12. Philharmonisches Konzert - Finale

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Marko Letonja Dirigat

IGUDESMAN & JOO:

BIG Nightmare Music : So 26.6.2022 Mo 27.6.2022 Di 28.6.2022 197. Spielzeit

#UnterDieHaut


Inhaltsverzeichnis

Programm Seite 03

Gedankensplitter Seite 16

Grußwort Seite 04

Phil Einblicke Seite 20

Dirigat Seite 06

Vorschau Seite 22

Solisten Seite 08

Die Konzerteinführung findet jeweils eine halbe Stunde vor Konzertbeginn statt.

: Fotografieren sowie jegliche andere Form von Bild- und Tonaufzeichnungen des Konzertes sind aus urheberrechtlichen Gründen verboten.


Programm

12. Philharmonisches Konzert Finale IGUDESMAN & JOO: BIG Nightmare Music Lucy Landymore Schlagzeug und Perkussion Marko Letonja Dirigat

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Grußwort

Sehr geehrte Damen und Herren, liebes Konzertpublikum, im Namen aller Musiker:innen möchten wir, der Orchestervorstand der Bremer Philharmoniker, Sie ganz herzlich zum heutigen Konzert, „BIG Nightmare Music“, dem Finale der Saison 21/22, begrüßen! Wir leben in einer Zeit, in der die Welt zusehends aus den Fugen gerät. Kaum scheint die Pandemie halbwegs überwunden, tobt mitten in Europa ein verheerender Krieg. Können wir in solchen Zeiten noch „wie gewohnt“ unserer Arbeit nachgehen und für Sie musizieren? Unsere Antwort darauf lautet: Nicht wie gewohnt, sondern noch viel bewusster und intensiver wollen wir Sie, liebes Publikum, in die Welt der Töne, Klänge und Emotionen entführen. Wir können nicht ausblenden, was in der Welt passiert, aber mit der Musik in unseren Konzerten schaffen wir ganz bewusst etwas, was alle Menschen jenseits von Nationalität und Herkunft erreicht und verbindet. Wir sind Ihnen dankbar, dass Sie uns in den zurückliegenden schwierigen Zeiten treu geblieben sind, die einmalige Atmosphäre zwischen Publikum und Musikern ist durch Streams nicht zu ersetzen. Eine große Veränderung prägt seit einigen Monaten unseren Alltag: Wir Bremer Philharmoniker beziehen die Halle 1 im Tabakquartier. Neben neuen Büroräumen erwartet uns dort ein wunderbarer Saal, in dem wir zukünftig proben werden. Zusätzlich zu unseren beliebten Symphoniekonzerten in der Glocke begrüßen wir Sie jetzt schon zu diversen Sonderveranstaltungen in unserem neuen Domizil. Nun aber genießen Sie mit uns ein ungewöhnliches, überaus spannendes und kreatives Konzert. Lassen Sie sich von der Virtuosität und dem Humor von Igudesman & Joo beflügeln! 04


Mit diesem Konzert verabschieden wir uns in die Sommerpause. Wir wünschen Ihnen eine gute Zeit und freuen uns darauf, Sie in der neuen Spielzeit in unseren Konzerten wiederzusehen!

Herzlich grüßt Sie der Orchestervorstand der Bremer Philharmoniker (v.l.n.r. Rudolf Lörinc, Auste Ovsiukaite, Britta Wewer, Katja Scheffler, Gregor Daul)

