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BAUER


sachlichkeit in österreich

- Lois pregartbauer

Lois Pregartbauer rst einer der wichtigsten Maler der Neuen Sachlichkeit in österreich und repräsentiert Stile und Themen des Wiener Malermilieus der Zwischenkriegszeit auf uberaus typische

Werse' Dre Generalthemen der Ara zeigten einen programmatisch"nRr.ktrg auf das Subjekt, Persönliche, Naheliegende. Nach den großen Historieribildern der Vakart-Zeit und den bewegenden Allegorien der Klimt-Schrele-Ara vor dem Ersten Weltkrieg, ging es ab lg lg um andere Sujets und eine andere kunstlerische Wahrnehmung. Nicht mehr cie wält sollte erklärt werden, sondern das Einzelschicksal, das in jenen Jahren nichl selten existenziell in Frage gestellt wan Das Mittel derWahl war^zunächst der Expressionismus, der mit kubistischen ni."tr,errngen versehen - zwischen l9l8 und den frühen l97Oer Jahren den Mainstream moderner Malerei rn Österreich ausmachte. Schon bald folgte jedoch oie Üoerwindung der ekstatischen Malerei zugunsten verschiedener klassizierender und kontemplativer Stile. Für die Kunstwissenschaft ist es immer noch eine Herausforderung, die exakle Provenienz der einzelnen ,,sachlichen,, posrtionen daaustellen. Denn sie stammten aus vielerlei verschiedenen Kontexten - zwischen einfachem Konservatismus und beißend realistischer sozialkritik, spannt sich ein weites Speldrum sachlicherAuffassungen, das auch verschiedene spielarten des Klassizismus zwischen poetisch und formalrstisch erstarrt beinhaltet. Dazu kommt noch der weltanschauliche Hintergrund, der die Kunst gerade rn jenen Jahren der politischen Radikalisierung Furopas beeinfl usste. stiliitische Entscheidungen wurden daher oft auch als politische Bekenntnisse mrssverstanden - ein problem, das einer korrekterr Beurteilung der Kunst der Zwischenkriegszeit noch heute oft im Wege steht.

Frau mitApfel: Archrv der Secession

Als Lois Pregartbauer; der als Maler Autodidakt ist und neben der Kunst stets einen Zivilberuf bei den Wiener Verkehrsbetrieben ausubte, öffentlrch auszustellen begann,


hatte sich die Moderne in Wien gerade im Sinne einer zaghaften öffentlichen Akzeptanz zu elablieren begonnen, Die Pionierphase der Secession war vorbei, auch die ,,Skandale" der ersten Expressionisten Egon Schiele und Oskar Kokoschka waren schon Geschichte. Der Künstlerbund Hagen, der 1900 als liberaler Gegenpart zur Secession gegründet worden wan diente als breite Plattform fast aller moderner Strömungen. Die Moderne sollte nun gesellschaftlich auch in der Mittelschicht verankert werden und nicht mehr ausschließlich auf die Zuneigung der wohlhabenden Klassen angewiesen sein, Pregartbauer stellte im Hagenbund ab den frühen l930er Jahren aus, bevor derVerein von den NS-Behörden aufgelöst wurde.Während der NS-Zeit gehörte er dem Künstlerhaus an, danach war er Mitglied der Secession. PregartbauersVariante der Neuen Sachlichkeit fiel im Zuge der,,Wiederentdeckung" der Kunst der Zwischenkriegszeit in den vergangenen drei Jahrzehnten auf weil sie auf ungewöhnlich poetische und kontemplative Weise die Zeitstimmung reflekliert. Wenn ihm auch die Grandezza anderer neusachlicher Maler Österreichs wieVictor Planckh, Franz Lerch, Ernst Nepo, Maximilian Reinitz oder Otlo Rudolf Schatz sowie die veristische Schärfe der magischen Realrsten Rudolf Sedlacek und RudolfWacker fehlt, so zeigt er doch eine anziehendeVertrautheit mit dem künstlerischen Potential von Stadtbildern und Ländschaften.Wien, die ländliche Szenerie Österreichs und die nahen mediterranen Motive vor allem ausVenedig - dieser übersichtliche Kreis des damals Möglichen und Denkbaren war sein Aktionsfeld, Darüber hinaus gibt es auch eine Reihe sehr zeittypischer Akte in verschiedenen Techniken.

Wie kann Pregartbauers Stil positioniert kte verfolgte er? Bei d.en Landschaften zeigen sowohl die Olbilder als auch die Arbeiten auf Papier oft einen weichen Grundton, der dem vom Künstler favorisierten Pastell zu entstammen scheint. Einige Bilder entschließen sich jedoch zu mehr Schärfe wie etwa seine bekannte Dame am Fenster (1929) oder die werden, welche An

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Straßenbild: Archiv der Secession

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Stadtlandschaft der Wiener Maroltingergasse ( I 930). ln diesen

Bildern werden Körper und Bauten auf rerativ scharfl<antige geometrische Grundkörper reduziert. Das machte ihren Reiz als ,,neusachliche" Werke aus und beförderte sie in die Reihe der oft ausgestellten Lieblingswerke jener periode. Wie ,,sachlich" oder; umgekehrt gefragt, wie malerisch sind diese Werke aber wirklich? Das genauere Hinschauen lohnt: übergänge und Modellierungen im lnkarnat der Dame sowie ställeÄweise

unscharfe Konturen und grafische übe.,eichnungen der Stadtlandschaft zeigen, dass pregartbauer eher sinnlich Js sozralkritisch orientiert wa. Noch deutlicher wird das in den Zeichnungen. Akte und Venedig-Veduten zeigen tonige verwischungen, strichüberragerungen und freie -Must", o," mehr die. Lust am Malen als eine typisch sachliche Disziplin Blumen und spielzeug am Fenster demonstrieren. Dazu kommt noch, dass sich der Künstler gerade beimvenedig-Motiv so manche Freiheit nahm Markuslplatz und salute-Kirche sind viel näher aneinanderg"iu.kt als in Wirklichkeit und zudem aus einer Luftperspektive gesehen, die man nur mit einäm statischen Fluggerät erreichen könnte. Dieser freie Umgang weist in die Nachkriegszeit, als Pregartbaue, ur.h- im Metier des Grafik-Designs wirkte und - wie schon in den lg3oern zahlreiche plakate schuf -

Für Pregartbauer war die Kunst sicherlich kein Erweckungspro1ekt, sondern eine liebevolle Beschreibung seiner Lebenswelt. Die Stimmungen drücken auch die Sehnsucht nach einer übersichtlichen Welt aus und vermeiden jede soziälkritir in der Art der engagierten Kunstler jener Jahre wie etwa Otto Rudolf Schatz. Aber auch dieser Kunstbegn:ft" ist typisch für die Zwischenkriegszeit - die Neue Sachlichkeit konnte bekenntnishaft sein äder auch'auf eine gedie-

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gene Weise die Alltagskultur bereichern. So gesehen repräsentiert pregartbauer auch eine Sehnsucht jener turbulenten Zeit nach annehmbaren kulturellen Verhältniisen, die mit subtilen Mitteln ausgedruckt wird. Es ist ein Aufruf zur klaren Sicht auf eine im Grunde positive Welt.

Matthias Boeckl


LOIS PREGARTBAUER r899

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OLBILDER UND ARBEITEN AUF PAPIER

Stadtmuseum Hollabrunn ,,Alte Hofm端hle"

24. September bis 26.

Oktober 201 I

Lois Pregartbauer  

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