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spektrum bregenzerwald

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A N S ICH T E N Z W I S CHE N BE S TĂ„ N DIG K E I T U N D N E U LA N D

Nachfolge

Ein mitunter heikles Thema im Wald

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Editorial Wenn ich den Bregenzerwald bei Tagungen, Veranstaltungen und Konferenzen außerhalb der Region vorstellen und präsentieren darf, kommt immer wieder die Frage auf, was am Wald und vor allem an den Wälderinnen und Wäldern denn so besonders ist. In meinen Augen besteht im Vergleich zu anderen Regionen bei uns eine tiefe Verbundenheit: zur Talschaft, zum Ort, zur Familie, zu Vereinen, zum Haus usw. Diese innige Bindung hat zur Folge, dass junge Menschen ihre Zukunft im ­Bregenzerwald sehen. Sie machen ihre Ausbildung in der Region oder kommen nach der Schule oder dem Studium wieder zurück. Hier wollen sie ihre Familie gründen, mit ihr leben und schlussendlich alt werden. Der Bregenzerwald hat derzeit gesamt gesehen nicht mit Abwanderung zu kämpfen. Wenn man andere ländliche Regionen in Österreich oder auch im Ausland betrachtet, ist dies alles andere als selbstverständlich. Mitunter ist es aber auch diese Verbundenheit, die Veränderungsprozesse schwierig gestaltet. Die Übergaben von Firmen und Betrieben, politischen und anderen Ämtern sind meist von starken Bindungen und Emotionen geleitet. Oftmals wird das Thema Nachfolge tabuisiert und gedanklich auf später verschoben. Und selbst wenn die Übergabe bereits erfolgt ist, wird nicht immer gerne darüber gesprochen. Wir haben das Thema trotzdem aufgegriffen. Auch diese Ausgabe des Spektrums ist facettenreich: Neben sehr persönlichen Geschichten werden auch generelle Entwicklungen und Wandlungen beschrieben. Und wir wären keine Wälder, gäbe es nicht auch positive Erlebnisse zum Thema Nachfolge. Diese zeigen, dass durch die Veränderung auch etwas Neues und Gutes entstehen kann. In diesem Sinn sehen wir auch die Tatsache, dass es sich bei dieser Ausgabe um die letzte Nummer des Spektrums handelt. Wir sind zuversichtlich, dass das Ende auch die Chance für einen Anfang sein kann. Mehr dazu auf Seite 7. Zum Abschluss darf ich mich im Namen der Institutionen und des Redaktionsteams bei den Leserinnen und Lesern bedanken und hoffe, dass Ihnen das Spektrum so wie uns viel Freude bereitet hat! Daniela Kohler Geschäftsführerin Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald

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Inhaltsverzeichnis Tipps & Veranstaltungen

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Aus den regionalen Institutionen REGIO Bregenzerwald Neue Wege im Bregenzerwälder Handel Geh- und Radweg Achtal: Bauarbeiten im Plan Vernetzung der regionalen Institutionen im Bregenzerwald Bregenzerwald Tourismus Keine Gästebetten im Bregenzerwald verlieren!

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Offene Jugendarbeit Bregenzerwald Wie schlecht ist unsere Jugend?

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KäseStrasse Bregenzerwald Viel Neues bei der KäseStrasse

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Werkraum Bregenzerwald Qualität geht vor Tradition

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Das aktuelle Thema: Nachfolge

Und wie sieht die Nachfolge aus? Nachfolge Christi im Hinterwald Grüß Gott, Frau Bürgermeisterin! Statt Landwirtschaft Tourismus? Kein Ruhetag, keine Hofübergabe

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Album

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Tipps & Veranstaltungen

Sichern Sie sich einen ganzen Winter lang Skivergnügen in 36 Skigebieten im Bregenzerwald, Großen Walsertal, Lechtal und Brandnertal mit insgesamt über 500 Kilometer Pisten und Skirouten. Der Vorverkauf der beliebtesten Saisonkarte Vorarlbergs dauert noch bis zum 16.12.2012. Mehr unter www.3taeler.at

Kleaborar Bahnteifl & Otto Hofer

Der Heimatpflegeverein ­Bregenzerwald lädt ein:

Sa, 1.12. & So, 2.12.2012: Altes Kino, Rankweil So, 16.12.2012: Casino, Kleinwalsertal Do, 10.1.2013: Wälderness, Schwarzenberg Fr, 11.1.2013: Nüziders Sa, 12.1.2013: Thal Fr, 25.1.2013: Kammgarn, Hard Sa, 26.1.2013: Gasthof Löwen, Andelsbuch SONDERKONZERT am Sa, 19.1.2013: Benefizkonzert in Egg mit Symphoniker Prof. Martin Ortner. Mehr unter www.bahnteifl.at

So, 16.12.2012 um 20 Uhr: Besinnlicher Abend im Advent in der Pfarrkirche Riefensberg Mi, 26.12.2012 um 17 Uhr: Wälder Weihnacht im Allgäu in der Sebastianskapelle in Weiler Do, 27.12.2012 um 20 Uhr: Andelsbucher singen und musizieren zur Weihnachtszeit in der Pfarrkirche Andelsbuch Das 31. Bregenzerwald-Heft und das Sagenbuch sind unter 0664/1320409 erhältlich. Mehr unter www.heimatpflegeverein.at

Bregenzerwald heft 2012

3TälerPass & Brandnertal – Die beliebteste Saisonkarte Vorarlbergs

Gaudete! Hittisau: in Wort, Klang und Licht. So, 16.12.2012, 16 bis 20 Uhr Am dritten Adventsonntag öffnen fünf spezielle Räume ihre Pforten für die vorweihnachtliche Freude. Neben ­musikalischen und literarischen Beiträgen gibt es auch viel Feuer und Licht für viele gespannte Besucher beim Rundgang durch das Dorf – ­Gaudete! Hittisau. Informationen und detailliertes ­Programm: www.hittisau.at

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Weihnachtsmärchen „Die verzauberten Brüder“ Do, 13.12.2012 um 10.30 sowie um 13.30 Uhr Gebhard-Wölfle-Saal, Bizau Die Weihnachtsgeschichte dreht sich um die zwei Kinder der ­gutherzigen Wassilissa, die von der alten ­Zauberin Baba Jaga entführt und in Bäume verwandelt wurden. Die Märchen von Jewgeni Schwarz zählen zu den schönsten russischen Märchen und wurden oftmals als Opern vertont und später auch verfilmt. ISBn 978-3-9503281-1-0

Bregenzerwald heft Jahrgang 31 / 2012


Adventmärkte in den Gemeinden Schwarzenberger Adventmarkt am Fr, 30.11. & Sa, 1.12.2012 jeweils von 15 bis 20 Uhr Schnepfauer Christbaumfeier am Sa, 1.12.2012 Dorener Adventmarkt am So, 2.12.2012 ab 15 Uhr auf dem Dorfplatz Lingenauer Adventmarkt am So, 2.12.2012 von 9.30 bis 17 Uhr auf dem Lingenauer Schulparkplatz Langenegger Krömlemarkt am Sa, 8.12.2012 von 14 bis 18 Uhr auf dem Dorfplatz

Kulturverein Bahnhof Andelsbuch Sa, 8.12.2012 um 21 Uhr: Konzert – Heidrun Wirth, Isabella Fink und Georg Sutterlüty unter dem Titel „Maria Empfängnis – Wer empfängt hier was?“ Fr, 14.12.2012 um 21 Uhr: Konzert Andoltisbuobo – Evelyn Fink geigt und jodelt in sämtlichen Richtungen und Johannes Bär groovt und singt nicht nur auf allem Blech. So, 23.12.2012 um 19 Uhr: Weihnachtskonzert Amüs Göl – der Gruß aus der Musikküche mit ­Isabella Fink, Martin Franz, Marcel und Michael Fetz, die für jede und jeden Musik machen. Ort: Bahnhof Andelsbuch Eintritt jeweils: € 15/12* www.bahnhof.cc

Landbus Bregenzerwald Ab 9.12.2012 gibt es einen neuen Fahrplan. Zahlreiche Veränderungen und Optimierungen sind in den Fahrplan 2012/2013 eingeflossen. Insbesondere die Anschlüsse auf die REX-Züge in Dornbirn und Bregenz am Morgen und am Abend wurden verbessert. Bitte ­informieren Sie sich frühzeitig über Ihre täglichen Verkehrs­wege, die Sie mit dem Landbus Bregenzerwald oder anderen öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen wollen. Mehr unter www.landbusbregenzerwald.at www.vmobil.at 23C 3M 82K / PMS

Fahrplan

Landbus Bregenzerwald

In Grund und Boden

Vorsilvesterkonzert – 1st Lake of Constance Navy Jazz ­Orchestra Project So, 30.12.2012 um 20 Uhr: Rathaussaal Andelsbuch Eintritt € 18/16* Kartenvorverkauf ab 5.12.2012 im Tourismusbüro Andelsbuch Dass die imaginären Seestreitkräfte unserer Heimat seit langem eine eigene Bigband benötigen, ist so klar wie guter Gebirgsenzianschnaps. Eine Gemeinschaft hochbegabter ­Musiker aus dem ganzen Land hat sich dieser Notwendigkeit angenommen und das erste Bodensee „Navy Jazz Orchestra“ ins Leben gerufen. Mehr unter www.jazzorchestra.at

Eine Geschichte von Sein und Haben von Peter Natter Inspektor Ibeles kriminalistischer Spürsinn ist gefordert: Was suchen Salvatore Scarlatti, Entsorgungs­ unternehmer aus Neapel, ­Gustav Glück, der Altölkrösus aus Wiesbaden und Dr. Antonius Petersen aus ­Hamburg im Lecher Nobelhotel Aldoro? Denn zum Skifahren sind sie nicht angereist! Was treibt die schöne Lidia Andreja Konstantinowna, bei der alle Fäden zusammenlaufen? Dann gibt es da noch Altbauer ­Schneider mit seinem heiß umstrittenen Grundstück. Und irgendjemand hat nichts Besseres zu tun als mit einer irrwitzigen Mordwaffe sein Unwesen zu treiben. Bucher Verlag: www.quintessence.at

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09.12.12 – 14.12.13

Alle Angaben ohne Gewähr, Änderungen vorbehalten. Stand Dezember 2012.

