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Das Berliner Blumentagebuch der Clara Schumann 9 783765 102851

ISBN 978-3-7651-0285-1

9 783765 102851 C 19

BV 285

www.breitkopf.com

Das Berliner Blumentagebuch der Clara Schumann

Das Berliner Blumentagebuch der Clara Schumann

Blumen spielten im Leben der Menschen des 19. Jahrhunderts eine große Rolle – sie zu pflücken, zum Kranz zu binden, als Freundschafts- und Liebesgruß zu verschenken, sie als Zimmer- und Kleiderschmuck zu nutzen, gehörte zu den Formen allgemeiner Geselligkeit. In diesem Kontext sind die Blumentagebücher von Clara Schumann zu sehen: Das letzte der Reihe entstand, auf Veranlassung des jungen Johannes Brahms, zwischen 1857 und 1859 nach dem Tod ihres Ehemannes und zu einer Zeit der nun wieder verstärkt aufgenommenen Konzertreisen. Die faksimilierten Tagebuchseiten des in der Staatsbibliothek Berlin aufbewahrten Exemplars werden in unserer Ausgabe durch biographische und botanische Anmerkungen ergänzt.

Das Berliner Blumentagebuch der Clara Schumann


Das Berliner Blumentagebuch der Clara Schumann


Das Berliner Blumentagebuch der Clara Schumann 1857 – 1859

Eingeleitet von Renate Hofmann, kommentiert von Renate Hofmann und Harry Schmidt


Der vorliegende Faksimiledruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von bpk ­/ Staatsbibliothek zu Berlin – PK, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv

BV 285 ISBN 978-3-7651-0285-1 3. Auflage © 2019 by Breitkopf & Härtel, Wiesbaden Alle Rechte vorbehalten Einband und Layout: Elisa Kuzio, Frankfurt / Main Druck: Beltz Bad Langensalza GmbH Printed in Germany


»Erinnerung vom Rhein 1857. im Sommer von Johannes mir geschenkt.« – »Genf. 5 Febr: am See f. Joh: gepflückt betend Seiner gedenkend.« – »Stuttgart d. 28ten Jan: 58. zum Abschied erhalten.« – oder auch nur Ort und Datum lesen wir bei den liebevoll arrangierten und in ein schmuckloses Büchlein gesteckten Blumen. So bewahrte Clara Schumann die Erinnerung an sie bewegende und beglückende Augenblicke, die sie im Zusammensein mit lieben Menschen erlebt oder auch auf einsamen Spaziergängen in sich aufgenommen hatte. Welche sehnsuchtsvollen, freudigen oder auch trüben und traurigen Gedanken mögen sich für sie mit diesen Blumen verbunden haben! Als Clara Schumann dieses Büchlein zusammenstellte, war sie gerade 40 Jahre alt. Es war das letzte von mehreren. Das erste hatte sie im März 1854 begonnen und für ihren geliebten Mann Robert Schumann in der Zeit seiner Krankheit angelegt. Es sollte ihm Botschaft von ihrem Leben und ihren Gefühlen bringen. Blumen spielten im Leben der Menschen damals eine große Rolle, sie zu pflücken, zum Kranz zu binden, als Freundschafts- und Liebesgruß zu verschenken, gehörte zum geselligen Leben. Kein Zimmer blieb ohne Blumenschmuck. Aber auch für die Toilette der Damen waren Blumen unentbehrlich. Sie wurden an Hüten, am Kleid, im Haar getragen. Ja, die Mädchen verwandelten sich sogar bei Kostümfesten in »lebende Blumen« oder stellten bei Hochzeitsaufführungen den Namen der Braut durch die Anfangsbuchstaben der durch sie verkörperten Blumen dar. So versteht es sich von selbst, dass auch Clara von frühester Jugend an eine enge Beziehung zu Blumen hatte. Sogar Kompositionen wollte sie nur so beurteilen, als ob sie »die Staubfäden einer seltnen schönen Blume einzeln betrachtet«. Selbstverständlich gehörten Blumen auch zu ihrer Toilette. Reizend muss die junge Künstlerin in ihrem Blumenschmuck ausgesehen haben, von dem sie ihrem Bräutigam am 21. März 1839 aus Paris eine kleine Blüte schickte, die aus dem Bouquet stammte, das sie »am Kleide stecken hatte … Ich glaub, ich hätte Dir gefallen gestern; ein schwarzes Kleid hatte ich an (das ist hier beliebt), ganz einfach um das Haar, eine weiße Camelia umgeben von so weißen Blümchen, wie Inliegendes, und unter den Blumen die Broche von der Kaiserin von Oesterreich«. Und manch andere Blume fand den Weg von ihren Reisen zu Robert. »Diese Veilchen, nimm sie, ich pflückte sie Dir an einem schönen Tag in Wien.« Blumen schmückten auch später stets

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das Schumannsche Heim. Auf Roberts Schreibtisch standen immer frische Blumen. Selbst auf den Weg in die Anstalt nach Endenich hatte Clara ihm noch ein Bouquet mitgegeben, von dem er einzelne Blumen verschenkte. Und auch dort verlangte er nach Blumen, die er in Düsseldorf immer um sich gehabt habe. Wie naheliegend war es da, dass Clara in dieser Zeit seiner Krankheit, da sie ihn nicht besuchen durfte und auf Nachrichten durch Dritte angewiesen war, versuchte, durch Blumen mit dem geliebten Manne in Verbindung zu bleiben. Und als sie nach der Geburt ihres letzten Kindes auf Reisen ging, teils um durch Konzerte Geld zu verdienen, teils um sich etwas zu erholen, pflückte sie an diesen Orten in Gedanken an ihn Blumen und trug sie in einem Büchlein zusammen, das ihr der junge Freund Johannes Brahms extra zu diesem Zweck geschenkt hatte. Wie viele G ­ edanken und seelische Schwingungen drücken diese Blumen aus, die sich nicht in W ­ orte fassen lassen! Sie war überzeugt, dass die poetische Natur ­ihres Mannes diesen Klang verstehen würde, besser als jedes erklärende Wort. Durch dieses Blumenbuch wollte sie, wenn er wieder gesund wäre, ihn an ihren Erlebnissen nachträglich teilnehmen lassen, ihm so die Rückkehr in die Familie erleichtern, eine Brücke schlagen vom Einst zum Jetzt. Doch er starb, ohne je das Büchlein gesehen zu haben. »Als Erinnerung für meine Kinder aufbewahrt nach dem Tode ihres herrlichen Vaters«, schrieb sie danach in das Büchlein. In der Zeit der Krankheit Robert Schumanns stand ihr ein junger Freund ­selbstlos und liebend zur Seite – Johannes Brahms. Während Clara auf ­Reisen war und Johannes in Düsseldorf bei den Schumannschen Kindern blieb oder sich zu Hause bei den Eltern in Hamburg aufhielt, wechselten briefliche Blumengrüße zwischen ihnen. »Die Kamelien blühen herrlich«, schreibt er ihr am 2. ­Fe­bruar 1855. »Eine haben wir gepresst: Sie stehen wieder in Roberts ­Zimmer.« Und aus Hamburg heißt es Ende des Jahres: »Die Meinigen grüßen Sie herzlichst, ich lege Ihnen Blumen hinein, die beim Kaffee standen, da dachte ich, Sie hätten auch gewiss welche vor sich.« Für diesen ihr in schwärmerischer Liebe zugewandten und von ihr ebenso geliebten Gefährten in schwerer Zeit legte sie das nächste Blumenbuch an, das Erinnerungen an ­gemeinsame Erlebnisse und stille Stunden bewahrte. Ihr letztes, hier veröffentlichtes Blumenbuch, zunächst in Gedanken an Johannes Brahms entstanden, wurde dann für sie nur

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zur Erinnerung an diese durch Schumanns Tod überschattete, durch Brahms’ Liebe für sie aber auch wehmütig-glückliche Zeit. Als sie diese Blumen in das Büchlein steckte, hatte Brahms bereits begonnen, das innige Band zwischen ihnen zu lösen. Die später von ihr vorgenommenen Korrek­turen an den ursprünglich sehr liebevollen Eintragungen deuten auf das Ende dieser einst rückhaltlos offenen, tiefgefühlten und vertrauensvollen Bindung. Wer war diese Frau, die solche zarten Blumenbande knüpfte? Ihr Lebensweg war ihr vorgezeichnet, schon ehe sie geboren war. Für ihren Vater, den Besitzer einer Pianofortefabrik und Musikleihanstalt in Leipzig und Klavierpädagogen Friedrich Wieck, war es von vornherein beschlossene Sache: Wenn das Kind ein Mädchen würde, müsse es eine große Künstlerin werden. Mit Bedacht wählte er für sie den Namen Clara, die »Strahlende«, als sie am 13. September 1819 das Licht der Welt erblickte. Von Anfang an nahm der Vater die Erziehung in die Hand. Die Mutter hatte zurückzustehen, und nur widerwillig gestand er ihr einige Rechte zu. 1824 wurde die Ehe geschieden, und mit Claras fünftem Lebensjahr begann ihre konsequente musikalische Ausbildung unter alleiniger Führung des Vaters. Erst jetzt lernte sie langsam das Sprechen, auf musikalischem Gebiet dagegen war sie sehr aufgeweckt und konnte bereits Tänze nach dem Gehör begleiten, bevor der Vater mit dem regelmäßigen Unterricht begonnen hatte. So war sie eher in der Lage, Empfindungen musikalisch auszudrücken als in Worte zu fassen. Ihr ganzes Leben lang sollte die Musik für sie die eigentliche Sprache sein, ihre Gefühle, Leid wie Freude, mitzuteilen. Aus ihr schöpfte sie immer wieder Trost und Kraft, um alle Schicksalsschläge zu ertragen, die das Leben sattsam für sie bereithielt. Die Musik blieb ihr eigent­ liches Lebenselement. Rasch machte Clara unter der kundigen und systematischen Anleitung ihres Vaters Fortschritte, ihre Technik vervollkommnete sich schnell, daneben improvisierte sie viel und versuchte sich auch im Komponieren. Sie war noch nicht ganz acht Jahre alt, als sie in einer Konzertprobe vor geladenen Z ­ uhörern ein Mozart-Konzert spielte. Von nun an präsentierte ihr Vater sie immer h ­ äufiger in kunstsinnigen Zirkeln, zunächst in Leipzig, dann auch in Dresden, ehe die Neunjährige erstmals öffentlich im Leipziger Gewandhaus auftrat und »vielen

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Beifall« fand. Das sollte der Start für die Künstlerkarriere sein, wie sie sich Friedrich Wieck für seine Tochter erträumte, dabei seinen eigenen Ruhm als hervorragender Musikpädagoge nicht aus den Augen verlierend. Für dieses Ziel vernachlässigte er seine übrigen Kinder, seine ganze Aufmerksamkeit und Kraft war darauf gerichtet, seine Tochter Clara zur größten Pianistin ihrer Zeit heranzubilden. Noch war es nicht so weit, da begann ein anderer Mann in dem Leben des ­jungen Mädchens eine Rolle zu spielen, zunächst nur als fantasievoller ­Erfinder von Märchen und Gespenstergeschichten. Robert Schumann, der junge Studiosus der Jurisprudenz, hatte Clara schon bald nach seinem Eintreffen in Leipzig kennengelernt. Er war von der frühreifen Kunst des sonst so kindlichen Mädchens gefangengenommen und fühlte sich innig zu ihr hingezogen. Es dauerte nicht lange und sie wurden enge Freunde, die sich manchen brief­ lichen Gruß sandten. Das Band riss auch nicht ab, wenn der Vater mit ihr auf Reisen war, um Clara auf den internationalen Konzertpodien einzuführen und mit ihrem Erfolg auch selbst Ehre und Reichtum zu erwerben. Noch ehe es so weit kommen konnte, machte ihm die bisher so gehorsame Tochter einen Strich durch die Rechnung. Aus der kindlichen Schwärmerei für den »etwas launigen, störrischen, aber noblen, herrlichen, schwärmerischen, hochbegabten, bis ins Tiefste geistig ausgebildeten, genialen Tonsetzer und Schriftsteller«, wie Friedrich Wieck Schumann 1834 charakterisierte, war, ihr selbst anfangs nicht bewusst, Liebe geworden. Auch Robert Schumann hatte erkannt, dass er dieses einerseits so kindlich-elfenhafte, andererseits auch eigensinnige und ernsthafte Mädchen liebte. Friedrich Wieck traf diese Erkenntnis wie ein Schlag. Sein einstiger Schüler Robert Schumann, der – noch unbekannt – k­ eine materiellen Reichtümer zu bieten hatte, streckte die Hand nach Clara aus, seinem kostbarsten Besitz! Schumann würde nie der Impresario seiner Tochter sein können, er, der Künstler, der selbst Unterstützung und Geborgenheit für seine schöpferische Entwicklung suchte. Diese Verbindung durfte nicht sein. Mit all seiner Autorität fuhr Wieck dazwischen. Er verbot Schumann jede Verbindung mit Clara und schickte diese allein auf Konzertreise. Sie würde sicher sehr schnell spüren, wie notwendig ihr der Vater war, wie wenig sie sich allein in der Welt behaupten konnte, und reumütig würde die Tochter zu ihm zurückkehren.

