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Titelthema

Bewegung für mehr Lebensqualität Alter schränkt ein, erst auf die Wohnung, dann auf den Sessel, den Rollstuhl und übrig bleibt das Bett. Aber kann man diesem Prozess nicht auch etwas entgegen setzen? Unbedingt, glauben die Experten der Bremer Heimstiftung und haben »MiA« ins Leben gerufen. »Besonders in der Langzeitpflege kommt Bewegung oft zu kurz. Alte Menschen, die in Betten liegen, da möchte keiner so recht hingucken«, sagt Elke Schlesselmann, eine der Projektleiterinnen von »MiA«. »Wenn man jedoch gleich bei Einzug eines Bewohners gemeinsam schaut, wo das Interesse und die Möglichkeiten liegen, sich zu bewegen, dann lässt sich viel dafür tun, dass es gar nicht oder erst sehr viel später soweit kommt – auch, wenn man an einer demenziellen Erkrankung leidet«, betont sie. Genau hier setzen die Mitarbeiter aus derzeit zwei Häusern der Bremer Heimstiftung und aus den Abteilungen Qualität sowie Gesundheit und Rehabilitation jetzt zusammen an. »MiA«, das steht für »Mehr Mobilität im Alter«. Erstes Ziel dieses Projektes ist es, Erfahrungen dazu zu sammeln, wie man mehr Bewegung in den Alltag integriert. Dazu gingen die beteiligten Häuser durchaus unterschiedliche Wege, denn die individuellen Bedürfnisse der Bewohner sowie die baulichen und strukturellen Gegebenheiten vor Ort seien unterschiedlich, erklärt Elke Schlesselmann. Vielleicht helfe es schon, schwergängige Türen auszutauschen, um Bewohner dazu zu ermutigen, mehr zu laufen, sagt sie.

Schwung nach Plan In der Stiftungsresidenz Luisental erproben Mitarbeiter im Rahmen von »MiA« derzeit zum Beispiel individuelle Wochenpläne zum Thema Bewegung, die sie in interdisziplinären Fallbesprechungen erarbeiten. Mit dabei sind Physiotherapeuten, Mitarbeiter aus Hauswirtschaft

und Sozialdienst, aus der Pflege und der Betreuung. In den Plänen tauchen Gymnastik und Spaziergänge ebenso auf wie Gartenarbeit, Körperpflege oder der Weg zum Lesevormittag in den Gemeinschaftsraum – je nachdem, was ein Bewohner körperlich bewältigen kann. »Natürlich besprechen wir diese Pläne mit den Bewohnern und Angehörigen«, erklärt Elke Schlesselmann, denn wer statt des Spaziergangs lieber Blumen pflege, solle das gerne tun. Für Hubertus Jende hat sich dieser neue Schwung nach Plan bereits ausgezahlt. Mobil durch Gymnastik: Hubertus Jende Kurz nach Einzug in die Stiftungsresidenz Luisental stürzte der 91-Jährige und war auf einen Rollstuhl angewiesen. Heute, ein halbes Jahr später, ist Hubertus Jende, wie vorher auch, wieder per Rollator unterwegs. »Ein schöner Erfolg«, findet Elke Schlesselmann. Fernziel der Projektinitiatoren ist es, die mit »MiA« in den ersten teilnehmenden Häusern gesammelten Erfahrungen in alle Häuser der Bremer Heimstiftung zu tragen, um auch hier den Bewohnern vielfältige Lösungen für mehr Bewegung in der Langzeitpflege und damit für mehr Lebensqualität anzubieten. ●

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Bremer Heimstiftung aktuell 02/11  

Die Bremer Heimstiftung setzt auf Vielfalt: Hier ist das Leben alles, nur nicht langweilig…