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Das Schweizer Magazin für Mode, Schönheit und Kultur JUNI 2013 CHF 8.50 € 6.– www.boleromagazin.ch

— Coole Bademode — Kleider mit Durchblick — Neue Sexbibel — Wilde Kräuter Power für den Körper — Für Sie getestet: Hotels in den Bergen + 21 SEITEN KULTUR SPEZIAL — Die wichtigsten Kunstevents — Maurizio Cattelan — Bolero lädt ein zur Design Miami/ Basel

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Stadt der Engel

Die neuen Bikinis verdrehen nicht nur am Strand Köpfe. Gepaart mit sportlich coolen Teilen wie Baseballjacken, T-Shirts, Leggings und Overalls, werden sie strassentauglich, zumindest an den Strandpromenaden von L.A. oder Miami Beach. FOTOS: RENE & RADKA REALISATION: MIRIAM DEMBACH MAKE-UP: AKIKO SAKAMOTO/SEE MANAGEMENT HAIR: THANOS SAMARAS/L'ATELIER NYC MODEL: KASSI SMITH/L.A. MODELS

Weisse Cashmere-Collegejacke mit gelben Wildlederärmeln, Jet Set. Neckholder-Bikini im Denimlook, Lahco. Silberkette mit Anhänger auf allen Bildern, Marc O‘Polo.


Weisses T-Shirt mit buntem Frontprint, Bogner Fire + Ice. Bikinihรถschen im Retrostil, Gottex.

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STIL

Der Sündenfall

Bot die Schlange Eva und Adam im Paradies noch völlig unspektakulär einen Apfel an, so gehen die heutigen «Verführer» raffinierter vor. Louis Vuitton etwa verjüngt seinen Bestseller «Noé» zur ultimativen Trend-Tasche der Blogger-Generation und tauft sie «Noé BB». Neu und praktisch: der lange Henkel. Wenn das keinen Sündenfall wert ist? Wo zu kaufen Seite 134.

FOTO: ARMIN ZOGBAUM/RENEHAUSER.COM STYLING: ULRIKE MIEBACH/NINAKLEIN.COM

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STIL neuigkeiten

Filmreif

Daisys neue Kleider Endlich kommt die Neuverfilmung von «The Great Gatsby» in die Kinos. Opulent die Inszenierung, das Setting und die Kostüme. Dass in Baz Luhrmans Verfilmung die Kleider keine Nebenrolle spielen, verdanken wir nicht nur den verruchten zwanziger Jahren, in denen der Film spielt, sondern auch der Zusammenarbeit von Kostümbildnerin Catherine Martin mit Miuccia Prada. Die Italienerin entwarf die Ausstattung der weiblichen Hauptrolle, das heisst, sie adaptierte 40 Kreationen aus vergangenen Pradaund Miu-Miu-Kollektionen. «In meiner Arbeit versuche ich mich normalerweise nicht wortwörtlich auf Perioden oder Dinge zu beziehen, weil es nicht meine Art ist, so zu denken», sagt Miuccia Prada. «Meistens realisiere ich am Ende des kreativen Prozesses, dass es eine klare Referenz gibt. Als ich an den Great-Gatsby-Kostümen arbeitete, realisierte ich, wie viele Stücke nur schon mit einem kleinen Eingriff oder anderen Blickwinkel sehr wie in den zwanziger Jahren aussehen konnten.» | SAL

Brit-Chic

SOMMERZEIT

Trio

AUS 1 MACH 3 Praktisches Design und kreatives Farbspiel – das Schweizer Label Freitag ist bekannt für seine aus alten Lastwagenplanen hergestellten Taschen. Nun können Fans und Sammler drei neue Varianten ins Auge fassen: die «Fundamentale Dreifaltigkeit». Eine Henkeltasche sowie ein kleines und grosses Täschchen – alle aus einer Plane gefertigt. Preis ca. CHF 181.–. | MWE www.freitag.ch

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— Bienenschwarm — Kleine Bienen und Kristalle, die sich auf einer metallenen Halskrause tummeln: Sarah Burton, Chefdesignerin von Alexander McQueen, liebt es extravagant. Ihr kunstvolles Accessoire verleiht jedem noch so schlichten Outfit absoluten InstantGlamour. Preis ca. CHF 4299.–. | MWE www.alexandermcqueen.com

