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FATALE VERFÜHRUNG Teint: «Tenue de Perfection Fond de Teint Timeproof», «Les Voilettes Poudre Transparente Voile de Matité Longue Tenue». «Madame Rougit Blush 4 Couleurs». Augen: «L’Ecrin 2 Couleurs 08 Two Spicy», «07 Two Lovely» & «03 Two Extravagant», «Le Stylo Yeux 03 Deep Purple». Lippen: «Rouge G de Guerlain 862 Madame Rêve». Nägel: «La Lacque Couleur 860 Madame Batifole». Alles Guerlain. Kleid: Viktor & Rolf, Bluse: John Galliano.

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GLÜCKSBRINGER Teint: «Vitalumière Aqua», «Correcteur Perfection», «Eclat Lumière», «Poudre Universelle Libre», «Le Blush Crème 62 Présage». Augen: «Les 4 Ombres Mystère», «Stylo Yeux Waterproof 104 Khaki Précieux», Mascara «Le Volume de Chanel 40 Khaki Bronze». Lippen: «Le Crayon Lèvres 69 Rose Ardent», «Rouge Allure Moiré 134 Audacieuse», «Rouge Allure Extrait de Gloss 72 Controversy». Alles Chanel. Mini-Bustierkleid: Chanel.

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STIL

Stil-Ikone

Geboren aus Not. Gefertigt für die Ewigkeit. Guccis Taschen mit dem polierten Bambusgriff, wie die neue «Lady Lock Bamboo», erhielten ihren Griff aufgrund eines Ledermangels während der vierziger Jahre. So schuf Gründer Guccio Gucci durch Zufall die ersten It-Bags, die moderne Klassiker sind. Wo zu kaufen Seite 152. FOTO: ARMIN ZOGBAUM/RENEHAUSER.COM ASSISTENZ: NICOLAS OSWALD

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STIL neuigkeiten

David LaChapelle in Aktion auf dem Set zum Projekt «Pop Touch» für die Marke Tod’s. Im Fokus: die neue «Sella»-Tasche, nach traditionellem Handwerk gefertigt.

Making of

Tod’s lässt die Pferde tanzen. Traum und Realität liegen oft eng beisammen. Erst recht in der Mode, wo in Werbekampagnen Traumfrauen in Traumwelten Traumprodukte vorführen. Das italienische Luxusgüterunternehmen Tod’s hat sich für seine neue «Sella»-Tasche in eine überaus surrealistische und farbige Traumwelt begeben. «Pop Touch» nennt sich das Projekt, das von Künstler und Fotograf David LaChapelle realisiert wurde. Im Zentrum: die traditionsreiche Welt der Sattlerei, ist doch die «Sella» von einem Dressursattel inspiriert. Auf einem Sujet etwa schwebt ein Model, sinnlich verträumt, mit seiner Tasche in den Wolken, begleitet von galoppierenden und springenden Miniaturpferden. Und das in den poppigsten Farben, die man sich nur ausmalen kann. David LaChapelles Fotoshooting für das Pop-Touch-Projekt repräsentiert für Tod’s einen neuen und innovativen Approach. Es ist beinahe eine Performance, da der Künstler dem Fotografieren und der Arbeit auf dem Set genauso viel Wichtigkeit beimass und Schönheit einhauchte wie den finalen Bildern. Sehen Sie Bilder und Video online. Die «Sella»-Tasche ist seit Anfang September erhältlich. | SAL www.tods.com

Ausstellung

JAPANS FALTENKUNST

— Street Art trifft Seide —

Jubiläum

HAPPY BIRTHDAY, FOGAL!

Ungewöhnliche Falten, Schichten und asymmetrische Wicklungen sind typisch für japanische Designs. In der Ausstellung «Im Reich der Falten – Mode und Textilkunst Japans» treten mehr als 100 Kreationen japanischer Labels, darunter Issey Miyake oder Yohji Yamamoto, in einen Dialog mit raumgreifenden Textilkunstwerken. Bis 12. 1. 2014. | ALB

Das Label Louis Vuitton ist bekannt für seine Nähe zur Kunst und Popkultur. Zahlreiche international renommierte Künstler, darunter Stephen Sprouse oder Yayoi Kusama, haben in den vergangenen Jahren für das Luxusmodehaus entworfen. Für Herbst/Winter 2013 lanciert Louis Vuitton die zweite CapsuleKollektion «Foulards d’Artistes». Die drei Street-Art-Künstler Eko Nugroho, Ben Eine und eL Seed überführten ihre Visionen aus der Street-Art-Szene auf grosse Seidencarrés. | ALB

