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Branchen Bulletin Filmindustrie Niederlande 2013

Koproduktionsland Niederlande | Holland Film Meeting | EYE Film Museum Film Festivals | Binger Filmlab | Filmtechnische Servicebetriebe Gaite Jansen und Bob Schwarze in »Supernova« von Tarmar van den Dop nach dem Jugendroman »Wir retten Leben, sagt mein Vater«


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Grenzüberschreitende Geschichten Mit dem deutsch-niederländischen Koproduktionsabkommen, das Anfang 2014 in Kraft treten wird, soll die Zusammenarbeit zwischen den Filmschaffenden beider Länder erleichtert werden. Bereits im Vorfeld haben der Nederlands Filmfonds und die Filmförderungsanstalt (FFA) eine Reihe von Branchentreffen für deutsche und niederländische Produzenten organisiert. Beim deutsch-niederländischen Film Meeting in Utrecht tauschen sich Autoren mit Branchenvertretern über die Entwicklung von Stories und Stoffen aus. „Wir möchten das Bewusstsein für die kulturelle Wahrnehmung in dem jeweils anderen Land sensibilisieren und den Austausch sowie eine Vernetzung auf verschiedenen Ebenen anregen“, erklärt Ellis Driessen, die das deutsch-niederländische Film Meeting in KooperaEllis Driessen tion mit Nicola Jones von der FFA koordiniert hat. Nachdem bei den deutsch-niederländischen Branchentreffen bisher das Koproduktionspotential von Spielfilmprojekten im Mittelpunkt gestanden

Foto: NFF / Felix Kalkman

Der Nederlands Filmfonds und die FFA laden zum deutsch-niederländischen Film Meeting.

Das Goldene Kalb ruft zum Film Meeting in Utrecht

hat, liegt der Fokus nicht mehr auf den technischen und finanziellen Aspekten der Produktion. „Es geht um die inhaltliche Vertiefung, deren Ursprung beim Filmemachen in der Geschichte und dem Drehbuch liegt“, betont Ellis Driessen. „Wir wollen uns auf die Autoren und den Austausch von Ideen für grenzüberschreitende Geschichten konzentrieren.“ Die Diskussion über allgemeine Themen, Genres, Klischees und Vorurteile soll Aufschluss über den Ansatz beim Geschichtenerzählen geben. Dabei geht es um die Frage,

welche Inhalte in Deutschland und den Niederlanden, aber auch international ein Publikum finden. Dazu eingeladen sind deutsche und niederländische Autoren, die sich in Utrecht mit Drehbuchdramaturgen, Verleihern, Produzenten und Spielfilmredakteuren aus beiden Ländern über ihre Ideen austauschen können. Die Autoren erhalten professionellen Rat von Experten und können neue Kontakte knüpfen, ohne gezielt nach potentiellen Finanzierungspartnern zu suchen. Näheren Aufschluss über die unterschiedliche Art der Filmrezeption in den beiden Ländern gibt eine Case Study zu der deutschen Filmkomödie Männerherzen (2009) von Simon Verhoeven und dem niederländischen Remake Mannenharten (2013) von Mark de Clou, für das NL Film als Produzent verantwortlich zeichnet. Die Einführung hält der niederländische Filmemacher Ben Verbong, der nach München gezogen ist, um zu erfahren, was die Menschen in Deutschland bewegt. „Ich glaube, man kann nur Filme für ein Publikum produzieren, das man kennt“, sagt der niederländische Regisseur. „Nachdem ich beide Länder und ihre Menschen in den letzten 17 Jahren kennen gelernt habe, ist es sehr schwierig zu beantworten, welche Themen und Geschichten die Zuschauer in beiden Ländern interessieren.“ Birgit Heidsiek n

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Koproduktionsland Niederlande

Doreen Boonekamp, Leiterin des Nederlands Filmfonds, über Politik und Perspektiven für die Filmproduktion.

Welche Chancen bietet ein deutsch-niederländisches Koproduktionsabkommen? Durch das Abkommen werden die Beziehungen zwischen beiden Ländern intensiviert, denn durch die enge Zusammenarbeit wird der Austausch von Talenten gefördert. Wir haben in den letzten Jahren zusammen mit der Filmförderungsanstalt in Deutschland eine ganze Reihe von Events auf Festivals organisiert, damit die Produzenten sich treffen und über neue Projekte austauschen können, um einen Partner im anderen Land zu finden. Im Rahmen des Nederlands Film Festival in Utrecht erhalten deutsche und holländische Autoren von Branchenvertretern aus beiden Ländern Anregungen zur Entwicklung ihrer Stories und Stoffe, die in Hinblick auf die Vermarktung in dem jeweiligen Nachbarland erfolgen.

Deutsch-niederländische Freundschaft: Doreen Boonekamp, Leiterin des Nederlands Filmfonds, und FFA-Vorstand Peter Dinges

In Deutschland soll die Produktion von Kinder- und Jugendfilmen angekurbelt werden, die in den Niederlanden traditionell sehr stark ist. Auf diesem Gebiet können wir wesentlich enger zusammenarbeiten. Erleichtern Koproduktionen auch den Vertrieb im Ausland? Ja, sie tragen wesentlich dazu bei, dass ein Film auch im Land des Koproduktionspartners herausgebracht wird. Insofern bieten Koproduktionen eine hervorragende Möglichkeit, ein größeres Publikum für einen Film zu generieren. Wie wird ein niederländischer Film in der Regel finanziert? Die klassische Filmfinanzierung aus Förderung, einer Fernsehbeteiligung, der Mindestgarantie eines Verleihers sowie den Geldern von privaten Investoren reicht heute nicht mehr aus, um die gesamte Filmfinanzierung aufzubringen. Deshalb müssen die Filme mit Hilfe internationaler Partner realisiert werden; und zwar durch nationale oder regionale FördeFoto: Coin Film / Revolver Media Productions / Epidemic

