Issuu on Google+

Nr. 1 März 2004

DAS RECHT

DER

TIERE

ZIERFISCHE TRAURIGES SCHICKSAL IM AQUARIUM

VERBRAUCHER ENTSCHEIDEN

KEIN EI MIT DER 3

KLEINTIERE HAUSTIERE ALS WEGWERFWARE

PELZMODE IHR PROTEST ZÄHLT

B UND

GEGEN

M ISSBRAUCH

DER

T IERE E .V.


INHALT

I N H A LT Inhaltsverzeichnis / Impressum

2

EDITORIAL

3

TITELTHEMA

4

Das traurige Schicksal der Aquarienfische

TIERSCHUTZPOLITIK

8

"Kein Ei mit der 3": Die neue Kennzeichnung der Eier Künast bleibt standhaft: Käfighaltung läuft 2007 aus

TIERSCHUTZ

IM

AUSLAND

Zierfischhaltung Nemos leiden stumm 10

Das Tierheim im ungarischen Pecs

“WEGWERFWARE” HAUSTIER

13

Kleine Nager mit großen Problemen

AUS

UNSERER

ARBEIT

16

Gegen Pelzmode: Ihr Prozest ist gefragt Wir suchen Ehrenamtliche zur Unterstützung

POSTER - MITTELSEITE

18

Thema: Hühner

WISSENSWERTES

Aufruf an Verbraucher Kaufen Sie “Kein Ei mit der 3”

20

Stierkampf - Ihre Steuergelder für Tierquälerei Die Vogelgrippe breitet sich aus

TIERE

IN

NOT Wer hilft ?

22

IHRE FRAGE: Leinenzwang in Brut- und Setzzeit ? AUS

DEN

GESCHÄFTSSTELLEN

Das Recht der Tiere 1/2004

TH “Wau-Mau-Insel” GST Vollenborn TH Köln-Dellbrück TH Elisabethenhof Franziskus-Tierheim TH “Arche Noah” LV Ba.-Wü. GSt Issum

2

UND

23

TIERHEIMEN

Der neue Leiter stellt sich vor bmt-Mitglied rettet Ziege vor Tod Neue Räume für Mensch und Tier Schildkrötenstation ausgezeichnet Neuer Tierheimleiter gesucht Kurse für den "rüpelhaften Hund” Pirat im neuen Zuhause Werden Sie Pate !

24 25 26 27 28 30 31 32

ANSCHRIFTEN / Internetadressen der Geschäftsstellen

34

ZU

35

GUTER

LETZT Gitanas Rettung / Wer hilft Kimba ?

Beitrittserklärung

Ausland Tierschutz in Ungarn

36 Skandal EU-Subventionen für Kampfstierzüchter

Impressum DAS RECHT DER TIERE Nr. 1/2004 Mitgliederzeitschrift des „Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V.“ Redaktion: Claudia Lotz, Jochen Prinz, Dr. Jörg Styrie, Hans Schroer Gestaltung: Stefan Lotz, Andrea Sturm

Anzeigen: Willy Passmann, 44879 Bochum, Tel.: 0234-49 42 84 Druck: Brendow PrintMedien, Moers; Titelbild: Claudia Lotz Übernahme von Artikeln, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe gestattet. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier. Auflage: 29.000 Exemplare


EDITORIAL

AUF

EIN

WORT…

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde! GEMEINSAM

SIND WIR STARK

Der kleine Nemo war ein Kassenschlager, und die Betreiber von Zoogeschäften rieben sich die Hände. Der Absatz von Fischen stieg - und mit ihm die Probleme. Denn nicht alle Tierhalter informieren sich ausreichend, um den Ansprüchen der Fische an ein artgemäßes Lebensumfeld gerecht zu werden. Insbesondere die Haltung von Meerwasserfischen ist schwierig und sollte, wenn überhaupt, Kennern vorbehalten sein. Fische leiden stumm, schreibt unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Jörg Styrie und beleuchtet ausführlich die Hintergründe dieses ganz eigenen Tierschutzproblems. Auch Kleintiere finden in den heimischen vier Wänden selten eine Umgebung vor, die ihren Bedürfnissen annähernd entgegenkäme. Unüberlegte Anschaffung, mangelndes Wissen, schlechtes Zubehör, unzureichendes Futter, zu wenig Bewegung - das sind nur einige Aspekte, die den kleinen Nagern das Leben schwer machen. Der bmt sieht ein Hauptproblem in dem zu einfachen Erwerb der Nagetiere; Baumärkte und Gartencenter bieten Kleintiere preiswert und dazu oft ohne fachkundige Beratung an. Das wird der bmt nicht weiter hinnehmen. Protestaktionen sind geplant. Endlich ist es soweit: Seit Beginn des Jahres sind die Eier so beschriftet, dass jeder Verbraucher sofort erkennen kann, aus welchem Haltungssystem sie stammen. Kein Ei mit der 3 - das ist unser Slogan, den Sie sich merken sollten. Denn Käfigeier werden mit der 3 (für Käfighaltung) ausgezeichnet und sind für informierte Kunden fortan ein Produkt, das in den Regalen liegen gelassen werden sollte. Nur so ist den Betreibern der Hühnerbatterien unmissverständlich klar zu machen, dass kein Verbraucher mehr bereit ist, Eier aus tierquälerischer Haltung zu kaufen. Nachdem in den letzten Jahren der Absatz der Pelzmode durch öffentliche Kritik empfindliche Einbußen hinnehmen musste, sind die Hersteller dabei, den Boden für mehr Akzeptanz zu ebenen. Mit Schals, Kragen und verzierenden Applikationen (nur ein bischen Pelz) versuchen sie, Pelze und Felle wieder salonfähig zu machen und Konzerne wie Peek & Cloppenburg ziehen mit. Ein bmt-Mitglied hat diese Firmenpolitik scharf kritisiert - und seine Kundenkarte zurückgegeben. Ein schönes Beispiel für Courage und Engagement.

In tierschützerischer Verbundenheit Ihre

Jutta Breitwieser Bundesvorsitzende

Das Recht der Tiere 1/2004

Ich wünsche Ihnen und uns Kraft, Mut und Ausdauer, um sich weiter für die Tiere einzusetzen. Gemeinsam können wir Berge versetzen. Das ist meine tiefe Überzeugung. Lassen Sie uns dafür kämpfen!

3


TITELTHEMA

Nemo, der freche Clownfisch, hat Rekorde gebrochen. Als Star in dem Kinofilm "Findet Nemo" hat er in kürzester Zeit Millionen Zuschauer für sich begeistern können. Kinder und Erwachsene verfolgten gebannt die Abenteuer, die der bunte Fisch und seine Kumpanen zu bestehen hatten. Nemo war aber nicht nur der Kassenschlager dieses Winters, er sorgte auch für ein kräftiges Umsatzplus von Zoogeschäften und Baumärkten mit Aquarienabteilungen. Doch die Nemos in ihren oft wenig artgerechten Behältnissen leiden stumm; ihre natürlichen Bedürfnisse werden missachtet, ihre Qualen nicht erkannt. Ein Großteil der Aquarienfische verendet schon nach kurzer Zeit auf jämmerliche Weise. Die unfachmännische Haltung von Fischen und ganz besonders von Meerwasserfischen wie Nemo stellt inzwischen ein großes, jedoch kaum beachtetes Tierschutzproblem dar.

DAS TRAURIGE SCHI In Deutschland gibt es, laut aktueller Statistik, ca. 1,9 Millionen Aquarien. Damit steht in jedem siebten bis achten Haushalt ein Aquarium. Der Zierfischbestand liegt in Deutschland bei ca. 80 Millionen Fischen. Entsprechend hoch ist die Verlustquote. Die Lebenserwartung eines Zierfisches liegt durchschnittlich bei weniger als einem Jahr.

Das Recht der Tiere 1/2004

Hohe Verlustraten

4

Zum Verhängnis wird den Fischen ihr geringer Wert. Die Mehrzahl der handelsüblichen Zierfische kostet nur wenige Cent. Sterben sie, werden sie einfach durch neue ersetzt. Dies ist zumeist einfacher und schneller, als den Ursachen für die hohen Verlustraten auf den Grund zu gehen.

Lebewesen mit entscheidenden Nachteilen

Ökosystem mit höchsten Ansprüchen

Gegenüber den herkömmlichen Heimtieren haben Fische ein entscheidendes Handicap: Ihr Leiden ist lautlos und bleibt unbemerkt. Fühlen sich Katze, Hund oder Kaninchen nicht wohl, werden Tierbesitzer in der Regel aufmerksam. Die Tiere wirken müde und abgeschlagen, fressen nicht und haben erhöhte Temperatur.

Das Lebenselexier der Fische ist das Wasser. In diesem Element bewegen sie sich, fressen sie, atmen sie, leben sie. Wasser ist jedoch nicht nur einfaches Wasser, sondern ein chemischer Cocktail aus Salzen, Mineralien, Elektrolyten, Säuren, Basen und Gasen. Diese Mischung ist nicht immer gleich. Je nach Herkunft, ob Meerwas-ser, Süßwasser, Wasser aus Flüssen, Bächen oder Tümpeln, variieren die chemischen Eigenarten. Die Fische haben sich im Laufe der Evolution an die Lebensbedingungen angepasst. Ändert sich auch nur ein Faktor in diesem komplizierten System, hat das verheerende Auswirkungen auf Gesundheit und Leben der Fische.

Ob es Fischen gut oder schlecht geht, ist für den normalen Tierhalter kaum zu erkennen. Krankheiten werden in der Regel erst dann erkannt, wenn die Tiere tot auf der Wasseroberfläche treiben. Der oft lange Todeskampf bleibt unbemerkt.


TITELTHEMA

Fragwürdig: Nemo-Einsteigerset in die Aquaristik

Nemos leiden stumm ...

Aquarianer versuchen, dieses hochsensible Aquasystem in ihrem Wohnzimmer nachzuahmen. Der technische Aufwand, besonders bei Meerwasseraquarien, ist immens. Aufwändige Apparaturen wie Abschäumer, Umwälzpumpen, Filteranlagen, Temperaturfühler, UV-Bestrahlungen, Wasseraufbereitungsmittel, Osmoseanlagen und vieles mehr kommen zum Einsatz. Trotzdem scheitert die Mehrheit der Hobbyaquarianer an den hohen Verlusten der eingesetzten Fische. Fast 20 Prozent geben das Hobby innerhalb des ersten Jahres wieder auf. 60 Prozent der Aquarianer sind mit ihrem Hobby unzufrieden. Die hohen Verlustraten in der Zierfischhaltung sind aber nicht nur auf die häufig falsche Wasserqualität zurück zu führen. Oftmals kommen die Fische

schon krank ins heimische Becken. Nur wenige Zierfische stammen aus der Nachzucht deutscher Zoogeschäfte. Der überwiegende Anteil der Süßwasserzierfische wird aus ausländischen Zuchten importiert.

Tödliche Stressbelastung Bereits die Hälterung im Herkunftsland, der Transport der Fische und die Zwischenlagerung der Tiere bei den Zoogeschäften fordern ihren Tribut. Schätzungen zu Folge überleben etwa 90 Prozent aller Fische diesen Stress nicht und die Übrigen erreichen krank das private Aquarium. Sind die Lebensbedingungen dann vor Ort nicht optimal, ist der frühe Tod vorprogrammiert.

Besonders hart trifft es Salzwasserfische: Weil sie sich in der Regel nicht züchten lassen, handelt es sich bei den angebotenen Meerwasserfischen fast ausnahmslos um Wildfänge, die mit Netzen, aber auch unter Anwendung von Giften und Dynamit ihrem angestammten Lebensraum entnommen werden. Auch Nemo gehört als Vertreter der Korallenfische zu dieser Gruppe. Verantwortungsvolle Fischfreunde verzichten daher schon aus diesem Grund auf die Haltung von Meerwasserfischen und beteiligen sich nicht am Raubbau der Meere. Wegen der problematischen Technik ist die Meerwasseraquaristik überhaupt nur ein Tätigkeitsfeld für absolute Spezialisten. Hobbyaquarianer und besonders Anfänger sollten hiervon grundsätzlich die Finger lassen.

Das Recht der Tiere 1/2004

CKSAL DER ZIERFISCHE !

5


TITELTHEMA Nicht alle Fische passen zusammen Selbst wenn man sich auf die Haltung von Süßwasserfischen beschränkt, gibt es zahlreiche Fehler, die immer wieder begangen werden. Ein Problem ist die Auswahl der geeigneten Fische; das heutige Angebot ist fast unüberschaubar. Vom Schwarmfisch bis zum Einzelgänger, vom Friedfisch bis zum Raubfisch ist fast alles auf dem Markt. Anstatt sich Gedanken zu machen, welche Tiere ähnliche Ansprüche haben, welche im Schwarm, welche paarweise oder einzeln gehalten werden müssen oder welche die gleichen Ansprüche hinsichtlich der Wasserqualität haben, kaufen die meisten Aquarianer ihre Fische nach dem Aussehen. Möglichst bunt, möglichst viele, möglichst unterschiedliche Arten - das ist das Ziel. Wie verheerend die falsche Vergesellschaftung ist, zeigt sich oft schon nach wenigen Stunden. Fische jagen sich kreuz und quer durchs Becken, bis der schwächere die Flossen streicht. Kein Wunder, dass solche Tiere nur eine kurze Lebenserwartung haben.

Das Recht der Tiere 1/2004

Discofische und sonstige menschliche Entgleisungen

6

Auf der Suche nach augenfälligen Attraktionen scheint der Mensch alle Hemmungen über Bord zu werfen. Nach dem Motto "Hauptsache auffällig" werden Fische mit verkrümmtem Rückgrad (Schleierschwänze), mit abnorm hervorstehenden Augen oder mit so großen Flossen gezüchtet, dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich natürlich fortzupflanzen (einige Zuchtformen der lebendgebärenden Zahnkarpfen). Diese als Qualzuchten zu bezeichnenden Zuchtformen sind oft mit erheblichen Beeinträchtigungen und Leiden für die Fische verbunden. Eine weitere Variante der Manipulation am Tier ist das Einspritzen von Leuchtfarben in die Blutgefäße von Glasbarschen oder Glaswelsen. Solche Tiere haben unter dem Begriff Discofische leider zahlreiche Anhänger gefunden.

