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Titelthema

Auf dem Weg zu noch mehr Vielfalt Lebensentwürfe gibt es so viele, wie es Menschen gibt. Wie könnte das Alter in einem Pflegeheim traditionellen Stils da die Lösung sein? Die Bremer Heimstiftung geht andere Wege. Sie setzt sich gezielt für mehr Vielfalt und Teilhabe ein. Ältere Menschen hinein holen ins Leben, so dass sie ihre Fähigkeiten einsetzen und eigene Ideen umsetzen können, das ist es, wofür Alexander Künzel, Vorstandsvorsitzender der Heimstiftung, sich engagiert. Einer der Schlüssel zum Erfolg sind für ihn Häuser, die als lebendige Stadtteilzentren funktionieren, in denen Bewohner, Angehörige, Nachbarn und Dienstleister oder Ehrenamtliche ein- und ausgehen, miteinander leben, sich gegenseitig unterstützen und voneinander profitieren. Das kann durchaus bedeuten, dass Senioren den Werk- und Kunstunterricht in der benachbarten Grundschule besuchen, um Schüler zu unterstützen – so, wie es im Stiftungsdorf Borgfeld seit Kurzem geschieht, denn: »Das Alter ist doch kein Leben unter der Käseglocke«, sagt Alexander Künzel, »da ist noch ganz viel möglich.« Auch in anderen Häusern lebt dieses Konzept – immer ein wenig anders, immer individuell. Ganz so, wie es sich gut in das gesellschaftliche Leben des jeweiligen Viertels einfügt. So ist das Stiftungsdorf Fichtenhof demnächst Wahllokal, in der Stiftungsresidenz St. Ilsabeen entsteht ein Kindergarten, im Stadtteilhaus OTe steht Bollywood-Tanz auf dem Programm und im Landhaus Horn wohnen junge, internationale Künstler zur Untermiete. Sicherheit und Pflege, die viele ältere Menschen sich wünschen oder brauchen, kommt deshalb nicht zu kurz. Hier setzt die Stiftung mit einem ambulanten Pflegedienst, dem Wohnen mit Service, mit Angeboten wie der Tages- oder Kurzzeitpflege sowie Haus- oder Pflege-

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Alexander Künzel (l.) und Franz Müntefering in Bremen

Wohngemeinschaften für Menschen mit und ohne Demenz auf eine Vielfalt, die es erlaubt, selbst zu entscheiden, wie viel Unterstützung nötig ist. Konzepte und Angebote wie diese finden auch überregional Beachtung: »Was wir hier finden, ist ein gutes Beispiel dafür, wie man es machen kann«, urteilte Franz Müntefering, Demografiebeauftragter der SPD Bundestagsfraktion, anlässlich eines Besuchs in verschiedenen Häusern der Bremer Heimstiftung vergangenes Jahr über das Miteinander von Alt und Jung im Haus im Viertel. Eine Pflegewohngemeinschaft für Menschen mit Demenz, Wohnungen mit Serviceangebot, die Volkshochschule, Pflegedienste, ein Café mit Bistro, eine buddhistische Glaubensgemeinschaft, ein Kindergarten, Ehrenamtliche und zahlreiche Nachbarn sorgen hier mit Bewohnern und Angehörigen für Leben auf dem Gelände. ●

Bremer Heimstiftung aktuell 02/11  

Die Bremer Heimstiftung setzt auf Vielfalt: Hier ist das Leben alles, nur nicht langweilig…