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1.80 Euro August 2013 | 90 Cent für den Verkäufer

bodo Das Straßenmagazin

04 | Wieder zu Hause | Publikumsliebling Peter Neururer 08 | Ein See für alle? | Am Dortmunder Phoenix-See 28 | Die Mine Cerrejón | Kolumbiens Kohle und das Ruhrgebiet 21 | 11 Verlosungen | z.B. RuhrHochDeutsch im Spiegelzelt: »HerzDame sticht«

1


02 EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser, schön, dass Sie sich für unsere Sommerausga-

wenigen rumänischen Verkäufer. (Danke für Euer

be entschieden haben und damit einen unserer

Verständnis.) Dass sich Medien inzwischen dafür in-

Verkäufer unterstützen. Herzlichen Dank für Ihre

teressieren, wer denn da kommt, statt wie die Jah-

Mithilfe und auch für die vielfältigen Rückmeldun-

re davor nur aus sicherer Schreibtischwarte eigene

gen zu unserer Arbeit, sei es über Briefe oder über

Ängste zu dokumentieren und neue zu erzeugen,

die Gespräche beim Zeitungskauf, in unserem Buch-

stimmt uns dabei durchaus positiv.

laden oder bei einer der vielen Veranstaltungen im vergangenen Monat.

Zum Erscheinen dieser Ausgabe sind wir in München bei der Jahreskonferenz der internationa-

Höhepunkt dabei war das zweite Juliwochenende

len Straßenzeitungen und freuen uns riesig, die

mit gleich drei Veranstaltungen. Unser „Zweiter

Kolleginnen und Kollegen von allen Kontinenten

Freitag“, ein Benefiz-Kabarettabend mit Matthias

wiederzutreffen. Auch hier wird viel und lange

Kutschmann, die Nordstadtführung „Zwei halbe

gearbeitet, aber ein Gefühl von Klassenfahrt stellt

Wahrheiten“ und die Charity-Motorradausfahrt

sich trotzdem unvermeidlich ein. Im nächsten Heft

„biken für bodo“ hatten zusammen fast 150 Teil-

erzählen wir, wie es war.

nehmer. Die Spendentour brachte in ihren zweiten Ausgabe wie im Vorjahr 5.000 Euro Spenden für unsere Beratungsangebote. Vielen, vielen Dank an alle Beteiligten!

Wegen unserer Tagung und der unvermeidlichen Urlaubszeit mussten wir mit diesem Heft eine ganze Zeit eher fertig sein. Trotzdem haben wir ein schönes Sommerheft zustande bekommen und kön-

Auch sonst waren wir fleißig. Unsere Bochumer

nen Ihnen interessante Menschen vorstellen. Vom

Stadtführungen werden inzwischen regelmäßig

auch „in echt“ so sympathischen Bochum-Trainer

auch von ganzen Gruppen gebucht, der nächste

Peter Neururer zu Beginn des Heftes bis zu einer

reguläre Termin ist der 17. August. Wie immer am

kellnernden Sozialarbeiterin in einem ehemaligen

dritten Samstag im Monat „kostet“ die zweistün-

Eisenbahnwaggon am Schluss.

dige Tour nur den Kauf eines Straßenmagazins bei unserem Stadtführer. Anmelden können Sie sich

Wir haben den Phoenix-See umrundet und einen Tag in einer wirklich schönen Tagespflegeeinrich-

einfach telefonisch oder per Mail.

tung in Witten verbracht, waren wieder in der

Während der Bundesinnenminister vor der Wahl wi-

Nordstadt unterwegs und haben gefragt, woher

der Erwarten andere Dinge zu tun hat, als davor zu

im Ruhrgebiet ohne Zechen die Kohle kommt (die

warnen, dass am 1. Januar 2014 der Sonderschutz

schwarze, wohlbemerkt). Wir besuchen die Organi-

des deutschen Arbeitsmarktes vor EU-Neubürgern

satorinnen eines länderübergreifenden Kunstpro-

aus Bulgarien und Rumänien fällt (Prism, Snowden,

jekts, stellen Ihnen den malenden bodo-Verkäufer

NSA, BND und so), nimmt die neue Zuwanderung

Gökkan vor und eine Menge mehr.

einiges unserer Zeit in Anspruch. Regelmäßig geben oder vermitteln wir Interviews und strapazieren

Viele Grüße von bodo,

damit die Geduld des einen oder anderen unserer

Bastian Pütter – redaktion@bodoev.de

IMPRESSUM

2

BODO E.V. – SO ERREICHEN SIE UNS

Herausgeber | Verleger | Redaktion

Autoren dieser Ausgabe:

Redaktions- und Anzeigenschluss:

Verein:

bodos Bücher | Modernes Antiquariat:

bodo e.V.

Bianka Boyke (bb), René Boyke (rb), Peter

für die September-Ausgabe 10.08.2013

bodo e.V. | als gemeinnützig eingetragen

Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund

Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund

Hesse, Frederik Gremler, Wolfgang Kienast

Anzeigen:

im Vereinsregister Dortmund Nr. 4514

0231 – 950 978 0 | Fax 950 978 20

0231 – 950 978 0 | Fax 950 978 20

(wk), Maike, Jens Mayer (jm), Bastian Püt-

Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 8, Juli 2012

Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund

Mo. – Fr. 10 – 18 Uhr | Sa. 10 – 14 Uhr

Redaktionsleitung und V.i.S.d.P.:

ter (bp), Petra von Randow (pvr), Sebastian

Vertriebe:

0231 – 950 978 0 | Fax 950 978 20

Anlaufstelle Dortmund:

Bastian Pütter | redaktion@bodoev.de

Sellhorst (sese)

Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund

bodoev.de | facebook.com/bodoev

Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund

0231 – 950 978 12 | Fax 950 978 20

Fotos: Bianka Boyke (12), Paul Corbit Brown

Stühmeyerstraße 33 | 44787 Bochum

Vorstand:

Mo. – Fr. 10 – 18 Uhr | Sa. 10 – 14 Uhr

Layout und Produktion:

(3, 30), Adriana Cuellar (CAJAR) (29), Martin

Andre Noll | Brunhilde Dörscheln |

Anlaufstelle Bochum:

Andre Noll | Büro für Kommunikationsdesign

Krämer (6), Sebastian Rötters (FIAN) (28), Dr.

tenfrei, aber ohne Gewähr. Für unaufgefordert ein-

Nicole Hölter | vorstand@bodoev.de

Stühmeyerstraße 33 | 44787 Bochum

0231 – 106 38 31 | info@lookatnoll.de

Birgit Rumpel (16), Daniel Sadrowski (3, 4,

gesandte Fotos oder Manuskripte wird keine Haftung

Geschäftsleitung | Verwaltung:

Mo., Mi. und Fr. von 14 – 17 Uhr

Veranstaltungskalender:

5, 8, 9, 10, 11, 12, 14, 15, 16, 33, 38), Se-

übernommen. Das Recht auf Kürzung bleibt vorbehal-

Tanja Walter | verein@bodoev.de

Di. und Do. von 10 – 13 Uhr

Petra von Randow | redaktion@bodoev.de

bastian Sellhorst (3, 6, 7, 17 31, 39), Claudia

ten. Abdruck und Vervielfältigung von redaktionellen

0231 – 950 978 0 | Fax 950 978 20

Spendenkonten:

Anzeigenleitung:

Siekarski (2, 6, 7), Nathanael Uhlmann (18)

Öffentlichkeitsarbeit:

Stadtsparkasse Dortmund

Bastian Pütter | anzeigen@bodoev.de

Titelbild: Daniel Sadrowski

lich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt

Bastian Pütter | redaktion@bodoev.de

BLZ 440 501 99 | Kto. 104 83 76

0231 – 950 978 12 | Fax 950 978 20

Zeichnungen + Cartoons: Volker Dornemann

die Meinung der Redaktion wieder.

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Sparkasse Bochum

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Druck: Lensing Druck GmbH & Co. KG

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Oliver Philipp | vertrieb@bodoev.de

Auflage | Erscheinungsweise:

Brunhilde Dörscheln | transport@bodoev.de

Bank für Sozialwirtschaft Essen

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20.000 Exemplare (BO, DO und Umgebung)

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BLZ 370 205 00 | Kto. 722 39 00

Der Abdruck von Veranstaltungshinweisen ist kos-

Beiträgen und Anzeigen bedürfen der ausdrücklichen Genehmigung der Redaktion. Leserbriefe und nament-


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INHALT

02 Editorial | Impressum 04 Menschen Peter

Neururer von Jens Mayer

Der Publikumsliebling und Trainer des VfL Bochum über die „Traineruhrzeit“, eine alternative Tenniskarriere, die Unmöglichkeit eines Lebens ohne

Unser Titelbild der August-Ausgabe:

Fußball und den nie endenden Traum Deutsche Meisterschaft.

Peter Neururer (S. 4) Foto: Daniel Sadrowski

06 Neues von bodo | Maikes Verkäufertagebuch 08 Reportage Ein

See für alle? von Bianka Boyke

Wie sieht die Realität des Naherholungsgebiets Phoenix-See aus? Wer trifft sich hier, wer meidet den See? Und was kann, was muss sich noch ändern? Ein Spaziergang mit dem Fotografen und Stadtplaner Jürgen Evert. 12 Recht eBay-Auktionen

vorzeitig beenden? von René Boyke

Das vorzeitige Beenden von eBay-Auktionen kann teuer werden. Unter Umständen hat der Höchstbietende Recht auf Schadensersatz. 12 Kultur Erst

braun, jetzt bunt von Bastian Pütter

Die Rheinische Straße 135 („R135“) war Zentrum der inzwischen verbote-

20 Netzwelt slaveryfootprint.org von Frederik Gremler „Wie viele Sklaven arbeiten für dich?“ – Wer denkt, dass es Sklaverei in einer modernen Welt nicht gibt, den wird die Website slaveryfootprint.org schockieren. Mit ein paar Klicks berechnet sie, wie viel Zwangsarbeit hinter Kleidung, Alltagstechnologie, Essen oder Hygieneprodukten steckt. 21 Veranstaltungskalender | Verlosungen | CD-Tipps von Petra von Randow

nen Neonazi-Kameradschaft „Nationaler Widerstand Dortmund“. Die Stadt

28 Reportage Kolumbiens Kohle und das Ruhrgebiet von Frederik Gremler

kaufte das Haus und kündigte die Mietverträge. Im Erdgeschoss entstand

Unsere Zechen sind dicht, doch Kohle braucht das Ruhrgebiet immer noch.

das Jugend- und Kulturcafé „JKC“, darüber zieht das Respekt-Büro der

In einer globalisierten Welt kommt sie von dort, wo sie am billigsten zu

Stadt mit seinem politischen Bildungsangebot ein. Ein Besuch.

gewinnen ist, weil Mensch und Umwelt die Zeche zahlen. Zum Beispiel aus Cerrejón in Kolumbien.

13 Wilde Kräuter Mädesüß von Wolfgang Kienast Längst nicht so bekannt wie zum Beispiel Brennnesseln oder Löwenzahn, ist

31 Soziales Concierge

am Nordmarkt von Sebastian Sellhorst

die bis zu 150 cm hohe Pflanze mit dem puscheligen, schmutzig weißen Blü-

Andreas Horst ist Quartiershausmeister im Schleswiger Viertel in der

tenstand und dem mandelartigen Geruch Grundlage für einen leckeren Sirup.

Dortmunder Nordstadt. „Ich hoffe, dass es mir mit meiner Arbeit gelingt,

14 Reportage Bei

der Tagespflege in Witten von Bianka Boyke

Immer mehr Menschen kommen in ein Pflegeheim, wenn sie sich zu Hause nicht mehr selbst versorgen können. Dabei würden die meisten lieber zu Hause leben, auch wenn sie alt, krank oder behindert sind. Die Tagespflege

für ein besseres Klima im Viertel zu sorgen, dann lassen sich auch die Wohnungen hier leichter vermieten“, sagt er. „Davon profitiert wiederum das ganze Quartier.“ 32 Kultur Nach

Kohlenpott und Pays Noir von Wolfgang Kienast

Witten unterstützt Angehörige, die ihre Lieben zu Hause pflegen und tage-

Das wallonische Charleroi teilt mit dem Ruhrgebiet die Kohle- und Montan-

weise Entlastung brauchen. Wir verbrachten einen Tag mit den Gästen.

vergangenheit und die Probleme danach. Die niederländische Tageszeitung

17 Verkäufergeschichten Gökkan von Sebastian Sellhorst Seit zwei Monaten hat Gökkan nach einem langen Jahr auf der Straße eine eigene Wohnung und widmet sich wieder seiner großen Leiden-

Staatsräson von Bastian Pütter

her und untersucht Möglichkeitsräume des Strukturwandels.

37 Rätsel | Cartoon von Volker Dornemann

Wir haben uns fast daran gewöhnt, dass zum Bankenretten oder Staatsfeinde-unschädlich-Machen Grundsätze von Demokratie und Recht einen Schritt zur Seite treten müssen: „Lassen Sie mich durch, ich bin Staat“ 18 News | Skotts Seitenhieb 20 Kinotipp

binationale Kulturprojekt „Parallel dazu – Sauvages“ stellt Beziehungen 36 Literatur Aufgeflogen | Kopfüber. Kopfunter gelesen von Bianka Boyke

schaft: dem Malen. 18 Kommentar

„De Volkskrant” kürte den Ort 2008 zur „hässlichsten Stadt der Welt”. Das

Im Wanne-Eickeler Stadtteil Unser Fritz erwartet hinter dem Heimat- und Naturkundemuseum ein liebevoll renovierter Eisenbahnwagen seine Gäste: das Gleiscafé Fritzchen.

Hinterhofkino im Hochsommer im endstation.kino

28

38 bodo geht aus Museales Gleiscafé von Wolfgang Kienast

14

39 Leserseite | Cartoon

17

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04 MENSCHEN | von Jens Mayer | Fotos: Daniel Sadrowski

Peter Neururer: Wieder zu Hause

Als Fußballtrainer und Typ ist Peter Neururer in Bochum eine lebende Legende. Dass der 58jährige nach seinem Herzinfarkt im vergangenen Jahr nun wieder das Ruder beim VfL in der Hand hat, erfreut nicht nur die Verantwortlichen und die Fans, sondern vor allem und zuallererst ihn selbst. Wer sich mit Peter Neururer trifft, sollte darauf achten, pünktlich zu sein: „Ein unangemeldetes Zuspätkommen bedeutet für mich, dass der Termin vorbei ist“, macht er unmissverständlich klar. Eine kleine Chance gibt es dann aber doch: „Wenn man vorher die Traineruhrzeit nicht festgelegt hat, gibt es eine Kulanzzeit von fünf Minuten.“ Beim Stab und den Spielern des VfL Bochum gilt dieser Aufschub jedoch nicht mehr. Seit Neururer dort am 8. April 2013 erneut den Posten als Cheftrainer übernommen hat, herrschen klare Verhältnisse: „Am ersten Tag meiner Ankunft nenne ich die Uhrzeit der Traineruhr, so dass jeder seine Uhr danach stellen kann. Über Uhrzeiten kann man ja auch diskutieren – oder eben nicht. Bei uns eben nicht.“ Seine Leidenschaft für Armbanduhren ist dem 58jährigen jedoch selbst schon zum Verhängnis geworden: „Ob das an mir selbst liegt oder an den jeweiligen Vereinen, sei einmal dahingestellt. Meine Frau hat jedenfalls schon einen Antrag gestellt, dass ich mit dem Quatsch aufhören solle, denn ich wechsele nach jeder Niederlage meine Uhr. Auch nach Vorbereitungsspielen. Das kann auf Dauer wirklich teuer werden.“ Das ist jedoch nicht das einzige „erfolgsorientierte Ritual“, das der Trainer pflegt. Er geht grundsätzlich nur nach Niederlagen zum Friseur. Allerdings nicht nach jeder Niederlage: „In Anlehnung an mein doch schon etwas fortgeschrittenes Alter muss dazu auch eine gewisse Frisur passen, und das tut sie gerade nicht“, erklärt der Trainer. Der am 26. April 1955 in Marl geborene Neururer fühlt sich bereits früh zum Lehrerberuf hingezogen. Er studiert in Köln Sport, Germanistik und Geschichte auf Lehramt, leitet sogar zwei eigene Tennisschulen in Gelsenkirchen-Buer und Recklinghausen und beginnt bereits als Jugendlicher mit der Ausbildung zum Fußballlehrer. „Aber nur als Alternative zu dem, was ich nicht erreichen kann, nämlich Bundesligaprofi zu werden. Diese Geschichte musste ich mit 17 Jahren nach einer schweren Sportverletzung abhaken, so dass ich auf diesem Wege mein Lebensziel, nämlich Erstligist zu sein, nicht erreichen konnte.“

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05

Die Art, wie Fans und Region die Rückkehr des

Eine alternative Tenniskarriere kommt für ihn an-

ley-Runde“ ist da natürlich etwas anderes. Wenn

scheinend nicht in Frage: „Das war für mich eher

Neururer da mit seinen Freunden vom VfL auf

„Feuerwehrmanns“ nun feiern, lässt keinen Zwei-

eine attraktive und lukrative Nebenbeschäfti-

schweren Maschinen unterwegs ist, beispiels-

fel daran, dass die Sympathie immer noch beid-

gung, um Geld zu verdienen. Ich hatte zeitweise

weise quer durch die USA fährt, wird während

seitig ist, auch wenn der Trainer um die Bestän-

240 Schüler“, erklärt er und fügt nicht ohne Stolz

der Fahrpausen natürlich ausschließlich gefach-

digkeit solcher Zuneigungsbekundungen weiß:

hinzu: „Ich habe den ersten großen Boris-Becker-

simpelt: „Ohne Fußball geht das nicht.“

„Natürlich freuen mich die positiven Reaktionen. Das erfüllt einen irgendwo auch mit Wahnsinns-

Boom mitgemacht. Boris hat bei uns in der Tennisschule sein erstes großes Turnier gewonnen.

„Überhaupt keine Frage“ sei es für ihn gewesen, als

emotionen, aber ich weiß auch, dass das Ding nur

Das war in dem Jahr, bevor er Wimbledon zum ers-

er nun, nach längerer Pause und einem Herzinfarkt

eine gewisse Haltbarkeit hat, und die ist abhän-

ten Mal gewonnen hat. Da hat er auch gegen mich

im Sommer 2012, wieder das Angebot erhielt, zu

gig von dem, was kommt.“

gespielt und natürlich gewonnen.“

dem Verein zurückkehren, mit dem er seine größten Erfolge feiern konnte: „Es gab von meiner Seite

Doch mit emotionalen Achterbahnfahrten kann

Als Neururer 1986 das Angebot des großen Horst

aus keine Forderung. Ich war wieder zu Hause.“

und will Neururer umgehen: „Das war mein Le-

Hrubesch bekommt, ihm als Co-Trainer bei Rot-

Der Stachel seines Abgangs 2005 sitzt schließlich

bensziel. Wenn man diesen Traum leben darf,

Weiß-Essen zu assistieren, zögert er keine Se-

immer noch tief: „Dass ich nach dem Abstieg vom

muss man wissen, dass es auch schlechte Träu-

kunde. Er hängt seinen Lehrerjob an den Nagel

VfL Bochum mein Amt zur Verfügung gestellt habe,

me gibt. Aber ich darf weiterträumen! Und ich

und verkauft beide Tennisschulen. Ob er auch

obwohl ich noch zwei Jahre einen Vertrag hatte,

träume heute noch davon, einmal die Schale in

ohne seinen liebsten Sport leben könnte? „Ich

war ein großer Fehler. Das hat nur mich betrof-

der Hand zu halten. Ich weiß, dass es fast uto-

schon, ganz alleine vielleicht. Aber meine Mit-

fen, da hat der VfL Bochum keinen Schaden erlit-

pisch ist, daran zu glauben, weil ich so lange wie

menschen mit mir dann nicht mehr. Dann werde

ten, weil mit Marcel Koller sofort jemand kam, der

möglich beim VfL Bochum bleiben will, nach Mög-

ich nämlich unausstehlich. Da trifft der Spruch

den Aufstieg geschafft hat. Für mich war es aber

lichkeit bis zum Karriereende. Da das Ziel auszu-

zu, dass ich die Fliegen beschimpfe, die gar

rein emotional das Schlimmste, was ich im Fußball

geben, Deutscher Meister zu werden, kommt einer

nicht an der Wand sind. Das Schlimmste, was ich

erlebt habe. Nur um glaubwürdig zu bleiben, nur

Utopie gleich. Aber den Traum darf man mit dem

habe, ist Urlaub. Das ist grauenhaft für mich.

um gradlinig zu bleiben, nur um nicht von seinem

VfL Bochum weiter haben! Und so lange ich den

Wenn ich von morgens bis abends Golf spielen

Wort, das man gegeben hat, nicht abzurücken. In

noch habe, mache ich weiter. Ohne ihn bin ich

kann, bin ich gerade noch zu ertragen, aber ich

einer Situation, in der es gar nicht nötig war, diese

auch nicht mehr ich.“ (jm)

könnte niemals mehr als eine Woche am Stück an

gewisse Engstirnigkeit an den Tag gelegt zu haben.

einem Ort sein, um Urlaub zu machen.“ Die „Har-

Das würde mir nicht noch einmal passieren.“

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06

NEUES VON BODO | www.bodoev.de | www.facebook.com/bodoev

bodo ist für Sie da montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr unter dieser zentralen Rufnummer: 0231 – 950 978 0 Mail: info@bodoev.de | Fax: 0231 – 950 978 20

Geschäftsleitung Tanja Walter verein@bodoev.de

Verwaltung Brigitte Cordes info@bodoev.de

Redaktion und Öffentlichkeitsarbeit

1, 2, 3 mal ausgebildet

Rund um den Nordmarkt

Der 10. Juli war für unsere Auszubildenden San-

Am 13. Juli führten Vilim Brezina von den Urba-

dra, Steffi und Julia – und natürlich für uns –

nisten e.V. und bodo-Redakteur Sebastian Sell-

ein Tag zum Feiern! Die mündlichen Prüfungen

horst durch das Quartier Nordmarkt der Dort-

zum Abschluss verließen alle drei mit zum Teil

munder Nordstadt.

herausragenden Noten und einem nie in Frage stehenden „bestanden“.