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Marko Letonja Dirigat


Seit Beginn der Spielzeit 2018/2019 ist Marko Letonja Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Bremer Philharmoniker. Marko Letonja ist zudem Artistic Director des Tasmanian Symphony Orchestra, an dem er zuvor von 2011 bis 2018 Chefdirigent war. Unter seiner Amtszeit gelang es ihm, das Tasmanian Orchestra auf ein neues künstlerisches Niveau zu bringen und ihm zu neuem Glanz zu verhelfen. So gewann er 2017 für die konzertante Aufführung von Wagners Tristan und Isolde mit Nina Stemme und Stuart Skelton den Helpman Award für das beste Konzert eines Symphonieorchesters. Von 2012 bis 2021 war er Chefdirigent des Orchèstre Philharmonique de Strasbourg. Zu den Höhepunkten seiner dortigen Amtszeit zählten eine Deutschlandtournee, die in hochgelobten Auftritten in der Elbphilharmonie Hamburg und der Frankfurter Oper gipfelte, sowie eine Tournee durch Südkorea und die Inszenierung von Bartóks Herzog Blaubarts Burg an der Pariser Oper. Zu den jüngsten Auszeichnungen zählte eine Inszenierung von Ginasteras Beatrice Cenci an der Opera National du Rhin, die 2019 den Grand Prix für die beste Opernproduktion des Syndicat Professionel de la Critique gewann. Als Gastdirigent arbeitet Letonja mit den Wiener Symphonikern, den Münchner Philharmonikern, dem Orchestre de la Suisse Romande, den Hamburger Symphonikern, dem Orchester Filamonica della Scala in Mailand und dem Berliner Radio-Symphonieorchester zusammen sowie mit dem Seoul Philharmonic, dem Mozarteum Salzburg, dem Stockholmer Opernorchester, dem Staatsorchester Stuttgart und tourte mit dem Orchester Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi. Mit einem vielfältigen Repertoire gastiert er des Weiteren u. a. an den Opernhäusern in Wien, Genf, Rom, Dresden, Berlin, Straßburg, München und Lissabon. Zudem ist er gern gesehener Gast in Australien und Neuseeland und wurde 2008 zum Principal Guest Conductor des Orchestra Victoria Melbourne ernannt. Letonja begann sein Studium als Pianist und Dirigent an der Musikakademie von Ljubljana und schloss es 1989 an der Akademie für Musik und Theater in Wien ab. Schon zwei Jahre später wurde er Musikdirektor der Slowenischen Philharmonie in Ljubljana, die er bis zu seiner Ernennung zum Chefdirigenten und Musikdirektor des Sinfonieorchesters und des Theaters Basel leitete. In dieser Zeit begann auch seine internationale Laufbahn als Konzertdirigent.

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IGUDESMAN & JOO


Millionen von YouTube-Zuschauern können sich nicht irren. Naja, das können sie schon, aber in diesem Fall haben sie es nicht, im Gegenteil: Mit mehr als 45 Millionen Klicks haben sie den „inspirierten Wahnsinn“ der Musiker IGUDESMAN & JOO zu einer Sensation gemacht, und das nicht nur auf virtueller Bühne, sondern auf sämtlichen Bühnen großer Konzerthäuser. Mit ihren einzigartigen und urkomischen Bühnenshows haben Aleksey Igudesman und Hyung-ki Joo die Welt im Sturm erobert. Sie verbinden Humor mit klassischer Musik und Anspielungen auf die Popkultur und fühlen sich mit ihren Shows in klassischen Konzertsälen genauso wohl wie in Stadien vor mehr als 18.000 Menschen. Sie haben mit den größten und bekanntesten Orchestern gespielt, mit den New York Philharmonic, dem Chicago Symphony Orchestra, den L.A. Philharmonic, London Philharmonic, dem Tonhalle-Orchester Zürich und Orchestra dell' Accademia Nazionale di Santa Cecilia – um nur einige davon zu nennen. Mit Witz und Virtuosität gelingt es IGUDESMAN & JOO, auch Millionen von Schülern und Studenten zu begeistern. So gewinnen IGUDESMAN & JOO ein jüngeres und breiteres Publikum für die klassische Musik, und das in einer Zeit, die für die Musikindustrie als schwierig gilt. Aleksey Igudesman und Hyung-ki Joo haben sich im Alter von zwölf Jahren an der Yehudi Menuhin School in England kennengelernt. Dank einer Portion Fish and Chips wurden die beiden Vorpubertierenden Freunde. 2004 begannen sie, ihre bahnbrechenden Shows zu erfinden, auf den Spuren von Koryphäen wie Victor Borge und Dudley Moore. Regelmäßig werden sie seitdem von einigen der renommiertesten Musiker der Welt gebeten, in das musikalische Chaos miteinbezogen zu werden. So hatten Emanuel Ax, Joshua Bell, Janine Jansen, Gidon Kremer, Mischa Maisky, Viktoria Mullova, Julian Rachlin, und Yuja Wang bereits das Vergnügen. Auch mit Schauspielern arbeiten die beiden zusammen: Mit John Malkovich entstanden das CD-Album „You Just Have to Laugh“ und das Projekt „The Music Critic“, und selbst der ehemalige James Bond, Sir Roger Moore, ist mehrfach mit den beiden für UNICEF aufgetreten. 09 9


