Issuu on Google+

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 08. September 2010

Diese Studie enthält ausschließlich allgemeine Informationen, die nicht geeignet sind, den besonderen Umständen eines Einzelfalles Einzelf gerecht zu werden. Sie hat nicht den Sinn, Grundlage für wirtschaftliche oder sonstige Entscheidungen jedweder Art zu sein. Sie S stellt keine Beratung, Auskunft oder ein rechtsverbindliches Angebot dar und ist auch nicht geeignet, eine persönliche Beratung zu ersetzen. e Sollte jemand Entscheidungen jedweder Art auf Inhalte dieser Präsentation oder Teile davon stützen, handelt dieser ausschließlich ausschließ auf eigenes Risiko. Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft übernimmt keinerlei Garantie oder Gewährleistung noch haftet sie in irgendeiner anderen Weise für den Inhalt dieser Mandanteninformation. Mandanteninformation Aus diesem Grunde empfehlen wir stets, eine persönliche Beratung einzuholen.

Transaction Advisory Services

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Restriktionen der Studie

Die Studie unterliegt folgenden Restriktionen Restriktionen der Studie •

Aufgrund fehlender Prognosedaten und Unsicherheiten bei der Umsetzbarkeit in Deutschland (vgl. Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 28. März 2006 zum staatlichen Glücksspielmonopol) wurde nicht für alle denkbaren regulatorischen Gestaltungsmöglichkeiten ein Szenario aufgebaut bzw. gerechnet. Dabei ist zunächst eine reformierte Fortführung des GlüStV (Monopolsituation) unter deutlich besseren Rahmenbedingungen für den staatlichen Wettanbieter zu nennen. Beispielsweise zeigt die Situation in Schweden, dass ein hoher Marktanteil des staatlichen Anbieters im Monopolfall möglich ist. Voraussetzung dazu ist jedoch neben der angebotsseitigen Erweiterung des Handlungsspielraums für den staatlichen Anbieter (z.B. Marketing für den Aufbau einer bekannten angesehenen Marke; Aufbau von wettbewerbsfähigen Angeboten insbesondere hinsichtlich der Vielfalt und Ausschüttungsquote der Wetten, bedienungsfreundliche Internetpräsenz mit Online-Wetten) die staatliche Sanktionierung der Nachfrage für den unregulierten Markt (z.B. mit ausgehändigten sog. „schwarzen Listen“ an die Internet Service Provider, konsequenter strafrechtlicher Verfolgung und Einschränkung der Zahlungsmöglichkeiten an nicht-lizenzierte Anbieter durch entsprechende Kontrollmöglichkeiten bei Bank- und Kreditinstituten). Grundsätzlich ist zu betonen, dass die Steuerhochrechnung in dieser Studie verschiedene Szenarien modelliert, die in der Zukunft liegen und daher mit hoher Unsicherheit versehen sind. Das kalkulierte Steuervolumen ist daher als Indikation zu verstehen, deren tatsächliche Höhe eine Funktion vieler, kaum zu kontrollierender Variablen ist.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

2

Für beide Bemessungsgrundlagen (Besteuerung Bruttospielertrag oder Spieleinsatz) ist festzuhalten, dass ein höherer Steuersatz nicht mit linear steigenden Steuereinnahmen einhergehen kann. Im Monopolfall besteht die Gefahr, dass eine zu hohe Besteuerung aufgrund unattraktiver Quoten zur Abwanderung in den unregulierten Markt führt, wohingegen im Fall der Deregulierung ab einem gewissen Schwellenwert kein privatwirtschaftliches Handeln mehr möglich ist. Gerade im wachsenden Online-Sportwettenmarkt konkurrieren regionale Märkte durch ihre regulatorischen und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen (vgl. Machke/Schmidt 2010).

Neben dem fiskalischen Primär-Effekt entstehen durch die Wertschöpfung durch Sportwetten potentiell weitere positive Steuereffekte für Bund, Länder und Kommunen, die ebenfalls nur sehr approximativ geschätzt werden können. Im Rahmen von umfangreichen Input/Output-Analysen können beispielsweise indirekte Effekte wie Gastronomie-Umsätze, Werbebudgets oder Dienstleisteraufträge berücksichtigt werden. In vergleichbaren Studien wird z.B. ein Multiplikator für induzierte Effekte in Höhe von ca. 1,3 angenommen (vgl. Rebeggiani 2010, Brischkat/Hornuf 2009).

Die Studie trifft keine Aussage zu Suchtprävention und Jugendschutz. Ebenso wenig erfolgt eine rechtsökonomische und ordnungspolitische Bewertung; hierzu gibt es umfangreiche Literatur, stellvertretend soll auf einen aktuellen Beitrag von Engel/Hornuf (2010) verwiesen werden.

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Glossar §

Paragraph

i.d.R.

In der Regel

Euro

i.H.v.

In Höhe von

£

Britisches Pfund

ISP

Internet Service Prvider

ARJEL

Autorité de Regulation des Jeux En Ligne

LBO

Licensed Betting Office (lizensierte Wettshop/-büro)

BIP

Bruttoinlandsprodukt

Live-Wetten

Bruttospielertrag (BSE) bzw. Bruttorohertrag (BRE)

Während des Sportereignisses können kurzfristig Wetten platziert werden

Wettumsatz abzüglich ausgezahlte Gewinne

LStV

Lotteriestaatsvertrag

KSt

Körperschaftsteuer

CAGR

Compound Annual Growth Rate

Mio.

Millionen

CNDS

Centre National pour le Développement du Sport

Mrd.

Milliarden

DLTB

Deutscher Lotto- und Totoblock

n/a

Data either not applicable or not available

E

Estimate / Schätzung

Peer group

Vergleichsgruppe branchenähnlicher Unternehmen

EFTA

European Free Trade Association

PMU

Pari Mutel Urbain (französischer Pferdewettanbieter)

EGBA

European Gaming & Betting Association

sbA

Sonstige betriebliche Aufwendungen

EU

Europäische Union

UEFA

Union of European Football Associations

EWR

Europäischer Wirtschaftsraum

u.a.

unter anderem

FDJ

La Française des Jeux

USA

Vereinige Staaten von Amerika

FOBT

Fixed Odd Betting Terminal (elektronischer Spielautomat)

UStG

Umsatzsteuergesetz

GBP

Britisches Pfund

VEWU

Verband europäischer Wettunternehmer

GewSt

Gewerbesteuer

GlüStV

Glücksspielstaatsvertrag

GGR

Gross Gambling Revenue (siehe Bruttospielertrag)

GGSG

Geldgewinnspielgerät

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

3

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Quellenverzeichnis Adams, Michael & Tolkemitt, Till (2001)

Das staatliche Lotteriewesen: Eine wirtschaftswissenschaftliche und rechtspolitische Analyse des Deutschen Toto-Lotto-Blocks Toto

Becker, Tilman (2007)

Monopol, Lizenzlösung oder Liberalisierung aus ökonomischer Perspektive

Becker, Tilman (2007)

Der Markt für Glückspiele und Wetten

CDU Fraktion & FDP Fraktion

Schlesweg-Holsteinischer Entwurf eines neuen Glücksspielstaatsvertrages (vorgelegt am 9. Juni 2010)

Deloitte (2006)

Studie zu ausgewählten Aspekten des deutschen Sportwettenmarktes

Deloitte (2010)

The full picture, an economic impact of British Betting industry

Deutsche Bank Research (2007)

Staatliches Wettmonopol – ohne ökonomische Legitimation

Engel, Martin/Hornuf, Lars (2010)

Das deutsche Glückspielmonopol: Eine rechtsökonomische und ordnungspolitische Analyse

Glücksspielstaatsvertrag – GlüStV

Staatsvertrag zum Glückspielwesen in Deutschland

Goldmedia GmbH Media Consulting & Research (2006)

Online Betting & Gambling 2010: Marktpotentiale für Online-Glücksspiele Online in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Goldmedia GmbH Media Consulting & Research (2010)

Glücksspielmarkt Deutschland 2015 – Situation des Glücksspielmarktes in Deutschland

Goldmedia GmbH Media Consulting & Research (2010)

Glückspielmarkt Schleswig-Holstein 2015 – Gutachten zu den möglichen Entwicklungen des Glücksspielmarktes in Schleswig-Holstein

H2 Gambling Capital (2009)

Sport Betting

HM

HMRC Gambling Bulletins

Hornuf, Lars/Britschkat, Günter/Nerb, Gernot (2006, ifo Institut)

Auswirkungen des Bundesverfassungsgerichtsurteils zum Sportwettenmarkt auf die deutsche Volkswirtschaft

Hofer, Joachim (2010)

Wettmonopol treibt Zocker ins Ausland, in: Handelsblatt 18. April 2010, Nr. 74, S.30 f.

Jahrbuch Sucht (2006-2009)

Jahrbuch Sucht – Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.

Kreutzer, Fischer & Partner (KF&P)

Glücksspiel & Sportwetten in Österreich 2010

Landesbank Rheinland-Pfalz (2006)

Markt für Sportwetten: Liberalisierung und WM 2006 – Startschuss für das Milliardenspiel.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

4

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Quellenverzeichnis MAG Consulenti Associati (2010)

Glücksspiele in Italien: Die rechtlichen Rahmenbedingungen 1998 - 2009

Media & Entertainment Consulting Network (2005)

Der deutsche Wettmarkt im Umbruch – Massives Wachstum oder Rückkehr zum alten Modell?

Media & Entertainment Consulting Network (2010)

Online Gambling Trends – 2010/11 The guide to the future of online gambling

Maschke, Mario/Schmidt, Ulrich (2010)

Das Wettmonopol in Deutschland: Status quo und Reformansätze

Mintel

Mintel Report (2009) into Gambling Sector

MKW Wirtschaftsforschung GmbH (2008)

Studie über die Auswirkungen des Glückspielstaatsvertrages zum LotterieLotterie und Sportwettenmarkt auf die deutsche Volkswirtschaft

Österreichischer Buchmacherverband (2006)

Handbuch des österreichischen Buchmacherverband.

Rebeggiani, Luca (2010)

Deutschland im Jahr Drei des GlüStV: Reformvorschläge zur Regulierung des deutschen Glücksspielmarktes

Schweizerisches Institut für Rechtsvergleichung (2006)

Study of Gambling Services in the Internal Market of the European Union.

Schweizerisches Institut für Rechtsvergleichung Lausanne (2009)

International Vergleichende Analyse des Glücksspielwesens (Teil I bis IV)

SES Research GmbH (2006)

Sportwetten in Deutschland - Hoher Einsatz gegen freie Märkte.

Sport+Markt AG (2006)

Deutschland bietet die größte Zielgruppe, in: Horizont Sportbusiness 09/2006, S. 3.

Vieweg, Hans-Günther (2009)

Der deutsche Glücks- und Gewinnspielmarkt im europäischen Kontext

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

5

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Wesentliche Feststellungen

Kapitel Wesentliche Feststellungen

Seite 7

Marktüberblick

11

Internationales Benchmarking

18

Prognosemodell und Szenarioanalyse

29

Ausblick

46

Anlagen

49

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

6

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Wesentliche Feststellungen

Dem rückläufigen Trend der letzten Jahre im regulierten deutschen Sportwettenmarkt kann laut Branchenexperten im Falle einer Deregulierung ab 2012 entgegen gewirkt werden Bereich Deutscher Glücksspielmarkt (2005-2008)

Deutscher Sportwettenmarkt (2009-2015)

Wesentliche Feststellungen •

Nach in Kraft treten des Glücksspielstaatsvertrags (GlüStV GlüStV) in 2008 sind erste Auswirkungen auf dem deutschen regulierten Glücksspiel- und Unterhaltungsautomatenmarkt erkennbar geworden. Der GlüStV gibt den rechtlichen Rahmen für den Lotto-, Wett-, Casinomarkt vor, wohingegen der Unterhaltungsautomatenmarkt über die Spielverordnung geregelt ist. Zwischen 2005 und 2008 sind die Wett- und Spieleinsätze im regulierten Angebot jährlich durchschnittlich um 3,2% gesunken, lediglich der Bereich der Unterhaltungsautomaten konnte dem allgemeinen negativen Trend entgegen wirken.

Während im Lottomarkt die Spieleinsätze um 19% von € 10,0 10 Mrd. (2005) auf € 8,1 Mrd. (2008) zurück gingen, hat sich der Bruttospielertrag (BSE; Wetteinsatz abzüglich ausgezahlte Gewinne; im Folgenden auch Bruttorohertrag (BRE)) im gleichen Zeitraum um 6% von € 5,3 Mrd. auf € 4,4 Mrd. reduziert. Im Casinomarkt führten laut Aussage der Branche insbesondere die Einführung des Rauchverbots, die Ausweiskontrollen, die Werberestriktionen sowie der wachsende Wettbewerb zu einem Rückgang der Spieleinsätze von € 10,6 Mrd. auf € 8,0 Mrd. (2005-2008) bzw. € 1,1 Mrd. auf € 0,8 Mrd. im Bereich der kumulierten Bruttospielerträge. Bruttospielerträge

Im Wettmarkt musste der regulierte Markt für Sportwetten, der sich aus Oddset und Fußballtoto (beides sind Angebote des Deutschen Lotto- und Totoblocks (DLTB)) sowie den privat organisierten Pferdewetten zusammensetzt, einen Rückgang der kumulierten Wetteinsätze um 27% von € 700 Mio. auf € 510 Mio. für den Zeitraum 2005 bis 2008 hinnehmen. hinnehmen Dagegen verringerten sich die Bruttospielerträge im selben Zeitraum um 41% auf € 170 Mio. In 2008 teilte sich der regulierte Markt für Sportwetten – gemessen am Spiel-/Wetteinsatz – zu 49% auf private Pferdewetten, 41% auf Oddset und 10% auf Fußballtoto auf. Gemäß der Aussagen von Marktexperten begründet sich der Rückgang insbesondere in der verstärkten Konkurrenz durch private Online- und stationäre Wettanbieter, im Verbot des Online-Vertriebs sowie auf die strikten Werbebeschränkungen. Sowohl der nicht regulierte Markt als auch der Schwarzmarkt sind gemäß der Goldmedia Studie und gemäß der Angaben verschiedener Marktexperten und lizenzierter Online-Betreiber stetig gewachsen (Bruttospielertrag Online-Wetten € 109 Mio. in 2005 bzw. € 274 Mio. in 2008).

Der in Deutschland steuerlich nicht erfasste unregulierte Online-Gamingmarkt ist im gleichen Zeitraum gemäß der Goldmedia Studie ebenso angestiegen wie das Beispiel Online-Poker verdeutlicht (Bruttospielertrag € 103 Mio. in 2005 bzw. € 323 Mio. in 2008).

Gemäß der Prognosen der Goldmedia Studie 2010 hinsichtlich Spieleinsatz und Bruttospielertrag für den deutschen Glücksspielmarkt werden zwei Szenarien unterschieden: Zum einen der Fortbestand des GlüStV (Fall Monopol), zum anderen die Marktöffnung für staatliche und private Anbieter mit Werbe- und Vertriebsmöglichkeiten (Deregulierung). − Bis 2015 werden im Monopolfall rückläufige Bruttospielerträge für den regulierten Sportwettenmarkt um durchschnittlich 4,1% pro Jahr auf ca. € 140 Mio. (bei ca. € 370 Mio. Spieleinsatz) prognostiziert. prognostiziert Im Gegensatz dazu ist aufgrund der Zunahme der Online-Wetten auf ca. € 6,3 Mrd. Spieleinsatz in 2015 mit einem Anstieg des nicht regulierten Marktes um durchschnittlich 6,9% (gemessen am Bruttospielertrag) zu rechnen. − Im Fall der Deregulierung ab 2012 wird ein gegenläufiger Trend erwartet, wobei der gesamte regulierte Sportwettenmarkt von 2009 bis 2015 um durchschnittlich 7,9% pro Jahr wächst. Die Verschiebung der Spieleinsätze vom nicht regulierten in den regulierten Markt beruht im Wesentlichen auf der Annahme, dass die Mehrheit (ca. 82,5%) der Online-Wettanbieter im unterstellten Konzessionsmodell ab 2012 eine Lizenz erwerben und der Spieleinsatz für die regulierten stationären Wettshops bis 2015 anwächst (auf ca. € 4,65 Mrd.). Die Bruttospielerträge nehmen entsprechend bis 2015 auf ca. € 400 Mio. für die Online-Anbieter und € 790 Mio. für die Wettshops zu.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

7

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Wesentliche Feststellungen

Im Gegensatz zur aktuellen Situation auf dem deutschen Glücksspielmarkt haben verschiedene europäische Länder in den letzten Jahren eine Deregulierung vorgenommen Bereich Internationales Benchmarking

Wesentliche Feststellungen •

Der internationale Vergleich mit anderen Märkten zeigt eine wesentliche Beeinflussung des Wettmarktes durch neue Technologien, Internet und unterschiedliche regulatorische Gegebenheiten. Insbesondere durch die Öffnung neuer Plattformen wird der Zugang zu einer breiteren Kundenbasis ermöglicht. Während in 2004 bei einem globalen Gesamtwetteinsatz von € 16,3 Mrd. der Bruttospielertrag der Online-Sportwetten-Anbieter im Durchschnitt bei ca. 10% lag (€ 1,6 Mrd.), werden Marktschätzungen zur Folge die Online-Sportwetteinsätze bis 2012 auf nahezu € 51 Mrd. ansteigen.

Neben dem Spieleinsatzvolumen sind für Anbieter Rechtssicherheit sowie steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen relevante Entscheidungskriterien, inwieweit sich Sportwetten-Anbieter innerhalb eines bestimmten europäischen Marktes engagieren (d.h. beispielsweise der Erwerb einer Konzession).

In Österreich ist eine kontrollierte Marktöffnung vollzogen, so dass im Rahmen der gesetzten Regeln der Aufsichtsbehörde (Bundesministerium für Finanzen) private und staatliche Akteure Sportwetten anbieten können. Auch aufgrund des legalen Online-Vertriebs und der Werbemöglichkeiten sind die Spieleinsätze bis auf € 1,03 Mrd. im Jahr 2008 angestiegen. angestiegen Noch ist der Anteil der stationären Wettshops mit 60% größer als die OnlineUmsätze, die nach Brancheninformationen jedoch stark wachsend sind. Als Bemessungsgrundlage der Besteuerung wird der Spieleinsatz herangezogen.

