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Das Schweizer Magazin für Mode, Schönheit und Kultur JULI/AUGUST 2013 CHF 8.50 € 6.– www.boleromagazin.ch

— MODETRENDS HERBST/ WINTER Unsere Lieblingsstücke Tom Ford Diven im Hitchcock-Stil — 20 Schweizer Modedesigner — Iris Apfel: Stil-Ikone mit 92 — Kochen: Bestseller auf dem Teller

GROSSE SOMMER– VERLOSUNG Traumreise Luxusuhr Design-Klassiker

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Rebel Yell!

Punk lebt! Auch wenn der Neo-Punk 2013 weniger Anarcho-Chic denn Glam-Chic sagt, so hat er nichts von seiner rebellischen Grundhaltung verloren. Girls, legt eure Sicherheitsnadeln und Stachelarmb채nder bereit!

FOTOS: GIANLUCA FONTANA REALISATION: MARTINA RIEBECK MAKE-UP: ADALBERTO PEZZAIOLI/FREELANCER HAIR: GIANLUCA GUAITOLI/WM-MANAGEMENT MODEL: ASTRID/NEXT

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Gelbes Spitzenkleid mit hellblauer Taille und rosa Bord체re am Saum, Dolce & Gabbana. Ankleboots, Gianvito Rossi. Reissverschlusskette, Sharra Pagano. Streifenstrumpfhose, Armb채nder, G체rtel, Halsband und Netzhandschuhe. Alles aus London Camden Town. Ohrringe auf allen Bildern, Manor.

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STIL

Ice Ice, Baby!

Beim Anblick dieser pistaziengrünen Sandalen von Valentino Garavani schweben wir im Handumdrehen auf Wolke sieben. Sie gehören zum Sommer wie die bunten Schirmchen zum Coupe Amore. Hingucker und verführerisch trendiges Topping: die Nieten in der Farbe des Leders. Wo zu kaufen Seite 120. FOTO: ARMIN ZOGBAUM/RENEHAUSER.COM STYLING: ULRIKE MIEBACH/NINAKLEIN.COM

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STIL neuigkeiten

Blogger-Style

Garance Doré für Marc O’Polo Einen Blog zu haben, ist heutzutage keine grosse Kunst mehr. Mit diesem Blog humorvoll die Welt der Mode und Schönheit zu kommentieren, ihr den Spiegel vorzuhalten und dabei noch Geld damit zu verdienen, verlangt aber Courage und Können. Wie es Garance Doré unter Beweis stellt, die Diane Vreeland unter den Modebloggern. Ihr Zeichentalent hat sich jetzt die Premiummarke Marc O’Polo zunutze gemacht. Die Französin hat eine Capsule-Kollektion von T-Shirts und Sweatshirts mit ihren typischen handgezeichneten Frauen-Illustrationen und flotten Slogans versehen, etwa «Style is the way you look at life» oder «10 degrees of sophistication». Zur Auswahl stehen acht Prints in jeweils fünf unterschiedlichen Farben. Die aus Bio-Baumwolle gefertigten Teile sind ab August im Einzelhandel sowie online unter www.marc-o-polo.com erhältlich und kosten CHF 69.90 (T-Shirt) bzw. CHF 139.90 (Sweater). | SAL www.garancedore.fr; www.marc-o-polo.ch

Happy Birthday

HUGO SIEHT ROT

Kooperation

SPITZENTANZ Nicht nur Primaballerinas setzen auf Trainingsoutfits des italienischen Ballett-Ausstatters Porselli. Seine farbenfrohen Ballerinas finden sich an vielen Füssen. Nun hat sich das Traditionshaus mit der Marke Woolrich zusammengetan. Entstanden ist eine limitierte Kollektion von Woll-Ballerinas im original WoolrichKaro. Preis ca. CHF 270.–. | SAL www.woolrich.eu

