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DAS RECHT TIERSCHUTZMAGAZIN

VOM

Dezember 2013

DER

TIERE

BUND GEGEN MISSBRAUCH

DER

TIERE

E .V.

HAPPY END 2013 DIE SCHÖNSTEN VERMITTLUNGEN DES JAHRES

DER NEUE bmt-VORSTAND DAS VIERERGREMIUM STELLT SICH VOR

WAS AS P ROTESTE ROTESTE

BEWIRKEN BEWIRKEN KÖNNEN KÖNNEN

Zoophilie ist in Deutschland endlich verboten!

WENN KINDER ENTSCHEIDEN KÖNNTEN

… WÜRDEN SIE TIERE GLÜCKLICH MACHEN


INHALT

4 AKTUELL

Dieser Protest hatte Erfolg: Seit Juli 2013 ist die Zoophilie in Deutschland verboten!

6 bmt

INTERN Sie haben gewählt Der bmt hat einen neuen Vorstand

12 DIE GLÜCKLICHEN

AUS 2013 Die schönsten Vermittlungen aus unseren Tierheimen

Gemeinsam für Tiere Der neue bmt-Vorstand stellt sich vor

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16 TIERSCHUTZPOLITIK

Zoos sind keine Arche Noah bmt-Mitglied schreibt an den EU-Präsidenten

18 AUSLANDSTIERSCHUTZ

Wie geht die bmt-Arbeit in Rumänien mit der neuen Gesetzeslage nun weiter?

20 bmt-GNADENBROTTIERE

Wie Ochse Burschi sich sein Leben zurückeroberte

Berlin bmt-Aktion gegen Stopfleber in Restaurants

40

22 "KINDER

AN DIE MACHT" Johannis (7) überlegt, wie der Mensch Tiere glücklich machen könnte

Happy End 2013 Die schönsten Seite 16 Vermittlungen im bmt

Neues Kinderblatt Joschi, der grüne Wellensttich

12

24 WISSEN

Über elektronische "Erziehungshilfen" für Hunde

26

Heftmitte

bmt-GESCHÄFTSSTELLEN 26 28 31 34 38 40 42 44 46 48

TSZ Pfullingen Rettungsinsel für rumänische Hunde TH Hage Mein Jahr mit Jack TH Wau-Mau-Insel Lebenslange Verantwortung für unsere Tiere TH Köln Dies und Das aus Dellbrück Katzenhaus Wie Candy gerettet wurde Gst Berlin Aktion gegen Stopfleber Gst Bayern Abschuss von Tauben in München TH Arche Noah Rasselbande macht Tierheim "unsicher" TH Elisabethenhof Endstation Sehnsucht Franziskus-TH Tierheim in neuem Outfit

Das Recht der Tiere 4/2013

50 ADRESSEN

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Impressum

ANZEIGEN

Markt & Service 23 und 37

DAS RECHT DER TIERE Nr. 4/2013 Mitgliederzeitschrift des Bund

gegen Missbrauch der Tiere e. V.; Herausgeber: Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V., Viktor-Scheffel-Str. 15, 80803 München, Deutschland, Email: mail@bmt-tierschutz.de; Redaktion: Verantwortlicher Redakteur i.S.d.P.: Claudia Lotz, Tel.: (030) 80 58 33 -38, Fax: -39, Karsten Plücker, Tel: (0561) 86 15 680, Fax: -18; Rubrik Tierschutzpolitik Verantwortlicher Redakteur i.S.d.P.: Torsten Schmidt, Tel.: (04642) 92 24 07; Gestaltung: Stefan Lotz, Andrea Sturm;

Druck: L.N. Schaffrath DruckMedien, Geldern; Übernahme von Artikeln, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe gestattet. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier. Auflage: 34.000 Exemplare, Verantwortlich für den Anzeigenteil: Anzeigen-Büro Udo Kraushaar, Email: bmt@anzeigen-buero.de Titelfoto: Marita Spitzbarth, www.fotografie-spitzbarth.de


AUF

AUF

EIN

EIN

WORT

WORT…

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde, mit schnellen Schritten geht ein aufregendes, ereignisreiches Jahr zu Ende, das voller Höhen und Tiefen war. Doch wir können und wollen den Blick nicht auf die Vergangenheit richten, sondern müssen gemeinsam in die Zukunft blicken. Der Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. steht mit seinen acht Tierheimen in erster Linie für die praktische Tierschutzarbeit: Und so freuen wir uns in unserer alltäglichen Tierschutzarbeit über erfolgreiche Vermittlungen, leiden mit kranken und vernachlässigten Tieren, trauern um verstorbene Schützlinge und hoffen darauf, dass die Zukunft für die Tiere eine bessere wird. bmt-V V orsitzender Karsten Plücker Neben der direkten aktiven Hilfe für die Tiere engagieren wir uns stark in tierschutzpolitischen Themen: Verbot von Wildtieren in Zirkussen, Tierversuche, Einführung der Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen, Zoophilie oder Welpenhandel sind nur einige Themen, die im vergangenen Jahr brandaktuell waren. Doch wir blicken auch über den Tellerrand hinaus und engagieren uns in unserer Auslandstierschutzarbeit in Ungarn und Rumänien. Die dramatischen Ereignisse nach dem Tod des kleinen Jungen in Rumänien im September 2013 sind vielen Tierfreunden sehr nahe gegangen und die Emotionen sind hoch- und manches Mal auch übergekocht. Aber um für die Tiere etwas zu erreichen, muss man konstruktiv zusammenarbeiten und nicht blinden Aktionismus walten lassen. ‚Wer Rechte für Tiere fordert, muss auch fair mit Menschen umgehen', bemerkt der Dokumentarfilmer und Autor Manfred Karremann folgerichtig. Am 27. Oktober 2013 hat die Mitgliederversammlung des Bundes gegen Missbrauch der Tiere e.V. den neuen Vorstand für die kommenden vier Jahre gewählt. Zum Ersten Vorsitzenden wurde Karsten Plücker, Tierheimleiter und Beiratsmitglied, bestimmt. Zweiter Vorsitzender ist sein Hamburger Kollege und VOXModerator Frank Weber. Karin Stumpf vom Tierheim Köln-Dellbrück wurde in ihrem Vorstandsamt bestätigt. Und viertes Vorstandsmitglied ist Tierarzt Dr. Uwe Wagner aus Reutlingen, Baden-Württemberg. Ebenfalls neu gewählt wurde der Beirat. Der Beirat setzt sich zusammen aus den Geschäftsstellenleitern und bis zu fünf weiteren Mitgliedern. Dies sind: Rechtsanwalt Bernd Neunzig aus Köln, Heike Bergmann vom Tierheim Köln-Dellbrück, Gaby Redeker aus Bremen, Elke Bitter aus Kassel und Carsten Kupriss aus Reutlingen.

Wir danken allen Mitgliedern für das uns entgegengebrachte Vertrauen - Sie können sicher sein, dass wir uns auch im nächsten Jahr gemeinsam für Tiere stark machen. Herzlichst, Ihr Karsten Plücker

Karsten Plücker, bmt-Vorsitzender

Das Recht der Tiere 4/2013

Die Vorstandsarbeit bedeutet sicherlich viel zusätzliche ehrenamtliche Arbeit, bietet aber vor allen Dingen auch die Möglichkeit, die praktische und politische Tierschutzarbeit des bmt in einem Team zu gestalten.

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In Deutschland ist

Zoophilie Unsere Proteste hatten Erfolg:

Das Recht der Tiere 4/2013

Lange hat sich die Politik vor einem Tierschutzproblem verschlossen, das mit dem Internet eine Brisanz erfahren hat, die vor Jahren kaum denkbar schien: dem sexuellen Missbrauch von Tieren. Seit der Aufhebung des Sodomie-Verbots 1969 ein weitgehend tabuisiertes Thema ohne "kriminalpolitische" Bedeutung, eine bloße "Randerscheinung" der Gesellschaft, wie gerne argumentiert wurde. Doch die Öffentlichkeit, sensibilisiert durch Tierschutzorganisationen und deren Eintreten für ein erneutes Verbot, nahm die Selbstdarstellung der Zoophilisten im und über das Internet anders wahr: Wer Tiere sexuell missbraucht - unabhängig davon, ob ihnen nachhaltig Schmerz, Leid oder Schaden zugefügt wird muss für dieses Vergehen bestraft werden, so die immer häufiger erhobene Forderung. Im Rahmen der Novellierung des Tierschutzgesetzes 2012 kam das verschwiegene Tierleid nun endlich auf die politische Agenda. Seit dem 12. Juli 2013 sind sexuelle Handlungen an und mit Tieren verboten - allerdings nicht in der Konsequenz eines Straftatbestandes, wie von den Befürwortern erwünscht, aber dennoch als ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung: Die Zoophilie erhält den Status der Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld bis zu 25.000 Euro bestraft werden kann.

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Während Agrarministerin Aigner die Bußgeldvorschrift als Sanktionierung von Zoophilie für ausreichend hielt, hatte Bündnis 90/Die Grünen in einem Alternativentwurf zum Tierschutzgesetz für härtere Bestrafungen nach dem Vorbild der Schweiz plädiert. In unserem Nachbarland gilt der triebmotivierte Übergriff eines Menschen auf ein Tier als Inbegriff der Missachtung der tierischen Würde - ein Begriff, der bei der Expertenanhörung zur Novellierung des Tierschutzgesetzes im Oktober 2012 bei einigen Sachverständigen in Berlin auf Unverständnis stieß. Die Vorstellung von Tierwürde sei "bedenklich" wurde geäußert und gleichfalls dürfe "abweichendes Verhalten" nicht um seiner selbst willen bestraft werden. Auch der ehemalige Verfassungsrichter Winfried Hassemer erklärte, dass die "Moral" nicht durch Gesetze geregelt werden dürfe. Moral oder nicht doch eine besonders perfide Form der Tierquälerei? Noch bei der Expertenanhörung wurde deutlich, wie

schwer sich manche Teilnehmer mit der Strafbarkeit sexueller Handlungen an und mit Tieren machten. Die Internationale statistische Klassifizierung der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (10. Revision German Modification Version 2013) bezeichnet das sexuelle Hingezogensein zu Tieren als "Störung der Sexualpräferenz". Der in Berlin ansässige Verein Zeta (Zoophiles Engagement für Toleranz und Aufklärung) stellt nicht nur diese Klassifizierung in Frage (und hat einen Änderungsantrag eingereicht), sondern hat auch angekündigt, gegen das Zoophilie-Verbot Verfassungsbeschwerde einzulegen und wenn nötig, die Bundesrepublik Deutschland zu verklagen bzw. vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen. Seine Begründung: Die nach Aussagen des Vereins mittlerweile auf ca. 100.000 Zoophilisten angewachsene Szene in Deutschland sehe sich durch das neue Gesetz diskriminiert und werde auf ihr verfas-

sungsmäßiges "Recht auf sexuelle Selbstbestimmung" pochen. 34 Jahre lang, nachdem 1969 die Strafbarkeit sodomistischer Vergehen aufgehoben wurde, war das Tier von eben genau solchen Tätern als Sexualobjekt nutzbar, benutzbar und missbrauchbar. Mit einer Strafe mussten die Zoophilisten nicht rechnen, weil der Gesetzgeber den Schutz der Tiere - auch in diesen besonderen Fällen über das Tierschutzgesetz für ausreichend hielt. Sobald Tieren länger anhaltende (nachweisbare) Schmerzen, Schäden und Leiden zugefügt werden, greift § 17 TierSchG (s. Kasten), natürlich immer unter der Voraussetzung, dass ein durch sexuelle Handlungen verwundetes Tier auch einem Tierarzt vorgestellt wird und seine Verletzungen damit dokumentiert werden können. Scham, mangelndes Schuldgefühl, fehlende Empathie oder schlicht Brutalität - kein Täter brachte und bringt sein durch Penetration, Fesselung oder anderweitige Misshandlung (schwer) ver-


AKTUELL

letztes Tier zur Behandlung, im Gegenteil: Wenn Tiere aus den Händen ihrer Peiniger befreit werden können, dann oft nur durch einen Zufall. So konnte Amelies fast acht Jahre währendes Martyrium nur beendet werden, weil ein Hundehalter früher von der Arbeit nach Hause kam und sah, wie sich sein Nachbar an seiner eigenen Hündin verging. Der hinzu gerufene Tierschutz stieß dann im Keller des Zoophilisten auf eine abgemagerte, apathische Schäfermischlingshündin, die angekettet an eine Heizung die sexuellen Gelüste ihres Besitzers ertragen musste. Das Franziskus Tierheim in Hamburg machte es noch möglich, dass Amelie in Niedersachsen ein schönes Zuhause erhielt - wenn auch nur für wenige Wochen. Die Hündin starb kurz nach ihrer Rettung an Krebs. Der bmt hatte sich immer wieder für ein gesetzliches Verbot zoophiler Taten ausgesprochen und 2009 ein Gutachten in Auftrag gegeben, das eben zu diesem Schluss kam: Das Tierschutzge-

setz könne derart malträtierten Tieren keinen hinreichenden Schutz bieten und müsse auf die neue Herausforderung, die das Internet an Möglichkeiten des Austausches mit sich brachte, reagieren. Während man früher von sodomistisch veranlagten Einzeltätern ausging, die ihre "Neigung" im Verborgenen auslebten, teilt heute eine immer größer werdende Szene im Internet ihre sexuellen Erfahrungen mit Tieren mit, gibt Ratschläge, wie "renitente" Tiere gefügig gemacht werden können - und bietet schlussendlich die Tiere auch als Sexualobjekte an. Zwar wird die Existenz so genannter Tierbordelle, in denen Tiere für sexuelle Praktiken "gemietet" werden können, bestritten, doch der bmt hat bereits in einem Fall eine Verurteilung erreicht: Ein Hundehalter aus dem Raum Lübeck hatte Bilder von seinem WeimaranerRüden beim Geschlechtsverkehr mit einer Frau ins Internet gestellt und den Hund gegen "Kostenerstattung" für entsprechende Begegnungen weiter angeboten. In einer aufwändigen Recherche mit der Polizei konnte der Mann ermittelt und eine Strafanzeige wegen Tierquälerei und Verbreitung tierpornografischer Schriften gestellt werden. Im Oktober 2013 wurde der Strafbefehl rechtskräftig: Der Hundebesitzer erhielt eine Geldstrafe von 75 Tagessät-

Die Großdemo gegen sexuellen Missbrauch von Tieren am 24. März 2012 in Köln

zen zu je 40 Euro, weil er sich der Verbreitung von Tierpornografie schuldig gemacht hatte. Auf diese eklatante Rechtslücke hatte der bmt ebenfalls immer wieder verwiesen: Während das Herstellen, Anbieten und Verbreiten tierpornografischer Schriften als Straftatbestand geahndet wird, ist die zoophile Misshandlung von Tieren selbst 34 Jahre lang straffrei geblieben! Doch nun gilt seit dem 12. Juli 2013: Nach § 3 Ziff. 13 TierSchG ist es verboten, "ein Tier für eigene sexuelle Handlungen zu nutzen oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder zur Verfügung zu stellen und dadurch zu artwidrigem Verhalten zu zwingen." Gemäß § 18 Abs. 1 Ziff. 4 TierSchG handelt ordnungswidrig, wer diesem Verbot zuwiderhandelt. Diese "Ordnungswidrigkeit" wird mit einem Bußgeld bis zu 25.000 Euro bestraft. Die Anwaltskanzlei Dr. Leondarakis, LL.M. weist darauf hin, dass der Tatbestand des Verbots sehr eingeschränkt ist und sich nun bei künftigen Taten die Frage stellen wird, wie ein "artwidriges Verhalten" zu definieren sei. Der Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz führte zum damaligen Entwurf aus, dass sexuelle Handlungen von Menschen Tieren regelmäßig Leiden im Sinne des Tierschutzgesetzes zufügten, weil sie dadurch zu artwidrigem Verhalten gezwungen würden.

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endlich verboten!

§ 17 Ziff 2 TierSchG Mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder mit Geldbußen wird bestraft, wer Tieren aus Rohheit erbliche Schmerzen oder Leiden zufügt bzw. länger anhaltende, sich wiederholende erhebliche Schmerzen/Leiden § 17 Ziff 1 TierSchG für das Töten von Tieren im Rahmen zoophiler Handlungen, weil diese nicht im Sinne des Tierschutzgesetzes als "vernünftiger Grund" für eine Tiertötung gelten.

Text: Claudia Lotz

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Der neue

Der neue Vorsitzende Karsten Plücker im Interview

Vo

Der bmt hat einen neuen Vorstand. Am 27. Oktober wählte die Jahreshauptversammlung in München Karsten Plücker zum Ersten Vorsitzenden. Sein Stellvertreter wurde Frank Weber, Karin Stumpf und Dr. Uwe Wagner zu weiteren Vorstandsmitgliedern bestimmt. Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen das Vierergremium vor. Grundsätzlich wird der neue Vorstand die Arbeit des alten fortführen. Doch jeder Wechsel bringt auch Veränderungen mit sich. Welche Ziele in den kommenden Monaten verfolgt und wie die Aufgaben im vierköpfigen Vorstand verteilt werden, erläutert Karsten Plücker im Interview:

Das Recht der Tiere 4/2013

RdT: Nun ist der neue Vorstand zwar noch keine 100 Tage im Amt, aber inzwischen schon sechs Wochen. Können Sie bereits sagen, wie Sie sich die Arbeit für das kommende Jahr vorstellen?

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Karsten Plücker: Leider hat uns das letzte Jahr gezeigt, dass man im Tierschutz nicht im Voraus planen kann. So konnte niemand vorhersehen, dass ein so unbefriedigendes Tierschutzgesetz in Deutschland verabschiedet wird. Niemand konnte den Tod eines Jungen und die Folgen für die Hunde in Rumänien vorhersehen. Was passiert bei uns in Deutschland, wenn ein Hund ein Kind tötet? Nie-

nun auch wieder aus vier Vertretern. Bietet die Viererkonstellation Vorteile gegenüber einer dreiköpfigen Besetzung?

mand kann genau sagen, welche Herausforderungen auf uns zukommen werden. Wir wissen nur, dass wir immer unsere ganze Kraft für die Tiere einsetzen werden. Der Schwerpunkt der Arbeit des bmt liegt durch die acht Tierheime natürlich immer in der praktischen Tierschutzarbeit. Da wir im politischen Tierschutz personell aus Kostengründen nicht mit anderen großen Vereinen mithalten können, müssen wir hier verstärkt die Zusammenarbeit mit anderen Tierschutzorganisationen suchen und Ressourcen bündeln.

Karsten Plücker: Allein aus demokratischen Gründen ist natürlich diese Konstellation sehr viel besser, denn sonst können ja zwei Vorstandmitglieder das andere Vorstandsmitglied ständig kaltstellen. Außerdem sehen acht Augen mehr als sechs und man kann die Arbeit besser verteilen und jeden nach seinen Stärken optimal einbinden.

RdT: Wie in früheren Legislaturperioden besteht der amtierende Vorstand

MauRdT: Bevor Sie 2003 die Wau-M Insel in Kassel als Tierheimleiter über-


bmt

des

bmt

da wir in einem sehr emotionalen Umfeld arbeiten, gibt es auch viele Beschwerden, die wir übrigens sehr ernst nehmen. RdT: Erzählen Sie bitte noch ein wenig über sich: Wie kamen Sie zum Tierschutz? Gibt es ein Erlebbestimmtes "Aha"-E nis in Ihrem Leben, das Ihnen deutlich vor Augen führte, wie wichtig der persönliche Einsatz für Tiere ist? Karsten Plücker: Ich bin auf dem Land aufgewachsen und hatte von daher schon immer mit Tieren zu tun. Während meiner Studienzeit habe ich dann als ehrenamtlicher Hundeausführer in Bonn engeren Kontakt zum Tierschutz aufgebaut und über die Jahre immer mehr intensiviert. So entstand 2002 über das Tierheim in Pecs der Kontakt zum bmt. Ein Jahr später nahm ich dann meine Tätigkeit als Tierheimleiter in Kassel auf.

Ein gutes Team: Der neue bmt-Vorsitzende Karsten Plücker mit dem 2. Vorsitzenden Frank Weber bei einer Tierschutzaktion

nahmen, waren Sie in einer führenden Position als Qualitätsmanager eines großen Unternehmens tätig. Können Sie diese Qualifikation, möglicherweise über eine bestimmte Aufgabenverteilung innerhalb des Vorstands, in den Verein einbringen? Karsten Plücker: Selbstverständlich sind Erfahrungen aus dem Wirtschaftsbereich auch hilfreich für unsere Vorstandsarbeit. Man hat als Qualitätsmanager sehr viel mit Finanzen, der Optimierung von Arbeitsabläufen und Beschwerdemanagement zu tun. Das alles findet man auch im Tierschutz. Wir müssen unsere Spendengelder verantwortungsvoll und effizient einsetzen, unsere Arbeitsabläufe so optimieren, dass viel Zeit für die Tiere bleibt und

Mau-IInsel unterhält RdT: Die Wau-M auch das Tierheim in Kiskunhalas. Wie kam es dazu? Karsten Plücker: Da muss ich noch ein wenig ausholen: 2002 war ich Mitglied im Beirat des Tierheims Bonn. Zu dieser Zeit kamen hin und wieder Hunde aus dem Tierheim Pecs über den bmt nach Bonn. Da ich mir persönlich

ein Bild von der Lage in Ungarn machen wollte, bin ich dann nach Pecs gefahren - und seitdem ist der Tierschutz in Ungarn fester Bestandteil meines Lebens. Im Juni 2003 kam dann noch das Tierheim in Kiskunhalas hinzu. Ich kaufte das Grundstück 2004 und baute im Laufe der Zeit dank der Unterstützung von Ehrenamtlichen und Spendern ein Tierheim mit funktionierender Infrastruktur auf. RdT: Was schätzen Sie besonders am bmt - und was wünschen Sie sich von all seinen Mitstreitern für die Zukunft? Karsten Plücker: Am bmt schätze ich vor allem die Vielfalt, die unser Verein zu bieten hat. Unsere Tierheime und Geschäftsstellen sind sehr unterschiedlich strukturiert. Dadurch decken wir aber alle Facetten im Tierschutz ab: Acht Tierheime in Deutschland, die eng zusammenarbeiten, die Betreuung der (derzeit) 75 Gnadenbrottiere, der Auslandstierschutz und unsere Arbeit im politischen Tierschutz. Dieses Spektrum deckt kein anderer Tierschutzverein in dem Maße ab. Es ist natürlich nicht immer einfach, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen, aber bisher haben wir es immer geschafft, gemeinsam für die Tiere stark zu sein, und das ist auch mein Wunsch für die Zukunft: Wir können kontrovers diskutieren, aber am Ende müssen wir die Mehrheitsentscheidungen gemeinsam im Sinne der Tiere vertreten und umsetzen. Interview: Claudia Lotz Fotos: Claudia Bioly

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rstand

INTERN

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L I TAU E N

bmt-Vorstand

"Ich freue die neue FRANK WEBER

WIRD

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Wie Sie auf den vorhergehenden Seiten gelesen haben, wurde Frank Weber zum Zweiten bmt-Vorsitzenden gewählt. Besser als jede Vorstellung lernen Sie den beliebten Moderator von "hundkatzemaus" (VOX) und Leiter des Franziskus-Tierheims in Hamburg über seine Kolumnen kennen. Passenderweise zu seiner neuen Verantwortung im Verein resümiert Frank Weber heute über das Leben, die Arbeit und das Alter, das er mit seinen Hunden in Harmonie mit sich und der Welt - eines sicher noch sehr fernen Tages - erleben möchte.