Sachkunde ist das A und O

Fehler bei Gestaltung, Pflege und Fütterung Neben der Möglichkeit zum ungehinderten Schwimmen brauchen Fische ausreichend Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten. Das erleichtert das Miteinander der Fische und hilft Stress zu vermeiden. Erfahrungsgemäß beanspruchen revierbildende Fische mehr Bodenfläche und die anderen Bewohner entsprechend mehr Rückzugsmöglichkeiten im oberen Bereich des Beckens. Oftmals werden solche Voraussetzungen bei der Gestaltung und beim Besatz nicht beachtet. Dreiviertel aller Aquarien sind mit einem zu hellen Boden versehen. Die Fische sind die Reflektionen nicht gewöhnt; folglich ist das Wohlbefinden der Tiere erheblich gestört.

Häufige Fehler bei der Zierfischhaltung: Q Q Q Q

Q Q Q

falsche Wasserqualität zu seltener Wasserwechsel falsche Temperatur falsche Zusammenstellung der Fische Überbesatz der Aquarien falsche Pflege zu wenig Sachkenntnis

Die Mehrheit der Aquarienfreunde (94%) füttern ihre Fische ausschließlich mit Flockenfutter. Für einige Fischarten ist damit die artgerechte Fütterung nicht sichergestellt. Oft ist es notwendig, den Speiseplan durch die Gabe von Frostfutter oder gefriergetrocknetem Futter zu ergänzen.

Der verantwortungsvolle Zierfischliebhaber schenkt seinem Aquarium sehr viel Aufmerksamkeit. Er beobachtet das Verhalten der Fische, wie sie sich bewegen, wie sie fressen, wie sie atmen. Kleinste Veränderungen nimmt er als Warnsignal wahr und überprüft sofort alle Fehlerquellen. Der verantwortungsvolle Zierfischhalter räumt mit dem Vorurteil auf, dass die Haltung von Fischen kinderleicht sei und mit entsprechender Technik alles von alleine funktioniert. Der verantwortungsvolle Zierfischhalter macht vor allem eins: Er informiert sich vor dem Kauf eines solchen Kleinbiotops über alle Bedingungen, die für eine artgerechte Tierhaltung notwendig sind. Er prüft, ob er zeitlich und finanziell in der Lage ist, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Bei Zweifeln wird er sich gegen dieses aufwendige Hobby entscheiden. Text: Dr. Jörg Styrie

Tipp vom bmt:

Das Bundesverbraucherschutzministerium hat eine Informationsbroschüre zu den Mindestanforderungen an die Haltung von Zierfischen erarbeitet, die unter folgender Adresse kostenlos angefordert werden kann: Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft Postfach 30 11 63, 53123 Bonn Tel:0180/522-1996, Fax: 0180/522-1997 (0,12 Cent/Min.) www.verbraucherschutzministerium.de


ANZEIGE


TIERSCHUTZPOLITIK

"KEIN EI M JETZT HABEN VERBRAUCHER Seit 1. Januar 2004 sind in der EU die neuen Vorschriften zur Eier-Kennzeichnung in Kraft getreten. Ab sofort muss auf der Eierpackun und dem einzelnen Ei deutlich erkennbar sein, woher die Eier stammen. Ein Code gibt Auskunft über die Haltungsform, das Herkunftsland und den Erzeugerbetrieb. Diese Bestimmungen sind ein Fortschritt für den Verbraucher- und den Tierschutz, denn nun ist für jeden klar ersichtlich, welche Eier aus der Käfighaltung stammen. Zu Ihrer Orientierung haben wir Infokärtchen (s. Mittelteil) entworfen, die Ihnen helfen sollen, den Eiercode zu "entschlüsseln".

Das Recht der Tiere 1/2004

Unter dem Motto "Kein Ei mit der 3" ruft der bmt gemeinsam mit den Partnern des "Bündnis Tierschutz" alle Verbraucher auf, Käfigeier in den Regalen liegen zu lassen. Die Käufer haben so die Macht, indirekt auf die Haltungsbedingungen der Legehennen Einfluss zu nehmen - denn Produkte, die sich nicht verkaufen lassen, so die Erfahrung, werden vom Markt genommen.

8

mit ihrem Kaufverhalten ganz klar Stellung beziehen: Für eine ökologische Landwirtschaft und für eine artgerechte Haltung von Tieren.

Schluss mit der Verbrauchertäuschung: Was draufsteht, muss drinnen sein! Mit fast krimineller Energie wurden in der Vergangenheit Käfigeier angepriesen. Pickende Hühnchen auf grünen Wiesen suggerierten den Verbrauchern eine ländliche Idylle, doch letztlich stammten alle Eier von bedauernswerten Geschöpfen, die ihr kurzes Leben in der grausamen Batteriehaltung gefristet hatten - eine klare Verbrauchertäuschung! Seit 1. Januar 2004 ist damit endlich Schluss!

Direktvermarkter müssen ihre Eier (noch) nicht kennzeichnen Von der Kennzeichnung ausgenommen sind nur solche Eier, die vom Erzeuger direkt auf der Hofstelle, auf einem Markt oder an der Haustür unverpackt verkauft werden. Diese Eier brauchen keinen Stempel zu tragen! Allerdings läuft die Ausnahme für die Direktvermarkter auf Märkten am 30. Juni 2005 aus. Danach müssen auch diese Eier die oben beschriebenen Stempel tragen. Staaten, die nicht der EU angehören, müssen ihre Eier mit dem Kürzel für das Herkunftsland und die Haltungsform versehen. Bei Drittländern, die keine vergleichbaren Haltungsanforderungen wie die EU haben, muss auf dem Ei der Hinweis "Nicht-EU-Norm" stehen.

Zusätzlich müssen Haltungsform und Herkunft der Eier auf jedem einzelnen Ei klar erkennbar sein. Diese Vorgaben sind ein Schritt für mehr Transparenz im Lebensmittelbereich und auch eine Chance für den Tierschutz. Denn jedes Ei aus der Käfighaltung, das nicht gekauft wird, ist eine Entscheidung für den Tierschutz. So können Verbraucher

Protestieren Sie bei fehlerhafter Kennzeichnung Unsere Stichproben haben ergeben, dass in einigen Lebensmittelgeschäften noch Eier angeboten werden, die nicht der neuen Kennzeichnungspflicht entsprechen. Ist das auch in Ihrem Supermarkt der Fall? Dann scheuen Sie sich nicht, bei der Geschäftsleitung zu pro-

testieren und - wenn diese sich uneinsichtig zeigt - das zuständige Lebensmittelaufsichtsamt zu benachrichtigen. Gerne können Sie Ihre Informationen an Ihre zuständige Geschäftsstelle (Adresse s. S. 34) leiten; wir verfolgen die Angelegenheit weiter. Unser nächstes Ziel ist die Kennzeichnung von Eiern in Lebensmitteln wie Nudeln, Backwaren, Fertiggerichten etc.. Bis heute werden dafür fast ausschließlich Käfigeier verwendet. Verbraucher müssen auch hier die Wahlfreiheit haben; die Kennzeichnung solcher Produkte ist längst überfällig. Wir werden unseren Druck auf die Lebensmittelhersteller in der nächsten Zeit massiv verstärken.

BUNDESRAT HEBELT

Tierquälerische Batteriehaltung nur noch bis 2007


TIERSCHUTZPOLITIK

IT DER 3" DIE MACHT! Diese Angaben müssen auf dem Eierkarton stehen:

Q

Q

Q Q Q

Q

Haltungssystem: 1 (Freilandhaltung), 2 (Bodenhaltung), 3 (Käfighaltung) Güteklasse (in den Handel kommen praktisch nur Eier der Güteklasse A ) Gewichtsklasse: S, M, L, XL Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) Verbraucherhinweise: "Bei Kühlschranktemperatur aufbewahren", "Nach Ablauf des MHD erhitzen" Nummer der Packstelle

Um Ihnen das System der Eierkennzeichnung vertraut zu machen, finden Sie im Innenteil dieses Heftes kleine Infokärtchen, auf denen das Kennzeichnungssystem noch einmal kurz und prägnant erklärt ist. Wir alle haben es jetzt in der Hand, ob Eier aus tierquälerischer Käfighaltung noch Abnehmer finden! Kämpfen Sie mit uns, dass diese Eier zu Tausenden in den Lebensmittelgeschäften liegen bleiben! Kämpfen Sie mit uns für das Aus der tierquälerischen Käfighaltung, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa!

Diese Daten werden in Ziffern und Buchstaben verschlüsselt auf dem Ei aufgebracht:

Hinter den Buchstaben der Erzeugerländer ist die Betriebsnummer aufgedruckt. Für Deutschland geben die ersten beiden Ziffern das Bundesland an und die Folgenummern den Betrieb und dann den Stall. Für die Kontrollbehören lässt sich mit dieser detaillierten Kennzeichnung jedes Ei bis in seinen Ursprungs-Stall zurückverfolgen. Text: Dr. Styrie Fotos : Gunnar Lenz

Am 28. November ´03 hatte der Bundesrat entschieden, das Verbot der Käfighaltung aufzuheben. Dabei sollten die herkömmlichen Käfige noch bis 2010 erlaubt und der nur wenig größere (ausgestaltete) Käfig etabliert werden. Ein Skandal! Die Aufhebung des Verbots würde gegen das Staatsziel Tierschutz und gegen das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1999 verstoßen, das die Batteriehaltung für tierschutzwidrig erklärt hatte.

Das “Bündnis Tierschutz” hatte im Vorfeld der Bundesratsabstimmung die Bevölkerung mit groß angelegten Protestkampagnen mobil gemacht. Bundesministerin Renate Künast kündigte noch am selben Tag an, das Ergebnis des Bundesrates nicht umzusetzen; so kann das bereits erlassene Verbot gegen die Käfighaltung ab 2007 im Kern erst einmal bestehen bleiben. Doch für diese starke Haltung gegenüber den Käfiglobbyisten braucht Renate Künast weiter unsere Unterstützung - jede Stimme zählt.

Das Recht der Tiere 1/2004

KÄFIGVERBOT AUS: MINISTERIN KÜNAST BLEIBT HART

9


UNGARN

DAS GROSSE

bmt unterstütz t

DIESE H

Pecs (Südungarn), 24. Januar: Es ist bitter kalt an diesem Januarmorgen. Nur die langsam durchbrechende Sonne vermag die Schärfe des Windes zu mildern. Doch die Hunde spüren sie trotzdem, diese anhaltende Kälte, die vom Boden der Zwinger ausgeht und sich in den dicken Betonwänden der alten Gebäude festgesetzt hat. Hunde mit dickerem Fell haben größere Chancen den langen ungarischen Winter zu überleben - die dünnen, verletzten, schwachen und von der Gruppe unterjochten Vierbeiner werden erfahrungsgemäß bald keine Kraft mehr haben, den Widrigkeiten zu trotzen. Mitarbeiter vom bmt sind von Deutschland in das im ungarischen Mecsek Gebirge liegende Pecs aufgebrochen, um im Rahmen des vereinseigenen Hilfsprojekts das Tierheim des befreundeten Misina Tierschutzvereins mit Futterrationen für die nächsten Wochen zu versorgen.

Das Recht der Tiere 1/2004

Größtes Tierheim der Region

10

Im Durchschnitt kann das Tierheim in Pecs ca. 300 Hunde aufnehmen, die auf dem 6,5 Hektar großen Gelände eines ehemaligen LPG-Schweinemastbetriebes untergebracht sind. Als der Misina Tierschutzverein 1996 die Anlage mit Hilfe des bmt, der Pecser Selbstverwaltung und staatlicher Unterstützung erwarb, waren die Gebäude marode, die Wände feucht, die Böden nass, die Dächer voller Löcher, es gab keine Ausläufe, keine Freigehege und keine Möglichkeiten, unverträgliche Hunde von der Gruppe zu trennen. Viele Tiere, die in der ersten Zeit hier

provisorisch unterkamen, starben an den gesundheitlichen Folgen von Feuchtigkeit, Kälte, Hunger und nicht zuletzt an den strengen Hierarchiestrukturen der zwangsweise miteinander vergesellschafteten Hunde.

Unterstützung des bmt Wer heute über das weitläufige Areal geht, sieht mit Freude, welche Fortschritte das ungarische Tierheim mit Hilfe des bmt und anderer großzügiger Spender in den letzten Jahren gemacht hat. Überdachungen, Erneuerung der Wasserleitungen, Quarantäne, Außenausläufe, Freigehege für unverträgliche Hunde und Gemeinschaftszwinger für Welpen - all diese notwendigen Baumaßnahmen haben nicht nur die Überlebenschancen der Hunde verbessert, sondern auch den bmt immer enger mit dem Misina Tierschutzverein und seinen Aufgaben und Zielen in der Region verbunden. Dank monatlicher Unterstützung von Paten können sogar schon ein Halbtagstierarzt und die not-

wendigen Medikamente bezahlt werden. Der kleine Verein leistet vorbildlichen Tierschutz in einem Land, das zu seinen Tieren ein erschreckend nüchternes Verhältnis hat. Während die Haltung von Pferden als prestigeträchtig gilt, gehören Hunde zur Kategorie "Nutztier". Hofhunde sollen den Besitz bewachen und dafür steht ihnen im besten Fall eine Hundehütte zur Verfügung. Häufiger liegen die Vierbeiner auf bloßem Boden an der Kette und werden mitleidslos verjagt, weggebracht oder getötet, wenn sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen.