Über 50 TeilnehmerInnen nahmen an dem Rundgang mit der Überschrift „Zwei halbe Wahrheiten“

Sandra ist nun fertig ausgebildete Verkäuferin,

teil und ließen sich während der zweistündigen

Steffi hat die dreijährige Ausbildung zur Einzel-

Führung Orte zeigen, an denen die sozialen Brenn-

handelsverkäuferin abgeschlossen und Julia bleibt

punkte der Nordstadt in direktem Kontrast zu

nach großartigem Abschluss für ein drittes Ausbil-

spannenden Stadtteil-Projekten stehen.

dungsjahr bei uns.

Der Rundgang startete vor der Auslandsgesellschaft

Bastian Pütter

Mit unserer verbleibenden Auszubildenden Vanes-

Dortmund, vor der ein Mahnmal zum Gedenken der

redaktion@bodoev.de

sa sind nun zwei junge Mütter in unserem Buch-

Opfer der rechtsextremen Vereinigung „National-

projekt, denen mit dem innovativen Modell der

sozialistischer Untergrund“ eingeweiht wurde. Am

Berufsausbildung in Teilzeit hervorragende Per-

Bürgergarten „Kleine Heroldwiese“ stellten die

spektiven für den Einstieg in den Arbeitsmarkt

Urbanisten ein Gartenprojekt vor, das versucht,

offenstehen. Wir freuen uns auf mindestens noch

zusammen mit den Bürgern der umliegenden Wohn-

Vertrieb

ein Jahr mit den beiden und wünschen Sandra und

häuser die Nordstadt zu verschönern.

Oliver Philipp

Steffi alles erdenklich Gute!

vertrieb@bodoev.de

bodos Bücher

Nur wenige Meter weiter führte der Rundgang vor-

Vielleicht entdecken Sie bei Ihrem nächsten Be-

bei an der Mallinckrodtstraße, an der Zuwanderer

such in unserem Buchladen auch ein neues Ge-

ohne Arbeitserlaubnis unter widrigsten Bedingun-

sicht. Neue wie „alte“ Mitarbeiter freuen sich über

gen ihre Arbeitskraft an lokale Unternehmer an-

Ihre Buchspenden genau wie über Ihren Einkauf

bieten. Nach zwei Stunden endete die Führung am

bei uns, denn: Bücher schaffen Stellen.

Nordmarkt, wo in einer offenen Gesprächsrunde

Suzanne Präkelt

persönliche Erfahrungen der teilnehmenden Bür-

buch@bodoev.de

ger mit dem Viertel thematisiert wurden.

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bodos Bücher Online Gordon Smith basar@bodoev.de

Optik Meier Transporte und Sachspenden Brunhilde Dörscheln transport@bodoev.de

Oder Sie besuchen uns: Schwanenwall 36 – 38 | 44135 Dortmund Mo. bis Fr. 10 – 18 Uhr | Sa. 10 – 14 Uhr Stühmeyerstraße 33 | 44787 Bochum Mo., Mi. u. Fr. 14 – 17 Uhr

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MAIKES VERKÄUFERTAGEBUCH

biken für bodo

Bücher wiegen

Liebe bodo-Leser,

Am Sonntag, den 14. Juli fand bei Sonnenschein

Nach dem schönen Erfolg im Juni wiederholt unser

recht herzlichen Dank für den Kauf die-

und angenehmen Temperaturen die zweite Cha-

Buchladen am Schwanenwall die Aktion „Darf‘s

ser bodo-Zeitung. Nun viel Lesespaß.

rity-Motorrad „biken für bodo“ statt.

ein bisschen mehr sein“. An allen Samstagen im

Mehr als 50 TeilnehmerInnen trafen sich am Vereins-

August gibt es Urlaubslektüre zu Kilopreisen!

Ich bin froh, dass ich wieder zu Hause bin, nachdem heute Vormittag die Ver-

sitz von bodo und brachen am frühen Nachmittag in

„Auf großen Sonderflächen bieten wir gute, sau-

käuferversammlung stattfand. Und wer

sechs Gruppen mit je einem Tourguide auf ins Ober-

bere und oft neuwertige Bücher an, die wir sonst

nervt den restlichen Tag? Minka, mein

bergische Land. Der 160 km lange Rundkurs führte

auf Buchmärkten verkaufen“, sagt Buchhändlerin

Katzenmädchen. Naja, soll sie auch,

zurück zum Dortmunder Schwanenwall, wo nach

Suzanne Präkelt. „Das Angebot hat viele Menschen

denn Minka ist schon eine betagte

vierstündiger Fahrt Deftiges vom Grill und kalte Ge-

neugierig gemacht, einmal bei uns vorbeizuschau-

Dame mit ihren 18 Jahren.

tränke die Fahrerinnen und Fahrer erwarteten.

en. Eine tolle Gelegenheit, unsere Arbeit vorzustel-

Die Organisatoren von „biken für bodo“ wollten Geld für unsere Beratungsangebote sammeln und so spendete jeder Fahrer, aber auch viele Motor-

len.“ Der Buchladen ist auch eine Ausgabestelle des Straßenmagazins, im Stockwerk über dem Ladenlokal arbeitet die Redaktion am nächsten Heft.

Nun ist es wieder soweit beim Rewe in Kirchlinde. Dort wird das fünfjährige Bestehen gefeiert. Nicht nur, dass Rewe sein 100jähriges feiert. Unter anderem

radfreunde, die nicht teilnehmen konnten, Geld,

Aus Tausenden Büchern kann ausgewählt werden,

war neben verschiedenen Ständen auch

so dass großartige 1.800 Euro zusammenkamen.

an der Kasse wird mit einer richtigen Metzgerwaa-

der Rewe Showtruck mit seinen Aktio-

ge ausgewogen: 1,99 Euro pro angefangenes Kilo.

nen dabei. Ich kann nur eins sagen: Es

Die Gelegenheit, sich mit Balkon- oder Strand-

war schön.

Marcus Parzonka, geschäftsführender Gesellschafter der AS Antriebs- und Systemtechnik GmbH in Dortmund, hatte bereits vorher angekündigt, die Spendensumme zu verdoppeln und erhöhte am Abend ein weiteres Mal, um auf eine „runde Summe“ zu kommen, wie er sagte. bodo dankt Marcus Parzonka, Organisatorin Betty André, allen Mitfahrenden und allen Helfern herzlich! Wir freuen uns jetzt schon auf „biken für

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lektüre einzudecken: Eine ganze Palette Krimis, Romane, Reiseführer und hochwertige Bildbände haben die bodo-Auszubildenen ausgewählt.

Außerdem habe ich eine Weile Urlaub zu Hause gemacht. Andere machen Urlaub in Spanien, Mallorca oder sonst wo. Ich

Auch wochentags lohnt der Besuch am Schwanen-

mache auch Urlaub und wenn es zu Hau-

wall. 10.000 Bücher bis 50 Euro warten in den gut

se ist.

gefüllten Regalen. Die ganze Woche über kosten Bücher auf den Aktionsflächen nur zwei Euro.

Heute war ich etwas einkaufen, dann Krankenhausbesuch, dann Überschwemmungen ohne Ende. Die gehen langsam

bodo“, die Dritte.

zurück. Wo ich wohne, war erst afrikanische Hitze und heute stürmisches, ANZEIGE

nächtliches Unwetter in den Mittagsstunden mit mehr Überschwemmungen. Echt ätzend, sowas. Wird Zeit, dass ich ins Bett komme, trotz Sonnenschein um 21 Uhr. Tagsüber hatte es geregnet. Ein letzter Blick aus dem Fenster und was sehe ich: einen Regenbogen. Super! Nun wünsche ich Euch viel Freude mit dieser Zeitung und viel Spaß im Urlaub, Eure Bodoline Maike.

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08 REPORTAGE | von Bianka Boyke | Fotos: Daniel Sadrowski

Ein See für alle? Ein Blick auf das Naherholungsgebiet

„Das Gelände des Phoenix-Sees ist eine öffentliche Naherholungseinrichtung der Stadt Dortmund und dient im Rahmen dieser Satzung jedermann zur Erholung, Freizeitgestaltung und sportlichen Betätigung“, heißt es in § 1 der Satzung der Stadt Dortmund über den Phoenix-See. Was erst einmal gar nicht schlecht klingt, ist allerdings vielen weiteren Regeln unterworfen. Baden und Grillen sind verboten, Angeln und das Nutzen von Paddelbooten lediglich nicht gestattet. Wir wollten wissen: Wie sieht die Realität des Naherholungsgebiets Phoenix-See aus? Wer trifft sich hier, wer meidet den See? Und was kann, was muss sich noch ändern? bodo-Fotograf Daniel Sadrowski und bodo-Redakteurin Bianka Boyke haben sich mit Jürgen Evert zu einem Rundgang am Phoenix-See getroffen. Der Fotograf und freiberufliche Stadtplaner Evert beobachtet den Wandel hier schon lange und sorgte mit seinen Fotos, die den Kontrast zwischen den kostspieligen Bauwerken am Phoenix-See und den maroden Mehrfamilienhäusern in direkter Nachbarschaft zeigen, für Diskussionsstoff. Dennoch mag er das Naherholungsgebiet sehr gerne. Ich habe einen Parkplatz ganz nah am See gefunden und bin positiv überrascht, hier gar keinen Parkscheinautomaten füttern zu müssen. Sie merken: Ich gehöre nicht zu den regelmäßigen Phoenix-See-Gängern. Daniel und Jürgen Evert warten bereits am alten Konverter auf der Kulturinsel auf mich. Auch Daniel ist selten am See. „Wenn man hier grillen dürfte, wäre es für mich vielleicht interessant“, sagt er. Für mich müsste sich da schon mehr ändern. Denn wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin, möchten die rennen, hüpfen, springen, durchs Gebüsch streifen und Blumen pflücken. Und irgendwann müssen sie dann 8


09

Phoenix-See

auch mal ganz schnell auf die Toilette. Am Phoenix-See hingegen hieße es: Rennen – bis zum nächsten Gastronomen. Für einen entspannten Familienausflug mit kleinen Kindern ist der See damit wenig attraktiv. „Was gefällt Ihnen denn besonders gut am Naherholungsgebiet Phoenix-See?“, frage ich nun Jürgen Evert. „Natürlich interessiert mich der See vor allem als Fotograf. Der Strukturwandel rund um den See ist einfach sehr spannend. Und Wasser hat immer auch etwas von Urlaub und Erholung.“ Da geben Daniel und ich ihm natürlich recht.

Ω Jürgen Evert, Fotograf und freiberuflicher Stadtplaner.

Zwei Frauen gehen mit ihren Hunden an uns vorbei. Ich frage sie, was ihnen am See besonders gut gefällt. „Wir wohnen dort oben im Steinkühlerweg. Für einen kleinen Spaziergang gehen wir gelegentlich an den

∆ Freizeit mit eingeschränkter

See. Natürlich dürfen wir unsere Hunde hier nicht laufen lassen und kommen für große Spaziergänge deshalb

Freiheit: Naherholung am See ist

nicht hierher.“ Selbstverständlich ist es verboten, dass Hunde hier ihr „Geschäft“ erledigen, für den Notfall

vielen Regeln unterworfen.

soll es Tüten geben. „Aber die Tütenspender sind eigentlich immer leer“, sagt Michaela Bernd. Während der wenigen Minuten unseres Gesprächs laufen die beiden Hunde immer wieder unruhig zum Wasser, möchten den Enten am liebsten hinterherjagen. Zwar schlendern die beiden Frauen heute recht gemütlich durch die Sonne, müssen ihre Hunde dabei allerdings immer kurz an der Leine halten und sich einiges anhören: „Da, schon wieder ein Hund, der gleich hier hinkackt. Hunde sollten hier wirklich verboten werden“, höre auch ich eine Rentnerin und ihren Mann schimpfen. Und vielleicht auch noch Enten? Denn bei dem – zugegeben – sehr vielen Kot, der sich über große Flächen von Steg, Spazierweg und Wiese verteilt, handelt es sich um Entenkot. 9


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Für Michaela Bernd und ihre Freundin samt Hunden ist der See nur für kürzere Spaziergänge geeignet. „Und das auch nur unter der Woche“, ergänzen die beiden. „Am Wochenende ist es hier oft so voll, dass ich nicht mal vor meinem eigenen Haus auf der Terrasse sitzen möchte“, sagt Michaela Bernd. „Der Lärm zieht von hier unten dann richtig nach oben.“ „Das ist ein Problem – stimmt“, sagt Jürgen Evert. Der Hall müsse sich durch die Vegetation allerdings bald in Luft auflösen. Das Pflanzenwachstum dürfte auch dem Rentnerpärchen helfen, das auch über eine fehlende Bank im Schatten klagt. Ein paar Meter weiter hingegen genießt eine Gruppe von Mädchen auf einer Liegefläche die Sonne. „Wir chillen hier einfach ein bisschen. Ist ganz nett hier“, sagen sie cool. Aus sicherer Entfernung werden sie von ein paar Jungen beobachtet. Man präsentiert sich. Für das bekannte Spiel wären die Jugendlichen natürlich lieber unter sich. Gern gesehene Gäste scheinen Jugendliche dann auch nicht wirklich zu sein, denn die Satzung verbietet neben Blumenpflücken und dem Verlassen der Wege Modellflieger, ferngesteuerte Modellautos und auch den Aufenthalt „in einem erkennbaren Rauschzustand“. Weiter heißt es: „Ebenfalls untersagt sind ständig wiederkehrende ortsfeste Ansammlungen von Personen, von denen regelmäßige Störungen ausgehen.“ Ein offizieller Treffpunkt für Jugendliche ist folgerichtig nicht vorgesehen. Wir sehen junge Pärchen auf Inlineskates, Hausfrauen, die sich zum Walken verabredet haben. Es ist nicht voll am Phoenix-See, eher ein ruhiger Nachmittag. Dabei wäre der See ein Gewinn für das im Vergleich arme und kinderreiche Hörde. Der Anteil Jugendlicher und auch der von jungen Arbeitslosen und Kindern im SGB-II-Bezug liegt zum Teil deutlich über dem Stadtdurchschnitt, die Siedlung Clarenberg liegt in unmittelbarer Nähe zum See. Für wen das Projekt bisher sehr gut funktioniert? „Für Paare mit zwei Verdienern und ohne Kinder – auch als Wohnraum“, meint Evert. 10


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Wir gehen Richtung Hermannstraße. Jürgen Evert möchte uns ein bereits seit Langem leer stehendes Gebäude zeigen. Seine große Hoffnung: „Dass hier am See noch ein sozialer Mietwohnungsbau stattfindet.“ Wo das möglich wäre, zeigt Evert uns jetzt. Denn rund um den Phoenix-See gibt es tatsächlich noch immer zahlreiche Leerstände und auch Brachen, die sich sehr gut für eine solche Nutzung eignen würden. Wir fahren durch die Weingartenstraße und zum Remberg. Jürgen Evert zeigt uns, wo ehemalige Mieter aus ihren Häusern vertrieben wurden, um sie für neue Mieter umzubauen. Rückwände werden abgerissen, kleine Hausgemein-

Ω Für wen das Projekt bisher sehr

schaftsgärten durch größere Wohnungen und Balkone ersetzt. Und er zeigt uns auch eine große Fläche Grabeland,

gut funktioniert? „Für Paare mit

auf der seiner Meinung nach Platz für günstigen Wohnraum wäre. „Ich verstehe wirklich nicht, wie ein Bürgermeis-

zwei Verdienern und ohne Kinder“,

ter, der immerhin gelernter Stadtplaner ist, zu diesem Projekt sein okay gab und dadurch für diese Gentrifizierung

meint Evert.

sorgte. Gewinner und Verlierer des Strukturwandels treffen hier unmittelbar aufeinander, und die Polarisierung dieser Bevölkerungsgruppen trägt nun zu weiterer Benachteiligung und Stigmatisierung bei“, so Evert. Er wünscht

∆ Verlierer und Gewinner des

sich mehr Transparenz und Mitbestimmung: „Man muss schauen: Wer braucht was? Familien mit Kindern brauchen

Strukturwandels: Ehemalige

mehrere kleine Kinderzimmer statt eines riesigen Wohnbereichs, Ältere müssen barrierefrei wohnen.“

Mieter wurden aus ihren Häusern vertrieben, um sie für neue Mieter

Derzeit findet eine Privatisierung des Phoenix-Sees statt, obwohl die neue Stadtlandschaft mit öffentlichen

umzubauen.

Fördermitteln entstanden ist. Unser Fazit: Damit die öffentliche Naherholungseinrichtung wirklich jedermann zur Erholung, Freizeitgestaltung und sportlichen Betätigung dient, muss sich noch einiges ändern. Und bis es soweit ist, sollte ein großer Teil der Einnahmen, die die Stadt Dortmund durch den Phoenix-See hat, immer unmittelbar jenen zugute kommen, die vom See (noch) nicht profitieren – Kindern, Jugendlichen, Alten, Kranken, und damit zum Beispiel den Einrichtungen, die sich um jene kümmern. Bezahlt haben die das Naherholungsgebiet schließlich auch. (bb) 11


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RECHT | von Rechtsanwalt René Boyke

Darf man eine eBay-Auktion ohne Folgen vorzeitig beenden?

KULTUR | von Bastian Pütter | Foto: Daniel Sadrowski

Die Rheinische Straße 135:

Erst braun, jetzt bunt

Wer eine eBay-Auktion, auf die bereits Gebote

Dass heute ein Jugendzentrum mit städtischen Mitteln neu geschaffen wird, ist schon eine Sel-

abgegeben wurden, vorzeitig beendet, kann

tenheit. Der Fall des JKC an der Rheinischen Straße 135 hingegen ist einzigartig: Die „R135“ war

sich eine Menge Ärger einhandeln. Der Grund:

Zentrum der inzwischen verbotenen Neonazi-Kameradschaft „Nationaler Widerstand Dortmund“.

Die allgemeinen Geschäftsbedingungen von

Die Stadt kaufte das Haus und kündigte die Mietverträge. Im Erdgeschoss entstand das Jugend-

eBay. Diese sehen vor, dass bei Beendigung der

und Kulturcafé „JKC“, nach der nun beginnenden Sanierung zieht darüber das Respekt-Büro der

Auktion ein Kaufvertrag mit dem Höchstbieten-

Stadt mit seinem politischen Bildungsangebot ein. bodo sprach mit Niclas Meier (JKC) und Stefan

den besteht. Dabei spielt es grundsätzlich kei-

Woßmann (Respekt-Büro).

ne Rolle, wie die Auktion beendet wurde; also durch Zeitablauf oder vorzeitigen Abbruch. Die Folge: Der Käufer ist grundsätzlich verpflichtet, den Artikel gegen Zahlung des Höchstgebots herauszugeben. Falls der Verkäufer den Artikel nicht mehr herausgeben kann – etwa weil er diesen an eine andere Person verkauft und übergeben hat – muss er dem Höchstbietenden grundsätzlich Schadensersatz zahlen. Dessen Höhe beträgt häufig die Differenz zwischen dem tatsächlichen Wert des Artikels und der Höhe des Höchstgebots. Das können mehrere tausend Euro sein. Doch es gibt einige Ausnahmen von diesen Regeln. Über eine hatte das Landgericht Bochum zu entscheiden. Im vorliegenden Fall hatte der Verkäufer einen PKW (Wert: ca. 4.200 Euro) über eine ebay-Auktion zum Verkauf angeboten. Als das Höchstgebot bei lediglich einem Euro stand, beendete der Verkäufer die Auktion vorzeitig. Da dieser den PKW jedoch nicht hergab, verklagte ihn der Höchstbietende auf Übergabe des PKW gegen Zahlung des Höchstgebots bzw. auf Zahlung von Schadensersatz in Höhe von 4.199 Euro – und verlor die Klage. Das Gericht war der Ansicht, dass der „Verkäufer“ die Auktion ausnahmsweise vorzeitig beenden durfte, weil nach Beginn der Auktion ein Mangel am PKW auftauchte (defekte Klimaanlage). Das Gericht führte aus, dass dieser Umstand den Verkäufer nach den eBay-AGB berechtigte, die Auktion vorzeitig zu beenden und verwies ebenfalls auf ein Urteil des Bundesgerichtshof, in dem dieser für den Fall des Diebstahls der Auktionsware entschieden hatte, dass ein solcher einen Beendigungsgrund darstelle. Gleiches, so das Gericht, müsse aber auch gelten, wenn nach Start der Auktion an dem Artikel ein Fehler auftritt, der den Käufer zum Rücktritt vom Vertrag berechtigen würde. Der Fall zeigt einmal mehr, dass vor vorzeitiger Beendigung einer eBay-Auktion genau geprüft werden sollte, ob die Beendigung ohne Risiko

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möglich ist. (rb) www.kanzlei-boyke.de

„Zurzeit ist das eine halbe Baustelle“, entschul-

Sanierungsmaßnahmen und es wird klar, was er

digt sich Niclas Meier, dabei sieht das geräu-

meint: Neue Fenster, Decken, Böden, Toiletten,

mige Ladenlokal mit Kicker, Tischen und viel

ein Eingang an anderer Stelle – hier wird in den

Streetart und Graffiti an den Wänden gar nicht

kommenden Monaten kaum ein Stein auf dem

so aus. Dann erklärt Meier die anstehenden

anderen bleiben.