Was ist der Hauptvorteil? Im Rahmen des Abkommens können mehr deutsch-niederländische Koproduktionen entstehen, weil es die Art der Zusammenarbeit definiert. Nach der Europäischen Konvention muss der minoritäre Anteil in einer Koproduktion 20 Prozent betragen. Durch ein Koproduktionsabkommen kann der Anteil des minoritären Koproduzenten auf zehn Prozent gesenkt werden, was die Zusammenarbeit für die Produzenten erheblich erleichtert. Doch dabei geht es nicht nur um Geld, denn sowohl Deutschland als auch die Niederlande profitieren in kreativer und technischer Hinsicht vom Austausch der Talente, wenn wir gemeinsam Filme produzieren.

Foto: Birgit Heidsiek

Die niederländische Filmproduktion konnte nicht nur in den letzten zwanzig Jahren ihren heimischen Marktanteil erheblich steigern, sondern bewährt sich auch international zunehmend als Koproduktionspartner. Doreen Boonekamp, Leiterin des Nederlands Filmfonds, über die Potentiale, die ein deutschniederländisches Koproduktionsabkommen sowie ökonomische Anreize für die niederländische Filmindustrie eröffnen.

Gaite Jansen in der deutsch-niederländischen Koproduktion »Supernova« von Tarmar van den Dop

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rungen oder Systeme wie Steuererleichterungen, die inzwischen eine große Rolle in der Filmfinanzierung spielen. In den Niederlanden verfügen wir nicht über diese Maßnahmen, beobachten aber die Entwicklung. Vor zehn Jahren konnte ein Film noch mit Förderungen und Verleihgarantien im eigenen Land finanziert werden; heute ist dafür ein Koproduzent erforderlich. Werden auch in den Niederlanden Steuereranreize für Filmproduzenten geschaffen? Solche finanziellen Anreize werden angestrebt, damit die Niederlande sich zu einem attraktiven Standort für internationale Produktionen entwickeln kann. Derzeit prüfen die drei Ministerien für Finanzen, Wirtschaft und Kultur gemeinsam mögliche Maßnahmen, um dem Parlament einen entsprechenden Vorschlag zu unterbreiten. Dafür schauen sie sich die verschiedenen Modelle an, die in Europa im Einsatz sind und prüfen, welche Lösung sich für die Niederlande adaptieren lässt. Muss dafür die neue Kinomitteilung abgewartet werden? In der Sondierungsphase wird selbstverständlich darauf geachtet, welche Art von Maßnahmen implementiert werden können. Die Maßgabe ist, ein Modell zu kreieren, das im Rahmen der Kinomitteilung funktioniert.

In welchen Bereichen setzt der Nederlands Filmfonds die Schwerpunkte? Wir unterstützen auf der Förderebene die Entwicklung neuer Talente und versuchen für die Filmemacher die besten Möglichkeiten zu schaffen, um neue Projekte zu realisieren. Unser Ziel ist, die große Vielfalt in der niederländischen Filmproduktion zu erhalten. Dazu gehören große Publikumsfilme, aber auch künstlerische Filme, die international ansprechend sind sowie die starke Tradition der Kinder- und Jugendfilme. Wir konzentrieren uns darauf, unsere internationale Beziehungen zu intensivieren, um beispielsweise Koproduktionen mit Deutschland anzuregen. Ein wichtiger Ansatzpunkt in unserer Förderpolitik ist, dass die Filme ins Kino gebracht werden. Darüber hinaus möchten wir die Produzenten anregen, alle Möglichkeiten des digitalen Zeitalters auszuschöpfen und ihre Filme auf unterschiedlichen Plattformen auszuwerten. Deshalb setzen wir bei der Vertriebsförderung auf crossmediale Auswertungsstrategien. Durch die Digitalisierung eröffnen sich neue Marketing- und Finanzierungsmodelle. Wir versuchen, neue Wege der Filmfinanzierung zu erschließen und das Aktionsfeld für die Filmauswertung zu vergrößern.  Birgit Heidsiek n


Foto: Nederlands Film Festival

Foto: Nederlands Film Festival

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Goldenes Kalb für Reinout Scholten van Aschat & Hannah Hoekstra

Ein beliebter Treffpunkt: Der Pavillion des Nederlands Film Festival

Filmsaison in Holland Ein populäres Event für Publikum und Branche: Das Nederlands Film Festival und Holland Film Meeting in Utrecht Mit dem Nederlands Film Festival wird in der niederländischen Universitätsstadt Utrecht im Herbst die Filmsaison eröffnet. Zum Auftakt der 33. Festival-Ausgabe läuft das historische Drama Hoe Duur was de Suiker (The Price of Sugar) von Jean van de Velde, das als eine von 88 Produktionen um das Goldene Kalb konkurriert. Bei diesem filmischen Großereignis, das zehn Tage lang für Glanz, Glamour und volle Kinos sorgt, stehen insgesamt 319 Filme, darunter 79 Premieren, auf dem Programm. Zu den Highlights gehören Alex van Warmerdams skurriler Thriller Borgman, der für den Europäischen Filmpreis nominiert ist, die Feel-Good-Komödie Chez Nous von Tim Oliehoek oder das schwarzweiß gefilmte Drama Wolf über einen Kickboxer, der sich mit eiserner Faust nach oben zu kämpfen versucht. Parallel zu diesen populären Publikumsevents findet das Holland Film Meeting (HFM) statt, das der in- und ausländischen Filmbranche eine Plattform bietet, um sich bei Panels und Präsentationen, Workshops und Meetings miteinander auszutauschen. Die Filmschaffenden können sich gezielt einen Überblick zu aktuellen niederländischen Produktionen verschaffen, aber auch neue Projekte entdecken. International auf großes Interesse stößt der Koproduktionsmarkt Netherlands Production Platform, der 1998 zunächst mit niederländischen Projekten gestartet worden ist. Seit 2002 können auch ausländische Filmemacher und Produzenten ihre Filmvorhaben den Finanziers und Förderern, Verleihern und Sendervertretern präsentieren. „Wir haben dafür ein

