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EUROPAS GRÖSSTES KLEINE ELECTROZINE

Covenant < Drei sind keiner zu viel <

0.00 < Februar/März 2011

Combichrist < Hat Respekt vor den Alten Unheilig < Ist der Dioxin-Eiermann Silvio Berlusconi < Mehr geht nicht in einem italienischen Leben Schwefelgelb < Cool, aber maulfaul Marlene Dietrich < Hat noch einen Koffer in Berlin Combichrist < Hat Respekt vor den Alten Julien Assange < Was geht uns der Spacko auf den Sack 20 Jahre einig Deutschland < 20 Jahre ohne Mauern - neue Serie vom Stronz-Chef Lutz Lüdelsheimer

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EUROPAS GRÖSSTES KLEINE ELECTROZINE

Covenant < Drei sind keiner zu viel <

0.00 < Februar/März 2011

Combichrist < Hat Respekt vor den Alten Unheilig < Ist der Dioxin-Eiermann Silvio Berlusconi < Mehr geht nicht in einem italienischen Leben Schwefelgelb < Cool, aber maulfaul Marlene Dietrich < Hat noch einen Koffer in Berlin Combichrist < Hat Respekt vor den Alten Julien Assange < Was geht uns der Spacko auf den Sack 20 Jahre einig Deutschland < 20 Jahre ohne Mauern - neue Serie vom Stronz-Chef Lutz Lüdelsheimer

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BODYSTYLER bedankt sich bei TORBEN SCHMIDT, bester Werder-Fan und INFACTED RECORDINGS-Labelchef, f端r seine ehrliche und unentgeltliche Meinung! Mehr BODYSTYLER-technische Electro-Akustik gibt es auf www.ELECTROZINE.net

/ / E l e c t r o Z i n e. n e t

-

An die Leser

Mit etwas Verzögerung und vielen ausgesuchten Themen, die zwar schon jeder kennt, wovon aber niemand weiß, liegt

a wie immer voll im Trend. Denn trendy ist, sein Ding zu machen, sich Zeit zu nehmen - auch wenn‘s

42 Jahre dauert, bis die anderen merken, dass da was nicht stimmt. In der Ruhe liegt nun mal die Kraft. In diesem Sinne: Viel Spaß (und Ruhe) beim Lesen! Das wünscht sich Euer

Facebook.com/bodyhorst

Diese Ausgabe als

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a ElectroZine erscheint Bundes-, Europa- und sogar Weltweit  0331 - 2 32 41 72 Chefredaktion: Bodyhorst Stellv. Chefredaktion: Marshall Wenn der auch nicht da ist: M. P. T. Buik Email: bodystyler@electrozine.net Internet: Electrozine.net Anzeigen & Werbung: Diana Stephan E-Mail: werbung@electrozine.net Layout, Satz, Grafik: Marshall (Cover-)Illustrationen: © Norman Winter a -Logo & Font: © Hellograph.de Mitarbeiter & Redakteure dieser Ausgabe: Bodyhorst, Marshall, Norman Winter, M. P. T. Buik, Diana Stephan, Frank Bentert, Stefan Brunner, Lutz Lüdelsheimer, Steffen Leuthold, Ivo Klassmann, Manfred Thomaser, Kaaja Hoyda, Torsten Pape, Stefan Reißmann, Frank Stadtler, Daniel Theberat, Daniel Jahn, Bert Grögor, Catrin Nordwig, Sandro Corvini Wichtiges: BODYSTYLER Electrozine erscheint kostenlos. Die Verteilung findet Bundes-, Europa- und sogar Weltweit statt. Alle Angaben ohne Gewähr. Verlosungen sind vom Rechtsweg ausgeschlossen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der #41 ] kommt bestimmt! Redaktion wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Dokumente, Fotos u.ä. wird keine Haftung übernommen. Die nächste Ausgabe [

a

Covenant Drei sind keiner zu viel Kaum ein Album im Electrobereich wurde in letzter Zeit wohl so sehnsüchtig erwartet wie „Modern Ruin“, das neue Werk von Eskil Simonsson, Joakim Montelius und Daniel Myer. Vor allem aufgrund des Beitritts von Herrn Myer war man gespannt, wie sich dies wohl auf den Gesamtsound des Albums auswirken mochte. // Interview: Julia Beyer //

108

54

38

56

Silvio Berlusconi

Schwefelgelb

Julian Assange

schluckt Popel nicht nur mit einem Espresso Grande runter, sondern steht auch für den Italian Dream. Korruption hier, Amtsmissbrauch da, und abends immer schön die Minderjährigen aufstecken: Unser Gewinner des Monats!

sind angehende Popstars und als solche üben sie schon mal das Prozedere des »dermaßen im Stress sein«. So brauchen sie nämlich nicht auf fragwürdige, aber im Grunde einfache Fragen, wie welche von BODYSTYLER, antworten.

Was geht uns der Spacko auf den Sack! Bis vor einem Jahr kannte noch nicht mal der Urenkel von Konrad Zuse diesen gelackten Hacker-Vollpfosten. Unser Verlierer des Monats!

Neue Serie: Deutschland, deine Kinder 20 Jahre ist Deutschland nun einig Vaterland. 20 Jahre, in denen Mauern abgetragen, Minen ausgebuddelt und Bananen mit den selben braunen Flecken in alle Teile des Landes verschifft wurden. Stronz-Chef Lutz Lüdelsheimer war mehrere Stunden im Internet unterwegs, um ein bedrückendes Bild der sogenannten Deutschen zu zeichnen. Teil 1: Niedersachsen

74

Themen der Ausgabe

 = B e s c h i s s e n / /

 = N i c h t B e s c h i s s e n / /

Edge Of Dawn

Laudanum

Bunny Lake

Stage Fright

Beyond The Doctrine

Army Of Lovers

166|

186|

156|

Seit 03.12. // Dependent // EdgeOfDawn.de

S e i t 2 6 . 1 1 . / / Fo r m a l h a u t / / L a u d a n u m - M u s i c. d e

S e i t 2 8 . 0 1 . / / U n i v e r s a l / / B u n n y L a k e. n e t







Elias Matt & (the) Rescue Mission

Ghost & Writer

Die Krupps

Achtung, Alpha!

Shipwrecks

Final Option & Final Option (Remixed)

148|

Mit der Anzahl ihrer bisherigen Veröffentlichungen gewinnen Edge of Dawn wahrscheinlich keinen Blumentopf, mit der Qualität ihrer Songs hingegen heimsen die Jungs immer wieder reichlich Lorbeeren ein. Es muss schon ein schweres Los sein, so viel musikalisches Talent in sich zu tragen, aber einfach keine Zeit zu finden, um es in Songs manifestieren zu können. Doch genug des Mitleids, denn 2010 war ja bekanntlich musikalisch wieder ein gutes Jahr für Band und Fans. Nach dem neuen Album liefern EoD in gewisser Tradition nun wieder eine EP hinterher. Die stellt neben sehr abwechslungsreichen und harmonischen Mixen auch noch zwei bisher unveröffentlichte Songs bereit. Ist dies vielleicht als indirekte Entschuldigung an die Fans zu deuten, weil neues Material so lange auf sich warten ließ? Wir wissen es nicht! Auf jeden Fall sagen wir danke und erkennen, dass die Warterei manchmal eben doch lohnt. Anspieltipp: Capsized (Frank Bentert)

Sieben lange Jahre hat es gedauert, bis der Nachfolger zum wunderschönen Album „Blinded“ das Licht der Welt erblickt. Die lange Tragezeit hat sich jedoch gelohnt, erstrahlen die elf Songs doch in einem nahezu perfekten Glanz. Auf synthetischem, mal atmosphärischen, mal beschwingterem Unterbau entfaltet sich eine Mischung aus wohlig wavigen Gitarren, sorgsam ausgewählten Soundschnipseln und Filmsamples sowie einer sehr angenehmen Männerstimme. Alles hat eine Bedeutung, nichts erscheint überflüssig und es macht einfach Spaß, den vielen Details seine Aufmerksamkeit zu widmen. Man kann sich auf dieser stimmungsvollen, oft melancholischen Musik aber auch einfach nur treiben lassen. Bin dann mal wieder weggetrieben. (Torsten Pape)

Da will man gerade wieder mit all den überschwänglichen Gefühlen abschließen und dann haucht dir plötzlich Suzy On The Rocks mit filigraner Raffinesse jegliches Trübsal nebst Rationalität aus dem Hirn. Euphorisch verstärkt werden die Gefühlsturbulenzen durch JBAG‘s Hot Pop-Remix, für noch mehr Kontraktionen sorgen das A.G.Trio und Pola-Riot. Der Ex-Schweizer Seelenluft macht letztlich noch seinem Vornamen Beat alle Ehre, er findet den perfekten vom Reiz hin zum Impuls. Diese Army ist auf dem Vormarsch in die Clubs, es ist nun dein Song und zwischenmenschliche Neurosen werden ab sofort auf der Tanzfläche geschmeidig mit Füßen getreten! (Ivo Klassmann)

Der Berliner Elias Matt und seine Band (the) Rescue Mission legen mit „Achtung! Alpha“ ein Album vor, das bewusst retrospektiv klingen soll. So hat man sich bei der Produktion jeglichen modernen Einflüssen entzogen und ausschließlich mit analogem Equipment produziert. Herausgekommen ist eine solide Pop-Platte, die zwar eingängig, insgesamt aber etwas zu akademisch und offensichtlich bemüht geraten ist. Elias Matt und Band haben ihre Helden ausführlich studiert, jedoch können sie ihre Songs kaum mit eigenem Leben füllen. Durch die erzwungene Retro-Attitüde und die mangelnde Farbigkeit schaffen es die Arrangements nicht, auf Albumlänge zu überzeugen. Am Ende bleibt „Achtung! Alpha“ ein durchaus ambitioniertes, aber dennoch durchschnittliches Werk, dem es durch seine Gleichförmigkeit und Berechenbarkeit leider an Seele fehlt. (Sally Nope)

134|

Hinter diesem Projekt verbergen sich Weathermen Jimmyjoe Snark III und Seaboundund Edge of dawn-Sänger Frank M. Spinath. Das Album ist eigentlich mehr eine Zusammenfassung von bereits auf EP veröffentlichten Stücken und Remixen und anderem bekannten, aber eben auch neuem Material. Genug der Klugscheißerei. Die CD ist nämlich total knorke. Denn schließlich hat sich Jimmyjoe schon immer abseits aller EBM-Trampelpfaden bewegt und auch für Ghost & Writer hat er höchst melodische und pulsierende Kleinoden erschaffen. Die Bandbreite reicht von beschwingt tanzbaren Songs bis zu tiefgründigen musikalischen Roadmovies, denen aber allen eine lyrische Tiefgründigkeit zugrunde liegt. Durch die unverwechselbare, großartige Stimme von Spinath werden diese stark wie Popeye. Kein Wunder, dass die Creme de la Creme der elektronischen Szene wie Iris, File not Found oder Edge of dawn deshalb hörenswert die Remix-Olivia mimt. (Spider)

124|

Seit 11.02. // Wannsee // EliasMatt.de

S e i t 2 8 . 0 1 . / / D e p e n d e n t / / G h o s t A n d W r i t e r. c o m

A b 2 5 . 0 2 . / / S y n t h e t i c S y m p h o n y / / D i e - K r u p p s. d e







Neutral Lies

Nothing To Fear

Liquid Divine

A Deceptive Calm

Prepared Lies

Sojourner EP

176|

140|

44|

S e i t 2 8 . 0 6 . / / B o r e d o m P r o d u c t / / N e u t r a l L i e s. o n l i n e. f r

A b Fe b r u a r 2 0 1 1 / / M P M / / N T F / / N o t h i n g To Fe a r. d e /

Ab 18.02. // Infacted Recordings





Ohne Wertung

Das Duo kommt aus Frankreich. Ein Land, mit einer riesigen elektronischen Szene, die es dort aber genauso schwer hat, wie die bei uns in Deutschland. Musikalisch erinnert das schon recht stark an die ganz frühen Depeche Mode, ohne, dass die Platte aber nun veraltetet klingen würde. Produziert hat das Ganze einer von Celluloide, der vielleicht besten Band dieses Landes im Bereich elektronischer Musik. Insgesamt sind auch die schnellen Stücke nicht aggressiv produziert, so dass das Album einigen dann doch zu soft sein könnte. Besonders in der heutigen Zeit, da die Jugend gerne stupides Gewummer hört. Für alte Menschen wie mich genau richtig, gefällt mir die CD nach mehrmaligem Hören immer besser. Zudem ist der Bandname einfach klasse. Für Oldschooler ein kleiner Geheimtipp, den es bislang aber vermutlich nur im Ausland zu erwerben gibt und ich bezweifle auch, dass diese CD in Deutschland je erscheinen wird. (Chucky)

12

Sie verbinden Oldschool-EBM, Synth-Pop und 80s-Harmonien mit zeitgemäßen Düster-Electro: die süßen Boys von Nothing To Fear kennen sich seit ihrer verpickelten Schulzeit in Luckenwalde und haben sich in ihrer über 10-jährigen Historie den Ruf der zweitbesten Electro-Band Brandenburgs erspielt. Auf „Prepared Lies“ klingt die Band taufrisch, gewaltig kraftvoll und erstaunlich erwachsen. Wo wir beim Wachsen sind: Die Synthie-Parts erinnern stellenweise an And One, was jedoch nicht beabsichtigt scheint. Bei NTF hat unüberhörbar eine Weiterentwicklung stattgefunden. Das Album macht von Anbeginn richtig Spass. Die Tracks treiben an, greifen zahnradmäßig ineinander und haben im Vergleich zum früheren Album weniger Brüche zwischen Harmonie und Gesang. Der Klavier-Part bei „The Road We Went“ beweist es - dieses Werk schufen Musiker und nicht einfach nur Tastendrücker. Dieses Resultat begeistert. Damit könnten NTF die Könige der Brandenburger Electro-Szene vom Liegestuhl verdrängen. Wer auch immer das ist. (Sir Raze)

Niemand wird bestreiten können, dass 1993 mit dem vorliegenden Album ein Meilenstein des Electro-Gitarren-Crossovers erschien. Dieses Werk knallt bis heute gewaltig und punktet zudem mit enormer Hitdichte. Keine Frage also, dass die Wiederveröffentlichung mit aufpoliertem Sound und tollem Layout/Booklet mehr als gerechtfertigt ist. Obendrauf gibt es einen Bonus-Silberling, dessen Hauptanteil aus den Stücken der 1994 folgenden „The Final Remixes“-CD besteht. Hier wird der Crossover-Gedanke auf die Spitze getrieben, und nicht alles ist folglich für jedes Ohr gut hörbar. Allein jedoch die Tatsache, dass es sonst kaum Remixarbeiten von Andrew Eldritch oder FM Einheit von den Neubauten gibt, ist schon wieder ziemlich cool. Fünf damals enthaltene Versionen von älteren Songs wurden übrigens konsequenterweise durch vier rare Remixe von „Final option“-Tracks ersetzt. (Torsten Pape)

7 Songs präsentieren uns „Liquid Divine“ auf der „Sojourner EP“, die auf 500 Stück limitiert ist. In 3 verschiedenen Versionen ist der hammergeile Titelsong „Sojourner“, gesungen von Frank Spinath (Seabound), vom letzten Album „Autophobia“ vertreten. Dazu zeigen die verschiedene Mixe der anderen Songs und das (unveröffentliche?) Stück „Die To Meet You (Parasite Remix)“ wie vielseitig die Band aus Sachsen ist. Ich kann diese EP nicht nur Musikinteressierten, die die Band noch nicht kennen, empfehlen, sondern auch Fans von „Liquid Divine“. 1.) weil limitiert, 2.) weil gute Songauswahl und 3.) weil geil! Mir persönlich hilft die EP die Wartezeit auf den nächsten Haujobb-Release zu verkürzen und das ist nicht nur wegen dem Remix von Dejan S.. Danke! (Junk Schmidtskatze)

a

# 4 0 / / 0 2 / 0 3 . 2 0 1 1 / / E l e c t r o Z i n e. n e t /

Covenant Modern Ruin

108|

Covenant sahen schon immer älter aus als ihre Genrekollegen - und sie klingen auch auch so. Erwachsenenelectro, der cool daherkommt, aber manchmal jugendlich ausbricht, wie zum Beispiel auf der Vorabsingle „Lightbringer“ oder bei „Get On“. Um aber allerdings das komplette Album für sich zu entdecken, muss man es wohl öfter hören. Doch wer hat in diesen Tagen noch die Zeit, sich ein Album, das einen nicht sofort vonne Socken haut, mehrmals anzuhören, bis man Kafferänder unter den Augen hat? Von moderndem Urin..., äh, Modernen Ruin kann man aber wirklich nicht sprechen. Steht halt Covenant drauf, ist also auch drin. Das limitierte Album ist sicher auch interessant und auch erwähnenswert (obwohl sie dem Tester-Ohr nicht vorlag). Da gibt’s nämlich den (echt guten) Titeltrack des Kinofilms „Wir sind die Nacht“ als Maxi obendrauf. Dufte! (Daniel Theberath) 

108|

Seit 14.01. // Synthetic Symphony

Wer hat, der kann! — sagt der Volksmund. Angewendet auf die schwedischen Dancefloor-Hymnen-Designer, könnte diese Aussage als Beschreibung der Qualität, die sie seit so vielen Jahren liefern, treffender nicht sein. Auf Modern Ruin wird dies deutlicher denn je. Gesanglich zwar zurückhaltender als frühere Werke, dafür musikalisch und kompositorisch aber umso voluminöser, ausgeklügelter und schlicht weg fantastischer, präsentiert sich das neue Album. Ob und inwiefern dieser qualitative Zuwachs auch der Mitwirkung von Daniel Myer zu verdanken ist, der nun auch bei Covenant agiert, mag an dieser Stelle unbeurteilt bleiben. Der versonnene, fast schon meditative Charakter der Songs, lässt sich jedoch durchaus auch als für ihn typisch interpretieren. Aber egal warum, wieso und weshalb, Modern Ruin ist der Aufbruch in eine neue musikalische Zeitrechnung - nicht nur für Covenant. Wer hat, der kann! (Frank Bentert) 

13

/ / E l e c t r o Z i n e. n e t

-

Brisant

Newschool vs. Oldschool

Andy LaPlegua hat Respekt vor den Alten Te x t : C a t s e / /

E

Fotos: Pluswelt Media //

inige erinnern sich vielleicht daran, wie Andy

Band, die mich zur elektronischen Musik gebracht hat.

LaPlegua im Jahr der Nitzer Ebb-Reunion auf dem

Das erste Mal, als ich mit ihnen in Kontakt kam, das war

WGT schnellstens nach seinem eigenen Auftritt

zur `Big Hit`-Zeit 1989, habe ich eigentlich Punk gehört.

im Werk II rüber die Agra Halle spurtete, um dem bis da-

Ich war fasziniert, weil das, was sie machten, eigentlich

to denkwürdigsten Ereignis der EBM-Szene beizuwoh-

auch Punk war, nur eben elektronisch. Ich fand es to-

nen. Klar, dass die angekündigte gemeinsame Tour von

tal cool, dass man auch auf diese Weise so brutal und

Nitzer Ebb und Die Krupps sowie deren geplante Split-

rau klingen und diese `Fuck You`-Einstellung transportie-

CD da auch nicht spurlos an ihm vorüber geht: »Natür-

ren konnte, wie Punk es tat. Durch Nitzer kam ich dann

lich interessiert mich das noch! Nicht zuletzt, weil Doug-

zu Ministry und schließlich zu Acts wie The Klinik. Die

las, Bon und Jason von Nitzer Ebb gute Freunde von uns

Krupps habe ich damals, Anfang der 90er, sogar selber

sind. Ich denke auch, dass sie noch immer Pioniere sind

noch gebucht, in meiner Heimatstadt in Norwegen. Da-

und auch jetzt noch wirklich originale, authentische Plat-

her habe ich natürlich noch immer eine Menge Respekt

ten veröffentlichen. Für mich waren Nitzer Ebb auch die

für die Oldschool-Bands!“ //

18

a

wc

# 4 0 / / 0 2 / 0 3 . 2 0 1 1 / / E l e c t r o Z i n e. n e t /

Vo r d e m » j u n g e n Vo l k « a n s c h e i n e n d weniger Respekt: LaPlegua

19

// // A E luefczt端rgoeZ i n e. n e t

22

-

Brisant

a

# 4 0 / / 0 2 / 0 3 . 2 0 1 1 / / E l e c t r o Z i n e. n e t /

Unheimlich:

Hier kommt der Dioxin-Eiermann Te x t : T h e B e r t / T h e H o r s t / /

D

Foto: Eric Weiss //

ie Gelddruckmaschine »Bernd« hat mit seiner

ve bestückt sein. BODYSTYLER schlägt vor: eine Neuin-

unheiligen, aber stets weihnachtlichen Winter-

terpretation von „Hier kommt der Eiermann!”, in einer

Edition seiner Durchbruchswundertüte „Große

geleierten Version des 80er Jahre Hits von den musika-

Freiheit” Umsätze gemacht - davon träumt jeder Spar-

lisch ähnlichen wie einfachen Fast-Namensvettern Klaus

markt. Jetzt geht das Gerücht um, dass - des Geldes we-

& Klaus. Graf Koks könnte das ruhig mal bringen. Wür-

gen - eine weitere unheimliche Edition ins Haus steht:

den wir ihm abnehmen. Auch die Eier. Übrigens: Peter

die Oster-Edition! Diese soll demnächst auf RTL II bis VI

Maffay‘s Sänger des Jahres ist Unheilig! Das zumindest

ohne Kontaktlinsen beworben, und aus Imagetechni-

meinte der kleine Rumäne er auf der Pressekonferenz

schen Gründen mit weiteren Schlagern aus der Konser-

zum Echo. //

Hat noch so einige (faule) Eier im Koffer: Graf Bernd

23 13

wc

/ / E l e c t r o Z i n e. n e t / e v e n t

26

-

J 채 g e r m e i s t e r W i r t s h a u s To u r 2 0 1 1

a

# 4 0 / / 0 2 / 0 3 . 2 0 1 1 / / E l e c t r o Z i n e. n e t /

27

/ / E l e c t r o Z i n e. n e t

-

Event

R a v e P u n k , E l e c t r o u n d d a z u e i n K r ä u t e r s c h n a p s : P r o x y u n d T h e S u b s ( u . ) b e i d e r W i r t s h a u s - To u r 2 0 1 1

17. März, Köln:

Jägermeister Wirtshaus Tour

N

ach dem grandiosen Startschuss der Jägermeis-

nes und jeder Menge Kneipenspiele verbringen. Dazu

ter Wirtshaus Tour 2011 am 17. Februar in der

hat sich der Kräuterschnaps das belgische Punk-Rave-

Berliner Jägerklause, steht auch schon die zwei-

Trio The Subs und den russischen Electro-Held Proxy ins

te Runde auf der Party-Bestellung. Es geht nach Köln! Am

Boot geholt. Gemeinsam mit ihren Fans werden sie einen

17. März wird die neue Eventreihe in der Kölner Schän-

Abend mit Spiel, Spaß und Action erleben, bevor sie die

ke „Dom im Stapelhaus“ gastieren und mit knapp 450

Wirtshaus-Party auf der Bühne zum Überkochen bringen.