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Doch diese Rechnung ging nicht auf. Der Vater warf sie ins Wasser und – sie schwamm. Wenn es auch viele innere Kämpfe kostete und so manche geheime Angst überwunden werden musste, sie bewies ihrem Vater, wozu Liebe fähig ist. Nach drei Jahren zermürbenden Kampfes, der von beiden alle seelischen Reserven forderte, konnten sie sich schließlich nach gerichtlichem Beschluss am 12. September 1840 trauen lassen. Nun begann für Clara Schumann der zweite Abschnitt ihres Lebens, die Rolle als Frau und Mutter, wobei die Künstlerin nicht zu kurz kommen sollte. Ihre ohne den Vater erfolgreich geführten Konzertreisen hatten sie in dem Vorsatz bestärkt, von ihrer Karriere nicht zu lassen. Sie wollte Familie und Beruf miteinander verbinden – und sie tat es. Trotz der vielen Geburten – sie schenkte acht Kindern das Leben, wovon eines wenige Monate nach der Geburt starb –, trotz des sensiblen komponierenden Mannes, der Ruhe und Abgeschiedenheit, ­Geborgenheit in der Familie suchte, kehrte sie immer wieder auf das Podium zurück, suchte die Bestätigung ihrer Künstlerschaft und fand sie in dem begeisterten Echo des Publikums. Auch ihr Mann konnte ihr seine Anerkennung nicht versagen. Doch litt er insgeheim darunter, dass er hinter ihrem Ruhm zurücktreten musste. Seine Bedeutung als Komponist war nur wenigen Freunden wirklich bewusst, und es dauerte noch lange, ehe seine Werke die uns ­heute selbstverständliche hohe Wertschätzung erfuhren. Clara Schumann spürte ­diese seelischen Konflikte ihres Mannes und setzte auch seine Werke auf ihre Programme, doch sehr behutsam, um das Publikum nicht zu verschrecken, so wie sie es schon von ihrem Vater gelernt hatte. Robert bildet nun ihren musikalischen Geschmack weiter; nach dem Vater wird er ihr Lehrmeister in künstlerischer Hinsicht, auf sein Urteil vertraut sie völlig, sein Lob erhebt sie, sein Tadel stürzt sie in tiefste Verzweiflung. D ­ reizehneinhalb Jahre währt diese Ehe im Spannungsfeld zwischen Familie und Beruf, als Schumanns unheilbare Geisteskrankheit vollends ausbricht und ihn in eine Heilanstalt bringt, aus der er nicht mehr zurückkehren wird. Doch zuvor noch – im Herbst 1853 – war ein junges Genie im Schumannschen Hause ­erschienen, das Schumann als neuen Messias feiert und von dem Clara gleichermaßen schwärmt – Johannes Brahms, ein 20jähriger, schmächtiger, blonder Jüngling mit

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blauen Augen, der über die herzliche Aufnahme und das ihm zuteil ­werdende Lob überglücklich ist. Mit ihm verbringen Robert und Clara in den nächsten Wochen viele gemeinsame ungetrübte Stunden beim Musizieren und im Gespräch. Es sind die letzten glücklichen, unbeschwerten für Robert Schumann. Als er am 4. März 1854 in die Anstalt nach Endenich kommt, eilt Brahms zu Clara Schumann, um ihr in dieser schweren Zeit beizustehen und den Trennungsschmerz zu lindern. Wieder ist die Musik der Mittelpunkt des gemeinsamen Erlebens. Brahms verehrt Clara zunächst schwärmerisch, verliebt sich dann immer mehr in sie. Sie ihrerseits sucht Zuwendung und einen Freund, mit dem sie über Robert sprechen und dem sie all ihre­i­nnersten Gefühle offenbaren kann. In Brahms findet sie den stets teilnahmsvollen, aufmerksamen Freund, der rücksichtsvoll auf jede ihrer Stimmungen eingeht. Mit den ­Schumannschen Kindern aber tollt er herum und treibt allerhand ­Schabernack. Nun, da Robert Schumann nicht mehr für die Familie sorgen kann, übernimmt Clara ganz selbstverständlich diese Aufgabe. Sie will für den Unterhalt ihrer Familie allein aufkommen, Hilfe nimmt sie nicht an. Damit beginnt ihre zweite Karriere als Pianistin. In den fast zweieinhalb Jahren bis zu Schumanns Tod ist sie nur für kurze Wochen zu Hause. Die Zeit ist ausgefüllt mit Unterricht und Konzertreisen, im Sommer unterbrochen von kurzen Erholungspausen, die sie zusammen mit Brahms und den Kindern verbringt. Brahms’ Liebe zu ihr vertieft sich, fast täglich wünschen sie voneinander zu hören. Wie einst in ihrer Brautzeit mit Robert gehen nun Briefe zwischen ihnen hin und her. Denkt sie dabei auch an diese Zeit zurück, an die Jahre mit dem geliebten Mann? Projiziert sie diese Liebe nun auf Johannes? Unversehens scheint er in Claras Augen immer mehr zum Stellvertreter Schumanns zu werden. In ihren Gefühlen kann sie kaum zwischen beiden unterscheiden, sie lebt in Gedanken an ihren geliebten Mann und sucht die Geborgenheit und Wärme bei dem geliebten Freund. Nach Schumanns Tod verstärkt sich diese Hinwendung noch. Als Brahms erkennt, welche Rolle er übernehmen soll, schreckt er zurück. Sein Ton Clara gegenüber ändert sich grundlegend, er geht auf Distanz. Clara kann diesen plötzlichen Sinneswandel nicht verstehen. Sie begreift nicht, in welche seelische Krise sie den jungen Freund mit ihrem Ausschließlichkeitsanspruch an seine Liebe gestürzt hat, und erkennt nicht, dass er sich nur durch einen

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scharfen Schnitt aus dieser tiefen Bindung befreien kann. Sie fühlt sich tief verletzt. Aus diesem Schmerz bleibt eine besondere Empfindlichkeit Brahms gegenüber ihr ganzes weiteres Leben bestehen. Nach dem Tode Schumanns liegt die Sorge und Verantwortung für die große Familie vollends auf ihren Schultern. Die Freunde stehen ihr zwar beratend zur Seite, aber für das Schicksal der Ihren ist sie allein verantwortlich und will es auch sein. Damit beginnt für Clara Schumann ein streng geregeltes Leben im Wechsel zwischen Konzerttätigkeit und Erholung. Ein Familienleben kann das nicht sein. Die Kinder leben in Pensionen oder bei der Großmutter, ­schließlich im mütterlichen Haus unter fremder, wenn auch liebevoller Aufsicht. Die ­Mutter erleben sie nur bei kurzen Besuchen und, wenn es die finanziellen Verhältnisse zulassen, in den Sommermonaten. Clara versucht, das f­ehlende Fami­lienleben durch ständige Korrespondenz mit ihren Kindern und durch eine gute ­Erziehung und Ausbildung zu ersetzen, die sie viel Geld kosten. Sie ist zuerst Künstlerin, dann Mutter. Ohne Musik kann sie nicht sein, diese ist ein Teil ihres Lebens, die Luft, die sie zum Atmen braucht. Angebote, an einem Konservatorium eine Lehrtätigkeit zu übernehmen, weist Clara zurück. Brahms hat dafür gar kein Verständnis. Ihm antwortet sie: »Ich fühle mich berufen zur Reproduktion schöner Werke, vor allem auch der Roberts, so lange ich die Kraft habe, und würde auch, ohne daß ich es unbedingt nötig hätte, reisen …« So setzt sie ihre Konzerttätigkeit noch viele Jahre fort. Immer wieder muss sie kurzfristig ­Konzerte wegen starker Neuralgien in den Armen absagen, aber kaum lassen die Schmerzen nach, sitzt sie bereits wieder auf dem Podium. Erst 1878 nimmt Clara Schumann eine Stelle am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main an, wo sie eine Pianistenschule nach ihrem Sinne prägt. Ihre Konzerttätigkeit schränkt sie zwar ein, ganz darauf verzichten kann sie noch lange nicht. Erst am 12. März 1891, fünf Jahre vor ihrem Tod, tritt sie zum letzten Male in einem Konzert vor das Publikum und erntet ein letztes Mal Beifallsstürme. Resigniert resümiert sie zwei Jahre später: »Wie drängt sich mir wieder jetzt so oft der Gedanke auf, daß ich, noch bei Lebzeiten, vergessen werde. Das ist eben nicht anders mit den reproducirenden Künstlern … sind sie mal vom Schauplatz abgetreten, so gedenken ihrer nur höchstens noch die ­Zeitgenossen. –

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Die junge Generation weiß schon nichts mehr und – belächelt mitleidig das Vergangene. – Zwar habe ich unter den Schülern wohl noch Anhänger, wie lange wirds aber dauern? Kommen sie erst in die Öffentlichkeit, dann müssen sie mit dem Strome schwimmen.« Mit solch trüben Betrachtungen beschließt eine Künstlerin ihre Karriere, die über viele Jahrzehnte in ganz Europa zu den strahlendsten Erscheinungen gehörte und überall auf Händen getragen wurde. Wie schwer sie diese Erfolge durch Selbstdisziplin und ständige Überwindung von Ängsten und Schmerzen erkauft hat, erfahren wir noch aus ihren Briefen. Auch das hier wiedergegebene Blumenbuch aus den Jahren 1857 bis 1859 bewahrt die Erinnerung an manche schwere und schmerzensreiche Stunde, die sie auf ihren Konzertreisen erlebte. Doch noch mehr liebe Gedanken sind darin verborgen. Dazu gehört die Erinnerung an die gemeinsame Reise mit Johannes Brahms und den beiden kleinen Kindern Eugenie und Felix im Juli 1857 an den Rhein nach Oberwesel und St. Goarshausen. Eugenie erinnerte sich später daran, wie ihre Mutter, bei St. Goarshausen im Rhein stehend, sie in die Fluten tauchte. Auch ein Ausflug auf die Loreley blieb ihr unvergesslich. Es muss eine sehr glückliche Zeit gewesen sein, die zeitweise auch andere ­Freunde mit ihnen teilten. Wie alljährlich begann dann im Oktober der anstrengende Konzertwinter für sie. Die Reise führte sie zunächst über Dresden, Leipzig und Augsburg nach München, wo sie bei ihren Freundinnen aus der Kinderzeit, den Töchtern des Sozialökonomen Friedrich List, Emilie List und Elise von Pacher, wohnte. Viele Jahre hatte sie diese nicht gesehen und genoss nun deren rührende Fürsorge. Am 14. November gab Clara hier ihr erstes Konzert unter so großem Beifall, dass sie weitere Konzerte zusagte, ein für München ganz ungewöhnliches Ereignis. Doch schon fiel ein Schatten auf die so erfolgreich begonnene Tournee. Nach einer Orchesterprobe, in der sie Schumanns Klavierkonzert voll Enthusiasmus gespielt hatte, bekam sie so heftige Nerven- und Rheumaschmerzen im linken Arm, dass sie die nächsten Konzerte absagen musste. Tagelang litt sie unter fürchterlichsten Schmerzen, bis ihr schließlich Opium Linderung brachte. Achtzehn Tage konnte Clara keine Taste anrühren, zehn Tage musste sie den Arm in einer Binde tragen. Doch kaum begann sich ihr Zustand zu bessern, als sie sofort beschloss, die geplante Schweizer Reise durchzuführen. Am 8. Dezember 1857 gab sie in Zürich ihr erstes Konzert,

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nachdem sie noch am Morgen geglaubt hatte, es der Schmerzen wegen absagen zu müssen. Der Erfolg war überwältigend. Nach ihren Konzerten in der Schweiz – in Basel, Bern, Winterthur und Zürich –, wo sie überall stürmisch gefeiert wurde, kehrte sie wieder nach München zurück. Hier spielte sie am 1. Weihnachtsfeiertag im Odeon Schumanns Klavierkonzert als Münchner Erstauf­ führung. Vom Orchester erhielt Clara, wie sie zwei Tage später J­ oseph ­Joachim berichtete, »einen wunderschönen Lorbeerkranz, den ich, ach so gern, gleich ihm geweiht hätte, wenn gleich aufs Grab nur. An Kränzen hat es mir überhaupt nicht gefehlt, ich habe aber keinen ­empfangen, wobei ich nicht gedacht hätte, wieviel Blätter Euch, Ihnen und Johannes, von jedem, den ich erhalten, gebühren, und dürfte ich Euch damit nach Herz und Gewissen schmücken, wohl Nichts mir bliebe.« Bis zum 5. Januar 1858 blieb sie in München, dann ging die Reise weiter über Augsburg, Nürnberg, Fürth und Erlangen nach Stuttgart. Hier wurde ihr die Stellung einer Lehrerin am Konservatorium unter sehr vorteilhaften Bedingungen angeboten. Obwohl auch Brahms der Freundin sehr zuredete, konnte sie sich doch nicht entschließen, die Stellung anzunehmen, denn im Innern hoffte sie, einmal in einer Stadt gemeinsam mit Joachim und Brahms zu leben und täglich mit ihnen künstlerischen Umgang zu pflegen. Von Stuttgart aus trat Clara Schumann am 27. Januar ihre zweite ­Schweizer Reise an. In Genf traf sie dasselbe Missgeschick wie zuvor in München, nur ­befielen diesmal die heftigen Schmerzen den rechten Arm, so dass ihr j­edes Konzertieren unmöglich war. »Ich saß da ohne alle Zerstreuung, ohne Freund und habe recht gelitten.« Schließlich überwand sie die Schmerzen so weit, dass sie am 19. Februar in Genf noch ein Konzert geben konnte. Dann f­olgten Auftritte in Lausanne, Vevey und Zofingen, St. Gallen, Schaffhausen und ­Win­terthur, ehe sie am 11. März in Stuttgart diese große Tournee beendete. Nun ­konnte die Künstlerin für einige Wochen nach Berlin zurückkehren und hatte die g­ roße Freude, dass Brahms sie besuchte, mit dem sie ausgiebig m ­ usizieren und weite Spaziergänge machen konnte. Auch die folgenden Monate galten der Erholung und Kräftigung der Gesundheit für den nächsten a­ nstrengenden ­Konzertwinter. ­Zunächst verlebte Clara schöne Tage bei alten Freunden in ­Lockwitz bei Dresden, dann besuchte sie Brahms’ Eltern in Hamburg, ehe sie zu einem vierwöchigen Kuraufenthalt nach Wiesbaden ging. Den eigentlichen

