Page 1

1.80 Euro Dezember 2012 | 90 Cent für den Verkäufer

bodo Das Straßenmagazin

SIEBEN SEITEN LITERATUR EXTRA PAULO COELHO IM INTERVIEW UND SEINE EXKLUSIVE WEIHNACHTSGESCHICHTE FÜR BODO

12 | Weihnachten draußen | Hilfe für Menschen auf der Straße 32 | In der Handwerksbäckerei | Keine kleinen Brötchen backen 16 | Museum für Naturkunde | Ein Mammut auf dem Wunschzettel 23 | 25 Verlosungen | z.B. FlicFlac – »Highlig Abend!« im Zelt an der Westfalenhalle

1


02 EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser, wie viel ist passiert in diesem Jahr bei bodo! Nun

An neuen Konzepten für weitere Projekte wird

haben wir wieder eine Dezemberausgabe fertig-

weiter gefeilt. Im Februar feiern wir aber erst

gestellt und reiben uns die Augen: Vor einem Jahr

einmal unsere „Volljährigkeit“: Das Straßenmagazin

saßen wir dicht gedrängt in unseren ganz und gar

wird 18 – wir werden, na ja, „erwachsen“. Es wird

unzureichenden Räumen am Dortmunder Hafen,

eine kleine Geburtstagsparty in Dortmund geben,

hatten so viele Pläne und konnten es kaum erwar-

zusätzlich wird das ganze Jahr über unser Buchla-

ten, die nächsten großen Schritte zu wagen.

den Veranstaltungsort für Lesungen, Konzerte und

Ihre Unterstützung im letzten Dezember ermöglichte es, unseren Wunsch nach einem „Dach, unter dem Platz für alle ist“ zu verwirklichen. Beinahe so etwas

dann: Unsere Veranstaltungen im Dezember finden Sie auf Seite 7.

wie ein Neuanfang. Nicht nur eine wachsende Zahl

Für Ihre große Unterstützung möchten wir etwas zu-

Mitarbeiter und Auszubildender hat nun Platz, son-

rückgeben und haben diese Ausgabe deutlich erwei-

dern wir können auch unseren Zeitungsverkäufern

tert: Der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho

wie in Bochum endlich ausreichend Platz bieten, für

ist seit diesem Jahr Botschafter des internationalen

das Aufwärmen und Ausruhen bei unseren Verkäufer-

Netzwerks der sozialen Straßenzeitungen. Uns hat er

cafés, für Beratung und Gespräche.

ein Interview gegeben und exklusiv eine Weihnachtsgeschichte geschenkt. Eine kleine zusätzliche Lektüre

Stolz können wir sagen: Ihre Unterstützung hat sich ausgezahlt – vielen Dank an alle Unterstützer! Auch in diesem Dezember nehmen wir uns heraus, etwas mehr über uns zu erzählen als sonst. Es geht dabei um „Gute Geschichten“, so heißt unsere Spendenaktion in diesem Jahr. Einerseits führt uns die steigende Nachfrage nach Hilfe und Beratung immer wieder an unsere Grenzen, andererseits sehen wir, was möglich ist, wenn Menschen in tiefen Krisen bei uns neues Zutrauen in die eigenen Kräfte gewinnen. Mit Ihrer Unterstützung schreiben Sie mit an diesen guten Geschichten.

Inzwischen bieten wir in Bochum soziale Stadtführungen durch Verkäufer des Straßenmagazins an und unser Helferteam-Projekt wird gut organisiert das Ehrenamt viel stärker als bisher in unserer

der meistgelesenen Autoren der Welt. Um dieses „Literatur Extra“ herum haben wir ein Heft gemacht mit Geschichten von hier mit Menschen von hier: Ein Bochumer Teppich-Revolutionär, eine Frau, die sich ein Mammut wünscht, ein Dortmunder in Mölln, Bäcker, die keine kleinen Brötchen backen wollen, Pfarrer, die feinen Pop vor den Altar holen, ein Römer, der „minimal“ kocht, Wohnungslose, die sich auf einen Gänsebraten freuen und viele mehr.

Sie uns, was Sie gerne einmal bei uns lesen würden – und empfehlen Sie uns weiter. Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr! Bastian Pütter, Redaktionsleitung

Arbeit verankern.

IMPRESSUM

für die Feiertage und ein großherziges Geschenk eines

Wir wünschen Ihnen gute Unterhaltung. Schreiben

Auch für 2013 haben wir uns viel vorgenommen.

2

Diskussionsveranstaltungen sein. Und nicht erst

BODO E.V. – SO ERREICHEN SIE UNS

Herausgeber | Verleger | Redaktion

Autoren dieser Ausgabe:

Auflage | Erscheinungsweise:

Verein:

bodos Bücher | Modernes Antiquariat:

bodo e.V.

René Boyke (rb), Paulo Coelho, Sandro Giuri

20.000 Exemplare (BO, DO und Umgebung)

bodo e.V. | als gemeinnützig eingetragen

Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund

Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund

(sg), Wolfgang Kienast (wk), Maike, Jens May-

Redaktions- und Anzeigenschluss:

im Vereinsregister Dortmund Nr. 4514

0231 – 950 978 0 | Fax 950 978 20

0231 – 950 978 0 | Fax 950 978 20

er (jm), Bastian Pütter (bp), Benedikt von

für die Januar-Ausgabe 08.12.2012

Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund

Mo. – Fr. 10 – 18 Uhr | Sa. 10 – 14 Uhr

Redaktionsleitung und V.i.S.d.P.:

Randow (bvr), Rosi, Dr. Birgit Rumpel (biru),

Anzeigen:

0231 – 950 978 0 | Fax 950 978 20

Anlaufstelle Dortmund:

Bastian Pütter | redaktion@bodoev.de

Nina Schulz, Sebastian Sellhorst (sese)

Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 8, Juli 2012

bodoev.de | facebook.com/bodoev

Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund

0231 – 950 978 12 | Fax 950 978 20

Fotos: Bianka Boyke (12), Christian Eggers,

Vertriebe:

Vorstand:

Mo. – Fr. 10 – 18 Uhr | Sa. 10 – 14 Uhr

Layout und Produktion:

AP, dapd (31), Jan Kath Archiv (3, 6), Murat

Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund

Nicole Hölter | Brunhilde Dörscheln |

Anlaufstelle Bochum:

Andre Noll | Büro für Kommunikationsdesign

Kayi Archiv (30), Lars Langemeier (5), Andre

Stühmeyerstraße 33 | 44787 Bochum

Andre Noll | vorstand@bodoev.de

Stühmeyerstraße 33 | 44787 Bochum

0231 – 106 38 31 | info@lookatnoll.de

Noll (3, 4, 5, 6, 32), Daniel Sadrowski (3, 32,

Geschäftsleitung | Verwaltung:

Mo., Mi. und Fr. von 14 – 17 Uhr

Veranstaltungskalender:

33, 46), Oliver Schaper (10, 11), Michael Sch-

Tanja Walter | verein@bodoev.de

Di. und Do. von 10 – 13 Uhr

Benedikt von Randow | redaktion@bodoev.de

wettman (14), Sebastian Sellhorst (3, 8, 9, 13,

0231 – 950 978 0 | Fax 950 978 20

Spendenkonten:

Anzeigenleitung:

43, 47), Claudia Siekarski (2, 7, 16, 17, 18,

Öffentlichkeitsarbeit:

Stadtsparkasse Dortmund

Bastian Pütter | anzeigen@bodoev.de

19), Martin Steffen (4), Mena Urbitsch (7, 30),

Bastian Pütter | redaktion@bodoev.de

BLZ 440 501 99 | Kto. 104 83 76

0231 – 950 978 12 | Fax 950 978 20

Philip Volsem (36, 37)

0231 – 950 978 12 | Fax 950 978 20

Sparkasse Bochum

Vertriebsleitung:

Titelbild: Paul Mcleod

Transporte | Haushaltsauflösungen:

BLZ 430 500 01 | Kto. 104 062 54

Oliver Philipp | vertrieb@bodoev.de

Zeichnungen + Cartoons: Volker Dornemann

Brunhilde Dörscheln | transport@bodoev.de

Bank für Sozialwirtschaft Essen

0231 – 950 978 0 | Fax 950 978 20

Druck: Gebr. Lensing GmbH & Co. KG.

0231 – 950 978 0 | Fax 950 978 20

BLZ 370 205 00 | Kto. 722 39 00

Der Abdruck von Veranstaltungshinweisen ist kostenfrei, aber ohne Gewähr. Für unaufgefordert eingesandte Fotos oder Manuskripte wird keine Haftung übernommen. Das Recht auf Kürzung bleibt vorbehalten. Abdruck und Vervielfältigung von redaktionellen Beiträgen und Anzeigen bedürfen der ausdrücklichen Genehmigung der Redaktion. Leserbriefe und namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.


03

INHALT

1.80 Euro Dezember 2012 | 90 Cent für den Verkäufer

04 Menschen Jan

bodo Das Straßenmagazin

02 Editorial | Impressum

SIEBEN SEITEN LITERATUR EXTRA

Kath von Jens Mayer

PAULO COELHO IM INTERVIEW UND SEINE EXKLUSIVE WEIHNACHTSGESCHICHTE FÜR BODO

Jan Kath aus Bochum zeigt, dass Teppiche weder bieder noch langweilig sind, sondern echte Design-Highlights sein können. Mit seinem Team hat

Unser Titelbild der Dezember-Ausgabe:

er für eine „Teppich-Revolution“ gesorgt, gehört seit einem Jahrzehnt zur

Paulo Coelho (S. 35)

12 | Weihnachten draußen | Hilfe für Menschen auf der Straße 32 | In der Handwerksbäckerei | Keine kleinen Brötchen backen

internationalen Speerspitze der Szene. Seine von der Industriekultur inspi-

16 | Museum für Naturkunde | Ein Mammut auf dem Wunschzettel 23 | 25 Verlosungen | z.B. FlicFlac – »Highlig Abend!« im Zelt an der Westfalenhalle

1

Foto: Paul Macleod

rierten Kunstwerke sind begehrt – auch am Fürstenhof Monacos. 07 bodo Veranstaltungen | Neues von bodo | Maikes Verkäufertagebuch 10 Neues von bodo Gute

Geschichten von Bastian Pütter

Menschen auf den Weg zu bringen, ihnen die Gelegenheit zu geben, neues Zutrauen in die eigenen Kräfte zu gewinnen – das ist unsere Arbeit, und sie schreibt „gute Geschichten“. 12 Straßenleben Weihnachten

22 Kinotipp

Tabu im endstation.kino

23 Veranstaltungskalender | Verlosungen | CD-Tipps von Benedikt von Randow 30 Interview 20

auf der Straße von Bastian Pütter

Jahre Mölln von Bastian Pütter und Nina Schulz

Ibrahim Arslan überlebte als Kind den rassistischen Mordanschlag auf sei-

In der Weihnachtszeit rücken die Menschen auf der Straße kurz in die

ne Familie, bei dem drei Familienmitglieder starben. Im Internet las er die

Scheinwerfer der medialen Aufmerksamkeit. Doch Obdachlosigkeit ist das

Texte des Kabarettisten und Musikers Murat Kayi und wünschte sich den

ganze Jahr über eine schwere Last und ein Skandal zugleich. Aber es gibt

Dortmunder als Gast beim Gedenkkonzert zum 20. Jahrestag des Anschlags.

Hilfen, die den Weg, der in der Obdachlosigkeit endet, nicht zu einer Ein-

bodo sprach mit beiden.

bahnstraße werden lassen. 14 Recht Eltern

32 Reportage In

haften für ihre Kinder … nicht? von René Boyke

der Handwerksbäckerei von Sandro Giuri

Als Helmut Klemme, Präsident des Verbandes der Deutschen Großbäckerei-

Eltern haften nicht zwangsläufig für das Verhalten ihrer Kinder im Internet.

en verkündete, bis 2020 werde ein Drittel der Bäckereien in Deutschland

Was sich an der Gesetzeslage ändert, erklärt Rechtsanwalt Rene Boyke.

den Betrieb einstellen, war die Aufregung groß. 8.000 Klein- und Kleinst-

14 Kultur Urban

betrieben drohe das Aus, die Zahl der Auszubildenden sei seit Jahren

Urtyp von Wolfgang Kienast

rückläufig, die Konkurrenz durch Selbstbedienungsbäckereien werde immer

Kirchenkonzerte ganz anders. Wir haben Pfarrer Thomas Wessel in der

härter. Ein Besuch beim Handwerk.

Bochumer Christuskirche besucht und uns die Veranstaltungsreihe „Urban

34 Neues von Rosi | von bodo-Verkäuferin Rosi

Urtyp“ erklären lassen. 15 Wilde Kräuter Schafgarbe.2 von Wolfgang Kienast

35

Sieben Seiten Literatur extra: Paulo Coelho

Wer keine Lust auf Ikea-Glögg hat, bekommt diesen Monat ein Rezept für

Der brasilianische Bestsellerautor im Interview und dazu exklusiv: „Die

Schafgarben-Punch.

Dinge sind nicht immer, wie sie scheinen“ – eine Weihnachtsgeschichte

16 Reportage Ein Mammut auf dem Wunschzettel von Wolfgang Kienast Vor 100 Jahren wurde das Dortmunder Museum für Naturkunde gegründet.

von Paulo Coelho. 42 Literatur Leseempfehlungen

Wir sprachen mit der jetzigen Direktorin, Frau Dr. Dr. Elke Möllmann über

Zwei Neuerscheinungen, empfohlen von der bodo-Redaktion, und Lieblings-

die Zukunft einer Institution mit Geschichte.

bücher aus unserem Buchladen, vorgestellt von Mitarbeitern aus unseren Arbeitsbereichen.

20 Kommentar Halten wir es aus! von Bastian Pütter Eine Großstadt ist kein Hochglanzprospekt. Ein Plädoyer für einen entspannteren Umgang mit Berichterstattung über ihre Schattenseiten

44 Rätsel | von Volker Dornemann 46 bodo geht aus 8

1/2 von Wolfgang Kienast

20 News | Skotts Seitenhieb

Salvatore Ciraldo hat sein Handwerk in Rom gelernt. „Wie dort gekocht wird,

22 Netzwelt wheelmap.org von Sebastian Sellhorst

entspricht genau meinen Vorstellungen. Ich nenne es ,minimal‘. Hochwerti-

Welche Hürden muss ich überwinden, wenn ich einen Kaffee trinken oder ein Buch kaufen will? Die Webseite wheelmap.org hat das Ziel, den Alltag von Menschen mit Behinderung ein wenig einfacher zu gestalten.

35

10

ge Produkte aber keine Fonds und keine Geschmacksverstärker. Weniger ist mehr, wenn man Geschmack auf Wesentliches konzentrieren möchte.” 47 Leserseite | Cartoon

04

16

32

3


04 MENSCHEN | von Jens Mayer | Fotos: Martin Steffen · Lars Langemeier · Jan Kath Fotoarchiv

Teppiche à la Kath Jan Kath Jan Kath aus Bochum zeigt, dass Teppiche weder bieder noch langweilig sind, sondern echte Design-Highlights sein können. Mit seinem Team hat er für eine „Teppich-Revolution“ gesorgt, gehört seit einem Jahrzehnt zur internationalen Speerspitze der Szene. Seine von der Industriekultur inspirierten Kunstwerke sind begehrt – auch am Fürstenhof Monacos. Es passiert immer öfter, dass sich Neugierige zu dieser etwas abgelegenen Straße in Bochum-Ehrenfeld aufmachen. Dann stehen sie vor der Tür und bitten um Einlass. Manche wollen einfach nur mal vorbeischauen, andere kommen mit einer festen Kaufabsicht. Jan Kath und sein Team weisen niemanden ab. Dabei handelt es sich beim Hauptsitz des Unternehmens eigentlich gar nicht um einen offiziellen Verkaufsraum. Die Händler, die Kaths Ware im Sortiment führen, sehen das auch nicht besonders gerne. Die riesige Halle in der alten Fabrik ist ein sogenannter „Showroom“, den vor allem Geschäftskunden und Vertriebspartner aus aller Welt aufsuchen. An den Wänden hängen Kaths Teppich-Kreationen wie Gemälde in einer Galerie, auf dem Boden davor stapeln sich viele mehr. Dies ist auch der Ort, an dem der „Teppichrevoluzzer“ mit seinen Designern die neuesten Kollektionen entwirft, die bald schon auf den Messen in aller Welt vorgestellt werden, beispielsweise gerade auf der India Carpet Expo in Varanasi. Freunde haben Kath Bilder von den anderen Ausstellern dort zugeschickt, die sich am Kath-Stil „orientieren“, meint der Unternehmer. „Um nicht zu sagen, dass eine Menge Einszu-Eins-Kopien dabei sind“, lacht er. Jan Kath weiß, dass diese Plagiate den Stellenwert seiner Designs auf dem Weltmarkt unterstreichen. Man könnte vermuten, dass Kaths beruflicher Werdegang von Anfang an vorgezeichnet war. Großvater und Vater leiteten eines der führenden Bochumer Teppichhäuser am Platz. „Wir hatten immer viele Gäste aus dem Ausland. Am Frühstückstisch saßen Leute aus Afghanistan oder aus Kenia“, erinnert sich der 40jährige heute. „Ich habe das alles so latent mitbekommen, viel Know-how erfahren, ohne dass ich das wirk-

4


05

lich wollte. Zwar habe ich dann sogar meine Aus-

Betrieb mit 26 Leuten zu verantworten.“ Zu die-

bildung im Familienbetrieb gemacht, aber meine

sem Zeitpunkt ist Jan Kath 23 Jahre alt.

nate – auf die Verkaufspreise auswirken, erklärt sich von selbst. Doch obwohl die Quadratmeterpreise für die aufwändig hergestellten Einzelstü-

Zukunft habe ich da nicht gesehen.“ Siebzehn Jahre später ist er ein „Big Player“

cke im vierstelligen Bereich liegen, ist der Erfolg

Nach dem Zivildienst zieht es Jan stattdessen in

im

des Unternehmens in den vergangenen zehn Jah-

die große weite Welt. Er reist drei Jahre durch

Rockstars und Hollywood-Schauspieler statten

Asien, besucht Goa, lebt das Leben, lernt neue

ihre Domizile begeistert mit seiner „contem-

Menschen und Kulturen kennen. Bis er in der

porary rug art“ (dt. zeitgenössische Teppich-

Kath kann von sich behaupten, „international

Hauptstadt Nepals einen Job als Qualitätskon-

kunst) aus. Ein bekanntes französisches Mo-

stilprägend“ für die Industrie zu sein. Er kann

trolleur annimmt. Ausgerechnet in einer Tep-

delabel beauftragt regelmäßig eine exklusive

es sich leisten, mit unkonventionellen Kollekti-

pichmanufaktur. „Am Anfang war es tatsächlich

Designlinie für seine luxuriösen Boutiquen. Als

onen zu schockieren. Dass er hierfür selbst die

mehr Mittel zum Zweck, um dort zu bleiben“,

Fürst Albert von Monaco 2011 Charlene Witt-

Ideen liefert, war anfangs keine rein künstleri-

gibt er zu. „Ich fand das Land und die Kultur

stock heiratet, schreiten die Adeligen ebenfalls

sche Entscheidung: „Es stellte sich aber heraus,

cool, da waren viele Hippies unterwegs, und

über einen roten Teppich von Jan Kath, der tra-

dass ich gar kein Geld hatte, um Designer zu be-

ich habe halt in dieser Stadt gewohnt, das war

ditionelle Handwerkstechnik mit innovativen

zahlen.“

schon richtig cool. Aus damaliger Sicht war das

Design-Ideen verbindet.

internationalen

Teppich-Business.

US-

ren stetig gestiegen.

Also übernahm Kath den Job selbst und bat ei-

zunächst einmal die Hauptantriebsfeder, wobei ich heute glaube, dass da immer etwas in mir

Neben der ersten Manufaktur in Nepal produziert

nen alten Kumpel, ihm bei der Umsetzung zu

geschlummert hat, das zurück wollte.“

er mittlerweile in Indien und Marokko. Dabei

helfen: „Ich habe ihn damals angehauen, weil

legt Kath Wert auf faire Arbeitsbedingungen,

ich wusste, dass er Photoshop kann.“ Heute ist

Zurück ins Geschäft mit den Teppichen. Auch,

verpflichtet sich durch die Zusammenarbeit mit

Dino Feldmann der dienstälteste Mitarbeiter im

wenn das hier nun ganz anders läuft als im el-

der Organisation STEP zur Einhaltung sozialer

Team, das von Jahr zu Jahr wächst, wie man an-

terlichen Einzelhandelsgeschäft. Plötzlich ist er

und ökologischer Standards. Dass sich alleine

hand der jährlichen Weihnachtskarte gut nach-

im weltweiten Großhandel tätig, übernimmt die

schon die hohen Qualitätskriterien und der Ar-

vollziehen kann, auf dem das Unternehmen alle

Manufaktur in Kathmandu nach einiger Zeit so-

beitsaufwand – an ein einem Teppich knüpfen

Angestellten abbildet.

gar: „Naiv wie ich war, hatte ich plötzlich einen

durchschnittlich fünf Menschen drei bis vier Mo-

5


06

„Der erste große Durchbruch kam mit einer

an, die radikaleren Schritte bei Designs und Qua-

Kollektion, die für sich betrachtet gar nicht

lität befeuern den Ruf nur weiter.

sonderlich spektakulär ist“, erklärt Kath. „Ich würde sie als klassische deutsche Architekten-

Die Frage, warum Kath mit seinem Team immer

Kollektion beschreiben, da ging es um Qualität,

noch zurückgezogen im wenig glamourösen Bo-

Strukturen und Haptiken. Allerdings haben wir

chum ansässig ist, bekommt er immer wieder ge-

uns damals schon einen sehr teuren Fotografen

stellt. „Natürlich hatte ich die Angebote, nach

geleistet und sind in die Waschkaue der Zeche

Berlin oder ganz nach New York zu gehen, wo wir

Zollverein gegangen. Bevor die Zeche Zollverein

auch einen Showroom haben“, gibt er zu. „Aber ich

in aller Munde war und die ganzen Ausstellungen

bin in Bochum geboren und fühle mich hier wohl.“

dort stattgefunden haben. Wir haben diese Kulisse benutzt, um diese sehr schlichten Teppiche

So führt er – wenn auch über einige Umwege

mit sehr hoher Qualität in Kontrast zu der Szene-

– dann doch die familiäre Tradition fort. Seine

rie zu setzen. Das hat gezündet.“

Eltern sind heute als Teil der Geschäftsführung ebenfalls wieder mit dabei. Was den Standort

Die Industriekultur der Region nennt Kath dann

angeht, sieht Jan Kath die beschauliche Ruhr-

einen der wichtigsten Einflüsse für seine Design-

gebietsstadt als vorteilhaft für die Arbeit: „Wir

ideen: „Nicht nur die Szenerie, sondern die The-

sind hier schon ziemlich abgekapselt“, meint

matiken Zerfall und Morbidität. Eine Frage wie

er. „Ich glaube, dass wir hier weniger Ablen-

Ω Jan Kaths „Headquarter“ mit Ausstellung und

‚Was passiert, wenn sich die Natur Areale zu-

kung haben und uns viel mehr auf’s Wesentliche

Firmensitz in Bochum-Ehrenfeld. Weitere Show-

rückerobert’ findet man heute in vielen unserer

konzentrieren können. Außerdem ist der Flug-

rooms sind in Berlin, Stuttgart und New York.

Kollektionen wieder.“ Ob auf der Domotex, der

hafen Düsseldorf nicht weit, und von da geht

weltgrößten Teppichmesse in Hannover oder der

es in die Welt. Ich fühle mich hier sehr zentral

≈ Wie Gemälde in einer Galerie hängen dort die

belgischen Designmesse Kortrijk – Teppiche von

gelegen.“ (jm)

Teppich-Kreationen an den Wänden.

Kath sorgen für Aufmerksamkeit. Die unorthodoxen und verspielten Herangehensweisen kommen

6

INFO www.jan-kath.de


bodo-Veranstaltungen bodo-Weihnachtsmärkte | 04./05., 16. und 19./20.12.2012

07

Diskussion: Zuwanderung | 10.12.2012

Wir freuen uns, in dieser Weihnachtszeit ein-

Am 10. Dezember veranstaltet der Euromayday

mal „raus“ zu kommen. Zurzeit haben wir nur

Ruhr in unserem Buchladen am Dortmunder

einen einzigen (aber wirklich schönen) Laden

Schwanenwall 36 – 38 eine Diskussionsveran-

in Dortmund – das „bo“ in bodo kommt dabei

staltung mit dem Titel: „In der Hoffnung auf

oft zu kurz. Umso mehr freuen wir uns, auf den

ein besseres Leben. Südosteuropäische Ar-

Weihnachtsmärkten in Bochum, Wanne und Her-

beitsmigration im Konflikt mit Bürokratie und

ne vertreten zu sein.

Stammtisch.“

Auf den Märkten bieten wir Bücher, unsere neuen Umhängetaschen und Kunsthand-

Der Euromayday Ruhr setzt sich seit 2010 mit prekären Lebens- und Arbeitsbedin-

werk von Schmuck bis Weihnachtsdekoration an. Unsere Stände werden auch Ausga-

gungen im Ruhrgebiet auseinander. Die VeranstalterInnen fragen: „Mit dem EU-Bei-

bestellen des Straßenmagazins sein, Verkäuferinnen und Verkäufer unterstützen uns

tritt von Rumänien und Bulgarien immigrieren Menschen aus diesen Ländern nach

und können sich bei uns mit heißen Getränken versorgen. Natürlich haben wir auch

Deutschland – auch nach Dortmund. Doch wer sind eigentlich diese Menschen, die

Infomaterial dabei, freuen uns, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen und berichten

sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben auf die Reise machen? Was sind ihre

gern von unserer Arbeit.

Wünsche, ihre Träume, die Widerstände und Wirklichkeiten, auf die sie stoßen?“

Am 4. und 5. Dezember starten wir auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt, am 16. De-

Es wird eine Gesprächsrunde mit uns und der Beratungsorganisation für Sexarbeiter-

zember sind wir auf dem Wanner Mondweihnachtsmarkt am Stadtteilzentrum Zeche

Innen Madonna e.V. aus Bochum geben und eine anschließende offene Diskussion.