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Frank Weber studierte Deutsche Philologie und Politikwissenschaften mit Abschluss Magister in Mannheim. Während des Studiums arbeitete er u.a. als freier Mitarbeiter bei einem lokalen Radiosender. Nach einem sechsmonatigen Volontariat bei einer regionalen Tageszeitung machte er eine einjährige Ausbildung bei der "Initiative Kommunikation" in Heidelberg zum Pressesprecher. Es folgte eine Anstellung im PR-Büro auf Gut Aiderbichl in Salzburg. Hier war Frank Weber u.a. für die Betreuung von Prominenten (u.a. Ralf und Cora Schuhmacher, Ernst Moik, DJ Ötzi, Elfie Eschke, die Kessler Zwillinge) zuständig und assistierte Michael Auffhauser bei den Dreharbeiten. 2004 übernahm er für den bmt die Leitung des Franziskus-Tierheims in Hamburg und stieß vier Jahre später zum Team von "hundkatzemaus" (VOX). Beim diesem Tierformat fungiert Frank Weber als Tierschutzexperte und hilft überforderten Tierbesitzern mit ihren Tieren. Mit dem Deutschen Roten Kreuz und der Tierärztekammer organisiert er die Initiative "Tierarzt für die Obdachlosen" und schreibt außerdem Kolumnen für die Zeitschrift "City Dog".

Wenn man seine kalendarische Lebensmitte überschreitet, ist es höchste Zeit, sich Gedanken zu machen. Zum Beispiel darüber, wie es sich anfühlt, wenn man die Midlife Crisis seit Jahrzehnten hinter sich gelassen hat. Wie wird mein Seniorendasein mit Hund aussehen? Was ist dann wirklich wichtig und von Bedeutung? Steht der finanzielle Wohlstand im Vordergrund oder werden die immateriellen Werte wie menschliche Nähe das Kostbarste im Leben? Ich habe da so meine eigene Vision entwickelt. Ich sehe mich als einen gerne ergrauten Senioren, der umringt von einer Schar Hunde eine lange, von grünen Bäumen eingefasste Allee entlang wandelt. Der Lebensstress ist bewältigt und umgeben von meinen Tieren sind wir zusammen auf dem Weg in die ewigen Jagdgründe. Mein Bankkonto ist mir in diesem Moment so ziemlich das Egalste von der Welt. Die einzige Sorge, die ich


bmt

INTERN

mich auf Herausforderung!" Z WEITER V ORSITZENDER bunter und es macht wesentlich mehr Spaß. Und am Rande bemerkt - so eine Hundeseele ist nun mal viel verlässlicher als die Aktienkurse... Spannend ist es auch zu sehen, wie sich die Charaktere der gar nicht so unterschiedlichen Spezies mit den Jahren angleichen. Frau M. zum Beispiel ist von der weniger charmanten Sorte: Sie mault gerne herum, keiner kann es ihr Recht machen und wenn das doch mal der Fall sein sollte, ist ihr das auch nicht Recht. Ihr Chihuahua Trixie ist aus demselben Holz geschnitzt. Sie sieht auf den ersten Blick ebenso harmlos aus wie ihr Frauchen, aber wehe man wagt es, den Kampfzwerg auch nur anzuschauen... Und glauben Sie mir, es gäbe nichts, was Frauchen unglücklicher machen würde, als wenn sich Trixie von "Fremden" anfassen ließe. Das krasse Gegenteil ist Frau Z., deren Spaniel Mausi der Liebling der ganzen Straße ist. Sie genießt Mausis Popularität in vollen Zügen und wird nicht müde, die Freundlichkeit ihres Lieblings in den höchsten Tönen zu preisen. Fragen wir die beiden älteren Damen, ob sie sich jemals von ihren Hunden trennen würden, geben sie spontan die gleiche Antwort: "für kein Geld der Welt". Was mich interessieren würde: Was passiert eigentlich mit dem Vierbeiner, wenn Frauchen oder Herrchen - statt in den Himmel zu kommen - eine Etage tiefer einchecken muss? Und das ist das Wunderbare an unseren Hunden: Sie sind immer für uns da, in jedem Abschnitt ihres und unseres Lebens. Ein Hund bringt Sonne ins Herz…was sich für manchen Menschen komisch anhört, ist für uns Hundefreunde eine Selbstverständlichkeit. Sicherlich ist finanzieller Wohlstand eine nicht zu verachtende Größe. Aber den zu erzielen ist eine Aufgabe, die man bis zu einem gewissen Alter erledigt haben sollte. Der Hund hat die existenziellen Fragen schon längst beantwortet - was er mehr als alles andere schätzt ist die menschliche Nähe. Ich meine, da sind uns die Hunde ein ganzes Stück voraus. Gemeinsamer Dreh mit Martin Rütter in Hamburg.

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dann noch habe, ist, ob im Himmel Leinenzwang herrscht. Ich befürchte nämlich, dass wir uns das Paradies mit einer ziemlichen Anzahl von Katzenliebhabern teilen müssen. Und ein Paar Kottüten habe ich zur Sicherheit natürlich auch mit dabei...man kann ja nie wissen… Die Einsamkeit ist ja für viele Menschen im fortgeschrittenen Alter das größte Problem. Da hat man es als betagter Hundehalter schon besser. Ich freue mich immer, wenn ich ältere Menschen mit ihren älteren Hunden treffe. Es hat eine ganz besondere Art der Innigkeit, so eine Vertrautheit, die sich in vielen Jahren entwickelt hat. Das strahlen diese Mensch-Hund-Partnerschaften aus, Zwei- und Vierbeiner genießen gemeinsam den gemächlichen Lebensabschnitt. Man teilt sich das Sofa genauso wie die Zipperlein und den Hang zu süßem Gebäck. Die Hektik des Lebens geht Herrchen und Hund am Allerwertesten vorbei. Reich an Lebenserfahrung genießt man das Privileg, das hektische Treiben auf der Hundewiese von der Rentnerbank aus zu bestaunen. Man schöpft aus dem gemeinsamen Topf der Lebenserfahrung und gibt gelegentlich Weisheiten an die geneigte Zuhörerschaft weiter. Mit dem Hund als Lebensabschnittsgefährten ist das Leben einfach

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Seit 31 Jahren für den bmt KARIN S TUMPF

WIRD ZUM VIERTEN

M AL VORSTANDSMITGLIED

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Vor über 31 Jahren betrat Karin Stumpf das erste Mal das Tierheim Köln-Dellbrück: Für die im Sauerland mit Hund und Katze Aufgewachsene war dies völliges Neuland, und sie begann ihre Hilfe mit Zwingerputzen, Spät- und Nachtdiensten sowie dem Gassigehen. Neben ihrer Vollzeitberufstätigkeit bei der Köln Messe engagiert sie sich seit diesem ersten Besuch in ihrer Freizeit in dem größten Tierheim des bmt. Heute wie damals unterstützt sie die Mitarbeiter bei Veranstaltungen, organisiert den wöchentlichen Infostand und beteiligt sich an öffentlichkeitswirksamen Aktionen.

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1997 wird sie in den Beirat gewählt, 2001 in den Vorstand berufen und durchgehend bis 2013 in ihrem Amt bestätigt. In den vergangenen Legislaturperioden hat Karin Stumpf mit ihren jeweiligen Vorstandskollegen vertrauensvoll zusammengearbeitet und ist überzeugt, dass in der neuen Viererkonstellation der bmt sich positiv weiterentwickelt, um Verbesserungen für die Tiere zu erreichen. Dieselbe Hoffnung hegt die ehrenamtlich arbeitende Tierschützerin für die Situation der Hunde in Ungarn. 2001 begleitet sie erstmalig einen Transport nach Pecs und ist schockiert, als sie das bmt-Partnertierheim im Süden des Landes betritt. Die hohe Anzahl der Hunde, oft ausgemergelt, verletzt, leidend nach Jahren an der Kette, entsetzt sie und gleichfalls die Bedingungen, unter denen der Träger des Tierheims, der Misina Tier- und Naturschutzverein, arbeiten muss, weil an jeder Ecke das Geld fehlt.

Im Laufe der Jahre fährt sie regelmäßig mit Karsten Plücker, dem heutigen Vorstandsvorsitzenden, nach Pecs, nimmt Hunde mit nach Deutschland, die in dem überfüllten Tierheim keine Chance auf eine Vermittlung und oft auch nicht auf das bloße Überleben haben. Gemeinsam erörtern sie strukturelle Veränderungen im Tierheim wie z.B. den notwendigen Bau einer Quarantäne, die Erweiterung der Hundezwingeranlagen, die Errichtung eines Welpenund Junghundehauses und kürzlich den Anschluss des Tierheims an die städtische Wasserversorgung. In diesen 31 Jahren aktiver Tierschutzarbeit ziehen viele Hunde und Katzen bei Karin Stumpf und ihrem Ehemann ein. Die meisten Tiere sind körperlich behindert, alt oder haben eine unschöne Vergangenheit hinter sich.

So haben bei dem Ehepaar ehemalige Kettenhunde aus Ungarn und Rumänien, an Ataxie erkrankte Katzen, dreibeinige Hunde und anderweitig gehandicapte Tiere ein wunderbares Zuhause gefunden. Vermutlich werden die zur Zeit 4 Hunde und 7 Katzen aber nicht die letzten Schützlinge sein, die im Hause Stumpf als Mitbewohner einziehen werden.

Zwölf Jahre lang engagiert sich Karin Stumpf nun schon für das Tierheim in Pecs und hat dort mit ihren Mitstreitern viele Verbesserungen auf den Weg gebracht


bmt

INTERN

Ein Tierarzt im Vorstand D R . U WE W AGNER

AUS R EUTLINGEN IM NEUEN V IERERGREMIUM

Eines Tages stand ein Mann in der erst kürzlich eröffneten Tierarztpraxis von Dr. Uwe Wagner und bat um die Erlaubnis, Broschüren des bmt auslegen zu dürfen. "Wären Sie auch grundsätzlich bereit, unseren Verein als Tierarzt zu unterstützen?" fragte er und stellte sich als Werner Siegle, Leiter des Landesverbandes Baden-Württemberg, vor. "Ja, sehr gerne", sagte der junge Familienvater 1998 und ahnte zu dem Zeitpunkt noch nicht, wie schnell er im bmt gebraucht werden würde. Vorerst beschränkte sich seine ehrenamtliche Hilfe auf die Kastration von Katzen, die er dem Verein nicht berechnete. Doch dann begleitete er Werner Siegle nach Ungarn, lernte das Tierheim Pecs kennen und war tief betroffen von der Not, die ihm aus jedem Zwinger entgegenschlug. Bei seinem ersten Kastrationseinsatz arbeitete Dr. Uwe Wagner bis zu zehn Stunden, kastrierte Hunde, führte kleinere Operationen durch und war nach wenigen Stunden Schlaf wieder bei den Tierheimtieren.

vierungsbedarf, zu klein - stets überwogen die Nachteile, bis er 2004 auf das Erdhügelhaus an der Gönninger Straße stieß. Schnell erkannte Dr. Uwe Wagner die Potentiale, die in dem besonderen Bau steckten, gewann den Vorstand für das neue Projekt eines Tierheims inklusive Tierschutz-Bildungseinrichtung und machte sich nun an die Hauptarbeit: Die Bank zu überzeugen, das Objekt dem bmt zu verkaufen und im Preis herunterzugehen.

Und plötzlich war sie da, die große Chance: Eine Erblasserin, innig dem Tierschutz verbunden, vertraute Dr. Uwe Wagner ihren Herzenswunsch an: Ein Haus, das hilfsbedürftigen Tieren zu jeder Zeit offen stehen sollte - und gleichzeitig die Möglichkeit böte, eine Begegnungsstätte für am Tierschutz interessierte Menschen zu werden. Soweit es seine Zeit zuließ, fuhr der Tierarzt übers Land, schaute sich Objekte an und entschied sich letztlich immer wieder gegen einen Erwerb. Zu abgelegen, zu großer RenoDurch geschickte Umbauten wurde das Erdhügelhaus im Laufe der Zeit zu einem hervorragend ausgestatteten Tierheim

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Durch geschickte Umbauten wurde das Erdhügelhaus im Laufe der Zeit zu einem Tierheim, in dem sich Hunde, Katzen, Kleintiere und selbst sogar Als Werner Siegle ihm wenig später Rhesusäffchen wohl fühlen. die ehrenamtliche Leitung des (daNachdem Dr. Uwe Wagner die Leimaligen) Landesverbandes Badentung der heutigen Geschäftsstelle BaWürttemberg anbot, schien die zuden-Württemberg im vergangenen sätzliche Verantwortung nur eine Jahr niederlegte, hat er nun mit dem logische Folge seines zunehmenVorstandsposten eine neue Verantden Engagements für den Verein. wortung übernommen. Der Tierarzt Je umfangreicher die Tierschutzarmöchte Akzente in der Bundesarbeit Dr. Uwe Wagner beit in der Region wurde, desto hinsetzen und das Tierschutzzentrum in mit seinen beiden Hunden derlicher empfand Dr. Uwe Wagner Pfullingen weiter zu einer Begegdie beengten Räumlichkeiten der früheren Geschäftsstelle. nungsstätte ausbauen. Vorträge und Seminare zu den TheDas kleine Haus in Holzelfingen bot Platz für zwei Katzenmen Tierschutz, tierische Ernährung und Gesundheit sollen zimmer, in denen kastrierte und operierte Tiere auf ihre Gezu einer regelmäßigen Einrichtung in der Region werden. nesung bzw. Vermittlung warteten, und einen Reptilienraum. Text und Fotos: Claudia Lotz Der gestrandete Exot war ein Kaiman, 1,20 Meter groß und Frauen gegenüber weitaus gnädiger eingestellt als Männern.

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TITELTHEMA

Aufbruch Tierschutzarbeit Annähernd 7000 Tiere vermitteln die Tierheime und Geschäftsstellen des bmt jährlich. 3374 Hunde, 2184 Katzen und 1442 Kleintiere fanden 2012 dank des ständigen Einsatzes der bmt-Mitarbeiter ein schönes Zuhause. Auch 2013 werden die Zahlen der vermittelten Tiere wieder ähnlich hoch sein, das zeichnet sich schon heute ab. So genau wir unsere Statistik bezüglich der aufgenommenen und vermittelten Tiere führen - eines kann sie nicht wiedergeben: Das ganz persönliche Glück eines Hundes, einer Katze oder eines Kaninchens, die sich plötzlich wieder umhegt, geborgen und vor allem geliebt fühlen von ihren neuen Menschen. Hier stellen wir Ihnen eine kleine Auswahl glücklicher Vermittlungen aus 2013 vor.

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NELE

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Einige der schönsten Vermittlungen aus unseren bmt-Tierheimen

in ein neues Leben Glücksmomente für Nele, Mylow, Shiva und Co. TIERSCHUTZZENTRUM PFULLINGEN

Nele und ihr Dreamteam Die Hündin Nele hatten wir schon im Sommer 2012 als Notfall auf unsere homepage gestellt. Auf den ersten Blick schien sie keine Kandidatin dafür, doch ihre starke Zurückhaltung Fremden gegenüber und verschiedene Allergien machten sie zu einer nicht ganz leicht zu vermittelnden Hündin. Und während ihre Freunde reihenweise das Tierschutzzentrum verließen, saß unsere Nele immer noch in ihrem Zwinger. Was wir allerdings nicht wissen konnten, war, dass eine Familie während dieser Zeit schon großen Anteil an Neles Schicksal nahm. Doch da in der Familie bereits zwei Hunde lebten, sollte es kein weiterer sein. Als Nele dann im Februar 2013 noch immer als Notfall ausgeschrieben war, entschlossen sich die Tierfreunde, Nele als Pflegehündin aufzunehmen. Die Begegnung mit den Ersthunden Lia und Specky klappte perfekt - und Nele, die zu ahnen schien, dass ihr Leben in diesen Minuten eine aufregende Wende nehmen würde, rieb sich vertrauensvoll an der Hand der Mutter. Von da an war der Fall für die Familie klar: Nele würde nicht mehr hergegeben werden. Zu Hause legte sie sich hinter einen Sessel, der neben Orgel und Klavier stand, und sie verlässt ihren Lieblingsplatz auch heute nicht,

wenn der Vater Musik macht. Nele wird wie Lia und Specky mit Rohfleisch gefüttert und ihre Allergien homöpathisch behandelt. Inzwischen ist Nele gesund, sehr verspielt und hängt mit großer Liebe an ihrer neuen Familie.

TIERHEIM HAGE

Mylow will Schoßhund werden Mylow kam 2012 als Fundhund in das bmt-Tierheim Hage. Ein wunderschöner Schäferhund-Mix mit einer Rücken-

näher mit ihm zu beschäftigen. So dauerte es fast ein Jahr, bis der Mensch kam, der diesen Flegel auf Anhieb mochte. Mensch und Tier fanden sehr schnell zueinander, ebenso war es Liebe auf den ersten Blick zwischen dem Ersthund - einer Bordeaux-Doggendame - und Mylow. Nach vielen gemeinsamen Spaziergängen und Tobereien durfte Mylow zu seiner neuen Familie umziehen. Mylow, der ungestüme Riese, lebt heute glücklich auf einem großen Hof mit Kindern und vielen Tieren, er weicht seinem Frauchen nicht mehr von der Seite. Man munkelt, dass er zum Schoßhund mutiert...

KATZENHAUS

Wie Shiva sich erobern ließ MYLOW höhe von ca. 75 cm, also schon ein stattlicher Bursche. Er war ca. ein Jahr alt und mitten in der Pubertät. Er zeigte sämtliche Flegeleien, die man von Teenagern nun mal kennt. Mylow wusste um seine Größe und machte unseren Tierpflegern den Umgang mit ihm nicht immer leicht. Er tat, was er wollte, auf seine liebe, aber bestimmende Art. So zeigte sich Mylow natürlich auch den Besuchern, die meisten zogen es vor, Abstand zu halten und sich nicht

Shiva gehörte zu unseren Sorgenkindern in diesem Jahr. Nachdem sie von dem Lebensgefährten ihrer Besitzerin mit zwei anderen Katzen kaltblütig auf

SHIVA

der Straße ausgesetzt worden war, zog sie sich im Katzenhaus immer stärker in

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ELLI sich zurück. Sie vermittelte den Eindruck, als würde sie sich aufgeben. Doch dann sah ein junges Pärchen Shiva auf unserer homepage und besuchte sie im Katzenhaus. Bei ihnen war es Liebe auf den ersten Blick - bei Shiva dauerte es länger. Um sich ganz vorsichtig in das Herz der ängstlichen Katze zu schleichen, kamen die Beiden mehrfach in der Woche ins Katzenhaus und haben mit viel Geduld, Leckereien und mit gemeinsamen Spielen versucht, Shivas Vertrauen zu gewinnen. In der Zwischenzeit haben sie ihre Wohnung katzengerecht hergerichtet, so dass unsere scheue Lady Anfang November einziehen konnte. Alles Gute für Dich, kleine Shiva.