Metallic-Farben prägen die Frühjahrskollektion von Burberry und machen sie zu einem Hingucker. Nur konsequent, dass die schillernden Farben auch beim Uhrenmodell «The Britain» Akzente setzen. Für den Sommer können Sie das beigefarbene Alligatorleder gegen die neuen Armbänder «Metallic Straps» tauschen. Erhältlich in den Farben «Pomegranate Pink», «Antique Gold», «Purple Heather» oder «Poppy Orange». Preis pro Armband ca. CHF 25o.–. | MWE www.burberry.com


BEAUTY

DIE VITAMIN D-BATTE Sich vor UV-Strahlung zu schützen, ist das A und O, um die Haut vor Schäden zu bewahren. Bleibt dabei aber die Vitamin-D-Versorgung auf der Strecke? Zu wenig Sonne – das neue Lifestyle-Manko? TEXT: MARIANNE ESCHBACH

FOTOS: JAAN-ERIC FISCHER

Unter allen Vitaminen, Spurenelementen und Nährstoffen wird in jüngster Zeit keines so heiss diskutiert wie das Vitamin D. Die Gründe: Gut die Hälfte der Bevölkerung in westlichen Ländern ist unterversorgt mit der Substanz, die für den Knochenaufbau und die Zähne so essenziell ist. Und die Forschung kommt immer mehr verblüffenden Eigenschaften von Vitamin D auf die Spur. >

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BEAUTY sommer

Vitamin D wird zu 90 Prozent durch UVB-Licht in der Haut und auch in anderen Körperzellen gebildet. Die individuelle Fähigkeit, Vitamin D herzustellen, ist u.a. abhängig von diversen Faktoren wie dem Hauttyp und dem Pigmentgehalt der Haut, dem Körpergewicht und dem Alter. Vitamin D ist eigentlich eine Substanz mit hormonähnlicher Wirkung. Es existiert in zwei Formen, D2 und D3, und wird in der Leber zu Chalcidiol und in der Niere zu Chalcitriol umgewandelt und über den Darm aufgenommen. Es ist entscheidend für den Knochenstoffwechsel, d.h. für die Einlagerung von Kalzium und von Phosphat im Knochen und extrem wichtig für das Skelett. Babys und Kleinkindern, die man nicht der Sonne aussetzen darf, werden Vitamin-D-Tropfen verabreicht, um Rachitis (Knochenverformung) zu verhindern. Im späteren Alter hilft es, Osteoporose vorzubeugen. Neuere Studien haben auch eine positive Wirkung auf die Muskeln und den Bewegungsapparat gezeigt. Durch einen hohen Vitamin-DGehalt werden nicht nur Knochenbrüche verhindert, ältere Menschen stürzen auch seltener. Jüngste Forschungsergebnisse weisen nun zusätzlich auf eine Bandbreitepositiver Eigenschaften von Vitamin D hin. Es soll sowohl vorsorgen gegen und helfen bei Bluthochdruck und Herzkreislaufkrankheiten, bei Diabetes und Übergewicht, bei Hautkrankheiten und Erkrankungen des zentralen Nervensystems, bei Immunkrankheiten (wie Multiple Sklerose, chronische Darmkrankheiten, Arthritis), bei Tuberkulose und Erkrankungen der Atemwege, bei Depression und Grippe. So soll nicht der Licht-, sondern der Vitamin-D-Mangel die Ursache für Winterdepression sein und selbst Grippewellen werden in Zusammenhang mit zu wenig Vitamin D gebracht. Vitamin D soll zudem präventiv gegen Krebsarten in Brust, Eierstöcken, Prostata und Darm wirken. Kein Wunder, nehmen Universitäten von San Francisco bis Sydney Vitamin D unter die Lupe. Auch der Schweizerische Nationalfonds unterstützt ein Forschungsprojekt der Universität Zürich über zusätzlichen Nutzen von Vitamin D. Hier geht es um Kniegelenkarthrose. Bewiesen in der ganzen Flut von «Good News» um Vitamin D ist bis heute der Einfluss auf den Knochenstoffwechsel, den Bewegungsapparat und die Muskeln. Für die anderen Bereiche sind weitere Forschung und klinische Studien nötig, um definitive Empfehlungen über die richtige Dosierung von Vitamin D abgeben zu können. Bis vor kurzem wurde Erwachsenen zur Einnahme von 5 Mikrogramm oder 200 iE (internationale Einheiten) pro Tag geraten. Die Menge wurde jedoch in vielen Ländern jüngst erhöht bis auf das Vierfache des alten Wertes. In der Schweiz lauten die vom Bundesamt für Gesundheit und der Eidgenössischen Ernährungskommission formulierten Richtlinien zur Prävention eines Vitamin-D-Mangels wie folgt: Im ersten Lebensjahr 400 iE oder 10 Mikrogramm, vom 2. bis 59.