Ganz Vorarlberg mit einem Ticket.

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Aus den regionalen Institutionen REGIO Bregenzerwald Neue Wege im Bregenzerwälder Handel Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft leichter ­meistern, KundInnen und MitarbeiterInnen Neues bieten können: Daran arbeiten Bregenzerwälder Handelsbetriebe jetzt gemeinsam.

Mehr Info ich kauf im Wald REGIO Bregenzerwald Impulszentrum 1135 6863 Egg T 05512/26000 regio@bregenzerwald.at

Die Kaufmannschaften und Kooperationen der Region haben gemeinsam mit der REGIO Bregenzerwald in den vergangenen Monaten Grundlagenarbeit geleistet, die ersten Ergebnisse wurden im September mit über 60 VertreterInnen des Handels verfeinert. „Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann – und Lust macht auf mehr!“, so der einhellige Eindruck. Unter dem Motto „ich kauf im Wald“ wird es saisonal Aktivitäten geben, an denen sich Handelsunternehmen der ganzen Region beteiligen können. Bereits im November ist diese Kooperation bei verschiedenen Veranstaltungen präsent, erster Höhepunkt ist der Bregenzerwälder Adventkalender von rund 100 Betrieben. Man darf gespannt sein! Geh- und Radweg Achtal: Bauarbeiten im Plan Seit Anfang Oktober sind die Bauarbeiten an der ehemaligen Bahntrasse zwischen Egg und Doren im Gang. Mauern, Durchlässe und andere Bauwerke werden mit viel Handarbeit freigelegt und saniert, Rutschungen beseitigt und die Fahrstrecke instand gesetzt. Basis ist ein mit NaturschutzexpertInnen und mit der BürgerInneninitiative abgestimmtes Projekt. REGIO, Gemeinden, Behörden und die beauftragten Firmen arbeiten in enger Abstimmung daran, den Geh- und Radweg im Achtal zu einer Lebensader für das Gebiet werden zu lassen.

Mauerfreilegung und weitere vorbereitende Maßnahmen im Bereich Egg-Melisau

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Bregenzerwald

Regionalplanungsgemeinsa

Vernetzung der regionalen Institutionen im Bregenzerwald Im Rahmen des Förderprogrammes LEADER wurden seit 2008 gemeinsame Aktivitäten und Projekte von Bregenzerwald ­Tourismus, Werkraum, KäseStrasse, Offene Jugendarbeit und der REGIO unterstützt. Dazu zählten zum Beispiel der Bregenzerwaldtag 2008 und ein Informationsabend 2011. In regelmäßigen Abständen kommen die Obleute, vor allem aber die GeschäftsführerInnen zusammen, um sich auszutauschen. In diesen Vernetzungstreffen informiert man sich gegenseitig über aktuelle Tätigkeiten, stimmt sich aber auch über kommende Schwerpunkte und die strategische Ausrichtung der Region ab. 2008 bis 2012: Spektrum als gemeinsames Magazin Ein Teil des LEADER-Projektes (von EU, Bund und Land gefördert) war besonders sichtbar: Das Spektrum als gemeinsames Kommunikationsmedium der regionalen Institutionen hat sich zwischen 2008 und 2012 in zehn Ausgaben verschiedenen Themen gewidmet, die für die Region bedeutend sind. Der Bogen spannte sich von Mobilität über Wohnen und Vereine bis hin zur Gesundheit. Mit der aktuellen Ausgabe des Spektrums wird das LEADER-Projekt abgeschlossen. Wir bedanken uns bei allen, die an der Entstehung und Umsetzung des Magazins beteiligt waren. Ein besonderer Dank gilt vor allem jenen, die uns in den einzelnen Geschichten einen Blick in den Bregenzerwälder Alltag ermöglicht haben! Wir gehen den Weg weiterhin gemeinsam Auch wenn das geförderte Projekt zu Ende geht, wird sich die Zusammenarbeit der regionalen Institutionen fortsetzen. Die Vernetzungstreffen werden weitergeführt, geleitet wird der Austausch vom gemeinsamen Ziel aller, nämlich der nachhaltigen Entwicklung des Lebens-, Wirtschafts- und Kulturraums Bregenzerwald. Neben dem Spektrum wird bereits seit 2006 die ­Bregenzerwald Regional­ information als gemeinsames ­Kommunikationsmedium genutzt. Diese gelangt alle zwei Monate über die ­Bregenzerwälder Gemeinden zu deren GemeindevertreterInnen und wird außerdem allen Interessierten auf der REGIO-Homepage http://www.regiobregenzerwald.at/ bregenzerwald-regionale-themen.html zur Verfügung gestellt. Die gemeinsame Regionalinformation wird weitergeführt und weiter­ entwickelt. Im Bregenzerwald besitzen die VN-Heimat und das Gemeinde­blatt einen sehr hohen Stellenwert. Im Sinne eines effizienten Ressourceneinsatzes sollen diese und andere bestehende Medien hinkünftig auch für die gemeinsame Information von Bregenzerwald Tourismus, Werkraum, KäseStrasse, Offene Jugendarbeit und der REGIO Bregenzerwald vermehrt genutzt werden. bregenzerwald spektrum

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Aus den regionalen Institutionen Bregenzerwald Tourismus Text: Herlinde Moosbrugger

Keine Gästebetten im Bregenzerwald verlieren! Mit insgesamt knapp 15.000 Gästebetten liegt die Zahl der Übernachtungsmöglichkeiten im Bregenzerwald im Verhältnis zu seiner Größe und seinem Infrastrukturangebot an der unteren Grenze. Im Wald gibt es keine Hotelketten, die hier Hotels betreiben. Der Tourismus im Bregenzerwald ist durch kleine Betriebe geprägt – und alle werden von Familien geführt. Viele Beherbergungsbetriebe befinden sich seit Generationen im Familienbesitz. Gegenwärtig zählt der Bregenzerwald rund dreißig Vier-Sterne-Hotels und an die sechzig Drei-Sterne-Häuser plus zahlreiche Pensionen und Privatvermieter. Insgesamt verfügt die Region über etwa tausend Beherbergungsanbieter.

Die Krone in Au: eines der Top-Häuser im Wald und wie alle anderen auch ein Familienbetrieb

Generationswechsel im Tourismus Familienbetriebe bedeuten auch, dass bei jedem ­Generationswechsel die Frage auftaucht, ob die „Jungen“ den Betrieb übernehmen bzw. die Privatzimmervermietung weiterführen werden. Bei tausend Beherbergungsanbietern ist das praktisch ein Dauerthema in der Region. So lange es gut geht, kümmert sich kaum jemand darum – es wird als familieninterne Angelegenheit betrachtet. Geht die „Hofübergabe“ jedoch schief (was immer das dann heißt) oder wird ein Betrieb geschlossen, regt sich öffentliches Interesse  – freilich nur bei größeren Hotelbetrieben oder alteingesessenen Gasthäusern.

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So hat sich etwa der Anteil aller Privatzimmervermieter (Ferien­ wohnungen, Bauernhöfe, Übernachtung/Frühstück) im Bregenzerwald von 1.289 Vermietern im Jahr 1990 auf 913 Vermieter im Jahr 2010 verringert. Dies entspricht einem Minus von 30 Prozent – das sind um 376 Vermieter weniger.

Die Taube in Bizau. Es besteht momentan keine Gefahr, dass es zu viele Gästebetten im Wald gibt – eher das Gegenteil

Frauen übernehmen die Nachfolge in der Privatzimmervermietung Die Entscheidung, ob eine Vermietung von Privatzimmern weitergeführt wird, liegt fast ausschließlich bei Frauen. Privat vermieten ist eine nebenberufliche Tätigkeit – bei der Entscheidung der jungen Frauen handelt es sich also nicht um klassische Betriebsübernahmen. Viele unterschiedliche Gründe spielen eine Rolle – etwa berufliche Möglichkeiten außerhalb des Tourismus, Familienplanung, Fördergelder und auch das Image. Es wäre schön, wenn wieder mehr junge Frauen in der Privatzimmervermietung eine Zukunft sehen würden – die Rahmenbedingungen sind mit jenen, unter denen ihre Mütter zu arbeiten hatten, sicher nicht mehr vergleichbar. Es sollten nicht weniger Gästebetten werden Mit knapp 15.000 Gästebetten im Bregenzerwald bewegt sich die Gäste­bettenzahl im Verhältnis zur Größe der Region und ihrem Infra­strukturangebot an der unteren Grenze. Weniger Betten sollten es auf keinen Fall werden. Aus touristischer Sicht ist ein ausgewogenes Angebot in allen Bereichen enorm wichtig, um die positive ­touristische Entwicklung der Region fortführen zu können. Dazu gehören Privatzimmer ebenso wie Vier-Sterne-Häuser – es ist einfach eine bestimmte Menge an Gästebetten im Bregenzerwald nötig. bregenzerwald spektrum

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Aus den regionalen Institutionen Offene Jugendarbeit Bregenzerwald Text: Agnes Hollenstein