Vorbildliche Tierschutzarbeit So ist es sicherlich keine leichte Aufgabe, die wirtschaftliche Not leidende Bevölkerung davon zu überzeugen, dass Haustiere mehr brauchen, als die kläglichen Reste einer Mahlzeit. Doch der Tierschutzverein, unter Leitung eines fünfköpfigen Vorstands, hat mit seinem


AUSLANDSTIERSCHUTZ

UNGARN-PROJEKT

Tierschutzarbeit in Osteuropa

UNDE WARTEN AUF IHRE HILFE und Reitunterricht auf 18 Pferden angeboten. Die Pferde, sagt der Misina-Vorstand, führen die Mädchen und Jungen früher oder später zum Tierschutz. Wer Pferde achtet und als schützenswerte Lebewesen respektiert, kann sich kaum dem Leid der Hunde entziehen, die, schmählich vernachlässigt von ihren ehemaligen Besitzern, in den Zwingern auf eine bessere Zukunft warten. Dieses Konzept scheint aufzugehen: Allein im vergangenen Jahr kamen fast 20 000 Besucher ins Tierheim, um sich über allgemeine Tierschutzprobleme und die artgerechte Haltung und Versorgung von Hunden und Pferden zu informieren und um Vierbeinern eine neues Zuhause zu schenken.

des Misina-Vereins. Allen Tierheimen im Land, nur 10 haben eine behördliche Genehmigung wie der Misina Tierschutzverein, fehlt die finanzielle Grundlage durch gut situierte Mitglieder und großzügige Spender wie in Deutschland. 29 Organisationen haben sich 2002 zum Bund ungarischer

Gruppenhaltung in Zwingern

Finanzielle Basis vom Staat? In Ungarn gibt es ca. 100 Tierheime. 51 von ihnen haben allein im letzten Jahr zusammen weit über 6100 Hunde aufgenommen. Das Tierheim in Pecs verzeichnet dabei die besten Vermittlungsquoten - ein messbarer Erfolg der seriösen Tier- und Naturschutzarbeit Der Winter im Tierheim ist besonders hart

Tierschützer (MAOSZ) zusammengeschlossen, um gemeinsam vor dem Staat für eine starke, finanzielle Basis zu kämpfen, die den Tierheimen das Überleben sichern könnte. Neben der Einführung des Tierschutzunterrichts und allgemeiner Akzeptanz von Kastrationen erarbeitet die Interessenvertretung einen Kodex, der das junge Tierschutzgesetz mit Leben füllen soll. Zwar legt das Gesetz fest, was als Tierquälerei einzustufen ist, doch werden solche Vergehen bislang nicht unter Strafe gestellt. Tierquäler müssen

Das Recht der Tiere 1/2004

engagiertem Tier- und Naturschutz in den letzten Jahren viel dazu beigetragen, dass sich die Einstellung der Ungarn zu ihren Tieren ändert; die steigende Wertschätzung zeigt sich u.a. an den steigenden Besuchszahlen im Tierheim und den ausgebuchten Ferienlagern für Kinder. Gerade in der Jugendarbeit, die auch für den bmt eine der wichtigsten Zukunftsoptionen darstellt, leistet der Misina Tierschutzverein vorbildliche Aufklärungs- und Schulungsarbeit in der von Arbeitslosigkeit geprägten Region. Um den Kindern den Tier- und Naturschutz nahe zu bringen, bietet das Tierheim Naturforscherlager an. Hier können Jugendliche unter Anleitung eines Pädagogen Wild und Vögel in freier Natur beobachten und bei der Versorgung der unterschiedlichsten Tierarten helfen. Denn neben den zahlreichen ausgesetzten, abgegebenen und gefundenen Hunden werden auch verletzte Wildtiere sachkundig versorgt, in der Vogelstation Störche, Falken, Bussarde und Adler gepflegt, Rinder, Esel, Ziegen und Kleintiere gehalten

11


AUSLANDSTIERSCHUTZ

hart bestraft werden - das ist die Meinung der engagierten Tierschutzorganisation. Doch dazu werden Kontrolleure gebraucht, die die Missstände dokumentieren.

Rundgang durch das Hundehaus Zwinger neben Zwinger. Davor ein umzäunter Auslauf. Sobald wir auf der Höhe des Geheges sind, stürzen die Hunde an das Gitter, aufgeregt, neugierig, erwartungsvoll. Viele der typischen ungarischen Hütehundrassen haben dickes Fell mit schützender Unterwolle, die Kurzhaarigen wie

Der bmt ermöglichte den Bau des Quarantänehauses

Es sind völlig unterschiedliche Hunde, die ihre Augen auf uns richten und mit ihren Ruten kleine Trommelwirbel schlagen, als wir uns mit ihnen beschäftigen. Reinrassige Schäferhunde, Doggen, Dalmatiner, Hütehunde, Herdenschutzhunde, Jagdhunde, Pudel, Cocker und Terrier und entsprechende Mischlinge. Die Augen der wartenden, der hoffnungsvollen Hunde verfolgen uns bis nach Deutschland. Wir sind froh, dass wir heute mit Futter und Medikamenten helfen konnten.

Das Tierheim in Pecs ist eine Reise wert! Vielleicht sind Sie neugierig geworden, auf den Misina Tierschutzverein und seine so zahlreichen Schützlinge. Ungarische Hunde leben sich sehr schnell in ihren neuen Familien ein, sind fröhlich, anhänglich und wunderbare Kameraden. Vielleicht finden Sie dort Ihren zukünftigen Hausgenossen? Der Verein begrüßt Sie gerne und erläutert seine Konzepte zur Tier- und Naturschutzarbeit.

Im Oktober 2002 haben Ehrenamtliche die Freigehege für unverträgliche Hunde gebaut; jetzt konnten durch Ihre Spenden die Dächer im Hundehaus neu gedeckt werden. Dringend nötig sind Fensterkonstruktionen im Hundehaus; durch die offenen Fensterlöcher kommt Regen, Schnee und zusätzliche Kälte in die Innenzwinger. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie auch hier helfen könnten.

Das Recht der Tiere 1/2004

Täglicher Auslauf im Freigehege

12

Jagdhunde frieren dagegen erbärmlich. Schnell ist zu sehen, wer in einer Gruppe der unterlegene Vierbeiner ist, wer niemals den Futternapf erreicht, wer von den Artgenossen derart drangsaliert wird, dass er sich zurückzieht und irgendwann aufgibt. Selbstverständlich versuchen die Mitarbeiter in Pecs die Gruppen so zusammenzustellen, dass das Kräftegleichgewicht innerhalb der Rudel stimmt. Doch das Tierheimleben bedeutet Stress; die hohe Besatzdichte, eingeschränkte Rückzugs- und Bewegungsmöglichkeiten, Langweile und Futterneid können dazu beitragen, dass sich harmlose Situationen plötzlich gefährlich zuspitzen.

Darüber hinaus suchen wir laufend: Q Erfahrene Tierärzte und Tierarzthelferinnen für Kastrationen Q Handwerker für bauliche Maßnahmen Q Sichere Fahrer, die Hilfslieferungen nach Pecs bringen. Jede zweckgebundene Spende (Futter, Medikamente, Tierarzt, Baumaßnahmen) hilft den engagierten Tierschützern in Ungarn, ihre Arbeit fortzusetzen. Unterstützen wir unsere Partner in Osteuropa und fördern damit den so notwendigen Tierschutzgedanken in der Region. Das wichtigste Ziel unserer Arbeit muss sein, die ungarische Bevölkerung zum Umdenken gegenüber ihren Tieren zu bewegen - und da ist der Misina Tierschutzverein auf dem richtigen Weg!

Spendenkonto Stichwort Pecs Frankfurter Sparkasse Kto. 847 275 BLZ 500 502 01


H E I M T I E R P R O B L E M AT I K

Kleintiere in Not

WEGWERFWARE VOM BAUMARKT ? K LEINE N AGER MIT GROßEN P ROBLEMEN Immer mehr Kleintiere werden in den bmtTierheimen abgegeben und immer öfter in erschreckendem Zustand: Verwahrlost, unterernährt, verletzt und mit verfilztem Fell - die unüberlegte Anschaffung und unfachmännische Haltung der meisten Nager ist längst zu einem drängenden Tierschutzproblem geworden.

Heike Bergmann

Einer der Hauptgründe für die steigende Zahl von Nagetieren in Privathaushalten ist der Verkauf, kostengünstig Moni und meist ohne sachkundige Beratung, in Baumärkten. Das Angebot richtet sich vordergründig an Familien mit Kindern, die fasziniert vor den Gehegen mit Meerschweinchen, Kaninchen, Mäusen, Ratten und Vögeln stehen bleiben. Häufig geben Eltern dem Wunsch ihrer Sprösslinge nach, ohne sich weiter Gedanken zu machen, wie eine artgerechte Haltung der entsprechenden Tierart überhaupt auszusehen hat. Der bmt kritisiert schon lange die Ab-

gabe von Tieren in Baumärkten und Gartencentern. Den Konzernen muss klar gemacht werden, dass der Kleintierverkauf unverantwortlich und mit gewaltigen Tierschutzproblemen verbunden ist. Dafür wird sich der bmt, auch mit Ihrer Unterstützung, in diesem Jahr einsetzen. Das RdT hat mit Heike Bergmann gesprochen, die seit Jahren die kleinen Nager im Tierheim Köln-Dellbrück, dem größten bmt-Tierheim, betreut.

Besorniserregende Entwicklung in der Heimtierhaltung ! RdT: Wie viele Kleintiere leben augenblicklich im Tierheim Dellbrück? Heike Bergmann: Wir haben 94 Kaninchen, dazu Meerschweinchen, Ratten, Hamster, Mäuse und noch einige Ziervögel. RdT: Die Zahlen der abgegebenen Kleintiere steigen seit Jahren.. Heike Bergmann: ...und zwar erschreckend! In den 80er Jahren wurden höchstens 8 Kaninchen im Jahresdurchschnitt abgegeben, andere

Nagetiere überhaupt nicht oder ganz selten. Bis Mitte der 90er hatten wir schon im Schnitt 30 Kaninchen und Meerschweinchen hier - jetzt durchschnittlich um 100. Auch "Exoten" wie Chinchillas, Degus, Streifenhörnchen und Präriehunde nehmen immer weiter zu. Sie werden unter vollkommen falschen Voraussetzungen gekauft und katastrophal gehalten. Das momentane "Szene"-Tier ist das Degu. RdT: Werden die Tiere ausgesetzt, gefunden oder beschlagnahmt? Heike Bergmann: Ungefähr die Hälfte sind Findlinge. Die andere Hälfte zu fast gleichen Teilen sind Abgabetiere und sichergestellte Tiere durch das

Veterinär- oder Ordnungsamt. Sicherstellungen erfolgen dann, wenn Tierfreunde unhaltbare Zustände (Geruchsbelästigung etc.) melden. RdT: Wie hoch ist das Durchschnittsalter der Abgabetiere? Heike Bergmann: Ca. 1 -1,5 Jahre. Weil spätestens dann die Lust der Kinder zum Frust geworden ist und sie sich nicht mehr um ihre Nagetiere kümmern. Leider geben Eltern die Versorgung dieser anspruchsvollen Tiere oft ganz in die Hand ihrer Sprösslinge. Wenn das schief geht, fühlen sie sich selten in der Verantwortung und geben die Tiere lieber ab. RdT: In welchem Zustand sind die Nager, wenn sie im Tierheim ankommen?

Das Recht der Tiere 1/2004

Interview mit Heike Bergmann, Tierheim Köln-Dellbrück

13


HEIMTIERE

ERSCHRECKENDER ANSTIEG: Aufgenommene Kaninchen und Meerschweinchen

Das Recht der Tiere 1/2004

Sally & Lou

14

Heike Bergmann: In keinem guten. Die meisten Verletzungen beobachten wir bei den ausgesetzten Tieren, weil die Kosten beim Tierarzt gescheut wurden und es den Haltern peinlich war, das leidende Tier bei uns abzugeben. Solche Verletzungen können Brüche der Läufe durch unsachgemäße Handhabe sein. Häufigster Grund: Die Kinder können die hochgehobenen, zappelnden Kaninchen oder Meerschweinchen kaum halten - und lassen sie fallen. Sehr oft registrieren wir auch Bisswunden. Da wurden Tiere aus Unkenntnis zusammengesetzt, die auf keinen Fall gemeinsam gehalten werden dürften. Zum Beispiel Kaninchenböcke, die sich bei Geschlechtsreife durch Rangkämpfe fast umbringen, was genauso bei männlichen Meerschweinen vorkommt. Leider sitzt auch oft ein Meerschwein bei einem Kaninchen, wird von diesem zerbissen und manchmal bis zum tödlichen Ende drangsaliert. RdT: Welche Anzeichen deuten auf unfachmännische Versorgung des Tieres? Heike Bergmann: Es ist schlimm, aber es kommen selten wirklich gepflegte Tiere zu uns. Grundsätzlich sind es zu lange Krallen, oft sind sie auch schon abgebrochen oder die Zehen selbst gebrochen. Dass einige Nagetiere nachwachsende Krallen haben, scheinen viele Leute gar nicht zu wis-

1999: 344

2001: 406

2003: 581

2000: 373

2002: 426

2004: ....?