Drei-Stufen-Konzept entwickelt“, berichtet Signe ZeilichJensen, Leiterin des Holland Film Meeting. „Nach der Präsentation der Projekte im Plenum folgt eine Diskussion am Runden Tisch, an die im Anschluss Einzelgespräche zwischen den Produzenten und potentiellen Partnern stattfinden.“ Beim 26. Holland Film Meeting werden zum ersten Mal Projekte vorgestellt, die bereits in Utrecht gepitcht wurden und sich inzwischen in Postproduktion befinden. Dank der sorgfältigen Sondierung der Teilnehmer ist die Erfolgsquote bei diesem kleinen Koproduktionsmarkt ungewöhnlichhoch. „Knapp die Hälfte aller Filmvorhaben, die für die Netherlands Production Platform ausgewählt worden sind, konnten realisiert werden“, unterstreicht die HFM-Leiterin. Zu ihnen gehören die türkische

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Liebesgeschichte Our Grand Despair von Seyfi Teoman, die preisgekrönte schwedische Tragigkomödie Involuntary von Ruben Östlund oder das niederländische Drama Guernsey von Nanouk Leopold. In diesem Jahr werden beim Koproduktionsmarkt in Utrecht 23 Filmprojekte aus 15 Ländern präsentiert. „Bei der Auswahl spielen verschiedene Aspekte eine Rolle“, erklärt Signe Zeilich-Jensen, „wie das Potenzial der Geschichte, die Erfolgsbilanz des Filmemachers, und ob der Film universell ist und ein internationales Publikum anspricht.“ Aus Großbritannien eingeladen wurde A Quiet Passion von Terence Davies, aus Serbien Play Me, Kusturica von Uros Tomic, aus Russland


Projekt-Pitching unter Kronleuchtern

Foto: Birgit Heidsiek

Foto: Birgit Heidsiek

Foto: Nederlands Film Festival

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HFM-Leiterin Signe Zeilich-Jensen und DoP Christopher Doyle

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Sales of Dutch Films Netherlands Public Broadcasting

NPO Sales is the international sales department of the Dutch Public Broadcasting Organization (NPO) and represents all Dutch Public Broadcasters and a number of independent producers. NPO Sales sells all media rights of documentaries, drama series and youth programmes (co)produced by the Dutch Public Broadcasters.

Blitzlichtgewitter auf dem roten Teppicb

The Dream-God von Valeriya Gai Germanika und aus Belgien Equator von Hans van Nuffel. Unter den Projekten der niederländischen Produzenten befinden sich Eisenstein in Guanajuato von Peter Greenaway, Exotic Pictures von dem indonesischen Filmemacher Edwin sowie La Holandesa von Joost van Ginkel. Darüber hinaus können sich die rund 200 Teilnehmer des Holland Film Meeting fertige Filme in der digitalen Video-Library anschauen. Bei den NFF International Screenings erhalten sie einen Überblick zu aktuellen Produktionen in den Benelux-Ländern. „Ein großer Kinoerfolg war in diesem Frühjahr die romantische Komödie Verliefd op Ibiza“, berichtet Signe Zeilich-Jensen. Zum Sommerhit avancierte das Schüler-Mobbing-Drama Spijt, das auf dem gleichnamigen Buch von Carry Slee basiert. Erfolgreich in den Kinos gelaufen sind außerdem der Action-Thriller Daglicht, die ulkige Familienkomödie Mees Kees oder die romantische Komödie Valentino. „Beim Nederlands Film Festival sollten die Besucher Filme wie Borgman, De ontmaagding van Eva van End oder Matterhorn nicht verpassen.“  Birgit Heidsiek n

With Love from Russia documentary

DNA Dreams

documentary

Betrayal drama series

The Sex Police documentary

Mina Moes youth drama

The Ballet Masters documentary

Hill of Pleasures

Kill Your darling

documentary

documentary

Impresssum

From Bihar to Bangalore documentary series

Branchen Bulletin Filmindustrie Niederlande 2013 Herausgeberin und Verlag Birgit Heidsiek – Presse und PR Hermann-Behn-Weg 21, 20146 Hamburg Tel.: 040-410 45 07, Fax: 040-41 62 33 04 info@branchenbulletin.com Redaktion Birgit Heidsiek, Bernd Jetschin

Nadia’s Tics Rawer

Autoren Birgit Heidsiek, Bernd Jetschin, Reinhard Kleber

youth documentary

documentary

Gestaltung [take shape] media design, Markus Schaefer Titelfoto Coin Film / Revolver Media Productions / Epidemic

Online Screening Available at www.nposales.com

Druck Reset Grafische Medien GmbH, Hamburg

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Schmuckstück am Amsterdamer Hafen Das 2012 eröffnete EYE Film Museum erweist sich als Publikumsmagnet.