Ein staatlich organisiertes Glücksspielmonopol lag in Italien bis 2002 vor, bis es durch ein streng kontrolliertes Konzessionsmodel ersetzt wurde. So lange Sportwetten-Anbieter den Pflichtenkatalog (z.B. Abschluss eines begrenzten Spielkontovertrages zur Suchtprävention) erfüllen, dürfen sie in Italien Glücksspiel anbieten und bewerben. Im Zeitraum 2008/2009 2008 konnten Online Spieleinsätze für das Wettwesen in Höhe von € 1,3 Mrd. generiert werden. Seit April 2010 dürfen auch Online-Games wie Poker im Rahmen der Deregulierung angeboten werden. Gemäß einer Schätzung der Studie H2 Gambling Capital wird prognostiziert, dass in 2012 rund 90% 90 des Online-Glücksspielmarktes legal bei lizenzierten Anbietern stattfinden werden.

Zur Liberalisierung des Sportwettenmarktes ist es auch in diesem Jahr in Frankreich gekommen. Die unter bestimmten Auflagen zu erwerbenden Lizenzen werden von der unabhängigen Regulierungsbehörde ARJEL (autorité de regulation des Jeux en ligne) für 5 Jahre vergeben und erlaubt den stationären Online-Vertrieb sowie die Bewerbung des Glücksspielangebotes. Glücksspielangebotes Nach derzeitigem Stand ist ein hohes Interesse bei inländischen und ausländischen Wett-Anbietern festzustellen. Im August 2010 waren bereits an 28 Wett- und Glücksspielanbietern Lizenzen verteilt. Als Bemessungsgrundlage der Besteuerung wird wie in Österreich der Spieleinsatz herangezogen.

Der liberalisierte Glücksspielmarkt hat in Großbritannien (im Folgenden auch GB oder UK) eine lange Tradition (seit 1968) und wurde mehrfach rechtlich und steuerlich reformiert. Eine wesentliche Veränderung ereignete sich 2001 durch die Veränderung der Besteuerung auf die Spieleinsätze in Höhe von 6,75% auf eine Rohertragssteuer mit einem Steuersatz von 15%. Im Jahr 2005 folgte der sog. „Gambling Act“, der dem Wettwesen unter besonderer Berücksichtigung der Suchtprävention einen zentralen Regulierungsrahmen gibt. Die Spieleinsätze für den Wettmarkt belaufen sich im Jahr auf ca. € 50 Mrd., woraus € 550 Mio. Steuereinnahmen (exkl. Umsatzsteuer und Lohnsteuer) resultieren. Viele Wettanbieter haben trotz Steuerreform ihren Unternehmenssitz weiterhin in Ländern mit deutlichen niedrigeren Steuersätzen (> 5% auf Bruttospielertrag) angemeldet. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass durch eine erworbene Lizenz kein exklusives Werberecht eingeräumt wird.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

8

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Wesentliche Feststellungen

Im Rahmen der Szenarioanalyse führen die verschiedenen Varianten einer Deregulierung zu höheren Steuereinnahmen als im Monopolfall Bereich

• Die Steuerhochrechnung basiert auf Sekundärdaten (Marktprognosen), die im Rahmen von Expertengesprächen mit Branchenexperten, Wissenschaftlern und Unternehmensvertretern und auf Basis internationaler Vergleichsdaten validiert wurden. Von Seiten des DLTBs gibt es Bedenken an den Einschätzungen der Goldmedia Studie.

• Im Fall der Deregulierung wurden vier Varianten für den Bereich Sportwetten modelliert mit zwei Bemessungsgrundlagen (Rohertrag bzw. Spieleinsatz) und je zwei verschiedenen Steuersätzen. − Rohertragsbesteuerung: Während aus der Analyse der Rohertragsbesteuerung i.H.v. 15% kumulierte Steuereinnahmen für den Zeitraum 2012-2015 2012 von € 862 Mio. resultieren, führt eine Besteuerung i.H.v. 20% zu Steuereinnahmen von über einer Milliarde Euro (€ 1.073 Mio.). Gemäß Branchenexperten wären im Online-Gambling Markt aufgrund des Geschäftsmodells die Bruttoroherträge zukünftig zu besteuern. Dadurch würden bei beiden Varianten zusätzliche Steuereinnahmen i.H.v. € 359 Mio. bzw. € 479 Mio. bei einer Regulierungsquote von 82,5% resultieren. resultieren − Spieleinsatzbesteuerung: Unter Berücksichtigung der Steuersätze 2% und 5% resultieren kumulierte Steuereinnahmen von € 884 Mio. bzw. bzw € 1.957 Mio. Das kumulierte Steuer-Volumen von fast € 2 Mrd. im Falle der 5% % Steuer auf den Umsatz zeigt die hohe Sensitivität pro %-Punkt auf den Umsatz, ist jedoch hinsichtlich Umsetzbarkeit am Markt mit Vorsicht zu betrachten.

1.957

2000

• Das Kalkulationsmodell entspricht der Vor-Studie aus dem Jahr 2006 und berücksichtigt die Steuerarten Wettsteuer (bzw. Lotteriesteuer), Konzessionsabgaben, Ertragsteuern sowie Lohnsteuer. In die Berechnung gehen somit nur direkte Steuereffekte ein, d.h. induzierte Effekte (z.B. entlang der Wertschöpfungskette) bleiben unberücksichtigt. • Die kumulierten Steuereinahmen aus dem Bereich Sportwetten für die Jahre 2012 bis 2015 belaufen sich im Monopolfall auf ca. € 387 Mio..

Ausblick OnlineGambling-Markt

Kumulierte Steuereinnahmen 2012-2015 bei einer Regulierungsquote von 82,5%

1.552

1500 1.221

€ Mio.

Szenarioanalyse/ Steuerhochrechnung für den Bereich Sportwetten und Online Gambling

Wesentliche Feststellungen

359

1000

479 884

1.073

2% auf Umsatz

20% auf BSE

862 500

387

0 Monopol

15% auf BSE

5% auf Umsatz

Kumulierte Steuereinnahmen Kumulierte Steuereinnahmen aus Online-Gambling Quelle: Deloitte Analy se

• Für den Online-Gambling Markt wird für den Zeitraum von 2009 bis 2015 eine positive wirtschaftliche Entwicklung erwartet. Demnach weist der OnlineOnline Gambling Markt anhand der Bruttospielerträge ein durchschnittliches Marktwachstumspotential von ca. 4,9% für diesen Zeitraum aus, gleichbedeutend glei mit einem erwarteten Wachstum der Bruttospielerträge von € 580 Mio. (2009) auf € 763 Mio. (2015). Zu dieser positiven Entwicklung tragen im Wesentlichen die Segmente Online-Casino Casino mit einem Wachstum von 7,5%, und Online-Gaming Online mit einem Wachstum von 9,6% bei. Die steuerlichen Auswirkungen im Falle einer Deregulierung sind im obigen Schaubild für die Variante einer Bruttorohertragsbesteuerung dargestellt.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

9

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Marktüberblick

Kapitel Wesentliche Feststellungen

7

Marktüberblick

11

Internationales Benchmarking

18

Prognosemodell und Szenarioanalyse

29

Ausblick

46

Anlagen

49

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

Unterkapitel

Seite

10

Seite

Ausgangslage und Zielsetzung der Studie

11

Überblick deutscher Glücksspielmarkt

12

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Ausgangslage und Zielsetzung der Studie

Marktüberblick

Ausgangslage und Zielsetzung der Studie Ausgangslage

Zielsetzung

Die vorliegende Studie gibt einen aktuellen Überblick über den deutschen Glücksspielmarkt und prognostiziert das potentielle Steueraufkommen aus dem Sportwettenmarkt bis 2015 auf Basis zuvor festgelegter Szenarien.

Bei der Festlegung der Szenarien fanden bestehende Ansätze aus anderen europäischen Ländern, zahlreiche Expertengespräche und vergleichbare Studien ihre Berücksichtigung. Folgende Ziele sollen mit dieser Vorgehensweise erreicht werden:

Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Entscheidung vom März 2006 dem Staat grundsätzlich die Möglichkeit eingeräumt, ein staatliches Wettmonopol oder aber ein Konzessionsmodell für den Bereich der Sportwetten zu etablieren. Suchtvermeidung als Begründung des staatlichen Monopols und gleichzeitige Werbung für das staatliche Wettunternehmen Oddset wurden vom Bundesverfassungsgericht jedoch als nicht verfassungskonform eingestuft. Somit wurde eine Reform des bis dahin bestehenden Lotteriestaatsvertrages (LStV) notwendig.

− Transparenter Überblick über den deutschen Glücksspielmarkt

Der Gesetzgeber hatte somit eine grundsätzliche Entscheidung zwischen einem staatlichen Wettspielmonopol und einer Liberalisierung des Glücksspielmarktes zu treffen.

Nach der Ratifizierung durch die Landesparlamente trat am 01. Januar 2008 ein neuer Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) in Kraft, der den gesetzlichen Rahmen in den einzelnen Bundesländern vorgibt und die Fortführung des exklusiven staatlichen Glücksspielangebots beinhaltet.

− Entscheidungsunterstützung für die Evaluierung und des seit 1.1.2008 in Kraft getretenen Glückspielstaatsvertrages

§ 27 des GlüStV sieht eine Evaluierung bis Ende 2010 vor, die unter Leitung der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz u.a. mit einer strukturierten Anhörung im Frühjahr 2010 weiter vorbereitet wurde. Die nationale und internationale Evaluierung wird maßgebliche Grundlage für die Gestaltung des Glückspielrechts nach 2011 sein.

− Indikation für die fiskalischen Wirkungen im Rahmen der Szenarioanalyse

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

− Darstellung unterschiedlicher Entwicklungen in anderen europäischen Glücksspielmärkten

− Ansatzpunkte für eine potentielle Neuregelung − Darstellung aktueller Trends (z.B. Online Gambling)

11

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Überblick deutscher Glücksspielmarkt

Marktüberblick

Seit 2008 reguliert der Glücksspielstaatsvertrag den deutschen Glücksspielmarkt Der deutsche Glücksspielmarkt

Glücksspielmarkt in Deutschland

Lottomarkt

Wettmarkt

Casinomarkt

Lotto 6 aus 49 (DLTB)

Oddset (DLTB)

Spielbanken Automatenspiel

Sonstige Lottoprodukte

Fußball Toto (DLTB)

Spielbanken Klassisches Spiel

Spiele-Markt

Die Begriffsbestimmung des Glücksspiel wird national unterschiedlich ausgelegt. Im Allgemeinen liegt ein Glücksspiel vor, wenn im Rahmen eines Spiels für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. Auch Wetten gegen Entgelt auf den Eintritt oder Ausgang eines zukünftigen Ereignisses sind Glücksspiele (GlüStV).

Der staatlich regulierte Glücksspielmarkt bezeichnet all die Bereiche, die nach deutschem Recht regulär und abschließend rechtlich geklärt angeboten werden dürfen. Dies umfasst insbesondere die Spielarten des Deutschen Lotto- und Totoblocks (DLTB), Wetten inkl. Pferdewetten, Casinospiele und das gewerbliche Unterhaltungsautomatenspiel. Lotterien, Casinospiele und Wetten mit Ausnahme von Pferdewetten werden vom Glücksspielstaatsvertrag geregelt, der am 01. Januar 2008 mit einer Übergangsfrist von einem Jahr in Kraft getreten ist. Unterhaltungsautomaten und Pferdewetten dürfen über das Bundesrecht privat aufgestellt oder organisiert werden und nehmen daher eine Sonderstellung in Deutschland ein. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Unterhaltungsautomaten legt das Gewerberecht mit der Spielverordnung fest. Stationäre Pferdewetten unterliegen dem Rennwett- und Lotteriegesetz.

Der nicht regulierte Markt bezeichnet alle privaten Produkte, deren rechtlicher Status nicht definitiv geklärt ist oder die nach deutschem Recht untersagt sind. Darunter fallen insbesondere die stationären, privaten Sportwett-Anbieter sowie die gesamte Nutzung des Internet-Vertriebskanals für sämtliche Online-Glücksspiele und –Wetten. In diesem Zusammenhang sind auch Anbieter, die eine legale Lizenz in einem der EU-Mitgliedsstaaten erworben haben, betroffen.

Unterhaltungsautomaten Gewerbliches Spiel

Pferdewetten

Online Lotto

Stationäre Wettshops

Online Casinos

Online Wetten

Schwarzmarkt

OnlineSpiele

Staatlich regulierter Markt Pferdewetten / Gewerbliches Spiel Unregulierter Markt

Anmerkung: Unter Sonstige Lotterieprodukte sind folgende Segmente im regulierten deutschen Lottomarkt subsumiert: Zusatzlotterie Spiel 77 und Super 6, Rentenlotterie, Glücksspirale, Zahlenlotterie, Keno, Klassenlotterien, Fernsehlotterien, Sofortlotterien, Bingo/Plus5 und Gewinnsparen/Prämiensparen; Spielbanken werden sowohl von staatlich konzessionierten Unternehmen und unter Verwaltung der Länder betrieben. Quelle: Deloitte Analyse

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

12

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Überblick deutscher Glücksspielmarkt

Marktüberblick

Entwicklung der Spieleinsätze/Bruttospielerträge im regulierten/unregulierten regulierten/ Markt (1/4) Entwicklung der Wett- und Spieleinsätze im regulierten Glücksspielmarkt

Wirtschaftliche Entwicklung des regulierten Glücksspielmarkts

in € Mrd. 30

27,2

27,8

28,2

25

5,9

6,9

7,8

• 24,8 8,1

20 15

10,6

10,5

10,3

10

0,7

0,7

0,6

5

10,0

9,8

9,5

8,0 0,5 8,1

Lottomarkt

0 2005 Lottomarkt

2006 Wettmarkt

Casinomarkt

2007 2008 Unterhaltungsautomaten

Gemessen an den Wett- und Spieleinsätzen machte der regulierte Lottomarkt in 2008 rund ein Drittel des gesamten Glücksspielmarktes aus. Die Spieleinsätze im Bereich der regulierten Lottoprodukte haben sich von € 10,0 Mrd. in 2005 um 19% auf € 8,1 Mrd. in 2008 rückläufig entwickelt. Nach in Kraft treten des GlüStV in 2008 gingen die Spieleinsätze der Lottoprodukte (exkl. Oddset und Toto) innerhalb eines Jahres um 14,7% von € 9,5 Mrd. (2007) auf € 8,1 Mrd. (2008) zurück. Diese Auswirkungen spürten auch die, gemessen an den Gesamteinsätzen, wichtigsten Lottoprodukte, „Zahlenlotto 6 aus 49“ und die Zusatzlotterien „Spiel 77“ und „Super 6“. Im selben Zeitraum verzeichneten die Klassenlotterien mit 41% einen besonders deutlichen Rückgang bei den Spieleinsätzen und den Bruttospielerträgen. Dies ist unter anderem auf die Restriktionen hinsichtlich der Werbepräsenz und des Telefonvertriebs zurück zu führen.

Der Bruttospielertrag des Lottomarktes reduzierte sich jährlich um 6,2% und sank von € 5,3 Mrd. in 2005 auf € 4,4 Mrd. in 2008. Aufgrund der hohen Rohertragsmarge im Lotto stellten Lottoprodukte rund 50% der gesamten Bruttospielerträge des deutschen Glücksspiel in 2008 dar. Nach in Kraft treten des GlüStV in 2008 reduzierte sich der Bruttospielertrag um € 600 Mio.

Quelle: Goldmedia Studie 2010, Jahrbuch Sucht, Deloitte Analy se.

Nach in Kraft treten des restriktiven GlüStV in 2008 sind die Spieleinsätze des regulierten Marktes (exkl. Unterhaltungsautomaten) um 18% und die Bruttospielerträge um 13% gesunken.

Entwicklung des Bruttospielertrags im regulierten Glücksspielmarkt in € Mrd. 10

9,1

9,3

9,4

8

2,4

2,8

3,1

6

1,1 0,3

1,1 0,2

1,0 0,2

5,3

5,2

5,0

4,4

2005

2006

2007

2008

4 2

8,7 3,3 0,8 0,2

0 Lottomarkt

Wettmarkt

Casinomarkt

Unterhaltungsautomaten

Die Wett- und Spieleinsätze des deutschen regulierten Glücksspiel- und Unterhaltungsautomatenmarkts sind zwischen 2005 und 2008 durchschnittlich um 3,2% pro Jahr und in 2008 durch das in Kraft treten des geänderten GlüStV um 12,2% auf € 24,6 Mrd. gesunken. Während die staatlich konzessionierten Glücksspielbereiche Umsatzrückgänge in 2008 i.H.v. 18% verzeichneten, konnten die gewerblichen Aufstellunternehmen nach in Kraft treten der neuen Spielverordnung in 2006 Steigerungsraten von durchschnittlich 8,3% pro Jahr (2006-2008) und kumuliert € 2,2 Mrd. erzielen.

Series5

Quelle: Goldmedia Studie 2010, Jahrbuch Sucht, Deloitte Analy se.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

13

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Überblick deutscher Glücksspielmarkt

Marktüberblick

Entwicklung der Spieleinsätze/Bruttospielerträge im regulierten/unregulierten regulierten/ Markt (2/4) Entwicklung der Wett- und Spieleinsätze im regulierten Glücksspielmarkt in € Mrd. 30,0 25,0

27,2

27,8

5,9

6,9

Casinomarkt

28,2

24,8 7,8 8,1

20,0 15,0

10,6

10,5

10,3

10,0

0,7

0,7

0,6

5,0

10,0

9,8

9,5

8,0 0,5 8,1

Unterhaltungsautomaten

2005 Lottomarkt

2006 Wettmarkt Casinomarkt

2007 2008 Unterhaltungsautomaten

Quelle: Goldmedia Studie 2010, Jahrbuch Sucht, Deloitte Analy se.