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Lebensjahr 600 iE oder 15 Mikrogramm und ab 60 Jahren 800 iE oder 20 Mikrogramm pro Tag. 600 iE entsprechen in unseren Breitengraden der durchschnittlichen Menge, die an einem Sommertag im Juli über die Hände und das Gesicht bei einer Sonnenexposition von 20 Minuten aufgenommen wird. Und hier liegen die Krux und der Stoff für die Debatte. Sonnenschutz in Form von Sonnencremes, Kleidung und Indoor-Lifestyle reduzieren die Bildung von Vitamin D in der Haut. Der Plan der Natur wäre eigentlich, dass man in den sonnenintensiven Monaten von April bis Oktober Vitamin D «tankt» – der Körper kann das fettlösliche Vitamin D speichern – und dann im Winter aus den gespeicherten Vorräten zehrt. Bloss scheinen diese nicht mehr bis zum Frühjahr zu reichen, sondern nur für sechs bis acht Wochen. Die niedrige UVB-Strahlung im Winter in unseren Breitengraden genügt nicht, um die verbrauchten Vorräte ganz zu ersetzen. Die niedrigsten Vitamin-D-Werte werden in den Monaten Februar und März gemessen. Frühlingsmüdigkeit? Niedergeschlagenheit? Die Theorie, dass das trübe Wetter dran schuld ist, klingt plötzlich etwas grau. Über die Nahrung werden 10 bis 20 Prozent der nötigen Menge Vitamin D aufgenommen. Die Substanz kommt relativ wenig in Nahrungsmitteln vor. Die besten Lieferanten sind fette Fische wie Lachs, Makrele und Hering, gefolgt von Leber und Eiern, Butter und Milch. Genauso enthalten gewisse Käsesorten Vitamin D. Im «grünen» Bereich sind es Avocado und einige Pilze.


KULTUR

Nicht nur Schwarz-Weiss – das Zürcher Museum für Gestaltung feiert René Burri. TEXT: LEONI JESSICA HOF

Als Winston Churchill 1946 im offenen Wagen durch Zürich fährt, steht am Strassenrand ein Bub, der mit seiner Klappkamera auf den Politiker hält. Für René Burri, damals zarte 13 Jahre, stellen sich an diesem Tag die Weichen fürs Leben. Ein Leben in Bildern, die zu Ikonen wurden. Burris Porträts von Che Guevara und Picasso sind weltbekannt. Sich selbst bezeichnet der spätere Magnum-Fotograf stets als schüchtern, vielleicht kam er den Grossen aus Politik, Kunst und Kultur darum so nah. Zum 80. Geburtstag des Künstlers zeigt das Museum für Gestaltung in Burris Geburtsstadt Zürich nun eine Seite, die weniger bekannt ist. Eine in Farbe. Auf «Mexico City. San Cristobal» (1976) leuchten die Wände der Stallungen und das Wasser des Pferde-Schwimmbads, geometrisch skulptural, nur unterbrochen von Pferd und Mensch. 1976 lichtete Burri in MexicoCity die Anlage der mexikanischen Architekten Luis Barragan und Andres Casillas ab. Wir gratulieren dem grossen Fotojournalisten und feiern mit ihm sein Leben in Farbe!

VON OBEN: San Cristobál, Mexiko, 1976. René Burri/ Magnum Photos. Porträt von René Burri, 1999. Foto: Melchior Imboden.

«René Burri. Doppelleben», Museum für Gestaltung Zürich, 5. 6. bis 13. 10.. Bei Phaidon erscheint mit «Impossible Reminiscences» die grösste bislang unveröffentlichte Sammlung an Farbfotografien, mit persönlichen Erinnerungen zu jeder Aufnahme, CHF 139.–.