Wie schlecht ist unsere Jugend? Unter Jugendlichen scheint die Lust am Erwachsenwerden zu schwinden (die Erwachsenen können das vielleicht verstehen). Bernhard Heinzlmaier, Leiter des Instituts für Jugend und Kulturforschung, ging dieser Entwicklung nach. Jugend war schon immer ein idealer Spiegel für soziale Ängste und negative Zukunftsaussichten. Selbst dem altgriechischen Philosophen Aristoteles diente die Jugend zum Nachdenken über die sozialen Probleme seiner Zeit. So stellte er mit Blick auf die Jugend fest: „Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Sie ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“ Klagen über die Jugend sind so alt wie die Menschheit Aristoteles war und ist ein hoch angesehener Mann. Aber auch hoch angesehene Männer können mit ihren Einschätzungen irren. Von Vorurteilen geprägt und oft ohne Bezug zur Wirklichkeit sind auch viele der gegenwärtigen Aussagen über die Jugend. Dabei wird leider übersehen, dass sich gesellschaftlich vieles verändert hat. Unter der Vielzahl an Neuerungen, Möglichkeiten und dem wachsenden Leistungsdruck ist es nicht leicht, seinen Weg zu finden. Wenn Jugendliche dann manchmal „ausufern“, Grenzen überschreiten oder Erwartungen nicht erfüllen, erscheinen die Erwachsenen, die diese Grenzen gezogen haben, bald als Versager. Warum haben die Eltern ihre Kinder nicht besser erzogen, warum die Polizei nicht besser aufgepasst und die Lehrer Werte nicht besser vermittelt? Was stört die ältere Generation eigentlich an der Jugend? Damit nicht genug, erleben Erwachsene das achtlose Verhalten der Jugend ihren Werten gegenüber. Ihre Nachfolger, dafür aus­ ersehen, das, was sie aufgebaut haben, weiterzuführen, kümmern sich nicht um gesellschaftliche Regeln und Normen. Sie weisen auch die kulturellen Hervorbringungen und Besitzstände der Elterngeneration zurück. Immer wieder wird mehr Autorität und Disziplin gefordert. In den USA gibt es sogar eigene Erziehungslager, sogenannte Boot-Camps. Aber wie ist das nun? Oder anders gefragt: Was erschreckt Erwachsene an der Jugend eigentlich so? Ihr Individualismus? Ihre Haltung zu Politik, Gesellschaft und Religion? Ihre Lust am Konsum? Ihr Pragmatismus?

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Die Eltern waren auch einmal jung – oder? Konsumiert auf Teufel komm raus wurde auch schon vorher. Nutzenorientiert und pragmatisch war man schon vor 25 Jahren. Und Politikdistanz und ein kühles und abgeklärtes Verhältnis zu Religion gab es schon in den Achtzigerjahren. Was Erwachsene an Jugendlichen kritisieren, wäre also zumeist das, was ihnen selbst einmal eigen war oder was sie an sich selbst nicht akzeptieren zu dürfen glauben. Das ist kühn – und doch auf Generationen zurück zu beobachten.

Nachberichte, Bilder, Ankündigungen und Informationen zu den Themen und Aktionen der OJB gibt es auf der Homepage www.ojb.at

Hören wir also auf, unsere Jugend kategorisieren, bewerten oder ändern zu wollen. Sie wird wie alle Generationen vor ihr auch ihren eigenen Weg gehen. Seien wir ihnen dabei mehr Begleiter denn Maßstab. Und das sagen Wälder Jugendliche dazu: Katja, 15, aus Schoppernau: Oft werden Jugendliche schon aufgrund von Äußerlichkeiten wie ­Piercings, Tattoos, ausgefallenen Frisuren oder einem besonderen Kleidungsstil mit Vorurteilen konfrontiert. Diese abzubauen ist sehr schwierig und Äußerlichkeiten sagen doch eigentlich gar nichts über Charakter und Wesen aus! Gabriel, 16, Bizau: Ich finde es schade, dass alle Jugendlichen so oft in einen Topf geworfen werden. Besonders bei negativen Ereignissen oder Angewohnheiten heißt es sehr schnell „Typisch Jugend von heute“. Dabei ist es nur ein kleiner Anteil bzw. sind es nur wenige, die wirklich aus der Rolle fallen und sich danebenbenehmen. Der Rest von uns bemüht sich und benimmt sich auch normal. Anna, 16, Bizau: Ich finde, dass von uns Jugendlichen oft Dinge und Umgangsformen erwartet werden, die von den Erwachsenen selbst ignoriert werden. Ich bemühe mich zum Beispiel, höflich zu sein und grüße, wenn ich jemandem begegne, zurückgegrüßt wird aber oft nicht. Das ärgert mich dann schon.

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Aus den regionalen Institutionen KäseStrasse Bregenzerwald Text: Reinhard Lechner

Viel Neues bei der KäseStrasse Die KäseStrasse wird von einer neuen Ansprechpartnerin betreut. Die Mitglieder gewinnen bei großen Wettbewerben mit ihren Produkten Medaillen. Ende Februar haben uns Geschäftsführer Michael Moosbrugger und im Juni unsere Sekretärin Ingrid Rehm auf eigenen Wunsch verlassen. Wir danken beiden für ihr Engagement bei der Käse­Strasse. Die hektische Übergangsphase in den letzten Monaten konnte dank großartigem Einsatz der zwei Praktikantinnen, Tamara Dünser und Andrea Schwarzmann, sowie mit der unermüdlichen operativen Unterstützung von Peter Bereuter gemeinsam mit dem Vorstand bewältigt werden. Eine neue Ansprechpartnerin im Büro der KäseStrasse! Manch einer kennt sie vielleicht bereits oder hat sie zumindest schon einmal gesehen. Ihr Name ist Karin Bechter, sie ist 25 Jahre alt und wohnt in Langenegg. Seit dem Abschluss der HLW Rankweil im Sommer 2006 arbeitete sie bei der Inhaus Handels GmbH in Hohenems in der Verwaltung. In letzter Zeit wurde ihr immer mehr bewusst, dass sie sich nach einer regionalen Arbeit sehnt, bei der der unmittelbare Kontakt mit Menschen im Vordergrund steht. Dieser Wunsch hat sich mit der Anstellung bei der KäseStrasse erfüllt. Seit Anfang Oktober ist Karin Bechter als Assistentin der Geschäftsleitung der KäseStrasse Bregenzerwald in Lingenau tätig.

Karin Bechter, Assistentin der Geschäftsleitung, KäseStrasse Bregenzerwald

Erfolgreicher Messeauftritt der KäseStrasse Bregenzerwald Bei der diesjährigen Dornbirner Herbstmesse präsentierten sich Mitglieder und Partner der KäseStrasse an 15 Ständen. Für die beste Standgestaltung gab es den Ausstellerpreis der Messe Dornbirn. Auch das tägliche Bühnenprogramm mit Schaukochen, Produktvorstellungen und vielem mehr hinterließ sehr positive Eindrücke. Ein Höhepunkt war der Käseanschnitt mit Landeshauptmann Markus Wallner. Infos und Bilder unter www.facebook.com/kaesestrasse.bregenzerwald

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Wälder Käsemacher sind spitze! In den letzten zwölf Monaten erreichten zahlreiche Käsemacher der ­KäseStrasse Bregenzerwald bei den drei bedeutendsten Käse-Wettbewerben Spitzenplätze. Den größten Käsewettbewerb Österreichs veranstaltet die Wieselburger Messe: Beim „Kasermandl in Gold 2012“ gewann in der Kategorie ­„Hartkäse“ die Sennerei Sibratsgfäll mit Senn Herbert Baur und dem „Sibratsgfäller Bergkäse 12 Monate gereift“. Goldmedaillen erreichten „Wälderkäse“, „Sennerkäse würzig“ und „Rahmkäse“ von der Alpenkäse Bregenzerwald Sennerei aus Schwarzenberg, „Weinviadla-Kas“ und „Schoppernauer Bergkäse 6 Monate gereift“ der Bergkäserei Schoppernau, der„Langenegger Dorfkäse“ der Dorfsennerei Langenegg, „Wäldar Edelziege weiß“, „Wäldar Edelziege Kräuter“ und „Wäldar Edelziege Rotschmiere“ von Metzler Naturhautnah, Egg, der „Hubaner Original“ der Sennerei Huban Doren, „Vorarlberger Bergkäse“ und „Lingenauer Emmentaler“ der Sennerei Lingenau, „Riefensberger Naturbergkäse“ und „Riefensberger Sennereibutter“ der Sennerei ­Riefensberg, „Vorarlberger Bergkäse g.U. 6 Monate gereift“ und „Vorarlberger Bergkäse aus Heumilch“ der Sennerei Schnepfau sowie „Sibrats­gfäller Bachensteiner“ und „Sibratsgfäller Bergkäse 6 Monate gereift“ der Sennerei Sibratsgfäll. Silbermedaillengewinner sind die Bergkäserei Schoppernau mit dem „F.M. Felder Bergkäse“, die Dorfsennerei Langenegg mit dem ­„Langenegger Bergkäse“ und das Sennhaus Bezau Oberdorf mit ihrem „Vorarlberger Bergkäse“. Bronzemedaillen gewannen die Bergkäserei Schoppernau mit ihrer „Sennereibutter“, Metzler Naturhautnah aus Egg mit „Wäldar Edelziege Camembert“ und „Wäldar Edelziege in Öl – scharf“ sowie die Sennerei Huban mit dem „Hubaner Bergkäse“. Die bedeutendste Auszeichnung des Agrar.Projekt.Vereins, der GENUSS REGION ÖSTERREICH und der Agrarmarkt Austria ist die „Genusskrone 2012“, die alle zwei Jahre für österreichische Lebensmittel vergeben wird. Gewinner in der Kategorie „Schnittkäse aus Kuhmilch“ ist die Sennerei Huban Doren mit dem Senn Hans Kempf und dem „Hubaner Original“. Bei den World Cheese Awards 2011 in Birmingham, Großbritannien, gewann das Sennhaus Bezau Oberdorf mit Senn Ewald Feuerstein und dem „Vorarlberger Bergkäse 9 Monate gereift“ in der Kategorie ­„Hartkäse“ Super-Gold. Gold gab es für die Sennerei Andelsbuch mit dem „Bergkäse 6 Monate gereift“ und Bronze für die Sennerei Huban Doren mit „Hubaner Spezial“ und „Hubaner Bergkäse“. Wir gratulieren zu diesen hervorragenden Leistungen recht herzlich! bregenzerwald spektrum

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Aus den regionalen Institutionen Werkraum Bregenzerwald Text: Matthias Köb

Qualität geht vor Tradition Der Architekt Thomas Mennel betreibt seit über zehn Jahren Hausforschung im Bregenzerwald. Die Qualitäten der alten Wälderhäuser beeindrucken ihn nach wie vor. Ein Nachfolger dieses Haustyps ist für ihn nicht in Sicht. Herr Mennel, der Bregenzerwald verfügt über eine sehr traditionsreiche Architektur. Hat Sie das beeinflusst? Thomas Mennel: Was mich immer fasziniert hat, war die Wälder Stube. Sie ist ein überragender Raum. Er hat durch die Positionierung Ost- und Süd-Sonne und am Abend noch Westsonne. Die beste Ecke des Hauses – eine faszinierende Qualität. In der Architektur ist Qualität entscheidender als Tradition. Sind solche „alten“ Qualitäten im heutigen Holzbau noch zu finden? Provokanterweise muss ich sagen: nein. Was man mitgenommen hat, ist ein sehr pragmatisches und bewusstes Bauen. Aber ein richtiger Widerhall der früheren Handwerkskunst ist nicht vorhanden. Die Zimmermanns- und andere Handwerkstechniken waren schon einmal hochstehender. Wenn man sich die heutigen Holzhäuser anschaut, gibt es eine Halbindustrialisierung des Holzbaus mit vorgefertigten Elementen in der Halle. Vor ca. 150 Jahren hatten wir eine Blockstricktradition, bei der die Eckverbindungen fast dampfdicht gezapft und verschränkt waren. Das kann der Elementbau nicht. Durch heutige Normen muss alles eingepackt und verklebt werden. Diese Modernisierung will ich nicht schlechtreden, aber manche Dinge sollte man überdenken.

