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Bร–RSE EXPRESS

Die grossen Bรถrsethemen im Juli 2010 SPECIAL 8 SEITEN


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BÖRSE EXPRESS Mittags-News für Finanzprofis.

Nr.2050/01 07 10

Angebot an den Streubesitz gilt bis Ende Juli: Eco-Vorstand unterstützt

conwert legt nach und bietet nun 7,15 Euro je Eco-Aktie ➤ Aus dem Inhalt

➤ Bonds: Klein, aber fein Im Juli holt sich nicht nur A-Tec-Chef Mirko Kovats Geld vom Anleihenmarkt Seite 8

➤ Stress mit dem Test Wolfgang Gössweiner: Eco-Chef hält das neue Angebot für attraktiv

conwert erhöht noch vor Start der Annahmefrist das Angebot - damit ist die oberste Latte aber erreicht. Der Vorstand der Eco Business-Immobilien begrüsst den erhöhten Angebotspreis conwerts und wird daher auch das Angebot unterstützen - das Zielunternehmen ist laut eigener Aussendung somit bereits überzeugt. Jetzt müssen es nur noch die anderen Aktionäre werden, denn conwert möchte zumindest 50 Pro-

zent plus eine Aktie haben. Das Angebot gilt bis Ende Juli. Für den Börse Express Grund genug, sich bei Erste Group-Chefaktienanalysten Günther Artner zu erkunden, was er zu dem neuen Angebot sagt. Wir sahen uns auch an, wie der Titel damit in seiner Peergroup liegt. Und weil das Angebot bis Ende Juli gilt, haben wir uns für Sie gleich das Wichtigste des Monats angesehen: Von CWT über Erste und RI bis Do & Co. Lesen Sie weiter auf den folgenden Seiten

Bankenstress-Tests werden veröffentlicht. Grosse Überraschungen dürften ausfallen Seite 5

➤ Umbau im Immo-ATX Dieser erscheint unvermeidlich wichtige Vorentscheidungen könnten im Juli fallen Seite 7


Donnerstag, 1. Juli 2010

BÖRSE EXPRESS NEWS

Seite 2

Peergroup Neues conwert-Angebot liegt bei rund 70 Prozent des Net Asset Value

Eco nun mit Aufschlag auf Österreich-Schnitt Name ISIN Atrium JE00B3DCF752 CA Immo Int. ATCAIMMOINT5 CA Immobilien AnlagenAT0000641352 conwert AT0000697750 Corio NL0000288967 Eco Business AT0000617907 Gagfah LU0269583422 Globe Trade Centre PLGTC0000037 Immofinanz AT0000809058 Kleppiere FR0000121964 Sparkassen ImmobilienAT0000652250 Unibail-Rodamco FR0000124711 Warimpex AT0000827209 Median Name EBITDA-Marge 10e Atrium 14,24 CA Immo Int. 43,14 CA Immobilien Anlagen 67,06 conwert 63,80 Corio 84,86 Eco Business 65,41 Gagfah 44,47 Globe Trade Centre 65,10 Immofinanz 59,34 Kleppiere 85,25 Sparkassen Immobilien 49,44 Unibail-Rodamco 84,74 Warimpex 26,91 Median

63,80

Im Schnitt gibt’s für österreichische Immo-AGs einen Abschlag auf den inneren Wert von derzeit 45 Prozent. Erste Group-Analyst Günther Artner bringt das Problem auf den Punkt: „Da die österreichischen Immobilien-Aktiengesellschaften mit im Schnitt vier bis fünf Prozent an Eigenkapitalverzinsung derzeit ihre Eigenkapitalkosten nicht verdienen, ist aktuell eine Bewertung zum NAV unserer Meinung nach nicht gerechtfertigt.“ Denn auffallend ist, Immofinanz und Co notieren in etwa bei der Hälfte ihres inneren Wertes, international sieht die Situation hingegen deutlich besser aus - dort liegt der Abschlag zum NAV (Net Asset Value) im Schnitt bei etwas mehr als zehn Prozent. Marktführer Unibail kommt sogar auf einen Wert von leicht über eins.