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KULTUR musik

Experimentelle Klänge: der Allrounder Luigi Archetti.

— Traumtänzer auf schmalem Grat — Für Luigi Archetti ist Kunst und Musik (fast) dasselbe. TEXT: JÖRG SCHWERZMANN

Luigi Archetti, 1955 in Brescia (I) geboren, ist ein Allrounder: Als visueller Künstler malt und zeichnet er, nebenbei schafft er Videos und Installationen. Als Musiker bewegt er sich im weiten Feld der experimentellen Klänge: Electronica, Improvisation, Noise- und Computermusik. Bei Live-Auftritten bringt er Musik und Visual in faszinierenden Performances zusammen. Da ist er voll in seinem Element, ein Traumtänzer auf dem schmalen Grat, der die Künste

voneinander trennt. Seit den späten siebziger Jahren ist Archetti in Ausstellungen und auf Konzertbühnen rund um den Globus präsent, er hat schon im Auftrag der Pro Helvetia komponiert, mit dem Duo Tiere der Nacht eine Japantournee absolviert, für seine Videos Preise eingeheimst, zum Beispiel an den Kurzfilmtagen Oberhausen. Aber mehrheitstauglicher Mainstream ist Archettis sublime Kunst gewiss nicht. Da gibt es also wirklich noch etwas zu entdecken.

Ausstellung: Kulturzentrum Kammgarn Schaffhausen, bis 23. 6. Doppel-CD: NULL II/NULL III (erschienen bei Die Schachtel, Milano)

Unsere fünf Richtigen des Monats

Various Artists Recomposed by Max Richter: Vivaldi DG/Universal Sie sind ein Horror, all die DJs, die Werke der Klassik zu Hau-ab-Musik verstümmeln. Aber Max Richter ist ein Künstler: Mit behutsamen winzigen Änderungen erweckt er Vivaldis abgenudelte Jahreszeiten zu neuem Leben. So muss man das machen. | JSC

Alice Sara Ott Pictures DG/Universal Als der russische Komponist Modest Mussorgski den Klavierzyklus «Bilder einer Ausstellung» komponierte, hatte er Zeichnungen und Gemälde eines verstorbenen Freundes vor Augen. Alice Sara Ott spielt diese anspruchsvolle Musik mit der Eleganz einer jungen selbstbewussten Virtuosin. | JSC

Ólafur Arnalds For Now I Am Winter Mercury Classics/ Universal Arnalds Affinität zu bildender Kunst zeigt sich nicht nur in der Qualität seiner Videos. Seine Musik lädt ein, sich in Bildern zu verlieren, sie ist eine Tonspur zu wirklichen und imaginären Filmen. Die neue CD bringt Streicher und einen Sänger ins Spiel. | JSC

Yeah Yeah Yeahs Mosquito

Philipp Glass Rework

Interscope

Orange Mountain Music

Die Art-Punk-Band aus New York war immer wieder für einen Grammy nominiert – zu Recht. Derzeit sorgt die Band aber nicht mit Musik, sondern mit dem aktuellen Album-Cover für Aufruhr. Die Illustration des südkoreanischen Zeichners Shimbe wird bereits als das schlechteste Cover des Jahres gehandelt. | SAD

Philipp Glass ist der wohl bedeutendste Avant- Garde-Komponist der Gegenwart. Keiner spielt so gekonnt auf der Klaviatur zwischen Kunst und Kommerz wie der 76 Jahre alte Amerikaner. MusikerFreund Beck versucht in «Rework» eine Annäherung an Glass' Werk. | SAD