Seit in Kraft treten der novellierten Spielverordnung in 2006 und eines Wechsels zu digitalen Spielautomaten wirken sich die Änderungen positiv auf den Markt der Unterhaltungsautomaten aus und tragen zur Umsatzsteigerung in der Branche bei.

Entwicklung des Bruttospielertrags im regulierten Glücksspielmarkt in € Mrd. 10,0

9,1

9,3

9,4

8,0

2,4

2,8

3,1

6,0

1,1 0,3

1,1 0,2

1,0 0,2

5,3

5,2

5,0

4,4

2005

2006

2007

2008

4,0 2,0

8,7 3,3 0,8 0,2

Lottomarkt

Wettmarkt

Casinomarkt

Unterhaltungsautomaten

Series5

Quelle: Goldmedia Studie 2010, Jahrbuch Sucht, Deloitte Analy se.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

Die Umsätze der bundesweit 79 Spielbanken beliefen sich in 2008 auf € 8,0 Mrd., nach € 10,3 Mrd. in 2007 (Jahrbuch Sucht 2010). Die Branche nennt als Gründe für den Umsatzrückgang von ca. 22% (€ 2,3 Mrd.) insbesondere die Einführung des Rauchverbots und der Ausweiskontrollen für das Spielen an Automatenspielen in 2007, die Werberestriktionen, den wachsenden Wettbewerb durch gewerbliche Aufstellunternehmen und deren strukturelle Änderungen durch die Spielverordnung. Auch gemessen an den Bruttospielerträgen verzeichnete der Casinomarkt zwischen 2005 und 2008 einen Rückgang von durchschnittlich 8,6% pro Jahr auf € 0,8 Mrd. in 2008.

14

Der allgemeine negative Trend bei den Einsätzen im Lotto- und Casinomarkt zeigt sich nicht im Bereich der Unterhaltungsautomaten. Das in Kraft treten der novellierten Spielverordnung in 2006 und deren allgemeine konsequente Umsetzung führte zu positiven Veränderungen im Markt für Unterhaltungsautomaten in Deutschland, der für private Anbieter durch ein reguliertes Konzessionsmodell zugänglich ist. Die Spielstättenbetreiber profitierten in erster Linie von der in der Spielverordnung verankerten Möglichkeit, zwei zusätzliche Geldgewinnspielgeräte (GGSG) pro Konzession aufzustellen. Zudem wurde das Aufstellen von GGSGs der neuesten Generation ermöglicht, die heute ein breiteres Kundenspektrum ansprechen. Während in 2005 die Fun Games noch einen Anteil von rund 46% an der Gesamtanzahl an Unterhaltungsautomaten in Spielstätten hatten, mussten diese durch die Reform der Spielverordnung vollständig abgebaut werden, da sie von einigen Aufstellunternehmen missbräuchlich zum verbotenen Glücksspiel genutzt wurden und deren illegaler Betrieb nicht gänzlich zu unterbinden war. Die durchschnittliche Wachstumsrate des Bruttospielertrags der GGSGs in Spielstätten und der Gastronomie lag aufgrund der beschriebenen Effekte der neuen Spielverordnung zwischen 2005 und 2008 bei 11,2% und erreichte in 2008 einen Wert von € 3,3 Mrd. ©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Überblick deutscher Glücksspielmarkt

Marktüberblick

Entwicklung der Spieleinsätze/Bruttospielerträge im regulierten/unregulierten regulierten/ Markt (3/4) Wettmarkt •

Der regulierte Markt für Sportwetten setzt sich aus den zwei Produkten des DLTB Oddset und Fußballtoto sowie den privat organisierten Pferdewetten zusammen. Der gesamte Wettmarkt, dargestellt durch die kumulierten Wetteinsätze der drei regulierten Produkte, reduzierte sich von € 700 Mio. in 2005 um 27% auf € 510 Mio. in 2008. Gemessen an den Bruttospielerträgen verringerte sich der Wettmarkt sogar in diesem Zeitraum um 41% auf € 170 Mio. Die jährliche durchschnittliche negative Wachstumsrate der staatlichen Anbieter Oddset und Fußballtoto lag bei je 20,6%, die der privaten Pferdewetten bei 5,0%.

Entwicklung der Bruttospielerträge im regulierten Wettmarkt in € Mio. 200 180 160 140 120 100 80 60 40 20 -

kumuliert in € Mio.

350 300 250 200 150 100 50 2005 Oddset

2006 Pferdew etten

2007 Fußballtoto

2008 regulierter Wettmarkt

Gemessen am Spieleinsatz hatte Oddset in 2008 einen Marktanteil am regulierten Wettmarkt von 41% und Fußballtoto von 10%. Private Pferdewetten machten mit 49% den größten Anteil am Wettmarkt in Deutschland aus. Der beschriebene Rückgang des Marktes ist laut Experten hauptsächlich auf verstärkte Konkurrenz durch private Online und stationäre Wettanbieter, fehlende Produktinnovationen, das Verbot des OnlineVertriebs sowie auf die strikten Werbebeschränkungen zurückzuführen.

Zusätzlich zu den staatlichen und privaten Anbietern auf dem regulierten Wettmarkt gibt es eine Vielzahl an Online- und stationären Wettanbietern, deren Sportwetten von Spielern aus Deutschland genutzt werden. Aufgrund des Glücksspielstaatsvertrags sind diese Anbieter jedoch nach derzeitiger Gesetzgebung dem nicht regulierten Markt zuzuordnen.

Im Gegensatz zur Sportwette Oddset bieten ausländische OnlineWettanbieter neben Top- und Kombi-Wetten auch eine Vielzahl an LiveWetten auf unterschiedliche Ereignisse an. Aufgrund des generellen Verbots des Online-Vertriebskanals für Glücksspielangebote im regulierten Markt, einhergehend mit dem allgemeinen Trend einer zunehmenden Nutzung von Dienstleistungen über das Internet, ist die Nutzung des unregulierten OnlineMarkts für Sportwetten in den vergangenen Jahren in Deutschland angestiegen. Nach aktuellen Studien beliefen sich die Bruttospielerträge aus dem Online-Sportwettenbereich in Deutschland auf rund € 295 Mio. bei einem geschätzten Wetteinsatzvolumen von ca. € 3,9 Mrd. in 2009. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des Bruttospielertrags der OnlineWetten lag zwischen 2005 und 2009 bei ca. 39%.

Deloitte: DLTB, Jahrbuch Sucht, Goldmedia Schätzungen 2010, Deloitte Analy se.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

15

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Überblick deutscher Glücksspielmarkt

Marktüberblick

Entwicklung der Spieleinsätze/Bruttospielerträge im regulierten/unregulierten regulierten/ Markt (4/4) •

Gesamtbetrachtung Wettmarkt nach Bruttospielerträgen in Deutschland 2009

Die entgegengesetzte Entwicklung des regulierten und des unregulierten Online-Sportwettenmarktes verdeutlicht die Herausforderung für den staatlichen Anbieter Oddset. Durch die staatliche Angebotsbeschränkung, fehlende Produktinnovationen und die einhergehenden schlechteren Quoten des regulierten Sportwetten-Anbieters wandern Spieler in den nicht regulierten Online-Markt ab.

€230 Mio.; 20%

Zu den stationären unregulierten Sportwetten zählen die privaten Wettannahmestellen im Sportwettenbereich. Aufgrund der herrschenden Unsicherheit hinsichtlich des rechtlich-politischen Umfelds privater Wettanbieter haben einige Bundesländer den Vollzug der Schließung aktiver Wettbüros noch nicht konsequent umgesetzt. Die Dunkelziffer der stationären Wettannahmestellen gilt als vage. Die Anzahl an Wettbüros wird beispielsweise von Goldmedia auf ca. 1.500 bis 4.000 beziffert, die bei einer Rohertragsmarge von 19,5% einen geschätzten Bruttospielertrag in Höhe von € 476 Mio. in 2009 erzielten. Dies entspricht geschätzten Wetteinsätzen in Höhe von € 2,4 Mrd. in 2009 (Goldmedia 2010).

Desweiteren wird geschätzt, dass neben dem stationären unregulierten Wettmarkt weitere € 1 Mrd. Wetteinsätze auf dem Schwarzmarkt platziert werden. Der Schwarzmarkt ist durch Hinterzimmer und Läufergeschäfte charakterisiert, die Sportwetten-Angebote nicht legal offerieren.

Die nebenstehende Abbildung zeigt die Bruttospielerträge des regulierten und unregulierten Wettmarktes in Deutschland 2009. Vorläufigen Schätzungen zur Folge entfielen rund 14% (€ 170 Mio.) der gesamten Bruttospielerträge von € 1,17 Mrd. auf den regulierten staatlichen Wettmarkt. Den größten Anteil an den Bruttospielerträgen stellten die stationären Wetten (unregulierter Markt) mit € 476 Mio. (41%), gefolgt von Online-Sportwetten (unregulierter Markt) mit € 295 Mio. (25%) und dem Schwarzmarkt mit € 230 Mio. (20%).

€170 Mio.; 14%

€295 Mio.; 25%

€476 Mio.; 41%

Regulierter Wettmarkt Stationäre private Wetten (unreguliert)

Online-Sportw etten (unreguliert) Schw arzmarkt

Quelle: Vorläuf ige Schätzungen Goldmedia 2010, MKW GmbH, Deloitte Analy se.

• Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

16

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Internationales Benchmarking

Kapitel Wesentliche Feststellungen

7

Marktüberblick

11

Internationales Benchmarking

18

Prognosemodell und Szenarioanalyse

29

Ausblick

46

Anlagen

49

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

Unterkapitel

Seite

17

Seite

Österreich, Italien und Frankreich

18

Fallstudie Großbritannien

21

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Österreich, Italien und Frankreich

Internationales Benchmarking

Übersicht über ausgewählte Märkte im internationalen Umfeld (1/3) Internationale Entwicklungen •

Globale Entwicklung der Online Sportwetten von 2004-2012e in € Mrd.

Die globale Entwicklung der Online-Sportwetten verdeutlicht den Effekt, den Internet, neue Trends und Technologien auf das Wettwesen haben. Durch die Öffnung neuer Plattformen wird der Zugang zu einer breiteren Kundenbasis ermöglicht. Die nebenstehende Abbildung zeigt, dass in 2004 (Gesamtwetteinsatz € 16,3 Mrd.) der Bruttospielertrag der OnlineSportwetten-Anbieter im Durchschnitt bei ca. 10% lag (€ 1,6 Mrd.). Marktschätzungen zur Folge werden die Online-Sportwetteinsätze bis 2012 auf nahezu € 51 Mrd. ansteigen. Der Bruttospielertrag wird sich dabei auf ca. 8% (€ 4 Mrd.) entwickeln. Gemäß der Studie von H2 Gambling Capital (2009) wird sich in 2012 aufgrund der zunehmenden Verbreitung und Nutzung von mobilen Geräten und der steigenden Wichtigkeit von Social Media Plattformen für den Online-Vertrieb das Wachstum fortsetzen.

Gemessen an dem Wetteinsatz ist der Markt zwischen 2004 und 2008 durchschnittlich annähernd um ein Fünftel pro Jahr gewachsen (CAGR 18,9% gemäß H2 Gambling Capital).

Im Folgenden werden Marktsituationen und aktuelle Entwicklungen in ausgewählten europäischen Märkten dargestellt.

60

25,1

30 20 10

16,3

28,3

32,6

44,5

36,3

17,6

1,6

1,8

2,3

2,5

2004

2005

2006

2007

2,9

3,0

3,5

3,6

4,0

2008

e2009

e2010

e2011

e2012

0 Wetteinsatz Quelle: H2 Gambling Capital, Sports Betting.

Österreich verfügt im Bereich Sportwetten über einen rechtlich regulierten Wettmarkt. Während in den meisten europäischen Ländern aus historischen und politischen Gründen zwischen Pferdewetten und anderen Sportwetten unterschieden wird, gibt es in Österreich keine gesonderte Gesetzesregelung für Pferdewetten. Das österreichische System für Sportwetten ist zweigeteilt. Sportwetten fallen nur dann unter das staatliche Glücksspielmonopol, wenn mindestens zehn Sportveranstaltungen miteinander kombiniert werden (z.B. Keno), da das Ergebnis eines Gesamttipps weniger vorhersehbar ist und somit als Glücksspiel gilt. Sonstige, einfache Sportwetten bedürfen der Genehmigung der jeweiligen Landesregierung, die Lizenzen für inländische und teilweise auch für ausländische Wettveranstalter erteilt. Voraussetzungen für Erhalt einer Lizenz von Sportwetten sind unter anderem Zuverlässigkeit und Bonität.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

43,3

40

18

Bruttospielertrag Bruttow ettertrag Anmerkung: e = estimate / Schätzung

Zudem richtet Österreich Rechtsvorschriften streng zum Schutz der Spieler aus, indem es versucht ein Überangebot und unseriöse Glücks- und Wettspielanbieter zu vermeiden. Durch das Verbot für Werbung und Internetlinks nicht lizenzierter Anbieter soll der Zugang für die nationalen Spieler auf illegale Internetseiten erschwert werden. Das Bundesministerium für Finanzen von Österreich tritt als Aufsichtsbehörde der lizenzierten Wettveranstalter auf.

In Österreich wird seit 1995 eine Steuer von 2% auf die Spieleinsätze erhoben. Zuvor lag die Steuer bei 6% der Spieleinsätze.

Der Online-Vertrieb ist für das staatlich regulierte Glücksspiel wie auch für die privaten Sportwetten-Anbieter legal. Den höchsten Marktanteil am gesamten österreichischen Online-Markt haben Online-Sportwetten.

Brancheninformationen zur Folge hat sich der österreichische Sportwettenmarkt sowohl im stationären Offline- als auch im Online-Bereich positiv entwickelt. Als Gründe werden von der Branche insbesondere

Sportwettenmarkt Österreich •

50,7

50

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Österreich, Italien und Frankreich

Internationales Benchmarking

Übersicht über ausgewählte Märkte im internationalen Umfeld (2/3) eine starke Medienpräsenz der wesentlichen Marktteilnehmer und eine sichtbare Entwicklung zu mehr Qualität bei Service und Wettprodukten genannt. Als Folge konnte sich der Markt weiter ausweiten, während zugleich die gesellschaftliche Akzeptanz von Sportwetten gesteigert wurde, da die frühzeitige Liberalisierung des Wettmarktes nach Expertenmeinung dem Legalitätsbedürfnis der Bevölkerung nachkommt. •

Entwicklung der Spieleinsätze in Österreich in € Mrd.

Der Gesamtumsatz der Sportwetten ist im Zeitraum 2002-2007 um das sechsfache angestiegen. Gemäß dem Branchenradar 2009 erreichten die Wetteinsätze in Österreich ein Volumen von € 1,03 Mrd. in 2008. Dies entspricht einer Steigerung um 7,3% gegenüber dem Vorjahr. Rund 60% bzw. € 627 Mio. der Wetteinsätze wurden in stationären Wettgeschäften erzielt. Ein wesentlicher Grund für das positive Wachstum ist auf den Effekt der Ausrichtung der UEFA EURO 2008 in Österreich und der Schweiz zurück zuführen.

4,52

10

3,92

8

0,96 1,53

1,03 1,84

4,76

5,05

6 4 2

1,11

1,02

0 Lotteriespiele

2007 Spielbanken

Online-Gaming

Sportw etten

2008 Automatengeschäft

Quelle: KF&P Glücksspiel & Sportwetten in Österreich 2010, Deloitte Analy se

Die Online-Sportwetten-Anbieter erreichen einen Marktanteil von 40% der Wetteinsätze. Die Branche führt an, dass die Zukunft dem Online-Bereich gehöre, der deutlich stärkere Wachstumsraten und ein höheres Potenzial aufweise. Im Verhältnis zum Umsatz des gesamten Glücksspielsektors, stellen Sportwetten einen Anteil von 7,3% dar. Sportwetten und Pferdewetten sind ein traditionelles Glücksspiel in Italien und wurden in der Vergangenheit in Form eines staatlichen Monopols organisiert und kontrolliert. Seit 2002 ist die AAMS (Amministrazione autonoma dei monopoli di Stato) für das Glücksspiel bzw. die Lizenzvergabe zuständig. Unternehmen, die Wetten in EU- oder EFTA-Staaten annehmen sowie Anbieter anderer Staaten dürfen grundsätzlich Sportwetten in Italien organisieren, wenn sie den von der AAMS formulierten Geschäftsbedingungen nachkommen und eine ausreichende Zuverlässigkeit erfüllen. Dies soll das illegale, an Italiener gerichtete und insbesondere über das Internet verbreitete Wettangebot verringern (vgl. auch Schweizerisches Institut für Rechtsvergleichung Lausanne (2009)).

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

12,2

12

Anbieter von Sportwetten, die bereits über eine solche Lizenz verfügen, haben die Möglichkeit bei der AAMS eine Genehmigung für die Durchführung von Online-Wetten zu beantragen. Als Bedingung wird der Abschluss eines „Spielkontovertrages“ (conti di gioco) zwischen Spieler und Anbieter vorausgesetzt, welcher die Spieleinsätze begrenzt und den Spielern eine konkrete Auszahlung der Gewinne sichert. Internetprovider haben die Pflicht, nicht autorisierte Anbieter von Online-Sportwetten und -Glücksspielen die Nutzung zu untersagen. In Italien dürfen lizenzierte Sportwetten-Anbieter im Sport werben.