IGUDESMAN & JOO komponieren auch selbst Film- und Konzertmusik. Ihre Werke werden sowohl von Musiker:innen als auch von Kindern auf der ganzen Welt gespielt und sind bei Universal Edition veröffentlicht. Kompositionsaufträge erhalten sie von verschiedenen Orchestern, zum Beispiel von Pittsburgh Symphony, Düsseldorfer Symphoniker, Wiener Symphoniker, Tonhalle-Orchester Zürich, New York Philharmonic, Oslo Philharmonic sowie Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra. Als Solo-Künstler arbeitete Aleksey Igudesman mit dem Oscarpreisträger Hollywood-Komponisten Hans Zimmer zusammen. Hyung-ki Joo bekam von Billy Joel den Auftrag, dessen Soloklavierkompositionen zu arrangieren und aufzunehmen; die CD landete auf Platz 1 der Billboard Charts. Hans Zimmer und Billy Joel schätzen die beiden nicht nur als wunderbare Musiker, sie unterstützten sie auch bei der Gründung von „Music Traveler“ – einer ursprünglich von Igudesman konzipierten Plattform und App für Musiker, auf der man weltweit Proberäume buchen kann. Das Duo gründete auch die Produktionsfirma „Music Traveler Productions“, um selbst originelle Beiträge für Film und Fernsehen produzieren zu können. Zusätzlich zu ihren eigenen Produktionen treten IGUDESMAN & JOO in zahlreichen anderen Filmen auf wie z.B. „Everything You Always Wanted to Know About Classical Music“, „Pianomania“ und „Noseland“, der auch mit einem Award ausgezeichnet wurde. Außer den Tourneen mit den Duo-Shows „A Little Nightmare Music“ und „AND NOW MOZART“, „Play it Again“ sowie den Shows mit Symphonieorchestern wie „BIG Nightmare Music“, „UpBeat“ und vielen anderen, veranstalten sie auch gerne Workshops und Meisterkurse. Diese Begegnungen sind für die Studierenden inspirierend, dort erhalten sie das Selbstvertrauen, neue Wege für ihre eigenen musikalischen Reisen zu beschreiten. Im Herbst 2019 gab es etwas ganz Neues von IGUDESMAN & JOO: Sie haben ein Buch geschrieben. „Rette die Welt“ ist im Oktober 2019 in der edition-a erschienen. IGUDESMAN & JOO zeigen auf, wie die Welt mit Kreativität und Humor gerettet werden kann. Die Show zum Buch „Die Rettung der Welt“ feierte ihre deutsche Erst10


aufführung im Konzerthaus Dortmund mit anschließender Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Pünktlich zum Jubiläumsjahr in 2020 erfreuten IGUDESMAN & JOO die Musikwelt mit zwei neuen Shows, die sie ihrem großen Helden Ludwig van Beethoven widmen: als Duo in „And Now Beethoven“ und mit Symphonieorchester in „Beethoven's Nightmare“, einem Auftragswerk von Oslo Philharmonic, WDR, NDR Radiophilharmonie und Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra. Dazu kamen jüngst begeisternde Aufführungen mit dem Filmorchester Babelsberg und den Wiener Symphonikern. Highlights aus beiden Shows finden sich auch in „Breaking Beethoven“ wieder, einem Dokumentarfilm, bei dem Aleksey Igudesman Regie führte und der von WDR, ORF und der eigenen Produktionsfirma des Duos „Only Hands Small Productions“ produziert wurde. Seit 2021 kuratieren IGUDESMAN & JOO in der Tonhalle Düsseldorf eine neue Konzertreihe „STARs ’n‘ FREEks“. In diesem einzigartigen Konzertformat bieten sie Künstlern eine Plattform, die ihre besonderen und irrwitzigen Talente bisher hauptsächlich im Internet oder auf der Straße, aber selten in einem Konzertsaal präsentieren konnten. Der jüngste kulturelle Stillstand hielt IGUDESMAN & JOO nicht davon ab, neue Shows und Inhalte zu entwickeln. Im Gegenteil: Derzeit arbeiten sie an der DuoShow „And Now Rachmaninov“ und der Orchester-Show „Rachmaninov Rhapsody“, um den 150. Geburtstag des genialen Komponisten in 2023 (und darüber hinaus) gebührend zu feiern. Und in 2022 wird „Mambo Jambo“ gemeinsam mit zwei Königinnen der musikalischen Virtuosität, der Multipercussionistin und Komponistin Lucy Landymore sowie der Pianistin und Sängerin Yu Horiuchi Premiere feiern. Digital können Fans den beiden bei ihrem monatlichen Livestream Broadcast „How to Fail & Succeed“ auf deren YouTube Kanal, bei Facebook oder auf Musik Traveler TV folgen. Aleksey Igudesman und Hyong-ki Joo tragen Kleidung von CLEOFE FINATI – Haute Couture 100% made in Italy. www.igudesmanandjoo.com 11