Pluto und am 19. und 20. Dezember haben Sie die Gelegenheit, späte Geschenke an

Beginn ist 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei, heiße und kalte Getränke gibt es wie immer

unserem Stand in Herne zu kaufen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

gegen Spende. www.euromayday.noblogs.org

Lesung: Durch den wilden Osten | 07.12.2012

bodo beim Honigdieb | 26.12.2012

18.000 Kilometer am Stück, in einem 20 Jahre

Auch in diesem Jahr lädt Sir Hannes Smith, Punk

alten Ford Fiesta. Kai Schäder und Matthias Rau

der ersten Stunde, Dortmunder Original, Platten-

fuhren von Dortmund nach Ulaanbataar. Sie ge-

händler und wandlungsfähiger Bühnenkünstler

hörten zu den Teams aus ganz Europa, die jedes

Verkäuferinnen und Verkäufer des Straßenmaga-

Jahr aufbrechen zur „Mongol-Rallye“, der Him-

zins zu seinem Weihnachtskonzert ins Dortmunder

melfahrtstour für den guten Zweck.

FZW ein: Hier präsentiert er die vierte Platte sei-

Mitfahren darf jeder, die einzigen Bedingungen:

ner Chanson-Punk-Folkrock-Band Honigdieb.

Das Auto muss mindestens zehn Jahre alt sein, und es müssen mindestens 1.000 Pfund

Im Mai haben wir Hannes, den wir schon lange, lange kennen, in bodo porträtiert

(rund 1.200 Euro) an Spenden für soziale Projekte in der Mongolei gesammelt werden.

und von seinen bisher drei Leben geschrieben, zu denen auch eins gehörte, in dem er

Die beiden kamen durch mit nur einer wirklichen Panne und zurück mit so vielen Ge-

selbst auf der Straße lebte. Er sprach vom Zusammengehörigkeitsgefühl der frühen

schichten, dass Kai Schäder einfach aufschrieb, was die beiden in Turkmenistan, auf

Punk- und Skinszene, von der Hilfsbereitschaft, die er von Obdachlosen erfahren hat

der alten Seidenstraße, im Iran oder schließlich in der Mongolei erlebten.

und von den Ausgestoßenen, die er im Umfeld seiner Band „Phantoms of Future“

„Durch den wilden Osten – Mit dem Fiesta Richtung Mongolei“ heißt sein Buch, aus

versammelte: „Jeder Mensch braucht das Gefühl, gebraucht zu werden.“

dem er am 7. Dezember in unserer Buchhandlung am Schwanenwall liest. Beginn ist

Dass er auch dieses Jahr ganz von sich aus an uns denkt, freut uns sehr.

um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Wir sorgen für kalte und heiße Getränke, aber auch

Als Hannes- und Honigdieb-Fans empfehlen wir natürlich auch allen LeserInnen die-

Kai Schäder hat angekündigt, etwas Weitgereistes zum Probieren mitzubringen...

sen eher lauten Ausklang der Weihnachtstage: 26.12.2012, FZW Dortmund, Einlass 19

bodo verlost zwei Exemplare des Buches. (siehe Seite 23)

Uhr, Beginn 20 Uhr. Karten bei Idiots Records und allen Vorverkaufsstellen.

Migrantenpop Kinderwerkstatt | 08./09. und 15./16.12.2012

Projekt Soziale Stadtführung | 19.01.2013

Der Dortmunder Musiker und Kabarettist Murat Kayi

Wie verbringen eigentlich Menschen auf der

(siehe Interview S. 30) und die Bühnenkünstlerin

Straße ihren Tag? Wo halten sie sich auf, welche

Fräulein Nina, Langzeit-bodo-Autorin, ehemaliges

Angebote und Hilfen gibt es? Wie sieht die Stadt

Vorstandsmitglied und uns trotz Erstwohnsitz in

aus der Sicht der „Menschen am Rand“ aus?

Hamburg weiterhin eng verbunden, stehen immer

Bei unserer sozialen Stadtführung zeigen Ver-

wieder gemeinsam auf der Bühne – z.B. mit ihrem

käufer des Straßenmagazins „ihr“ Bochum. An

gemeinsamen Programm Migrantenpop.

jedem 3. Samstag im Monat ist um 11 Uhr Treff-

Präsentiert vom Kulturrucksack NRW und vom Dortmunder Kulturbüro, veranstalten

punkt an unserer Bochumer Anlaufstelle in der Stühmeyerstraße 33. Erster Termin

die beiden nun eine Migrantenpop-Kinder- und Jugendwerkstatt jeweils am zweiten

ist der 19. Januar.

und am dritten Adventswochenende – in Kooperation mit bodo.

Bei einem zweistündigen Rundgang gibt es neue An- und Einsichten zu gewinnen. Ent-

Am 8. und 9. Dezember und am 15. und 16. Dezember jeweils von 12 bis 17 Uhr können

lang des Tagesablaufs eines Menschen ohne Wohnung besuchen die Stadtführer Orte und

Kinder von 10 bis 12 Jahren bei uns lernen, wie man eine Zeitung macht, im Kultur-

Einrichtungen, beschreiben eigene Erfahrungen und liefern Informationen zu den Hilfe-

zentrum Langer August, wie man Theater spielt und beatboxt und eine Menge mehr.

und Selbsthilfenetzen in der Stadt. Übernachtungsstellen, Suppenküchen, Tageseinrich-

Wer mitmachen kann? „Diese Werkstatt ist für alle Kinder da“, sagen Nina und Murat,

tungen liegen auf dem Weg. Zum Abschluss gibt es ein Getränk bei bodo.

„für große, kleine, Jungs und Mädchen, dicke, dünne, dunkle, helle.“ Die Veranstal-

„Teilnahmegebühr“ ist der Kauf eines Straßenmagazins bei unserem Stadtführer.

tungen sind kostenlos.

Über eine kleine Spende an den Verein freuen wir uns. Stadtführungen können darü-

Informationen und Anmeldung – für Eltern und Kinder – gibt es bei Murat Kayi:

ber hinaus von Gruppen gebucht werden. Rufen Sie uns an!

0231 – 86 436 722 | www.migrantenpop.de

7


08

NEUES VON BODO | www.bodoev.de | www.facebook.com/bodoev

bodo ist für Sie da

bodo ist faltbar

Projekt Ehrenamt

Endlich haben wir eine aktuelle Kurzdarstellung

Mithelfen, begleiten, beraten – bodo freut sich

unserer Arbeit, schließlich hat sich viel geändert

auf Ihre Mitarbeit! Dank vieler neuer Verkäufer-

bei bodo in diesem Jahr – nicht nur die Adres-

innen und Verkäufer des Straßenmagazins und

se des Vereinssitzes. In einem neuen handlichen

neuer MitarbeiterInnen in unseren weiteren Ar-

Faltflyer erklären wir knapp, wer wir sind, was wir

beitsbereichen haben sich unsere Aufgaben ver-

tun und was wir wollen und wünschen.

vielfacht, und wir könnten gut Ihre Mithilfe ge-

montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr unter dieser zentralen Rufnummer: 0231 – 950 978 0 Mail: info@bodoev.de | Fax: 0231 – 950 978 20

Geschäftsleitung Tanja Walter verein@bodoev.de

Verwaltung Brigitte Cordes info@bodoev.de

Redaktion und Öffentlichkeitsarbeit

Unter den Überschriften „Das Straßenmagazin“, „Bücher schaffen Stellen“ und „Arbeit und Beschäf-

Was wir bieten: Ein junges, buntes und engagier-

tigung“ stellen wir unsere Arbeitsbereiche vor, mit

tes Team, das (fast) jeden Tag gern zur Arbeit geht.

einer angehängten Postkarte kann man schnell auf

Kurze Wege, offene Türen und eine freundliche At-

traditionelle Art mit uns in Kontakt treten.

mosphäre. Schöne Räume in der Dortmunder und in

Bastian Pütter

Natürlich sind wir auch gerne persönlich in unserer

redaktion@bodoev.de

Geschäftsstelle, per Telefon und per Mail zu erreichen. Viele zusätzliche Inhalte finden Sie auf unserer Internetseite www.bodoev.de, noch aktueller informieren wir bei Facebook.

Vertrieb Oliver Philipp vertrieb@bodoev.de

Anfang des Jahres kommt die „Langfassung“, unser Jahresbericht in Broschürenform. Ausführlich stellen wir dort unsere Arbeitsbereiche vor und fassen zusammen, was sich im für uns turbulenten Jahr 2012 verändert hat.

Suzanne Präkelt

in Ihrer Einrichtung auszulegen – wir würden uns freuen!

der Bochumer Innenstadt. Eine Vielzahl spannender und vielseitiger Aufgaben je nach Interessen und Möglichkeiten. Und eine so nette wie professionelle Betreuung durch unsere erfahrenen EhrenamtsKoordinatoren. Was wir suchen: Menschen, die uns unterstützen möchten bei unserer Arbeit für Menschen in schwierigen sozialen Lagen. Zum Beispiel bei der Betreuung unserer Verkäufercafés, bei Infoständen und Veranstaltungen wie unseren Stadtführungen, bei Beratungen, Bewerbungshilfen, Ämterbegleitungen u.v.m.

Wenn Sie die Möglichkeit haben, unser Infomaterial bodos Bücher

brauchen.

Rufen Sie uns an, schreiben Sie uns oder kommen Sie unverbindlich vorbei.

buch@bodoev.de ANZEIGE

bodos Bücher Online Gordon Smith basar@bodoev.de

Transporte und Sachspenden Brunhilde Dörscheln transport@bodoev.de

Oder Sie besuchen uns:

Optik Meier Ihr Fachgeschäft für Brillen und Kontaktlinsen Neustraße 4 · 44623 Herne Telefon 0 23 23 – 5 04 63 info@optikmeier.de www.optikmeier.de

Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund

Öffnungszeiten

Mo. bis Fr. 10 – 18 Uhr | Sa. 10 – 14 Uhr

Mo. – Fr.: 9 Uhr – 18.30 Uhr

Stühmeyerstraße 33 | 44787 Bochum Mo., Mi. u. Fr. 14 – 17 Uhr

8 Di. u. Do. 10 – 13 Uhr

Sa.: 9 Uhr – 14 Uhr Termine nach Absprache von 8 Uhr – 20 Uhr


MAIKES VERKÄUFERTAGEBUCH

Weihnachtsfeiern

09

Weihnachtsverkauf

Maikes Rückblick auf den Oktober 30. September Gestern wollte ich Futter für Minka (mein Katzenmädchen) vom In den letzten Jahren haben wir immer wieder

Zeit für Geschenke: In unserem Dortmunder

Einkauf mitbringen. Und was passiert?

experimentiert: Welche Lösung ist für unsere

Buchladen und an unseren Weihnachtsmarkt-

Ich vergesse es. Heute war verkaufsof-

VerkäuferInnen und welche für unsere Mitarbei-

ständen gibt es zur Weihnachtszeit eine Vielzahl

fener Sonntag im Indupark. So konnte

terInnen in den anderen Arbeitsbereichen am

schöner Geschenkideen.

ich dort im Supermarkt noch Futter be-

schönsten?

Neuwertige oder gar ungelesene Koch-, Kinder- und

sorgen. Ich war nicht alleine dort. Mein Bekannter war auch dabei. Wenn im Real

Diesmal haben wir uns für ein gemeinsames Weih-

Sachbücher, Ausgefallenes, Lesestoff und spannen-

nachtsessen in unseren Räumen am Schwanenwall

de Krimi-Kost für die Feiertage, thematisch Passen-

entschieden – und voll wird es! Es werden nicht alle

des zum Fest. Das tiefschwarze Krimi-Sortiment des

kommen, aber eine vollständige Zählung ergibt über

Dortmunder grafit-Verlages bieten wir neu zum La-

5. Oktober Heute muss ich beim Arzt

130 Mitarbeiter... Wir sind ein bisschen aufgeregt.

denpreis an.

den vierteljährlichen Check machen las-

Am 14. Dezember werden wir unseren Buchladen

Außerdem finden Sie bei uns selbst hergestell-

leerräumen und alle „bodos“ an lange Tische setzen

te Weihnachtsdekoration: Weihnachtsmänner und

und bekochen. (Wenn Sie uns unterstützen möchten:

Sterne aus Holz in allen Größen – von filigran bis

15. Oktober Heute war ein blöder Tag.

Über Getränkespenden – Saft, Wasser, etc. – freuen

Schwergewicht. Unser Buchteam bietet darüber hin-

Vormittags

wir uns. Und vielleicht kennen Sie einen Lebensmit-

aus hochwertiges Bastel- und Geschenkpapier in

Deswegen bin ich zu Hause geblieben.

telhändler, der uns mit einem Einkaufsgutschein ge-

verschiedenen Sortierungen an.

Ab Mittag wollte ich zum Zeitungsver-

gen Spendenbescheinigung unterstützen möchte.)

Geöffnet haben wir montags bis freitags von 10 bis

im Indupark nicht kräftig umgebaut würde, dann wäre ich wohl länger geblieben.

sen, ob die Werte noch stimmen. Passt mir gar nicht.

war

Heizkostenablesung.

kauf. Und was war? Kopfschmerzen bzw. Migräne mit Begleiterscheinungen. Ich

Damit sich unsere Ur-Bochumer Verkäufer, die die

18 Uhr, von Heiligabend bis Neujahr bleibt der Buch-

Anreise nach Dortmund scheuen, nicht zurückge-

laden geschlossen, Büro und Zeitungsvertrieb sind

setzt fühlen, gibt es zusätzlich am 13. Dezember in

auch „zwischen den Jahren“ besetzt. Die Januaraus-

19. Oktober

Bochum einen Verkäuferbrunch in unserer Anlauf-

gabe des Straßenmagazins erscheint am 31.12.

bedeutend besser, und ich war zum Zei-

stelle. Sie haben es sich verdient. Und eine Überraschung für jeden einzelnen Verkäufer haben wir schon...

Auch in der Weihnachtszeit freuen wir uns über Ihre

dachte am Abend, mein Kopf zerspringt. Heute geht es mir schon

tungsverkauf raus.

Buchspenden, die wir gerne während der Öffnungs-

24. Oktober Ich darf es nicht vergessen:

zeiten in Dortmund und Bochum entgegennehmen.

Ein ganz lieber Mensch hat heute Geburtstag. An dieser Stelle meine herzlichsten Glückwünsche zum 53. Geburtstag.

bodo zum Umhängen Dank einer wunderbaren Kooperation mit Jens Christoph Micheel und seiner Firma Ruhrgepäck

31. Oktober Dieser Vormittag ist schon verplant. Erstens Verkäuferversammlung. Da ist man immer unter Kollegen. Zweitens Einkaufen. Dann nach Hause.

haben wir nicht nur ab Anfang Dezember Taschen,

1. November

in denen unsere Verkäufer ihre Zeitungen tro-

werde ich zu meinem Bekannten nach

cken und „knicksicher“ transportieren können

Ickern pirschen. Einen gewissen Geldbe-

– sondern auch tolle Umhängetaschen (oder neu-

trag werde ich auch mitnehmen, da mein

deutsch: Messenger-Bags) für Sie und uns.

Bekannter für die Grabpflege, die er für

Wir bieten die Taschen in unserem Dortmunder

Da heute Feiertag ist,

mich erledigt, Geld ausgegeben hat.

Buchladen, in der Anlaufstelle in Bochum und auf unseren Veranstaltungen, zum Beispiel den Weihnachts-

Fortsetzung folgt in der nächsten Aus-

märkten (Termine siehe Seite 7) an.

gabe. Nun möchte ich allen bodo-Lesern

Es gibt zwei Größen und mehrere Straßen-Motive zur Auswahl. Das Design hat unser Grafiker Andre Noll entwickelt. Unser Logo befindet sich dezent auf dem Taschendeckel, das Ruhrgepäck-Logo auf dem Tragegurt. Die große Tasche (Modell Cargo) kostet bei uns nur 38,90 Euro, die kleine (Modell Leisure) kostet nur 28,90 Euro. Die Preise liegen deutlich unter denen gleichwertiger Ruhrgepäck-Taschen, die Auflage ist limitiert. Taschen (und vieles mehr) mit Industriekultur- oder Fußball-Motiven finden Sie bei Ruhrgepäck in der Dortmunder Berswordt-Halle, die „Straßen“-Taschen gibt’s nur bei uns.

und bodo-Leserinnen sowie dem Team von bodo und allen Kollegen und Kolleginnen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2013 wünschen. Eure Bodoline Maike 9


10 NEUES VON BODO | von Bastian Pütter | Fotos: bodo Archiv

Gute Geschichten Chancen schaffen, Menschen auf den Weg zu

sind gestorben, andere haben es dieses Mal nicht

sich viele Menschen davon überzeugen. Und sie

bringen, ihnen die Gelegenheit zu geben, neu-

geschafft, stark zu sein, der Sucht zu trotzen. Ver-

sagt: „Ohne meine lieben Kundinnen in Hombruch

es Zutrauen in die eigenen Kräfte zu gewinnen

gessen werden wir sie deshalb nicht.

wäre ich nicht da, wo ich bin.“

Nicht jede Geschichte geht gut aus. Zur Zeit denken

Oder Adolf, unser ältester Verkäufer, der vor vielen

wir besonders an unserem Verkäufer Karl Wilhelm,

Jahren mit dem Schlafsack unter dem Arm zu uns

Wir blicken zurück auf ein ereignisreiches und er-

der einen Raubüberfall nur durch Zufall überlebt hat

kam: „Als ich anfing bei bodo, hab ich die Flasche

folgreiches Jahr. Mit unseren Räumen in der Dort-

und inzwischen wieder auf dem Weg der Besserung

weggeworfen. Ich haben keinen Tropfen Alkohol

munder und Bochumer Innenstadt und mit Zeitungs-

ist und an unsere Tagebuchschreiberin Maike. Kurz

mehr getrunken seitdem.“ Beim Renovieren seiner

ausgabestellen in Unna, Witten und Herne gelingt

vor unserem Drucktermin haben wir erfahren, dass

Wohnung halfen seiner Verkäuferkollegen. „Aber zu

es uns, immer mehr Menschen in Not zu erreichen.

sie im Krankenhaus ist. Wir werden sie besuchen und

Hause fällt mir die Decke auf den Kopf. Solange ich

Durch den wachsenden Zulauf von Menschen ohne

an sie denken. Alles, alles Gute! Wir erleben Rück-

draußen bei meinen Kunden bin, bin ich am Leben“,

Wohnung und ohne Perspektive hat sich unser Be-

schläge, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit – aber

lacht er. Adolf wird im Dezember 79.

ratungsaufwand vervielfacht. „Erste Hilfe“, die Ver-

machen eben auch vielfache, großartige Erfahrun-

mittlung an Fachstellen, die Begleitung oder ein-

gen mit Menschen, denen wir aufhelfen können.

– das ist unsere Arbeit, und sie schreibt „gute Geschichten“.

Cornel hat Hass und Verfolgung in seiner rumänischen Heimat erlebt. Er kam als Flüchtling, wurde

fach nur das offene Ohr für oft zuerst unentwirrbar scheinende Probleme, das ist es, was immer mehr

Wenn wir Birgitt sehen, die nach schwerer Krise und

abgelehnt und musste zurück. Mit dem EU-Beitritt

Menschen auf der Straße bei uns suchen und finden.

Krankheit auf der Straße gelandet war, wie sie in-

Rumäniens ging er nach Spanien, arbeitete als LKW-

zwischen selbstbewusst mit ihrer Lebensgeschichte

Fahrer, als Erntehelfer und auf dem Bau, bis die Krise

„Gute Geschichten“ – das bedeutet nicht, die Schat-

umgeht, sind wir stolz. In Lisa Lyskavas Dokumen-

Spanien erreichte. Für Migranten gibt es dort prak-

tenseiten zu verschweigen. Wie in jedem Jahr haben

tarfilm „Standort Sehnsucht“ und zuletzt auf dem

tisch keine Arbeit mehr. Zwei seiner Kinder gehen

wir Menschen verloren, Verkäufer und gute Bekannte

Podium unter dem Dach des Dortmunder U konnten

in Dortmund zur Schule, das dritte ist noch klein.

10


11

bodo ist längst mehr Seine Frau hat Arbeit gefunden, er versucht mit

uns kam, war er fast 14 Jahre auf der Straße – ge-

bodo ist längst viel mehr als das Straßen-

Straßenzeitungen zum Lebensunterhalt beizutragen

rade haben wir geholfen, seine Wohnung einzurich-

magazin. Unseren Beschäftigungs- und

und ist sicher: „Wenn ich eine Arbeit annehmen darf,

ten. Nicht nur eine gute, beinahe eine wunderbare

Qualifizierungsprojekten gelingt es immer

finde ich auch eine.“

Geschichte.

besser, Menschen eine Perspektive zu ge-

Metins freundliches Gesicht strahlte zuletzt von

Das sind natürlich nur wenige kurze Beispiele. Mehr

plätze in dem in unserer Region immer wei-

Plakaten des Dortmunder Schauspiels. Bei „Crash-

als 100 Frauen und Männer, die das Straßenmaga-

ter schrumpfenden ersten Arbeitsmarkt.

test Nordstadt“ schlüpfte er in die Rolle eines

zin verkaufen, betreuen wir zurzeit. Alle haben

Immobilienmaklers und versuchte, Theatergästen

den Wunsch, ihr Leben wieder selbst in die Hand

seine Nordstadtwohnung zu verkaufen: „Die feh-

zu nehmen.

ben und sie bereit zu machen für Arbeits-

lenden Fensterdichtungen sind die Klimaanlage, fließendes Wasser haben wir sogar an der Tape-

Sie können dabei helfen: Ermöglichen Sie uns, un-

te.“ Metin lacht. „Nicht aufgeben ist mein Motto.

sere Beratungsangebote auszubauen und die Kon-

Eigentlich glaube ich, dass man das alles allein

tinuität unserer Hilfen sicherzustellen. Denn Ob-

schaffen muss. Das geht nicht immer. Dann ist

dachlosigkeit und Armut sind kein Schicksal. Der

bodo für mich da.“

Weg aus der Krise kann lang sein, aber wir helfen dabei, ihn zu gehen.

Marcus gehört zum Bermudadreieck fast wie Graf Engelbert. Unser langjähriger Verkäufer kennt aber

Mit Ihrer Spende schreiben Sie mit an diesen guten

nicht nur Bochums Ausgehmeile. Als bodos neuer

Geschichten. Herzlichen Dank! (bp)

Stadtführer zeigt Marcus die unbekannte Seite Bochums: Entlang des Tagesablaufs eines Wohnungs-

bodo e.V. Spendenkonto

losen führt Marcus an Orte wie Suppenküchen oder

Bank für Sozialwirtschaft Essen

Übernachtungsstellen. Ein echter Experte.

BLZ 370 205 00 | Konto Nr. 722 39 00

300 Tonnen Möbel und Hausrat hat unser Transportteam in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes gestemmt. Wer hier arbeitet, macht es sich nicht bequem in der sozialen Hängematte – ein schreckliches Klischee, für das wir in keinem unserer Felder irgendwelche Belege finden. Ob wohnungslos, ob jung und ohne Ausbildungsplatz, oder ob gut ausgebildet und betroffen von Firmenschließungen: Alle unsere Mitarbeiter zeigen täglich, dass von „Faulheit“ keine Rede sein kann. Was fehlt, sind die Chancen sich zu beweisen und die Begleitung und Unterstützung bei den Sorgen und Nöten, die vorerst verhindern, dass es weitergeht. Hier sehen wir unsere Aufgabe. Unser Buchprojekt bildet zurzeit gleich

Von Otto ist nicht nur unser Leserbriefschreiber

vier junge Frauen aus. Mit Steffi haben wir

(s.S.47) begeistert. Als er vor einigen Monaten zu

den ersten Ausbildungsabschluss vorzuweisen – der war so gut, dass Steffi gleich ein drittes Jahr für einen noch qualifizierteren Abschluss anschließt. Stolz sind wir auch auf unser – für die meisten Arbeitgeber wenig attraktives – Modell der Teilzeitausbildung für junge alleinerziehende Mütter. Julia und Vanessa sind ein großartiger Gewinn für unser junges Buchteam. Dabei schaffen Ihre Buchspenden wirkliche Arbeitsplätze für qualifizierte Tätigkeiten und nicht die leider häufig anzutreffende „Simulation“ von Arbeit – alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehen, was sie leisten und wie viel Freude sie ihren Kunden machen. Unser Praktikant Sandro hat ausgerechnet: 144m würde der Turm hoch sein, wenn wir nur die in diesem Jahr verkauften Bücher unseres Buchladens stapeln würden. Dazu kommt der Onlineversand von Büchern. Eine wirklich anspruchsvolle Tätigkeit, denn wir versenden in die ganze Welt: Unsere Bücher gingen auf alle Kontinente, u.a. nach Neuseeland, Australien, Argentinien, Chile, Libyen oder Japan. Wer bei uns in diesem Bereich qualifiziert wird, hat wirklich etwas vorzuweisen. Auch hier: Gute Geschichten. (bp)

11


12

STRASSENLEBEN | von Bastian Pütter | Fotos: Oliver Schaper

Weihnachten auf der Straße Der einsetzende Winter, die Geschichte vom

übernachtungsstelle in Dortmund eher Ähnlichkeit

rem Vereinssitz Platz. Weil die Nachfrage so

jungen Paar auf der Suche nach einer Herber-

mit einer Jugendherberge. Auch wenn man das

groß ist, werden in der Woche vor Weihnachten

ge, die Zeit der Spenden und Spendenappelle

geräumige Vierbettzimmer nicht unbedingt mit

Eintrittskarten an die Besucher und Klienten der

– in der Weihnachtszeit rücken die Menschen

einfachen Zimmernachbarn teilt: Die Zimmer sind

Diakonieeinrichtungen verteilt. „Dazu kommen

auf der Straße kurz in die Scheinwerfer der

sauber, die Spinde verschließbar und die Wertsa-

die Weihnachtsfeiern in den verschiedenen

medialen Aufmerksamkeit.

chen sicher im Safe – auch wenn auf der Straße

Diakonie-Einrichtungen“, betont Barbara Köster

Zwei Dinge sind uns dabei wichtig: Obdachlo-

ganz andere Geschichten erzählt werden.

von der Diakonie. Der Brückentreff, unsere Aus-

sigkeit ist das ganze Jahr über eine schwere

gabestelle in der Nordstadt, feiert am 23.12. mit

Last und ein Skandal zugleich. Und: Es gibt

Durch gegenseitige Hilfe und Notlösungen gelingt

allen Besuchern.