Italiens reguliertes Online-Glücksspiel erzielte zwischen August 2008 und August 2009 € 3 Mrd. Spieleinsätze. Davon entfielen 54% (€ 1,6 Mrd.) auf Online-Spiele, 43% (€ 1,3 Mrd.) auf das Wettwesen und 3% (€0,1 Mrd.) auf Lotterien. Gemäß einer Studie von MAG (2010) zum Glücksspielmarkt in Italien werden insbesondere für den Online-Markt positive Marktprognosen abgegeben. Treiber dieses Wachstums sind demnach die Erweiterung des

Sportwettenmarkt Italien •

13,6

14

19

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Österreich, Italien und Frankreich

Internationales Benchmarking

Übersicht über ausgewählte Märkte im internationalen Umfeld (3/3) Spielangebots und die Einführung neuer Spiele wie u.a. Poker-, Cash- oder Casino-Games, die bereits ab April 2010 auf dem italienischen Markt legal angeboten werden dürfen. Gemäß der Prognosen innerhalb der MAG-Studie steigt der Online-Markt für den Zeitraum 2009 bis 2012 deutlich überproportional zum gesamten Offline-/Online-Markt. •

Ferner haben gemäß der Studie zahlreiche italienische und ausländische Unternehmen seit 2006 eine Konzession erworben. Beispielsweise halten Unternehmen wie PokerStars und bwin eine italienische Lizenz. Dies unterstreicht die Anziehungskraft, die der regulierte italienische Markt auch auf die globalen Marktteilnehmer hat. Im Allgemeinen ist ein Effekt hin zum regulierten Online-Glücksspielmarkt zu erkennen. H2 Gambling Capital prognostiziert für den italienischen Markt, dass in 2012 rund 90% des OnlineGlücksspiels legal bei lizenzierten Anbietern stattfinden wird.

Sportwettenmarkt Frankreich •

Im April 2010 hat die französische Nationalversammlung per Gesetz das staatliche Monopol auf Sportwetten (Festquoten und Totalisator), Pferdewetten (Totalisator) und Poker im Internet geändert. Somit können nun private Anbieter unter bestimmten Voraussetzungen Zugang zum französischen Markt erlangen. Frankreich ist neben Großbritannien, Österreich und Italien der vierte EU-Staat, der den Online-Sportwettenmarkt liberalisiert hat. Nicht betroffen von der neuen Regulierung sind das staatliche Lottomonopol und stationäre Sport- und Pferdewetten. Bisher dominierten in Frankreich die staatliche Lottogesellschaft Francaise des Jeux und der Pferdewettanbieter Pari Mutuel Urbain (PMU) den Glücksspielmarkt.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

20

Die unabhängige Regulierungsbehörde ARJEL (Autorité de Regulation des Jeux En Ligne) vergibt nun Lizenzen an Wettbetreiber, die mit strengen Auflagen erlangt werden können. Zudem überprüft ARJEL die Einhaltung technischer Standards sowie andere Bedingungen der Anbieter und nimmt eine aktive Rolle bei der Erkennung und Bekämpfung von illegalen Websites an.

Die Lizenzen werden für jeweils fünf Jahre vergeben. Als einer der ersten Anbieter erlangte das französische Tochterunternehmen Bwin Entertainment Services (B.E.S. SAS) die Online-Sportwetten-Lizenz für französische Kunden im Juni 2010. Sajoo, ein Joint Venture zwischen Bwin und der französischen Mediengruppe Éditions Philippe Amaury (Amaury Group), wurde ebenfalls von der Regulierungsbehörde lizenziert. Im August 2010 waren bereits an 28 Wett- und Glücksspielanbieter Lizenzen erteilt (vgl. http://www.arjel.fr/-Liste-des-operateurs-agrees-.html).

Legale Wettanbieter dürfen in allen Medien werben. So ist der lizenzierte Sportwetten-Anbieter BetClic seit der neuen Saison 2010/11 Trikotsponsor des französischen Ligue1-Clubs Olympique Marseille. Werbung für illegales Glücksspiel ist verboten und wird mit Geldstrafen geahndet.

In Frankreich werden die Einsätze und nicht der Bruttospielertrag besteuert. Es gilt der gleiche Steuersatz von 7,5% für Online- und Offline-Sportwetten sowie Pferdewetten. Für Poker liegt der Steuersatz bei 2%. Zusätzlich werden für den Amateur- und Spitzensport 1,3% der Spieleinsätze für das Nationale Zentrum für die Entwicklung des Sports (CNDS) erhoben. Die Ausschüttung ist in Frankreich auf einen Prozentsatz der Einsätze beschränkt, um mit der bisherigen Ausrichtung in der französischen Glücksspielpolitik übereinzustimmen.

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Fallstudie Großbritannien

Internationales Benchmarking

Fallstudie Glücksspiel- und Wettmarkt in Großbritannien (1/7) 78 Wettmarktes von 2004 bis 2008 Entwicklung der Spieleinsätze des britischen Umsatzentwicklung des britischen Wettmarktes von 2004 bis 2008

90

78

€ Mrd.

80 70

64

60 50

6 2 12

40

5

6 2 12

2 12 5

30 20

75

6

5

53

10 2006

Wetten

Casinos

Spielautomaten

Das signifikante Wachstum im Bereich der Sportwetten steht im Gegensatz zur Entwicklung der anderen Angebote, die entweder nur geringes Wachstum oder Rückgänge zu verzeichnen hatten.

Während der Markt mit festen Gewinnquoten, sog. „fixed odds“, noch immer den größten Anteil am Sportwettenmarkt darstellt, hat die Entwicklung von neuen Angeboten, insbesondere der Sportwettbörsen den Wettbewerb wesentlich intensiviert.

Das bedeutsame Wachstum von Sportwetten seit 2000 ist hauptsächlich auf folgende Ursachen zurückzuführen: − Modifikation der Besteuerung: Wechsel in 2001 von einer 6,75-%igen Steuer auf die Spieleinsätze zu einer 15-%igen Steuer auf den Bruttospielertrag (vom Buchmacher zu zahlen).

2008

Bingo

Lotto

− Lockerung von Werbeverboten für Wettanbieter.

Quelle: Mintel

Der Sportwettenmarkt in Großbritannien wurde 1968 legalisiert und ist heute derjenige mit der höchsten Wettbewerbsintensität und der geringsten Regulierung der Welt.

Lizenzierte Buchmacher bieten Wetten auf alle erdenklichen Ereignisse mit Ausnahme der National Lottery an. Wetten auf die Irish Lottery hingegen sind erlaubt. Während sich die überwiegende Anzahl von Wetten auf Sportveranstaltungen bezieht, kann auf vielfältige weitere Ereignisse aus Politik und Unterhaltung oder sogar das Wetter gewettet werden.

Die obenstehende Grafik zeigt die Spieleinsätze in den größten Wett- und Glücksspielsektoren des Gesamtmarktes in Großbritannien. Im Jahr 2008 wurden Spieleinsätze von insgesamt € 75 Mrd. getätigt, die einen Bruttospielertrag in Höhe von etwa € 8 Mrd. generierten.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

Die Sportwetten (einschließlich der FOBTs = fixed odd betting terminals) stellen mit Abstand den größten Sektor dar. Mit € 50 Mrd. Spieleinsätzen in 2008 machen sie zwei Drittel des gesamten Glücksspielmarktes aus.

50

39

2004

− Investitionen der Buchmacher in die Attraktivität von lizenzierten Wettbüros. − Entwicklung von neuen Produkten – insbesondere FOBTs, Ausweitung der Wettangebote in den verschiedensten Sportarten sowie virtuelle Pferdewetten.

21

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Fallstudie Großbritannien

Internationales Benchmarking

Fallstudie Glücksspiel- und Wettmarkt in Großbritannien (2/7) Einführung des „Gambling Acts“ •

Vor der Einführung des Gambling Acts 2005 basierte die Regulierung des Buchmachergeschäfts größtenteils auf dem Gaming Act 1968. Eine zentrale Regulierung der Buchmacher war nicht gegeben. Das Betreiben eines Wettunternehmens erforderte eine Buchmachererlaubnis sowie eine Wettbürolizenz, welche von der Lokalregierung (licensing magistrates) ausgestellt wurde.

Mit dem Gambling Act 2005 kam es zur Gründung der Glücksspielkommission (Gambling Commission), welche alle Formen von Wetten und Glücksspielen, ausgenommen der National Lottery und „Spread betting“, überwacht. Die Kommission verfolgt drei Hauptziele:

Regelungen des „Gambling Acts“ für Wetten •

Seit in Kraft treten des Gambling Acts ist es Internetglücksspielanbietern (z.B. Anbietern von Casino und Poker) erlaubt, ihren Sitz in Großbritannien zu haben. Bislang wurden die Kunden auf Webseiten weitergeleitet, deren Server sich im Ausland (vornehmlich in Gebieten wie Gibraltar und Alderney) befanden. Schließlich war es Bürgern Großbritanniens gestattet, auf ausländischen Internetseiten zu spielen und Wetteinsätze zu tätigen. Im Falle einer Verlegung der Internetseiten aus diesen „off-shore“ Gebieten nach Großbritannien fällt jedoch eine Steuer i.H.v. 15 % auf den Bruttospielertrag an (bislang verlegte noch kein Anbieter seinen Sitz nach Großbritannien, da es keine weiteren Anreize für die Unternehmen gibt wie beispielsweise exklusive Werbemöglichkeiten oder Restriktionen ausländischer Anbieter).

FOBTs wurden in die Kategorie „B2 Gaming machines“ umklassifiziert und unterliegen aufgrund dessen fortan der Mehrwertsteuerpflicht und einer Art Vergnügungssteuer für Gewinnspielautomaten („Amusement Machine Licensing Duty“). Des Weiteren wurde die maximal erlaubte Anzahl an FOBTs pro Wettbüro auf vier begrenzt und der maximale Jackpot auf € 600 angehoben. Seit Einführung der FOBTs im Jahre 2003 beeinflussen sie das Wachstum der lizenzierten Wettbüros am stärksten.

Restriktionen in Bezug auf Werbung für Wett- und Glücksspiele – einschließlich Fernseh- und Radiowerbung – wurden für alle Marktteilnehmer gelockert (auch für ausländische Anbieter ohne Lizenz in Großbritannien), was laut Expertenmeinung die größte Herausforderung ist, um mehr Anbieter für die Steuerhoheit Großbritanniens zu überzeugen).

− Reduzierung der Kriminalität aus Wetten und Glücksspielen; − Sicherstellung einer fairen und offenen Ausführung von Wetten und Glücksspielen; − Schutz von Kindern und anderen gefährdeten Personen vor Schäden oder Ausnutzung durch Wetten und Glücksspiele. •

Die Gambling Commission vergibt Lizenzen an Buchmacher. Lizenzierte Wettbüros müssen weiterhin eine Wettbürolizenz erwerben. Bei der Vergabe werden die Kommunalverwaltungen von der Kommission unterstützt.

Inländische Internet- und Telefonanbieter benötigen eine spezielle Lizenz für ihr Angebot über Internet und Telefon.

Aufwendungen der Kommission in 2009/10 beliefen sich auf € 17 Mio., welche größtenteils über Lizenzgebühren in Höhe von ungefähr € 14 Mio. gedeckt werden konnten.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

22

Lizenzgebühren werden in Abhängigkeit von der Anzahl an Wettbüros festgesetzt und können zwischen ca. € 1.750 für ein Unternehmen mit nur einem Wettbüro und weniger als € 200 pro Wettbüro für große Unternehmen schwanken. Die Wettbranche, hierunter insbesondere kleinere unabhängige Anbieter, äußerten bereits Bedenken über die Höhe der Abgaben an die Gambling Commission.

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Fallstudie Großbritannien

Internationales Benchmarking

Fallstudie Glücksspiel- und Wettmarkt in Großbritannien (3/7) Bruttospielertrag des britischen Sportwettmarkt

5,000 4,000

€ Mio.

3,000 2,000

Auswirkungen der Wirtschaftskrise

1,000

Die Angaben in der obenstehenden Abbildung zeigen die geschätzten Bruttospielerträge der britischen Wett- und Glücksspielindustrie, unterteilt nach Wetten auf Pferderennen, andere Sportarten (einschließlich ausländischer Pferderennen) und FOBTs.

2009/10 sank der Bruttospielertrag um schätzungsweise 11 % auf unter € 4 Mrd.. Die Buchmacher sehen insbesondere in der Wirtschaftskrise die Ursache für diesen Rückgang, wenngleich sich die Wettindustrie in früheren wirtschaftlichen Krisen als relativ widerstandsfähig erwies. Die Kombination aus der Schwere der Wirtschaftskrise und der Existenz neuer, sensibler Wettkunden (z.B. Sportfans mit Internetaccounts) resultierte in dieser Gesamtabnahme.

Die Ausnahme jedoch stellen die FOBTs dar, deren Bruttospielerträge im Gegensatz zu den geschilderten Rückgängen aus Pferderennen (stärkster Rückgang) und anderen Sportwetten kontinuierlich stiegen.

Die Angaben beinhalten nicht die Zahlen der ausländischen OnlineSportwetten-Anbieter.

Anders als bei Pferderennen und anderen Sportarten, bei denen der Bruttospielertrag von vielen Faktoren abhängig ist, haben die FOBTs den Vorteil, dass der Bruttospielertrag vorhersehbar ist. Das Geschäftsmodell der FOBTs basiert auf hohen Umsätzen und niedrigen Gewinnmargen (ca. 2 %).

2002/03

2003/04

2004/05 Pferdewetten

2005/06

2006/07

Sonstige Sportevents

2007/08

2008/09

2009/10

FOBTs

Quelle: HM Rev enue and Customs; Company /group f inancial statements; Deloitte Analy se

Hauptgründe für diesen Rückgang sieht die Wettbranche in der abnehmenden Popularität von Pferdewetten und der Zunahme ausländischer Onlinewettanbieter. Ferner mindert der Wechsel von Wettkunden hin zu Sportwettbörsen den Bruttospielertrag. Der Anteil der Pferderennen am Bruttospielertrag des Gesamtmarktes nahm von 42 % in 2002/03 auf 24,5% in 2009/10 ab.

Marktwachstum •

Während FOBTs das stärkste Wachstum verzeichnen, wuchsen von 2002/03 bis 2007/08 die Pferdewetten und anderen Sportwetten ebenfalls.

Die Marktentwicklung im Bereich Sportwetten ist auf die Vielfalt an Wettoptionen zurückzuführen. Neben der gestiegenen Anzahl an Sportevents, auf die gewettet werden kann, nahm auch die Anzahl an verschiedenen Wettmöglichkeiten pro Event zu (einige Anbieter bieten bis zu 100 Wetten bei einem einzigen Fußballspiel an).

2009 existierten mehr als 30.000 Maschinen in Großbritannien, dies entspricht durchschnittlich nahezu vier FOBTs pro lizenziertem Wettbüro (die derzeit maximal erlaubte Anzahl).

Die Entwicklungen der FOBTs werden auf die Kombination zweier Faktoren zurückgeführt: einerseits auf neues Wettklientel in den lizenzierten Wettbüros sowie andererseits auf das Ausgabeverhalten der existierenden Kundschaft. Die relative Bedeutung der einzelnen Faktoren für die Gesamtentwicklung ist nicht bekannt.

Nach einem Anstieg auf € 1,5 Mrd. bis 2007/08, sank der Bruttospielertrag aus Pferderennen um nahezu ein Drittel in 2009/10.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

23

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Fallstudie Großbritannien

Internationales Benchmarking

Fallstudie Glücksspiel- und Wettmarkt in Großbritannien (4/7) Stationäre Sportwetten: Spieleinsatz, Bruttospielertrag und Marge für 2008 Spieleinsatz Bruttorohertrag € Mio. € Mio.

Kombinierte Bruttospielerträge der Anbieter William Hill und Ladbrokes nach Absatzkanälen

Durschnittlicher Spieleinsatz pro Marge Wette €

€ Mio.

2005

2008

Wettshop (klassisch)

1,112

1,208

1,063

456

725

750

64%

Telefon

100

82

56

(44)%

64

125

118

84%

220

308

320

45%

1,952

2,448

2,307

18%

7,682

1,069

14%

10.3

Hundew etten

1,975

374

19%

8.0

Fußball

1,176

266

23%

7.8

Sonstiges

2,147

350

16%

17.5

Internet (Wettanbieter)

Sum m e

12,980

2,059

16%

8.4

Internet (Gamingseiten)

Stationäre Sportwetten: Gewinnmargen 2008

Total

Wetteinsätze,

Bruttospielerträge

und

Die Verteilung der Spieleinsätze und Bruttospielerträge auf unterschiedliche Events zeigt die obige Tabelle (FOBTs nicht eingeschlossen).

Während (britische und ausländische) Pferdewetten und Windhundewetten kumuliert 75% des gesamten Spieleinsatzes ausmachen, teilen sich die Fußballsportwetten und die sonstigen Sportwetten die restlichen 25% auf.

Insbesondere Wetteinsätze im Fußball nahmen in den vergangenen Jahren in Großbritannien deutlich zu. Unterstützt wurde diese Entwicklung zunächst durch die Möglichkeit, auch auf einzelne Partien zu setzen. Hinzu kamen schnelle Produkterweiterungen, die Zunahme an Werbemaßnahmen sowie eine wachsende Beliebtheit von Live-Wetten.

(4)%

Kummulierte Bruttospielertrag von William Hill und Ladbrokes • •

Die zwei führenden Wettanbieter in Großbritannien machen annähernd 50 % des Gesamtmarktes aus. Zieht man ihre Ergebnisse heran, so werden Verlagerungen zwischen den einzelnen Wettkanälen deutlich. Insbesondere die Bruttospielerträge der stationären Sportwetten („over the counter“, OTC) verzeichneten einen deutlichen Rückgang zwischen 2008 und 2009 und erreichten ein niedrigeres Level als in 2005. Die Ergebnisse des ersten Halbjahres 2010 bestätigen diesen Trend. Verantwortlich für diese Entwicklungen ist vermutlich eine Kombination aus folgenden Faktoren: − Verlagerung der Ausgaben für stationäre Sportwetten (OTC) hin zu FOBTs; − Verlagerung der Ausgaben von Wettbüros hin zum Internet;

Während keine industrieweiten Vergleichszahlen für die Vorjahre vorliegen, hat William Hill (Inhaber von 25 % aller Wettbüros) folgende Daten veröffentlicht:

− Auswirkungen der Wirtschaftskrise in 2009. •

− Zwischen 2000 und 2008 stieg der Bruttospielertrag von William Hill aus Fußballwetten von € 35 Mio. auf € 103 Mio an und − Der Bruttospielertrag aus Hundewetten stieg bei William Hill zwischen 2000 und 2006 von € 35 Mio. auf € 85 Mio., im Anschluss an 2006 nur noch auf € 103 Mio. an. Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

Wachstum

(FOBT) Wettshop (maschinell)

Pferdew etten

Quelle: Gambling Co mmissio n

2009

24

Die erzielten Gewinnmargen bei Online-Sportwetten (ca. 10 %), mit Ausnahme von Pferdewetten, sind üblicherweise niedriger als die Gewinnmargen bei stationären Sportwetten (ca. 15 %). Internetnutzer haben die Möglichkeit, die Gewinnchancen verschiedener Anbieter zu vergleichen und hieraus einen Vorteil zu ziehen.