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KULTUR ewz –selection

DIE SCHWEIZ SUCHT DIE BESTEN FOTOGRAFEN Bolero verleiht dieses Jahr im Rahmen der «Swiss Photo Award – ewz.selection» zum dritten Mal den Fotopreis im Bereich «Fashion, Beauty und Lifestyle», der mit 5000 Franken dotiert ist. Sieger 2013 ist der Schweizer Frank Blaser. Gemeinsam mit den anderen Bereichssiegern und Nominierten wie Joachim Baldauf, langjähriger Bolero-Fotograf, kämpft auch Blaser um den «Swiss Photo Award», einen der renommiertesten Fotopreise der Schweiz, der am 16. Mai verliehen wird. Die «ewz.selection» zeigt seit fünfzehn Jahren Schweizer Fotografie in ihrer ganzen Schaffensbreite: in Werbung, Fashion, redaktioneller Fotografie, Architektur, Fine Art und neu in Reportage. Die Ausstellung der 53 ausgewählten Arbeiten dauert vom 17. Mai bis 2. Juni und wird von verschiedenen Events wie Podiumsdiskussionen, Führungen, Sofagespräche, Bildersoirées und Workshops rund um das Thema Fotografie begleitet. Das detaillierte Programm finden Sie unter www.ewzselection.ch REDAKTION: JÜRG STURZENEGGER

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FRANK BLASER, 43, ZÜRICH Gewinner-Beitrag: «Der Kuss», 2012 Beruflicher Werdegang: Lehre als Hochbauzeichner. Von 1993 bis 2002 Velokurier in Bern und Zürich. Danach Fotoassistent bei HansRuedi Rohrer (Fotostudio «Annabelle»). Seit 2004 selbstständiger Fotograf. Haben Sie erwartet, den «Bolero-ewz-Fotopreis» im Bereich Fashion, Beauty und Lifestyle zu gewinnen? Ich war ehrlich gesagt ziemlich überrascht. Da die Modefotografie eigentlich ein Nebenprodukt meiner Arbeit ist, habe ich wirklich nicht damit gerechnet. Was machen Sie mit dem Preisgeld? Das Preisgeld fliesst aufs Ferienkonto. Im nächsten Winter steht eine längere Asienreise mit meiner Familie an. Haben Sie vor einem Fotoshooting ein Ritual? Da gehe ich selbstverständlich auf die Toilette. Ihre Zukunftspläne? Ausser der Reise habe ich keine weiteren Pläne. Ich lasse mich überraschen, was kommt. >

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ART DE VIVRE

— Sommerliebelei — Nach dem grauen und nicht enden wollenden Winter ist es endlich so weit: Der Sommer ist im Anmarsch. Mit blitzblank geputztem Himmel, warmen Tagen, an denen wir wieder luftige Kleider und die Sonnenbrille aus dem Kleiderschrank kramen können, und lauen Abenden, die wie gemacht sind, um zu wenig Schlaf zu bekommen. Und eigentlich wollen wir nach dem tristen Winter nur noch eins: raus in die Natur. Über Wiesen laufen, Wanderungen unternehmen, mit dem Velo Berge runterdüsen. Mit dem Liebsten den Sommer zelebrieren. Besonders schön können Sie dies in den Hoteloasen tun, die wir Ihnen auf den folgenden Seiten präsentieren. Kleine Bijoux, die abseits von grossen Städten liegen, die ruhig und idyllisch sind. Dort, wo es im Sommer eben am schönsten ist – mitten in der Natur. > | juni 13 | bolero |

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Mode-Ressortleiterin Sara Allerstorfer findet auf 2061 Metern Höhe zu sich und ein Hotel, das den Charme vergangener Tage kultiviert. Klick, klick, machen die Kameras der japanischen Reisegruppe. Klick, klick, die der indischen Familie. Praktisch nach jeder Kurve ertönt eine dissonante Klick-Symphonie in der Zahnradbahn der Wengeneralpbahnen, die uns auf die Kleine Scheidegg bringt. Der Paukenschlag kommt, als die Stimme im Lautsprecher erklärt: «On your left you can now see the Eiger Nordwand.» Klick. Klick. Klick. Ja, die Eiger Nordwand hat schon immer Voyeure, Abenteurer, Verrückte und Helden angezogen. Die von Almen haben sie alle erlebt oder persönlich gekannt. So wie Heinrich Harrer, einen der Erstbezwinger der Wand, dessen Foto und Brief in ihrem1840 gegründeten Hotel Bellevue des Alpes hängt, meiner Herberge für die nächste Nacht. Ich schiebe die alte Drehtür an und stehe in einer anderen Zeit. Kronleuchter, schwere Teppiche, Wandbespannungen, Ohrensessel, Gemälde, ein Salon, der den Namen verdient, ein holzgetäferter Speisesaal, ein in Rosa und Weiss gehaltener Ballsaal und eine mit gemütlichen Ledersesseln ausgestattete schummrige Bar – alles Originale aus den zwanziger Jahren. Ein Fin- de-Siècle-Hauch umweht mich. Über eine knarrende Holztreppe geht es in den 2. Stock. Der Zimmerschlüssel wiegt schwer in der Hand. Allein,