Hilfen, die den Weg „abwärts“, der in der

es vielen, dem Schlafen in eiskalten Grünanlagen

Bei bodo bekochen wir alle unsere Mitarbeiter-

Obdachlosigkeit endet, nicht zu einer Ein-

oder Abbruchhäusern zu entgegen. Einige unserer

innen und Mitarbeiter am 14. Dezember – und

bahnstraße werden lassen. Seit vielen Jahren

Verkäufer, die inzwischen Wohnungen haben,

Geschenke wird es auch geben.

gibt es in unseren Städten professionelle,

nehmen Kollegen auf. Andere finden Schlafplätze

spezialisierte Angebote und aufopferungs-

auf Sofas und Teppichen, mal bei großzügigen

volles freiwilliges Engagement – das ganze

Gastgebern, mal gegen Bezahlung.

Jahr hindurch. Auch zu Weihnachten werden

Es gibt weiterhin keine Bundesstatistik, und auch

Menschen auf der Straße nicht alleingelassen.

in den Städten sind wir auf Schätzungen angewiesen. Durch die Neuzuwanderer aus Bulgarien und

Zu keiner anderen Zeit im Jahr sind so viele

Rumänien ist die Situation noch unüberschaubarer

Menschen gleichzeitig zu Hause, und zu keiner

geworden. Niemand weiß, wie viele Menschen

anderen Zeit wird dieses Zuhause so schmerzhaft

tatsächlich auch im Winter draußen schlafen. Käl-

vermisst, wenn es fehlt. In den Übernachtungs-

tebusse wie in anderen Städten, die Obdachlose

stellen für Wohnungslose versuchen die Mitarbei-

an ihren Schlafplätzen versorgen, gibt es bei uns

terinnen und Mitarbeiter ihren Gästen in ihren

nicht, und auch aufsuchende Angebote sind noch

schwierigen Lebensumständen so viel Normalität

rar. Dabei ist für schlecht ausgestattete Menschen

wie möglich zu bieten – und dazu gehört auch

das Schlafen im Freien bei Frost lebensgefährlich.

Weihnachten, auch wenn keine Familie wartet

Immer noch denken wir mit Schrecken an unseren

und die Mittel beschränkt sind. In den Stellen

Verkäufer, der im eiskalten vorletzten Advent

für junge Wohnungslose SchlafAmZug in Bochum

unter der Gerüstkonstruktion des Dortmunder

und SleepIn in Dortmund warten kleine Ge-

Weihnachtsbaums schlief.

schenke, Tee und Kekse auf die Übernachtenden. Jörn-Peter Hülter von der Dortmunder Männerübernachtungsstelle verspricht: „Unsere Bewoh-

Von Keksen und Gänsen

ner kriegen eine Süßigkeitentüte und wir haben

Alfons Wiegel von der Dortmunder Tagesein-

einen geschmückten Baum.” Bei „Dach über dem

richtung Gast-Haus freut sich, den Gästen wie

Kopf“, der Übernachtungsstelle in Lünen, ist ein

jedes Jahr etwas Besonderes bieten zu können:

Heiligabendessen in der Übernachtungsstätte

„Am 1. Weihnachtstag gibt es die traditionelle

und eine Weihnachtsfeier im Vereinssitz geplant,

Gänsekeule mit Rotkohl und Klößen. Vorher eine

sagt Pfarrer Ulrich Klink.

Suppe und nachher ein Dessert. Am Silvestertag gibt es dann unseren kulinarischen Jahresaus-

Eine Parkbank ist kein Bett

klang: Hähnchenkeule mit Beilage. Außerdem

Doch Vorrang hat, wenigstens einen warmen Ort

ein Weihnachtssingen mit Straßensängern.”

haben wir am Montag vor Heiligabend, dem 17.12.

für die Nacht anzubieten. Der übrigens zur Ver-

12

fügung steht. Wenn es richtig kalt wird, werden

Ähnlich traditionell geht es bei der Weihnachts-

zusätzliche Schlafplätze geschaffen, niemand

feier für Wohnungslose der Diakonie Ruhr in

wird hinaus in die Kälte geschickt.

Bochum zu. Rotkohl und Klöße steht auf dem

Dabei bilden die Übernachtungszahlen der das

Wunschzettel vieler Gäste, „kulinarisch Exoti-

ganze Jahr über gut ausgelasteten Stellen nur die

sches kommt da eher nicht so gut an”, sagt Ger-

Spitze des Eisbergs. Nur ein Teil der Obdachlosen

linde Fuisting, Leiterin der Wohnungslosenhilfe.

findet den Weg in die Einrichtungen – sei es aus

Bei traditionellen Weihnachtsessen der Diakonie

Angst, Scham oder aufgrund von Vorurteilen. Dabei

in Dortmund finden am Heiligabend bis zu 150

hat zum Beispiel die freundlich wirkende Männer-

Menschen im Reinoldinum direkt neben unse-


13

Viele unserer Verkäufer nutzen gleich meh-

täglichen Bedarf gerecht zu werden. Die Ver-

lang, nicht nur für diejenigen, die draußen

rere der bestehenden Angebote. Wie auch zu

sorgungseinrichtungen, Anlauf- und Beratungs-

schlafen müssen. Einsamkeit und die nicht ver-

den anderen Jahreszeiten gibt es aufeinander

stellen müssen sich in erster Linie bemühen, die

gehen wollende Zeit sind an diesen Tagen noch

abgestimmte Hilfen, oft verbunden mit dem

Kontinuität ihrer Angebote sicherzustellen, denn

schwerer auszuhalten, sagen uns auch unsere

unkomplizierten Zugang zu Beratung und Krisen-

Obdachlosigkeit kennt keine Feiertage und keine

Verkäufer.

hilfe. Denn für die meisten ist Obdachlosigkeit

Urlaubszeiten. Die Suppenküchen, die das ganze Jahr hindurch

kein Lebensstil und viel eher Symptom als das eigentliche Problem. Tiefe persönliche Krisen,

Die Tageseinrichtungen, mit denen wir ko-

der großen Nachfrage Herr werden müssen, öff-

Schulden, Sucht- oder psychische Erkrankungen

operieren, sind das ganze Jahr über auch

nen auch an den Feiertagen, Tageseinrichtungen

führen dazu, dass „nichts mehr geht“, auch nicht

am Wochenende geöffnet, denn vor allen an

wie unsere Ausgabestelle bei der Caritas in Unna

das Halten der eigenen Wohnung. Beratungs-

Sonntagen sind sie besonders wichtig. In den

oder der Mittagstisch in Wattenscheid sind eben-

und Krisenangebote sind deshalb auch oft noch

sonst wie ausgestorben scheinenden Städten

falls geöffnet. „Zwischen den Jahren“ machen

am Heiligabend zugänglich.

öffnen sie Räume, in denen Wohnungslose sich

zwar unsere weiteren Beschäftigungsprojekte

aufwärmen können und einen Teil der Zeit mit

Pause, für unsere Verkäufer bleibt die Tür jedoch

Obdachlosigkeit kennt keine Feiertage

anderen verbringen können.

offen. Die Januarausgabe des Straßenmagazins,

Für viele Hilfseinrichtungen gilt andererseits:

Weihnachten und der Jahreswechsel sind wie

an Silvester – für die meisten von ihnen ist auch

Das Besondere ist schon, dem unveränderten

eine Reihe von Sonntagen. Die Feiertage werden

dieser ein ganz normaler Tag. (bp)

heißen Tee und Kaffee erhalten unsere Verkäufer

Weihnachtsfeier der Dia

konie im Dor tmunder

Reinoldinum

13


14

RECHT | von Rechtsanwalt René Boyke

Eltern haften für ihre Kinder – nicht?

Urban Urtyp Konzerterlebnisse in der Bochumer Christuskirche Eigentlich will ich mit ihm über die Konzertrei-

ter, gleichwohl vager Begriff. „Man hört es aber

Endlich! Viele betroffene Eltern werden auf-

he Urban Urtyp reden. Doch bevor das Interview

sofort”, erklärt Thomas Wessel. „Es gibt tolle

atmen, denn der Bundesgerichtshof (BGH)

beginnt, greift Pfarrer Thomas Wessel hinter

Musik, die fraglos in der Kirche gespielt werden

bringt etwas Realitätsnähe ins deutsche

sich und holt ein riesiges Buch aus dem Regal.

könnte. Hörst du die aber im Kontext ,urban‘,

Rechtsleben zurück: Er hat die überzogenen

Ars Sacra heißt das Werk im Altarbibelformat,

weißt du sofort, dass das nicht funktioniert. Um

Aufsichtspflichten für das Verhalten von

Kirchenarchitektur von Byzanz über Mittelalter,

das festzustellen, reichen oft die ersten vier Tak-

Kindern im Internet, die einige Oberlandes-

Barock und Jugendstil bis in die Neuzeit. Von

te. Und so unterschiedlich wir in unserem Team

gerichte Eltern abverlangten, auf ein erträg-

allen europäischen Sakralbauten der 40er und

auch sein mögen, in dieser Hinsicht sind immer

liches Maß reduziert.

50er Jahre werden darin nur drei „beispielhaft”

alle einer Meinung. Das ist schon verrückt.”

Wenn bisher Minderjährige über den elterlichen Internetanschluss illegal Tauschbörsen

genannt, darunter die Christuskirche. Weltweit gilt sie als epochale Konzeptkirche.

Das Team. Organisiert wird die Reihe von einer auf den ersten Blick sehr heterogenen Gruppe. Verbin-

nutzten, dann bekamen die Eltern eine Ab-

Das Kirchenschiff, in dem mehr als eintausend

dende Elemente sind Liebe zu Livekonzerten und

mahnung. Die Kosten beliefen sich mindes-

Menschen Platz finden können, bietet ausge-

ausreichend Leidenschaft, diese aus eigener Kraft

tens auf mehrere hundert Euro; selbst wenn

zeichnete akustische Eigenschaften. Von Anfang

auf die Beine zu stellen. Zum harten Kern von et-

nur ein einziges Lied heruntergeladen wur-

an war geplant, hier Konzerte stattfinden zu

was mehr als zehn Mitgliedern gehört Olaf Rauch.

de, das bereits für 99 Cent im Internet hätte

lassen. Zunächst im gewohnt klassischen Rah-

Anfangs Stammgast, wollte er bald mehr als nur

gekauft werden können. Die Eltern mussten

men; parallel zum Bau gründete sich die Bochu-

Besucher sein. „Bei uns regiert das Lustprinzip”,

sich regelmäßig vorwerfen lassen, sie hätten

mer Stadtkantorei. Um das Jahr 2000 wurde das

sagt er. „Wir sind kein Verein. Niemand ist zu

ihre Aufsichtspflichten verletzt – und die

Konzept ausgeweitet, aus der Kulturkirche sollte

irgend etwas verpflichtet. Wenn wir uns wegen des

hatten es in sich.

eine Kirche der Kulturen werden. Der Begriff ist

Programms treffen, bringt jeder die Musik mit, die

nicht im ethnischen Sinn zu verstehen. Innerhalb

ihm gefällt. Dann wird gemeinsam entschieden,

des weit gefassten Rahmens ist Urban Urtyp eine

was wir hier später hören und sehen wollen.”

Praktisch war es nämlich so, dass Eltern, die nicht ausgesprochen versierte PC-Nutzer waren, keine Chance hatten, den strengen Auf-

noch relativ junge Veranstaltungsreihe.

Zum Beispiel Stabil Elite, eine junge Band aus

sichtspflichten über ihre Kinder zu genügen.

Für Urban Urtyp gebuchte Musiker oder Bands

Düsseldorf. Rauch hatte sie vorgeschlagen. Die

Realitätsfern wurde von den Gerichten gefor-

lassen sich nicht einem bestimmten Genre zuord-

derzeitigen Kritikerlieblinge erinnern an Kraft-

dert, dass Eltern, die sich nicht in der Tausch-

nen. Die Internetseite zur Reihe listet Jazz und

werk, Neu! oder DAF. Düsseldorfer Schule. In der

börsennutzung auskannten, einen Computer-

Post, Elektro und Sprache, Klassik und Minimal,

Christuskirche tritt Stabil Elite am 30. Dezember

experten zu beauftragen hätten. Die Kosten

Ambient, Pop und mehr. Als gemeinsamer Nenner

auf. Tausend Besucher werden nicht erwartet,

dafür blieben weitgehend unberücksichtigt.

gilt die Formulierung „urban”, ein viel diskutier-

dazu ist die Band noch zu unbekannt und sehr

Letztlich mussten diese Eltern ihren Kindern also schlicht den Zugang zum Internet verbieten. Die Folge: Kinder erlernen den Umgang mit dem PC und dem Internet nicht. Dem hat der BGH jetzt endlich einen Riegel vorgeschoben. Er stellte klar, dass die Eltern nicht für Urheberrechtsverletzungen ihrer Kinder im Internet haften, wenn sie diesen die Nutzung von Tauschbörsen verbieten und sie entsprechend belehren. Gibt es Anhaltspunkte für Urheberrechtsverletzungen, dann müssen die Eltern das Kind auch kontrollieren. Da das Urteil allerdings noch nicht gedruckt vorliegt, ist noch nicht ganz klar, wie Eltern Kinder ganz konkret belehren und Verbote aussprechen müssen und wann Kontrollpflichten greifen. Fakt ist, die Aufsichtspflichten liegen unter den bisher verlangten. Da werden einige Eltern erstmal aufatmen. Allerdings kommen die Rechteinhaber nun vielleicht auf die Idee, die Kinder direkt zu verklagen. (rb) www.kanzlei-boyke.de 14

KULTUR | von Wolfgang Kienast | Foto: Michael Schwettmann www.misc420.net


15

WILDE KRÄUTER | von Wolfgang Kienast

speziell. Das ist bei Urban Urtyp wiederum eher Regel als Ausnahme. Um eine den Veranstaltungen

wildkraeuter.bodo/24_schafgarbe.2/

angemessene Clubatmosphäre zu schaffen, baut das Team in der Kirche einen Raum im Raum auf:

Unlängst lag ein vorweihnachtlicher

Ich blätterte zum Glögg. IKEA tut ja so,

abgehängt mit Plastiklamellen, ein durchlässiger

IKEA-Prospekt im Briefkasten. Eigentlich

als sei das eine hauseigene Erfindung.

Kubus von zehn mal zehn Metern Kantenlänge.

ein Fall für die Direktentsorgung. Dass

Dabei hatte schon meine Mutter, eine

Er beeinträchtigt die akustische Qualität nicht,

ich Informationen des schwedischen Mö-

waschechte Westfälin, an kalten Win-

verdichtet aber die Situation zwischen Künstlern

belhauses gegenüber aufnahmewilliger

tertagen immer Alpen-Glögg gemacht.

und Publikum.

geworden bin, liegt an der DASA, bes-

Inspirieren ließ sie sich durch eine mitt-

ser, an der zur Zeit dort präsentierten,

lerweile leider völlig zerfledderte Ge-

ausgesprochen empfehlenswerten „Do It

tränkerezeptesammlung aus den 70ern,

Yourself”-Ausstellung.

herausgegeben im Übrigen von einem

Wessel und Rauch schwärmen von intensiven Konzerterlebnissen im Kubus während der ersten zweieinhalb Jahre der Reihe. Rauch spricht von Ent-

Kaffeediscounter.

wicklungshilfe in Sachen Livemusik. „Früher haben

Da habe ich nämlich erfahren, dass IKEA

sich die Leute Auftritte ihnen unbekannter Bands

ein am Markt bahnbrechender Vorden-

Der IKEA-Prospekt sagte, „ein warmer

angesehen. Heute macht das leider kaum noch je-

ker bei der Entwicklung vom Consumer

Glögg macht nicht nur das Herz glög-

mand. Bei Konzerten wird vielmehr überprüft, ob die

hin zum Prosumer gewesen ist. „Für den

glich, sondern auch den Bauch. Entweder

Bands in der Lage sind, ihre Musik live auf der Bühne

US-amerikanischen Zukunftsforscher Al-

mit dem Rezept unter www.ikea.de/re-

eins zu eins wiederzugeben. Hier wollen wir andere

vin Toffler war dies positive Utopie ei-

zepte nachmachen oder” bei uns kaufen.

Akzente setzen.”

ner künftigen Technokultur, in der eine

Das Wortspiel allein roch nach Glühge-

selbstbestimmte, aktive Beteiligung an

tränk. Sofort besuchte ich die empfoh-

den Produktionsprozessen den passiven

lene Seite und fand – eine Weihnachts-

Konsum ablöst”, heißt es dazu im Aus-

baumpizza. Wie tief haben die eigentlich

stellungskatalog. Interessant, wenn Sie

ins Glöggglas geschaut? Doch ich wusste

mich fragen. Ich bereitete mir einen

jetzt, der Tag wird kommen, an dem sich

heißen Schafgarbe-Punsch, begab mich

jeder gewiefte Fakesument eine Weih-

aufs Sofa und stöberte in der Werbung.

nachtsbaumpizza vom Asia-Italiener an

So begann eine auf unterhaltsame Weise

der Ecke brutzeln lässt, plus Elchlamet-

irritierende halbe Stunde.

tasalat, und sich daraufhin passend ein

„Selbst die urbanste Band wäre für uns nicht interessant, wenn sie nur lieblos ihre Platte nachspielen würde”, ergänzt Wessel. „Ein Livekonzert bedeutet, die ipod-Zone zu verlassen. Du kannst nicht weiterdrücken. Du kannst der Musik nicht ausweichen, sondern musst ihrer Logik folgen. Und du machst die Erfahrung, dass sich das am Ende lohnt. Nach einem Konzert ist man immer reicher als vorher. Nicht zuletzt profitieren wir selber davon, auf diese Art Musik hören zu können.” (wk)

Zuerst die Sache mit der Marmelade. „Wer sagt, dass selbst gemachte Marmelade

paar bunte Flecken auf die Kochmütze malt. Farbe dazu gibt‘s im Möbelhaus.

INFO

selbst gemacht sein muss? Einfach eine

Zugegeben, dass ich später bei Peppar-

Christuskirche Bochum, Westring 26, links vom

von fünf leckeren Konfitüren aus dem

kakahus nicht an Lebkuchen, sondern an

Rathaus | Einmal im Monat an einem Sonntag um

IKEA Schwedenshop in ein Einmachglas

Dixiklo dachte, lag daran, dass ist selbst

19 Uhr und immer für 10 Euro.

füllen, handbeschriftetes Etikett drauf,

inzwischen viel Schafgarbe-Punsch intus

www.urbanurtyp.de | www.christuskirche-bochum.de

hübsches Bändchen drum, fertig”, lernte

hatte. Eigentlich halte ich mich daran,

ich. Sollte der Halbfertigmöbelverkäufer

keine Witze über Eigennamen und Fremd-

auch hier erfolgreicher Avantgardist wer-

sprachen zu machen. Erst recht keine, die

den, dürfte dem mündig mitmachenden

nicht mal richtig zünden.

Prosumer bald ein verschlagen operierender Fakesument folgen. Was der alte Toffler wohl dazu zu sagen hat? Kompetenz ist ihm nicht abzusprechen, der 1928 geborene Schriftsteller und Futurologe beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit neuen Techniken und dem auf die Einführung folgenden Wandel der Gesellschaft.

Was dagegen funktioniert, jedenfalls, um bei Minusgraden warm zu werden, ist der erwähnte Punsch: 1/2 Liter trockenen Weißwein, 1/4 Liter Apfelsaft und 1/8 Liter Rum erhitzen, ein wenig frisch geriebene Muskatnuss zugeben und zwei Teelöffel Schafgarbe-Kunsthonig (September-bodo) darin auflösen. Frohes Fest. (wk)

15


16

REPORTAGE | von Wolfgang Kienast | Fotos: Andre Noll

Vor 100 Jahren wurde das Dortmunder Museum für Naturkunde gegründet. Noch 25 Jahre älter ist der ortsansässige Naturwissenschaftliche Verein, auf dessen Sammlung das 1912 eröffnete Museum zurückgreifen konnte. Wir sprachen mit der jetzigen Direktorin, Frau Dr. Dr. Elke Möllmann, wie das doppelte Jubiläum gefeiert wurde und wie sie sich die Zukunft ihres Hauses vorstellt. Das Interview fand in dem derzeit für das Publikum gesperrten Raum mit dem großen

Ein Mammut auf dem Wunschzettel

Aquarium statt. Nach dessen umfangreicher Sanierung hofft sie, noch vor Weihnachten diesen Bereich für Besucher wieder zugänglich machen zu können. „Ich mag diesen Ort”, sagt Frau Möllmann. „Er hat etwas unglaublich Beruhigendes, etwas sehr Faszinierendes.” Viele Dortmunder teilen diese Ansicht, auswärtige Gäste schließen sich vorbehaltlos an. Wenn ein Streifzug durch die übrigen Ausstellungsräume hilft, dem Alltag für eine Weile zu entfliehen, ist es das kreisrunde, rings umgehbare, vom Fußboden bis an die Decke reichende und 90.000 Liter fassende Aquarium, welches die Gedanken schwerelos in andere Welten treiben lässt. Bis zur Renovierung schwammen hier Fische aus dem Amazonas. Frau Möllmann sagt, sie habe viel Lobbyarbeit betreiben müssen – schließlich fahre auch niemand ein so altes Auto, und außerdem habe man Verantwortung für die Fische – um den notwendigen Umbau finanziert zu bekommen. Nach dreißigjährigem ununterbrochenem Betrieb war die Technik marode und das Becken leckte an mehreren Stellen. Zunächst Assistentin des ehemaligen Direktors Herrn Dr. Tanke und seit 2008 selbst Leiterin des Hauses, war Frau Möllmann mit dem Ziel angetreten, das Museum zu erneuern und dabei seine regionalen Bezüge zu stärken. Deswegen wurden nach der Instandsetzung statt der bisherigen Exoten einheimische Fische wie Rotaugen, Stichlinge und Forellen ins Aquarium gesetzt. Sieben Arten sind es insgesamt. „Heute weiß kaum noch ein Kind, wie eine lebendige Forelle aussieht”, sagt sie. „Wir wollen den Menschen die Region, in der sie leben, wieder näher bringen. Schrittweise werden wir in den kommenden Jahren das gesamte Museum daraufhin ausrichten. Das Aquarium ist ein erster Akt.” Die Wände im Raum konnten in dem Zusammenhang ebenfalls neu gestaltet werden. Sie zeigen jetzt den Fluss, welchem das Revier seinen Namen verdankt: die Ruhr. Eindrucksvolle Fotos dokumentieren ihren Weg von der Quelle im Sauerland bis zur Mündung in den Rhein. Drei zusätzliche Wandaquarien zeigen beispielhaft das Leben in Quellgebiet, Mittel- und Unterlauf. Ein Ruhr-Raum, auf den man sich freuen darf. Es muss nur noch gewartet werden, bis sich im großen Aquarium die Wasserwerte stabilisiert haben. In Naturkundemuseen wird freilich nicht nur Gegenwärtiges thematisiert, wird nicht nur erklärt, wie die momentanen Ökosysteme funktionieren und zusammenhängen, die Institute haben die Aufgabe, auch geowissenschaftliche Blicke auf die weit zurückliegende Vergangenheit zu erlauben. „Würde man an dieser Stelle ein tiefes Loch graben, würde man auf Schichten von drei großen Erdzeitaltern stoßen”, erklärt Frau Möllmann. „Auf Karbon, Kreide und Quartär.” Die Flora im Karbon war geprägt von baumförmigen Farnen und Schachtelhalmen. Vor 300 Mio. Jahren wuchs, was später Kohle werden sollte. Vor etwa 100 Mio. Jahren, in der Kreidezeit, dominierten Saurier das Leben an Land. Erdgeschichtlich relativ jung ist das Quartär, eine Phase großer Eiszeiten. Im Museum zeugen zahlreiche Fossilien von den jeweiligen Epochen. „Aus dem Quartär besitzen wir unter anderem das Geweih eines Riesenhirsches und einen Höhlenbär. Mein großer Wunsch aber wäre, wenn wir nach komplett abgeschlossenem Umbau unseren Besuchern ein ganz spezielles Highlight präsentieren könnten. Ein Mammut. Ich selbst stamme aus Ahlen. Da hat man ein Mammut ausgegraben. Das ist jetzt in Münster ausgestellt, im paläontologischen Museum. Leider hat sich der dortige Museumsleiter selbst durch meine große Charmeoffensive nicht erweichen lassen, es uns zu überlassen. Obwohl ich glaube, mit meiner Ahlener Herkunft ein sehr gutes Argument zu besitzen. Jetzt versuchen wir, das nötige Geld aufzutreiben, um ein anderes Exemplar zu erstehen”, verrät uns die Museumsdirektorin ihre Herzensangelegenheit.