TIERHEIM KÖLN-DELLBRÜCK

Das Recht der Tiere 4/2013

Weltenbummlerin Elli ist jetzt Schweizerin

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Denken wir an unsere schönsten Vermittlungen 2013 zurück, fällt uns sofort die kleine Elli ein. Die ungarische Hündin war schon seit über einem Jahr bei uns und ihr ängstliches Wesen machte es schwierig, die richtigen Leute für sie zu finden. Doch Elli hatte großes Glück, denn ein Tierfreund in der Schweiz entdeckte sie im Internet. Ihr Portrait hatte ihm so gut gefallen, dass er sich spontan mit seinem 13jährigen Rüden auf den Weg nach Köln machte und sich zwei Tage in einem Hotel einmietete nur um unsere Elli kennen zu lernen. Das Trio verstand sich auf Anhieb blendend und so trat Elli bereits nach dem Wochenende ihre große Reise in ein neues Leben an. Inzwischen sind fast drei Monate vergangen, und wir hören

nur Gutes gefunden, die die über unsere beiden trotz ihrer kleine Elli. Handicaps adopGanz langtiert hat, und sie COLORADO sam weicht ihauch weiter barft. & MASSACHUSETTS re Ängstlichkeit Sie leben dort zuder Lebensfreude und mit Hilfe ihres sammen mit zwei weiteren Katzen und Hundekumpels Tim und einer einem Hund und fühlen sich sehr wohl. Schleppleine entdeckt sie Stück für Stück ihr Hundeglück. Mit viel Liebe TH WAU-MAU-INSEL, KASSEL und Geduld hat ihr neues Herrchen eiEchte Kaninchenne liebevolle Bindung zu ihr aufbauen können und, man siehe und staune, im Freundschaft Oktober reiste sie bereits mit ins sonnige Spanien. Am 24.7.2010 wurde ein KaninchenLiebe Elli, wir wünschen Dir noch viele trio namens Colorado, Massachutolle Jahre in der Schweiz. setts und Louisiana bei uns abgegeben, weil die Besitzerin schwanger geworden war und keine Zeit für die TIERHEIM ELISABETHENHOF Kaninchen mehr hatte. Die Tiere waren Eine tolle Familie für chronische Schnupfer, und Louisiana und Massachusetts hatten darüber hinArlena und Ashanti aus noch eine Zahnfehlstellung, was eiDie beiden Katzen Arlena und Ashanti ne Vermittlung noch weiter erschwerte. haben wir im Februar 2013 von einem Leider wurde Louisiana sehr krank, verbefreundeten Tierschutzverein zusamstarb nach zwei Jahren Tierheimaufmen mit fünf weiteren Katzen überenthalt und die beiden "Männer" blienommen. Die Tiere wurden aus einer ben alleine zurück. schlechten Haltung beschlagnahmt. Die Kaninchenböcke verband eine echDie Katzen litten lange Zeit an Durchte Männerfreundschaft, und sie hingen fall, es wurden alle gesundheitlichen so sehr aneinander, dass wir sie auf Ursachen abgeklärt, aber keine Ursakeinen Fall trennen wollten. che gefunden. Ashanti hatte außerdem Nur gab es in der langen Zeit Mamakarzinome und leider schon ihres Tierheimaufenthalts Metastasen, so dass eine OP nicht keine Interessenten für die mehr sinnvoll gewesen wäre, obwohl Notnasen. Ob es an ihihr Allgemeinbefinden insgesamt gut rem Schnupfen oder war. Wir haben schließlich angefanMassachusetts Ablehgen, die Katzen zu barfen (Rohfleischnung gegenüber fremfütterung). Man glaubt es kaum, aber den Menschen lag, wisder Durchfall wurde von da an besser sen wir nicht. Doch und ging schließlich ganz weg. Im Aukurz vor ihrem dreijähgust haben wir dann eine nette Familie rigen Tierheim-Jubiläum kam eine sehr kundige KaninchenLiebhaberin zu uns und fragte, wer es besonders schwer habe, ein neues Zuhause zu finden. Und wer, wenn nicht Colorado und Massachusetts, kamen da als Pechvögel in Frage?! ASHANTI ARLENA


D I E G LTÜI TCEKLLTIHC H EN EM A

anderen Hundebesitzern kam, gab die Familie Jerry in die Arche Noah zurück. Und noch einmal erhielt Jerry hier die große Chance: Für ein junges Pärchen war es Zuneigung auf den ersten Blick - und was fast noch wichtiger ist: Offenbar geben die beiden dem Hund so viel Sicherheit und Führungsstärke, dass er sein problematisches Verhalten an der Leine aufgegeben hat. Wir wünschen den Dreien eine wunderschöne und hoffentlich noch sehr lange Zeit miteinander.

TIERHEIM ARCHE NOAH

Der Wunschtraum vieler Politiker - ein vereintes Europa - ist für uns Tierschützer täglich gelebte Praxis. Ein kleines Beispiel hierfür ist die Vermittlung unserer kleinen Lidia. In ihrem Heimatland Rumänien war sie nichts wert, Wegwerfware, Müll, aber immerhin dem Tod noch in letzter Minute von der Schippe gesprungen. Sie fand Aufnahme in einem überfüllten, kleinen rumänischen Tierheim, durfte nach Deutschland ausreisen und bei unserer

Jerry und seine Anläufe ins Glück Jerry wurde im Februar 2013 bei uns abgegeben, weil seine Besitzerin schwer erkrankte. Für den über zehn Jahre alten Rüden war es sicher nicht leicht, sich auf das Tierheimleben umzustellen, nachdem er von Welpenalter an bei seiner Bezugsperson gewesen war. Im Tierheim teilte er sich seinen Zwinger mit einer Hündin und hatte schon einige Monate später Interessenten. Die nette Familie wusste bei der Aufnahme, dass Jerry an der Leine unleidlich gegen Artgenossen wurde. Während der Ehemann den Rüden dabei gut handeln konnte, gelang das seiner Frau vor allem in Abwesenheit ihres berufstätigen Mannes nicht. Als es immer öfter zu Rügen von

HUNDEVERMITTLUNG HUNSRÜCK

Lidia oder wie man "Multikulti" lebt

LIDIA

Pflegefamilie Schlösser in Morbach im Hunsrück in aller Ruhe ihre Ängste abbauen. Eines Tages rief eine Familie aus Bettembourg in Luxembourg an. Wir machten einen Besuch in unserer Pflegestelle aus und dort konnten die potentiellen Besitzer dem Charme unseres kleinen Rackers nicht widerstehen. Wenig später reiste Lidia mit ihrer Pflegefamilie, die sich das neue Zuhause ihres Schützlings zuerst einmal ansehen musste, ins schöne Luxembourg. Alles war so perfekt, wie wir uns

Jerry hat sein früheres problematisches Verhalten aufgegeben

das gewünscht hatten: Ein schönes Haus, ein großer Garten und vor allem noch ein Hund. Dank Lidia hat der bmt nun auch eine kleine Fan-Gruppe in Luxembourg, die Decken usw. für die Hunde in Rumänien sammelt. Und schon wieder schließt sich ein Kreis. Eine Rumänin findet über Deutschland in Luxembourg eine neue Heimat. Wenn das nicht gelebte Europäische Gemeinschaft ist?

AG PFERDE- UND HUNDEFREUNDE ISSUM

Kleiner Eisprinz Dani Als Dani am 7. Januar 2012 in unsere Obhut kam, wussten wir von ihm immerhin so viel, als dass er sehr

DANI schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hatte. Er schnappte nach uns, ließ sich nicht anfassen und zeigte uns deutlich, dass er von Zweibeinern gehörig genug hatte. Entsprechend lange dauerte der Vertrauensaufbau. Bis der hübsche Pekinesenmischling Interesse an uns erkennen ließ und irgendwann später auch zur Kontaktaufnahme bereit war, verging viel Zeit. Doch plötzlich war das Eis gebrochen und eine Vermittlung anzudenken. Im April 2013 kamen dann die besonderen Menschen, für die Dani sich ohne Wenn und Aber entschied. Seiner neuen Besitzerin ist er innig zugetan und seine Hundekumpels schätzt er sehr - wir freuen uns für alle Beteiligten, dass sie sich gefunden haben und wünschen noch viele schöne Jahre miteinander.

Text und Fotos: bmt-TTierheime

Das Recht der Tiere 4/2013

Nach einem Kennenlernen und reiflicher Überlegung entschloss sich die Dame, genau diesen beiden die Tür in ein neues, kaninchengerechtes Leben zu öffnen. "Ich habe die beiden Jungs schon sehr ins Herz geschlossen. (…) Ich bin immer noch sehr nachhaltig beeindruckt davon, mit wie viel Herzblut die Vermittlung der beiden "Dauereinsitzer" stattgefunden hat. Man merkt dem Wesen der Tiere an, dass sie auch während der Jahre im Tierheim sehr lieb gehabt wurden! Danke für die tolle Arbeit!" schreibt uns die neue Besitzerin von Colorado und Massachusetts, die jetzt Pepe und Jeppe heißen - und das macht uns richtig glücklich.

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TIERSCHUTZPOLITIK

Zoos auf dem Prüfstand

KEINE ARCHE NOAH

im globalen Artensterben In jüngster Zeit stehen Zoos deutlich stärker im Fokus des öffentlichen und politischen Interesses. Haben Zoos (heute noch) die Berechtigung, Tiere in Gefangenschaft zu halten? Im März 2013 veranstaltete die Bundestagsabgeordnete Undine Kurth (B 90/Die Grünen) in Berlin dazu ein Fachgespräch ("Zoo der Zukunft"). Welche Rolle Zoos im Bereich des Artenschutzes einnehmen bzw. sollten, referierte der wissenschaftliche Mitarbeiter des bmt, Torsten Schmidt. Ebenfalls konnte der bmt seine Sichtweise zur Zootierhaltung sowohl im Rahmen einer Zoofachtagung des Otterzentrums Hankensbüttel ("Die andere Art der Tierhaltung") wie auch bei einer Informationsveranstaltung der LAG Grünen Nürnberg darlegen.

Das Recht der Tiere 4/2013

Auch verschiedene Publikationen hinterfragen die Institution Zoo derzeit kritisch. Die Zeitschriften "Greenpeace-Magazin" ("Verloren hinter Gittern", 4/2013) und "Ökotest" ("Wer braucht den Zoo?", 11/2013) kommen zu einem ernüchternden Ergebnis: Nach Ansicht von Greenpeace sind alle Argumente, mit denen Zoos ihre Existenz heute rechtfertigen, fragwürdig. Dies betrifft insbesondere ihre Rolle im Artenschutz. So sei es "eine hochgradig paradoxe Idee", dass Zoos als "Arche" inmitten des globalen Artensterbens dienen wollten und versuchten, bedrohte Arten in unnatürlichen Situationen mittels Gräben, Gittern und Schaukästen zu erhalten.

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schäftigung. Die Kinderzeitschrift Geolino hat in ihrer Dezemberausgabe das Thema Zoo ebenfalls aufgegriffen, wobei auch hier die kritische Expertise des bmt einfließen konnte. Abgesehen von den bescheidenen Beiträgen der Zoos zum Artenschutz oder der Bildung ist für den bmt entscheidend, dass die rechtlichen Schutzbestimmungen für Zootiere auf Bundesebene verbessert werden. Da es keine konkreten rechtsverbindlichen Haltungsanforderungen für Säugetiere wild lebender Arten in Deutschland gibt, hat der bmt in den letzten zwei

Das Magazin Ökotest sieht im Zoo ebenfalls keine Arche Noah - dies sei "weder realistisch noch wünschenswert". Als Beleg des nur geringen Beitrages der Zoos zum Artenschutz und der Bildung bezieht sich Ökotest sehr ausführlich auf den EU-Zooreport 2011, den der bmt zusammen mit der Born Free Foundation und animal public im Juni 2013 dem EU-Parlament vorgestellt hatte. Danach sind in vielen deutschen Zoos die Gehege zu klein und bieten den Tieren zu wenig BeDer EU-Zooreport 2011, den der bmt zusammen mit anderen Tierschutzorganisationen dem EU-Parlament vorgestellt hat.

Jahren in einer Arbeitsgruppe des Bundeslandwirtschaftsministeriums an der Überarbeitung des so genannten Säugetiergutachtens mitgewirkt. In diesem Sachverständigengutachten werden für die verschiedenen Säugetierarten zumindest Anforderungen an deren Haltung formuliert, die nicht unterschritten werden sollten. Dieses Gutachten ist zwar nicht rechtsverbindlich, kann aber im Streitfall von den Gerichten verwendet werden. Positiv ist festzuhalten, dass das Gutachten nun auch für private Haltungen und den Zoofachhandel anzuwenden sein soll. Allerdings bleiben bestimmte Tierarten wie Großkatzen und Hundeartige nach wie vor klare Verlierer im Zoo. Sie dürfen weiterhin in kleinsten Gehegen gehalten werden, obwohl wissenschaftliche Studien und sogar interne Empfehlungen von Zoodachverbänden eindringlich darauf hinweisen, dass unterhalb der vorgeschlagenen Gehegegrößen die Tiere leiden. Auf diese Defizite insbesondere die für den Tierschutzvollzug verantwortlichen Amtsveterinäre hinzuweisen und tiergerechte Alternativen vorzuschlagen, wird eine der nächsten Aufgaben des bmt sein.

Text: Torsten Schmidt, Fotos: Petra Zipp


AUSLANDSTIERSCHUTZ

Protestplakat des bmt gegen Hundetötung in Rumänien

"Auch das Gesetz steht nicht über dem Leben!" Wie viele andere haben sich Björn Zantopp und seine Lebensgefährtin den bmt-Protestaufrufen gegen das Töten der Straßenhunde in Rumänien angeschlossen und Politiker aus Deutschland und der EU um Intervention gebeten. Im Wortlaut drucken wir an dieser Stelle den sehr persönlichen Brief an Martin Schulz, den Präsidenten des EU-Parlaments.

Björn Zantopp aus Lübeck

Schönen guten Tag Herr Schulz,

vorab - ich bin mir im Klaren darüber, dass Sie ein schwer beschäftigter Mensch sind, möchte Sie aber trotzdem oder genauer genommen deshalb darum bitten, die folgenden Zeilen zu lesen. Mein Name ist Björn Zantopp, ich bin 29 Jahre alt und im wunderschönen Lübeck geboren - Königin der Hanse und Tor zum Norden. Meiner Heimatstadt entsprangen große und ehrenwerte Persönlichkeiten - darunter Karl Friedrich Stellbrink, Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange. Diese vier Personen hatten eines gemeinsam: Sie bezogen Stellung gegen eines der größten Verbrechen der Menschheit, gegen ein unmenschliches und lebensverachtendes System und gegen einen größenwahnsinnigen Diktator - und sie zahlten hierfür mit ihrem Leben. Meine Heimatstadt brachte aber auch andere Persönlichkeiten hervor: Allen voran Thomas Mann, Nobelpreisträger der Literatur, aber das brauche ich Ihnen nicht zu erzählen. Bücher sind etwas Wunderbares - Sie erinnern mich an eine Zeit, die ich nur aus Erzählungen kenne. Als moralische Grundwerte wie Nächstenliebe, Ehrgefühl und das Verständnis für Recht und Unrecht noch Bedeutung hatten. Als die Gesellschaft noch nicht verroht war und das Leben (und seine Lebewesen) noch geachtet wurde. Und genau dies ist es, was mich bewegt, Ihnen diese E-Mail zu schreiben: Meine Freundin und ich wurden auf das unsagbare Grauen in Rumänien, aber auch in anderen EU-Staaten aufmerksam. Wir sahen Bilder und lasen Zeilen, die von

APPELL

AN DIE

EUROPÄISCHE UNION:

Grausamkeit und Lebensverachtung zeugten. Von Lebewesen, die von umherziehenden Menschenhorden in Lynchjustiz bei lebendigem Leibe gehäutet, verbrannt, erschlagen, erhängt und erdrosselt wurden - andere hatten mehr Glück und wurden "vergast" oder eingeschläfert. Dieses unsagbare Grauen spielt sich aber nicht in fiktiven Geschichten ab, die wir in Büchern lesen - dieses Grauen ereignet sich in diesem Moment, in dieser Minute in einem Mitgliedstaat unserer Gemeinschaft. Wie können wir in diesem Moment ruhig schlafen, in denen wir dieses Unrecht ertragen und keine Stellung beziehen? Für die Werte, die in diesem Augenblick mit Füßen getreten werden, bezahlten Menschen weit vor meiner Zeit mit ihrem Leben. Es ist unerheblich, ob es sich um ein Menschenleben oder um das Leben eines Tieres handelt - jedes Leben ist zu achten und wert dafür zu kämpfen! Es ist nicht Recht, Leben zu nehmen - und auch das Gesetz steht nicht über dem Leben, auch wenn die aktuellen Bilder und Zeilen etwas anderes vermitteln. Die Frage, ob wir dies einfach so hinnehmen können, muss ich mit allem Nachdruck verneinen! "An allem Unrecht, das geschieht, ist nicht nur der Schuld, der es begeht, sondern auch der, der es nicht verhindert." Wir können es nicht akzeptieren, aber unsere Stimmen sind leise und finden kein Gehör - Ihre hingegen schon. Ich bitte Sie, sich dafür einzusetzen, dass das unsagbare Leid - dieses Massaker - ein Ende findet. Hochachtungsvoll Björn Zantopp

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PERSÖNLICHER

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Den Zustrom von Hunden auf die Straßen stoppen!

Tierschutz in Rumänien Wie geht es weiter?

Das Recht der Tiere 4/2013

Die Umstände des Todes vom kleinen Ionut liegen zwar nach wie vor im Dunklen, doch die Politiker weichen nicht ab von ihrem harten Kurs gegen die Straßenhunde. Wir können den Tötungsaktionen, mit denen der rumänische Staat Tierfreunde aus Europa und aller Welt derzeit gegen sich aufbringt, nur eines entgegensetzen: Gute Tierschutzarbeit an der Basis - die Kooperation mit aufgeklärten Bürgermeistern und Teilen der Bevölkerung, die sich nicht damit abfinden wollen, wie die Obrigkeit mit ihren Hunden verfährt. Warum gerade jetzt die Fortführung der Kastrationen, besonders auch von Privathunden, so wichtig ist, erklärt die Auslandskoordinatorin des bmt, Petra Zipp, im folgenden Text. Jede Spende kommt direkt an und leistet einen elementaren Beitrag zur Stabilisierung der Situation.

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Wie Sie wissen, hat Rumänien trotz der gewaltigen Proteste die Entfernung der Straßenhunde aus dem Stadtbild beschlossen. Und wir wissen auch, dass die Anzahl der betroffenen Hunde so groß ist, dass es nicht genügend Adoptionswillige geben kann, weder im Land selbst, noch in Deutschland. So muss die vorrangige Aufgabe des Tierschutzes, natürlich neben der weiteren Rettung von Hunden, die Kastration von Privathunden sein. Nur so kann der Zustrom auf die Straße gestoppt werden! Weil sich viele Hundebesitzer die Kosten für die Kastration nicht leisten können, landen immer wieder ganze Würfe auf der Straße und halten das Problem am Leben. Der bmt hat diesen Lösungsweg mit seinen Partnern TASSO und dem TIERÄRZTEPOOL schon seit Jahren beschritten. Es werden in unseren Projektgebieten verstärkt Privathunde kastriert, gleichfalls die Tiere, die auf dem Gelände von Firmen und Unternehmen etc. behütet leben. Im Moment kämpfen wir um jeden Hund, der nicht in diesem Land geboren werden muss. Wir möchten die rumänische Bevölkerung, die in weiten Teilen mit den Hunden harmonisch zusammengelebt hat, unterstützen. Auch in unseren Augen sollte ein Hund versorgt bei Menschen leben, und nicht herrenlos und gefährdet auf der Straße. Flächendeckende Kastrationsaktionen, die es in Rumänien von Staates wegen nie gab, wären eine Maßnahme gewesen, um die Vermehrung des Hundebestandes zu stoppen und nachhaltig zu senken. Leider ist man in Rumänien von der Willkür und der Einstellung eines jeden Bürgermeisters abhängig. Wir haben es ja

selbst miterlebt in Brasov: Nach jahrelangen Tötungen von ca. 30.000 Hunden durch die Stadtverwaltung wurde die Tötungsanlage Stupin 2011 an den Tierschutz übergeben und dann im März 2012 wieder eröffnet. Das Tierheim Brasov gab sie freiwillig wieder an die Stadt zurück, weil man sich mit dem privaten Tierheim nicht in der Lage sah, die Probleme zu lösen. Wieder hungerten 2012 die Hunde in Brasov Stupin. Mit Unterstützung des bmt konnte der neu gegründete Tierrechtsverein in Brasov dann ab Oktober 2012 die Versorgung der Hunde in Stupin mit Futter sicherstellen, ein tägliches Zutrittsrecht für die Bürger und den Tierschutz gerichtlich erfechten und wesentliche bauliche Verbesserungen erreichen. Es wurden Strafanzeigen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegen die Personen gestellt, die die Tötungen und Tierquälereien zu verantworten hatten - und tatsächlich zeichnet sich in der Rechtssprechung ein langsames Umdenken ab. Die ersten Urteile gegen Tierquäler wurden gesprochen; wir berichteten im RdT 4/2012. Für den bmt war und ist die konsequente Beschreitung des Rechtsweges elementarer Bestandteil seiner Arbeit. Praktischer Tierschutz kann nur auf der Basis geltenden Rechts zum Erfolg führen - das ist im Hinblick auf das neue Gesetz in Rumänien umso wichtiger. Das Tierheim Brasov hat jetzt wieder eine Vereinbarung für


AUSLANDSTIERSCHUTZ

Das ehrgeizigste Projekt ist derzeit das ärmliche Tierheim in Suceava in einer vergessenen Ecke Rumäniens. In der städtischen Anlage vegetieren über 1200 Hunde dahin. Die Bevölkerung und der Bürgermeister wollen zwar auch keine Hunde auf der Straße, sprechen sich aber gegen Tötungen aus. Durch unsere Unterstützung sind die Hunde hier, ebenso wie in Schäßburg, sicher. Wichtig ist allerdings, dass wir den Hundebestand, so wie in den anderen Tierheimen auch, durch Vermittlung nach Deutschland auf einem arbeitsfähigen Niveau halten und die Versorgung mit Futter und tierärztlicher Betreuung sicherstellen. Auch in Suceava werden Besitzerhunde kastriert, sogar von der Stadt gefördert, um dauerhaft die Zahl der Hunde zu senken. Wie gestaltet sich jetzt Seit mehreren Jahren schon unterstützt der bmt zusätzlich die die Hilfe des bmt? ärmlichen Tierheime in Sighisoara und Targu Mures (mit je ca. 150 Hunden) und nun noch das große städtische TierDer bmt unterstützt mehrere private heim in Suceava mit seinen durchschnittlich 1200 Hunden. Tierschutzinitiativen im Kreis Brasov. Dazu mehrere sog. "Schattentierschützer", die sich gegen das Gleichfalls die staatlich verordnete Töten Tierrechtsbeweauflehnen und mit hohem gung, die es gepersönlichem Einsatz Tiere schafft hat, 2012 bei sich aufnehmen und daund 2013 mehmit Brennpunkte auf der rere provisoriStraße entschärfen. Hier sche Hundelager, kann der bmt die Tiere siwie zum Beispiel chern und es ist bisher nicht das berüchtigte Todeslager Rasnov (naund wird auch nicht zu Töhe Brasov) von Flavius Barbulescu zu tungen kommen. schließen. Voraussetzung ist allerdings, Hauptziel der Tierschutzarbeit des bmt dass wir den Hundebestand bmt-Einsatz in Suceava. Mehr zu den in Rumänien ist die Verringerung des in diesen Tierheimen durch Rettungsaktionen lesen Sie auf Seite 26 Hundenachwuchses, um den Zustrom Vermittlung, auch nach auf die Straße zu stoppen. In Zusammenarbeit mit TASSO Deutschland, so konstant halten, dass jederzeit noch Notfälund dem Tierärztepool werden mehrwöchige Kastrationsle aufgenommen werden können. Darüber hinaus müssen aktionen besonders in kleineren Städten durchgeführt, so wir die Versorgung mit Futter und die tierärztliche Betreuung z.B. in Schäßburg. für die nun größeren Tierzahlen sicherstellen. Parallel dazu Die engagierte Tierschützerin Mona Fernengel, die neben ihmüssen wir die Kastrationsaktionen für die Privattiere weiterrem eigenen kleinen Tierheim auch die städtische Anlage beführen, um dauerhaft die Zahl der Hunde zu senken. treut, hat mit großer Überzeugungsgabe erreicht, dass sogar Sie sehen, es liegt noch Arbeit vor uns, aber sie es wert. Für die Hunde in mehreren Roma-Dörfern kastriert werden durfjeden Hund, der nicht sterben muss - für jeden Hund, der leten. Gerade in diesen Siedlungen, wo Mensch und Tier unben darf! Fotos: Nina Schöllhorn, Gregor Uhl ter dem Existenzminimum leben, entsteht in der Regel ein enormer Nachwuchs an Hunden, der unweigerlich auf der Straße landet. Hier müssen wir kontinuierlich dranbleiben, was wir dank Ihrer treuen Spenden können. Denn nur Kontinuität sichert Erfolg, um keine neuen Populationen entstehen zu lassen. Jede kastrierte Hündin bedeutet zehn Hunde weniger in nur einem Jahr! Die rumänische Bevölkerung steht zum großen bmt-SPENDENKONTO AUSLAND Teil den Kastrationen positiv gegenüber, kann Stichwort: Rumänien sie sich aber entweder nicht leisten oder es steFrankfurter Sparkasse hen keine qualifizierten Tierärzte dafür zur VerKonto 847 275 fügung. Hier helfen wir! Auf Wunsch schult NiBLZ 500 502 01 na Schöllhorn auch einheimische Tierärzte in schonenden Kastrationsmethoden.