Blockstrickecke Verzahnung, Abbruchholz Alpe Rüschere, Bezau 2010. Thomas Mennel 2010

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Welche Neuerungen im Holzbau sollte man überdenken? Holzdübellösung mit ­wiederverwendetem Altholz, Mich interessiert das romantische Bild vom alten Haus nicht, sondern welche Qualität mit den damals vorhandenen Mitteln erzeugt Sanierung Hof 6, Schwarzenberg. Thomas Mennel 2012 wurde. So können zwei Massivholzdübel bei einer Holzverbindung dieselbe Kraftübertragung bewerkstelligen wie zwanzig Spax-Schrauben. Das lässt sich rechnerisch belegen. Warum bohre ich also nicht zwei Löcher und nehme Holzdübel, bevor ich zwanzig Schrauben hineindrehe und damit den Holzquerschnitt zerstöre? Das ist natürlich eine Zeit- und Kostenfrage, die Arbeitsvorbereitung der Dübel muss bedacht werden. 20 Spax verwenden geht schneller. Qualitativ und handwerklich ist es allerdings nicht vergleichbar. Dennoch muss man sagen, dass das Bewusstsein für gutes Handwerk bei uns im Vergleich zu anderen Regionen relativ hoch ist. Die Qualität ist da. Das kann man wirklich der Tradition zuschreiben, der man sich verpflichtet fühlt und die man sich auch leistet. Wie wirkt sich das Traditionsbewusstsein auf die Sanierung von alten Wälderhäusern aus? Mittlerweile werden wieder mehr Häuser saniert, zumindest wird ein wenig länger darüber nachgedacht. Dennoch werden nach wie vor viele Häuser abgebrochen. Nochmal, mir geht es nicht um das romantische Bild. Ich finde es nur tragisch, wenn ein Haus durch einen Neubau ersetzt wird, dieser aber an Wohnlichkeit, Behaglichkeit und auch an Materialqualität weit hinter seinem Vorgänger zurückbleibt. bregenzerwald spektrum

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Aus den regionalen Institutionen Werkraum Bregenzerwald Gewinnt man durch einen Neubau nicht an Qualität? Nehmen wir einen alten Strickstock: Wenn ich den auf dem gleichen Niveau neu erzeugen will, muss ich mich ordentlich anstrengen. Altes Holz ist ruhiger und engjähriger. Wenn das Haus nicht durch Feuchtigkeit belastet ist, hat man im Altbau eine Substanz, die kein Käfer und kein Ungeziefer mehr befällt. Und natürlich ist es weniger heikel im Hinblick auf Pflege und alltägliche Nutzung. Der Vergleich zwischen Neu- und Altbau hinkt natürlich bei anderen Dingen, wie der Raumhöhe und der Belichtung. Nicht alles ist toll, der Altbestand hat seine Tücken. Es gibt aber ausreichend Beispiele, wie diese sinnvoll gelöst werden können. Was wird bei Neubauten von den alten Wälderhäusern übernommen? Was bietet sich an? Dinge wie die Zugangssituation mit dem Schopf lassen sich gut in die heutige Zeit übersetzen. Ein überdachter, witterungsgeschützter Zugangsbereich ist nach wie vor eine intelligente Lösung. Oder auch die zentrale Ofenstellung. Ich finde, der Holzofen sollte wieder im Zentrum stehen und nicht im Keller. Denn eigentlich ist es unsinnig, dass die Abwärme im Keller verloren geht.

Sanierung Waldner, Egg 2012. Thomas Mennel 2012

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In welche Richtung wird sich die Bregenzerwälder Architektur entwickeln? Der typologische Prozess ist nicht abgeschlossen. Die architektonische Entwicklung der Neunzigerjahre hat den Langhaustyp (Anm.: ein lang gezogenes Rechteck als Grundriss) propagiert, der keinerlei Bezug zur Tradition darstellt und den ich als Sackgasse sehe. Die Idee dahinter war damals: Wohnen, Essen und Kochen in einem Raum – eine importierte Wohnphilosophie. Aber ich denke, dass sich das Modell überholt hat, die Leute wollen sich wieder ­separieren können. Welche Modelle wären besser geeignet? Wenn man den Stall nicht mitrechnet, hat das Wälderhaus ein gedrungenes Rechteck bzw. fast ein Quadrat im Grundriss eingeschrieben. Dadurch entsteht beispielsweise im Obergeschoss ein großer Gang (Flur), den man heute für alles Mögliche nutzen kann. Die Bewohner können sich zurückziehen, ohne sich in den Zimmern abzukapseln. Momentan ist das Bild im Kopf der Leute vom Langhaustyp geprägt. Aber ich meine, dass dieser nicht ideal ist. Typologisch hat der Grundriss einfach ein paar Macken. Deshalb, glaube ich, sind wir noch nicht am Ende der Entwicklung. Ist die aktuelle Entwicklung auch stärker geprägt von Einflüssen von außen? Das würde ich nicht einmal sagen. Die getäfelten Räume, die Fensterprofile der Wälderfenster, das alles wurde ja auch nicht bei uns erfunden. Das sind handwerkliche Importe aus der Hochkultur, vermutlich von Herrschaftshäusern aus dem städtischen Bereich. Den Input hatte man schon. In dem Sinne war man nicht konservativ, sondern eher immer pragmatisch offen für neue Sachen. Und das zieht sich durch bis zum Elementbau der heutigen Zeit. Dass allerdings ein Haustyp kommt, der die Architektur über Jahrhunderte prägt, ist momentan unwahrscheinlich. Früher gab es das Bauerntum als wirtschaftliche Grundlage für alle und damit die Bindung an Grund und Boden. Das hat alle unter einem Mantel vereint. Heute ist es schwer, eine Typologie zu finden, die für alle die passende Lösung darstellt, da diese Bindungen nicht mehr existieren. Natürlich bemühen wir Architekten uns, eine solche zu finden. Aber das Urteil über diese Bemühungen werden uns erst spätere Generationen präsentieren.

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Und wie sieht die Nachfolge aus? Im Gedicht ehren die Wälder das Alte und grüßen das Neue. Doch bei Hof­ übergaben und anderen Nachfolgeritualen sieht das oft etwas anders aus. Text: Georg Sutterlüty

„Ich bin in erster Linie dem innigen Wunsch der Mutter gefolgt, den Betrieb zu übernehmen. Bauer geworden bin ich aber erst nach einem über Jahre dauernden Reifungsprozess.“ Kaspanaze Simma

Kaspanaze Simma war elf, als sein Vater tödlich verunglückte. Die Mutter und zwei Kinder standen plötzlich vor unerwarteten, existenziellen Herausforderungen: Was soll mit dem landwirtschaftlichen Betrieb geschehen, wenn kein Oberhaupt da ist und die möglichen Nachfolger noch zu jung sind, um in die Fußstapfen des Vaters zu treten? Der Mutter bedeutete das landwirtschaftliche Anwesen viel, hatte es doch der Familie bisher das Nötigste zum Leben eingebracht. Sie setzte sich sehr dafür ein, dass der Betrieb weitergeführt würde. So halfen Verwandte und Nachbarn aus, bis Kaspanaze Simma alt genug war, das Anwesen eigenständig zu betreiben. Nachfolgeprobleme in den Sechzigerjahren Damals – Mitte der Sechzigerjahre – war die Fortführung des Betriebs keine Selbstverständlichkeit mehr. Der Bregenzerwald befand sich schon mitten in der Umbruchphase, als den Landwirten ihre Nachfolger abhandenkamen. Zusehends mehr Bauernsöhne wollten von der Arbeit im Stall und Feld nichts mehr wissen, zogen entweder in die Welt um zu studieren, oder lernten ein Handwerk oder Gewerbe, um eine geregelte Tätigkeit mit fixem Einkommen zu haben. Der Beruf des Bauern war in Verruf gekommen – Stallluft bedeutete gebunden sein an Hof und Tier, zudem war damit wenig zu verdienen und vom Urlaub am Meer durfte nur geträumt werden. Es wehte im Tal ein neuer, sehr verführerischer Wind des Aufbruchs. Ihn verspürte auch Kaspanaze Simma, der vorerst nicht recht wusste, ob er überhaupt Bauer werden sollte. „Ich bin in erster Linie dem innigen Wunsch der Mutter gefolgt, den Betrieb zu übernehmen. Bauer geworden bin ich aber erst nach einem über Jahre dauernden Reifungsprozess.“ Dazu gehörten viele Gespräche mit alten Bauern, Beobachtungen der Wirtschafts- und Lebensweise und die Einsicht, welch vielseitiges Arbeitsfeld die Landwirtschaft bieten kann. „Darüber hinaus hat mir das Bauersein eine ganz eigene Sicht von der Welt gegeben, die mich heute noch herausfordert und mir neue Einsichten schenkt“, so der Andelsbucher. Keiner redet gern über die Nachfolge Nachfolge – ein sehr vielseitiges Thema, zu dem jeder einen ganz eigenen Zugang hat: sei es in der Familie, im Dorf oder auf regionaler Ebene. Doch ist es auch ein heikles, oft ein unangenehmes Thema, denn es birgt einigen Zündstoff. Nachfolge ist nämlich eine der Schnittstellen, wo Altes auf Neues trifft, wo Ideen aufeinanderprallen und dabei oft gegeneinander konkurrieren. Dabei werden Energien frei, die stark genug sein können, um eine Familie oder gar eine Dorfgemeinschaft zu spalten. Gelingt es aber, ungleiche Energien zu bündeln und in einen Guss zu bringen, kann dies sehr