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— KREBS ODER LÖWE — Welches Sternzeichen sind Sie? Dieser Dauerbrenner beim Party-Smalltalk kann mitunter ganz schön nerven. Als Gegenmittel empfehlen wir die neue Sternzeichen-Kollektion von Charlotte Olympia, bei der die Sternzeichen kleinen Schmuckstücken gleich auf Clutches und Slippern angebracht sind. Die handbemalten und mit Swarovski-Kristallen verzierten Tierkreiszeichen sind ein Statement ohne Worte. Erhältlich in ausgewählten Geschäften sowie online unter www.charlotteolympia.com. Preis der Clutch. ca. CHF 980.–. | SAL

Die Linie «Hugo» aus dem Hause Hugo Boss wird 20 Jahre alt. Gefeiert wird dieses Jubiläum mit besonderen Highlights. Neue Schnitte und innovative Stoffe definieren ausserdem die diesjährige Herbstkollektion. Eyan Allen, Kreativchef der Marke, spielt mit den Hugo Classics. Das sachliche Etuikleid etwa erhält durch dünne Paspeln einen grafischen Anstrich. Das bekannte Hugo-Rot setzt dabei Akzente: als Blockstreifen an der Ferse schwarzer Pumps oder als Totallook wie bei diesem Hosenanzug. | SAL www.hugoboss.com


BEAUTY

KURZ, FEMININ!

«Bis vor kurzem trugen die meisten Topmodels lange Haare. Diese Saison nicht. Auf den Laufstegen in Paris, Mailand und New York setzen einige einen neuen Trend, nämlich kurze Haare. Der Look führt über die Schere zum Bob in diversen Längen bis zum ganz kurzen Pixie. Die Farben sind klar und ohne Zwischentöne. Diese neuen Haarlängen sind sehr feminin und wandelbar.» REDAKTION: CHARLES AELLEN FOTOS: ALESSANDRO LUCIONI

KARLIE KLOSS Bei Kenzo und Burberry. Die Amerikanerin war Vorreiterin des neuen kurzen Looks.

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ASHLEIGH GOOD Bei Chanel, Ungaro, Hermès, Burberry. Sie spielt ganz easy die Varianten der Kinnlänge durch.

ARIZONA MUSE Bei Hermès, Isabel Marant, Proenza Schouler, Joseph Altuzarra. Die Raffinesse liegt hier in den Details.

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SASKIA DE BRAUW Bei Chanel, Saint Laurent, Lanvin. Sie gibt seit einer Weile schon ein klares Statement in Kürze ab.


KULTUR

Weltenbummler – Neues vom Konzeptkünstler Gabriel Orozco im Kunsthaus Bregenz. TEXT: LEONI JESSICA HOF

Ein Walskelett zieht seine Bahnen durch die Luft. Wie ein riesiges Mobile. Ein Meisterwerk der Natur, das von Menschenhand zum Kunstwerk gemacht wurde. Vom mexikanischen Künstler Gabriel Orozco (*1962), der das Skelett an der mexikanischen Pazifikküste freilegte. Mit einem 20-köpfigen Team malte er Muster aus Ringen und Kreisen auf, Grafit auf weissem Knochen, 6000 Druckbleistifte sollen dabei verbraucht worden sein. Das gigantische Getier aus der Tiefsee trägt den Titel «Mobile Matrix» und wird im Erdgeschoss des Kunsthaus Bregenz Einzug halten, wo die grosse Sommerausstellung Orozco gewidmet ist. Der Konzeptkünstler lebt in Mexiko, New York und Paris, er ist ein Wanderer zwischen den Welten, auch zwischen denen der Künste, er bewegt sich zwischen Zeichnung und Fotografie, Skulptur, Installation und Malerei. Mit seinen Arbeiten, die die Kunst mit der Realität vermählen, wurde er zu einem der einflussreichen Künstler seiner Generation. In Bregenz sind grösstenteils neue Gemälde, Steinskulpturen und Keramiken zu sehen.

VON OBEN: «Dark Wave», 2006. Der Künstler Gabriel Orozco. Fotos: Stephen White/ Courtesy White Cube (1). Enrique Badulescu (1).