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Urlaub verbrachte Clara anschließend mit ihren Kindern außer Ludwig und Ferdinand in Göttingen, wo auch Brahms weilte und gerade innigere Beziehungen zu Agathe von Siebold, einer Professorentochter, angeknüpft hatte. Clara sah diese Zuneigung mit gemischten Gefühlen wachsen. Einerseits mag sie erkannt haben, dass sie auf Dauer keinen alleinigen Anspruch auf Brahms haben konnte, dass er Verbindungen zu Gleichaltrigen suchte und dass sie ihn möglicherweise eines Tages ganz an eine andere Frau verlieren würde, andererseits sah sie aber bald auch die Aussichtslosigkeit dieser Beziehung und warnte Brahms davor. Verstimmungen waren das Ergebnis, so dass Clara eher abreiste als ursprünglich beabsichtigt. Sie wandte sich zunächst nach ­Düsseldorf, wo ihre alte blinde Freundin ­Rosalie Leser aus ihrer glücklicheren Düsseldorfer Zeit lebte. Von hier aus gab sie noch einige Konzerte und kehrte am 2 ­ 6. Oktober nach Berlin zurück. Aber auch hier war ihres Verweilens nicht lange, denn schon am 9. November begann sie in Begleitung ihrer Tochter Marie eine große Wintertournee, in deren Z ­ entrum Wien stand. Auf dem Wege dahin spielte sie noch in Dresden und Prag. Am 2 ­ 8. Februar 1859 kehrte sie endlich nach Dresden zurück, wo sie noch ­meh­rere Konzerte gab, ehe sie am 5. April in Berlin ihre Kinder wieder in die Arme schließen und mit ihnen zusammen die Osterferien verbringen konnte. Zur Freude aller verlebte auch Brahms die Feiertage mit ihnen. Er blieb vom 16. bis 23. April zu Besuch. Zwei Tage später, am 25. April, b ­ egannen für Clara schon wieder die Pflichten. Diesmal war ihr Ziel England, wohin sie auf Wunsch ihres Vaters auch ihre Halbschwester Marie Wieck mitnahm, um sie in das dortige Konzertleben einzuführen. Clara konzertierte zumeist mit dem ­Sänger Julius Stockhausen und dem Geiger Joseph Joachim. Während letzterer zahlreiche Engagements und große Erfolge hatte, war Clara mit dem Ertrag ihrer Konzerte wenig zufrieden. Die politischen Verhältnisse, der Krieg Österreichs mit Sardinien, wirkten sich negativ auf die Konzertsaison in England aus. Am Ende wurde es aber doch besser, und sie blieb länger als ursprünglich b ­ eabsichtigt. Schließlich schied sie fast mit Wehmut von London. Am 2. Juli traf sie wieder in Düsseldorf ein.

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Die folgenden Monate galten der Kräftigung ihrer ­Gesundheit, um den Anstrengungen des nächsten Konzertwinters gewachsen zu sein. Vor der eigentlichen Erholung in Bad Honnef unterzog sie sich zunächst einer mehrwöchigen Kur in Wildbad. Brahms war davon begeistert: »Als ob mir’s selbst passierte, so freute ich mich, zu hören, Du willst nach Wildbad: Das muß sehr schön sein, jedenfalls schöner als Wiesbaden.« – »Wildbad Aug. 59« lautet auch der letzte Eintrag in diesem Blumentagebuch. Er klingt wie ein Echo auf diesen freudigen Ausruf von Brahms, für den sie es in Gedanken zusammengestellt hatte. Ob er es je zu sehen bekommen hat?

Nachbemerkung zur 3. Auflage: Das „Berliner Blumentagebuch der Clara Schumann“ wird im Rahmen des ­Robert-Schumann-Nachlasses, zu welchem neben Briefen und anderen Schriftdokumenten 34 Bände mit Kompositionen in Schumanns Handschrift gehören, in der Musikabteilung der Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz unter der Signatur Mus. ms. autogr. Schumann, C. 1 aufbewahrt. Der Name nimmt, zur Unterscheidung etwa von dem im Archiv des S ­ chumann-Hauses Zwickau verwahrten (Endenicher) „Blumenbuch für Robert“ aus den Jahren 1854 bis 1856, Bezug auf ebendiesen aktuellen Bibliotheksstandort. Die Reihenfolge der in diesem Band wiedergegebenen Blätter entspricht der heutigen Anordnung des Konvoluts, die vom ursprünglichen Zustand abweicht (und auch keine streng chronologische Abfolge zu erkennen gibt): Aus k­ onservatorischen Gründen wurden alle 27 Einzel- und Doppelblätter, in die Pflanzen eingesteckt sind, aus dem braunen Ledereinband gelöst und einzeln in säurefreie ­Umschläge eingelegt. Zum Buchblock insgesamt gehören weitere 6 ehemals mit Blumen versehene und 54 gänzlich leere Blätter. Der Abdruck der Pflanzenmontagen (jeweils Vorder- und Rückseite) erfolgt in der Größe der Originale. Die neu gestaltete 3. Auflage des „Berliner Blumentagebuches“ erscheint 2019 aus Anlass des 200. Geburtstages von Clara Schumann und zum 300. Jubiläum des Verlages Breitkopf & Härtel.

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Biographische Notizen Tafeln Botanische Erklärungen


Clara Schumann war am 12. November 1857 zu Konzerten in München Blatt 1 oben ­eingetroffen. Während ihres Aufenthaltes wohnte sie abwechselnd bei ihren ­ milie Freundinnen Elise von Pacher geb. List, Fürstenstraße 12, Parterre, und E List, Amalienstraße 89. Am 14. November gab sie im Königlichen Odeon ­unter Leitung von Franz Lachner ihr erstes Konzert. Im ersten Teil spielte sie das 5. Klavierkonzert Es-Dur von Ludwig van Beethoven und »Des Abends« und »Traumeswirren« aus den Fantasiestücken op. 12 von Robert Schumann, im zweiten Teil das Capriccio brillant h-Moll op. 22 von Felix Mendelssohn ­Bartholdy, von Frédéric Chopin ein Impromptu (vermutlich As-Dur op. 29) und ein Notturno (wohl f-Moll op. 55 Nr. 1) und zum Schluss von Felix ­Mendelssohn Bartholdy ein Lied ohne Worte in C-Dur (vermutlich das »Spinnerlied« op. 67 Nr. 4). Am 15. November, dem Tag, an dem sie das Sträußchen bekam, schrieb ­Clara an ihren Halbbruder Woldemar Bargiel: »… Es ist mir überall vortrefflich ­gegangen, d. h. ich habe mit dem größten Beifall gespielt, Geld jedoch noch nicht viel verdient … Ich habe gestern im Odeon Concert gegeben es war sehr besucht, heute höre ich aber, daß, trotzdem die Capelle mir aus Gefälligkeit gespielt (wofür ich ihnen natürlich wieder aus Gefälligkeit spiele) die Kosten dennoch sich auf 20 Louisdor belaufen. München ist übrigens in musikalischer Hinsicht noch sehr in der Kindheit – daß ein Künstler hier mehr als ein Concert gibt, scheint fast zu den Unmöglichkeiten zu gehören. Trotzdem ich wahrhaft enthusiastischen Beifall hatte gestern, so wird heute doch großer Rath gehalten, ob wohl noch Eines zu riskiren sei! – Ich bleibe jedoch jedenfalls diese Woche noch hier … auch meinen Freundinnen zulieb, die Alles mir an den Augen absehen …«

München am 15 Nov: 1857.

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Blatt 1

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Blatt 1

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Blatt 1 oben

Das Sträußlein besteht im mittleren Teil aus Zweigen einer zierlichen Z ­ uchtform der Kanadischen Schierlingstanne (Tsuga canadensis). Die Blume auf der ­rechten Seite stammt von einer nicht allzu häufigen Zierpflanze unserer Gärten, dem Großblütigen Mädchenauge oder Schöngesicht (Coreopsis ­grandiflora) und wurde gewiss schon lange zuvor präpariert, denn diese Pflanze blüht nur vom Juni bis September. Die ursprünglich in Nordamerika heimische Art wird gern in bunte Staudenbeete einbezogen und gilt als ausgezeichnete Schnittblume, die sich lange in der Vase hält. Auf der linken Seite sehen wir das Blatt eines Farns, offenbar von einer Art der Gattung Adiantum, die in Gewächshäusern als Zierform kultiviert wird. Obenauf liegt der Blütenstand ­eines Hahnenfußes (Gattung Ranunculus). Separat und seitlich etwas ­versetzt sind Thallusteile einer in den gemäßigten und kühlen Klimagebieten relativ weit verbreiteten Strauchflechte, dem sogenannten Isländisch Moos (Cetraria islandica) aufgelegt.

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An diesem Abend spielte Clara Schumann im Ersten Abonnements-Konzert Blatt 1 Mitte der Zürcher »allgemeinen Musik­Gesellschaft« im Casino. Es war ihr erstes ­Auftreten nach einer längeren durch heftige Schmerzen bedingten untätigen Zeit, die sie in München verbracht hatte. Im ersten Teil spielte sie Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert g-Moll op. 25, im zweiten die Klaviersonate d-Moll op. 31 Nr. 2 von Ludwig van ­Beethoven, das »Schlummerlied« aus den Albumblättern op. 124 von Robert Schumann und zwei Lieder ohne Worte von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Eidgenössische Zeitung brachte am 10. Dezember eine ausführliche ­Würdigung des Konzertes: »… Vorerst wird es gleich nach einigen Akkorden schon zur Evidenz gewiß, daß Frau Schumann zu der kleinen Zahl jener Künstlernaturen zählt, die in der That ›Musik haben in sich selbst‹. Der hohe geistige Ausdruck, der ihre ganze Erscheinung belebt, sobald sie durch die Saiten zu meistern beginnt, würde das allein schon verkünden. Ein Grieche hätte gesagt: ›Ein Gott ist über sie gekommen!‹ Diese höchst glückliche natürliche Begabung hat nun aber die vollendetste Ausbildung erhalten … Mit dieser ­vollendeten Technik verbindet sich nun eine ächt poetische Auffassung der v­ orgetra­genen Tondichtungen. Die Künstlerin ist ganz vom Geiste derselben erfüllt und durchdrungen und weiß denselben klar und voll zur Erscheinung zu bringen. ­Namentlich in dieser Hinsicht steht sie hoch über manchen Virtuosen … ­Dieses gewissenhafte Eindringen in den Geist jedes einzelnen Tonwerkes, diese keusche Achtung desselben kann gewiß in unserer Zeit nicht genug ­anerkannt werden. Nicht ein fremder oder falscher Zug entstellt also das Gemälde …«

Zürich d. 8 Dec: 1857.

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Blatt 1 Mitte

Diese Komposition scheint durch hohe Individualität geprägt zu sein. In ihr sind zwei Blütenstände der Spinnenpflanze (Cleome spinosa – im H ­ intergrund) mit Veilchenblüten (rechts, wahrscheinlich Viola biflora) und dem Zweig eines immergrünen kleinblättrigen Rhododendron vereinigt. Im Vordergrund sind ­ Blüten der Gartengänsekresse (Arabis caucasica) zu sehen, die von ihren ­heimatlichen Standorten in den Gebirgen Westasiens und Südosteuropas schon zeitig als Zierpflanze in die Gärten geholt wurde. Auch kleinblättrige Rhododendren – in der gärtnerischen Literatur mitunter auch als Sommerazaleen bezeichnet – sind in Mitteleuropa nicht ursprünglich verbreitet; der Zweig muss einer Anpflanzung entnommen worden sein. Die Blütenstände der Spinnenpflanze zeigen an der Spitze Knospen, in der Mitte offene Blüten und an der Basis Früchte. Das entspricht der von unten nach oben fortschreitenden Aufblühfolge der in rosa Farbtönen erstrahlenden Blütentrauben dieser Art, die vermutlich aus Nordafrika stammt. Der neben dem Strauß liegende ­Pflanzenteil gehört zu einer Blattflechte.

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An diesem Abend gab Clara Schumann ein eigenes Konzert im Casino. Im ­ersten Blatt 1 unten Teil des Programms spielte sie die Klaviersonate C-Dur op. 53 von L­ udwig van Beethoven, ein Notturno (vermutlich wieder op. 55 Nr. 1) und ein Impromptu (wahrscheinlich As-Dur op. 29) von Frédéric Chopin, im zweiten Teil, Richard Wagner zulieb, dem sie schon am 7. Dezember in Zürich begegnet war, die Etudes en forme de variations op. 13 von Robert Schumann und das Rondo capriccioso op. 14 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch diesmal berichtete die Eidgenössische Zeitung tief beeindruckt von dem Konzert: »… Außer den früher bereits bewährten Eigenschaften, wodurch das Spiel der Klara Schumann so hochsteht, trat heute, eben in Folge der Wahl der vorgetragenen Stücke, noch mehr als im frühern Konzerte hervor, wie die treffliche Künstlerin sich in die Eigenthümlichkeit des Meisters zu vertiefen und Jedem gerecht zu werden weiß. Welch ein Abstand zwischen Beethoven und Chopin! … Wie ganz anders trat uns wieder die Muse Robert Schumanns (in den Etudes en forme de variations, op. 13) entgegen! Wir möchten diese sowohl für die Auffassung als den technischen Vortrag äußerst schwierige Komposition allerdings nicht gern von Jemand anders hören, als gerade von der Gattin des Komponisten. Von ihr vorgetragen, muß sie aber Jedem, der Musiksinn besitzt, als höchst bedeutungsvoll erscheinen; denn der dramatische Fortschritt der Tondichtung von der ernstesten, düstern Versenkung des Gemüthes in sich selbst bis zu dem schwungvollen, triumphalen Abschluß wird von der großen Künstlerin auf hinreißende Weise vor die Seele des Hörers geführt …«

Zürich d. 19 Dec: 1857.