Aleksey Igudesman Violine Alesksey Igudesman wurde in sehr jungen Jahren in Leningrad geboren. Er ist bekannt als Geiger, Komponist, Dirigent, Komiker, Filmemacher, Schauspieler, Schriftsteller, Dichter und Unternehmer, aber seine heimliche Leidenschaft ist das Kochen, das Essen in luxuriösen Restaurants und das Schreiben von Bewertungen auf Tripadvisor. Er hat noch nie einen Wettbewerb gewonnen, vor allem, weil er nie an einem teilgenommen hat. Während seines Studiums an der Yehudi-Menuhin-Schule las er sämtliche Stücke von Shaw, Wilde und Tschechow, was sein Geigenspiel zwar nicht verbesserte, ihm aber dummerweise das Gefühl gab, anderen intellektuell weniger begabten, aber härter übenden Kollegen irgendwie überlegen zu sein. Nach seinem Geigenstudium bei dem renommierten Pädagogen Boris Kuschnir in Wien begann er eine erfolgreiche Karriere mit Konzerten in der ganzen Welt und komponierte Musik für Filme und Menschen. Aleksey Igudesman spielt mit einem Bogen des Bostoner Bogenbauers Benoît Rolland auf einer Santo Seraphin Violine aus dem Jahr 1717, die ihm freundlicherweise von der ERSTE BANK zur Verfügung gestellt wird. Seine bevorzugten Saiten sind von Thomastik-Infeld. 12


Igudesman schreibt sehr viel Musik. Es ist bekannt, dass er Werke vor dem Frühstück beginnt und beendet. Was vielleicht weniger beeindruckend ist, wenn man bedenkt, dass er manchmal abends frühstückt. Seine Kompositionen sind bei der Universal Edition erschienen und wurden weltweit von Solisten, Ensembles und Orchestern wie den New Yorker Philharmonikern und den Wiener Symphonikern aufgeführt, oft unter seiner Mitwirkung als Soloviolinist und Dirigent. Igudesman hat mehrere Film-Soundtracks geschrieben und als Solist mitgewirkt. Besonders eng hat er mit dem Oscarprämierten Filmkomponisten Hans Zimmer bei zahlreichen Filmen zusammengearbeitet, darunter "Sherlock Holmes", der eine Oscar-Nominierung für die beste Originalmusik erhielt. Zu Igudesmans Kompositionsaufträgen gehören ein ganzer Abend für das Tonhalle-Orchester Zürich, ein Stück für zwei Violinen und Orchester für Vadim Repin und Clara-Jumi Kang sowie ein Werk für Violine solo und 100 Violinisten für Daniel Hope, außerdem zahlreiche Veröffentlichungen bei der Universal Edition und Modern Works. Neben ausgedehnten Tourneen mit IGUDESMAN & JOO tritt er mit seiner Soloshow "Fasten Seat Belts" weltweit auf. Aleksey Igudesman führte Regie, produzierte und spielte die Hauptrolle in der abendfüllenden Komödie/ Dokumentation "Noseland", in der u. a. Julian Rachlin, John Malkovich und Sir Roger Moore mitspielen. „Noseland“ wurde auf 14 Festivals auf der ganzen Welt uraufgeführt und gewann den Preis für den unterhaltsamsten Dokumentarfilm auf dem Doc Miami International Film Festival. Igudesman kreierte und tourte mit "The Music Critic" - einem sardonischen Mix aus den bösartigsten Musikkritiken der letzten Jahrhunderte, die über einige der größten Musikwerke geschrieben wurden. John Malkovich schlüpft in die Rolle des bösen Kritikers, der die Musik von Beethoven, Chopin, Prokofjew (und Co.) für langweilig und öde hält. Aleksey Igudesman ist außerdem Mitbegründer von „Music Traveler“, einer App und Online-Plattform, die es Musikern ermöglicht, überall und jederzeit Übungsräume zu buchen. www.alekseyigudesman.com 13


