt einen etwas, freudig, elektrisierend, überwältigend, und man erkennt, welch ein Geschenk einem gemacht wird. Durch einen anderen Menschen, durch einen Glücksfall oder einfach durch die Lust am Lebendigsein. Besonders intensiv wird es, wenn die Dankbarkeit nicht nur gefühlt, sondern auch ausgedrückt wird. Es ist diese Intensität, die ich spüre, als ich in der kleinen Kapelle auf dem Ruthenberg bei Elleringhausen stehe. Es gibt sie nur deshalb, weil ihre Erbauer, alles Männer aus dem Dorf, einen eigenen Weg gesucht haben, der Welt etwas mitzuteilen. Von dem Leid, das sie erlebt haben, von der Dankbarkeit, mit dem Leben davon gekommen zu sein. Sie kehrten aus dem Krieg heim. Manche waren im Ort selbst von amerikanischen Soldaten gefangen genommen worden; weiße Fahnen, aus den Häusern gehängt, verhinderten, dass noch mehr Menschen starben. Andere kamen nach Jahren aus der Kriegsgefangenschaft , einige erst in den späten fünfziger Jahren. Was sie an Grausamkeiten erlebt und selbst begangen hatten, ließ die Männer verstummen. Später nannte man sie die ›schweigende Generation‹. Sie zogen sich in sich zurück, grübelten, verzweifelten, versuchten zu verdrängen. Worte waren ihre Sache nicht. Sie handelten lieber. Die Kapelle, die sie Stein für Stein selbst errichteten, hoch über dem Dorf: Das taugte ihnen als Sprache. An den Wänden sehe ich kleine Tontafeln. Darauf Ortsnamen, die sich tief ins kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegraben haben: Verdun, Stalingrad, Narvik, Sedan, Ysselstein, el-Amain. Sie stehen für Schlachtfelder, Kanonenfutter, Kadavergehorsam, Massengräber. Auf jedem Täfelchen eine Anzahl von Kreuzen: die Zahl der Gefallenen. Elleringhausen zählte auch damals nur ein paar hundert Einwohner, 41 davon kamen im Zweiten Weltkrieg um, eine ungewöhnlich hohe Zahl. Eine Familie verlor vier von sechs Söhnen; das steht auf einer der beiden Sterbetafeln links und rechts vom Altar. →

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»Wir Heimkehrer und eine Menge ›Gutwilliger‹ bauten der ›Mutter Gottes vom guten Frieden‹ zum Danke dieses Kapellchen im Sommer 1967« (Wortlaut der Gedenktafel an der Friedenskapelle, aus dem Plattdeutschen übersetzt ins Hochdeutsche)

Väy Heymkehrer, un ne Masse „Guttwilliger“ buggeren der „Mutter Guades“ +vam gurrem Friän+ taum Danke dütt Kapelleken im Sumer 1967

Noch im Gefangenenlager hatte einer der Männer, Josef Isenberg, gelobt: Sollte er all das überstehen, würde er der Mutter Gottes eine Kapelle bauen. Er fand Heimkehrer, die seine Gefühle teilten und mitmachen wollten. Es dauerte jedoch Jahre, bis sie sich vom Schock der Schlachten erholt hatten und ans Werk gehen konnten. Einer steuerte den Architekturplan bei, ein anderer Baumaterial, einige sammelten Geld für eine Glocke, die Gemeinde stiftete den Platz. Leid und Trost scheinen gleichermaßen die inneren Fundamente der Kapelle zu sein.