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reiche Früchte tragen: Es kann Neues entstehen, ohne dass dabei die Wurzeln vergessen werden. Das Wissen der Vorfahren als Fundament der Zukunft Nachfolge bedeutet also in erster Linie die Herausforderung, Gegensätze und unterschiedliche Vorstellungen aufeinander abzustimmen. Das sieht auch Leo Sutterlüty so, der Hauptinhaber der Bruggmühle in Egg. Während sich der Seniorchef nach und nach vom Betrieb lösen und Abstand von den geschäftlichen Entscheidungen seines Nachfolgers gewinnen sollte, tue Letzterer gut daran, auf dem Wissen und den Erfahrungen seiner Vorgänger aufzubauen, so Sutterlüty. Der Grund dafür: „Wer nicht einschätzen kann, was seine Vorgänger alles gemacht und geleistet haben, steht ohne Fundament da und wird rasch scheitern.“ Die Bruggmühle, ein Familienbetrieb, ist seit 1927 im Besitz der Familie Sutterlüty. Johann Peter ­Sutterlüty hat sie damals erworben, sie dann in den Fünfzigerjahren seinem ältesten Sohn Josef übergeben, der ­wiederum Anfang der Neunzigerjahre zugunsten seiner Söhne Leo, Gerhard und Norbert kürzertrat. Nach wie vor ist Josef Sutterlüty, mittlerweile 86 Jahre alt, aktiv. Er hält noch täglich persönlichen Kontakt zu den ­Kunden, fährt im Sommer von Alpe zu Alpe, um mit den Bauern zu sprechen. „Sich ganz zurückziehen, das ist nicht so einfach“, meint Josef Sutterlüty. „Als ich die Geschäftsleitung der Bruggmühle übernommen habe, nahm sich mein Vater dem bäuerlichen Anwesen der Mühle an, damit signalisierte er seinen Rückzug. Aber natürlich schaute er immer noch zum Rechten und wusste stets über die Geschäfte und ­Bilanzen Bescheid.“ Und die Geschichte wiederholt sich: Bei seinem Vater sei das jetzt auch nicht anders, so Leo ­Sutterlüty schmunzelnd.

Die Bruggmühle, ein Familienbetrieb, ist seit 1927 im Besitz der Familie Sutterlüty. Josef und Leo Sutterlüty

Nachfolge im mittelalterlichen Wald Die Bruggmühle hat eine lange Geschichte. Sie dürfte schon vor 1400 existiert haben, damals noch im Lehensstatus der ­Grafen von Montfort. Die Müller mussten bis 1600 dem Egger Pfarrer Zins zahlen. Nachfolge hatte im mittelalterlichen Bregenzerwald eine andere Bedeutung als heute. Schließlich gehörten das Land, die Höfe und Betriebe dem Grundherrn, der diese als Lehen ausgab und selbst über die Nachfolge bestimmen konnte. Praktisch der gesamte heutige Dorfkern von Schwarzenberg gehörte dem ­Kloster St. Gallen, Lingenau war mehrerauisch und Egg unterstand eine Zeit lang direkt dem Kaiser. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts fielen die bregenzerwald spektrum

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Dörfer des Bregenzerwaldes nach und nach in die Hände der Habsburger. Diese gewährten dem Tal und dessen Bewohnern für die damalige Zeit großzügige Freiheiten (dies galt allerdings weniger für die Gerichte im Vorderwald). Politisch manifestierte sich dies in einer eigenen, unabhängigen Gerichtsbarkeit (Gericht Innerbregenzerwald), gesellschaftlich in einem freien Bauerntum. Das öffentliche Leben dirigierten nun die Bregenzerwälder selbst, folglich etablierten sich einzelne Familien und Sippen, die das politische und wirtschaftliche Leben im Tal lenkten. Dafür hatten sie die bedeutenden politischen Ämter im Gericht (Landammann, Landwaibel, Landschreiber und Rat) und die religiösen Ämter in der Kirche des Tales (Pfarrvikar, Pfarrer) inne, die sie wiederum an ihre Nachkommen oder Verwandten weiterzugeben trachteten. Beispielsweise Wilhelm von Fröwis aus Egg, einer der ersten nachweisbaren Landammänner im Gericht Innerbregenzerwald, versorgte um 1400 seinen Sohn Heinrich mit der Pfarre Egg, einer sehr lukrativen Pfründe, die bis zum Ende des 15. Jahrhunderts in Familienbesitz bleiben sollte. 1496 war der aus der gleichen Sippe stammende Oswald von Fröwis als Landammann genannt, zur selben Zeit residierten Verwandte von ihm als Pfarrherren in Egg, Riefensberg und Bezau. Nachfolge in der Frühen Neuzeit im Bregenzerwald Eine bedeutende und mächtige Sippe aus der Landammannzeit waren die Feursteins aus Bezau. Konrad Feurstein wurde 1726 zum Landammann gewählt, er war damit der Zehnte aus der Sippe, der mit dem höchsten Amt im Wald betraut worden war. Vor ihm hatten bereits sein Großvater und sein Vater dieses Amt inne. Dass die Feursteins sehr vermögend waren, verraten die Steuerlisten. Vor allem verstanden sie es, während ihrer Tätigkeiten im Gericht ihren Geldbeutel um ein Beträchtliches zu füllen.

„Je schneller eine Familie zu Reichtum und Macht gekommen ist, desto rascher waren sie wieder weg.“ Johann Aberer

Nachfolge hat also auch mit Macht zu tun. Doch wer hoch steigt, droht einmal tief zu fallen. Davon kann Johann Aberer aus Schwarzen­berg ein Lied singen. Der Ahnenforscher ging den Spuren seiner Vorfahren nach und stieß stets auf dasselbe Phänomen: Dem Aufstieg einer Familie folgt nach zwei, drei Generationen der Abstieg. Und: „Je schneller eine Familie zu Reichtum und Macht gekommen ist, desto rascher waren sie wieder weg“, so der Schwarzenberger. Er führt als Beispiel den Johann Aberer, Sohn des 1741 ermordeten und reich begüterten Landammanns Melchior Aberer, an, der – als Wirt, Kaufmann, Bauer und Rat tätig – 1783 ein Vermögen von

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15600 Steuerpfund versteuerte. Das entsprach einem Wert von 1900 Rindern, er selbst besaß zeitweilig 92 Kühe. Seinem Sohn vererbte er nur den Pflichtteil (Unstimmigkeiten zwischen Vater und Sohn waren vorausgegangen), den großen Rest erhielten seine Enkel. Und es soll keine vierzig Jahre gedauert haben, so Aberer, da war das gesamte Erbe verschleudert. Ein Hauptgrund, warum einst wirtschaftlich und politisch dominante Familien recht rasch wieder von der Bildfläche verschwanden, waren innerfamiliäre, nicht überbrückbare Streitigkeiten. Ein Beispiel haben wir aus der Literatur. Franz Michael Felder schildert eindrücklich die Konflikte zwischen seinem Freund Seppel und dessen Vater. Während Letzterer die Ideale von „blutsaurer“ Arbeit und einem entbehrungsreichen Leben hochhielt, kehrte Seppel nach einem strengen Arbeitstag lieber im Gasthaus ein, um erst zu später Stunde mit leeren Händen nach Hause zu kommen. Der Streit zwischen Vater und Sohn eskalierte derart, dass Seppel für einige Jahre Schoppernau den Rücken kehrte und der Vater die Landwirtschaft alleine betreiben musste. Vermittler in der zeitgenössischen Nachfolge Konflikt und Streit sind natürlich nach wie vor präsent, wenn es um Nachfolge oder um das Erbe geht. Das weiß auch der ­Mellauer ­Hermann Hager, der in Bezau über vierzig Jahre im Notariatsgeschäft tätig war (von 1964 bis 2007) und laufend mit Verlassenschaftsangelegenheiten und Firmenübergaben zu tun hatte. Er müsse zugeben, als Notar habe man oft einmal vermittelnd einzuwirken, das sei vor vierzig Jahren nicht anders gewesen wie heute. Unterschiede zu früher sind vor allem gesellschaftlicher Natur. In den Siebzigern sind die letzten großen Erbteilungen von Gütern und Wäldern abgewickelt worden, es habe Verhandlungen mit bis zu hundert Erbberechtigten gegeben, so Hager. Jetzt ist mit dem Ende der Großfamilie die Form des Zusammenlebens anders geworden, neue Konfliktpunkte seien herangewachsen. Er nennt als Beispiel die Ehescheidungen. Es gibt aber auch andere Merkmale, die heute noch wirksam sind, jedoch kaum Beachtung finden. Nachfolge ist von der Tradition her eine rein männliche Domäne. Darauf weist auch Johann Aberer hin, der in der eigenen Genealogie feststellte, dass Erbschaften zerfielen, wenn männliche Nachkommen ausblieben. Dieses Phänomen hat sich bis heute weitestgehend gehalten, was die Hittisauerin Astrid ­Graninger zu spüren bekam.