Hyong-ki Joo Klavier Hyung-ki Joo wurde geboren. Er ist Brite, sieht aber koreanisch aus, oder andersherum, oder beides. Im Internet wird nach #Hyung-ki_Joo unter anderem gesucht: #Komponist, #Pianist, #Dirigent, #InspiringStudents, #YouTubeSensation, #KaratePiano, #FastestToothbrushherInTheWorld, #WatchedMissionImpossibleEightTimesInARow, #TaylorSwift'sSecretAsianFantasy, #Pomegranate, und #Aadvark. Hyung-ki, ausgesprochen forever, YOUNG-KEY mit einem "H" davor, ist auch der einzige koreanische Jude (buchstabiert J-O-O) der Welt. Im Alter von achteinviertel Jahren begann er mit dem Klavierunterricht, und zwei Jahre später erhielt er einen Platz an der Yehudi Menuhin School. Dort entdeckte er, dass er zu den Genies und Wunderkindern gehörte, und war überzeugt, dass man ihn von der Schule werfen würde. Letztendlich wurde er nicht hinausgeworfen, aber Lehrer und Mitschüler wie Aleksey Igudesman traten ihn an verschiedenen Stellen seiner Anatomie, so dass die Zukunft etwaiger Nachkommen ziemlich düster aussah. Wie schwierig diese sieben Jahre an der Schule auch gewesen sein mögen, sie 14


haben seine Liebe zur Musik nur noch verstärkt, und einige Zeit nach seinem Abschluss wurde er von Yehudi Menuhin selbst ausgewählt, als Solist bei seinem Konzert zum achtzigsten Geburtstag in der Barbican Hall in London aufzutreten. Auf dem YouTube-Kanal von Hyung-ki Joo können Sie einen kleinen Clip von den Proben der beiden sehen. Hyong-ki Joo spielt auf Steinway Flügeln. Als Komponist wurden seine Werke von Orchestern wie dem New York Philharmonic und dem London Philharmonic sowie der Komischen Oper Berlin aufgeführt und von Künstlern wie Shani Diluka und dem Ahn Piano Trio aufgenommen. Seine Musik wurde von der Universal Edition und Modern Works veröffentlicht. Seine Liebe zur Kammermusik führte zur Gründung eines Klaviertrios mit dem Geiger Rafal Zambrzycki-Payne und dem Cellisten Thomas Carroll. Ihre siebenjährige Zusammenarbeit gipfelte in einer von der Kritik hochgelobten Einspielung von Klaviertrios von Brahms und Bridge. Weitere Kammermusikpartner waren Renaud Capuçon, Martin Fröst, Janine Jansen, Dame Felicity Lott, Mischa Maisky, Julian Rachlin, Radovan Vlatkovic, das Belcea Quartett und Mitglieder des Alban Berg, Meta4 und Ebène Streichquartetts. Hyung-ki hat kleine Hände (aber nur kleine Hände) und findet daher einige Klavierwerke ziemlich schwierig zu spielen, wie z. B. die Musik von Rachmaninov, der Big Hands hatte. Sehen Sie sich „Rachmaninov Had Big Hands“ auf YouTube an. Dennoch wählte Billy Joel, Singer-Songwriter-Legende und Piano Man höchstpersönlich, Hyung-ki aus, um sein letztes Album "Fantasies and Delusions" zu arrangieren und aufzunehmen - ein Album mit Solo-Klavierstücken, die als Hommage an den klassischen Stil geschrieben wurden. Das Album hielt sich 18 Wochen lang auf Platz 1 der Billboard-Charts. In seinen Workshops "Beyond the Practice Room" hilft Joo anderen Musikern, weniger bekannte Bereiche der musikalischen Ausbildung zu erkunden. Neben seiner Tätigkeit als Musiker und Komponist plant Joo, einen großen Teil seiner Zeit dem Dirigieren und der Arbeit mit Jugendund Studentenorchestern zu widmen. www.hyungkijoo.com 15


Gedankensplitter „E” – „U” oder „Ü” ?