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Im Museum befindet sich Raum für Ausstellungen und vier Kinosäle

Auch beim ausländischen Publikum kommt das neue Haus gut an. Ihr Anteil an den Besuchern liegt bei 17 Prozent. „Er wächst noch, weil wir uns besonders um Touristen und Ausländer bemühen. Eine Umfrage

Foto: Iwan Baan / EYE Film Museum

Das futuristische EYE Film Museum in Amsterdam

hat ergeben, dass die meisten Touristen am ersten Tag das Rijksmuseum und das Van-Gogh-Museum besuchen und dass wir auf dem Programm für den zweiten Tag stehen. Das ist für ein brandneues Museum nicht schlecht.“ Einen spezifischen Publikumsrenner kann Abram nicht erkennen: „Es ist wohl die Kombination aus Filmpremieren, Klassikern und Themenschwerpunkten, die gut funktioniert. Auch die aktuelle Fellini-Ausstellung mit einer umfangreichen Retrospektive, Vorträgen und Events läuft sehr gut.“ Bei Ausstellungen und Filmrestaurierungen kooperiert EYE eng mit ausländischen Instituten, so den Filmmuseen in Frankfurt und Berlin. „Wir haben zum Beispiel die Kubrick-Ausstellung aus Frankfurt übernommen, auf unsere Räume angepasst und etwas erweitert“, erläutert Abram.

Im Filmarchiv ruhen derzeit rund 40.000 Filmtitel. Das gehörten nicht nur alle Filme, die der Dutch Film Fund je gefördert hat, sondern auch viele internationale Filme sowie Spezialsammlungen. Besonders stolz ist Abram auf die Sammlung des niederländischen Kinopioniers Jean Desmet, die vor zwei Jahren in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde. Selbstverständlich nutzt EYE die Möglichkeiten des Internets, um seine Sammlungen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. „Interessenten können online digitalisierte Teile unserer Bestände anschauen, aber auch Hintergrundinformationen abrufen“, betont Abram. Auch die Kinotickets seien online buchbar. Mit Blick auf die vier Kinosäle fügt er hinzu. „Das Internet ist unserer fünfte Leinwand und unser Fenster in die Welt.“  Reinhard Kleber n

Trommeln für die Niederlande

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ie Agentur EYE International ist zuständig für die internationale Promotion und Vermarktung niederländischer Filme. Ihre Mitarbeiterhelfen einheimischen Produzenten, optimale Strategien für Festivals und Märkte zu gestalten und halten Kontakt zu den Auswahlgremien für die großen Festivals. Das bedeutet für das Team um die Agenturchefin Claudia Landsberger viel Arbeit. Allein 2011 wurden mehr als über 700 niederländische Filme weltweit auf mehr als 800 Festivals gezeigt. „Für ein eher kleines Land ist die Filmpromotion nicht so einfach wie für Frankreich, Italien oder Spanien“, sagt Landsberger. Zudem sei die Identität niederländischer Filme „im Ausland oft nicht auf den ersten Blick erkennbar“. Dafür haben niederländische Filme bisher drei Oscars und fünf Nominierungen bei den fremdsprachigen Filmen erhalten. EYE International ist auch

zuständig für die Auswahl des niederländischen Oscar-Vorschlags und die entsprechende Kampagne. Der größte Image-Erfolg war zuletzt die Einladung des Films Borgman von Alex van Warmerdam in den Cannes-Wettbewerb 2013 – das erste Mal seit 38 Jahren. „Das bringt sehr viel Aufmerksamkeit und lohnt sich. Fortissimo Film Sales konnte den Film in 29 Länder verkaufen“, bestätigt Landsberger. Weltweit noch immer recht erfolgreich seien niederländische Dokumentarfilme, die damit an die große Tradition von Joris Ivens und Johan van der Keuken anknüpfen. Die stärkste Resonanz finden international derzeit aber die niederländischen Kinder- und Jugendfilme, die viele Preise gewinnen und sich gut verkaufen. Landsberger: „Da sind wir europaweit mit den Skandinaviern die Nummer 1.“ Ein Beispiel ist Kauwboy, der 2012 auf der Berlinale als bester Nachwuchsfilm und mit dem Preis des Deutschen Kinderhilfswerks ausgezeichnet und in 21 Länder verkauft worden ist. Ein neues Promotion-Instrument hat EYE International zuletzt in China mit so großem Erfolg getes-

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Foto: Birgit Heidsiek

Foto: Tillemann / EYE Film Museum

eit April 2012 ist die Amsterdamer Innenstadt um eine Attraktion reicher: Auf einer Insel gegenüber dem Hauptbahnhof eröffnete in einem futuristischen Gebäude, das vom Wiener Architekturbüro Delugan Meissl Associate Architects entworfen wurde, das EYE Film Museum. Der 36 Millionen Euro teure Neubau beinhaltet vier Kinosäle mit zusammen 650 Sitzen und digitaler wie analoger Projektion. Dazu kommt eine Fläche von 1.200 Quadratmetern für Ausstellungen. Mit der Besucherresonanz ist Ido Abram, Director of Presentation & Communications, sehr zufrieden. „Im ersten Jahr hatten wir gut 750.000 Besucher, weit mehr als erwartet.“ Es sei zwar damit zu rechnen, dass der Zuspruch nachlässt, wenn der Neuigkeitseffekt sich abschwäche. Doch Abram ist optimistisch. „Wir liegen in unserem Zielkorridor.“

tet, dass es im Oktober fortgesetzt werden soll. „Die niederländische Botschaft in Peking hat mit uns ein Online-Festival organisiert, bei dem die Chinesen unsere Filme drei Monate auf Promotet den niederländischen der Plattform Youku Film weltweit: Claudia Landsberger abrufen konnten. Eine solche Nachfrage hatten wir nicht erwartet.“ Neben China widmet EYE International dieses Jahr vor allem Russland viel Aufmerksamkeit, wurde doch ein bilateraler kultureller Austausch vereinbart. Auf dem Moskauer Filmfestival hat zuletzt Matterhorn von Diederik Ebbinge den Publikumspreis gewonnen. Landsberger: „Auf den Festivals von Volgda und St. Petersburg laufen niederländische Specials. Und beim Holland Film Meeting in Utrecht bildet diesmal Russland den Schwerpunkt.“ Reinhard Kleber n