IBAN: DE79500502010000847275 BIC: HELADEF1822

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eine Zusammenarbeit mit der Stadt getroffen, die wir uns schon 2011 erhofft hatten. Das Tierheim Brasov wurde, wie Sie ja wissen, im Laufe der Jahre durch enorme finanzielle Hilfe des bmt logistisch und baulich funktionell ausgestattet und ausgebaut. Es hat inzwischen auch englische Partner, die auch den Bärenpark unterstützen. Wir wünschen uns, dass die Zusammenarbeit mit der Stadt positiv verläuft.

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W IE B URSCHI

ÜBER SEIN

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Vom

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In Tacherting, ca. 80 Kilometer von München entfernt, liegt ein Hof mit einer ganz besonderen Fähigkeit: Er macht Ochsen glücklich. Chef der achtköpfigen Herde ist Burschi, der nachsichtig auf die Youngsters schaut, die wieder einmal die frisch gelieferten Strohballen als Spielzeug missbrauchen, sie kicken, überspringen und zerwühlen - so als wollten sie sich Tag für Tag von neuem über das Leben freuen, dieses großartige und unerwartete Geschenk.

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Der 14 Jahre alte, vom bmt gerettete Burschi ist einer der stattlichsten Ochsen, den der betreuende Tierarzt auf dem Hof der Familie Langschartner je gesehen hat: Burschi wiegt über eine Tonne. Im Vergleich: Die über 100 Ochsen, die in diesem Jahr auf dem Münchner Oktoberfest von den Gästen gegessen wurden, wogen im Schnitt 700 Kilo. Dieses Gewicht erreichen die ca. 20 Monate alten Tiere nach einer optimierten Mast mit Spezialfutter. Mais, Reste vom Bierbrauen, Getreide und Rapsschrot sollen die sechs Monate alten Stierkälber innerhalb eines Jahres täglich ein Kilo Gewicht zunehmen lassen. Bis zu ihrem erstrebten Endgewicht von nahezu 700 Kilo liegt ganz zu Beginn der Mast die Kastration. Der Eingriff macht aus den kleinen Stieren Ochsen, die durch das fehlende männliche Hormon Testosteron verweiblichen, ruhiger werden und fetter. Die Einlagerung von Fett ins Muskelfleisch macht später den besonderen Geschmack aus. 1500 Kilo Ochsenfleisch


b m t - PAT E N T I E R E

Glück,

werden durchschnittlich pro Tag auf dem Oktoberfest verzehrt. Diese beengte Welt, die aus Aufzucht, Mast und Schlachtung besteht, hat Burschi niemals kennenlernen müssen. Als das Stierkälbchen vor über 14 Jahren die Augen öffnete, stand ihm dasselbe Schicksal wie seinen Artgenossen überall in Europa bevor, die eines viel zu frühen Tages ihre erste und letzte Reise antreten …

Ochse Burschi (links) ist Chef seiner Herde Wie der kleine Stier es geschafft hat, sich den treibenden und drängenden Männern zu verwehren, die den Widerspenstigen in den Transporter bugsieren wollten, bleibt das Geheimnis des mächtigen Tieres. Offenbar beobachtete eine junge Frau die Weigerung des Stierkälbchens, kaufte es überwältigt von ihren Gefühlen frei und eilte in die nächste Telefonzelle. "Sie müssen uns helfen, bitte kommen Sie mit einem Transporter, ich stehe hier mit einem Stierkalb am Strick", rief sie aufgeregt Alfred Mutzl durch den Hörer zu. Der damalige Leiter der Geschäftsstelle Bayern sprang in seinen Wagen und brauste los. "Was für ein Prachtbursche", sagte er beim Verladen - und so blieb Burschi bei seinem Namen, den man im Angesicht seiner tonnenschweren Erscheinung für unpassend halten könnte, wäre da nicht sein Wesen. Der Ochse ist ein ganz sanfter, zutraulicher und anschmiegsamer Vertreter seiner Art, wie die Familie Langschartner im

Laufe der Jahre beobachtet hat. Burschi lässt sich gerne anfassen und ist geradezu begeistert, wenn sich irgendetwas Nicht-Alltägliches in seinem Offenstall tut, den er mit seiner Herde bewohnt. Vor kurzem wurde sein Stall neu gestrichen, und während Frau Langschartner den Pinsel akurat von Holzlatte zu Holzlatte zog, bekam sie laufend kleine Stöße in den Rücken - Burschi suchte Kontakt und versuchte, seine Stirn an ihr zu reiben. Ganz wohl wird der jungen Mutter bei dieser Liebkosung vermutlich nicht gewesen sein - immerhin beträgt die Spanne seines eindrucksvollen Gehörns, gemessen von spitzem Horn zu Horn, einen Meter und zehn. Anders als die Oktoberfest-Ochsen mit ihrem auf Gewichtszuwachs ausgerichteten Spezialfutter begnügt sich die Herde um Burschi mit Weidegras, Heu und Grassilo. Bei guten Wetterverhältnissen zieht die kleine Gruppe grasend über die Weide, bei Sturm, Hagel, Schnee und Starkregen bleiben sie im Bereich des Offenstalls. Der auf Rinder spezialisierte Tierarzt, der die Herde betreut, ist fasziniert von dem ruhigen, kraftstrotzenden Burschi und fragt sich des Öfteren, wie alt das sanftmütige Schwergewicht wohl werden wird. Da fast alle Ochsen ihr Leben früh im Schlachthof beschließen, hat selbst der Veterinär kaum Vergleichsmöglichkeiten, welches Alter die Tiere bei guter Pflege erreichen können. Wie Familie Langschartner rechnet der Tierarzt mit einer Lebenserwartung von ca. 20 Jahren, die nach heutigem Gesundheitszustand von Burschi durchaus realistisch ist. Der bmt versorgt derzeit (Stand Dezember 2013) 75 Gnadenbrottiere. Der Unterhalt kostet monatlich nahezu 13.000 Euro - für den bmt eine Herzensangelegenheit. Tiere haben ein Recht auf Leben, wie wir Menschen es ebenfalls für uns beanspruchen. Burschi hat für sein Leben gekämpft, wie so viele Tiere es leider nicht können. Helfen Sie uns, damit wir es weiter möglich machen, dass Tiere leben können, in Würde, in Gesellschaft von Artgenossen und in artgerechter Umgebung. Patenschaften für unsere Gnadenbrottiere können Sie in jeder Geschäftsstelle abschließen und sich auch im Internet für Ihr "Lieblingstier" entscheiden (www.bmt-tierschutz.de). Der Ochse Burschi ist ein Gnadenbrottier der Geschäftsstelle Bayern (www.bmt-bayern.de). Text: Claudia Lotz Fotos: Claudia Lotz, Christine Gehrlicher

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Ochse zu sein …

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JUGENDSEITE

Kinder an die Macht

Wann sind Tiere glücklich? "Wenn Menschen lieb zu ihnen sind!" In einer riesigen Halle stehen Puten. Eine Pute neben der anderen, so dicht, dass sie sich mit dem Gefieder berühren. Das Bild zeigt Puten in einer Bodenhaltung - und Johannes, 7 Jahre alt, schaut sich diese Szene zufällig auf dem Laptop an. "Da passt ja kein Regenwurm mehr dazwischen", sagt er zu seiner Mutter und ist richtig empört. Was Kinder ungerecht finden, ist für Erwachsene oft ganz normal. Doch ist es wirklich normal, Tiere so zu halten, dass sie ihr ohnehin zu kurzes Leben auch noch leiden müssen? Fragen wir Johannes aus der Eisenhart-Grundschule in Potsdam, was die Puten seiner Meinung brauchen, um sich wohler zu fühlen als in der Bodenhaltung. RdT: Wie würdest Du denn diese Puten, die Du Dir da eben auf dem Bildschirm angeschaut hast, leben lassen? Johannes: Auf jeden Fall nicht in so einer Halle eingesperrt. Ich würde ihnen ein ganz, ganz richtig großes Draußen-Gehege geben, ganz viel Futter und Trinknäpfe, einen Rasensprenger, damit sie sich im Sommer abkühlen können. Und sie brauchen einen Teich zum Baden. RdT: Glaubst Du, dass Tiere glücklich sein können? Johannes: Ja, wenn man lieb zu Tieren ist. RdT: Wenn Tiere glücklich sein können, wie Du sagst, dann müssen sie wohl

auch unglücklich sein können. Wann sind Tiere traurig, was meinst Du? Johannes: Wenn sie eingequetscht sind, wenn sie alleine sind, wenn sie einfach fest "am Kragen" gepackt werden, wenn sie Spritzen ins Auge bekommen. RdT: Können Menschen helfen, dass Tiere (wieder) froh werden? Johannes: Ja, sie nicht schlachten. Sie sollen nur Tiere haben, wenn sie genug Platz haben und die Tiere immer draußen sein können. Aber sie müssen auch ein Zuhause haben, falls es regnet, damit sie nicht nass werden. RdT: Wenn Du ein Zauberer wärest, was würdest Du für alle Tiere tun?

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“Joschi, der grüne Wellensittich”

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N EUES B LATT

DER

K INDERTIERSCHUTZMAPPE

Zwölf Themen umfasst die Kindertierschutzmappe des bmt inzwischen. Nach Straßenhunden in Rumänien folgt nun das Thema Wellensittiche. Wie Joschi aus einer Einzelhaltung in eine große Freiflugvoliere mit vielen anderen Wellensittichen umziehen darf, hat eine Pädagogin kindgerecht getextet und bebildert. Die folgenden vier Seiten können dem Magazin einfach entnommen werden, in dem man die Heftung löst und den Vierseiter herausnimmt.

Johannes: Dann würde ich zaubern, dass es den Tieren für alle Jahre gut geht, dass sie genug Platz haben und Freunde zum Spielen und immer genug zu Fressen und Trinken. RdT: Hast Du ein Lieblingstier? Johannes: Mein Lieblingstier ist ein Löwe und Dinosaurier.


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UMWELT

Ü BER E LEKTRONISCHE "E RZIEHUNGS

Wenn Bello Von Heike Pankatz Mit Hunden verhält es sich ja ein wenig wie mit Kindern - sie müssen erzogen werden. Das klappt je nach Hund und Halter mal besser, mal schlechter. Ein Erst-Hundebesitzer muss selber noch lernen, auf was man beim Umgang mit einem vierbeinigen Hausgenossen so achten muss, ein Mensch mit vielen Jahren Hundeerfahrung ist hier vielleicht schon etwas gelassener wenngleich jeder neue Hund auch wieder eine neue Herausforderung darstellt.

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So müssen Hunde zum Beispiel lernen, dass sie nicht permanent bellen müssen, wenn Herrchen oder Frauchen mal nicht zuhause sind. Auch die Grenzen des eigenen Territoriums sollen nach Möglichkeit nicht verlassen werden, und beim Spaziergang ohne Leine soll der Hund folgen, wenn er gerufen wird, auch wenn ein anderer Hund oder eine Katze vielleicht viel verlockender scheinen.

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ten Hundeschulen gerne und schnell zu elektronischen Erziehungshilfen gegriffen, die etwa durch das Aussenden eines hochfrequenten Tones oder sogar mittels eines kurzen Stromimpulses das ungewünschte Verhalten des Hundes unmittelbar bestrafen und unterbrechen sollen.

Dazu gibt es verschiedenste Hilfsmittel wie etwa spezielle Halsbänder, an denen sich ein Empfangsteil befindet, oder Kommt der Hundebesitzer mit diesen vielfältigen Erzieauch so genannte unsichtbare Zäune, die bei Berührung eihungsaufgaben nicht alleine klar, so sucht er sich wahrnen Stromimpuls auslösen. Tatsächlich führen solche Maßscheinlich Hilfe und fragt etwa in einer Hundeschule nach, nahmen bei vielen Hunden sogar sehr schnell zum "Erfolg", was er / sie denn nun mit Bello oder Fiffi machen könne. indem das unerwünschte Bellen gestoppt oder der Hund am Handelt es sich um verantwortungsvolle Hundelehrer, so werWeglaufen gehindert wird - allerdings zahlt der Hund dafür den sie ein individuelles einen hohen Preis: In wissenLernprogramm für genau schaftlichen Untersuchungen Mögliche Folgen nach Einsatz elektronischer diesen Hund und diesen konnte bewiesen werden, dass Erziehungshalsbänder bei Hunden: Halter erarbeiten, um das die Anwendung handelsübQ Q Ausfall des Spielverhaltens Angstsymptome Fehl- oder Problemverhallicher Elektroreizhalsbänder Q Störung des Ausdrucks(z.B. Verharren in ten in Bahnen zu lenken, bei Hunden bereits nach einer verhaltens gebückter Haltung) mit denen beide gut leben einmaligen Anwendung zu erQ Q Beeinträchtigung der Einnässen können. heblichen Schmerzen und LeiQ Eigenkörperpflege Hautverbrennungen den führte, was sich in VerhalQ Q Verstörtheit Hautnekrosen Leider wird aber immer tensauffälligkeiten und AngstQ Q Apathie Wunden noch in vielen sogenannverhalten äußerte.


WISSEN HILFEN " FÜR

H UNDE

nicht gehorchen will ...

Firma Pet Tec Lise-Meitner-Straße 39-41 10589 Berlin Sehr geehrte Damen und Herren, von aufmerksamen Tierfreunden wurden wir auf Ihr umfangreiches Sortiment für die Hundeerziehung hingewiesen, welches wir nicht unkommentiert lassen können. Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, wird im § 3 Nr. 11 des Tierschutzgesetzes sehr klar verboten, Geräte zu verwenden, die durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten eines Tieres, insbesondere seine Bewegung, erheblich einschränken. In den ausführlichen Kommentaren zum Tierschutzgesetz wird klargestellt, dass der Einsatz von Elektroreizgeräten (wie z.B. Impulshalsbänder, Bell-Stop-Geräte und Arealbegrenzer) insbesondere in der Hundeausbildung verboten ist. Ein Verstoß gegen dieses Verbot stellt eine Ordnungswidrigkeit nach §18 Abs. (1) Nr. 4 dar und kann mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro geahndet werden. Verschiedene Gerichtsurteile zu dieser Thematik liegen vor. Wenngleich der Vertrieb solcher tierschutzwidriger Erziehungshilfen nach wie vor nicht verboten ist, so obliegt unseres Erachtens dem Verkäufer eine Informationspflicht gegenüber seinen Kunden, dass deren Einsatz am Tier sehr wohl gegen geltendes Recht verstößt! Wir möchten Sie daher auffordern, einen entsprechenden Hinweis in Ihre Verkaufsinformationen aufzunehmen, und werden unsererseits eine entsprechende Berichterstattung in unserer Verbandszeitschrift vorbereiten, um so den tierschutzwidrigen Einsatz der von Ihnen angebotenen Utensilien zu verhindern.

Vielen Hundehaltern ist offensichtlich gar nicht bewusst, dass es sich um eine verbotene Erziehungsmethode handelt, und auch die Auswirkungen auf den Hund macht sich mancher Besitzer nicht oder nicht ausreichend klar (siehe Kasten). Dabei gibt es eine eindeutige Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes aus dem Jahr 2006, wonach jeder Einsatz eines Elektroreizgerätes bei der Hundeausbildung und -erziehung verboten ist, sofern keine Ausnahme nach Bundesoder Landesrecht vorhanden ist. Der Bundesrat hat seine Entscheidung zur Aufnahme des Verbotes in das Tierschutzgesetz damit begründet, dass "die gewünschten Effekte (Gehorsam, Bewegung) in der Regel auch durch andere, schonendere Mittel, die ein Leiden des Tieres ausschließen, erreicht werden können". Wer also als Hundebesitzer ein Problem mit seinem Vierbeiner hat, sollte sich Hilfe bei einem seriösen, verantwortungsbewussten und vor allem kompetenten Hundeerziehungsexperten holen, der nicht auf den schnellen Erfolg aus ist, der stets zu Lasten des Hundes gehen würde. Diese Fachleute sollten zuerst das unerwünschte Verhalten des Hundes analysieren, um dann eine für alle Beteiligten handhabbare Lösung zu finden. Ihr Hund wird es Ihnen danken! Fotos: Stefan Kirchhoff, Marita Spitzbarth, Debra Bardowicks

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Aus diesen Gründen wird im Tierschutzgesetz sehr klar verboten, solche Geräte zu verwenden. Leider ist jedoch trotz dieser eindeutigen Gesetzeslage der Vertrieb dieser tierschutzwidrigen Erziehungshilfen nach wie vor nicht verboten, sie sind im Gegenteil sogar für jeden Privatkunden sehr leicht über verschiedene Anbieter zu beziehen! Es gibt auch keine Verpflichtung der Hersteller bzw. Verkäufer, auf das Verbot des Einsatzes solcher Geräte hinzuweisen. Und die zuständigen Behörden verhalten sich ebenfalls oftmals zögerlich bei der Umsetzung der Vorgaben des § 3. Es muss also von anderer Seite entsprechende Aufklärungsarbeit geleistet werden. So hat der bmt kürzlich an die Firma Pet-Tec in Berlin, die elektronische Erziehungshilfen für Hunde vertreibt, folgendes Schreiben gerichtet:

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Wer einen Hund adoptiert, rettet einem zweiten damit das Leben!

Rettungs für rumänische

Ein facettenreiches Jahr mit Veränderungen, Wetterkatastrophen und vielen tierischen Notfällen liegt hinter uns. Das Tierschutzzentrum konnte zahlreichen Tieren praktisch helfen. Durch unsere Außenstelle in Kranichfeld Stedten können wir zusätzlich bis zu 40 Hunden bis zu ihrer Vermittlung an neue Besitzer einen Aufenthalt in privater Umgebung bieten. Private Einzelpflegestellen geben uns zusätzlich die Möglichkeit der individuellen Betreuung und Förderung von Hunden und Katzen bis zur Übernahme durch geeignete Menschen. So können wir für jedes Tier die passende Unterkunft bieten.

Von Petra Zipp

Seit Beginn der Hetzjagd auf Straßenhunde in Rumänien nehmen wir verstärkt Hunde aus unseren Partnertierheimen auf, um diese im Land funktionsfähig zu halten. Zahlreiche Ehrenamtliche kümmern sich darum, unsere Youngsters zu sozialisieren, Vertrauen aufzubauen, Leinenführigkeit zu trainieren und Streicheleinheiten zu verteilen. Vermehrt kommen nun auch ältere Hunde zu uns, die von Tierfreunden versorgt wurden, aber nun auf der Straße nicht mehr sicher sind. Am 15. November kam die Tierärztin Nina Schöllhorn mit dem vereinseigenen Transit aus Suceava nach Pfullingen. Sie hat vor Ort, wie schon mehrere Male in diesem Jahr, den einheimischen Tierärzten geholfen und Tiere für die Fahrt nach Deutschland ausgewählt. Suceava ist ein städtisches Tierheim und mit 1200 Hunden übervoll. Zum Glück gibt es hier keine Tötungsanordnung; allerdings leiden gerade die kleinen, kurzhaarigen Hunde und die jungen und alten Tiere sehr unter den einfachen Bedingungen und überfüllten Zwingern. So werden genau diese Tiere ausgewählt für die Reise nach Deutschland in ein besseres Leben.

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Tierschutzzentrum Pfullingen

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Gönninger Straße 201 72793 Pfullingen Tel. (07121) 820 17 -0 Fax (07121) 820 17 -18 Leiterin: Petra Zipp Tel. (07121) 820 17 20 IBAN: DE31640500000000757889 BIC: SOLADES1REU www.bmt-tierschutzzentrum.de

Das Tierschutzzentrum Pfullingen ist die erste Anlaufstelle auf der langen, aber doch bequemen Reise in speziell ausgestatteten und zugelassenen Transportfahrzeugen. Die Hunde schlafen sich in der Regel erst mal in ihrer Einzelbox aus und werden dann sofort in die Ausläufe gesetzt, damit sie sich lösen können. Da wir vorher Sie sind in Sicherheit: rumänische Junghunde im Tierschutzzentrum Pfullingen


TSZ PFULLINGEN

insel

PAUL

Hunde

Diese jungen Hunde wurden in eine Welt in Rumänien geboren, die keinen Platz für sie hat. Ihr Glück suchen sie nun in Deutschland Paul, ca. zwei Jahre, muss als junges Tier in eine Drahtschlinge geraten sein. Glücklicherweise kam er gerade zu dem Zeitpunkt in das rumänische Tierheim Targu Mures, als die Tierärztin Nina Schöllhorn (s. Bild) zu einem Arbeitseinsatz vor Ort war. Sie operierte die rostigen Drahtteile aus seinem Hals. Inzwischen sind die Wunden gut verheilt. Der liebenswertige Paul ist super verträglich mit anderen Hunden. Fotos: Marita Spitzbarth, Nina Schöllhorn

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schon Informationen über die ELENA Hunde bekommen - Frau Schöllhorn kennt sie vom medizinischen Check bestens und die Tierheimleiter bzw. privaten Betreuungspersonen in Rumänien geben uns vor den Transporten genaue Infos - haben wir es sehr viel leichter, neue Gruppen zu bilden. Von Pfullingen aus werden die Hunde dann an neue Besitzer Elena (4) ist eine sehr anhängliche vermittelt oder reisen weiter in und freundliche Schäfermixhündin andere bmt-Tierheime, damit die Rettungsinsel wieder Platz hat für weitere Hunde, die in ihrer Heimat wiederum im Tierheim einen Platz freimachen für einen Todeskandidaten von der Straße. Mit der Adoption eines Hundes aus dem Tierschutzzentrum retten Sie daher immer gleich zwei Hunde - Ihren neuen Freund und den unbekannten "Schattenhund", der seinen sicheVom "Schattenhund" zum geliebren Platz im Tierten Familienmitglied heim einnehmen der bmt macht es möglich wird. Und vielleicht können Sie sich ja sogar vorstellen, einem "Handicaphund" ein liebevolles Zuhause zu schenken? Elena und Paul haben ein ganz anderes "Handicap": Sie sind auf der Suche nach den Menschen, mit denen ein richtig gutes Hundeleben möglich ist. Die Schäfermixhündin Elena hat in Rumänien bereits mit Familienanschluss gelebt. Zwar vor dem Haus, wie es oft üblich ist, aber versorgt und behütet. Weil ihre Familie um Elenas Leben fürchtete, brachte sie die Vierjährige ins Tierheim. Die Hündin ist sehr verschmust und freundlich.