Dvd. Rdt. e 7,21 0,00 0,00 2,78 6,75 2,32 12,44 0,00 0,00 5,44 0,00 6,03 0,00

KGV 10e 27,64 31,52 30,19 19,61 13,10 12,21 12,06 16,48 7,70 14,85 10,54 14,07 13,23

ROE 10e -0,86 1,50 1,55 2,98 6,30 5,40 4,71 8,03 -1,40 7,30 6,10 7,81 7,67

Kurs/Buch 0,61 0,71 0,49 0,54 0,89 0,62 0,57 1,38 0,43 1,80 0,70 1,09 1,20

Konsens 4,50 3,00 3,70 4,54 3,86 3,00 3,89 3,30 2,67 4,13 5,00 4,07 4,00

2,32

14,07

5,40

0,70

3,89

EV/EBITDA 10e 62,47 26,79 19,63 19,32 16,41 21,22 17,78 28,40 26,44 17,21 19,47 16,58 19,34

Perf. 1J 16,77 79,47 37,49 44,11 19,07 175,60 14,00 2,49 39,60 22,95 10,02 28,19 -11,11

Perf. 3M -24,72 0,33 -9,34 -7,34 -15,98 52,65 -9,82 -9,60 -24,36 -20,55 -2,35 -7,02 -18,14

Perf. 1M -10,43 -0,45 -2,78 -2,32 1,26 41,66 8,20 -5,04 -15,45 3,55 -2,15 3,76 -9,74

Kurspotenzial 39,60 0,60 33,22 42,41 21,50 -8,23 18,74 5,75 25,00 21,70 43,66 13,34 127,27

19,47

22,95

-9,60

-2,15

21,70

Quelle: Bloomberg, Börse Express, * von 1 bis 5, je höher, desto besser; ** laut Analysten

Name

Preis/NAV

Atrium CA Immo Int. CA Immobilien conwert Corio Eco Business Gagfah Immofinanz Kleppiere Sparkassen Immo Unibail-Rodamco Warimpex

0,61 0,70 0,47 0,45 0,91 0,69 0,47 0,41 0,85 0,60 1,08 0,46

Median alle Median int. Median Ö

0,61 0,88 0,54

Ist somit das nun auf 7,15 Euro aufgestockte Angebot der conwert für Anleger attraktiv? Immerhin beträgt der Abschlag damit nur noch rund 30 Prozent - ziemlich genau soviel wie beim Versuch der CA Immobilien die Tochter CA Immo International zu schlucken (auch wenn es nur ungenau zu rechnen ist, da es sich um ein Umtauschverhältnis handelte - bei der Immoeast gab’s im Zuge der Fusion mit der Immofinanz eigentlich einen NAVAbschlag von fast 50 Prozent). Jedenfalls bringt es das neue Angebot mit sich, dass Eco auf den höchsten Kurs seit September 2008 steigt, dem IATX etwa fehlen darauf noch mehr als 20 Prozent. Und, wie Artner, der bei Bloomberg als einziger ‘Eco-Analyst’ gelistet ist, auch zu bedenken gibt, sein Kursziel für die Aktie lag vor dem Übernahmeoffert bei 6,20 Euro ... (gill)


Donnerstag, 1. Juli 2010

BÖRSE EXPRESS TALK BÖRSE EXPRESS

Interview

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„Ich empfehle definitiv die Annahme des erhöhten Angebots“

Günther Artner, Co-Head CEE Equity Research der Erste Group, zu Eco und anderen Empfehlungen.

Angebot läuft bis 30. Juli

conwert stockt auf 7,15 Euro auf conwert hat am 15. Juni 2010 die Absicht bekannt gegeben, den übrigen Aktionären der Eco Business-Immobilien AG ein freiwilliges Übernahmeangebot zu unterbreiten. Die Veröffentlichung der Angebotsunterlage erfolgt nun per morgen. Die Annahmefrist für das Angebot läuft damit vom 2. Juli bis 30. Juli 2010, 17.00 Uhr (Ortszeit Wien). Der bisher angekündigte Angebotspreis in Höhe von 6,50 Euro je Stückaktie wurde heute erhöht und beträgt nunmehr 7,15 Euro. Der gebotene Preis liegt damit 60,7% über dem volumengewichteten Durchschnittskurs der Eco-Aktie in den letzten zwölf Monaten und 47,4% über dem volumengewichteten 6-MonatsDurchschnittskurs (jeweils vor Bekanntgabe der Angebotsabsicht).

