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> 2. philharmonisches konzer t

saison 2016/2017

mikhail agrest Dirigent

OHNE WORTE ‌


inhalt 03 vorwort 05 programm 06 d irigent 07 solist 08 k urzeinführung 09 w erkeinführung 20 interview mit andrei korobeinikov 27 phil einblicke 32 pro phil 34 vorschau

Die Konzerteinführung findet jeweils eine halbe Stunde vor Konzertbeginn statt. Fotografieren sowie jegliche andere Formen von Bild- und / oder Tonaufzeich­ nungen des Konzertes sind aus urheberrechtlichen Gründen verboten.


liebes konzer tpublikum, liebe freunde und freundinnen d e r b r e m e r p h i l h a r m o n i k e r, vor etwas mehr als vier Jahren gab ich mein Debüt bei den Bremer Philharmonikern und schlug damit ein neues Kapitel in meinem musikalischen und persönlichen Leben auf. Ich habe mich sofort in die Stadt verliebt, in deren lange Geschichte und das moderne Lebensgefühl, in die ­A rchitektur, die Landschaft. Ich denke, wir haben eine sehr spezielle Beziehung aufgebaut, Werke von B ­ artók, Rachmaninov, Elgar und Strawinsky gemeinsam erar­bei­tet, und nun möchte ich mich an mehr Komponisten heranwagen, die eine besondere Bedeutung für mich haben. Schostakowitsch war ein Chronist seiner Zeit, und seine düstere und erschreckende Musik ist Zeugnis einer Zeit, in der Millionen von Menschen in den Gulags verschwanden. In seiner Jugend aber war er ein stürmischer Junge mit großem Humor, der seine musikalische Rafinesse schärfte, indem er Stummfilme am Klavier in den Kinos von St. Petersburg begleitete. Diese andere Seite von Schostakowitsch erglänzt in seinem 2. Konzert für Klavier und Orchester, geschrieben für seinen 19 Jahre alten Sohn Maxim, ein Stück voll von jugend­ licher Energie, Humor und Witz. Es gibt keine versteckten, verschlüsselt politischen Nachrichten in diesem Werk. Stattdessen, mit einer gehörigen Portion Humor, baut er im letzten Satz die berühmten »Hanon Klavierlektionen« ein, der »einzige Weg, um meinen Sohn Maxim sie üben zu lassen«. Ganz erfüllt von Leichtigkeit ist Ouvertüre, Scherzo und Finale, komponiert von Schumann in einem Geistesblitz. 3


Zuerst »Symphonette« genannt, unterstrich er damit den besonderen »leichten, freundlichen, zärtlichen und fröhlichen Charakter«, wie er selbst schrieb. Die 5. Symphonie von Tschaikowsky leidet unter ihrer eigenen Popularität. Ihren »Greatest Hit«-Status außer acht lassend, ist sie der Höhepunkt von Tschaikowskys Schaffen. In dieser Symphonie gelang es Tschaikowsky, sein einzigartiges Talent, eine schier unerschöpfliche Quelle russischer Poesie, mit seinem Verlangen nach österreichisch-deutscher Einheit von Form und Struktur zu vereinen. Das Schicksalsmotiv, zentrales Element von Tschaikowskys Werken dieser Periode, hält die Symphonie zusammen wie ein Faden, es taucht in jedem Satz in verschiedenen Verkleidungen wieder auf. An diesem Faden hängt eine ganze Welt von Verlangen, Angst, Ringen, Freude, einfacher Naturverbundenheit und vie len weiteren menschlichen Emotionen. Das macht eine Aufführung dieses Werks zu einem transzendentalen Erlebnis. Diese Symphonie war es, die den Wunsch in mir weckte, Dirigent zu werden, und ich bin begeistert von der Möglichkeit, ihre Schönheit und Dramatik mit dem Publikum und dem Orchester in Bremen teilen zu dürfen. Mikhail Agrest

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2.

Mo 24.10.2016 20 Uhr > Di 25.10.2016 20 Uhr > Glocke

OHNE WORTE …

Robert Schumann (1810–1856) OUVERTÜRE, SCHERZO UND FINALE E-DUR op. 52 17’ > O uvertüre. Andante con moto – Allegro – Un poco più animato > Scherzo. Vivo > Finale. Allegro molto vivace

Komponiert vom 12. April bis Ende August 1841; revidiert 1845 und 1853 UA der ersten Fassung am 6. Dezember 1841 in Leipzig, der revidierten Fassung am 4. Dezember 1845 in Dresden

Dmitrij Schostakowitsch (1906–1975) KONZERT FÜR KLAVIER UND ORCHESTER NR. 2 F-DUR op. 102 19’ > Allegro > Andante > Allegro Komponiert Januar bis 5. Februar 1957 UA am 10. Mai 1957 in Moskau

Pause Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840–1893) SYMPHONIE NR. 5 E-MOLL op. 64 48’ > Andante – Allegro con anima > Andante cantabile, con alcuna licenza > Valse. Allegro moderato > Finale. Andante maestoso – Allegro vivace Komponiert 31. Mai bis 26. August 1888 UA am 17. November 1888 in St. Petersburg