«Gabriel Orozco», Kunsthaus Bregenz, 13.Juli bis 6. Oktober

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KULTUR kochbücher KULINARISCHES KULTURERBE So mannigfaltig schmeckt die Schweiz. Hier im Herzen Europas treffen verschiedene Kulturen aufeinander, was eine beeindruckende Vielfalt an kulinarischen Produkten hervorgebracht hat. Der unabhängige Verein «Kulinarisches Erbe der Schweiz» erfasst traditionelle kulinarische Schweizer Produkte, deren Herstellung, Eigenschaften und Geschichte – vom Tête de moine über Fasnachtskiechli bis zur Ovomaltine. Nun gibt es diesen Fundus auch als Buch: Die fünfbändige Reihe «Das kulinarische Erbe der Schweiz» ist eine Sammlung einheimischen Geschmacks. Neu erscheint Band 2 mit den Kantonen Bern, Jura, Solothurn, Basel-Landschaft, Basel-Stadt. Die weiteren drei Bände erscheinen ab diesem Herbst. «Das kulinarische Erbe der Schweiz. Band 2», Echtzeit Verlag, CHF 29.–

SO LECKER KANN GESUND SEIN: GEMÜSE SPIELT DIE HAUPTROLLE Diese Rezepte wurden in der berühmten Silberlöffel-Küche konzipiert. Ob Risotto mit Spinat und Tomaten oder Artischocken-Zucchini-Strudel: In diesem Band geht es gesund zu, zusammengestellt sind die beliebtesten und leckersten Gemüse-Rezepte. Nach Jahreszeiten gegliedert, gibt es vor jedem Kapitel eine Einführung zu den Besonderheiten der jeweiligen Gemüsesorte: Worauf muss man beim Kauf von Zwiebeln achten? Wie baut man Gurken selbst an? Welche Avocado-Sorte eignet sich für Salate? Antworten finden Sie in diesem Band. «Zum Glück Gemüse», Phaidon bei Edel, CHF 59.90

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«Von Bittersüss nach Feuerscharf. Das grosse Buch der Gewürze», Collection Rolf Heyne, CHF 40.90

Fotos: Markus Roost und Roland Hausheer (1), Steven Joyce(2), Stefano Scatà (4)

SPIEL DER AROMEN Nehmen Sie doch das nächste Mal Zimt zum Würzen Ihrer Tomatensauce! Dazu rät die Autorin Bettina Matthaei. Die «Spice Queen» gründete die Gewürzmanufaktur «1001 Gewürze», die rund 200 zum Teil ausgefallene Würzmischungen anbietet und diese auch an Sterneköche liefert. 20 Kochbücher hat sie bereits veröffentlicht. Mit diesem Band gibt die Foodjournalistin und Autorin nun ihr um fassendes Gewürz-Wissen weiter. Und verweilt dabei nicht nur bei Bekanntem wie Pfeffer, Muskat und Vanille, sondern stellt auch exotische Gewürze wie Olida, Annatto oder Mahlep vor, erklärt die Kunst der Gewürzmischungen und die Anwendung von Gewürzen in der Küche anhand von mehr als 600 Rezepten.


Die fabelhafte Frau Apfel Das New Yorker StilUnikat Iris Barrel Apfel (92) zeigt dem jungen Fashion-Gemüse, was Mode-Grandezza ist. TEXT: MARIANNE ESCHBACH FOTO: ALIQUE/WWW.ALIQUE.NL

Eine Uhu-Brille und das Alter machen eine Frau für gewöhnlich nicht zum Star. In der Welt der Mode ist aber alles möglich. Wie das Revival des Punk, das gerade mit der Ausstellung «Chaos to Couture» im Metropolitan Museum of Art in New York gefeiert wird. Ebendort begann Iris Apfels zweite Karriere. Aus einer geplanten Ausstellung über Accessoires wurde die Solo-Expo «Rara Avis» (lat. seltener Vogel) über Iris Apfel und ihren umwerfenden KleidungsStil. Das war 2005. Seither werde sie als «geriatrisches Starlet» gehandelt, sagt Iris Apfel am ersten «Link»-Kongress der Schmuckbranche im April in Wien. Sie hat den Applaus und die Lacher auf ihrer Seite. Firmen reissen sich um Kooperationen mit Iris Apfel, die es schlicht wunderbar findet, «im zarten Alter von fast 92 Jahren so viele närrische Sachen machen zu können». Wie Brillenfassungen (Eyebobs), Make-up (M.A.C), Taschen für Bloomingdales. Und sie vertreibt Modeschmuck und Schuhe unter dem Label «Iris Apfel Rara Avis» über das Homeshopping Network HSN. Ein Film über den «seltenen Vogel» wird gerade gedreht und Nadja Swarovski, Gastgeberin des «Link Jewelry Summit» verrät, dass ihr Unternehmen eine Kollektion mit Iris Apfel in Arbeit hat. >