Gästen einen exklusiven Abend mit feinsten Electro-Tu-

Infos und Tickets gibt es unter www.Das-Wirtshaus.de

28

a

# 4 0 / / 0 2 / 0 3 . 2 0 1 1 / / E l e c t r o Z i n e. n e t /

/ / E l e c t r o Z i n e. n e t

32

-

Brisant

a

# 4 0 / / 0 2 / 0 3 . 2 0 1 1 / / E l e c t r o Z i n e. n e t /

Gin Devo (Vomito Negro)

Made in Belgium Te x t : C a t s e / /

D

Foto: San Picavet //

ass die belgische Szene seit Jahrzehnten

ge belgische Acts übrig, die ihren ganz speziellen

einige der erfolgreichsten Acts aus den

Sound haben, wie beispielsweise Vomito Negro,

Sektoren EBM, Electro und Krach her-

The Neon Judgement oder Front 242. Ich sel-

vorbringt, ist kein Geheimnis, wohl aber, warum

ber bin auch mit elektronischer Mu-

die Belgier, - egal, aus welchem Genre - eben im-

sik aufgewachsen und habe

mer typisch belgisch klingen. Bands wie The Kli-

diese Musikrichtung später

nik, Vomito Negro, Monolith oder Insekt könnten

auf einer Kunsthochschu-

soundtechnisch einfach nirgendwo anders her-

le studiert. Ich könnte es

kommen als aus diesem kleinen Benelux-Länd-

mir nicht vorstellen,

chen. Das gewisse belgische Etwas zieht sich

zu Leben, ohne

stets wie ein Wasserzeichen durch die Musik. Vo-

Musik zu ma-

mito Negro-Mastermind Gin Devo, der jüngst mit

chen, es ist

der „Slave Nation“-EP auch wieder in diese Ker-

wie eine Dro-

be schlug, wagt sich an einen Erklärungsversuch:

ge - ich muss

„Vielleicht wollten belgische Bands immer schon

mer weiter machen. Ich bin auch

so klingen wie Englische. Aber es stimmt schon,

wirklich stolz darauf, dass Vomi-

dass die Belgier einen typischen Sound haben,

to Negro noch immer den rau-

ich denke, das hängt mit der Art des Komponie-

en, ungeschliffenen Sound der

rens zusammen – wir benutzen unsere Elektro-

Anfangstage beibehalten hat.“ //

nik einfach anders. Und in der Tat sind noch eini-

wc

33

einfach im-

/ / E l e c t r o Z i n e. n e t / f e a t u r e

-

Non Feature

C o o l e K l a m o t t e n , c o o l e F r i s i s, a b e r m a u l f a u l u n d deswegen wieder voll uncool: Schwefelgelb

38

a

# 4 0 / / 0 2 / 0 3 . 2 0 1 1 / / E l e c t r o Z i n e. n e t /

Schwefelgelb

Fragen, die unbeantwortet blieben Interview: Ivo Klassmann / Chucky //

M

Fotos: Bon Bon Büro / Axel Hoedt //

anchmal kommt es vor, dass sogenannte „Künst-

Schwefelgelb: ...?

ler“ und angehende Popstars dermaßen im Stress

a: Einer unserer Kollegen meinte auch, ihr hät-

sind, dass sie mit fragwürdigen, aber im Grunde einfa-

tet eventuell Probleme mit den Anwälten von „Silber-

chen Fragen völlig überfordert sind. Zuletzt geschehen

mond“, weil das schon nach Namensklau klingt. Wäre

bei dem bis dato sympatischen Duo von Schwefelgelb,

z. B. Schimmelgrün oder Spermagelb nicht unauffälliger

die eine Auskunft gegenüber BODYSTYLER komplett ver-

gewesen?

weigerten. „Nicht wirklich witzig“ heißt es frech in der

Schwefelgelb: ...?

Begründung auf unsere Nachfrage des „Warum?“. Und

a: Wir werden sachlicher. Alle Texte sind in

da müssen wir den Jungs leider auch unweigerlich Recht

deutsch, hat das einen bestimmten Grund? Die wenigs-

geben: Traurig isses. Sehr traurig!

ten machen noch rein deutschsprachige Sachen?

a: In unserer Redaktion malten wir mal einen

Schwefelgelb: ...?

riesigen Kreis auf den Boden, haben aber das Ende nie

a: Die Angabe in Eurem Song „Alle Sterne“ ist

gefunden, sind wir dafür zu blöd?

sehr vage: Wieviel Sterne gibt’s jetzt eigentlich?

39

/ / E l e c t r o Z i n e. n e t / f e a t u r e

-

Non Feature

Schämen sich: Schwefelgelb

Schwefelgelb: ...?

a: Zu guter Letzt geben wir

Schwefelgelb: ...?

a: Wie kommt Jonas auf so

Euch ein Wort und ihr einen Kom-

a: Neubauten

skurille Textideen? War er mal in

mentar dazu ab. Los gehts:

Schwefelgelb: ...?

der Klappse?

a: DAF

a: Kraftwerk

Schwefelgelb: ...?

Schwefelgelb: ...?

Schwefelgelb: ...?

a: Wer, glaubt ihr, hört das, a: Elektroclash

a: Techno

was ihr macht?

Schwefelgelb: ...?

Schwefelgelb: ...?

Schwefelgelb: ...?

a: E-Gitarren

a: Na denn, vielen Dank an

a: „Elektronische Musik“

Schwefelgelb: ...?

Euch beiden für dieses einseitige

ist mir zu wenig. Bezeichnet Euren

a: Welle Erdball

Gespräch! //

wc

Musikstil! Schwefelgelb: ...?

a: Mit ‚nem Mixer kann man prima Wein entschwefeln. Was für ein Jahrgang seid Ihr, dass ihr

-------------------------------------------------------------------------------------Album „Das Ende vom Kreis” seit 29.10.

i Billige Beats werden hier wie von Investmentbankern zu dadaistischen Wertanlagen gebündelt, welche die weltweite Partymaschine am Laufen halten. Komplettes Review - Hier

dennoch Mixer auf Vinyl zulasst? Schwefelgelb: ...?

Schwefelgelb.de

a: Bonus-Frage: Ist Essen das gemütlichere Berlin? Schwefelgelb: ...?

40

a

# 4 0 / / 0 2 / 0 3 . 2 0 1 1 / / E l e c t r o Z i n e. n e t /

13

/ / E l e c t r o Z i n e. n e t

44

-

Liquid Divine

a

# 4 0 / / 0 2 / 0 3 . 2 0 1 1 / / E l e c t r o Z i n e. n e t /

Chris und Guido sind hellwach: AuĂ&#x;erhalb dieses Fotos passiert etwas Schreckliches

Liquid Divine

Haben geahnt, dass das kommt Interview: Junk //

45

Assi: Bodyhorst //

/ / E l e c t r o Z i n e. n e t

-

Liquid Divine

„K a n n m a n s o n i c h t b e a n t w o r t e n “ : L i q u i d D i v i n e

A

nlässlich ihrer am letzten Freitag, 18. Februar

a: Ein Glück haben wir sowas nie gefragt. Trotz-

2011 um 16:11 Uhr via Infacted Recordings er-

dem sichern wir uns für die Zukunft ab: Welche Frage

schienenen EP „Sojourner“ wurde Liquid Divine

wolltet ihr schon immer mal bei einem Interview beant-

nochmal flugs ein Kurzinterview unter 6 - 8 Augen ange-

worten?

boten. In Panik beantwortete das Duo genauso kurz wie

Chris: Also: Was ist ein Musiker ohne Freundin?

informativ.

a: Und wie lautet die Antwort?

a: Wer steht euch musikalisch näher, Haujobb

Guido: Obdachlos.

oder Seabound?

a: Hahaha, bleiben wir bei witzig: Habt Ihr regel-

Chris: Kann man so nicht beantworten. Beide Bands sind

mäßig Dschungelkönig gesehen?

auf ihre Art qualitative Ausnahmeerscheinungen, die lei-

Guido: Da müssen wir Dich leider enttäuschen. Zwischen

der nicht die Anerkennung und Bekanntheit erreicht ha-

ultraseriöser Hochkultur - am späten Nachmittag - und

ben, die sie verdienen.

habituellem Zählen unserer Plattenmillionen - meist an

Guido: Und beide Bands machen klassische Jahreszei-

frühen Abenden - bleibt meist nur Zeit für das MDR-Wet-

tenmusik, im Herbst orientieren wir uns eher an Hau-

ter: 100 % Blondinenalarm im Sachsenspiegel.

jobb, im Winter an Seabound.

a: Worauf bezieht sich meine Frage?

a: Jahrezeiten bringt mich just auf das Thema

Guido: Deine Frage bezieht sich sicher auf entwürdigen-

Sturm und Wind, und dies wiederum merkwürdigerwei-

de, postkapitalistische Inhalte im Westfernsehen, denen

se auf das Thema Frisur: Wer hat eurer Meinung nach

Du da anscheindend anheim gefallen bist. Wandelst wohl

die schönere Frisur, Euer Labelchef Torben Schmidt oder

gerne auf dem Tellerrand der Kulturgrenzen?

Ghandi?

a: Jo. Genau gemerkst! Ich verzieh mich jetzt. Muss noch Milch kaufen. // w c

Chris: Na gut, Torben natürlich. Wenn wir Gandhi sagen, sagt er unsere Welttournee ab. Guido: Das sind doch alles keine Frisuren. Ich will hier jetzt mal ne ordentliche Frage.

a: Okay: Welche Frage sollte man euch nie bei einem Interview stellen?

---------------------------------------------------------------

Guido: Mein Gott, ich hab geahnt, dass das kommt.

EP „Sojourner” ab 18.02.

a: Siehste mal! Bodystyler macht‘s möglich.

i

rum singt ihr nicht auf deutsch?“ zeugt von besonderer

Beim Leipziger Duo kommt man nicht umher, ihre Musik als „intelligent“ und „Electro“ zu betiteln. Review Seite 12

geistiger Tristesse auf Seiten des Fragestellers.

LiquidDivine.de

Chris: Wir sind uns doch für nichts zu schade. Aber „Wa-

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 = N i c h t B e s c h i s s e n / /

In & Out a ermittelt in einer regelmäßig kostspieligen Umfrage, bei der mind. 8 Personen befragt werden, was angesagt ist (In) und was ruhig wieder abhauen kann (Out). Das ist das Ergebnis für Februar/März:

In:

Bodystyler-Interviews beantworten + Rosettenbleaching + iPhone 2 + Im Puff Reis kochen + Kacke per Einschreiben an Irans Präsidenten schicken

Inertia Deworlded

R

eza Udhin und seine Mannen sind strikte Anhänger der Verstärkerthese. Diese These fußt auf der Theorie der kognitiven Dissonanz, die nicht anderes meint, dass manche nix anderes in ihrer eigenen kleinen Welt suchen als das, was ihnen seit jeher vertraut ist. Mit dieser Einstellung wäre man vor zehn Jahren vielleicht noch Plattenmillionär geworden, heute ist das nur noch das zehnte Album mit dem steten Einerlei aus Electro meets mal mehr mal weniger fette, aggressive Gitarrenriffs auf recht passablem Niveau. Gegen diese These ist auch ein außerirdisch einschmeichelnder „Alien“ machtlos. (Ivo Klassmann)

Seit 04.02. // Cryonica

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System Circle of Infinite Radius

A

ls gefühlter 1/3-Schwede behaupte ich an dieser Stelle mal ganz pauschal und unverblümt: in Schweden ist alles toller! Die Sonne scheint sonniger, das Wasser ist wässriger, die Luft ist luftiger, die Menschen sind glücklicher (außer bei Herrn Mankell und Co., aber die verdienen mit Bösewichten ja ihr Geld) und dass die Mädels dort nicht nur die Nase vorn haben, lehrten uns schon diverse „Meisterwerke“ spätpubertärer Filmkunst. Musikalisch bildet das Land da natürlich keine Ausnahme und die Herren A und B des Stockholmer Elektro-Projekts „System“ schon mal gleich gar nicht! Skandinavisch leicht, hell und irgendwie gesund klingend, arbeitet sich das Duo in 10 Akten durch sein nunmehr viertes Album. Synthetisch einwandfrei und melodiös vielseitig bescheren uns A und B hier ein elektromusikalisches Paket welches an Solidität wahrscheinlich nur von einem 745er übertroffen werden könnte. Kauftipp! (Frank Bentert)

Seit 12.01. // Progress Production

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Out:

Keine Bodystyler-Interviews beantworten Chinapfanne mit Sommersprossen Präsidenten verjagen Bodyhorst als neuen Wetten Dass!-Moderator bestimmen Lidl-Märkte in Äthiopien

ElectroZine.net/abo

Blitzmaschine Liebe auf den ersten Blick

B

litzmaschine ist etwas Neues und präsentiert mit der Debüt-Maxi ganz viel Altes. Der Titelsong geht auf das Konto der EBM-Pioniere DAF und erstrahlt nach der Frischzellenkur in neuem, jedoch recht ähnlichem Glanz. „Blute jetzt“ ist einer der besten Songs der verblichenen Collapsed System und wird in zwei neuen Versionen dargeboten. Die Blitzmaschine darf das, denn einer der Protagonisten war Teil besagter Band. Snoob Mix und Danish Dub Mix fetzen und knallen ordentlich. Das einzige eigene Gewächs ist das schmissige „Blondes Mädchen“ (hier im Sex Mix) und klingt so, als ob Görl und Delgado es vergessen hätten zu veröffentlichen. Bei so viel geballter Electro-Power fragt man sich am Ende jedoch, warum das Duo nicht die Eier hatte, sich mit dem ersten Lebenszeichen nicht so vieler fremder bzw. benutzter Federn zu bedienen. (Torsten Pape)

Seit 04.02. // Danse Macabre

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Alter Kamerad

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Aircrash Bureau Exhibition

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aghavi drückt sich den Tonabnehmer an die Unterbuchse und heraus kommt eine Scheibe wie ein alter Kamerad. Mit bewähr-

tem Schmäh und neuen Provokatiönchen macht er Peine noch lächerlicher als es Oliver Kalkofe vermochte und erweitert seine „Military Fa-

shion Show“ um eine Hymne, bei der jedem Marinesoldat dieser Tage nicht nur die Brust vor Stolz anschwillt. Einzig „No Song For You“ und die Liveversion von „Mirror In Your Heart“ lassen erkennen, das es nun keine Wehrpflicht mehr gegen Depeche Mode gibt. Löblich ist hier die Re-

as EBM-Archiv stampft wieder: Infacteds KlassikerReihe hat Aircrash Bureau ausgegraben, ein weiteres Projekt aus der Zoth-OmmogFüllmaterial-Kohorte, das über eine Maxi kaum hinaus kam. Perlen gab‘s dennoch oft genug. Bei den Aircrashern waren es deren vier: „Machine“ stampft teutonisch, „Exhibition“ trippelt funky (Die Warzau trifft Greater Than One), „Time to Die“ mag kanadischen Industrial (DHIs „New Vision“, aber hallo) und das Bigod 20-eske Instrumental „120 BPM“. Als Bonus gibt‘s die unveröffentlichten „Funktionsraum“ und „On Patrol“ (Nitzer-Ebb-a-gogo). Bittere Pille: die aufgepeppten Remixe und „Mit voller Kraft“, ein Vorgeschmack auf das angekündigte neue Album. Lasst den Scooter-Rave mit EBM-Basis, sorry Dark Electro, doch Konsorten wie Roter Sand und Terminal Choice. EBM war nie mono, weder -ton, -lithisch oder chrom. Die alten Tracks sind Beweis genug. (Till™)

formmaßnahme, den Tourbus als mobiles Einsatz-Studio zu nutzen und dem mitreisendem Producer in Leipzig livehaftigen Radikalhumor meets Synth-Pop plus ein paar belebender Zwischentöne in die Vorratsdatenspeicherung zu drücken. (Ivo Klassmann)

Seit 21.01. // Infacted Recordings

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 And One Zerstörer

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a endlich, neue Maxi, anstehendes Album... es i.s.t. wieder soweit - ich freu mich! Worüber? Naja, zumindest im Vorfeld schon mal über die Ankündigung, das die Original-Version von „Military Fashion Show“ mit drauf kommt. Und so geht’s los: Zerstörer geht ordentlich ins Ohr, durch den Kopf und kommt hinten wieder raus, knallt also wie‘n Espresso mit RedBull-Topping, schade nur, das es danach erst mal wieder ruhiger wird. “Sex Drive“ bleibt ja noch irgenwie hängen, “No Song for You“ kann man indes durchaus wörtlich nehmen. Die drei Liveversionen gehen aber wieder gut ab, allen voran natürlich „Military Fashion Show“. Interresant zu erwähnen ist, das sich die beiden „Bonustracks“ auf dem neuen Album finden lassen, aber nicht der „Zerstörer“! Ich bin zerstört und verwirrt... verrückte Welt, aber da passt das Naghavi-Tanztheater ja genau rein. (Daniel Theberath)

Seit 21.01. // Out Of Line

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Radikalhumor meets Synthpop: And One

Chaim Alive

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eder, der schon einmal in Tel Aviv war, bestätigt, dass die israelische Metropole ein unglaublich lebensfroher, energetischer und schöner Ort ist. Und – man mag es kaum glauben – diese Stadt hat eine ansehnliche Historie in puncto Techno/House. Chaim Avital stammt aus Tel Aviv und transportiert mit seinem House-Sound das leicht dekadente Flair und die Entspanntheit dieses Fleckchen Erde. „Alive“ hat einen wunderbaren Fluss. Man riecht förmlich das Meer, spürt die Sonne und das Salz auf der Haut und riecht die schweiß- und parfumgeschwängerten Ausdünstungen der Bars und Clubs. Obwohl vollkommen elektronischer Natur hat diese CD einen sehr organischen Charakter, der bis ins Erotische reicht. Wenn doch nur endlich Sommer wäre und man dieser Musik unter freiem Nachthimmel den nötigen Platz zum Entfalten lassen könnte. (Brunner)

FOTO: KONOKO

Ab 11.02. // BPitch Control

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Silvio Berlusconi

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Armageddon Dildos Untergrund

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uce reloaded! Silvio steht für den Italian Dream. Korruption hier, Amtsmissbrauch da, und abends immer schön die Minderjährigen

aufstecken oder zu komischen Rollenspielen zwingen. Wir denken also: Ein ganz normaler Italiener! Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Der alte Lustgreis mit der gefärbten Matte und dem Notzäpfchen Viagra in der Brusttasche hat sich nicht einfach nur dem Lebensstil des gemei-

nen Neu-Römers angepasst. NEIN! Er hat ihn erfunden. Während alle Welt dachte, dass dem gemeinen Spaghetti ein bisschen Mafia und der ein oder andere krumme Winkelzug ausreicht, um neben den mageren Einkünften aus Job oder Stütze die Haushaltskasse aufzubessern, hatte Silvio von Beginn an Größeres vor Augen. TV-Redaktionen zu schmieren war scheiße,

we Kanka gehört zu den Urgesteinen der EBM-Szene. Bereits in den 90ern konnte er mit seinen Armageddon Dildos erfolgreiche Konzerte, Alben und Clubhits vorweisen. Mit „Untergrund“ möchten die „Dildos“ nun an ihre bestehenden Erfolge anknüpfen. Dazu nahm sich Kanka-Gitarrist Ulf Häusgen (Ex-The Fair Sex), Mathias Black (Ton-Meister u.a. Tommi Stumpff, Karl Bartos) und Tochter Denise als Verstärkung. Treibende EBM mit einer leichten Punk-Attitüde sind das Resultat und hauen voll auf die Hundert. So wächst dieses Album von Song zu Song zu etwas Besonderem heran. Das rollende R, welches jedoch nur vereinzelt auftaucht, erinnert leicht an Rammstein. Dieses kann man jedoch als Realsatire verbuchen. Armageddon Dildos liefern hier ein Album, was, ohne als Kopie zu wirken, hörenswert ist und wirklich Spass macht. Zudem sind in der Box ein Miniposter und eine 14-Track Bonus-CD, mit Remixen von Angstfabrik, Digital Factor, Autodafeh, Biomekkanik, Plastic Noise Experience, Inertia, Die Rostigen Löffel, To Avoid, sowie einem Exklusivsong, der mit Myk Jung (The Fair Sex) geschaffen wurde, enthalten. (Sir Raze)