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Blatt 1 unten

Hier sind Zweige von zwei immergrünen Pflanzen einbezogen. Links Z ­ weiglein vom Sadebaum oder Stink-Wacholder (Juniperus sabina), der zuweilen auch als Zierstrauch angepflanzt wird. Seinen deftigen Volksnamen verdankt er dem von ihm ausgehenden unangenehmen Geruch. Rechts ist der Zweig ­einer Eibe (Taxus baccata) zu sehen, offenbar von einer zierlichen Zuchtform. ­Zwischen ­beiden ist der Blütenstand einer kleinen Astilben-Art (Gattung Astilbe) e­ ingebunden. Zur Ergänzung sind wiederum Veilchenblüten beigefügt. Die in Ostasien und Nordamerika beheimateten Astilben wurden seinerzeit nur selten in Europa kultiviert. Heute bereichern Astilben den Sommerflor vieler ­Gärten. Sie werden auch Prachtspieren genannt und sind Produkt einer erst zu ­ nseres Jahrhunderts einsetzenden intensiven Kreuzungszüchtung, die ­Beginn u ­inzwischen viele verschiedene Sorten hervorgebracht hat. Neben dem Gebinde ist wiederum »Isländisch Moos« aufgesteckt.

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An diesem Tage, einem Sonntag, an dem Clara Schumann diese Zweige Blatt 2 ­pflückte, wirkte sie im »Fünften Abonnement-Conzert« mit. Sie spielte im ersten Teil das Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur von Ludwig van B ­ eethoven und im zweiten die Variations sérieuses op. 54 von Felix M ­ endelssohn Bartholdy, »Traumeswirren« und »Des Abends« aus den Fantasiestücken o­ p. 12 von Robert Schumann sowie von Felix Mendelssohn Bartholdy ein Lied ohne Worte.

Basel am Münster d. 13 Dec: 57.

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Blatt 2

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Blatt 2

Hier ist ein Zweig des Kleinen Immergrün (Vinca minor) aufgelegt. Seine l­angen niederliegenden Sprosse sind mit gegenständig stehenden, immergrünen ­glänzenden Blättern besetzt. Es blüht bereits im April und Mai mit hübschen blauen Blüten. An den Blattknoten treibt es leicht Wurzeln, so dass es in kurzer Zeit größere Flächen überzieht. Diese Eigenschaft führte dazu, das vor allem in Laubwäldern und Gebüschen im südlichen Mitteleuropa natürlich verbreitete Immergrün vielerorts in Gärten, Parks und auf Friedhöfen als Bodenbedecker anzupflanzen. Auch im Volksbrauchtum, besonders im süddeutschen Raum, spielte es eine Rolle. So wurden Brautkränze aus ihm geflochten, und heiratsfähige Mädchen legten in der Andreasnacht zwei Blätter in eine Schale mit Wasser; sind diese bis zum Morgen aneinander herangeschwommen, sollte noch im gleichen Jahr die Hochzeit ins Haus stehen.

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Nachdem Clara Schumann in Bern konzertiert hatte, gab sie an diesem Tag in Blatt 3 Basel ein eigenes Konzert im Saale des Stadt-Casino. ­ chumann Im ersten Teil spielte sie das Klavierkonzert a-Moll op. 54 von Robert S und von Frédéric Chopin das Notturno f-Moll op. 55 Nr. 1 sowie das I­mpromptu As-Dur op. 29. Im zweiten Teil folgten von Ludwig van Beethoven die ­Klaviersonate d-Moll op. 31 Nr. 2, von Robert Schumann das »­Schlummerlied« aus den Albumblättern op. 124 und von Felix Mendelssohn Bartholdy das R ­ ondo ­capriccioso op. 14.

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Sample page Basel d. 17 Dec: 57.

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Der Edle Lorbeer (Laurus nobilis), dessen Zweig das Albumblatt ziert, gedeiht auch in Basel nicht im Freien. Seine Heimat ist das Mittelmeergebiet, wo er in den Bereichen der Hartlaubvegetation eine Charakterpflanze darstellt. In unseren Breiten kann er nur als Topf- oder Kübelpflanze in Gewächshäusern gehalten werden und gegebenenfalls im Sommer einen Freistand bekommen. Vermutlich wurde er ihr als Huldigung überreicht. Der Brauch, v­ erdienten ­Personen als Zeichen der Verehrung und Würdigung Lorbeerzweige zu überreichen, war an den Stätten des klassischen Altertums sehr verbreitet und ­widerspiegelt sich auch in der griechischen Mythologie. Er wirkte wohl, wenn auch verhalten, bis in die Neuzeit nach, was in e­ iner ­Reihe von Sprichwörtern zum Ausdruck kommt, zum Beispiel von den ­Lorbeeren, auf denen man sich nicht ausruhen solle. Selbst in der Gegenwart spielt er, zumindest symbolhaft, noch eine entsprechende Rolle. Breiteste Kenntnis kann man gewiss über die Verwendung der L­ orbeerblätter als Küchengewürz voraussetzen; weniger darüber, dass ein aus L­ orbeerfrüchten gewonnenes Öl in der Medizin angewandt wird.

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Nachdem Clara Schumann die Konzertsaison 1856/57 am 2. Juli 1857 in ­London Blatt 4 abgeschlossen hatte, kehrte sie nach Düsseldorf zurück. Vor ihrem Umzug nach Berlin, der Ende September / Anfang Oktober erfolgen sollte, trat sie mit Brahms, den beiden jüngsten Kindern Eugenie und Felix sowie ihrer Haushälterin Bertha am 12. Juli eine mehrwöchige Erholungsreise an den Rhein an. Sie wählten zunächst Oberwesel, dann St. Goarshausen als Aufenthaltsorte; von dort aus unternahmen sie zahlreiche Ausflüge in die Umgebung. Zeitweise besuchten auch die Freunde sie für kürzere oder längere Zeit. So kam J­ oseph Joachim vom 27. Juli bis 5. August zu ihnen nach St. Goarshausen. Man saß täglich lange gemütlich zusammen, so dass anfangs nur Ausflüge auf die nahe­gelegenen Berge und Burgen möglich waren. Vom 2. bis 4. August wurde dann doch noch eine große Tour über Lorch ins Sauertal und weiter über den damals berühmten Taunus-Kurort Bad Schwalbach nach Wiesbaden unternommen. Auf demselben Weg kehrten sie nach St. Goarshausen zurück. Ende August fand sich auch Julius Otto Grimm für einige Tage bei ihnen ein. Am ­5. September kehrte die kleine Gesellschaft nach Düsseldorf zurück. Bald danach begannen die Unruhen und Strapazen des Umzuges nach Berlin. Umso sehnsuchtsvoller wird Clara an die schönen Tage am Rhein mit den Freunden zurückgedacht haben.

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Sample page Erinnerung vom Rhein 1857. im Sommer von Johannes mir geschenkt.

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Blatt 4

Ein Erträgnis der beschriebenen sommerlichen Landpartie liegt uns hier in Form von Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas) und Kleiner Odermennig (Agrimonia eupatoria) vor. Sie wachsen normalerweise in verschiedenen Pflanzengesellschaften, ein gemeinsames Vorkommen ist jedoch nicht auszuschließen. Der Klatsch-Mohn wirkt durch seine ausdrucksvolle Schlichtheit und war seit jeher beliebt. Er verliert aber auch nach dem Erblühen rasch seine Kronblätter, die von Dorfkindern zuweilen als Knallplättchen genutzt werden. Wenn man sie auf eine hohle Unterlage legt und mit der flachen Hand darauf schlägt, platzen sie geräuschvoll. Daher rührt der Volksname »Klatsch­-Mohn«. Der Odermennig war im Altertum eine berühmte Heilpflanze, er wird von Dios­kurides und Plinius in ihren Schriften als Mittel zur Heilung von Wunden und Darmerkrankungen erwähnt. Mittelalterliche Kräuterbücher heben seinen Wert zur Linderung von Leberkrankheiten hervor. Auch in unserer Zeit wird er sowohl offizinell als auch in der Volksheilkunde angewendet, vor allem als ­wirksamer Tee bei Magenerkrankungen, Gallenleiden und ­Verdauungsbeschwerden.

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Diese Blüten hat Clara Schumann einen Tag nach ihrem eigenen Konzert, das Blatt 5 sie am 19. Februar im großen Casino­-Saal in Genf gegeben hatte, gepflückt. In diesem Konzert spielte sie die Klaviersonate C-Dur op. 53 von Ludwig van Beethoven, eine Romanze (vermutlich op. 32 Nr. 3) sowie »Des Abends« und »Traumeswirren« aus den Fantasiestücken op. 12 von Robert Schumann, von Felix Mendelssohn Bartholdy das Rondo capriccioso op. 14 und zum Schluss das Impromptu As-Dur op. 29 und das Notturno f-Moll op. 55 Nr. 1 von Frédéric Chopin sowie ein Lied ohne Worte von Felix Mendelssohn Bartholdy. Am 5. Februar, als sie im Gedenken an Brahms die Blumen pflückte, hat sie vermutlich auch an ihn geschrieben, denn er bedankt sich am 8. Februar bei ihr: »gestern kam Dein lieber Brief aus Genf, der mich ordentlich warm gemacht hat. Wieviel schöne Sachen schreibst Du mir und wie lieb und schön.«

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»f. Joh: betend Seiner gedenkend« hat Clara später zu tilgen versucht. Die Schrift ist nur noch sehr schwach erkennbar.

Sample page Genf d. 20 Febr: 58. Genf 5 Febr: am See f. Joh: gepflückt betend Seiner gedenkend.

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Blatt 5

Vor uns liegt ein blühender Zweig des Rosmarin-Seidelbast (Daphne cneorum) ausgebreitet, der auch in Süddeutschland verbreitet ist und dort die lieblichen Volksnamen Steinrösel oder Reckhölderle trägt. Er wird eingefasst von Trieben des Schweizer-Moosfarn (Selaginella helvetica). Darunter sind Efeublätter (Hedera helix) angeordnet. Der Rosmarin-Seidelbast blüht im Allgemeinen später, in Baden-­Württemberg erst ab Mai, und auch im klimatisch zweifellos begünstigten Gebiet um den Genfer See ist sein Erblühen im Februar nicht die Regel. M ­ öglicherweise ­bewirkte ein zeitiger Frühling den Blütenflor, und dann ist anzunehmen, dass auch schon Anfang Februar krautige Frühjahrsblüher allenthalben dort zu ­finden waren.

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Mit dem Sträußchen auf diesem Blatt verbanden sich für Clara Schumann Blatt 6 wohl Erinnerungen an ihre Konzerte in diesen Städten, während die Rose mit einem Erlebnis in Zusammenhang steht, das wir nicht kennen. In Stuttgart muss sie sich überhaupt wohlgefühlt haben, denn Blatt 8 enthält eine weitere ­Erinnerung an diese Stadt. Im »IV. Abonnement-Concert« in München spielte Clara Schumann am 25. Dezember 1857 als Münchner Erstaufführung das Klavierkonzert a-Moll op. 54 von Robert Schumann, außerdem die Variations sérieuses 54 von Felix ­Mendelssohn Bartholdy.

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In Erlangen wirkte sie am 13. Januar in einem »Vocal­und lnstrumental-Concert in der Harmonie« mit und spielte zu Beginn des Konzertes die Klaviersonate d-Moll op. 31 Nr. 2 von Ludwig van Beethoven, außerdem »Tempo di Ballo« und »Allegro« von Domenico Scarlatti, ein Präludium und Fuge a-Moll von Johann Sebastian Bach, von Robert Schumann das »Schlummerlied« aus den Albumblättern op. 124 sowie zwei Lieder ohne Worte von Felix Mendelssohn Bartholdy. Am 16. Januar 1858 gab Clara Schumann in Stuttgart im Saal des oberen ­ riedrich ­Museums eine Soirée musicale. Zu Beginn spielte sie zusammen mit F Barnbeck, Karl Häser sowie den Hofmusikern Debuyssère und Boch das ­Klavierquintett op. 44 von Robert Schumann, als Abschluss des ersten Teiles des Programmes Felix Mendelssohn Bartholdys Variations sérieuses op. 54. Den zweiten Teil eröffnete sie mit Ludwig van Beethovens Klaviersonate d-Moll op. 3 ­1 Nr. 2 und beschloss ihn mit einem Notturno (vermutlich f-Moll op. 55 Nr.­1) von Frédéric Chopin und zwei Liedern ohne Worte von Felix Mendelssohn Bartholdy.

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Odeon, München d. 25 Dec: I857. Stuttgart d. 26 Jan: 58. Erlangen d. 13 Jan: 58. Stuttgart d. 16 Jan: 58.