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1967 war Einweihung. Seitdem steht die Marienstatue im Zentrum des dämmerigen Raumes. Sie strahlt Stille aus. Herzensruhe, Herzensgüte. Ein Ehepaar aus dem Dorf sorgt hier oben für frische Blumen; auch sie haben Verwandte im Krieg verloren. Maria war für die trauernden und dankbaren Männer die ›Königin des Friedens‹, diesen Titel malten sie ihr auf die Wand über dem Altar. Weibliche Weichheit als Heilung für erlittene Härten. Das berührt mich als Besucher, auch heute, in ganz anderen Zeiten. Wie oft bin ich hart zu mir selbst, mit negativen Selbsturteilen, mit unerbittlichen Ansprüchen an mich. Die stille Stunde in der kleinen Kapelle löst etwas in mir, weicht etwas auf, lässt auch mich dankbar sein. Ein paar Worte fanden die Männer dann doch noch. Im rauen Idiom der Gegend steht am Eingang geschrieben: »Väy Heimkehrer und ne Masse Guttwilliger buggeren der Mutter Guades vam gurren Friän taum Danke dütt Kapelleken im Sumer 1967.« Diesen Ausdruck von Dankbarkeit und gutem Willen verstehe auch ich als des Plattdeutschen Unkundiger. Zwischen den Zeilen glaube ich, eine weitere Botschaft zu lesen: den Wunsch, nie wieder in einen Krieg ziehen zu müssen. —

— E L L E R I N G H A U S E R PA N O R A M A W E G — www.sauerland-wanderdoerfer.de/Friedenskapelle

10,7 km 308 3:30 Stunden mittel Wanderparkplatz Kirchplatz Elleringhausen Seelenort Friedenskapelle ›Haus Keuthen‹

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Ankommen 1

AUFWÄRMEN Beginnen Sie mit einer kleinen Übung zur Verfeinerung Ihrer Wahrnehmung: Sind Sie wandernd unterwegs, gehen Sie die letzten 10 bis 15 Minuten bis zum Ziel in Stille: Lauschen Sie eine Weile auf das, was Sie umgibt. Nehmen Sie den Ort mit Ihren Augen auf. Genießen Sie die unterschiedlichen Farben und Formen, das Weite und Nahe. Spüren Sie die Sonne auf Ihrer Haut, den Wind im Haar, den Boden unter den Füßen. Welche Düfte und Gerüche können Sie wahrnehmen? Wie schmeckt die Luft, das Wasser der Quelle? Wenn Sie dem mit Auto oder ÖPNV anreisen, können Sie sich einen geschützten Platz in der unmittelbaren Nähe suchen und diese kleine Übung im Stehen machen. 2

AUSWEITEN Suchen Sie sich einen Ast, eine Rinne oder Wegkante. Mit einem bewussten Schritt über diese ›Schwelle‹ betreten Sie einen neuen Wahrnehmungsraum. Nun lassen Sie sich – ohne zu sprechen – treiben. Folgen Sie Ihrem Gefühl.

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Was zieht Sie an? Wo möchten Sie auf Abstand bleiben? Tun Sie, was Sie sonst vielleicht nicht tun: Breiten Sie sich auf dem Waldboden aus, legen Sie Ihr Ohr an einen Baum, nehmen Sie in einer Kirche eine ungewohnte Perspektive ein. Nutzen Sie all Ihre Sinne, um aufzunehmen, was Sie umgibt. Sammeln Sie neugierig und ohne Vorurteile ein, was dieser Ort für Sie bereithält – ohne zu bewerten. Beobachten Sie Ihre Gedanken. Verändert sich Ihre Stimmung? Regt sich etwas im Körper? Nach einer Weile (etwa 15 Minuten) verlassen Sie mit einem Schritt über die Schwelle diesen besonderen Wahrnehmungsraum. 3

NACHSPÜREN Nehmen Sie sich zum Abschluss noch etwas Zeit, um sich bewusst zu werden, was dieser Ort in Ihnen bewegt hat. Welche Bilder, Assoziationen oder Geschichten sind lebendig geworden, welche Saiten in Ihnen kamen in Schwingung? Haben Ihre Gedanken, Gefühle oder körperlichen Empfindungen ein gemeinsames Thema? Und schließlich: Wie geht es Ihnen jetzt? Hat die Zeit gutgetan? Hat Sie die Begegnung mit diesem Ort angeregt? Sind Sie innerlich ruhig geworden? Haben Sie Antworten gefunden? Oder sind Sie auf eine Frage gestoßen, die Sie weiterbringt? Trauen Sie Ihrer Wahrnehmung und geben Sie ihr Bedeutung. Vielleicht möchten Sie das Erlebte in einer kleinen Tagebuchnotiz bündeln oder auf einer Postkarte, die Sie sich selbst zuschicken? Wenn Sie in einer kleinen Gruppe unterwegs sind, lohnt es sich, die Erlebnisse zusammenzutragen. Sie werden erstaunt sein, wie sich unterschiedliche Wahrnehmungen zu einem Ganzen zusammenfügen. Die Qualität eines Ortes zeigt sich darin. Manchmal hell und klar, zuweilen als ein Schimmer oder ein Aufblitzen. Und bei Ihrem nächsten Besuch entdecken Sie vielleicht eine ganz andere Qualität dieses Seelenortes. Ein Tipp: Unsere Sinne wollen gelockt werden. Geben Sie Ihnen dazu etwas Zeit. Haben Sie Geduld.