Seit 18.02. // Alfa Matrix

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also musste flux ein eigener Sender her. VIP-Logen in Fussballstadien waren zu klein, also musste ein eigener Verein samt Giuseppe Meazza-Sta-Pleq

Ballet

dion her. Und weil er die doofe Mafia nicht unnötig für deren BauaufträgeM e c h a nic

bezahlen wollte, hat er sich entsprechend ein paar Unternehmen im Tiefbaubereich selbst gezüchtet. Daneben betreibt er gelegentlich Politik –

M

inimal n d orgaollen Hugh Heffner den Rang abzulaufen. Mehr geht nicht in einem italie-n i s c h p r ä nischen Leben! Und es endet meistens mit den Kopf nach unten an einers e n t i e r t Tanke an der Piazzale Loreto. Hoffentlich! (Lutz Lüdelsheimer) // s i c h „BalFacebook.com/Luedelsheimer let Mechanic“ v o n Pleq, d e m Projekt d e s W a r schaue r Philosophie

als Hobby sozusagen – und mit dem Alter wächst nun auch die Lust, demu

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Liquid Divine Sojourner EP

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I L L U S T R AT I O N : N O R M A N W I N T E R

ieben Songs präsentieren uns „Liquid Divine“ auf der „Sojourner EP“, die auf 500 Stück limitiert ist. In 3 verschiedenen Versionen ist der hammergeile Titelsong „Sojourner“, gesungen von Frank Spinath (Seabound), vom letzten Album „Autophobia“ vertreten. Dazu zeigen die verschiedene Mixe der anderen Songs und das (unveröffentliche?) Stück „Die To Meet You (Parasite Remix)“ wie vielseitig die Band aus Sachsen ist. Ich kann diese EP nicht nur Musikinteressierten, die die Band noch nicht kennen, empfehlen, sondern auch Fans von „Liquid Divine“. 1.) weil limitiert, 2.) weil gute Songauswahl und 3.) weil geil! Mir persönlich hilft die EP die Wartezeit auf den nächsten Haujobb-Release zu verkürzen und das ist nicht nur wegen dem Remix von Dejan S.. Danke! (Junk Schmidtskatze)

Ab 28.02. // Infacted Recordings

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Escalator Out Of My Ego

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ugegeben, ich hatte noch nie zuvor was von Ejaculator... tschuldigung... Escalator gehört. Klingt, als ob die alten Evils Toy über Welle Erdball „funken“, und dabei manchmal einen 80er Jahre Sender streifen - nur anders. Mir ist allerdings nicht ganz klar, was die neue CD mit nur 8 Songs sein soll. Eine zu lang geratene EP oder ein zu kurzes Album?! Allerdings hat man es so leichter den Ohren genau in der Mitte eine Pause zu gönnen, um dann die restlichen 4 (keine neue Serie über Superhelden im Altenheim!) durch die Gehörgänge rumpeln zu lassen. Denn rummsen kann sie ordentlich, und wenn in dem Krach noch Melodie und ein ordentlicher Refrain zu erkennen sind, ist alles gut. Escalator wird sicher seine Zielgruppe haben und erreichen, meine eingangs erwähnte Unwissenheit würde mich aber auch weiterhin nicht stören. (Daniel Theberath)

Seit 24.01. // EK Product

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Julian Assange

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Suicide Commando Death Cures All Pain

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as geht mir der Spacko auf den Sack! Bis vor einem Jahr kannte noch nicht mal der Urenkel von Konrad Zuse diesen gelackten Ha-

cker-Vollpfosten. Doch jetzt muss ich mir seine Fresse täglich im Fernsehen und seine komischen Wikileaks-Skandale in den Tageszeitungen reinziehen. Das Schlimme an diesem Mad Max der serverbasierten Neuzeit ist nicht seine Verstrickung in irgendwelche Ruckelgeschichten mit schwedischen Matratzenschonern. NEIN! Das eigentlich nervende an ihm ist sein Credo als schonungsloser Enthüller, als tougher Anpisser aller korrupten und hinterhältigen

efühlt macht Johan Van Roy seit ca. 30 Jahren dieselbe Musik. Es stimmt schon, dass die Zutaten für den energetischen Suicide Commando-Sound im Laufe der Jahre kaum verändert, sondern eher verfeinert wurden. Dennoch waren Singles schon immer ein beleg dafür, dass der Belgier ein großer Klinik-Fan ist und war und darüber hinaus sehr wohl den ein oder anderen Stilhaken zu schlagen in der Lage ist. „Go Fuck Yourself“, die B-Seite dieser Auskopplung , ist so ein Schmankerl, denn die Nummer hämmert – bar jeglicher Melodie – fast schon Schranz-artig durch den Äther. Der Titeltrack wird clubtauglich vergeremixt. SITD dürfen dabei wieder als Klassenbeste glänzen. Leider hat Johan dieses Mal keinen dieser minimalistischen oder sphärisch-melancholischen Bonustracks spendiert, die seine Maxis sonst immer besonders interessant machten. (Brunner)

Bonzen der westlichen Schurkenstaaten, als der Mann, der Regierungen zu Fall bringen kann. Bullshit! Wahrscheinlich kann er noch nicht mal nach dem Lulu seinen kleinen Stick aus dem Reißverschluss entheddern, ohne sich nicht

Seit 26.11. // Out Of Line

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vorher eine Anleitung im Netz herunterzuladen. Wer Chinesen geklaute Dokumente klaut und damit dann hausieren geht, als wäre man selbst jahrelang mit der externen Platte beim US-Botschafter rein- und rausmarschiert, der gehört mit Fernsehverbot nicht unter 80 Jahren bestraft. Schande über diesen Hochstapler und seine Hiwis mit dem Kopierer! Enthüllungen globalen Ausmaßes mit der Sprengkraft einer Lagerhalle Cola und Mentos gab, gibt, und wird es nur im Bodystyler geben! Alles andere ist Pipi-Leaks! (Lutz Lüdelsheimer) // Facebook.com/Luedelsheimer

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Sara Noxx & Mark Benecke Where The Wild Roses Grow

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I L L U S T R AT I O N : N O R M A N W I N T E R

oc Benecke ist nicht zu bremsen. Ein mal Blut geleckt und schon hat er sich im Patenbrigade-Studio festgesaugt. Grell, großspurig, aber doch auch vieles mehr ist sein Konterpart zu den mirakulösen Leidensgebärden der Sara Noxx, welche einen windelweich in der linken Brust klopfen. Niedrige Instinkte und hohe Erwartungen, die Beiden haben das gesamte Impressions-Spektrum auf Lager und niemand hätte wohl ahnen können, dass es nach den Chicks on Speed noch irgendwem gelingt, mit drei Schippen Galgenhumor mehr diesen Schmachtfetzen zu karikieren. Der exaltierten Synth-Phantasie folgt die Nonvoxx-Version nebst einer für nimmermüde Tanzboden-Vampire. Der Feindflug-Remix unterstreicht erneut die Notwendigkeit einer explizit sensiblen Frontfrau und das Video der Aufnahmesession dürfte wohl schon die Nominierung für den Comedypreis in der Tasche haben! (Ivo Klassmann)

Seit 28.01. // Prussia

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Blank & Jones C h i l l t r o n i c a N o. 2 – M u s i c f o r t h e C o l d & R a i n y S e a s o n

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ie Schönheit der Melancholie wollten die Herren Blank und Jones mit dieser Compilation einfangen. Prominent unterstützt von Depeche Mode, Moby oder Trentemöller. Und dennoch will der Funke hier nicht richtig überspringen. Statt Melancholie tritt oftmals – nämlich immer dann, wenn eben nicht die erste Garde musiziert - blanke Langeweile in den Vordergrund. Als genehme Untermalung für entspannte Tätigkeiten kann man „Chilltronica No. 2“ getrost heranziehen. Wenn es dann aber ans Eingemachte gehen soll, geht dieser Zusammenstellung schnell die Puste aus. (Brunner)

Seit 26.11. // Soundcolours

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White Lies ritualisieren

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Endanger Die Show muss weitergehen

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achdem die White Lies mit ihrem Debüt „To lose my life“ höchst beeindruckend eine Renais-

sance des New Wave feierten, überraschen sie mit dem Nachfolger „Ritual“ ebenfalls positiv. Einerseits ist das Werk in Songwriting und Produktion deutlich poppiger als der Vorgänger, andererseits agieren die Gitarren teilweise ruppiger und rockiger als gewohnt. Der Großteil der Songs sind aber wunderbar fragile Kompositionen, tief aus der

a ham wir‘s wieder: guter eingängiger Electropop, der aber leider nicht „gehypt“ wird und somit bei den 13-jährigen Gothicmädels keinen Anklang findet. Endanger ist eine dieser Bands, die man nicht vermisst, aber sich freut, wenn sie mal wieder da sind. Und so kommt es wie erwartet: ein Song, der beim ersten Hören im Ohr hängenbleibt. Leider wird dieser durch diverse Mixe, die alle irgendwie ähnlich sind, sooo langgezogen, das so‘n büsch‘n die Luft raus ist. Da geht sogar der doppelte Bonustrack, der mal weiblich mal männlich daherkommt, unter. Eine flotte Single mit Titeltrack, Extended Version und einem Bonustrack hätte wohl ausgereicht, um sie sich gerne und öfter anzuhören. Bleibt jetzt nur zu hoffen, das auch bei Endanger die Show flott weitergeht, und nicht erst wieder ‘n paar Jahre Ruhe ist. (Daniel Theberath)

Zauberküche der 80er, eingefangen im Geist der Neuzeit. So trifft der unverkennbare, grandiose eigene Sound der White Lies auf Einflüsse der frühen Tears of Fears und von Echo & the Bunnymen. Das Album ist

Ab 25.02. // Infacted Recordings

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ihr zweiter leuchtender Stern in der History alternativer Musik. Es besteht aus Stücken mit durchgehendem Hymnencharakter. Sehr beständig und kein schmerzhafter Hype. (Spider)

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ine Packung Lithium, pathetischer Retro-Wave, sonoren Bariton sowie einen Bombast-Chorus

wie er seit den seligen Tagen von Big Country nicht mehr über den Kanal hallte... mehr braucht es nicht für perfektionistische Melancholiker. Mehr als Sing-

les braucht es auch erneut nicht von den White Lies. Und wer noch immer vehement deren Blutsverwandtschaft mit den Editors abstreiten wollte, der höre sich gefälligst mal den Datasette-Remix an. Nächste Single... (Ivo Klassmann)

Various Artists Werkschau

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ass Berlin nach wie vor die (heimliche) Hauptstadt des Techno ist, liegt nicht zuletzt daran, dass Leute wie Ellen Alien auf ihren feinen Labels regelmäßig hochkarätige Acts zum Zug kommen lassen. „Werkschau“ – anlässlich des 12. Label-Geburtstages zusammengestellt und veröffentlicht – präsentiert 17 BPitch-Akteure mit unveröffentlichten Tracks. Zugpferde sind dabei natürlich Label-Queen Ellen herself (großartig minimal mit „The Kiss“) und der durch den großartigen Film/Soundtrack „Berlin Caling“ gehypte Paul Kalkbrenner („Plätscher“ könnte eben von dort stammen). Es gibt viel zu entdecken auf „Werkschau“, wobei die eigentlichen Stars die eher unbekannten Acts sind. Techno ist schon lange nicht mehr nur Bummbumm, sondern enorm vielschichtig und spannend – dank Leuten wie Ellen Alien, aber das hatten wir ja schon. (Brunner)

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Seit 31.01. // BPitch Control

Stücke mit durchgehendem

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Hymnencharakter:White Lies Substaat Substaat

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FOTO: BEN MURPHY

st es Fluch oder Segen, wenn eine Band auf ihrem Debütalbum so abwechslungsreich ist, das man denkt, es handelt sich um ein Szenestelldichein? Wenn es wie bei Substaat bei zwei Bands bleibt (einfach mal Album kaufen und selber raten), ist es wohl OK - nur geht die Eigenständigkeit flöten. Doch es knackt - und das ganz ordentlich. Songs wie „Adrenaline“, „I Want“ oder das schon vorher zum Hit auserkorene „Catch me“ gehen gut ab. Obendrauf gibt’s noch ein paar Remixe auf die Ohren, die als Bonus-CD kommen. Nett. Schade nur, daß die Aufnahmen offenbar auf dem Weg ins Presswerk zu doll geschüttelt wurden und so die ganzen Refrains rausgefallen sind. Blöd. Aber von Staatschwierigkeiten, welch‘ brilliantes Wortspiel, kann man wirklich nicht sprechen. Klingt, als wären sie schon immer da gewesen. Mindestens so lange wie Nitzer Ebb oder Covenant (Mist, verraten). (Daniel Theberath)

Ab 28.01. // Danse Macabre

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14.04.11 DUISBURG 15.04.11 MAGDEBURG 16.04.11 DRESDEN 22.04.11 FRANKFURT/M. 23.04.11 HANNOVER 24.04.11 BERLIN

PAT E N B R I G A D E : W O L F F

DECODED FEEDBACK

PULP FA C T O R Y STRASSE E B AT S C H K A P P CAPITOL COLUMBIA CLUB

h t t p : / / Pa t e n b r i g a d e. c o m

http://DecodedFeedback.com

// Kolumnen

Katastrophale Chancenverwertung Für‘s Leben lernen mit: Kaaja Hoyda //

Eine der größten, fettesten und schleimigsten Kröten, die in der Jugendzeit zu schlucken sind, ist der Schulsport.

verhungert. Ich war ein strammes Kerlchen in der siebten Klasse. Echte Muskelstränge, nicht bloß schwabbeliger Pudding in den Armen. Ich wurde gefüttert mit KARAMELLBONBONS UND VANILLE-MILCH. Und all die Kraft, die ich täglich tankte, konnte ich ein Mal im Jahr bei den Bundesjugendspielen rauslassen. Genauer gesagt: beim Kugelstoßen. Zwei weitere Disziplinen gab es zu bewältigen: Weitsprung und 100-Meter-Lauf. Wer in den drei Sportarten, die die Welt gar nicht braucht, 1000 sinnlose Punkte sammelte, bekam eine Ehrenurkunde. FÜR EIN BUSSI VON MAMA und zum Wiedergutmachen einer Fünf

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in Mathe. as kann schlimmer sein, als die dünne Schicht

Bei mir lief das so ab: Ich kam, frisch umgezogen in Al-

aus Haaren, abgestorbenen Hautschuppen und

di-Sportzeug, auf den Ascheplatz getrabt, nahm die Ku-

Turnschuh-Dreck, die den Boden jeder Schulsporthalle

gelstoß-Kugel und stieß sie bereits beim ersten Ver-

bedeckt und NACH ZEHN SEKUNDEN EINEN HEFTIGEN,

such circa 15 Meter weit, ohne überzutreten. Das waren

DAUERHAFTEN JUCKREIZ AUF DEN OBERSCHENKELN

1012 Punkte – EHRENURKUNDE! Die Mädels jauchzten,

AUSLÖST? Nichts. Genau.

die Jungs hatten noch mehr Angst vor mir. Im Anschluss

Und unter ständiger Kratzerei läuft der Nachwuchs dann

ließ ich die zwei anderen Versuche sausen. Dann ging ich

im Kreis, hämmert sich gegenseitig gelb-befilzte Fußbäl-

die 100-Meter im Spaziergangtempo (46 Sekunden) und

le ins Gesicht oder quetscht sich beim allseits belieb-

hüpfte breit grinsend knapp 90 Zentimeter in die Sand-

ten Zirkel-Training unter uralten Holzbänken durch, auf

grube. Was sollte es schon? Die Ehrenurkunde hatte ich

denen durchfallkranke Kriegsgefangene einst geschla-

sicher. Und zwar nicht nur in dem einen Jahr. Nein, auch

fen haben. Dabei werden bevorzugt die FEINGEISTER MIT

in Klasse acht, neun und zehn. Wobei ich mich von 15 auf

BAUCHANSATZ verspottet von jung-dynamischen Sport-

mehr als 18 Meter steigern konnte.

lehrern im angeberischen Fila-Jogginganzug, die am

Nun Obacht: Der Weltrekord der Männer liegt bei 23,12

liebsten Phil Collins hören und Erdkunde als Zweitfach

Metern. Mit ein bisschen Training, ein bisschen Tech-

unterrichten. Als wäre das alles nicht schon schlimm ge-

nik und ein bisschen Motivation hätte ich heute leicht

nug, sind diese VERSAGER-PÄDAGOGEN nicht mal in der

in der Weltspitze mitstoßen können. Doch glaubt hier ei-

Lage, ein Talent zu erkennen. Mein Talent jedenfalls ist

ner, MEIN PHLEGMATISCHER SPORTPÄDAGOGE, der nach

deshalb auf einem Ascheplatz eines hessischen Dorfes

Old Spice roch und das für modern hielt, hätte das

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Sie starb plötzlich und unerwartet wg. geiziger Unternehmen:

F. Läche  21.01.2011

Gedenken Sie ihrer und erhalten Sie mit bunten Werbe-Anzeigen in diesem Magazin die Erinnerung an sie aufrecht! In stiller Trauer: die BODYSTYLER-Anzeigenleitung (www.Electrozine.net/werbung)

Die unbelegten Werbeflächen der kommenden BODYSTYLER-Ausgabe (April) werden zum nächsten Anzeigenschluss Mitte März beigesetzt!

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// Kolumnen

erkannt? Vergesst es! Er trug die Werte meines jeweils

Doch mir ist seit inzwischen Jahrzehnten klar: Ein Fila-

ersten Versuchs in eine Liste ein, die danach auf ewig in

Jogginganzug macht noch lange keinen guten Sportleh-

einem muffigen Schulkeller verschwand, füllte lustlos

rer. //

wb

meine Ehrenurkunde aus und überließ mich wieder DER FAULHEIT DER JUGEND. Damals war es mir egal. Heute auch. Aber ich will mich drüber aufregen! Kaaja Hoyda

Meine Ehrenurkunden habe ich irgendwann weggeist längst Pudding geworden. Und wenn die Olympischen

ist notorischer Bierdeckelsammler, Elektronik-Muffel, Ibuprofen-Fan und ganz nebenbei Sänger und Texter der Band Stendal Blast. Mehr über ihn unter

Spiele laufen, schalte ich beim Kugelstoßen immer weg.

Myspace.com/Stendal_Blast

schmissen. Aus den Muskelsträngen in meinen Armen

Ona nie am Arbeitsplatz Te x t : S a l l y N o p e / T h o m a s S c h ö n / /

Sexualität und Arbeit - zwei Dinge, die man tunlichst voneinander trennen sollte. Treib es niemals mit Deinen Kollegen oder gar mit Deinem Chef.

V

ermische niemals Privates mit Beruflichem. Vor allem aber, was immer Du tust, wie sexhungrig

oder auch nur gelangweilt Du sein magst: Wage es niemals, Dich auf der Arbeit selbst zu befriedigen. Das sind die eisernen Gebote der Berufswelt. Doch Dir ist das egal, Du liebst den Thrill. Du bist ein aufregender Bürohengst in seiner Blütezeit, ein kesser Lover im hellgrauen Nadelstreifenanzug, ein Sachbearbeiter d’amour im heißen Dschungel der Bürokratie. An jedem Wochentag schleppst Du Dich gegen 7 Uhr zur Arbeit. Und dann sitzt Du dort in Deinem Drehstuhl und sinnierst über die acht kommenden Stunden, die Du irgendwie rumkriegen musst. Kaffeekochen, AktenablaOnanie von heute: Popeln

ge, Kunden abwimmeln, Anrufe entgegennehmen. Das kann doch nicht alles sein! Du brauchst etwas Zeitvertreib, Ablenkung. Und da gibt es nur eine Sache, die

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// Kolumnen

schönste Sache, die die öde Maloche für ein paar Minuten zu einem Ort der Entspannung, einem Hort der Hormone macht: Onanie am Arbeitsplatz.

griff. Du alter Schmierlappen, Du Schmutzfink. Jetzt sitzt Du am Küchentisch über Schwarzbrot mit Teewurst und einer Tasse Kaffee. Die Teewurst schmeckt

Schweißperlen auf Deiner Stirn. Du fühlst Dich stark

Dir nicht. Deine Laune ist übel. Wer hat sich diese Tee-

und subversiv, doch kannst Du es wagen, Deine Hand

wurst ausgedacht? Du sitzt nun jeden Morgen hier. An

unter den Schreibtischen gleiten zu lassen und einfach

Deinem Kühlschrank hängt, mit einem Magneten befes-

drauflos zu rockern? Was wäre so schlimm daran? We-

tigt ein Schreiben. Deine Kündigung. Du hast Dich in die

nigstens bist Du nicht über die Sekretärin hergefallen.

Arbeitslosigkeit masturbiert. War es das wirklich wert?

Doch was ist, wenn jemand reinkommt und Dich erwischt

Wie sangen schon Tic Tac Toe einst: „Und warum? Nur

mit Deiner geöffneten Hose? Was würde Herr Fobsber-

für den Kick für den Augenblick? Nur ein Stück von dem

ger, Dein griesgrämiger Chef dazu sagen? Der macht das

falschen Glück?“.

doch bestimmt auch in seinem riesigen Büro, oder?

Gedankenversunken lehnst Du Dich in Deinem Stuhl

Ein Irrglaube. Herr Fobsberger onaniert nicht im Büro,

zurück. Immerhin hast Du jetzt die besten Referenzen,

Herr Fobsberger onaniert gar nicht und so ist er äußerst

um Dich für eine Karriere als Profi-Onanierer in der Ero-

brüskiert, als er plötzlich in der Tür steht und Dich ent-

tikbranche zu bewerben. //

deckt mit Deiner Schlange in der Hand, fest im Würge-

Te x t : S a l l y N o p e / T h o m a s S c h ö n / /

wb

Deutschland, deine Kinder Teil 1: Die Niedersachsen Te x t : L u t z L ü d e l s h e i m e r / /

20 Jahre ist Deutschland nun einig Vaterland. 20 Jahre, in denen Mauern abgetragen, Minen ausgebuddelt und Bananen mit den selben braunen Flecken in alle Teile des Landes verschifft wurden.