16


17

17


18

18


19

Sich anhand der Dauerausstellung regionalen Themen zu widmen und im Zuge von Sonderausstellungen die Welt ins Museum zu holen, lautet ihr übergreifendes Konzept. Gleichwohl wird die damit einhergehende Neuausrichtung keinen dramatischen Schnitt zur Folge haben. Dem Revier nebst seinen angrenzenden Landstrichen wurde im Museum von Anfang an Beachtung geschenkt und manche, auf den ersten Blick exotische Ausstellungsstücke sind zumindest indirekt mit der Region verknüpft. In der Mineraliensammlung zum Beispiel die Funde aus Namibia. Den Weg in die Dortmunder Sammlung hatten diese Steine über Bergleute gefunden, die aus dem damaligen Deutsch-Südwestafrika zurückgekehrt waren. Ausgewandert, um in der deutschen Kolonie Fuß zu fassen, waren sie vom Ruhrgebiet, dem Sauer- und dem Siegerland. Und das bislang wohl bedeutendste Exponat mit festem Platz im Naturkundemuseum, das berühmte Urpferd aus Messel, wurde Ende der 1970er Jahre im Rahmen ausgedehnter Grabungskampagnen Dortmunder Paläontologen und deren ehrenamtlichen Helfern in der hessischen Ölschiefergrube entdeckt. Doch ganz unabhängig von der jeweiligen Museumsphilosophie werden Besucher manche Objekte jederzeit sehen können, andere nie. Nur ein geringer Prozentsatz des Bestandes gelangt überhaupt in die Schaukästen. Das Gros einer jeden wissenschaftlichen Sammlung ist weder bunt noch spektakulär noch erhellend genug, um auch Laien in den Bann ziehen zu können. „Nehmen Sie zum Beispiel eine Mäusereihe, die Entwicklung der Maus über die verschiedenen Jahrmillionen. Ein Stück, das dem Publikum langweilig scheint, nimmt der Wissenschaftler in die Sammlung auf, weil er genau diesen Beleg einer fossilen Mäuseart einer ganz bestimmten Zeit haben möchte. Das können Sie mit einem Schallplattensammler vergleichen, der zwar sämtliche Aufnahmen eines Musikers besitzt, für seine Gäste aber jedes Mal nur die wenigen Hits aus dem Plattenregal holt.” Hits benötigt man, um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Frau Möllmann gibt sich bescheiden. „Wir sind ein mittelständisches Haus”, sagt sie. „Die Großen haben andere Strukturen und andere finanzielle Voraussetzungen. Mit dem Frankfurter Senckenbergmuseum beispielsweise können und müssen wir gar nicht mithalten. Wir sind nicht ganz klein und wir leisten eine solide Arbeit. Das passt hierher.” Das Programm kommt an. Die jährlich mehr als 70.000 Besucher beweisen es und die Direktorin freut sich. „Wir sind in Dortmund das besucherstärkste städtische Museum”, sagt sie nicht ohne Stolz. In erster Linie orientiert sich das Naturkundemuseum dabei an Familien und deren Bedürfnissen. Über 270 Kindergeburtstage wurden allein 2011 im Haus ausgerichtet. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr mehr als 470 Veranstaltungen, darunter Aktionen für Schulklassen und Events wie die Museumsnacht, der Tag der offenen Tür oder der Internationale Museumstag. 2012 gab es darüber hinaus eine ganz besondere Feier, am 3. Juni, der hundertste Geburtstag. „Zum Fest sind alle Mitarbeiter kostümiert gekommen. In Kleidung, wie sie zur Zeit der Gründung üblich war. Unsere Herren, in Frack und Zylinder, hatten gleich ein ganz anderes Auftreten als sonst. Die Resonanz war toll. Ich glaube, die Freude, die wir an unserer Arbeit haben, hat sich übertragen.” Ohne ein grundsätzlich bereits vorhandenes Interesse bliebe ihr Haus leer, das weiß auch die Direktorin. Man kann niemanden zwingen, ein Museum zu besuchen. Doch Sorgen um die Zukunft macht sie sich in dieser Hinsicht nicht. Das liegt an der unerschütterlichen Liebe der Kinder zu Dinosauriern. Im Eingangsbereich des Museums stehen zwei lebensgroße Sauriermodelle und warten auf ihre Fans, ein drittes hängt seit einiger Zeit von der Decke ab. Gelegentlich werden spezielle Dinoübernachtungen angeboten, bei denen die jungen Gäste zu Füßen der Riesenechsen schlafen dürfen. „Ich glaube, diese Saurierzeit wird nie wirklich aussterben”, sagt Frau Möllmann. „Dinos sind groß, imposant und für Menschen nicht bezwingbar. Das macht ihre Faszination aus. Und ich finde es spektakulär, wenn die Kleinen die ganzen Sauriernamen besser drauf haben als ich.” (wk) INFO

Museum für Naturkunde | Münsterstraße 271 | 44145 Dortmund Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr, Montag geschlossen 19


20

DER KOMMENTAR | von Bastian Pütter

NEWS | von Sandro Giuri · Sebastian Sellhorst

Halten wir es aus!

Sozialer Status entscheidet mit

Wachsende Armut in Städten

10.400 Menschen ohne Geld

Dortmund hat‘s nicht leicht. Erst zeigt der

Das Leben in Problemvierteln scha-

Das Ruhrgebiet rutscht ab. Das ist

Laut einer kleinen Anfrage der

Dortmunder ARD-Tatort, dass es tatsäch-

det der Gesundheit. Besonders Be-

das Ergebnis einer Studie des Wirt-

Bundestagsfraktion „Die Linke“ an

lich Kriminalität (!), Zuwanderung und so-

lastungen durch Lärm, Feinstaub

schafts- und Sozialwissenschaftli-

die Bundesregierung wurden 2011

gar Armut gibt, die als Vorlage für einen

und mangelnde Grünflächen grei-

chen Institut der Hans-Böckler Stif-

10.400 Menschen die Hartz IV Re-

Krimi dienen kann. Dann beschreibt eine

fen intensiv die Lebensqualität der

tung (WSI), die die Entwicklung in

geleistungen um 100% gekürzt.

Studie die Entwicklung des Armutspro-

Bewohner an. Zu diesem Ergebnis

den 15 größten Städten vergleicht.

Die Betroffenen einer Totalkürzung

blems in Dortmund wenig stadtmarketing-

kommt die Dortmunder Raumplane-

Laut der Studie leben in mehreren

haben für mindestens drei Monate

tauglich und darüber wird dann auch noch

rin Dr. Heike Köchler. „Wir können

Großstädten rund 25 Prozent der

kein Geld erhalten. Zum Vorjahr hat

berichtet. Unter anderem macht das ARD-

ablesen, dass Menschen in Prob-

Bevölkerung unterhalb der Armuts-

sich die Zahl dieser Totalkürzungen

Morgenmagazin eine kleine, augenzwin-

lemvierteln teilweise bis zu sechs

grenze. Für Alleinstehende bedeutet

verdoppelt. Obwohl das Bundesver-

kernde Reportage. moma-Reporter Mar-

Jahre früher sterben“, schildert sie

das ein Einkommen von weniger als

fassungsgericht

tin Kaysh guckt sich den Phoenixsee an,

die Situation. Der gesetzliche Auf-

848 Euro im Monat. Besonders auf-

unter dem Existenzminimum bereits

hält ein Quätschchen in der Suppenküche,

trag von Städteplanern sei mit der

fällig: In Dortmund und Duisburg

im Juli dieses Jahres im Rahmen

macht einen kleinen Stadtrundgang mit

Schaffung von gesunden Wohn- und

schreitet diese Entwicklung rasant

eines Urteils zum Asylbewerber-

einem unserer Verkäufer. Als ironischen

Lebensverhältnissen klar definiert.

voran, die Studie bezeichnet sie als

leistungsgesetz untersagte, sieht

Seitenhieb auf die Erfolglosigkeit der un-

Mit dem Ziel, den Lebensraum in

„dramatisch”: Die Quote ist in den

die schwarz-gelbe Bundesregierung

zähligen EU-Förderprogramme versucht am

der Dortmunder Nordstadt zu ver-

letzten sechs Jahren um ein Drittel

„keinen Handlungsbedarf“. Wolf-

Ende ein Sitar-Spieler eine etwas skurrile

bessern, arbeitet die Raumplanerin

gestiegen, von 18,6 Prozent im Jahr

gang Neškovic, ehemaliger Bundes-

Nordstadt-Heilung. Nett.

jetzt mit der Bürgerinitiative Mach-

2005 auf 24,2 Prozent im Jahr 2011.

richter und aktuell Chef-Justiziar

barschaft Borsig 11 e.V. zusammen.

Als Gründe gelten Einkommensar-

der Linksfraktion, bezeichnet dies

Ziel ist es, sich gemeinsamen für

mut durch den wachsenden Nied-

als einen „unhaltbaren Zustand“.

eine bessere Verkehrs- und Um-

riglohnsektor und die steigenden

Die

weltsituation in dem Stadtviertel

Lebenshaltungskosten sowie die zu-

nicht, dass den von einer Totalkür-

zu engagieren. Die Bürgerinitiative

nehmende Verschuldung von beson-

zung betroffenen Menschen auch

organisierte unterschiedliche Pro-

ders jungen und älteren Personen.

die Obdachlosigkeit droht. „Erschre-

jekte, wie z.B. eine mehrsprachige

Gerade Letztere sind oft aufgrund

ckend ist das Beharren der Bundes-

In einem Fernsehkrimi, in einer Armutsstatistik und in einem Magazinbeitrag vorzukommen – das Los einer Großstadt, könnte man meinen. In Hamburg würde wahrscheinlich niemand eine Braue heben, und in Berlin hätte es wieder keiner mitbekommen, weil ja eh so viel los ist.

Bundesregierung

bestreitet

Bibliothek oder ein Straßenfußball-

niedriger Rentenbezüge auf eine

regierung auf ihrer fehlerhaften

Hier ist die Polizei aus dem Häuschen, weil

turnier für Kinder, um das Stadtvier-

Grundsicherung im Alter angewie-

Rechtsansicht trotz gegenteiliger

Tatort-Kommissar Faber offensichtlich ei-

tel lebenswerter zu machen.

sen und verschulden sich durch die

Urteile des Bundesverfassungsge-

stetig steigenden Preise.

richts“, so Neškovic.

nen an der Mütze hat, und die Leserbriefschreiber sind in Aufruhr, weil Dortmund doch auch schöne Ecken habe, die der Tatort verschweige. Schließlich schreibt sogar die eine Lokalzeitung so etwas wie eine Gegendarstellung zum kurzen Morgenmagazin-Bericht. Vieles, was da zu sehen und zu hören war, sei nur „die halbe Wahrheit“. Ach, bitte! Ich bin ganz froh, nicht in einer „Stadt“ zu leben, in der man in knapp fünf Minuten die ganze Wahrheit erzählen kann. Wir haben ein megalomanes Fichtengesteck und ein knappes Drittel der Kinder lebt vom Amt. Wir haben ein güldenes Einkaufszentrum und Menschen, die ihr Essen im Müll suchen. Wir haben die allerbeste Fußballmannschaft und ein Naziproblem. Hier wohnen furchtbare und ganz und gar großartige Menschen, hier gibt es unendlich viele Geschichten zu erzählen und nicht jede ist schön. Erst alle zusammen sind die Stadt und wir werden Großstädter, wenn wir das aushalten. (bp)

20

Sozialleistungen

SKOTTS SEITENHIEB


ANZEIGE

Martin Kaysh schreibt für die Arbeiterwohlfahrt

Was bleibt vom Jahr? Die Spieler der Nationalelf haben nicht gesungen, und deshalb sind wir nicht Europameister geworden. Unglaublich. Demnächst möchte ich schon beim Verlesen der Aufstellung hören: Heute im Tenor - Neuer und Lahm, im Bariton - Hummels, Götze… Die gleichzeitig zur EM stattfindenden Menschenrechtsprobleme mit dieser Dings, dieser Frau da in der Ukraine (oder war das Weißrussland?) sind doch durch irgendwie. Genauso wie die Herdprämie. Man ist froh, dass man sich das nicht mehr anhören muss. Da sind alle glücklich geworden, also CDU, CSU und sogar die FDP. Weil gleichzeitig die Praxisgebühr abgeschafft wird. Mütter können die Kleinen bald in der Krabbelecke des Wartezimmers abgeben, wenn sie mal Ruhe haben wollen, kostet ja nix mehr. Und Arztpraxen gibt es im Gegensatz zu Kitas an jeder Ecke. Aufgeregt hat uns auch der Organspendeskandal. Da wird jetzt aufgeräumt. Wahrscheinlich müssen sich Hartz IV-Empfänger demnächst verpflichten, ihr Innerstes posthum dem Staat zu vermachen, irgendwie muss das Geld wieder reinkommen. Um Geld ging es auch bei den Bochumer Stadtwerken. Die gaben eine Menge aus, damit Peer Steinbrück dort redet. Zum Jahresende werden die Strompreise erhöht. Wundersamerweise steigen sie in Dortmund auch, obwohl Steinbrück da gar nicht geredet hat. Ums Geld geht es auch beim von Mayas vorausgesagten Weltuntergang am 21. Dezember. Ich wette eine Million darauf, dass er nicht stattfindet, suche nur noch einen esoterischen Großverdiener, der dagegen setzt. Der Wetteinsatz wäre einen Tag später fällig. Das wäre mal ein todsicheres Geschäft. Sollte ich die Millionen eingesackt haben, käme das Jahr zu einem guten Ende. Dann steht schon die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin an. Die ist gratis, außer GEZ. Was Merkel sagt, ist traditionell egal. Nur singen muss sie dieses Mal, will sie nicht ungültig sein. (s.o.) Aber dann ist ja auch schon 2013.

Martin Kaysh (Geierabend) schreibt jeden Monat in bodo für die AWO.

Je mehr Mitglieder die AWO hat, desto mehr kann sie in der Gesellschaft bewirken. Desto eher kann sie Menschen helfen, die Hilfe brauchen.

Werden auch Sie Mitglied in der AWO! Unterbezirk Dortmund

Unterbezirk Ruhr-Mitte

Unterbezirk Unna

Klosterstraße 8 -10 44135 Dortmund 0231- 99 340

Bleichstr. 8 44787 Bochum 0234 - 96 47 70

Unnaer Straße 29a 59174 Kamen 02307- 91 22 10

www.awo-ww.de

21


22

NETZWELT | von Sebastian Sellhorst

KINOTIPP | von endstation.kino

endstation.kino & bodo präsentieren: Tabu – Eine Geschichte von Liebe und Schuld Aurora, eine temperamentvolle alte Frau, ihre kapverdische Haushälterin und eine sozial engagierte Nachbarin leben im gleichen Wohnhaus in Lissabon. Als die alte Frau im Sterben liegt, sucht ihre Nachbarin auf ihren Wunsch hin einen gewissen Gian Luca Ventura. Sie findet ihn im Altersheim. Wie sich her-

Soziales, Kultur, Politik – Jeden Monat stellt bodo ein Online-Projekt vor, das die Welt ein bisschen besser macht:

www.wheelmap.org Welche Hürden muss ich überwinden, wenn ich einen Kaffee trinken oder ein

ausstellt, verbindet ihn mit Aurora eine Ge-

Buch kaufen will? Diese oder ähnliche Fragen stellen sich viele der 1,6 Mil-

schichte aus der Zeit kurz vor Ausbruch des

lionen Rollstuhlfahrer in Deutschland täglich. Mit dem Ziel, den Alltag von

portugiesischen Kolonialkrieges. Er beginnt

Menschen mit Behinderung ein wenig einfacher zu gestalten, ist 2010 die

eine Erzählung von Liebe und Leidenschaft.

Webseite wheelmap.org gestartet. Eine große Landkarte, auf der öffentliche Orte zusammen mit Informationen zu ihrer Barrierefreiheit gesammelt werden, soll Menschen mit eingeschränkter Mobilität helfen, ihren Alltag einfacher und aktiver zu erleben.

Mit den Worten „Aurora hatte eine Farm in Afrika, am Fuße des Monte Tabu…“ beginnt eine der schönsten und abenteuerlichsten Liebesgeschichten dieses Kinojahres. Miguel

Wheelmap.org basiert auf dem Kartenmaterial von OpenStreetmap, einer freien digitalen Weltkarte. Nach einer kurzen Registrierung kann jeder Nutzer selbst Orte auf dieser Karte eintragen und sie nach einem einfachen Ampelsystem bewerten. Ist ein Ort als grün gekennzeichnet, bietet er uneingeschränkten Zugang. Orange weist auf eingeschränkte Barrierefreiheit hin, weil zum Beispiel

Gomes entführt uns mit einer Ästhetik, die an die Magie der goldenen Stummfilm-Ara des Hollywood-Kinos erinnert, in eine fiktive portugiesische Kolonie in Afrika, kurz vor dem Ausbruch der Befreiungskriege.

eine Stufe den Eingang erschwert oder weil keine passenden Toiletten vorhanden

Die Abenteuer liegen vor der Veranda, eine

sind. Orte, die rot auf der Karte angezeigt werden, sind für Rollstuhlfahrer nicht

Rock’n’Roll-Band spielt in weißen Anzügen

nicht zugänglich.

und die Drinks sind stark. Trotzdem – die gesellschaftlichen Konventionen gebären sich

Betrieben wird die Webseite vom Verein Sozialhelden e.V., einer Gruppe enga-

auch hier als Korsett für eine leidenschaft-

gierter Menschen, die seit 2004 gemeinsam Projekte entwickeln, um auf soziale

liche, aber heimliche Liebe, die mit einem

Probleme aufmerksam zu machen. Die ursprüngliche Idee für wheelmap.org hatte

schlimmen Verbrechen enden muss.

Raul Krauthausen, selbst Rollstuhlfahrer und Mitgründer der Sozialhelden, als er sich darüber ärgerte, immer das gleiche Café besuchen zu müssen, da ihm Informationen über die Barrierefreiheit anderer Lokale fehlten. „Als Berliner

Deutsche Fassung:

Aufenthalt meine Weißwurst essen kann, ohne draußen

Do. 20.12. bis Mi. 26.12. um 19.15 Uhr

vor der Tür kehrt machen zu müssen“, freut er sich über

Portug. Original mit dt. Untertiteln:

die mittlerweile 250.000 auf wheelmap.org einge-

Do. 27.12. bis So. 30.12. um 17 Uhr

wollen bundesweit – und auch international – immer bekannter werden, um mehr und mehr Rollstuhlfahrern einen aktiven und abwechslungsreichen Lebensstil zu

22

auf der Berlinale 2012

kann ich jetzt herausfinden, wo ich bei einem München-

tragenen Orte. Täglich werden es ca. 200 mehr. „Wir

Raul Krauthausen

Alfred-Bauer-Preis und FIPRESCI-Kritikerpreis

ermöglichen.“(sese)

Endstation Kino im Bahnhof Langendreer Wallbaumweg 108, 44894 Bochum Telefon 0234 – 68 71 620 www.endstation-kino.de


VERANSTALTUNGEN DEZEMBER 2012 | VERLOSUNGEN | CD-TIPPS zusammengestellt von Benedikt von Randow

23

FlicFlac »Highlig Abend!« – Circus Show 18. Dezember bis 6. Januar täglich um 16 Uhr und 20 Uhr im Zelt an der Westfalenhalle Dortmund bodo verlost 5 x 2 Karten für Mittwoch, den 19.12. um 16 Uhr

Auch diesmal gibt es wieder Karten für tolle Veranstaltungen und Bücher zu gewinnen. Senden Sie uns eine Email mit dem Betreff „bodo-Verlosung“ und der Angabe Ihres Wunschgewinns an: redaktion@bodoev.de Oder schicken Sie uns eine frankierte Postkarte mit Ihrem Wunsch, Absender und Telefonnummer an: bodo e.V., Schwanenwall 36 – 38, 44135 Dortmund Unter allen Emails und eingesandten Postkarten entscheidet das Losverfahren. Alle Gewinner werden rechtzeitig telefonisch oder per Email benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss für Veranstaltungen ist jeweils zwei Werktage vor dem Termin. Einsendeschluss für terminunabhängige Verlosungen ist der 20. 12. 2012 19.12. | Circus FlicFlac | Westfalenhalle, Dortmund | 5 x 2 Karten 20.12. | Silbermond | Westfalenhalle, Dortmund | 2 x 2 Karten 20.12. | Mike Litt | Bahnhof Langendreer, Bochum | 3 x 2 Karten 21.12. | Cäthe | FZW, Dortmund | 2 x 2 Karten 26.12. | Weihnachts-Jazzmatinee | Opernhaus, Dortmund | 5 x 2 Karten 27.12. | A Christmas Carol | Theater im Depot, Dortmund | 3 x 2 Karten Haben Sie’s heilig? – Satiren im Schatten der Krippe | Stefan Keim | 2 Exemplare Durch den wilden Osten – Mit dem Fiesta Richtung Mongolei | Kai Schäder | 2 Exemplare 8 1/2 · Bar · Ristorante | Sonnenstraße 74 | 44139 Dortmund | Ein Essen für zwei Personen Viel Glück, wünscht Ihr bodo-Team!

23


24 VERANSTALTUNGEN DEZEMBER 2012

SA 01 | 12 – SA 29 | 12 | 12 Benefiz | Kettenreaktion mit glitzerndem Silberstaub In der Vorweihnachtszeit entsteht in der „Galerie für zeitgenössischen Schmuck“ in Dortmund eine ganz besondere Halskette. Mit einem Spendenbeitrag von 12 Euro kann jeder aus Dortmund und dem Umland 01 – 29 | 12 | 12 Benefiz für Kinder – Kettenreaktion

03 | 12 | 12 Shantel & Bucovina Club Orkestar

Schmuckstück. Aus Einzelstücken wächst langsam ein Gan-

net in der Vorweihnachtszeit seine Türen. Jeden Montag

passiert, verpackt sie in Stories, die sie vorliest. Übers

zes – so entsteht eine Kette, die so unterschiedlich ist wie

zwischen dem 3. und 17. Dezember sowie jeden Mittwoch

Heiraten, über aberwitzige Supermarktbesuche und Er-

die Menschen dieser Region. Dieses besondere Unikat wird

von 10 – 13 Uhr kann in den Künstlerateliers die gemüt-

lebnisse von ihren Tourneen fernab der Bühne. Dazu singt

Anfang 2013 während einer Benefiz-Auktion versteigert.

liche Atmosphäre des Hauses genossen und nach Kunst-

sie passende Lieder zu Karaoke-Musik. Manchmal kennt

Der Erlös kommt dem Westfälischen Kinderzentrum Dort-

geschenken gestöbert werden. Annette Göke, Franz Ott

sie die Songs gar nicht. Eine besondere Herausforderung

individuelle Kettenglieder aus Silber gestalten und fertigen. Menschen aus völlig unterschiedlichen Lebenszusammenhängen schmieden auf diese Weise gemeinsam ein

mund zu Gute. Das Werden und Wachsen kann unter www.

und Rita-Maria Schwalgin freuen sich auf Sie. Mehr Infos

für das Publikum, das entscheidet, wann sie singt und

facebook.com/ketten.reaktion.dortmund verfolgt werden.

unter www.kunstdomäne.de.

welches Lied, das sie vielleicht gar nicht kennt. Wenn sie

Galerie für zeitgenössischen Schmuck, Kleppingstr. 28

Kunstdomäne, Dortmund, 10 – 13 Uhr (jeden Mo. & Mi.)

gut drauf ist, wird dazu rosafarbener Nudelsalat gereicht. Sissikingkong, Dortmund, 20 Uhr

Mo bis Fr 11 – 18.30 Uhr, Do bis 21 Uhr, Sa 11 – 18 Uhr Musik | Shantel & Bucovina Club Orkestar

SO 02 | 12 | 12 Kultur | Internationale Weihnachtsfeier

Der Frankfurter Freestyle-, Balkanbeat- und Electronica-

MI 05 | 12 | 12

Meister Stefan Hantel alias Shantel macht mit seinem Bucovina Club Orkestar aus Ex-Jugoslawien, Graz und

Musik | Folkery: Dieselknecht

Auch in diesem Jahr lädt die Auslandsgesellschaft NRW

Frankfurt Bucovina – das bedeutet in der Zwischenzeit:

Bei ausgelassener Stimmung mit Pils und Korn liefern

dazu ein, die vorweihnachtliche Stimmung mit kulturellen

Polka und Kasachok die ganze Nacht. Und die „Anarchy

Dieselknecht auf der Folkery-Bühne im KulturCafé der

Beiträgen und internationalen Köstlichkeiten zu genie-

& Romance Tour 2012“ ist gespickt mit Balkan-Beats,

Bochumer Ruhr-Uni eine akustische Mischung aus Volks-

ßen. Der koreanische Kinderchor Köln unter der Leitung

die auf 60ties Garage und Rock‘n‘ Folk treffen, Elektro

lied, Hillbilly und Punk. Mit der zweiten Veröffentlichung

von Yun-Jeong Lee singt Weihnachtslieder und koreani-

Funk, Vintage E-Gitarren und Drums lassen alles zu ei-

„Unrasiert und fern der Heimat“ widmen sie sich den

sche Lieder; Marie-Christine Schwitzgöbel aus Marseille

nem ekstatischen Partyexzess explodieren. Shantels Bu-

eigenen, nachdenklichen und zum Teil sogar zärtlichen

stellt die provencalische Krippe mit ihren „Santons“ vor;

covina Club gehört zu den fettesten Live-Spektakeln der

Tönen. Damit aber keine Missverständnisse aufkommen,

der Knabenchor der Chorakademie Dortmund singt unter

Gegenwart (zuletzt bei Juicy Beats zu erleben). „Nicht

bestehen sie darauf: „Wir sind hart!“

der Leitung von Jost Salm; Craig Herbertson interpretiert

nach Minuten, nicht nach Sekunden – nein, innerhalb

KulturCafé, Bochum, 21 Uhr

schottische und irische Lieder; Maria Polonidou spielt klas-

von Zehntelsekunden steht das Publikum Kopf!“ (dpa).

sische und moderne griechische Musik auf der Violine, da-

FZW, Dortmund, 20 Uhr

Kleinkunst | Ganz Schön Feist Die haarloseste Boygroup der Comedy-Szene hat die

nach treten Elena Hajfiz (Sopran) und Tatiana Prushinskaya (Klavier) auf. Die Trommelmeister-Band Afrolight stellt die afrikanischen Kulturen durch traditionelle Trommelmusik und Tänze vor; Anne & Josue singen lateinamerikanische

DI 04 | 12 | 12

Nase voll? Noch nicht ganz, aber die Traumtypen ha-

Kleinkunst | Fräulein Nina

so schnell in Erfüllung gehen, gibt es vorher noch

ben noch andere Träume. Damit die aber nicht ganz

Volkslieder, Huapango und Son aus Mexiko, Zamba aus Ar-

Fräulein Nina wandelt weiter auf Solopfaden. Als Schla-

einen Abschiedsbesuch bei den feistesten aller Fans.

gentinien, Bolero aus Kuba und Bossa Nova aus Brasilien.