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Tr a u e r u n d E r l รถ s u n g

Borberg

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Dagmar, Kneipp-Animateurin und Qigong-Lehrerin, hat offensichtlich ein besonderes Gespür für Energien. »Auf dem Borberg kann ich fühlen: Hier oben sind viele Menschen gestorben, viele begraben worden.« Das fast zwei Hektar umfassende Plateau am Rothaarsteig, inmitten von Mischwald, war im 8. Jahrhundert eine Wallburg, in die Menschen aus den umliegenden Orten flohen, wenn Feinde im Anmarsch waren. Sie nahmen alles Lebenswichtige mit, um notfalls viele Monate auf dem Berg ausharren zu können, Hausrat und Saatgut, Kühe und Hühner. Sie schafften es sogar, in dieser Höhe an das lebenswichtige Wasser zu kommen. Jochen scharrt mit den Füßen eine Eisenplatte frei, die den einstigen Brunnen abdeckt: »Die müssen viele Meter tief gegraben haben, bis sie auf Wasser stießen.« Er erzählt von Karl dem Großen, der seine Pfalz in der Nähe, in Marsberg auf der Eresburg hatte, aber oft auf den 600 Meter hohen Borberg kam, weil er hier weit ins Ruhrtal blicken konnte. Ein mittelalterlicher Kaiser genießt die Aussicht? »Nein, ihm ging es um die strategischen Vorteile. Man konnte anrückende Verbände der feindlichen Sachsen schon von Weitem entdecken. Und die eigenen Soldaten entsprechend platzieren.«

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Der Weg führt durch eine Art Tor. Links und rechts schützte einst ein mächtiger Wall aus sorgsam aufeinander getürmten, flachen Schiefersteinen die Schutzsuchenden vor den Angreifern. Zur Sicherheit folgt noch ein zweites Tor. Wir betreten ein weites Hochplateau. Plötzlich bleibt Dagmar Bereiter, die mich zusammen mit ihrem Mann Jochen auf den Borberg geführt hat, stehen und sagt: »Puh, ich kriege eine Gänsehaut.« Ich sehe auf meine Arme: bei mir dasselbe! Gleichzeitig fällt mir auf, dass keine einzige Vogelstimme zu hören ist. Bis auf einen Raben, der mit heiserem Rufen eine einsame Runde um den Berg dreht. Jochen zeigt auf eine Eiche, die den vor uns liegenden Platz beherrscht: »Die hat viel Leid gesehen im Laufe ihres Lebens.« Mir wird bewusst, dass Seelenorte ganz unterschiedliche Resonanzen auslösen können. Auch Gefühle von Trauer gehören dazu.

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Bor b e rg Trauer und Erlösung Bewaldeter Berggipfel (670 m) mit frühmittelalterlicher Ringwallanlage und Begräbnisstätte, Friedenseiche und Friedenskapelle. Brilon­Petersborn / Olsberg­Elleringhausen bzw. Gierskopp 51.355981 | 8.530338 Wanderwege: Brilon – Rund um den Borberg, Rothaarsteig, Briloner Kammweg Parken: Von Brilon: Wanderparkplatz Hilbringse (Hiebammenhütte) Von Olsberg: Parken an der ›Roten Brücke‹ (Eisenbahnüberführung – Roter Weg, von da 1,8 km bis Borberg

800 Jahre später, wieder Kriegszeiten, diesmal der Dreißigjährige, wieder wurde der Berg zum Zufluchtsort. In den Tälern raffte die Pest →

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Die ›Friedenseiche‹ wurde 1931 während eines internationalen Friedenstreffens auf dem Borberg gepflanzt.