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0 Jahre, in denen Ost und West zu Wost werden sollten. Wie blödsinnig diese Idee jedoch war, of-

fenbart sich dem Betrachter bereits beim genaueren Hinsehen. Denn es sind nicht Ossis und Wessis, die sich hätten vertragen sollen. Es sind Völkergruppen vom Schlage der Friesen, Sachsen, Rheinländer, Schwaben und nicht zuletzt der Bayern, die eine friedliche Koexistenz als Deutsche in den Grenzen von 1990 unmöglich machen. Stronz-Chef Lutz Lüdelsheimer war mehrere Stunden im Internet unterwegs, um ein bedrückendes Bild der sogenannten Deutschen zu zeichnen.

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// Kolumnen

„Vom Harz bis ans Meer“ heißt es so schön im Jingle

länder bis heute nicht aufgeholt.

des Verkehrsreports eines niedersächsischen Radio-Sen-

Aber was können Sie denn, die Niedersachsen? Mit

ders. Das sei Niedersachsen. Nun gut, geografisch mag

Ausnahme ihrer friesischen Urahnen können Sie als ein-

das in etwa stimmen. Geopolitisch und ökonomisch liegt

zige Wesen in Deutschland hochdeutsch sprechen. Das

die Bedeutung des Landes jedoch eher in der Größen-

macht sie aber nur insofern besonders, als dass alle an-

ordnung der Entfernung von Peine bis Essinghausen. Und

deren es nicht können und somit das Hochdeutsche auch

schuld daran sind seine Einwohner. Kaum ein anderes

nur irgendein beschissener Dialekt ist. Was noch? Ach ja:

Bundesland hat vom Wesen her trägere Menschen zu be-

Pferde züchten. Das haben sie perfektioniert. Das ist aber

herbergen als Niedersachsen.

auch naheliegend, wenn man zu faul zum Laufen ist und

Als die Sachsen vor tausenden von Jahren ihren Sied-

das Auto erst in den 1940er Jahren eingeführt hat.

lungszug gen Süden und Südosten begannen, und die An-

Charakterlich ist der Niedersachse ein kauziger, zu-

geln sich lieber Boote bauten, um nach England abzu-

rückgezogener Zeitgenosse, der nicht mal eben so auf

hauen, anstatt in dem Morast der nordwestdeutschen

andere Menschen zugeht. Im Gegenteil! Selbst wenn er

Tiefebene abhängen zu müssen, blieben nur die Fetten

seit 20 Jahren mit den selben Leuten jeden Morgen im

und Faulen, sowie zwei Invalide an der Nordseeküste zu-

Bus sitzt – anlabern und auf Kumpel machen ist nicht! Mit

rück. Und es verwunderte auch niemanden, dass sich

so viel Griesgram hat es Niedersachsen auch als einziges

an dieser Konstellation auch Jahrhunderte später noch

Bundesland geschafft, zwei Großstädte zu bewegen, sich

nichts geändert hatte. Einzig die beiden Krüppel waren

lieber selbständig zu machen, als mit diesen Faulpelzen

nach Westen gezogen und hatten Holland gegründet. Die

in einen Hut geworfen zu werden. Das haben noch nicht

anderen aber blieben fett und faul, degenerierten über die

mal die Brandenburger hinbekommen. Respekt!

Zeit, weil sich einfach kein Frischfleisch einstellen woll-

Wer heute durch Niedersachsen fährt, kann sich dem

te, und gaben sich mit sinnlosen Landnahmen durch das

Eindruck nicht erwehren, dass diese Bevölkerung nicht

Aufpoldern der Nordseeküste zufrieden. Erst ein hefti-

nur den Osten ablehnt, weil er zuviel Soli kostet. Nein,

ger Streit zweier Familien im 7. Jahrhundert um ein Mast-

hier bekommt der Gast zu spüren, dass die Niedersach-

schwein und seine Innereien spaltete die Gruppe in zwei

sen einfach alles Andersartige ablehnen. Die Bremer, weil

Lager und führte letztlich zur Besiedlung des noch freien

sie keine Kohle haben. Die Hamburger mit ihrem Scheiß-

Landstrichs nördlich der Kasseler Berge. Weiter sind die

HSV und dem Monopol auf den Rest der Elbe. Die Holstei-

lahmarschigen Hoschis nicht gekommen, weil sie sonst

ner mit ihrer Ostseeküste, die geiler ist, als ihr verdamm-

auf andere Volksgruppen getroffen wären. Und das ging

ter Schlamm bei Ebbe. Und im Süden die Hessen und

gar nicht, denn kontaktscheu waren sie schon immer.

Westfalen, die ihnen auch noch die Hügel geklaut haben,

Während die restliche zivilisierte Welt das Mittelalter, die Neuzeit und die industrielle Revolution meisterten,

von denen die Niedersachsen bis heute glauben, dass die Alpen nicht anders aussehen können.

blieb der Niedersachse Bauer. Seine Apathie führte da-

Ich habe keine Hoffnung, dass die Niedersachsen in

zu, dass er die Dreifelderwirtschaft erst erfand, als über-

den nächsten hundert Jahren den Sprung ins 21. Jahr-

all sonst schon Gewächshäuser und Saatmaschinen am

hundert schaffen! Wie denn auch – mit Gummistiefeln.

Start waren. Diesen Rückstand hat der speckige Flach-

//

wb

Lutz Lüdelsheimer ist Investigativ- und Verschwörungstheoretiker. Nach 16 Jahren auf Internaten in Osteuropa sowie der äußeren Mongolei begann Lüdelsheimer ein Studium der Quantenphysik und theoretischen Strömungslehre, bevor er eine Flieserlegerlehre mit Auszeichnung abschloss und in den Journalismus wechselte. Mehr über ihn auf

Facebook.com/Luedelsheimer

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VOTE MAY 2011 13

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Reklame: Weil‘s wirkt!

Helfen Sie!

Immer wieder müssen wir liebevollen Menschen leider immer noch erklären, wie wir unseren Redakteuren eigentlich ihre dringend benötigten Pharmazeutika finanzieren. Wir sagen dann immer voller Scham: »Mit Werbung!«

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Schon ab knausermäßigen 59.-EUR übernehmen Sie nicht nur die Patenschaft für eine ganze A4-Seite (in Farbe + bunt), sondern sorgen gleichzeitig auch dafür, das jede Arznei jeden einzelnen Bodystyler-Redakteur rechtzeitig erreicht. Und ganz nebenbei tun Sie bei einer derzeitigen Bodystyler-Verbreitung von 20.000 nicht nur uns Gutes.

Denken Sie mal drüber nach! 79

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Weil‘s wirkt!

Nicht verstanden? Für den Fall, dass Sie den Kreislauf und wie das Überleben eines mittelständischen Magazins funktioniert, immer noch nicht verstanden haben, haben wir Ihnen diese Skizze angefertigt

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FINANZSPRITZE

BODYSTYLER REDAKTEUR/-IN

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Brisant

interpretie u e n e t h eltgeschic W r e d n e g a Au s s Teil 1:

rt

h c i r t e i D e Marlen n Koffer in Berlin«

e n i e h c o n ‘ b »Ich ha

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Wunderschön ist’s in Paris auf der Rue Madeleine Schön ist es im Mai in Rom durch die Stadt zu gehn’n Oder eine Sommernacht still beim Wein in Wien. Doch ich häng‘, wenn ihr auch lacht, heut’ noch an Berlin: Refrain: Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin Deswegen muss ich nächstens wieder hin. Die Seligkeiten vergang’ner Zeiten Sind alle noch in meinem kleinen Koffer drin. Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin Der bleibt auch dort, und das hat seinen Sinn. Auf diese Weise lohnt sich die Reise, Denn wenn ich Sehnsucht hab’ dann fahr’ ich wieder hin. Lunapark und Wellenbad, kleiner Bär im Zoo, Wannseebad mit Wasserrad, Tage hell und froh. Werder, wenn die Bäume blühn’n, Park von Sanssouci. Kinder, schön war doch Berlin. Ich vergess’ es nie: Refrain: Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin...

Wenn Sie wissen wollen, wer vielleicht auch noch einen Koffer in Berlin hat:

Blättern Sie um! 99

Keine Anzeige

Ich hab bestimmt auch noch 1 oder 2

Koffer in Berlin!!

Achten Sie auf Koffer in Berlin! Eine Initiative von

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N o u v e l l e Va g u e

M a r i a - Fa l l u l a h : „ E g o n O l s e n s ‘ E n k e l i n “

Olivier Libaux: Lieber auf nem Plektrum kauen

P a r i s. Z u T i g e r s c h l ü p p i s trägt Frau noch immer Einkaufsnetze am Bein

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24.01.2011 // Frankfurt // Mousonturm

Nouvelle Vague „Du und ich, wir lieben Dich und wissen wohl warum.

undefinierbare Motown-Geduddel vom Band endlich auf.

Wegen der Tiefenwirkung“ — Mit solch flotten Sprüchen

Olivier Libaux und Marc Collin schlendern im halbdun-

verführte die Seifen- & Parfümfabrik Mouson auch dei-

kel entspannt auf die Bühne, mit dabei Mathieu Gayout,

ne Mutti noch bis Mitte der 70er zum Erwerb ihrer Wohl-

der heut Abend jedem klar macht, warum der Franzo-

fühlprodukte. Danach wurde hier alles geschliffen und

se sein Schlagzeug Batterie nennt und dann folgt schon

Mainhattan‘s erster Wolkenkratzer in einen anspruchsvol-

Überraschung Nummer 1.: Statt dem hölzernen Landadel

len Kulturbetrieb umgewandelt. Allerdings findet Mutti ih-

gibt‘s heute die elektrische Version vom Bass, vollends

re Creme von damals noch immer beim Drogerie-Discoun-

besessen gespielt von einem Bärtigen in knallroten Per-

ter um die Ecke. Die Marke übernahm ein französischer

formance-Sneakern. Süddeutschland hat am Mikro, statt

Konzern, der seitdem von sich selbst behauptet: „Weil ich

Mareva Galanter, Mélanie Pain. Jene war es, die seit dem

es mir Wert bin“. Claims, wie geschaffen für die heutige

ersten Album mit ihrem Lolita-Timbre alle Kritiker einer

Fügung aus Location, Act & dem putzigen Drittelmix von

„Coverband“ um den kleinen Finger wickelte und statt

Publikum. Gestandene Waver und Au-pair-Mädchen oder

Genörgel feuchte Träume verursachte.

Kursbeleger des Institut français teilen sich das Haus mit reichlich Elite-Partnern im real life.

Mit „Je suis déjà partie“ vom neuen Album fühlen sich die Connaisseure des Midtempo im Saal noch auf der si-

Letztere unterliegen auch dem Irrtum, beim Support-

cheren Seite, doch dann kommt Nadeah Miranda. Chucks

Act Fallulah handele es sich um durchaus Förderungs-

statt Pumps, abgebrühter Humor und eine Aura, als wür-

würdige aus dem Brennpunkt Gallusviertel, und verpas-

de sie die Kerle reihenweise flachlegen. Ab jetzt ging’s ex-

sen mit Prosecco im Foyer die kleine Meerjungfrau Maria

zessiv durch die besten Klassiker der ersten 3 Alben, eine

Apetri. Die wirkte wie ein folklastigeres, sehr viel ausge-

Mixtur, die man beileibe nicht mehr großartig beschreiben

schlafeneres Fräuleinwunder als z.B. Lena Nationale und

muss und mit der man in den wesentlichen Lebenslagen

erzählte mit großen Augen aus „The Black Cat Neighbour-

nur richtig liegen kann.

hood“. Spätestens mit „I Lay My Head“ hatte sie alle auf

Der Rest ist wie ein Defibrillator in Pailletten, opulen-

ihre Seite gebracht, kann aber auch sein, das sie die an-

tes Varieté & fette Bassläufe als Fleur de Sel in der Sup-

dächtige Aufmerksamkeit nur den zwo blonden Hünen an

pe. Es fliegen die Mikrokabel durch die Luft, die Kleidchen

ihrer Seite verdankte. Keine Ahnung, warum bei Nouvelle

werden nicht nervös nach unten gezuppelt und inzwi-

Vague-Konzerten der Frauenanteil vor der Bühne immer

schen ist auch nicht mehr auszumachen, wer von den

bei mindestens 70 % liegt… Maria jedenfalls wollte es

Beiden nun „Master & Servant“ ist. Die zweideutige Di-

den großen französischen Schwestern abschließend noch

rektheit der alten Texte kommt ungefiltert, beinahe so, als

gleichtun, ließ die Haare zu einem hingehauchten Johnny

ob es im Backstage noch Restbestände des hier früher

Cash-Cover fliegen, krönte sich mittels Tamburin selbst

produzierten Erotique-Spray gegeben hätte.

und bedankte sich artig für den Applaus. Inzwischen ist

Das Publikum wird stets mit einbezogen, jeder Song

es subtropisch warm, doch an Getränkenachschub war

kommentiert, jenes Handy-Video von „Mala Vida“, dass

während der halbstündigen Umbaupause im proppevol-

während einer 9-stündigen Zwangspause auf dem Pari-

len Saal nicht mehr zu denken. Und irgendwann hörte das

ser Flughafen entstand und auf Anhieb 50.000 Clicks hat-

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N o u v e l l e Va g u e

„Wer nicht mitklatscht, fliegt raus!“

te, auch das „Oublions L‘Amérique“ allein schon darin sei-

als Messlatte vorgelegt hat und hinterlässt den Eindruck,

ne Berechtigung findet, weil Chucks inzwischen nur noch

als wäre dies ein Schubs ins kalte Wasser für die Stimme

aus China kommen. Die heutige Version davon ist gigan-

von U96‘s „Heaven“ gewesen. Dafür lässt Nadeah mit ih-

tisch treibend und der erste Höhepunkt des Abends. Wer

rer Version von „So Young But So Cold“ den guten Char-

hätte das gedacht. Und nichts an dieser Party läuft wie

lie Winston verdammt alt aussehen und Mélanie bringt

geplant.

bei den vom allgegenwärtigem Punk‘n‘Sex Verstörten mit

Da werden Intros verlängert, um die Damen zu foppen,

dem „Eisbär“ wieder die Verzückung zurück und dirigiert

spontane Soli reingegrätscht & die bisher nur an einer

charmant den Chor derer, die endlich auch mal mitgrölen

Tasse Tee nippende Nadeah läuft bei „Too Drunk to Fuck“

wollen. Obendrauf noch „Marian“ als Krönung mit deut-

zu schauspielerischer Hochform in Sachen Promillever-

schem Refrain, von der inzwischen aufgelockerten Dea

körperung auf. Das etwas steife Publikum wird mittels an-

Li.

getäuschtem Stagediving & einer Runde hemmungslosem

So hat sich das Andrew Eldritch sicher immer ge-

Körperkontakt von ihr auf Betriebstemperatur gebracht.

wünscht, auch wenn der 20 Jahre lang weder Platten

Lounge & Bossa Nova geht wahrscheinlich anders.

noch Konzerte in Frankreich zuließ. Nach knapp zwei

Die beiden Herren Produzenten sind indes immer noch

Stunden beschließt anmutig „I Melt With You“, Nadeah

ganz lässig und beobachten das Treiben mit süffisantem

nimmt’s wörtlich und herzt zum Abschied jeden, den sie

Lächeln. Ihr nächster Clou heißt Dea Li. Eine in Frankfurt

greifen kann. Es erinnert ein wenig an eine der letzten

beheimatete Sängerin, welche Marc inzwischen eben-

große Kampagnen aus diesem Hause, welche die Brigitte

so produziert, versucht sich an „Bela Lugosi‘s Dead“. Die

damals sich nicht zu drucken wagte: „An seiner Zärtlich-

Performance liegt weit hinter dem, was Liset Alea schon

keit erkennen Sie Intim-Mouson“. (Ivo Klassmann)

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dress for dinner

Even if the guy’s dressed in his favorite old white tee shirt, with this napkin at his neck he’ll actually look like he made the effort to get “dressed for dinner”. A great conversation piece at any party. 20 paper napkins to a package; five of each design. Cello wrapped. Measure 13” x 13”

spoonsisters.com 13

// Live beobachtet

28.01.11 // Berlin // Huxley‘s

Bevor ich zum Konzert komme, muss ich erst mal was übers Rotwein schlürfende, Sonntags brunchende, vom Studium labernde Publikum loswerden. Man soll ja nicht alle Studenten über einen Kamm scheren, es gibt halt solche und solche. Und das waren genau Solche. Ich kam mir vor wie ein Proll, weil ich keinen Westowa und kariertes Hemd an hatte. Die Stimmung von diesen Leuten war in ihrem Klientel bestimmt ausgelassen. Langweilig war`s für mich. So kommen wir nun zum erfreulichen Teil: die Band: Marc Collin und Olivier Libaux haben sich einen Drummer und Bassisten eingekauft, zwei Sängerinnen eingeladen und los gings. Als erstes „Master and Servant“ (ohne Martin Gore!), vorgetragen von Mareva. Tolle Stimme! Die Songs waren gut arrangiert und live umgesetzt. Dann kam Nadeah, die zweite Singdrossel an diesem

Eisbär sein wollen,

Abend. Sie sang „Ever fallen in Love“ (The Buzzcocks). So

aber kuschel-Westover tragen: Melanie

wurde uns ein gutes Gemisch von all ihren Alben präsentiert wie zum Beispiel: „Human fly“ (Cramps), „Guns of brixton“ (Clash), „Just can`t get enough“ (Depeche Mode). Nach „Love will tear us apart“ war erstmal Schluss. Nach tobenden Aplauss ließen sie sich nicht lange bitten und kamen zurück mit „Bela lugosi´s dead“ (Bauhaus). Mein altes Gruftieherz sprang im Takt mit, die meisten im Publikum konnten mit dem Song wenig anfangen. Danach wurde meine Punk-Vergangenheit wiederbelebt mit „This is not a love song“. Einfach großartig so an seine Jugend erinnert zu werden. Zum Abschluss hauchte uns Nadeah „In a manner of speaking“ (Tuxedomoon) ins Ohr. Eine sehr einfühlsame Version, die den hervorragenden Abend ausklingen ließ. (The Bert)

Marc trägt heute seinen Iro zwischen Kinn & Nase

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Covenant

Kaum ein Album im Electrobereich wurde in letzter Zeit wohl so sehnsüchtig erwartet wie „Modern Ruin“, das neue Werk von Eskil Simonsson, Joakim Montelius und Daniel My-

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er. Vor allem aufgrund des Beitritts von Herrn Myer war man gespannt, wie sich dies wohl auf den Gesamtsound des Albums auswirken mochte. Interview: Julia Beyer //

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Covenant

ber auch mal ganz abgesehen vom Personalwechsel waren die letzten Jahre für die Band doch eher von der turbulenten Sorte. Joakim nahm sich aus diesem Anlass gern Zeit für unsere frag-

würdigen Fragen.

a: Der Veröffentlichungstermin eures Albums

hat sich diverse Male nach hinten verschoben, bevor es nun endlich veröffentlicht wurde. Was waren die Gründe dafür? Joakim Montelius: Es gab viele Gründe dafür. Wir waren viel auf Tour nach „Skyshaper“, haben eine DVD von dieser Tour namens „In Transit“ gemacht, dann sind wir zweimal mit dem Studio umgezogen, waren mit persönlichen Dingen beschäftigt, unsere Plattenfirma ging pleite, unser Gründungsmitglied verließ die Band und Daniel Myer nahm seinen Platz ein, Eskil heiratete und ließ sich wieder scheiden, ich habe eine Tochter bekommen… man kann wohl sagen, dass diese letzten Jahre für uns weit davon entfernt waren, ruhig zu sein, sondern den Aufnahmeprozess des Albums verlangsamt haben.

a: Während eurer letzten Konzerte hattet ihr auch einige neue Songs gespielt, wie zum Beispiel „I Would Give My Soul“ oder „Come“, die es nicht auf das Album geschafft haben. Warum eigentlich nicht? Montelius: Die Frage wurde mir in letzter Zeit häufig gestellt. Die Antwort ist einfach: Sie passten nicht. Ein Album ist nicht einfach eine Ansammlung von möglichen Hits. Es sollte eine Seele und Persönlichkeit haben. Wenn du einfach eine Menge Tanzflächenknaller oder Instant-Ohrwürmer ohne Sinn für Langlebigkeit auf einen Haufen stapelst, könntest du

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fe und p ö k k c i D e all »Wir sind chen!« s n e M e t i e romissber p m o k g i n e w onteliu Joakim M

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ratete. i e h l i k s E » iden!« e h c s r e d e ich wi Und ließ s

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Covenant

» A l l e s i s t s c h i e f g e l a u f e n , k e i n e H o f f n u n g a u f Ve r b e s s e r u n g «

auch direkt einfach elf Singles veröffentlichen. Die „ver-

nung verloren ist, gibt es nur noch Liebe. Und das ist die

lorenen“ Livesongs sind keineswegs verloren. Vermutlich

Wahrheit, wenn du mich fragst.

werden sie irgendwann als B-Seiten oder Albumtracks

a: Besonders, wenn man sich den Albumtitel

veröffentlicht. Aber wir mussten aus mehreren Dutzend

durch den Kopf gehen lässt, scheint es, als würdet ihr

Songs eine Auswahl an Stücken treffen, die „Modern Ru-

versuchen, ein Bild vom Zustand unserer Gesellschaft zu

in“ sind.

malen: Alles wird schneller, moderner, und die Menschen

a: Uns ist zu Ohren gekommen, dass du dich

hatten noch nie mehr Möglichkeiten. Aber auf der ande-

beim Song „The Road“ vom gleichnamigen Buch hast in-

ren Seite scheint die Welt auch zu zerfallen: Die Wirt-

spirieren lassen? Was genau hat dich an dieser Geschich-

schaftskrise, chaotische Wetterzustände, und die Lücke

te so fasziniert, dass du sie in einem eurer Songs inter-

zwischen Arm und Reich wird immer größer… lag es in

pretieren wolltest?

eurer Absicht, diese Bilder herauf zu beschwören?