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Fallstudie Großbritannien

Internationales Benchmarking

Fallstudie Glücksspiel- und Wettmarkt in Großbritannien (5/7) Geschichte

Aktuelle Lage

Vor Änderung der Steuergesetzgebung im Jahr 2001 (Einführung der Spielertragssteuer) hatte die Mehrheit der großen Buchmacher ihr Telefonund Internetwettangebot in steuergünstige Gebiete wie Gibraltar verlagert.

Nur sehr wenige Online-Anbieter haben ihren Sitz noch in Großbritannien. Ohne eine Reform des Steuersystems werden vermutlich auch die noch verbliebenen Online-Anbieter ins Ausland abwandern.

In Zusammenhang mit der Einführung der Spielertragssteuer schloss die britische Regierung eine Art „gentleman´s agreement“ mit den Buchmachern, wonach sie ihren Sitz zurück nach Großbritannien verlegen sollten, woran sich die Mehrzahl der großen Anbieter auch hielt. Die Steuerreform wirkte somit einer weiteren Abwanderung nach Übersee entgegen. Einige große Internetwettanbieter (ohne stationäres Wettangebot) wie Victor Chandler und Stan James blieben jedoch im Ausland.

Eine größere Anzahl an Telefon-Anbietern befindet sich noch in Großbritannien. Aus logistischen Gründen ist es für sie schwieriger, ins Ausland abzuwandern. Bleibt eine Veränderung der aktuellen Bedingungen jedoch aus, werden wahrscheinlich auch die Telefon-Anbieter vermehrt den Online-Anbietern ins Ausland folgen.

Der Gambling Act 2005 trat im Jahr 2007 in Kraft und legalisierte Glücksspielwebsites in Großbritannien. Die Buchmacher setzten sich bei der Regierung dafür ein, den Steuersatz auf die Bruttospielerträge deutlich zu senken, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Regierung jedoch ignorierte das Anliegen mit dem Resultat, dass die Anbieter von Glücksspielwebsites in Gibraltar blieben. Es fehlten andere Anreize wie beispielsweise exklusive Werbemöglichkeiten für lizenzierte Anbieter aus Großbritannien.

Gegen Ende des Jahrzehntes setzten sich die Buchmacher erneut verstärkt für eine wettbewerbsfähigere Steuer auf Sportwetten ein. Während Anbieter im Ausland eine Spielertragssteuer von weniger als 5 % zu entrichten hatten, lag der Steuersatz in Großbritannien bei 15 %.

Abermals lehnte die Regierung den Antrag der Buchmacher mit folgenden Konsequenzen ab:

Ausblick

− Sukzessive Abwanderung von Online-Wettanbietern ins Ausland (William Hill und Ladbrokes Ende 2009); − Kürzliche Abwanderung von Telefonwettanbietern, angeführt von William Hill in 2010. Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

25

Aufgrund der starken Reduzierung des Steueraufkommens ist es denkbar, dass die Regierung erneut versuchen wird, die Online-Anbieter zurück nach Großbritannien zu locken. Im Falle derartiger Diskussionen zwischen der Regierung und der Wettindustrie, müsste eine Besteuerung der gesamten Branche (im In- und im Ausland) Berücksichtigung finden.

Es wird in Erwägung gezogen, dass Anbieter ausländischer Internetseiten, die Wetteinsätze britischer Kunden entgegen nehmen, eine zweite Lizenz bei der britischen Spielkommission beantragen müssen. Als Folge könnten ausländische Anbieter ohne entsprechende Lizenz ein Werbeverbot in Großbritannien erhalten. Aktuell gibt es keine Überlegungen dahingehend, die Vergabe der Lizenz an die Zahlung der Spielertragssteuer zu knüpfen, wenngleich sich insbesondere die Rennindustrie für diesen Vorschlag bei der Regierung stark macht.

Die Rennindustrie leidet unter der starken Abnahme des Steueraufkommens, welche durch die Abwanderungen von Anbietern in steuergünstige Gebiete verursacht wird. Daher setzt sich die Rennindustrie energisch bei der Regierung dafür ein, die Situation etwa in Form von zweiten Lizenzen anzugehen. Die Steuerbehörde verfolgt bereits ebenfalls diesen Ansatz. ©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Fallstudie Großbritannien

Internationales Benchmarking

Fallstudie Glücksspiel- und Wettmarkt in Großbritannien (6/7) Gesamtaufkommen des britischen Wett-, Gaming- und Lottomarkt

Gesamtsteueraufkommen des britischen Wett-, Gaming- und Lottomarkt 900 800

Die Abbildung zeigt die Wett-, Glücksspiel- und Lotterieabgaben seit 1995 (Einführung der National Lottery).

Im Jahr 2009 betrugen die kumulierten Steuerabgaben € 1,7 Mrd., geleichbedeutend mit einem Rückgang um über € 40 Mio. im Vergleich zu 2008. Hauptgrund ist insbesondere der Abgabenrückgang im Bereich Wetten um € 70 Mio.

Obwohl die National Lottery und Gaming niedrigere Wetteinsätze und Bruttospielerträge verzeichnen, tragen sie aufgrund höherer Steuersätze einen größeren Beitrag zu den Gesamtabgaben seit 2006 bei.

Vor Änderung der Steuergesetzgebung im Jahr 2001 waren die Steuereinnahmen aus Wetten rückläufig. Um auf den Rückgang zu reagieren und eine Abwanderung weiterer Marktanteile an steuergünstige Länder in Übersee zu vermeiden, entschied sich die Regierung 2001 dazu, die Besteuerung zu reformieren. Seitdem ist nicht mehr der Wetteinsatz sondern der Bruttospielertrag Bemessungsgrundlage.

Der Wechsel führte zu einer starken Reduzierung des Steueraufkommens im Jahr 2002, welches jedoch antizipiert wurde und den Erwartungen entsprach. Zwischen 2002 und 2005 sind die Steuereinnahmen aus Wetten mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 15 % stetig angestiegen. Die Spielertragsbesteuerung der FOBTs stellt hierbei einen wesentlichen Wachstumsfaktor dar.

Im Dezember 2005 wurde die Besteuerung der FOBTs geändert. Die Einnahmen sind mehrwertsteuerpflichtig und unterliegen einer Art Vergnüngungssteuer auf Gewinnspielautomaten („Amusement Machines Licence fees“), jedoch unterliegen die FOBTs nicht mehr der Spielertragssteuer. Hierin liegt der Hauptgrund des Rückgangs der Spielertragssteuer seit 2005. Es wird geschätzt, dass sich die Steuereinnahmen 2006 auf ca. € 600 Mio. belaufen würden, sofern die FOBTs noch immer der Spielertragssteuer unterliegen würden.

Insgesamt machen die Wettsteuern in 2009 24 % der gesamten ©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerabgaben aus.

700 600

€ Mio.

500 400 300

200 100 0 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 Wetten

Poolwetten

Gaming

Lotterie

Quelle: HM Rev enue

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

26


Fallstudie Großbritannien

Internationales Benchmarking

Fallstudie Glücksspiel- und Wettmarkt in Großbritannien (7/7) Gesamtsteueraufkommen des britischen Wettmarktes

Gesamsteueraufkommen des britischen Wettmarktes 2008 (€ Mio.)

Zusätzlich zur Wettsteuer zahlen Buchmacher auch beachtliche Beträge anderer Steuern. Insgesamt beliefen sich die Steuerabgaben in 2008 auf mehr als € 800 Mio.

Die restlichen Steuern setzten sich zusammen aus Mehrwertsteuer (ca. € 251 Mio.) (da die meisten Wettgeschäfte von der Mehrwertsteuer befreit sind, kann die im Einkauf gezahlte Mehrwertsteuer nicht gegengerechnet werden), Körperschaftssteuer (ca. € 170 Mio.) und Vergnügungssteuer („Amusement machine licence duty“) für die mehr als 30.000 FOBTs.

Sofern die geschätzten lohn- und gehaltsbezogenen Steuern und Abgaben von ca. € 300 Mio. der geschätzten 40.700 Vollzeitangestellten in der Wettindustrie eingerechnet worden wären, würde das Gesamtsteueraufkommen der Sportwettenindustrie mehr als € 1 Mrd. betragen.

Die Sportwettenindustrie argumentiert, dass unter Berücksichtigung der gegebenen Steuerlast, jegliche Steuererhöhung im vorherrschenden Steuersystem die staatlichen Steuereinnahmen aus der Wettindustrie gefährden würde, da:

Summe € 801 Mio. 74

306 251

170 Wettsteuer (auf Bruttospielertrag)

Ertagssteuer

Umsatzsteuer

Lizenzabgaben

Quelle: Association of British Bookmakers Surv ey , 2009

− Einige Anbieter und Wettbüros aus Unwirtschaftlichkeitsgründen gezwungen wären zu schließen, was folglich in weitere Steuerausfälle resultieren würde; − Eine Abwanderungen der Anbieter in Länder, in denen eine niedrigere Steuerbelastung gegeben ist, stattfinden könnte; − Eine Zunahme an illegalen Wetten wahrscheinlich ist. •

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

27

Die Abgaben zur Unterstützung des Pferderennsports sind in dieser Betrachtung nicht eingeschlossen. Die Mehrzahl der Buchmacher muss 10% des Bruttospielertrages aus Pferderennen an den Rennsport zahlen. Die Zuwendungen der Buchmacher an den Rennsport beliefen sich in 2009/10 auf € 90 Mio. ©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Prognosemodell und Szenarioanalyse

Kapitel Wesentliche Feststellungen

Unterkapitel

Seite 7

Seite

Ausgangssituation

29

Marktüberblick

11

Prognosen Monopol

31

Internationales Benchmarking

18

Prognosen Deregulierung

32

Prognosemodell und Szenarioanalyse

29

Szenarioanalyse

33

Ausblick

46

Anlagen

49

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

28

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Ausgangssituation

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Ausgangssituation Grundlegendes

Ex-post Vergleich der Deloitte Prognose von 2006

Im Wesentlichen beruhen die prognostizierten Spieleinsätze und Bruttospielerträge (2010 – 2015) auf den Sekundärdaten der Goldmedia Studie 2010. Im Rahmen von zahlreichen Expertengesprächen (s.u.), vergleichbaren Studien (u.a. MKW Wirtschaftsforschung GmbH (2008), im Folgenden MKW) und auf Basis internationaler Vergleichsdaten konnten die Angaben validiert und plausibilisiert werden.

Das grundlegende Kalkulationsmodell basiert auf der Deloitte Studie aus dem Jahr 2006. Die Szenarien und Parameter wurden jedoch auf die aktuellen rechtlichen, fiskalischen und ökonomischen Entwicklungen angepasst. Zudem ist das Modell erweitert worden, um die entsprechende Anzahl an Szenarien abbilden zu können.

Von Seiten des DLTB gibt es nicht nur Bedenken an der Schätzung des Marktvolumens der Goldmedia Studie, sondern auch an der Wahrscheinlichkeit, private Online-Anbieter für ein Konzessionsmodell in Deutschland gewinnen zu können (vgl. „Regulierungsquote“ auf Seite 38). Eine Quantifizierung des Marktpotentials hat der DLTB nicht zur Verfügung gestellt.

In der Ex-post Betrachtung ist zu konstatieren, dass sich die tatsächliche Entwicklung der Umsätze für den regulierten Sportwettenmarkt innerhalb der prognostizierten Bandbreite aus der Deloitte 2006 Studie bewegt.

Die getroffenen Annahmen für die Steuerberechnungen sind angelehnt an vergleichbaren Studien und der Deloitte Vorgänger-Studie aus dem Jahr 2006 (vgl. auch das Gutachten Rebeggiani 2010).

Entwicklung Spieleinsatz des regulierten Wettmarkts 450 400

Vorgehensweise

350

300

in Mio.

Insgesamt wurden 16 Expertengespräche während der Studienerstellung geführt, darunter − Branchenexperten (u.a. Hochschulvertreter, Berater) − Sportwetten-Anbieter (u.a. inländische Wettanbieter und Branchenverbände)

und

ausländische

100 50

Der Steuermodellierung ist eine umfangreiche Dokumentenanalyse vorausgegangen, bei der sowohl aktuelle Studien und wissenschaftliche Beiträge als auch praktische Sekundärliteratur (wie z.B. Branchen- und Unternehmensberichte) einflossen.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

200 150

− Fachexperten (u.a. zu steuerlichen und rechtlichen Aspekten) •

250

2006

2007

Deloitte Studie 2006

29

2008

2009

2010

2011

IST-Entwicklung bis 2008 & Goldmedia-Progrose bis 2011

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Ausgangssituation

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Grundlegendes zu Steuern und Abgaben im Sportwettenmarkt Allgemein

Oddset

Die staatlichen Sportwetten-Anbieter sind in der Kooperationsgemeinschaft Oddset zusammengeschlossen, die bundesweit als Wettanbieter im Sinne des § 17 RennwLottG auftritt. Diese ist damit lotteriesteuerpflichtig.

Die einzelnen Anbieter der jeweiligen Länder sind je nach Ausgestaltung ihrer Rechtsform ertragsteuerpflichtig. Handelt es sich um eine GmbH, ist die Gesellschaft körperschaftund gewerbesteuerpflichtig. Ist die Landesgesellschaft hingegen eine Mittelbehörde, wie es beispielsweise in Bayern der Fall ist, führt dies zur Befreiung von den genannten Steuerarten.

Zusätzlich haben die einzelnen Anbieter den Gewinn an das jeweilige Land bzw. besonders genannte Destinatäre abzuführen, soweit sie nicht, wie in Bayern, als Behörde die Einnahmen direkt in den Landeshaushalt einstellen.

Im Gegensatz zu den Einnahmen aus der Lotteriesteuer (im Folgenden auch Wettsteuer genannt) die in die Länderhaushalte fließen, werden durch die Konzessionsabgaben zweckgebunden eine Vielzahl gemeinnütziger Projekte, u.a. im Breitensport oder Kulturumfeld, finanziert.

Der Lotteriesteuer unterliegen − im Inland veranstaltete öffentliche Sportwetten und − das Einbringen ausländischer Lose.

Die Lotteriesteuer ist in § 17 RennwLottG geregelt und entsteht in einer Höhe von 16,67 % auf den Umsatz eines in Deutschland ansässigen Veranstalters. Die Steuer für ausländische Lose beträgt gemäß § 21 RennwLottG 25% des planmäßigen Preises (Nennwert).

Die Lotteriesteuerpflicht knüpft an den tatsächlichen Vorgang einer Wette zu festen Quoten an. Ob der Veranstalter eine Lizenz hat, ist hierbei unerheblich. Diese Umsätze sind im Gegenzug gemäß § 4 Nr. 9 Abs. b UStG umsatzsteuerbefreit.

Im Ausland veranstaltete Lotterien und Sportwetten unterliegen nicht der Lotteriesteuer.

Die Lotteriesteuer und sonstige Steuern werden in unterschiedlichem Maße zwischen Bund und Ländern verteilt. Hieraus ergibt sich ein hohes Konfliktpotential, da sowohl Bund als auch Länder ihr Steueraufkommen gesichert sehen wollen. So fließt die Lotteriesteuer über die Landeslotteriegesellschaften des DLTB ausschließlich dem jeweiligen Landeshaushalt zu, während die Ertragsteuern zwischen Bund und Ländern aufgeteilt werden.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

30

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Prognosen Monopol

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Prognose der Bruttospielerträge im Sportwettenmarkt in Deutschland unter der Annahme des Fortbestehens des GlüStV nach 2012 Prognose der Bruttospielerträge des regulierten und unregulierten Sportwettmarktes in Deutschland im Falle des Monopols (2009-2015)

Prognose des Glückspielmarktes im Falle des Monopols

Neu GlüStV

1.4

Die Grafik und Tabelle stellen die Entwicklung der Bruttospielerträge des deutschen Sportwettenmarktes unter der Annahme der derzeitigen Beibehaltung der regulatorischen Bedingungen auf Basis des GlüStV dar.

Der Sportwettenmarkt unterteilt sich in einen regulierten (Oddset/Toto und Pferdewetten) und unregulierten (Online und stationäre Sportwetten privater Anbieter) Wettspielmarkt. Zusätzlich wird die Entwicklung des Schwarzmarktes prognostiziert. Insgesamt nimmt der regulierte und unregulierte Wettmarkt im Zeitraum 2009 bis 2015 durchschnittlich um 7,9% pro Jahr ab. Beim Fortbestehen des staatlichen Glücksspielmonopols entwickelt sich das regulierte Sportwettensegment im Zeitraum von 2009 bis 2015 rückläufig (durchschnittlich um 4,1% pro Jahr). Bei einer konsequenten Umsetzung des GlüStV ab 2012 wird davon ausgegangen, dass die unregulierten stationären Sportwetten mittelfristig wegfallen. Das unregulierte Online-Sportwettensegment wird hingegen mit einem jährlichen durchschnittlichen Wachstum von 6,9% prognostiziert. Darüber hinaus wird eine jährliche durchschnittliche Zunahme des Schwarzmarktes von etwa 14,9% erwartet. Dies hängt mit dem Wegfall der stationären Sportwetten zusammen, wobei laut Goldmedia Studie 2010 ca. 50 % des Marktvolumens in den Schwarzmarkt übergehen könnte.

Gemäß der Goldmedia Studie sinken im gleichen Zeitraum aufgrund der Fortführung der Werbeeinschränkung und der fehlenden Online-Vermarktung auch die Bruttospielerträge des Lotterieangebots des DLTB von geschätzten € 4,2 Mrd. in 2009 auf € 3,0 Mrd. in 2015.

1.2

€ Mrd.