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Mit dem Bau der weithin sichtbaren Kapelle Mariä Friedenskönigin begann 1923 die Transformation des Borbergs zu einem Frie­ densort. Die kleine Kirche wurde zur Wall­ fahrtstätte und 1931 trafen sich hier auf Einladung des Friedensbundes der deutschen Katholiken über 1000 Menschen aus nah und fern, um zur Versöhnung von Deutschen und Franzosen aufzurufen.

die Menschen dahin. Die Toten wurden aufs Hochplateau geschafft und dort vergraben. Auch die Räuber, Mörder und anderen ›Schandhaften‹. Aus den Augen, aus dem Sinn. Blutgetränkte Erde als Kraftort? Dagmar meint: »Viele Orte beziehen ihre Kraft aus Geschehnissen, die gewalttätig waren und später eine Heilung erfahren haben.«

Auf dem Borberg begann diese Transformation 1923. Gläubige Menschen wollten den Schrecken des Ersten Weltkrieges überwinden, wollten Deutsche und Franzosen, die Erzfeinde, miteinander versöhnen. Eine Kapelle wurde gebaut und der ›Friedenskönigin Maria‹ gewidmet. Der Friedensbund Deutscher Katholiken lud Jahr für Jahr zu Kundgebungen und gemeinsamen Gebeten ein. Der in Neheim geborene Priester Franz Stock, der sich schon als Jugendlicher für Völkerverständigung eingesetzt hatte, pflanzte 1931 eine Eiche mitten auf das Hochplateau, gemeinsam mit Menschen aus vielen Ländern, die am Ersten Weltkrieg beteiligt gewesen waren. Ein Naturdenkmal für wachsende Nächstenliebe. Muss ein Platz kuschelige Gefühle hervorrufen, um als ›Seelenort‹ zu gelten? Meine beiden Begleiter verneinen. »Verlust und Trauer gehören zu unserem Leben dazu«, sagt Jochen. Und Dagmar ergänzt: »Wenn wir bereit sind, den Schmerz bewusst zu fühlen, kann er sich in positive Energie wandeln.« Auf dem Borberg scheint sich diese Wandlung vollzogen zu haben: Aus Gewalterfahrung wurde Friedenssehnsucht. Um diese Bewusstheit geht es ihnen, wenn sie Gruppen von Menschen durch die sauerländische Landschaft führen. Sie ermuntern dazu, inne zu halten und die Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen. Klingt das Rauschen in den Baumkronen hier nicht anders als zehn Meter weiter? Warum ist diese Buche gerade gewachsen, jene daneben nach rechts ausgewichen? Wie fühlt sich der Boden unter den Füßen an? Letztlich geht es gar nicht um die Landschaft. Sie ist nur ein Spiegel. Um sich darin wieder selbst zu sehen oder ganz neue Seiten an sich zu entdecken. Ein Berg als Seelenspiegel. —

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Der Borberg lädt ein, sich Zeit zu nehmen und selbst den Spuren einer über 1000-jährigen, oftmals widersprüchlichen Geschichte nachzugehen.

— BRILON – RUND UM DEN BORBERG — www.sauerland-wanderdoerfer.de/Borberg

5,7 km 166 1:45 Stunden mittel Wanderparkplatz Hilbringse Seelenort Borberg Hiebammen Hütte