Andrei Korobeinikov, Klavier Mikhail Agrest, Dirigent

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mikhail agrest Dirigent

In St. Petersburg (früher: Leningrad) geboren, wanderte Mikhail Agrest mit seiner Familie 1989 in die USA aus. Er studierte an der Indiana University School of Music bei Josef Gringold, nachfolgende Dirigierstudien führten ihn zurück in seine Heimatstadt zu Ilya Musin. Ab 2001 war er am MariinskijTheater tätig, mit dessen Ensemble er weltweit auftrat. Mikhail Agrest dirigierte u. a. die Dresdner Philharmonie, das BBC Symphony Orchestra, die Stockholmer Philharmoniker, die St. Petersburger Philharmoniker, das London Philharmonic, das City of Birmingham Symphony Orchestra sowie die Orchester von Indianapolis, Seattle und Houston; seine Operndirigate führten ihn nach Dresden, Berlin, Helsinki, Stockholm, Zürich, Lyon und Neapel. Er war bereits zweimal zu Gast bei den Bremer Philharmonikern. <<< 6


andrei korobeinikov

Klavier

Der 1986 geborene Andrei Korobeinikov schloss sein Studium am Moskauer Konservatorium im Alter von 19 Jahren mit Auszeichnung ab. Danach studierte er am Royal College of Music in London. Er war Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe. Seine Konzerteinladungen führten ihn durch ganz Europa. Er spielte mit Dirigenten wie Iván Fischer, Vladimir Ashkenazy und Antoni Wit. Als Kammermusikpartner tritt er mit Alexan­der Kniazev, Vadim Repin u. a. auf. Seine CD-Aufnahmen enthalten Werke von Skrjabin und Schostakowitsch. Der viel­seitig begabte Andrei Korobeinikov hat ein Jura-­Studium an der European University Moskau abgeschlossen und komponiert neben seiner regen Konzerttätigkeit. Mit dem heutigen Konzert gibt er sein Debüt bei den Bremer Philharmonikern. <<< 7


phil fakten • Um Tschaikowskys Tod ranken sich viele Legenden: Angeblich wurde er von einem »Ehrengericht« der St. Petersburger Rechtsschule, jener Schule, an der er von 1850 bis 1859 studierte, wegen seiner Homosexualität zum Selbstmord zur Rettung seiner Ehre verurteilt. Dieser Theorie folgend hat er sich mit einer Dosis Arsen das Leben genommen. Eine andere Variante beschreibt, dass er sich mit Cholera infiziert hatte: Tschaikowskys Bruder Modest berichtet, dass er ein Glas nicht abgekochten Wassers in einem Restaurant getrunken habe. • Auch über Robert Schumanns Ende wird spekuliert: Als am Wahrscheinlichsten wird angenommen, dass er an den Spätfolgen einer Syphilis-Infektion litt, die seinen Geistes­ zustand schwer beeinträchtigte. Im Jahre 1854 sprang er, um sich das Leben zu nehmen, von der Oberkasseler Pontonbrücke in den Rhein, wurde aber vom Brückenmeister und anderen gerettet. 14 Tage später ließ er sich auf eigenen Wunsch in die »Anstalt für Behandlung und Pflege von ­Gemütskranken und Irren« in Endlich einweisen, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Schlussendlich ­führte wohl eine schwere Lungenentzündung dazu, dass er in der besagten Anstalt im Alter von nur 46 Jahren verstarb. • Dmitrij Schostakowitsch kam im selben Jahr (1906) wie die berühmte Sängerin und Tänzerin Josephine Baker zur Welt – und ist im selben Jahr wie sie (1975) gestorben. 

Ingo J. Jander

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robert schumann OUVERTÜRE, SCHERZO UND FINALE E-DUR op. 52

In Robert Schumanns Œuvre lassen sich bestimmte Gattungen bestimmten Jahren zuordnen. So ist die Periode zwischen 1833 und 1839 vom Komponieren großer Klavierzyklen geprägt, 1840 gilt als Schumanns »Lieder-Jahr«, 1841 war dann wiederum sein »symphonisches Jahr«. Kurz nach der erfolgreichen Uraufführung seiner Ersten Symphonie begann Schumann mit dem Komponieren von Ouvertüre, Scherzo und Finale: Am 12. April 1841 skizzierte er die Ouvertüre, fünf Tage später war der Satz fertig instrumentiert, und am 8. Mai »stand« das ganze Stück; im August unternahm er noch einige Korrekturen. 9


Die Uraufführung fand am 6. Dezember 1841 im Leipziger Gewandhaus statt und erntete wohlwollende wie auch kritische Reaktionen. »Alles ist so gedrängt und gehäuft und scheint mehr ergibiger Entwurf als vollendete Ausführung, mit einem Worte, etwas noch nicht Fertiges zu sein«, urteilte der Rezensent der »Allgemeinen Musikalischen Zeitung« (15. Dezember 1841). Vier Jahre später unternahm Schumann gründliche Änderungen an seiner Komposition (das Finale erfuhr dabei eine vollständige Neuschrift). In dieser Gestalt erklang das Werk am 4. Dezember 1845 in Dresden. Aber selbst bis zur Veröffentlichung der Partitur (1853) feilte Schumann immer wieder an seinem Stück. Was war aber in diesem Werk »noch nicht Fertiges«? ­Schumann nannte zwar sein Stück in seinem Brief vom 5. November 1842 an den Verleger Hofmeister seine »Zweite Symphonie« – doch er hielt die Ouvertüre für ein eigenständiges, das heißt, auch einzeln aufführbares Stück, und das Scherzo nannte er einmal »Intermezzo«. Dies erklärt die einzigartige Gestalt der Komposition: Ouvertüre, Scherzo und Finale ist eine Mischung von »Charakterstücken« mit einem symphonischen Anspruch hinsichtlich der Form der einzelnen Sätze sowie jener motivischen Zusammenhänge, die die drei Sätze miteinander verbinden. Die Ouvertüre ist mit der elfenhaften Musik des Sommernachtstraums von Felix Mendelssohn Bartholdy oder mit der Feenwelt der Oper Oberon von Carl Maria von Weber eng verwandt. Gleichwohl wurzelt sie in der Form eines sym­ phonischen Eröffnungssatzes: Der langsamen Einleitung (e-Moll) folgt ein in Sonatenform angelegter Hauptteil (E-Dur), in dem heitere, lyrische und dann wieder drama­ tische Stimmungen sich abwechseln.