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Ein Jahr mit Jack

Nicht ohne

m

Der Australian Shepherd-Rüde Jack sitzt seit über vier Jahren im Tierheim Hage. Aus seiner Vorgeschichte ist ein Beißunfall bekannt, der eine Vermittlung nahezu unmöglich macht. Und doch führt Jacks Geschichte unweigerlich auf ein Happy End zu - lesen Sie, wie es Holger Wirringa (s. RdT 2/2008) gelang, das Herz des Rüden zu erobern. Jack ist jetzt ungefähr 10 Jahre alt und lebt seit rund 4 Jahren im Hager Tierheim. Ich habe ihn Anfang September des letzten Jahres kennen gelernt, als ich mit meiner Tochter Viktoria dort Bäume gepflanzt habe. Jack - ein eindrucksvoller Australian Shepherd Rüde rannte im Freilauf hinter uns herum und tobte, bellte und schrie wie am Spieß, als er Viktoria sah. Wir waren beide froh, dass ein hoher und sehr massiver Gitterzaun zwischen uns war. Eine Woche später gehörte Jack zu mir.

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Seine Geschichte ist schnell umrissen: Es geht um ein Kind, einen Unfall, Bisse, angeblich 20 mal. Das Kind verletzt, der Hund getreten, geschlagen und zum Tod verurteilt. Jack wurde - natürlich heftig schockiert - in das Hager Tierheim abgeschoben, und die Anwälte der Familie des verletzten Kindes taten alles, ihn töten zu lassen. Der Tierarzt weigerte sich, dies zu tun. Es war eindeutig ein Unfall. Wenn ein Kind verunglückt, ist fast immer ein Erwachsener Schuld.

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Jack durfte weiterleben. Durch diesen Unfall war Jack schwer traumatisiert und ging fortan auf alles los, was nicht "bei drei auf den Bäumen war" - Männer, Frauen, Kinder, Autofahrer, Jogger, Radfahrer und so fort. Vertrauen hatte er nur zu einem engen

Kreis von Pflegern im Tierheim. Fast nie ging jemand mit ihm spazieren, denn Jack galt als "gefährlich". Kam er doch mal raus, dann nur mit Maulkorb und einem dicken, breiten Halsband. Bellte er jemanden an, bekam er ein metallenes "Klapperding" vor die Füße geworfen, damit er ruhig werden sollte. Geholfen hat es nichts. Irgendwann wurde er nach Bremen zu einem Trainer gebracht, der ihm das "böse" Verhalten abtrainieren sollte. Der Mann versagte (natürlich), und Jack ging wieder zurück ins Tierheim in seinen Freilauf mit der blauen, alten Hundehütte. Am 8. September 2012 fuhr ich erneut nach Hage. Einer meiner Patenhunde in Hage war verstorben und ich wollte gerne wieder einen Hund dort unterstützen. Meine Wahl fiel auf Jack. Zum ersten Spazierengehen sollte Jack ein breites Halsband tragen und einen Maulkorb. Ich bestand auf einem Geschirr - Halsbänder lehne ich ab, weil sie etwas Entehrendes, Unterwerfendes an sich haben - und ließ den Maulkorb weg. So etwas brauche ich nicht. Es zeugt vom Vertrauen der Tierheimleitung, dass ich Jack ohne Maulkorb mitnehmen durfte ich bin bis heute der Einzige, der das darf. Auf der anderen Straßenseite kniete ich mich vor Jack, packte ihn mit beiden Händen um den Kopf, sah ihm aus 30 cm direkt in die Augen, sagte:

"Alter, damit eins klar ist: Ich liebe Dich!" und gab ihm einen Kuss auf seine braune, schlammige Nase. Dann zogen wir los in den Hager Wald. Ich redete die ganze Zeit mit ihm, erklärte ihm, dass es mir sehr wohl bewusst wäre, dass er zwei Gesichter habe (sein eigenes und das, das Andere ihm aufgedrückt hatten) und dass ich nur sein wahres Ich kennenlernen wolle. Kamen uns Personen entgegen, sprang Jack ins Geschirr, tobte und brüllte rum - ich sagte jedes Mal, dass das gar nicht sein müsse, weil ihm die Leute nichts täten. Raste ein Auto an uns vorbei, meinte ich zu Jack, dass der Fahrer wohl nur das Bügeleisen vergessen hätte oder schnell aufs Klo müsste. Wieder im Tierheim zurück, erklärte ich Jack zu meinem neuen Patenhund und versprach, in der kommenden Woche wieder dort zu sein. Drei Wochen in Folge waren wir unterwegs. Einmal wurden wir überfallen, ein großer Briard hatte seinen Maulkorb und sein Halsband zerrissen, sprang von hinten über meine Schulter auf Jack und biss sich fest. Mit bloßen Händen habe ich die beiden getrennt und bin, nachdem ich den Halter des Briards ins "Achtung" gestellt hatte, weiter Richtung Wald gelaufen. Jack hatte Blut im Gesicht. Aber nichts seins. Wieder im Tierheim sprach ich von Jack das erste Mal


TIERHEIM HAGE

Erfahrungsbericht von Holger Wirringa

einen Freund !

So etwas schweißt zusammen. Nach drei Wochen mit Jack wurde ich krank und konnte ihn in den nächsten drei Wochen nicht besuchen. Es wurde immer früher dunkel, es war nebelig, es regnete, in Lütetsburg lagen die Wege voll mit nassem, rutschigem Laub, die Zeitumstellung stand kurz bevor und mangels Auto musste ich die ganze Strecke immer mit dem Rad fahren. Ich dachte mir, der Hund kennt Dich bestimmt nicht mehr, fahr noch einmal hin und das war´s. Wirklich? Jack rastete komplett aus vor Freude mich wieder zu sehen. Schlagartig wurde mir klar: Es ist nicht vorbei... Es fängt jetzt erst richtig an! Unsere Touren wurden länger und länger, trotz zusehends schlechterem Wetter. Wir biwakierten im Wald unter den

Wir waren auf dem richtigen Weg. An einem verregneten Oktobertag kam ich dahinter, dass Jack seit über drei Jahren in dieser blauen, alten Hütte im Tierheim lebte. Tag und Nacht, Sommer und Winter. Der Türrahmen war ausgefranst, die Farbe blätterte ab, von Isolierung gegen Kälte und Wärme war nichts zu sehen. Ich durchforschte das Internet. Ich machte Pläne. Und ging zur Baustoffhandlung. Der Lkw brachte Material - trotz Sonderkonditionen für über 400 €. Einen Tag, bevor ich mit dem Bau beginnen wollte, wurden mir zwei Backenzähne gezogen und ich konnte mich nicht bücken, ohne dass die Naht zu platzen drohte. Opa half sofort und zimmerte die Hütte. Aus Bankiray, einem wetterfesten Holz, baute ich im Keller eine Terrasse für Jack; das ging, weil das Material auf Böcken lag und ich mich nicht bücken musste. Weitere Pakete trudelten ein mit Decken, Fressnäpfen, Geschirren und Leinen für meinen Freund. Viele Bekannte halfen mit Materialspenden

oder Arbeitsleistung und flammten z.B. die Dachpappe auf Jacks Blockhaus. Nach etwa 2 Wochen war die Hütte fertig: 150 Kilo gesamt, 6 cm starke Wände, Schweden-Blockhaus-Stil, rundum komplett isoliert, mit einem regendichten Lamelleneingang und einer ZweiKammer-Bauweise: Durch seinen "Flur" geht Jack jetzt in den extra abgetrennten Wohnbereich, der groß genug ist, damit er darin liegen kann, aber klein genug, um ihn auch bei strengster Kälte durch die eigene Körperwärme auf Temperatur bringen zu können. Endlich konnte Jack eine richtige Hütte bewohnen! Irgendwann an einem Herbstwochenende waren wir bei der Brücke über dem Hager Tief, als uns eine junge Frau auf einem Fahrrad entgegen kam, die mit ihrem Hund unterwegs war. Wir blieben stehen und unterhielten uns eine Weile. Jack setzte sich vor mich, ließ sich kraulen, nahm einige Leckerlies, war die Ruhe in Person - ich gab ihm einen Kuss auf die Nase. Die Frau fragte mich "Sagen Sie mal, ist das nicht Jack aus dem Tierheim?" - "Ja, das ist er." "Den kenne ich von früher, aber ich hätte ihn fast nicht wiedererkannt - er ist ja gar nicht mehr böse!" Der Winter war lang und hart. Von Dezember bis Anfang März fuhr ich jedes Wochenende zwei Mal zu

Geschäftsstelle Norden Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum Leiter: Dieter Kuhn, und Ursula Sottmeier Tel. (04933) 99 28 24, Fax 99 28 26 Tierheim Hage Hagermarscher Str. 11 26524 Hage Tel. (04938) 4 25, Fax 91 49 90 IBAN: DE51283615926302020300 BIC: GENODEF1MAR

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als von "meinem Hund", erklärte den Zwischenfall und stellte eindeutig klar, dass ich nicht wollte, dass meinem Hund jetzt ein Strick daraus gedreht würde, nur weil er sich freigekämpft hatte. Zum Glück hatte der Halter des Briards die gleiche Version erzählt, und es war allen klar, dass wir uns lediglich gewehrt hatten.

Tannen, kuschelten viel, drückten uns in Sturm und Hagel dicht aneinander; wir robbten gemeinsam durch das Unterholz, kämpften uns durch Gestrüpp, Dornen und Dickicht, sprangen über Gräben, versanken knöcheltief im Schlamm. Jack bekam unterwegs Leckerlies, die er vorsichtig wie rohe Eier aus meinen Fingern nahm. Kam uns eine Frau entgegen und Jack fing an zu toben, erklärte ich ihm, dass er die Frau natürlich fressen könne, dann wäre er aber satt. Würde er sie unbehelligt passieren lassen, hätte ich diese leckeren Sachen für ihn. Es wurde stetig besser, auch mit Radfahrern und Autos. Meine Ruhe strahlte auf meinen Hund aus. In meinem Beisein fühlte er sich sicher und geborgen. Er wurde lockerer.

www.tierheim-hage.de

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TIERHEIM HAGE Jack mit Holger Wirringas Sohn Martti

Jack. Bei Schnee, Eis und teilweise eiskaltem Ostwind der Stärke 5-6. Zusammen mit meinen Hundetouren hier auf der Insel kamen so rundweg 120 Kilometer aus meinen Knochen jedes Wochenende. Dazu die täglichen Runden auf Norderney unter der Woche mit meinem Dreier-Rudel. Allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres riss ich so rund 1.000 km ab. Leider konnte ich dann einen kompletten Monat nicht zu Jack, das Wetter war derart schlecht, der Ostwind extrem und der Wasserstand so tief, dass die Fähren nicht planmäßig fahren konnten. Die Kinder freuten sich über schulfreie Tage.

(RE-)GINA

Jack und ich warteten auf Besserung.

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Anfang April war ich endlich wieder mit ihm unterwegs. Wir gingen den MeintEhlen-Weg entlang, neben uns eine Oma mit ihren Enkeln - und Jack guckte nicht mal hin. Wir unterhielten uns lange, ich drehte ein kurzes Video "das glaubt mir kein Mensch, was ich hier gerade filme!" dachte ich. Jack friedlich und gelassen dicht bei den Kindern - vor wenigen Wochen noch undenkbar. Im Tierheim war man erfreut über Jacks Fortschritte. Sogar die kleine Ilka freute sich. Sie fiel von Anfang an in Jacks bevorzugtes "Beuteschema". Ilka hatte einen Heidenrespekt vor ihm. Nach einem langen Spaziergang klingelten wir am Tierheimtor und sie kam, um uns herein zu lassen. Sie stand hinter der geöffneten Gittertür. Jack guckte. Ilka schluckte. Ich sagte zu Jack: "Ich weiß, dass Du Ilka fressen könntest. Ich könnte das auch. Aber der Einzige, der sie wirklich fressen darf, ist ihr Freund. Und deshalb gehen wir hier jetzt einfach weiter und lassen Ilka in Ruhe."

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Samstag, 7. April. Der ultimative Test. Mit meinem Sohn Martti fahre ich nach Hage ins Tierheim. Während ich hinten im Freilauf Jack ins Geschirr lege, wartet Martti vorne beim Tor auf uns. Wir kommen um die Ecke, Jack sieht ihn und brüllt ihn an. Martti bleibt völlig un-

Es funktioniert einwandfrei.

beeindruckt. Es ist 12:13 Uhr. Genau eine Stunde später muss ich schlucken: Jack sitzt friedlich vor meinem Jungen auf dem Waldboden und nimmt vorsichtig einige Leckerlies aus seiner Hand. Zusammen gehen wir weiter durch den Wald, immer wieder bekommt Jack etwas von Martti, der regelmäßig mit ihm spricht. Irgendwann machen wir Pause an der Hager Umgehungsstraße, Martti sitzt auf einem Baumstumpf, Jack vor ihm. Mein Sohn fragt mich "Papa, kann der auch Platz?" und Zack! macht Jack Platz. Martti gibt ihm etwas zu naschen und streichelt ihn. Immer wieder. Irgendwann ist es genug, er packt die restlichen Hundekekse ein und will Jack noch einmal streicheln. Er ist etwas zu schnell und RUMMS - Jack schnappt ihn in die Hand. Aber Martti ist Profi. "Ich war zu schnell, das hat er falsch interpretiert." Wir machen uns auf den Heimweg. Kurz vor dem Tierheim sagt Martti: "Ich gehe hier als Sieger vom Platz", packt in die Tasche und füttert Jack, als wenn nichts gewesen wäre - das wirkt. Drei Wochen später sind wir beide wieder im Tierheim. Jack kommt um die Ecke, sieht Martti, geht zu ihm hin, setzt sich schnell und wartet auf einen Hundekeks. Angepöbelt hat er ihn nie wieder. Zusammen mit Dennie, einem tollen Schäferhund, machen wir einen langen Ausflug in den Wald. Während einer Pause füttert Martti beide Hunde aus der Hand, sie sitzen friedlich nebeneinander und warten gelassen auf ihren Anteil. Auf dem Heimweg löse ich Jack von meinem Bauchgurt und klinke ihn in Marttis Gurt zu Dennie.

Ende August hat Viktoria Geburtstag. Sie wird endlich 18 und möchte vorher noch einmal mit mir zu Jack fahren kein Problem! Wir wollen Dennie mit auf Tour nehmen, zu viert macht es ja noch mehr Spaß. Etwas angespannt wartet meine Tochter mit Dennie vor der Tür, schließlich kennt sie Jack nur so, wie er vor einem knappen Jahr war. Ich ziehe meinem Hund sein Geschirr über und erkläre ihm "Ich habe Dir heute jemanden mitgebracht: Das ist Viktoria, sie ist sehr wichtig für mich und es könnte sein, dass sie eines Tages sehr wichtig für Dich wird. Es wäre schön, wenn Du sie entsprechend behandeln könntest". Auf dem Weg in den Wald geht Jack komplett relaxt neben Tori, die mit Dennie läuft. Wir sind über drei Stunden zusammen unterwegs, campieren unter den Bäumen, laufen durch einen wunderschönen Sommerwald und haben einen tollen Tag. Jack lässt sich von Tori streicheln, mit Naschereien verwöhnen und läuft zum Abschluss dieses Tages friedlich zusammen mit Dennie an ihrem Gurt. DAS ist ein richtig guter Moment! EPILOG: In den ersten 12 Monaten war ich 57 mal bei Jack. Der Aufwand? 1.370 km mit dem Schiff, 1.770 km mit dem Rad, rund 700 km zu Fuß mit Jack, dazu 760 Euro Fahrtkosten, 400 Euro für die Hütte, 100 Euro für Zubehör. Der Erfolg? - UNBEZAHLBAR!


TH WAU-MAU-INSEL

FRIEDA Glück im zweiten Anlauf W IE F RIEDA

NACH MEHREREN

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Als Frieda im Sommer 2005 die Reise von unserem Partner-Tierheim Kiskunhalas, Ungarn, nach Kassel antrat, dachten wir, dass es für die damals einjährige, fröhliche und aufgeweckte Mischlingshündin eine Chance auf ein besseres Leben sein würde. Sie kam in unser Tierheim und musste nicht lange warten, bis sich Interessenten für die freundliche und hübsche Hündin mit den kajalumrandeten Augen fanden. Eine gut situierte Dame kam mit ihrer erwachsenen Tochter ins Tierheim und adoptierte Frieda. Ende gut, alles gut? Nein, leider nicht in Friedas Fall. Als unsere ehrenamtliche Leiterin des Außendienstes, Frau Buse, Frieda im Rahmen einer Nachkontrolle besuchte, war die Hundehaltung alles andere als optimal, da sie überwiegend draußen gehalten wurde. dame sein, da Ömmes Probleme mit der Wirbelsäule hat. Da Frieda einen ruhigen Charakter hat und uns ihr Schicksal sehr am Herzen lag, haben wir ihr Frieda vorgestellt. Die beiden haben sich auf Anhieb verstanden, und so durfte Frieda die Rückreise mit ihrem neuen Freund Ömmes Frieda im neuen Glück bei den Köllmanns. Oben mit Ömme.

antreten. Auch im neuen Zuhause klappt alles prima, auch wenn sie sich mit der ebenfalls im Haus lebenden Katze erst anfreunden musste. Frieda genießt die Wärme, Liebe und Zuneigung ihrer Menschen und ihres Kumpels. Und das Schönste ist, dass sie ihre Menschen überallhin begleiten darf - sie fährt problemlos im Auto mit oder geht mit in den Pferdestall. Ein großes Dankeschön an Familie Köllmann, die Frieda - ohne Wenn und Aber - bei sich aufgenommen hat, ob-

wohl sie gesundheitlich angeschlagen war. Das ist gerade in der heutigen Zeit nicht die Regel. Frieda bedankt sich bei ihren Menschen täglich mit ihrer liebenswerten Art, die sie durch ihre Blicke und ihre neue gewonnene Lebensfreude ganz deutlich zum Ausdruck bringt! Ursula Köllmann beschreibt das so: "Wenn Ida sich freut, muss man sich einfach mit freuen und lachen: sie hopst herum, guckt einen auffordernd an, grinst und wedelt sowohl mit dem Schwanz wie auch gewissermaßen mit dem Kopf. Wir sind so froh, dass wir Ida gefunden haben und danken Ihnen, dass Sie sich so für Frieda/Ida - für ihre körperliche und seelische Gesundheit - eingesetzt haben!" Text und Fotos: Petra Hollstein

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Nach weiteren Überprüfungen der Haltung von Frieda wurden die Bedingungen für die Hündin immer schlechter und beim letzten Kontrollbesuch war sie in einem traurigen Allgemeinzustand. Ihr Fell war verfilzt und zeigte deutliche Spuren der Vernachlässigung. Großflächige Liegeschwielen an ihren Beinen sprachen Bände. Nach intensiven Gesprächen und viel Überzeugungsarbeit von Frau Buse und mir willigte die Vorbesitzerin schlussendlich ein, Frieda wieder in die Obhut des Tierheims zu geben. Das war Frieda`s Glückstag! Angekommen im Tierheim konnte sie sich durch ihr starkes Übergewicht und die schlecht bemuskelten Beine aufgrund mangelnder Bewegung kaum auf den Beinen halten. Sie war aber für jede kleine Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wurde, dankbar und freute sich sogar noch bei der Behandlung ihrer schmerzhaften Ohrenentzündung, die sie geduldig ertrug. Leider wurde sie auch vorher nicht tierärztlich versorgt. Eines Tages meldete sich eine sehr nette Dame auf der Suche nach einer neuen Weggefährtin für ihren ein wenig wählerischen Dackel-Mix-Rüden Ömmes. Es sollte eine eher ruhige Hunde-

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Verantwortung für Tierheimtiere ernst nehmen

"Wir sind ein ganzes Tierleben Von Claudia Bioly

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Dackel-Mix Bobby kam nach 13 Jahren aus der Vermittlung zurück, weil er alt und krank war. "Ich komme mit dem Hund nicht mehr klar", klagte sein Besitzer am Telefon. Auf die Frage, was denn das Problem sei, kam die Antwort: "Er pinkelt jeden Tag rein und kann kaum noch stehen." Wir waren einfach fassungs- und sprachlos, wie man nach so langer Zeit seinen Partner auf vier Pfoten kaltherzig im Stich lassen kann, aber da wir uns ein Leben lang für unsere Tiere verantwortlich sehen, haben wir Bobby selbstverständlich sofort wieder bei uns aufgenommen, mit Herzgeräuschen, einem Tumor am Hals, stark geschwollenen Lymphknoten, trüben Augen, schwerhörig und allen Zipperlein, die das Alter so hergibt.