Börs e Expres s: conwert bietet nunmehr 7,15 Euro in bar bei einem NAV von zuletzt 10,39 Euro. Ist so ein Abschlag von etwa 30 Prozent gerechtfertigt? Günther Artner: Angesichts der geringen Grösse der Eco, der eingeschränkten Aktienliquidität und des externen Managements über conwert ist es wohl das Beste für alle Beteiligten, wenn conwert die Eco von der Börse nimmt.

Also ein „fairer“ Preis ... Der nun erhöhte Angebotspreis bringt letztlich für Eco-Aktionäre einen lange Zeit nicht gesehenen Preis pro Aktie, führt aber wahrscheinlich auch für conwertAktionäre noch zu einer werterhöhenden Übernahme, speziell dann wenn weitere erfolgreiche Immobilienabverkäufe gelingen. Sie empfehlen also die Annahme? Ich empfehle definitiv die Annahme des erhöhten Angebots. Damit sollten die Aktionäre etwa Anfang August das Geld auf dem Konto haben und können angesichts der aktuell niedrigen Börsenkurse den Erlös damit in andere Immoblienwerte umschichten. Welche Werte meinen Sie damit? Zum Beispiel conwert, Immofinanz oder Sparkassen Immo

Möglichst hohe Quote das statt Bargeld auch eine Aktienkomponente enthält, würden Sie wie beurteilen? Das halte ich nicht unbedingt für notwendig. Eine solche Struktur ist von der Durchführung her aufwendiger. Ich denke, man kann es ruhig den Aktionären überlassen, wie sie ihre Eco-Erlöse in Zukunft investieren wollen. Sie können ja auch selbst jederzeit conwert-Aktien am Markt erwerben.

Zurück zu Eco. Was, wenn das Angebot nicht angenommen wird? Hätte Eco allein Probleme? Eine Stand Alone Lösung hatte für uns zuletzt ein Kursziel von 6,20 Euro bedeutet. Wirkliche Probleme hätte Eco allein nicht - nicht mehr. Der Eco hat zuletzt aber eine attraktive Investmentstory gefehlt.

Warum notieren österreichische Immobilienaktien überhaupt unter ihrem NAV? Da die österreichischen Immobilien-Aktiengesellschaften mit im Schnitt vier bis fünf Prozent an Eigenkapitalverzinsung derzeit ihre Eigenkapitalkosten nicht verdienen, ist aktuell eine Bewertung zum NAV unserer Meinung nach nicht gerechtfertigt.

Ein zusätzliches Angebot von conwert,

nterview: Robert Gillinger In

conwert-Chef Johann Kowar: „Im Vorfeld des Angebotsstarts hat es weitere Gespräche mit dem Management der Eco sowie zahlreiche Kontakte mit institutionellen Eco-Investoren gegeben. Um nun eine möglichst hohe Annahmequote zu erreichen haben wir uns zu einer Erhöhung des Angebotspreises auf 7,15 Euro entschlossen. Damit bieten wir allen EcoAktionären einen ausgezeichneten Preis und können für conwert gleichzeitig weiteres Wertsteigerungspotenzial sicherstellen.“ Eine weitere Erhöhung des Angebotspreises wird definitiv und rechtlich bindend ausgeschlossen. Das Angebot sieht unverändert eine Mindestannahmequote von 50 Prozent + 1 Aktie vor. Die Angebotsunterlage ist ab 2. Juli 2010 auf www.conwert.at, www.eco-immo.at sowie www.takeover.at abrufbar. Eco-Aktionäre können ihre Aktien innerhalb der Annahmefrist kosten- und spesenfrei über ihre Depotbank in das Angebot einreichen.


Donnerstag, 1. Juli 2010

BÖRSE EXPRESS NEWS EXPRESS LETTER VON ROBERT GILLINGER robert.gillinger@boerse-express.com

Mangels Alternative?