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Blatt 6

Der Münchener Strauß (auf dem oberen Teil des Albumblattes) enthält im Zentrum den Blütenstand einer Begonie, der beiderseitig von den ­Blütenköpfchen des Weiß-Klee (Trifolium repens) flankiert wird. Die Begonien gehörten seinerzeit zu den Seltenheiten der Gewächshauskulturen und wiesen bei ­ ­weitem noch nicht die uns heute bekannte Formvielfalt auf. Unterlegt sind die Blumen mit Laub des weichen Frauenhaarfarnes (Adiantum tenerum – links) und einem ­Ligusterzweig (Ligustrum vulgare – Mitte). Umhüllt wird das Ganze von ­Torfmoos (Sphagnum). In dem darunter eingesteckten Strauß sind drei Blütenköpfchen der Garten-Strohblume (Helichrysum bracteatum) mit je zwei Laubtrieben des ­ Tüpfel-Hartheu oder Johanniskraut (Hypericum perforatum – rechts und Mitte) und der Rosmarinheide (Andromeda polifolia – links und Mitte) eingebunden. Das daneben liegende zierliche Bukett (Stuttgart 16. Januar) enthält sechs März-Veilchen (Viola odorata). Das Treiben von Veilchen in Gewächshäusern ist schon lange bekannt und auch relativ einfach zu bewerkstelligen, es ­genügen schon Temperaturen von 8 – 10 °C. Die Blütezeit dieser getriebenen Veilchen liegt etwa von Januar bis März. Es wird auch gern als Topfpflanze gekauft und ist wegen seines Duftes beliebt. Daher stammt die synonyme Bezeichnung »Wohlriechendes Veilchen«. Die unter dem Datum vom 26. Januar deponierte Rose wurde gewiss einer Gewächshauskultur entnommen, mit der man geeignete Rosensorten ohne Schwierigkeiten zum Winterflor bringen kann.

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Am 27. Januar 1858 war Clara Schumann von Stuttgart aus zu ihrer nächsten Blatt 7 Schweizer Konzertreise aufgebrochen. Zunächst war sie für einen Tag nach Basel gereist und anschließend weiter nach Guebwiller (Gebweiler), wo sie bei Schlumbergers wohnte, Freunden des Sängers Julius Stockhausen, den Clara 1854 in Ostende kennengelernt hatte und mit dem sie seitdem häufiger konzertierte. In Guebwiller gab sie am 30. Januar ein Konzert. Von dort ging es weiter am Neuchâteler See vorbei nach Genf. Von unterwegs schrieb sie an Brahms, der ihr am 8. Februar antwortete: »… Wie erfreut es mich, daß Du so schöne Reisen machst und das gute ­Wetter und Dein frischer Sinn es Dich genießen lassen …« Das junge Grün vom Neuchâteler See sollte wohl ein Gruß für Brahms von dieser Reise sein.

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Sample page D. 3 Febr: Neufchateler See. Junges Grün!

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Blatt 7

Das »Junge Grün« besteht aus drei Sprossen des Bach­-Ehrenpreis ­(Veronica beccabunga) – im oberen Teil angeordnet – und vielen Stämmchen des ­Torfmooses (Sphagnum). Bach-Ehrenpreis, auch Bachbunge genannt, kommt in Europa und ­West­asien in und an Gewässern vor, seine Unterwasserform überwintert sogar grün. Vom Mai bis in den September hinein kann man seine himmelblauen Blüten beobachten. Aus jungen Sprossen und den Blättern der blühenden Pflanzen lässt sich ein schmackhafter Salat zubereiten. Die Torfmoose sind in vielen Arten nahezu über die ganze Erde v­ erbreitet, ausgenommen sind nur die Trockengebiete. Sie besiedeln ausschließlich feuchte Standorte. In Hochmooren stellen sie die Hauptmasse der Vegetation dar. Der Hochmoor­torf besteht aus abgestorbenen Sphagnum-Moosen.

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Clara Schumann hatte in Stuttgart bei dem Mitinhaber der Stuttgarter Verlags­ Blatt 8 buchhandlung Scheitlin und Krais Dr. Friedrich Aaron Krais in der Rothen­ bühlstraße Nr. 79 gewohnt. Über ihren Aufenthalt in Stuttgart berichtet sie am ­26. Ja­nuar 1858 an Joseph Joachim: »Hier ist es mir außerordentlich gut gegangen, ich habe eine begeisterte Aufnahme, eine seltne Herzlichkeit von allen Seiten empfangen!« Der 26. Januar war für sie auch mit ­einer ­besonderen ­Erinnerung verbunden (siehe Blatt 6). Weiter heißt es in dem Brief: »Es wurde ­ onservatoir mir … der Antrag gestellt, hierher zu ziehen um als Lehrerin am C zu ­ wirken, gegen einen Fixen Gehalt.« Clara konnte sich aber nicht dazu ­entschließen, ihre Konzerttätigkeit aufzugeben und sich an einen Ort zu ­binden, wo kaum Aussicht bestand, dass Brahms und Joachim jemals dort leben w ­ ürden.

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Sample page Stuttgart d. 26ten Jan: 58. zum Abschied erhalten.

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Blatt 8

Der kleine Strauß enthält neben Fichtenzweigen und der zum Mittelpunkt erkorenen Rose eine Seltenheit, nämlich Blüten eines echten Jasmins – und zwar des Winterjasmins (Jasminum nudiflorum). Er ist aus Ostasien nach Europa eingeführt worden und hier winterhart. Seine langen überhängenden Triebe werden meist an Spalieren gezogen. Er hat zwar sommergrüne Blätter, blüht aber an geschützten Standorten von Dezember bis April, mit leuchtenden ­gelben Kronblättern. Die kleinblütige Rose mag aus einer Gewächshauskultur stammen.

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Am 19. Mai war Clara Schumann von Berlin aus nach Lockwitz bei Dresden zu Blatt 9 dem mit ihr und Robert schon aus der Leipziger Zeit her befreundeten Ehepaar Gustav Louis und Emma Preußer gefahren. Preußers hatten 1856 ein Rittergut in Lockwitz erworben, auf dem Clara nun glückliche Stunden in behaglicher Atmosphäre verlebte. »Mir ging ganz eine andere Welt auf, als ich hier das Grün, die Bäume sah, die hohen Kornfelder, wie das Alles in schönster Fülle und Ueppigkeit prangt! … hier empfing mich meine liebe Preußer am Bahnhof schon; wir fuhren gleich hier heraus, aber ich konnte nichts denken als, wenn doch meine Lieben Alle hier sein könnten, diese Naturpracht zu genießen«, berichtet sie nach Hause.

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Nach Pfingsten verließ Clara Preußers wieder, reiste zunächst nach Leipzig und traf dann am 30. Mai in Hamburg ein. Hier wohnte sie bei Brahms’ Eltern in der erst im April bezogenen neuen Wohnung in der Fulentwiete Nr. 74. Am 31. Mai unternahmen sie einen Ausflug zu dem malerisch an der Elbe gelegenen ­Lotsendorf Neumühlen. Heute gehört es zu Hamburg. Dann erfüllten Clara und Brahms dessen Mutter einen Wunsch: »Wie gern möchte ich, daß die gute Frau Schumann und wir zusammen nach Kiel reisten, d. h. wenn ich noch 20 Jahre zurück wäre. Aber bei aller dieser Unruhe bin ich zu keiner Lustreise aufgelegt.« Sie fand dennoch statt. »Mit der Reise nach Kiel habe ich ein altes Versprechen gelöst«, schreibt Clara. »Frau Brahms hatte vor 43 Jahren in Düsternbrook [Seebad bei Kiel, heute Stadtteil] 3 Jahre gelebt und seitdem es nicht wiedergesehen; es gehörte seit langer Zeit zu ihren größten Wünschen noch einmal (sie ist 70 Jahre) dorthin zu kommen, und sie nun zu begleiten, das hatte ich seit einem Jahre versprochen. Sie fand ihr altes Haus noch wieder, und ihre Freude und Glückseligkeit darüber war wonniglich anzusehen. Es war ein herrlicher Tag, wir machten eine Seefahrt, schöner, als ich sie je erlebt. Ich lebte den ganzen Tag nur im Genusse dieser Frau, die ihr ganzes Leben in Entbehrungen zugebracht, und wohl mehr Glück empfand, als wir, die wir so Manches doch genossen, uns wohl vorstellen mögen.«

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Lockwitz d. 20 Mai 58. Hamburg Neumühlen d. 31 Mai. Düsternbrook d. 2 Juni 58. Mit Joh: und Mutter u. Schwester.

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Blatt 9

Vom »herrlichen Frühling« in Lockwitz blieb im Blumenbuch das Bukett. Aus dem reichen Angebot der Flur an verschiedenen blühenden Pflanzen w ­ ählte Clara Schumann acht Blüten des Hain-Veilchens (Viola riveniana) nebst ­einiger Laubblätter, eine Blüte des Busch-Windröschens (Anemone nemorosa – rechts oben) und den Blütenstand einer Sand-Schaumkresse (Cardaminopsis ­are­nosa) aus, dem sie noch Blüte und Blatt des Kriechenden Hahnenfußes (Ranun­culus repens, rechts unter der Anemone) hinzufügte. Aus Neumühlen brachte sie das Blatt einer Rot-Buche (Fagus sylvatica) mit. Sie gehört ja zu unseren schönsten Bäumen und wurde auch schon schwärmerisch die Mutter des Waldes genannt. Ihr deutscher Volksname ist übrigens von dem beim Dämpfen rötlich schimmernden Holz abgeleitet. Eine ­besondere, mutativ entstandene Form der Fagus sylvatica enthält den ­erhöhten Anteil eines roten Zellsaftfarbstoffes in den Vakuolen ihrer Blattzellen. Bei Sonneneinstrahlung wirkt das Laub dann rötlich. Nur diese Formen werden Blutbuchen genannt. Auf der rechten unteren Seite des Albumblattes erinnert der ­blühende Spross eines Gamander-Ehrenpreises (Veronica chaemaedris) an den ­Aufenthalt in Düsternbrook.

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Auf ihrer zweiten Schweizer Reise war Clara Schumann von St. Gallen, wo Blatt 10 sie am 4. März konzertiert hatte, über Schaffhausen nach Winterthur weitergereist. Hier gab sie am 10. März ein Konzert und traf mit Theodor Kirchner zusammen. Am 11. März kehrte sie wieder nach Stuttgart zurück. Welche Erinnerung sich mit dem 8. März in Schaffhausen verbindet, ist ­unbekannt. Am 20. März war Clara wieder in Berlin eingetroffen. Schon am nächsten Tag kam Brahms zu Besuch und blieb bis zu ihrer gemeinsamen Reise nach Hannover, wo er am 30. März in einer Probe unter Joseph Joachims Leitung sein d-Moll-Klavierkonzert spielte. Clara gehörte zu den Zuhörern.

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Von Brahms wird sie wohl die »ersten Veilchen« geschenkt bekommen haben.

Sample page Schaffhausen d. 8 März 1858. Die ersten Veilchen in Berlin d. 23 März 58.

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Blatt 10

An den 8. März 1858 in Schaffhausen erinnert ein Farnblatt (Adiantum ­tenerum) und ein Begonienblütenstand. Es sind die gleichen Formen, die in dem Münchener Strauß auf Blatt 6 enthalten sind. Die zu einem Strauß im Biedermeierstil zusammengefügten Veilchen ­können in dieser fortgeschrittenen Jahreszeit durchaus im Freien gepflückt ­worden sein. Es ist wieder das März-Veilchen, auch wohlriechendes Veilchen genannt ­(Viola odorata).

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Clara Schumann und ihre Tochter Elise schenkten Brahms die Blumen zu Blatt 11 seinem 25. Geburtstag, den dieser mit ihnen in Berlin verlebte. Er besuchte sie vom 12. April bis zum 9. Mai. Den ursprünglich sehr herzlichen Wortlaut hat Clara, wie auch bei einigen anderen ähnlichen Eintragungen in diesem ­Blumenbuch, später zu tilgen versucht und hier in einen freundschaftlichen Ton umgewandelt.

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Sample page Clara Elise In treuem Gedenken des 7 Mai 58. ursprünglich: in treuiniger Liebe am 7 Mai 58. Anmerkung von Ferdinand Schumann, dem Enkel Schumanns: [Geburtstag von Brahms]

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Blatt 11

Clara Schumann überreichte Johannes Brahms zwei Stiefmütterchen – sie sind im Vordergrund zu sehen – und Blütenstängel des Acker-Vergissmeinnicht (Myosotis arvensis). Die Stiefmütterchen sind übrigens enge Verwandte der Veilchen, sie gehören zur gleichen Gattung (Viola). Als Vergissmeinnicht werden zwar auch noch andere Arten der Gattung Myosotis bezeichnet. Interessant ist, dass sie bei ­vielen europäischen Völkern zur Symbolpflanze wurden und die Volksnamen das Gleiche zum Ausdruck bringen wie im Deutschen. Eine so ­übereinstimmende Namensgebung in verschiedenen Sprachen hat kaum eine andere Pflanze ­erfahren. Der Geburtstagsgruß Elises, die gewiss frühgetriebene Rose, ist relativ kleinblütig. Solche Formen existieren auch heute noch, insgesamt hat sich das ­Sortenbild im Laufe der Jahre jedoch erheblich verändert.

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Den Berlinern boten zahlreiche öffentliche Kunstgärten mit verschiedenartigen Blatt 12 Treibhäusern Gelegenheiten zum Lustwandeln. Aber auch viele Privatgärten besaßen Gewächshäuser, die dem Publikum zugänglich waren. So besuchte Clara Schumann, sicher zusammen mit Johannes Brahms, am 20. April ein Gewächshaus, das vermutlich dem Viktualienhändler C. Borges, Jerusalemerstraße 20, gehörte.

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Sample page Gewächshaus bei Borges. Berlin d. 20 April 58.