1.0 0.8 0.6 0.4 0.2 2009

2010

Regulierter Wettmarkt

2011

2012

Online-Sportw etten (unreguliert)

2013

2014

Stationäre Sportw etten (unreguliert)

2015 Schw arzmarkt

Quelle: Goldmedia Studie 2010

Prognose der Bruttospielerträge des deutschen Wettmarktes im Falle des Monopols € Mrd.

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

0.1 0.1

0.1 0.1

0.1 0.1

0.1 0.1

0.1 0.1

0.1 0.1

0.1 0.1

(6.5)% 0.0%

Regulierter Wettm arkt

0.2

0.2

0.2

0.2

0.1

0.1

0.1

(4.1)%

Online-Sportw etten Stationäre Sportw etten

0.3 0.5

0.4 0.4

0.4 0.4

0.4 0.2

0.4 0.1

0.4 0.0

0.4 -

6.9% n/a

Unregulierter Wettm arkt

0.8

0.8

0.8

0.6

0.5

0.4

0.4

(8.9)%

Sum m e Wettm arkt

1.0

1.0

1.0

0.8

0.6

0.6

0.6

(7.9)%

Oddset/Toto Pferdew etten

% CAGR 2009-2015

Quelle: Go ldmedia 2010

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

31

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Prognose Deregulierung

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Prognose der Bruttospielerträge im Glücksspielmarkt unter der Annahme der Deregulierung Prognose der Bruttospielerträge des regulierten und unregulierten Sportwettmarktes in Deutschland im Fall einer Deregulierung (2009-2015) 1,8

Prognose des Glückspielmarktes im Falle der Deregulierung

Neu GlüStV

Die nebenstehende Grafik und Tabelle skizzieren die Entwicklung der Bruttospielerträge des Glücksspielmarktes unter der Annahme der Deregulierung. Dabei wird angenommen, dass zum einen der OnlineVertrieb für den Lotto- und den Sportwettenmarkt freigegeben wird und zum anderen, dass stationäre Sportwetten erlaubt sind. Darüber hinaus ist das Werben für Lotto- und Sportwettprodukte zulässig. Unter diesen Marktannahmen wird ein durchschnittliches jährliches Marktwachstum des regulierten deutschen Sportwettenmarktes von 41% erwartet, welches sich im Wesentlichen durch die „Verschiebung“ der Bruttospielerträge aus dem unregulierten Online- und stationären Markt in das regulierte Segment ab 2012 ergibt. Ferner werden positive Impulse für alle Marktteilnehmer (inklusive Oddset) durch die Werbemöglichkeiten und Onlineangebote erwartet.

Für die regulierten Anbieter (Oddset/Toto, Pferdewetten und Wettshops) wird ein Wachstum von € 0,7 Mrd. (€ 0,1 Mrd. Oddset/Toto, € 0,5 Mrd. stationäre Sportwetten, € 0,1 Mrd. Pferdewetten) in 2012 auf € 1,0 Mrd. (€ 0,2 Mrd., € 0,7 Mrd., € 0,1 Mrd.) in 2015 erwartet. Vor allem wird das Segment der regulierten Online-Sportwetten von der Liberalisierung des Marktes profitieren und generiert somit in 2015 erwartete Spieleinsätze i. H.v. € 5,74 Mrd. (Bruttospielertrag in Höhe von € 0,38 Mrd.). Hinsichtlich der unregulierten Online-Sportwetten, welche über ausländische Lizenzen abgewickelt werden, wird von einem Markvolumen in Höhe von € 1,24 Mrd. Spieleinsätze und einem Bruttospielertrag von € 90 Mio. ausgegangen. Aufgrund der Liberalisierung und der damit verbundenen Regulierung der stationären Sportwetten wird davon ausgegangen, dass der Schwarzmarkt erheblich eingedämmt werden kann.

Für dieses Szenario wird auch ein Wachstum der Bruttospielerträge der klassischen Lottoprodukte des DLTBs ab 2012 erwartet (€ 3,68 Mrd. in 2011, € 4,61 Mrd. in 2015).

1,6 1,4

€ Mrd.

1,2 1,0 0,8 0,6 0,4 0,2 2009 Reguliert Of f line

2010 Online-Sportwetten (reguliert)

2011

2012

2013

Online Sportwetten (unreguliert)

2014

2015

Stationäre Sportwetten (unreguliert)

Schwarzmarkt

Quelle: Goldmedia Studie 2010

Prognose der Bruttospielerträge des deutschen Wettmarktes im Falle der Deregulierung € Mrd.

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

% CAGR 2009-2015

Oddset/Toto Pferdew etten Online-Sportw etten (reguliert) Stationäre Sportw etten (reguliert)

0,1 0,1 -

0,1 0,1 -

0,1 0,1 -

0,1 0,1 0,3 0,5

0,1 0,1 0,4 0,6

0,1 0,1 0,4 0,7

0,2 0,1 0,4 0,8

4,9% 0,0% n/a n/a

Regulierter Wettm arkt

0,2

0,2

0,2

1,0

1,2

1,3

1,4

Online Sportw etten (unreguliert) Stationäre Sportw etten (unreguliert)

0,3 0,5

0,4 0,5

0,4 0,4

0,1 -

0,1 -

0,1 -

0,1 -

40,9% n/a (18,0)% n/a

Unregulierter Wettm arkt

0,8

0,8

0,8

0,1

0,1

0,1

0,1

(30,1)%

Sum m e Wettm arkt

1,0

1,0

1,0

1,1

1,2

1,4

1,5

7,9% n/a

Quelle: Goldmedia 2010

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

32

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Szenarioanalyse

Prognosemodell und Szenarioanalyse

In der vorliegenden Studie werden zwei grundlegende Szenarien unterschieden Fortführung der Monopolsituation im Sinne des aktuell geltenden Glücksspielstaatsvertrages (Variante I)

Marktöffnung und (Varianten II bis V)

Der staatliche Sportwetten-Anbieter (Oddset) ist in diesem Szenario einziger legaler Anbieter in Deutschland. Der staatliche Anbieter erfüllt die Auflagen des GlüStV betreffend Werbung, Vertriebsstruktur, Suchtprävention und Jugendschutz.

Für das Szenario Deregulierung wird von einer kontrollierten Marktöffnung mit mehreren Lizenznehmern ausgegangen, die sowohl staatlich als auch privat sein können.

Die Entwicklung des Spieleinsatzes bzw. Bruttospielertrages seit in Kraft treten der neuen gesetzlichen Regelung wird in den Prognosen (insbesondere der steigende Anteil des unregulierten Marktes) entsprechend fortgeschrieben.

Den privaten Anbietern wird es weiterhin untersagt sein, ihre Wettprodukte in Deutschland zu bewerben und anzubieten.

Ebenso verbleiben die Sportwetten konstant.

Innerhalb des Monopol-Szenarios werden jedoch 2 Entwicklungsvarianten des staatlichen Sportwetten-Anbieters Oddset unterschieden (zum einen wird die Umsatzentwicklung gemäß der Goldmedia Studie und zum anderen eine (positivere) konstante Umsatzentwicklung ab 2009 angenommen).

Die bisherige Steuer- und Abgabenbelastung wird ebenso beibehalten. Die Mitgliedsorganisationen von Oddset unterliegen länderabhängigen Abgaben/Gewinnabführungen. Im Szenario wird eine Lotteriesteuer in Höhe von 16,67% und eine Konzessionsabgabe in Höhe von durchschnittlich 17,5% unterstellt.

durchschnittlichen

Pro-Kopf-Spieleinsätze

Etablierung

eines

Konzessionsmodells

Als Konzessionsmodell ist grundsätzlich eine Regelungsgesamtheit zu verstehen, die den Marktzutritt und -auftritt für Sportwetten-Anbieter in Deutschland regulieren soll. Es handelt sich demnach um ein Marktsegment, in dem eine Tätigkeit unter Aufsicht und mit staatlicher Genehmigung erfolgt.

Die Erteilung einer Zugangsberechtigung (Konzession bzw. Lizenz) ist damit für die Marktteilnehmer mit Rechten und Verpflichtungen verbunden. − Rechte eines Konzessionsnehmers könnten beispielsweise umfassen: Marktzugangsberechtigung, Werberechte, Vertriebsrechte oder Kooperationsrechte;

für

− Verpflichtungen eines Konzessionsnehmers könnten umfassen: Steuer- und Abgabepflichten, Einhaltung von Vorgaben wie Maßnahmen zur Suchtprävention (z.B. im Rahmen von Werbung), zum Jugendschutz und zu verantwortungsvollem Verhalten der Teilnehmer oder das Einhalten von vorgegebenen Wettquotenkorridoren.

Aufgrund der rechtlichen und fiskalischen Sonderbehandlung der in Deutschland tätigen Pferdewettenanbieter werden diese in der Analyse nicht berücksichtigt (siehe auch Abschnitt Marktüberblick).

Auch für das Konzessionsmodell werden Varianten gebildet. In den 4 Varianten werden zum einen die Steuersätze und zum anderen die Bemessungsgrundlage (Umsatz vs. Rohertrag) unterschieden.

Auch hier gilt, dass aufgrund der rechtlichen und fiskalischen Sonderbehandlung die in Deutschland tätigen Pferdewettenanbieter in der Analyse nicht berücksichtigt werden.

.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

33

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Szenarioanalyse

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Übersicht Kalkulationsmodell für die Steuerhochrechnung (1/3) Aufwands- und Ertragspositionen (I)

Steuermodellierung für den deutschen Sportwettenmarkt

Die Bemessungsgrundlagen für die Steuerberechnungen ergeben sich aus dem rechts dargestellten Schema. Im Folgenden sollen kurz die einzelnen Postionen erläutert werden:

in €Mio

[ ]

Um satz ./. Gew innauszahlung

Umsatz/Spieleinsatz: Die Prognose basiert im Wesentlichen auf den Zahlen der Goldmedia Studie 2010, die im Rahmen der Expertengespräche, weiteren Studien (u.a. MKW 2008) sowie eigenen Marktanalysen validiert wurden.

[ ]

Rohertrag

Gewinnauszahlung: Vom Spieleinsatz wird in der Regel ein bestimmter Anteil für die Gewinnausschüttung einbehalten. Für den Monopolfall wird eine Ausschüttungsquote von 58% angenommen. Da im Fall der Marktöffnung alle Anbieter mit ihren Ausschüttungsquoten konkurrieren, sind im Zeitverlauf bis 2015 implizit steigende Quoten auch für die staatlichen Anbieter unterstellt. Rohertrag: Der Rohertrag bzw. Bruttospielertrag (engl. GGR: „gross gambling revenue“) ist eine zentrale Branchenkennziffer, die bei der Besteuerung auch als Bemessungsgrundlage verwendet werden kann. Sie ergibt sich durch die Subtraktion der Gewinnauszahlung vom Spieleinsatz.

[ ]

./. Personalaufw endungen

[ ]

./. Lohnsteuer

[ ]

./. Werbeaufw endungen

[ ]

./. SbA (inkl. Vertriebsaufw endungen)

[ ]

./. Wettsteuer

[ ]

./. Konzessionsabgaben

[ ]

Ergebnis der gew öhnlichen Geschäftstätigkeit ./. Ertragssteuer Jahresüberschuss

Personalaufwendungen: Bei der Steuermodellierung müssen für die Personalkosten einige wesentliche Effekte beachtet werden: u.a. unterschiedliche Kostenstrukturen für Online und Offline-Anbieter, Anteil an in Deutschland tätigen Arbeitnehmern im Fall von ausländischen Anbietern sowie Zusammenhang von Personal- und Umsatzentwicklung. Für die Steuerberechnung wird ein durchschnittlicher Personalkostensatz von 2-3% vom Umsatz (je nach Szenario) angenommen. Der Wert orientiert sich an der Bandbreite der von Deloitte gebildeten Peer Group.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

2009-2015

[ ] [ ] [ ]

Quelle: Delo itte A nalyse

Erläuterung Die Rennwett- und Lotteriesteuer ist als sog. Verkehrsteuer nach Handelsrecht in der Position „Sonstige Steuern“ unter den „Steuern vom Einkommen und Ertrag“ auszuweisen (§ 275 Abs. 2 Nr. 19 HGB). Unter der Voraussetzung des § 265 Abs. 7 (und hier Nr. 2) HGB kann jedoch zur Vergrößerung der Klarheit von der Darstellung abgewichen und die Steuer als Aufwandsposition vor dem Rohertrag ausgewiesen werden (analog wie in anderen Branchen üblich vgl. z.B. Öl- und Gaskonzerne bzgl. der Mineralölsteuer)

34

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Szenarioanalyse

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Übersicht Kalkulationsmodell für die Steuerhochrechnung (2/3) Aufwands- und Ertragspositionen (II)

Steuermodellierung für den deutschen Sportwettenmarkt

in €Mio

Lohnsteuer: Steuersubjekt ist der Arbeitnehmer, dessen Steuer vom Arbeitgeber bei Auszahlung des Arbeitslohns einbehalten und abgeführt wird. Da der Steuersatz bzw. Einkommenssteuertarif von persönlichen Besteuerungstatbeständen abhängig ist, wird in der hiesigen Berechnung von einem durchschnittlichen Steuertarif von 25% ausgegangen. Grundsätzlich enthalten die Personalaufwendungen auch die Lohnsteuerbeträge der Arbeitnehmer. Um jedoch das Steueraufkommen in diesem Modell deutlicher darzustellen, wurde ein separater Ausweis gewählt

2009-2015 [ ]

Um satz ./. Gew innauszahlung

[ ]

Rohertrag

[ ]

./. Personalaufw endungen

[ ]

./. Lohnsteuer

[ ]

Werbeaufwendungen: Im Gegensatz zum Werbeverbot im Monopolfall wird von einem umsatzabhängigen Werbeaufwand ausgegangen, der konservativ auf 2% taxiert wird. Der Wert orientiert sich an der Bandbreite der von Deloitte gebildeten Peer Group.

./. Werbeaufw endungen

[ ]

./. SbA (inkl. Vertriebsaufw endungen)

[ ]

./. Wettsteuer

[ ]

Sonstige betriebliche Aufwendungen (inkl. Vertriebskosten): In dieser Position werden alle sonstigen Kosten wie Verwaltungskosten und insbesondere Vertriebskosten/Provision für Annahmestellen subsumiert. Je nach Szenario schwankt der Wert zwischen 6-8%.

./. Konzessionsabgaben

[ ]

Ergebnis der gew öhnlichen Geschäftstätigkeit ./. Ertragssteuer Jahresüberschuss

Wettsteuer/Lotteriesteuer: Für den Monopolfall betragen die Aufwendungen für Lotteriesteuer gem. § 17 RennwLottG 20% des Verkaufspreises (Nennwertes) der Spielscheine vor LottSteuer, d.h. 16 2/3% des Bruttopreises. Im Fall der Deregulierung werden unterschiedliche Steuer- und Abgabenlastvarianten angenommen (siehe detaillierte Erläuterungen bei den Hochrechnungen).

[ ] [ ] [ ]

Quelle: Delo itte A nalyse

Erläuterung Die Rennwett- und Lotteriesteuer ist als sog. Verkehrsteuer nach Handelsrecht in der Position „Sonstige Steuern“ unter den „Steuern vom Einkommen und Ertrag“ auszuweisen (§ 275 Abs. 2 Nr. 19 HGB). Unter der Voraussetzung des § 265 Abs. 7 (und hier Nr. 2) HGB kann jedoch zur Vergrößerung der Klarheit von der Darstellung abgewichen und die Steuer als Aufwandsposition vor dem Rohertrag ausgewiesen werden (analog wie in anderen Branchen üblich vgl. z.B. Öl- und Gaskonzerne bzgl. der Mineralölsteuer)

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

35

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Szenarioanalyse

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Übersicht Kalkulationsmodell für die Steuerhochrechnung (3/3)

Aufwands- und Ertragspositionen (III)

Steuermodellierung für den deutschen Sportwettenmarkt

in €Mio

Konzessionsabgabe: Der Zweck einer Konzessionsabgabe kann unterschiedlich sein (z.B. Förderung von Behindertensport), sie ist aber grundsätzlich als steuerliche Belastung zu interpretieren. Im Monopolfall wird eine Konzessionsabgabe in Höhe von durchschnittlich 17,5% auf den Umsatz unterstellt. Bei der Deregulierung wird nicht differenziert, sondern eine kombinierte Steuer-/ Abgabenquote angenommen. Ggfs. können auch wie in anderen Ländern einmalige oder jährlich fixe Konzessionsgebühren erhoben werden.

2009-2015 [ ]

Um satz ./. Gew innauszahlung

[ ]

Rohertrag

[ ]

./. Personalaufw endungen

[ ]

./. Lohnsteuer

[ ]

Ertragssteuer: Der kombinierte GewSt-KSt-Satz (inkl. Solidaritätszuschlag) beträgt 29,83% ab 2008. Der vergleichsweise geringe Steuersatz ist im Wesentlichen auf die Absenkung der Körperschaftsteuer von 25% auf 15% zurückzuführen.

./. Werbeaufw endungen

[ ]

./. SbA (inkl. Vertriebsaufw endungen)

[ ]

./. Wettsteuer

[ ]

Steuervolumen: Im Rahmen der Studie werden dementsprechend nur direkte Steuereffekte berechnet. Induzierte Effekte, die sich beispielsweise aus nach- oder vorgelagerten Wertschöpfungszusammenhängen ergeben (also Beschäftigungsimpulse innerhalb anderer Sektoren wie z.B. Gastronomie oder fiskalische Effekte durch Einsparungen von Transferzahlungen), sind nicht enthalten.