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Da wir alte Hunde grundsätzlich nicht im Zwinger unterbringen, haben wir Bobby in unsere Futterküche aufgenommen und zum Glück lief die Integration in das bestehende Küchenrudel ohne Probleme. Auf unserer Homepage haben wir Bobby als Notfall vorgestellt und dort haben auch Tierfreunde, die bereits einen Hund von uns haben, von Bobbys Schicksal erfahren. Die Zusammenführung der beiden Hunde klappte zwar prima, doch leider begann der Ersthund Bobby nach ein paar Tagen zu attackieren, so dass sie ihn schweren Herzens zurück ins Tierheim bringen mussten. Wir machten uns große Sorgen, wie Bobby die erneute Umstellung verkraften würde - doch der kleine Kerl erwies sich als sehr tapfer. Und wie es das Schicksal wollte, kam eine naturheilkundlich orientierte Tierärztin im Rahmen ihrer DozententätigB OBBY keit an der Kasseler Hippokratesschule zu uns ins Tierheim. In diesem Zusammenhang stellten wir auch Bobby vor - und es kam, wie wir es nicht zu träumen gewagt hatten: Die Tierärztin hatte ein großes Herz, und Bobbys Schicksal berührte sie sehr. Ein Anruf bei ihrem Ehemann und Bobby durfte mit in sein neues Zuhause an die Nordsee ziehen. Dort lebt er nun mit seinen neuen Hundefreunden, Katzen, Schweinen und Pferden aus dem Tierschutz auf dem Land zusammen. Und wenn wirklich etwas ist, dann ist er bei einer Tierärztin natürlich in den besten Händen….

Wir danken Andrea Ceglowski-Weber für die herzliche Aufnahme von Bobby, der Dank gilt aber auch den Tierfreunden, die ihm zuerst eine Chance gaben, der Ersthund dies aber unmöglich machte.

Warum Fritz sich so wenig kooperativ zeigte …

Es gibt in jedem Tierheim kranke, schwierige und manchmal auch unvermittelbare Tiere, die einen Großteil ihres Lebens im Tierheim verbringen müssen. Wir sind sehr froh und dankbar, dass es immer wieder Menschen gibt, die auch diesen Tieren eine Chance geben. Ein Beispiel ist Fritz (großes Bild), der im Sommer 2010 als vermeintlicher Fundhund im Tierheim abgegeben worden war. Der Jack Russell Terrier-Dackel-Mix war die ersten Tage nach seiner Ankunft völlig durch den Wind und zeigte sich wenig kooperativ im alltäglichen Umgang, so dass wir ihn erst einmal ganz in Ruhe gelassen haben. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass er aus einem Haushalt mit mehreren Kindern kam, die ihn immer geärgert haben sollen. Kein Wun-


TH WAU-MAU-INSEL

der, dass er die Angewohnheit hatan, aber das nette te, Menschen in die Füße zu beiEhepaar wollte ßen, wenn ihm selbige zu nahe kaFritz eine Chance men. geben. Und so Auch wenn man ihm nur einen Ball lernte Fritz seine zukicken wollte - wir mussten imMenschen und seimer schneller sein als Fritz. Sein ne Menschen Fritz Geschirr ließ er sich auch nicht einauf mehreren Befach an- und ausziehen, so dass suchen kennen. F RITZ Fritz der einzige Hund war, der Dann stand der dauerhaft sein Geschirr anhatte. Probetag an, und Auch bei der Vergabe seiner SymFritz wurde von uns zu seinen Menschen gefahren, die zum pathien war Fritz sehr wählerisch, Glück in einem Haus mit großem, eingezäunten Garten ohund es gab Leute, die er partout ne Kinder und in Waldrandlage wohnten. Und das Wunder nicht ausstehen konnte. Sein Progeschah, Fritz durfte bleiben! blem ist, dass er dabei so niedlich Bereits am zweiten Tag trauten sich seine Menschen, barfuß aussieht, dass alle Menschen ihn zu laufen (es war Sommer und sehr heiß!) und mittlerweile anfassen wollen. können sie ihn auch anfassen und Zweimal hatte Fritz GSt u.TH "Wau-Mau-Insel" streicheln, wenn Fritz es zulässt. Wir Interessenten in sind uns sicher, dass Fritz noch viele Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel seinen drei Jahren weitere positive Schritte gehen wird, Leiterin (GSt): Petra Hollstein Tierheimaufenthalt. Diese werden bei uns aber es wird sicherlich noch sehr lanLeiter (TH): Karsten Plücker natürlich immer über Verhaltensauffälligkeige brauchen und setzt geduldige Tel. (0561) 86 15 680, Fax 86 15 681 ten aufgeklärt. Die Ersten gingen mit ihm in Menschen voraus, die ihm diese Zeit den Freilauf und da hat er dem Ehemann IBAN : DE19520503530000070700 geben. Und genau diese Zeit geben BIC: HELADEF1KAS gleich in die Füße gehackt. Nach kurzer ihm seine Menschen. www.wau-mau-insel.de Überlegung brachte man Fritz zurück und ging mit den Worten ‚Wir melden uns dann Wir danken dem Ehepaar Rhein, dass bei ihnen!' Natürlich haben wir nie wieder etwas von ihnen sie Fritz bei sich aufgenommen haben. Wir wissen, es ist sigehört. Und mal ganz ehrlich, so richtig verdenken konnten cherlich nicht leicht mit ihm, aber seine Fortschritte, die er bei wir es ihnen nicht, so, wie Fritz sich benommen hatte. seinen Menschen gemacht hat, sind enorm! Der zweite Interessent war ein alleinstehender Mann, den wir Fotos: Claudia Bioly selbstverständlich ebenfalls über Fritz' Besonderheiten informierten. Die beiden gingen spazieren und als sie wiederkamen, blutete der Mann, wollte Fritz aber unbedingt haben. Nur, dieses Mal hatten wir kein gutes Gefühl bei der Vermittlung, so dass auch dieser Versuch scheiterte. Und dann rief eine sehr nette Frau an und erkundigte sich nach Fritz und fragte, ob sie ihn kennenlernen dürfe. Selbstverständlich durfte sie, aber wir erzählten auch gleich von Fritz' Vorlieben und dass er nicht so einfach sei. Dies schreckte die Dame aber nicht ab und so erschien sie mit ihrem Ehemann. Gleich beim ersten Kennenlernen hackte unser Charmebolzen auch diesem Mann in die Füße. Doch es schreckte die Dame nicht ab und sie wollte wiederkommen. Selbstverständlich standen auch noch ein paar häusliche Gespräche

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für unsere Schützlinge da!"

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D iesUND und K URZ KNAP Trotz Regen gute Stimmung Die Teilnehmer unseres diesjährigen Laternenlaufes am 10. November waren tapfer - denn just nach der Begrüßung durch Bernd Schinzel kam ein dicker Regenschauer - und das war nicht der erste an diesem Tag. Die Wegstrecke durch den matschigen Wald wurde stark abgekürzt und als die 150 durchnässten Menschen und Hunde zurückkamen, gab es frischen Glühwein, Bänke mit trockenen Decken rund um die Feuertonnen und noch jede Menge Weckmänner. Da Petrus ein Einsehen hatte, kam es doch noch zu einem gemütlichen Ausklang an diesem Abend.

TH Köln-Dellbrück

1. Kölner Tierschutzfest

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln Leiterin (GSt): Sylvia Bringmann Leiter (TH): Bernd Schinzel Tel. (0221) 68 49 26, Fax 68 18 48 IBAN: DE22370100500092402505 BIC: PBNKDEFFXXX

www.tierheim-koeln-dellbrueck.de

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1. Kölner Tierschutzfest auf dem Kölner Heumarkt

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Einer der tapferen Teilnehmer unseres diesjährigen Laternenlaufes

Tiere haben Gefühle - dies wurde allen Kindern und Jugendlichen klar, die im Rahmen des 1. Kölner Tierschutzfestes am 05. Oktober auf dem Kölner Heumarkt den Sinnesparcours durchliefen. Die Erfolge im Tierschutz aufzeigen und Empathie für Tiere wecken waren das Hauptanliegen der 34 teilnehmenden Organisationen und das ist ihnen in lockerer Atmosphäre auch geglückt. Viele Kölner nahmen die Einladung an und kamen mit ihren Familien auf den Heumarkt. Wir haben diese schöne Tierschutzveranstaltung zusammen mit Schüler für Tiere, Aktion FairPlay und Ärzte gegen Tierversuche durchgeführt und die Rufe nach Wiederholung werden schon laut.


TH KÖLN-DELLBRÜCK

DasKaus Dellbrück ÖLN

PP AUS

Unser Tierheim-Kalender für das Jahr 2014

Unser Kalender 2014

Nasenbär oder doch ein Kater?

Unser Tierheim-Kalender für das Jahr 2014 ist da - der schönste, den wir bis dato hatten. Zwölf unserer Schützlinge erzählen ihre Geschichte wie zum Beispiel Gibsy, die mit einem Blasrohr von der Feuerwehr narkotisiert werden musste oder der egozentrische Kater Balou, der das Personal im Katzenhaus im Griff hat. Der Kalender kann für 6 Euro bei uns im Tierheim bestellt werden, zzgl. Verpackung und Versand.

Merlin ist der Liebling des Tierheims. Allerdings kennt ihn hier jeder nur unter dem Namen "Nasenbär". Der Siamkater wurde wegen Unsauberkeit abgegeben. Tatsächlich hat er eine siam-typische entzündliche Krankheit (Plasmazelluläre Pododermatitis), die sich bei ihm an den Pfotenballen zeigt. Der Toilettengang ist durch das Katzenstreu für ihn eine sehr schmerzhafte Angelegenheit gewesen. Der zierliche Nasenbär hat außerdem eine chronische Zahnfleischentzündung - bei der ersten Zahnsanierung musste schon einiges gezogen werden. Der Kater wickelt hier mit seinem Charme und überaus freundlichen Art jeden um den Finger - ein neues Zuhause muss aber noch ein Weilchen warten, seine Behandlungen sind noch von Dauer.

In den Herbstferien war unsere Kinder- und Jugendtierschutzgruppe einen Tag bei uns. Der Vormittag stand ganz im Zeichen der Kleintierpflege, und die jungen Helfer mussten alle Außengehege misten. Anschließend war Karin Oehl von Pro Igel bei uns zu Gast. Sie hat den jungen Tierschützern den Igel näher gebracht und ihre ganzjährige Arbeit mit und an diesem faszinierenden Wildtier vorgestellt. Nach dem abschließenden Igelquiz gingen die Kids mit unseren Hunden spazieren und Foto: Ksta konnten sich die rauchenden Köpfe abkühlen.

Katze im Geburtsvorgang Die Tierrettung der Feuerwehr Köln steht mehrfach am Tag vor uns - eine Katze, die mitten in der Geburt ihrer Jungen war, hat sie uns allerdings noch nie gebracht. Das konnte auch keiner ahnen. Umso erschrockener war unsere Katzenpflegerin, als beim Umsetzen in die Quarantänebox das erste Katzenkind auf das Deckchen plumpste. Durch den Stress der Katzenmutter stagnierte die Geburt - das zweite Junge musste abends per Notkaiserschnitt auf die Welt geholt werden. Zu unserer Freude sind alle wohlauf (großes Bild)!

Ein Lob an unsere FacebookGemeinde Knapp 17.000 Menschen verfolgen die Geschehnisse rund um unser Tierheim auf Facebook. Und bei dramatischen Meldungen wie der des ausgesetzten Doggenmischlings Rocco geht die Zahl der Leser, die den Beitrag gesehen haben, locker auf 200.000 - was auch prompt zur Aufklärung des Falls führte. Ob wir um Hilfe bei Veranstaltungen bitten, eine Feuertonne für den Laternenlauf brauchen oder nach schönen Stofftieren für den Weihnachtsmarkt fragen - unsere treue Fangemeinde ist immer hilfsbereit und alle unsere Wünsche werden erfüllt.

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KiTi Köln

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Hundeschule - auch bei uns Hundeschule und Tierheim - das lässt sich nicht immer leicht vereinbaren. Viele Hunde zeigen im Tierheim nicht ihr typisches Verhalten wie Schutz- oder Jagdtrieb. Trotzdem hat Christoph Rotter vom Hundezentrum Bergisch Gladbach alle Hände voll zu tun. Unsere Gassigänger nehmen eigenständig Kontakt mit ihm auf, wenn es unterwegs Probleme gibt. Und dann gibt es Einzelstunden für Inga, die am liebsten Pferde auf den Mond jagen würde oder für Odo, der andere Hunde zum Fressen gern hat. Die Erfolge durch sehr individuelle Trainingsmethoden lassen sich nicht von der Hand weisen: Mischling Rocco, der gerne in die Arme kniff, ist durch seine Hilfe vermittelt worden, die ängstlichen Hunde Emmi & Kalina haben nach fünf Jahren ein Zuhause bekommen und Judie lässt sich durch sein Training nach Monaten endlich anleinen und ausführen. www.hundeschule-bergischgladbach.de

Zwischenstopp Auf dem Weg in ihr neues Zuhause haben diese sechs Hühner bei uns Rast gemacht und übernachtet. Käfige werden sie nie mehr bewohnen müssen - ihr neues Leben lässt sie wieder zu richtigen Hühnern werden: scharren, über die Wiese laufen, Sandbäder nehmen. Millionen Legehennen werden jährlich ausgemustert, sie sind dann ca. 1 Jahr alt und die Legeleistung lässt nach. Leben zu dürfen ist für diese sechs wie ein Lottogewinn.

Termine rund um Weihnachten

Mattis und die Milch Mattis, das kleine Bullenkälbchen, lebt auf Hof Butenland. So wie er lebt kaum ein Kalb - und das möchte er erklärt bekommen. Gisela, die älteste Kuh auf der Weide, erzählt Mattis ihre Geschichte als "Milch"-Kuh. Der Film "Mattis & die Milch" vermittelt kindgerecht - ohne erhobenen Zeigefinger das Leben von Kühen in der Nutztierhaltung und gibt einen Einblick in die Produktion von Kuhmilch als Nahrungsmittel für den Menschen. Die Werkstatt Zukunft erarbeitet Tierschutz-Schulungsmaterial, das wir für unseren Kinder- und Jugendtierschutz gerne nutzen. Weitere Infos unter: www.werkstatt-zukunft.eu

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Ein spätes Frühjahr …

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Der Weihnachtsbasar in unserem Tierheim und der einwöchige Stand auf dem Weihnachtsmarkt zu Füßen des Kölner Doms sind seit einigen Jahren Tradition bei uns. Im Trödel stöbern, Adventskränze und noch das ein oder andere Weihnachtsgeschenk kaufen - so lässt man in Köln bei Glühwein, Kaffee und Waffeln ein ereignisreiches Jahr ausklingen. Text: Heike Bergmann Fotos: Sylvia Hemmerling

Foto: olibolzano.com

… bringt auch späten Igelnachwuchs mit sich. Bereits Mitte September wurden die ersten hilfebedürftigen Jungigel zu uns gebracht. Seitdem wächst die Igelstation stetig. Damit die Station aber nicht ganz aus den Nähten platzt, sind wir immer auf der Suche nach kundigen Pflegestellen, die uns den ein- oder anderen Überwinterungsgast abnehmen. Die Ausstattung dafür geben wir gerne mit. Beste Igel-Infos gibt es bei www.pro-igel.de Unsere Igelstation wächst und wächst. Wer kann eine kundige Pflegestelle anbieten?


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Von

Candy, der

"Glückskatze"

CANDY

... und Emma, deren Schicksal unsere Mitglieder rührte

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Erinnern Sie sich an Emma? Die von ihren Besitzern kaltblütig verstoßene Katze, die sich mühsam über viele Jahre am Leben hielt? Sie können sich kaum vorstellen, wie gewaltig die Resonanz auf diesen Artikel war. Anruf folgte auf Anruf: Alle waren zutiefst entrüstet über das kaum vorstellbare Ausmaß menschlicher Kälte und wollten der 14jährigen Katze noch schöne Jahre bieten. Inzwischen ist Emma bereits umgezogen und hat sich bei ihren neuen Bezugspersonen gut eingelebt. Hier darf sie im Haus bleiben, den Garten durchstöbern, wann immer sie möchte - dass EMMA sie sich lieber in der Nähe ihrer Menschen aufhält als draußen, überrascht nicht wirklich …

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Wir hätten gerne eine Strafanzeige gegen die früheren Besitzer von Emma gestellt, hätten jedoch Zeugen gebraucht, die den tierschutzwidrigen Umgang mit der Katze bestätigt hätten. Leider erklärte sich niemand dazu bereit; zu groß war die Furcht, einem vermutlich entstehenden Streit in der Nachbarschaft nicht gewachsen zu sein. So verständlich diese Reaktion einerseits ist, so bedauerlich in anderer Hinsicht: Wer Tiere in voller Absicht vernachlässigt, ihnen Leid und Schmerzen zufügt, sollte dafür zur Rechenschaft gezogen werden, finden wir. Das Tierschutzgesetz stellt Verstöße wie den obigen unter Strafe, ist zum Vollzug jedoch auf die aktive Mithilfe von uns allen angewiesen. Auch die folgenden Fälle werden ungesühnt bleiben, weil die Täter, wie so oft, unbekannt sind oder aus den verschiedensten Erwägungen von Zeugen, Mitwissern, Passanten oder Nachbarn nicht angezeigt werden.

Im Oktober fand ein junges Pärchen ein Katzenbaby auf einem Parkplatz am Kaufpark in Göttingen. Es lag reglos auf der Seite, äußere Verletzungen waren nicht erkennbar, umso gravierender dafür die inneren, wie die Tierärztin entsetzt feststellte. Das ca. fünf Wochen alte Katzenbaby hatte einen Schädelbruch, ein Schädel-Hirntrauma, einen Beckenbruch und war lebensgefährlich unterkühlt. Zwei Wochen intensive stationäre Behandlung brachten das dreifarbige "Glückskätzchen" wieder auf die Beine - und Leben ins Katzenhaus. Denn Candy flitzt und klettert nicht nur mit ihren Artgenossen

OLIVIA &

um die Wette, sondern ermuntert auch immer wieder die vier Hunde der Kat-

zenhausleiterin Monika Bossmann zum wilden Spiel. Ihre schweren Verletzungen, so die Tierärztin, rühren vermutlich von Tritten oder Schlägen mit einem stumpfen Gegenstand. Genauso verabscheuungswürdig die Behandlung von Olivia und Paula: Während der Fahrt auf ihrem Motoroller fiel einer Frau ein verschnürter Sack

PAULA an der B3 Richtung Bovenden auf. Mit dunkler Vorahnung öffnete sie ihn und sah in die Augen zweier zu Tode geängstigter Katzen. Im Katzenhaus stellte man fest, dass die schwarze Katze kürzlich Welpen zur Welt gebracht haben musste, sie hatte noch Milch für ihre Kleinen …


KAT Z E N H AU S L U T T E R TA L Schönes Zuhause für zwei Freunde gesucht:

Ein ähnliches Schicksal teilt Lümmel: Der vier Jahre alte Kater verlor sein Zuhause, nachdem seine Besitzerin erkrankte und sich nicht mehr um ihn kümmern konnte. Lümmel ist sichtlich unglücklich mit der unerwarteten Änderung in seinem Leben und wünscht sich nichts sehnlicher als Menschen, die sich ihm liebevoll widmen, LÜMMEL gerne auch mit anderen Tieren, Hunden und Katzen im Haushalt. Bärbelchen und Paulinchen (rechts) sind gerade unsere Kleinsten im Katzenhaus. Wie jedes Jahr haben wir in den vergangenen Monaten wieder viele Flaschenkinder aufgezogen und ihnen den Start in ein hoffentlich gesundes und glückliches Katzenleben beschert. Trotz aller Aufklärung und Hilfestellung unsererseits werden noch immer in unserer sehr ländlich geprägten Region trächtige Katzen einfach in der Natur "entsorgt". Die "Katzenhaus Luttertal" Mütter bringen dann bei uns behütet ihre Luttertal 79 Babys zur Welt, wer37075 Göttingen den kastriert und wie Leiterin (TH): Monika Bossmann ihre Jungen an verantTel. (0551) 2 28 32 wortungsvolle neue IBAN: DE37250100300073222306 Menschen vermittelt. BIC: PBNKDEFFXXX

www.katzenhaus-luttertal.de

RUNO

TONY

In den vergangenen Monaten waren im Katzenhaus öfter Tiere abgegeben worden, die von ihren psychisch erkrankten, drogen- oder alkoholabhängigen Besitzern nicht mehr versorgt werden konnten. Darunter auch eine Frau, die bereits mehrfach eine Entgiftung in der Klinik durchgeführt hatte und für die Zeitspanne ihre beiden Kater in die Obhut des Katzenhauses gab. Doch jetzt konnte es das Katzenhaus nicht mehr verantworten, der Halterin ihre Tiere zurückzugeben. Als eine Mitarbeiterin des Katzenhauses, die sich wie schon in der Vergangenheit bereit erklärt hatte, die Kater Bruno und Tony bei sich zu versorgen, die Wohnung der Frau betrat, verschlug es ihr den Atem: Beißender Ammoniakgeruch hing in der verwahrlosten und verschmutzten Wohnung, das Bett und das Mobiliar waren voller Katzenurin und die Kater selbst in einem jämmerlichen Zustand. Beide Tiere waren sehr abgemagert, das Fell stumpf, schuppig und fiel ihnen büschelweise aus. Für Bruno war es möglicherweise seine Rettung, dass seine Besitzerin in die Klinik kam und sein eigener Zustand so offensichtlich wurde: Der zehn Jahre alte Kater ist nämlich Diabetiker und braucht regelmäßig Insulin; sein drei Jahre alter Freund hingegen leidet unter Harnsteinen und benötigt ein Spezialfutter. Glücklicherweise sah die Katzenhalterin ein, dass sie ihren Tieren vermutlich auch zukünftig nicht würde gerecht werden können. Wer könnte sich vorstellen, den beiden verschmusten Katern ein schönes Zuhause zu schenken? Text: Claudia Lotz Fotos: Monika Bossmann

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Ein Happy End wünscht sich auch Bonny, die in trauter Zweisamkeit sechs glückliche Jahre bei ihrer Besitzerin verbringen konnte. Als ihr Frauchen starb, hielt sich die wunderschöne British-Kurzhaar-Katze noch mehrere Wochen im Garten auf, bis ihr ehemaliges Zuhause verkauft und geräumt wurde. Im Katzenhaus lebt die Sechsjährige in einer Box mit Außenhaltung und trauert erkennbar. Da sie keine Sympathie für BONNY ihre Artgenossen zeigt, bewohnt sie ihre Unterkunft alleine. Vielleicht gelingt es Bonny, Ihr Herz zu erobern? Die Katze bräuchte Freilauf und sucht möglichst eine Familie mit bereits größeren Kindern.