sen. Wie schlimm zu lange Krallen für ein Meerschwein oder ein Kaninchen sind, wenn es nicht mehr richtig laufen kann, Probleme bei der Futteraufnahme hat oder sich beim Putzen die Augen verletzt, scheint keinem Tierhalter klar zu sein. Langhaarige Tiere sind verfilzt, wie oft bei Angorakaninchen, -meerschweinchen und Teddyhamstern. Chinchillas wird aus Unkenntnis kein Badesand gegeben. Die Folge: Ihr Fell verfettet. Äußerliche Parasiten finden wir bei jedem Meerschwein und zwar Haar- oder Federlinge, bei Hamstern und Ratten sind es Milben - die Tiere kratzen sich dann laufend. Zwei Krankheiten sind bei Meerschweinchen gravierend: Pilz und Räude. Beides wird oft gar nicht erkannt und kann im extremen Fall zum Tod des Tieres führen. Dreckige Einstreu über längere Zeit führt zu offenen Läufen. Diese Wunden heilen nur schwer und zeugen auch von zu wenig Auslauf. Ständiges Sitzen im Käfig führt außerdem zu Schwierigkeiten beim Absetzen des Blinddarmkots - etwas sehr Unangenehmes gerade für Meerschweinchen. Ernährungsfehler sind eine ganz eigene Art der Vernachlässigung - man kümmert sich eben nicht um die tatsächlichen Bedürfnisse des Tieres. Hier kommt es zu Durchfall und Verstopfungen; Zahnfehlstellungen bei Kaninchen, Chinchillas und Meerschweinchen durch Heumangel. Vitamin C-Mangel bei Meerschweinchen kann zu Blutergüssen in den Gelenken führen, gerade bei Jungtieren. RdT: Erinnern Sie sich an Fälle von besonders schlimmer Verwahrlosung? Heike Bergmann: Ja. Zwei Tage vor Weihnachten haben wir 90 Kaninchen (!) zusammen mit dem Veterinäramt der Stadt Köln aus einer Wohnung geholt. Alle Tiere waren abgemagert, zerbissen und verfloht - das war das Schlimmste, was ich in meiner sieben-

jährigen Tätigkeit im Tierheim bislang erlebt habe. Vor einer Woche dann die Krönung von Tierquälerei: Drei Kaninchen und ein Meerschwein wurden in einem Glascontainer in der Kölner Innenstadt ausgesetzt. Sie waren zum Glück nicht verletzt, nur sehr nass und dreckig. Oft laufen auch kleine private Zuchten aus dem Ruder. Im Oktober 2003 kamen über die Stadt Köln 42 Ratten zu uns - die weiblichen Tiere alle tragend. Nachbarn hatten die unhaltbaren Zustände gemeldet - und nicht zum ersten Mal. Erst ein Jahr zuvor waren dort dreißig Ratten sichergestellt worden... RdT: Gibt es Spitzenzeiten für Abgabe und Vermittlung der Nagetiere? An wen vermitteln Sie besonders häufig? Heike Bergmann: Kleintiere werden das ganze Jahr über abgegeben. Beim Führen des Bestandsbuch fällt auf, das mindestens jeden Tag ein Tier zu uns kommt. Ausgesetzte Tiere gibt es natürlich vermehrt vor den Sommerferien. Die Nachfrage steigt fast immer in der zweiten Hälfte der Sommerferien wieder an. Übrigens stoßen viele Leute über das Internet zu uns. Auf unserer Homepage stellen wir unsere Vermittlungstiere und besonders ausführlich die Langzeitinsassen vor: Das sind Tiere, die älter sind, Probleme haben oder vom Verhalten ein wenig schwierig sind.


H E I M T I E R P R O B L E M AT I K einem viel zu kleinen Käfig hockt und außer Fressen, Schlafen und Sitzen keine anderen Möglichkeiten der Beschäftigung hat, wird schnell "langweilig". Lebt es aber mit einem anderen Kaninchen in einem Außengehege zusammen, in dem es buddeln kann, wo Baumstämme, Röhren weiteres Zubehör liegen und man die Tiere in ihrem ganzen Verhaltensrepertoire beobachten kann, macht die Haltung Freude. Wir klären alle Interessenten genau über die Lebenserwartung, Fütterung und Haltung auf und fragen nach Allergien, Urlaubsversorgung und ob die ganze Familie hinter dem Entschluss steht. RdT: Wo sehen Sie die größten Tierschutzprobleme? Heike Bergmann: Das größte Problem ist die vollkommen unsachgemäße Beratung in den Tiergeschäften und Baumärkten. Mangelnde Aufklärung bis hin zur Unwissenheit - alleiHera & Holly ne bei der Geschlechterbestimmung - prägen das Bild des angeblichen FachverAlle diese Tiere werden vermittelt ! käufers. Hinzu kommt, dass rung vorliegt, klären wir die InteressenNager zu einfach zu erwerben sind. Ein ten detailliert über das gefragte NageVerkaufsverbot in Nicht-Zoogeschäften tier auf. müsste bewirkt werden, damit zuminRdT: Welche Ratschläge geben Sie dest die Spontankäufe nachlassen. Interessenten bezüglich artgerechter Spontankäufe sind im Sinne des TierHaltung? schutzes besonders folgenschwer, weil Heike Bergmann: Man muss den die Anschaffung unüberlegt geschieht. Nagetieren einen Lebensbereich zugeDie meisten Leute unterschätzen dabei stehen, in dem sie sich wohlfühlen die Lebenserwartung der Tiere, den dann macht die Haltung auch den BeVersorgungsaufwand und die Ansprüsitzern Freude. Ein Kaninchen, das in che der vermeintlich "unproblemati-

Hier können Sie sich weiter informieren Q

Q

Ruth Morgenegg "Artgerechte Haltung - ein Grundrecht auch für Kaninchen” (oder Meerschweinchen). Gute Anleitungen und Bilder für Wohnungs- wie Außenhaltungsformen. Homepage von Tierarzt Dr. Wenzel, dem Meerschweinchen-Pabst in Deutschland. Ein "Muss" für jeden Meerschweinbesitzer: www.fraumeier.de

schen Tierchen". Oder die Betreuung wird den Kindern übertragen: Doch die Kinder, mit völlig falschen oder gar keinen Vorstellungen über den Nager alleine gelassen, fühlen sich vom Tier oft sehr schnell "enttäuscht". Häsinnen sind oft aggressiv, die nachtaktiven Ham-

Pluto ster beißen, wenn man sie tagsüber stört, Meerschweinchen sind bei Freigang unsauber und Kaninchen nagen alles an. Ein weiteres großes Problem ist das falsche Zubehör - hier muss die Industrie in die Verantwortung genommen werden. Zu kleine Käfige (um preiswerte im Angebot zu haben), falsches Inventar wie Laufrad, Hamsterkugel (kann zum Erstickungstod führen) etc. in möglichst schrillen Farben und aus Plastik lassen manchen Käfig wie eine Raumstation aussehen. Das Annagen der Kunststoffteile kann schlimme innere Verletzungen verursachen. Wie einfach und preiswert wäre es, im Wald natürliche Rinden, Äste und Steine zu sammeln und dem Hamster oder der Farbmaus so einen natürlichen Lebensraum zu gestalten. Leider haben Nagetiere nur einen geringen Stellenwert in der Bevölkerung und erfahren dadurch selten eine richtige Behandlung bzw. Unterbringung. Wenn Sie Hera & Holly und ihren Freunden aus dem Tierheim Köln-Dellbrück ein neues Zuhause schenken wollen, melden Sie sich bitte bei Heike Bergmann, Tel.: 0221 / 684926

Das Recht der Tiere 1/2004

Meistens kommen Interessenten, die ein Zweittier haben möchten. Das Partnertier ist gestorben und ein junges Tier aus dem Laden soll nicht dazu. Wir geben bei Kaninchen die Möglichkeit, das eigene Tier hier zu lassen, bis sie sich vertragen (Stichwort "Gasthoppeln"). Oft sind es Familien mit Kindern, natürlich auf der Suche nach einem "Spielgefährten". Meistens fängt das Gespräch an mit "Unsere Tochter hätte gerne ein Häschen". Die Gegenfrage lautet: Und was möchten Sie? Wir versuchen den Leuten ganz genau klar zu machen, welch lange Verantwortung auf sie zukommt und dass die Eltern die Tierliebhaber sein müssen, nicht das Kind. Wenn keine ausreichende Erfah-

15


AUS

UNSERER

ARBEIT

PELZVERKAUF IST UNETHISCH! PROTESTIEREN SIE JETZT

Das Recht der Tiere 1/2004

Otto, C&A und Europas größter Konzern, Karstadt Quelle AG, haben auf den Verkauf von Pelzen verzichtet. Warum? Weil sie klugerweise den Protesten der Bevölkerung nachgegeben haben. Wir als Verbraucher haben klar gemacht, was wir nicht wollen und nicht länger hinzunehmen bereit sind: Produkte, die mit unsäglichem Leid von Tieren erzeugt wurden. Protestieren Sie gegen den Pelzverkauf in Ihrer Stadt. Ihre Stimme zählt.

16

Die Bedingungen, unter denen Pelztiere europa- und weltweit in Farmen gehalten werden, dürften bekannt sein: Reihen von Drahtgitterkäfigen, in denen sich Nerze, Chinchillas, Füchse oder Zobel mit mehreren Artgenossen ihre enge Behausung teilen. Die Tiere können keines ihrer natürlichen Bedürfnisse ausleben - im Gegenteil: Die grausame Gefangenschaft geht mit Verhaltensstörungen, Selbstverstümmelungen und schwersten Verletzungen durch verzweifelte Befreiungsversuche etc. einher. Ständig dem Geruch der Exkremente ausgesetzt vegetieren die Pelztiere unter Haltungsbedingungen dahin, denen durch fürchterlichste Tötungsmethoden (Vergasung, Elektroschock, Genickbruch etc.) ein Ende gesetzt wird. Für einen Mantel sterben zum Beispiel bis zu 200 Chinchillas. Wer die Haut dieser gemarterten Tiere zu Markte trägt, macht sich schuldig. Schuldig am Leid dieser hilflosen Lebewesen. Während Konzerne wie die oben genannten diese Zusammenhänge mittlerweile genauso sehen wie ihre Kunden, leisten sich noch genügend Unternehmen ihre unethische Geschäftspolitik: Peek & Cloppenburg, Wenz, Klingel u.ä. gehören zu den Häusern, die weiter Pelze, Mützen und Accessoires in ihrem Sortiment führen.

Verbraucher entscheiden... Wir drucken im Folgenden einen Brief an die Geschäftsleitung von Peek &

Cloppenburg ab. Ein bmt-Mitglied erklärt darin seine Rückgabe der Kundenkarte, weil es den Pelzverkauf nicht länger mittragen will. Auch Sie können die Firmenpolitik betreffender Unternehmen in dieser Weise kritisieren - es ist unser Recht als Verbraucher, Konzernen und Warenhäusern klar zu machen, dass wir das Festhalten am Pelzverkauf nicht tolerieren werden. Nur konsequente Proteste werden dazu führen, dass die Pelze aus dem Sortiment verschwinden!

Was Sie noch für Pelztiere tun können! Diskutieren Sie im Bekanntenkreis die tierquälerischen Aspekte der Pelztiermode, um immer mehr Menschen für unser Anliegen zu gewinnen Q Reagieren Sie auf Geschäftsanzeigen, die für Pelze werben. Schreiben Sie Protestbriefe an Zeitungen, Hersteller und Unternehmen Ihrer Stadt. Q

Text: Jochen Prinz

Peek & Cloppenburg KG Geschäftsleitung Berliner Allee 2 40212 Düsseldorf Sehr geehrte Damen und Herren, seit Bestehen Ihres derzeitigen Kaufhauses in Frankfurt am Main war ich gerne Ihre Kundin, zuletzt sogar - für mich unüblich - mit einer Kundenkarte. Diese sende ich Ihnen heute zurück. Grund ist Ihr ständig steigendes Angebot von Pelzkleidung, die zu tragen es heutzutage keinen einzigen vernünftigen Grund mehr gibt, weshalb auch die Nachfrage immer mehr zurückging, bis Modemacher und u.a. Kaufhäuser wie Ihres es verstanden, angebliche Bedürfnisse wieder zu wecken. Dies ist Ihr gutes Recht, solange Sie damit nicht in die Rechte Anderer eingreifen, in diesem Fall die der Tiere, denen durch die Vermarktung zu Pelzprodukten Qual zugefügt und das Leben genommen wird. Ich verweise auf anliegende Broschüre des Hessischen Sozialministeriums. Ich hoffe, dass bald die Stimmung bezüglich Pelz wieder umschlägt. Was dazu möglich ist, werde ich tun. Deswegen bin nur noch Ihre ehemalige Kundin ....


AUS

UNSERER

ARBEIT

TIERVERSUCHE STEIGEN WEITER! BUNDESREGIERUNG SETZT FALSCHE ZEICHEN Eigentlich sollten Alternativmethoden zum Tierversuch unter der rot/grünen Koalition ganz besonders gefördert werden. Doch die Regierung stellt immer weniger Geld dafür bereit. Der bmt beobachtet diese Entwicklung mit großer Sorge und appelliert an die Politik, verstärkt Mittel zur Förderung von Ersatzmethoden bereitzustellen. Der bmt, seit seiner Gründung einer der schärfsten Tierversuchs-Gegner, fordert die konsequente Abschaffung der grausamen Versuche. Die Meldungen sind alarmierend: Seit Jahren steigen die Tierversuchszahlen wieder an. Allein 2002 wurden 100.000 Tiere mehr als im Vorjahr zu Versuchszwecken missbraucht. Insgesamt 2,2 Millionen Mäuse, Ratten, Fische, Kaninchen, Schweine, Affen, Hunde, Katzen und weitere Arten. Nicht in den Statistiken steht, wie ungeheuer dabei das Ausmaß des Schmerzes, der Qualen und der Angst für jedes einzelne Tier ist. Dabei hatte die Regierung im Koalitionsvertrag versprochen, die Alternativmethoden zum Tierversuch fördern zu wollen. Tatsächlich wurden aber für den Haushalt 2004 die jährlichen Mit-

tel von rund 5 Millionen Euro auf 2,8 Millionen gekürzt. Das sind die falschen Signale für Forschung und Entwicklung, kritisiert der Bund gegen Missbrauch der Tiere. In der Biomedizin, der Gentechnologie und Stammzellenforschung will Deutschland den Anschluss an die Weltspitze halten - in Gebieten, die traditionell mit einem hohen Tierverbrauch einhergehen. Einen Freifahrtschein für Tierversuche nennt der bmt die Forderung nach einer Stärkung der Grundlagenforschung, die einzig der Eigen-

In Kürze: Q

Q

Q

Q

Q

zur Pelzgewinnung werden weltweit 24 Mio. Nerze, 3,4 Mio. Füchse und jeweils ca. 100 000 Chinchillas, Bisamratten und Zobel gehalten in Deutschland gibt es ca. 30 Nerzfarmen. Ge züchtet werden außerdem Füchse, Chinchillas und Sumpfbiber pro Jahr sterben für die Pelzmode Millionen von Nerzen, Füchsen, Bisamratten, Chinchillas, Schafe, Kaninchen und seltene Wildtierarten wie Wölfe, Zobel und Luchse ca. 75% der für die Pelzmode getöteten Tiere stammt aus Farmen; der Rest sind Wildfänge, die einen der jämmerlichsten Tode überhaupt in Tellereisen und Schlagfallen sterben Pelzverbrämungen, wie an Kragen und Är meln, sind häufig aus Kaninchenfell und alter nativ von Hund oder Katze.

verantwortung des Wissenschaftlers verpflichtet sein soll. Und warum stärkt die Bundesregierung nicht den Wirtschaftsstandort Deutschland, in dem sie Ersatzmethoden zu standardisierten Tierversuchen im Bereich der weltweiten Produktsicherheit oder im Bereich der wissenschaftlichen Ausbildung fördert? Text: Jochen Prinz

Wir brauchen Ihre Hilfe! EHRENAMTLICHE FÜR AUSSENDIENST GESUCHT! Sie haben Führerschein Kl. 3? Sie wohnen im Umkreis einer unserer Geschäftsstellen? Sie haben Zeit für den Tierschutz? Dann engagieren Sie sich doch bei uns im Außendienst. Ihre Aufgaben: Q Tiere zum Tierarzt fahren Q Futter u.ä. abholen Q Vermittelte Tiere besuchen Q Fahrten zu anderen bmt-Tierheimen unternehmen Q Sachspenden, Basarspenden u.ä. abholen Bitte helfen Sie uns. Unser Team freut sich auf Sie! Unsere Adressen und Telefonnummern finden Sie auf S.34.