./. Konzessionsabgaben

[ ]

Ergebnis der gew öhnlichen Geschäftstätigkeit ./. Ertragssteuer Jahresüberschuss

[ ] [ ] [ ]

Quelle: Delo itte A nalyse

Erläuterung Die Rennwett- und Lotteriesteuer ist als sog. Verkehrsteuer nach Handelsrecht in der Position „Sonstige Steuern“ unter den „Steuern vom Einkommen und Ertrag“ auszuweisen (§ 275 Abs. 2 Nr. 19 HGB). Unter der Voraussetzung des § 265 Abs. 7 (und hier Nr. 2) HGB kann jedoch zur Vergrößerung der Klarheit von der Darstellung abgewichen und die Steuer als Aufwandsposition vor dem Rohertrag ausgewiesen werden (analog wie in anderen Branchen üblich vgl. z.B. Öl- und Gaskonzerne bzgl. der Mineralölsteuer)

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

36

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Szenarioanalyse

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Wesentliche Stellschrauben bei der Steuerberechnung sind neben der allgemeinen Marktentwicklung der Steuersatz, die Bemessungsgrundlage sowie die sog. „Regulierungsquote“ Besteuerung des Rohertrages (Variante II und III)

„Regulierungsquote“

Im Folgenden werden als Steuerbemessungsgrundlage der Umsatz bzw. Spieleinsatz und der Rohertrag bzw. Bruttospielertrag unterschieden. In der steuerlichen Wirkung können die beiden Herangehensweisen durch eine entsprechende Festsetzung des Steuersatzes angeglichen werden. Unter Risikoaspekten ist es für die Wettunternehmen jedoch ein Unterschied, da der Rohertrag auch negativ sein kann.

Die sog. „Regulierungsquote“ ist der Anteil an Wett-Anbietern, der sich in einem Konzessionsmodell für den Einstieg in den regulierten Markt entscheidet und dann in Deutschland besteuert wird. Die Annahmen aus der Goldmedia Studie (ca. 82,5%) wurden in zahlreichen Expertengesprächen, insbesondere mit großen ausländischen Wettanbietern sowie Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern überprüft.

Die Steuermodellierung geht einmal von 15% auf den Rohertrag aus (Variante II), was z.B. konsistent mit dem aktuellen „Schleswig-HolsteinVorschlag“ oder der Regelung in UK ist.

Alternativ ist in einer weiteren Variante III der Steuersatz 20% angenommen, um zudem die Sensitivitäten aufzuzeigen.

Im Ergebnis konnte ein starkes Interesse dokumentiert werden, das die Annahme eines hohen Prozentsatzes plausibel erscheinen lässt. Da diese strategische Managemententscheidung jedoch von der konkreten regulatorischen Regelung abhängt, die zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersehbar ist, erscheint es konsequent, mit einer Bandbreite zu modellieren.

Daher wird innerhalb der jeweiligen Steuervarianten (II bis V) eine Quote von 75% und 90% angenommen, d.h. im Fall von 75% geht man davon aus, dass 3/4 der Anbieter, die bisher im unregulierten Markt agierten, in den regulierten Markt wechseln. Im Fall von 90% entscheiden sich entsprechend 9 von 10 Anbieter für den Eintritt in das kontrollierte Konzessionsmodel in Deutschland.

Für die Entscheidung, ggfs. auch einen steuerlichen Nachteil in Kauf zu nehmen, sprechen die Argumente „höheres Konsumentenvertrauen“, „Werbemöglichkeit“ (siehe nächste Seite) und Rechtssicherheit, was nicht nur für börsennotierte Unternehmen von Relevanz ist. In den Expertengesprächen wurde u.a. darauf hingewiesen, dass konzessionierte Anbieter zur Kontrolle und Einhaltung der Vorgaben für alle Marktteilnehmer beitragen.

Besteuerung des Umsatzes (Variante IV und V) In den Varianten IV und V wird eine Besteuerung vom Spieleinsatz angenommen, wie es derzeit beispielsweise auch in den Ländern Frankreich, Italien und Österreich gemacht wird. Die Bandbreite der Steuersätze geht hierbei von 2% bis 7,5%. Steuermodellierungen im vorliegenden Modell zeigen jedoch, dass jede Prozentpunkt-Besteuerung auf den Spieleinsatz ein ökonomisch erfolgreiches Wirtschaften erschwert. Mittel- bis langfristig ist zu schlussfolgern, dass das gesamte Umsatzvolumen des Marktes (durch das Ausscheiden von Unternehmen) nicht gehalten werden kann. •

Für Variante IV auf Basis des Spieleinsatzes wird der Steuersatz von 2% (der in etwa einer Rohertragsbesteuerung von 15% entspricht) modelliert.

In Variante V geht ein Steuersatz in Höhe von 5% in die Berechnung ein.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

37

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Szenarioanalyse

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Gespräche mit privaten Wett-Anbietern Anbietern bestätigten das hohe Interesse am deutschen Sportwettenmarkt Konsumentenvertrauen •

Im Rahmen eines Konzessionsmodells können die Rechte und Pflichten an eine zu erwerbende Lizenz gekoppelt werden. Für den Konsumenten sind Aspekte wie der deutsche Rechtsraum, nationale Bankverbindungen oder mediale Kontrolle für die Auswahl des Leistungsbereitstellers wichtig. Eine höhere Seriosität in der Wahrnehmung der Kunden führt zu Wettbewerbsvorteilen, die schlussendlich in Marktanteilsgewinne umgesetzt werden können.

Die Expertengespräche bestätigten, dass der Wettende Angebote aus dem eigenen Land präferiert. Er ist sogar in vielen Fällen bereit, dafür eine Prämie zu zahlen (z.B. durch geringere Ausschüttungsquoten).

Ein höheres Konsumentenvertrauen ist aus Sicht der Wettanbieter auch zu erreichen, indem pro-aktiv Maßnahmen zur Suchtprävention unterstützt werden; zudem könnten mit der Konzession streng kontrollierte Vorgaben über die Suchtprävention formuliert werden.

Werbemöglichkeit •

Analog eröffnen sich für die Konzessionsteilnehmer Werbemöglichkeiten in einem attraktiven Markt, die gegenüber anderen Online-Anbietern ohne Lizenz einen komparativen Konkurrenzvorteil darstellen können. Diese Unternehmen könnten schrittweise bekannter werden und nicht konzessionierte Anbieter am Markt verdrängen. Die Erfahrungen aus UK zeigen, dass eine Öffnung der Werbung unabhängig von einer erworbenen Konzession auch kontraproduktiv sein kann, da es ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für den Lizenznehmer ist.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

38

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Szenarioanalyse

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Variante I: Monopol Annahmeset der Modellierung

Jährliches Steueraufkommen im Monopolfall

Wettsteuer (auf Umsatz) SbA (inkl. Vertriebskosten) Werbeaufw endungen Personalkosten Ausschüttungsquote exkl. Pferdew etten Umsatzentw icklung

16.66% 8.00% 0.00% 3.00% 58.00% Variante Goldmedia/ Variante konstanter Umsatz 17.50%

Umsatz € Mio. Variante Goldmedia Variante konstanter Umsatz

2012

2013

2014

2015

170 240

165 240

150 240

145 240

120

CAGR 2012-2015

103

100

125

94

124

91

80 60

20 -

Wie in allen folgenden Varianten sind oben links die wesentlichen Annahmen für die Steuerhochrechnung aufgeführt. Im Gegensatz zum Szenario Deregulierung werden keine Werbeaufwendungen berechnet. Die Personalkosten fallen mit 3% etwas höher als im Szenario Deregulierung aus (unter der Annahme einer geringeren Kostenstruktur bei der steigenden Anzahl von Online-Anbietern).

2012

2013

Umsatzentw icklung Goldmedia

2014

2015

Umsatzentw icklung (Oddset/Toto konstant 2009)

Quelle: Deloitte Analy se

Kumuliertes Steueraufkommen von 2012 bis 2015 auf Basis Umsatzentwicklung Goldmedia

Für die Umsatzentwicklung von Oddset werden wiederum zwei Alternativen berücksichtigt. Zum einen werden die Prognosezahlen aus der GoldmediaStudie herangezogen. Hier wird von einer durchschnittlichen jährlichen Abnahme der Umsätze in Höhe von 5,2% ausgegangen (Variante Goldmedia).

Summe € 387 Mio.

105

Zum anderen wird eine ähnliche Umsatzentwicklung wie in der MKW-Studie 2008 herangezogen („Best Case Szenario“). Vor diesem Hintergrund wird in dieser Alternative die Umsatzentwicklung von Oddset/Toto in Höhe von € 240 Mio. konstant gehalten (Variante konstanter Umsatz).

10 Lizenzabgaben

273

Lohnsteuer

Über den Zeitraum 2012 bis 2015 ergibt sich in den jeweiligen Varianten ein kumuliertes Steuervolumen in Höhe von € 387 Mio. (Variante Goldmedia) bei leicht sinkenden jährlichen Steuereinnahmen bzw. € 502 Mio. (Variante konstanter Umsatz). Bei der Goldmedia Variante entfallen mit € 273 Mio. ca. 65% der Besteuerung auf die Wettsteuer.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

126

40

(5.2)% 0.0%

Berechnung des Steueraufkommens beim Szenario des Monopols •

127

100

€ Mio.

Lizenzabgaben

140

Wettsteuer auf Umsatz (ohne Pferdew etten) Quelle: Deloitte Analy se

39

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Szenarioanalyse

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Variante II: Deregulierung (Steuerbemessungsgrundlage Rohertrag 15%) Annahmeset der Modellierung

Jährliches Steueraufkommen Szenario Wettsteuer 15%

Wettsteuer (auf Bruttorohertrag) SbA (inkl. Vertriebskosten) Werbeaufw endungen Personalkosten Regulierungsquote Lizenzabgaben

Regulierungsquote 75% Regulierungsquote 90%

2012

2013

2014

2015

907 1,016

1,032 1,152

1,148 1,276

1,284 1,421

300

269 216

CAGR 2012-2015 12.3% 11.8%

241

239

250

€ Mio.

Bruttospielertrag € Mio.

15.00% 6.00% 2.00% 2.00% 75%-90% Lizenzabgaben w erden über die Wettsteuer abgegolten

188

200

214

192

166 150 100

Besteuerung auf Umsatz zu 15% •

50

Die Grundannahmen des Szenarios der Deregulierung wurden bereits zuvor diskutiert. In dieser Variante des Szenarios der Deregulierung wird eine Wettsteuer von 15% herangezogen. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen (inkl. Vertriebskosten), die Werbeaufwendungen und die Personalkosten basieren auf Angaben von Branchenexperten sowie auf öffentlich verfügbaren Daten von Online-Wettanbietern.

2012

2014

2015

Regulierungsquote 90%

Quelle: Deloitte Analy se

Darüber hinaus wird in dieser Variante eine Regulierungsquote von 75% bzw. 90% in Betracht gezogen. Ausgangspunkt hinsichtlich der Ermittlung dieser Bandbreite ist die angenommene Regulierungsquote von ca. 82,5% der Goldmedia Studie.

Kumuliertes Steueraufkommen von 2012 bis 2015 auf Basis Wettsteuer 15% und Regulierungsquote von 82,5% (Goldmedia)

Die oben rechts stehende Graphik illustriert die jährliche Entwicklung des Steueraufkommens bei einer Besteuerung des Bruttospielertrags in Höhe von 15%. Dabei wird ersichtlich, dass bei einer Regulierungsquote von 90% ein Steueraufkommen von ca. € 269 Mio. in 2015 erzielt wird. Während bei einer angenommen Regulierungsquote von 75% ein Steueraufkommen von ca. € 241 Mio. für das Jahr 2015 prognostiziert wird. Für die Berechnung des kumulierten Steueraufkommens für die Jahre 2012 bis 2015 wurde die Regulierungsquote von 82,5% der Goldmedia Studie herangezogen. Es ergibt sich ein kumulierter Wert von € 862 Mio. Dabei macht die Wettsteuer etwa 80,2% des kumulierten Gesamtsteueraufkommens aus.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

2013

Regulierungsquote 75%

Summe € 862 Mio.

151

Lohnsteuer

19

692

KST/Gew St Wettsteuer auf Bruttospielertrag (ohne Pferdewetten) Quelle: Deloitte Analy se, Annahme

40

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Szenarioanalyse

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Variante III: Deregulierung (Steuerbemessungsgrundlage Rohertrag 20%) Annahmeset der Modellierung

Jährliches Steuervolumen Szenario Wettsteuer 20%

Wettsteuer (auf Bruttorohertrag) SbA (inkl. Vertriebskosten) Werbeaufw endungen Personalkosten Regulierungsquote Lizenzabgaben

Regulierungsquote 75% Regulierungsquote 90%

2012

2013

2014

2015

907 1,016

1,032 1,152

1,148 1,276

1,284 1,421

350

330 297

300 250

€ Mio.

Bruttospielertrag € Mio.

20.00% 6.00% 2.00% 2.00% 75%-90% Lizenzabgaben w erden über die Wettsteuer abgegolten

CAGR 2012-2015

268 237

298

267

240

212

200 150

12.3% 11.8%

100

Besteuerung mit einer Wettsteuer von 20% •

Im Vergleich zur vorherigen Variante wird ersichtlich, dass sich in 2015 ein um € 61 Mio. höheres Steueraufkommen (€ 330 Mio.) bei einer Regulierungsquote von 90% berechnet.

Die unten rechts stehende Graphik illustriert die Aufteilung des kumulierten Steueraufkommens nach Steuerarten von 2012 bis 2015 mit einer Regulierungsquote von 82,5%. Dabei besteht das kumulierte Steueraufkommen in Höhe von € 1.073 Mio. im Wesentlichen aus der Wettsteuer (€ 922 Mio.). Aufgrund einer Besteuerung zu 20% auf den Bruttospielertrag resultiert auf Basis der gegebenen Annahmen ein leicht negatives Ergebnis für die Unternehmen im Sportwettenmarkt, so dass keine zusätzliche Besteuerung durch eine Ertragssteuer anfällt.

50

In dieser Variante wird von einer Besteuerung des Bruttospielertrages in Höhe von 20% ausgegangen. Ansonsten bleiben die Annahmen der vorangegangenen Variante bestehen.

2012

2013

2014

Regulierungsquote 75%

2015

Regulierungsquote 90%

Quelle: Deloitte Analy se

Kumuliertes Steueraufkommen von 2012 bis 2015 auf Basis Wettsteuer 20% und Regulierungsquote von 82,5% (Goldmedia) 151

Im Vergleich zur MKW-Studie (Nachfolger der ifo Studie aus dem Jahr 2006) fällt das Steuervolumen mit der Bemessungsgrundlage Rohertrag aufgrund der geringeren Wachstumsannahmen niedriger aus, was die konservative Herangehensweise in der vorliegenden Studie anzeigt.

Lohnsteuer

Summe € 1.073 Mio.

922

Wettsteuer auf Bruttospielertrag (ohne Pferdew etten) Quelle: Deloitte Analy se, Annahme

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

41

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Szenarioanalyse

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Variante IV: Deregulierung (Steuerbemessungsgrundlage Spieleinsatz 2%) Annahmeset der Modellierung

Jährliches Steueraufkommen Szenario 2% auf Umsatz

Wettsteuer (auf Umsatz) SbA (inkl. Vertriebskosten) Werbeaufw endungen Personalkosten Regulierungsquote Lizenzabgaben

Regulierungsquote 75% Regulierungsquote 90%

2012

2013

2014

7,165 8,002

8,073 8,987

9,013 9,995

2015 10,029 11,075

350 300

CAGR 2012-2015 11.9% 11.4%

Zieht man das kumulierte Steueraufkommen der Wettsteuer unter der Annahme der Besteuerung des Bruttospielertrages zu 15% in Höhe von € 862 Mio. heran, so lässt sich eine Abweichung des kumulierten Steueraufkommens von etwa € 22 Mio. feststellen.

173

194

220

197

50

2012

2013

2014

Regulierungsquote 75%

2015

Regulierungsquote 90%

Quelle: Deloitte Analy se

Bei einer Besteuerung auf den Umsatz zu 2% ergibt sich bei einer Regulierungsquote von 90% ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Steueraufkommens von ca. 12,3% auf bis € 274 Mio. in 2015. Diese Entwicklung des jährlichen Steueraufkommens ist in etwa vergleichbar mit der Entwicklung unter der Annahme der Besteuerung des Bruttospielertrages zu 15%. Betrachtet man unter dieser Variante das kumulierte Steueraufkommen von 2012 bis 2015 wird zusätzlich zur Wettsteuer eine Ertragssteuer in Höhe von € 11 Mio. eingenommen. Bei einer Regulierungsquote von 82,5% ergibt sich über vier Jahre ein kumulierter Betrag in Höhe von € 884 Mio. Dabei weist die Wettsteuer einen Anteil am kumulierten Steueraufkommen von 81% aus.

245 221

100

Bei dieser Variante wird der Umsatz mit 2% besteuert. Dabei bleiben die Annahmen bezüglich der sonstigen betrieblichen Aufwendungen, Werbeaufwendungen, Personalkosten und Lizenzabgaben unverändert.

200

247

150

Besteuerung auf den Umsatz in Höhe von 2% •

274

250

€ Mio.

Umsatz € Mio.

2.00% 6.00% 2.00% 2.00% 75%-90% Lizenzabgaben w erden über die Wettsteuer abgegolten

Kumuliertes Steueraufkommen von 2012 bis 2015 auf Basis 2% auf Umsatz und Regulierungsquote von 82,5% (Goldmedia)

Summe € 884 Mio.

151

Lohnsteuer KST/Gew St

11

722

Wettsteuer auf Umsatz (ohne Pferdew etten) Quelle: Deloitte Analy se, Annahme

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

42

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Szenarioanalyse

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Variante V: Deregulierung (Steuerbemessungsgrundlage Spieleinsatz 5%) Jährliches Steueraufkommen Szenario 5% auf Spieleinsatz

Annahmeset der Modellierung Wettsteuer (auf Umsatz) SbA (inkl. Vertriebskosten) Werbeaufw endungen Personalkosten Regulierungsquote Lizenzabgaben

Regulierungsquote 75% Regulierungsquote 90%

2012

2013

2014

7,165 8,002

8,073 8,987

9,013 9,995

2015 10,029 11,075

650

450

CAGR 2012-2015

Auch wenn es sich um ein simplifiziertes Kalkulationsmodell handelt, wird daran deutlich, dass ab einer gewissen Besteuerung der geschäftliche Handlungsspielraum eingeschränkt wird. Bis zu einem gewissen Punkt lassen sich die Abgaben an den Konsumenten zwar weitergeben, aber nicht beliebig wie die jüngsten Erfahrungen in Frankreich (z.B. Streiks aufgrund zu hoher Gebühren) dokumentieren. Es besteht die Gefahr, dass Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen aus dem regulierten Markt ausscheiden und somit das Steueraufkommen sinkt.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

388

350

50 2012 2013 Regulierungsquote 75%

2014 Regulierungsquote 90%

2015

Quelle: Deloitte Analy se

Bei einer Regulierungsquote von 82,5% errechnet sich ein kumuliertes Steueraufkommen in Höhe von € 1,957 Mio. Davon entfallen in etwa 92,3% auf die Wettsteuer. Wie in der Variante der Besteuerung des Bruttospielertrages mit 20% kommt aufgrund eines negativen Geschäftsergebnisses der Unternehmen die Anwendung der Ertragsbesteuerung nicht zum Tragen.