„Ja, ich bin ein Liebhaber der Musik, – womit nicht gesagt sein soll, dass ich sie sonderlich achte, – so etwa, wie ich das Wort achte und liebe, den Träger des Geistes, das Werkzeug, die glänzende Pflugschar des Fortschritts … Musik … sie ist das halb Artikulierte, das Zweifelhafte, das Unverantwortliche, das Indifferente. Vermutlich werden Sie mir einwenden, dass sie klar sein könne. Aber auch die Natur kann klar sein, auch ein Bächlein kann klar sein, und was hilft uns das? Es ist nicht die wahre Klarheit, es ist eine träumerische, nichtssagende und zu nichts verpflichtende Klarheit, eine Klarheit ohne Konsequenzen, gefährlich deshalb, weil sie dazu verführt, sich bei ihr zu beruhigen … Lassen Sie die Musik die Gebärde der Hochherzigkeit annehmen. Gut! Sie wird damit unser Gefühl entflammen. Es kommt jedoch darauf an, die Vernunft zu entflammen! Die Musik ist scheinbar die Bewegung selbst, – gleichwohl habe ich sie im Verdachte des Quietismus. Lassen Sie mich die Sache auf die Spitze stellen: Ich hege eine politische Abneigung gegen die Musik. […] Die Musik weckt die Zeit, sie weckt uns zum feinstem Genusse der Zeit, sie weckt … insofern ist sie sittlich. Die Kunst ist sittlich, sofern sie weckt. Aber wie, wenn sie das Gegenteil tut? Wenn sie betäubt, einschläfert, der Aktivität und dem Fortschritt entgegenarbeitet? Auch das kann die Musik, auch auf die Wirkung der Opiate versteht sie sich aus dem Grunde. Eine teuflische Wirkung, meine Herren! Das Opiat ist vom Teufel, denn es schafft Dumpfsinn, Beharrung, Untätigkeit, knechtischen Stillstand … Es ist etwas Bedenkliches um die Musik, meine Herren. Ich bleibe dabei, dass sie zweideutigen Wesens ist. Ich gehe nicht zu weit, wenn ich sie für politisch verdächtig erkläre.“ Die Worte des Humanisten Lodovico Settembrini in Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ sind hinreichend bekannt. Und sie sind symptomatisch. Das Primat der geistvollen Schönheit der Klänge war lange Zeit unangefochten in der Kulturlandschaft. Es gab „U“ und es gab „E“. Und dazwischen gab es lange Zeit 16


nichts. Settembrini will einen erzieherischen Einfluss auf Hans Castorp, den Protagonisten des Zauberbergs, ausüben. Und dieser erzieherische Einfluss hallt bei vielen Hohepriestern der Hochkultur und des Großen, Schönen und Wahren immer noch nach. Szenenwechsel I. „Die Trennung von E- und U-Musik muss fallen“, sagte Robert Habeck, damals noch Chef der Grünen, in einem Interview mit der deutschen Ausgabe des Rolling Stone Magazins. In dem Interview ging es um die Folgen der Pandemie und um ein Problem, vor dem gerade Künstler und Musiker stehen: Viele Kreative und Freiberufler haben kaum laufende Kosten, sie brauchen aber dennoch Einnahmen, von denen sie leben können. Hilfen blieben ihnen deshalb oft verwehrt oder sie mussten sie wieder zurückzahlen. Aber wovon?

„Die Trennung von E- und U-Musik muss fallen.“ Wie dem auch sei, recht hatte Habeck so oder so: „Die Trennung von E- und U-Musik muss fallen.“ Denn wo liegt der Unterschied zwischen Edgard Varèse und Frank Zappa, zwischen Karlheinz Stockhausen und Kraftwerk oder zwischen einem lokal berühmten Singer-Songwriter und einem weltberühmten Jet-Set-Solisten? Professionelle Musiker sind im Zweifelsfall beide.