Der Strumpfwarenhersteller Fogal feiert dieses Jahr seinen 90. Geburtstag. Dazu lanciert Fogal die «90 Years of Fogal»-Kollektion mit sechs luxuriösen Strümpfen. Erneut fotografierte der Schweizer Starfotograf Walter Pfeiffer die Kampagne. Und der Modeillustrator François Berthoud setzte den Jubiläums-Strumpf visuell um. | ALB

www.museum-bellerive.ch

www.louisvuitton.com

www.fogal.com

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Ärmelloses karamell- und braunfarbenes Wollkarokleid mit asymmetrisch drapiertem Rockteil, Jil Sander. AUF ALLEN SEITEN: Schmuck aus der «Atlas»Kollektion von Tiffany. Grüner Arbeiter-Overall, privat.

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Working

Class HERO

Das Schottenkaro, auch Tartan genannt, gilt nicht nur als typisches Muster von schottischen Clans. Auch Cowboys und Landarbeiter sch채tzten schon anno dazumal seine kraftvolle Attit체de. Bis Punks und Grunge-Ikonen darin rebellierten. F체r kommenden Winter machten die internationalen Designer-Clans daraus Mode jenseits von Kilts. FOTOS: GIANLUCA FONTANA STYLING: MARTINA RIEBECK MAKE-UP: ADALBERTO PEZZAIOLI/FREELANCER HAIR: NICHOLAS JAMES/GREENAPPLE MODEL: LISANNE/MONSTER SET & ARTBUYING: MARCO RONCHI

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KULTUR

Storytelling — An der 12. Biennale von Lyon erzählen mehr als 70 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt ihre (Bild-)Geschichten. TEXT: JÖRG SCHWERZMANN

Meanwhile... suddenly, and then — das ist das Motto der diesjährigen Biennale von Lyon. Der Kurator Gunnar B. Kvaran hat 77 Künstlerinnen und Künstler aus 22 Ländern eingeladen und lässt sie bildstark, fesselnd und mit den verschiedenen künstlerischen Medien Geschichten erzählen. Die Biennale zeigt, dass das Suchen nach Geschichten ein prägendes Moment der Gegenwartskunst ist. Die Künstlerliste wartet mit bekannten Namen auf: Jeff Koons, Tom Sachs und Robert Gober aus den USA, der isländische Künstler Erró, Ann Lislegaard aus Norwegen, die Grande Dame Yoko Ono und andere. Aber auch junge, unbekanntere Künstler sind präsent, etwa Hannah Weinberger (*1988), Ed Atkins (*1982), Helen Marten (*1985) oder Neïl Beloufa (*1985). Die Mehrheit der gezeigten Arbeiten wurde speziell für die Biennale geschaffen. Die Werke werden an fünf Ausstellungsorten präsentiert, darunter erstmals La Chaufferie de l'Antiquaille und die Kirche St. Just. Die Lyoner Biennale hat sich mittlerweile als wichtige Schau auf das internationale Kunstschaffen abseits des Mainstreams etabliert und Lyon allein ist eine Reise wert.

VON OBEN: Tom Sachs, «Bronze Collection», Trocadero Install, 2008, Robert Gober, «Untitled», 2005–2006. Courtesy: Charles Duprat Robert Gober. Matthew Marks Gallery.

«12. Biennale von Lyon», verschiedene Ausstellungsorte in Lyon (F), 12. September bis 5. Januar 2014.

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KULTUR musik

— Sommernachtsmusik — Zwei fantastische Musiker, ein begeistertes Publikum: ein grandioses Konzert. TEXT: JÖRG SCHWERZMANN

Man muss Superlative anhäufen, um dieser CD gerecht zu werden. Es ist die Aufzeichnung eines Konzerts, das Stefano Bollani und Hamilton de Holanda am 17. August vergangenen Jahres in Antwerpen aufführten. Es war ein magischer Abend am «Jazz Middelheim»-Festival und das Publikum geriet aus dem Häuschen ob dem, was sich auf der Konzertbühne abspielte. Da musizierten zwei Virtuosen auf atemberaubend hohem Niveau und mit unwiderstehlichem Drive. Der Pianist Bollani und de Holanda mit der 10-saitigen Mandoline verschmolzen ihre Melodielinien zu einer Stimme, jagten sich gegenseitig durch