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Schweigend dringen wir immer tiefer in den Stollen ein. Auf den ersten Metern ist buchstäblich fühlbar, wie hart sich die Bergleute vor 250 Jahren in die Tiefe gekämpft haben. Mit Hammer und Schlägel, das lesen meine Finger von der schroffen Oberfläche ab, haben sie sich vorgearbeitet. Manchmal haben sie nur fünf bis sieben Zentimeter am Tag geschafft. Und dennoch haben sie ein Gangsystem geschaffen, das den Philippstollen mit dem Maxstollen verband, der heutzutage nur noch für Fledermäuse zugänglich ist. Die Lichtkegel der Taschenlampen enthüllen, wie farbig der Fels links, rechts, über uns ist. Satt rostrot, vom Eisenerz. Gelblich, wenn der Anteil von Schwefel hoch ist. Beige, wenn ausgeschwemmter Sand über Jahrmillionen eingebacken wurde. Ausgehärtete Salze weißeln die Wände. Das überall herabrieselnde Wasser lässt sie glänzen wie Zuckerguss auf einem Kuchen. Der Alltag der Bergleute, die ab 1749 den Philippstollen gruben, war wahrlich kein Zuckerschlecken. Sie kamen aus den umliegenden Dörfern. Morgens versorgten sie daheim Hühner und Schweine. Dann machten sie sich auf einen kilometerlangen Weg zum Eisenberg, 606 Meter hoch, bei Olsberg. Untertage schufteten sie zehn, zwölf Stunden, dann wieder Heimweg und nochmal um die Tiere kümmern. Kein Wunder, dass sie damals oft schon mit 40 starben. Je weiter ich unserem Stollenführer in die Dunkelheit folge, desto mehr kann ich spüren, wie feindlich diese Umgebung für die Arbeiter war. Menschen hatten hier eigentlich nichts zu suchen. Zu kalt, zu nass, zu windig, zu gefährlich. Aber sie wollten etwas vom Berg, sie wollten seine Schätze, in

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Hinter diesem Eisentor bestimmt höhere Gewalt über Leben und Überleben. Ein Ort der Gefahr, das ist spürbar, als ich durch das Tor trete, das Siegfried Stahlmecke aufgeschlossen hat. Der Berg will uns nicht. Noch bevor wir sein Reich betreten, bläst er zum eiskalten Widerstand. Während sich draußen der April mit milden 24 Grad einschmeichelt, fegen uns aus dem dunklen Gang Winde mit gefühlten Nullgraden entgegen. Meine Ohren, die unter dem roten Helm hervorlugen, frieren wie im Winter. Der Kies unter den Schuhen knirscht. Der Stollen ist niedrig, wir laufen gebückt, mit eingezogenen Köpfen.

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Eisenberg Angst und Vertrauen Philippstollen: Mit einer Führung (siehe Öffnungszeiten und nach Vereinbarung) begehbarer Bergbaustollen mit Zugang über einen engen Gang, der nach ca. 1 km in die ›Barbara-Grotte‹ mündet. 5 Minuten weiter liegt an einer Quelle in einem hohem Buchenwald der Eingang zum nicht mehr begehbaren Maxstollen. Olsberg 51.364225 | 8.518036 51.366090 | 8.522518 Wanderwege: Olsberger Bergbauschleife, Sauerland-Waldroute, Olsberger Kneippwanderweg, Gewerkenweg Parken: Wanderparkplatz Hilbringse (Brilon) und ›An der Roten Brücke‹ (Olsberg)

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Lebenslicht: Grubenlampen wie dieser ›Frosch‹ spendeten Licht für die Arbeit im Stollen.

diesem Fall Eisenerz, in anderen Fällen auch Gold, das an vielen Stellen im Sauerland gefunden worden ist. Dafür trotzten sie Müdigkeit und Krankheiten, dafür malochten sie täglich in Todesnähe. Nach 600 Metern kann ich mich plötzlich strecken, den Kopf heben. Und sehe, dass wir in einer Grotte stehen. Wir zünden Kerzen an, die irgendwo bereit liegen. In ihrem Schein glänzen die Wände in allen Schattierungen von Rot, über uns wölbt sich der Fels in einer Höhe von mehr als vier Metern. Als alle Kerzen angezündet sind, entfaltet sich die ganze Szenerie. An einem kleinen Felsvorsprung unter der Decke hat sich eine Fledermaus festgekrallt, kopfüber hängend. Irgendwo im Hintergrund gurgelt Grubenwasser. An der Seite der Grotte liegen flache Steine mannshoch aufgetürmt, eine Art Altar. Darauf steht ein schwarzer Lichtbogen, wie man sie vom Erzgebirge kennt. Rechts daneben ein Bildstock der Heiligen Barbara, eine Figur aus dunklem Metall, umrahmt von hellem Holz. Sie ist die Schutzpatronin der Bergmänner. Ihr wurde dieser Platz gewidmet, als der Philippstollen zum Besucherbergwerk wurde. Ihre Verehrung hat Tradition. Bevor die Männer morgens in den Stollen gingen, grüßten sie die Schutzheilige und baten um ihren Beistand. Abends, wenn sie das Tageslicht wieder erblickten, grüßten sie erneut und dankten für den Schutz. Schließlich erlebten sie immer wieder, dass Kumpel von herabstürzenden Felsbrocken verletzt wurden. Oder sogar verschüttet, unrettbar. Was blieb ihnen anderes übrig als Gottergebenheit? Selbst ich als Besucher, der relativ bequem und sicher bis →