17


www.bmt-tierschutz.de • Hauptgeschäftsstelle München • Tel 089/38 39 520

DA SPIELEN WIR N


Noch immer fristen über 35 Millionen Legehennen in den Käfiganlagen der Agrarindustrie ein elendes Dasein. Eng zusammengepfercht haben sie keine Möglichkeit, artgerechte Verhaltensweisen auszuleben. Da spielen wir nicht mit.

NICHT MIT!


WISSENSWERTES

STEUERGELDER FÜR TIERQUÄLEREI? K AMPFSTIERZÜCHTER

PROFITIEREN VON

EU-S UBVENTIONEN

Die große Mehrheit der europäischen Gemeinschaft lehnt die spanische Corrida als grausame Tierquälerei ab. Aber die wenigsten Menschen wissen, dass sie mit ihren Steuergeldern den Stierkampf indirekt subventionieren. Der Hintergrund: Um den Rindfleischmarkt zu stützen, zahlt die EU Prämien an Stierzüchter. So können pro Rind 210 Euro beantragt werden. Diese Förderung wird einmal im Leben des Tieres gewährt - und zwar im Alter von neun Monaten. Jeder Züchter darf bis zu 90 Stiere jährlich für die Prämie anmelden. Auch spanische Stierzüchter beantragen die Gelder aus dem EU-Fördertopf - und sie nutzen sie geschickt für ihre Zwecke. Denn die Tiere sind gar nicht für den Rindfleischmarkt bestimmt, sondern für die grausame Corrida. Der ganze Schwindel ist eine indirekte Subvention des Stierkampfes.

Das Recht der Tiere 1/2004

Die spanische Regierung, die für die Verteilung der Agrarsubventionen im eigenen Land zuständig ist, erklärt der EU Kommission, dass eine Endbestimmung der Tiere mit neun Monaten noch gar nicht möglich sei. Die Züchter, so die Regierung, könnten in dem jungen Alter der Stiere gar nicht wissen, wie viele tatsächlich in die Arena geschickt und wie viele dem Rindfleischmarkt zugeführt würden.

20

Die spanische Corrida ist grausame Tierquälerei

Das Gegenteil sei der Fall, sagt die Madrider Tierrechtsorganisation "Asociación Nacional para la Protección y el Bienestar de los Animales (ANPBA)". Sie konnte nachweisen, dass ein Kampfstierzüchter das Kälbchen bis zu 10 Tagen nach der Geburt in ein öffentlich einsehbares Register des spanischen Landwirtschaftsministeriums eintragen muss. Tut er das nicht, gilt das Tier nicht als "Kampfstier" und darf nicht beim Stierkampf eingesetzt werden. Demnach steht das Schicksal des Stieres bei der Auszahlung der Subventionen durch die EU im Alter von neun Monaten also doch bereits fest. Den EU-Abgeordneten gefällt es nicht, dass die für die Rindfleischerzeugung gedachten Prämien spanischen Kampfstierzüchtern zugute kommen und

stimmten im Oktober 2003 mit großer Mehrheit gegen eine weitere Subventionierung. Doch das Parlament in Brüssel hat keinen Einfluss auf die verpflichtenden Zahlungen im Rahmen der gemeinsamen Marktorganisation. Es liegt nun an der Kommission, dem Ministerrat bei der Neuordnung der gemeinsamen Agrarpolitik vorzuschlagen, wie die indirekte Subventionierung des spanischen Stierkampfes durch Steuergelder abgeschafft werden kann. Und es liegt auch an EU-Agrarkommissar Franz Fischler, der keineswegs ein Freund des spanischen Stierkampfes ist, eine politische Lösung anzustreben. Text: Jochen Prinz Fotos: bmt


WISSENSWERTES

Gefahr für Mensch und Tier

VOGELGRIPPE IN ASIEN SO FERN UND DOCH BEDROHLICH NAH

Besonders erschreckend dabei ist die Art der Seuchenbekämpfung. Fernsehbilder dokumentieren, wie ungeschulte Kräfte Hühner aus ihren Käfigen reißen, sie lebend in Plastiksäcke stopfen und anschließend in riesige, ausgehobene Erdgruben schmeißen. Bulldozer schieben Erde über die Tiere, die elendig ersticken. Solche Bilder bleiben im Gedächtnis haften. Solche Bilder dokumentieren nachhaltig, wie Menschen mit Tieren umgehen, welchen Stellenwert die Tiere für den Menschen haben. Und die Weltöffentlichkeit? Sie schaut zu. Angesichts der schnellen Verbreitung der Vogelgrippe im asiatischen Raum ist es verständlich, dass zum Schutz der Tiere und der Menschen schnelles Handeln notwendig ist. Bei aller gebotenen Eile ist es aber nicht hinnehmbar, dass Tötungsmethoden eingesetzt werden, die für die Tiere einen derart qualvollen Tod bedeuten. Die Tötung eines Tieres ist immer ein gewaltsamer Eingriff. Wenn sie jedoch unabwendbar ist, dann muss die schnellste und schmerzloseste Methode genutzt werden. Wenn die betroffenen Länder über keine geeigneten Verfahren verfügen, ist internationale Hilfe notwendig - doch diese Hilfe bleibt scheinbar aus! Die Tötung von Millionen Geflügeltieren vermag hoffentlich die Seuche in Asien einzudämmen. Sie wird aber nicht verhindern, dass ähnliche Epidemien wieder auftreten. Denn die herkömmliche Seuchenbekämpfung geht gegen Symptome vor, löst aber nicht die ursächlichen Probleme. Verantwortlich

für das Auftreten und die schnelle Verbreitung der Vogelgrippe ist das hemmungslose Wachstum der Massentierhaltung. Allein Thailand produziert etwa eine Milliarde Hühner pro Jahr und nimmt damit weltweit eine "Spitzenstellung" in der Geflügelfleischproduktion ein. Ein Drittel des Geflügelfleisches wird in die EU importiert. Die Lebensbedingungen der Tiere sind katastrophal. Ohne ausreichende Tierschutz-, Hygiene- und Umweltbestimmungen vegetieren Millionen Hühner in dunklen, dreckigen , überfüllten Stallungen dahin. Eine Zeitbombe, die sich im Auftreten von lebensbedrohlichen Krankheiten entlädt. Aus Angst vor einer Ausbreitung in Europa haben Bundesregierung und EU-Kommission beschlossen, kein Geflügelfleisch aus den entsprechenden Ländern mehr zu importieren. Selbst die Einfuhr von Ziervögeln wurde verboten. Diese Maßnahmen sind sicherlich richtig. Aber selbst wenn es möglich sein sollte, die Seuche an den EU-Grenzen zu stoppen, wird deutlich, dass im Tier- und Verbraucherschutz globales, weltweites Handeln notwendig ist. Tierschutz bedeutet nicht nur Schutz für Tiere. Tierschutz schützt letztlich auch den Menschen. Hoffentlich setzt sich diese Erkenntnis auch bei den politisch Verantwortlichen durch. Sicherlich sind die Möglichkeiten eines jeden Einzelnen, auf diese globalen Entwicklungen und Verflechtungen Einfluss zu nehmen, gering. Dennoch besteht kein Grund zur Resignation. Jeder kann in seinem privaten Bereich, durch sein Konsumverhalten, durch den Erwerb regionaler, qualitativ hochwertiger Produkte ein Signal für eine artgerechte-, umweltund ressourcenschonende Lebensmittelproduktion setzen. Diese Möglichkeit sind wir den Tieren schuldig. Wir sollten und dürfen diese Einflussmöglichkeit nicht ungenutzt lassen. Text: Dr. Jörg Styrie Fotos: dpa

Das Recht der Tiere 1/2004

Der Ausbruch der Vogelgrippe in Südostasien Anfang des Jahres hat unendliches Leid über das Geflügel und die Menschen in der Region gebracht. Zur Eindämmung der Seuche wurden bisher 80 Millionen Hühner und Enten getötet!

21


TIERE

IN

NOT

Liebevolle Menschen gesucht!

Carlos “Nicht ohne mein Stofftier!”

Der fünfjährige Schäferhundmischling Carlos wurde vom Franziskus-Tierheim aus Rostock übernommen. Hier lebte der intelligente Rüde in Zwingerhaltung, ohne Chance, soziale Kontakte zu Artgenossen aufzubauen. Zu uns Menschen ist er freundlich und ehrlich, sehnt sich nach viel Auslauf und Beschäftigung. Carlos ist familiengeeignet, (Kinder ab ca. 12 J.), aber seine neuen Menschen sollten Hundeerfahrung haben. Er besteht darauf, "sein" Stofftier mitzunehmen. Kontakt: Franziskus Tierheim, Tel: 040 / 55 49 28 37

Mogli

Spike &Teddy Einer für den Anderen

Spike und Teddy (geb.1994, kastriert, Schulterhöhe 40 cm) sind Wurfgeschwister und hängen sehr aneinander. Spike, der kräftigere und aktivere Part, ist der Boss. Beide sind unkompliziert und verträglich. Sie wurden wegen Trennung und Wohnungsauflösung zu uns gebracht und sollen nur zusammen vermittelt werden. Kontakt: Franziskus Tierheim, Tel:040 / 55 49 28 37

Mogli ist eine Herausforderung für Dackelliebhaber: Eigenwillig, charmant und mit ausgeprägtem Bewegungsdrang entspricht die Rauhaarmixhündin Mogli ihren Dackelahnen. Die 2Jährige erwartet von ihrer Familie Beschäftigung, ebenerdiges Wohnen, Auslauf im umzäunten Garten, ausgedehnte Spaziergänge und ... ...schenkt ihren Menschen dafür ihre unbestechliche Liebe. Kontakt: Tierheim Elisabethenhof, Tel: 06035 / 5916

Das Recht der Tiere 1/2004

Charmante Herausforderung sucht...

22

Der Rottweilerrüde (kastriert, 4 Jahre alt) lebt seit Juli 2001 im Tierheim. Ein Jammer, denn der Hund ist wissbegierig, lernfähig und schließt sich eng an seine Vertrauenspersonen an, wenn er seine anfängliche Zurückhaltung abgelegt hat. Arco gehört in erfahrene Hände, am besten in einen Haushalt ohne Kleinkinder, und würde gerne eine Aufgabe (Wachdienst) erfüllen. Der Rottweiler ist bedingt verträglich mit Geschlechtsgenossen, fährt im Auto mit und kann für kurze Zeit auch alleine bleiben. Geben Sie dem Hund eine Chance, damit er nicht sein gesamtes Leben im Tierheim verbringen muss. Tierheim Wau-Mau-Insel, Tel: 0561 / 86 15 292

Arco Kriegt Arco eine Chance von Ihnen?


IHRE FRAGEN

Unsere neue Rubrik für Tierfreunde

HABEN SIE FRAGEN? SCHREIBEN SIE EXPERTENTEAM

AN UNSER

Wie soll ich mich verhalten, wenn der ständig allein gelassene Nachbarhund jault? Oder: Dürfen Jäger Wildschweine das ganze Jahr schießen? Oder: Ich habe schon mehrfach erlebt, dass der Baumarkt unserer Stadt häufig kranke Kleintiere verkauft. Dagegen möchte ich protestieren. Zu welcher Vorgehensweise raten Sie mir? Weil uns immer häufiger solche Anfragen erreichen, richten wir mit dieser Ausgabe eine neue Rubrik für Sie ein. Hier können Sie Ihre Fragen zu Tierhaltung, Tiergesundheit und juristischen Belangen im Tierschutz stellen. Unser Expertenteam berät Sie gerne.