gersängerin mit 50er-Jahre-Repertoire in Dortmund und

„Tschüss!!!“ heißt das letzte Programm, bevor dann

Auslandsgesellschaft NRW e.V., Dortmund, 14 Uhr

Umgebung bekannt geworden, widmete sich die Wahl-

Ende 2012 nach 20 Bühnenjahren der letzte Vorhang

hamburgerin mit einem Faible für kleine, intime Büh-

für das Trio fällt. Den Abschied kommentiert die Band

nenszenerien mehr und mehr dem Schreiben. Mit ihrem

selbst: „Ja, natürlich, Abschied is‘ wie‘n Stein an‘ Kopp,

Programm „Angelköder und Kleintierpension“ wirft das

wie‘n Tritt in‘ Schritt, aber wenn wir uns langweilen,

Fräulein die Rute aus und präsentiert ihre Beute. Alles,

können wir ja einfach ,hello again‘ sagen“.

was sie aufregt, alles, was sie irritiert, alles, was ihr

Flottmann-Hallen, Herne, 20 Uhr

MO 03 | 12 | 12 Kunst | Kunstdomäne öffnet die Türen Das Atelierhaus Kunstdomäne (Schillerstraße 43a) öff-

CD-TIPP

PAUL KALKBRENNER | Guten Tag (PK Musik / RoughTrade) Der Meister der beseelten, minimalen Elektro-Beats legt schon gut ein Jahr nach dem letzten Album das nächste nach. War „icke wieder“ insgesamt eher etwas geschmeidiger, softer, aber auch teilweise experimenteller, so kommt „Guten Tag“ nun wesentlich konsequenter und stringenter daher. Man merkt, dass Paul Kalkbrenner viel live unterwegs war und er fette Tracks für die tanzende Meute brauchte. Gleich nach dem Intro geht der Berliner DJ & Produzent mit „Der Stabsvörnern“ in die Vollen, woran sich „Spitz-Auge“, gleichfalls ordentlich nach vorne gehend, prima anschließt. Das Konzept der Scheibe ist erkennbar: Erst immer kleine, einminütige Intros, Füllsel, Frickel-Späße und dann ein fetter Track, der in Bauch und Beine geht. Ein bisschen so wie bei einem Live-Set. Nachdem es beim letzen Album noch von Oldschool-„Paule“-Fans etwas Geunke gab, weil zu wenig dicke technoide Beats und Tanzflächentauglichkeit, wird Herr Kalkbrenner mit „Hinrich zur See“, „Der Buhold“, „Trümmerung“, „Der Ast-Spink“ & Co, die kritischen Gemüter beruhigen, „das Gezabel“ beginnen lassen und das feierfreudige Volk wieder schön Richtung Ekstase schieben. Auf „Guten Tag“ hat Paul K. sich wohl mehr vom Bauch als vom Hirn treiben

24

lassen. Mir gefallen beide Ansätze. (BvR)


04 | 12 | 12 Fräulein Nina

05 | 12 | 12 Ganz Schön Feist

06 | 12 | 12 Das GlasBlasSing Quintett

DO 06 | 12 | 12

SA 08 | 12 | 12

schöne Weihnachtsgeschenke, wärmende und ausgefal-

Musik-Comedy | Das GlasBlasSing Quintett

Themen-Führung | Arbeitsplatz Nikolaus

lene Winteraccessoires oder Kunstdrucke und Leinwände von Künstlern der Region – hier ist für jeden etwas Ein-

Dass es möglich ist, sein Geld mit Musik auf leergenu-

Nachtarbeit, korrekte Ladungssicherung oder Rücken-

zigartiges dabei. Die Rotunde – der ehemalige Bochumer

ckelten Pfandflaschen zu verdienen – wer hätt‘s gedacht?

schmerzen durch den harten Fahrersitz im Schlitten: Ni-

Hauptbahnhof – wird mit einem außergewöhnlichen

Niemand. Wer hat‘s gemacht? Das GlasBlasSing Quintett!

kolaus sein ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Was

Raumdesign von der Designerin Sandra Swienty dabei

Neun Jahre ist das inzwischen her. Seit fünf Jahren las-

also tun, wenn die Saisonarbeit richtig stressig ist, wenn

wunderbar in Szene gesetzt. Auch das Rahmenprogramm

sen sie es sich nicht nehmen, ihre hoffnungsvollen Kar-

schweres Heben und Tragen auf den Schultern lastet und

lädt zum Verweilen ein: DJ Gerald funkt aus dem Musik-

rieren in Hochleistungssport, Wirtschaft, Politik, Astro-

die Kollegen von der Transportabteilung mal wieder nicht

wohnzimmer Rare Grooves, Beat & Soul und Live-Musik

logie und Binnenfischerei ruhen zu lassen, um sich der

zu bändigen sind? Eine DASA-Führung über den Nikolaus,

krönt die beiden Abende der Veranstaltungstage.

Erkundung des Musikphänomens Flasche im Hauptberuf

seinen Arbeitsalltag und freundliche Helfer am Wegesrand.

Rotunde, Bochum, 12 – 19 Uhr (auch 9.12.)

zu widmen. Nun gibt es live erstmalig einen Best-Of-

DASA, Dortmund, 14 Uhr Flohmarkt | Schwarzmarkt

Querschnitt durch ihre beiden bisherigen Abendprogramme „Liedgut auf Leergut“ und „Keine Macht den Dosen!“,

Design | YARD Designmarkt

Abertausende von Raritäten, Seltsamkeiten und wie-

abgerundet durch erste Ausblicke auf das für 2013 anbe-

An dem Dezemberwochenende 8. und 9.12. präsentiert

derverwertbare Schätze warten darauf, vom Publikum

raumte dritte Flaschenmusikprogramm.

der YARD Designmarkt in der Zeit von 12 bis 19 Uhr einmal

erwühlt zu werden. Bei einem erfrischenden Getränk

Bahnhof Langendreer, Bochum, 20 Uhr

mehr über 60 Künstler, Designer und Kreative und ihre

und guter Musik dürfen die Besucher die Entdeckungen

Werke. Bilder, Textilien, Accessoires, Möbel, Schmuck,

der finstersten Abgründe der Keller und Dachböden der

Gadgets – hier entdeckt und findet man auf über 650 qm

Händler bestaunen und natürlich auch käuflich erwerben.

Ausstellungsfläche die besonderen Dinge. Ob wunder-

Dass man einen Flohmarkt nicht direkt mit einem kultu-

FR 07 | 12 | 12 Musik | Dickes B!

ANZEIGEN

Die satten Raps der beiden MCs Max und Macka unterlegt mit frisch geschnibbelten Beats und Melodien von den flinken Fingern von DJ Cem & Band haben den HipHopFunk-Soundclash der „Dicken“ schon längst über die Grenzen Kölns hinaus bekannt gemacht. Ihren klischeefreien und durchdachten Raps verpassen die Herren an den Instrumenten live einen satten, organischen Unterbau und verwursten bestens gelaunt Hip Hop, Funk, Jazz und Reggae. DJ Cem Yilmaz krönt das Resultat mit Kunsthandwerk an den Plattentellern. Der Eintritt zur anschließenden HipHop-Party La Schmoov ist für Konzertbesucher frei. Bahnhof Langendreer, Bochum, 21 Uhr

i n f re e t s 4 s ko 4 00 4 o f n 4 I e .5 Alle 0800 w21.d r e e unt www.d r ode

25


26 VERANSTALTUNGEN DEZEMBER 2012

rellen Genuss verbindet, scheint klar zu sein. Gerade da aber knüpft der Schwarzmarkt an und verbindet Kultur und Kunst mit dem nächtlichen Treiben. Und für den Trödel-Abend gibt‘s wieder jede Menge Programm: das DJ Team Funktronix verbindet Neues mit Altem und noch Älterem: Soul, Funk, Reggae. Depot, Dortmund, ab 17 Uhr 07 | 12 | 12 Dickes B!

08 | 12 | 12 YARD Designmarkt

begann seine musikalische Karriere als Mitglied der le-

Nintendo-Werbekampagne kennt. 2009 veröffentlichte

den. Das Publikum hat die Qual der Wahl und entscheidet

gendären Formation „Dimension Latina“. Seit 2000 ist er

MissinCat ihr Debütalbum, tourte durch Deutschland und

selbst, welche Seite aufgeschlagen wird. Das Programm

u.a. als festes Mitglied der „Heavytones“, der Showband

schrieb neue Songs für ihr zweites Album „Wow“, auf dem

entsteht an diesem Abend, mal lustig, mal nachdenk-

von Stefan Raabs „TV Total“, regelmäßiger Gast in TV-

die Mailänderin sich erstmals auch in ihrer Muttersprache

lich, mal deftig, ganz nach den Wünschen der Zuhörer.

Shows. Mit seiner eigenen Band präsentiert César „Chino“

präsentiert. Neben unüberhörbaren Folk-, Indie- und

Es erwartet Sie eine ultimativ interaktive, literarische

Pérez überwiegend Eigenkompositionen, die bereits auf

LowFi-Pop-Elementen greift MissinCat auch Kinderlied-,

One-man-Show. Bücher nicht vergessen!

zwei Alben dokumentiert sind, und sehr tanzbare, klassi-

Filmmusik-, Zirkus-, Twang-, kammermusikalische, Jazz-

Bochumer Kulturrat e.V., Bochum, 20 Uhr

sche Ballroom-Salsa versprechen mit eingängigen Melo-

combo- und Walzer-Motive auf. Thematisch geht es oft

dien und einer kraftvollen Bläsersektion. Mit Pérez wird

um Herz-Schmerz und andere traurige Angelegenheiten.

die lockere Reihe mit hochkarätigen Salsabands „made in

Aber es gelingt ihr, bei allem Schmerz und aller Melan-

NRW“ im domicil fortgesetzt. Anschließend: Salsabomba

cholie immer positiv und optimistisch rüber zu kommen.

– die Salsanacht mit DJane S.Bomba.

subrosa, Dortmund, 20 Uhr

Musik | César „Chino“ Pérez & Band César „Chino“ Pérez, Posaunist und Sänger aus Venezuela,

domicil, Dortmund, 21 Uhr

SA 15 | 12 | 12 Preisverleihung | 2. Bochumer Menschenrechtspreis 2003, als Shirin Ebadi mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, hatte sie den Preis an alle Iranerinnen

Comedy | Moses W.

und Iraner weitergereicht, die für Demokratie und Men-

„Mach Platz, ich mach Plätzchen“ heißt das Weihnachts-

schenrechte kämpfen, für politische, sexuelle, religiöse

kabarett mit musikalischer Unterwanderung von Moses

Freiheit: „Die Grüne Bewegung“, so die international

W. Männer sind von Null auf Hundert in 3 Sekunden und

hoch angesehene Menschenrechtsaktivistin, „ist eine

Was hätte eine bessere Einstimmung auf das neue Büh-

brauchen für den Einkauf sämtlicher Weihnachtsge-

demokratische, also keine ideologische Bewegung. Sie

nenprogramm „Platzhirsche – Männer, Machos, Mutter-

schenke maximal 24 Stunden. Das bedeutet aber nicht,

vereint Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen

söhnchen“ von Matze Knop sein können als die Fußball-

dass ihnen Weihnachten egal ist. Immerhin sind nahe-

und Neigungen.“ In dieser Tradition steht der Bochu-

Europameisterschaft? Man kam einfach nicht an ihm

zu alle Rollen der Weihnachtsgeschichte männlich be-

mer Menschenrechtspreis, dessen Schirmherrin Shirin

vorbei. Seine TV-Präsenz war hart an der Grenze der Über-

setzt: 1 Zimmermann, 1 Jesuskind, 3 Könige, 1 Komet,

Ebadi ist. Die Exil-Iraner im Ruhrgebiet, die – aus sehr

dosierung. An ihm oder besser gesagt an einer seiner zahl-

1 Palmbusch, 1 Ochse und 1 Esel. Alles Männer. Ledig-

unterschiedlichen Gründen – dem iranischen Regime ent-

reichen Parodien von Kloppo über Niki Lauda, Jogi Löw,

lich die Rolle der Maria bleibt Frauensache. Und das ist

kommen sind, unterstützen von Bochum aus die Protes-

Felix Magath, den Lodda und Kaiser Franz bis hin zu Dieter

gut so. Moses W. backt im Stundentakt, lernt mit der

te gegen Ahmadinedschad. Der Preis, den sie verleihen,

Bohlen. Mit „Platzhirsche – Männer, Machos, Muttersöhn-

Weihnachts-CD Lieder auswendig, nutzt den Amazon-

ist keine Charity-Veranstaltung, das Ganze kommt ohne

chen“ greift Parodist Matze Knop in Stand-Up-Manier ta-

Last-Minute-Service und vertraut auf die Zuverlässigkeit

roten Teppich aus, hier geht es um Leben, um Tod, um

gesaktuelle Themen auf und lässt auf der Bühne die Gren-

von DHL. Wenn das kein Gottvertrauen ist.

Freiheit und Demokratie. Der Eintritt ist frei.

zen zwischen Parodie und Original verschwimmen.

Zauberkasten, Bochum, 20.30 Uhr

Christuskirche, Bochum, 17 Uhr

FR 14 | 12 | 12

SO 16 | 12 | 12

MI 12 | 12 | 12 Comedy | Matze Knop

Dietrich-Keuning-Haus, Dortmund, 20 Uhr Musik | MissinCat Hinter dem Namen MissinCat steht die italienische Sin-

Lesung | Thomas Hoeveler: Der Querleser

Kunst und Kulturgeschichte | Zur Geschichte der Heißgetränke

ger/Songwriterin und Wahlberlinerin Caterina Barbieri,

Thomas Hoeveler vom kleinewelttheater präsentiert aus

Tee, Kakao, Kaffee – im letzten Drittel des 17. Jahrhun-

die bereits mit Amy Winehouse auf Deutschland-Tour

dem Stehgreif seitenweise Auszüge aus einer Auswahl

derts halten drei in Europa bisher weitgehend unbekann-

war und deren Song „Back On My Feet“ man aus einer

von Büchern, die vom Zuhörer selbst mitgebracht wer-

te Heißgetränke aus Übersee Einzug in die europäischen

CD-TIPP

FLAMINGO STAR | Nothing Sweeta (peacelounge recordings) Das Frankfurter Label „peacelounge recordings“ ist bekannt für seinen geschmeidigen Ambient-Elektro-Sound, der sich nicht nur auf den hauseigenen Compilations „Early Morning Breaks“ und „DPI Collection“ wunderbar einfügt, sondern auch auf vielen anderen Electric-Lounge-Zusammenstellungen. Da passt mit seinen entspannten Hooks und Grooves wunderbar Matthias Becker aka Flamingo Star dazu. „Nothing Sweeta“ funktioniert ab dem ersten Ton des gleichnamigen ersten Songs, der neben seiner Latino-Funkytüde vor allem von der hohen Stimme der Soul-Diva Alison Degbe geprägt wird. Das ganze Album hätte so auch schon Ende der 90er erscheinen können. Da gab es nämlich eine Hoch-Zeit von solch groovigem Elektro-Sound, der sich von Funk, Jazz, Latin, Soul, Disco, Reggae, Bollywood inspirieren ließ. Bekannte Vertreter u.a.: Mo‘ Horizons, St. Germain, Thievery Corporation und Koop, aber auch Daft Punk und Air. Vereinzelte Kritiker werden vielleicht anmerken, dass das alles zu seicht, nonchalant, gefällig, happy-peppy ist, und das Risiko scheut, auch mal mit einem schrägen Ton das Gemüt herauszufordern. Aber das ist nun mal der Ansatz dieser Musik, die eben in erster Linie für Entspannung und gute Laune sorgen will. (BvR)

26


12 | 12 | 12 MissinCat

12 | 12 | 12 Moses W.

12 | 12 | 12 Matze Knop

Fürstenhäuser des Barock. Von hier aus werden sie zu

schafft, die Gefühle ihrer Generation in Worte zu fassen.

chenperformance mit Rosenduft und Romantik-Overkill

heute noch populären Kultgetränken aller gesellschaftli-

Silbermond sind älter und reifer geworden – wie ihre Fans

erwartet hat, irrt. Auch wenn sie auf ihrer neuen Platte

chen Schichten. Über Teehandel und kuriose medizinische

mit ihnen. Live sind Silbermond ein wahres Highlight,

vieles ausprobieren und sich kreativ einmal richtig gehen

Anwendungen, maßvollen oder maßlosen Schokoladenge-

getragen durch die energiereiche, emotionale Perfor-

lassen wollten – Silbermond rockt. Und live mal sowieso.

nuss, über das Finden neuer Gefäßformen und die Suche

mance von Sängerin Stefanie und ihren sympathischen

Westfalenhalle 1, Dortmund, 20 Uhr

nach einer Formel fürs kostbare Porzellan – all diesen Din-

Mitmusikern Thomas, Johannes und Andreas. Und wer

bodo verlost 2 x 2 Karten.

gen wird in der Führung nachgegangen. Und wer kennt

bei dem Albumtitel „Himmel auf“ eine zuckersüße Pär-

Teilnahmebedingungen auf Seite 23.

schon das Rezept für die „berühmte Jasminschokolade des Großherzogs von Toskana“? Die Angebotsreihe „KulturGe-

ANZEIGEN

nuss“ – eine Kooperation mit dem Museumscafé Baum – Museum für Kunst und Kulturgeschichte, DO, 14 Uhr

DI 18 | 12 | 12 – SO 06 | 01 | 13

Dortmunder Weihnachtsmarkt 22. Nov – 23. Dez

BODO VERLOSUNG | FlicFlac „Hochleistung und jede Menge Höhenflüge sind bei

mo – do 10 – 21 Uhr fr u. sa 10 – 22 Uhr so 12 – 21 Uhr

,Highlig Abend!‘ Programm – wir zeigen allein sieben unterschiedlichste originelle Luftnummern“,

verspricht

FlicFlac Direktor Benno Kastein.

Außergewöhnliche

riskante

Stunts

Verkaufsoffener Sonntag in der City: 2. Dezember

wechseln

sich mit atemberaubender Akrobatik und anarchischer Komik ab. Im Zirkushimmel tobt der Tanz auf dem vertikalen Hochseil, das Todesrad dreht sich, eine Rakete startet in den Lüfte, und in einem

www.dortmunderweihnachtsmarkt.de

findet an jedem dritten Sonntag im Monat statt.

wahren Feuerwerk fliegen die Moto Cross Jumper von „AirFours“ über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Ansonsten ist alles anders als 2011 bei „Schrille Nacht, eilige Nacht“, FlicFlac hat in aller Welt neue Artisten verpflichtet, die feiern. Nicht fehlen darf in der Show für die ganze Familie die spezielle Musikmischung à la FlicFlac mit wummernden Beats, aber auch sanften Balladen. Der beliebte Zirkus FlicFlac gastiert also auch Weihnachten wieder im

www.44511.de

ihre Premiere in Dortmund und oder gar in Deutschland

Revier, und zwar in Dortmund an der Westfalenhalle. Zelt an der Westfalenhalle Dortmund, 16 & 20 Uhr bodo verlost 5 x 2 Karten für den 19.12. um 16 Uhr. Teilnahmebedingungen auf Seite 23.

DO 20 | 12 | 12 BODO VERLOSUNG | Silbermond Das Album „Himmel auf“ zeigt eine Band, die erwachsen geworden ist. Silbermond sind nicht mehr die jugendlichen Newcomer aus Bautzen. Hier formulieren gestandene Mittzwanziger Gedanken aus ihrer Lebens- und Erfahrungswelt. Faszinierend dabei, wie die Band es erneut

27


28 VERANSTALTUNGEN DEZEMBER 2012

BODO VERLOSUNG | Mike Litt – Der einsamste DJ der Welt Sicherer als Schnee zu Weihnachten, gelungener als manch gebratene Gans zum Fest: Die 1LIVERadioshow „Der einsamste DJ der Welt“ mit Mike Litt an Heiligabend ist Tradition. Und das mittlerweile schon seit 15 Jahren. Die Veröffentli-

21 | 12 | 12 Akte X-Mas

26 | 12 | 12 Total Paranormal Weihnachtsshow

chung seines erfrischenden, gleichnamigen Debüt-Romans nimmt 1LIVE-Moderator und DJ Mike Litt zum Anlass,

Kleinkunst | Akte X-Mas

tenerzähler, „NRW-Vizemeister“ und Meister im Poetry

das „sichere“ Studio zu verlassen und

Das wird bestimmt keine „Stille Nacht!“. Wortgewalti-

Slam. Nach seinem ersten Buch „Distanzen“ folgte in

unter Menschen zu gehen. In seiner Liveshow erinnert

ge, aber einfühlsame Bühnenmenschen mit klassischer

diesem Jahr „Tabakblätter und Fallschirmspringer“.

sich Mike Litt an die unzähligen einsamen Heiligabende,

Weihnachtsliteratur treffen auf Wortakrobaten, Poetry-

Jonas David fabriziert Musik, die gerne ausufert und

an denen er Post aus dem Sektor und allen Teilen der

Slammer und Musiker, die sich der Wahrheit über den

Grenzen überschreitet. Seine Intensität ist ansteckend,

Welt bekam. Er spielt Musik für seine Gäste, tischt Weih-

Weihnachtswahnsinn verschrieben haben. „Gnadenlos

besonders, wenn die Songs mit starken Kontrasten ex-

nachtsgebäck auf und liest aus seinem neuen Buch Sto-

humorvoll“ schrieb die RN nach der bisher einmaligen

perimentieren und im aufgeladenen Falsettgesang, Ge-

ries aus einem bewegten Leben zwischen Wahnsinn und

Aufführung im vergangenen Jahr. Zur großen Freude geht

brüll oder oszillierenden Chören münden.

Weihnachten, Waisenknabentum und Weltenbummelei.

das von Thomas Koch (WDR) konzipierte und moderierte

domicil, Dortmund, 20 Uhr

Bahnhof Langendreer, Bochum, 20 Uhr

Programm in diesem Jahr auf NRW-Tour. Mit dabei: Kat-

bodo verlost 3 x 2 Karten.

inka Buddenkotte, Fritz Eckenga, Torsten Sträter, Andy

Teilnahmebedingungen auf Seite 23.

Strauß, Jenny Bischoff, Claus Dieter Clausnitzer, Ulrich Schlitzer, Björn Jung, Charlotte Brandi & Paul Wallfisch. Fritz-Henßler-Haus, Dortmund, 20 Uhr

FR 21 | 12 | 12

MO 24 | 12 | 12 Erlebnisgottesdienst | Janas Weihnachten Das Schauspiel „Janas Weihnachten“ steht im Zentrum eines stimmungsvollen Gottesdienstes für alle Generatio-

BODO VERLOSUNG | Cäthe

Theater | Happy Apokalypse

nen an Heiligabend. Jana ist 16 und erfährt ausgerechnet

„Cäthe muss nichts, kann aber alles“ titelte die Welt

Die Performance zum Abgang: Klaus ist am Ende! Burn-

wenige Wochen vor Weihnachten, dass sie einen Gehirntu-

Hamburg über ihr fulminantes Konzert, das die Trägerin

out – sein Kopf hört nicht auf zu rattern. So beginnt er

mor hat und voraussichtlich nur noch wenige Monate lebt.

des Musikautorenpreises im

zu laufen, einmal um die Welt – doch es hört nicht auf.

Eine Welt bricht für sie und ihre Freundinnen zusammen.

Rahmen ihrer letzten Tour-

Erst als er dem Priester begegnet, der die Apokalypse

Doch ein Engel kommt zu ihr und führt sie zum Stall von

nee in der Hansestadt spiel-

verkündet, bekommt er Hoffnung auf eine Lösung. Doch

Bethlehem. Hier verändert sich Janas Sicht auf das Le-

te. Die Kritiken überschlu-

als dann Herr Maya dazukommt und mit all seinen Rech-

ben und den Tod. Sie erfährt von einer Liebe, die stärker

gen sich vor Exzellenz und

nungen nicht mehr klar kommt, wird es auch für Klaus

ist als der Tod und das ganze Leben umfasst. Es wird das

„Wie Cäthe mit ihrer Band

langsam seltsam. Eine skurril-absurde Theater-Film-

bewegendste Weihnachtsfest ihres Lebens. Ein Schauspiel

auftritt ist der Wahnsinn. Die Lebendigkeit, die da von

Tanz-Performance, die in keine Schublade passt. Was

mit Jugendlichen und Erwachsenen sowie dem Hagener

der Bühne heruntergeschleudert wird, trägt man noch

will ich eigentlich? Leben oder sterben? Und wie?

Show-Pony „Rocky“, das den Esel spielt.

den ganzen nächsten Tag mit sich“, sinniert der Kultur

Theater Lebendich, Lindenhorster Straße 38,

Pauluskirche, Dortmund, 14.30 Uhr

Spiegel über die Hamburger Sängerin. Cäthe, die bereits

44137 Dortmund (AWO-Gelände), 21.12 Uhr

an ihrem zweiten Album arbeitet, steht in den Startlöchern für ihre Tour mit Stücken aus Cäthes Debütalbum „Ich muss gar nichts“ und weiteren sinnlich bis frechen

SA 22 | 12 | 12

MI 26 | 12 | 12 BODO VERLOSUNG | 41. Weihnachts-Jazzmatinee

Lesung und Musik | Zwei Männer. Zwei Bärte. 2 Stimmen

Die traditionelle Weihnachts-Jazzmatinee des domic-

FZW, Dortmund, 20 Uhr

Der Lyriker Patrick Salmen trifft auf den Singer-Song-

il öffnet am zweiten Weihnachtsfeiertag ein großes

bodo verlost 2 x 2 Karten.

writer Jonas David. Patrick Salmen ist Lyrik- und Pro-

Schaufenster in die lokale und regionale Jazz-Szene.

Teilnahmebedingungen auf Seite 23.

saautor, Bühnenliterat und humoristischer Geschich-

Zehn Bands auf fünf Bühnen präsentieren Musik von

Songs aus der Feder der stimmgewaltigen Künstlerin.