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zur Barbara-Grotte gelangt bin, kann ihre Verlorenheit in den kalten Gängen nachvollziehen, ihr unermessliches Bedürfnis nach Schutz und Trost. Die Grotte erinnert mich, den leidenschaftlichen Bergwanderer, an die Szenerie im Hochgebirge. Die aufgetürmten Steinhaufen, die am Berg den Weg weisen. Der schroffe Fels. Die gurgelnden Bächlein. Die Stille oberhalb von 2000 Metern. Schließlich das Gipfelkreuz, in diesem Fall eine Barbara-Statue, um für überstandene Strapazen zu danken. Auf einmal erscheint mir die Grotte wie ein umgedrehter Gipfel, tief im Berg vergraben.

Am Eingang zum Maxstollen erinnert eine Lore an die lange Bergbautradition am Eisenberg.

Nicht nur geologisch Interessierte besuchen den Stollen. Es hat in der Barbara-Grotte auch schon ein Posaunenchor gespielt, ein andermal wurden dort Gedichte vor kleinem Publikum zitiert. Seit draußen das Steigerhäuschen neben dem Stolleneingang für Trauungen zur Verfügung stehe, sagt Stahlmecke, wären auch Hochzeiten denkbar. Die Formel von ›den guten wie den schlechten Zeiten‹, da bin ich mir sicher, bekäme, untertage ausgesprochen, besonderes Gewicht. —

— OLSBERGER BERGBAUSCHLEIFE — www.sauerland-wanderdoerfer.de/Eisenberg

6,8 km 245 2 Stunden mittel Großer Parkplatz Seelenort Eisenberg ›Waldhotel Schinkenwirt‹

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Sa u e r l a n d -Wa n de rdör fe r — 1 . Qua li t ä t s re gi on ›Wa n de r ba re s De ut s ch la n d‹

S a ue r la n d-Wa n derd ö rfer — 1. Qual itätsreg io n ›Wand erbares Deutschl and ‹

Sauerl and -Wand erd ö rfer — 1. Qual itätsreg io n ›Wand erbares Deutschl and ‹

Sauerl and -Wand erd ö rfer — 1. Qu alitätsregion ›Wanderbares Deu tschland‹

Sau erland-Wanderdörfer — 1. Qu alitätsregion ›Wanderbares Deu tschland‹

Sau erland-Wanderdörfer — 1. Qu alitätsregion ›Wanderbares Deu tschland‹

Sauerland·Seelenorte

Sauerland·Seelenorte

Sauerland·Seelenorte

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Diemelsee

Medebach

Schmallenberg . Eslohe

Willingen

Winterberg . Hallenberg

↑ Diemelsee

↑ Lennestadt Kirchhundem

↑ Medebach

↑ Schmallenberg Eslohe

↑ Willingen

↑ Winterberg Hallenberg

ankommen. bei dir.

ankommen. bei dir.

ankommen. bei dir.

ankommen. bei dir.

ankommen. bei dir.

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Mehr erfahren Ein Überblick über alle 43 Sauerland­Seelenorte und die Geschichte, die sie verbindet, ist in dem Magazin ›Sauerland­Seelenorte – Lebendige Stille‹ er­ schienen. Wenn Sie auch die Seelenorte in den anderen Sauerland­Wander­ dörfern kennenlernen möchten, stehen dafür sechs weitere Hefte mit aus­ führlichen Geschichten, Bildern, Wander­ und Einkehrtipps zu Verfügung. Weitere Informationen, das Magazin und die Hefte sind erhältlich bei den Tourist­Informationen und über www.sauerland-seelenorte.de.