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Farbenfroh und innovationsfreudig

Das Kinderfilmfestival Cinekid in Amsterdam hat das Angebot für Profis umstrukturiert. Foto: Cinekid

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n den letzten 25 Jahren hat sich das Cinekid Filmfestival für Film, Fernsehen und Neue Medien in Amsterdam zu einem der weltgrößten Multimediafestivals für Kinder entwickelt. Alljährlich lockt es rund 50.000 junge Besucher an, die ein breites Programm von langen Spielfilmen über Dokus, Kurzfilme, Animationen, TV-Serien bis hin zu Cross Media-Produkten, interaktiven Installationen sowie Workshops nutzen können. Kernstück des 27. Festivals, das vom 16. bis 25. Oktober 2013 stattfindet, ist der internationale Wettbewerb, der meist 15 hochwertige Spielfilme umfasst, die um zwei Preise im Wert von je 15.000 Euro wetteifern. Zudem gibt es einen nationalen Wettbewerb und ein TV-Programm mit den niederländischen Helden für Kinder. Im Vorjahr kam ein internationaler Animationswettbewerb für Filme bis fünf Minuten hinzu. Schon frühzeitig hat sich Cinekid den Neuen Medien geöffnet und für multimediale Anwendungen das Medialab eingerichtet. Auf inzwischen 1.200 Quadratmetern werden hier etwa 40 Installationen, Games, Apps präsentiert. Es ist eine Art multimedialer Spielplatz, auf dem Kinder alles ausprobieren können, was sich auf Monitoren bewegt. Im Rahmen des Medialab wird auch der New Media Award vergeben. „In diesem Jahr haben wir erstmals ein AppLab, einen kuratierten Bereich mit den besten Apps für Kinder“, sagt Fleur

Cinekid – eines der weltweit größten Multimediafestivals für Kinder

Winters, die Chefin des viertägigen Branchentreffens Cinekid for Professionals. Denn die Profis sind die zweite Hauptzielgruppe von Cinekid, das sich schon vor Jahren als führender europäischer Treffpunkt für die Kindermedienbranche etabliert hat. Systematisch werden die Angebote für Professionals ausgebaut und wo nötig aktualisiert. So wurden vor zwei Jahren der Junior Film Market, der Junior Television Mar-

ket und der Junior Cross Media Market zu einem Markt verschmolzen. Als Gründe nennt Winters die besseren Möglichkeiten zum Networking, die wachsende Verwertung starker Geschichten auf mehreren Plattformen und der Trend zu Cross Media-Konzepten. Auf dem zweitägigen Markt werden etwa 35 Projekte präsentiert und 350 One-to-One-Meetings zwischen Produzenten, Redakteuren, Verleihern, Weltvertrieben und Finanziers arrangiert. In die Auswahl haben es diesmal auch drei deutsche Projekte geschafft. Ergänzend dazu gibt die Konferenz Cinekid Experience mit Panels, Fallbeispielen und Expertenvorträgen einen Überblick auf aktuelle Trends. Der erste Tag steht diesmal unter dem Motto „Live Action: Where’s the action?“, der zweite Tag bringt unter anderem ein Projekte-Pitching und eine Masterclass zur Stop-Motion Animation mit dem norwegischen Animationskünstler Jens Gulliksen. Ein wichtiges Service-Angebot für TV-Einkäufer und Festivalorganisatoren ist der Screening Club: „Dafür haben wir 250 Titel aus der ganzen Welt ausgewählt, sie bilden schon fast ein Festival für sich“, sagt Winters. Welches Renommee Cinekid for Professionals auf internationaler Ebene erworben hat, zeigt sich darin, dass es als einziges Event zum zweiten Mal von MEDIA eine Drei-Jahres-Förderung erhalten hat. „Das macht uns ziemlich einzigartig“, betont Winters.  Reinhard Kleber n

Vom Negativ zum DCP

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Im Rahmen der digitalen Konvertierung ging im Oktober 2012 die holländische Traditionsfirma Cineco in Konkurs. Das letzte Filmlabor der Niederlande drohte zu verschwinden und hiermit auch ein enormes Fachwissen auf dem Gebiet der Filmkonservierung- und bearbeitung. Zwei Unternehmer aus der Filmindustrie, Erik Vrolijk, Direktor und Inhaber des digitalen Filmlabors Nedcipro in Leiderdorp, und Wibo de Groot, ehemaliger Direktor und Inhaber von Holland Subtitling, bündelten ihre Kräfte und beschlossen, diesen renommierten Filmbetrieb unter dem Namen Haghefilm Digitaal fortzuführen.

Haghefilm Digitaal wird sich neben der Konservierung, inklusiv dem herkömmlichen Filmkopierwerk, auf alle analogen und digitalen Filmbearbeitungen konzentrieren. Inzwischen sind bereits ein paar Prestigeprojekte, auch in Zusammenarbeit mit dem EYE Film Institute, mit Erfolg fertiggestellt worden.