„In den Siebzigern sind die letzten großen Erbteilungen von Gütern und Wäldern abgewickelt worden, es hat ­Verhandlungen mit bis zu ­hundert Erbberechtigten gegeben.“ Hermann Hager

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Frauen in der Nachfolge? Äußerst ungern! Sie entstammt einem Metzgereibetrieb, den ihr Großvater vor gut 100 Jahren begründete und ihr Vater als ältester Sohn der Familie später übernommen und ausgebaut hat. Vor über zehn Jahren wollte sie in den Betrieb einsteigen: „Ich war der einzige Nachkomme in meiner Familie, doch mein Vater war äußerst skeptisch: ‚Keinesfalls‘, meinte er“, erzählt die Hittisauerin, „das Metzgereiwesen gilt halt als reine Männersache.“ Graninger ließ sich davon nicht abbringen. Sie absolvierte als erste Frau im Land die MetzgerMeisterprüfung mit Bestnoten, worauf der Vater seinen Widerstand dann aufgab. Heute arbeite sie mit dem Vater gut zusammen, so Graninger: „Mein Vater ist immer noch im Betrieb tätig und kommentiert auch jeden meiner Pläne: ,Das kasch id so macho‘. Anfangs war es eine harte Zeit, doch akzeptierte er meine Entscheidungen. Wir haben gemerkt, wir sind aus demselben Holz geschnitzt. Letzten Endes packen wir immer gemeinsam an.“ Sie kann Frauen nur empfehlen, sich in Familienbetrieben einzubringen, auch in solchen von Männern beherrschten Sparten, denn die weiblichen Vorzüge kämen in jeder Sparte zur Geltung: „Frauen haben ein viel besseres Gespür für das Kleine und Feine, entscheiden mehr aus dem Bauch heraus und haben oft einmal eine ­sensiblere Nase für neue Trends als Männer.“ „Ich war der einzige ­Nachkomme in meiner Familie, doch mein Vater war äußerst skeptisch.“ Astrid Graninger

Nachfolge ist letztlich – wenn man den Bogen etwas weiter spannt – ein kulturelles Phänomen. Der Bregenzerwald tickt hier nicht anders als die Welt draußen. Die Talschaft hat sich durch den Rückgang der Bauern gesellschaftlich verändert. In weiterer Folge scheint es, dass dem Wald nun auch die einstigen Stützen der Gesellschaft abhanden­kommen. Es wird nämlich immer schwieriger, die religiösen und politischen Ämter sowie jene im Gesundheits- und Bildungsbereich neu zu besetzen. Hier bahnt sich Neues, ein Weg in das Unbekannte an, was folglich Ängste schürt. Das erklärt auch die etwas nostalgisch-verklärenden Blicke in die Vergangenheit. Doch zumindest die Geschichte lehrt, dass jede Zeit ihre Herausforderung hat. Und bis jetzt hat sie immer noch ihren Lauf genommen.

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Nachfolge Christi im Hinterwald Georg Willam ist Seelsorger in Au, Damüls, Mellau und Schnepfau. Viele Gemeinden haben Schwierigkeiten, Nachfolger für Pfarrer zu finden. Seit drei Jahren ist Pfarrer Georg Willam Seelsorger in der Pfarre Au, der Kuratie Au-Rehmen und Damüls. Vor zwei Jahren sind noch die Pfarreien in Mellau und Schnepfau dazugekommen. „Ganz so einfach ist es nicht“, meint er, „wenn man sich von einer Gemeinde, wo man 22 Jahre gewirkt hat, plötzlich verabschieden muss.“ Er bezieht sich dabei auf seine Versetzung aus der Pfarre DornbirnHaselstauden nach Au vor drei Jahren. „Schließlich wachsen einem die Gemeindemitglieder wie eine Familie ans Herz. Das Bild vom Pfarrer als Vater, der seine Kinder betreut und umsorgt, gefällt mir sehr gut. Aber mit der Priesterweihe habe ich auch den Eid abgelegt, gehorsam zu sein und dem Ruf, der an dieser Stelle von Feldkirch kam, zu folgen.“ Die Dornbirner ließen ihren Pfarrer nicht gern ziehen. Zahlreiche Anrufe, Unterschriften und eine mediale Offensive sollten die Diözese umstimmen. Dem war aber nicht so. Haselstauden bekam einen neuen Hirten und Pfarrer Willam trat seinen Dienst im hinteren Bregenzerwald an. „Es ist wie eine Firmenübernahme“ „Man kann sich das wie eine Firmenübernahme vorstellen, bei der nicht nur der Kundenstock, sondern Schlüssel, Siegel und Stempel übergeben werden“, erklärt Pfarrer Willam. Die offizielle Übergabe erfolgt im Beisein des Dekans und der Finanzzuständigen. Es gibt eine Inventarliste und der scheidende Pfarrer macht einen Kassa­ sturz. Sogar ein eigenes Protokoll gibt es zur Übergabe der Temporalien. „In Au waren wir schon eine Zeit lang mit dem Auto unterwegs. Mir wurde genau gezeigt, wo die Pfarrpfründe liegen und wie groß die Gemeinde ist. Dasselbe dann noch einmal in Damüls.“ ­Später kamen noch zwei weitere Pfarreien mit dem dazugehörigen Protokoll hinzu. „Das sind aber nur die irdischen Güter, eben die Temporalien, die wirtschaftliche, ja betriebliche Aspekte haben. Die Nachfolge als Seelsorger, als Hirte einer Gemeinde ist doch ungemein bedeutender.“

Text: Silke Ritter

„Ganz so einfach ist es nicht, wenn man sich von einer Gemeinde, wo man 22 Jahre gewirkt hat, plötzlich ­verabschieden muss.“ Pfarrer Georg Willam

„Bin bei der Nachfolge nicht enttäuscht worden“ „Mit Zuversicht und dem Vertrauen, dass es auch im Bregenzerwald viele Menschen mit gutem Willen gibt, die bereit sind, sich für das Reich Gottes einzusetzen, habe ich die Nachfolge angetreten und bin nicht enttäuscht worden. Beeindruckt bin ich vom gepflegten Umgang, der hier herrscht und der sicher aus dem Tourismus gewachsen ist. Bemerkenswert ist auch, dass alle per Du sind. Unlängst hat mich die Frau Bürgermeister von Mellau wieder darauf hingewiesen, dass sie die Elisabeth wäre und ich doch auch so zu ihr sagen soll. Ich muss mich noch daran gewöhnen, aber es gefällt mir sehr gut.“ bregenzerwald spektrum

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Grüß Gott, Frau Bürgermeisterin! Nur drei von 96 Bürgermeistern im Land sind Frauen – und alle sind Wälderinnen: Elisabeth Wicke, Annette Sohler und Theresia Handler. Text: Silke Ritter

„Da mir der Rückhalt der Lingenauer Bevölkerung gewiss war, wollte ich mich der Verantwortung stellen.“ Annette Sohler

„Grundsätzlich ist es mir wichtig, eine Gesprächsbasis zu schaffen, wo man immer miteinander reden kann.“ Theresia Handler

Bisher gab es in Vorarlberg nur sechs Frauen, die das Amt des Bürgermeisters ausgeübt haben. Bemerkenswerterweise fünf davon im Bregenzerwald, die einzige Nichtwälderin war Mechtild Barwart in Weiler. Nicht mehr aktiv ist Renate Schrammel aus Schröcken. Sie amtierte zehn Jahre lang als Bürgermeisterin und hatte bei den letzten Wahlen 2010 nicht mehr kandidiert. Von 1998 bis 2003 war Anna Franz Bürgermeisterin von Bezau und damit überhaupt die erste Frau Bürgermeisterin in Vorarlberg. Sie alle sind in ihrem Amt einem Mann nachgefolgt. In Lingenau amtiert eine der jüngsten Bürgermeisterinnen Österreichs, Annette Sohler. Wie kam es dazu? „Es war ein sehr schwieriger Entscheidungsprozess, da ich wusste, dass sich das Leben radikal ändern wird und viele Herausforderungen warten. Nachdem ich aber die meisten Vorzugsstimmen bekommen habe und mir der Rückhalt der Lingenauer Bevölkerung gewiss war, wollte ich mich der Verantwortung stellen.“ Derzeit sind in Lingenau zwei von 15 Gemeindevertretern und zwei von 14 Ersatzmitgliedern Frauen. Es stellt sich die Frage, warum es so wenig Frauen in die Politik zieht. „In der Vergangenheit haben die Männer Gemeindepolitik betrieben, die Frauen haben sich vor allem um die Werte, das Soziale und um das Wohlergehen der Familie gekümmert. Das Soziale wird zum großen Teil über die Vereine abgedeckt und dort sind die Frauen stark vertreten. Dabei lebt die Gesellschaft von der Zusammenarbeit beider Geschlechter. Frauen haben einen anderen, wärmeren Zugang zu Politik und politischen Themen. Sie empfinden Politik anders. Sie binden mehr die Lebensprozesse in ihr Denken ein, was vielfach zu einem anderen Gesprächsklima führt. Eine gesunde Durchmischung tut gut, weshalb ich mich über eine größere Beteiligung in der Gemeindevertretung freuen würde.“ Neu unter den Bürgermeisterinnen ist Theresia Handler. Sie steht der größten Gemeinde des Bregenzerwaldes vor und hat ihr Amt im April 2012 von Vorgänger Norbert Fink übernommen, der aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste. „Dass ich seit 20 Jahren gemeindepolitisch sozusagen im Geschäft bin, ist ein großer Vorteil. Egg ist als größte Gemeinde in zahlreichen Vorständen, von der REGIO über den Gemeindeverband bis zum Sozial­ sprengel und Stand Bregenzerwald. Inhaltlich muss man sich dabei mehr auf die Situation einlassen, schlussendlich ist man Letztverantwortliche und muss auch Entscheidungen treffen. Grundsätzlich ist es mir wichtig, eine Gesprächsbasis zu schaffen, wo man immer miteinander reden kann. Den Frauen wird nachgesagt, dass sie das besser