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Das Scherzo wird durch einen punktierten, galoppierenden Rhythmus im 6/8-Metrum beherrscht; das Trio bietet dazu einen zarten, pastoral anmutenden Kontrast. Nach der Wiederkehr des Scherzo-Hauptteiles bringt Schumann noch einmal kurz das Trio-Thema, in der Coda zitiert er das Hauptthema der Ouvertüre. Das Finale beginnt mit marschartigen Tönen und mit einem rhythmischen Geflecht, das Triolen und Duolen (= Dreierund Zweier-Rhythmen) parallel verwendet und damit für eine Spannung zwischen verschie­denen rhythmisch-metrischen Akzenten sorgt. Lyrische Themen wie auch eine Fuge dürften in so einem »krönenden« A ­ bschluss ebenso wenig fehlen wie ein strahlender Choral in der Coda als feierliche Apotheose. <<<

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dmitrij schostakowitsch KLAVIERKONZERT NR. 2 F-DUR op. 102

Als Geschenk zum 19. Geburtstag seines Sohnes Maxim komponierte Dmitrij Schostakowitsch sein Zweites Klavierkonzert. Maxim war auch der Solist bei der Uraufführung des Werkes (10. Mai 1957 in Moskau). Es war Schostakowitschs zweiter Beitrag zur Gattung Klavierkonzert, und nach seinem ersten, höchst originellen Klavierkonzert mit Trompetensolo op. 35 (1933) überraschte das Zweite die Zuhörer wohl durch seinen scheinbar »leichten«, einfachen Ton. War das Werk also »nur« ein gefälliges Geschenk für den geliebten Sohn? Die spätere, weltweite Karriere von M ­ axim Schostakowitsch bezeugt, dass er sich als Interpret (vor allem als Dirigent) durchaus vom Schatten des Vaters loszulösen vermochte. Vielmehr lässt sich der Tonfall des Zweiten ­Klavierkonzertes durch die damals herrschende ästhetischmusikalische Ideologie der Sowjetunion erklären: Die dortige Jugend sollte mit leicht verständlichen und vor allem optimistisch ausklingenden Stücken erzogen werden. Unnötig ist es zu betonen, dass Schostakowitsch (wie auch etwa sein Komponistenkollege Sergej Prokofjev) diese Doktrinen zwar scheinbar berücksichtigte, jedoch immer wieder in eine zwiespältige Stimmung einbettete. Was ist nun beim Zweiten Klavierkonzert »ernst gemeint«, oder, im Gegensatz, latent humorvoll, ja zynisch? Schostakowitsch hat später behauptet, dieses Werk besitze »keinerlei künstlerisch-ideellen Wert«, doch dies trifft wahrhaft nicht zu. Vielmehr ist das Konzert durch eine stete musi­ kalische Lichtbrechung zwischen scheinbar hehren, ja 13


naiv-zuversichtlichen, dann aber doch trivialen und grotesken Momenten durchdrungen. Zahlreich sind dabei die Vorbilder. So klingt das Hauptthema des ersten Satzes wie eine optimistische Pionierfanfare, in der allerdings Allusionen auf Strawinskys Petruschka wie auch auf den wahrhaft nicht ungetrübten Marsch im dritten Satz der Symphonie Nr. 6 von Tschaikowsky gleichermaßen durchschimmern. Das Seitenthema erinnert wiederum an die melancholischen Themen eines Rachmaninov, und diese zart-nostal­gische, beinahe sentimentale Atmosphäre greift Schostakowitsch auch im zweiten Satz, einem in dreiteiliger Liedform verfassten Andante, auf. Am Schluss dieses langsamen Satzes verharrt das Soloklavier auf dem Ton »c«, wiederholt ihn immer wieder, quasi zerbröckelnd, um danach, in dem unmittelbar sich anschließenden Finale, gerade auf diesem Ton ein verspielt-lustiges Thema zu entwickeln. Verspielt und lustig ist allerdings dieses Allegro nur so wie etwa eine Akrobatennummer im Zirkus: scheinbar leicht, aber voller Risiken des Absturzes. So wird der ganze Satz durch ein Thema geprägt, das im 7/8-Metrum steht, durch ein Motiv, das stets wie »unausgeglichen« klingt, eben wie ein Balanceakt. Ein musikalischer Seiltanz ohne Sicherheitsnetz, eine täuschende Einfachheit und Leichtigkeit, hinter der wahrhaftig Lebensgefahr steht – dies war in der damaligen Sowjetunion die bittere, tod­ ernste Realität für das künstlerische wie existentielle Überleben. <<<

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pjotr iljitsch tschaikowsky SYMPHONIE NR. 5 E-MOLL op. 64

Zwischen Ende 1887 und Anfang 1888 unternahm Pjotr Iljitsch Tschaikowsky eine erfolgreiche Auslandstournee, während der er nicht nur Bekanntschaft u. a. mit Brahms, Grieg und Dvorˇák schloss, sondern auch »hautnah« die westeuropäische, sprich: deutsch-österreichische symphonische Tradition erlebte. Schon im Frühjahr 1888 beschäftigte er sich mit dem Gedanken an seine Fünfte Symphonie, nur drei Monate später war die Komposition fertig.

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Freilich kannte Tschaikowsky die klassisch-romantische Symphonik des 18.-19. Jahrhunderts schon früher, doch seine Fünfte, die dem Präsidenten der Hamburger Philharmonischen Gesellschaft, Theodor Avé-Lallement, gewidmet ist, scheint die formalen wie auch orchestralen Prinzipien dieser Tradition auf einzigartige Weise aufzugreifen. Auf der einen Seite stand die viersätzige symphonische Struktur im Sinne von Beethoven, Schubert und Brahms Pate, auf der anderen Seite die romantische symphonische Dichtung à la Berlioz und Liszt mit einem motivischen Kerngedanken – diese beiden Tendenzen verschmilzt Tschaikowsky in seinem Werk auf eine für ihn typische Weise, indem er den formalen Aufbau als Basis für eine individuelle Aussage benutzt. Schon seiner Vierten Symphonie gab Tschaikowsky ein ­Programm durch einen »Schicksalsgedanken«; in der Fünften wird diese Konzeption noch stringenter, denn das Schicksalsmotiv erscheint in allen vier Sätzen. Tschaikowsky schrieb dazu in seinem Notizbuch: »Introduktion. Völlige Hingabe an das Schicksal oder, was aber an sich dasselbe ist, an die unerforschliche Prädestination durch die Vor­ sehung. Allegro (I) Murren, Zweifel, Klagen, Vorwürfe gegen +++. (II) Soll ich mich dem Glauben hingeben?« Das »Schicksalsmotiv« – eine resignativ-melancholische Melodie mit einem trauermarschähnlichen Charakter – ­erklingt zunächst im tiefen Register der Klarinette in der langsamen Einleitung des Eröffnungssatzes. Das Haupt­ thema danach behält diese düstere Stimmung, ist aber zugleich durch vorwärtsdrängende Unruhe geprägt. ­Tschaikowsky stellt danach noch drei Themen vor: Das erste klingt wie eine seufzende Klage, das etwas heiterere zweite erinnert an die Ballettmusiken von Tschaikowsky. Das letzte Thema steht im Walzer-Rhythmus und antizipiert 16