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WILDE KRÄUTER | von Wolfgang Kienast

wildkraeuter.bodo/32_maedesuess/ Eigentlich könnte die Wildkräuterkolum-

vor der Lese vielleicht angekündigt hat,

ne immer mit dem Wörtchen „eigentlich“

es könne mit einem ausgesprochen guten

beginnen. Es liegt an der Natur der Na-

Jahrgang gerechnet werden. Angeblich

tur, dass sie oft andere Sachen macht,

wollen die Kunden das so. Eine definierte

Eine Bühne wird das JKC zum Veranstaltungsort

als ich mir das denke. Eigentlich wollte

Marke. Demnach gehöre ich wahrschein-

machen, Durchbrüche werden die Wohnungen

ich Anfang Juni mit einigen Freunden

lich nicht in deren Kreise.

in den Obergeschossen an die Bedürfnisse des

einen Cocktail auf Weißdornblütenbasis

Respekt-Büros anpassen. „Jugendkultur unten,

genießen. Eine Woche vor dem verabre-

Jugendbildung oben“, fasst Stefan Woßmann

deten Datum schaute ich mir die Büsche

zusammen. „Das hier unten ist keine Jugendfrei-

noch mal an. Sah alles bestens aus. Dann

zeitstätte, sondern wir machen jugendkulturelle

kamen, vielleicht erinnern Sie sich, drei,

Angebote mit Impulsen und Ideen, die von den

vier heiße Tage mit starkem Wind, und

Jugendlichen kommen“, erklärt Niclas Meier. „Das

als ich ernten wollte, lagen alle Blüten

können HipHop-Abende, Rockkonzerte, Slams

auf dem Boden.

oder Lesungen sein.“ Oder wie zuletzt eine vier-

Zurück zum Mädesüß. Längst nicht so bekannt wie zum Beispiel Brennnessel oder Löwenzahn, haben Sie die an feuchten Stadtorten wachsende, auffällige Pflanze bestimmt schon einmal gesehen. Sie wird bis zu 150 cm hoch, besitzt zusammengesetzte Blätter mit bis zu fünf großen und kleinen Teilblattpaaren und einen

Eigentlich wollte ich in diesem Monat

puscheligen, schmutzig weißen Blüten-

über Rainfarn schreiben, da die Tem-

stand. Der riecht mandelartig und ausge-

peraturen aber wieder gefallen waren,

sprochen gut. Zu den Inhaltsstoffen der

nachdem sich die Sache mit dem Weiß-

Pflanze zählt unter anderem ein äthe-

dorn erledigt hatte, blühte der Rainfarn

risches Öl mit Vanillin. Angeblich ließ

bei Redaktionsschluss noch nicht, wes-

Königin Elisabeth I. die Blüten in ihre

wegen es heuer um Mädesüß geht. Mit

Gemächer streuen. Wenn man bedenkt,

dem Kraut habe ich im vergangenen Jahr

welchen Gerüchen selbst Königinnen im

experimentiert, es reicht also ein Griff

16. Jahrhundert ausgesetzt waren, eine

ins Archiv.

gute Idee.

ehemaligen „Nationalen Zentrum“. Sorge ange-

Eigentlich liegt darin ein Teil des Reizes

Mein Vorschlag wäre, aus den Blüten ei-

sichts dieser Altlasten? Niclas Meier: „Das Haus

der Wildkräuterküche. Man macht die

nen Sirup zu bereiten, der dem weitaus

steht allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Erfahrung, dass Essen tatsächlich etwas

populäreren Holunderblütensirup nicht

aus dem Quartier offen. Rassismus, Ausgrenzung

mit Natur zu tun hat. Sonst bekommt

nachsteht. Man kocht 2kg Zucker in 3l

und rechts- oder linksextreme politische Betä-

man das ja nur mittelbar über den Preis

Wasser auf, so dass eine klare Flüssigkeit

tigung werden wir nicht dulden.“ Das JKC wolle

zu spüren. Wenn, wie in diesem Jahr, das

entsteht, die man wieder abkühlen lässt.

durch sein Programm überzeugen. Angesichts des

Statistische Bundesamt in Wiesbaden

Dann gibt man 3 in Scheiben geschnitte-

bunten Profils, für das die Nutzer aus dem Viertel

verlautbaren lässt, die Kirschernte wür-

ne, unbehandelte Orangen zu, 40g gelös-

sorgten, sei das Haus für die Rechten wohl auch

de aufgrund des nasskalten Wetters zur

te Zitronensäure und, je nach Größe, bis

nicht mehr interessant.

Blütezeit mau ausfallen, darf man sicher

zu 20 Mädesüßblütenstände. Zugedeckt,

wöchige Malwerkstatt mit Jugendlichen aus dem Viertel. „Dafür haben wir im Stadtteil, in Schulen und z.B. beim Westparkfest geworben und hatten eine gute Resonanz. Inzwischen kennen viele das Haus. Die Tür ist offen und die Leute kommen von allein.“ Übrigens auch unliebsame Gäste. Zur Eröffnung erschienen die Mitglieder der verbotenen NaziKameradschaft und posierten für Fotos in ihrem

sein, tiefer ins Portemonnaie greifen zu

in einem großen Gefäß, lässt man alles

Direkt über dem JKC werden die hingegen Thema

müssen. Weil diese Unvorhersehbarkei-

eine Woche stehen, filtert ab und füllt

sein. Das bisher im Fritz-Henßler-Haus gegenüber

ten den Markt stören, wird seit langem

das Resultat in Flaschen.

von bodo ansässige Respekt-Büro macht Bildungs-

an einer Entkopplung gearbeitet. Längst

angebote, um Toleranz, Zivilcourage und interkul-

gibt es erdbeerfreien Erdbeerjoghurt,

tureller Kompetenz zu stärken sowie Rechtsextre-

der trotzdem nach Erdbeeren schmeckt.

mismus zu bekämpfen. Stefan Woßmann führt durch

Kaum jemand wundert sich, dass vie-

die Wohnungen und zeigt, wo bald Beratung für

le Weine Jahr für Jahr den selben Ge-

Lehrer, Eltern und Angehörige von Rechtsextremen

schmack haben, obwohl

stattfinden wird. Im zweiten Obergeschoss soll ein

das Statistische

Gruppenraum entstehen, in dem auch Schulklassen

Bundesamt

Der vielseitig verwendbare Sirup bildet auch die Basis eines erfrischenden Cocktails. Mischen Sie 2 Teile Sirup und 3 Teile trockenen Sekt, geben Sie ein wenig Campari zu, 2 Eiswürfel und eine Orangenscheibe zur Dekoration. (wk)

Platz haben. „Für uns ist es erst einmal nur ein Umzug in größere und besser nutzbare Räume“, sagt Woßmann. „Natürlich hat die Geschichte dieses Hauses auch Bezug zu unserer Arbeit, aber uns geht es um die Gegenwart und um die Zukunft. Wir arbeiten in den gleichen Feldern, in denen die Rechten versuchen, auf junge Menschen zu wirken. Wir setzen Rassismus und antidemokratischen Werte, unsere Arbeit entgegen.“ (bp)

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REPORTAGE | von Bianka Boyke | Fotos: Daniel Sadrowski · Dr. Birgit Rumpel

»Das war heute wieder ein wunderschöner Tag!« Zu Besuch bei der Tagespflege in Witten

Immer mehr Menschen kommen in ein Pfle-

gelähmt. Der Fahrdienst bringt sie bis zum Gar-

so viel trinken wie er möchte, doch viele ver-

geheim, wenn sie sich zu Hause nicht mehr

tentor. Dort nimmt Rebecca Mensah sie in Emp-

gessen das einfach, und darum machen wir auf

selbst versorgen können. Dabei würden die

fang. „Guten Morgen, Frau Starke“, sagt sie mit

jeden Fall drei Mal am Tag eine Getränkerun-

meisten lieber zu Hause leben, auch wenn sie

einem strahlenden Lächeln. „Ja, heute ist wirklich

de – neben den Getränken zu den Mahlzeiten.

alt, krank oder behindert sind. Die Tages-

ein richtig schöner Morgen“, sagt die 62jährige

Durch die festen Zeiten können wir den Gästen

pflege Witten unterstützt Angehörige, die

und bleibt noch einen Moment im schön angeleg-

Zeit zum Trinken geben und gleichzeitig die

ihre Lieben zu Hause pflegen und tageweise

ten Rosengarten, bis die nächsten Gäste kommen.

getrunkenen Mengen besser nachhalten, was

Entlastung brauchen. bodo-Redakteurin Bian-

„Jetzt muss ich Platz machen“, sagt sie.

bei einigen Krankheitsbildern sogar notwendig

ka Boyke und bodo-Fotograf Daniel Sadrowski besuchten die Einrichtung und stellten

ist“, erklärt Rebecca Mensah. 14 Gäste kommen heute in die Tagespflege. Die

glücklich fest, dass sie mit einem klassischen

einzelnen Tage können individuell gebucht wer-

Um Viertel nach neun sind alle heutigen Gäste

Altersheim so gar nichts gemein hat.

den. Betreut wird montags bis freitags von 8 bis

angekommen und es wird gemütlich gefrühstückt. Wer Hilfe braucht, dem wird geholfen – von den Angestellten oder auch den anderen Besuchern der Einrichtung. „Auch beim Basteln unterstützen sich die Gäste gegenseitig“, erzählt Rebecca Mensah. „Wir haben Besucher, die halbseitig gelähmt sind, und da unterstützen die Sitznachbarn sich wie selbstverständlich zum Beispiel beim Ausschneiden.“ Man spürt, dass es in der Tagespflege Witten stets ein höfliches Miteinander gibt. „Streit unter den Gästen gibt es eigentlich nie, und falls wir doch mal Besucher haben, die sich so gar nicht verstehen, versuchen wir, sie an unterschiedlichen Tagen zu empfangen oder – so gut es geht – zu trennen. Unsere Gäste sollen sich wohlfühlen, während sie bei uns sind und das Leben genießen.“ „Immer wieder kommt ein neuer Frühling, immer wieder kommt ein neuer März…“, beginnt Ramona Kabs zu singen. Mit dem gemeinsamen Singen des Tagesliedes wird das Frühstück jeden Morgen

Es ist 8 Uhr morgens. Die ersten Betreuungs-

16 Uhr und an jedem dritten Samstag des

beendet. Danach geht es heute in den Garten

gäste kommen gleich mit dem Fahrdienst oder

Monats von 9 bis 16 Uhr. Die Pflegefach- und

auf die Terrasse. Dort steht bereits für jeden

werden von ihren Angehörigen gebracht. Die

Betreuungskräfte arbeiten täglich zwischen

ein Stuhl bereit. „Die Markise ist noch gar nicht

Tagespflege Witten ist beliebt, das Einzugsgebiet

vier und sechs Stunden. Hinzu kommen eine

draußen“, bemerkt Gerlinde Starke. Doch jetzt,

dementsprechend groß. „Neben dem gesamten

Hauswirtschaftskraft und ein Praktikant. „Wir

um 10 Uhr, ist die Sonne noch nicht zu heiß.

Raum Witten kommen unsere Gäste auch aus

arbeiten in zwei Schichten, im Früh- und Spät-

Barbara Danch kommt und bringt einen großen

den angrenzenden Städten Wetter und Herdecke

dienst, um den Gästen einen abwechslungsrei-

Gymnastikball mit.

sowie aus Bochum-Langendreer und Dortmund-

chen, heiteren und aktiven Tag zu ermöglichen“,

Lütgendortmund“, sagt Leiterin Rebecca Mensah.

erklärt Rebecca Mensah.

Heute ist Gerlinde Starke die Erste. Sie sitzt nach

Noch vor dem Frühstück gibt es für alle erst

Gedächtnistraining, Kommunikation etc. Einige

einem Schlaganfall im Rollstuhl, ist linksseitig

einmal etwas zu trinken. „Natürlich kann jeder

Gäste bekommen zusätzliche Anwendungen wie

Jeden Tag gibt es unterschiedliche Angebote aus den Bereichen Bewegung, Kreativität,

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Logopädie und Ergotherapie direkt in der Ein-

„Jeder hatte mal ein Haustier, ist mit Hühnern

Uhr im Garten weitergeht. Nach der obligato-

richtung. Außerdem kommen regelmäßig Kin-

groß geworden oder erzählt einfach, welches

rischen Getränkerunde gibt es ein Gedächtnis-

dergartenkinder und auch ein Hund zu Besuch,

sein Lieblingstier ist“, erklärt Rebecca Mensah,

training – heute zum Thema Schwimmen. „Wir

und es gibt Mottowochen, wie etwa zuletzt das

warum so ein Kaninchenstall den Alltag der

wollen ins Schwimmbad gehen“, sagt Rebecca

Oktoberfest, mit unterschiedlichen Aktionen.

Gäste so sehr bereichert.

Mensah. „Was müssen wir denn dafür alles einpacken? Also ich packe schon mal meinen

„Und natürlich hatten wir alle Dirndl an“, lacht Rebecca Mensah.

Nach dem kleinen Spaziergang durch den Garten

Badeanzug ein“, sagt die 27jährige, greift in

folgt die tägliche Zeitungsrunde mit einer

die Luft und stopft den imaginären Badean-

Wittener Tageszeitung. Wie jeden Tag geht es

zug in den bunten Stoffbeutel, der auf ihren

zuerst ums Weltgeschehen. Die Gäste sollen

Knien liegt, und gibt ihn nach links weiter.

in die Realität geholt werden und tauen im

„Was packen denn Sie ein, Herr Müller?“ Kurzes

Gespräch richtig auf. Die aktuelle Hochwassersi-

Schweigen. Ein Tipp: „Nach dem Schwimmen

tuation in Deutschland beschäftigt alle. Susanne

wollen sie sich bestimmt abtrocknen.“ „Dann

Latton tritt zur eifrig diskutierenden Runde und

packe ich wohl lieber ein Handtuch ein“, sagt

berichtet von Freunden, die aus ihren Häusern

Herr Müller und lächelt. Weiter geht es bei

ausziehen mussten. Sie selbst kommt aus dem

Gerlinde Starke, die eine Taucherbrille ein-

sächsischen Döbeln.

packt. Die Zeit vergeht schnell. Es ist bereits 15.20: Kaffeezeit. Gemütlich geht es auch hier

12.15 Uhr: Mittagessen. An Tagen mit nicht

zu. Gegen Viertel vor vier lassen alle den Tag

so schönem Wetter werden die Mitbewohner

gemeinsam Revue passieren, und das Personal

am Kochen beteiligt. Da werden Kartoffeln

nimmt sich die Zeit, jeden einzelnen Gast mit

geschält, Gemüse klein geschnitten oder Soßen

einem Lächeln zu verabschieden.

„Spiele mache ich besonders gerne. Tanzen kann

angerührt. Doch so wird Gerlinde Starke heute

„Das war heute wieder ein wunderschöner

ich ja nicht mehr.“

überrascht. „Mein Lieblingsessen – dicke

Tag“, sagt Gerlinde Starke, und Rebecca

weiße Bohnen und zum Nachtisch Eis. Toll.“

Mensah freut sich: „Für meine Mitarbeiter und

Gemeinsam gehen wir jetzt durch den Sinnes-

Von jedem der Gäste wird eine „Essbiografie“

mich ist dies das schönste Lob und die größte

garten zum Kaninchenstall. Der wurde beim

geführt, sodass von jedem einzelnen die Lieb-

Motivation.“ (bb)

Frühlingsfest im April ganz feierlich eingeweiht.

lingsgerichte und bevorzugten Speisen gekocht

Viele der heutigen Gäste waren dabei, als die

werden können.

Leiterin Rebecca Mensah

Heute wird das Bewegungsangebot mit Gedächtnistraining kombiniert. Barbara Danch rollt Frau Adam den Ball zu. „Nun rollen Sie den Ball doch bitte zu Frau Schmidt.“ Einen Moment sitzt Frau Adam ganz ruhig da, schaut sich die einzelnen Gesichter an, überlegt. Ah. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, und sie rollt den Ball mit Schwung einmal quer über die Terrasse. „Sehr gut“, sagt Barbara Danch. Eine ganze Weile rollt der Ball immer wieder kreuz und quer über die Terrasse, bis jeder Tagesgast mehrmals dran war. Gerline Starke erzählt, dass ihr besonders die Zusammengehörigkeit in der Einrichtung gut gefällt. „Das ganze Personal ist sehr nett“, sagt sie und lächelt Susanne Latton an, ihre Lieblingsmitarbeiterin. Seit ihrem Schlaganfall vor drei Jahren kommt sie dreimal pro Woche zur Wittener Tagespflege. „Alles, was ich im Rollstuhl mitmachen kann, mache ich mit“, sagt sie.

beiden Zwergkaninchen auf die Namen Peter und

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Paula getauft wurden. Rebecca Mensah erinnert

Gegen 13 Uhr beginnt die Mittagsruhe. Einige

INFO

sich besonders gut an die 99jährige Dame, die

Tagespflegegäste ziehen sich in den mit Bet-

Familien- und Krankenpflege – Tagespflege gGmbH

regelmäßig zu Gast ist. „Sie hat die beiden ge-

ten ausgestatteten Ruheraum zurück, um ein

Tagespflegeeinrichtung Wullener Feld

streichelt und dabei richtig schön gestrahlt.“ Die

bisschen zu dösen, andere nutzen Einzel- oder

Telefon: 02302 – 707 68 30

Tiere sorgen immer für einen regen Austausch.

Gruppenangebote, bevor das Programm um 14

www.familien-krankenpflege-witten.de


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VERKÄUFERGESCHICHTEN | protokolliert von Sebastian Sellhorst| Foto: Sebastian Sellhorst

Gökkan aus Dortmund: Mit 14 haut Gökkan das erste Mal von zu Hause ab. Mit 21 nimmt er das erste Mal Heroin. Die darauf folgenden zehn Jahre lebt er auf der Straße, bei Freunden und in Wohngemeinschaften. Seit zwei Jahren ist der 31jährige wieder clean. Immer begleitet hat ihn seine

»Jetzt fange ich noch mal ganz von vorne an.«

Liebe zur Malerei. Wir haben Gökkan in Dortmund getroffen, wo er uns seine Geschichte erzählt und eins seiner Bilder gezeigt hat. „Meine Eltern sind in den 70er Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Geboren bin ich in Bad Friedrichshall, in der Nähe von Stuttgart, aber aufgewachsen bin ich in Valbert in Rheinland-Pfalz. Dort bin ich auch zur Grundschule und später zur Realschule gegangen. Mit meinen Eltern gab es immer viel Streit, so bin ich mit 14 von zu Hause abgehauen. Die Zeit danach habe ich entweder in Heimen oder auf der Straße verbracht. In Unna habe ich eine Lehre als Gestaltungstechnischer Assistent begonnen. Das hat auch anfangs sehr gut funktioniert, bis ich mich von meiner damaligen Freundin getrennt habe. Danach ging es mit mir bergab. Ich hing auf der Straße herum, lernte die falschen Leute kennen und nahm irgendwann zum ersten Mal Drogen. Damals noch völlig unwissend, was ich da eigentlich tat. Irgendwann klärte mich ein Freund auf und erzählte mir, dass das Zeug, das ich da rauchte, Heroin war. Aber da war es schon zu spät. Danach folgte eine sehr dunkle Zeit. Ich hab in unterschiedlichen Städten gelebt. Mal auf der Straße, in Wohneinrichtungen für Obdachlose oder bei Bekannten. Ich hatte auch mal eine eigene Wohnung, aber richtiges Wohnen war das nicht. Ich hatte nur eine Matratze und sonst nichts. Viele der Bilder, die ich vor meiner Sucht gemalt hatte, habe ich in der Zeit verkauft. Oft für viel zu wenig Geld, weil es schnell gehen musste. Drei Jahre meines Lebens habe ich wegen Beschaffungskriminalität im Gefängnis verbracht. Dort habe ich auch die Malerei meiner Jugend

ßende Therapie in Frankfurt begeben habe. Die

tigste ist, ich habe etwas zu tun. Anfangs dachte

wieder für mich entdeckt. Als ich zehn war, habe

Zeit dort war schwer, selbst Zucker oder Zigaret-

ich noch, bodo wäre das gleiche wie Betteln. Aber

ich auf den Rändern von Zeitungen Daumenkinos

ten waren dort verboten, aber ich bin froh, dass

mittlerweile merke ich, dass fast alle Leute die

gezeichnet, wenn ich kein Papier hatte. Im Ge-

ich durchgehalten habe. Seit zwei Jahren bin ich

bodo lesen. Jetzt schaue ich selbst rein, bevor

fängnis habe ich dann von Mithäftlingen Fotos

jetzt clean. Manchmal kommt es mir vor, als wäre

ich verkaufen gehe, und informiere die Leute dar-

ihrer Angehörigen abgezeichnet. So hatten sie

ich jetzt erst geboren worden.

über, was in der aktuellen Ausgabe steht.

um mir Kaffee und Zigaretten zu leisten, denn be-

Wenn du gerade aus der Therapie kommst, kein

Seit zwei Monaten habe ich nach einem langen

sucht hat mich in der Zeit niemand.

Geld hast und dann noch den ganzen Tag Leute

Jahr auf der Straße wieder eine eigene Wohnung.

Geschenke für ihre Familien und ich etwas Geld,

um dich herum, die noch Drogen nehmen, ist das

Mit ein bisschen Glück kann ich nächstes Jahr eine

Den Entschluss, mein Leben zu ändern, fasste ich,

ein großes Problem. Da kam bodo genau richtig.

Lehre als Lackierer anfangen. In meiner neuen

als ich eine schwere Thrombose bekam und mir

Seit Ende des letzten Jahres verkaufe ich jetzt

Wohnung habe ich auch wieder angefangen zu ma-

mein Arzt sagte, dass ich, wenn ich nichts un-

auf der Saarlandstraße vor dem Bioladen „Frucht-

len. Mein Traum wäre es, irgendwann mal meine

ternehme, mein Bein verlieren werde. Das war für

bare Erde“ in Dortmund das Straßenmagazin. So

Bilder in einer Galerie auszustellen. Vielleicht wäre

mich so ein Schock, dass ich mich relativ schnell

kann ich mir auch mal außerhalb der üblichen Ein-

ich heute schon so weit, hätte ich nicht zehn Jahre

danach in eine Entgiftung und eine anschlie-

richtungen einen Kaffee kaufen, und das Wich-

an die Drogen verloren.“ (sese)

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DER KOMMENTAR | von Bastian Pütter

Staatsräson

NEWS | von Frederik Gremler · Bastian Pütter

Museums-Abriss droht

Mahnmal in Dortmund

»Fehlsteuerungen«

Die Bekämpfung von Rassismus, Frem-

Erst sollte das Baukunstarchiv NRW

Ein Mahnmal erinnert in Dortmund

Ein mehrere Monate unter Ver-

denfeindlichkeit und Antisemitismus sei

rein, nun verschwindet das ehema-

an die Opfer des neonazistischen

schluss

Staatsräson, sagte NRW-Integrationsmi-

lige Museum am Ostwall wohl für

Terrors durch den Nationalsozia-

des Bundesrechnungshofes wirft

nister Guntram Schneider am Mahnmal für

Seniorenwohnungen. Der Rat der

listischen Untergrund (NSU). Die

der Bundesagentur für Arbeit vor,

Mehmet Kubasik und die anderen Mordop-

Stadt hat dem Verkauf zugestimmt.