A

ktien sind interessant, sind at-

traktiv. Das war/ist seit vielen Monaten die weit verbreitete Meinung, die Marktstrategen gern zum Besten geben. Dabei ist zumeist nicht einmal die absolute Bewertung gemeint, sondern die relative - im Vergleich etwa mit dem Sparbuch/Anleihen etc, da diese so unattraktiv sind. Das mag stimmen - stimmte aber nicht: Im ersten Halbjahr verlor die durchschnittliche Aktie im MSCIWeltindex 9,5 Prozent an Wert, die ebenso durchschnittliche Anleihe legte 4,2 Prozent zu. Das gilt grosso modo so auch, wenn Europa allein herausgepickt wird. Mittlerweile scheint es aber so zu sein, dass wir uns einer Phase auch absoluter Attraktivität nähern. Kein Unternehmensleiter würde (hoffentlich) ein Übernahmeangebot für einen Konkurrenten lancieren, wenn er glauben würde, dass es diesen in absehbarer Zeit günstiger geben wird. Speziell Österreichs Immobranche ist so eine, wie die Beispiele CA Immo und Eco zeigen. Für die zweite Jahreshälfte ist jedenfalls klar, wohin die Reise geht: Auf konjunktureller Seite sind die in der ersten Halbzeit so hochgejubelten Frühindikatoren dazu verdammt, zu schwächeln: Ihr Niveau passt mit den erzielbaren BIP-Wachstumsraten nicht zusammen. Hier werden wir also tendenzielle Abschwächungen sehen. Erst wenn wir uns daran gewöhnt haben und der Blick der Börse ins Jahr 2011 hineinschweift, wird sich die Lage beruhigen. Lasst uns dann wieder von Attraktivität sprechen - und von Alternativen ...

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Kapitalerhöhungen, Verschmelzungen und Abschiede

Juli wird auch an der Börse heiss Von wegen Sommerflaute: Der Juli 2010 hat es in sich. Praktisch jeden Tag gilt es irgendwo eine Entscheidung zu fällen, oder zumindest auf Dividendenabschlagstage acht zu geben. Beispiel Do & Co: Der Caterer strebt ein Zweitlisting an einer ausländischen Börse an und möchte sich im Zuge dessen eine Kapitalerhöhung genehmigen lassen. Als bevorzugter Börseplatz wird Istanbul genannt. Gleichzeitig werden bei der HV der Raiffeisen International die letzten Weichen für die Fusion mit der RZB gestellt (mehr dazu auf Seite 5). Selbst der letzte Börsetag des Monats wird ein entscheidender - es heisst wohl endgültig Abschied zu nehmen. Denn am

02. Juli 05. Juli 07. Juli 07. Juli 07. Juli 07. Juli 08. Juli 08. Juli 08. Juli 12. Juli 12. Juli 14. Juli 14. Juli 15. Juli 16. Juli 20. Juli 20. Juli 22. Juli 22. Juli 23. Juli 26. Juli 27. Juli 27. Juli 28. Juli 29. Juli 29. Juli 30. Juli 30. Juli

30. Juli hält die noch an der Börse notierte Ch ri s t Wa ter Tech nol ogy (CWT) ihre Squeeze-Out-Hauptversammlung ab, am Unternehmensort in Mondsee. Dabei soll der Gesellschafter-Ausschluss der Minderheitsaktionäre beschlossen werden. Mittlerweile hält die kanadische GLV über ihre in Wien ansässige Tochter Eimco Water Technologies 92,6 Prozent an den Österreichern GLV strebt 100 Prozent an. Dazu sollen die Anteile der restlichen Aktionäre auf die Eimco übertragen werden. Dafür bietet CWT 2,10 Euro je Aktie. Fällig ist diese Barabfindung dann spätestens zwei Monate nach Bekanntmachung der Eintragung ins Firmenbuch. (gill)

Termine des Monats

Agrana VIG Kapsch TrafficCom Agrana voestalpine AT&S EZB Do&Co Raiffeisen Int. voestalpine Teletrader Agrana Kapsch TrafficCom Flughafen Wien Raiffeisen Int. OMV update Software Wolford AT&S Zumtobel Wienerberger Zumtobel Verbund S&T Raiffeisen Int. KTM Erste Group Christ Water

Hauptversammlung Ex-Tag Hauptversammlung Ex-Tag Hauptversammlung Hauptversammlung Zinssitzung Hauptversammlung Hauptversammlung Ex-Tag Hauptversammlung 1. Quartal Ex-Tag Verkehrsergebnis Juni Ex-Tag Trading Statement 2. Quartal 2. Quartal Bilanzpressekonferenz 1. Quartal Hauptversammlung Beginn der Quiet Period Ex-Tag 2. Quartal 2. Quartal Beginn der Quiet Period 3. Quartal 2. Quartal HV zum Squeeze-Out