Wer gibt Bruno und Tony eine neue B Chance?

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bmtGour

Von Claudia Lotz

Gebratene Gänsestopfleber auf der Speisekarte

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"Ganymed Brasserie" nennt sich das Restaurant in der Nähe des Regierungsviertels. Die Speisekarte hat alles zu bieten, was den Franzosen als Inbegriff der "haute cuisine" gilt: Kaninchenpastete, HummerMedaillons, Langustenschwanz, Schnecken, Krustentier-Tatar, Taschenkrebsscheren, Austern, Froschschenkel und Gänsestopfleber - ein Gericht unter Tierschutzgesichtspunkten erschreckender als das andere. Wissen die Gäste eigentlich, was ihnen da serviert wird? Wie zum Beispiel die foie gras (fette Leber) produziert wird? Im Rahmen des weltweit ersten Anti-Stopflebertages (21. November) machten wir von der Berliner bmt-Geschäftsstelle mit einer spektakulären Aktion auf das Leid der gestopften Enten und Gänse aufmerksam: Unsere Aktivisten "sperrten" mit rot-weißem Band den Zugang zum "Ganymed" und hielten ihre Transparente "Wegen Tierquälerei geschlossen" für Autofahrer und Passanten gut sichtbar in die Höhe.

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Ein Tourist, der gerade im Restaurant gegessen hat, zeigt sich tief betroffen. Er habe nicht gewusst, mit welchem Tierleid die "Gourmetküche" verbunden sei; er wäre hier nicht essen gegangen, wenn er die Informationen vorab gehabt hätte, die er nun von uns nun erhalten hat. Auch ein britisches Ehepaar ist irritiert, mehrere Touristen wenden sich noch am Eingang ab und verzichten mit lautstarken Kommentaren auf den Besuch. Eine ältere Berlinerin ist begeistert von unserer symbolischen Sperrung des "Ganymed". "Wer so viel geballtes Tierleid anbietet und damit noch Geld verdient, gehört boykottiert!" Ich darf das sagen, fügt sie noch hinzu. "Ich habe das Alter erreicht, in dem man die Wahrheit sagen muss." Und die Wahrheit im Fall der "Delikatesse" Gänse- und Entenstopfleber ist brutal: Die Produktion der foie gras ist so grausam, so inhuman, dass die Herstellung - nicht jedoch der Import und Verkauf! - in Deutschland und fast allen europäischen Staaten (Verstoß gegen das Tierschutzgesetz) verboten ist. Mit Ausnahme von Frankreich, Belgien, Spanien und Bul-

garien. Den Franzosen ist das "Luxusgut" heilig; die Stopfleber gilt seit 2005 als nationales und gastronomisches Kulturerbe des Landes und somit ist die Produktion vom Tierschutzgesetz ausgenommen. Damit sich Verbraucher die Leber gestopfter Enten oder Gänse auf den Teller legen oder in "Gourmet-Restaurants" legen lassen können, erleben die fünf bis sechs Monate alten Tiere die Hölle auf Erden: Bis zu vier Mal pro Tag wird Gänsen (Enten zwei Mal) ein ca. 50 cm langes Metallrohr in den Schlund gestoßen und bis zu 1,2 kg gequollener und stark gesalzener Maisbrei hineingepumpt. Das Salz soll zur verstärkten Wasseraufnahme führen, um den Mais im Magen quellen zu lassen. Der automatisch einsetzende Würgreflex löst Erstickungsanfälle aus, das Rohr verletzt den Hals, hinterlässt Wunden, gar Löcher, die gewaltige Nahrungsmenge - fünffach so groß wie die gewöhnliche Zufuhr - kann zu Magenrissen und -durchbrüchen führen. Zwei bis drei Wochen dauert die Zwangsmast, in der sich die Leber bis auf das Zehnfache des Ur-


GST BERLIN

Berlin "sperrt" met-Restaurant an der Spree

Enten auf Entdeckungsreise

den darf. Vorbild ist dabei Kalifornien: Seit Sommer 2012 ist dort nicht nur die Herstellung von Stopfleber verboten, sondern auch der Verkauf und der Handel mit weiteren Produkten der gestopften Tiere. Auch in Deutschland kommen Brust, Keulen und Schenkel von gestopften Enten und Gänsen in den Handel. Vermutlich ahnen die wenigsten Verbraucher, dass diese Produkte von Tieren stammen, die in ihren letzten zwei bis drei Lebenswochen Torturen überstehen mussten, die wir uns nicht vorstellen mögen. Übrigens: Würde man das Verhältnis der vergrößerten Leber bei Enten und Gänsen auf die menschliche Leber übertragen, entspräche der Zuwachs einem Endgewicht von ca. 20 Kilo. Wenn Sie mit uns für einen Verkaufsstopp der foie gras in Deutschland eintreten möchten, informieren Sie sich unter www.stopfleberstopp.de und zeichnen Sie die Petition unter www.stopfleber.info.de mit. Gleichfalls können Sie ein Manifest der Initiatoren des weltweiten AntiStopflebertages unterschreiben unter www.stopgavage.com Der Protest von Tierschützern hat schon dazu geführt, dass u.a. in Berlin das Restaurant des Adlon Kempinski Hotels auf Stopfleber verzichtet und ebenso die Maritim Hotels. Der Betreiber der "Ganymed Brasserie" wurde mehrfach vom Bündnis "Deutschland wird stopfleberfrei" angeschrieben und um Auslistung der foie gras gebeten, zuletzt wenige Tage vom bmt nach der Aktion. Eine Antwort erfolgte nicht.

Sie haben als Verbraucher eine sehr große Macht! Besuchen Sie keine Hotels/Restaurants, die Stopfleber anbieten. Das gilt besonders jetzt vor den anstehenden Feiertagen Q Informieren Sie Freunde und Arbeitskollegen von Ihrem gezielten Boykott und bitten um deren Unterstützung im Sinne der Tiere Q Wenn Sie auf eine Ente oder Gans (oder andere Tiere) während der Feiertage nicht verzichten mögen, entscheiden Sie sich für Tiere aus artgerechter Freilandhaltung. Vielleicht besteht sogar die Möglichkeit, die Haltung der Tiere in Ihrer Region zu begutachten? Q

Geschäftsstelle Berlin Sauerbruchstraße 11, 14109 Berlin Leiterin (GSt): Claudia Lotz (030) 80 58 33 -38, Fax -39 claudia.lotz@bmt-tierschutz.de IBAN: DE84100100100009603107 BIC: PBNKDEFFXXX

www.tierschutz-bmt-berlin.de

Bedenken Sie, dass Einzelteile wie Gänse- oder Entenbrust etc. im Supermarkt auch von gestopften Vögeln angeboten und selbst die Herkunftsnachweise oft verschleiert werden. So können die Tiere zum Beispiel in Osteuropa gestopft worden und in Österreich oder anderen Ländern zerlegt oder gewürzt worden sein. Sie erwerben dann das Fleisch in dem Bewusstsein, es aus einem Land bezogen zu haben, in dem die Produktion von Stopfleber verboten ist - ein Trugschluss Q Vielleicht haben Sie auch einfach mal Lust, ein vegetarisches oder veganes Festmenü zu zaubern? Es gibt wunderbare Anregungen, Kochbücher und Internetseiten dazu. Q

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sprungsgewichts vergrößert. Die Folge: Die Vögel können auf ihren nach außen gebogenen Beinen kam noch stehen. Die zunehmend verfettende Leber drückt auf andere Organe, schränkt Atmung und Nierentätigkeit ein, behindert den Blutkreislauf und die Verdauung. Perforationen der Speiseröhre, Brustbeinverletzungen und Frakturen der Flügelknochen sind an der Tagesordnung, wie Undercover-Filmdokumentationen aus Stopfleberfarmen in den USA und Europa belegen. Und die Szenen spiegeln auch wieder, was die in niedrige Käfige gesperrten, zur Bewegungslosigkeit verdammten Enten und Gänse empfinden, wenn die Mäster sich wieder nähern: sie schreien, schlagen mit den Flügeln und versuchen zu entkommen - vergeblich. 20.000 Tonnen foie gras jährlich produzieren die Franzosen und exportieren ihr "Kulturerbe" an erster Stelle nach Spanien, aber auch nach Deutschland. Mit 121 Tonnen importierten Stopflebern folgen die Deutschen an fünfter Stelle hinter Spanien. Der bmt hat sich mit 15 anderen Tierschutzorganisationen zu dem Bündnis "Deutschland wird stopfleberfrei" zusammengeschlossen. Die Partner wollen erreichen, dass die foie gras in Deutschland nicht mehr verkauft wer-

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München -

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Das Thema Stadttauben, das bereits seit Jahrzehnten in regelmäßigen Abständen die Gemüter der Großstädter erhitzt, hat in München aktuell einen erschreckenden Höhepunkt erreicht. Unumstritten ist die Tatsache, dass die Überpopulation der Tauben zu einem ernsthaften Problem geworden ist. Das rechtfertigt jedoch in keinster Weise die Bekämpfungsmaßnahme, die die Deutsche Bahn AG derzeit in München zur Beseitigung ihres Taubenproblems anwendet.

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Aus den regionalen Medien ist Mitte Oktober bekannt geworden, dass das Veterinäramt und die Stadt München der Deutschen Bahn AG für eine Reparaturhalle in München-Pasing eine Abschussgenehmigung für die dort lebenden Tauben erteilt hat. Es soll sich derzeit um ca. 100 Tiere handeln, die bis Ende Februar 2014 in der bahneigenen Werkstatthalle zum Abschuss frei gegeben sind. Ausführendes Organ dieser beispiellosen und schockierenden Tötungsaktion mit Hilfe von Schrotgewehren soll eine von der Bahn beauftragte Falknerei sein. Es soll auch bereits zu Tötungen von Tauben gekommen sein. Die Bahn begründet ihr Vorgehen mit der potentiellen Gesundheitsbelastung der Mitarbeiter durch Tauben und das Risiko der Zerstörung der Elektronik durch Taubenkot. Der bmt hält diese Abschussgenehmigung für tierschutzund rechtswidrig. Sie stellt einen klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar, denn die erteilte Gestattung ist in jedem Falle nicht verhältnismäßig. Deshalb forderte der bmt das Veterinäramt und die Stadt München unter Fristsetzung bis zum 22. Oktober 2013 auf, diese Bewilligung unverzüglich zu widerrufen. Da dies bedauerlicher-

weise nicht geschehen ist, hat der bmt nun Strafanzeige und Strafantrag gegen die Behörde und auch gegen die Landeshauptstadt gestellt. München gehört zu den Städten in Deutschland, die das "Konzept zur tierschutzgerechten Regulierung der Taubenpopulation" eingeführt haben. Vor diesem Hintergrund ist die tierschutzwidrige Genehmigung der Stadt zum Abschuss der Tauben erst recht nicht zu verstehen. Hinzu kommt, dass Tötungsaktionen von Tauben sinnlos sind, weil die freien Plätze sofort wieder von Nachfolgern besetzt werden. Auch andere Tierschutzorganisationen, engagierte Taubenschützer und renommierte Taubenexperten wie der städtische Tauben-Beauftragte Rudolf Reichert (Bild) von der Augsburger "Initiative gegen Tierversuche und Ausbeutung der Tiere" (IGT) sind über den Abschuss der Tauben in München empört. Als Mitarbeiter der 1996 beim Bundesverband "Menschen für Tierrechte e.V." gegründeten Bundesarbeitsgruppe (BAG) Stadttauben ist er zuständig für die Erstellung von Informationsmaterial sowie die Beratung von Kommunen und Taubenschützern. Außerdem realisiert er mit ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern in Augsburg

seit 1995 sehr erfolgreich das von der BAG Stadttauben erarbeitete "Konzept zur tierschutzgerechten Regulierung der Stadttaubenpopulation". Mit ihm sprach Tanja Pöch, Geschäftsstelle Bayern: RdT: Wie berteilen Sie die augenblickliche Situation in München? Rudolf Reichert: Wie Sie alle bin ich entsetzt, ganz besonders über das Veterinäramt, das den Abschuss genehmigt hat. Ich weiß aus meinen jahrelangen Aktivitäten in München, dass das KVR kein Befürworter unseres tierschutzgerechten, bürgerfreundlichen und nachhaltigen Konzepts ist. Es sind leider in mehreren deutschen Städten Veterinärämter, die die Einführung des tierschutzgerechten Konzepts verhindern oder taubenfeindliche Maßnahmen gewähren lassen. RdT: Können Sie Lösungsansätze am Beispiel des von Ihnen begründeten Augsburger Modells schildern? Rudolf Reichert: Das Augsburger Modell versucht dem Verhalten und den Bedürfnissen der Stadttauben zu entsprechen. Die Stadttauben werden zunächst durch ausreichendes, artgerechtes Futter vom Innenstadtbereich abgezogen und in einen Taubenschlag gelockt. Dort finden sie stressfreie Ruhe-,


GST BAYERN

Weltstadt mit Herz? Der Tauben-Beauftragte von Augsburg Rudolf Reichert im Interview

Geschäftsstelle Bayern Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München Tel. (089) 38 39 52-13, Fax -23 IBAN: DE85700100800014220802 BIC: PBNKDEFFXXX

www.bmt-bayern.de

nimmt. Aufgrund sachlicher Gespräche mit überzeugenden Argumenten ist erfreulicherweise auch eine gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, dem Landkreis und dem Amtstierarzt möglich. RdT: Wäre das Modell auch auf München übertragbar? Rudolf Reichert: Selbstverständlich, und auch hier sind bereits einige Erfolge zu verzeichnen. So konnten wir 2004 im Münchner Tierheim einen Taubenturm einweihen. 2011 entstand dort ein Taubenhaus nach unseren Plänen und in der Münchner Studentenstadt Freimann wurde ein Taubenhaus auf dem Flachdach des 13. Stockwerk aufgestellt, das die Augsburger Firma Schmid, durch unsere Vermittlung, fix und fertig aufs Dach hievte. Auf die gleiche Weise wurden Taubenhäuser auf einem Karstadt-Warenhaus bei der Münchner Freiheit errichtet. Einen weiteren Taubenschlag gibt es beim Fußballstadion des FC-Bayern. 2013 kam im Münchner Hauptbahnhof ein Taubenschlag dazu und ein sechster ist im Dachstuhl einer Kirche nahe dem Viktualienmarkt geplant. RdT: Warum ist es besonders schwer, Tauben aus Hallen zu entfernen? Rudolf Reichert: Alle Hallen tragen die Dachkonstruktion auf horizontal verlaufenden Metallträgern. Bei einer Breite von 20 bis 30 cm können die Tauben darauf bequem ruhen und brüten. Sie haben es warm und haben Schutz vor Regen, Schnee und Wind. Warum also sollten sie einen solch idealen Platz verlassen? In diesem Fall sollten sich Taubenschützer auch mit dem Problem der Taubenvergrämung auseinandersetzen, um Betroffenen, die meist hilflos und oft von profitgierigen Firmen oder Einzelpersonen falsch beraten werden, Vorschläge zu tierschutzgerechten und nachhaltigen Lösungen unterbreiten zu

können. Das würde ihre Glaubwürdigkeit erhöhen. Man darf auch nicht vergessen, dass die für Hallen mit Taubenproblemen Verantwortlichen unter gewaltigem Druck der dort Arbeitenden stehen und zum Handeln gezwungen sind. Das rechtfertigt natürlich nicht tierschutzwidrige Maßnahmen wie das Abschießen. Für die Werkhalle des Pasinger Bahnhofs würde ich Folgendes vorschlagen, auch wenn der Vorschlag zunächst einmal abgelehnt wird: 1. Bau eines Taubenhauses in unmittelbarer Nähe der Einfahrtstore 2. Bergung und Versorgung sämtlicher Nestlinge und Jungtauben, eventuell durch den Tierschutzverein München 3. Ausscheuchen der erwachsenen Tauben und anschließende Vernetzung der Hallendecke durch eine erfahrene Firma für Taubenabwehr, auch wenn das sehr teuer kommt. Jeder andere Versuch, wie etwa der Abschuss, ist nicht nachhaltig, denn die Nistplätze der getöteten Tauben werden schnell wieder besetzt und das Morden ginge immer weiter, zur Freude und zum Nutzen des Jägers. Das Interesse am tierschutzgerechten und nachhaltigen Stadttaubenkonzept der Bundesarbeitsgruppe (BAG) Stadttauben wird von Jahr zu Jahr größer. Städte wie zum Beispiel Würzburg, Berlin, Frankfurt, Hannover, Aachen, Düsseldorf und viele andere mehr, die das Konzept bereits mit mehreren Taubenschlägen realisieren, werden von überall um Auskünfte gebeten. Bleibt zu hoffen, dass auch die Deutsche Bahn AG ein Einsehen hat und das Taubenproblem in der Werkhalle des Pasinger Bahnhofes doch noch mit tierschutzkonformen Maßnahmen zu lösen bereit ist. Interview: Tanja Pöch

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Schlaf- und Nistplätze und werden die meiste Zeit des Tages in diesem Schlag verbringen. Die Kontrolle des Nachwuchses erfolgt durch den Austausch der Eier gegen Gips- oder Tonimitate (s. Bild). Damit wird auch die Verschmutzung durch die Stadttaube auf den Straßen und an den Gebäuden verhindert, und es erfolgt eine tierschutzgerechte Kontrolle der Population der Tauben. Die Einrichtung von Taubenhäusern bzw. Taubenschlägen ist ein erprobtes, kostengünstiges und tierschutzgerechtes Konzept, das ein konfliktfreies Miteinander von Mensch und Tier ermöglicht und bereits in vielen Städten erfolgreich realisiert wurde. RdT: Was haben Sie in Augsburg erreicht? Rudolf Reichert: Wir haben in Augsburg zurzeit 14 Taubenschläge, sechs davon in denkmalgeschützten Gebäuden. Wir haben erreicht, dass der Abschuss der Tauben 1995 eingestellt wurde, dass die Stadt kontrollierte Fütterungsplätze genehmigte und unser Projekt ausreichend finanziell unterstützt, indem sie sämtliche Futterkosten und Aufwandsentschädigungen über-

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Fröhliche

Rasselbande Tierheim im

Da sitzt man gemütlich als erfahrener Hund in seinem Zwinger, verdaut gerade seine leckere Mahlzeit und dann rollt ein Transporter in den Hof. Ein Gewinsel und Gekläffe hebt an, die Mitarbeiter stehen parat und nehmen fünf Junghunde in Empfang. Tita und Kuki, schwarz mit weißem Lätzchen und Pfötchen unverkennbar als Geschwister erkennbar, und vielleicht stammt auch die hellbraune Viki aus dem gleichen Wurf? Fünf Monate sind sie alt, vier Monate die beiden anderen Abenteurerinnen Andreea und Keya - und sie alle haben schon so viel erlebt, dass es für ein ganzes Hundeleben reichen sollte.

Das Recht der Tiere 4/2013

Die fünf Junghunde kommen aus Rumänien, allein das ist dieser Tage schon Wunder genug. Denn wie Sie wahrscheinlich von uns und auch aus anderen Medien erfahren haben, hat sich das Netz aus Verfolgung und Tötung um alle Straßenhunde in dem osteuropäischen Land seit September wieder sehr fest zugezogen. Nur wenige Hunde entgehen den Häschern, die im Auftrag des Staates jeden herrenlosen Hund fangen und in Auffanglager bringen, die für fast alle Tiere zur Endstation ihres Lebens werden.

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Dass diese fünf Junghunde überhaupt das Licht der Welt erblickten, ist einer engagierten rumänischen Tierschützerin zu verdanken, die mit dem bmt zusammenarbeitet. Sie nimmt Hunde in Not auf, lässt u.a. auch aufgefundene hochträchtige Hündinnen im geschützten Umfeld ihres Gartens gebären und gewöhnt die Welpen so schon vom ersten Lebenstag an menschliche Nähe.

Deswegen sind auch Viki und ihre vier Freunde nicht sonderlich verängstigt, als sie ihre Nasen am Ankunftstag in den Wind stecken, der üblicherweise um die Arche Noah weht. Was die Luft ihnen da an diversen tierischen Gerüchen zuträgt, scheint ihnen gut zu gefallen - denn eines haben die rumänischen Vierbeiner vielen heimischen Hunden oft voraus: Sie sind durch den ständigen Kontakt mit Artgenossen in der Regel sehr sozialverträglich. Nachdem Hovawart Nando seiner rassetypischen Eignung als Tierheim-

GSt u. TH "Arche Noah" Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum Leiterin (GSt): Anke Mory Tel. (0152) 33 51 32 16 Leiter (TH): Anke Mory, Sascha Diephaus, Sabine Strobl Tel. (0421) 890171, Fax 80 90 553 IBAN: DE44291517001130002957 BIC: BRLADE21SYK

tierheim-arche-noah.de

Wächter in der Arche Noah an diesem aufregenden Tag nachgekommen ist, kann er sich zufrieden zurückziehen. Doch bereits wenige Tage später ist er wieder als Ohrenzeuge gefordert: Denn am 15. November rücken Frauen und Männer an, die ihm allesamt fremd sind. Die aus Bremen und Hannover angereisten RWE-Mitarbeiter helfen im Rahmen des "RWE Companius Programms" ehrenamtlich beim Aufbau der neuen Hundezwinger - eine großartige Unterstützung des Konzerns für das Tierheim in Stuhr/Brinkum. Das RWE Companius Programm bietet Konzernmitarbeitern organisatorische Unterstützung und finanzielle Förderung der eingereichten Projekte. So beteiligt sich der Konzern an der neuen Hunde-Anlage im Tierheim mit 2000 Euro und handwerklicher Hilfe. Diese Starke Unterstützung für das TH Arche Noah: RWE-M Mitarbeiter aus Bremen und Hannover bauen die Hundezwinger mit auf


TH ARCHE NOAH

Initiative geht auf Jennifer Pöhler zurück, die im Konzern arbeitet und der Arche Noah seit Jahren intensiv verbunden ist. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal sehr herzlich für die großartige Hilfe aller Beteiligten bedanken. Unsere fünf Neulinge wissen den

Vier und fünf Monate alt sind die quirligen Welpen bei ihrer Ankunft im Tierheim

Komfort der modernen Hundeanlage übrigens sehr zu schätzen: Die Innenbereiche sind überdacht und durch Schieber mit den Außenbereichen verbunden. Bei verträglichen Nachbarn können die Zwischenelemente zwischen den Boxen entfernt werden, so dass mehrere Hunde gemeinsam den größeren Platz nutzen können. Und sollte der Winter sehr kalt werden, können zusätzliche Falttüren herabgelassen werden, die vor eisiger Witterung schützen.