dadurch den dritten Satz der Symphonie. In der Durchführung werden die ersten drei Themen miteinander variiert, die Reprise beginnt mit einem Fagottsolo im pianissimo. In der Coda taucht der punktierte Rhythmus des Schicksalsmotivs in den Trompeten als fast drohende Erinnerung auf. Nach der choralartigen Einleitung der Streicher erklingt das sanfte Hauptthema des langsamen Satzes wie eine Opernarie: Die Überschrift »con alcuna licenza« (»mit einiger Freiheit«) unterstreicht Tschaikowsky in der Melodie­ entfal­tung durch Anweisungen wie »animando«, »ritenuto« oder »sostenuto« (»belebend«, »zurückhaltend«, »getragen«). Das zweite Thema wirkt danach quasi wie ein Duett, dem der Sext-Sprung (abwärts) – eine beliebte Wendung in der romantischen italienischen Oper – besonders schwär­ me­rische Züge verleiht. Der mittlere Abschnitt bringt ein ­»russisch« anmutendes Thema. Am Höhepunkt dieses Teiles erklingt das Schicksalsmotiv, nach dem das Hauptthema fast verängstigt wiederkehrt. Auch vor der Coda erscheint das Schicksalsmotiv mit einem ähnlich unheilvollen Charakter. Anstelle eines Menuetts (oder Scherzos) ist der dritte Satz ein Walzer mit einer elegant geschwungenen Melodie. Das Trio klingt danach wie eine leichtfüßige »Feenmusik«; doch die idyllische Atmosphäre wird am Schluss durch das wie von ferne grollende Schicksalsmotiv zerstört. Dem ersten Satz ähnlich beginnt auch das Finale mit einer langsamen Einleitung, die auf dem Schicksalsmotiv basiert – hier aber erklingt dieses Thema in einer kräftigen Dur-Gestalt. Aus den abschließenden Floskeln dieses Andante maestoso entwickelt sich das robuste, dramatische Hauptthema des Allegro vivace; selbst der Seitengedanke ist von einem leidenschaftlichen Impetus durchdrungen. 17


Gerade wegen dieses triumphierenden Tons fand u. a. ­Johannes Brahms dieses Finale verfehlt – gleichwohl fügt sich gerade diese »Umwandlung« sehr wohl in die Gesamtkonzeption der Symphonie ein. Eine treffende Erklärung lieferte dazu der Tschaikowsky-Experte Edward Garden: »Das schon fast hysterisch überschätzte Bestreben, einen ›Triumph‹ produzieren zu wollen, der am Ende jedoch ›schal‹ und falsch klingt, hinterlässt den Eindruck, wie überwältigend die Macht des ›Schicksals‹ und wie nutzlos es ist, gegen es zum Kampf aufzutreten – wenn der Kampf auch hart und das Ergebnis anscheinend erfolgreich ist. Der Grundtenor der Fünften Symphonie ist das Versagen dessen, der sich den allmächtigen Kräften der Vorsehung zu widersetzen versucht – ein Versagen, das durch einen gewaltigen Kampf und sogar durch zeitweisen Erfolg nicht gemindert werden kann.« <<< Éva Pintér

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1. schuppenkonzert > Mi 21.12.2016 18 Uhr > Schuppen Eins, Überseestadt

SCHUPPENKONZERT I – »KLING, GLÖCKCHEN!« Weihnachts- und Adventsmusik mit den Bremer Philharmonikern und Natascha Young, Sopran Katarina Andersson, Mezzosopran Karsten Januschke, Dirigent

SCHUPPENKONZERTEINS

Kartenvorverkauf ausschließlich über Nordwest Ticket: Kartenhotline 0421 - 36 36 36, www.nordwest-ticket.de


interview ANDREI KOROBEINIKOV IM GESPRÄCH Barbara Klein: Herr Korobeinikov, wenn man Ihren Lebenslauf überfliegt, könnte man meinen, es handelt sich um eine Romanvorlage: Sie sind 1986 in eine Zeit des politischen ­Umbruchs hineingeboren worden, Ihre Eltern engagierten sich als Studenten in der Demokratiebewegung und mit Ihrer Mutter lebten sie als kleines Kind als Wohnungslose in ärmlichen Verhältnissen in der Musikschule, in der Sie Ihren ­ersten Klavierunterricht erhielten – inwieweit hat diese ­außergewöhnliche Situation Ihren künstlerischen Werdegang beeinflusst? Andrei Korobeinikov: Oh ja, meine Kindheit gleicht einem Abenteuerfilm! Natürlich gab es objektiv gesehen sehr schwierige Zeiten, aber ich war immer ein sehr fröhliches, optimistisches Kind und liebte sogar das Leben in der Waschküche eines Studentenwohnheims, wo wir drei Monate wohnten. Auch die zwei Jahre als Drei- bis Fünfjähriger, als wir die Nächte in einer Musikschule verbringen mussten, habe ich als eine glückliche Zeit in Erinnerung. Ich hatte die Schlüssel aller Probezimmer – und sogar vom Konzertsaal. Seitdem geben mir alle Konzertsäle ein Gefühl von Heimat. 20