CD-TIPP

VINICIUS CANTUARIA | Indio de Apartamento (Naive / Indigo) Moment mal, wird hier nach langer Zeit wieder das „Girl from Ipanema“ musikalisch angehimmelt? Ist das eine Platte von Jobim, Gilberto oder Mendes? Nicht wirklich, aber der Sound des klassischen Bossa Nova der 70er mit seiner sanften, unglaublich angenehmen Note schwingt hier ganz stark mit. Vinicius Cantuaria gehört zur so genannten „zweiten Garde des Bossa Nova“ und zählt mit seinen 61 Jahren nun auch schon langsam zu den Klassikern. Aber er ist in seiner musikalischen Laufbahn nie stehen geblieben, sondern hat sich immer wieder neu inspirieren lassen. Dazu passt auch, dass er früh von Rio nach New York zog, einer Stadt, die sich gleichfalls permanent versucht, neu zu erfinden. Mit „Indio de Apartamento“ kehrt er nun also back to the roots und kommt dabei ein Stück weit nach Hause. Unterstützt von Jazzgrößen wie u.a. Norah Jones, Ryuichi Sakamoto und Bill Frisell hat er ein Album produziert, das mittels Gehörgang die Seele streichelt. Mal mehr melancholisch, mal mehr heiter, immer mit spürbar viel Gefühl und hörbarem handwerklichen Geschick ist ihm ein kleines musikalisches Schmuckstück gelungen, dessen einziger Kritikpunkt die nur 30minütige Länge bzw. Kürze ist. Aber auch das war ja in den 70ern nicht anders. (BvR)

28


26 | 12 | 12 Honigdieb

27 | 12 | 12 Geierabend 2013

30 | 12 | 12 urban urtyp: Stabil Elite

Modern Jazz bis Funk, von

Dezember bis zum 12. Februar an 36 Abenden die Zeche

Weltmusik bis Big Band, von

Zollern in Ausnahmezustand. Das brandneue Programm

Adressen | Bochum (0234)

Swing bis Electro. Der Erlös

verspricht ein humorgeladenes Spektakel aus Comedy,

Bahnhof Langendreer, Wallbaumweg 108, 687 16 10

der Veranstaltung kommt

Kabarett, Musik und kohlenschwarzem Ruhrpott-Humor.

Christuskirche, An der Christuskirche 1, 338 74 62

direkt der gemeinnützigen

Die Kellnerinnen Lilli und Lotti lassen ebenso Dampf ab

Kulturarbeit des domicil zu

wie die AWO-Oppas oder die Vorstadt-Philosophen Sieg-

Gute. Modern Jazz: Jonas Röser Quartett und Jerry Lu

fried & Roy. Nicht fehlen dürfen „Die Zwei vonne Südtri-

Quintett feat. Florian Menzel. Big Band: J R Swingcon-

büne“, die „Nordstadt-FDP“ in Gestalt von Udo & Moni

Jahrhunderthalle, Gahlensche Str. 15, 369 31 00

nection und Staight Ahead Bigband. Groove Club: Pho-

oder Joachim Schlendersack. Auch gibt es ein Wiederse-

Kulturhaus Oskar, Oskar-Hoffmann-Straße 25

notoxics und Jamroulette. Weltmusik: Parhelia Quar-

hen mit dem Schnöttentroper Männerchor. Neu im Team:

Kulturrat Bochum, Lothringer Straße 36, 862 012

tett und Tryol. Traditional: Dian Pratiwi & Band und

„Der Hauer“ (Benedikt Hahn). Der Vorverkauf läuft.

Museum Bochum, Kortumstraße 147, 910 42 30

Pilspicker Jazzband feat. Babette Horschler.

Zeche Zollern II/IV, DO, 19.30 Uhr (auch 28. – 30.12.)

Mus. Zentrum der RUB, Universitätsstr. 150, 322 28 36

Opernhaus, Dortmund, 11 – 14 Uhr bodo verlost 5 x 2 Karten. Teilnahmebedingungen auf Seite 23.

BODO VERLOSUNG | A Christmas Carol Scrooge, der verbissene alte Kaufmann, quält rücksichtslos unglückliche Schuldner, demütigt seinen Sekretär und

Magie | Total Paranormal Weihnachtsshow

Endstation Kino, Wallbaumweg 108, 687 16 20 Eve Bar, Königsallee 15, 333 354 45 Freilichtbühne Wattenscheid, Parkstraße, 61 03-0 HalloDu-Theater, Lothringer Str. 36c, 87 65 6

Prinz-Regent-Theater, Prinz-Regent-Str. 50 – 60, 77 11 17 Riff, Konrad-Adenauer-Platz 3, 150 01 RuhrCongress, Stadionring 20, 610 30 Schauspielhaus, Königsallee 15, 333 30 Stadthalle Wattenscheid, Saarlandstraße 40, 610 30

begegnet Mitmenschen mit

Thealozzi, Pestalozzistraße 21, 175 90

Bei der Total Paranormal Weihnachtsshow werden Tan-

Verachtung. Selbst das her-

Varieté et Cetera, Herner Straße 299, 130 03

nenbäume schweben, Zimtsterne verschwinden und die

anrückende Weihnachtsfest

Zauberkasten, Lothringer Straße 36c, 86 62 35

Zukunft wird aus Bratäpfeln gelesen. Oder so ähnlich.

ist für Scrooge überflüssig.

Das total fabelhafte Trashmagie- und Zauberkunstquar-

Doch dann, in der Weih-

tett Mario Schulte, Kotelett Schabowski aus Ost-Osteki-

nachtsnacht, wird er von

stan, Pille der Kartenhai und Magic Mark Weide zeigt

einigen Geistern heimgesucht. „A Christmas Carol“ ist in

Adressen | Dortmund (0231)

eine Show, die mit ebenso erstaunlichen Tricks aufwar-

vielen Varianten gespielt und verfilmt worden. In dieser

Auslandsgesellschaft, Steinstraße 48, 838 00 00

tet wie sie die Lachmuskeln strapaziert. Witzig, verblüf-

Version wird der Klassiker „gegenwärtig“ präsentiert, mit

Cabaret Queue, Hermannstraße 74, 41 31 46

fend, unterhaltsam und spannend mit Possen von kal-

unkonventionellen Einfällen und live gebackenen Weih-

DASA, Friedrich-Henkel-Weg 1 – 25, 90 71 24 79

kulierter Albernheit und Kunststücken auf Weltniveau.

nachtsplätzchen. Ein vergnüglicher Theaterabend, und

Dietrich-Keuning-Haus, Leopoldstr. 50 – 58, 502 51 45

Sissikingkong, Dortmund, 20 Uhr

über aller „Modernität“ bleibt die zeitlose literarische Qualität sowie die Frage nach sozialer Verantwortung und

Musik | Honigdieb

den gesellschaftlichen Werten erhalten. „...Denn die In-

Zeche, Prinz-Regent-Straße 50-60, 977 23 17 Zeche Lothringen, Lothringer Straße 36c, 876 56 Zwischenfall, Alte Bahnhofstraße 214, 28 76 50

domicil, Hansastraße 7 – 11, 862 90 30 Fletch Bizzel, Humboldtstraße 45, 14 25 25 F.-Henßler-Haus, Geschw.-Scholl-Str. 33 – 37, 502 34 72 FZW, Ritterstraße 20, 17 78 20

Lange haben die Dortmunder Chanson–Folkrocker um

szenierung ist so einfach wie genial.“ (Ruhr Nachrichten)

Galerie Torhaus, Haupteingang Rombergpark, 50 23 194

Sir Hannes an ihrem vierten Album „Mein Hut hat keine

Weitere Termine unter www.depotdortmund.de

Konzerthaus, Brückstraße 21, 22 69 62 00

Ecken“ gefeilt. Aufgenommen wurden 14 neue Songs, die

Theater im Depot, Dortmund, 19 Uhr

Museum f. Kunst u. Kulturgesch., Hansastr. 3, 502 55 22

voller Leben und Energie den Hörer betören, ja vielleicht

bodo verlost 3 x 2 Karten.

Piano Musiktheater, Lütgendortmunder Str. 43, 604 206

beflügeln. Das macht Spaß und tut gut. Man pfeift oder

Teilnahmebedingungen auf Seite 23.

singt die Songs mit und wird Teil des positiven, vielleicht auch spirituellen Liederausflugs. Selbstverständlich geht es bei Honigdieb um seine altbekannten Themen: Freiheit und Revolution, verlorene Werte, Kritik an der Zerstörung

SO 30 | 12 | 12

Rasthaus Fink, Nordmarkt 8, 999 876 25 Reinoldikirche, Ostenhellweg 1, 52 37 33 Schauspielhaus, Hiltropwall, 502 55 47 Sissikingkong, Landwehrstraße 17, 728 25 78 Strobels, Strobelallee 50, 999 50 60

Musik | urban urtyp: Stabil Elite

Subrosa, Gneisenaustraße 56, 82 08 07

der Natur und des Geistes. Honigdieb versteht es, mit ei-

Düsseldorf? „Wenn es je eine Utopie von Westdeutschland

SweetSixteen Kino im Depot, Immermannstr. 29, 910 66 23

nem Augenzwinkern Problematiken zu publizieren.

gegeben hat,“ schrieb De:Bug, „dann hier.“ Wo Warenhäu-

Theater im Depot, Immermannstraße 29, 98 21 20

FZW, Dortmund, 20 Uhr

ser groß sind wie ein Stadion und die Nachkriegsmoderne

U, Leonie–Reygers-Terrasse, 50 247 23

„distinguiert und provinziell wie eine Märklin-Eisenbahn“.

DO 27 | 12 | 12 Comedy-Karneval | Geierabend 2013

Klar, das Geld dafür kam von daher, wo es „zusammenmalocht“ wurde, nämlich von hier. Jetzt kommt alles zurück.

Westfallenhallen, Rheinlanddamm 200, 120 40 Westfalenpark, An der Buschmühle 3, 35 02 61 00 Zeche Zollern, Grubenweg 5, 696 12 11

Stabil Elite, drei Jungs Mitte 20, sind Art-Wave, Krautrock

Adressen | Herne (02323)

Zombies auf Zeche! So ein skurriles Szenario können nur

und NDW. Sind Kraftwerk, Fehlfarben und Der Plan. Finster

Flottmann-Hallen, Flottmannstr. 94, 16 29 52

die Anarcho-Karnevalisten vom alternativen Ruhrpott-

technoid und poppig-elegant, Retro und Avantgarde. Coo-

Mondpalast, Wilhelmstraße 26, 58 89 99

Karneval Geierabend entwerfen. Unter dem Motto „Ein

ler, witziger, besser gekleidet und urban – das vor allem.

Zombie hing am Förderseil“ versetzen die Geier vom 27.

Christuskirche, Bochum, 19 Uhr

Adressen | Witten (02302) Saalbau, Bergerstraße 25, 581 24 24 Werkstadt, Mannesmannstraße 2, 94 89 40

Der Druck dieser Seite wurde ermöglicht durch Spenden der Besucher des Geierabend 2012.

29


30 INTERVIEW | von Bastian Pütter und Nina Schulz | Fotos: Christian Eggers / AP / dapd · E .M. Urbitsch · Murat Kayi Archiv

Ein Dortmunder in Mölln Murat Kayi ist Musiker und Kabarettist aus Dortmund. Ibrahim Arslan (Interview rechts), der als Kind den Mordanschlag auf seine Familie überlebte, las Kayis Texte im Internet und wünschte sich den Dortmunder als Gast beim Gedenkkonzert zum 20. Jahrestag des Anschlags. Am 17. November stand Murat Kayi mit Künstlern wie Jan Delay und Samy Deluxe auf der Bühne der Möllner Stadthalle. bodo sprach mit ihm über 1992. Murat Kayi stand zum Gedenktag in Mölln auf der Bühne.

Ibrahim Arslan überlebte den Brandanschlag 1992 nur knapp.

ne habe ich so viel mit Mölln zu tun, wie jeder haben

bodo Im Prozess gegen die Mörder von Mölln sagte

dieser Zeit war ich für Integrationsdebatten weitge-

sollte, der nicht mit versteinertem Herzen durch die

der Opferanwalt Hans-Christian Ströbele: „Behör-

hend verloren. Wenn bestimmte Signalwörter fallen,

Welt läuft. Mich hat das damals traumatisiert, nicht

den, Politik und Politiker in der Bundesrepublik tra-

spare ich bestimmte Gesprächsfelder komplett aus.

Mölln alleine, die Jahre 1992 / 1993. Mölln, das ist

gen eine politische und moralische Mitschuld an den

Plötzlich war die Erkenntnis da, dass diese Leute,

das Überschreiten weiterer Grenzen. Morde an Kin-

Anschlägen.“

die mich rassistisch beleidigten, lediglich nicht

bodo Was hast du mit Mölln zu tun? MK Oberflächlich gar nichts. Auf einer tieferen Ebe-

dern, im Westen. Für mich hat sich mit dem Kontakt zur Familie Arslan ein Kreis geschlossen. 1992 habe ich nichts zum Thema Mölln geschrieben. Als ich später auf die Bühne ging, um Texte vorzutragen, war einer der ersten ein Text zum Thema, weil mich das seit damals nicht losgelassen hat.

MK Es ging um die Abschaffung des Asylrechts und um die passende Stimmung in der Bevölkerung dazu. Um eine gesteuerte Medienkampagne, die täglichen Wasserstandsmeldungen in den Nachrichten: Heute soundsoviel Asylanträge, gestern soundsoviel, Menschenschlangen, Menschen auf Koffern – man hat nicht lockergelassen.

bodo Allein im ersten Halbjahr 1992 gab es 1.443

Heute weiß man, dass in Rostock-Lichtenhagen im

rassistisch motivierte Straftaten, davon 128 Brand-

Sommer 1992 Polizeikräfte bewusst abgezogen wur-

anschläge – und das nur nach offizieller Zählung.

den. Der damalige Innenminister Seiters hat sich

Wie hast du diese Zeit erlebt?

mir ins Gedächtnis gebrannt, als er nach den Pog-

MK Bis es losging, war ich deutscher als die Deutschen, in der Hinsicht, dass ich mit meinen türkischen Wurzeln nicht viel am Hut haben wollte. Ich dachte, das hätte sich für mich erledigt. 1990 wurde ich eingebürgert und dachte, ich wäre jetzt Deutscher. In der Phase musste ich dann erleben, dass angefangen von den Roma über die Vietnamesen in Lichten-

romen von Rostock sagte: „Die Vorfälle der vergangenen Tage machen deutlich, dass eine Ergänzung des Asylrechts dringend erforderlich ist, weil die Bevölkerung durch den ungebremsten Zustrom von Asylanten überfordert wird“. bodo Das war die Einladung an die Nazis, Politik mit dem Molotow-Cocktail selbst zu gestalten...

kontrolliert genug waren zu schweigen. Das war keine Minderheit, sondern nur die Minderheit, die es offen aussprach. Es schockiert mich genauso, wenn jemand mit der ganz üblichen Verachtung über seine Roma-Nachbarn spricht, das sind für mich Zweige am selben Baum mit der selben Wurzel. bodo Glaubst Du, dass das eine Gruppenerfahrung ist? MK Ich denke schon, aber wir haben wenig darüber gesprochen. Die Desillusionierung war bei den Türken am stärksten, die die größte Identifikation mit ihrer deutschen Identität hatten. Die anderen haben sich eh auf ihr Türkischsein zurückgezogen. Sicher ist es so, dass auch die, die nichts von Mölln wissen, bis heute unter den Auswirkungen leiden. Das Misstrauen, die Abschottung – so viel ist darauf zurückzuführen. Auf der Bühne frage ich: Was habt ihr denn erwartet? Ich finde schon, dass man sagen kann, dass auch damals alles Menschenmögliche getan wurde,

hagen bis besonders zu den Türken in Mölln und So-

MK …und dazu kam die Idee: „Wir können die rech-

damit Integration nicht funktioniert.

lingen alles, was scheinbar fremd war, zum Abschuss

ten Parteien nur erfolgreich bekämpfen, wenn wir

In meinem Programm erzähle ich von meinem Neffen,

freigegeben war.

sie rechts überholen.“ Das haben die Leute ja offen

der in Berlin Stadtführungen für deutsche Touristen

gesagt.

macht. Irgendwann stehen die Leute dann vor diesem

bodo Warum besonders die Türken? MK Die waren auf einmal Mordopfer. Bei den Hetzjagden und Brandanschlägen, z.B. auf das Sonnenblumenhaus in Rostock und auf die Vietnamesen darin, ging es auch darum, aber die Opfer hatten Glück. Mit einem Freund besuchte ich damals einmal sei-

Kuppelbau und fangen an: „Die können sich einfach bodo Aus den Neonazistrukturen der frühen 90er

nicht so integrieren wie die anderen.“ Oder: „Das passt

speiste sich der NSU, und auch jenseits davon ging

einfach nicht ins deutsche Stadtbild.“ Und weil das

das Morden weiter, die Amadeu Antonio Stiftung

jedes Mal passiert, lässt er es inzwischen dabei be-

zählt 183 Todesopfer rechter Gewalt seit 1990. Wie

wenden und sagt nicht, dass sie gerade nicht vor einer

hast du die Zeit nach Mölln und Solingen erlebt?

Moschee, sondern vor der großen Synagoge stehen.

ne Großmutter, das waren Vietnamesen, Boat Peo-

MK In diesen Jahren ist praktisch ein gewisser Teil

ple, Flüchtlinge. Und er fragte seine Oma, warum

meines Selbstbildes abgebrannt. Vorfälle, Politiker-

die Mülltonnen so seltsam vor dem Haus standen.

äußerungen, private Erlebnisse danach sind in ei-

MK Wenn ich Geschichten wie diese auf der Büh-

Sie sagte, damit sie durchs Fenster flüchten könn-

nen riesigen Behälter gefallen. Davor habe ich fein

ne erzähle und frage: „Was stimmt eigentlich mit

te, wenn die Nazis kämen. Das hat mich zutiefst

säuberlich getrennt: Das ist ein Idiot, das ist ein

uns Deutschen nicht?“, dann ist der Stimmungs-

erschüttert. 30

Nazi, das ist ein Populist, der das für sich nutzt. Seit

tiefpunkt erreicht. Es wird dann besser, wenn ich

bodo Das klingt wenig hoffnungsfroh...


31

»Wir sind keine Statisten« sage: „Gar nichts stimmt nicht“, wenn ich schil-

geben. Ich selbst bin dann in der Nacht noch zum

dere, welche fremdenfeindlichen Anfälle meine

Haus des Anschlags gefahren für meine kleine per-

Vor 20 Jahren zündeten Neonazis das Haus

Mutter in der Türkei hatte, wenn sie über Araber

sönliche Gedenkveranstaltung.

der Familie Arslan mit Molotow-Cocktails

sprach. Heute erlebe ich das bei Türken in Bezug

Das Besondere in Mölln ist, dass die Überleben-

an. Bei dem rassistischen Anschlag von

auf Zuwanderer aus Bulgarien. Ich glaube, dass

den die Form des Gedenkens selbst in der Hand

Mölln am 23. November 1992 wurden die

die Angst vor den „Fremden“ etwas Menschliches

behalten haben. Die Familie lief bei der Demon-

zehnjährige Yeliz Arslan, die 14jährige

ist. Die Frage ist, ob es beim Ressentiment bleibt,

stration vorweg, Ibrahim Arslan hat das Konzert

Ayse Yilmaz und die 51jährige Bahide Ars-

oder ob dann irgendwann das Denken einsetzt.

mit diesen ganzen großartigen Künstlern selbst

lan ermordet. Weitere Familienmitglieder

moderiert. In einem Interview hat er gesagt: „Mit

wurden teilweise schwer verletzt. Ibrahim

ihrem Tod wurde alles anders, aber umgefallen

Arslan überlebte den Brandanschlag als

sind wir nicht.“ Das ist so. Die stehen alle noch.

Siebenjähriger nur knapp.

bodo Und wie waren Deine Erfahrungen in Mölln? MK Wenn ich es in einem Satz zusammenfassen müsste: Ich bin mit einem Gefühl von Heimweh

Ebenfalls wunderbar ist, dass es den Freundeskreis

weggefahren. Die Atmosphäre zwischen den Künst-

gibt, der nicht nur die Veranstaltung organisiert

lern und den Angehörigen war so herzlich. Beim

hat, sondern die Familie auch seit vielen Jahren

Konzert selbst waren viele auch ganz junge Leute.

begleitet. Das sehe ich mir an mit einem tief dank-

Da konnte ich mit meinem Programm einen Kontext

baren Gefühl.

Was bedeutet der Gedenktag für Dich? Für mich als Opfer, als Überlebender des Brandanschlags und der rassistischen Morde der 1990er Jahre ist es wichtig, das Erinnern zurückzuerkämpfen und das Gedenken selber zu gestalten. Wir sind keine Statisten, wir sind die Hauptakteure des Geschehens. Wir müssen unsere Erinnerung und unsere Geschichte erzählen und unser Gedenken gestalten. Nicht andere. Wie bewertest Du den Umgang mit Überlebenden rassistischer und faschistischer Gewalt in der Bundesrepublik? Auf jeden Fall nicht solidarisch. Die Hilfen, die einem Opfer zustehen, müssen unbürokratisch sein. Die Opfer müssten sie eigentlich ohne Wenn und Aber bekommen. Opfer dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Das ist leider in Deutschland so. Da läuft was ganz, ganz falsch. Warum ist ein Täter das ganze Jahr über in den Medien und ein Opfer nur an den Jahrestagen? Auf die Täter wird mehr Wert gelegt als auf die Opfer. Das ist genau das Gleiche, was der Verfassungsschutz macht, mit dem Schreddern der Akten und dem Inschutznehmen der Täter. Es ist genau das Gleiche, was die Medien machen. Sie zeigen die Täter mehr, die Opfer weniger. Die Opfer in Deutschland werden erst einmal als Täter abgestempelt. Und hinterher, wenn sich herausstellt, dass sie es nicht waren, werden sie zu Schandbildern. Das darf nicht sein. Was wünscht Du Dir für die Zukunft? Solidarität und Menschen, die hinter uns stehen. Ich wünsche mir, dass die Opfer nicht mundtot gemacht werden und mehr reden. Geht auf die Straße, erzählt eure Geschichten. Denn wir als Opfer sind die Hauptzeugen des Geschehenen. Keiner zeugt für den Zeugen, das hat Paul Celan gesagt. Wir müssen unsere Geschichten erzählen. Bitte lasst euch eure Geschichten nicht von anderen Leuten klauen. Denn die Geschichten der Opfer sind das Wichtigste. Sie erinnern an das Geschehene und an das, was noch erinnert

In der Nacht zum 23. November 1992 hatten Neonazis auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser in der Möllner Altstadt Brandanschläge verübt. Drei Menschen kamen dabei ums Leben. Es waren die ersten Todesopfer durch neonazistische Gewalt im wiedervereinigten Deutschland.

werden muss. Das Interview führte Nina Schulz 31


32 REPORTAGE | von Sandro Giuri | Fotos: Daniel Sadrowski

In der Handwerksbäckerei Es war ein kalkulierter Paukenschlag. Als Hel-

gen sowie der Lieferung von belegten Brötchen

mut Klemme, Präsident des Verbandes der Deut-

erfolgte stets auf Kundenwunsch,“ erklärt Frau

schen Großbäckereien, auf einer Pressekonfe-

Potraca. Der handwerkliche Bäcker, bei dem man

renz verkündete, bis 2020 werde ein Drittel der

sein täglich Brot oder Brötchen kauft, ist hier ein

Bäckereien in Deutschland den Betrieb einstel-

Event- und Gastronomieunternehmen geworden:

len, war die Aufregung groß. 8.000 Klein- und

„Man darf nicht stehen bleiben oder schlafen. Die

Kleinstbetrieben drohe das Aus, die Zahl der

Branche ist kundenabhängig. Der Kunde bestimmt

Auszubildenden sei seit Jahren rückläufig, die

das Angebot und das Sortiment.“

Konkurrenz durch Selbstbedienungsbäckereien werde immer härter. Ein Besuch beim Handwerk.

Die romantische Idee der Bäckerei, in der einem als Kind noch ein Milchhörnchen vom mehlbe-

„Holzofenbäckerei“ steht auf dem großen hölzer-

stäubten Bäckermeister geschenkt wird, scheint

nen Schild an der Elberfelder Straße in Witten-

in der heutigen Wirtschaft einfach keinen Platz

Bommern. Die Bäckerei wirkt rustikal und bäuer-

mehr zu haben. Kundennähe schon. Frau Potraca

lich. Frau Potraca, eine der Geschäftsführerinnen,

erzählt, dass es Kunden gibt, die seit der Eröff-

empfängt uns. „Begonnen hat alles mit einem

nung 2001 fast täglich kommen. Man sieht Kinder

Tisch, einem Ofen und einer Teigmaschine.“ Aller

aufwachsen: Zuerst kommen nur die schwangeren

Anfang ist schwer. Das Konzept der Holzofenbä-

Mütter. Später die ganze Familie. Also doch noch

ckerei wurde am Anfang kritisch beäugt durch den

ein bisschen Romantik.

Großhandel, man dachte, der Betrieb könne sich Strom oder Gas zum Betrieb der Öfen nicht leisten.

Und die rückläufigen Auszubildendenzahlen? Frau Potraca erklärt, wie schwierig es sei, Personal zu finden. Dabei schaue der Betrieb nicht nur auf Zeugnisse. Wichtiger sei eine Probearbeit, durch die sich die Bewerber beweisen könnten. Reinhold Michael Pirker, der Bäckermeister, erklärt, dass für viele Bewerber das Bäckerhandwerk eher eine Notlösung sei. Oft gebe es falsche Vorstellungen, auch von den Arbeitszeiten. „Wir fangen zwar schon zwischen 12 und ein Uhr an, aber wir arbeiten auch im Zweischichtsystem.“

Tradition als Marke Es hat sich einiges geändert im traditionellen Handwerk. Wo nicht, ist das Traditionelle Programm: Fischer am Rathaus, Dortmunder Traditionsbetrieb seit 1848. Oft reicht hier die Warteschlange bis auf die Straße. Vielen ist die Bäckerei mitten im Stadtzentrum ein Begriff. Auch das äußere Erscheinungsbild trägt dazu bei. Man fühlt sich zurückversetzt in die sechΩ

Nach und nach stellte sich jedoch der Erfolg ein

ziger Jahre, Nostalgie liegt in der Luft. Die Ver-

„Wenn schlechte Zeiten kommen – das Letzte,

und die Bäckerei wurde ausgebaut. Inzwischen ist

käuferinnen in ihren typischen weißen Kitteln,

was verschwindet, ist das Brot.“

der Betrieb eine GmbH und weitere Veränderungen

die Außenbeleuchtung sowie die „altbackene“ In-

sind geplant: Die Küche soll bald hinter einer glä-

neneinrichtung sind ein Markenzeichen. Hier wird

¬

sernen Wand zu sehen sein, damit der Kunde an

mit jedem Brot und mit jedem Dortmunder Salz-

Bäckermeister Heiner Fischer:

den Arbeitsprozessen teilhaben kann. Transparenz

kuchen auch ein Stück „gute, alte Zeit“ verkauft.