Montelius: Als ich das Buch gelesen habe, war ich sofort von der Poesie gefesselt, die Art und Weise, wie diese unbeschreibliche Tragödie in Worte gefasst ist, so dass wir sie verstehen können. Die Geschichte spielt in einer Welt, die sogar noch schlimmer als meine bisheri-

J

a, natürlich. Wenn man sich dieser Themen nicht annehmen würde, hieße das, dass man absichtlich und bewusst der Realität ausweicht. Daher ist das definitiv ein Teil dieses Gedankens. Aber es ist auch ei-

ge Vorstellung von der Hölle ist. Alles ist schief gelaufen,

ne Art Kommentar zum „Tod“ des Gedanken des Moder-

es gibt keine Hoffnung auf Verbesserung, und dennoch

nismus. Als der Gedanke der Moderne neu war, vor un-

kämpfen die Charaktere darum, es richtig zu machen,

gefähr 100 Jahren, war es etwas Positives. Es gab einen

irgendwie ihre Menschlichkeit zu bewahren; sie lieben

Geist der Entwicklung, einen Idealismus und Glauben in

und fühlen und geben einfach nicht auf. Wenn alle Hoff-

unsere Fähigkeit, die Welt zu einem besseren Ort zu ma-

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echend r p s r e v l e i t sieht v f n u k u Z e i ÂťD

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aus!ÂŤ

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chen. Zusammen können wir wirklich etwas verändern.

a: In einem anderen Interview konnte man le-

Wie ich das sehe, wurde dieser Gedanke nach und nach

sen, dass Clas immer noch in gewisser Weise in der Band

durch einen selbstbezogenen Egoismus und zynischen

involviert ist. Hat er jetzt eine Art „Beraterfunktion“?

Individualismus ersetzt, der meiner Meinung nach kontraproduktiv und sogar zerstörerisch ist. Wenn wir nur noch an uns selbst und unseren eigenen Fortschritt in Richtung einer Art Zufriedenheit denken, dann haben wir ein echtes Problem.

c

las wird immer ein Teil von Covenant sein, auch wenn er kein aktives Mitglied mehr ist. Er kümmert sich noch um ein paar geschäftliche Angelegenheiten und wir verbringen immer noch Zeit als

a: Wie man hörte, hattest du, als ihr an „Mo-

Freunde zusammen, wir unterhalten uns über Musik, das

dern Ruin“ gearbeitet habt, nicht gerade eine einfache

Leben und andere Dinge, die Covenant letztendlich be-

Zeit in deinem Leben. Inwiefern hat dies die Songs be-

einflussen.

a: Inwiefern hat die Arbeit mit Daniel euren Ar-

einflusst, wenn es das denn getan hat? Montelius: Nun ja, unser Privatleben hat unsere Mu-

beitsprozess beeinflusst? Was würdet ihr als den größ-

sik immer schon beeinflusst. Covenant ist eigentlich ei-

ten Unterschied für den Sound von Covenant beschrei-

ne Verlängerung unserer Gefühle. In diesem Punkt ist

ben? Und was ist für euch der größte Unterschied in der

das bei „Modern Ruin“ nicht anders. Es stimmt, dass ich

persönlichen Zusammenarbeit?

eine harte Zeit hatte und es spiegelt sich in meinen Part

Montelius: Daniel ist als Klangkünstler bekannt. Und

auf dem Album wieder. Aber ich will das nicht zu sehr

er ist einer der besten Soundtüftler, die ich kenne, alle

analysieren, ich glaube nicht, dass es hilfreich ist, sei-

Kategorien mit einbezogen. Es ist eine Freude, mit ihm

ne Gefühle zu verkopfen. Dunkelheit und Verzweiflung

zu arbeiten und ich denke, die Verbindung aus seinen

sind normale Aspekte des Lebens und auf lange Sicht bin

Fähigkeiten als Produzent, Eskils Sinn für Melodien und

ich davon überzeugt, dass es unser Leben besser macht.

Kompositionen und meine Art und Weise, mit Worten

An jedem Hindernis, das du überwindest, wächst du als

umzugehen summiert sich zu etwas mit einem enormen

Mensch. Ich denke, dass ich jetzt ein besserer und glück-

Potential. Die Arbeit an „Modern Ruin“ fühlt sich wie ein

licherer Mensch bin, als ich es vor vier Jahren war. Auch

wackliger erster Schritt an, es hat eine Weile gedauert,

wenn ich mich manchmal so gefühlt habe, als ob das al-

sich aufeinander einzustellen und eine Art der Zusam-

les den Kampf nicht mehr wert ist.

menarbeit zu finden, mit der wir alle zufrieden sind. Die

mlung m a s n A e n i fach e »Nicht ein n Hits« e h c i l g ö m von

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egenh l e g n A e t s n st eine er i n l e g ü b »Hemden zu onteliu Joakim M

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eit!«

Kehrseite der Medaille ist, dass wir alle eher Dickköpfe

Montelius: Ich würde vermutlich niemals ein Cover-

und wenig kompromissbereite Menschen sind, nicht sehr

album machen, aber um der Vorstellung Genüge zu tun:

gut darin, anderen zuzuhören, was es schwer macht, ei-

David Bowie „Heroes“

ne gemeinsame Basis zu finden. Clas war nie aktiv am

Emmylou Harris „Wrecking Ball“

kreativen Prozess beteiligt, und Daniel wiederum ist es

Pink Floyd „Wish You Were Here“

gewohnt, der alleinige Kapitän auf seinem Schiff zu sein.

a: Bügelt ihr eure Anzüge noch selbst, oder

Aber wir werden besser. Daher sieht die Zukunft viel versprechend aus und ich bin gespannt darauf, zu sehen und zu hören was sie bringen wird.

a: Gelb scheint ja eine sehr präsente Farbe in eurem Artwork zu ein… warum, um Himmels Willen, GELB?!

habt ihr mittlerweile Personal dafür? Montelius: Hemden zu bügeln ist eine ernste Angelegenheit. Ich würde das nicht im Traum jemand anderen machen lassen.

a: Bei Ikea gibt es bereits einen Drehstuhl namens „Joakim“ – wann kommt das Sofa „Eskil“?

Montelius: Hast du‘s noch nicht gehört? Gelb ist das

Montelius: Zur Zeit verhandeln wir mit dem Kamp-

neue Schwarz. Denk daran, von wem du es zuerst ge-

rad-Imperium, aber sie versuchen nur, Profit aus uns zu

hört hast!

schlagen und bieten uns lächerlich niedrige Lizenzge-

a: Wenn ihr, wie jeder bekannte Künstler es ja

bühren an, daher gibt es hierfür zur Zeit keine Pläne. Ich

irgendwann macht, ein Album mit Coverversionen auf-

habe für diesen Drehstuhl keinen einzigen Cent gese-

nehmen würdet, welche drei Songs müssten auf jeden

hen. Aber ich habe gehört, dass sie an einer Multimedia-

Fall in der Tracklist sein?

möbel-Reihe namens „Daniel“ arbeiten. //

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--------------------------------------------------------------Album „Modern Ruin” seit 14.01.

i Erwachsenenelectro, der cool daherkommt, aber -12

manchmal jugendlich ausbricht. Review Seite

Covenant.se

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Die Krupps

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ereits seit ein paar Jahren schwelt das Feuer in den KRUPPS-Werken wieder. Auch ein kurzes Aufflackern konnte zwischenzeitlich bemerkt werden – angefacht durch den Wind gelungener Wiederveröffentlichungen sowie neuer Stücke auf der Werkschau „Too much history“. In diesen Tagen ist die Flamme der EBM-Pioniere nun wieder am Lodern und die neue EP „Als wären wir für immer“ eine echte Hausnummer. I n t e r v i e w : To r s t e n P a p e / /

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Illustration: Norman Winter //

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Die Krupps

»Krupps-Fans sind keine oberflächlichen Musikhörer - auf die ist Verlass!« Jürgen Engler kennt seine Pappenheimer

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W

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Die Krupps

enn man Jürgen Engler glauben darf,

nur als Schalk und besonders in Verbindung mit dem ver-

könnte sich seine Band sogar wieder zum

schmolzenen Logo – ein riesengroßes Augenzwinkern

Dauerbrenner entwickeln. Das Erfüllen

sehen. Könnt ihr über euch selbst schmunzeln oder war

von Erwartungshaltungen gehört jedoch weiterhin

das eher eine vorweggenommene Reaktion auf Stimmen

nicht zu den Aufgaben der Stahlwerker.

im Sinne von „Die sind ja einfach nicht tot zu kriegen.“ oder „Ach, die schon wieder!“?

a: Zunächst einmal: Schön, dass ihr wieder da

Engler: Ja, so kann man das sehen. Wir können sehr

seid! Warum war es euch wichtig, in guter alter Tradition

wohl über uns selber lachen! Dass wir nicht totzukriegen

einen Vorboten zum Album zu veröffentlichen?

sind, haben wir ja außerdem schon mehrfach bewiesen

Jürgen Engler: Das sollte kein Vorbote gewesen sein.

und live sind wir auch alles andere als eine Schlafkapel-

Ich persönlich finde es viel spannender, alle sechs Mona-

le. DIE KRUPPS sind eben einfach aus einem anderem Ei-

te Mini-Alben ohne Lückenfüller zu veröffentlichen, um

sen geschmiedet (lacht).

den Leuten den aktuellen Stand im Hause KRUPPS aufzuzeigen und keine langen Wartezeiten mehr zu verursachen, die so eine Produktion für ein komplettes Album braucht.

a: Hinter dem Titel der EP könnte man – nicht 128

a: Wie lange hat es eigentlich gedauert, euer Logo so „hinzubiegen“? Engler: Ich hab die Idee dazu ganz spontan gehabt, quasi als Assoziation zum Songtitel „Als wären wir für immer“, und habe dann eine Zeichnung für die Grafikerin

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»Das Amis denken, alles ist gut und schön, habe ich noch nicht gehört. Kritik ist hier viel hörbarer als drüben!« Wahl-Ami Engler

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Die Krupps

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ders herausgestellt, sondern es bleibt dem Hörer überlassen, diese zu entdecken. Das war damals bei „To The Hilt“ und „Fatherland“ genauso. KRUPPS-Fans sind keine oberflächlichen Musikhörer, auf die ist Verlass!

a: Zwei der vier neuen Stücke haben einen deutschen, die andern beiden einen englischen Text. Beim Cover mischt es sich dann sogar. Ist das Kalkül oder Zufall und wie wird die Gewichtung der Sprachen auf dem neuen Album ausfallen? Wie oft sprecht ihr im Alltag deutsch und wie oft englisch? Engler: Ich spreche hier in den USA natürlich mehr Englisch, aber spreche trotzdem auch ständig Deutsch mit meinen Mitstreitern, vor allem mit Chris, mit dem ich ja alle Produktionen mache. Wir telefonieren alle relativ häufig. Ansonsten ist die Wahl der Sprache eigentlich kein Kalkül, sondern ergibt sich meist aus der Stimmung des Songs heraus oder wo der Text geschrieben wird. Die Texte zu „Die Macht“ und den Titel-Song habe ich noch in Deutschland verfasst. Das passte einfach besser zu diesen teutonisch-wuchtigen Nummern. Und da es mir wichtig war, dass man in Deutschland die Texte zu gerade diesen beiden Songs versteht, war es einfach vorgegeben.

a:

Ist die deutsche Sprache doch besser,

wenn man politische oder sozialkritische Texte schreiben will? Was macht ihr, damit der Rest der Welt euch auch versteht? Wär doch schade, wenn zum Beispiel die Amis wirklich weiterhin denken, dass alles für immer gut

»Die deutsche Sprache ist besser, wenn...«

angefertigt. Das ging dann eigentlich relativ schnell.

und schön bleibt...

a: Warum habt ihr das Titelstück nicht an den

Engler: Die deutsche Sprache ist besser, wenn man

Anfang gestellt? Das wäre doch ein Auftritt mit Pauken

Texte mit wichtigem Inhalt den Leuten in Deutschland

und Trompeten gewesen. So wird man ja eher gemütlich

nahebringen möchte. Und Englisch, wenn man möchte,

an die neuen Stücke herangeführt.

dass einen der Rest der Welt versteht. Dass Amis den-

Engler: Das mag schon sein, aber bei den KRUPPS ist

ken, dass alles gut und schön ist, habe ich noch nicht

eben immer alles ein wenig anders. Da werden die bes-

gehört. Hier ist Kritik viel hörbarer als drüben, das kriegt

ten Stücke mal nicht am Anfang eines Albums beson-

man nur in Deutschland nicht mit, weil die Nachrichten

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Die Krupps

Die Krupps: Aus einem anderen Eisen geschmiedet

dermaßen zensiert sind, wie es eben in die Propaganda-

genheit auch mal gemacht habe. Ich war ziemlich beein-

Maschinerie passt. Man soll ja selbst immer am besten

druckt von der Qualität und Eigenständikeit der Musik,

dastehen. Da bleibt natürlich viel Wahrheit auf der Stre-

was mich neugierig machte. Wir trafen uns dann irgend-

cke! Ich weiß, wovon ich rede, da ich Meldungen aus

wann auf ihrer Europa-Tour vor einigen Jahren, und da-

dem U.S.-amerikanischen und deutschen Fernsehen, das

mit fing quasi dieser ständige Austausch an. Mittlerwei-

ich hier in allen Programen sehe, vergleichen kann. Sehr

le hat Ivan mehrere Remixe angefertigt, und ich schon

krass, kann ich nur sagen!

bei mehreren seiner Songs gesungen, gerade aktuell bei

a: Bei eurer Version vom „Dr. Mabuse“ habt

„New Resistance“ vom neuen Album, das im März er-

ihr sozusagen den Turbo angeworfen. Warum war euch

scheint. Davon können sich einige bekannte Bands ei-

dieser spezielle Kick und die Kombination alter Songele-

ne Riesenscheibe abschneiden. Die Jungs sind gut, ex-

mente in neuem Gewand wichtig?

trem gut!

Engler: Wir haben den Song schon seit Anfang der

a: Zum Schluss noch eine Leserfrage: Um das

90er im Programm, und zwar in ähnlicher Version, wie er

Riesenloch im südthüringischen Schmalkalden aufzufül-

jetzt auf dem Album zu hören ist. Ich wollte ihn nur noch

len, sollten 2000 Lkw-Ladungen Kies reingekippt wer-

bombastischer und moderner zurechtbiegen, was, glau-

den. Die Krupps hätten doch sicherlich eine bessere Lö-

be ich, funktioniert und somit den Song ins neue Mille-

sung auf Lager gehabt, oder?

nium gerettet hat. Ich denke, dass viele jüngere Fans ihn

Engler: Wozu zuschütten? Meine Idee wäre, das Loch

hier zum ersten Mal hören, und aufgrund des aktuellen

noch größer zu machen, so etwa bis auf die Größe der

Sounds auch mögen werden.

Cave Of Swallows in Mexiko, damit man deutschen Ex-

a: Ihr habt ja nun recht intensiv mit den Jungs

treme-Fallschirmspringern die lange Flugreise ersparen

von Vigilante zusammengearbeitet, einen ihrer Songs

kann! Für ein paar Euro kann dann jeder mal. Und wenn

„geklaut“, den Sänger eingespannt und sie dann auch

das Interesse nachlässt, kann man darin auch jede Men-

noch gezwungen einen Remix anzufertigen. Das geht ja

ge Unnützliches versenken. Davon gibt es immer genug!

fast schon in die Richtung der Remix-Wars. Wie kam die-

//

wb

ser produktive Krieg zustande und ist jemand verletzt worden? Engler: Die ganze Sache hatte ihren Ursprung vor vier Jahren, als mich der Sänger Ivan anschrieb, um mir zu sa-

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gen, dass er der größte KRUPPS-Fan

EP „Als wären wir für immer” seit 19.11.

auf dem Planeten ist (lacht). Er wollte

i Ein Gefühl wie Socken zu Weihnachten: Man macht keine Luftsprünge, aber brauchen kann man‘s trotzdem. Review Seite - 12

gerne, dass ich mir Musik von seinen beiden Bands VIGILANTE und HOPE-

Myspace.com/DieKrupps

LESS anhöre, was ich dann bei Gele-

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Ghost & Writer

ie zwei Pr D kannt. Zum otagonisten von Gh ost & Writ einen Jim me J e

ean-Ma myjoe r sin noch vertr rc, tätig in der Z Snark III, richtig d beBand The W auen konnte. Schli eit als man Wettermer Na„This is e eathermen sogar au eßlich war seine da ännern Frank M.Sp lectronic body mus f dem legendären Sa malige Sänger bei inath, der sich se ic“ vertreten. Zum mpler kann als P Seabound und Edge ine Sporen nicht nu anderen nes Kachel rofessor der Psych Of Dawn verdient, r als eine Frage n im Gehirn analys ologie bestimmt jed sondern ren zu erö geben, um den Pla ieren. Dennoch kann en Manusch mit d ffnen. en beiden es nur Her-

Interview

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: Spider //

Fotos: Cla udia Schön e / Erica H inyot //

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Ghost & Writer

»Ich war mal auf Frank‘s Doktor-Couch und ziemlich enttäuscht. Ich dachte, sie wäre aus Leder. Sie war aber ein Fake aus Plastik!« Jean-Marc verwechselt die Couch mit Franks Wasserbett

N

ervt es eigentlich, dass jeder diese Frage stellt:

Dann werfen wir die tiefschürfende Analytikma-

Wer von Euch ist der Ghost und wer der Writer?

schine mal an. Schließlich erkennt der aufmerksame

Frank M. Spinath: Wir haben uns erst lan-

Gucker Ihrer Videos, die auf diversen Seiten im Inter-

ge nach der Entscheidung für den Bandnamen überlegt,

net geistern, eine ausgeprägte Vorliebe für bestimm-

wer eigentlich wer ist. Die Zuordnung fiel uns dann je-

te cineastische Einflüsse.

doch relativ leicht. Jean-Marc ist sozusagen der „Ghost In the Machine“.

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a: Ihr selbst seht in Euren Songs viele Parallelen zu Filmen, speziell schwarz und weiß. Gilt das mehr

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als Metapher oder hattet Ihr konkrete Filme im Kopf? Jean-Marc: Es sind globale Metaphern, allgemeine Oden auf den Film Noir, in dem die Dinge nie so sind, wie

Noir und die Tragik, die so häufig mitschwingt. Ich finde sie zudem äußerst inspirierend für das Schreiben von Texten.

man sie erwartet und jeder ein Lügner ist. Ebenso sind

Tragisch könnte es auch enden, wenn in einer

die Songs der mythischen Frau gewidmet, die im Film

Bandbeziehung eine gewisse räumliche Distanz zwi-

Noir immer eine Verführerin und selten ein Engel ist.

schen den Musikern liegt.

Frank: Wir mögen die überzeichneten Figuren im Film

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a: Wie habt Ihr Euer Album eingespielt? So

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Ghost & Writer

Der Ghost (in the Machine) und der Writer: Globale Metaphern

richtig mit Bier trinken im Proberaum oder eher per Datenaustausch in der Unterhose am Computer? Jean-Marc: Ich glaube, es gibt wirklich eine Kamera in

Plastik. Frank: Er verwechselt da gerade die Couch mit meinem Wasserbett.

unserem Studio! „Beer and Underwears“ war tatsächlich

a: Da bleibt abschließend nur ein Mysterium

der Arbeitstitel für das Album (lautes Lachen). Die Datei-

zu klären. Laut Eurer Myspace-Seite seid Ihr im Vatikan

en wurden indes über das Internet ausgetauscht. Dass

wohnhaft. Steht der Papst auf elektronische Musik?

wird mehr und mehr die Arveitsweise Tracks aufzuneh-

Jean-Marc: Der Papst denkt, dass DAF so richtig in

men und wir fühlen uns beide sehr gut damit. Wir können

den Arsch treten und ist aktuell ein großer Throbbing

aber nur gemessenen Schrittes und nur an guten Tagen

Gristle-Fan.

an ihnen arbeiten. Außerdem sind wir im Stande Lieder wegzuwerfen, die nicht gut oder gesanglich nicht zufriedenstellend sind. Ich denke, diese Arbeitsweise ermöglicht es, bessere Alben zu produzieren. Frank: Ich verbringe auch in meinem Job viel Zeit am

Frank: Ich dachte eigentlich, der Papst hört nur : wumpscut:? Tja, wieder was gelernt.

a: Und ganz sicher freut er sich, im Bodystyler dieses informative Interview zu lesen. Unser Segen sei mit Euch. //

wc

PC und bin somit auf dem elektronischen Wege immer gut erreichbar. Ein kurzer Austausch „zwischendurch“, zum Beispiel über den Fortschritt einer Songbearbeitung, ist da immer drin. Das macht das Arbeiten an der Musik zu eine Art Bestandteil meiner täglichen Arbeitsroutine und Dinge liegen nicht tagelang rum. Aber ob man sich so auch menschlich näher

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kommt?