Ich habe damals häufig ein sehr lustiges Spiel gespielt: In den leeren Sälen kündigte ich mich selbst als »Preisträger internationaler Wettbewerbe und mehrfach ausgezeichneten Künstler« an, nannte meinen Namen und das Land, das ich repräsentierte: »Sowjetunion« ... und bekam vor Aufregung Gänsehaut. Man merkt, ich hatte damals noch nicht realisiert, dass es die Sowjetunion nicht mehr gab. Wenn ich ­etwas Prägendes aus dieser Zeit meiner Kindheit mitgenommen habe, dann sicherlich die Liebe, Konzerte zu geben. Erinnern Sie sich noch an einen Ihrer ersten öffentlichen ­Auftritte als Kind? Ja, das war in der Musikakademie von Aserbaidschan in Baku. Ich war gerade mal acht Jahre alt und weiß noch, dass ich ganz aufgeregt vor einem großem Plakat stand, auf dem mein Konzert und ein Orgelkonzert angekündigt wurden. Ich stellte mir vor, mein Konzert sei in der Scala oder der C ­ arnegie Hall oder vor einem Millionenpublikum. Tatsächlich spielte ich aber am nächsten Tag in einer speziellen Musikschule für ­talentierte Kinder. Nachdem ich fertig war, kam eine Frau zu mir auf die Bühne, höchstwahrscheinlich eine der dortigen Professorinnen. Sie hielt eine sehr emotionale Rede auf ­aserbaidschanisch, von der ich nichts verstand. An manchen Stellen brach sie dabei sogar in Tränen aus und ­einige Zuhörer im Publikum ebenso. Später erfuhr ich, dass sie von einem sehr talentierten, aber armen russischen J­ ungen erzählte, der mit seiner Mutter hierhin angereist sei und dass die ­beiden nun aber kein Geld mehr für eine Fahrkarte zurück nach Russland hätten (was tatsächlich stimmte). Das Publikum begann ­darauf, Geld für unsere Rückreise zu sammeln. Das ist ein Erlebnis, dass mich noch immer sehr bewegt ... Neben Ihrer musikalischen Ausbildung haben Sie in Moskau Jura studiert und bereits mit 17 Jahren Ihr Examen abgelegt. In einem Alter, in dem andere vor allem mit ihrem Schul­ abschluss und der ersten Liebe beschäftigt sind oder viele Partys feiern, haben Sie sich zum Bürgerrechtler und Star­ pianisten entwickelt – unglaublich! Wie kamen Sie dazu? 21


Eigentlich kam ich eher zufällig zu meinem Jurastudium, aber heute bin ich sehr froh über diese Ausbildung, auch wenn ich aus Zeitgründen nicht als Jurist arbeite und mich die Musik einfach mehr interessiert. Meine Mutter, eine ­angesehene, junge Physikerin, war der Ansicht, dass meine Schule »zu leicht« für mich sei, und dass ich den Unterrichtsstoff des jeweils kommenden Schuljahres immer in den Sommerferien lernen sollte. Durch dieses Überspringen von einigen Schulklassen konnte ich mich bereits mit 12 Jahren an der Universität einschreiben. Meine Mutter schlug mir ­damals Jura vor, und eine renommierte private Universität, die European University for Law in Moskau, bot mir ein ­Stipendium an. Natürlich war ich rund fünf Jahre jünger als meine Kommilitonen, aber ich habe mich der Situation angepasst und bin eben etwas früher erwachsen geworden. Zu dieser Zeit hatte ich allerdings keine gleichaltrigen Freunde und natürlich war es nicht immer einfach, neben dem JuraStudium auch noch Klavier am Moskauer Konservatorium zu studieren, aber letztendlich war es ja irgendwie doch möglich und hat sogar noch Spaß gemacht! Wirklich un­ möglich wäre es allerdings heute, die vielen Konzerte mit der Arbeit eines Anwalts zu kombinieren. Als Student waren Sie bereits in den Sozialen Medien ­politisch aktiv und übten scharfe Kritik an Vladimir Putin. ­Fürchteten Sie damals keine negativen Auswirkungen auf Ihre Karriere als Pianist? 22


Nun, ich war schon immer eine sehr direkte Person, und wenn mir etwas nicht passt, dann kritisiere ich dies öffentlich. Allerdings bin ich damals nicht so weit gegangen, diese öffentlichen Kritiken im Internet mit meinem Namen zu ­unterzeichnen, das hätte sicherlich zeitweilige Suspendierungen von der Universität zur Folge gehabt. Mittlerweile ist die russische Gesellschaft nicht mehr so sehr an politischen Themen interessiert, sie ist »müde«, so schert es heute auch niemanden mehr groß, wenn ich meine regierungskritischen Ansichten äußere. Künstler, die mit Putin persönlich befreundet sind, genießen dagegen natürlich enorme Vorteile, dürfen Festivals realisieren u. v. m. Allerdings gab es auch schon Situationen, in denen ich öffentlich westliche Politiker kritisiert habe und dafür eine Menge Gegenwind bekam. Ich erinnere mich auch an eine sehr lebhafte Diskussion mit Gidon Kremer, der eine sehr pro-westliche Ansicht vertrat. Damals wie heute mag ich Putins extrem rigorose und harte Linie nicht (man denke nur an die Geschehnisse in Beslan oder im Moskauer Theater ...), aber man muss sagen, dass er einen sehr viel ­klareren politischen Willen zeigt als einige andere politische Köpfe Europas – und manchmal wäre dort eine klare Entscheidung sicherlich auch von Vorteil. Suchen Sie heute noch Schnittmengen zwischen Ihren zwei Berufen als Pianist und Anwalt? Tauschen Sie manchmal den Flügel gegen Gesetzesbücher aus oder engagieren Sie sich in Bürgerrechtsfragen? Musik ist einfach etwas Kosmisches, Magisches – Jura dagegen ist ein wunderbares logisches System. Da ist es wirklich schwierig, Synergien zu finden … obwohl Tschaikowsky und Strawinsky ja ebenfalls Rechtsanwälte waren … Sie sind heute mit dem 2. Klavierkonzert von Schostakowitsch bei uns zu Gast, dem Werk eines Komponisten, der jahrzehntelang unter dem stalinistischen Sowjetregime ­Restriktionen ausgesetzt war. Was fühlen Sie als Bürgerrechtler, wenn Sie seine Werke interpretieren? Beeinflusst ein politisches Bewusstsein die Interpretation? 23