„Das Problem liegt in der mangelnden Wert-

schafft Vertrauen – sonst PR-Wortgeklingel, hier

schätzung des Bäckereihandwerkes

einmal ganz praktisch umgesetzt.

Heiner Fischer einen einfachen Grund: „Das Pro-

und des Brotes an sich.“

32

Für die vermeintliche Krise sieht Bäckermeister

„Man darf nicht stehen bleiben oder schlafen.“

blem liegt in der mangelnden Wertschätzung des

„Der Anbau eines Cafés sowie die Erweiterung des

sei auch der Lehrlingsmangel zu verstehen: „Das

Angebotes um ein wechselndes Mittagsgericht,

Nachwuchsproblem hängt meiner Meinung nach

die Ausrichtung von Hochzeiten und Geburtsta-

auch mit dem gesellschaftlichen Wert des Hand-

Bäckereihandwerkes und des Brotes an sich.“ So


33

33


34

NEUES VON ROSI | von bodo-Verkäuferin Rosi

werkes zusammen. Zudem ist es ein harter Be-

günstig, doch dreht sich seit 2007 die Preis-

ruf und viele Jugendlichen wollen einfach nicht

spirale. Eine zunehmende Urbanisierung in

mehr hart arbeiten.“ Klare Worte.

Entwicklungs- und Schwellenländern lässt die Nachfrage nach Lebensmitteln massiv steigen.

Wenn es um das Schwinden der Wertschätzung

Nahrungsmittelspekulation

geht, wie schafft es der Dortmunder Tradi-

vergrößern das Problem.

und

Missernten

tionsbetrieb, weiterhin zu bestehen? „Unser Konzept heißt einfach Qualität“, erklärt Heiner

Eine Tonne Brotweizen kostete vor einem Jahr

Fischer. Selbstbedienungsbäcker und Back-

rund 70, heute 270 Euro. Bei Brot und Brötchen

stationen sieht er nicht als direkte Konkurren-

von kleinen Handwerksbetrieben liegt der An-

ten für sein Geschäft. „Die Qualität steht bei

teil von Mehl und anderen Rohstoffen zwischen

uns im Vordergrund. Wir machen nicht nur auf

18 und 25 Prozent. Preissteigerungen, die es

Masse. Wir wollen diese Wertschätzung auch an

den Betrieben schwer machen und die Kunden

den Kunden weitergeben.“ Und die Discounter?

zum Discounter wechseln lassen.

meine Knie-Operation ist gut verlaufen, wenn auch mit Schwierigkeiten. Die Narbe ist schon fast verheilt. Trotzdem habe ich immer noch Schmerzen, die bis zu einem Jahr andauern können, wie mir der Arzt sagte. Ich habe auch noch drei Blutergüsse,

„Die bieten ihre Sachen an, wir unsere.“ Und Angst vor der Zukunft macht man sich an der

Liebe Leserinnen und Leser,

„Das Letzte, was verschwindet, ist das Brot.“

die auf die Wunde drücken. Ich muss hin und wieder auch noch Schmerzmittel nehmen.

Betenstraße nicht. Nicht mit der Zeit zu gehen,

Wir sprechen mit Christian, 25, gelernter Bä-

Nach der Operation bin ich zur Reha gefahren. Nach

mag für den Vorortbäcker bedeuten, die Zukunft

cker und heute bei einer großen SB-Bäckerei-

der Reha erfuhr ich, dass der „Tigger“ eingeschla-

zu verspielen, hier ist es die Nische, das Allein-

kette beschäftigt. Für ihn ist der Brotkauf im

fen war. Es war ein Schock für mich. Bernd hat ihn

stellungsmerkmal und die richtige Strategie.

wahrsten Sinne eine Preisfrage. Als wir ihn

im Garten eingegraben. Ich wollte ihn nicht mehr

fragen, wo er selbst sein Brot kauft, antwortet

sehen, sondern so in Erinnerung behalten, wie ich

„Geiz ist geil“ oder Grundsicherung?

er, dass er sein geliebtes Dinkelbrot in einer

ihn das letzte Mal sah. Fast elf Jahre war er bei uns.

Die andere Seite: Qualität hat ihren Preis. Und

einfache Brötchen geht er zum SB-Bäcker. Ge-

der will bezahlt sein. Für Millionen Menschen mit

mischtkalkulation sozusagen.

handwerklichen Bäckerei kauft. Für ein paar

Nun zurück zu meiner Reha. Mir gefiel die Kur sehr gut. Ich hatte einen wunderbaren Arzt. Das Knie wurde angeschaut, und er meinte, dass die Wunde

und ohne Arbeit orientiert sich die Einkaufsliste jedoch eher an dem, was nach Abzug der festen

Sicher müssten viele seiner Kunden auch bei den

Kosten übrig bleibt oder an den „Warenkörben“

Grundnahrungsmitteln sparen, aber als einzigen

des Regelsatzes. Bei 4,40 Euro am Tag ist das

Grund für den Backdiscount will er das nicht

gute Brot ein ganz schön trockenes.

gelten lassen. Für Christian ist die Entwicklung auch ein Zeichen der Zeit: „Heutzutage muss

sehr gut verheilt wäre. Dann bekam ich Anwendungen. Moorpackungen für die Schultern, BewegungsBäder, Hocker-Gymnastik, Fahrradfahren und ArmTraining. Nachmittags war Kaffee trinken angesagt und es gab ein leckeres Stück Kuchen. Danach war eine Stunde Laufen angesagt. Am 25. Oktober war

Während die 3.000 (!) Tafel-Ausgabestellen

alles schnell gehen, und die SB-Bäckerei ist da

und -läden in Deutschland inzwischen fest ein-

einfach eine Antwort auf die Bedürfnisse der

gebunden sind in die Produktionsabläufe der

Kunden. Viele kleine Bäckereibetriebe haben es

Meine Kollegen von bodo haben mich immer ange-

Großbäckereien und Supermärkte, erfreut sich

einfach verpasst, sich anzupassen.“

rufen und gefragt, wie es mir geht. Dafür möchte

in vielen kleinen Betrieben das Brot vom Vor-

meine Reha zu Ende.

ich mich bedanken. Vielen Dank auch an Tanja und

tag großer Beliebtheit bei der weniger solven-

Zum Schluss trinken wir noch einen Kaffee und

Bastian. Sie haben mir noch einen Brief geschrie-

ten Kundschaft.

kommen mit einer älteren Kundin ins Gespräch.

ben, und am Tag der Verkäuferversammlung drück-

Ein Satz prägt sich uns dabei besonders ein:

te mich Tanja ganz fest. Ein Zeichen, dass ich nicht

Zwar sind Lebensmittel in Deutschland im eu-

„Wenn schlechte Zeiten kommen – das Letzte,

vergessen werde.

ropäischen Vergleich immer noch erstaunlich

was verschwindet, ist das Brot.“ (sg)

Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Ihre Rosemarie

ANZEIGEN

Als Mitglied der Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke streiten wir im Europaparlament für ein soziales Europa - friedlich, ökologisch, solidarisch. Jürgen Klute für GUE/NGL

Dem BODO-Team und allen BODO-Lesern und Leserinnen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes und erfolgreiches Jahr

2013! 34

www.guengl.eu

www.juergen-klute.eu

www.dielinke-europa.eu


35

PAULO COELHO

E

r ist der große Esoteriker der Gegenwartsliteratur, Ex-

Hippie und tiefgläubiger Katholik. Er saß in der Psychiatrie und in den Foltergefängnissen der brasiliani-

schen Militär-Junta ein und glaubt

an das Einheitsstiftende von Kunst und an das Internet.

Allein sechs Millionen folgen

ihm auf Twitter, eine halbe

Milliarde Menschen las seinen Bestseller

„Der Alchimist“, der in 73

Sprachen

und Dialekte

übersetzt

worden ist.

D

ie Werke des Starautors wurden mit unzähligen

Preisen ausgezeichnet. Außerdem ist Paulo Coelho Botschafter des Internationalen Netzwerks der Straßenzeitungen.

Steven MacKenzie hat mit ihm gesprochen.

35


36

D

urch die Leitung klingt Paulo Coelhos Stimme, als schwinge

in ihr eine Art mystische Weisheit, es könnte aber auch die minimalistische Ausstattung seines Genfer

Büros sein, die da spirituell resoniert

– schließlich beinhaltet es nur „meinen Computer, meinen Bogen, meine

Pfeile...“ Pfeil und Bogen? „Ich meditiere beim Bogenschießen“, erklärt

er. „Ich kann nicht herumsitzen. Ich

muss aktiv sein!“ Und für Einbrecher? „Auch.“

Einbrecher würden den brasilianischen Autor des Alchimisten, der lebensbejahenden Geschichte eines

Schafhirten aus Andalusien, der sei-

nen Traum durch die Sahara jagt, wohl eher knuddeln – das Buch wurde von über einer halben Milliarde

Menschen gelesen und hat aus Coelho ein „leuchtendes Beispiel spirituellen Erwachens“ gemacht, mit

einem ergebenen Gefolge von über

sechs Millionen auf Twitter und fast zehn Millionen Facebook-Fans.

K

ein lebender Autor außer Dan

Brown hat mehr Bücher eines

einzigen Titels verkauft, und bekannte Fans sind unter anderem Bill

Clinton und ausgerechnet Vladimir

Putin, der 2006 auf eine Privataudienz mit Coelho bestand, als dieser

auf der Transsibirischen Eisenbahn

durch Russland reiste. „Wir haben

36

Der Idealist Paulo Coelho im Gespräch


37

uns über zwei Stunden lang unterhal-

spielter Strenge. „Viele Menschen ja,

natürlich nicht weitergeben, was wir

niemand lesen!“ Lachen. „Ich meine

ten“, sagt Coelho. „Aber ich werde besprochen haben!“

C

oelhos

Russlandreise

bildet

die Grundlage für sein Buch

„Aleph“, das wie „Der Alchimist“

aber nicht alle – sonst würde mich ja

eine Tendenz, die wir haben, und gegen die wir ankämpfen müssen.“

W

ährend „Aleph“ die Bestsellerlisten so unterschiedlicher

abermals von einer Reise handelt, die

Länder wie Brasilien, Serbien und

sein bisher intimstes Werk und be-

weichlich die Frage, die ihm wohl

zu innerer Erleuchtung führt. Es ist ginnt mit einer – auch biografischen

– Glaubenskrise. Coelho hätte am Gipfel sein sollen, ein glücklich ver-

den USA stürmte, stellt sich unausandauernd gestellt wird: Was ist das Geheimnis seines Erfolgs?

heirateter Bestsellerautor. Stattdes-

„Es gibt keins!“ wirft er zurück. „Und

an Ruhm, Reichtum und Behaglich-

benennen könnte. Es gibt tausend

sen hatte er das Gefühl, so erzählt er, keit zu ersticken.

„Es sah aus, als ob es für mich keine Herausforderungen im Leben mehr

es gibt auch keinen Grund, den man

Gründe, mit denen ein Betrug gerechtfertigt wird. Erfolg kann man nicht erklären.“

gab“, erklärt er. „Das ist schlimm,

„Frag mich auch nie, was ich mit

Herausforderung ist. Viele Leute blei-

ter. „Alle fragen mich wie, aber nicht

weil das Leben doch eine andauernde

ben in ihrem Wohlfühlbereich, ihrer

Sicherheitszone. Doch wer Herausfor-

derungen nicht annimmt, ist schon im Leben tot!“

K

ein schöner Gedanke beim

Blick auf das Fernsehprogramm

und die tägliche Routine. Nach seiner

Definition sind wir also nicht wirklich am Leben?

„Lass uns aber nicht alles generalisieren, Steven“, tadelt er mich mit ge-

meinem Geld mache“, schilt er wei-

warum ich reich geworden bin. Oder

recht machen will, also denkt man am besten gar nicht daran.“

C

oelho wurde 1947 in einer Familie der Mittelklasse geboren,

wurde aber ab dem Alter von 17 von

seinen Eltern dreimal in Geistesanstalten eingewiesen. Gegen den

Wunsch seiner Eltern, die wollten,

dass er Rechtsanwalt würde, lebte Co-

elho als Hippie, bis seine politischen

Umsturzideen 1974 die Aufmerksamkeit der brasilianischen Militärdiktatur erregten und er eingesperrt und gefoltert wurde – was einen Bruch in seinem ansonsten festen katholischen Glauben herbeiführte.

„Ich habe meinen Glauben komplett verloren“, gibt er zu. „Ich dachte, mir

kann das nicht passieren. Das ist nicht fair, nicht gerecht, Gott liebt mich nicht.

Ich habe sieben Jahre gebraucht, um diese Erfahrung hinter mir zu lassen.“

wie ich zum Bestsellerautor wurde.

„Im Gefängnis, in der Folter, exis-

Anstatt nach dem ,Wie‘ nach dem

ter. „Selbst nach der Freilassung lebt

Wie ich Journalist geworden bin. ,Warum‘ zu fragen, ändert so vieles im Leben.“ Und weiter: „Ich kann garantieren, dass ich in jedes meiner

Bücher gleich viel Enthusiasmus und

Liebe investiere. Aber gleichzeitig kannst du dir denken, dass es komplett lähmend wäre, wenn ich mir die

halbe Milliarde Leser vorstellen wür-

de. Es ist normal, dass man es allen

tierst du nicht mehr“, erklärt er weidas Gefängnis in deiner Seele weiter.“ Aber nachdem der Mensch aus der

Summe seiner Erfahrungen besteht,

sieht Coelho sein Leiden als wichtigen Teil seiner geistigen Entwicklung zu dem Mann, der er heute ist?

„Ich bezweifle das, Steven“, seufzt

er. „Meine Zeit in der Psychiatrie

37


38

war mir bestimmt nützlich, aber ich

damit die Art, wie Schriftsteller on-

und gefoltert werden muss, um zu

revolutioniert. 2010 wurde er in einer

denke nicht, dass man eingesperrt

sich selbst zu kommen. Nur diese

Zeit würde ich mit Freuden aus meiner Vergangenheit tilgen. Ich habe Freunde, die sich davon nie erholt

haben. Von zehn Menschen schafften das vielleicht drei, sieben wurden komplett gebrochen. Es gibt keinerlei Rechtfertigung, Menschen aufgrund ihrer Ideen einzusperren.“

Coelhos Ideen werden noch heute von manchen Regimes unterdrückt:

Zum Beispiel im Iran, wo seine Werke verboten sind. Aber was haben seine Bücher an sich, das zu ihrem Ver-

Umfrage des Forbes-Magazins zum zweiteinflussreichsten Twitter-Nutzer gewählt: „Einflussreicher als Lady

Gaga und Barack Obama“, lacht er.

Nur dem Teenager-Messias Justin Bieber musste er sich geschlagen geben.

„Ich hoffe wirklich, dass Justin Bieber seinen Ruhm gut nützt“, fügt Coelho hinzu. „Er ist sehr jung, aber ich hoffe, dass er seinen Einfluss für etwas Gutes einsetzt.“

S

o eine Aussage klingt beinahe spöttisch, aber Coelho meint es

bot führt? „Wieso sie gefährlich sind?

ernst. Er glaubt fest, dass Kunst die

Idee kann gefährlich sein, es kommt

nützt sein Blog vor allem als Platt-

Frag sie, frag sie!“, ruft er aus. „Jede

auf die Kultur an, mit der sie aufgenommen wird. Wer schreibt, revolutioniert sich selbst. Ich habe keine Ahnung, wieso manche Bücher hier

und da verboten sind.“ Und lächelnd: „Ich frage nicht – aber, keine Sorge, ich habe Internet.“

A

ls stolzer Internetpirat ist Coelho bei Herausgebern berüch-

tigt, weil er viele Texte einfach gratis ins Netz stellt. Ahnend, dass „Aleph“

im Iran verboten werden würde, lud

er auf seiner Webseite demonstrativ

zum Download der Farsi-Übersetzung ein. „Es war kaum zu glauben“, schmunzelt er, „aber das wurde 317.000mal heruntergeladen.“

Menschen

zusammenbringt,

und

form für Geschichten aus der ganzen

Welt und um andere Menschen zu

inspirieren, ihre verschiedenen kreativen Möglichkeiten ebenso für das Gute zu nutzen.

„Wir sehen gerade jetzt, wie alle Brücken brennen: ökonomisch, politisch,

sozial. Es gibt nur noch eine starke

Brücke: die kulturelle. Ich verstehe vielleicht euer politisches System

nicht, oder eure Religion, aber ich verstehe deine Geschichte. Ich verstehe

dein Bild. Ich verstehe deine Musik,

deinen Tanz. Hier ist die Brücke. Als

Schriftsteller trage ich die Verantwortung, mein Bestes zu tun, damit diese Brücke nicht auch einbricht.“

Jeden Tag verbringt Coelho Stunden

Steven MacKenzie

Kommentare zu antworten, und hat

Foto: Philip Volsem

damit, sein Blog zu schreiben und auf

38

line mit ihren Lesern kommunizieren,

übersetzt von Susanne Koch


Nicht auszudenken Die vielen Leben des Paulo Coelho

39

Psychiatriepatient, Hippie, Satanist, LSD- und Kokainjunkie, Folteropfer, Songtexter, Musikmanager, Mönch, Pilger, Bestsellerautor,

fanatischer Fußballfan, UN-Botschafter – die Biografie von Paulo Coelho ist so überbordend, verwunschen und naiv wie seine Romane.

Geboren wird er 1947 in Brasilien, als Sohn eines Ingenieurs. Sein familiäres Umfeld ist streng religiös geprägt, er besucht eine Jesuitenschule – und eckt an. Mit 14 entschließt er sich, Schriftsteller zu werden, mit

16 muss er zum ersten Mal zum Psychiater, mit 19 lässt ihn sein Vater in

einer Zwangsjacke abholen. Er wird mit Psychopharmaka und Elektroschocks behandelt, seine Krankenakte vermerkt: „Patient mit schizoider

Persönlichkeit, sozialen und affektiven Kontakten gegenüber abweisend. Ist unfähig, Gefühle auszudrücken und Freude zu empfinden.“

Nach seiner Entlassung beginnt er ein vom Vater verordnetes Jurastudium,

bricht es jedoch ab, als ihn die Ausläufer der 68er-Bewegung erreichen. Zwei Jahre lang reist er als Hippie durch Amerika, Nordafrika und Europa.

Eine bizarre Lebensphase. 1969 wird Coelho Okkultist, beschäftigt sich

mit Hexerei und Satanismus, liest Bücher über Ufos, Vampire und Astrologie. 1972 tritt er in den „Orden der Tempelritter des Orients“ ein, eine satanistische Sekte, der auch Charles Manson angehörte. Ein in dieser Zeit angefertigtes 600seitiges Manuskript vernichtet er.

Anfang der 1970er arbeitet er als Journalist, Drehbuch- und Theaterautor

und ist politisch aktiv. Doch die Militärdiktatur duldet sein oppositionelles Engagement nicht. Mit 27 werden er und seine Frau in ihrer Heimatstadt Rio de Janeiro auf offener Straße von einem Kommando der Junta verschleppt und gefoltert.

Wieder frei, schreibt Coelho für den Rockstar und Musikproduzenten

Raül Seixas Songtexte und wird über Nacht reich und berühmt. Er bekommt gutbezahlte Posten in der Musikindustrie und versucht sich als Schriftsteller zu etablieren.

1980 ein weiterer Bruch: Coelho geht ins Kloster. Nach eigenen Angaben lebt er fünf Jahre zurückgezogen bei einem spanischen Orden. Am Ende

dieser Zeit geht er den Jakobsweg von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela und verarbeitet die Erfahrung in seinem ersten Buch.

Bereits seine zweite Veröffentlichung ist der „Alchimist“, der sich zunächst

schleppend verkauft und später in 29 Ländern gleichzeitig die Bestsellerlisten anführt. Seitdem erreicht im Schnitt alle zwei Jahre ein neuer Roman vergleichbare Erfolgszahlen und seitdem arbeitet sich das Feuilleton an Coelho ab.

So treu seine Millionen zählende Fanschar ist, so einhellig bleibt die Ablehnung der Literaturkritik, die Coelho als trivialen Esoteriker, als „Literaturscharlatan“ oder gar als „brasilianische Schriftstellersimulation“ schmäht. Die Millionen jährlicher Leser lässt das allerdings immer schon gleichgültig. Und den „Magier“, so der Name seiner aktuellen Biografie, offensichtlich auch. Bastian Pütter

39


40

Die Dinge sind nicht immer, wie sie scheinen Liebe Straßenzeitungsleser,

Eine Weihnachtsgeschichte von Paulo Coelho

meine erste Straßenzeitung kaufte ich im Jahr 2005 in Frankreich. Dieses Jahr wurde ich zum

Botschafter für den INSP – das Internationale

Netzwerk der Straßenzeitungen, denn ich unterstütze den Beitrag, den Straßenzeitungen zur

Bekämpfung von Armut und Obdachlosigkeit auf der ganzen Welt leisten.

Mit meinem Text „Die Dinge sind nicht immer,

wie sie scheinen“ möchte ich Menschen dazu be-

wegen, nachzudenken, bevor sie ein Urteil über andere fällen, denn die Dinge sind oft anders als es den Anschein hat.

Ich habe dem INSP diese Weihnachtsgeschichte gestiftet, weil ich der Überzeugung bin, dass

Es gibt eine altbekannte Legende, deren Herkunft ich nicht feststellen kann. Sie erzählt vom Erzengel

Michael, der eine Woche vor Weihnachten seine Engel bat, auf die Erde hinabzusteigen und die Menschen zu besuchen, weil er wissen wollte, ob alles für das Fest von Christi Geburt bereit sei. Paarweise wurden sie losgeschickt, immer ein älterer Engel mit einem jüngeren, damit der Erzengel sich einen umfassenden Eindruck dessen machen konnte, was in der Christenheit geschah.

Eines dieser Zweiergespanne wurde auch nach Brasilien geschickt und kam dort spät in der Nacht an.

Da die beiden Engel nicht wussten, wo sie übernachten sollten, baten sie in einem der großen Herrenhäuser, wie es sie vereinzelt noch heute in Rio de Janeiro gibt, um Herberge.

Der Herr des Hauses, ein Adliger, der wie viele in Rio kurz vor dem Bankrott stand, war ein tiefgläu-

biger Katholik, der die Himmelsboten sogleich an ihrem goldschimmernden Heiligenschein erkannte.

Doch da er gerade eine große Weihnachtsfeier vorbereitete und sich bei der Dekoration nicht aufhalten lassen wollte, wies er ihnen zum Schlafen einfach einen Raum im Keller zu.

die Menschen einander unterstützen sollten,

Obwohl auf den Weihnachtskarten immer Schnee zu sehen ist, fällt das Christfest in Brasilien mitten in

die weniger begünstigt sind als wir selbst. Stra-

die feuchte Luft war zum Ersticken. Die Engel legten sich auf die harte Erde. Als sie ihr Nachtgebet be-

und dass wir insbesondere denen helfen sollten, ßenzeitungen machen genau das, und indem Sie

regelmäßig Ausgaben einer Straßenzeitung von Ihrem lokalen Verkäufer kaufen, helfen auch Sie.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen meiner Geschichte, Paulo Coelho

den Sommer. Im Keller, in dem die Engel übernachten sollten, herrschte eine fürchterliche Hitze, und

gannen, bemerkte der ältere Engel einen Riss in der Wand. Er erhob sich, reparierte ihn mit Hilfe seiner

überirdischen Fähigkeiten und betete weiter. Die beiden schmorten die ganze Nacht wie in der Hölle und bekamen fast kein Auge zu.

Trotzdem mussten sie am nächsten Morgen ihre Mission erfüllen. Sie durchstreiften die große Stadt

mit ihren zwölf Millionen Einwohnern, mit ihren Stränden und Hügeln, ihren Gegensätzen. Sie füllten ihre Fragebögen aus, und als es wieder Nacht wurde, machten sie sich auf ins Landesinnere. Doch sie hatten die Zeitverschiebung nicht bedacht und daher wieder keinen Ort zum Übernachten.

Diesmal klopften sie an die Tür einer bescheidenen Hütte. Das junge Paar, das ihnen öffnete, wusste nicht, wie Engel aussehen, und erkannte daher die beiden Pilger nicht. Sie bereiteten den Engeln ein

Nachtmahl und zeigten ihnen ihr neugeborenes Kind. Als Schlafplatz boten sie ihnen ihr eigenes Bett an und entschuldigten sich immer wieder dafür, dass sie nicht genug Geld hätten, um sich gegen die mörderische Hitze eine Klimaanlage leisten zu können.

Als die Engel am nächsten Morgen aufwachten, fanden sie das Paar in Tränen aufgelöst vor. Ihr ein-

ziger Besitz und Lebensunterhalt, eine Kuh, lag tot auf dem Feld. Sie schämten sich, den Pilgern zum Abschied kein rechtes Frühstück bereiten zu können, da die Kuh, die ihnen sonst Milch gab, nicht mehr lebte.

Als die Engel die ungepflasterte Straße entlanggingen, machte der jüngere Engel seiner Empörung

Luft. „Ich kann nicht begreifen, wie du dich verhalten hast! Der erste Mann hatte alles, was er brauchte, und dennoch hast du ihm geholfen. Und bei diesen armen Leuten, die uns so freundlich aufgenommen haben, hast du nichts unternommen, um ihr Leid zu lindern!“

„Die Dinge sind nicht immer, wie sie scheinen“, sagte der ältere Engel. „Als wir in diesem schrecklichen Keller waren, bemerkte ich, dass auf der anderen Seite der Wand viel Gold lag, die ein früherer

Hauseigentümer dort versteckt hatte. Und ich beschloss, es wieder zu verbergen, weil der jetzige Herr des Hauses nicht bereit war, denen zu helfen, die es brauchten.