Antwort: Tatsächlich schreibt das Land Niedersachsen (NWaldG) einen gesetzlichen Leinenzwang während der Brut- und Setzzeit (1. April - 15. Juli) vor. Doch auch in NRW oder allen anderen Bundesländern besteht für diesen Zeitraum ein ungeschriebener Leinenzwang für Hunde in Feld und Wald. Darüber hinaus gibt es besonders ausgewiesene Schutzzonen für das Wild (z.B. Naturschutzgebiete), in denen entsprechende Hinweisschilder Spaziergänger dazu auffordern, ihre Hunde an die Leine zu nehmen. In den Monaten April bis Juli bekommen Vögel und Säugetiere ihren Nachwuchs und sind äußerst schreckhaft. Auf keinen Fall dürfen die Tiere durch stöbernde oder jagende Hunde bei Geburt und Aufzucht gestört werden. Allein schon ein schnüffelnder oder bellender Hund kann die Elternvögel aufscheuchen, sodass sie ihr Nest verlassen und Gelege oder Jungvögel auskühlen. Rehkitze und junge Hasen verlassen sich anfangs ganz auf ihre Tarnung und ducken sich regungslos. Umherlaufende Hunde halten die Mütter davon ab, zu ihrem Kind zurückzukehren. Aufgescheuchte Jungtiere werden später möglicherweise von ihrer Mutter nicht wiedergefunden. Die verwaisten Tierkinder verhungern qualvoll. Es ist ein Gebot des Tierschutzes, nicht nur mit seinem eigenen Tier verantwortungsbewusst umzugehen, sondern gerade auch auf die wildlebenden Tiere Rücksicht zu nehmen. Tragen Sie bitte mit dazu bei, dass Wildtiere, die ohnehin unter schwierigen Lebens- und Umweltbedingungen ihre Jun-

gen aufziehen, nicht durch unser Verhalten irritiert werden. Vom Leinenzwang ausgenommen sind unter bestimmten Voraussetzungen Jagdhunde, Rettungshunde, Einsatzhunde von Polizei, Bundesgrenzschutz und Zoll. Den übrigen Hundebesitzern, die sich nicht an die Leinenpflicht halten, drohen in allen Bundesländern empfindliche Geldbußen. Bei einer Anzeige wegen Wilderei müssen Hundehalter zusätzlich zum Bußgeld mit Anordnungen wie Wesenstest und Maulkorbzwang für ihr Tier rechnen. Schlimmer noch! Der Jagdschutzparagraph 23 des Bundesjagdgesetzes erlaubt den Jägern, nach näherer Bestimmung durch die Landesjagdgesetze, einen Hund zu erschießen, der sich nach seiner Einschätzung außerhalb der Einwirkung einer verantwortlichen Person befindet und dem Wild deutlich nachstellt (Lorz, Metzger, Stöckel: Kommentar zum Jagdrecht, Verlag C.H. Beck 1999). Damit Ihr Hund in diesem Zeitraum weiter seine gewohnte Bewegung bekommt, lassen Sie ihn doch einfach öfter neben dem Fahrrad laufen, joggen mit ihm oder nutzen den Spielraum einer langen Laufleine. Suchen Sie in Ihrer Stadt nach ausgewiesenen Plätzen, auf denen der Hund mit seinesgleichen toben kann.

Das Recht der Tiere 1/2004

Frage: Ich bin gerade von Nordrhein-Westfalen nach Hannover gezogen und habe erfahren, dass anders als in NRW in Niedersachsen ein genereller Leinenzwang für Hunde in der Brutund Setzzeit besteht. Muss auch mein gut gehorchender Hund in dieser Zeit wirklich immer angeleint werden? Was passiert, wenn ich mich nicht an diese Vorschrift halte?

23


TH WAU-MAU INSEL

Neue sachkundige Leitung

IDEEN, KONZEPTE Karsten Plücker hat sich vi Der neue Tierheimleiter

Seit Herbst 2003 wird das bmt-Tierheim in Kassel von Karsten Plücker geleitet. Bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe kommen ihm seine lange Erfahrung in der aktiven Tierschutzarbeit und seine ehemalige Führungsposition als Qualitätsleiter eines großen Konzerns zugute. Schulungen für Mitarbeiter, die gezielte Arbeit mit Problemhunden und die Betreuung von Schulklassen im Tierheim - die Wau-MauInsel entwickelt sich zu einem umfassenden Tierschutzzentrum. Schon ab März beginnen im Tierheim Schulungen für Mitarbeiter und Ehrenamtliche. Jeden Monat werden Fachleute zu bestimmten Themengebieten eingeladen. "Erste Hilfe am verletzten Tier, die Grundlagen von Tellington Touch, Basiswissen für den Sachkundenachweis in der Tierpflege; das sind Themenbereiche", sagt Karsten Plücker "über die alle im Tierheim Bescheid

wissen sollten und die auch externe Tierfreunde ansprechen können." Hundeschule und Welpenprägestunden gehören ebenfalls zu dem Angebot, mit dem der 34Jährige die Öffnung des Tierheims an weitere Interessentenkreise in der Region Kassel erreichen möchte. "Wir haben", sagt er, "durch solche Kurse die Möglichkeit, die Abgabe eines Tieres im Vorfeld zu

verhindern, weil wir zur Problemlösung beitragen." Für die neuen Besitzer von Tierheimhunden sind solche Stunden kostenlos, denn Karsten Plücker will die wachsende Beziehung zwischen Mensch und Tier durch jede erdenkliche Hilfe unterstützen. Besonders in die tierheiminterne Schulung einbezogen werden Vierbeiner, die aufgrund ihrer schwierigen Ver-

Das Recht der Tiere 1/2004

Kanto - wir vermissen Dich sehr

24

Noch jung, mit 2 Jahren, kam Kanto 1995 ins Tierheim. Für den stattlichen Schäferhund haben sich die Tore in eine andere Hundewelt nicht mehr geöffnet - in all den Jahren fand sich niemand, der Kanto die Geborgenheit eines eigenen Zuhauses geschenkt hätte.

Die Geschichte von Kanto ist traurig, weil kein Hund dazu geboren ist, sein gesamtes Leben im Tierheim zu verbringen. Und sei die Fürsorge der Mitarbeiter noch so groß - jeder Hund braucht seine Bezugsperson, der er vertrauen, die er lieben kann. Hätte Kanto sich seine Menschen wählen können, dann wären das wohl Frau Gibhardt und Frau Dönges gewesen. Die tiefe Zuneigung des Rüden hielt die ganzen Jahre an - und beruhte auf Gegenseitigkeit. Eines Tages hatte sich Kanto vor die Füße der langjährigen Mitarbeiterin Frau Gibhardt gesetzt und damit klar zum Ausdruck gebracht: Hier ist mein Platz, hier fühle ich mich wohl. Der Schäferhund war kein einfacher Hund; sein Misstrauen gegenüber

Männern, das ihn mehrfach zubeißen ließ, verhinderte jede Vermittlung. Im Juni 1996 wurde der Rüde noch am selben Tag in die Wau-Mau-Insel zurückgebracht - er hatte dem Ehemann den Zutritt in die Wohnung verwehrt. Ab 1998 übernahm Kanto eine Aufgabe, die seiner Veranlagung entsprach: Er bewachte das Tierheim - und tat dies mit sichtlicher Begeisterung. Doch im Jahr 2003 fiel den Mitarbeitern auf, dass der inzwischen 10jährige Hund immer stärker abbaute; sein Gesundheitszustand verschlechterte zuletzt so sehr, dass er schweren Herzens am 17. November von seinem Leiden erlöst wurde. Beerdigt wurde der Rüde auf dem Tierheimgelände - auf "seiner Insel", die ihm zur Heimat geworden ist.

Das bmt-Tierheim in Kassel


GST VOLLENBORN

UND PLÄNE el vorgenommen TIERSCHUTZ IM ALLTAG

Wie eine junge Mutter einer Ziege das Leben rettet Eine Ziege soll geschlachtet werden. Ihr jämmerliches Blöken macht eine junge Mutter aufmerksam, die zufällig in der Nähe mit ihrem Kind spazieren geht. Andrea Heisekke-Lampe rettet das Tier durch ihren Einsatz vor dem Tod - und zeigt damit, wie jeder einzelne in seinem ganz individuellen Alltag Tierleid verhindern kann. Der bmt bedankt sich für soviel Engagement. Ein sonniger Samstagnachmittag lud zum Spazierengehen mit meiner kleinen Tochter Amelie, damals 4 Monate alt, durch unsere Kleinstadt ein. Mitten in der Stadt hörte ich angsterfülltes Blöken eines Schafes oder einer Ziege. Nach kurzem Zögern öffnete ich die Tür zu einem Hof. Ich hatte befürchtet, dass dort ein Schaf geschächtet werden sollte. Ganz so schlimm war es nicht, aber trotzdem - die Szene bedrückt mich noch heute: Eine Burma-Ziege auf einem Hänger, ein Seil so fest um den Hals, dass es sie fast erdrosselte, und links ein Schlachter, schon die Gummischürze an, bereit, dem armen Geschöpf das Leben zu nehmen. Anwesend auch der Besitzer, der erklärte, die Ziege würde nur so schreien, weil sie ohne Artgenossen wäre. Sie müsse geschlachtet werden, weil sie an einem nicht verheilenden Beinbruch leide und nun erlöst (!) werden solle. Nach kurzer Diskussion überließ er mir das Tier für 50 Euro und damit fingen die Probleme an: Zuerst einmal musste ein Tierarzt her. Im Nachbarort Moringen gibt es eine Gemeinschaftspraxis, die sich auf Großtiere spezialisiert hat. Wohl wissend, dass sie viel mit Schlachttieren zu tun haben und sich selten Mitleid gegenüber dem einzelnen Tier leisten (können), war ich froh, schnelle und vor allem kompetente Hilfe für den Beinbruch der Ziege zu erhalten. Und der Tierarzt, der zuerst nicht nachvollziehen konnte, warum ich das Tier frei gekauft hatte, stellte fest, dass der Beinbruch längst verheilt war, schnitt ihr sogar die Klauen und - nahm kein Geld für Anfahrt, Wochenendkonsultation und Behandlung! Vielen, vielen Dank! Und jetzt musste ein Gnadenplatz gefunden werden. Weder die Tierheime der näheren Umgebung noch die Veterinärämter konnten mir einen Platz nennen, wo Ziege Hetty in Frieden ihr Leben verbringen konnte. Nach unzähligen erfolglosen und frustrierenden Telefonaten, auch mit überregionalen Tierschutzorganisationen, rief ich Frau Thied vom bmt (LV Niedersachsen) an. Sie war die einzige, die mir sofort Hilfe in finanzieller wie organisatorischer Hinsicht zusagte. Ziege Hetty lebt heute mit Artgenossen in einem Wildpark.

Das Recht der Tiere 1/2004

gangenheit problematische Verhaltensweisen entwickelt haben oder entwickeln könnten. "Hunde mit traurigen, prägenden Erlebnissen sind oft verunsichert in ihrem Verhältnis zum Menschen und müssen behutsam an eine neue Vertrauensbasis herangeführt werden. Vertrauensbildende Maßnahmen, wie gemeinsame Aufgaben, gemeinsamer Erfolg und der Kontakt zu Artgenossen sind wichtige Schritte auf dem Weg in ein sozialisiertes Hundeleben", erklärt er. Auch für Kinder wird die Wau-Mau-Insel in Zukunft noch aufregender werden. Denn der Tierheimleiter möchte Ansprechpartner für Schulklassen sein und ihnen die Grundlagen artgerechter Haltung von Tieren nahe bringen. Einmal im Monat sollen Kindernachmittage veranstaltet werden, an denen sich Mitarbeiter mit den Schülern beschäftigen, ihnen das Tierheim und die vierbeinigen Gäste zeigen und erzählen, welche natürlichen Bedürfnisse jedes Tier hat. Anschließend wird ein Quiz veranstaltet und die Mädchen und Jungen erhalten einen Heimtierpass - "nur wer genügend weiß", sagt Karsten Plücker, "wird Tierleid verhindern und auch seinen Kindern den Respekt vor Tieren weitergeben."

25


TH KÖLN-DELLBRÜCK

"HEIM FÜR ALLE FELLE" IN DER MAUSER Neue Räume für Tiere und Menschen

Das Recht der Tiere 1/2004

Backes kann natürlich nicht wissen, warum das so ist. In unserem Tierheim ste-

26

hen bauliche Veränderungen an: Das Hauptgebäude wird seit Anfang November umgebaut, um genau zu sein, es wird um eine Etage aufgestockt. Die "berühmte" Küche, die bislang als Aufenthalts- und Vermittlungsraum genutzt wurde, wandelt sich zum Informationsbereich für unsere Besucher. Der Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter, der auch für Besprechungen, Hundebegleitertreffen, Seminare und andere Veranstaltungen genutzt werden soll, wird dann mit mehreren Büros im ersten Stock liegen. Auch wenn wir uns von vielen liebgewonnen Dingen trennen müssen - es gab zum Abschied über die "berühmte Eckbank" in unserer Küche sogar eine Radioreportage "Ist schon eine komische im WDR - können wir die Fertigstellung des Umbaus kaum erwarten. Neues tut gut Sache, die hier seit Wochen und lässt Neues zu: Wir wollen unser Angebot optimieren. Und auch unser passiert. Es ist laut und ungeKüchenbulli Backes wird sich an die neuen Begebenheiten gewöhnen; er wird mütlich, Sachen werden rausgetrazwar die Treppe in das obere Stockwerk nicht schaffen, aber da die untere gen, andere kommen wieder rein, Etage immer von Zweibeinern "bewohnt" ist, wird er nie allein sein. Körbchen fehlen. Fremde Gerüche Alle Beteiligten sollen sich besser aufgehoben, versorgt und informiert fühlen: und Geräusche stürmen auf mich Unsere Besucher, unsere Mitarbeiter und natürlich unsere Tiere. In der jetzigen alten Bulli ein. Und nirgendwo Situation sitzt die vierbeinige Küchen-Seniorengang bei Vertragsabschlüssen finde ich ein ruhiges Plätzmit am Tisch - was durchaus ein gewisses Flair hat. Ein vertrauliches chen zum Schlafen!” Vermittlungsgespräch mit Besuchern in diesem Raum zu führen, ist durch die vielen Störungen aber schier unmöglich. Eines der ehemaligen Büros im Untergeschoss wird dann schon bald für die Kleintiere hergerichtet. Wenn im Sommer der Bau des neuen Hundehauses für unsere kleinen Vierbeiner beginnt und diese aus dem hinteren Trakt des Hauptgebäudes ausziehen, kann hier endlich die Nagerabteilung Einweihung feiern. Wenn alles gut geht, werden wir dann hoffentlich im Sommer 2005 mit der Mauser durch sein. Begonnen hatten wir, wie Sie sich wahrscheinlich noch gut erinnern, im Sommer 2002 mit den Ausläufen für Hunde: Die 13 kleinen und drei großen Freiläufe wurden pünktlich zum Tag der Offenen Tür 2003 fertig. Sie sind jedenfalls immer herzlich eingeladen, unsere Baufortschritte zu bewundern und sich gemeinsam mit den Tieren auf die Fertigstellung zu freuen. Text und Fotos: Heike Bergmann