Anfang Oktober werden sowohl Nedcipro als auch Holland Subtitling nach Amsterdam umziehen. Dort entsteht unter einem gemeinsamen Dach ein Betrieb, der nahezu alle technischen Anforderungen erfüllen kann. Vor allem bei der Bild- und Tonbearbeitung bietet Haghefilm Digitaal eine äußerst komplette und moderne Bandbreite an Möglichkeiten. 16mm- und 35mm-Material kann gescannt und anschließend sowohl digital als auch analog nachbearbeitet werden, u. a. Grading und Ton. Die Vorführräume werden mit 2K, 4K und 3D-Projektion inkl. HFR (High Frame Rates) ausgestattet. Mit diesem Angebot wird sich Haghefilm Digitaal als verlässlicher Partner für die holländische Filmindustrie und den europäischen Markt aufstellen. Dabei werden alte und neue Kunden vom bewährten guten Service von Nedcipro und Holland Subtitling profitieren. Erik Vrolijk wird den Betrieb leiten. Zur Seite steht ihm dabei Wibo de Groot, der sich im Wesentlichen um das Auslandsgeschäft kümmern wird. Haghefilm Digitaal b.v. Willem Fenengastraat 39 1096 BM Amsterdam Telefon +31 20 568 54 11 info@haghefilm-digitaal.nl www.haghefilm-digitaal.nl

Erik Vrolijk und Wibo de Groot

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MACCS International: Der weltweite Standard für Verleih-Software

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enn es eine niederländische Firma gibt, die in dieser Ausgabe die Aufmerksamkeit verdient, dann müsste das wohl MACCS International sein. Gelegen in einem umgebauten Bauernhaus in dem dörflichen Ort Ubbena, entwickelt MACCS International ein Verleih-Abrechnungssystem, das weltweit von über 100 Verleihern in mehr als 36 Ländern genutzt wird. Als reines Software-Unternehmen wird MACCS vom durchschnittlichen Kinogänger nicht wahrgenommen, aber man kann sicher sagen, dass die Einflüsse innerhalb der Filmindustrie sich weit über die Grenzen der Niederlande hinaus erstrecken. Insgesamt werden rund 35 % der internationalen Kartenumsätze außerhalb der USA mit der ERP-Software von MACCS verarbeitet.

Für den Geschäftsführer von MACCS International, Bert Huls, beruht der Erfolg des Verleih-Systems hauptsächlich auf der Tatsache, dass die Einsatzmöglichkeit nicht auf ein bestimmtes Land beschränkt ist und die Anwendung auf jede Unternehmensgröße skaliert werden kann. Des Weiteren hilft das MACCS-ERP-System den Filmverleihern ihre Finanz-

und Distributionsprozesse zu strukturieren auf der Basis von anerkannten Standards und Abläufen innerhalb der Branche. Dies trifft nicht nur auf große MajorVerleihunternehmen wie Paramount und Warner zu, sondern auch lokale Größen wie Central Film oder Constantin Film nutzen erfolgreich diese Software.

Nicht nur für Filmverleiher Neben der erprobten und bewährten Verleih-Verwaltungs-Software entwickelt sich MACCS International inzwischen auch in Richtung der Kinobetreiber – mit einer Plattform, die sich CinemaBridge nennt. Die Aufgabe von CinemaBridge ist es, alle operativen Vertriebsprozesse zwischen Verleih und Kino in Bezug auf Online Bestellung, Auslieferung digitaler Contents, elektronischer Erfassung der Box Office-Zahlen, sowie der elektronischen Abrechnung in einem Web-Portal zusammenzuführen. Die elektronische Erfassung der Box Office-Informationen mit Hilfe von CinemaBridge ist derzeit bereits aktiv in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien, Spanien, den Niederlanden, Belgien, Schweiz und Malaysia im Einsatz. Digitale Versandinformationen werden bereits in ganz Europa ausgetauscht, darunter Großbritannien, Deutschland, Italien, Frankreich und Skandinavien. Die Dienste im Zusammenhang mit Online-Buchung und elektronischer Abrechnung werden voraussichtlich Anfang 2014 gestartet.

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In Deutschland ist MACCS International außerdem Mitbegründer der VPF Hub, einem unabhängigen Dienstleister, der Verleih-Unterstützungen im Zusammenhang der Umrüstung der Kinos mit digitaler Vorführtechnik koordiniert und abwickelt. Für über 700 Leinwände werden hier Filmeinsätze überwacht, VPFs berechnet und Geldflüsse koordiniert. Zusammengefasst ist MACCS International mehr als ein Software-Unternehmen mit einem Schwerpunkt auf Verwaltung; MACCS versucht die Prozesse allgemein zu strukturieren und den Austausch der zentralen Geschäftsinformationen zwischen Verleih und Kino zu erleichtern. Mit den Produkten und Ser-

viceleistungen die MACCS International anbietet, hat das niederländische Software-Unternehmen eine beeindruckende Erfolgsgeschichte vorzuweisen. Das Unternehmen tritt weiterhin so bescheiden auf wie bei seiner Gründung vor 15 Jahren. MACCS International ist längst ein Markenzeichen und ein Name, den sich jeder Profi in der Filmbranche merken wird.


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Projektentwicklung mit Profis bei Binger

Cannes-Überraschungsfilm »Lunchbox«

Foto: NFP marketing & distribution

Foto: NFP marketing & distribution

Das Binger Filmlab weitet seine Programme für Autoren, Regisseure und Produzenten aus.

Hauptdarstellerin Nimrat Kaur in »Lunchbox«: Filmemacher Ristesh Batra hat sein Script auch im Binger Writerslab entwickelt.