Donnerstag, 1. Juli 2010

BÖRSE EXPRESS NEWS

Seite 5

Ab Mitte Juli steht Veröffentlichung der CEBS-Bankentests an

Der Stress mit den Tests

menbrechen würde“, weil der Markt ohGrosse Überraschungen nehin deutlich höhere Messlatten für „akdürften ausbleiben - es bleibt zeptable“ Kapitalquoten hat. freilich die Frage, wie aussageInterpretations-Spielraum kräftig die Tests sind und wie Umstritten ist auch die Frage, ob künfernst sie der Markt nimmt. Mitte Juni haben sich EU-Politiker darauf geeinigt, die vom CEBS (Committee of European Banking Supervisors) durchgeführten Stresstests der grossen europäischen Banken (aus Österreich sind Erste Group und Raiffeisen dabei) in der zweiten Julihälfte auf Einzelbasis zu veröffentlichen - seitdem sind Spekulationen im Markt, nicht nur was die Stresstests, sondern auch was das Datum (der 15. Juli gilt als „heiss“) anbelangt. Die Ergebnisse werden das Vertrauen in das System stärken, so die Hoffnung. Dabei kommt es natürlich auch auf die Interpretation der Marktteilnehmer und der Medien an. Eines steht schon jetzt fest: Wer seine Zustimmung verweigert, macht sich vorweg verdächtig, wie es Bank Austria-Chef Willibald Cernko zusammenfasste. Wie aussagekräftig die Stresstests freilich insgesamt sind, wird differenziert betrachtet. So meinte Rainer Münz, Forschungs- und Entwicklungschef der Erste Group, bereits im Oktober des Vorjahres (nachdem das CEBS den ersten Stresstest bei 22 Banken durchgeführt hat), dass der Test nur aussage, ob der Regulator kommt (bei Unterschreiten der gesetzlichen Mindestkapitalerfordernisse). Er sage nichts darüber aus, „ob das Interbank-Geschäft bei so einem Stress nicht sofort wieder zusam-

tige Stresstests das Staatsanleihen-Risiko berücksichtigen sollen oder nicht. Zum einen macht das aus Sicht der Risken im Zusammenhang mit Staatsanleihen aus Griechenland, Portugal und anderen europäischen Ländern natürlich Sinn, zum anderen ist halt wieder umstritten, wie ein von den Aufsehern unterstellter Zahlungsausfall vom Markt gewertet wird. Bill Winters, ehemals Co-Vorstandschef der Investmentbanking-Sparte von JPMorgan Chase, fasste das Dilemma gegenüber Bloomberg TV treffend zusammen: „Jeder fragt sich, ob die Tests Szenarios berücksichtigen, die eine Umschuldung bei griechischen oder anderen Anleihen vorsehen. Wenn ja, dann wissen wir schon die Antwort: Es wird echte Probleme geben. Wenn nein, sind wir nicht sicher, ob wir den Test sehr ernst nehmen können.“ Man kann das Ausmass der diversen Interpretationsspielräume damit erahnen. Was kommt in der zweiten Juli-Hälfte somit auf uns zu? Die zweite Runde der CEBS-Tests (dieses Mal 25 Banken, die für 60% des Banksystems stehen) startete im März. Es gab zwar zuletzt Berichte über eine Ausweitung auf bis zu 100 Institute, es erscheint aber fraglich, dass diese so schnell einbezogen werden und die Ergebnisse ebenfalls noch im Juli veröffentlicht werden können.

CEBS-Tests halten Märkte in Trab „Was die von uns gecoverten Banken anbelangt, sollten die Stresstest-Ergebnisse keine grossen Überraschungen bringen. Die Institute, die wir abdecken, haben rekapitalisiert, und ihre Risken sind unter konstanter Kontrolle des Marktes“, schreiben die Bankanalysten von Goldman Sachs. Zu den aktuellen Kaufempfehlungen zählen etwa Erste Group, Santander, UniCredit und HSBC. Die Analysten der amerikanischen CreditSights haben aus 22 Banken (in diesem Sample sind die Austro-Institute allerdings nicht erfasst) eine „Euro Megabank“ gebildet und diese einem eigenen Stresstest unterzogen. Dabei wurde das kumulierte operative Ergebnis 2009 um 25% reduziert und die Risikovorsorgen verdoppelt. Das Ergebnis variiert von Bank zu Bank, „die meisten Institute könnten diesen Stress mit einer signifikanten, aber nicht dramatischen Reduktion der Kapitalquoten überstehen“ - das aber auf Basis der aktuellen Basel II Regeln, wird angemerkt. Die Verbesserung von im Durchschnitt 200 Basispunkten bei den Kapitalquoten übers letzte Jahr würde in diesem Szenario ausradiert, die Core-Tier1-Quote der „Megabank“ somit von 8,6% auf 6,5% fallen. (bs)