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Blatt 12

Das Blatt zeigt Triebe des Moosfarns Selaginella krausiana. Diese aus Südafrika stammende Art gehört neben weiteren Moosfarnen, Farnen und Samenpflanzen zum Standardsortiment der in Gewächshäusern kultivierten gärtnerischen Grün- und Blattpflanzen. Sie wird viel herangezogen, da sie sich auch an kühleren Standorten noch zufriedenstellend entwickelt und – als Topfpflanze verkauft – im Zimmer lange haltbar ist. Die überwiegende Zahl der etwa 700 Moosfarn-Arten lebt in den feuchten Gebieten der Tropen und Subtropen, nur wenige haben im gemäßigten Wechselklima Mitteleuropas Fuß fassen können. Die Moosfarne sind gemeinsam mit den Bärlappgewächsen Nachkommen ­einer Gruppe farnartiger Pflanzen, die im Erdzeitalter des Karbon (vor 360 ­bis 270 Millionen Jahren) das Bild der damaligen Pflanzenwelt dominierend ­prägten.

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Im Juni 1858 hielt sich Clara Schumann in Wiesbaden zu einer vierwöchigen Blatt 13 Badekur auf. Ihre älteste Tochter Marie begleitete sie. Am 22. Juni fuhren sie zusammen nach Bonn zu Schumanns Grab. Anschließend besuchten sie einerseits manche schöne Plätze, die Marie noch von ihren frühen Kindertagen her kannte, wie Grafenberg, einen nordöstlich von Düsseldorf gelegenen Ort und bewaldeten Höhenzug, ein beliebtes Ausflugsziel der Düsseldorfer, wohin auch die Schumannsche Familie früher öfter Ausflüge unternommen hatte, andererseits Orte der Rheinreise, die Clara im Sommer 1857 zusammen mit Brahms und Maries jüngsten Geschwistern Eugenie und Felix nach St. Goarshausen unternommen hatte (vgl. Blatt 4).

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Brahms schrieb Clara am 25. Juni als Antwort auf ihren Brief aus Düsseldorf: »… Ich denke viel an St. Goarshausen, ich habe manchmal förmlich Sehnsucht nach dem Rhein. Das ist eins der wonnigsten Gefühle für mich, die Sehnsucht, das durchschauert so süß, daß Einem ganz, ganz wohl wird …«

Sample page Düsseldorf Grafenberg d. 23 Juni 1858. Düsseldorf d. 24 Juni 58. Am Tage Johannes! St: Goarshausen d. 26 Juni 58. Anmerkung von Ferdinand Schumann, dem Enkel Schumanns: Reise mit Brahms u. den Kindern

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Sample page Blatt 13

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Blatt 13

Vom Ausflug auf den Grafenberg (am 23. Juni) stammt ein Stängel des PfennigGilbweiderichs oder auch Pfennigkrautes (Lysimachia nummularia), der seinen Volksnamen wohl der vielfach nahezu kreisrunden Form seiner Laubblätter verdankt. Er wächst auf feuchten Wiesen, zum Teil auch in Gräben. Der Spaziergang des nächsten Tages scheint in einen Park oder Garten geführt zu haben, denn der Strauß (neben dem Pfennigkraut) enthält P ­ flanzen dieser Gefilde – eine noch geschlossene Rose, den vielblütigen Stand des Schleierkrautes (Gypsophila paniculata) und vermutlich zwei sterile Zweige des Garten-Thymians (Thymus vulgaris). Das Gebinde aus St. Goarshausen (unten) weist als Zentralpunkt wiederum eine Rose auf, dahinter ist Schleierkraut zu erkennen. Die Blätter und Blüten auf der rechten Seite gehören zu einer Platterbse – wahrscheinlich ist es die auf Magerrasen und an Gebüschsäumen verbreitet vorkommende Berg-­Platterbse (Lathyrus linifolius). Vorn links ist eine Einzelblüte der Kartäuser-­Nelke (­Dianthus carthusianorum) aufgesteckt, die in Trockenrasengesellschaften wächst.

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Clara Schumann war am 9. Juni 1858 von Hamburg, wo sie bei Brahms’ Eltern Blatt 14 gewohnt hatte, nach Göttingen gefahren, um dort den Sommeraufenthalt für sich und die Kinder vorzubereiten. Sie wohnte hier in dem Gasthaus »­Volksgarten Rohns«, Hainberger Chaussee (vor dem Albanertor), das nach seinem ­Erbauer, dem Baumeister Christian Friedrich Andreas Rohns (gest. 1853), kurz »der Rohns« genannt wurde. An welches Erlebnis in diesem Gasthaus die Blume sie erinnern sollte, hat Clara Schumann vollständig ausradiert.

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Am 10. Juni fuhr sie von Göttingen aus weiter nach Wiesbaden zu einem vierwöchigen Kuraufenthalt, bei dem ihr ihre älteste Tochter Marie Gesellschaft leistete.

Sample page Bei Rohns am 10 Juni Wiesbaden, auf einem einsamen Spaziergang am 14 Juni 58.

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Blatt 14

Auf der oberen Hälfte des Blattes sehen wir eine Rose. Als Symbol spielt sie im Leben der Menschen eine so große Rolle, dass sie in dieser Hinsicht von keiner anderen Pflanze übertroffen wird. Aber das Spektrum der Symbolik ist nicht nur quantitativ umfangreich, sondern auch von den Umständen der Zeitläufe her einem Wandel unterworfen. Verschiedenartigkeit der Blütenfarben und morphologische Eigenheiten der Pflanzen werden dabei impliziert, und von vielen Menschen wird die rote Rose als Sinnbild für Liebe und Zuneigung angesehen. An einen einsamen Spaziergang in Wiesbaden sollten Clara Schumann der junge Trieb einer gemeinen Fichte (Picea abies) und der Zweig einer TraubenEiche (Quercus petraea) erinnern.

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Seit dem 10. Juni hielt sich Clara Schumann mit ihrer Tochter Marie in ­Wiesbaden Blatt 15 zur Kur auf. Um sich nicht zu überanstrengen, musste sie die Behandlung unterbrechen und fand so Zeit, mit ihrer Tochter am 22. Juni nach Bonn zu Schumanns Grab zu fahren. Hier pflückte sie auch für Brahms Efeublätter, für die er sich sogleich am 25. Juni bedankte: »Die frischen Efeublätter haben mir gezeigt, daß das Grab des teuren Freundes gut gepflegt wird. Du schreibst mir davon und überhaupt zu wenig, wie es allerwärts aussieht.«

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Sample page Von Roberts Grab! d. 22 Juni 1858.

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Sample page Blatt 15

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Blatt 15

Bei den Grabbepflanzungen steht Efeu (Hedera helix) traditionell an v­ orderster Stelle. Er ist von seinen natürlichen Standorten her an schattige Wuchsbedingungen angepasst und vermag in nahrhafter, genügend feuchter Erde rasch größere Flächen mit seinen ledrigen immergrünen Blättern zu bedecken. ­Mittels seiner Haftwurzeln, die an den holzigen Stängeln an der dem Licht abgekehrten Seite entspringen, kann er an festen Unterlagen (Baumstämmen, Mauern) ansehnliche Höhen erklimmen. Zur Blüte kommt er erst nach ­vielen Jahren. Die Blütentriebe haben eigentümlicherweise ganz anders ­geformte Blätter, sie sind von rautenförmiger Gestalt, ganzrandig und laufen in eine ­lange Spitze aus. Der Nadelgehölzzweig unter den Efeublättern ist von einem Chinesischen Wacholder (Juniperus chinensis). Von diesem aus Ostasien stammenden ­ ­Gehölz werden bei uns seit langem verschiedene sowohl hoch als auch breit und niederliegend wachsende Formen als Ziersträucher kultiviert und u. a. als Grabschmuck genutzt. Die dritte hier aufgelegte Pflanze ist ein Enzian, vermutlich Deutscher ­En­zian (Gentianella germanica). Seine Anpflanzung auf einem Grab kann als ganz ungewöhnlich angesehen werden, da diese Art sonst nur als W ­ ildpflanze vorkommt. Die vergleichsweise wenigen Enzian­‑Arten, die auch erst später vorwiegend als Steingartenpflanzen in gärtnerische Kultur genommen wurden, haben ein anderes Aussehen.

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Am 1. Juli hatte Clara Schumann aus Wiesbaden an Brahms geschrieben und Blatt 16 sich gegen Brahms’ Vorwürfe verteidigt, der geschrieben hatte, sie solle die »Leute nicht in einen Enthusiasmus [für seine Werke] zu versetzen« suchen durch ihren, »den sie nachher nicht begreifen«. Sie antwortete ihm: »Du siehst oder hörst es ja nicht wenn ich mit Andern von Dir spreche, ich thue es w ­ ahrhaftig nicht in Exaltation. Daß ich aber oft mächtig erfaßt werde von Deinem reichen Genius, daß Du mir erscheinst als Einer, auf den der Himmel seine schönsten Gaben herabgeschüttet, daß ich Dich liebe und verehre um so v­ ieles Herrlichen willen – daß das tiefe Wurzel in meiner Seele gefaßt hat, das ist wahr, liebster Johannes, bemühe Dich nicht dies durch kaltes Philosophiren in mir zu ertödten … Ich harre wieder sehr eines Briefes, mein Johannes …« Am 8. Juli kann sie sich dann bereits für seine »lieben Briefe« bedanken. So ­standen ­diese Tage ganz im Erlebnis der Brahmsschen Kunst, zumal sie ­gerade zu diesem Zeitpunkt angefangen hatte, Brahms’ Klavierkonzert »ernstlich« zu studieren. Sicher verbinden sich diese gepflückten Pflanzen mit Gedanken an Brahms.

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Sample page Wiesbaden d. 2 Juli 1858.

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Das filigrane, mehr als die Hälfte des Blattes einnehmende Gebilde ist der Fruchtstand eines Perückenstrauches (Cotinus coggygria). Dieses bis drei ­Meter Höhe erreichende strauchig wachsende Gehölz kam erst im 17. Jahrhundert aus seiner südeuropäischen Heimat zu uns und ist heute ein beliebter Zierstrauch in Gärten und Parkanlagen. An einigen Stellen ist er verwildert und gedeiht inzwischen ohne die Fürsorge der Menschen in natürlichen Wildpflanzengesellschaften. Nach dem Abblühen der reichblütigen Rispen entwickeln sich in großer Zahl lange, dicht mit Haaren besetzte Fruchtstiele, die den ­Gesamtfruchtständen ein perückenartiges Aussehen verleihen. Die beiden vielleicht etwas bizarr wirkenden Blüten gehören zum Feld-Rittersporn (Consolida regalis), dem auch bei der wissenschaftlichen Namensgebung ein hohes Attribut zuerkannt wurde, denn »regalis« bedeutet ja »­königlich«. Früher war er auf Getreidefeldern und Wegrändern der ländlichen Fluren weit verbreitet. Heute ist er schon seltener geworden, wenngleich jedoch noch nicht vom Aussterben bedroht. Wie als Ausgleich dafür erfreut ein enger Verwandter, der Garten-Rittersporn, vielerorts durch Form und Farbe unser Auge.

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Auf dem Rückweg von Bonn und Düsseldorf nach Wiesbaden weilte Clara Blatt 17 ­Schumann mit ihrer Tochter Marie bei alten Lieblingsplätzen. Das ­Schweitzer­thal, in der Nähe von St. Goarshausen und Oberwesel, zieht sich unterhalb der Burg­ ruine Katz bis zum Dorf Petersberg hin. Schon 1856 war sie mit Brahms und dessen Schwester Elise dort gewesen, und Elise erinnerte sich noch ein Jahr später an den Weg dorthin und Claras Lieblingsplatz: »… Es war ein ­schmaler, am Ende sehr steiler Weg, der zur Moosbank führte.« Die alte Burgruine Rheinfels liegt auf dem gegenüberliegenden Rheinufer bei St. Goar.

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Sample page Schweitzerthal Rheinfels D. 27 Juni 1858.

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Der Spaziergang führte entlang eines Weges, der offensichtlich von Pflanzengesellschaften mit ganz unterschiedlichen ökologischen Ansprüchen gesäumt wurde. Die gesammelten Pflanzen lassen darauf Rückschlüsse zu. Im oberen Teil des Albumblattes sind Glockenblumen zu erkennen. Links die auf nährstoffreichen Wiesen verbreitete Wiesen-Glockenblume (­Campanula patula), rechts wahrscheinlich, da die Grundblätter fehlen, die auf Magerrasen und Heiden vorkommende Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia). Das Gebinde auf dem unteren Teil enthält den Braunstieligen Streifenfarn (Asplenium trichomanes) – rechts, mit den rundlichen Blattfiedern –, der in ­Felsenspalten und an den Hängen schattiger Hohlwege wächst. In der M ­ itte ist ein Blütenstand der in Wäldern und auf Heiden stockenden Schlängel-­Schmiele (Deschampsia flexuosa) zu sehen. Ferner ist ein Vergissmeinnicht (Myosotis) aufgelegt, das jedoch nicht näher determiniert werden kann. Am linken ­unteren Rand lugt die kleine Blüte einer Feinblättrigen Miere (­ Minuartia ­hybrida) hervor, die gewöhnlich in lockeren trockenen Rasen oder an ­Wegrändern zu finden ist.