Gedenkstätte befindet sich am

Langzeitarbeitslose weitgehend zu

fer des NSU in Dortmund. Schneider ist ein

Höchster Bieter zurzeit: ein In-

Hauptbahnhof, auf dem Vorplatz

ignorieren.

engagierter Kämpfer gegen Rechts, aber

vestor

Seniorenwohnungen.

der Auslandsgesellschaft. Ein paar

Der „Spiegel“ berichtet, in dem Be-

das Wort: ein Missverständnis.

Ab September könnte der neue

Meter weiter steht das frühere Ge-

richt sei von „Entwicklungen, die

Besitzer dann das Gebäude abrei-

stapo-Gefängnis Steinwache.

dem gesetzlichen Auftrag zuwider-

ßen. Vorher organisiert Tabu e.V.

Die Inschrift ist in einen etwa

laufen“ und von „Manipulationen“

noch eine letzte Ausstellung (sie-

zehn Meter langen Basaltstreifen

zur Verbesserung der Erfolgsbilanz

he Veranstaltungskalender). Über

eingraviert. Dort heißt es: „Wir

die Rede. Der Rechnungshof lege

3.500 Unterstützer haben bislang

sind bestürzt und beschämt, dass

„personalrechtliche“ und „straf-

online eine Petition für den Erhalt

diese terroristischen Gewalttaten

rechtliche Konsequenzen“ nahe.

des 1949 gebauten Gebäudes un-

über Jahre nicht als das erkannt

156 Arbeitsagenturen wurden stich-

terschrieben. Sie fordern die Auf-

wurden, was sie waren: Morde aus

probenartig drei Monate lang un-

hebung des Ratsbeschlusses und

Menschenverachtung. Wir sagen:

tersucht, „Fehlsteuerungen“ wur-

Staatsräson ist in Deutschland also man-

Denkmalschutz für das Gebäude.

Nie wieder!” Ein im Boden einge-

den in allen geprüften Agenturen

ches, der Kampf gegen Ideen vom noch stär-

Einem Verkauf soll die Politik nur

lassener Lichtstreifen verbindet

bemängelt. Bei mehr als der Hälfte

keren Staat ist es nicht. Täter entschlossen

zustimmen, wenn der Erhalt ge-

sie mit den Namen der Opfer, ihren

der Langzeitarbeitslosen sei in den

zu verfolgen, gegen deren Opfer entweder

sichert ist. Der Ratsentscheidung

Wohnorten und Daten ihrer Ermor-

drei Monaten kein Stellensuchlauf

der Staat selbst, naja, Vorbehalte hat oder

liegt eine Analyse zugrunde, die

dungen. Die Inschrift ist in allen

gemacht, zu knapp der Hälfte kein

zusätzlich sie auch gegen ihn, war in der

Verluste für das Baukunstarchiv

acht Städten mit Opfern des NSU-

Kontakt aufgenommen worden. Das

Bundesrepublik nie notwendig. Die Opfer

voraussagte. Der Bau müsste auch

Terors gleich. Ein peinlicher Fehler

Papier des Bundesrechnungshofs

von Rassisten und Rechtsterroristen waren

saniert werden. Für etwas Kosme-

– zwei Todesdaten waren falsch –

spricht von einer „diskriminieren-

nie „wichtig“ im Sinne des Staatserhalts,

tik vor dem Verkauf investierte

sorgte für Entsetzen.

den Vorgehensweise“. Die aktuellen

das staatliche Desinteresse also „rational“.

die Stadt angeblich schon 800.000

Am 13. Juli wurde das Mahnmal bei

Halbjahreszahlen zeigen darüber hi-

Euro. Für Unterstützer ist das erste

einer Gedenkfeier zu Ehren Mehmet

naus weiterhin große Probleme bei

Museum für Gegenwartskunst nach

Kubasiks eingeweiht. 2006 hatten

der Sanktions- und Leistungspraxis

dem Krieg von architektonischer

die Terroristen den 39jährigen Ku-

der Jobcenter auf: Fast jeder zwei-

und geschichtlicher Bedeutung für

basik in seinem Kiosk an der Mal-

ten Klage von Leistungsempfängern

Dortmund.

linckrodtstraße umgebracht.

wurde stattgegeben.

Raison d'etat, die Staatsvernunft, ist ein Konzept

der

Renaissance

(Machiavelli

und so), geschrieben und verwirklicht als Programm des Absolutismus: Die oberste Maxime staatlichen Handelns müsse die Sicherung seines Wohls, seiner Existenzbedingungen sein. Kurz: Staat geht vor. Vor Mensch, vor Recht etc.

Was Schneiders seltsamen Gebrauch des Begriffs so irritierend macht, ist, dass sie – die Staatsräson – zurzeit allgegenwärtig ist. Der Grundrechte aushebelnde MachtPragmatismus scheint „alternativlos“ – die

für

gegenwärtige Begründungsvokal der permanenten Selbstverteidigung des Staates. Ob bei der „Bewältigung“ der europäischen Krisen, beim Verwehren von Asyl (und sei es für Edward Snowden) oder beim flächendeckenden

Grundrechte-Kahlschlag

der Überwachung: Wir haben uns fast daran gewöhnt, dass zum Bankenretten oder Staatsfeinde-unschädlich-Machen Grundsätze von Demokratie und Recht einen Schritt zur Seite treten müssen: „Lassen Sie mich durch, ich bin Staat“. Ein Innenminister etwa, der ein „Supergrundrecht Sicherheit“ konstruiert, hat den Boden der Verfassung verlassen. Die Sicherheit, die er meint, ist eben nicht der individuelle Schutz z.B. vor den rassistischen Mördern des NSU. Staatsräson heute ist die Sicherheit des Staates vor seinen Bürgern. (bp)

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SKOTTS SEITENHIEB

gehaltener

Prüfbericht


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Martin Kaysh schreibt für die Arbeiterwohlfahrt

Irgendwo muss die AWO doch ein Plätzchen frei haben für Edward Snowden, den Robin Hood unter den Verrätern. Man weiß nicht - diese Kolumne soll einen Monat halten - ob er Ende August noch in Moskau sitzt oder ob er schon auf dem Weg nach Guantanamo ist. Wobei die USA ihn wahrscheinlich lieber zum Mond schießen möchten. Dann doch lieber AWO-Seniorenzentrum Lünen-Brambauer! Ich komme darauf wegen Erich Honecker. Den wollte damals auch keiner, bis er bei einem evangelischen Pfarrer in der Dachkammer landete. Mit Vergleichen soll man vorsichtig sein. Aber hier liegt er so nahe. Natürlich sind die USA nicht die DDR. Nur sind sich Geheimdienste ähnlicher, als ihnen lieb ist. Sie wollen alles, nein: ALLES wissen. Bei der Stasi wurden knackende Telefonleitungen noch persönlich abgehört und handgeschriebene Briefe über Wasserdampf geöffnet. Techniken, die heute kein Agent mehr beherrscht. Weshalb Systemfeinden und Kritikern auch dringend geraten wird, nur noch offen per Ansichtskarte zu kommunizieren oder ruhrpotttypisch per Brieftaube. Diese Flugbewegungen dürfte nicht mal mehr der rumänische Geheimdienst gespeichert haben. Mal ein Tipp für NSA und Co. Statt Trilliarden von elektronischen Daten zu horten, reichten oft ein paar Stichworte, Hashtags genannt, aus der realen Welt. #Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland, #Hunger in Afrika und #Arbeitsbedingungen in asiatischen Textilfabriken könnten möglicher Weise Demokratie und Weltfrieden stärker gefährden als elektronische Nachrichten, die zufällig böse Wörter enthalten. Egal. Aus den Ferien auf Mallorca würde ich Edward Snowden gern eine Ansichtskarte schicken. Und dann schreibe ich noch eine Email, in der es um Terror und Taliban, Merkel und „rumms!“ geht. Dann können sich NSA und BND ausführlich mit dem Empfänger beschäftigen. Seine Adresse: Martin information@bundesnachrichtendienst.de.

Kaysh (Geierabend) schreibt jeden Monat in bodo für die AWO.

– umsonst und draußen – umsonst und draußen – umsonst und draußen –

Der „GEIERABEND“

am Samstag, 14. September 2013 ab 19.00 Uhr auf dem Markt in SOEST beim AWO Familienfest Unterbezirk Dortmund

Unterbezirk Ruhr-Mitte

Unterbezirk Unna

Klosterstraße 8 -10 44135 Dortmund 0231- 99 340

Bleichstr. 8 44787 Bochum 0234 - 96 47 70

Unnaer Straße 29a 59174 Kamen 02307- 91 22 10

www.awo-ww.de

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KINOTIPP | von endstation.kino

NETZWELT | von Frederik Gremler

endstation.kino & bodo präsentieren: Endstation.Open Air Hinterhofkino im Hochsommer An fünf Samstagen im August lädt das Endstation Kino dazu ein, in lockerer Atmosphäre eine Auswahl an den momentan entspanntesten Filmen unter freiem Himmel zu erleben. Eröffnet wird die Saison am 3.8. mit Nicolas Winding Refns Drive. Der Film erzählt

Soziales, Kultur, Politik – Jeden Monat stellt bodo ein Online-Projekt vor, das die Welt ein bisschen besser macht:

www.slaveryfootprint.org „Wie viele Sklaven arbeiten für dich?“ – Wer denkt, dass es Sklaverei in einer modernen Welt nicht gibt, den wird die kalifornische Website slaveryfootprint.org

von einem Stuntman, der nachts als Fahrer

schockieren. Mit ein paar Klicks berechnet sie, wie viel Zwangsarbeit hinter Klei-

von Fluchtfahrzeugen bewaffneter Einbrü-

dung, Alltagstechnologie, Essen oder Hygieneprodukten steckt. Zwischendurch

che arbeitet, bis er eines Tages seine neue

füttert sie den Nutzer noch mit Fakten wie „250.000 Kinder leben und arbeiten

Nachbarin Irene kennenlernt und sich in sie

in pakistanischen Ziegelöfen in kompletter sozialer Isolation.“

verliebt.

Das Design der Seite bleibt dabei beunruhigend niedlich. Und vermutlich soll ge-

Am 10.8. ist der Abräumer des Deutschen

nau das auf das Alltagsleben der Benutzer verweisen: Heile Welt auf den ersten

Filmpreises, Oh Boy zu sehen. Niko lebt in

Blick, aber dahinter lauert mehr. Nach Ende der Eingabe prangt in roten Lettern

Berlin in den Tag hinein, nachdem er sein

die Anzahl der „eigenen“ Sklaven – und darüber hinaus: „Erfahre, wer sie sind

Studium abgebrochen hat. Doch dann geht

und wie du ihnen helfen kannst.“

eines Tages alles schief, und noch dazu

Nach dem Registrieren können die Nutzer Firmen vorformulierte Mails schreiben, sich in Gruppen zusammenfinden, für lokale Freiwilligenarbeit bereitstellen und

scheint es in der Stadt keinen „normalen“ Kaffee mehr zu geben.

natürlich spenden. Begleitend ist auch eine „Free World App“ verfügbar. Zudem

Am 17.8. folgt mit Fraktus ein Film, der sich

soll in Zukunft das Siegel „Made In A Free World“ Produkte ohne Zwangsarbeit

mit den Erfindern des Techno beschäftigt.

kennzeichnen.

Nachdem die Band vor über 25 Jahren im

Die Seite gründeten 2011 das „Büro Menschenhandel“ des amerikanischen Außenministeriums und die Nonprofit-Organisation „Call+Response“. Initiator ist Justin Dillon. „Die größte Macht haben wir im Moment nicht unbedingt in unserem Portemonnaie, sondern durch Social Media“, erklärte der Aktivist. Slavery

Streit auseinander gegangen ist, spürt die Dokumentation die ehemaligen Mitglieder auf, und Fraktus gehen sogar wieder gemeinsam ins Studio.

Footprints Zweck sei, ein Bewusstsein für die tägliche unsichtbare Ausbeutung

Das Haus- und Hof-Filmfestival des Endstati-

zu schaffen, auf der unser Lebensstil gründet, und konkrete Hilfe für die Be-

on Kinos, blicke, präsentiert am 24.8. Kurz-

troffenen anzustoßen. Für die Website untersuchten er und sein Team über 400 Produkte des Alltagslebens auf moderne Sklavenarbeit.

filme zum Thema „Stadtinterventionen“. Am letzten Samstag im August (31.8.) ist dann der Klassiker Casablanca zu sehen.

Schon jetzt ist die Seite eine Erfolgsgeschichte – auch durch Social Media. 56.000 Mal teilten „Sklavenhalter“

Jeden Samstag im August,

rund um den Globus die Seite im ersten Monat, 60 Milli-

21.00 Uhr bzw. bei Einbruch der Dunkelheit

onen Menschen sollen in den Medien schon auf Slavery Justin Dillon

Footprint gestoßen sein. Sogar Barack Obama empfahl

Endstation Kino im Bahnhof Langendreer

die preisgekrönte Website. (Frederik Gremler)

Wallbaumweg 108, 44894 Bochum Telefon 0234 – 68 71 620 www.endstation-kino.de

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VERANSTALTUNGEN AUGUST 2013 | VERLOSUNGEN | CD-TIPPS zusammengestellt von Petra von Randow

21

RuhrHochDeutsch Kabarett- und Comedy-Festival Im August mit Lioba Albus, Werner Schneyder, Robert Kreis, Sascha Korf, Björn Jung, Uta Rotermund, Stoppok, Ape & Feuerstein, NightWash Live, Konrad Beikircher, Simone Fleck, Bruno Knust, Thomas Freitag, Jochen Busse u.v.m. 1. August bis 13. Oktober Spiegelzelt am Steinernen Turm, Dortmund bodo verlost 3 x 2 Karten für „HerzDame sticht“ mit Lioba Albus & Christoph Nitz am 28. August um 20 Uhr

Auch diesmal gibt es wieder Karten für tolle Veranstaltungen zu gewinnen. Senden Sie uns eine Email mit dem Betreff „bodo-Verlosung“ und der Angabe Ihres Wunschgewinns an: redaktion@bodoev.de Oder schicken Sie uns eine frankierte Postkarte mit Ihrem Wunsch, Absender und Telefonnummer an: bodo e.V., Schwanenwall 36 – 38, 44135 Dortmund Unter allen Emails und eingesandten Postkarten entscheidet das Losverfahren. Alle Gewinner werden rechtzeitig telefonisch oder per Email benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss für Veranstaltungen ist jeweils zwei Werktage vor dem Termin. Einsendeschluss für terminunabhängige Verlosungen ist der 25.08.2013 03. – 31.08. | Endstation.Open Air | endstation.kino, Bochum | 1 x 2 Karten, freie Wahl aus dem Programm 14.08. | Agnostic Front | Bahnhof Langendreer, Bochum | 2 x 2 Karten 27.08. | Listener | FZW, Dortmund | 2 x 2 Karten 28.08. | HerzDame sticht | Spiegelzelt am Steinernen Turm, Dortmund | 3 x 2 Karten 31.08. | Senay Duzcu | Zauberkasten, Bochum | 3 x 2 Karten Viel Glück, wünscht Ihr bodo-Team!

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22 VERANSTALTUNGEN AUGUST 2013

DO 01 | 08 | 13 Film | Fiege KinoOpenAir: Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger Der nach einem Schwimmbad benannte Piscine Militor Patel, kurz Pi, wächst in Pondicherry, Indien, auf 01 – 09 | 08 | 13 Die Verwechslung – Trinkhallen-Tour-Ruhr

02 – 11 | 08 | 13 Cranger Kirmes

ren Sturm. Seine Eltern und sein Bruder ertrinken. Nur Pi

gnügen noch Selbstironie scheut.' Die Serie ,Wegweiser

und eine große Portion Spaß. Mit 500 Schaustellern

kann sich in ein Rettungsboot retten. Doch er ist nicht

zum Glück' ist eindrucksvolles Dokument eines Viertels

begeistert die Cranger Kirmes auch regelmäßig Besu-

allein. Richard Parker, der Tiger des Zoos, hat sich dort

in Dortmund, das prototypisch für den Zeitabschnitt der

cher aus ganz Deutschland und zieht Menschen aus

ebenfalls verkrochen. Der Einlass erfolgt ab 20 Uhr, der

beginnenden 80er Jahre im Ruhrgebiet gesehen werden

den angrenzenden Ländern an. Von Kirmesnostalgie

Film beginnt bei Sonnenuntergang. Das ganze Programm

kann.“ (bodo 3/13). Die preisgekrönte Ausstellung ist

und Nervenkitzel über klassische Kirmesverpflegung

des Fiege-Kino-Open-Airs gibt es unter www.fiegekino.de.

noch bis zum 17.8. donnerstags und freitags von 15 – 19

und gemütliche Biergärten bis hin zu rasanten Fahrten

Innenhof der Fiege-Brauerei, Bochum, 20 Uhr

Uhr und samstags von 9 – 12 Uhr im „Haus 328“ an der

durch Loopings oder Dunkelheit ist die Cranger Kirmes

Martener Str. 328 zu sehen.

ein riesengroßer Spaß. Aktuelle Informationen gibt es

und muss – gerade als er sich verliebt hat – mit seiner Familie und ihrem Zoo nach Montreal, Kanada, auswandern. Das Schiff sinkt auf der Passage nach einem schwe-

Film | Filmschauplatz Herne: Oh Boy Bereits zum viertel Mal beteiligt sich Herne an den von der Film- und Medienstiftung NRW koordinierten FilmFestival, in diesem Jahr laden die Flottmann-Hallen erstmalig auf ihr schönes Außengelände. Ab 20 Uhr

unter www.cranger-kirmes.de.

DO 01 – FR 09 | 08 | 13 Musik | Die Verwechslung – Trinkhallen-Tour-Ruhr Das Trio „Die Verwechslung“ improvisiert zeitgenössi-

SA 03 | 08 | 13 Mischmasch | Hallo, Nachbar!

spielen Tommy Klapper & Band. Mit Einbruch der Dunkel-

sche Musik in einer aus dem Straßenbild des Ruhrgebiets

Am Samstag, 3. August 2013, haben Bochumer zum

heit beginnt der Open-Air-Filmabend mit einem von der

nicht wegzudenkenden Institution – der Trinkhalle. Bei

zweiten Mal die Möglichkeit, unter dem Titel „Hal-

Filmstiftung ausgewählten Kurzfilm, anschließend steht

ihrer diesjährigen Tour werden die Musiker von achtzehn

lo, Nachbar!“ einen Urlaubstag in ihrer eigenen Stadt

der mit 6 Lolas vom Deutschen Filmpreis 2013 ausge-

Gästen verschiedener Kunstrichtungen unterstützt. Die

zu verbringen. Wer z.B. einmal hinter die Kulissen von

zeichnete Schwarz-Weiß-Film von Regiedebütant Jan Ole

Trinkhallen-Tour-Ruhr ist eine auf 15 Aktionen im Jahr

Starlight Express schauen möchte oder auf Peter Neu-

Gerster auf dem Programm: Oh Boy. Der Eintritt ist frei.

2013 ausgelegte Konzertreihe. Frei improvisierte Musik

rurers Trainerstuhl Platz nehmen will, darf sich ange-

Außengelände Flottmann-Hallen, Herne, 21.30 Uhr

und performative Kunst werden dabei in einen eigent-

sprochen fühlen. Das limitierte Angebot beinhaltet eine

lich nicht kunstorientierten, sehr wohl jedoch kultu-

Übernachtung in einem Bochumer Hotel, ein exklusives

Ausstellung | Wilhelm Schürmann – Wegweiser zum Glück

rell konzipierten Raum transferiert, um eingefahrene

Kultur- und Besichtigungsprogramm, ein Bogestra-Kom-

Wilhelm Schürmann, bis 2011 Professor für Fotografie

soziokulturelle Strukturen aufzubrechen und ein neues

biticket sowie ein Abendprogramm mit Ben Redelings

in Aachen, lebte 18 Jahre in seinem Elternhaus in der

Bewusstsein für die lebendige künstlerische Szene des

in der rewirpower-Lounge. Es sind verschiedene Pakete

Steinhammerstraße in Dortmund-Marten. Bei späteren

Ruhrgebiets zu schaffen. U.a. werden die Künstler am

buchbar. Alle Informationen zur Veranstaltung gibt es

Besuchen entstanden ca. 2000 Schwarzweißnegative,

2.8. in Dortmund und am 5.8. in Bochum zu sehen sein.

unter www.bochum-tourismus.de.

aus denen diese weitgereiste Sammlung (zuletzt in Salz-

Aktuelle Informationen zu allen Veranstaltungen gibt es

burg zu sehen) entstand. „Schürmann beschreibt sowohl

unter: www.trinkhallen-tour-ruhr.de.