Und wie geht es weiter mit Viki & Co? Ca. 14 Tage brauchen neue Hunde in der Regel, um sich im Tierheim annähernd zu akklimatisieren, sich an die ungewohnte Umgebung und die fremden Menschen zu gewöhnen. Manche Hunde sind verunsicherter als andere und benötigen mehr Zeit, um Vertrauen zu ihren neuen Bezugspersonen aufzubauen. Da unsere fünf Junghunde in ihrem Heimatland offensichtlich gute Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, sind sie offen und zutraulich. Nach ca. zwei bis drei Tagen wird mit allen jungen Neuzugängen mit dem Leinentraining begonnen, was je nach Temperament und Charakter unterschiedlich aufgenommen wird. Tita, Kuki, Viki, Andreea und Keya haben Halsband und Leine recht gut akzeptiert und üben nun mit ihren Bezugspersonen aus dem Tierheim das gesittete Laufen. Besser gefällt ihnen natürlich das gemeinsame Toben, Buddeln und spielerische Geraufe im Freilauf. Doch das Lernen macht nicht nur Spaß, sondern festigt auch die Bindung an die Menschen - das erfahren die fünf Junghunde nun nach und nach in den kommenden Wochen. Wenn es in dieser Zeit schon Interessenten gibt, bindet das Tierheimteam die potentiellen Besitzer in das Training mit ein und legt damit den Grundstein für eine gute und vertrauensvolle Beziehung. Text: Claudia Lotz Fotos: Sascha Diephaus, Jennifer Pöhler

Smilla -

die nächtliche “Hafer-Diebin” Weil jeden Morgen wieder Hafer fehlte, stellte ein Pferdewirt aus Niedersachsen eine Videofalle auf. Er hatte einen Fuchs oder Marder in Verdacht, doch die Aufzeichnungen zeigten eine große gelbe Hündin. Der Mann informierte das Tierheim Arche Noah. Smilla, wie die ca. zwei bis drei Jahre alte Hündin genannt wurde, war sehr lieb, anhänglich und fiel durch ihr gutes Sozialverhalten äußerst positiv auf. Tierheimleiter Sascha Diephaus vermutete, dass Smilla aus Osteuropa stammen und hier adoptiert sein könne, fand aber trotz intensiver Suche keinerlei Hinweise auf ihre Besitzer.

Die Hündin hat Verwachsungen an beiden Vorderläufen, die auch tierärztlich nicht weiter abzuklären waren und leider auch nicht zu behandeln sind. Möglicherweise sind sie die Folge einer Mangelernährung in der Jugend und/oder einer durchgemachten Infektion wie zum Beispiel Staupe. Nachdem sich einige Interessenten von der unklaren Prognose - niemand konnte voraussagen, ob und wie Smilla durch die Verwachsungen eines Tages in ihrem Bewegungsablauf eingeschränkt sein würde - abschrecken ließen, entschied sich eine sehr nette Familie mit drei Kindern, die Hündin aufzunehmen. Für sie ist Smillas Handicap eine Nebensache - hoffen wir, dass sie noch lange eine schöne Zeit miteinander verbringen können.

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Hovawart Nando, selbstbestimmter Tierheim-Wächter in der Arche Noah, begutachtet die Neulinge

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UMWELT

Endstation Sehnsucht

Das Kan von der

Das Aussetzen von Tieren ist ein feiger Akt - und manche Menschen, die ihn praktizieren, scheinen ihn dadurch abmildern zu wollen, dass sie ihre Tiere an Plätzen aussetzen, an denen zumindest die Hoffnung auf Rettung bestehen könnte. Casper saß jedenfalls an einer Bushaltestelle und sicherlich nicht, weil er seine netten Besitzer bis dorthin begleitet hatte. Das weiß-graue Kaninchen wurde hier zurückgelassen, wohl wissend, dass es sich kaum würde fortbewegen können: Mit einem Trümmerbuch, einem Atemwegsinfekt und gehörig abgemagert läuft es sich nämlich nicht besonders gut.

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CASPER

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Das Aussetzen von Tieren ist eine Straftat und wird mit bis zu 25.000 Euro geahndet. Das Problem: Die Täter sind so gut wie nie zu ermitteln, obwohl man es sich im Sinne der so schmählich im Stich gelassenen Tiere wünscht. Und Casper hätte es doppelt verdient, dass seine ehemaligen Halter für ihre Verantwortungslosigkeit zur Rechenschaft gezogen werden würden. Denn sein Zustand deutet darauf hin, dass das Aussetzen nur die Spitze des Eisberges war. Das Kaninchen kam in einem äußerst schlechten Gesundheitszustand im Tierheim an. Aus tierärztlicher Sicht deuteten besonders die Unterernährung und der Atemwegsinfekt auf eine bereits längere Vernachlässigung hin, der Trümmerbruch schien hingegen erst vor kurzem passiert zu sein. Casper hat sich inzwischen im Elisabethenhof gut erholt, der Bruch des rechten Hinterlaufs ist verheilt und er hat stetig an Gewicht zugelegt. Ein schönes Zuhause mit einer reizenden Kaninchendame wäre ihm sehr zu wünschen. Das Kaninchenböckchen sollte möglichst in einem ebenerdigen (keine Hindernisse, keine Höhenunterschiede durch verschiedene Etagen) Gehege gehalten werden, damit sein Bein durch Sprünge nicht zu sehr belastet wird.

Ebenerdig sollte auch das neue Zuhause für Anka sein, aber es muss der lieben, alten Hündin noch viel mehr bieten: einen Ort, an dem sie sich geborgen und aufgehoben fühlt. Denn die über zehn Jahre alte Schäfermischlingshündin hat nicht nur gerade ihre Familie verloren, die sie zehn Jahre lang umsorgte, sondern auch ihr Augenlicht infolge ihrer Diabeteserkrankung. Weil sich die Lebensumstände ihrer ehema-

ANKA

zu. Wir würden uns wirklich freuen, wenn Anka noch einmal die Chance bekäme, bei ruhigen und geduldigen Menschen einige schöne Jahre verbringen zu können. Die Hündin muss zwei Mal am Tag Insulin gespritzt bekommen, lässt den kleinen lebensrettenden Pieks aber stoisch über sich ergehen und ist darüber hinaus unkompliziert im Umgang. Mit Artgenossen ist sie ebenfalls verträglich. Das gilt auch für Timmy: Der zwölf Jahre alte Kater mag andere Katzen gerne und genießt auch den Kontakt mit Menschen. Im Tierheim freut er sich über jede Streicheleinheit und zeigt sich als sehr verschmuster anhänglicher Kater. Umso überraschender ist, dass sei-

TIMMY ligen Besitzer veränderten und die Hündin die Treppen in der neuen Bleibe nicht mehr bewältigen konnte, wurde sie in den Elisabethenhof gebracht. Anka, die sich aufgrund ihrer Blindheit unsicher in der noch fremden Umgebung bewegt, wird durch den Alltag im Tierheim zusätzlich sehr gestresst: die unbekannten Geräusche, das Bellen der Hunde, die Besucher - all diese Umstände setzen der alten Hündin sehr

ne frühere Familie ihn abgab, weil es Probleme zwischen Timmy und der Großmutter gegeben haben soll. Der Kater geht gerne spazieren und sollte


TH ELISABETHENHOF

inchen

... und von anderen Schützlingen, die wir gerne in gute Hände vermitteln möchten.

Bushaltestelle

Casper, Anka, Timmy und Doyo sind nur vier unserer derzeitigen Schützlinge, die wir gerne in gute Hände vermitteln möchten. Ca. 80 Hunde, nahezu 160 Katzen und über 60 Kleintiere haben durch unsere Hilfe in diesem Jahr schon ein schönes Zuhause

bei Tierfreunden gefunden. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle bei Ihnen bedanken - und natürlich auch für die finanzielle und materielle Unterstützung, mit der Sie die Tierschutzarbeit des Elisabethenhofs möglich machen. Auch die in den vergangenen Monaten durchgeführte Renovierung unserer Hundezwinger konnte nur mit Ihrer großzügigen Hilfe erfolgen: 167.764,77 Euro kosteten die umfangreichen Baumaßnahmen, die dringend notwendig geworden waren. Eine personelle Veränderung möchten wir Ihnen an dieser Stelle noch mitteilen: Seit Oktober 2013 leitet Ursula Buchinger die Geschäftsstelle Hessen. Die Tierheilpraktikerin hat den Aufbau des Tierheims Elisabethenhof in den 80er Jahren aktiv begleitet, war viele Jahre Pflegestelle für Katzen, leitete danach zehn Jahre lang für die Geschäftsstelle Baden-Württemberg ein Tierheim für Katzen und freut sich nun auf ihre neue ehrenamtliche Aufgabe.

AB 2014: NEUE VERANSTALTUNGSREIHE IM TH ELISABETHENHOF Zusammengestellt von unserer Mitarbeiterin Andrea Kelterborn. Jeden Monat finden Vorträge, jeweils abends von 19.00 - 21. Uhr (Kosten: 10 Euro) oder Tagesseminare zu verschiedenen Themen statt: 7. Februar: "Der Tierheimhund - von der Auswahl bis zum Einzug" Referentin ist die Tierheimmitarbeiterin Nina Pfannkuch 21. Februar: "Ehrenamt im Tierheim" Kostenfreie Infoveranstaltung 7. März: "Katzensenioren" Referent: Dr. med. vet. Michael Streicher 18. März: "Die Entwicklung des Welpen von der Geburt bis zum Junghund - von der pänatalen Phase bis zur Pubertät" Referent: PD Dr. Udo Gansloßer Tagesseminar von 10.00 - 17.Uhr (mit Pause); Kosten: 89 Euro

Tierheim Elisabethenhof Geschäftsstelle Hessen Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim Leiterin (Gst): Ursula Buchinger Tel. (06035) 96 11 11 Leiter (TH): Christian Werner Tel. (06035) 59 16, Fax 96 11 18 IBAN: DE10500502010000005975 BIC : HELADEF1822

Von links: Andrea Kelterborn, Nina Pfannkoch, Elke Butzbach und dahinter Ursula Buchinger. Elke Butzbach wird im Mai ein Tagesseminar “Erste Hilfe” abhalten, Infos auf der homepage des Tierheims.

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auch in seinem neuen Zuhause die Möglichkeit des Freigangs erhalten. Doyo möchte seine Umgebung ebenfalls gerne erkunden und darüber hinaus lieber Einzelprinz sein. Der dreijährige selbstbewusste Kater ist an Hunde gewöhnt DOYO und kennt auch Kinder, wobei diese nicht zu jung sein dürfen, weil er sehr wild spielen kann. Doyo hat nach einem Unfall eine Metallplatte ins Bein gesetzt bekommen, die eines Tages entfernt werden sollte. Gleichfalls braucht er ein spezielles Diätfutter, nachdem Struvitsteine (Konzentration von Mineralsalzen) in seinem Urin gefunden wurden. Im Moment ist er beschwerdefrei und keine Steinbildung nachweisbar.

www.tierheim-elisabethenhof.de

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S ANIERUNG

LÄUFT

Das Franzis rüstet Von Tierheimleiter

Das Recht der Tiere 4/2013

Seit mittlerweile 30 Jahren kümmert man sich im Franziskus Tierheim in Hamburg um Tiere, die in Not sind. Pro Jahr finden hier rund 1000 tierische Bewohner ein Zuhause auf Zeit. In den vergangenen Jahrzehnten konnten so rund 30.000 vierbeinige und geflügelte Schützlinge aufgenommen und in ein gutes neues Zuhause vermittelt werden. Das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

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Bei so vielen tierischen Bewohnern ist es kein Wunder, dass der Zahn der Zeit, beziehungsweise die Zähne und Krallen etlicher Hunde, Katzen und Kaninchen, ihre Spuren hinterlassen haben. Den Gebäuden, Zwingeranlagen und Räumen für die Tiere ist die starke Beanspruchung mittlerweile deutlich anzusehen. Aber nicht nur Besonders marode optisch, auch waren die Dächer ... baulich besteht im Franziskus Tierheim dringender Sanierungsbedarf. Besonders schlecht ist der Zustand der Dächer. "Der ganze Altbau samt Katzentrakt und Hundehaus müssen komplett neu eingedeckt werden", so Tierheimleiter Frank Weber. "In den vergange-


F R A N Z I S K U S -T I E R H E I M

AUF VOLLEN

TOUREN

kus-Tierheim sich für die Zukunft die Umgestaltung des ehemaligen nen Jahren haben wir dort immer wieFranziskus-Tierheim Flohmarktgeländes." Dort ist ein geder geflickt und die notwendigsten ReGeschäftsstelle Hamburg räumiger Schuppen mit fünf Abteilen paraturen machen lassen. Aber jetzt Lokstedter Grenzstr. 7, 22527 Hamburg entstanden. Neben dem dringend begeht gar nichts mehr." Leiter: Frank Weber nötigten Lagerraum gibt es dort auch Wer selbst schon einmal sein Haus saTel. GSt (040) 55 49 28 - 34, Fax -32 einen gemütlich gestalteten Hundekuniert hat, kennt die Situation: Wenn Tel. Tierheim (040) 55 49 28 37 schelraum. Hier können die Interesman mit einer Baustelle anfängt, tut IBAN: DE65200505501049220799 senten ihr vierbeiniges Familienmitsich sofort die nächste auf. "Eigentlich BIC: HASPDEHHXXX ist so eine Anlage ein Fass ohne Boglied in häuslicher Umgebung kennenwww.franziskustierheim.de den", erklärt Weber, "seit Jahren stecklernen. Und die Hunde können - been wir jeden Cent, den wir übrig hafreit vom Zwingerstress - mit den ehben, in die Instandhaltung. Im Baumarkt kenne ich mich renamtlichen Helfern kuscheln. besser aus als in meiner Westentasche. Trotz aller Mühen "Eine interessante Neuerung ist unsere gerade entstehenist vieles nur Flickwerk, für eine fachgerechte Sanierung hat de Wildtierstation", freut sich Frank Weber. "Wir arbeiten uns bisher das Geld gefehlt." seit einigen Monaten mit Christian Erdmann von der WildDie Situation für das Franziskus Tierheim hat sich im vertierstation Hamburg zusammen. Für die Annahme der gangenen Jahr durch die Erbschaft einer engagierten Wildtiere ist im Schuppen ein eigener Raum eingerichtet Unterstützerin zum Positiven gewendet. "Ich bin unendlich worden. Und hinter dem Hundehaus haben wir eine großdankbar, aber auch etwas traurig", sagt Frank Weber, "ich zügige Volierenanlage geschaffen." war mit der Dame über viele Jahre regelmäßig im Kontakt. In dieser Zeit ist eine familiäre Beziehung entstanden. Aber Weitere Projekte sind die Erweiterung einiger Katzenräume jeden Tag, wenn ich mir die renovierten Bereiche anschaue, durch Außenvolieren, die Optimierung des Kleintierbereiwerde ich an sie erinnert und ches mit einer Terrarienanlage, die Neugestaltung des Ausdaran, was wir ihr zu verdanlaufs und der Aufbau eines Pfötchen-Cafes. "Ich kann es ken haben." kaum erwarten, bis wir unsere Pläne umgesetzt haben", strahlt Frank Weber, Die Baumaßnahmen began"nach 30 Jahren Arnen Anfang des Jahres und beit im Sinne der laufen noch auf vollen TouTiere ist das Franzisren. Tierheimleiter Frank Wekus Tierheim auf ber: "Es würde den Rahmen dem modernsten sprengen, alles aufzuzählen. Stand und bestens Räume und Fassaden wurden gerüstet für die Aufneu gestrichen, die Hundegaben, die auf uns quarantäne renoviert, Toiletzu kommen. Das ist ein wunder... und der Katzentrakt und ten saniert, Dächer erneuert, bar beruhigendes das Hundehaus mussten und vieles mehr - besonders Gefühl." neu eingedeckt werden spannend dabei ist sicherlich Verwerfliche Denunziation Schon bevor die Wildtierstation fertig von Tierschützern ist, melden sich die erste Gäste an

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Frank Weber

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Der bmt - seine Geschäftsstellen und Tierheime Geschäftsstelle Norden

Franziskus-Tierheim

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum Tel. (04933) 99 28 24, Fax 99 28 26

Geschäftsstelle Hamburg Lokstedter Grenzstr. 7, 22527 Hamburg Tel. GSt (040) 55 49 28 - 34, Fax -32 Tel. Tierheim (040) 55 49 28 37 IBAN: DE65200505501049220799 BIC: HASPDEHHXXX

Tierheim Hage Hagermarscher Straße 11 26524 Hage Tel. (04938) 4 25, Fax 91 49 90 IBAN: DE51283615926302020300 BIC: GENODEF1MAR

Geschäftsstelle Berlin Sauerbruchstraße 11, 14109 Berlin Tel. (030) 80 58 33 -38, Fax -39 IBAN: DE84100100100009603107 BIC: PBNKDEFFXXX www.tierschutz-bmt-berlin.de

www.franziskustierheim.de

TH Kranichfeld

www.tierheim-hage.de

GSt u. TH "Arche Noah" Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum GSt.: Tel. (0152) 33 51 32 16 Tierheim: Tel. (0421) 890171, Fax 80 90 553 IBAN: DE44291517001130002957 BIC: BRLADE21SYK

Franziskus-TH, Hamburg TH Hage/ GSt Norden

"Katzenhaus Luttertal"

TH Arche Noah

GSt Berlin

www.tierheim-arche-noah.de

TH Köln-Dellbrück Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln Tel. (0221) 68 49 26, Fax 68 18 48 IBAN: DE22370100500092402505 BIC: PBNKDEFFXXX

Katzenhaus, TH

TH Köln

TH Wau-Mau-Insel TH Kranichfeld

AG Issum

TH Elisabethenhof

AG Pferde-und Hundefreunde Issum AG Hunsrück Drosselweg 15, 47661 Issum Tel. (02835) 44 46 97, Fax 44 46 99 IBAN: DE49354500001115002063 BIC: WELADED1MOR

www.katzenhaus-luttertal.de

GSt u.TH "Wau-Mau-Insel" Schenkebier Stanne 20 34128 Kassel Tel. (0561) 86 15 680, Fax 86 15 681 IBAN : DE19520503530000070700 BIC: HELADEF1KAS www.wau-mau-insel.de

www.bmt-tierschutz.de

Tierheim Elisabethenhof

AG Hundevermittlung Hunsrück Tel. (06764) 15 02

Geschäftsstelle Hessen Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim GSt.: Tel. (06035) 96 11 11 Tierheim: Tel. (06035) 59 16, Fax (06035) 96 11 18 IBAN: DE10500502010000005975 BIC : HELADEF1822

www.tierheim-elisabethenhof.de

www.tierheim-elisabethenhof.de

www.bmt-nrw.de

AG Hunsrück

Tierschutzzentrum Pfullingen

Das Recht der Tiere 4/2013

Luttertal 79 37075 Göttingen Tierheim: Tel. (0551) 2 28 32 IBAN: DE37250100300073222306 BIC: PBNKDEFFXXX

AG Issum

www.tierheim-koeln-dellbrueck.de

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bmt-Partner TH Kranichfeld 99448 Kranichfeld/Stedten Tel: (036450) 39390 www.wolfsranch.info Tiervermittlung unter: www.bmt-tierschutzzentrum.de

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen GSt: Tel. (07121) 820 17 -0, Fax -18 Tierheim: Tel. (07121) 820 17 20 IBAN: DE31640500000000757889 BIC: SOLADES1REU www.bmt-tierschutzzentrum.de

Tierschutzzentrum Pfullingen

GSt Bayern

VORSTAND Vorsitzender: Karsten Plücker Tierheim Wau-Mau-Insel Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel Tel. (0561) 86 15 680, Fax 86 15 681 Stellv. Vorsitzender: Frank Weber Franziskus Tierheim Lokstedter Grenzstr. 7, 22527 Hamburg Tel. (040) 55 49 28 37 Weitere Vorstandsmitglieder: Karin Stumpf Am Heiligenhäuschen 2, 50859 Köln, Tel. (0221) 950 51 55, Fax 950 51 57 Dr. Uwe Wagner Mittnachtstraße 15, 72760 Reutlingen, Tel. (07121) 372 660

Geschäftsstelle Bayern Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München Tel. (089) 38 39 52-13, Fax -23 IBAN: DE85700100800014220802 BIC: PBNKDEFFXXX www.bmt-bayern.de


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„ D a s R e c h t d e r T i e r e “ – Po s t v e r t r i e b s s t ü c k B 1 3 7 6 9 – E n t g e l t b e z a h l t

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. Als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar

Sitz: D-80803 München , Viktor-Scheffel-Str.15

www.bmt-tierschutz.de

WIR

WÜNSCHEN IHNEN EIN GLÜCKLICHES NEUES

JAHR!

An dieser Stelle möchten wir uns von ganzem Herzen für Ihr Vertrauen und Ihre finanzielle Unterstützung bedanken, mit der Sie unsere so wichtige Tierschutzarbeit möglich machen. Gemeinsam mit Ihnen haben wir schon vielen Tieren zu einem besseren Leben verholfen - und werden auch 2014 für jedes Tier da sein, das uns braucht. Wir wünschen Ihnen ein wunderschönes Weihnachtsfest im Kreis Ihrer Familie und ein glückliches neues Jahr.

Ich unterstütze den Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und werde Mitglied zum selbstbestimmten Jahresbeitrag von Euro

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(Mindest-Jahresbeitrag: 20 EURO. Mitgliedschaft kann jederzeit satzungsgemäß beendet werden.) Nach Überweisung des Beitrages erhalten Sie Ihre Mitgliedsunterlagen.

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Name:............................................ Vorname:.......................................... Geburtsdatum:.............................................. PLZ und Ort:....................................................... Straße und Hausnr.:............................................................................ Telefon:.............................................................. E-Mail-Adresse:................................................................................... Beruf:................................................................. Datum:.............................. Unterschrift:............................................. (Die Spendenkonten finden Sie auf den Seiten der einzelnen bmt-Geschäftsstellen) Bitte Coupon ausschneiden und frankiert an eine Geschäftsstelle Ihrer Wahl senden.

ÜBERREICHT

VON:


Das Recht der Tier Ausgabe 4 2013