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können. Ich finde, Männer können das auch, nur wird es von ihnen nicht eingefordert.“ Derzeit sind in Egg drei von insgesamt 24 Gemeindemandataren Frauen. Vielleicht wird es in Zukunft leichter, Frauen für die Politik zu begeistern, wenn das Bürgermeisteramt weiblich besetzt ist? „Es mag Zufall sein, dass gerade in derselben Periode drei Frauen im Bregenzerwald das Bürgermeisteramt ausüben, aber ich finde doch, dass sich die Frauen im Bregenzerwald durch die gewachsenen Sozialstrukturen immer schon behauptet haben. Sehr positiv fällt mir auch das Klima in der REGIO auf. Die Bürgermeisterkollegen empfinden uns Frauen als Bereicherung und das ist Motivation – nicht der Geschlechterkampf.“ Schon länger im Geschäft ist Elisabeth Wicke, seit 2005 Bürgermeisterin von Mellau. Sie ist die einzige Frau in der Mellauer Gemeindevertretung und ein ehemaliger Schüler hat das sehr pointiert als „Wicke und die starken Männer“ bezeichnet. Warum ist das denn so? „Der Beruf des Bürgermeisters ist frauenfeindlich. Es gibt keine fixen Arbeitszeiten, sehr viele Abendtermine, viele Wochenendtermine, da kann man als Frau schon ins Trudeln kommen, wenn man Kinder hat oder so wie ich die Mutter gepflegt hat. Was flexibel erscheint und was ich oft höre, dass ich mir ja eh alles einteilen kann, ist es nicht. Auch habe ich festgestellt, dass Frauen lieber von der zweiten Reihe aus agieren und in Konfliktsituationen meist dünnhäutiger sind als Männer. Erschwerend kommt in Mellau dazu, dass durch das Mehrheitswahlsystem nur sehr wenige Frauen in den vorderen Positionen zu finden sind und dann sind es meistens solche, die bereits in anderen Funktionen, zum Beispiel in Vereinen, für die Gemeinde tätig sind.“ Gibt es denn in Zukunft noch genügend politisch engagierte Menschen, egal ob männlich oder weiblich, die sich für die Gemeindepolitik zur Verfügung stellen? „Leider ist derzeit das Ansehen der Politik so gering wie noch nie. Vertrauen setzen die Bürger aber immer noch in die Gemeindepolitiker und ich denke, dass es in diesem Bereich schon noch Menschen gibt, die politisch mitarbeiten und sich engagieren. Schwierigkeiten sehe ich dabei nur in der Bürgermeisternachfolge. Dort fehlen Wiedereinstiegsmöglichkeiten und der Zeitaufwand ist sehr hoch, sowohl für Männer wie auch für Frauen.“

„Der Beruf des Bürgermeisters ist frauenfeindlich.“ Elisabeth Wicke

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Statt Landwirtschaft Tourismus? Der Bregenzerwald war eine Bauernregion. Heute spielt der Tourismus eine wichtige Rolle. Nachfolger ist er nicht, aber er verändert die Region. Text: Matthias Köb

Hätte Frank Sutterlüty auch noch Erfahrungen im handwerklichen Bereich, so würde er fast als Spiegelbild der Region durchgehen – mit einem Augenzwinkern selbstverständlich –, lebt diese doch sehr stark von der Landwirtschaft, dem Tourismus und eben dem handwerklichen Gewerbe. Der 24-Jährige ist aufgewachsen auf einem Bauernhof in Großdorf. Eine Übernahme des Hofes stand für ihn jedoch nie zur Diskussion, auch wenn er natürlich auf dem Hof mithalf. Heute studiert er Tourismus- und Freizeitwirtschaft am MCI in Innsbruck. Von der Landwirtschaft zum Tourismus also. Eine Entwicklung, die auch der Bregenzerwald durchläuft? Bis 1983 reichen die Aufzeichnungen der Bregenzerwald Tourismus GmbH zurück. Und wer das Gefühl hat, „es kommen immer mehr Touristen zu uns“, ist auf dem sprichwörtlichen Holzweg. Rund 1,65 Millionen Nächtigungen verzeichnete man im Jahr 2011. 1983 waren es 1,68 Millionen. Von einer aktuellen Entwicklung zur Tourismusregion kann man anhand dieser Zahlen also nicht sprechen. Vielmehr ist der Bregenzerwald schon seit Jahrzehnten eine solche. Und angesichts von über 35.000 Stück Vieh bei nur 30.000 Einwohnern auch noch immer eine Bauernregion.

„Landwirtschaft und Tourismus funktionieren bei uns nur gemeinsam.“ Frank Sutterlüty

Beide Bereiche sorgen national wie international für positive Schlagzeilen. So ist der Bregenzerwald die größte zusammenhängende silofreie Region der EU, die Sennerei Oberdorf in Bezau sicherte sich 2011 die „Super-Gold“-Medaille bei den internationalen World Cheese Awards in Birmingham. Im Tourismusbereich zählten die Bregenzerwälder Hotels Schwanen Bizau (für dynamische Weiterentwicklung) und Krone Au (für ihr Kultur- und Kunden­ bindungsprogramm) 2011 zu den Innovationspreisträgern des Vorarlberg Tourismus. Um nur einige Beispiele zu nennen. Dass beide Bereiche seit Jahrzehnten aufblühen, sieht nicht nur Sutterlüty so: „Landwirtschaft und Tourismus funktionieren bei uns nur gemeinsam.“ Das liegt am guten Zusammenspiel. Auch Herlinde Moosbrugger, Geschäftsführerin von Bregenzerwald Tourismus, betont nachdrücklich: „Es ist kein Nebeneinander, es ist ein Miteinander.“ Die Schnittmenge zwischen den beiden Bereichen ist groß und beschränkt sich nicht nur auf offensichtliche Bereiche wie Urlaub am Bauernhof. Die zahlreichen Gäste im Bregenzerwald erleichtern den Bauern die Vermarktung ihrer regionalen Spezialitäten. Viele Jungbauern sind im Winter als Skilehrer oder bei den Seilbahnen beschäftigt. Diese Arbeitsplätze entstehen durch den starken Zuspruch im

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Fremdenverkehr, welcher wiederum auf der Geschichte und Tradition des Bregenzerwaldes als Bauernregion beruht. Jakob Greber, auf seinem Hof in Schwarzenberg Gastgeber für Besucher aus aller Welt, erklärt den Zusammenhang: „Die gepflegten Wiesen und Alpgebiete, die Naturprodukte, einfach die gesamte Erholungslandschaft bei uns im Bregenzerwald – das ist ja das Besondere für die Gäste.“ Und eben ein Verdienst der Landwirtschaft. Ein Zeichen für die gute Zusammenarbeit ist auch die Antwort auf die Frage, ob die Entwicklung des Bregenzerwaldes in die richtige Richtung geht. Denn egal ob Sutterlüty, Moosbrugger oder ­Greber  – die Antwort ist die gleiche: „Ich glaube, der Bregenzerwald ist gut aufgestellt und wird weiterhin eine gute Entwicklung nehmen.“ Besonders in der schnelllebigen Tourismusbranche ist die Gefahr einer Entwicklung in die falsche Richtung natürlich da. Die Erwartungshaltung der Gäste wird immer größer. Die Angst, diese bald nicht mehr erfüllen zu können und der Konkurrenz nicht mehr gewachsen zu sein, besteht jedoch nicht. Auch weil man sich auf die eigenen Stärken besinnt. „Wir sind keine Abenteuer- und keine Party-Region. Der Bregenzerwald punktet mit seinem Lebensraum. So muss man sich auch positionieren, der Fokus liegt auf Qualitätstourismus mit regionaler Wertschöpfung“, erklärt Moosbrugger und ergänzt: „Da muss man auch wissen, was das bedeutet, sonst konkurriert man am Ende des Tages am Markt mit Regionen wie Ischgl oder Kitzbühel.“ Ähnlich sieht es der Nachwuchs mit Tourismus-Student Sutterlüty, auch wenn er beispielsweise im Outdoor-Bereich durchaus Potenzial sieht: „Natürlich kann man diese Angebote ausbauen. Aber egal was für ein Angebot, es muss immer zur Region passen.“ Als schlechtes Beispiel spricht er ein im Bregenzerwald viel diskutiertes Thema an: „Wenn man eine Mehrzweckhalle mit Kino, Diskothek etc. im Bregenzerwald als Tourismusangebot rechtfertigt, ist das schwer nachvollziehbar.“ Glücklicherweise scheint den Wäldern bewusst zu sein, dass diese Entwicklung nur gemeinsam erfolgreich verlaufen kann. Die Wertschätzung für den eigenen Lebensraum ist hoch. Und wie sangen schon Stemmeisen & Zündschnur: „Jo, der wo das alls gmachot hat, das künnt a Wäldar sin.“

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Kein Ruhetag, keine Hofübergabe Rechts vor der Bezauer Seilbahn steht ein majestätisches Wälderhaus – die Taube. Seit dem 17. Jahrhundert wird es von der Familie Ratz geführt. Text: Irmgard Kramer

Der heutige Besitzer der Taube, der kinderlose Jodok Ratz Junior, kümmert sich um Landwirtschaft und Buchhaltung, während seine 81-jährige Schwester Annekathrin den Gastbetrieb am Leben erhält. Eine Hofübergabe zu Lebzeiten ist hier kein Thema. War es auch in vorherigen Generationen nicht. Als die Mama neunzigjährig starb, glaubte Annekathrin nicht länger Tag und Nacht allein in der Wirtsstube stehen zu können. Das ist zwanzig Jahre her und sie tut es immer noch, täglich ab sieben Uhr früh. So lange, bis der letzte Gast geht – manchmal erst um Mitternacht. Ruhetag gibt es keinen. Annekathrin ist überzeugt, dass das nur jemand schaffen kann, der so viel Arbeit schon von Kind auf gewöhnt ist. So wie sie, die immer mithelfen musste.