Viele Werke von Schostakowitsch sind vom damaligen politischen Zeitgeschehen beeinflusst, er war so etwas wie ein komponierender Spiegel der Zeit und hat alle Klangfarben seiner Umwelt in seine geniale Musik eingebaut. Den politischen Höhepunkt in seinem Werk stellt sicherlich seine Zehnte Symphonie dar, die geradezu den Kampf zwischen dem Regime »Stalin« und ihm, »DSCH«, widergibt. Ich habe gehört, dass er aus dem Jahre 1936 einen Leitartikel der ­Prawda, in dem er offen angegriffen wird, Zeit seines Lebens aufgehoben hat. 1937 ist er nur knapp einer Verhaftung und dem wohl sicheren Todesurteil entgangen. 1948 musste er sich einem Tribunal von Kollegen stellen, die seine Musik als »formalistisch« und »volksfern« abkanzelten. Er wurde gezwungen einen vorgefassten offenen Brief zu verlesen, stoppte aber plötzlich und sagte: »Nein, meine Musik ist nicht gegen, sondern für das Volk!« Trotz aller Repressalien war er ein russischer Patriot und liebte die russische Kultur. Daher lehnte er es auch ab, in die USA zu emigrieren. Die Gefahr, dass seine Musik dort als Gegenpropaganda missbraucht werden könnte, war ihm zu groß. In Schostakowitschs Zweitem Klavierkonzert beschreiben der ersten Satz und das Finale das Idealbild des glücklichen, wunderbaren sowjetischen Alltags – nur hier und dort blitzen vereinzelt Konflikte, harte Arbeit oder strikte Disziplin auf. Vor allem im Finale kommt es dann zu dieser typischen, ewigen Glückseligkeit und Volksoperettenhaftigkeit, mit denen viele totalitäre Regime das vermeintlich sorgenfreie Leben der 24


Menschen abbilden möchten. Ich muss gestehen, dass diese »falschen« Bilder durchaus auch ihren Reiz haben können und faszinieren – wir kennen das ja auch aus sowjetischen Filmen und der Bildenden Kunst. Das F-Dur-Konzert von Schostakowitsch spiegelt dieses sowjetische Ästhetik-Ideal in beeindruckender Weise wider. Sein wahres Vermächtnis zeigt sich aber im 2. Satz, der ist einfach ein Juwel. Hier finden sich einzigartige Momente, in denen Schostakowitsch sein wahres Gesicht zeigt, weinend, lachend, verzweifelt und manchmal wirklich glücklich, für mich einer der authentischsten und persönlichsten Momente des Komponisten – ohne Maske, ohne Rollenzwang, ganz offen, einfach nur er selbst, Dmitrij Dmitriewitsch. So wie jemand einmal über Beethovens Mondscheinsonate sagte, sie sei die Blume ­zwischen zwei Welten. Sie waren gerade einmal 20 Jahre alt, als Sie in Frankreich für den erkrankten Ivo Pogorelich beim Festival »La Roque d’Anthéron« einsprangen. Was ging Ihnen durch den Kopf, als man Sie fragte, ob Sie statt Pogorelich spielen könnten? An jenem Abend fand unsere Abschlussfeier vom Moskauer Konservatorium mit einer Menge wichtiger Leute statt, und ich muss gestehen, ich hatte etwas arg viel getrunken … ja, auch wenn es peinlich ist, so war’s. Ich weiß noch, dass ich mich wie der tragische Held in einer Komödie gefühlt habe, als man mich plötzlich fragte, ob ich für Pogorelich einspringen könnte. Und ich dachte: »Mist, das ist jetzt nicht der ­perfekte Augenblick, um so betrunken zu sein!« Ich ahnte, dass meine Aussprache nicht mehr ganz deutlich sein würde, fand aber schnell eine Lösung des Problems: Die Unterhaltung war auf russisch und es gibt zum Glück ein russisches Wort, dass man sogar im angetrunkenen Zustand deutlich sagen kann – »Da«, ja. So führte ich ein Gespräch mit eigentlich nur einem Wort, das ich mehrmals wiederholte – »Da!« – im Nachhinein ein urkomischer, fast kinoreifer Moment. Das Konzert wurde ein voller Erfolg und ich verdanke ihm wohl den Start in meine europäische Karriere – ganz nach dem Motto von Mr. Churchill: »Never ever ever ever give up!« 25


Heute sind Sie dem Status des »Rising Stars« längst entwachsen und gehören international zu den besten Pianisten Ihrer Generation. Eine rege Konzerttätigkeit führt Sie um den halben Globus. Gibt es so etwas wie Heimat für Sie? Wo und wie können Sie nach anstrengenden Konzertreisen am besten »Ihre Akkus aufladen«? Meine Lieblingsstadt ist St. Petersburg – dort ist mein ­Zuhause, dort kann ich entspannen und wieder auftanken. Sie verfügen über beneidenswert große Talente – gibt es ­etwas, das Sie an anderen bewundern, Eigenschaften oder Dinge, die Sie selbst gern lernen oder können würden? Ach, ich wünschte, ich wäre etwas talentierter in Mathematik, Physik, Schach … vor allem, wo doch meine Eltern beide ­Physiker sind … Kennen Sie Lampenfieber oder gibt es ein bestimmtes ­Ritual, das Sie vor einem Auftritt einhalten? Da ich schon so viele Konzerte gegeben habe, kenne ich heute eigentlich kein Lampenfieber mehr. Wenn ich mich aber doch mal etwas angespannter als sonst vor einem Konzert fühle, spiele ich in der Garderobe vor meinem Auftritt »Spiegel im Spiegel« von Arvo Pärt. Das erinnert mich daran, dass es bei jedem meiner Konzerte vor allem darum geht, mein Publikum an meinen Emotionen und Gedanken teilhaben zu lassen – und das ist eigentlich einfach. Gibt es etwas, das außerhalb des Konzertsaals auf Ihrer »to-do«-Liste während Ihrer Zeit in Bremen ganz oben steht? Auf was freuen Sie sich besonders in Bremen? Ich habe einiges in Bremen zu entdecken. Während meines letzten Besuches in Bremen, als ich im Sendesaal zu Gast war, hatte ich nur Zeit für einen kurzen Spaziergang durch die malerische Altstadt. Ich hoffe, dieses Mal finde ich Zeit für einige Kunstmuseen … <<< Das Interview führte Barbara Klein.