Jaqee, Joe Driscoll & Sekou Kouyaté

den privaten als auch den öffentlichen Raum und zeigt uns die Menschen, die dort leben. So definiert er, wie sie ihr Miteinander gestalten und erzählt die Geschichte der Straße und ihrer Bewohner. Im Buch heißt es treffend

Musik | Funkhaus Europa Odyssee:

FR 02 – SO 11 | 08 | 13 Kirmes | Cranger Kirmes

On the Road an der Ruhr, umsonst & draußen, Teil drei: Die Weltenbummlerin Jaqee lebte in Uganda und Schweden, bevor sie in Berlin Fuß fasste und stilsicher im Lauf

dazu: ,Unmittelbar kommt seine eloquente Bildsprache

Die Cranger Kirmes begeistert jedes Jahr bis zu 4 Milli-

ihrer Karriere ihren Sound zwischen Reggae, Soul, R‘n‘B

zum Vorschein, die einfühlsam, klischeefrei und offen

onen Besucher. Auf über 50 Fahr- und Laufgeschäften

und Jazz fand. Nach vielen Konzerten in Europa und

für sinnstiftende Konstellationen ist und weder Ver-

erwartet die Besucher Nervenkitzel, Geschwindigkeit

Südafrika überzeugte sie mit ihrem neuen wunderschö-

CD-TIPP

LA BRASS BANDA | Europa (Europa / Sony Music)

22

Diese Band(e) aus Bayern ist wohl einer der außergewöhnlichsten Musik-Acts, die es zur Zeit in Deutschland gibt. Fünf Musiker aus völlig unterschiedlichen Szenen haben sich vor gut fünf Jahren nach dem Vorbild afroamerikanischer Brassbands zusammengetan, um mit Trompete, Posaune, Tuba, Bass und Schlagzeug einen originellen, musikalischen Orkan zu starten mit der Prämisse: „Wir haben absichtlich alle Harmonieinstrumente weggelassen. Jazz muss laut und lustig sein!“ Und was LaBrassBanda da abfeiert, geht ab wie Schmitz Katze und ist dabei noch erstaunlich abwechslungsreich. Prägnante Bläser massiv unterstützt von einer starken Rhythmusgruppe lassen sich aber mal so gar nicht stilistisch in eine einzige Schublade stecken: Balkan-Beats, Jazz-Funk, Reggae, Ska, Indie, Folk bis hin zu einer Impression von Natur-Techno und Elektro-Pop, die durch die manchmal äußerst deepen und fetten Bass(ent)ladungen entsteht. Und dann ist da auch noch der Gesang, in feistestem bayerisch, der erstaunlicherweise nicht regional volkstümlich rüberkommt, sondern eher international weltoffen, gerade weil man die Worte nicht immer alle versteht – ein erstaunliches Phänomen. Klar kann solche Musik, die fast immer voll nach vorne geht, auch schon mal etwas nerven. Aber LaBrassBanda machen eben Abgehmusik, die in erster Linie zum Tanzen anregen und Spaß bereiten soll – und das gelingt ihnen par excellence. Und live sind die Jungs sowieso schon einmal ein (Natur-)Ereignis. Zu überprüfen übrigens am 24.8. beim Zeltfestival Ruhr in Bochum. (BvR)


03 | 08 | 13 DJ Picknick: Klaus Fiehe

03 | 08 | 13 Funkhaus Europa Odyssee: Jaqee

03 | 08 | 13 Hallo, Nachbar!

nen Album „Yes I am“. Für ein Opening de luxe sorgen

ge, durchtanzte Nacht in bester Cosmo-Tradition. Wer

es auch noch ein bisschen Fußball. Der Ball rollt wieder,

an diesem Konzertabend Joe Driscoll, Rapper aus New

früh kommt, wird belohnt: Bis 23 Uhr ist der Eintritt

und neben gegrillten Köstlichkeiten zeigt die Hafen-

York, und Sekou Kouyaté, Kora-Virtuose aus Conakry.

frei. Zutritt ab 21 Jahren.

schänke die 1. Hauptrunde des DFB-Pokals.

Das ungewöhnliche Duo fand in Marseille zusammen und

Großmarktschänke, Dortmund, 22 Uhr

subrosa, Dortmund, 15.30 Uhr

erprobt seitdem einen überzeugenden neuen Mix aus Afrofolk und Reggae mit Hiphop, der in die Beine geht. Freilichtbühne, Wattenscheid, 19.30 Uhr

Essen und Trinken | (Bring your own) BBQ! „No Service“ heißt es heute auf der hübschen AußenTerrasse der Hafenschänke „subrosa“: Zwar hat man

Musik | Star Rock Universe

SO 04 | 08 | 13 Wissenschaft und Technik | Holografie

alles da, was so zum Grillen gebraucht wird, und es

Tagtäglich begegnen uns Holografien auf Scheck- und

Amy Winehouse, David Bowie, Supertramp und viele an-

können ebenso rohe Fleischwaren an der Theke erwor-

Kreditkarten, auf Zifferblättern von Armbanduhren und

dere geben dabei den Ton an, wenn einer der bekanntes-

ben werden, doch das war‘s dann auch schon – und

selbst auf Süßigkeiten. Eine raffinierte Aufnahmeappa-

ten Sternsäle Europas zum Erlebnisraum für Musik und

selbst ist der Gast. Das schlägt sich – anders als bei

ratur gibt Gegenstände auf scheinbar wundersame Wei-

Phantasiewelten wird. Legendäres, aber auch Überra-

den Getränken, die weiterhin am Platz serviert werden

se in 3D wieder. 1948 durch den ungarisch-englischen

schendes und Neuartiges aus der Musikgeschichte der

– natürlich auf den Preis nieder. Die noch günstigere

Physiker und späteren Nobelpreisträger Dennis Gábor

letzten 30 Jahre ist in dieser Show verwoben zu einem

Variante ist jedoch, das Grillgut gleich selbst vom ei-

erfunden und durch die Entdeckung des Laser-Lichtes

fliegenden Klangteppich für Jung und Alt. Zu Led Zep-

genen Metzger zu holen und mitzubringen. Praktische

1960 in den USA vervollkommnet, verblüfft die Holo-

pelins „Stairway to Heaven“ steigen die Besucher auf in

Sache das, vor allem, wenn man bedenkt, was einem so

grafie durch das Verwirrspiel von Schein und Sein. Als

das geheimnisvolle Schwarz der kosmischen Nacht. Auf

an ekeliger Reinigungsprozedur erspart bleibt. Also, nix

einzige öffentliche Einrichtung in ganz Europa bietet

einem fremden Planeten liegt Phil Collins‘ „In the Air

wie hin – die Parole lautet: „Mach‘s dir selbst“ – oder

die DASA nun allen Interessierten (ab 14 Jahren) die

Tonight“ in der Luft, und zu den Klängen der britischen

eben sogar „Bring your own BBQ“! Ganz nebenbei gibt

Möglichkeit, innerhalb von zwei Stunden selbst eine

Rockband Muse geht es auf einen turbulenten Ritt durch ANZEIGE

ein fernes Sternenmeer. Aus der Produktionsschmiede des Zeiss-Planetariums Jena kommt dieses neue Werk für alle Musikfreunde zwischen 8 und 88, die Lust haben, auf eine wilde Reise durch das Universum aufzubrechen. Planetarium, Bochum, 19.30 Uhr (auch 10.08., 21 Uhr, 21. & 31.08., 19.30 Uhr) DJ Picknick | DJ Dash, MadGreen und Klaus Fiehe Auch im August erobern die Summersounds die Dortmunder Parks mit relaxten Klängen hochkarätiger DJs. So auch am 03.08. mit dem Besten, was das Ruhrgebiet

g n u sch e

Gen

in e m au

i r f Er

in Sachen Drum‘n‘Bass, Trip Hop und Dubstep zu bieten hat: Dj Dash, MadGreen (Dub‘l Trouble) und Klaus Fiehe (1Live Fiehe) werden ihre musikalische Version eines entspannten, chilligen Sommersamstags im Revierpark Wischlingen zum Besten geben und ihr Gespür für die Crowd einmal mehr unter Beweis stellen. Zudem kann man sich beim Speedminton, Speedstacking oder Wickinger-Schach verausgaben. Der Eintritt ist frei. Ausführliche Informationen zu allen Veranstaltungen gibt es unter www.djpicknick.de. Revierpark Wischlingen, Dortmund, ab 14 Uhr Party | Cosmotopia Sause Die Cosmotopia Sause am ersten Samstag ist einer der Pflichttermine in der Dortmunder Großmarktschänke.

r. sse a er W 21.de s n U .dew w ww

Zum monatlichen Teppichtanz stehen dieses Mal das Funk Fatal DJ-Team, DJ Martini und der Radius an den Plattentellern. Gemeinsam lassen sie einen wilden Mix aus 60ties Funk‘n‘Soul, Rare Gooves, Beat & Swing auf die Tanzfläche purzeln. Ein sicherer Garant für eine lan-

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24 VERANSTALTUNGEN AUGUST 2013

Holografie herzustellen. Wer möchte, kann sein Lieblingsobjekt zur Ablichtung mitbringen. Es sollte etwa die Größe einer Handfläche haben und aus hartem Material sein. Eine Anmeldung ist erforderlich (Infos unter: www.dasa-dortmund.de). DASA, Dortmund, 11-13 Uhr

DI 06 | 08 | 13 Salongeschichten | Das Leben in der Bronzezeit Der Gebrauch des ersten Metalls wirft verschiedene

07 | 08 | 13 C. Heiland

09 | 08 | 13 Ozan & Tunç

DO 08 | 08 | 13

Ketten und in die Bäume gehängt werden, dann ist

Theater | Antagon TheaterAKTion: Ginkgo

Lichterfest im Westfalenpark. Das Sommer-Open-AirHighlight in Dortmund fasziniert jedes Jahr von neu-

Fragen auf. Woher kam es? Wer entdeckte die Verarbei-

In der eindrucksvollen Großproduktion „Ginkgo“ wird der

em mit Musik, Spaß, Licht, Feuer und verzaubert den

tung? Wie veränderten die Metallobjekte das Leben der

gleichnamige Baum als Zeichen der Hoffnung zur Vorlage

Park für einen ganzen Abend. Auf der Open-Air-Bühne

Menschen? Zahlreiche Bronzeobjekte des Museums wie

für eine gigantische Bühnenbildkulisse. Das Ensemble aus

werden in diesem Jahr BillyBoyz meetz Katze, Glasper-

Schmuck, Arbeitsgeräte und Waffen geben Auskunft

Frankfurt setzt sich wie kein anderes mit gesellschaftspo-

lenspiel und Tim Bendzko & Band erwartet. Um 21 und

über die Lebensumstände der damaligen Zeit. Die „Sa-

litischen Fragen auseinander und erzählt eine fesselnde

21.30 Uhr werden zwei kurze Kinderfeuerwerke speziell

longeschichten“ sind ein offener Treff. Das Programm

Geschichte untermalt von pyrotechnischen, artistischen

für die jungen Gäste auf der Wiese oberhalb des Son-

beginnt mit der Vorstellung des Themas im „Bremer

und musikalischen Effekten. Der Eintritt ist frei.

nensegels inszeniert, bevor dann später am Abend das

Saal“, dem „Salon“ des Museums. Im Anschluss bieten

Platz der Kulturen, Unna, 21.30 Uhr

eigentliche Feuerwerk-Highlight über der Buschmüh-

eine Führung und Gespräche Interessantes zur Kunst und Geschichte. Die Veranstaltung klingt bei einer Tasse Kaffee und Kuchen mit Gesprächen über das Gesehene und Gehörte aus. Eine Anmeldung ist erforderlich. Museum für Kunst und Kulturgeschichte, DO, 14.30 Uhr

MI 07 | 08 | 13 Kleinkunst | C. Heiland

lenwiese startet. Hier steigen Feuersäulen auf, glitzern

FR 09 | 08 | 13 Kleinkunst | Ozan & Tunç

Fontänen und Chrysanthemen vor dem Nachthimmel, hier gehen Farben und Effekte ineinander auf – begleitet von imposanter Musik. Anschließend können die

Zwei Männer eine Show. Ozan & Tunç sind Vertreter der

Besucher den Abend mit DJ-Musik in Lounge-Atmo-

„Hybrid Comedy“. Eine Mischform, die verschiedene

sphäre auf der Festwiese ausklingen lassen.

Comedy-Stile vereint und somit eine Bandbreite von

Westfalenpark, Dortmund, ab 18 Uhr

politischer Comedy bis Slapstick erreicht. Es wird gesprochen, gespielt, gesungen und getanzt. Komisch,

Antiquitätenmesse | Nostalgica

Er hat neben brillanten Texten, einer aufregenden

ernst und manchmal total bescheuert schlüpfen sie in

Nostalgica – ein erfrischendes Sommererlebnis für

Stimme, Melancholie und aller Boshaftigkeit den

Rollen als Bodyguards von Angela Merkel und Guido

alle Sammler und Freunde von Antiquitäten, Raritäten

Humor, den das Musikbusiness seit langem braucht.

Westerwelle, als Bombenattentäter verkannte Künst-

und Kuriositäten, das die lange Sommerpause bis zum

Seine Band, das „Heidelberger Daumenorchester“, be-

ler aus dem Nahen Osten (Loosa Brothers), als möchte

nächsten Antik- & Sammlermarkt überbrücken soll.

steht aus Sir Toby (Flöten, Tasten, Saxofon), Hörliver

gern oder auch nicht integrierte Freunde mit Migrati-

Eine ausgewählte Anzahl (rund 70) Händler präsentie-

van der Eem (versucht sich am Bass) und Drumbert

onshintergrund (Ali & Ali), als aus seinem Bestseller-

ren in der anspruchsvollen Konzerthalle 2 ihre Schät-

Delgardo (Schlagzeug). Manchmal versucht einer, Gi-

buch vorlesender Geräusche-Imitator, als ungeschick-

ze. Alle Besucher haben die Möglichkeit, entspannt

tarre zu spielen. Beherrschte C. Heiland nicht auch

ter Dombaumeister oder als Lothar-40-Single.

und in Ruhe die wertvollen Unikate zu begutachten

noch Omnichord, Akkordeon, sprechende Stofftiere

Zauberkasten, Bochum, 20.30 Uhr

und auch käuflich zu erwerben.

und falsche Orgel, würde man von einer absoluten Unverschämtheit sprechen können. Und wenn man sich mal kurz erholen muss vom Gipfel der Unvollkommenheit, beginnt der Heiland, dem Publikum seine

Westfalenhalle 2, Dortmund, 10 - 17 Uhr

SA 10 | 08 | 13 Fest | Lichterfest im Westfalenpark

Party | La Boum Beat‘n‘BoogieBalkanSwing&Rock‘n‘RollGalore

La

Gedichte und Geschichten vor zu lesen.

Wenn 60.000 kleine Becher zu großen Bildern auf den

Boum mit Timmi & Martini als Timmi Twister DJ-Set an

Zauberkasten, Bochum, 20.30 Uhr

Wiesen aufgestellt und Tausende bunter Lampions an

den Plattentellern und ihrem furiosen Stilmix im Retro-

CD-TIPP

FAT FREDDY‘S DROP | Blackbird (The Drop / Alive)

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Diese Band aus Neuseeland geht seit über zehn Jahren unbeirrt ihren ganz eigenen Weg. Man musiziert zusammen in der Homebase Wellington, wo einige auch noch WG-mäßig zusammen leben. Dabei produzierte man auch im eigenen Studio ohne irgendwelche Vorgaben ganz entspannt drei Studioalben. Ansonsten zieht man musizierend durch die Weltgeschichte und hat sich dabei eine stattliche Fanbase aufgebaut. Denn wer einmal Fat Freddy‘s Drop in seinen musikalischen Kosmos gelassen hat, der ist dauerhaft infiziert. Das ist ein gutes Zeichen für eine Band, auch für musikalische Qualität und Außergewöhnlichkeit. Hier nun auf „Blackbird“ zieht die Karawane weiter. Das beschreibt auch den Groove der Platte, die etwas vom Geiste des Boleros von Ravel hat. Die Songs sind eine Art psychedelischer Reggae-Soul-Jazz mit etwas Dub, Blues und Funk dabei. Erinnert fühlt man sich ein wenig an die fast schon epischen Werke der 70er, wie z.B. von der Session-Band Sweet Smoke, der Afro-Funk-Combo War bis hin zu den Jazz-RockProjekten um Billy Cobham, Chick Corea oder John McLaughlin. Was mir ein bisschen missfällt, ist, dass „Blackbird“ irgendwie nicht so richtig losgeht. Es ist mir einfach nicht knackig genug. Klar, die Jungs verstehen ihre Instrumente zu benutzen und bekommen auch alle den nötigen Raum zur Entfaltung, das ist natürlich die Fat-Freddy-Doktrin. Aber ein wenig warte ich die ganze Zeit darauf, dass der Knoten platzt und die Post mal richtig abgeht. Trotzdem ist auch dieses dritte Studioalbum für Freunde von Fat Feddy‘s Drop ein absolutes Muss. (BvR)


11 | 08 – 15 | 09 | 13 Du & Tabu am Ostwall

18 | 08 | 13 Rock im Pott

18 | 08 | 13 RuhrHochDeutsch: Thomas Freitag

gewand. Beat und Soul und Rock‘n‘Roll wird seit Jahren

FR 16 | 08 | 13

SO 18 | 08 | 13

bescheiden angekündigt, in Wahrheit explodiert regelmäßig der Dancefloor im Keller unterm Sissikingkong.

Musik | Zeltfestival Ruhr: Söhne Mannheims

Musik | Rock im Pott

Eine Achterbahnfahrt aus raren Originalen, abenteu-

Die Söhne Mannheims zählen zu den erfolgreichsten

Das geht ab: Eine geballte Ladung Rock erwartet die

erlichen Coverversionen und obskurem Edeltrash. Ein

Bands in Deutschland. Vor über 17 Jahren gegründet

Besucher der 2. Auflage von Rock im Pott in der Are-

Feuerwerk mit Hits aus mehr als zehn Jahrzehnten

von einer Handvoll Freunde, wuchs die Band mit dem

na auf Schalke. Das Stadion-Festival im Zeichen des

Tanzgeschichte. Ein Quodlibet, das süchtig macht. Infi-

lokalpatriotischen Namen zu einem multikulturellen

Zechenturms erfüllt mit einem fetten Programm die

zierte markieren den Tag im Kalender, Novizen staunen

Musiker-Kollektiv heran. Die musikalische Vielfalt, die

Erwartungen der Fans im Westen und darüber hinaus.

sprachlos, bevor sie sich ins Getümmel stürzen. Und

durch das Zusammenspiel der 12 Bandmitglieder ent-

System Of A Down, Volbeat und Tenacious D bilden das

einzigartig wie die Party ist auch regelmäßig das Fina-

steht, ist einzigartig: Drei Sänger und zwei Rapper

Headliner-Triumvirat. Casper, Deftones und Biffy Clyro

le: Wenn am frühen Morgen die Partycrowd die „Nord-

präsentieren die Songs in deutscher und englischer

komplettieren das Line-Up. Die insgesamt sechs Bands

stadthymne“ anstimmt und sich wildfremde Menschen

Sprache. Mit zwei Drummern, zwei Gitarristen, einem

rocken sich durch das neunstündige Programm und

erschöpft in den Armen liegen, neigt sich die schier

Bassisten, dem Keyboarder und ihrem DJ treten sie

hauen ihren Fans gehörig was um die Ohren.

unglaubliche Nacht ihrem Ende zu. Dann müssen alle

den Beweis an, dass Musik keine Genres braucht. Von

Arena auf Schalke, Gelsenkirchen, 14 Uhr

wieder einen langen Monat warten. Der Eintritt ist frei.

Soul und Pop über Rap und Rock: Die Söhne Mann-

Sissikingkong, Dortmund, 22 Uhr

heims haben einen ganz eigenen, facettenreichen

SO 11 | 08 | – SO 15 | 09 | 13

Flohmarkt | Familientrödelmarkt

Sound geschaffen. Und in ihren Texten geht es um

Der beliebte Wittener Trödelmarkt lockt pro Jahr mehr

das, was Menschen wirklich bewegt.

als 10.000 Besucher in die Werkstadt. Ob Kinderspiel-

Kemnader See, Bochum, 20.30 Uhr

zeug für die Kleinen, Kleidung, Kitsch, Rarität oder

Kunst | Du & Tabu am Ostwall

Kuriosität – hier findet das Flohmarkt-Herz, was es

Künstler und Künstlerinnen gegen Genitalverstümmelung – der Verein Tabu zeigt bis zum 19. September eindrucksvolle Kunstwerke, mit denen die Teilnehmenden

SA 17 | 08 | 13 Soziales | Bochumer Stadtführung mit bodo-Verkäufern

begehrt. Auf 2.500 qm überdachter Fläche bieten Privatleute an über 50 Ständen ihre gesammelten Schätze zum Feilschen und Verkaufen an. Stärkung gibt es im

sich dem schwierigen Thema annähern. Der Eintritt ist

Wie verbringen eigentlich Menschen auf der Straße ihren

Bistro: Denn frische Waffeln, Kaffee und kalte Getränke

frei. Von über 60 Künstlern gibt es dann Schockieren-

Tag? Wo halten sie sich auf, welche Angebote und Hil-

dürfen natürlich nicht fehlen.

des und Hoffnungsvolles, Abstraktes und Realistisches

fen gibt es? Wie sieht die Stadt aus der Sicht der „Men-

Werkstadt, Witten, 11 Uhr

zu sehen. Die Vernissage wartet mit Vorträgen über ein

schen am Rand“ aus? Bei bodos sozialer Stadtführung

Projekt des Vereins, die rechtliche und politische Seite

zeigen Verkäufer des Straßenmagazins „ihr“ Bochum.

sowie die Herausforderungen für die Künstler auf. Au-

„Spannende Einblicke – Gezeigt werden hier nicht das

Seit 30 Jahren arbeitet er in einer Stadtbibliothek,

ßerdem können Besucher an einer Führung durch die

Bergbaumuseum oder das Planetarium, sondern typi-

die nun geschlossen werden soll: „Der kaltwütige Herr

Ausstellung teilnehmen. Einen Vorgeschmack gibt es

sche Aufenthaltsorte Obdachloser. Bei dem Rundgang

Schüttlöffel“ ist außer sich, er nimmt seine Bücher als

schon im Internet unter www.verein-tabu.de.

führt bodo-Verkäufer Markus Neiß die Teilnehmer zu

Geiseln und verbarrikadiert sich. Schüttlöffels Wut rich-

Ehemaliges Museum am Ostwall, Di. bis So., 13 bis 18 Uhr

sechs Stationen, zwei Stunden dauert die Bochum-Tour

tet sich gegen Zeitgeist und politischen Irrsinn, gegen

der etwas anderen Art.“ (Ruhr Nachrichten) „Die Stadt

angebliche Alternativlosigkeit, gegen das Sparen an der

und ihre Menschen mit etwas anderen Augen zu sehen,

Kultur, Schnäppchenjagen, Kapitalismus und Gleichma-

ein Bewusstsein für soziale Nöte zu bekommen und ob-

cherei. Trittsicher balanciert Freitag auf dem schmalen

dachlosen Menschen näher gekommen zu sein – dies sind

Grat zwischen intelligentem Witz und bitterem Ernst. Er

Die US-amerikanische Band Agnostic Front gehört zu den

Effekte, die dieses Projekt nicht nur bei den Kindern er-

versteht es, die Moralkeule auszupacken, ohne als Mo-

ältesten Hardcore-Punk-Gruppen, die heute noch aktiv

zielt hat, sondern wohl bei allen TeilnehmerInnen.“ (bsz)

ralist dazustehen. Davor bewahren ihn Sarkasmus und

sind. Die Urgesteine des New

bodo-Anlaufstelle, Stühmeyerstraße 33, Bochum

feine Ironie. Geradezu klammheimlich muss man als Zu-

York Hardcore stehen seit

Beginn 11 Uhr, Anmeldung unter 0231 – 950 978 0

schauer immer wieder zugeben, dass man mitunter auch

MI 14 | 08 | 13 BODO VERLOSUNG | Agnostic Front

über 30 Jahren auf der Bühne und dürfen sich bereits jetzt

Kabarett | RuhrHochDeutsch: Thomas Freitag

zu jenen gehört, die auf der einen Seite anprangern, Party | Rabenschwarze Nacht

aber auf der anderen Seite zu bequem oder zu geizig

eine lebende Legende nen-

Die Rabenschwarze Nacht ist mittlerweile ein fester Ter-

sind, um selbst etwas zu ändern.

nen, waren sie doch seit den

min in den Kalendern der Fans schwarzer Musik. In Bremen

Spiegelzelt am Steinernen Turm, Dortmund, 20 Uhr

frühen 80er Jahren prägend für die Musikstile New York

schon seit 20 Jahren etabliert, lockt die Rabenschwarze

Hardcore, Crossover und Metalcore. Live sind sie nach wie

Nacht nunmehr auch seit 3 Jahren die Ruhrgebiets-Szene

vor wild und unbezähmbar und werden Punk und Metal

aus ihren Grüften. Extravagant, wie die Gäste, ist natür-

ganz gehörig aufeinander krachen lassen.

lich auch die Musik. Und genau wie die meisten Besucher

Bahnhof Langendreer, Bochum, 20 Uhr

der Rabenschwarzen Nacht, so wird sich auch das FZW in

Heißt das nicht Slam? Natürlich – so nennen sich die

bodo verlost 2 x 2 Karten.

einem „schwarzen“ Design präsentieren.