„Mozart oder Haydn hätten sich sehr gewundert, wenn man ihre Musik als 'nicht unterhaltsam' bezeichnet hätte“ Wie problematisch die Trennung in „U“ und „E“ ist, zeigt auch der Komponist Moritz Eggert, seines Zeichens ein virtuoser Grenzgänger zwischen den Genres: „Der Begriff 'Ernste Musik' ist ein (schlechter) Hilfsbegriff um bestimmte Arten von Musiken zu beschreiben. Natürlich gibt es unterhaltsame E-Musik und sogar auch 'ernste' U-Musik. Die Filmmusik eines Horrorfilms will zum Beispiel ganz sicherlich nicht 'unterhaltsam sein', sondern das Gefühl einer Bedrohung 17


vermitteln, und Mozart oder Haydn hätten sich sehr gewundert, wenn man ihre Musik als 'nicht unterhaltsam' bezeichnet hätte, sie wären beleidigt gewesen. Selbstverständlich kann also E-Musik 'unterhalten.'“

„Die Aufteilung ist ein Relikt aus den 1920er-Jahren“ Die Trennung von E- und U-Musik hat zwar eine lange Geschichte, gänzlich unumstritten war sie aber nie. E-Musik steht für „Ernste Musik“, U-Musik dagegen – gerne mal mit einem leicht despektierlichen Unterton – für „Unterhaltungsmusik“. Die Aufteilung ist ein Relikt aus den 1920er-Jahren, als man sie aus verwaltungstechnischen Gründen für die Wahrung der Urheberrechte durch die Verwertungsgesellschaften (GEMA und Rundfunk) einführte. Dass Erstere ein höheres Renommee als Letztere besitzt, schien im Lande der Dichter und Denker lange Zeit ein unumstößliches Dogma zu sein. Und die vermeintliche Hochkultur? Die hat gerade in Corona-Zeiten nicht selten selbst zu kämpfen, wird oft nur als Ornament und schmückendes Beiwerk angesehen. Die Unterscheidung in „U“ und „E“ hält sich dennoch hartnäckig, auch bei den Verwertungsgesellschaften. Ist das die vielbeschworene Macht der Gewohnheit? Vielleicht wäre ein Kompromiss möglich? „Ü“-Musik? Szenenwechsel II. Paris. Mitte der 1990er Jahre. Der große Konzertsaal des traditionsreichen Maison de Radio France. Ein Konzert mit Werken von Mauricio Kagel. Zu Beginn ist die Bühne leer, nur ein Cembalo steht in der Mitte. Die Bühnentür öffnet sich.

„Ist das nur ein Jux? Oder ist das Musik? Kagel würde sagen: Ja sicher, was denn sonst!“ Heraus prescht eine schreiende Sängerin, die hochfrequente Laute von sich gibt. Eine reichlich absurde Vorstellung. Plötzlich hält die Sängerin inne und drischt auf das Cembalo ein. Einzelne Akkorde. Manchmal 18


singt sie dazu. Und irgendwann ist das Stück vorbei. Ist das nur ein Jux? Oder ist das Musik? Kagel würde sagen: Ja sicher, was denn sonst! Schließlich hat er dieses Werk namens „Recitativarie“ eigens dafür konzipiert. Spaß und Musik schließen sich bei Kagel eigentlich nie aus. Der Schalk saß dem argentinischen Komponisten, der lange Jahre Professor an der Kölner Musikhochschule war, immer im Nacken. 2008 ist Kagel gestorben, aber seine Werke gehören immer noch zu den originellsten Beiträgen der sogenannten Neuen Musik. Ein Diktum von ihm, das er anlässlich der Eröffnung der Kölner Philharmonie gesagt haben soll: „Musik zu hören ist nicht schwer. Es sei denn, man hört zu.“ Aber manchmal ist Musik auch einfach nur zu einem „Zweck“ da: zum Spaß haben und zum Amüsieren.

Guido Krawinkel studierte in Bonn Musikwissenschaften, Französisch, Kommunikationsforschung und Philosophie. Als freier Musikjournalist arbeitet er u.a. für den Bonner Generalanzeiger, NMZ, Crescendo, Klassik-Heute, die Bamberger Symphoniker und die Elbphilharmonie.