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IMPRESSUM

Die Sauerland-Wanderdörfer sind die 1. Qua­ litätsregion Wanderbares Deutschland und verfügen über eine vorbildliche Wanderinfra­ struktur mit einem durchgängig markierten Wanderwegnetz, vielen Qualitätswegen, kompetenten Gastgebern und Touristinformatio­ nen, sowie einem großen Serviceangebot mit Tourenportal und Tourenplaner. www.sauerland-wanderdoerfer.de

Die Sauerländer Wandergasthöfe haben sich engagiert und konsequent auf die Ansprüche und Bedürfnisse von Wanderern eingestellt. Sie bieten komfortable Unterkünfte, beson­ dere Wanderservices in Kombination mit zertifiziertem Wanderwissen, Serviceorien­ tierung, Wandern-ohne-Gepäck-Angebote und eine ausgezeichnete Küche mit regiona­ len Spezialitäten. www.wandergasthoefe.de

Sau erland-Wanderdörfer — 1 . Qu ali tätsregi on ›Wan de r bare s De utsch l an d‹

Sauerland·Seelenorte ankommen. bei dir.

Lebendige Stille Wanderungen zu den Sauerland-Seelenorten

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Lebendige Stille Das Magazin zu den Sauerland-Seelenorten ist bei den Tourist-Informationen und über www.sauerland-seelenorte.de erhältlich.

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Sauerland-Wanderdörfer c/o Sauerland-Tourismus e.V. Johannes-Hummel-Weg 1 D 57392 Schmallenberg www.sauerland-wanderdoerfer.de info@sauerland.com Telefon 0 29 74-20 21 90 Sauerländer Wandergasthöfe c/o Schmallenberger Sauerland Tourismus Poststraße 7 D 57392 Schmallenberg Telefon 0 29 72-9740-40 info@wandergasthoefe.de www.wandergasthoefe.de Redaktion und Projektentwicklung Hubertus Schmidt (Schmallenberger Sauerland Tourismus GmbH) Rüdiger Strenger (Tourismus Brilon Olsberg GmbH) Sabine Risse (Sauerland-Tourismus e.V.) Susanne Falk (ZeitRaum – Wege zu Geschichte und Gegenwart) Herausgeber Schmallenberger Sauerland Tourismus GmbH, info@schmallenberger-sauerland.de Texte Michael Gleich (www.der-story-teller.de) Susanne Falk → Seite 3, Bildunterschriften Anna Galon → Seite 10 Die Wahrnehmungsübung → Seite 28 wurde zusammen mit der Kommunikationsberaterin Sabine Falk entwickelt (www.sabinefalk.de) Fotografie Rothaarsteigverein e.V., Klaus-Peter Kappest → Seite 16 Alme AG, Klaus Grüning, → Seite 10 Tourismus Brilon-Olsberg: Klaus-Peter Kappest → Titel, Seiten 12, 14, 30 Sabrinity → Seite 20 Mechthild Funke → Seite 24 Anna Schunk → Seiten 06, 18, 33, 35, 37, 39, 40 Konzept & Gestaltung w10b (www.w10b.de) Illustrationen Catherine Lubbers (www.w10b.de) Druck Köllen Druck + Verlag GmbH (www.koellen.de) Gefördert von s. letzte Umschlagseite

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Sauerland·Seelenorte ankommen. bei dir.

Sauerland-Seelenorte – das sind Felsen und Steinbrüche, Kirchen und Bergkuppen, mächtige Bäume und unterirdische Grotten, Seen und Täler. 43 Orte, über das ganze Sauerland verteilt. Sie wurden ausgewählt, weil sie besonders beeindruckend sind und für die Menschen in ihrer Umgebung eine besondere Bedeutung besitzen. Nicht nur heute, sondern auch schon zu früheren Zeiten. Sie berühren die Menschen emotional, geistig und spirituell. Sie rufen starke Resonanzen hervor. Es sind Orte, zu denen die Menschen wandern und wo sie abschalten können. Zu sich kommen. Die Ruhe genießen. Inspiriert werden. Neue Einsichten gewinnen. Auch wenn jeder Seelenort seine eigene Geschichte erzählt, gibt es eine Qualität, die alle verbindet: Lebendige Stille.

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