Wortschwall-Treffen dieser Art andernorts sowie auch

Teilnahmebedingungen auf Seite 21.

FZW, Dortmund, 22.30 Uhr

im Fernsehen. Doch welches dieser Events kann schon

MO 19 | 08 | 13 Kleinkunst | Poetry-Jam

25


26 VERANSTALTUNGEN AUGUST 2013

von sich behaupten, so beständig und seit nun bereits über 13 Jahren die etwas andere Literatur ins Rampenlicht zu stellen? Es bleibt also dabei: Im „subrosa“ wird gejamt, wenn der Social-Beat-Autor, Songwriter und Trash-Magier Grobilyn Marlowe zur Word-Art-Session auf die offene Bühne lädt und sei-

20 | 08 | 13 Oh My Darling

24 | 08 | 13 DJ Picknick: DJ Suro

ne Gäste präsentiert: Dichter und Denker, Redner und Schweiger, Prosa- und Dadaisten, kurz: Wortakrobaten aller Couleur haben die Chance, ihre geheimsten Gedanken der Öffentlichkeit preiszugeben. Zeit für Gedichte, Songs, Dramolette, Essays, spontane Worte, Witze,

SA 24 | 08 | 13 DJ Picknick | DJ Suro und Max Gyver

Im neuen Programm von Simone Fleck fletscht „Oma Wally“ wieder ihre dritten Zähne und rappt mit Krückstock

Fragmente, Geschichten. So lange, bis entweder die/

Jede Menge Beats, Breaks und Scratches und eine ge-

durch den aberwitzigen Alltag. Sie seziert gnadenlos

der Autor/in/nen oder das Publikum genug hat und die

ballte Ladung Funkpower bringen die Summersounds

mundgerecht frische Trends: Ecstasy-Disco Ü70, Burn-out

Karten zückt – zu viel rot bedeutet: Runter von der Büh-

DJ-Picknicks am 24.08. an den Phoenix-See. Den Ham-

bei Haustieren oder Ausweispflicht für den CO2 Abdruck?

ne! Aber keine Angst: Dafür bedarf es schon eines ganz

burger DJ Suro kennt man nicht nur als Band- und Tour-

Wie viel Zuwendung verträgt unser Nachwuchs wirklich,

besonderen Spiels mit dem Geduldsfaden des moderaten

DJ von Dendemann. Als fester Teil der Bandkollektive

wer versteht auf Mallorca noch Spanisch und macht „Gol-

Hafenschänken-Publikums. Der Eintritt ist frei.

Brixton Boogie und Superbad! hat er sich mit seinem

fen“ tatsächlich sexy? Im Fragen- und Antwortkatalog

subrosa, Dortmund, 19.30 Uhr

„Touch of Funk & Soul“ nicht nur in HipHop-Kreisen

lauern die Thesen: „Sportliche Brüste steigern die Le-

einen Namen gemacht. Unterstützt wird er vom „Beat

benserwartung, und eine gesunde Darmflora ist nicht nur

me up“- und „Herbe“-Partyinitiator Max Gyver, der in

was für fidele Gartenfreunde. Existiert ein Glück zu zweit

Sachen fetter Beats derzeit zu den eifrigsten Party-

oder ist man eigentlich nur doppelt allein?“

aktivisten der Region zählt. Auch die Sportjugend

Spiegelzelt am Steinernen Turm, Dortmund, 20 Uhr

DI 20 | 08 | 13 Musik | Oh My Darling Das kanadische All-Girl-Quartett Oh My Darling verzau-

Dortmund ist mit von der Partie und bietet die Option

bert die Zuhörer mit der richtigen Mischung aus Emo-

zum Kicker, Riesen-Vier-Gewinnt und Mini-Tischtennis

tion und Freude. Ihr Sound aus Bluegrass, Rootsmusic

an. Der Eintritt ist frei. Ausführliche Informationen zu

aus den Appalachen und französischer Folklore macht

allen Veranstaltungen gibt es unter www.djpicknick.de.

ihren Stil zu einem Schmelztiegel der musikalischen

Phoenix-See, Dortmund, ab 14 Uhr

Sprachen. Die hauptsächlich selbstgeschriebenen Songs werden von Vanessa Kuzina mit unter die Haut gehender

MO 26 | 08 | 13 Film | Fiege KinoOpenAir: Bang Boom Bang Keek, ein phlegmatischer Kiffer aus dem miefigen Ruhrpott-Kaff Unna, steckt tief in der Klemme. Denn er hat

Musik | Zeltfestival Ruhr: LaBrassBanda

einen Großteil aus einem gemeinsamen Raubzug mit

Stimme vorgetragen und optimal durch die einfühlsame

Eine Tuba, ein E-Bass, eine Posaune, ein Schlagzeug und

dem im Knast sitzenden Kalle bei Wetten verspielt. Als

Spielweise von Allison de Groot, Rosalyn Dennett und

eine Trompete – die Besetzung von LaBrassBanda ent-

sein äußerst jähzorniger Kumpan plötzlich vor seiner Tür

Marie-Josée Dandeneau unterstützt. Mit dynamisch-

spricht der einer klassischen Bläsercombo und ist mu-

steht, muss sich Keek dringend was einfallen lassen, um

brillant gespieltem Banjo, inspiriertem Geigenspiel und

sikalisch doch meilenweit davon entfernt. Denn Stefan

die Kohle wieder zu beschaffen. Also lässt er sich mit ei-

groovendem Bass geht ihre Musik direkt in die Beine.

Dettl, Andreas Hofmeir, Oliver Wrage, Manuel Winbeck

nem leicht debilen Automechaniker auf einen Diebstahl

subrosa, Dortmund, 19.30 Uhr

und Manuel da Coll heizen dem Publikum mit Klängen

bei dem halbseidenen Spediteur Kampmann ein. Doch

von Techno über Reggae, Funk und Ska kräftig ein. Wenn

damit geht es mit den Problemen erst richtig los. Der

bayerische Manpower auf Reggae und Ska trifft, dann ist

Einlass erfolgt ab 20 Uhr, der Film beginnt bei Sonnen-

das Ergebnis: LaBrassBanda. Ihre Blasinstrumente spie-

untergang. Das ganze Programm des Fiege-Kino-Open-

MI 21 – SA 24 | 08 | 12 Festival | Kultur live & lecker

len sie in zum Teil atemberaubender Geschwindigkeit,

Airs gibt es unter www.fiegekino.de.

Irische, afrikanische, kubanische und spanische Musik

den Text versteht man abseits Bayerns nur schwerlich,

Innenhof der Fiege-Brauerei, Bochum, 20 Uhr

stehen an den Abenden des diesjährigen Nordstadt-

aber auf den kommt es auch nicht an. Ansonsten erin-

Sommers auf dem Programm. Passend zur Musik der

nern nur die Lederhosen an die Herkunft der fünf stets

einzelnen Abende bietet das Kultur-Bistro Legato

barfuß auftretenden Jungs aus dem Chiemgau.

kulinarische Highlights der verschiedenen Regionen

Kemnader See, Bochum, 19 Uhr

sowie Spezialitäten vom Grill und exotische Cocktails an. Das Festival startet am Mittwoch mit der Connemara Stone Company, die ihr Publikum mit einer Mischung aus irischen Gassenhauern und eingängigen

26

Kabarett | RuhrHochDeutsch: Simone Fleck

DI 27 | 08 | 13 BODO VERLOSUNG | Listener Listener, eine mittlerweile dreiköpfige Talk-Music-Band

SO 25 | 08 | 13 Kindershow | Lars, der kleine Eisbär

aus den USA, tourt seit 2007 durch die ganze Welt. Wie Prediger geben sie ihre gesprochenen Liedtexte über

Eigenkompositionen begeistern. Mit ihrer Band prä-

In dem spannenden Abenteuer „Kleiner Eisbär in der

ihre Erfahrungen mit dem

sentiert Gabriela Mendes am Donnerstagabend ein

Walbucht“ von Hans de Beer rettet Eisbär Lars die

Alltag an ihre immer grö-

abwechslungsreiches Programm mit den bekanntesten

Wale vor den Walfängern und aus einer großen Not,

ßer werdende Fangemeinde

Musikstilen ihrer afrikanischen Heimat: melancholi-

in die sie durch das Abschmelzen eines Gletschers ge-

(Jünger) weiter. Dabei ge-

schen Mornas, flotten Coladeiras, sinnlichem Funaná

raten sind. Die Produktion führt von den Bären am

ben sie sich stets bodenständig und betonen immerzu,

und dem afrikanisch anmutenden Batuko. Die Band

Himmel zu der liebevoll erzählten Geschichte von Lars

dass sie ganz normale Menschen seien wie jeder andere

Sonoc de Las Tunas bringt am Freitag Abend den „Nu

und seinen Freunden bis hin zur Arktis, in der die Kin-

und bereit sind, überall aufzutreten, auch privat bei den

Salsa de Cuba“ auf die Bühne. Und zum Abschluss des

der mit eindrucksvollen Bildern den Lebensraum der

Fans zu Hause. Distanz kennen sie nicht, so stehen sie

Festivals wird es am Samstagabend mit D‘Callaos feu-

wirklichen Eisbären kennenlernen. Ein Abenteuer für

persönlich am Merchstand, reden stundenlang mit den

rigen Flamenco aus Barcelona geben.

Polarforscher ab ca. 5 Jahre. Weitere Termine unter

Fans und spielen auch mal einen Song unplugged im

Dietrich-Keuning-Haus, Dortmund,

www.planetarium-bochum.de.

Publikum. Im Mittelpunk der Musik stehen dabei immer

21. – 23.08., 20 Uhr, 24.08., 21 Uhr

Planetarium, Bochum, 11 Uhr

die poetischen Texte von Sänger und Gründer Dan Smith.


30 + 31 | 08 | 13 Welttheater der Straße

24 | 08 | 13 Zeltfestival Ruhr: LaBrassBanda

25 | 08 | 13 RuhrHochDeutsch: Simone Fleck

Begleitet wird er von Chris Nelson an Bass und Gitarre

gibt‘s! Ein Abend alleine! Solo! Ein Abend, an dem man

sowie Kris Rochelle am Schlagzeug. Gemeinsam ergibt

überlegt, was im Leben wichtig ist und wichtig war. Und

Adressen | Bochum (0234)

das ein hoch emotionales, intensives, sensibles und ehr-

wie man am besten alt wird, ohne dass es ganz peinlich

Bahnhof Langendreer, Wallbaumweg 108, 687 16 10

liches Gebräu aus Folk, Rock, Indie und Poetry.

ist. In seiner leeren Wohnung, die er nun in Richtung

Christuskirche, An der Christuskirche 1, 338 74 62

FZW, Dortmund, 20 Uhr

„ebenerdiges Wohnen für Senioren“ verlässt, zieht Jo-

bodo verlost 2 x 2 Karten.

chen Busse kabarettistische Bilanz.

Teilnahmebedingungen auf Seite 21.

Spiegelzelt am Steinernen Turm, DO, 20 Uhr (auch 31.08.)

Endstation Kino, Wallbaumweg 108, 687 16 20 Eve Bar, Königsallee 15, 333 354 45 Freilichtbühne Wattenscheid, Parkstraße, 61 03-0 HalloDu-Theater, Lothringer Str. 36c, 87 65 6 Jahrhunderthalle, Gahlensche Str. 15, 369 31 00

MI 28 | 08 | 13 BODO VERLOSUNG |

FR 30 + SA 31 | 08 | 12 Theater | Welttheater der Straße

RuhrHochDeutsch: HerzDame sticht –

Auch in diesem Jahr bietet Schwerte wieder spekta-

Lioba Albus und Christoph Nitz „Johnny“

kuläres Straßentheater, starke Bilder und Szenen,

Kulturhaus Oskar, Oskar-Hoffmann-Straße 25 Kulturrat Bochum, Lothringer Straße 36, 862 012 Museum Bochum, Kortumstraße 147, 910 42 30 Mus. Zentrum der RUB, Universitätsstr. 150, 322 28 36 Prinz-Regent-Theater, Prinz-Regent-Str. 50 – 60, 77 11 17 Riff, Konrad-Adenauer-Platz 3, 150 01

Frauen können nicht nur teilen, sondern auch austeilen.

stimmungsvolle Atmosphäre und feine Unterhaltung,

Wenn Lioba Albus sich als HerzDame die Ehre gibt und

wenn sich Gruppen der nationalen und internationalen

mit weiteren Herzdamen und Herzbu-

Straßentheaterszene dort zum 21. Festival „Weltthea-

Stadthalle Wattenscheid, Saarlandstraße 40, 610 30

ben der KomikerInnenzunft im Spie-

ter der Straße“ einfinden. Ob Zirkus, Objekttheater oder

Thealozzi, Pestalozzistraße 21, 175 90

gelzelt die Bühne teilt, werden deut-

klassische Theaterszenen, Maskenperformance, Mär-

Varieté et Cetera, Herner Straße 299, 130 03

sche Biederträume mit spitzer Zunge

chen, Tanz, Musik sowie Artistik und Live-Malerei – die

Zauberkasten, Lothringer Straße 36c, 86 62 35

zerfetzt. Dann sticht HerzDame und

Festivalbesucher erwartet ein erfrischender Programm-

trennt, was nie zusammen gehörte.

Mix einer renommierten Künstlerschar. Das komplette

Dann wird ausgeteilt und eingesteckt.

Programm sowie aktuelle Informationen gibt es unter

Die HerzDame-Abende im Spiegelzelt

www.welttheater-der-strasse.de.

Adressen | Dortmund (0231)

Verschiedene Orte, Schwerte, 18.30 bis 0.30 Uhr

Auslandsgesellschaft, Steinstraße 48, 838 00 00

sind weiblich, feurig, teuflisch, scharf, zutiefst komisch

telkötter mit dem frisch-flotten Mundwerk der Sauerländerin auftreten. Christoph Nitz rundet das Programm

Schauspielhaus, Königsallee 15, 333 30

Zeche, Prinz-Regent-Straße 50-60, 977 23 17 Zeche Lothringen, Lothringer Straße 36c, 876 56 Zwischenfall, Alte Bahnhofstraße 214, 28 76 50

Cabaret Queue, Hermannstraße 74, 41 31 46

und vor allem: hoch ruhrdeutsch. An diesem Abend wird Lioba Albus in der Rolle der gewitzt-pfiffigen Mia Mit-

RuhrCongress, Stadionring 20, 610 30

SA 31 | 08 | 13 BODO VERLOSUNG | Senay Duzcu

DASA, Friedrich-Henkel-Weg 1 – 25, 90 71 24 79 Dietrich-Keuning-Haus, Leopoldstr. 50 – 58, 502 51 45 domicil, Hansastraße 7 – 11, 862 90 30 Fletch Bizzel, Humboldtstraße 45, 14 25 25

mit Liedern aus dem Bereich des Folk und Country von

Ihr Weg auf die Bühne war weit, seitdem sie mit ihren El-

selbstkomponierten Stücken über diverse Coversongs

tern als Gastarbeiter nach Deutschland eingewandert ist.

bis hin zu den Gassenhauern von Johnny Cash ab, mit

Ihr Papa sagt zu einem Storch Schwein

Galerie Torhaus, Haupteingang Rombergpark, 50 23 194

denen er auch regelmäßig das Publikum im Dortmunder

und seine Frau stellt er vor, indem er

Konzerthaus, Brückstraße 21, 22 69 62 00

Hansa-Theater begeistert. Alle Informationen rund um

sagt: „Das ist meine Lebensgefahr“.

Museum f. Kunst u. Kulturgesch., Hansastr. 3, 502 55 22

die „RuhrHochDeutsch“-Veranstaltungen gibt es unter:

Wie alt Senay ist, weiß sie nicht. In

Piano Musiktheater, Lütgendortmunder Str. 43, 604 206

www.ruhrhochdeutsch.info.

der Türkei werden Geburtszahlen gerne

Spiegelzelt am Steinernen Turm, Dortmund, 20 Uhr

angepasst. Senay glaubte lange, sie sei

bodo verlost 3 x 2 Karten.

wie Jesus in einem Stall geboren wor-

Teilnahmebedingungen auf Seite 21.

den. In Deutschland erfuhr sie, es sei

FR 30 | 08 | 13 Kabarett | RuhrHochDeutsch: Jochen Busse

F.-Henßler-Haus, Geschw.-Scholl-Str. 33 – 37, 502 34 72 FZW, Ritterstraße 20, 17 78 20

Rasthaus Fink, Nordmarkt 8, 999 876 25 Reinoldikirche, Ostenhellweg 1, 52 37 33 Schauspielhaus, Hiltropwall, 502 55 47 Sissikingkong, Landwehrstraße 17, 728 25 78 Strobels, Strobelallee 50, 999 50 60

wohl doch eine Hausgeburt gewesen. Von da an machte

subrosa, Gneisenaustraße 56, 82 08 07

es sich die hübsche Frau zur Aufgabe, Kulturunterschiede

SweetSixteen Kino im Depot, Immermannstr. 29, 910 66 23

aus der Sicht der türkischen Frau zu zeigen. Als „Komike-

Theater im Depot, Immermannstraße 29, 98 21 20

rin im roten Kleid“ machte sie sich schnell einen Namen,

U, Leonie–Reygers-Terrasse, 50 247 23 Westfallenhallen, Rheinlanddamm 200, 120 40

Man wird älter und überlegt sich: Was habe ich alles er-

auch in Radio und Fernsehen. In Bayern wurde Senay 2007

lebt? Was kann ich noch erleben? Und lohnt es sich noch,

der Deutsch-Türkische Freundschaftspreis verliehen. Ihr

einen Tisch für nächste Woche zu reservieren? Wenn man

eigenwilliger Humor erlaubt es Senay, nicht nur zwischen-

älter wird, stehen Veränderungen an. Zum Beispiel ver-

menschliche Unterschiede komisch wiederzugeben, son-

Adressen | Herne (02323)

lässt man seine Wohnung und gibt eine Ausweihungspar-

dern auch politische Auseinandersetzungen aufzulockern.

Flottmann-Hallen, Flottmannstr. 94, 16 29 52

ty, bei der alle Menschen zusammen kommen, mit denen

Intelligent und mit dem nötigen Augenzwinkern öffnet

Mondpalast, Wilhelmstraße 26, 58 89 99

man im Leben zu tun hatte. Und gibt es etwas Schöneres

die Wahlkölnerin manche überraschende Sichtweise.

als einen Abend mit Kollegen und Geschäftsfreunden,

Zauberkasten, Bochum, 20.30 Uhr

Lebenspartnern und Ex-Lebenspartnern, guten Freun-

bodo verlost 3 x 2 Karten.

den, alten Feinden und schlimmen Verwandten? Ja

Teilnahmebedingungen auf Seite 21.

Westfalenpark, An der Buschmühle 3, 35 02 61 00 Zeche Zollern, Grubenweg 5, 696 12 11

Adressen | Witten (02302) Saalbau, Bergerstraße 25, 581 24 24 Werkstadt, Mannesmannstraße 2, 94 89 40

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UMWELT UND SOZIALES| von Frederik Gremler | Fotos: Sebastian Rötters (FIAN) · Adriana Cuellar (CAJAR) · Paul Corbit Brown

Wer Kohle in die Hände nimmt, macht

5.000 Arbeitern, eine angehaltene, aber

fünf gleichwertige Akteure: die Regional-

sie sich schmutzig. So scheint das zu

weiter geplante Flussumlegung des Rio Ran-

gruppe von Attac in Dortmund, das Bündnis

sein. Und gerade das Ruhrgebiet müss-

cheria, dem wichtigsten Fluss der Region.

demokratische Energiewende kommunal,

te es doch besser wissen. Zwischen Ze-

der Iberoamerika-Kreis der Auslandsgesell-

chen-Industriekultur und Bergbaunost-

Derweil preist die kolumbianische Regie-

schaft NRW, die Werkstatt Ökumene Eine

algie erinnert man sich hier, wie es war

rung den Bergbau als „Lokomotive des

Welt der evangelischen Kirche Dortmund/

„vor Kohle“, wie Arbeitsschutz und Ar-

Wachstums“. Doch die reich beladenen

Lünen und das Informationszentrum 3.

beiterrechte erkämpft werden mussten

Waggons zieht diese Lokomotive in andere

Welt. Eine Ausstellung im Reinoldinum er-

und dass Bergbau „Ewigkeitskosten“

Länder. Cerrejón ist zu jeweils 33 Prozent

zeugte 2012 etwas Medienaufmerksamkeit.

und Umweltschäden produziert. Die Ze-

im Besitz ausländischer Unternehmen:

Oberbürgermeister Sierau leitete einen Of-

chen sind dicht, doch Kohle braucht das

Xstrata (Schweiz), Anglo-American (Groß-

fenen Brief der Initiative an STEAG weiter.