Album „Shipwrecks” seit 28.01.

a: Jean-Marc, Frank ist Doktor und Dozent für

i Beschwingt tanzbare Roadmovies, denen allen eine lyrische Tiefgründigkeit zugrunde liegt. Review - Seite 12

Psychologie. Lagst Du schon bei ihm auf der Couch? Jean-Marc: Ja und ich war enttäuscht. Ich dachte, die

GhostAndWriter.com

Couch sei aus echtem Leder, aber sie war ein Fake aus

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N o t h i n g To F e a r

R a z e ( r. ) b e i m I n t e r v i e w, n o c h v ö l l i g b e n o m m e n , b e k o m m t v o n N i c o e r k l ä r t , w i e man ein Interview richtig führt: „Wenigstens gibt es noch Arbeit“

Das „niedliche Geschöpf Eddie“ (im Korb) hatte seine ganz eigene Meinung zum Raze‘schem Interviewstil

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it Kopfschmerzen, tr端ben Erinnerungen an den Vorabend und ohne gefr端hst端ckt zu haben, begab ich mich mit einem Luxuslinienbus, der einem Ufo glich, auf den entbehrungsreichen und viel zu weich gefederten Weg in die Brandenburger Kreisstadt Luckenwalde. Interview: Sir Raze //

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d

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N o t h i n g To F e a r

ort wartete Nothing To Fear-Master Nico

treffend. Nun ist euer neues Album „Prepared Lies“ mit

Wache mit seinem niedlichen Hündchen.

einer Verspätung von einem Jahr erschienen. Wieso die-

Aus dem Bus stieg ein kreidebleicher, von

se Verzögerung? Brauchte die Postkutsche so lange um

Drogen- und Alkohol-Exzessen gezeich-

das Master zum Presswerk zu bringen?

neter Redakteur. Was sich Wache wohl gedacht hat? Bodystyler wollte es wissen.

Wache: Unser letztes Album haben wir 2003 auf den Markt geschmissen. Damals war noch nicht abzusehen,

a: Ich sehe schlecht aus, wie? Dann noch die-

dass es 8 Jahre bis zum nächsten Album dauern würde.

ses laute, pickelige Gezücht an der Haltestelle.

Wir hatten ursprünglich 2005 fr den Nachfolger gewählt,

Nico Wache: Ja. Es ist gerade Schulschluss.

allerdings sind da einige Sachen wie Beruf und Studium

a: Wie, hier gibt‘s ne Schule?

dazwischen gekommen. Außerdem hat sich unsere Auf-

Wache: Ja, aber nur in der Woche.

nahmetechnik in der Zeit verändert. Wir haben uns bei-

a: Sieh an. Dann warst Du sicher auch einst ein

spielsweise ein neues Studiomikrofon zugelegt und uns

Schulkind in Luckenwalde? Warum bist Du später nicht

infolgedessen dazu entschlossen den Gesang noch ein-

deinen Bandmitgliedern in eine größere Stadt gefolgt?

mal komplett neu aufzunehmen. Deshalb die Verzöge-

Stattdessen wohnst Du noch immer hier, wo doch nichts ist, außer geräuschintensive Plagen, Alkoholiker und ein Turm aus Felssteinen. Wache: Der Grund ist,

rung. Lieber ein bisschen spä-

»Jeder, der elektronische Musik mag, wird Nothing To Fear mögen. Da geht kein Weg daran vorbei!«

dass ich hier in Luckenwalde mein Lohn und Brot verdiene und da ist es eben praktisch keine längeren Anfahrtswege zu haben.

a: Wenigstens gibt es noch Arbeit. Die anderen NTF-Mitglieder wohnen aber nicht mehr in Luckenwalde, was? Wie macht ihr das mit den Proben? Probt eine Electro-Band überhaupt?

ter, als nie. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass unser nächstes Album auch wieder 8 Jahre bis zum Release braucht. Wir geben das Master beim nächsten Mal dem Busfahrer mit. Der

Bus scheint ja schneller zu sein, als die Kutsche.

a: Habt ihr eurer Meinung nach eine musikalische Veränderung gegenüber dem letzten Album vollzogen? Wie reflektiert ihr selbst eure Musik? Wache: Soundtechnisch auf alle Fälle. Die neuen Lieder sind hörbar druckvoller. Es gibt auch einige Titel auf

Wache: Selbstverständlich muss auch eine ElectroBand proben. Es ist ja nicht so, dass eine Taste gedrückt wird und alles passiert von allein.

a: Da überschätzt du aber anscheinend die Arbeitsweise einiger anderer Electro-Bands. Wache: Mag sein. Bei uns ist eben noch einiges oldschool und wir haben Spaß daran live spielen zu können. Irgendwann haben wir schließlich mal die Instrumente erlernt. Die Proben sind aufgrund der Entfernung in den letzten Jahren etwas seltener geworden. Unser Sänger Henning wohnt in Hamburg, Matze in Potsdam und ich bin hier zurückgeblieben in der Pampa.

a: Das rumänische Wort „Walachei“ wäre auch Alles Gute kommt von oben: H ö r e n s w e r t e r, k e r n i g e r E l e c t r o v o n N o t h i n g To F e a r

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N o t h i n g To F e a r

dem Album, die aus der Zeit des letzten Albums stam-

noch nicht. Aber wir driften ab.

men. Das werden vielleicht einige unserer Fans fest-

Ihr seid beim selben Management wie Dance Or Die.

stellen. Allerdings haben wir damit kein Problem, denn

Gab es mal Überlegungen gemeinsam mit denen, oder

8 Jahre sind eine Zeit, die eine Entwicklung durchaus

mit Sara Noxx, die ja auch ein Kind der Stadt Luckenwal-

widerspiegeln können. Wer unser altes Album mochte,

de ist, zu spielen?

wird mit Sicherheit unser neues Album gut finden. Wir

Wache: Mit Sara Noxx hatten wir bereits einen Auf-

haben den Spagat versucht, die etwas kernigeren Lie-

tritt. Das wäre sicherlich kein Problem nochmal was ge-

der mit den melancholisch-ruhigen Liedern zu verbin-

meinsam auf die Beine zu stellen, aber momentan kon-

den. Dabei bleiben wir immer rhythmisch. Diesmal ha-

zentrieren wir uns auf unsere CD-Veröffentlichung, spielen am 19.03. auf unserer Release-Party in der

»Wir geben das Master beim nächsten Mal dem Busfahrer mit. Der Bus scheint ja schneller zu sein, als die Kutsche!« Warum 8 Jahre bis zum neuen Album?

„Wunderbar“ in Luckenwalde zusammen mit Negative Sex, einem Nebenprojekt von mir, und schauen danach wie es live mit NTF weiter geht.

a: Ein niedlicher Hund sitzt da hinter mir. Der ist doch neu. Wache: Ja, dieses niedliche Geschöpf im Hundekörbchen haben wir Eddie getauft und er ist von uns aus

ben wir auch kein Instrumentalstück dabei. Insgesamt

dem Tierheim gerettet worden. Er war in der Zeitung ab-

sind wir bei unserem Stil geblieben, also nicht experi-

gebildet und hat mit seinem Charme und der Ausstrah-

menteller geworden.

lung gleich gepunktet.

a: Schade. Wache: Nicht unbedingt. Soundbasteleien sind natür-

a: Abschließend die Frage, ob du etwas von mir wissen möchtest?

lich nach wie vor dabei. Es bleibt hörenswerter, kerniger

Wache: Du kamst ja mit dem Bus. Mich würde inte-

Electro. Jeder der elektronische Musik mag, wird Nothing

ressieren, wie dein erster Eindruck war, als du die Tore

To Fear mögen. Da geht kein Weg daran vorbei.

von Luckenwalde passiert hast.

a: Da hasst Du recht. Ihr gehört nach Zelle 40

a: Das ist ja bereits einige Zeit her. Ossistadt

und vor Patenbrigade Wolff sicherlich zur Brandenburger

fiel mir als erstes ein. Begründet durch den Häuserleer-

Crème de la Crème der Electroszene.(lachen) Aber wie-

stand, die kleine Straßen und die verkommene Jugend.

so werdet ihr dann noch immer als Newcomer gehan-

Ich fühle mich wohl. Vielleicht ziehe ich ja mal her.

delt? Ihr seid seit über 10 Jahren am Start und Du hast eine riesige Uhr am Handgelenk.

Wache: Ja, da gibt es nichts zu beschönigen. Es gibt hier aber noch andere Ecken. //

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Wache: Das ist eine Frage, die wir uns immer selbst stellen. Allerdings liegt es sicherlich daran, dass wir promotiontechnisch noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Wir sind da manchmal zu selbstkritisch und zögerlich. Im Schnitt haben wir vier Auftritte im Jahr, was nicht gerade viel ist und bedeutend mehr sein könnte. Das ist in Zukunft sicherlich verbesserungswürdig. Aber mit der neuen CD im Gepäck sind wir so zufrieden, dass wir es jetzt nochmal wissen wollen. Die Zeit tickt

--------------------------------------------------------------Album „Prepared Lies” seit Januar 2011

i Verbinden Oldschool-EBM, Synth-Pop und 80s-Harmonien mit zeitgemäßen Düster-Electro. Das Resultat begeistert. Review Seite

-12

NothingToFear.de

und die große Uhr symbolisiert das sozusagen.

a: Ich finde Armbanduhren generell stressig. Der Mensch wird ständig gehetzt bzw. meint keine Zeit zu haben. Ist doch krass. Überall hängen Uhren rum, von den Kameras ganz zu schweigen. Hier glücklicherweise

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VERBUNDSTOFF

PAT E N B R I G A D E : W O L F F

DAS NEUE RELEASE VON PATENBRIGADE: WOLFF MIT REMIXEN UND NEUEN SONGS IM COOLEN EYECATCHER DIGIPAK ERHÄLTLICH ALS CD | LTD. COLLECTORS BOX | MP3 DOWNLOAD LIVE ON TOUR 14. APR - DUISBURG (GER) | 15. APR - MAGDEBURG (GER) | 16. APR - DRES DEN (GER) | 22. APR - FRANKFURT/M. (GER) | 23. APR - HANNOVER (GER) | 2 4 . A P R - B E R L I N ( G E R ) | 1 4 . M AY - U T R E C H T ( N L ) | 2 7 . M AY - B E R L I N ( G E R )

W W W. PAT E N B R I G A D E . C O M

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Elias Matt & the Rescue Mission

Der Mann mit dem roten ThälmannpionierHalstuch ist ein betonter Eigenbrödler, der zwar keine Dave-Gahan-Dance-Moves beherrscht, dafür aber auf alte Maschinen, ABBA und AC/DC steht. Na immerhin. Interview: Sally Nope //

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Elias Matt & the Rescue Mission

»Progressiv sein zu müssen ist furchtbar anstrengend!«

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Elias Matt & the Rescue Mission

»Warum nicht Achtziger Retro-Pop gemischt mit Gothic-Eurodance, nachdem Blutengel und andere sogar Gothic-Schlager etabliert haben?«

d

as neue Album von Elias Matt und seiner Band

und Zeitgeist manchmal fast meschugge. Der Ansatz

Rescue Mission trägt den Titel „Achtung, Alpha!“

für unser Projekt kam aber dadurch, dass wir einen al-

und ist ein bewusst rückwärtsgewandtes Werk

ten ARP-Odyssey-Klanggenerator, Baujahr 1972, bekom-

zwischen 80s-Retropop und Gothic-Eurodance. BODYSTY-

men haben. Was da raus kam, war einfach grausig schön

LER wollte es genau wissen und fragte nach.

im Gegensatz zum digitalen Dünnbier von Software. Das

a: In Kürze erscheint Euer Album „Achtung! Al-

war spannend. Da kam erst mal nichts und später immer-

pha“. Die Platte wird auf Wannsee Records, dem Label

hin Rauschen und Brummen raus. Wir bewundern die Leu-

von Nik Page veröffentlicht. Wie kam es zu dem Deal mit

te, die damals mit diesen Geräten Musik gemacht haben.

Wannsee?

Wir wollten das selbst versuchen und erleben. So war

Elias: Nik kenne ich jetzt seit 20 Jahren, seit den An-

das Nachspüren der Arbeit der Elektro-Musikanten frühe-

fangsjahren der Blind Passengers. Er hat in einem Ge-

rer Pionierzeiten eben neuer und spannender für uns, als

spräch irgendwann unkompliziert seine Zusammenarbeit

einfach nur mit der Computermaus bequem Sounddaten-

für diese Projekt angeboten. Gesagt! Getan! Zack-Zack!

banken zu durchsuchen.

Nik ist ein verbindlicher, korrekter und zuverlässiger

a: Neben Sounds der 80er Jahre, erinnert Eure

Mann. Für uns war die Zusammenarbeit mit Wannsee Re-

Musik auch stark an Eurodance. Waren Dr. Alban & Co je-

cords sofort die beste Lösung. Wir haben gar nicht wei-

mals ein Einfluss für Euch?

ter akquiriert.

Elias: Einflüsse aus dieser Richtung sind mir nicht be-

a: Akqui… was? Egal. Offenbar seid Ihr große

wusst. Aber, welche Eindrücke letztlich in Musik einflie-

Freunde analoger Klangerzeugung. Du hast mal gesagt,

ßen, kann man ja als Musiker selbst nicht so klar erken-

Du bekommst sogar Kopfschmerzen von modernen Digi-

nen, wie Du es vielleicht tust. Wir sind da nicht beschränkt

tal- und Software-Synthesizern. Aua, aua. Auch Kraftwerk

und offenen Geistes, wenn uns jemand mit solchen Ein-

werden immer wieder als große Inspiration in Eurer Bio-

drücken überrascht. Warum nicht Achtziger Retro-Pop ge-

grafie genannt. Was macht für Euch die enorme Faszinati-

mischt mit Gothic-Eurodance, nachdem Blutengel und an-

on an der Musik von damals aus?

dere sogar Gothic-Schlager etabliert haben? Wir finden

Elias: Wir sind völlig anachronistische Subjekte. Al-

auch ABBA und AC/DC gut. Hört man das auch?

les was zeitlich weit zurückliegt wirkt so schön verklärt.

a: Nö, aber apropos Gothic-Schlager: In Eurer

Und progressiv sein zu müssen ist furchtbar anstren-

Ankündigung zum neuen Album ist von der totalen Ver-

gend. Gerade in Berlin werden wir vor lauter Fortschritt

weigerung gegenüber Szeneklischees die Rede. Die The-

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Elias Matt & the Rescue Mission

men und sprachlichen Bilder, die Ihr verwendet sind aber

te gemacht haben, wenn auch mit ein paar Moll-Akkor-

doch typisch für die Düsterszene. Wie hebt Ihr Euch Eurer

den. Aber man kommt wohl aus seiner Haut nicht raus.

Meinung nach dennoch von anderen Veröffentlichungen

Im Endeffekt popeln wir doch immer wieder in den Wun-

aus dem Genre ab?

den der bösen Menschheit rum. Also, Zynismus hilft uns

Elias: Steht das so in der Presseinfo? Ich finde wir sind

da nicht raus. Etwas Ironie lindert zumindest Welten-

der Archetyp des Klischees einer Retro-Szene-Musikgrup-

schmerz. Letztlich mahnen wir subtil ironisch vor der Al-

pe. Das einzige was ich behaupten kann ist, dass ich auf

pha-Figur und dessen Glorifizierung.

der Bühne nicht am Mikroständer stehe und versuche wie

a: Kommen

wir von der Philosophie mal zu

Dave Gahan zu tanzen. Das kann ich nicht. Dafür entglei-

den harten Fakten. Stichwort: Vermarktung. Werbeplaka-

sen mir erfahrungsgemäß eher mal das Gesicht oder die

te, Hochglanzvideos, Vorabsingles - Ihr verzichtet auf den

Hände in neurotische Zuckungen. Und ich werde weder in

typischen Promotion-Rummel und bewerbt Euer Album

Videos noch auf Fotos oder sonst wo bemüht böser gu-

stattdessen mit einem Video einer „Propagandarede“.

cken, als ich eigentlich bin. Ansonsten fühlen wir uns ei-

War das Marketing-Budget zu klein oder ist das künstleri-

gentlich ganz wohl mit vielen Attitüden der Szene.

sche Konsequenz, Eure Scheibe auf diesem Wege zu be-

a: Das dachten wir uns schon, denn auch das

werben?

Weltbild, das Ihr in Euren Texten zeichnet ist – ganz in

Elias: Wir lassen ja nur die Veröffentlichung einer Vor-

Gothic-Manier - nicht sehr hoffnungsvoll. Wie ist das Le-

ab-Single weg und zeigen eine erbauliche Rede. Die soll

ben im Angesicht der Unterdrückung von Alpha-Persön-

unterhaltsam und ich sag mal anregend für die Menschen

lichkeiten dennoch erträglich? Kann Zynismus ein Aus-

sein und unser Album würdig einführen. Was soll dieser

weg sein?

Anfütter-Klecker-Kram mit dem man den Leuten gnädig

Elias: Nun, weniger Zynismus, als eher Ironie und viel-

schon mal einen Brocken hinwirft. Dann doch gleich das

leicht auch Selbstironie. Ich merke aber übrigens gera-

Album. Wir haben das einfach aus dem Bauch heraus so

de, dass so ein Interview sehr hilfreich ist, um die eigene

gemacht. Zum Glück quatscht uns da keiner rein. Viel-

Selbstwahrnehmung zu hinterfragen. Eigentlich dachte

leicht bin ich aber auch einfach nur meschugge und habe

ich, dass wir eine total positiv anregende Retro-Pop-Plat-

keine Ahnung von Marketing. //

wb

--------------------------------------------------------------Album „Achtung! Alpha” ab 11.02.

i Solide, eingängige Pop-Platte, insgesamt aber zu akademisch und offensichtlich bemüht geraten. Review Seite - 12 EliasMatt.de

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Bunny Lake

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W

ien reimt sich ja nicht nur gut auf Berlin! Suzy On The Rocks und Christian Fuchs beweisen, dass hauptst채dtische Feierkultur im S체den eine Portion morbiden Glam besitzt und ein 3-Minuten-Track hier immer noch unendlich mehr sein kann als Tanzmusik. Interview: Ivo Klassmann //

157

Fotos: Christoph Pirnbacher //

/ / E l e c t r o Z i n e. n e t / f e a t u r e

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Bunny Lake

ÂťDen deutschen Markt kapiere ich gar nicht. Jedes Genre, ob Hip Hop, Metal oder Gothic, hat dort einen eindeutigen Schlagertouch!ÂŤ

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Bunny Lake

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b

ezüglich iTunes existieren wahrscheinlich

wir auch noch lange zehren. Auf der anderen Seite wur-

ebenso viele Klischees wie über Österreich.

de etwa die riesige Lifeball-Show am Wiener Rathaus-

Andererseits lässt sich damit ganz entspannt

platz wegen starkem Regen gecancelt. Und das zehn Mi-

auswerten, dass man, musikalisch gesehen,

nuten vor unserer Performance und während Bill Clinton

gar nicht mehr so hart druff ist, wie man selbst glaubt.

schon auf seine Rede wartete.

Statistisch habe ich dieses Jahr die meiste Zeit mit BUN-

a: Turbulent ist sicher auch ein Wechsel des

NY LAKE verbracht, einer Band, die in 6 Jahren und 3

Studios: raus aus der Steiermark, rein ins unterkühlte

Alben den Weg vom vielbeachteten Underground „In-

hektische Wien. Darf man das als Selbstversuch versus

to The Future“ of preisgekrönten genialem Pop bewäl-

der Spittelberg / Neubau-Gentrifizierung verstehen oder

tigt hat.Dagegen ist ja mal nix einzuwenden, außer viel-

lauern hier einfach doch mehr Inspirationen gleich um

leicht der Frage, warum deren ernstgemeinte Tabubrüche hierzulande nur halb so bekannt sind wie

»Wir gehören von Anfang an zu den kosmopolitischsten Bands in Österreich!«

die Ecke? Fuchs: Die Inspirationen sammelt man im Laufe der Zeit an, die kom-

Schamlippen-OPs!? Es ist

men aus allen Richtungen,

an der Zeit, sich einem

da ist der Ort des Studios

Nahkampf mit dem Heerführer der Army Of Lovers aus-

relativ egal. Diesbezüglich sind wir immer noch in der

zuliefern.

Steiermark verankert. Im Sommer haben wir dort in der

a: Servus

Christian, momentan ist ja idea-

Abgeschiedenheit begonnen, erste Songs fürs nächste

les Wetter, um die stimmungsaufhellende Wirkung der

Album zu schreiben, mittlerweile gibt es schon etliche

Songs vom letzten Album auch ganz real zu testen.