Hochschnelligkeitspassagen, improvisierten irrwitzige Miniduette, spielten Schlagzeugsoli auf ihren Instrumenten und fanden wieder zusammen in bewegenden, poetischen Klangbildern. Da spielte es keinen Moment eine Rolle, dass Stefano Bollani ein italienischer, klassisch ausgebildeter Musiker ist, der auch mal mit dem Gewandhausorchester Leipzig Ravel und Strawinsky einspielt, während Hamilton de Holanda in seiner Heimat mit seinem Mix aus Choro und Jazz zum Star geworden ist. Es waren einfach zwei Ausnahmemusiker, die sich mit traumwandlerischer Sicherheit zusammenfanden in grossartiger Musik: ein Sommernachtstraum.

«Stefano Bollani, Hamilton de Holanda», O Que Será. ECM/Harmonia Mundi

Unsere fünf Richtigen des Monats

Bobby McFerrin Spirityouall

Coma In Technicolor

Disclosure Settle

Sony Masterworks

Kompakt Records

Island Records

Eigentlich tut Bobby McFerrin das, was er mit seinem 80er-Hit «Don't Worry, Be Happy» star tete: Er bringt etwas Licht in das Dunkel unserer Welt. Heute klingt der 63-Jährige mehr nach Jazz-Pop und weniger nach Spiritualität. Selbst dann noch, wenn er mit Esperanza Spalding im Duett schmachtet. | SAD

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Das neue Album der Kölner Jungs ist das, was man als «Electroclash» bezeichnet. «In Technicolor» ist eine Anlehnung an eine veraltete Filmentwicklungs-Technik aus dem 20 Jahrhundert und so klingen die Songs: Nichts ist neu, aber es sind schöne Reminiszenzen an vergangene Hits. | SAD

Der Erfolg kam etwas gar unerwartet. Die briti sche Brüder sind noch jung, kaum 20 – und hatten aber schon mehrere Top-10-Hits, in den USA etwa oder in Australien. Tatsache ist: Die Songs – eine Mischung aus Synthpop und FutureGarage – haben Zug und immens grosses DancePotenzial. | SAD

Kacey Musgraves Same Trailer Different Park Mercury Nashville Kacey ist gerade mal 25, hat bereits vier Alben aufgenommen (das erste mit 14) und mit dem neuen in den US-CountryCharts den Durchbruch geschafft. Ein durch und durch niedliches Album mit bösen Texten für Menschen, die gerne ruhigen CountryPop mögen. | SAD

Beady Eye Be Columbia Was von Oasis übrig ist, hat sich in Beady Eye versammelt – sprich alle ausser Gitarrist Noel Gallagher. Die Melodien sind immer noch eingängig, teilweise sogar so gut wie zu den besten Oasis-Zeiten – auch wenn die Texte von Frontmann Liam Gallagher manchmal etwas lustlos daherkommen. | SAD

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ANGESAGT In Bollywood herrscht Aufbruchstimmung Guneet Monga bringt den indischen Film in die Welt. Am diesjährigen «Zurich Film Festival» stellt die erfolgreiche Produzentin den Film «The Lunchbox» vor. TEXT: LEONI JESSICA HOF

Neben all den Leinwandschönheiten Bollywoods, den in Saris gewandeten Damen mit den schmachtenden Glutaugen und den Wallemähnen, mag Guneet Monga unscheinbar wirken. Dabei ist sie der eigentliche Star der indischen Filmindustrie. Im Rampenlicht stehen zwar die anderen, aber auch Monga ist mittlerweile schon über so manch roten Teppich geschritten. Die 30-Jährige sorgt als Produzentin dafür, dass wir Filme des indischen Subkontinents bei uns in Zürich sehen können – oder in Paris, in New York, in Berlin. Sie stellt sicher, dass etliche Projekte überhaupt erst realisiert werden. Mit vier Filmen war sie in diesem Jahr an den Festspielen in Cannes vertreten, der «Hollywood Reporter» kürte sie als eine der zwölf weiblichen Überfliegerinnen der Global Entertainment Industrie. Frauen machen im Filmgeschäft hinter den Kameras immer noch nur einen Bruchteil aus, Monga jedoch behauptet sich mit Charme und Durchhaltevermögen. Eine Lektion, die ihr die Eltern lehrten. Geschäftsleute, die ihr wohl auch das unternehmerische Geschick mitgaben: «Sie hatten nur eine Regel: Alles mit 100 Prozent Ernsthaftigkeit und Leidenschaft zu tun. Danach möchte ich leben.» Aufgewachsen in Neu Delhi, zieht Monga mit 22 ins Filmmekka Mumbai. Hier leben ihre Freunde, die nach dem frühen Tod der Eltern ihre neue Familie werden. Sie versucht sich als DJane und fährt Beschleunigungsrennen. Während eines Filmdrehs besucht sie die Mutter ihrer besten Freundin – und weiss plötzlich, wo es für sie in Zukunft mit Highspeed hingehen soll. >