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Styling: Sonny Groo. Hair & Make up: Manami Ishikawa/AtelierManagement. Foto-Assistenten: Pepsi Kim & Wikkie Hermkens. Erstpublikation: S Moda magazine Spain.

ANGESAGT


ANGESAGT

Iris Apfel zuzuhören, wie sie mit trockenem Humor die Mode- und Stil-Universen kommentiert, hat grossen Unterhaltungswert. Gebannt hängt das internationale Publikum aus Modeschmuckproduzenten,

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Designern, Analysten, Beratern und Trendjägern an den Lippen der Stil-Expertin. Schmunzelt, kichert, lacht schallend ob Mrs. Apfels schlagfertigem Witz. Gemäss ihrem Motto «Farben sind Leben, ich könnte nicht ohne Farben leben» hat sie für ihren Look Strümpfe und Schuhe in Smaragdgrün zu einem Ensemble in Türkisblau kombiniert und ist wie immer mit üppigen Armreifen und grossen Halsketten geschmückt. Die eulenhafte Brille und der orangerote Lippenstift komplettieren das Styling. Zum Interview mit Bolero präsentiert sich Iris Apfel dann als «Jeans-Girl» mit bestickter Tunika und bedruckter Hose. Beim XL-Schmuck hat sie den Fokus auf Feuerrot gelegt. Auf der Nase sitzt dieses Mal die abgedunkelte Version der Signatur-Brille. «Der Jetlag!», entschuldigt sie sich.

auszustellen. Seine Idee war, dass ich dem Publikum zeige, wie man die Sachen kombiniert. Er fragte mich, ob ich eventuell fünf Outfits hätte, die ich eine Zeit lang entbehren könne. Sie würden sie nach kuratorisch korrekten Kriterien aussuchen und ich sollte die Accessoires dazu zusammenstellen. Ich sagte, kein Problem, was wollen Sie genau? Er sagte, keine Ahnung, was haben Sie denn? Ich sagte, was Sie wollen und öffnete meine Pandora-Büchse. Als Harold Koda alle meine Sachen sah, bekam er einen leicht hysterischen Anfall. Und so wurde aus dem kleinen mir zugedachten Part in einer Ausstellung eine ganze Ausstellung über mich.

Bolero: Mrs. Apfel, wie haben Sie Ihren Stil erarbeitet? Iris Apfel: Ich habe gar nichts dafür getan. Es ist einfach passiert. Ich war ja nie im Modebusiness. Ich wurde erst eine ModeIkone, als sie die Ausstellung über mich machten. Es war ein unerwarteter Riesenhit. Da wurde ich plötzlich sehr cool oder sehr hot, je nach Sichtweise.

Wie gross muss ich mir Ihre Kleider- und Schmucksammlung vorstellen? Ich habe sicher hundert Schränke voll. Wir haben dafür einen Lagerraum gekauft. Er ist nicht elegant, aber zweckmässig. Leider hatten wir einen Wasserschaden. Daraus ist ein Gerichtsfall geworden, weil die Versicherung nicht zahlen will. Wir quälen uns damit seit vier Jahren. Ich behandle meine Dinge aber nicht wie eine Sammlung, ich habe eine sehr entspannte Einstellung dazu. Und ich trage meine Sachen.

Sie sind eine Figur der New Yorker Gesellschaft. Trotzdem: Einfach so kommt man nicht ins Museum. Ich war davor schon mit dem Met verbunden. Das stimmt. Sie hatten diese Ausstellung über Accessoires geplant. Harold Koda, der smarte Chefkurator, besuchte mich und teilte mir mit, es würde keinen Sinn machen, nur Accessoires ohne Kontext

Wie vermeidet man modische Fehltritte? Frauen müssen in den Spiegel schauen. Nur weil etwas in ist, heisst das lange nicht, dass es gut an einem selbst aussieht. Es ist traurig, allen diesen Fashion-Victims zu begegnen. Sie sehen ein Kleid auf dem roten Teppich und finden es grossartig, weil Angelina Jolie es trägt. Sie denken, wenn sie es tragen, wird es sie verwandeln. Bewahre!