Ruhrgebiet immer noch. In einer globa-

britannien), BHP Billition (Australien).

In der Antwort heißt es, dass Cerrejón

lisierten Welt kommt sie von dort, wo

„sich selbst hohe Standards“ auferlege und

sie am billigsten zu gewinnen ist, weil

In Kolumbien sind die Bedingungen noch

„STEAG sich verantwortungsbewusst bei

Mensch und Umwelt die Zeche zahlen

immer bürgerkriegsähnlich. Das Land

der Beschaffung der Steinkohle verhält“.

und andere profitieren: wir.

leidet unter den Verknüpfungen von Paramilitärs, Wirtschaftsgrößen und Politi-

Auf STEAGs Schreiben folgte ein Offener

Im Jahr 2011 kaufte sich ein Konsortium

kern. Arbeiterrechtler erhalten Todesdro-

Brief der Wayúus. Sie zeichnen ein anderes

aus sieben städtischen Energieunterneh-

hungen. 2012 sollen laut der Nationalen

Bild: „Nach mehr als 30 Jahren Kohleabbau

men, darunter DEW21 und DSW, mit 51

Gewerkschaftsschule

Nacional

in der Guajira leben nach wie vor 63 Prozent

Prozent beim fünftgrößten Energiekon-

Sindical (ENS) 20 Gewerkschafter ermor-

der Bevölkerung des Departments in Armut,

zern Deutschlands ein: STEAG. Die weite-

det worden sein. Auch engagierte Arbei-

37,4 Prozent davon sogar in extremer Ar-

ren 49 Prozent hält Evonik – für 2016 hat

ter in Cerrejón wurden bedroht. Das alles

mut. Das heißt, sie [Cerrejón] verschmut-

der Essener Konzern eine Vereinbarung

ist Tausende Kilometer vom ehemaligen

zen unser Land oder nehmen es uns weg,

getroffen, die es ihm erlaubt, die restli-

Kohlenpott entfernt. Trotzdem: Das Elend

und danach schicken sie uns ein paar Psy-

chen 49 Prozent zu veräußern. So weit, so

betrifft auch das Ruhrgebiet.

chologen, damit diese die heftigen Auswir-

Escuela

gut. Wenn STEAGs Hauptgeschäftszweig nicht die Steinkohle wäre und STEAG

Till Strucksberg, Mitglied der Initiative

diese Kohle nicht aus Kolumbien impor-

Dortmund-Kolumbien: „Wir müssen Öf-

tierte. Genauer: aus der größten Mine La-

fentlichkeit schaffen, damit internationale

teinamerikas. Die Konzessionsfläche des

Vereinbarungen und Gesetze Kolumbiens

Tagebaus Cerrejón ist mit 69.000 Hektar

eingehalten werden.“ Die Initiative vereint

zweieinhalb Mal so groß wie Dortmund. Die Folgen des Kohleabbaus lesen sich wie ein Katalog des Grauens, jede Seite mit einem neuen Schreckensbild: „Umsiedlungen“ mit Hilfe von Bulldozern im Morgengrauen, Atemwegserkrankungen bei der indigenen Bevölkerung (den Wayúus) und den über

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Lokomotive auf Katastrophenfahrt Kolumbiens Kohle und das Ruhrgebiet

Die Kohle für das Ruhrgebiet kommt aus der größten Mine Lateinamerikas. Der Tagebau Cerrejón ist zweieinhalb Mal so groß wie Dortmund. Rechts: Anwohnerproteste gegen die Umweltzerstörungen durch die Mine Cerrejón. Nächste Seite: Oscar Guariyu bei seinem Deutschlandbesuch: „Viele Wayúu-Gemeinden sind praktisch umzingelt vom Bergbau. Cerrejón hat uns durch die Zerstörung unseres Landes unserer Lebensgrundlage beraubt.“

29


30

kungen der Umsiedlungen abmildern sollen.

ist nötig, dies international zum Thema zu

In dem Brief der STEAG wird erwähnt, dass

machen.“ Dabei sei auch das Konsortium

das Unternehmen Cerrejón im Jahr 2010

gefordert. „Natürlich trifft die Stadtwer-

zehn Millionen US-Dollar in soziale Projekte

ke und STEAG nicht die alleinige Verant-

investiert hat.“ Dies entspräche fünf Tagen

wortung. Aber abkoppeln können sie sich

Kohleproduktion. STEAGs Einschätzung im

auch nicht“, sagt Rötters.

Folgeschreiben: Es gibt zwei Gruppen, die eine medienwirksam, die andere „medial

Die kolumbianische Verfassung verpflich-

weniger aktiv“. Die STEAG werde sich „wei-

tet Cerrejón dazu, vor Umsiedlungen die

terhin vor Ort ein Bild zu Vorwürfen Dritter

Bevölkerung zu konsultieren. Das sei in

machen“ und beim „Lieferanten platzie-

der Vergangenheit nicht passiert. Das Dorf

ren“. Dieses Antwortschreiben übermittelte

Tabaco verschwand im Morgengrauen ohne

die Stadt ein halbes Jahr nachdem es im

Vorwarnung unter Bulldozern. Auch interna-

Oktober 2012 eingegangen war.

tionalem Recht entspricht das nicht. Noch heute fehlt den ehemaligen Bewohnern ein

Eine Anfrage der Grünen leitete Sierau an

neues Zuhause – trotz einer Übereinkunft

DEW weiter – sie blieb unbeantwortet. Auf

zwischen Unternehmen und einigen der

die zweite Anfrage im Juni 2013 gab es

Betroffenen. Cerrejóns Slogan: Mineria res-

nun eine Antwort des Vorstandes der DSW

ponsable. Verantwortlicher Bergbau.

zur Wahrnehmung der unternehmerischen Verantwortung der STEAG in Kolumbien.

Was der Zusammenschluss der Stadtwer-

Neben Gemeinplätzen sei ein echtes Be-

ke (u.a. Dortmund, Bochum, Essen, Dins-

mühen um Transparenz erkennbar, sagt

laken und Duisburg) zu tun hat, ist für

Ulrike Märkel, Ratsfrau der Dortmunder

Rötters klar. „Die Stadtwerke sind quasi

Grünen: „Wie werden die Lage in Cerrejón

Besitzer von STEAG. Sie müssen für faire

weiterhin fest im Auge behalten und die

öffentliche Beschaffung sorgen. Sie müs-

STEAG beim Wort nehmen, wenn es darum

sen nachforschen, woher STEAG die Kohle

geht, Hinweisen auf Menschenrechtsver-

bezieht.“ Besonders vor dem Hintergrund,

letzungen nachzugehen.“

dass Dortmund, Bochum, Dinslaken zu „Fairtrade-Towns“ gekrönt worden sind.

Anfang dieses Jahres besuchte Oscar Guariyu, ein Vertreter der Indigenen, die Ini-

Rötters denkt noch einen Schritt weiter:

tiative Dortmund-Kolumbien. Sein Besuch

Was bleibt, wenn in Guajira nur noch ein

in Deutschland beinhaltete auch eine Rede

Loch ohne Kohle klafft. Zweifellos ver-

bei der RWE-Hauptversammlung. „Viele

schwindet Cerrejón dann. Und was bleibt

Wayúu-Gemeinden sind praktisch umzin-

den Bewohnern? Schön, wenn Cerre-

gelt vom Bergbau. Cerrejón hat uns durch

jón ein schwarzes Schaf in der Branche

die Zerstörung unseres Landes unserer Le-

wäre. Dann wäre es ja einfach zu wech-

bensgrundlage beraubt“, erklärte er darin.

seln. Doch auch in Russland schädigt der Bergbau die Bevölkerung, in den Appa-

Sebastian Rötters ist Referent für Berg-

lachen sprengen Konzerne Bergspitzen

bau bei FIAN (FoodFirst Informations- und

und in Südafrika gefährdet der Bergbau

Aktions-Netzwerk). Er hat an der Studie

die Trinkwasserversorgung. Auch STEAG

„Bitter Coal“, die weltweiten Kohleabbau

betreibt ein Kraftwerk in Kolumbien: Ter-

untersuchte, mitgearbeitet und war be-

mopaipa. Saubere Kohle? In globalisier-

reits vor Ort – auch in der Mine. In Cer-

ten Zeiten so rar wie Textilien oder Elekt-

rejón hat er eine Stadt mit Supermarkt

rogeräte ohne Sklavenarbeit (s.S. 20).

und sogar einem Baseballfeld besichtigt

30

– mitten in der Mine. Draußen dagegen

Aber zumindest versuchen sollten es alle

herrscht Armut. Seine Meinung: „So wie

Beteiligten doch. Gerade wenn sie im

Cerrejón seine Unternehmensverantwor-

Ruhrgebiet zu Hause sind.

tung wahrnimmt, geht es nicht weiter. Es

(Frederik Gremler)


31

REPORTAGE | von Sebastian Sellhorst und Bastian Pütter | Foto: Sebastian Selhorst

Seit dem 1. Juli ist Andreas Horst Quartiershausmeister im Schleswiger Viertel in der Dortmunder Nordstadt. Er kümmert sich um heimlich abgeladenen Sperrmüll, ist Ansprechpartner für Gewerbetreibende bei bürokratischen Fragen und für alle Anwohner im Viertel der kurze Draht zur Stadt. Der verbliebenen Dortmunder Tageszeitung gab er zum Start ein Interview – und dann ging der Ärger los. „Quartiershausmeister vertreibt Freier mit der Foto-Kamera“ lautete die Überschrift des Zeitungsartikels. „Nacht- und Nebelkipper aufspüren“ und „die von den Anwohnern verfluchten Freier vertreiben“ seien seine Aufgaben. Seine Mobilnummer unter dem Text wählten nicht nur erboste Bürger, sondern auch die versammelte Boulevardpresse, die „Action“ witterte, wie Horst sagt. „Die Kommentare waren sehr per-

»Ich sehe mich als eine Art Concierge des Viertels.« sönlich und aggressiv, aber ich bin hier weder

Zu Besuch beim Quartiershausmeister in der Dortmunder Nordstadt

der Blockwart noch Privatsheriff. Dabei wäre es nötig, dass die Funktion beschrieben wird, um die es eigentlich geht. Sie ist wichtig für die

Mit der am Schleswiger Platz anzutreffenden Dro-

„Ich hoffe, dass es mir mit meiner Arbeit gelingt,

Menschen, die hier leben.“

genszene sei er bereits in Kontakt gekommen.

für ein besseres Klima im Viertel zu sorgen, dann

„Viele Leute sind natürlich erst mal misstrauisch,

lassen sich auch die Wohnungen hier leichter

Andreas Horst ist erst seit wenigen Tagen im

wenn ich meinen Rundgang mache und vermuten,

vermieten. Davon profitiert wiederum das ganze

Schleswiger Viertel südlich des Nordmarkts un-

ich sei von der Polizei oder dem Ordnungsamt.“

Quartier.“ (sese, bp)

terwegs, als wir ihn in seinem neuen Büro an der

Besondere Rechte habe er bei seiner Arbeit aber

Schleswiger Straße besuchen. Entwickelt und fi-

nicht. „Ich darf nur Dinge tun, die auch jeder an-

INFO

nanziert wird das Projekt vom Verein Stadtteil-

dere Bürger tun könnte. Natürlich bin ich auch

Quartiershausmeister Andreas Horst

Schule Dortmund e.V. „Erfahrungen und Anre-

kein Sozialarbeiter, aber ich versuche auch da zu

Schleswiger Straße 12 | 44145 Dortmund

gungen, die von den Anwohnern selbst kommen,

helfen und zu vermitteln, so gut ich kann.“

Sprechzeiten: Mo. bis Fr. 13 – 16.30 Uhr Tel. 0176 – 79 00 14 65

sollen in meine Arbeit einfließen und meinen Aufgabenbereich immer neu justieren, um da zu hel-

Und die Sache mit den Freiern? Trotz des stadt-

fen, wo es gerade nötig ist“, beschreibt Andreas

weiten Verbots von Straßenprostitution schaf-

Horst, der selbst in der Nordstadt aufgewachsen

fen weiterhin Frauen im Quartier an, zum Ärger

ist, seine Aufgaben.

der Anwohner. „Wenn ich sehe, dass Leute stundenlang um den Block fahren, dann spreche ich

Einmal täglich macht er seinen Rundgang durch

sie an und weise sie auf die aktuelle Situation

das Viertel, trägt dabei gut sichtbar sein Namens-

hin. Auch die Frauen, die hier ihrem Gewerbe

schild mit der Aufschrift „Quartiershausmeister“.

nachgehen, fühlen sich schon alleine durch mei-

Besonders achtet er dabei auf den allgegenwär-

ne Präsenz gestört, ohne dass das meine eigent-

tigen Sperrmüll. „Wenn ich so etwas sehe, habe

liche Intention ist.“

ich die direkte Durchwahl der Entsorgungsbetriebe, kann mich schnell informieren, ob es sich

Langfristig soll die Stelle des Quartiershausmeis-

um angemeldeten Sperrmüll handelt, und wenn

ters durch Immobilienbesitzer des Viertels finan-

nicht, dafür sorgen, dass er schnell entsorgt

ziert werden, Unterstützung gibt es bereits jetzt.

wird.“ Wiederkehrendes Abladen von Sperrmüll

Bis Ende 2014 soll diese Interessengemeinschaft

dokumentiert er fotografisch, mit dem Ziel, an

groß genug sein, damit sich die Vollzeitstelle

Schwerpunkten längerfristig durch bauliche Ver-

weiter finanzieren lässt. Die Begleitung von Woh-

änderungen, wie z.B einem Fahrradständer, gegen

nungsbesichtigungen sei eine Dienstleistung, die

das wilde Entsorgen vorzugehen.

Andreas Horst dann ebenfalls anbieten könne.

31


32 KULTUR | von Wolfgang Kienast | Foto: Daniel Sadrowski

Nach Kohlenpott und Pays Noir

Manchmal reicht ein kleiner Umweg, gänzlich neue Perspektiven zu gewinnen. Diese Erfahrung machte vor einigen Monaten Johanna-Yasirra Kluhs. Die Rückreise von einem Kurzurlaub in Frankreich sollte sie und ihren Freund in die Nähe der belgischen Stadt Charleroi führen. Kluhs ist in der Tanz- und Theaterszene beschäftigt, in der wallonischen Industriestadt ist mit „Charleroi/Danses“ ein

Der deutsch-belgische Künstleraustausch „Parallel dazu – Sauvages“

international renommiertes Choreographiezentrum beheimatet. Ein guter Grund, diesem Ort einen Besuch abzustatten. Ein Schlenker, der einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Beeindruckt von der besonderen Atmosphäre der Stadt initiierte sie gemeinsam mit ihrer gleichfalls im Bereich der performativen Künste tätigen Kollegin Felizitas Kleine ein binationales Kulturprojekt. Der Titel: „Parallel dazu – Sauvages”, ein gegenseitiger Besuch von Künstlern aus dem Ruhrgebiet und aus Charleroi. Die Ergebnisse zweier gemeinsamer Arbeitsphasen sollen anschließend in Ausstellungen präsentiert werden. Dabei hebt sich das Projekt in vielerlei Hinsicht von Konventionen im Kulturbetrieb ab. Wie das Ruhrgebiet hat Charleroi eine schwerindustrielle Vergangenheit. Der Selbstdarstellung dienende Bilder jener Zeit zeigen Maschinen, rauchende Schlote und gigantische Fabrikanlagen. „Souvenir du Pays Noir” ist eine Postkarte aus den Anfängen des zwanzigsten Jahrhunderts betitelt, ein Bergarbeiter mit Grubenlampe steht vor einer sich am Horizont im Qualm hoher Schornsteine verlierenden Industriekulisse. Die Aufnahme hätte so auch in Dortmund, Essen oder Duisburg entstehen können. Und genau wie das Ruhrgebiet wurde Charleroi vom Ende dieser Epoche schwer getroffen. Der Strukturwandel stellte die Region vor kaum lösbare Probleme; Herausforderungen, denen sich letztlich jeder Kohle- und Stahlstandort in Europa zu stellen hatte und meist noch immer hat.

Die hässlichste Stadt der Welt Bei einer gängigen Marschroute, die Zukunft in die Hand zu nehmen, wird auf den Ausbau des Dienstleistungssektors gesetzt, bei einer zweiten Ω

soll die so genannte Kreativwirtschaft gefördert

Grüße aus dem Schwarzen

werden. Prominentester Beleg für letzteres ist

Land – eine Postkarte aus der

seit 1985 das Ausloben von europäischen Kultur-

Bergbauregion um Charleroi zu

hauptstädten. Im laufenden Jahr darf Marseille

Beginn des 20. Jahrhunderts.

diesen Titel führen. Frau Kluhs kann diesem Konzept durchaus etwas abgewinnen, weiß aber auch

32

¬

Kritik anzubringen: „Das Prinzip der Kulturhaupt-

Johanna-Yasirra Kluhs

städte ist eine EU-weite Strukturentwicklungs-

und Felizitas Kleine

maschinerie, die nach klar definierten Hierarchieund Werteprinzipien funktioniert.


33

Dabei wird immer nur eine ganz bestimmte Art

plante ein riesiges Einkaufszentrum in der

Kleine. „Ich bin im Ruhrgebiet aufgewach-

von Kunst gefördert und man lässt auch nur die-

Innenstadt und eine großartige U-Bahn. Aber

sen, war dann allerdings über einen längeren

se als Aushängeschild gelten. Die Bilder werden

man verlor sich in Korruption und Skandalen.

Zeitraum auswärts beschäftigt. Seit einem Jahr

nicht in der betreffenden Region entwickelt, sie

Die fertiggestellte Bahn wurde nie in Betrieb

lebe ich wieder hier. In Herten. Mit meiner

kommen standardisiert von außen. Was wir jetzt

genommen, für das Einkaufszentrum hatte man

Rückkehr habe ich begonnen, das Ruhrgebiet

aus Marseille zu sehen bekommen, hätte ebenso

vorauseilend einen Teil der Innenstadt abgeris-

noch einmal ganz neu zu betrachten. Und ich

gut 2010 im Ruhrgebiet stattfinden können.”

sen, dann sprang der Investor ab. Das Ergebnis

finde den Ansatz der Künstler von ,Hôtel Charle-

Charleroi wird nicht so bald Kulturhauptstadt

ist eine vollkommen seltsame Stadtlandschaft,

roi‘ spannend. Es geht ihnen um den Auftrag,

werden, wohl aber, im kommenden Jahr, das be-

die aussieht wie ein zerpflügtes Gebiss. Das

den die Kunst in solchen Regionen haben kann.

nachbarte Mons. Charleroi trägt einen anderen,

ist überwältigend, jedoch auf eine Art, die wir

Natürlich wäre es sehr einfach, das vorhande-

einen inoffiziellen Titel: die niederländische

zunächst gar nicht verstanden haben.”

ne Elend als ästhetisches Ereignis, das man konsumieren kann, mit den üblichen Bildern

Tageszeitung „De Volkskrant” kürte den Ort 2008

auszuschlachten. Aber das ist weder deren noch

zur „Hässlichsten Stadt der Welt”.

Der Auftrag der Kunst

Deckungsgleiche Utopien

Eher zufällig, doch mit weit reichenden Folgen, lernte Johanna-Yasirra Kluhs noch vor Ort

So wenig wie „Parallel dazu – Sauvages” ein

„In puncto Strukturentwicklung wird in Europa

eine Künstlergruppe namens „Hôtel Charleroi”

voyeuristisches Interesse an zweifelsohne

dem Ruhrgebiet Vorbildcharakter zugespro-

kennen. Wieder zu Hause in Essen und nach

vorhandenen Dysfunktionen befriedigen will,

chen”, sagt Frau Kluhs. „Vergleichbare Strategi-

Gesprächen im Kollegen- und Bekanntenkreis

sollen die Ergebnisse den nahezu standardisier-

en wurden auch in Charleroi verfolgt. Die Utopi-

reifte die Idee eines Austausches zwischen

ten Resultaten entsprechen, wie sie die offizielle

en und der Anspruch an sich waren und sind in

den Künstlern aus Charleroi und auf ähnlichem

Kulturindustrie hervorbringt. Vielmehr vertrauen

etwa deckungsgleich. Man hatte Ambitionen zu

Terrain Schaffenden aus dem Ruhrgebiet. In Fe-

Kluhs und Kleine auf eine kreative Szene, die

wachsen und nach dem Wegfall der Industrie

lizitas Kleine fand sie eine engagierte Partnerin

sich unabhängig vom geförderten Kulturbetrieb

noch zu funktionieren, brüstet sich mit kultu-

für das Projekt. „Ich konnte sehr gut verstehen,

an den Schnittstellen von Club, Kunst und Thea-

rellen Leuchttürmen wie „Charleroi/Danses”,

was Johanna an dem Thema fasziniert”, sagt

ter herausgebildet hat.

unser Anliegen.”

33


34

Möglichkeitsräume Für die Kooperation auf deutscher Seite konnten

Christian Odzuck, der mit seinen Arbeiten die

sie das Maschinenhaus der Zeche Carl in Essen

Produktion von Realität im gesellschaftlichen,

gewinnen. Organisiert vom Kunstverein Carl Sti-

ökonomischen und sozialen Kontext themati-

pendium e.V. versteht sich das Maschinenhaus als

siert, beteiligt sich an dem Projekt. „Ich bin kein

Ort für künstlerische Experimente und Grenzgänge.