Demos. Allerdings ist unser Stammproduzent Christo-

Christian Fuchs: Das momentane Wetter schreit

pher Just eben von New York wieder nach Wien zurück-

nach weiteren stimmungsaufhellenden Songs. Tatsäch-

gezogen und in seinem Wohnzimmer im sechsten Be-

lich sind die Winter in Wien, zumindest für mich, nicht so

zirk werden in den nächsten Monaten die Songentwürfe

leicht zu ertragen und zusammen mit manchen jahres-

wohl mutieren. Und dann planen wir diesmal, wenn wir

zeitlich bedingten Kollateralschäden im Freundeskreis

es finanziell hinkriegen, auch einen weiteren Producer

eine anhaltende Inspiration.

einzubinden, der dann alles am Ende mixt.

a: Gibt‘s, rückblickend auf die letzten Monate, schon ein erstes Fazit?

a: Vor ein paar Wochen hat eure Managerin Katha in der Mica-Music-Austria noch gesagt: „Es ist

Fuchs: Es war sicher unser turbulentestes Jahr als

schwachsinnig für ein Video 10.000 � auszugeben, es ist

Band bisher, eine Achterbahnbahrt zwischen absoluter

besser investiert in Partner, die mir über meine Grenzen

Euphorie und oft auch sehr großer Erschöpfung. Einer-

hinaus helfen können.“ Und jetzt kommt ihr mit einem

seits Momente wie unser Auftritt beim Donauinselfest

Knaller in edlem schwarz/weiß von Modefotografin Iri-

vor 40.000 Menschen oder auch die unvergleichliche Er-

na Gavrich daher. Hattet ihr diesbezüglich Stimmungs-

fahrung beim Popfest Wien, wo wir in einer lauen Som-

schwankungen oder ist das Video so ‚ne fixe HD-Sache

mernacht im Zentrum der Stadt spielten, mit der Karls-

mit ner Spiegelreflex-Kamera?

kirche hinter uns und einem Publikum, das vor uns im

Fuchs: Da hat Katha wohl einige zwiespältige Er-

Teich tanzte. Von den Gigs in Moskau und Rom werden

fahrungen verarbeitet, die uns allen gemeinsam pas-

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Bunny Lake

siert sind. Wir haben ja unser ganzes Videobudget mit

in Österreich. Auf der anderen Seite wäre nichts lächer-

dem Clip zu „1994“ verschossen, weil wir da in London

licher, als so zu tun, als käme man nicht aus Wien, son-

gedreht haben und das mit großen Unkosten verbun-

dern aus Brooklyn oder London. Also zapfen wir neben

den war. Dabei gibt es für solche Hochglanz-Clips ein-

internationalen Einflüssen auch das wenige Brauchba-

fach kaum Kanäle mehr. Und es muss eine Maschine-

re in dieser Hinsicht aus Österreich an. Es gibt bei uns

rie dahinterstehen, um sie zu pushen, die wir einfach

eh kaum eine Rock‘n‘Roll-Tradition, auf die man zurück-

nicht haben. Bei uns läuft trotz Major alles wie auf einem

greifen kann. Aber dafür Kunst, Kultur, Falco und weiße

mittleren Indielabel ab, man muss genau auf die Kohle

Pferde!

schauen. Deshalb nerven wir jetzt wieder unsere Freun-

Und zum deutschen Markt: Den kapiere ich ja gar

de mit Anfragen, wie in den Jahren zuvor. Irina Gavrich

nicht. Als extrem anglophiler Mensch leuchtet mir nicht

ist mit uns seit jeher verbandelt und eine gute Freundin

nur die britische Rock‘n‘Roll-, Indie- und Electro-Szene

unserer Sängerin Suzy. Wirklich teuer an dem Video zu

ein, auch den Chartspop verstehe ich dort. Im Gegenzug

„Army Of Lovers“ war die Miete der extrem raren Kame-

habe ich mir heuer extra die Echo-Awards angeschaut,

ras, ansonsten hat das ganze Team für uns zu speziellen

um den deutschen Popmainstream mehr zu begreifen.

Konditionen gearbeitet. Danke Irina an dieser Stelle! Wir

Aber mir war das alles fremd. Jedes Genre, ob Hip Hop,

lieben das Video.

Metal oder Gothic, hatte dort einen eindeutigen Schla-

a: War die visuelle Umsetzung von Gefühlen

gertouch, jeder Musiker ein supereindeutiges Image, na-

in Slow Motion hierbei eure Idee oder hättest du als Ös-

türlich ist die deutsche Sprache Pflicht. Alles sehr weit

terreichs „Herr der Filme“ lieber doch was opulenteres, so etwas wie ein Mashup aus “Possession” und „Ich sehe den Mann deiner Träume“ gehabt? Fuchs: Die Idee stammte von Irina Gavrich, die von Anfang an eher mit Referenzen und Einflüssen aus der Kunstszene und der Fotografie kam. Es ist ja kein typisches Popvideo, sondern hat mit dem Schwarzweiß auch eine gewisse Strenge. Ich habe durch Erfahrung gelernt, dass man sich besser wenig einmischt, wenn ein Regisseur mit einer klaren Vision kommt. Das ist vielleicht überhaupt eine der wichtigsten Erkenntnisse, auch beim Musikmachen und Produzieren: Wenn eine ganz andere, aber sehr gute Idee daherkommt, muss man loslassen lernen, neue Wege miteinschlagen und nicht krampfhaft auf den eigenen Vorstellungen beharren. Mir war bei dem Video nur wichtig, das es nicht bloß dekorativ und stylisch wird, sondern auch Gefühle transportiert.

a: Thema Transport: Kann es sein, dass euch der deutsche Markt etwas ignoriert, weil man in euren Videos Lipizzaner-Hengste und Balletttänzer sieht und der Piefke dies reflexartig mit einer „Mir san mir!“-Perspektive verwechselt? Fuchs: Ich denke, eine „Mir san mir“-Perspektive flackert bei Bunny Lake in keiner Sekunde auf. Wir gehören sicher von Anfang an zu den kosmopolitischsten Bands

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mons.net auf sich? Fuchs: Die Single wird neben den tollen Mixen von Designer Drugs und Polariot eben auch den JBAG-Mix enthalten! Sowie einen atmosphärisch-ruhigen Remix von „Seelenluft“ und einen absoluten Electro-Kracher Man muss loslassen lernen,

der Linzer Shootingstars A.G. Trio. Der Remixcontest war

wenn eine andere Idee kommt

eine Idee des Blogs Disco Demons, mit dem wir befreundet sind. Es gibt schon sehr viele Einsendungen, die wir gerade durchhören, da ist fetter Stoff dabei. Der Gewinner kommt auf unsere nächste Single im Frühjahr.

a: Wenn es noch Grenzen zwischen Indie und Mainstream gibt, dann habt ihr die in alle nur erdenklichen Richtungen letztes Jahr mehrfach überquert. Was war denn 2010 für Euch der „The Beautiful Fall“ schlechthin - die Bunny Tour de force im Opel Zafira, der orkanartige Life Ball oder...? Fuchs: Definitiv der schon erwähnte Lifeball-Auftritt mit Kenneth Cole, der ins Wasser gefallen ist. Das Beatpatrol-Festival spielten wir auch waschelnass im Sturm, weg von Bunny Lake.

in Vorarlberg wateten wir im Schlamm. Ich sag ja immer:

a: Apropos Kunst, Kultur und Mode: habt ihr

Das Wetter, der größte Feind jedes Musikers. Aber Suzy

weiterhin Kontakt zu Kenneth Cole, hat Suzy überhaupt

ist da sehr tough, die lässt einen nicht jammern. Also

noch Zeit als Model und Stylistin zu arbeiten und warum

stürzen wir uns jetzt ins nächste Album-Abenteuer.

durften bisher nur die Guys vom Pariser Kitsuné Fashion/

a: Danke für deine Zeit, angenehmen Start

Music Label den „Army Of Lovers - JBAG‘s Hot Pop Edit“

ins neue Jahr und vielleicht hast du noch ne positive

auf ihre Ponystep Compilation packen?

Botschaft für unsere Leser die auch als guter Vorsatz

Fuchs: Den Kontakt zu Kenneth Cole hoffen wir bei

taugt?

einem New York-Besuch im nächsten Jahr wieder mehr

Fuchs: Ein ganz uneitel gemeintes Songzitat: „We will

aufzufrischen. Suzy hat sich vom Modeln eher zurückge-

be fucked up but allright, into the future, here we come.“

zogen, arbeitet aber weiterhin als Stylistin und schließt

//

wc

vor allem in naher Zukunft ihr Studium ab. Und die Kitsuné-Jungs waren deshalb so flink, weil Jerry Bouthier von JBAG ja zu deren Posse gehört und der DJ-Hausherr des Ponystep-Clubs ist. Jerry kennen wir schon länger, durch seinen DJ-Kumpel Mark Moore (S-Express), der einer unserer frühesten Förderer war.

a: Na, dann fördern wir mal mit, Panade aufs Schnitzel und raus mit den Fakten. Wann genau wird man nun per Single für die „Army Of Lovers“ rekrutiert? Fuchs: Die Single kommt endlich Ende Januar. BODYSTYLER: Sind da endlich die Mixe von DESIGNER

--------------------------------------------------------------Album „Army Of Lovers” seit 28.01.

i Diese Army ist auf dem Vormarsch in die Clubs. Filigran und raffiniert. Review Seite - 12

DRUGS und POLARIOT drauf, und was genau hat es mit dem noch laufenden Remix-Wettbewerb bei discode-

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BunnyLake.net

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Edge Of Dawn

»Seit wir mit Rummelsnuff befreundet sind, zieht uns niemand mehr auf!«

Interview: Frank Bentert //

Fotos: Claudia Schöne //

A

uch diesmal haben wir wieder keine Kosten

dem muss unsere Musik am Ende so sein, dass wir sie

und Mühen gescheut, um eines unserer be-

nicht nur guten Gewissens veröffentlichen können, son-

rüchtigten und ausgeklügelten Verhöre durch-

dern selbst auch Spaß daran haben, sie zu hören. Wenn

zuführen. In Anbetracht der Brisanz des Er-

ich dabei regelmäßig denken würde, dass man dieses

gebnisses kann vorab aber nur so viel verraten werden,

oder jenes mit etwas mehr Zeit und Liebe zum Detail

dass Edge of Dawn blaue Briefmarken hässlich finden,

deutlich hätte besser machen können, würde ich mich

in einer offenen Beziehung leben und moralisch wert-

doch regelmäßig ärgern. Daher also lieber gleich „Wert-

voller sind, was aber eine prinzipielle Käuflichkeit nicht

arbeit“.

ausschließt.

a: Warum seid ihr so gut und warum gibt es das Gute nur so selten? Frank Spinath: Was ist das denn für ein Intervieweinstieg? (lacht)

a: Ist Eure Veröffentlichungspolitik eine Art erzieherische Maßnahme für die Fans, quasi wie früher bei den Eltern, die einem immer weiß machen wollten, dass man Dinge von Qualität nur dann zu schätzen lernt, wenn man sie selten bekommt?

a: Ja, okay, so ’ne schneidige Frage zu Beginn

Spinath: Dass Seltenes wertvoller wird, ist für Samm-

kann einen schon mal aus der Bahn werfen, verstehe

ler ja ein altbekanntes Phänomen. Die „Blaue Mauritius“

ich. Wir hätten vielleicht vorher klären sollen, dass die

ist ja nicht ernsthaft eine der schönsten Briefmarken der

Fragen beim BODYSTYLER eben noch aus dem investiga-

Welt, aber sie gehört aufgrund ihrer Seltenheit zu den

tiven Instinkt heraus entwickelt werden, nach dem Mot-

begehrtesten. Ich habe selber mal eine Ausstellung be-

to „grad gedacht, schon gefracht“! Schonungslos und di-

sucht, nur um ein Exemplar dieser Marke zu sehen.

rekt, wie wir eben so sind. Also bitte...

a: Frank, Du

kannst mich auch direkt fra-

Spinath: Okay, erst einmal danke für das Lob. Mario

gen, ob Du mir mal Deine Briefmarkensammlung zeigen

und ich sind Perfektionisten und nehmen uns schon des-

darfst, dafür musst Du mich nicht erst mit philatelischem

halb viel Zeit für die Produktion unserer Songs. Außer-

Fachwissen einlullen! Nummern tauschen wir aber erst

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Edge Of Dawn beim Beantworten unserer Fragen: „Was ist denn das für ein Intervieweinstieg?“

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Edge Of Dawn

ÂťIch fĂźhre eine offene Beziehung. Alle Beteiligte Und wichtig ist, das niemand zu kurz kommt!

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später, erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Spinath: Ich finde im übrigen die Zahl an Edge Of Dawn-Veröffentlichungen in den letzten Jahren gar nicht so gering, wenn man bedenkt, dass sowohl Mario als auch ich noch Vollzeitjobs nachgehen.

a: Mit dieser Antwort bietest Du mir dann auch gleich eine prima Überleitung zu einer weiteren tollen Frage aus dem „Was ich schon immer wissen wollte“-Beutel. Ich bewundere Musiker, die so viel kreatives Potential in sich haben, dass Sie auf vielen Hochzeiten tanzen können. Aber mal ehrlich, kommt es da nicht auch zu Konflikten innerhalb der Projekte oder gar mit Mario? Spinath: Ich führe, wenn man so will, eine offene Beziehung, was die Musikprojekte angeht. Das heißt: Alle Beteiligten wissen voneinander! Wichtig ist, dass niemand den Eindruck bekommt, zu kurz zu kommen. Nebenbei gesagt verfolgt ja auch Mario weitere musikalische Aktivitäten, z.B. im Rahmen von Produktionen oder Remixen.

a: Bei all der Offenheit lassen sich doch aber Konflikte nicht ganz vermeiden, also mal Butter bei die Fische, wann habt ihr denn zuletzt so richtig dolle gezofft und was war der Grund? Spinath: Wir haben uns im Laufe unserer Bandgeschichte bislang eigentlich erst einmal richtig gezofft und dabei ging es um die endgültige Gestaltung des Covers von „Anything That Gets You Through The Night“. Eigentlich witzig, wenn ich es mir jetzt so überlege, dass wir Krach bekommen haben wegen des Artworks und nicht wegen der Musik. Vermutlich ist nach einer längeren Zeit der Zusammenarbeit so etwas aber auch einfach irgendwann einmal fällig. Nachdem sich die Aufregung dann gelegt hat, gehen alle Beteiligten wieder etwas behutsamer miteinander um.

a: Das ist in den meisten Ehen auch nicht anders. Nach so und so vielen Jahren muss man sich eben ab und an mal eins vor die Mütze hauen, damit es danach wieder funkt. Die Frage nach dem Versöhnungssex erspare ich mir aber an dieser Stelle. Kehren wir lieber zurück in musikalische Gefilde: Zwei Studioalben sind,

en wissen voneinander!«

gemessen an einer Bandgeschichte, die schon 1998 begründet wurde, eigentlich so nicht sonderlich viel. Werdet ihr damit von anderen Bands oft aufgezogen? Spinath: Seit wir mit Rummelsnuff befreundet sind,

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Edge Of Dawn

A l s S c h r e i b e r Ve r ö f f e n t l i c h u n g e n m i t S p o t t ü b e r z i e h e n : E d g e O f D a w n

zieht uns eigentlich niemand mehr auf (lacht).

im Laufe der Zeit entstanden und dann irgendwann auf

a: Es hat sich also scheinbar bei Euren Kol-

der Strecke geblieben ist. Ich persönlich hätte auch kein

legen noch nicht herum gesprochen, dass der Roger

Problem damit, diese Stücke weiterzugeben. Warte mal,

eigentlich ein ganz lieber und nur als Kind in den Zau-

da klopft es schon an meiner Tür... (lacht).

bertrank gefallen ist?! Aber gut, wir wären ja nicht so

a: Ich

könnte jetzt Vermutungen anstellen,

erfolgreich, wenn wir nicht auch ein Geheimnis für uns

wer da vor der Tür steht, möchte der BODYSTYLER-

behalten könnten. Also soll er Euch auch zukünftig die

Rechtsabteilung aber nicht noch mehr Arbeit machen,

Lästerer vom Hals halten. Du wolltest noch etwas sa-

als die ohnehin schon hat. Stattdessen interessiert mich

gen?

vielmehr, wer denn gar nicht erst zu fragen bräuchte?

Spinath: In meiner persönlichen Zeitrechnung be-

Spinath: Fragen dürfte erst einmal jeder.

ginnt Edge Of Dawn ja erst 2005 und 2 Alben sowie drei

a: Das ist aber sehr sozial von Euch und freut

EPs sind aus meiner Sicht eine sehr stimmige Bilanz. Zu

bestimmt den einen oder anderen mitlesenden potenti-

allem, was davor liegt, musst Du Mario direkt befragen.

ellen Käufer. Demnächst klingelt es dann also vermutlich

a: Wenn wir mal theoretisch davon ausgehen,

öfter! Die Daten für unser Provisions-Konto kannst Du

dass ihr in den letzten Jahren trotz weniger Veröffentli-

bei unserem Chefredaktuer Bodyhorst direkt erfragen!

chungen kontinuierlich Stücke produziert habt, müsstet

Vertiefen wir die Sache mit der Mildtätigkeit noch etwas.

Ihr eine ganze Menge Material in Petto haben, das nun

Woher kommt eigentlich euer Faible für EPs und warum

auf diversen Festplatten und anderen Speichermedien

sind die bei Euch immer so reichhaltig gefüllt?

vor sich hin reift. Was macht ihr damit? Würdet Ihr an Bands verkaufen, die in einem kreativen Loch stecken? Spinath: Ja, es gibt das eine oder andere Demo, das

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Spinath: EPs stellen aus meiner Sicht neben Alben das optimale Format dar. Wir füllen sie so, wie wir sie uns auch von anderen wünschen: Ein Titelstück in neuem

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Edge Of Dawn

Zuschnitt, interessante alternative Versionen von ausge-

künftig meine Pakete auch nur noch in Deinem Namen

wählten Albumtracks sowie etwas ganz Neues. Einfach

bestellen (für Leser-Sammelbestellungen bitte bei der

mehr Wert für‘s Geld und nicht ein Dutzend mehr oder

Redaktion melden!). Ist sonst noch irgendwo was zu ho-

weniger profillose Remixe ein- und desselben Titels.

len? Vielleicht bei prominenten EOD-Anhängern?

a:

Diese Grundeinstellung ehrt Euch total,

Spinath: Mich freut es, wenn andere Musiker, die ich

ehrlich! Vielleicht solltet ihr Kurse in Sachen Qualitäts-

schätze, unsere Musik mögen. Ein Lob von Daniel Myer

standards für Extended Player geben. Der eine oder an-

oder Eskil freut mich beispielsweise sehr, weil ich weiß,

dere Kollege wäre Euch dafür sicher dankbar, von den

dass sie verstehen, wie Musik tickt.

Fans mal ganz abgesehen. Appropos Fans: In wie fern

a: Auch wenn die Frage Euch vielleicht belus-

berührt Euch die Meinung der Öffentlichkeit in Bezug auf

tigen wird, weil viel zu früh... einige Fans wird es wohl

das, was ihr tut? Habt ihr Momente, in denen Ihr denkt

dennoch jetzt schon interessieren, was wann als nächs-

„Mir doch egal, was Du sagst oder schreibst, ich find‘s

tes von Euch kommt?

gut“?

Spinath: Mario lernt zur Zeit Harfe spielen, um dem

Spinath: Ich wünschte manchmal, „mir doch egal

Sound von EOD ein noch stärkeres authentisches Feeling

was Du sagst oder schreibst, ich find‘s gut“ wäre sowas

zu geben. Sobald er damit zu hörbaren Ergebnissen ge-

wie die allgemeine Voreinstellung meines Denkens. Mich

langt ist, stürzen wir uns in die Arbeit an neuen Songs.

erreicht Kritik in der Regel nämlich selbst dann, wenn

a: Klingt ... interessant. Falls Ihr da noch je-

ich von einer Sache voll und ganz überzeugt bin. Ist viel-

manden für Triangel oder Becken braucht, könnt ihr im

leicht so ein Gerechtigkeitsgedanke, dass authentisches,

Heft gern ’ne Anzeige schalten!

kreatives Schaffen immer Respekt verdient. Dann fal-

Uns bleibt da nur die Hoffnung, dass Mario wegen der

len mir aber üblicherweise eine Reihe von Veröffentli-

Authentizität nicht erst noch auf langes blondes Engels-

chungen ein, die ich selbst kaum ertragen kann und als

haar wartet. Für den Fall dass doch, empfehle ich ihm

Schreiber mit Spott überziehen würde, und ich bin wie-

Bier und Ei ... Was er daraus jetzt macht, bleibt allerdings

der versöhnt: Am Ende darf jeder mögen oder nicht mö-

ihm überlassen.

gen, was er will. Und das ist auch gut so.

a: Also für den Fall, dass Du noch eine weitere Nebenbeschäftigung suchst und mal ohne Scheu so

Wir überlassen Euch jetzt auch Euch selbst und sagen an dieser Stelle Tschüß und vielen Dank für die Beantwortung der fragwürdigen Fragen. //

wb

richtig schön vom Leder ziehen willst, wir haben immer Interesse an guten Spöttern! Noch ist Dein Ruf ja nicht ruiniert, deshalb kannst Du mir bestimmt auch folgende Frage beantworten. Musiker in Subkulturen haben es mit dem Promi-Faktor ja oftmals etwas schwerer, abgesehen vielleicht vom unheiligen Bernd. Wie sieht‘s da bei Euch aus? Werdet Ihr auf der Strasse von Fans erkannt

---------------------------------------------------------------

und angesprochen? Spinath: Ab und zu kommt das vor, aber in aller Re-

EP „Stage Fright” seit 03.12.

i Liefert neben sehr abwechslungsreichen und harmonischen Mixen auch noch zwei bisher unveröffentlichte Songs. Review Seite - 12

gel sind es kurze, höfliche Begegnungen, gegen die ich überhaupt nichts einzuwenden habe. Überrascht bin ich ab und zu noch, wenn ich in meinem Beruf als Wissenschaftler auf die Musik angesprochen werde. Oder wenn, als ich kürzlich eine CD von einem amerikanischen Mailorder bestellte, aus heiterem Himmel die Portokosten erlassen werden, weil sich der Verkäufer als Fan unserer Musik entpuppte, der mir eine Freude machen wollte.

a: Oh, das ist ja prima, dann werde ich zu172

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Neutral Lies

i

rgendwie hat es Bodystyler-Puppe ÂťChuckyÂŤ im Moment mit den Franzosen: Marboss, Celluloide, Derniere Volonte und jetzt die Neutral Lies, dabei mag sie eigentlich das Land gar nicht so sehr. Aber die Bands sind echt klasse. Interview: Chucky //

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»Diese Art der Musik ist in Frankreich noch nie wirklich populär gewesen!« Aber es gibt Enthusiasten

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Neutral Lies

nd da ihr das Debutalbum auch sehr zu-

sehr kühles Gefühl und ich sehe jemandem der vom Bo-

sagt dachte die Killerpuppe, sie müsste

den aus an den Himmel schaut - an diesem Gebilde vor-

die beiden doch mal anmailen und bekam

bei.

überraschend intelligente Antworten zu-

a: Hui, das ist ja richtig philosophisch und

rück, die ihre noch vorhandenen Englisch-

steigert das normale Niveau unserer Interviews um ein

kenntnise fast schon überforderten...

a: Also was sind den neutrale Lügen? Sind die nicht immer negativ?