437

150

In dieser Variante wird eine Besteuerung auf den Umsatz in Höhe von 5% angenommen. Hierbei kann ein Steueraufkommen von bis zu € 600 Mio. in 2015, unter der Annahme einer Regulierungsquote von 90%, generiert werden.

488

487 434

250

11.9% 11.4%

Besteuerung auf den Umsatz in Höhe von 5% •

600 543

541

550

€ Mio.

Umsatz € Mio.

5.00% 6.00% 2.00% 2.00% 75%-90% Lizenzabgaben w erden über die Wettsteuer abgegolten

Kumuliertes Steueraufkommen von 2012 bis 2015 auf Basis 5% auf Umsatz und Regulierungsquote von 82,5% (Goldmedia)

151 Summe € 1,957 Mio.

1,806

Lohnsteuer Wettsteuer auf Umsatz (ohne Pferdew etten) Quelle: Deloitte Analy se, Annahme

43

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Szenarioanalyse

Prognosemodell und Szenarioanalyse

Zusammenfassende Darstellung der Steuerhochrechnung für alle 5 Varianten Varianten in der Übersicht

Für den Monopolfall ergibt sich ein kumuliertes Steuervolumen von € 387 Mio. für die Jahre 2012 bis 2015, das sich aus den Steuerarten Wettsteuer, Lohnsteuer und Ertragssteuer zusammensetzt. Entsprechend sind die unterschiedlichen Besteuerungsvarianten für das Szenario Deregulierung kalkuliert worden. Wie in vergleichbaren Hochrechnungen zeigt sich, dass eine Besteuerung auf den Rohertrag in Höhe von 15% (€ 861 Mio.) in etwa einer Besteuerung auf den Umsatz in Höhe von 2% entspricht (€ 884 Mio.).

1.654

1500

359

1000

884

1.073

2% auf Umsatz

20% auf BSE

862 500

387

0

Die zukünftigen Steuereinnahmen hängen entscheidend davon ab wie Rechte und Pflichten eines Konzessionsteilnehmers definiert werden. Erfahrungen in UK beispielsweise haben gezeigt, dass die Nicht-Bindung der Werbemöglichkeiten an eine Lizenz vergleichsweise moderate Steuerausgestaltungen ihre Wirkung nehmen können, da nur die exklusive Werbung einen steuerlichen Nachteil kompensieren kann.

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

479

1.297

Bei einer Erhöhung der Spieleinsatzsteuer auf 20% ergeben sich Steuereinnahmen von über € 1 Mrd. Der viel größere Hebel wird bei der Besteuerung auf den Umsatz deutlich. Hier werden bei einem Steuersatz von 5% fast € 2 Mrd. erreicht. Auf die Restriktionen einer zu hohen Besteuerung ist bereits eingegangen worden, so dass der nachhaltige Verbleib auf diesem Niveau in Frage gestellt werden kann.

Gemäß Branchenexperten wären im Online-Gambling Markt aufgrund der spezifischen Geschäftsmodelle bzw. Glücksspielangebote ausschließlich die Bruttospielerträge zukünftig zu besteuern. Demnach sind für die Varianten der Bruttospielertragssteuer die kumulierten Steuereinnahmen für die Jahre 2012 bis 2015 berücksichtigt (exkl. Lohnsteuer) und führen bei einer Besteuerung von 15% zu Steuereinnahmen i.H.v. € 359 Mio. bzw. € 479 Mio. bei einer Besteuerung von 20%. Für die zeitliche Verteilung der Steuereinnahmen aus dem Online-Gambling Markt auf die einzelnen Jahre sei an dieser Stelle auf S. 49 verwiesen.

1.957

2000

€ Mio.

Kumulierte Steuereinnahmen 2012-2015 bei einer Regulierungsquote von 82,5%

Monopol

15% auf BSE

5% auf Umsatz

Kumulierte Steuereinnahmen Kumulierte Steuereinnahmen aus Online-Gambling Quelle: Deloitte Analy se

Beim Konzessionsmodell mit einer Wettsteuer in Höhe von 15 15% auf den Rohertrag würde sich im Vergleich zum Monopol das kumulierte Steuervolumen mehr als verdoppeln.

Das kumulierte Steuer-Volumen von fast € 2 Mrd. zeigt die hohe Sensitivität pro %Punkt bei der Wettsteuer auf den Umsatz, ist jedoch hinsichtlich Umsetzbarkeit am Markt mit Vorsicht zu betrachten.

44

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Ausblick

Kapitel Wesentliche Feststellungen

Seite 7

Marktüberblick

11

Internationales Benchmarking

18

Prognosemodell und Szenarioanalyse

29

Ausblick

46

Anlagen

49

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

45

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Ausblick

Ausblick Online-Gambling in Deutschland (1/2) Entwicklung der Bruttospielerträge des Online-Gambling-Marktes in Deutschland im Falle einer Deregulierung 900

400

800

350 300

€ Mio.

Trends im Online-Gambling Segment

450

250

630

580

716

686

656

739

763

Die nebenstehende Darstellung stellt die Entwicklung des derzeit unregulierten, deutschen Online-Gambling Marktes ohne Online-Sportwetten dar, welches in den bereits vorangegangen Abschnitten ausführlich analysiert wurde. Demnach weist der unregulierte Online-Gambling Markt ein durchschnittliches Marktwachstumspotential von ca. 4,9% aus. Zu dieser positiven Entwicklung tragen im Wesentlichen die Segmente Online-Casino mit einem Wachstum von 7,5% und Online-Gaming von 9,6% bei.

Im Segment des Online-Gamings wird zwischen Geschicklichkeitsspielen (Skill-Games) mit einem geringen Spieleinsatz und Online-Gamings mit einer monatlichen Gebühr unterschieden. Dabei besteht hinsichtlich der SkillGames die Schwierigkeit unterschiedliche Spielformen voneinander abzugrenzen und erschwert somit die Markteinschätzung.

Gemäß der European Gaming & Betting Association EGBA konnte der europäische Online-Gaming Markt in 2008 einen Bruttospielertrag von € 6,5 Mrd. generieren. Für das Jahr 2012 wird ein Anstieg des Marktvolumens bis auf € 11 Mrd. gerechnet. Dieser Trend wird u.a. durch den technologischen Fortschritt wie z.B. den Breitband-Ausbau getragen.

700 600

200

500

150

400

100

300

50 0 2009

2010 2011 Online-Games

2012 2013 2014 Online-Poker Online-Casino

200 2015 Gesamtmarkt (rechte Skala)

Quelle: Goldmedia Studie 2010

Anzahl deutschsprachige Online-Gambling-Sites 2005 und 2010

Uk Sonstige/Unbekannt Österreich Niederländische Antillen Malta Kahnawake Gibraltar Costa Rica Belize Antigua & Barbuda 0

50

Anzahl Sites (2010)

100

150

200

Anzahl Sites (2005)

Quelle: Goldmedia Studie 2010

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

46

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Ausblick

Ausblick Online-Gambling (2/2) Jährliches Steueraufkommen Gambling Markt (Wettsteuer 15% auf Bruttorohertrag)

Trends im Online-Gambling Segment

180.0

In den USA ist die Diskussion aufgekommen, die rechtliche Restriktion hinsichtlich des Online-Gamblings aufzuheben. Wäre dies der Fall, ist von einem noch größeren Marktpotential auszugehen. Bereits jetzt besteht der Trend, dass deutschsprachige Online-Gambling Anbieter Lizenzen im europäischen Raum erwerben. Diese Marktentwicklung macht sich auch im Online-Gambling Markt anhand der Fusion des britischen Online-Gaming Anbieters Party Gaming und des Sportwetten-Anbieters bwin bemerkbar. Laut einer Umfrage von MECN ist mit weiteren Fusionen zu rechnen, was langfristig zu einer Konsolidierung der Online-Gambling und Gaming Märkte führen würde.

Da sich im Geschäftsmodell Gaming der Umsatz häufiger dreht als im Wettmarkt ist davon auszugehen, dass es bei einer Besteuerung auf den Spieleinsatz zu einer überproportional höheren Belastung kommt als im Wettmarkt. Aus diesem Grund wurde bei der Steuermodellierung nur die Variante mit der Rohertragsbesteuerung berechnet.

Bei einer Regulierungsquote von 82,5% (gemäß Annahme Sportwetten) und einer Besteuerung des Bruttospielertrages zu 15% könnte ein kumuliertes Steueraufkommen (nur Wettsteueraufkommen, d.h. auf den Bruttorohertrag) für den Zeitraum 2012 bis 2015 in Höhe von € 359 Mio. erwirtschaftet werden. Im Falle einer 20%-igen Bruttospielertragssteuer erhöht sich das kumulierte Steueraufkommen auf € 479 Mio. Auch hier ist aus Gründen der Konsistenz von einer Regulierungsquote in Höhe von 82,5% ausgegangen worden.

160.0 140.0

€ Mio.

120.0 84.9

88.6

91.5

94.4

2012

2013

2014

2015

100.0 80.0 60.0 40.0 20.0 -

Nur Wettsteuer (15%) Quelle: Deloitte Analy se

Jährliches Steueraufkommen Gambling Markt (Wettsteuer 20% auf Bruttorohertrag) 180.0 160.0 140.0

€ Mio.

120.0

113.3

118.1

122.0

125.9

2013

2014

2015

100.0 80.0 60.0 40.0 20.0 2012

Nur Wettsteuer (20%) Quelle: Deloitte Analy se

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

47

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Anlagen

Kapitel Wesentliche Feststellungen

Seite 7

Marktüberblick

11

Internationales Benchmarking

18

Prognosemodell und Szenarioanalyse

29

Ausblick

46

Anlagen

49

Weitere Informationen

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

50

48

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Weitere Informationen

Kapitel Wesentliche Feststellungen

Anlagen

Seite 7

Marktüberblick

11

Internationales Benchmarking

18

Prognosemodell und Szenarioanalyse

29

Ausblick

46

Anlagen

49

Weitere Informationen

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

50

49

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Weitere Informationen

Anlagen

Geschichtlicher Hintergrund

1956

Geschichtlicher Hintergrund

Gründung des Deutschen Totoblocks (11.11.1956)

Nach dem Zweiten Weltkrieg initiierten deutsche Sportverbände die Gründung der staatlichen Fußball-Toto-Gesellschaften, um so den Mangel an staatlichen Mitteln zur Förderung des Sportes zu kompensieren.

1956 wurde der Deutsche Totoblock aus dem Nord-Süd-Block und dem SüdWest-Block zusammengefügt.

Glücksspielgenehmigungen der DDR (1990)

Ab 1955 schlossen sich die Lotterien der Länder zusammen. Der Eingliederung Berlins (1959) folgte der erste Blockvertrag im Jahr 1962.

Vertrag über die EU (07.02.1992)

1974 wurden Toto und Lotto zum Deutschen Lotto- und Totoblock zusammengeführt (DLTB).

Gründung von Oddset (1999)

Begründet in dem Einigungsvertrag der BRD besitzen seit 1990 vier Unternehmen Sondergenehmigungen aus DDR-Zeiten. Die Gültigkeit dieser Wettlizenzen ist bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend juristisch bewertet.

Der Vertrag der Europäischen Union (1992) gewährt Dienstleistungsfreiheit und Warenverkehrsfreiheit.

Bedingt durch das staatliche Glücksspielmonopol ist der 1999 gegründete Sportwetten-Anbieter Oddset der einzige Sportwetten-Anbieter der Bundesrepublik.

Private Anbieter mit EU-Lizenzen, welche den deutschen Glücksspielmarkt vornehmlich durch Vermittler und moderne Medien (Internet, Telefon) etc. bedienen, berufen sich auf die so genannten DDR-Lizenzen oder Lizenzen aus anderen EU-Staaten.

2006 wurde die bestehende Gesetzgebung zu Sportwetten vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt und gleichzeitig eine Neuordnung vom Gesetzgeber verlangt.

Von den Ländern wurde durch Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages eine neue Rechtsgrundlage für Sportwetten und andere Glücksspielangebote in Deutschland geschaffen.

Entstehung des Lottos (1955 - 1959) Gründung des DLTB (01.06.1974)

Gambelli-Urteil des Europäischen Gerichtshofes (2003) Fußball Wettskandal / Hoyzer Skandal (2005) Urteil des Bundesverfassungsgerichts (2006) In Kraft treten des Glücksspielstaatsvertrages (01.01.2008)

2010

Evaluation des Glücksspielstaatsvertrages (2010), Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (08.09.2010)

Quelle: Deloitte Analyse

Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

50

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Weitere Informationen

Anlagen

Übersicht zum Entwurf der schleswig-holsteinischen holsteinischen CDU-FDP CDU Regierung (vom 9. Juni 2010)

(„Schleswig-Holstein-Modell“)

Eine bedeutende Änderung des Entwurfes ist es, dass Online-Spielbanken (Online-Casinospiele) und Wettspiel in Deutschland erlaubt werden soll. Öffentliche Wetten dürfen jedoch nur von zugelassenen Wettunternehmern angeboten werden, die eine Genehmigung der Aufsichtsbehörde besitzen.

Grundsätzliches Ziel des Staatsvertrages ist es, einen gefahrenadäquaten Ordnungsrahmen für das Angebot (Veranstaltung, Vertrieb und Vermittlung) von öffentlichen Glücksspielen zu schaffen. Insbesondere geht es um folgende Ziele:

Als Wettunternehmer ist auf Antrag zuzulassen, wer Unionsbürger ist oder einen äquivalenten Status in der Europäischen Union besitzt und juristische Personen, die ihren satzungsmäßigen Sitz im Geltungsbereich des Rechts der Europäischen Union haben.

1. den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen zu lenken, insbesondere den ungesetzlichen Schwarzmarkt einzudämmen und den entgeltlichen Spielkonsum nur in einem angemessenen Umfang zuzulassen,

Die Genehmigung der Aufsichtsbehörde zum Vertrieb öffentlicher Wetten ist zu erteilen, wenn der Antragssteller über die für den Vertrieb erforderliche Zuverlässigkeit und Fachkunde verfügt.

Entwurf eines neuen Glücksstaatsvertrages

Darüber hinaus sieht der Gesetzentwurf vor, dass es Werbung für öffentliches Glücksspiel geben darf, sofern diese nicht in Widerspruch zu den Zielen des Glücksspielstaatsvertrages steht.

2. einen wirksamen Jugend- und Spielerschutz zu gewährleisten und dadurch Vorkehrungen vor Ausbeutung durch Glücksspiel zu schaffen oder vor Abhängigkeit durch Glücksspiel zu schützen,

Es muss eine einmalige Gebühr für die Bearbeitung des Antrages auf Erteilung einer Genehmigung für die Veranstaltung von Glücksspielen und/ oder Vertrieb von Glücksspielen gegenüber der Prüfstelle entrichtet werden. Darüber hinaus muss eine jährliche Gebühr für die Aufwendungen im Zusammenhang mit der Aufsicht (Aufsichtsgebühr) gezahlt werden.

3. Suchtgefahren bei Glücksspielen und Wetten vorzubeugen und die Voraussetzungen für eine wirksame Suchtbekämpfung zu schaffen, 4. sicherzustellen, dass Glücksspiele ordnungsgemäß, fair, verantwortlich und transparent durchgeführt, die Spieler vor betrügerischen Machenschaften geschützt und die mit Glücksspielen verbundene Folge- und Begleitkriminalität abgewehrt werden, sowie Gefahren für die Integrität des sportlichen Wettbewerbs bei der Veranstaltung und dem Vertrieb von Sportwetten vorzubeugen,

Von Personen, die im Geltungsbereich dieses Staatsvertrags Glücksspiele vertreiben, wird eine Glücksspielabgabe erhoben. Online-Glücksspiele gelten als vertrieben, sofern sie Personen, die ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Geltungsbereich dieses Staatsvertrages haben, auf elektronischem Wege zugänglich gemacht werden. Wettunternehmer unterliegen einem Abgabensatz von 15%. Bemessungsgrundlage ist der Rohertrag aus den angebotenen und den getätigten Glücksspielen.

5. die öffentliche Ordnung zu wahren und zu vermeiden, dass das erlaubte Glücksspiel mit Kriminalität in Verbindung gebracht wird, 6. sicherzustellen, dass ein erheblicher Teil der Einnahmen öffentlicher Glücksspiele zur Förderung öffentlicher oder gemeinnütziger, kirchlicher oder mildtätiger Zwecke, insbesondere zur Förderung der nachhaltigen Finanzierung des deutschen Sports verwendet wird. Studie zum deutschen Sportwettenmarkt 2010 – 08. September 2010

Die Abgaben werden zur Erreichung der Ziele des Glücksspielstaatsvertrages erhoben. Ein Drittel des Abgabenaufkommens aus den Wetten ist den Landessportverbänden zur Förderung des gemeinnützigen Sports zuzuführen.

51

©2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Deloitte bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu Limited, eine „private company limited by guarantee““ (Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach britischem Recht), und/oder ihr Netzwerk von Mitgliedsunternehmen. Jedes dieser Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig. una Eine detaillierte Beschreibung der rechtlichen Struktur von Deloitte Touche Tohmatsu Limited und ihrer Mitgliedsunternehmen finden Sie auf www.deloitte.com/de/UeberUns.

© 2010 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


BRCgroupLA_Studie_Wettmarkt_01