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ich erliege dem Luxus vergangener Tage. Während andere Hotels versuchen, auf Nostalgie zu machen und jegliche Kitschregister ziehen, ist im Hotel Bellevue des Alpes alles wahrhaftig und echt. Das Besitzerehepaar Andreas und Silvia von Almen (die 5. Generation) legt grossen Wert auf Authentizität. Viele Bäder etwa sind noch mit den ursprünglichen Wannen mit Füssen ausgestattet. Sanft und stilvoll zu restaurieren und nur den nötigsten modernen Luxus zuzulassen, ist ihr oberstes Gebot. Fernseher hat das Hotel bis heute keine. Man wird auch höflich darauf hingewiesen, dass das Benutzen von neumodischen Gadgets wie iPhones und iPads in bestimmten öffentlichen Bereichen unerwünscht ist. Es wäre auch ein Frevel, anstatt die Aussicht (vor jedem Fenster steht ein Berg von Weltgeltung, in jedem Eck ein historisches Möbelstück) die eigene Facebook-Seite zu geniessen. Ich fingere nach einem Buch. Nach einer halben Seite ertappe ich mich dabei, gar nicht gelesen zu haben. Die Gedanken wandern zu den ehemaligen Kurgästen, zu den Helden der Nordwand und zu mir. Hotel Bellevue des Alpes, 3801 Kleine Scheidegg, T. 033 855 12 12, Doppelzimmer ab CHF 380.– inkl. Halbpension. www.scheidegg-hotels.ch, www.swiss-historic-hotels.ch

Mein Tipp: Jungfraujoch Eine Bahnfahrt von der Kleinen Scheidegg zum Jungfraujoch, die durch den Eiger und den Mönch führt. Der auf 3454 Meter liegende Bahnhof ist der höchste Europas. Von verschiedenen Aussichtsplattformen hat man einen Blick auf ein atemberaubendes Bergpanorama. An schönen Tagen soll man von den Vogesen bis zum Schwarzwald sehen. Während der Fahrt haben Sie die Möglichkeit, beim Eismeer und der Eigerwand auszusteigen und von einer Art Terrasse die Nordwand hinunterzuschauen. Zur Jahrhundertwende tummelten sich hier Kurgäste bei Kaffee und Kuchen. Die Bahnfahrt kostet ca. CHF 120.–. www.jungfrau.ch


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Bolero Jelmoli Beauty Night 2013 300 Gäste feierten an der Bolero Jelmoli Beauty Night. Exklusive Schönheitsmarken, Musik und Champagner. Ein Abend, der im Zeichen der Schönheit stand. REDAKTION: IRINA POSSENTI

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FOTOS: DAVID BIEDERT

1. Make-up-Shows mit den Beauty-Looks 2013 2. Marianne Schrittenlocher (M.A.C) zeigt die Trends der Milano Fashion Week. 3. Molekulare Häppchen von La Prairie 4. DJ LXL. 5. Sandro Cavegn, Alexandra Maurer (Moderatorin) 6. Georgina Casparis, Suzanne Speich 7. Sylvaine Delacourte (Guerlain Creative Director), Franco Savastone (CEO Jelmoli) 8. Sithara Atasoy (Bolero), Majo Fruithof 9. Ursula Altorfer, Werner Dirks, Fabia Stutzer (La Prairie) 10. Rosmarie Haber (Sisley), Sandra Bauknecht, Raquel Marquard 11. Goetz Winter (Estée Lauder) und Clifford Lilley 12. Bianca Gubser 13. Hair-Styling-Show vom Shan-Rahimkhan-Team 14. Amanda Toscan, Monica Monsch (JelmolI) 15. Deniz Ackermann, Tatiana Müller 16. Andrea Müller, Iris Chicherio, Nicole Hoerschelmann (Jelmoli)

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Bolero Juni 2013  

bolero juni 2013-ausgabe

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