Das Haupthaus wurde um eine Etage aufgestockt


LV H E S S E N

Schildkröten - sensible Tiere mit hohen Ansprüchen Fachmännische Unterbringung der Tiere

Eine einzigartige Einrichtung:

TIERSCHUTZPREIS FÜR SCHILDKRÖTENSTATION

Europäische Landschildkröten können bis zu 100 Jahre alt werden - allein die hohe Lebenserwartung macht deutlich, welche Verantwortung mit der Haltung verbunden ist. Doch die wenigsten Menschen haben ausreichende Kenntnisse, um die sensiblen Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend zu versorgen. "Schildkröten", sagt Karl Lapp, "sieht man nicht an, wenn sie sich nicht wohlfühlen. Ihr Leiden ist ein langsamer Tod, der sich manchmal über Jahre hinziehen kann." 50 Schildkröten, häufig unterernährt, krank und als Notfälle abgegeben, leben auf dem Anwesen von Ehepaar Lapp. Auslauf im Naturgarten, die Gemeinschaft mit Artgenossen, ausgewogene (vegetarische) Ernährung mit frischem Obst, Gemüse, Salat und Wildkräutern haben schon so manches als hoffnungslos bezeichnete Tier wieder auf die Beine gebracht. Und was diese empfindlichen Reptilien vor allem brauchen, bekommen sie bei Ehepaar Lapp zur Genüge: Licht, Luft und Sonne. Von Dezember bis Anfang März ziehen sich die wechselwarmen Tiere zum Winterschlaf zurück; sie buddeln sich bis zu 30 cm tief in den Sandboden der Wärmehäuschen ein, die das Ehepaar Lapp zu diesem Zweck auf-

gestellt hat. Mit Digitalmessgeräten wird die Temperatur, sie sollte stets um 5 Grad Celsius liegen, kontrolliert. Im Wachzustand lieben Schildkröten Wärme (20 - 30 Grad Celsius) und viel Sonne. Jedes Tier, das auf die Station kommt, wird mit Namen, Gewicht, Rasse, Abgabegrund und weiteren Details notiert; so verlangt es die Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums. Aber Lisa und Karl Lapp kennen auch ohne diese Dokumentation jeden einzelnen ihrer Schützlinge. Die Beiden haben sich im Laufe der Jahrzehnte ein

Wissen über die Bedürfnisse, Haltung, Pflege und Versorgung von Schildkröten angeeignet, die ihnen den Ruf von Experten eingetragen hat. Wer Probleme mit seinem Panzertier hat, wendet sich an das Ehepaar; wer fachmännische Hilfe und Begutachtung sucht, fährt ins Maintal. Mit Julius, den Tochter Elfi 1962 aus der Schule nach Hause brachte, begann die Faszination der Familie an dieser in ihren Bedürfnissen oft so verkannten Wildtierart. "Die Schildkröten", sagt Lisa Lapp, "sind unser Leben." Sollten die inzwischen über 70Jährigen irgendwann die Pflege ihrer Lieben nicht mehr bewältigen können, ist vorgesorgt: Die Tiere werden gruppenweise in ausgewählte Hände gegeben.

Minister Dietzel, Karl und Lisa Lapp

Text: Claudia Lotz Fotos: Karl Lapp

Das Recht der Tiere 1/2004

Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel ehrte am 8. Dezember 2003 Lisa und Karl Lapp mit dem Hessischen Tierschutzpreis für ihre vorbildlich geführte und in Deutschland einmalige Schildkrötenstation. Die Auszeichnung für das Ehepaar erfolgte auf Vorschlag des Bund gegen Missbrauch der Tiere.

27


im hohen Norden

Raschko nach seiner Befreiung

Hunde bei Umzug zurückgelassen

EIN NEUES LEBEN IN SCHWEDEN Hamburg. Da fällt die Tür ins Schloss und wird sich für eine bedrohlich lange Zeit nicht mehr öffnen. Es gibt kein Futter, kein frisches Wasser, keine Ansprache mehr - die Menschen, die hier mit ihren beiden Hunden wohnten, sind fort. Haben die Wohnung geräumt und ihre ahnungslosen Vierbeiner zurückgelassen. Eine der feigesten und gemeinsten Arten, sich von seinem Tier zu trennen. Doch für Raschko und Shila, die durch einen Glücksfall rechtzeitig gefunden werden, ist der Aufenthalt im Franziskus Tierheim der Beginn eines ganz großen Abenteuers.

Das Recht der Tiere 1/2004

Verängstigt, verwahrlost, hungrig, voller Flöhe und Ekzeme - so werden Berhardinermischling Raschko und seine kleine Freundin Shila ins Tierheim gebracht. Während die beiden Neuankömmlinge sich langsam an die fremde Umgebung gewöhnen, stöbern zwei Hundebegeisterte im Internet nach Vierbeinern, denen sie ein neues Zuhause schenken können. Und bleiben hängen am Bild der schwarzen Mischlingshündin Shila neben ihrem großen Beschützer Raschko. Nur einen Haken hat die Sache: Das tierliebe Paar wohnt in Schweden - und so hält die Mitarbeitern des Franziskus Tierheims den Anruf Mitte März ´03 auch für einen Scherz, als eine Frau am Telefon

28

Shila

den Wunsch äußert, die beiden Hunde zwecks Adoption nach Skandinavien holen zu wollen. Man verabredet ein Treffen, denn die Anruferin, Kirsten Weissbrod, ist gebürtige Hamburgerin und besucht mit ihrem Partner zu Ostern die Stadt. Die erste Kontaktaufnahme zwischen Menschen und Hunden verläuft gut, die Vier sind begeistert voneinander. Problematischer sind da schon die Einfuhrbestimmungen, die Schweden verlangt. Tierarzt Jens Klemme kümmert sich um die organisatorischen Fragen der Einreise - und dann ist es soweit: Am 15. Juli steht das Paar vor dem Franziskus Tierheim und nimmt die freudig erregten Hunde in Empfang. Schon erstaunlich, schreibt Kirsten Weissbrod später an das Franziskusteam, wie vertrauensvoll und geduldig die Hunde die über 14 Stunden dauernde Autofahrt hinnehmen. Begeistert nutzt Raschko die unterwegs eingelegten Badepausen und entpuppt sich im Laufe der nächsten Wochen in seinem neuen Zuhause als großartiger Schwimmer.

Das Paar ist im Vertrieb von Nahrungsprodukten tätig und unterstützt die Gesundheit der Tiere, neben langen Spaziergängen und ausgewogenem Futter, mit Fischölkapseln und Proteinshakes. Das Fischöl kommt besonders dem strapazierten Fell und den steifen Gelenken des Bernhardiners zugute und zwar mit solch sichtbarem Erfolg, dass der Rüde im ersten Winter in Schweden aussieht wie ein gescheckter Eisbär und welpengleich durch den Schnee tobt. Die anhängliche Shila hat mit ihrem Frauchen inzwischen ihre Leidenschaft für Pilze entdeckt und sich mit ihrer feinen Nase den Rang einer Pfifferlingsexpertin erarbeitet. Raschkos Gelenkversteifungen wird durch gezielte Krankengymnastik begegnet, wobei die anschließenden Massagen der eigentliche Höhepunkt der Therapie für den sanften Riesen sind. So schnell sich die Hunde in ihrer schwedischen Heimat eingelebt haben, so glücklich sind auch Kirsten Weissbrod und ihr Mann über die Familienerweiterung. "Es vergeht kein Tag", schreibt die Wahlschwedin, "an dem wir nicht glücklich wären, die Hunde zu uns geholt zu haben." Text: Claudia Lotz, Fotos LV Hamburg

Die verwahrloste Hündin nach ihrer Entdeckung


FRANZISKUS TIERHEIM

Stellenangebot Engagierte Tierheimleitung gesucht! Wir suchen zum 1.Juni/ 1.Juli eine engagierte Tierheimleitung mit Herz und Verstand für unsere Tiere. Wenn Sie Q eine abgeschlossene Ausbildung als Tierpfleger und Berufserfahrung im Heimtierpflegebereich haben Q mit schwierigen Hunden keine Probleme haben Q führungsstark, durchsetzungs- und teamfähig sind Q organisieren und koordinieren können Q handwerklich geschickt sind Q in Stresssituation die Ruhe bewahren Q einen Führerschein Klasse 3 besitzen Q gute PC-Kenntnisse haben Q 40 Wochenstunden arbeiten möchten, dann freuen wir uns über Ihre schriftliche Bewerbung an: Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. Landesverband Hamburg, Lokstedter Grenzstraße 7, 22527 Hamburg

Seminar im Franziskus Tierheim Problematisches Verhalten des Hundes Es gibt eine neue, vielversprechende Form der Verhaltensberatung für Hundebesitzer. Anfang März können Interessierte an einem Ausbildungslehrgang zum Mensch-Hund-Beziehungsberater im Franziskus Tierheim teilnehmen. Das Seminar wird von Gerald Rubisch aus Mainz, Psychotherapist European Registered (ECP), Heilpraktiker, Lehr- und Psychotherapeut (ECP) geleitet und steht jedem offen. Unsere eigenen prägenden zwischenmenschlichen Erfahrungen machen uns zu dem, was wir sind. Diese Erfahrungen übertragen wir auch auf unseren Hund, ebenso unsere beziehungsorientierten Gefühle und Erwartungen. Ein unsicherer Besitzer ergibt einen beziehungsunsicheren Hund. Dieser Hund kann heikel im Umgang, sogar gefährlich sein. Wollen wir unseren Hund ändern, müssen wir zunächst an uns arbeiten. Der Vierbeiner soll sich in der Mensch-Hund-Beziehung sicher aufgehoben fühlen und dieses Gefühl können nur wir selbst ihm vermitteln.

Die Seminarteilnehmer beschäftigen sich u.a. mit relevanter Basispsychologie, Persönlichkeitsstrukturen von Mensch und Hund und der sozialen Struktur der Mensch-Hund-Beziehung. Der Kurs findet 12 mal statt und kostet pro Seminartag 130 Euro. Ausführliche Infos: Tatjana Hahn, Ilandkoppel 7, 22337 Hamburg Tel./Fax: 040 / 59 82 74 E-Mail: tatjana.hahn@freenet.de

Über 50 Jahre treues Mitglied !

Mitbegründerin des Landesverbandes Hamburg geehrt genommenen Vierbeiner untergebracht und versorgt werden. Angelica Blank machte ihr eine ganz persönliche Freude, als sie ihr die Originalkopien der ersten und zweiten Ausgabe unserer Mitgliedszeitschrift "Das Recht der Tiere" aus dem Jahr 1955 übergeben konnte. Möge Hilde Höffmann dem bmt noch in langen, gesunden Jahren verbunden bleiben.

Das Recht der Tiere 1/2004

Hilde Höffmann erinnert sich ganz genau: Es war im Sommer 1953, als sie sich mit ihrem Vater und mehreren Tierfreunden im Ratsweinkeller traf. Die eng mit dem Tierschutzgedanken verbundene Runde gründete an diesem Abend den Landesverband Hamburg. Damit gehört die noch immer aktive Musikpädagogin zu den wenigen Zeitzeugen, die heute noch Auskunft geben können über die Anfangsjahre des bmt und das Entstehen seiner Landesverbände in Hamburg und Bremen. Über all die Jahre, in denen die engagierte Hundebesitzerin den bmt und seine Arbeit unterstützte, besuchte die Hamburgerin jedoch nie das Tierheim. Sie fürchtete das Leid der ausgesetzten Tiere, ihre Verzweiflung und Einsamkeit. Anlässlich des seltenen Jubiläums hatte Angelica Blank, Leiterin des LV Hamburg, mit Tierheimleiter Dr. Jens Klemme eine kleine Feier für Frau Höffmann organisiert und sie anschließend zu einem kurzen Rundgang durch das Franziskus Tierheim überreden können. Und die rüstige Dame war überrascht und tief beeindruckt, als sie sah, wie gut die auf-

29


TH ARCHE NOAH

Vom sozial unsicheren Hund zum verträglichen Zeitgenossen Ein Bericht von Tierheimleiterin Verena Krüpe

“Rambos” lernen Sozialverhalten

"Knigge auf Hündisch" Montag ist immer ein ganz besonderer Tag im Tierheim. Da treffen sich die "Rambos" aus der Region, um unter der Anleitung von Verena Krüpe an ihrem Sozialverhalten zu arbeiten. Der Kurs ist beliebt, weil die "rüpelhaften Hunde" tatsächlich Fortschritte machen... Sozialverhalten gegenüber ihren Artgenossen haben manche Hunde gar nicht oder nicht hinreichend gelernt. Zum Beispiel weil sie zu früh aus ihrem Sozialverband (ihrem Rudel) genommen und verkauft wurden, um das Verhalten trainieren zu können (genauso wie Kinder Lesen und Schreiben erst lernen müssen). Oder weil ihre Menschen auf die Signale, die sie zur Kommunikation und/oder Beschwichti-