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Von November 1858 bis Februar 1859 unternahm Clara Schumann eine große Blatt 18 Konzertreise, die sie u. a. nach Pest, Graz und Brünn führte. H ­ auptaufenthaltsort aber war Wien, wo sie im Laufe der Zeit allein neun Konzerte gab. An ihrem letzten Tag in Wien, dem 27. Februar, besuchte sie Beethovens und Schuberts Grab auf dem Währinger Friedhof und pflückte zur Erinnerung einige Blätter. Auch Theodor Kirchner hatte sie um Blätter von den Gräbern gebeten. Am ­1. März schickte sie ihm diese von Dresden aus und schrieb, dass sie wegen der vielen Verpflichtungen in Wien erst am letzten Tage dazu kam, die Gräber zu besuchen. »Es war gar nichts da zu finden, als beifolgende wenige verkümmerte Blättchen, die Gräber bestehen nämlich nur aus einem großen Stein, um den herum etwas Gras sehr spärlich gepflanzt ist.«

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Sample page 1859. Wien d. 27 Febr: von Beethovens Grab. Schubert’s Grab.

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Blatt 18

Selbst aus den wenigen Worten, mit denen Clara Schumann den Zustand der ­Gräber Beethovens und Schuberts beschreibt, ist man versucht, ihre Ent­ täuschung darüber zu interpretieren. Gleiches lässt sich auf die offensichtlich ­damals kärgliche Bepflanzung übertragen. Beethovens Grab zierte wohl nur der Morgenländische Lebensbaum (­Thuja orientalis), wie aus den beiden Zweigen ersichtlich ist. Er stammt aus Ostasien und hat in Mitteleuropa als vielseitig einsetzbares und gut gedeihendes Z ­ iergehölz relativ weite Verbreitung gefunden. Noch gebräuchlicher und in vielgestaltigen Wuchsformen häufig verbreitet ist der in Nordamerika beheimatete Abendländische Lebensbaum (Thuja occidentalis). Die Bepflanzung von Schuberts Grab bestand offenbar aus dem K ­ leinen ­Immergrün (Vinca minor), das links aufgelegt ist, und einer immergrünen ­Varietät des Liguster, der mancherorts auch den Namen Rainweide trägt (­rechte Seite). Die kleinen Blätter dieses jungen Triebes sind infolge der geringeren Wuch­sintensität während der Herbst- und Winterperiode ökologisch bedingt. Sommer­triebe weisen einen größeren Umfang auf.

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Am 25. April war Clara Schumann von Berlin nach Düsseldorf abgereist. Hier traf Blatt 19 sie am 28. April mit ihrer Halbschwester Marie Wieck zusammen, um g­ emeinsam mit ihr eine Konzertreise nach England anzutreten, die sie h ­auptsächlich nach London führte, wo sie, meist zusammen mit Joseph Joachim und Julius Stockhausen, neun Konzerte gab. Clara wohnte bei den Schwestern Emmy und ­Ellen Busby, 30 Upper Gloucester Place Dorset Square, denen sie auch ­Klavierunterricht erteilte. Nach dieser Eintragung zu schließen, kann sie frühestens am Abend des 1 ­ . Mai in London eingetroffen sein. Am 2. Mai besuchte sie ein Philharmonisches Konzert, in dem sie Joachims Konzert in ungarischer Weise op. 11 hörte. Tags darauf berichtete sie in ihrem Geburtstagsbrief an Brahms von diesen Ein­ drücken.

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Ihr erstes Konzert fand am 7. Mai in London statt. Am nächsten Tag war sie in Camberwell, einem 3 km südlich von London Bridge gelegenen Teil der Stadt. In Camberwell verlebte sie glückliche Stunden bei der Familie Townsend, die sie schon auf ihrer ersten Englandtournee 1856 kennengelernt und l­iebgewonnen hatte. Auch die Familie Friedrich Wilhelm Benecke (1802 – 1865) mit ­ihrem Freundeskreis besuchte sie in Camberwell. Beneckes Frau Henriette geb. Souchay (1807 – 1893) war eine Tante von Mendelssohn Bartholdys Frau Cécile.

Sample page London, Camberwell erster Sonntag d. 8 Mai 59.

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Blatt 19

Aus Camberwell brachte Clara Schumann eine Rarität mit – zumindest für ­heutige Verhältnisse gesehen. Die beiden schlanken blütentragenden Zweige sind von einer Korallenraute (Gattung Boronia). Diese zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae) gehörenden Pflanzen sind vorwiegend in ­Südwestaus­tralien verbreitet. Sie wurden seinerzeit häufig in Kalthäusern kultiviert; heute findet man sie nur selten in den Gewächshauskollektionen. Zwischen den Boronia-Zweigen stecken Lorbeerblätter (Laurus nobilis).

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Von ihrer Wiener Konzertreise aus reiste Clara Schumann nach Dresden, wo Blatt 20 sie am 28. Februar 1859 eintraf und bei ihren Freunden, dem Malerehepaar Eduard und Lida Bendemann, wohnte. In Dresden gab sie mehrere K ­ onzerte, unterbrochen von einem Abstecher nach Prag. Am 31. März besuchte sie in Leipzig eine Aufführung von Schumanns »Manfred«, die »auf allgemeines ­Verlangen« wiederholt wurde. Die erste Aufführung des »Manfred« in Leipzig hatte am 24. März 1859 stattgefunden.

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Sample page Dresden im März 59. Leipzig, März 59 (unter Leipzig eine Zeile abgeschnitten)

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Blatt 20

Die Datierung auf diesem Blatt ist recht vage. Das mit Dresden verbundene Sträußchen enthält das als Zierpflanze beliebte Schleierkraut (Gypsophila ­paniculata), ­ lütenflor entfaltet. welches allerdings in der freien Natur erst ab Juni seinen B Die daraufliegenden größeren Blumen sind Blütenköpfchen einer gefüllten, gärtnerisch kultivierten Form der Sumpfschafgarbe (Achillea ptarmica). Sie blüht ­ flanzen des eigentlich erst ab Juli. Wahrscheinlich wurden hier getrocknete P vergangenen Jahres verwendet. Dem Gedenken an den Aufenthalt in Leipzig ist die Blütentraube einer Deutzie gewidmet, einem Gehölz, das aus Ostasien eingeführt wurde. Ohne Laubblätter lässt sich eine Artbestimmung nicht vornehmen. Unter den ­ ­hiesigen Klimabedingungen blühen in Freiland kultivierte Deutzien erst im Mai. Sie können jedoch unter bestimmten Bedingungen im Gewächshaus früher zum Blühen angeregt werden.

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Am 7. Mai gab Clara Schumann in London ihr erstes Konzert. Zu Beginn des Blatt 21 Programms spielte sie mit Joseph Joachim die Kreutzer-Sonate a-Moll o­ p. 47 von Ludwig van Beethoven sowie das Scherzo h-Moll op. 20 von Frédéric ­Chopin. Im zweiten Teil trug sie zusammen mit ihrer Halbschwester Marie Wieck Andante und Variationen für zwei Klaviere op. 46 von Robert Schumann vor und spielte außerdem noch die »Grobschmied-Variationen« von Georg F ­ riedrich Händel und die Gavotte d-Moll (aus der Englischen Suite Nr. 6) von ­Johann Sebastian Bach. Am 3. Mai hatte Clara aus London an Brahms geschrieben. Zum Schluss des Briefes heißt es: »… Dieser Brief kommt nun gerade zu Deinem Geburtstag in Deine Hände, nimm meine herzlichsten Glückwünsche, lieber Johannes – ­gewiß gedenkst Du meiner an dem Tage auch liebend! Die Maiblumen seien Dir ein alter treuer Gruß Deiner Clara.«

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Sample page London 7ten Mai 59. liebenden Gedenkens Clara

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Blatt 21

Maiglöckchen – sie gehören wohl zu jener kleinen Gruppe von Blumen, deren Existenz weitesten Kreisen vertraut ist. Im gemäßigten Klima der ­Nordhalbkugel sind sie auf allen Kontinenten in Laubwäldern und Gebüschen natürlich verbreitet. Diese wildwachsenden Bestände wurden jedoch im Laufe der Zeit so dezimiert, dass man sie in manchen Ländern unter Naturschutz stellte. Aber der Mensch hat sie schon zeitig in seine Gärten geholt, wo sie sich leicht und in großen Mengen vermehren. Früher wurde das Maiglöckchen als Lilium convallium – Lilie des Tales – beschrieben, und im Englischen ist der Name »Lily of the Valley« heute noch gebräuchlich. Im wissenschaftlichen Namen der Art (Convallaria majalis) spiegelt sich die ursprüngliche Umschreibung wider. So lieblich die Maiglöckchen auch aussehen, mit ihrem Umgang ist Vorsicht geboten, denn sie enthalten sehr giftige Herzglykoside und Saponine. Der versehentliche Genuss von Wasser, in denen Maiglöckchen gestanden hatten, hat schon zu Todesfällen geführt.

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Schon bei ihrer ersten Englandtournee 1856 hatte Clara Schumann in Blatt 22 ­Manchester Thecla und Jean Souchay kennengelernt und dort herzliche Aufnahme ­gefunden. Jean (Johann) Souchay (1797 – 1871) war ein Onkel von Cécile Mendelssohn Bartholdy. Auch diesmal besuchte Clara diese Freunde wieder. Am 19. Mai trat sie mit Joseph Joachim, Julius Stockhausen und Jenny ­Meyer in Manchester im Gesellschaftskonzert auf. Unter Charles Hallés Leitung ­spielte sie das Klavierkonzert d-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart; außerdem trug sie das Rondo capriccioso op. 14 von Felix Mendelssohn Bartholdy vor.

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Sample page Manchester d. 18 Mai 59.

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Blatt 22

Die Mehrzahl der hier aufgelegten Pflanzenteile stammt mit Sicherheit aus ­einem Gewächshaus, vielleicht dem der Familie Souchay. Das Gebinde enthält zwei Akazienblätter, die in V-Form angeordnet und mit einem Büschel Moosfarn (Selaginella martensii, Varietät watsonia – mit den silberweißen Spitzen) verbunden sind. Darüber ist eine Einzelblüte zu sehen, die wahrscheinlich zu einer Freesie gehört. Links davon liegen Blütenknospen von Zwergrosen, rechts Teile eines LeinBlütenstandes (vermutlich vom Gelben Lein – Linum flavum). Das auffällige Fiederblatt unter dem Strauß ist einem Gewächshausfarn aus der Gattung Pteris zuzuordnen. Die filigranen Pflänzchen unmittelbar über der Schriftleiste sind wiederum Moosfarne – in der Mitte Selaginella kraussiana, seitlich Selaginella douglasiana.

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Nach Beendigung ihrer Englandtournee kam Clara Schumann am 2. Juli in Blatt 23 Düsseldorf an und stieg bei ihrer blinden Freundin Rosalie Leser ab. Hier traf sie auch mit ihren Töchtern Marie und Elise zusammen. Gemeinsam reisten sie über Kreuznach, wo Elise zu einer Augenkur blieb, nach Wildbad. Sie brachen am 14. Juli von Düsseldorf auf, besuchten in Köln Ferdinand Hiller und fuhren anschließend weiter nach Bonn, wo sie Albert Dietrich trafen. Hier weilte Clara auch an Roberts Grab. An Brahms schreibt sie darüber: »Roberts Grab fand ich wunderschön dicht mit Efeu bewachsen, die ganze Stelle mit den Anlagen recht freundlich – wie gern läge auch ich schon da!«

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Am 15. Juli kamen sie in Kreuznach an. Am 17. fuhr Clara mit Marie und ­Rosalie Leser weiter nach Wildbad.

Sample page Von Roberts Grab am 14 Juli 1859.

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Blatt 23

Zur Erinnerung an den Besuch am Grabe Robert Schumanns pflückte Clara auch diesmal wieder einige Efeublätter, dazu das Blatt einer wilden Erdbeere, vermutlich der Walderdbeere (Fragaria vesca). Die Efeublätter sind allerdings nicht so groß und kräftig wie die des V ­ orjahres.

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Am 5. Juni berichtet Clara Schumann Brahms in einem Brief aus Camberwell Blatt 24 von ihrem Ausflug nach Windsor: »… Den schönsten aller Parks sah ich zum ersten Male vorgestern in Windsor, und aber auch das schönste aller Schlösser! Beschreiben kann ich’s nicht, wenn Du’s aber siehst, so lebst Du den ganzen Shakespeare durch …« Sir Walter Scott weilte nur am 20. Oktober 1826 auf Einladung König ­Georgs IV. für einen Tag in Windsor, und zwar im sogenannten Königlichen Waldhaus. In seinem Tagebuch notierte Scott dazu: »Freitag 20. Wurde hinunter nach Windsor beordert für einen Tag, das war sehr gütig von seiner Majestät … Ging hinunter nach Windsor oder vielmehr zum Königlichen Waldhaus, das, obwohl von Kennern verspottet, kein schlechtes Beispiel eines Königlichen Ruhesitzes zu sein scheint und reizend gelegen ist – eine Art von Häuschen im großen Stil, vielleicht zu groß für den Stil, aber dennoch so gut gemacht, daß man auf den Wegen auf einmal nur Teile sieht, und diese sind bestens gegliedert und bilden mit den gewaltigen Bäumen ein einheitliches Bild.«

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Diese bei den Beschreibungen von Windsor immer wieder besonders e­ rwähnten »gewaltigen Bäume« meint Clara wohl.

Sample page The Cedars, Lieblingsaufenthalt Walther Scott’s nahe Windsor. D. 3 Juni 59.

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Sample page Blatt 24

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Blatt 24

Auch auf dieser Seite dominiert die Kombination charakteristischer Pflanzen­ organe von unterschiedlichen Arten zu einem Gesamtbild. Das Fehlen ­relevanter ergänzender Merkmale schränkt die determinatorischen Möglichkeiten ­erheblich ein und gestattet deshalb nur begrenzte Aussagen zur Sippe. Die mit den Stielen gekreuzt liegenden Fiederblätter zeigen deutlich Blattmerkmale der Rosen, indes kann nicht auf die Art innerhalb der Gattung Rosa geschlossen werden. Das sie »krönende« Blütenbüschel erweist sich auf Grund seiner spezifischen Strukturen als zur Familie der Rosengewächse (­ Rosaceae) gehörig; vermutlich stammt es von einem Spierstrauch (Spiraea). ­Darunter ­sehen wir zwei Blüten der Berglorbeerrose (Kalmia latifolia) – ­allerdings auf »artfremde« Laubblätter gelegt. Dann folgt – wie schon des Öfteren – das ­geliebte Vergissmeinnicht (Myosotis).