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> phil einblicke

ZUM »NACHHÖREN« ODER »NEUHÖREN« – DIE BREMER PHILHARMONIKER IM RADIO

In der Reihe »NWR in concert« können Sie das 9. Philharmonische Konzert der Bremer Philharmoniker aus der letzten Saison noch einmal – oder zum ersten Mal, sollten Sie es verpasst haben – genießen.

Samstag, 26.11.2016 20.05 Uhr 9. Philharmonisches Konzert »KLASSIKER UND CELLO« Ludwig van Beethoven > Ouvertüre »Leonore« III, op. 72 a Joseph Haydn > Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur, Hob. VIIb:2 Igor Strawinsky > »Petruschka«, Burleske Szenen in 4 Bildern Jean-Guyhen Queyras Violoncello Markus Poschner Dirigent

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> phil einblicke

HERZLICH WILLKOMMEN IM KREISE DER BREMER PHILHARMONIKER: UNSERE AKADEMISTEN! Wir begrüßen: Yuki Matsumoto, Joke Flecijl, David Gutfleisch, Shanmi Shin und Friedemann Jörns. Die mit der Saison 2016/2017 ins Leben gerufene Orchesterakademie der Bremer Philharmoniker GmbH ist gegründet worden mit dem Ziel, junge Musiker zu fördern und sie gezielt auf die hohen Anforderungen vorzubereiten, die an sie als Berufsmusiker in Orchestern gestellt werden. Angestrebt wird eine praxisnahe Ausbildung im Orchesteralltag. Grundlage dafür ist der instrumentale Einzelunterricht im Orchesterspiel durch Mitglieder der Bremer Philharmoniker und die Mitwirkung in Proben, Opernaufführungen und Konzerten. Darüber hinaus soll in Workshops mit spezifischen Themenstellungen und durch Einblicke in die Arbeit des Managements der ganzheitliche Blick auf die heutigen Aufgabenstellungen eines Philharmonischen Orchesters ermöglicht werden. In den kommenden Programmheften werden wir Ihnen jeweils ein neues Mitglied unserer Akademie in dieser Rubrik näher vorstellen. 28


> phil einblicke

UMJUBELTES KONZERT

Mit großem Jubel bedacht wurde der Beitrag der Bremer Philharmoniker zum diesjährigen Musikfest: Markus Poschner dirigierte die 3. Symphonie von Anton Bruckner in der Urfassung und setzte damit einen weiteren Akzent im Festival mit einer großen Symphonie der Romantik. In den Jahren zuvor standen unter anderem die 7. Symphonie von Gustav Mahler und die gewaltige 9. Symphonie von Anton Bruckner auf dem Programm. Im ersten Teil des Konzerts spielte Ray Chen das Violinkonzert von Johannes Brahms. Besonderheit: Chen spielt die Violine, auf der Joseph Joachim seinerzeit das Konzert uraufgeführt hat. Diese Violine, die »1715 Joachim Stradivari«, war übrigens schon einmal zu Gast in Bremen: 1868 spielte Joseph Joachim auf ihr die Uraufführung des 1. Violinkonzerts von Max Bruch.

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> phil einblicke

10 JAHRE MUSIKWERKSTATT DER BREMER PHILHARMONIKER – DIE JUBILÄUMSFEIER

Der 17. September 2016 war ein großer Tag für die Musikwerkstatt der Bremer Philharmoniker: Seit nunmehr 10 Jahren werden Kinder und Jugendliche auf spielerische Art und Weise an klassische Musik und verschiedene Instrumente herangeführt! Einen ganzen Tag lang feierten im Kulturbahnhof Vegesack Musiker, Musikpädagogen, Kooperationspartner und natürlich viele Kinder und Familien ausgiebig das Jubiläum der Musikwerkstatt Bremen. Dass Musik dabei eine Hauptrolle spielte, versteht sich von selbst – das bunte Programm reichte von Schulkonzerten des Orchesters über Aufführungen des Jugendsinfonieorchesters Bremen Nord, der Grundschule Grolland und der Grundschule am Wasser bis hin zum Instrumentenbauworkshop und Instrumente ausprobieren. »Es ist ein schönes Gefühl, zu sehen, wie sich unsere Musikwerkstatt in diesen 10 Jahren entwickelt hat«, schwärmt Christan Kötter-Lixfeld, Intendant der Bremer Philharmoniker. »Mit nunmehr drei Standorten in Bremen können wir einen wichtigen Teil zur musikalisch-ästhetischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beitragen. Das macht mich sehr stolz und glücklich!« Neugierig geworden? www.musikwerkstatt-bremen.de 30


