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Porträt

»Suche Frau, die mein Studium finanziert…« …spätere Heirat nicht ausgeschlossen! So ungefähr lautete die Kontaktanzeige, die Dr. Ferdinand Wilke vor seinem geistigen Auge formuliert hatte, als er 1947 mit nichts aus der Kriegsgefangenschaft kam. Wurzel zurückgekehrt – meine Frau wurde in Bremen geboren«, so Ferdinand Wilke.

Beständiger Charakter in Bewegung

Eine Begleiterin fürs Leben fand der damals 27Jährige prompt, gefeiert wurde allerdings eine Liebeshochzeit. Studiert hat er trotzdem – nämlich Naturwissenschaften. Dass immer alles anders kommt als erwartet, das erlebte der heutige Bewohner der Stiftungsresidenz Marcusallee mehrfach – auch im Ruhestand. Bei Einzug etwa hätte er sich nicht träumen lassen, einmal den Vorsitz der Heimbeiräte in den Häusern der Bremer Heimstiftung zu übernehmen. Soziales Engagement wurde Ferdinand Wilke in die Wiege gelegt: Sein Ur-Großvater ist kein geringerer als Ferdinand Donandt, einst Senator in Bremen und Präsident der 1848 konstituierten Bürgerschaft. Das Bild des berühmten Vorfahren – der promovierte Jurist prägte die Verfassung des Bremischen Staates wesentlich – hat einen Ehrenplatz im gemütlichen Appartement des Senioren. Vor sechs Jahren hat er es mit seiner Gattin Hella bezogen, die vor zwei Jahren verstarb. »Wir beide sind zu unseren familiären

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Herumgekommen ist Ferdinand Wilke zeitlebens. Er und seine Frau bauten Häuser in vier Städten. Wer ihn kennt, würde den heute 88-Jährigen dennoch als beständigen Charakter bezeichnen. In Sorau in der Lausitz zur Welt gekommen, besuchte er das Gymnasium in Guben. Schon früh beschloss er, nicht Theologe wie der Vater, sondern Chemiker zu werden. Gesagt, getan: Das Studium in Bonn absolvierte er erfolgreich. Bald ereilte ihn der Ruf nach Leverkusen in die Farbenfabrik Bayer AG, wo Ferdinand Wilke in der Forschung tätig war. Anschließend folgte ein Wechsel in die Lehre: Bis zu seiner Pensionierung unterrichtete er Chemie und Physik an der Fachhochschule für Bauwesen in Höxter. Hier setzte er sich nicht nur für seine Studenten ein, sondern unterstützte auch seine Frau, die eine Bürgerinitiative für den Erhalt der Altstadt gegründet hatte. Als das geschafft war, errichtete das rührige Ehepaar ihr letztes Heim in Potsdam. »Bezogen haben wir es nicht mehr – Bremen kam dazwischen«, erzählt der Senior. Und auch hier hatte er gleich eine verantwortungsvolle Aufgabe: »Ehe ich mich versah, war ich im Heimbeirat der Stiftungsresidenz Marcusallee. Eine schöne Zeit.« Seine Qualitäten als Unterschriftensammler und Protest-Flugblatt-Autor habe er aber nicht unter Beweis stellen können: »Es gab nie Probleme mit der Hausleitung.« Vor kurzem gab Ferdinand Wilke seine Ämter ab, aktiv ist er noch immer: »Ich beschäftige mich wieder mehr mit der Familiengeschichte!« ●

Bremer Heimstiftung aktuell 02/11  

Die Bremer Heimstiftung setzt auf Vielfalt: Hier ist das Leben alles, nur nicht langweilig…

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