Gestern Nacht, während wir im Bett der jungen Eheleute schliefen, bemerkte ich plötzlich, dass noch ein dritter Gast dazugekommen war: der Todesengel. Er war auf die Erde geschickt worden, um das Kind zu holen. Aber da ich ihn seit vielen Jahren kenne, ist es mir gelungen, ihn davon zu überzeu-

gen, statt dem Kind der Kuh das Leben zu nehmen. Erinnere dich an den Tag, der bald gefeiert wird: Außer den Hirten wollte niemand Maria eine Herberge geben. Dafür aber sahen diese als erste den Retter der Welt.“

Paulo Coelho, übersetzt von Maralde Meyer-Minnemann, illustriert von Andrea Šafaříková

40


41

41


42 LITERATUR | gelesen von Dr. Birgit Rumpel und Bastian Pütter

Stefan Keim

Wolfgang Welt

Weihnachtliche Satire für Kulturkenner

King of Pop – Sektion Bochum

Auch in diesem Jahr ist das An-

Zurück in die 80er: Wolfgang Welt

gebot saisonaler Literatur wieder

ist der Prototyp des Popautoren,

überwältigend. Die Kombination

des schreibenden Nerds. Gefürch-

Weihnachten und Humor ist dabei

tet für seine Musik-, Literatur- und

glücklicherweise auch vertreten,

Theaterkritiken etwa in Marabo

beispielsweise mit dem kleinen

oder Sounds. Unser Mann bei Suhr-

Band „Haben Sie’s heilig?“.

kamp, gefördert und geschätzt von Leuten wie Peter Handke, Rainald

Der Kulturjournalist, Kritiker und

Goetz oder Diedrich Diederichsen.

Autor Stefan Keim hat sich einen

Geliebt für seinen unerreicht lässi-

Spaß daraus gemacht, nicht nur hinlänglich

bekannte

gen Tagebuch-Stil. Sein erster Ro-

Klischees

man „Peggy Sue“ erscheint 1982, in

rund um das Weihnachtsfest poin-

mancher Hinsicht parallel zu Jörg

tiert aufs Korn zu nehmen, wie die

Fausers „Rohstoff“.

beleidigte Mutter, deren Sohn das traditionelle Weihnachtsessen mit der Freundin zelebriert. Aktuelle ge-

Und dann schreibt er sich verrückt. Auf das manische Schreiben folgt die

sellschaftliche Phänomene spinnt er in seine Geschichten ein, etwa beim

manische Depression, die Psychiatrie-Einweisung und der Rückzug. Seit

Reviergerangel zweier gewerkschaftlich organisierter Nikoläuse, die ge-

1991 arbeitet er als Nachtportier am Bochumer Schauspielhaus.

rade die Folgen der Privatisierung im Himmel zu spüren bekommen, oder wenn der muslimische Ahmed seinem durchgeknallten Schrebergartennachbarn Elmar aus der Außenseiterrolle heraus hilft.

Nun ist bei Klartext diese schöne Werkschau erschienen, Texte von 1979 bis 2011, die meisten zum ersten Mal in Buchform. Herausgeber Martin Willems, erst 1984 geboren, als Wolfgang Welt seine erste Karriere schon

Ungewöhnlich und besonders lesenswert wird es, wenn Stefan Keim aus

hinter sich hatte, hat in den Archiven gestöbert und zeigt auf 350 Seiten

seinem reichen kulturellen Wissen schöpft und surreale Geschichten er-

den ganzen Wolfgang Welt und ein Zeitdokument nach dem anderen.

findet. Etwa das himmlische Kolloquium der Komponistenengel, die einen göttlichen Auftrag verweigern, oder der Weihnachtsabend, an dem der alte Guiseppe Verdi überraschenden Besuch bekommt. Sämtliche von ihm erschaffene Opernfiguren fallen in sein Genueser Palazzo ein, der Gefangenenchor marschiert direkt in den Weinkeller durch. Auch nutzt der Autor seine Erfahrungen aus dem Kulturbetrieb für amüsante Geschichten. Da wird ein Kommissar vom Weihnachtsessen zum Tatort gerufen, um den real vollzogenen Tosca-Mord im Opernhaus aufzuklären. Dank seiner Opernkenntnisse ist der Fall schnell geklärt. Ein griesgrämiger, unterbeschäftigter Schauspieler wird auf dem Weg zur Weihnachtsaufführung

Und das macht richtig Spaß: Der entschuldigende Verriss des Grönemeyerschen Frühwerks („Es ist mir klar, dass der aus Bochum stammende Künstler kein Wort mehr mit mir sprechen wird...“) oder der drastischere eines später ähnlich erfolgreichen Kollegen: „Hoffentlich verliert Marius Müller-Westernhagen bald seine Stimme.“ Minetti-Kritiken, Walser-Lektüren, eine Motörhead-Tour-Reportage und immer wieder geschmackssichere Entdeckungen. Welts Kritiken sind Popgeschichte: gnadenlos subjektiv, stets entschieden aus der (auch enttäuschten) Fan-Position geschrieben, kenntnisreich – und stilbildend.

von drei weihnachtlichen Geistern auf die richtige Spur gesetzt – Charles

Seine bisher verstreuten Prosastücke lassen das Bochum der 80er wie-

Dickens lässt grüßen.

der auferstehen. Zwischen Tresen, Tanzfläche und Fußballplatz leben die

Vom Gedicht über Dialoge und umgetextete Schlager und bis zum Kurzkrimi wendet Stefan Keim vielfältige Formate an, die gut geeignet sind – bei entsprechendem Vortrag – so manche Weihnachtsfeier nicht allzu

Weltschen Helden äußerst ungesund und haben doch erstaunlich wenig Patina angesetzt seit damals. Eine Zeitreise, die Lust macht, Welts Romane wieder zu lesen.

besinnlich werden zu lassen. Bei einigen der 19 Beiträge sind allerdings

Am 31. Dezember wird Wolfgang Welt 60. Ein schönes Geschenk haben

Kenntnisse aus Oper, klassischer Musik und Literatur durchaus von Vor-

ihm Martin Willems und der Klartext-Verlag da gemacht! (bp)

teil, um jede Pointe genießen zu können. (biru) Martin Willems (Hrsg.) Stefan Keim

„Ich schrieb mich verrückt“

Haben Sie’s heilig? – Satiren im Schatten der Krippe

Texte von Wolfgang Welt 1979 – 2011

edition exemplum | 119 Seiten | 14,90 Euro

Klartext-Verlag | 358 Seiten, Broschur | 19,95 Euro

ISBN 978-3-89896-508-8

ISBN 978-3-8375-0747-8

bodo verlost zwei Exemplare (siehe Seite 23). Im nächsten Heft: Stefan Keim im Porträt.

42


43

LITERATUR | Fotos: Sebastian Sellhorst

Lesetipps aus unserem Buchladen bodo-Mitarbeiter stellen vor: Klaus Schneider, Projekt Buch „Alte und Neue Welt“ aus dem Jahr 1915 ist nur eins der vielen antiquarischen Bücher, die wir in die ganze Welt verschicken. 1.600 „Meter Buch“ gingen im letzten Jahr an Käufer auf allen fünf Kontinenten. Auf dem Weg dahin wurden viele, viele tausend Bücher von uns gesichtet, bewertet und katalogisiert. „Ich mag alte Bücher. Die haben für mich etwas Magisches und jedes hat seine eigene Geschichte“, sagt Klaus, der für die Sortierung und Aufbereitung der Bücher für den Online-Verkauf zuständig ist. Auf neun unterschiedlichen Online-Portalen warten zurzeit 4.000 antiquarische Bücher auf Kunden aus aller Welt.

Oliver Philipp, Leitung Vertrieb „Planeten Sterne Welteninseln“ lädt ein, die Astronomie im Deutschen Museum zu entdecken. Sachbücher zu vielen Bereichen der Wissenschaft laden bei uns zum Stöbern ein. Ein großer Kinderbereich bietet auch für die jungen Leser viel zu entdecken: Vom klassischen Bilderbuch, über spannende Wissenschaftsbücher für Jugendliche bis zum Elektronikbaukasten mit Bauanleitung für das eigene Radio – da sollte für jeden jungen Leser etwas dabei sein. Und wer lieber spielt als liest, findet bei uns viele gebrauchte Gesellschaftsspiele, die wir, bevor wir sie verkaufen, alle auf Vollständigkeit überprüft haben.

Suzanne Präkelt, Leitung Projekt Buch „Yummy Mami“, das sind 150 tolle Rezepte für die ganze Familie. Und das Ganze ohne exotische Zutaten. Fünf Exemplare dieses tollen Kochbuches, das auch ein bisschen Ernährungsratgeber ist, laden zum Ausprobieren und Nachkochen ein. „Dank vieler toller Buchspenden – zuletzt von der Frankfurter Buchmesse – können wir mittlerweile, zusätzlich zu unseren großen Sonderflächen mit gebrauchten Taschenbüchern, auch ein breites Sortiment an Neuware, besonders im Bereich Kochbücher anbieten“, freut sich Suzanne. Neben „Yummy Mami“ warten noch über 200 weitere Titel zum Thema Kochen und Ernährung auf motivierte Hobbyköche.

Tanja Walter, Geschäftsleitung „Mord am Hellweg“, eine der bekannten Lokalkrimireihen des Grafit Verlags, verspricht Spannung in ganz Westfalen. Wen einmal das Krimi-Fieber gepackt hat, der findet bei uns reichlich Nachschub. „Dank einer Kooperation mit dem Grafit Verlag können wir in einem eigens dafür eingerichteten Regal über vier Meter aktuelle Lokalkrimis anbieten“, freut sich Chefin Tanja, die selbst begeisterte Krimi-Leserin ist. Und wer die Grenzen Westfalens verlassen möchte, wird bei uns auch fündig. Vom historischen Roman in Venedig bis hin zum klassischen Sherlock Holmes findet der Krimi-Fan alles, was er für lange Winterabende braucht.

Vanessa Grünke, Auszubildende Paulo Coelho hat uns nicht nur für diese Ausgabe eine exklusive Weihnachtsgeschichte geschenkt. Auch viele seiner Bücher gibt es bei bodo. Und wer mit Paulo Coelho nichts anfangen kann, wird sicher auf unserer elf Quadratmeter großen Sonderfläche fündig. Dort heißt es, schnell sein und bei einem Preis von zwei Euro pro Buch Schnäppchen machen. Wer drei Bücher kauft, bezahlt nur fünf Euro. „Oft bekommen wir Bücher, die unsere Spender nur einmal und sehr vorsichtig gelesen haben und die dann fast neuwertig sind. Trotzdem gelten sie als gebraucht und werden günstig verkauft“, erklärt Vanessa.

Das war nur ein kleiner Einblick in die Vielfalt unseres Buchladens. Besuchen Sie uns am besten selbst in Dortmunds Innenstadt am Schwanenwall 36 – 38 und stöbern in unserem mittlerweile mehr als 10.000 Bücher umfassenden Sortiment. Wir freuen uns Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr auf Ihren Besuch. An Samstagen sind wir von 10 bis 14 Uhr für Sie da. 43


44 Fehlersuchbild – Lösung: 1) Der Zöllner spricht „Weihrauch“ ohne „H“ aus, 2) an seinem Gürtel fehlt die Schnalle 3) und an einem seiner Füße ein Zeh, 4) eine seiner Sandalen hat einen Riemen mehr, 5) der ältere König trägt einen Ohrring 6) und einer seiner Schnabelschuhe ist weniger schnabelig, 7) der mittlere König hat einen anderen Kragen 8) und eine Zacke zuviel an der Krone, 9) die Turbanfeder des dunkelhäutigen Königs ist pink und 10) an einem Grasbüschel fehlt ein Grashalm.

Finde die 10 Unterschiede im rechten Bild. Viel Erfolg! Rätsel-Lösung: SCHLOSS

44 RÄTSEL | von Volker Dornemann


ANZEIGEN

bodo schafft Chancen

bodos Buchladen Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund »Bücher schaffen Stellen« Mo. bis Fr. 10 bis 18 Uhr | Sa. 10 bis 14 Uhr Tel. 0231 – 950 978 0 Belletristik | Sach- und Fachbücher | Raritäten www.bodoev.de

45


46 BODO GEHT AUS | von Wolfgang Kienast | Fotos: Daniel Sadrowski

Ergänzend zum Lammfilet in BalsamicoErdbeerreduktion und Zitronenkartoffeln, welches ich bestellt habe, bringt Salvatore Ciraldo eigens zwei Salz- und zwei Pfeffermühlen an den Tisch. Der Küchenchef bemerkt meinen fragenden Blick. „Das Fleisch ist auf Keramik gegart”, erklärt er. „Nicht zu heiß. Bei einer Temperatur, die eine Krustierung zur Folge hat, nicht aber eine Versiegelung. Das ist allerdings noch immer viel zu heiß für frischen Pfeffer. Der würde sofort verbrennen, all seine wundervollen Aromen verlieren und nur beißend schmecken. Das wäre doch viel zu schade.”

8 1/2 | Dortmund Minimal ist mehr will schlechte Qualität kaschieren. Außerdem ver-

bezieht sich auf den gleichnamigen Film seines

wende ich nie viele verschiedene Gewürze. Weni-

Lieblingsregisseurs Federico Fellini. Es ist durch-

ger ist immer mehr, wenn man den Geschmack auf

aus möglich, dass Sie weitere dieser Zahlenspiele

Wesentliches konzentrieren möchte.”

entdecken.

Im ersten eigenen Restaurant, die Eröffnung

Auf italienische Spezialitäten angesprochen,

wurde am 2. November gefeiert, gedenkt er seine

verspricht der Küchenchef, gelegentlich entspre-

Philosophie auf den Punkt zu bringen. Die auf

chende Gerichte auf die Karte zu setzen. Aber

das Lamm abgestimmten Sorten Salz und Pfeffer

nur tatsächlich Traditionelles und nur, wenn alle

am Tisch stehen beispielhaft für sein Konzept.

Zutaten frisch zu bekommen wären. Mit dem Be-

Zu einem anderen Gericht, sollte dieses seiner

griff „mediterrane Küche“ hingegen solle man

Meinung nach danach verlangen, würde er ein

ihn aber lieber verschonen, das wäre eine auf-

spezielles Öl reichen. Ciraldos Wunsch ist, seine

geblasene Nullnummer. Es gäbe so viele Länder

Gäste von dieser Idee zu überzeugen. In meinem

rund um das Mittelmeer und ein jedes habe ganz

Fall gelingt das, als ich von dem Pfeffer mit der

eigene Kochtraditionen.

feinen Vanillenote mal etwas weniger und mal etwas mehr versuche.

Am liebsten ist es ihm, wenn man sich seine Philosophie zu Herzen nimmt und wie er von einer

Zur wechselnden Speisekarte, mit Kreide auf ei-

„minimalen Küche“ spricht. Dazu passt im Übri-

ner Wandtafel notiert, sagt Ciraldo, sie werde

gen die Inneneinrichtung im 8 1/2. Die Kombina-

Ciraldo hat sein Handwerk in Rom gelernt. Noch

stets acht Positionen umfassen. Und ein kleines

tion von Holzfußboden, diversen Spielarten von

heute schwärmt er für die Metropole und ihren,

Gericht. Bei meinem Besuch handelt es sich bei

Grau an den Wänden, beige bezogenen Sesseln

wie er sagt, Spagat zwischen modernem Europa

Letzterem um eine Kleine Käseplatte für 6,50

und schwarzen Tischplatten im vorderen Bereich

und klassischem Italien. Es folgten zwanzig Jahre

Euro. Mit dem Lamm (16,50 Euro) habe ich defini-

wirkt schlicht, stylisch, jedoch nicht zu kühl. Im

als reisender Saisonkoch. In Mailand hat er eben-

tiv nichts falsch gemacht, doch auch die Salbei-

hinteren Bereich, über ein paar Stufen zu errei-

so gearbeitet wie in New York oder Singapur und

Steinpilz-Linguine (9,50 Euro), die am Nachbar-

chen, dominiert weinrot. Rustikale Sprossenfens-

oft in den wirklich guten Häusern. Nirgendwo ist

tisch serviert werden, sehen verlockend aus.

ter setzen unaufdringlich Akzente und bringen historisches Bewusstsein zum Ausdruck. (wk)

er länger geblieben, als ihn die jeweilige Stadt zu

46

begeistern vermochte. Dass es ihn ausgerechnet in

Beim Service jedoch gibt es leider noch Anlauf-

Dortmund gehalten hat – vermutlich kennt man ihn

schwierigkeiten. Die Bedienung, zwar sehr char-

8 1/2, Bar Ristorante

hier eher unter dem Namen Toto – lag auch am Sis-

mant, wirkt im direkten Vergleich zum Niveau der

Sonnenstraße 74, Ecke Hohe Straße

sikingkong, wo er über einen längeren Zeitraum tä-

Küche ein wenig unbedarft. Möglichst bald er-

44139 Dortmund

tig gewesen ist. „Wie dort gekocht wird, entspricht

weitert werden soll die Weinkarte. Ginge es nach

Mo. – So. 18 bis 23.30 Uhr

genau meinen Vorstellungen. Ich nenne es ,mini-

Ciraldo, würde Wein ein gutes Essen begleiten,

mal‘. Hochwertige Produkte, aber keine Fonds und

eventuell Wasser, sonst aber nichts. Acht Weine

bodo verlost ein Essen für zwei Personen.

keine Geschmacksverstärker. Wer so etwas benutzt,

und eine Schorle auf der Karte? Er lacht. 8 1/2

(siehe Seite 23)


Foto: Sebastian Sellhorst

LESERSEITE

47

bodo dankt:

Sparkasse Bochum Monika Blum, Eduard Kock, Dr. Heinz Josef Gockel, Erika Maletz, Petra Seidemann, Jean-Baptiste Luciani, Ursula Schotte, Ruth Lange, Gabriele Szegeny, Armin Rau, Anni und Heinz Schlüter, Peter Thanscheidt, Dagmar Reitberger, Rosemarie Adam, Birgit und Karl Jelich, Ursula und Hans Gollminski, Angelika Göbel, Elisabeth Vossebrecher, Maria Elisabeth Markard, Susanne Auer, Rembert Schüttler, Monika Rebbert, Cornelia und Detlev Eckhard, Marion Grob, Irmela Niebuhr, Gudrun Vogt-Staab, Sabine Raddatz, Petra Danielsen-Hardt, Silke Harborth, Hildegard Reinitz, Thomas Scholle, Dolf Mehring, Martin Botteck, Timo Zimmermann, Ute Soth-Dykgers, Annette Düe, Kathrin Bohr, Oliver Stiller, Esther Hagemann, Elsemarie Bork, Peter LAsslop, Christina Kolivopoulos, Jutta und Wido Wagner, Klara Lehmann, Dr. Rinnert Siemssen, Ralf Hoof, Volker Schaika, Hannelore ThimmRasch, Andreas König, Dr. Josef Balzer, Alexander Barbian-Steinfort, Michael Buddenberg, Helmut Buscha, Christian Chammings, Angelika Engelberg, Paul Engelen, Fabian Fluhme, Rolf Geers, Matthias Grigo, Grünbau GmbH, Britta Richter, Manfred Kater, Almuth Keller, Jutta Kemper, Helga Koester-Wais, Birgit Kuehn, Nicola Steinstrass, Wulfhild Tank, Felix Zulechner, Ingeborg Schumacher, Brigitte Sonntag, Gabriele Steinbrecher, Gabriela Schaefer, Hermann Schroeder, Christoph Roeper, Susanne Mildner, Barbara Meyer, Ute Michler, Ludwig Seitz, Bärbel Bals, Kerstin Bals, Karl Bongardt, Ralf Finke, Michael Stange, Nicole Goralski, Jörg Gruda, Erika Janssen, Marlis Lange, Arne Malmsheimer, Wolfgang Neuhaus, Ursula Remer, Daniela Schmitz, Nadja Schramm, Rainer Stücker, Thomas Terbeck, Linda Wotzlaw, Heinz Schildheuer, Thomas Schröder, Snezka Barle, Ute Börner, Bernd Ewers, Regina Höbel, Sandra und Friedrich Laker, Frank Siewert, Ilona Zarnowski, Rainer Biel, Udo Bormann, R. Dammer, Anita Diehn-Driessler, Christine Ferreau, Udo Greif, Rüdiger Haag, Elsbeth Heiart, Astrid Kaspar, Annette Krtizler, Ursula Machatschek, Lieselotte Markgraf, Jutta Meklenborg, Marlies und Eberhard Piclum, Sandra Rettemeyer, Inge Schaub, Dorothea Bomnüter, Petra Bloch, Ina und Arno Georg, Edith Link, Annemarie Meiling, Christain Scheer, Roswitha Wolf, Ulrike Bornemann, Hans-Georg Schwinn, Isabell Bikowski-Gauchel, Peter Buning, A. und M. Dietz, Klaus-M. Kinzel, Annegret Malessa, Christine Weber, Monika Bender, Petra Bender, Eberhard Garburg, Jutta Haring, Lieselotte Koch, Katrin Lichtenstein, Ulrike Märkel, Gerd Pelzer, Renate Krökel, Klaus Kwetkat, Stefan Meyer, Carsten Klink, Thomas Olschowny, Daniela Gerull, Dieter Schibilski, Martin Scholz, Karl-Heinz Schwieger, Barbara Bokel, Sandra Wortmann, Annabell Preusler, Birgitt Kuhlmann, Dieter Zawodniak, Elisabeth Heymann-Roeder, Friederike Jansen, Dirk Schmiedeskamp, Sebastian Poschadel, Rita Pilenko, Margret und Hansjörg Sellhorst, Elisabeth Heymann-Röder, Christian Bösterling, Linda Wotzlaw, Dagmar Drabandt, Christian Müller, Gerd Schlitzer, Johannes Sock

Schreiben Sie uns Ihre Meinung! bodo e.V. | Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund oder eMail an: redaktion@bodoev.de

Die Studie der Böckler-Stiftung zur dramatischen Armutsentwicklung in Dortmund (siehe S. 20) hat hohe Wellen geschlagen. Uns besuchte ein Team des ARD-Morgenmagazins und ließ sich von unserem Verkäufer Günter zeigen, wo die Veränderungen in der Innenstadt sichtbar werden. Als Reporter für‘s „moma“ übrigens dabei: Martin Kaysh (2.v.l.).

LESERBRIEFE Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom bodo, vielen Dank für euren letzten bodo vom November. Eure Artikel habe ich sehr aufmerksam gelesen, besonders den über euren Verkäufer Otto aus Bochum. Bei ihm selbst nämlich hatte ich den bodo kurz zuvor nahe Bochum Hauptbahnhof erstanden! Und Otto hat dabei einen sehr freundlichen Eindruck gemacht. Da hat mich seine Lebensgeschichte natürlich gleich doppelt interessiert. Und ich muss sagen: Respekt! Dass Otto so gut „auf der Straße“ zurechtkommt, ist echt bemerkenswert – sogar im Winter bei Temperaturen unter minus 15 Grad. Davor können sich viele „Weicheier“ in unserer Gesellschaft nur verstecken. Und dann steht Otto jeden Morgen schon um 6 Uhr auf – von wegen Faulpelz-Leben! Ein echtes Vorbild für unsere Gesellschaft, finde ich. Wir sollten alle mal überlegen, ob ein einfacheres Leben nicht das Bessere und Glücklichere ist. Ich wünsche euch und besonders Otto viele erfüllte Advents- und Vorweihnachtstage! Herzliche Grüße, Markus Wehrstedt Hallo liebe Redaktion, zuerst einmal Respekt vor der redaktionellen Klasse. Eine tolle Mischung von interessanten Beiträgen. Macht weiter so! Loben muss ich an dieser Stelle einmal Ihren Superverkäufer Walter vor dem EDEKA bei uns im Kaiserstraßen-Viertel. Er ist mittlerweile eine Kultfigur in unserem Viertel geworden, weil er immer freundlich ist, immer für ein Schwätzchen zu haben ist, für jeden ein offenes Ohr hat. Bitte leiten Sie

doch einmal das Lob an ihn weiter. Er hat es sich verdient! Ich freue mich schon auf die Dezember-Ausgabe. Schöne Grüße von Ihrem Stammkunden, Hans Billmann PS: Auch mit Ihrem Umzugsteam war ich voll zufrieden. Hallo bodo-Team, immer wenn wir zum Shoppen in Dortmund waren, sind uns die Magazinverkäufer über den Weg gelaufen. Aber „zugeschlagen“ haben wir nie. Wer weiß, wer da dran verdient, man muss es die ganze Zeit mitschleppen, usw. Heute stand aber ein bodo-Verkäufer quasi bei uns vor der Tür. Und ich habe mich „breitschlagen“ lassen ein Straßenmagazin zu kaufen. Beim Durchlesen des Hefts und Durchstöbern eurer Internetpräsens wurden mir dann aber die Augen geöffnet. Fazit: Egal wie, egal wann – ab sofort werden wir bodo kaufen. Danke für dieses tolle Engagement und das Magazin! Viele Grüße aus Werne a.d.Lippe, Sven Viele Grüße von einer treuen bodo-Leserin aus Schwerte, die immer bei dem freundlichen Verkäufer in der Hüsingstraße kauft. Besonders gefiel mir diesmal der Bericht über die Buchmesse! Ulrike Berkenhoff Liebes bodo-Team, ich möchte mich für einen superschönen Abend in der Jahrhunderthalle Bochum bedanken. Ich war die glückliche Gewinnerin für die Urbanatix-Vorstellung am letzten Montag und hatte keine Probleme, meinen Sohn (20) dafür zu gewinnen, mit mir dorthin zu gehen. Auch ihm hat es sehr gut gefallen. Viele Grüße, Petra Grobel

CARTOON | Idee und Zeichnung: Volker Dornemann

47


48

bodo Dezember 2012  
bodo Dezember 2012  

Die Dezember-Ausgabe des Straßenmagazins.

Advertisement