Vielfaches, wie komme ich denn aus der Nummer wieder raus? OK ich weiss...ich hab mit Derniere Volonte gesprochen und der meinte ihr habt ne riesige Szene, die

Nick: Neutral Lies ist eigentlich die Geschichte von 2 alten Freunden die sich nach langer Zeit voller Höhen

aber keinen Menschen interessiert, zumindest nicht im kommerziellen Sinn...

und Tiefen wieder entschlossen haben Musik zu ma-

Nick: Groß ist ein wenig übertrieben, sie wird größer

chen. Neutral Lies sind ein Duo das elektronische Musik

das stimmt, besser als vor 20 Jahren, als elektronische

»Wenn es schon reicht, einen Synthie zu bedienen und zu singen, könnte man uns auch mit Modern Talking vergleichen!« Auf den Vergleich mit Depeche Mode

macht ohne sich irgendwo einordnen zu wollen.

Musik fast gar nicht stattfand bei uns. Diese Art der Mu-

Jeff: Ich würde sagen die Bedeutung der neutralen

sik ist in Frankreich noch nie wirklich populär gewesen

Lügen ist vielschichtig.....Lügen die Konsequenzen ha-

wie bei Euch in Deutschland oder in England oder auch

ben oder Lügen die Menschen die Du magst verletzen,

in Skandinavien. Aber es gibt schon ein paar Enthusias-

wenn Du die Band an sich meinst ist es eine Zusammen-

ten bei uns.

kunft zwischen Freundschaft und Musik.

Jeff: Da stimme ich überein. Ich denke elektronische

a: Hm, also für mich sind Lügen auch jetzt im-

Musik aus Frankreich ist außerhalb unseres Landes we-

mer noch negativ, aber egal...was ist denn das für ein

sentlich beliebter als bei uns selbst. Wenn ich an unsere

merkwürdiges Gebäude auf dem Foto des Albumco-

Region denke (wobei ich Belgien mal einschließe) gibt es

vers?

aber dennoch einige populäre Festivals.

Jeff: Das ist ein Wasserturm. Wir sind irgendwann mal durchs Land gezogen und wollten Promotionfotos ma-

a: Member U-0176 von Celluloide hat Euer Album produziert, woher kennt ihr den?

chen. Er fiel uns sofort ins Auge als Motiv, auch weil er in

Nick: Wir haben ihn über einen gemeinsamen Freund

der Mitte von Nirgends stand. EIn Gebilde inmitten poe-

kennengelernt - DJ Der Gregolini, der sehr bekannt ist in

tischer und melancholischer Landschaft.

unserer EBM Szene, und der uns immer unterstützt hat.

Nick: Das Cover zeigt jedem etwas anderes, was die

Als er unsere Demo gehört hatte meinte er Member ist

Person eben sehen will. Ich finde das Foto vermittelt ein

der richtige für den Produzentenjob.

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Neutral Lies

Jeff: Stimmt und als wir Member unser Tape geschickt haben, war er begeistert und so hat die Zusammenarbeit angefangen. Anfangs nur über das Internet und erst im April 2010 wurde dann im Studio der Mix erstellt.

Schwarz-Weiss war die logische Entscheidung für den Aspekt

a: Meine Lieblingsnummer ist ROSE IN MY COFFIN, ist das nach ner wahren Begebenheit entstanden? Nick: Die Rose ist ja immer ein Symbol für Reinheit, aber sie kann auch Gefühle ausdrücken für jemanden den Du verloren hast. Jeff: Na ja wir sind jetzt auch keine traurigen Menschen, wir haben viel Spaß zusammen, aber oft dominiert auch die dunkle Seite und der Tod ist ein Teil dessen. Ich denke andere Songs des Albums beruhen eher auf wahren Erlebnissen.

a: Also wenn ihr mal keine Musik mehr machen wollt versucht es doch als Philosophen, das hättet ihr sicher auch drauf. Ihr habt auf Eurer myspace Seite absolut geniale Schwarz-Weiss Fotos, sehen fast aus als hätte sie Anton Corbjin von Depche Mode gemacht... Nick: Schwarz-Weiss war die logische Entscheidung für den industriellen Aspekt unserer Musik und Jeff ist unser eigener Anton :o). Außerdem hat er Grafikdesign und Fotographie studiert, das passt dann auch wieder ganz gut. Jeff: Ah ah ah ! Ich denke es war meine neue Digitalkamera mit manuellen Optionen...

a: Jetzt mal nicht so bescheiden, die Bilder sind echt genial, wirken sehr professionell. Wo wir gerade bei Depeche Mode waren. Viele werden nörgeln, das ihr schon so ähnlich klingt wie die Mitte der 80er... Jeff: Ich hab damit kein Problem, es ist ja schon eine Ähnlichkeit vorhanden. Aber als wir gelesen haben das wir nur Klone sind fanden wir das auch nicht gut. Wenn

Neutral Lies: außerhalb Frankreichs wesentlich beliebter

es schon reicht einen Synthi zu bedienen und zu singen könnte man uns auch mit Modern Talking vergleichen oder?

a: Nee die konnten ja nicht singen... 182

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Neutral Lies

Nick: Ich sehe den Vergleich auch nicht als Problem.

Scientist, Sieg über die Sonne, L‘aventure imaginaire und

Paradoxerweise wurden die am Anfang ihrer Karriere ja

mein absoluter Favorit „Der (Er)folg“ - eine wirklich geni-

auch eher belächelt, und erst 25 Jahre später sind sie ab-

ale Band, die aber nur ein Demo Tape veröffentlicht ha-

solute Superstars und sind zur Referenz für viele Musi-

ben, aber auch Tangerine Dream, Welle Erdball, Propa-

ker geworden. Es gibt auch Leute die sagen wir klingen

ganda fallen mir ein...

nach John Foxx und Kraftwerk.

a: Na ja da sind ja nicht die schlechtesten Vergleiche oder? Kennt ihr viele andere deutsche Bands? Nick: Hm momentan oder früher? Klar doch, Deutschland ist DAS Land für elektronische Musik. Ich liebe Kraftwerk, DAF, Die Krupps,Second Decay, Paranoid, Silicon

Chucky‘s

a: Warum singt ihr denn in englisch, französisch klingt doch viel schöner? Nick: Gegenfrage: Wieso stellst Du die Fragen denn in Englisch?

a: Weil ich kein französich kann und ihr kein deutsch...

80er Jahre Check

Chucky nennt Künstler, baut natürlich allerhand Franzosen ein, Neutral Lies liefern das Statement.

Howard Jones

Trisomie 21

Jeff: Viele Haare...

Nick: Yeah. Eine meiner franzö-

Nick: Ja, eher Popmusik, aber ab-

sischen Lieblingsbands. Sensati-

gesehen von seinem coolen Haar-

onell die Jungs, wenn ich nur an

schnitt waren Songs wie „Things

einen Track wie „La fête triste“

can only get better“ und „What is

denke. Ich kann dir sagen, die bei-

love“ super, danach war es aber nicht mehr so mein

den leben in einer eigenen Galaxie.

Ding und driftete zu sehr ab.

Jeff: Dunkle Nachbarn.

Skinny Puppy

Die Form

Jeff: Obwohl sie immer noch präsent sind: ein Teil

Nick: Man sieht, du kennst dich

meines Teenagerlebens.

aus. Ich mag aber eher ihre elek-

Nick: Noch ein großer Name in der EBM Szene,

tronischen Sachen, als die experi-

sie hatten absolute Killertracks, aber alles, was sie

mentellen, habe aber einen enor-

machten, fand ich nicht gut.

men Respekt vor deren Karriere. Jeff: Theater, Stimme und Körper...

Human League Nick: Eine absolute Referenz und ein riesiger Einfluss auf die elektronische Musik, coole Vocals und absolut eingängige Melodien. Jeff: Sind OK

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a: Ach so. Ok. hmm dann muss ich meine Antwort umswitchen. Englisch ist einfach die internationale Sprache und ich war auch schon öfters in England. Viele Mädels denken ja auch französich klingt sehr poetisch, aber das ist nur für Fremde so, wir empfinden das gar nicht so...wir werden immer mal wieder einen Song in französisch aufnehmen, aber kein komplettes Album...

a:

So geschafft. Kleine Schlussbemerkung:

Beschäftigt Euch erst mal mit den Franzosen, die können zwar kein Fussball spielen, aber die Musik von denen ist echt klasse. //

wc

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Album „A Deceptive Calm” seit 28.06.

i Musikalisch erinnert an die ganz frühen Depeche Mode, ohne, dass die Platte aber veraltetet klingen würde. Review Seite - 12 NeutralLies.online.fr

Mylene Farmer Nick: Ihre beste Periode waren die ersten Monate. Ich mag eigentlich nur ihr Debutalbum. Die Promotion und das Geheimnis, das um ihre Person gemacht wird, ist schon etwas suspekt. Jeff: Oui mais non… In den 80ern, ja, aber nicht mehr heute. Die letzten Alben fand ich nicht mehr gut, aber ich mag ihren komplzierten Charakter.

Guesch Patti Nick: Ok, die ist nicht mein Ding. Irgendwas in den 80ern im Radio und TV. Jeff: Etieeeeeeeeeenne, 1987, ein Jahr nach »Voyage Voyage« von Desireles. Französische Popmusik hat eben doch ein anderes Gesicht.

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Laudanum

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# 4 0 / / 0 2 / 0 3 . 2 0 1 1 / / E l e c t r o Z i n e. n e t /

Vergnüs a d r i w 3 hatten eute r e i t s 2 0 0 n t e r v i e w m i t d e r dd ü r g e n , e i n IA U D A N U M f ü h r e n z u a n L ns schen Band ern erinnern wir u ar dafen, und g Gespräch. Anlass w Album das nette roßartige, zweite Tichy“ mals das g - das Debüt „Ijon h sieben „Blinded“ 997. Nun steht nac d The erschien 1 Nachfolger „Beyon n und Jahren der in den Startlöcher s. Doctrine“ en wahren Hörgenus bietet ein

b

Interview

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ape // : To r s t e n P

e

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-

Laudanum

lf liebevoll ausgearbeitete Songperlen

von „Breaking down“ beigesteuert. Zum anderen gab es

versetzen Freunde wave-poppiger Klänge

das Album „Demoscope“ mit Demo-Aufnahmen von vie-

in sofortige Verzückung. Die beiden mu-

len bis dahin unveröffentlichten Laudanum Songs. Ehre,

sikalischen Köpfe Carsten Drescher und

wem Ehre gebührt (lacht).

Stefan Ouwenbroek standen erneut Rede

und Antwort.

a: Wenn Ihr Euren Rhythmus beibehaltet, werdet ihr 2037 Euer sechstes Album veröffentlichen. Habt Ihr Euch schon mal über dessen Namen Gedanken gemacht oder ist es dafür noch zu früh? Carsten Drescher: 2037? Da sind wir ja bestimmt

a: Nachdem Ihr bereits mit Olaf Wollschläger und Thomas Elbern als Produzenten zusammmengearbeitet habt, entstand das neue Album in vollkommener Eigenregie. War die Zeit reif? Ouwenbroek: Zum einen war die Zeit reif, zum anderen wollten wir uns die Studiozeit nehmen, die wir brauchen und nicht die, die das Budget zulässt. Dadurch

schon fast 50 oder so (lacht). Stefan Ouwenbroek: Die Albentitel haben wir schon bis zum neunten Release festgelegt, sind aber alle top secret, also einfach abwarten. Drescher: Also ganz so träge sind wir bei Laudanum eigentlich gar nicht. Du hast absolut Recht, dass „Beyond the Doctrine“ das dritte CD-Album von uns ist, aber 2006 waren wir richtig fleißig und haben einige DigitalVeröffentlichungen gemacht: Zum einen den Sampler „Do electric sheep dream of Androids?“ mit insgesamt

»Wir nehmen uns die Studiozeit,

chen und nicht die, die das Bud

zwölf verschiedenen Electro-/ Synth Pop-Künstlern. Mit Laudanum haben wir dort übrigens den Silent Edit Remix

Aber bis 2037 auf jeden Fall wieder ein Album

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# 4 0 / / 0 2 / 0 3 . 2 0 1 1 / / E l e c t r o Z i n e. n e t /

, die wir brau-

dget zulässt!

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Laudanum

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# 4 0 / / 0 2 / 0 3 . 2 0 1 1 / / E l e c t r o Z i n e. n e t /

konnten wir an allen Stücken so lange arbeiten bis es

Drescher: Talk Talk - da knien wir erstmal nieder. Nun

99% passte - 100% geht ja leider nicht. Der Nachteil ist

zur Frage: Improvisationen gehören natürlich stets zum

natürlich, dass man manchmal kein Ende findet und dann

kreativen Entstehungsprozess eines Songs. Wenn sich

wird es unter Umständen anstrengend. Aber das nächs-

die ersten Ideen zu einer Struktur verdichten, probieren

te Album kommt definitiv nicht in sieben Jahren raus -

wir verschiedene Sounds aus und drehen an allen mög-

vielleicht ja früher… oder später? Je nachdem (lacht).

lichen „Schräubchen“. Was bei Stefan und mir einfach

»Leider sind wir Perfektionisten hinsichtlich der musikalischen Details!«

a: Manchmal hat man das Gefühl, dass Eure

sehr gut klappt, ist das nahezu blinde Verständnis, wenn

Songs ganz fragile Gebilde sind. Es wirkt fast so, als ob

es darum geht, die Songs jeweils in eine bestimmte Rich-

ihr die zarten Klänge mit der Pinzette sanft platziert hät-

tung zu entwickeln. Leider sind wir Perfektionisten hin-

te. Wisst Ihr, was ich meine? Talk Talk hatten auch solche

sichtlich der musikalischen Details. So kam es bereits

Songs, obwohl da auch viel improvisiert wurde. Spielen

häufig vor, dass wir aus unserem Umfeld, nach dem Vor-

Improvisationen bei Euch eine Rolle? Wie kommt es zur

spielen der zu 90% fertigen Songs, das Feedback beka-

Auswahl der Instrumente und wie wird die Entscheidung

men: „Hey super – ist doch fertig. Jetzt aber nix mehr än-

über ihren Einsatzort getroffen?

dern, oder?“ Ohne Sch...., für die letzten 10% haben wir bei „Beyond the Doctrine“ mehr als ein Jahr gebraucht! Wir regen uns zwar selber auch darüber auf, aber was willste machen? Also noch mal zurück zu Deiner Frage bezüglich fragiler Gebilde und zarter Klänge: Die eben beschriebenen letzten 10% der Produktion machen es wahrscheinlich aus, dass man eine größere Klang- und Soundvielfalt wahrnehmen kann. Ouwenbroek: Die Auswahl der Instrumente passiert ganz unterschiedlich: Meist sind erst die Harmonien und Melodien da und beim Improvisieren wird schon der erste halbwegs passende Sound gesucht. Manchmal geschieht es dann, dass nur durch das Ändern des Sounds - egal ob Gitarre, Drums oder Synths - der Song eine ganz neue Farbe bekommt und sich plötzlich alles „richtig“ anhört. Umgekehrt kann es ebenso sein, dass der Klang eines Instrumentes einen erst dazu anregt, in einer be-

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Laudanum

Stefan Ouwenbroek, Carsten Drescher: G i t a r r e n e l e m e n t e, d i e a n T h e C u r e e r i n n e r n , a b e r L a u d a n u m s i n d

stimmten Art und Weise zu spielen und dadurch neue

Ouwenbroek: Yes, das hast Du richtig bemerkt. Der

Ideen entstehen. Spontan fällt mir dazu die orientalische

Track war fertig und wir hatten keinen Titel. Auch wenn

Melodie bei unserem Song „Merhaba“ von unserem letz-

er stilistisch nicht an Joy Division erinnert, ist die Band

ten Album „Blinded“ ein.

natürlich ewige Inspiration. Irgendwie hatte ich beim Hö-

a: Auf „Blinded“ habt ihr bei zwei Songs weib-

ren des Songs immer nur Schwarz/Weiss-Bilder im Kopf.

lichen Gesang eingesetzt. Jetzt ist dieses Stilmittel viel

Und dann kommen diese merkwürdigen Verknüpfungen

präsenter. Warum wurde die Quote gesteigert? Haben

in der Art: Schwarz/Weiss - Foto - Joy Division - Grau-

die Mädels sich aufgedrängt? War da ein Frauenbeauf-

stufen - Corbijn - die Biographie. Da war es nur noch ein

tragter am Werk?

kleiner Schritt und wir wussten: Der Song muss so hei-

Drescher: Da sind wir wieder bei den letzten 10% der Produktion. Hier haben wir letztlich auch alle Vokal-Parts festgelegt, also wer singt welche Songs, Choreinsatz ja oder nein, Chorzusammensetzung usw. Die Mädchen

ßen. Drescher: Die Dame am Ende spricht rückwärts? Ist uns noch gar nicht aufgefallen (lacht).

a: An

ein paar Stellen zollt Ihr recht ein-

haben Ihr Bestes gegeben, deshalb haben sie es auch in

deutig

mehrere Songs geschafft.

(„Oceandrive“,“Touching from a distance“). Auf „Blin-

den

Gitarrenklängen

von The

Cure Tribut

a: Der Songtitel „Touching from a distance“

ded“ war das ja noch etwas versteckter (z.B. „Tomor-

lässt recht schnell Gedanken an „Transmission“ von Joy

row“). Warum war Euch dies jetzt noch mehr ein Bedürf-

Division“ bzw. die gleichnamige Biografie von Ian Curtis

nis?

denken. Inwiefern hat beides eventuell sogar eine Rol-

Drescher: Unser echtes Bedürfnis bei der Realisie-

le gespielt? Was sagt die Dame am Ende eigentlich vor-

rung des Albums war einfach, mit großer Freiheit unsere

wärts gesprochen?

künstlerischen Ergüsse verwirklichen zu können. Zu den

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Laudanum

Gitarren: Also, ich denke, dass die Gitarrenparts als Gan-

Sandcarsten gespielt habe.

zes im Song kein typisches Cure-Bild ergeben. Einzel-

Ouwenbroek & Drescher (singend): 1, 2 oder 3, du

ne Teile oder Sounds hätte Robert Smith vielleicht auch

musst Dich entscheiden, drei Felder sind frei - ob die

ähnlich spielen wollen, aber sicher nicht genau wie bei

Kühe trinken oder nicht, sagt Dir gleich das Licht. (la-

Laudanum.

chen)

Ouwenbroek: The Cure sind natürlich auch so eine

a : Erzählt doch bitte etwas über Euer Label

Band, an der man nicht vorbei kommt. Für mich ist „Dis-

Formalhaut, das gerade mal fünf/sechs Releases vorzu-

integration“ wahrscheinlich das beste Album, das ich

weisen hat. Ist es für jeden offen? Wer darf mitspielen?

kenne - und das bleibt nicht ohne Einfluss. Was Carsten

Was könnt ihr über die beiden Bands Livida und Panama

meint, kann ich trotzdem unterschreiben. Es gibt Gitar-

Radio berichten?

renelemente, die an The Cure erinnern, aber die Songs sind Laudanum.

Ouwenbroek: Die Gründung des Labels Formalhaut Records geschah damals eher aus der Not heraus. Nach-

a: Woher kam die Idee, das Piano – wie in

dem wir mit Laudanum 2001 bereits einen Vertrag für

„Helpless“ geschehen – mehr als Rhythmus-Instrument

drei Alben unterschrieben hatten und das heutige Un-

einzusetzen? Finde ich übrigens sehr gelungen und

heilig-Management auch das Laudanum-Management

spannend.

übernehmen wollte, kam dann alles ganz anders. Soll

Ouwenbroek: Das ist ganz einfach: Das Piano war

ich das wirklich alles erzählen? Hmmmm, …?

das Grundelement von „Helpless“, also die erste Idee,

Drescher: Na gut, dann erzähle ich mal weiter. Al-

auf der sich alles andere aufgebaut hat. Wir fanden´s

so, zwei Songs für das Album „Blinded“ hatten wir be-

wohl auch ganz spannend.

reits bei Olaf Wollschläger produziert, als wir den An-

Drescher: Bereits auf unserem Debüt-Album „Ijon ti-

ruf bekamen, dass unser Label TCM Insolvenz anmelden

chy“ gibt es den Titel „Just one“, bei dem wir das Piano

musste. So standen wir sozusagen über Nacht „nackt im

auch schon sehr präsent und perkussiv eingesetzt ha-

Wind“. Kurzentschlossen nahmen wir alle Dinge selber

ben. „Helpless“ lebt insgesamt von der Dynamik, denke

in die Hand und gründeten Formalhaut Records. Grund-

ich, und da ist ein treibendes Piano einfach perfekt.

sätzlich kann dort jeder Künstler mitmachen, der musi-

a: Trinken oder Fressen die Kühe auf dem Co-

kalisch unseren Nerv trifft. Die Veröffentlichungen von

ver eigentlich? Von welcher Modelagentur habt Ihr die

Livida und Panama Radio sind jeweils eine Kooperati-

Schönheiten casten lassen?

onsarbeit mit befreundeten Bands. Ich habe hier den

Ouwenbroek: Also das Casten hat der Carsten übernommen. Drescher: Das mache ich schon, seitdem ich im

Vertrieb und einen Teil der Promoarbeit übernommen. Künstlerisch sind beide Alben mit 100%iger Gestaltungsfreiheit der Bands realisiert worden. //

wc

--------------------------------------------------------------Album „Beyond The Doctrine” seit 26.11.

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Die lange Tragezeit hat sich gelohnt, erstrahlen die elf Songs doch in einem nahezu perfekten Glanz. Review Seite 12

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Laudanum-Music.de

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BODYSTYLER #40 (Feb / Mär . 2011)