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ANGESAGT

Filmstill aus «The Lunchbox», Guneet Monga ist ein Workaholic mit Leib und Seele.

Monga macht ihren Bachelor im Fach Mass Media, beginnt als Praktikantin bei einer internationalen Filmproduktionsfirma und beschliesst, dass sie dabei bleiben will: «Ich wurde in meiner Kindheit sehr unterstützt und beschützt, aber als ich nach Mumbai zog, war das eine Herausforderung. Ich war das neue 22-jährige Mädchen, das eine Nische für sich suchte.» Gleich der erste von ihr produzierte Film verlangte Nervenstärke. Er hiess «Say Salaam India», ein Film über Cricket. Eigentlich eine sichere Sache im cricket-verrückten Indien. Als das Land aber am Filmstart schmachvoll bei einem entscheidenden Match ausschied, wollte keiner durch einen Film daran erinnert werden. Die Kinosäle blieben leer. «Die Filmkopien wurden mir retourniert und ich ging damit von Schule zu Schule und machte Vorführungen, weil ich mein Geld reinholen musste. Meine Eltern standen mir bei und kauften jedes Mal Schokolade für die über 2000 Schüler. Auch meine Freunde waren für mich da und gingen in die Schulen für mich.» Immer noch sind es ihre Freunde, mit denen sie sich umgibt, ihr Team besteht aus ihren engsten Vertrauten: «Wir arbeiten zusammen und feiern zusammen. Ich würde es auf keinen Fall anders haben wollen. Meine Arbeit bedeutet die Welt für mich, mein Büro ist einen Katzensprung von meinem Zuhause entfernt.» Die Frage nach einem typischen Tagesablauf bringt die Produzentin zum Lachen. Weil ihre Tage so angefüllt sind mit Geschichten und mit Begegnungen, dass da das Wort «typisch» komisch klingt. Monga startet früh, gegen sieben weckt sie

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das Klingeln ihres Handys, ab dann klebe sie am Telefon. Den Tag über sitzt sie in Meetings, spricht übers Marketing, die Distribution der Filme, rechtliche Vorgaben, hört sich die Ideen neuer Regisseure an. Lassen sich daraus Filme machen? Filme, die die Leute sehen wollen? Sie trifft Investoren und Schauspieler. Fünf Stunden täglich ist sie mindestens im Büro, um sich mit ihren Kollegen auszutauschen. Dazwischen hat sie über zwanzig Anrufe getätigt, weitere Meetings folgen. Gegen zwei Uhr nachts geht sie zurück ins Büro: «Wir sind alle Workaholics und wir lieben es.» Wie ist es als Produzentin, in einem Land wie Indien zu arbeiten? «Ich werde das öfter gefragt, glaube aber nicht, dass es in diesem Business etwas ausmacht, ob du ein Mann oder eine Frau bist. Wenn du es schaffst, deinen Eifer unter Beweis zu stellen, nehmen die Leute dich ernst. Ich glaube, dass sich in Zukunft immer mehr Produzentinnen im Filmbusiness profilieren werden, schauen wir uns Ekta Kapoor oder Ashvini Yardi an, sie sind energisch, leistungsfähig, grossartige Produzentinnen.» Längst sind die starken Frauen der Filmindustrie zum Vorbild für indische Frauen geworden. Die Filmszene Indiens mit ihrem riesigen filmbegeisterten Publikum hat sich in den vergangenen Jahren rasant verändert, junge Filmemacher haben sich aufgemacht, das indische Kino neu zu erfinden. Es herrscht Aufbruchstimmung. Monga sagt: «Wenn man an Bollywood denkt, hat man mittlerweile nicht mehr nur Gesang und Tanz im Kopf. Neue Märkte öffnen sich und selbst in Indien gibt es ein wachsendes Publikum für Independent-