In den Intensiv-Workshops und Master Classes des Binger Filmlab sind die Autoren, Regisseure und Produzenten gefordert, ihre Kreativität bei der Drehbuch- und Projektentwicklung voll auszuschöpfen. Davon profitiert haben preisgekrönte Filme wie der belgische Oscar-Anwärter Bullhead von Michael Reynders Roskam, der Semaine de la Critique-Gewinner Salvo von Antonio Piazza und Fabio Grassadonia oder der Cannes-Überraschungshit Lunchbox von Ritesh Batra. des Internationalen Rotterdam Film Festivals stattfindet. Darüber hinaus bietet das Binger Filmlab ein dreimonatiges Trainingsprogramm für Spielfilmregisseure an, bei dem ihr Stil, Ansatz, aber auch die Zusammenarbeit mit kreativen Partnern und Schauspielern geprobt wird. Für die Teilnahme an den Workshops können sich Regisseure und Produzenten qualifizieren, die bereits Filme realisiert haben und über ein entsprechendes Track-Record verfügen. Bei der Auswahl der Teilnehmer arbeiten die beiden Binger Lab-Leiterinnen Gamila Ylstra und Vicky Serao mit A-Festivals und internationalen Filminstituten zusammen. Aber auch die Regisseure, Skript-Doktoren und Drehbuchautoren, die sich bei Binger als Consultants bereits in der Bewerbungsphase intensiv mit den Anwärtern auseinandersetzen, können Projekte empfehlen. „Wir sind dabei, unser Konzept noch weiter zu öffnen und flexibler zu gestalten“, berichtet die Binger-

Gamila Ylstra, Leiterin des Binger Filmlab

Blick in das Foyer des Binger Filmlab in Amsterdam

Fotos: Binger Filmlab

Das renommierte Trainings- und Development-Institut in Amsterdam verfolgt den Ansatz, die Filmemacher gezielt bei der Entwicklung ihrer Spielfilm- und Dokumentarfilmprojekte zu unterstützen. Zu diesem Zweck zeigen internationale Experten ihnen verschiedene Optionen auf, in welche Richtung ihre Filmideen und Figuren gehen können. In dem viermonatigen Writers Lab werden die Treatments und Drehbücher von Skript- und Branchenprofis nach Struktur, Inhalt und Form Schritt für Schritt analysiert. Das Ziel ist, mit Hilfe der Consultants elementare Aspekte wie Charakterisierung, Dialoge oder Szenen weiterzuentwickeln. Produzenten können während der Projektentwicklungsphase das Creative Producers Lab besuchen, um gemeinsam mit den Autoren am Profil und der Platzierung des Projektes auf dem internationalen Markt zu arbeiten. Am Ende nehmen die Produzenten an einem Intensivprogramm des CineMart teil, der im Rahmen

Chefin Gamila Ylstra. Das Antragsverfahren ist schon länger auch online möglich. „Und wir kommunizieren die Projekte, die im Binger Lab entwickelt werden, auch über Social Media. Damit ermöglichen wir es der wachsenden Anzahl unserer kreativen Mitglieder sich über die aktuellen Labs- und Workshopkurse zu informieren“, erläutert Vicky Serao, „denn wir möchten dazu beitragen, das Qualitätsniveau des internationalen Filmschaffens sukzessive anzuheben. Um die Anforderungen der internationalen Filmbranche zu bedienen, baut das Binger Lab sein Kursund Workshop-Angebot kontinuierlich weiter aus. Neu ist die Workshop-Reihe „Trailerpark“ für Cutter, die in Zusammenarbeit mit niederländischen Organisationen wie dem Kinoverband (NVB), dem Verleiherverband (NVF) und dem Eye Film Institut veranstaltet wird. An den filmischen Nachwuchs richtet sich die Seminar-Reihe Binger Social Club (BSC), die in Zusammenarbeit mit Fonk Film erfolgt. Weitere Veranstaltungen legen einen Fokus auf neue Marktentwicklungen, die aus der Digitalisierung resultieren wie crossmediale Produktionsstrategien, neue Vertriebsmodelle oder Social Media.  Bernd Jetschin n

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Vicky Serao, stellvertrende Leiterin des Binger Filmlab


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Projektfinanzierung mit Fokus auf Vertrieb

Bianca Taal vom CineMart in Rotterdam über Projektauswahl und neue Initiativen des Koproduktionsmarktes.

Foto: CineMart Rotterdam

Das Herzstück des CineMart, den der Festivalgründer Hubert Bals vor 32 Jahren aus der Taufe gehoben hat, ist die Projektauswahl mit den One-to-OneMeetings zwischen Produzenten und potenziellen Partnern. „Wir halten nach Projekten Ausschau, die

Bianca Taal, Projektleiterin des CineMart in Rotterdam

Foto: Angel Films / Epidemic / Graniet Film

Mit dem CineMart besitzt das Internationale Rotterdam Filmfest den ältesten Kinokoproduktionsmarkt der Welt, auf dem bereits für über 500 Kinofilme internationale Partnerschaften geknüpft worden sind. Rund 20 CineMart-Titel feiern jedes Jahr auf internationalen Festivals ihre Premiere. Im September stellte US-Regisseurin Kelly Reichardt ihren Film Night Moves im Wettbewerb von Venedig vor und Borgman von Alex van Warmerdam konkurrierte in Cannes um die Goldene Palme, wo auch der Debütfilm Lunchbox des indischen Regisseurs Ritesh Batra in der Semaine de la critique seine Weltpremiere feierte.

Alex van Warmerdams skurriler Thriller »Borgman« ist für den Europäischen Filmpreis nominiert.

mit 20 jährlich wechselnden Organisationen wie Filmförderungen, Trainingsinitiativen oder Film Commissions aus der ganzen Welt. Um die Produzenten zu professionalisieren, hat der CineMart vor einigen Jahren die Initiative Rotterdam Lab gestartet. „Gerade für junge Produzenten ist es sehr schwierig, auf großen Märkten und Festivals Kontakte zu knüpfen. „Mit dem Rotterdam Lab geben wir ihnen die Möglichkeit, beim CineMart ihre Firma und Projekte zu präsentieren und sich ein Netzwerk aufzubauen.“ Zu diesem Zweck können die aufstrebenden Produzenten in Rotterdam an den Network-Events teilnehmen, Case Studies zu Pitchings und zu Koproduktionen besuchen, sich mit Consultants treffen und bei den Speed Dating-Sessions den Weltvertrieben, Finanziers, TV-Einkäufern und anderen Produzenten ihre Projekte vorstellen. Dabei sollen sie lernen, wie sich eine Koproduktion aufstellen lässt. Viele Lab-Teilnehmer kommen später zum CineMart zurück; idealerweise danach sogar mit einem Film zum Festival.