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MUSIK NEU ERLEBEN »Die Konzerte der Bremer Philharmoniker sind für mich ein willkommener Ausgleich zum intensiven Berufs- und Fami­ lienleben. Insbesondere die 5nachsechs Afterwork-Konzerte sind ein wunderbares Forum und, meiner Ansicht nach, wie dafür geschaffen, ein neues Publikum an dieses großartige Orchester heranzuführen.« Mit diesen Worten begrüßte Vorstandsmitglied Stephan Kohlrausch (Foto) die zahlreichen ­Mitglieder des neuen Förder­programms FirmenFördern5nachsechs im Anschluss an das erste 5nachsechs Afterwork-­Konzert. Intendant Christian Kötter-Lixfeld und einige Musiker des Orchesters ­gaben im ­Gespräch Einblicke in die Vor­bereitung des un­gewöhnlichen Konzert­ programms rund um das Thema »B A C H – von einem ­Namen in Tönen«. Die 5nachsechs Afterwork-Konzerte bieten Abwechslung in jeder Form. Solisten geben Kostproben ihres Könnens, geben sich – wie auch der Dirigent – im Gespräch auch mal ganz publikumsnah und erzählen über sich persönlich. Wer nur mal schnuppern will, wie ein großes Orchester live auf der Bühne der Glocke klingt, kommt hier ebenfalls auf seine Kosten. Jedes Konzert wird moderiert, mal witzig, mal informativ, nie langweilig: Ein wahres Einsteigerprogramm für Neugierige. Grund für den Förderkreis prophil, sich mit diesem Programm auch an Einsteiger zu wenden und die lockere Form nach Feierabend für junge Berufstätige noch attraktiver zu machen.

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Bei dem Programm FirmenFördern5nachsechs können kleine oder größere Firmen mit Mitarbeitern, Gästen und Kunden zweimal im Jahr gemeinsam ein Afterwork-Konzert besuchen und dabei die Vorteile einer übertragbaren ­Mitgliedschaft nutzen. prophil unterstützt mit seinen Mitgliedsbeiträgen und weiteren Spenden die Arbeit der Bremer Philharmoniker. www.prophil.de Unser Spendenkonto bei der Bremer Landesbank: prophil e.V. IBAN: DE53 2905 0000 2002 0562 91 BIC: BRLADE22

MITGLIED WERDEN Wir freuen uns über neue Mitglieder – schreiben Sie uns an: info@prophil.de Nähere Informationen zu unserem reichhaltigen Programm mit Probenbesuchen, Filmen und Vorträgen finden Sie unter www.prophil.de

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>  n ä c h s t e v e r a n s t a l t u n g e n

1. familienkonzert

So 30.10.2016 11 Uhr > Theater am Goetheplatz WO DIE WILDEN TÖNE WOHNEN – ­ BÖSEWICHTE UND ABENTEURER IN DER MUSIK Musikalische Leitung: Martin Lentz Bremer Philharmoniker und Jugendsinfonieorchester Bremen-Mitte der Musikschule Bremen

1. himmlisches sonntagsvergnügen So 30.10.2016 15.30 Uhr > Im Himmelssaal im Haus Atlantik, Böttcherstraße DOS-À-DOS Werke von Heinichen, Debussy und Leclair Saitenwind > Keiko Yamazaki, Oboe > Berker Sen, Fagott > Hiroyuki Yamazaki, Kontrabass > Louise Sen, Harfe > Florian Baumann, Moderation

9. sonderkonzert

So 06.11.2016 15.30 Uhr > Kulturkirche St. Stephani »PHIL VARIATIONE« 10. Benefizkonzert zugunsten der Bremer Geschwistergruppen/Stimme e.V. Mitglieder der Bremer Philharmoniker

3. philharmonisches konzert

So 06.11.2016 11 Uhr > Mo 07.11.2016 20 Uhr > Glocke, Großer Saal GÖTTERDÄMMERUNG Alban Berg > Drei Stücke für Orchester op. 6 Richard Wagner > Auszüge aus »Götterdämmerung«

Catherine Foster, Sopran Bettina Ranch, Mezzosopran Markus Poschner, Dirigent

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KARTEN-VORVERKAUF Ticket-Service in der Glocke Domsheide 6–8, 28195 Bremen Tel 0421-33 66 99, Fax 0421-33 66 666 Öffnungszeiten: Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr E-Mail: ticketverkauf@glocke.de, www.glocke.de Nordwest-Ticket Kartenshop im Pressehaus Bremen Martinistraße 43, Tel 0421-36 36 36 Öffnungszeiten: Mo–Fr 9–18 Uhr, Sa 9.30–14 Uhr E-Mail: bestellung@nordwest-ticket.de Weitere Vorverkaufsstellen KPS Tickets im Hause Karstadt TSC Ticket- & Touristik-Service-Center GmbH

Platzgenau online buchen und Karten einfach selber ausdrucken auf www.bremerphilharmoniker.de IMPRESSUM Herausgeber: Bremer Philharmoniker GmbH Intendant: Christian Kötter-Lixfeld Plantage 13, 28215 Bremen E-Mail: info@bremerphilharmoniker.de www.bremerphilharmoniker.de Nachdruck verboten Texte: Dr. Éva Pintér, Ingo J. Jander, Barbara Klein Redaktion: Ingo J. Jander Foto: Daniil Rabovsky (Titel, S. 3, S. 6), Irene Zandel (S. 7, S. 20, S. 22, S. 24), Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater Dresden (S. 12), Carole Belaiche (S. 22, S. 24), Marco Borggreve (S. 27), Rudolf Lörinc (S. 28, S. 30), Bremer Philharmoniker (S. 29), Stephan Kohlrausch (S. 32), Jörg Landsberg/Theater Bremen (S. 34 Familienkonzert), Haus Atlantik (S. 34 Himmlisches Sonntagsvergnügen), Ulrike von Loeper, Hans Etzold (S. 34 Sonderkonzert), Janine ­Guldener (S. 34 Philharmonisches Konzert) Gestaltung: parole GmbH, München Druck: BerlinDruck, Achim Wir danken den beteiligten Künstleragenturen und Fotografen für die freundliche Unterstützung.

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Für heute, morgen oder später

WIR SIND DA

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Bremer Philharmoniker - 2. Philharmonisches Konzert 2016/2017 - Abendprogrammheft  

Das vollständige Programmheft zum 2. Philharmonischen Konzert (Saison 2016/2017) der Bremer Philharmoniker

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