Studiokünstler, der sich morgens hinsetzt und

Dessen Selbstverständnis verspricht, professionel-

anfängt zu malen. Ich arbeite im öffentlichem

len freischaffenden Künstlern absoluten Freiraum

Raum. Mich interessiert zunächst einmal die Auf-

zu garantieren, sich nie in den deren Arbeit

nahme einer Gegebenheit, der Rechercheprozess,

einzumischen, den Prozess der Entstehung eines

die Analyse. Ehemalige Industriestandorte finde

Kunstwerkes ebenso hoch zu schätzen wie später

ich spannend, weil sie sich permanent verändern.

das fertige Werk und die Ateliersituation für ein

Natürlich ist es vermessen, zu behaupten, man

interessiertes Publikum offen zu halten. Das versi-

könne als Künstler auf diese Entwicklung Einfluss

chert Geschäftsführerin Aude Bertrand. „Deswe-

nehmen. Aber durch unsere Art einer Situations-

gen fühlen wir uns hier so gut aufgehoben”, sagt

beschreibung können wir dazu beitragen, das

Kluhs. „Unsere Arbeit besteht ja letztlich darin,

Bewusstsein zu schärfen um auf dieser Basis

Räume für Möglichkeiten aufzumachen. Genau so

vorurteilsfreier agieren zu können.”

denkt das Maschinenhaus und gibt uns die Chance, unsere Vision zu verwirklichen.” „Wir als Kuratoren

Johanna-Yasirra Kluhs stimmt zu: „Für mich ist es

sehen uns bei dem Projekt eher als Moderatoren”,

ein politischer Auftrag der Kunst, immer wieder

ergänzt Kleine. „Wir wollen Kontakte fördern. Uns

Prozesse der Bewusstwerdung anzuregen. So etwas

sind die Fragen, die die Künstler stellen und der

habe ich ja als Folge von Charleroi erlebt. Plötzlich

gegenseitige Austausch wichtiger, als am Ende

schaue ich ganz anders auf das, was mir immer

eine perfekte Ausstellung im hergebrachten Sinn

normal erschien. Es hat mit dem fremden Blick auf

präsentieren zu können. Wir grenzen uns also ganz

sich selbst zu tun. Wir hoffen, dass es Künstlern

bewusst von Erwartungshaltung und Verwertungs-

und Besuchern mit ,Parallel dazu – Sauvages‘ eben-

logik der Kulturindustrie ab.”

so geht. Das Ruhrgebiet hechelt immer so atemlos durch diese Leuchtturmkulturpolitik. Da wollen

Bewusstwerdung statt Leuchtturmpolitik

wir einfach mal zurücktreten und fragen, wo das herkommt und warum das so ist.” (wk)

Zwei gemeinsame Arbeitsphasen, eine in der

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34

Wallonie, die andere im Revier, wird es geben

INFO

– vom 4. bis zum 12. August in Essen und vom

„Parallel dazu – Sauvages“

31. August bis zum 8. September in Charleroi.

Maschinenhaus Zeche Carl

Präsentiert werden die Ergebnisse im September

Wilhelm-Nieswandt-Allee 100 | 45326 Essen

in Charleroi und im November im Maschinenhaus.

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35


36 LITERATUR | gelesen von Bianka Boyke

Anja Tuckermann

Lotte Kinskofer

Kopfüber. Kopfunter. Ein Jugendbuch über ADHS

Gefangen in einer Schattenwelt Der Jugendroman „Aufgeflogen“

In „Kopfüber. Kopfunter“ von Anja

Ein neues Mädchen kommt in

Tuckermann geht es um ADHS. Da-

Christophs Klasse – Isabel aus

mit packt die Autorin ein Tabuthe-

Kolumbien. Von Anfang an ist

ma in einen Jugendroman, irritiert

Christoph fasziniert von der ruhi-

allerdings mit der Umsetzung. Elli

gen Isabel, die so wenig von sich

und Sascha – beide zehn Jahre

preisgibt. Die beiden kommen

alt – sind die besten Freunde. Sie

einander recht schnell näher.

verbringen jede freie Minute mit-

Doch nicht wirklich nah.

einander. Ihr großes Hobby: Sie

Isabel bleibt auch ihm gegen-

denken sich die haarsträubendsten

über verschlossen, spricht nie

Geschichten aus, nehmen dazu bei

über sich selbst. Wo lebt Isabel?

ihren Streifzügen alle möglichen

Wie lebt Isabel? Und vor allem:

Geräusche auf, und Elli bastelt dar-

Warum verschwindet sie immer

aus am Computer Hörspiele.

so plötzlich? Christoph möchte

Elli liebt Saschas Heiterkeit und seine unerschöpfliche Phantasie.

unbedingt mehr über sie erfahren. Eines Tages folgt er ihr heimlich. Er

Und wenn er mal wieder einen seiner Wutanfälle bekommt, bei dem er

findet heraus, dass Isabel mit ihrer Mutter illegal in Deutschland lebt,

gegen Sachen tritt, haut sie einfach schnell ab. Das kennt sie schon.

ständig in der Angst, entdeckt und abgeschoben zu werden. Noch bevor

Es stört sie nicht. Es nervt sie nur, wenn sie ihm beim Reden hinter-

Christoph Isabel irgendwie helfen kann, wird in ihrem Haus der Haus-

hergucken muss. Denn wenn Sascha Elli etwas erzählt, läuft er dabei

meister ermordet aufgefunden. Christoph reagiert schnell, versteckt

meist auf und ab und davon wird ihr schwindelig. Trotzdem: Wenn

Isabel. Denn die wird nun von der Polizei gesucht – zunächst als Zeu-

andere Kinder Sascha doof nennen, sagt Elli nur: „Der ist, wie er ist.

gin, dann als Verdächtige.

Und ich finde ihn gut.“

Lotte Kinshofer schreibt leicht verständlich, bleibt dabei immer gesell-

Zu Hause hingegen hat Sascha oft Streit mit seiner Mutter und seinen

schaftskritisch und gibt Einblick in die Schattenwelt der Papierlosen in

Geschwistern, und auch in der Schule kommen Klassenkameraden und

Deutschland. Sie verbindet Drama, Liebesgeschichte und Krimi zu einem

Lehrer nicht mit ihm zurecht, nennen ihn verhaltensauffällig. Sascha

spannenden, nachdenklich stimmenden Jugendbuch.

kommt schließlich auf eine Förderschule und ihm wird ein Betreuer zur Seite gestellt. Frank geht mit Sascha monatelang von Arzt zu Arzt, will herauszufinden, warum Sascha noch immer weder lesen noch schreiben kann. Nach mehreren Monaten steht die Diagnose fest: ADHS.

Wie geht es angeblich „Illegalen“ in Deutschland? Sie stehen immer am Rande der Gesellschaft, sind damit rechtlos, da offiziell gar nicht existent. Sie leben ohne jegliche Sicherheit. So wird Isabel beispielsweise von ihrem Arbeitgeber ausgebeutet, vom Hausmeister sexuell

Sascha bekommt Tabletten – er wird ruhiger, ist aber auch oft müde. Die

genötigt und ihre Mutter bekommt keine notwendige medizinische

Erwachsenen sind froh, Elli wünscht sich ihren Freund zurück. „Du hast

Versorgung.

dein Lachen verloren“, sagt sie zu ihm. Die enge Freundschaft der beiden scheint zu zerbrechen, bis Sascha nach ein paar Monaten beschließt, die Tabletten einfach nicht mehr zu nehmen. Jetzt hat Elli ihren besten Freund wieder. Damit endet das Buch und lässt den Leser mit vielen Fragen zurück: Sascha kann doch noch nicht gesund sein, oder? Sind Kinder, die an ADHS erkrankt sind, unter Medikamenten nur glücklich, weil ihre Umwelt mit ihnen zufriedener ist? Versucht man sie dadurch also nur in eine Form zu pressen? Oder passte dieser Ausgang schlichtweg zur Dramaturgie des Romans? Eins ist klar: Der Roman ermutigt, hitzig zu diskutieren. Und

Der Jugendroman „Aufgeflogen“ zeigt eindringlich, was eine Familie alles auf sich nimmt, um irgendwann ein besseres Leben führen zu können. Jugendliche sehen so: Das Klischee vom Ausländer, der nach Deutschland kommt, um es sich hier „richtig gemütlich zu machen und auf Kosten des Staates zu leben“, stimmt wohl nur in den wenigsten Fällen. Das Nachwort von Birgit Poppert, Gründerin des Café 104 in München, das Menschen ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung unterstützt, erläutert die in der Geschichte vorkommenden Ereignisse und rundet das Buch ab. Als Schullektüre dringend empfohlen. (bb)

das ist für alle Tabuthemen der beste Anfang. (bb) Lotte Kinskofer | Aufgeflogen Anja Tuckermann | Kopfüber. Kopfunter. ab 12 Jahren | Klak Verlag | 111 Seiten | 6,90 Euro

36

ab 14 Jahren | dtv pocket | 224 Seiten | 6,95 Euro


37 Fehlersuchbild – Lösung: 1) der kleine Stein vorne links fehlt, 2) einer der beiden größeren Steine vorn hat den Mundwinkel weniger hochgezogen 3) und dem anderen fehlt die Augenbraue, 4) einer der beiden Tragsteine grinst anders, 5) der quer liegende Stein hat kein Gesicht 6) und ihm fehlt eine kleine Ecke, 7) zwischen den beiden Tragsteinen ist der Rasen etwas höher, 8) die rechte Wolke ist anders geformt, 9) der linke Vogel fliegt in eine andere Richtung und 10) der redende Stein ist oben etwas länger.

Finde die 10 Unterschiede im rechten Bild. Viel Erfolg! Rätsel-Lösung: BOGART

RÄTSEL | von Volker Dornemann

37


38 BODO GEHT AUS | von Wolfgang Kienast | Fotos: Daniel Sadrowski

Im Wanne-Eickeler Stadtteil Unser Fritz, benannt nach der gleichnamigen, 1993 endgültig stillgelegten Zeche, benannt wiederum nach Kronprinz Friedrich Wilhelm, sehr beliebt bei der Bevölkerung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, findet ein RuhrgebietsNostalgiker noch jene Atmosphäre, die er in den Zentren der Reviermetropolen mittlerweile vergebens sucht.

Fritzchen | Herne Wanne-Eickel Museales Gleiscafé mit Ruhrgebietsatmosphäre Sozialarbeiterin betreibt das Fritzchen im Ne-

che freundlich fragt, dem wird dabei eventuell

benberuf. Wenn sie Hilfe braucht, wenn sich ihre

sogar ein persönlicher Grillwunsch erfüllt.

eigentliche Arbeit und das Café zeitlich nicht unter einen Hut bringen lassen, springt ihre Mutter

Während der Saison von März bis Oktober, doch

ein. Die backt außerdem den leckeren Kuchen,

auch in der eigentlichen Winterpause kann das

der im Fritzchen angeboten wird. Handgemachte

Gleiscafé für Geburtstage, Betriebsfeste oder Ver-

Klassiker. Dazu gibt es Kaffee, Cappuccino, Latte

einsabende gemietet werden. Nach Möglichkeit

Macchiato, diverse Teesorten, Limonaden, Biere,

finden individuelle Vorlieben Berücksichtigung.

„leichte Getränke“ wie Wein oder Sekt und ein

Frau Lenger erzählt von einer Doppelkopfrunde,

paar Kurze. Die Preise liegen zwischen 1,50 für

die um Fingerfood bat, weil mit der zweiten Hand

Kaffee oder Tee und 3,00 Euro für den halben Li-

die Spielkarten gehalten werden mussten.

ter Bier. Volkstümlich fair. Im Radio läuft WDR4. An den Wänden hängen alte Postkarten und Fotos

Vom Betrieb im Gleiscafé profitiert natürlich

von Dampflokomotiven der Wanne-Herner Eisen-

auch das Museum. „Das lag ja für Jahrzehnte

bahn und Hafen GmbH (1960), dem Sol- und Ther-

in einem Dornröschenschlaf”, sagt Frau Lenger.

malbad Wanne-Eickel (1957), dem Pferdemarkt

„Das ist noch ein Heimat- und Naturkundemuse-

als Auftakt zur Cranger Kirmes (1954) oder einem

um der alten Art mit Objekten aus dem Bergbau,

Haus der Gemeinnützigen Wohnstättengenossen-

einer Back- und Wohnstube, einer Drogerie und

schaft Wanne-Eickel (1910).

ausgestopften Tieren. Außerdem ist die wohl größte und älteste Ofensammlung Deutschlands

Unser-Fritz-Straße 108 lautet die Adresse des an-

38

sässigen Heimat- und Naturkundemuseums. Hinter

„Die meisten Bilder haben mir unsere Gäste

zu besichtigen. Sogar eine römischen Fußboden-

dem Museum, unter großen Bäumen, zwischen dem

geschenkt“, sagt Frau Lenger und liefert einen

heizung gehört zur Ausstellung. Nach Kaffee und

schmucken roten Ziegelbau und dem nahegelege-

weiteren Beweis für die freundlich-familiäre At-

Kuchen gehen viele meiner Gäste noch rüber und

nen Rhein-Herne-Kanal, vermoost pittoresk ein

mosphäre im Café. „Es gibt viele Stammgäste.

schauen sich das Museum an.”

gutes Dutzend meist bergbauhistorischer Schie-

Die bringen manchmal Neue mit, und die sehe

nenfahrzeuge. Mit einer Ausnahme: Blitzblank und

ich dann auch meist wieder.“ Über die Jahre hat

Sehr beliebt ist die Kombination von Limo bei Fritz-

liebevoll renoviert erwartet das Gleiscafé Fritz-

sich das Gleiscafé zu einem beliebten Ausflugsort

chen und anschließendem Museumsbesuch bei Kin-

chen seine Gäste.

entwickelt. Gut zu erreichen mit PKW oder den

dergärten und Schulen der Stadt. Das Museumsge-

Bussen der Linien 328 und 329, wissen darüber

bäude selbst erlebt dann gewissermaßen ein back

„Das war ursprünglich mal ein Personenbehelfs-

hinaus vor allem Radfahrer die günstige Lage am

to the roots, denn einst war hier die Stadtteilschule

wagen auf Zeche, eine Art Aufenthaltsraum auf

Radweg neben dem Kanal und die Anbindung an

von Unser Fritz untergebracht. (wk)

Rädern“, erklärt Claudia Lenger. Restauriert wurde

den Erzbahntrassenweg zu schätzen. Gerade an

der Waggon vor etwa sieben Jahren über ein Stadt-

Wochenenden und bei gutem Wetter macht sich

Fritzchen – Unser Gleiscafé

teilprojekt, genutzt werden sollte er anschließend

das bemerkbar. Doch in Fritzchens Biergarten-

Unser-Fritz-Straße 108 | 44653 Herne

als Museumscafé. Da sich kein anderer Pächter fand,

bereich ist ausreichend Platz für alle. Sonntags

Mi. bis Sa. 14 bis 17 Uhr | So. 11 bis 17 Uhr

übernahm Frau Lenger das Objekt. Die engagierte

wird dort rustikal gegrillt. Und wer unter der Wo-

Tel. 02325 – 63 79 27


39

Foto: Sebastian Sellhorst

LESERSEITE

bodo dankt: Sparkasse Bochum Gerd Schlitzer, Lieselotte Markgraf, Sabine Raddatz, Petra Danielsen-Hardt, Silke Harborth, Timo Zimmermann, Dolf Mehring, Hildegard Reinitz, Ruth Hanke, Ute Soth-Dykgers, Annette Düe, Kathrin Bohr, Anna Wirges, Oliver Stiller, Doris Doberstein, Esther Hagemann, Wolf Stammnitz, Nicolas Koester, Herr Dr. Rinnert Siemssen, Volker Schaika, Hannelore ThimmRasch, Sigrid und Axel Klaerner, Gerhard Volpers, Else Marie Bork, Peter Lasslop, Kathrin Bohr, Christina Kolivopoulos, Jutta und Wido Wagner, Klara Lehmann, Berlinde Loß, Ursula Kemper, Bettina Andre, Monika Warnecke, Martina Kramer, Susanna Sworowski, Robin Roenspies, Dr.Med. Vet. Karen Elisabeth, Gerda Nolte, Heinz Riedl, Jörg Friedrich Gillhoff, Helga Birtel, Jutta und Hans Joachim Deschner, Regina und Rolf Peter Reinbacher, Peter Herzog, Alexia Sfirikla, Christa Fuhrlaender, Michael Meier, Siegmar Welski, Dr. Karl-Ulrich Winkler, Udo Möller, Angelika Göbel, Heinz Riedl, Sieglinde Benfer, Doris und Ulrich Fehre, Doris Piepenbring-Nesch, Ursula Wasiolka, Dr. Josef Balzer, Alexander Barbian-Steinfort, Michael Buddenberg, Helmut Buscha, Christian Chammings, Angelika Engelberg, Paul Engelen, Fabian Fluhme, Rolf Geers, Matthias Grigo, Grünbau GmbH, Britta Richter, Manfred Kater, Almuth Keller, Jutta Kemper, Helga Koester-Wais, Birgit Kuehn, Nicola Steinstrass, Wulfhild Tank, Felix Zulechner, Ingeborg Schumacher, Gabriele Steinbrecher, Gabriela Schaefer, Hermann Schroeder, Susanne Mildner, Barbara Meyer, Ute Michler, Ludwig Seitz, Bärbel Bals, Kerstin Bals, Karl Bongardt, Ralf Finke, Michael Stange, Nicole Goralski, Jörg Gruda, Erika Janssen, Marlis Lange, Arne Malmsheimer, Wolfgang Neuhaus, Ursula Remer, Daniela Schmitz, Nadja Schramm, Rainer Stücker, Thomas Terbeck, Linda Wotzlaw, Heinz Schildheuer, Thomas Schröder, Snezka Barle, Ute Börner, Bernd Ewers, Regina Höbel, Sandra und Friedrich Laker, Frank Siewert, Ilona Zarnowski, Rainer Biel, Udo Bormann, R. Dammer, Anita Diehn-Driessler, Christine Ferreau, Udo Greif, Rüdiger Haag, Elsbeth Heiart, Astrid Kaspar, Annette Krtizler, Ursula Machatschek, Jutta Meklenborg, Marlies und Eberhard Piclum, Sandra Rettemeyer, Inge Schaub, Dorothea Bomnüter, Petra Bloch, Ina und Arno Georg, Edith Link, Annemarie Meiling, Christain Scheer, Roswitha Wolf, Ulrike Bornemann, Hans-Georg Schwinn, Isabell Bikowski-Gauchel, Peter Buning, A. und M. Dietz, Klaus-M. Kinzel, Annegret Malessa, Christine Weber, Monika Bender, Petra Bender, Eberhard Garburg, Jutta Haring, Lieselotte Koch, Katrin Lichtenstein, Ulrike Märkel, Gerd Pelzer, Renate Krökel, Klaus Kwetkat, Stefan Meyer, Carsten Klink, Thomas Olschowny, Daniela Gerull, Dieter Schibilski, Martin Scholz, Karl-Heinz Schwieger, Barbara Bokel, Sandra Wortmann, Dieter Zawodniak, Friederike Jansen, Dirk Schmiedeskamp, Sebastian Poschadel, Rita Pilenko, Margret und Hansjörg Sellhorst, Christoph Grüter, Jörg Gruda

50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und eine Gesamtspendensumme von 5.000 Euro! Die zweite Charity-Motorradausfahrt „biken für bodo“ war ein voller Erfolg, vor allem dank der Organisation durch Betty André und der großen Spende von Marcus Parzonka. Vielen Dank an alle!

LESERBRIEFE Hallo Herr Pütter, wann immer ich einen Verkäufer des bodo treffe, kaufe

Menschen gehören, die sich vor Arbeit drücken. Im Ge-

ich ein Exemplar, so auch letzte Woche Freitag.

genteil, ich finde es bemerkenswert, wenn sich jemand

Da ich nur einen 10-Euro-Schein hatte, bat ich die Ver-

bei Wind und Wetter in die Einkaufspassage stellt, um

käuferin des dm-Marktes nach meinem Einkauf, mir die-

sich ein paar Cent dazu zu verdienen.

sen zu wechseln. Auf ihre Frage, wie klein ich es denn

Außerdem möchte ich nicht wissen, was ein Verkäufer

haben wollte, antwortete ich, dass es mir egal wäre,

sich so alles gefallen bzw. von seinen Mitmenschen sa-

ich bräuchte lediglich etwas Kleingeld, um dem jungen

gen lassen muss...

Mann vor der Tür den bodo abzukaufen.

Mit freundlichen Grüßen, Patricia Pachura

Daraufhin gab die Dame ihr „geballtes Halbwissen“ zum Besten und erklärte mir, dass man das auf keinen Fall

Hallo liebe bodo- Redaktion,

machen dürfe, da es sich bei diesen „Leuten“ um Drücker-

habe heute einem sehr netten Verkäufer eine bodo ab-

kolonnen handeln würde, die einem nur das Geld aus

gekauft, der mit Sauerstoffgerät am Rollator an mir vor-

der Tasche ziehen wollten. Das wäre ja angeblich eine

beilief und etwas vor sich hin sagte (da ich schlecht

Obdachlosenzeitschrift, und „der da draußen“ würde ja

höre, war mir erst unklar, ob er mit sich selbst sprach),

mal nicht aussehen wie ein Obdachloser. Tags zuvor hät-

dann sah ich aus dem Augenwinkel aber die bodos auf

te eine Frau dort gestanden und die Zeitschrift verkauft,

der Ablagefläche des Rollators liegen und nahm die Ver-

und da hätte ihr eine Kundin auch gesagt, das man die-

folgung auf – er war ziemlich fix unterwegs...

sem „Pack“ auf gar keinen Fall Geld geben dürfe.

Alle Achtung, und Hut ab: da würden andere resignieren

Diese Aussage machte mich furchtbar wütend, und ich

und nur noch vor der Glotze kleben. Meine Bewunderung

habe versucht, ihr zu erklären, wie es sich mit Verkauf

dafür, wie jemand aktiv mit seinem Schicksal umgeht!

bzw. den Verkäufern von bodo verhält. Seit einigen

Ich habe auf zwei Euro aufgerundet, und die Freude des

Jahren bin ich im Jobcenter tätig und weiß, dass die

Verkäufers wird mich durch den Tag begleiten.

VerkäuferInnen des bodo ganz bestimmt nicht zu den

Viele Grüße, Doris Gräwe

CARTOON | Idee und Zeichnung: Volker Dornemann

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bodo August 2013  

Die August-Ausgabe des Straßenmagazins.

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