Filme und gehaltvolle Handlungen. Wir entdecken frische Inhalte und grossartige Geschichten. Heute sind Produzenten und Studios auch offen für die Ideen von CoProduktionen und internationalen Filmen. Selbst Schauspieler experimentieren mit ihren Rollen, die Stereotype brechen langsam auf.» Monga glaubt an die Kraft der Bilder, an die Macht des Kinos. «Kino ist ein grossartiges Medium, um andere Kulturen zu verstehen. Indische Filme reflektieren den Wandel in unserem Land.» Am «Zurich Film Festival» wird nun «The Lunchbox» laufen. In Cannes gewann der Film von Regisseur Ritesh Batra den Publikumspreis. Es geht um die Hausfrau Ila, die ihrer Ehe wieder mehr Würze verleihen möchte. So bereitet sie ihrem Ehemann eine ganz besondere Lunchbox zu. In Mumbai beliefern die Dabbawallas täglich Tausende Ehemänner mit dem Essen ihrer Frauen. Dieses Mal läuft aber etwas schief, sie bringen das Essen irrtümlich zu Saajan, einem Büroangestellten kurz vor dem Ruhestand, der genauso einsam wie Ila ist. Die beiden beginnen sich Botschaften zu schicken, sie gestehen einander ihre Ängste und kleinen Freuden und geben sich Halt in der Millionenstadt. Monga sagt über den Film: «Wir haben ihn buchstäblich in die ganze Welt verkauft. Das wird Indiens grösster Crossover-Film. Es ist eine wunderschöne Liebesgeschichte, sehr einfach und pur. Als ich den Film gesehen habe, habe ich geweint. Sie sollten diesen Film nicht verpassen!» Dem ist fast nur hinzuzufügen, dass wir beim nächsten Kinobesuch vielleicht doch den Abspann abwarten und still denen applaudieren, die eben nicht im Rampenlicht stehen. < Guneet Monga ist Teil der Jury am ZFF. Im Rahmen des Filmfestivals läuft «The Lunchbox» am Sonntag, 29. September um 21 Uhr im Kino Le Paris in Zürich. Mehr Informationen unter www.zff.com

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ART DE VIVRE Darauf einen Malbec, Mendoza! Mendoza ist die Hauptstadt des argentinischen Weines. Hier werden einige der besten Tropfen des Landes gekeltert. Auch der Luxuskonzern LVMH hat mit seinen Weinen den Sprung über den Atlantik gewagt. TEXT UND FOTOS: TINA BREMER

Ein bisschen kommen wir uns wie moderne Aschenputtel vor. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Nur dass wir keine Linsen auslesen, sondern Trauben. Cabernet-Sauvigon-Trauben, die prall und tiefviolett am Rebstock hängen. «Alle Trauben, die verschrumpelt aussehen und nach Marmelade schmecken, schneidet ihr ab», hat Nicolas uns angewiesen, bevor wir im Gänsemarsch in den Weinberg gezogen sind. Ausgestattet mit einer Schere, noppenbesetzten Handschuhen, einer Plastikkiste (für die guten Trauben!) und einem Strohhut, der uns vor der Sonne schützen soll. Der Weinberg Los Aromos liegt eine Stunde Fahrt von Mendoza entfernt, am Fusse der Anden, deren schneebedeckte Gipfel

sich mächtig am Horizont erheben. Höher hinauf geht es nur auf dem Himalaya. Vielleicht wurde deshalb auf den Sechstausendern zwischen Chile und Argentinien ein Grossteil des Films «Sieben Tage in Tibet» mit Brad Pitt gedreht. Heute dienen sie uns als Kulisse. Der Weinberg Los Aromos ist einer von sieben, die zum Weingut Terrazas de los Andes gehören. Die Kellerei wurde 1898 im spanischen Stil erbaut und fast hundert Jahre später vom Luxuskonzern Louis Vuitton Möet Hennessy übernommen. Genauso wie Anteile des Weinguts Cheval des Andes, das zu einem der besten Argentiniens zählt. Es gehört zu dem Bordeaux-Premier Château Cheval Blanc, an dem LVMH ebenfalls beteiligt ist. Anfang der neunziger Jahre überlegte > | oktober 13 | bolero |

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Schlechte Trauben werden aussortiert.