Sie mag es gern, wenn ihre Gäste sich gut unterhalten und in der Stube gelacht wird. Annekathrin Denz

Eigentlich wäre sie gern zwei Jahre länger zur Schule gegangen, dann hätte nämlich in Bezau die neue Hauptschule eröffnet. „Unmöglich!“, hieß es. Der Vater schickte sie auf Saisonarbeit, wollte, dass sie ein wenig fremdes Brot probierte: Weißes Kreuz Dornbirn, Hotel Mohnenfluh Schröcken, Löwen Lingenau, Schwarzach Engel – sie kochte und bediente, nahm aus jedem Haus Erfahrung mit, nicht alles gefiel ihr. Im Frühling, wenn die Arbeit und die Fremden wiederkamen, musste sie heim. Und dort ist sie heute noch. Eine einzige Reise hat sie in ihrem Leben gemacht: Gäste luden sie nach Stuttgart ein. Nach zwei Tagen hielt es Annekathrin nicht mehr aus, hatte das Gefühl, vor Heimweh sterben zu müssen. Seither würde sie Bezau nicht für viel Geld verlassen. Oft kommt sie wochenlang nicht ins Dorf. Deshalb erledigt ihre Tochter Annemarie den Einkauf. Auch sie hat selbst genug um die Ohren, führt sie doch in Bizau-Schönenbach die Jausenstube „Tüble“. Ist Not am Mann, springen aber auch die Enkel Julian und Nadja sowie Sohn Alwin und Schwiegertochter Monika ein und helfen, damit alles gut funktioniert. Annekathrin zeigt auf einen Wäscheberg, der von der Alp gebracht wurde. Ihr vierundachtzigjähriger Mann ist mit einem Gehilfen von Mai bis Oktober auf der Alpe Holderegg-Schreibere, am Fuß der Winterstaude. Gemeinsam produzieren sie täglich zwei Laib Alpkäse mit je rund 20 bis 25 Kilogramm und versorgen die fünfundzwanzig Kühe. Im Winter hilft er in der Wirtschaft und unterhält die Gäste. Dann kann sich Annekathrin um Arbeiten kümmern, die über den Sommer liegen geblieben sind.

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Angestellte hatte sie nie – darauf ist sie stolz. Touristen klopfen an, um hauseigenen Alpkäse oder Alpbutter zu kaufen. Die Wäsche bügelt Annekathrin zwischendurch, wenn alle Gäste bedient sind. Die kommen von überall her. Manche seit 40 Jahren. Sie mögen es gar nicht, wenn Annekathrin die Rechnung rasch im Kopf zusammen zählt und einen Betrag nennt. „Wir wollen’s wie bei der Mama mit der Tafel haben.“ Also holt Annekathrin die Schiefertafel und schreibt mit Kreide drauf, wie das „Miann“, ihre Mama, machte.

Gasthaus Taube vor 100 Jahren

Die Mama war bei allen beliebt. Die geborene Wirtin. Annekathrin macht die viele Arbeit oft sehr zu schaffen, wie sie selber sagt. Andererseits mag sie es gern, wenn ihre Gäste sich gut unterhalten und in der Stube gelacht wird. Jetzt fällt die Morgensonne durch die kleinen Fenster auf den Stammtisch. Der Holzboden knarrt. Polster, Vorhänge, Teppiche  – alles ist selbst genäht, gestrickt, gehäkelt. Wer einmal hier war, kommt wieder. So wie die Männer, die ihr erstes Bier und Kaffee bestellen und es genießen, dass sie hier noch rauchen dürfen. Wie’s weitergeht, weiß Annekathrin nicht. Letzthin fühlte sie sich nicht wohl. Zum ersten Mal schickte sie am Mittag die Gäste nach Hause, legte sich eine Stunde hin und öffnete am selben Abend nicht mehr. „Jo Horrgott, wo bischt du gsin?“ hieß es am nächsten Tag. Weil man es gewohnt ist, dass in der Taube immer offen ist. bregenzerwald spektrum

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Album

Das Album zeigt Fotos aus unserem Leben. Sie stammen von Privatpersonen und geben einen unmittelbaren Eindruck von allt채glichen oder auch besonderen Situationen der Nachfolge in verschiedenen Bereichen im Bregenzerwald.

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Ungelรถste Nachfolge In Alberschwende kann definitiv nicht mehr Eishockey gespielt werden. Der Betrieb der Eisarena durch den EHC Bregenzerwald wurde seitens der Gemeinde eingestellt. Noch blickt das Projekt Eishalle einer ungewissen Zukunft entgegen. EHC Bregenzerwald, 2012

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Alfons Eberle am Schmiedefeuer privat, ca. 1982

In derselben Werkstatt, in der Alfons Eberle fr端her 足geschmiedet hat, fertigt nun Enkelin Christina Eberle Schmuck an. Geschmiedet wird nicht mehr, aber nach wie vor wird Metall in veredelter Form weiterverarbeitet.

Christina Eberle macht Feinarbeit www.glanzstueck.at, 2012

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Verleihung des Titels „Ökonomierat“ an Hugo Waldner privat

Im Jahr 1970 wurde die Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald (kurz REGIO) gegründet. Hugo Waldner war einer der ersten ­Geschäftsführer. Nachfolgerin in der bisher männlich domininierten Domäne ist seit 2010 MMMag. Daniela Kohler aus Au.

Auszeichnung der REGIO zum klima:aktiv mobil-Projektpartner. Lebensministerium/APA OTS Strasser, 2011

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Album

Die Bezauer Gondelbahn Vorarlberger Nachrichten, 1956

Die erste Personenseilbahn des Bregenzerwaldes führte bis zum Vorsäß Sonderdach ober Bezau. 1960 wurde dann die zweite Sektion auf die Baumgartenhöhe eröffnet. Seit 2010 ist die neue Pendelbahn in Betrieb und befördert stündlich bis zu 345 Personen.

Die neue Pendelbahn FUNIFOR Ludwig Berchtold, 2012

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Sophie Bechter am Herd privat, 1952

Ab den 30er Jahren bekochte Sophie Bechter im Holzgauerhaus auf 1.512 m in Warth-Lechleiten die Gäste. Mittlerweile hat ihre Enkelin Christine den Betrieb von ihren Eltern Waltraud und Sigi Bechter übernommen. Noch wird umgebaut bis zur Eröffnung im Dezember.

Christina und Waltraud Bechter beim Umbau www.holzgauerhaus.at, 2012

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Album

Sennalpe Batzen Verein uf m Tannberg, 2012

Das Alpmuseum wurde 2002 eröffnet, 100 Jahre nachdem die letzten Dauer-Siedler die Alpe auf 1.570 m Seehöhe verlassen hatten. Dank der Bemühungen des Tannberger Kulturvereines entstand ein Freilicht-Alpsennereimuseum.

Museumsführer Edwin Schwarzmann in der alten Sennküche Verein uf m Tannberg, 2012

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Vakanz 1985 privat, 1985

Eine bewegte Geschichte hat das Haus in der Vorderreuthe an der B200 hinter sich. In den 80er Jahren war es als Bar Vakanz ein 체berregionaler n채chtlicher Anziehungspunkt und mittlerweile Legende. Jetzt ist es Heimat des islamischen Kulturvereines ATIB.

ATIB 2012 privat, 2012

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Bregenzerwald

Regionalplanungsgemeinsa

Regionalentwicklung Bregenzerwald GmbH Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald Impulszentrum 1135, 6863 Egg T +43 5512 26000 . F +43 5512 26000-4 E regio@bregenzerwald.at . H www.regiobregenzerwald.at Werkraum Bregenzerwald Hof 800, 6866 Andelsbuch T +43 5512 26386 . F +43 5512 26387 E info@werkraum.at . H www.werkraum.at Offene Jugendarbeit Bregenzerwald Impulszentrum 1135, 6863 Egg T +43 5512 26000-12 . T +43 5512 26000-4 E office@ojb.at . H www.ojb.at KäseStrasse Bregenzerwald Verein zur Förderung der Bregenzerwälder Käsekultur Zeihenbühl 423, 6951 Lingenau T +43 5513 42870-41 . F +43 5513 42870-40 E info@kaesestrasse.at . H www.kaesestrasse.at

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Bregenzerwald Tourismus GmbH Impulszentrum 1135, 6863 Egg T +43 5512 2365 . F +43 5512 3010 E info@bregenzerwald.at . H www.bregenzerwald.at

Das „Bregenzerwald Spektrum“ erscheint zweimal jährlich und kann unter regio@bregenzerwald.at oder telefonisch unter +43 5512 26000 a­ ngefordert werden. Falls nicht alle Inhaber von Urheberrechten ausfindig gemacht werden konnten, ist der Herausgeber bei e­ ntsprechender Benachrichtigung gerne bereit, die Ansprüche im üblichen Rahmen abzugelten. Wir haben uns bei der Formulierung der Texte um leichte Lesbarkeit bemüht. Soweit personenbezogene Begriffe ­ verwendet werden, kommt ihnen keine geschlechtsspezifische Bedeutung zu. Impressum Herausgeber und Medieninhaber: Regionalentwicklung Bregenzerwald GmbH, 6863 Egg Auflage: 13.000 Exemplare Für den Inhalt v­ erantwortliche Projektleitung: Daniela Kohler; namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen Redaktion: Fuchs & Partner, Wien G ­ estaltung: broger grafik, Andelsbuch, www.broger.at Fotoredaktion: Silke Ritter, Egg, www.sisi-schreibbüro.at Lektorat: Martin Johler, Alberschwende, www.verbosus.at Druck: Druckhaus Gössler GmbH, Bezau Die bei der Erzeugung dieses Druckwerkes entstandenen Emissionen werden im Rahmen des Climate­ Partner-Prozesses für Druckerzeugnisse durch den Ankauf und die Stilllegung von ökologisch hochwertigen Emissionsminderungs­zertifikaten aus anerkannten Klimaschutzprojekten ausgeglichen.

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Raiffeisen. Meine Bank im Bregenzerwald

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Luise und Manfred Fitz an der Juppen-F채ltelmaschine in Egg Um 1900 konstruierten Bregenzerw채lder Handwerker eine F채ltelmaschine, die in den Besitz der Familie Fitz in Egg kam und dort bis ins Jahr 2000 in Betrieb war. Die Nachfolge 체bernahm die Juppenwerkstatt Riefensberg. Mit dieser Maschine werden nach wie vor etwa 500 Falten in einen Juppenstoff von 480 cm Umfang gelegt. Luise Fitz, 1982


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