Juli-Highlights für Anleger in Austro-Banken

Fusions-Hauptversammlungen und Halbjahreszahlen Mit Bankaktien war auf Sicht des ersten Halbjahres kein Leiberl zu reissen, insofern hatten jene Experten recht, die zu Jahresbeginn angesichts der wirtschaftlichen und regulatorischen Unsicherheiten meinten, Banktitel müsse man nicht unbedingt im Depot haben. Dennoch klafft die Performance auseinander: RI gab in den ersten sechs Monaten 24% ab, die Erste schaffte

immerhin eine Nullperformance. Ein wichtiger Grund für das schlechtere Abschneiden der RI war die Ankündigung der Fusion mit einem Grossteil der RZB, die anfangs mangels Details für Unsicherheit gesorgt hat und bis jetzt etliche Investoren noch nicht ganz überzeugt haben dürfte. Die HVs von RZB und RI, die die Fusion absegnen sollen, finden am 7. und

8. Juli statt. In der RI-HV könnten zwar durchaus kritische Aktionärsfragen rund um die Bewertung kommen, die Fusion ist aber praktisch durch, hält die RZB doch knapp 73% an der RI. Weiteres Juli-Highlight sind die Q2-Zahlen der Erste Group am 30. Juli. Der Trend bei den Risikovorsorgen und den NPLs wird dabei sicher im Fokus stehen. (bs)


Donnerstag, 1. Juli 2010

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Seite 7

Wichtig im Juli: Vor entscheidendem Komiteetreffen im September muss überlegt werden ...

Umbau des Immo-ATX wird unvermeidbar sein

conwert bietet attraktiv für Eco, CA Immos gehen zusammen, IIA/IEA sind es schon: Dem Immo-ATX gehen die Members aus. Kommen neue Gewichtungsobergrenzen? Neue Titel? Oder geht der IATX sogar im ATX / ATX Prime auf? Klar ist: Beim Immo-ATX stehen in den nächsten Wochen wichtige Entscheidungen an, die letztendlich wohl im Indexkomitee in der ersten Septemberwoche fixiert werden. Die Ausgangssituation: Fixierte und geplante Zusammenschlüsse/Übernahmen bei den grossen Indexmitgliedern (Immofinanz/Immoeast, CA Immo/CA Immo Intl., conwert/Eco) führen dazu, dass in Kürze wohl nur noch fünf Werte vorhanden sein werden: Immofinanz, conwert, CA Immo, Sparkassen Immo und Warimpex. Nun sieht das Regulativ derzeit eine Gewichtungsobergrenze von 20 Prozent vor, was bei fünf Indexmembers ein leichtes Rechenspiel darstellt und eine Maximalgewichtung von allen Papieren (umständlich über Repräsentationsfaktoren, die laufend justiert werden müssten) unterstellt. Es ist nur schwer vorstellbar, dass dies langfristig Bestand haben kann, da ja die Indizes vor allem eine Eigenschaft erfüllen sollen: Sie müssen handelbar sein.

● Neu-Variante 1 ist ... ... dass man die Gewichtungsobergrenze wieder erhöht (Anm.: schon in der Frühzeit gab es Grenzen, die bis 30 Prozent reichten). Das hätte dann zur Folge, dass die Grösse der Indexmitglieder auch im Index wieder abgebildet werden kann. ● Neu-Variante 2 ist ... ... die Variante, die im Grunde logisch erscheinen sollte: Man löst das Problem über zusätzliche Indexembers. Doch wo hernehmen? 2a wäre eine Erweiterung über Börsegänge. Nur: Wie es aussieht, wird da so schnell nichts kommen. 2b wäre eine Erweiterung über bereits gelistete Unternehmen. Hier könnten u.a. eine UBM oder auch die vieldiskutierte Atrium ins Spiel kommen. Freilich müssten etwaige potenzielle Neulinge Grundvoraussetzungen in Bezug auf die Handelbarkeit und das Berichtswesen erfüllen, rein die Branchenzugehörigkeit reicht nicht.