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Am 30. Mai hatte Clara Schumann in einem Brief an Theodor Kirchner über die Blatt 25 schlechte Saison in England geklagt und ihm mitgeteilt, dass sie am 11. Juni ­abreisen werde. Dann aber bekam sie noch zwei Engagements. Ihr l­ etztes ­Konzert in London fand am 27. Juni statt. An Brahms schrieb sie (­rückblickend) am 16. Juli aus Kreuznach: »Der Abschied von London ist mir zu g­ uter Letzt doch noch recht schwer geworden – das großartige Leben in allen ­Verhältnissen ist doch sehr fesselnd für den Moment; ohne daß man es merkt, gewöhnt man sich, an Alles einen größeren Maßstab anzulegen, und lebt so äußerlich f­reier, freilich im Innern bleibt man unbefriedigt. Der Hauptgrund aber, daß ich ­ schwer von dort ging, war Joachim, und ich fühlte hier wieder recht, wie nahe er meinem Herzen steht.«

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Sample page Abschied von London. d. 28ten Juni 59.

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Sample page Blatt 25

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Sample page Blatt 25

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Blatt 25

Der Abschied von London dokumentiert sich im Blumenbuch Clara ­Schumanns aus botanischer Sicht vielgestaltig und diffizil. Die Auswahl der pflanzlichen ­Erinnerungszeugen erfolgte ja allgemein unter ästhetischen Aspekten und nach emotionalen Momenten, so dass sie zum Teil nicht all jene Merkmalskomponenten enthalten, die zu einer näheren botanisch-systematischen ­Determination erforderlich sind (z. B. Laubblätter zu Blüten). Infolgedessen kann ­mitunter nur eine von (zwar begründeten) Vermutungen getragene Eingrenzung g­egeben werden. Die Albumseite weist im oberen Teil ein Laubblatt auf, das zur Gattung Ribes gehört (geläufig sind den meisten Menschen aus dieser Sippe die Stachel- und Johannisbeeren, sie enthält daneben jedoch noch viele wildwachsende Arten). Links davon ist ein Blütenstand inseriert, der zur Gattung der Spiersträucher (Spiraea) zu gehören scheint. Der Blütenstand rechts neben dem Ribes-Blatt lässt sich nicht einer definitiven Gattung zuordnen. Im unteren Teil der Seite ist (senkrecht aufgelegt) der Blütentrieb eines Lippenblütengewächses (Lamiaceae) zu erkennen. Der nahezu waagerecht liegende Zweig mit Blättern und Blütenknospen gehört einer Pflanze aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Cruciferae oder Brassicaceae) an.

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In Kreuznach hatte Clara Schumann auf der Reise nach Wildbad Station Blatt 26 ­gemacht, da ihre Tochter Elise sich hier einer Augenkur unterziehen sollte. Clara blieb einen Tag, um zu sehen, wie sich ihre Tochter einrichtet. An diesem Tag, dem 16. Juli, unternahm sie einen Ausflug nach dem nahegelegenen Münster am Stein und bestieg den direkt dem Ort gegenüber aus der Nahe aufragenden Porphyrfelsen Rheingrafenstein, das Wahrzeichen des Bades, auf dessen Spitze sich noch die Ruinen einer im 11. Jahrhundert erbauten Burg der ehemaligen Rheingrafen befinden. »Herr Kaner« ließ sich nicht identifizieren.

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1857 hatte Clara Schumann vom 12. Juli bis 3. September die Ferien mit Brahms und den kleinen Kindern in Oberwesel und St. Goarshausen verbracht und von dort aus zahlreiche Ausflüge und auch größere Touren unternommen, so u. a. Ende August zusammen mit Brahms und Julius Otto Grimm nach Kreuznach und Münster am Stein.

Sample page Rheingrafenstein von Herrn Kaner d. 16 Juli 1859. Münster am Stein D. 16 Juli 59 in Erinnerung vergangener Tage.

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Blatt 26

Der im oberen Teil aufgelegte Eichenzweig lässt sich anhand der Blätter nicht eindeutig bestimmen. Diese haben eine gewisse Ähnlichkeit mit denen der ­Zerr-Eiche (Quercus cerris), es könnte aber auch ein Zweig von Quercus ­turneri sein, die vor etwa 200 Jahren aus einer Kreuzung der heimischen Stiel-Eiche mit der spanischen Stein-Eiche (Quercus ilex) entstand und seither als ­Parkbaum kultiviert wird. Die darunter angeordneten Pflanzenteile sind das Fiederblatt eines Farns, der Blütentrieb eines Vergissmeinnichts und eine Strauchflechte.

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In Wildbad weilte Clara Schumann vom 19. Juli bis 29. August 1859 zur Kur. Blatt 27 Von dem Ort war sie begeistert. Gleich nach ihrer Ankunft berichtete sie Brahms am 20. Juli: »… Der Ort liegt gar friedlich, etwas melancholisch, rings von schwarz bewaldeten Bergen umgeben, viel Tannen, die den Saum der B ­ erge so schön dunkel erscheinen lassen. Das Tannen-Aroma wird man wohl erst spüren, wenn’s einmal regnet! Die Hitze, die wir auf der Reise ausgestanden, war fürchterlich, namentlich auf der letzten Strecke, 5 Stunden im Omnibus. Bis hier ist noch keine Eisenbahn gedrungen, sie fangen jetzt aber auch schon an – leider! Es will einem hier doch gar nicht in den Kopf …«

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Und Theodor Kirchner schwärmte sie am 27. Juli vor: »… Es gefällt mir sehr gut hier; ich habe noch kein Bad gefunden, wo es so ungenirt ist, wie hier! man kann jeden Tag andere Spatziergänge auf die Berge in die Tannenwälder machen, findet überall trauliche Plätze zum Ausruhen, und das Beste, man braucht keinen Menschen zu sehen, wenn man nicht will. So lebe ich denn, wie Sie wohl denken können ganz still zu Haus, im Walde und am Clavier …« Am 5. August schreibt Clara wieder an Brahms: »… Von hier läßt sich w ­ enig mittheilen, die Tannenwälder sind immer gleich schön, das Rauschen des ­Baches, an dem ich jetzt sitze, immer gleich lustig – könnte doch der Mensch auch so ewig frisch sein …«

Sample page Wildbad, Aug 1859.

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Sample page Blatt 27

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Blatt 27

Bei den sie frohstimmenden Spaziergängen in der Umgebung von Wildbad muss Clara Schumann auch ein Moor kennengelernt haben, dessen Vegeta­tion sie offenbar so beeindruckte, dass sie einiges zu ihrer Erinnerung entnahm. Die hier aufgelegten feingliedrigen Pflänzchen sind sämtlich Torfmoose (Sphagnum), die eine typische Vegetationskomponente der Moore darstellen. Vereinzelt sind auf Torfmoosbüscheln auch noch Teile einer fädigen Grünalge zu erkennen.

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Chronologische Übersicht 1857 Sommer 15. November 8. Dezember 13. Dezember 17. Dezember 19. Dezember 25. Dezember

Erinnerung vom Rhein Blatt München Zürich Basel Basel Zürich München

4 1 1 2 3 1 6

13. Januar 16. Januar 26. Januar 26. Januar 3. Februar 5. Februar 20. Februar 8. März 23. März 20. April 7. Mai 20. Mai 31. Mai 2. Juni 10. Juni 14. Juni 22. Juni 23. Juni 24. Juni 26. Juni 27. Juni 2. Juli

Erlangen Stuttgart Stuttgart Stuttgart Neuchâteler See Genf Genf Schaffhausen Berlin Berlin Berlin Lockwitz bei Dresden Hamburg-Neumühlen Kiel-Düsternbrook Göttingen Wiesbaden Bonn Düsseldorf Düsseldorf St. Goarshausen Schweizerthal, Rheinfels Wiesbaden

6 6 6 8 7 5 5 10 10 12 11 9 9 9 14 14 15 13 13 13 17 16

1859 27. Februar März 7. Mai 8. Mai 18. Mai 3. Juni 28. Juni 14. Juli 16. Juli August

Wien Dresden, Leipzig London London-Camberwell Manchester Windsor London Bonn Rheingrafenstein, Münster am Stein Wildbad

18 20 21 19 22 24 25 23

1858

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Bemerkungen zum botanischen kommentierenden Teil Der Inhalt des Blumentagebuches von Clara Schumann ist nicht mit einer unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten angelegten Pflanzensammlung zu ­vergleichen. Er ist nachhaltig vom persönlichen Empfinden geprägt, und zwar sowohl hinsichtlich des zu Gedenkenden als auch bezüglich ästhetischer Momente. Deshalb sind die pflanzlichen Erinnerungszeugen einer wissen­ schaftlich eindeutigen Determination mitunter nicht zugänglich. Die exakte Bestimmung mancher Arten lässt sich nur anhand der Beurteilung von Merkmalen aus verschiedenen Regionen der Pflanze (Blüte, Frucht, Hochblätter, Grundblätter ­u. a.) vornehmen. Diese Voraussetzungen sind freilich unter den oben erwähnten Aspekten nicht immer gegeben. So konnte bei einem Teil der Objekte nur eine (jedoch von der Erfahrung her begründete) Vermutung über die botanisch-systematische Zuordnung geäußert werden.

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Mit Rücksicht auf den breiten Leserkreis sei daran erinnert, dass im Beziehungsgefüge der botanischen Systematik (Taxonomie) die Art als ­Grundeinheit angesehen wird. Entsprechend der abgestuften, genetisch bedingten ­ Verwandtschaft werden ähnliche Arten zu einer Gattung und in gleicher ­ Weise Gattungen zu Familien zusammengefasst. Innerhalb der Art gibt es ­verschiedene Differenzierungen, z. B. Unterarten, Varietäten, Formen, Sorten. Letztere sind vor allem bei landwirtschaftlich-gärtnerischen Kulturpflanzen von Bedeutung.

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Zur Benennung von Arten, Gattungen und Familien wurden die wissenschaftlichen Pflanzennamen mit herangezogen. Diese sind durch internationale Konventionen eindeutig festgelegt. Die Volksnamen, vor allem jene, die vom Erscheinungsbild der jeweiligen Pflanzenart geprägt sind, differieren dagegen in verschiedenen Gegenden eines Sprachgebietes und so auch des deutschsprachigen Raumes erheblich. In den nationalen Florenwerken sind zwar die jeweils relativ häufigsten Volksnamen für eine Art erwähnt – sie wurden im vorliegenden Text auch appliziert –, ihre Verwendung ist aber nicht, wie die der wissenschaftlichen Pflanzennamen, an vereinbarte Regeln gebunden.

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Manchem Leser vermag hinsichtlich der Datierung der eingebrachten ­Pflanzen und deren natürlicher Blühzeit ein Hiatus auffallen. Abgesehen von den ­erwähnten Möglichkeiten gärtnerisch-kultivatorischer Natur (etwa des ­Frühtreibens) sollte auch daran gedacht werden, dass es möglich ist, bereits in der Vegetationszeit präparierte Pflanzen zu einem späteren Zeitpunkt als Geschenk zu überreichen. Ganz herzlich danken möchte ich meiner lieben Frau, D ­ r. ­Bärbel Schmidt, für ihre intensive Mitarbeit bei der Determination der Pflanzen und der Beratung des kommentierenden Textes. Dr. rer. nat. Harry Schmidt

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Für freundliche Unterstützung und Auskünfte sei folgenden Personen und ­Archiven gedankt: Dr. Gerd Nauhaus (Robert-Schumann­Haus, Zwickau), Dr. Helga-Maria Kühn (Stadtarchiv Göttingen) und Dr. Neidiger (­Stadtarchiv Stuttgart) sowie Herrn Schindowski (Stadtverwaltung Bad Kreuznach) ­ und Frau Brinkmann (Verbandsgemeindeverwaltung Bad Münster am ­Stein-Ebern­burg).

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Das Berliner Blumentagebuch der Clara Schumann 9 783765 102851

ISBN 978-3-7651-0285-1

9 783765 102851 C 19

BV 285

www.breitkopf.com

Das Berliner Blumentagebuch der Clara Schumann

Das Berliner Blumentagebuch der Clara Schumann

Blumen spielten im Leben der Menschen des 19. Jahrhunderts eine große Rolle – sie zu pflücken, zum Kranz zu binden, als Freundschafts- und Liebesgruß zu verschenken, sie als Zimmer- und Kleiderschmuck zu nutzen, gehörte zu den Formen allgemeiner Geselligkeit. In diesem Kontext sind die Blumentagebücher von Clara Schumann zu sehen: Das letzte der Reihe entstand, auf Veranlassung des jungen Johannes Brahms, zwischen 1857 und 1859 nach dem Tod ihres Ehemannes und zu einer Zeit der nun wieder verstärkt aufgenommenen Konzertreisen. Die faksimilierten Tagebuchseiten des in der Staatsbibliothek Berlin aufbewahrten Exemplars werden in unserer Ausgabe durch biographische und botanische Anmerkungen ergänzt.

Das Berliner Blumentagebuch der Clara Schumann

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BV 285 – Clara Schumann, Das Blumentagebuch der Clara Schumann  

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