Die guten Tropfen lagern in Eichenfässern.

Anden-Kulisse beim Weinberg Los Aromos.

sich Inhaber Bernard Arnault, dass das, was in Frankreich so wunderbar klappt, doch auch in Argentinien funktionieren müsste.

Pünktlichkeit wichtig sind, vergiss es. Aber wenn du Herzlichkeit suchst, bist du hier genau richtig», sagt Nicolas, der früher für die Champagnermarke Krug gearbeitet hat. «Alle leben für das Hier und Jetzt, das mag ich.» Angesichts der bewegten Vergangenheit des Landes nur nachvollziehbar. Nach der Militärdiktatur in den siebziger Jahren wurde Argentinien immer wieder von Wirtschaftskrisen gebeutelt.

Der Konzern investierte Millionen in alte und neue Rebberge, renovierte Kellereien und sanierte die Backsteingebäude, die der Spanier Sotero Arizu Anfang des 19. Jahrhunderts im Schutz des Berges Cordon del Plata bauen liess. Mit der Einwanderungswelle um die Jahrhundertwende kamen vor allem Spanier und Italiener nach Argentinien – und mit ihnen die Weinkultur. Das Wüstenklima in Mendoza – lange sonnige Tage und kühle Nächte – ist ideal für den Anbau von Wein. «Argentinien war damals einzigartig: Der Wein wurde ausschliesslich angebaut, um von der Bevölkerung getrunken zu werden und nicht, um exportiert zu werden – das gab es nirgendwo anders auf der Welt», erzählt Nicolas Audebert, Weinmeister von Terrazas und Cheval des Andes. Der gebürtige Franzose kam vor zwölf Jahren nach Argentinien. «Argentinien empfängt dich mit offenen Armen, das Land hat eine ähnliche Kultur wie Europa, du fühlst dich nicht wie ein Einwanderer. Wenn dir Ordnung und

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Genauso regelmässig wie die Wirtschaft brechen auch die Gebäude von Mendoza zusammen. Ständig bebt die Erde, schon im Kindergarten wird den Kleinsten beigebracht, wie sie sich im Falle eines Erdbebens zu verhalten haben. Das grosse Beben von 1861 zerstörte die «Stadt der Sonne und des guten Weines» fast vollständig, das Beben von 1985 sorgte dafür, dass keine Hochhäuser mehr gebaut werden dürfen. Auch der Aufbau der Stadt ist den schwierigen tektonischen Bedingungen geschuldet: Vier Satellitenplätze bilden das Zentrum von Mendoza und dienen als Fluchtpunkte für die Bevölkerung, wenn das Haus mal wieder wackelt. An «normalen» Tagen plantschen Kinder im Springbrunnen auf der Plaza España oder verkaufen Händler ihre Waren auf dem Kunsthandwerksmarkt

auf der Plaza Independencia, während in der San Martin Street argentinische Pesos in neue Tangoschuhe investiert werden. Als Erbe der Kolonialherren sind neben den Parkanlagen die breiten Alleen geblieben, die von tiefen Kanälen gesäumt werden. Sie führen das Schmelzwasser aus den Anden mit sich, welches auch die Weinberge speist. «Leider passiert es immer wieder, dass jemand in den Graben plumpst, weil er zu tief ins Rotweinglas geschaut hat», erzählt Nicolas. Gerade Touristen, welche die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz vorrangig wegen der guten Tropfen besuchen, sind vor dem Malheur nicht gefeit. Mendoza zieht aber nicht nur jedes Jahr mehr und mehr Touristen an, die den weiten Weg über die Pampa auf sich nehmen, um die Andenstadt zu besuchen – einige Schweizer produzieren hier mittlerweile sogar ihren eigenen Wein. Der ehemalige Roche-Manager Peter Meuli hat vor drei Jahren das Projekt «Mendoza Vineyard Village» ins Leben gerufen. Der Gedanke dahinter: Jeder Weinliebhaber sollte sich den Traum von einem eigenen Weingut verwirklichen können. Meuli besitzt das Weingut Finca los Amigos, welches

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Bolero e-paper October 2013  
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