● Neu-Variante 3 ist ... ... die „Brutalvariante“. Dazu die These: Wenn die führenden Immo-AGs eigentlich lieber in den ATX wollen und der IATX ohnedies nur noch schwer darstellbar ist, kann es eine Lösung sein, den IATX aufzulassen. Damit würde auch das Argument „für Immos kein ATX-Platz, weil eigener Index“ wegfallen. Aus heutiger Sicht wären dann Immofinanz, conwert und CA Immo Mitglieder im ATX.

Auswirkungen auf den ATX Die hier gestellten Annahmen sind reine Theorie, es entscheidet das Komitee. Man hört aber, dass hinter den Kulissen bereits viel gemunkelt wird. Klar ist: Kommen die Immos aufgrund dieses Szenarios vielleicht doch in den ATX, ist das Rematch „Palfinger vs. Semperit“ im Grunde bedeutungslos, weil beide den Immos weichen müssten. Das wird aber vermutlich noch nicht im September passieren. (dra)


Donnerstag, 1. Juli 2010

BÖRSE EXPRESS NEWS

Seite 8

Emissionen Mit A-Tec und den Casinos Austria International kommen zwei neue Bonds

Der Anleihenmarkt gibt auch im Juli keine Ruh’

Bond-Emissionen machen derzeit Freude: Josef Leutgeb (CFO CAI), Patrick Butler (RZB-Vorstand), Paul Herzfeld (CEO CAI), Michael Bures (Head of Debt Capital Markets Corporates RZB)

Mehr - aber weniger. Österreichs Corporate Bonds-Emissionen werden zahlreicher, die Volumina dafür kleiner. Österreichs Anleihenmarkt erlebte im ersten Halbjahr eine Metamorphose - aus gross werde klein. Scheinbar vertrauen grosse ATX-Konzerne wieder verstärkt darauf, dass sie sich nach einer längeren Durststrecke auch per Aktien finanzieren können. Zumindest deuten die bereits bekannten Kapitalerhöhungswünsche bei Verbund und EVN darauf hin. Ausserdem haben die Grossen, wie Telekom, voestalpine oder OMV, sich bereits im Vorjahr massiv mit Cash vom Anleihenmarkt eingedeckt. Mit in Summe neun Emissionen im ersten Halbjahr wurden im Schnitt 365 Mio. Euro emittiert - im Juli kam dann noch die Bewag dazu, die den Schnitt auf etwas über 350 Mio. drückte. Heuer haben wir im selben Zeitraum mehr Emissionen, diese aber vor allem von kleineren Unternehmen, mehrheitlich diesmal sogar aus dem nicht-börsenotierten Bereich. Daher fallen auch die Volumina geringer aus. In Zahlen: Zehn Emissionen im ersten Halbjahr - börse-

notiert waren OMV, conwert, UBM und Strabag - kamen auf ein durchschnittliches Volumen von 155 Mio. Euro.

Kupfer und ... Mehr Emissionen als im Vorjahreszeitraum sind auch bereits für Juli fix: Die A-Tec nimmt mit ihrer geplanten fünfjährigen Anleihe (Zeichnungsfrist bis zum 5. Juli) Privatinvestoren stärker ins Visier. Denn das Nominale wird sich auf 1000 Euro belaufen. Die im November dieses Jahres auslaufende A-TecAnleihe wies noch eine Stückelung von 10.000 Euro auf. Der Mischkonzern mit starkem Kupferstandbein beabsichtigt, den Nettoerlös aus der Emission zur Refinanzierung des heuer fälligen 5,75% Bonds (100 Mio. Euro) zu verwenden, ein diesen Betrag allenfalls übersteigender Erlös soll für „allgemeine Unternehmenszwecke“ verwendet werden. A-Tec hat derzeit zusätzlich zwei Wandelbonds (beide mit Laufzeit bis 2014) ausstehen. Käufern der Anleihe wird ein Kündigungsgrund eingeräumt, wenn sowohl das maximale Nettoverschuldungs-/EBITDAVerhältnis als auch die Mindesteigenkapitalquote verletzt werden. Das Nettover-

schuldungs-/ EBITDA-Verhältnis darf 4,0 nicht überschreiten. Die Mindesteigenkapitalquote muss zumindest 12 Prozent betragen. Die bei der 2005er Anleihe vorgesehene Klausel, wonach auch ein Kündigungsrecht besteht, falls die Eigenkapitalquote (nach IFRS) durch eine Dividendenausschüttung unter 20 Prozent fällt, ist bei der aktuellen Emission nicht vorgesehen.