Fotos: Higgins/NYT/Redux (1)

Zusammen mit ihrem Mann Carl, der bald seinen 100. Geburtstag feiern kann, betrieb das Stil-Genie ein auf die Reproduktion von alten Textilien spezialisiertes Inneneinrichtungs- und Antiquitätengeschäft. Museen und das Weisse Haus gehörten zu den Kunden der Apfels. Wenn Iris Apfel auf dem Podium des «Link» Think-Tanks Anekdoten über die Zusammenarbeit mit diversen First Ladys zum Besten gibt, bricht Heiterkeit unter den Kongressteilnehmern aus. Da war zum Beispiel die bodenständige Rosalyn Carter, welche für die im klassizistischen Stil gehaltenen Räume des Präsidentensitzes «etwa 300 Meter karierte Vorhänge auf ihrer eigenen Nähmaschine nähte». Iris Apfel greift sich mit gespieltem Entsetzen an den Kopf. Dabei gehe es bei Restaurierungen darum, alles genau so zu machen, wie es ursprünglich war! Da sei sie sehr pingelig. Pat Nixon wäre von allen am leidenschaftlichsten bei der Sache gewesen. Leider hätte sie nicht viel davon verstanden und regelmässig die falschen Stoffe ausgesucht. Ihr Innenarchitekt meinte, man solle ihr schicken, was sie wünsche. «Wir wussten, dass es falsch war. Mrs. Nixon rief dann an und sagte: Mrs. Apfel, ich habe wieder mal das Falsche ausgewählt. Können Sie morgen zum Lunch kommen und das Richtige mitbringen?» Präsident Obama und seine Frau Michelle werden heute noch vor apfelschen Wand- und Möbelbezügen abgelichtet.


Foto: Nic Lehoux

ART DE VIVRE Kunst ahoi! Neue Nachbarn: Das Quartier Tjuvholmen war einst ein raues Pflaster, nun mausert sich der Stadtteil zum kreativen Hotspot der Stadt. Nicht nur Renzo Pianos Museumsbau lockt die Besucher auf die einstige «Insel der Diebe». TEXT: LEONI JESSICA HOF

Nein, die Norweger werden in nächster Zeit nicht aussterben. Flaniert man durch die Strassen Oslos, fällt einem vor allem eines auf: die vielen Kinder. Kinder an Händen, in Wagen, auf Schultern. Eis leckend, Tauben jagend, sich Zucker watte in den Mund stopfend. Die Schreie der Möwen machen den Juchzern der Kleinen Konkurrenz – in Oslo scheint die Sonne und die will bejubelt werden. Heute braucht es darum Glück, um noch ein Plätzchen in einem der Restaurants mit Blick aufs Meer zu erhaschen. Von den Bars unter freiem Himmel weht Musik herüber, es riecht

nach dem Fisch auf den Tellern, Weisswein funkelt in den Gläsern, wenn sich die Sonne darin bricht. An diesem Wochenende sind nicht nur Touristen in Scharen unterwegs, auch die Einheimischen sollen heute ihre Stadt aufs Neue erleben, alle Museen können bei freiem Eintritt besucht werden. Und zu entdecken gibt es einiges, auch für die, die schon lange hier leben. Hinter dem imposanten Opernhaus, das sich wie ein marmorner Eisberg aus dem Oslofjord erhebt, recken sich Baukräne in die Luft und auch am südlichen Zipfel der Stadt weht eine frische Brise durch > | juli/august 13 | bolero |

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Kanäle durchziehen Tjuvholmen.

«

Man sollte sich auf das konzentrieren, was man hat. Es haut mich um, was man mit norwegischen Produkten alles machen kann.

» «The Thief»-Küchenchefin Kari Innerå

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E paper 07 8 2013  

Bolero Juli/August Doppelnummer 2013

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