Der CineMart ist auch offen für die neuen digitalen Entwicklungen in der Branche. Er setzt sich mit den Möglichkeiten von Social Media-Kampagnen und Crowd Funding auseinander. „Ich denke, dass sich Crowd Funding mehr als Marketinginstrument eignet, um ein Zielpublikum schon früh für ein Projekt zu interessieren, als dass es entscheidend zur Finanzierung der Projekte beiträgt. Wir setzen den Fokus verstärkt auf den Vertrieb und die Vermarktung von Projekten. Neben der Produktion und der Finanzierung soll frühzeitig geprüft werden, auf welchem Weg sich das Zielpublikum für das jeweilige Projekt am besten erreichen lässt.“ Gemeinsam mit dem Kopenhagener Dokumentarfilmfestival CPH-Dox hat der CineMart 2011 die Initiative „Art-Film“ gestartet, die fünf innovative und experimentelle Filmprojekte unterstützt, welche eine besondere visuelle künstlerische Handschrift besitzen. Mit dieser Sektion soll eine Brücke zwischen Arthouse-Cinema und audiovisueller Filmkunst geschlagen werden.  Bernd Jetschin n Foto: CineMart Rotterdam

wir auch zum Festival in Rotterdam einladen würden, mit dem eine enge Zusammenarbeit besteht“, berichtet die Projektleiterin Bianca Taal. „Wir setzen nicht auf strikte Regeln wie andere Koproduktionsmärkte, sondern nehmen uns die Freiheit, auch experimentelle Projekte auszuwählen, die sich zwischen audiovisueller Kunst und Arthousekino bewegen.“ Am 1. September war Einsendeschluss für die Projekteinreichungen des kommenden CineMart (22.1. bis 2. 2.2014), zu dem 25 bis 30 Projekte eingeladen werden. „Wir begrenzen die Anzahl der Projekte“, erklärt Taal, „damit die ausgesuchten Filmvorhaben die Aufmerksamkeit und Beschäftigung erhalten, die sie verdienen.“ Ein Projekt muss finanzierbar sein und eine Entwicklungsförderung oder Förderzusage aus dem heimischen Land mitbringen, um die Chance zu haben, einen internationalen Partner zu gewinnen. „Wir empfehlen, dass die Projekte mit einer Anfangsfinanzierung von mindestens 25 Prozent zum CineMart kommen.“ Die Projektauswahl erfolgt in Kooperation One-to-One-Meetings zwischen Produzenten und potentiellen Partnern auf dem CineMart in Rotterdam.

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Eine Kreativschmiede für die Kinofilmbranche

WarnierPosta und Storm post production sind ab diesem Herbst unter einem Dach vereint. Seit dem Sound Design für das Oscar-gekrönte niederländische Spielfilmdrama Karakter, das durch krachend eingetretene Türen und klirrendes Glas seine ganze Wirkung entfaltet, gehört WarnierPosta im Benelux-Bereich zu den ersten Adressen für die Audio-Postproduktion. Gemeinsam mit dem Amsterdamer Studio Storm post production wird diesen Herbst in Antwerpen eine gemeinsame Dependance eröffnet.

Die kreativen Unternehmen waren beide an zahlreichen niederländischen Spielfilmen wie der Actionkomödie Black Out oder dem schwarzen Thriller Plan C beteiligt. 2010 erhielt Peter Warnier für R U There das Goldene Kalb für das beste Sound Design, 2011 gewann sein Firmenpartner Jan Schermer für Cold Blue die begehrte Trophäe. Für das Sound Design und die Tonmischung für Kinospielfilme wie Borgman besitzt WarnierPosta fünf Tonstudios und eine Kino-

mischung mit HD-Satelliten-Anschluss, die mit Pro Tools HDX 2 ICON den höchsten Standard bietet. Zu den aktuellen Kinofilmproduktion, die dort gemischt werden, gehört der Familienfilm Life According to Nino von Simone van Dusseldorp. USAGE background output scale

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Als hochkarätige Kreativschmiede in der Kinofilmbranche etabliert hat sich das in Amsterdam ansässige Postproduktionshaus Storm post production, mit dem die Firmenchefs Jack Kuiper und Joris van Seggelen die gesamte Spielfilmbearbeitung vom Schnitt über visuelle Effekte, Bewegtbildgrafiken, Farbkorrekturen bis hin zum Mastering für DCPs, DVDs oder Blu-rays anbieten. „Wir verfügen über Cutter und Coloristen, aber bei Bedarf können die Kunden gerne ihren gewünschten Kreativpartner mitbringen“, erläutert Joris van Seggelen die Firmenphilosophie. Die Grading-Suiten sind mit dem DCI-kompatiblen 4K- und 3D-fähigen DI-System Assimilate Scratch sowie einem OLED-Referenzmonitor von Sony aus-

WarnierPosta: Mischung

Storm post production: Abnahme

gestattet. Komplettiert wird der digitale Workflow durch einen 2K-Christie-Digitalprojektor in der Kinovorführung. Den perfekten Look bei der Storm post production erhalten haben beispielsweise Jos Stellings jüngster Film The Girl and Death, der 2012 das Goldene Kalb für den besten Film und die beste Kamera gewonnen hat, sowie der in Cannes weltweit verkaufte Smartphone-Thriller App, der von der VNAP für die besten visuellen Effekte beim Nederlands Film Festival 2013 nominiert worden ist.  Birgit Heidsiek n

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2013 Niederlande  

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