...Casinos Ebenfalls an den Kapitalmarkt wendet sich die Casinos Austria International (CAI). Die siebenjährige Anleihe wird voraussichtlich einen Kupon von 5% ausweisen. Das teilt Leadmanager RZB mit. Die Anleihe hat eine Laufzeit von fünf Jahren und richtet sich an Privatanleger und institutionelle Investoren. Das Volumen beträgt 120 Mio. Euro mit einer Aufstockungsmöglichkeit auf 150 Mio. „Mit den Erlösen wird Casinos Austria International das Tilgungsprofil optimieren und Spielraum für neue Standorte und innovative Produkte schaffen“, sagte Josef Leutgeb, CFO von Casinos Austria International, anlässlich der Präsentation des Bonds. Die Zeichnungsfrist der neuen Anleihe der Casinos Austria International läuft bis 5. Juli. (gill)


Donnerstag, 1. Juli 2010

BÖRSE EXPRESS ATX ATX 2256.37 ATX Prime 1075.49 Titel Kurs [Euro] Andritz 46.82 bwin 35.39 Erste Group Bank 26.16 EVN 12.15 Flughafen 42.99 Intercell 15.03 Mayr-Melnhof 72.18 Post 19.82 OMV 24.49 Raiffeisen International 30.04 RHI 18.96 Schoeller-Bleckmann 37.30 Semperit 28.00 Strabag 17.59 Telekom Austria 9.09 Verbund 25.13 Vienna Insurance Group 33.99 voestalpine 22.20 Wienerberger 10.17 Zumtobel 13.83

Immobilien -0.98% -0.99% Diff. [%] Volumen [Stk] 1.78 44687 -2.61 39289 -0.73 454429 -0.81 41074 -0.17 9011 -1.82 188498 -0.78 3019 -1.58 39252 -0.99 268757 -4.58 545497 -1.98 57765 -0.06 2181 -0.19 10982 -0.95 23717 -0.44 197647 -0.09 245092 -0.84 26911 -1.79 358599 1.14 190288 -0.18 18216

BEX Titel Kurs [Euro] A-Tec Industries 8.19 Agrana 66.36 AT+S 10.30 Beko 2.65 Bene 1.21 Brain Force 1.05 BWT 18.70 C-Quadrat 11.77 Century Casinos 1.81 Christ 2.22 Constantia Packaging 43.50 DO&CO 19.55 Frauenthal 7.20 Hirsch Servo 30.15 JoWooD 5.10 Kapsch TrafficCom 28.34 KTM 18.50 Palfinger 17.50 Pankl 11.70 Polytec 2.73 Rosenbauer 30.00 S&T 10.01 UNIQA 13.84 Wolford 15.01

Seite 17

Diff. [%] Volumen [Stk] -3.41 10359 -0.18 1077 -1.90 11823 0.00 5810 -3.12 26764 -3.66 600 0.97 364 0.00 250 -0.43 500 2.77 4300 0.00 200 0.30 1 -1.89 1000 0.00 130 -8.92 3256 -3.11 3374 -2.63 100 -3.20 6104 2.45 3377 0.03 4777 2.04 344 -0.39 2195 -2.36 1100 -0.46 4120

Titel

Update: 14:13 Kurs [Euro]

Atrium CA Immo International CA Immo conwert ECO Business-Immobilien Immofinanz Sparkassen Immobilien Warimpex

3.50 6.46 8.42 8.36 7.09 2.11 4.89 1.81

Diff. [%] Volumen [Stk] -1.49 -0.60 -1.57 -2.59 9.92 -0.65 0.47 -1.30

88969 440 86088 43993 424820 3824725 50478 51548

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Kurs [Euro] 18.59 1.10 11.77 7.09 310.60 1.98 15.80 0.89 2.61 3.35 2.13

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Die grossen Börsethemen im Juli 2010  

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