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Phil Einblicke

Melanie Tesch neu im Team Das Büroteam der Bremer Philharmoniker freut sich über eine neue Kollegin: Melanie Tesch ist nach bestandener Probezeit ab sofort für den Bereich Veranstaltungsmanagement und Digitale Kommunikation verantwortlich – herzlich willkommen bei den Bremer Philharmonikern! Sie ist in die Veranstaltungsplanung involviert und sorgt für einen reibungslosen Konzertablauf. Für Kooperationspartner, Konzerthäuser und andere Veranstalter ist die gelernte Veranstaltungskauffrau Ansprechpartnerin für alle technischen Belange und hat alle organisatorischen und logistischen Abläufe im Blick. Mit ihren umfangreichen Erfahrungen im Eventbereich und ihrer guten Vernetzung in die Bremer Kulturszene behält sie auch in turbulenten Situationen einen kühlen Kopf und findet auch für alle unvorhersehbaren Probleme eine Lösung. Zusätzlich ist Melanie Tesch für den Online-Auftritt der Bremer Philharmoniker verantwortlich, was die Pflege der Social Media Kanäle sowie die Administration der Homepage beinhaltet. Mit unterhaltsamen Stories auf Instagram gibt sie dabei vergnügliche Einblicke hinter die Kulissen des Orchesters und hält auf Facebook alle Freundinnen und Freunde der Bremer Philharmoniker über Konzerte und sonstige Aktivitäten auf den aktuellen Stand. 20


Bremen ist unsere Bühne – Vorhang auf für unser neues Programm!

Jetzt bestellen: besucherservice@bremerphilharmoniker.de


Vorschau

Seebühne Opening 2022 Fr 1.7.2022 20:00 Seebühne Rhythm of Life 2022 Songs von Oleta Adams Werke von Aram Chatschaturjan (1903–1978), Amilicare Ponchielli (1834–1886), Enrico Morricone (1928–2020) : Steffen Drabek, Dirigat Oleta Adams, Gesang

Dritter Symphonic Mob in Bremen Sa 9.7.2022 11:00 Probe / 12:00 Konzert Weserpark, Lichthof Ihr spielt die Musik! Werke von Edward Elgar (1857–1934) und Edvard Grieg (1843–1907) Marko Letonja, Dirigat : Großes Spontanorchester mit Bremer Philharmonikern und Profis, Hobby- und Hausmusiker:innen, Schüler:innen und Studierende Online-Anmeldung und Notenmaterial: www.symphonic-mob.de 22


Saisonpräsentation So 10.7.2022 11:00 Die Glocke So klingt die Konzertsaison 2022/2023 bei den Bremer Philharmonikern : Marko Letonja, Dirigat Überraschungsgast aus der Konzertsaison 2022/2023

Karten-Vorverkauf

Impressum

Ticket-Service in der Glocke Domsheide 6–8, 28195 Bremen Öffnungszeiten Mo–Fr 12:00–18:00, Sa 11:00–14:00 Tel. 0421/336699 ticketverkauf@glocke.de

Herausgeber Bremer Philharmoniker GmbH Am Tabakquartier 10, 28197 Bremen info@bremerphilharmoniker.de www.bremerphilharmoniker.de Intendant Christian Kötter-Lixfeld Gestaltung Sarah Volz Texte Guido Krawinkel, Barbara Klein Redaktion Barbara Klein Fotos Lenamaria Kühner (5), Gregory Massat (6, 23), Julia Wesely (8, 12, 14), privat (19), Caspar Sessler (20), Oleta Adams (22), Bremer Philharmoniker (22)

Nordwest-Ticket Kartenshop im Pressehaus Bremen Martinistraße 43, 28195 Bremen Öffnungszeiten Mo–Fr 9:00–18:00, Sa 9:30–14:00 Tel 0421/363636 bestellung@nordwest-ticket.de Weitere Vorverkaufsstellen KPS Tickets, Karstadt TSC Ticket & Touristik-Service-Center GmbH Platzgenau online buchen und Karten einfach selbst ausdrucken www.bremerphilharmoniker.de

Nachdruck verboten Wir danken den beteiligten Künstleragenturen und Fotografen für die freundliche Unterstützung.

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