30

gung aussendeten, nicht entsprechend reagiert und ihnen damit gezeigt haben, dass gewisse Verhaltensweisen unerwünscht sind. Und damit sich das ändert, trifft sich regelmäßig im Tierheim Arche Noah eine kleine Gruppe sozial unsicherer Hunde mit ihren, teilweise schon verzweifelten Besitzern. Klein ist die Gruppe deshalb, weil die Hunde erst einmal lernen müssen, mit ein oder zwei Artgenossen stressfrei klar zu gekommen. Da ist zum Beispiel Max, ein überdimensional großer Schäferhund-Rüde, der beim Anblick eines Artgenossen wie eine Rakete los schießt und das Gegenüber in Angst und Schrecken versetzt. Dabei tut er letztlich nichts - er benimmt sich eben ‚nur' hündisch-unhöflich, erntet aber dadurch für sich und seinen Menschen eine Menge Schwierigkeiten. Polly, die bildhübsche Langhaar-Schäferhündin, kann andere Hündinnen nicht besonders gut leiden und provoziert entsprechend - was sich manche nicht gefallen lassen, und schon ist die Rauferei da. So laufen im freien Spiel, das einen Großteil des Trainings ausmacht, alle Hunde anfangs mit einem SoftBeißkorb. Der soll sie ein wenig in ihrem Temperament bremsen und natürlich auch verhindern, dass es zu Verletzungen kommt. Da

Fortschritt: Nebeneinander ohne Maulkorb !

macht dann eine beabsichtigte Rangelei, ein Anrempeln nichts aus. Bei dem Gehorsamstraining und den Hindernisübungen unter Kontrolle der Besitzer tragen die Hunde natürlich keine Beißkörbe. Dass es eine ganze Weile dauert, bis die Hunde gelernt haben, dass von den anderen auf dem Platz keine Gefahr ausgeht und sie sich auch nicht produzieren müssen, ist verständlich. Doch inzwischen sind wir soweit, dass einige der Hunde ruhig und recht eng neben einander laufen und abgelegt liegen bleiben können. Wer das noch nicht kann, der behält den Korb eben noch auf, provoziert so nicht und macht die Erfahrung, dass man als Hund mit hündisch adäquatem Verhalten gut überleben kann, stressfrei für sich selbst und seinen Besitzer. Dass dies bei unserer Gruppe inzwischen gut funktioniert, ließ sich auch am letzten Tag der Offenen Tür bewundern. Welche Arbeit und wie viel Zeit dahinter steckt, können Außenstehende nur erahnen. Uns werden die Fortschritte immer dann besonders augenscheinlich, wenn ein neuer, unsicherer Hund hinzukommt, der mit seinem Besitzer zusammen den Hunde-Knigge von der Pieke auf lernen muss. Aber es lohnt sich, und es macht allen Beteiligten Spaß.

Fotos: Verena Krüpe,


LV B A D E N W Ü R T T E M B E R G

PIRAT KLEINER GRIECHE AUF GROSSER TOUR Erinnern Sie an den Hund Pirat, den wir Ihnen im RdT 4/´03 vorstellten? Von griechischen Tierquälern in eine Zisterne geworfen, wurde der schwer verletzte Hund im letzten Augenblick gerettet und in Deutschland von Dr. Wagner notoperiert. Als die Geschäftsstelle Baden Württemberg den kleinen Patienten in Empfang nahm, war er ein Bild des Jammers: Das linke Auge hatte sich durch ständige Entzündungen zersetzt, ein Beinbruch war ungünstig verheilt und das gesamte Tier in denkbar schlechtem Ernährungszustand. Tierarzt Dr. Wagner musste das verletzte Auge entfer-

nen und behielt den Hund zur Beobachtung einige Tage in der Praxis. Danach kam Pirat in eine Pflegestelle nach Reutlingen. Der Hund, zu Beginn noch ängstlich und zurückhaltend, lernte schnell, dass er in der Pflegestelle nichts zu fürchten brauchte. Im Gegenteil: Die Familie gab ihm zurück, was die Geschehnisse ihm genommen hatten: Vertrauen zum Menschen, Geborgenheit und Sicherheit. Susi und Bobbo, die beiden Vierbeiner im Haus, akzeptierten den verträglichen Pirat sofort. Und endlich konnte der Hund zeigen, was in ihm steckte: Schnelle Auffassungsgabe, Lerneifer, Anhänglichkeit und ein sehr gutes Sozialverhalten.

Doch da tauchte ein neues Problem auf: Der kleine Grieche konnte nicht alleine bleiben; sobald die Tür von außen ins Schloss fiel, litt er trotz seiner Hundefreunde unter Verlassenheitsängsten - für eine künftige Vermittlung keine leichte Voraussetzung. Und wirklich ließen sich alle Interessenten abschrecken.

die auf ihrem Gelände um Athen leben. Für die vielen verletzten Tiere, die laufend zu ihr gebracht werden, ist diese Station die letzte Möglichkeit, nicht qualvoll zu Grunde zu gehen. So werden es immer mehr Hunde, die Tierschützer hier abgeben; Frau Rania kümmert sich liebevoll um jeden Hund. Doch alleine ist diese Aufgabe kaum noch zu bewältigen. Deswegen holt der Landesverband Baden-Württemberg einige der schlimmsten Notfälle nach Deutschland, um ihnen hier die Chance der Genesung und zügigen Vermittlung zu geben. Diese Hunde werden von Dr. Wagner medizinisch versorgt und finden meist nach sehr kurzer Zeit schon ein neues Zuhause.

Sollten Sie sich für einen von ihnen interessieren, nehmen Sie bitte Kontakt mit unserem Landesverband auf. Damit wir möglichst vielen Hunden helfen können, würden wir uns freuen, wenn Sie uns bei unserer Arbeit unterstützen würden.

Dabei lag die Lösung zum Greifen nahe: Dagmar Weist, Leiterin der Geschäftsstelle Issum, hatte vor Monaten ihre geliebte Schäferhündin verloren und spürte, dass langsam neben der Trauer auch wieder Platz sein könnte für einen neuen Hund... Text: Claudia Lotz

Der Hintergrund

Unmittelbar nach seiner Rettung aus der Zisterne wurde Pirat in die private Auffangstation von Frau Rania gebracht. Diese engagierte Griechin finanziert mit mehreren Jobs den Unterhalt, das Futter und die Tierarztkosten von im Schnitt 100 geretteten Hunden,

Spendenkonto unter Stichwort "Athen": Frankfurter Sparkasse Kto. 847275 BLZ 500 502 01

Das Recht der Tiere 1/2004

Frau Rania

LV Baden-Württemberg Tel: 07129/ 6 09 93

31


GESCHÄFTSSTELLE ISSUM

Wollen Sie eine Patensch

GNADENBROT Ein Zuhause für Pferde

Eddy Eddy ist ein stattlicher Wallach und kaum jemand, der ihn heute sieht, würde in ihm das Pferd wieder erkennen, dass vor Jahren völlig entkräftet auf einer Weide zusammengebrochen war. Ein Veterinär hatte schon früh die schlechte Haltung des Pferdes beanstandet und dem Besitzer vergeblich Auflagen gemacht. Immer wieder entzog sich der Pferdehalter der Kontrolle, in dem er das Tier auf eine andere Weide brachte und ohne ausreichendes Futter und Schutz vor Kälte und Regen sich selbst überließ. Doch der Amtsveterinär machte es sich zur persönlichen Aufgabe, das Pferd wiederzufinden und bat dann Geschäftsstellenleiterin Dagmar Weist, einen Platz für das unterernährte Kaltblut zu suchen. Bis heute hat Eddy seine erworbene Furcht vor Männern nicht verloren und gestattet nur weiblichen Tierärzten die notwendige Berührung. Ähnlich ist es

Minka &Shirkan

32

An diesem klaren Dezembermorgen sind alle Pferde, Ponys und Esel auf der Weide. Aus der Gruppe löst sich ein Kaltblut und kommt gemächlich auf uns zu. Die Ohren gespitzt, die Augen vertrauensvoll auf die Besucher gerichtet. Was ist nun mit der Möhre, scheint er zu fragen, und guckt auffordernd in die Kamera.

bei Bonny, für die es nichts Schöneres als den täglichen Weidegang inmitten ihrer Freunde gibt. Ebenfalls von ihren Besitzern über Monate auf der Weide "vergessen", durchbrach das Pferd auf der Suche nach Nahrung immer wieder die Umzäunung und wurde in angrenzenden Gärten aufgegriffen. Der herrliche Fuchs mit den vier weißen Fesseln hatte bis dahin so wenig Kontakt zu Menschen, dass er sich beim Einfangen wie ein wildes Pferd gebärdete. Es dauerte sehr lange, bis das Tier seine panikartige Scheu vor Menschen ablegte und sich nach Monaten geduldiger Zuwendung behutsam anfassen ließ. Während Bonny noch heute vor jedem raschelnden Blatt bis ans Ende der Weide flieht, bewegt sich Penelope langsam und bedächtig. Die herzkranke Stute wurde Jahre im Zirkus unbarmherzig gefordert, bis sie sich eines Tages zum Sterben niederlegte. Ein bmt-Mitglied, schon früh auf den Zustand der Braunen aufmerksam geworden, schaute glücklicherweise an dem Tag nach dem Pferd, als es schon auf der Seite lag und die Augen fast gebrochen waren. Penelope wurde tierärztlich versorgt und auf den Pferdegnadenhof gebracht. Eselin Mausi wurde ebenfalls lange Jahre im Zirkus gehalten und nach

Lotte & Flipper Zeugenaussagen häufig mit einer Schaufel auf den Kopf geschlagen. Als der betreffende Pfleger später gefragt wurde, warum er das Tier schlage, antwortete er: "Sie steht mir im Weg." Die zierliche, sanfte Eselin stand also einem Rohling im Weg und wäre wahrscheinlich inzwischen an den Verletzungen der Schaufelschläge verendet, wenn Dagmar Weist sie nicht aus ihrer erbärmlichen Haltung befreit hätte. Auch der Schecke Colorado gehörte im Zirkus offensichtlich nicht zu den Tieren, denen ordnungsgemäße Behandlung zustand. Der Wallach war in einer Ecke des Zeltes angebunden und konnte sich kaum noch auf den Beinen


GESCHÄFTSSTELLE ISSUM

aft übernehmen ?

HOF IN GELDERN "Warum schlagen Sie diesen kleinen Esel?" - "Er steht mir im Weg!"

Colorado & Micky Die Geschäftsstellenleiterin handelte: Colorado wurde auf dem Gnadenbrothof wieder aufgepäppelt und hat inzwischen dicke Freundschaft mit dem kleinen Pony Micky geschlossen. Auf den acht Weiden des Pferdegnadenhofes stehen Tiere, die das Schicksal zusammengeführt hat. Sie alle blicken auf Jahre der Entbehrung zurück, wurden misshandelt, geschlagen, haben den Menschen nicht als Freund kennen lernen dürfen. Ihnen wurden

Micky & Shorty

Wärme, Zuneigung und die elementarsten Bedürfnisse, von Futter über Kontakt und Bewegung bis zu einem schützenden Dach, vorenthalten. Als wäre die Vergangenheit ein böser Traum gewesen, können diese Pferde, Ponys und Esel noch einmal erleben, was es heißt, mit Respekt, mit Achtung behandelt zu werden. Mit Ruhe und viel Einfühlungsvermögen begegnen ihnen die Betreuer. Wer wie Whity lungenkrank ist, hat in seiner Box extra staubarme Späne, wer wie Archie und Arko schlechte Zähne hat, bekommt einen frisch angerührten Brei vorgesetzt. Und wer wie Flipper eine besondere Liebe zu einem Pferd entwickelt hat, darf selbstverständlich niemals ohne seinen Gefährten sein. Flipper ist fast 40 Jahre alt. Eine Seltenheit für ein Großpferd - und dieses biblische Alter ist auch deswegen großartig, weil seine früheren Jahre im Zirkus physisch und psychisch so außergewöhnlich belastend waren, dass Tierärzte ihm kaum noch Überlebenschancen gaben. Doch als der dunkle Wallach, 1995 aus dem Unternehmen freigekauft, in Geldern auf die Stute Lotte traf, entwickelte Flipper eine ungeahnte Lebenskraft. Und die Stute, die aus einem polizeilich gestoppten

Penelope

Schlachttiertransport nach Frankreich stammt und kurz nach der Befreiung ihr Fohlen verlor, erwiderte die innige Zuneigung des großen Pferdes. Mögen ihnen noch Jahre der Gemeinsamkeit beschieden sein. Helfen Sie mit, liebe Leser, zu erhalten, was der bmt sich zur Aufgabe gemacht hat: Tieren ein Leben in Würde zu ermöglichen und zu handeln, sobald ihnen Unrecht getan wird. Der Unterhalt der Pferde, Futter, tierärztliche Versorgung, Hufschmied etc., ist teuer. Eine Patenschaft, die Sie ab 10 Euro monatlich für eines unserer 42 Pferde übernehmen können, ist eine aktive und so wichtige Hilfe für diese und alle notleidenden Tiere in Zukunft. Bitte sorgen auch Sie dafür, dass Colorado und seine Freunde weiter ein Leben in Würde führen dürfen. Mehr Informationen zu den Pferden und Patenschaften bekommen Sie von Dagmar Weist, Tel: 02845 / 3 75 57 Spendenkonto: Sparkasse Moers Kto. 115 002 066 BLZ 354 500 00 Text und Fotos: Claudia Lotz

Mona

Das Recht der Tiere 1/2004

halten. "Der hält nicht mehr lange durch", sagte der Tierarzt, als er Dagmar Weist bei der Inspektion des Zirkusbetriebes begleitete.

33


BUND

GEGEN

MISSBRAUCH

DER

TIERE

mit 11 Geschäftsstellen und 7 Tierheimen

HAUPTGESCHÄFTSSTELLE Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München Tel. (089) 38 39 52-0, Fax (089) 38 39 52-23 Postbank München Kto. 1819 30-807 (BLZ 700 100 80)

VORSTAND 1. Bundesvorsitzende: Jutta Breitwieser, „Elisabethenhof“ 61203 Reichelsheim, Siedlerstraße 2 Tel. (06035) 96 11 11, Fax (06035) 96 11 18 2. Bundesvorsitzender: Dr. Jörg Styrie Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin Tel. (030) 43 65 58 64, Fax (030) 43 65 58 65 Bundesschatzmeister: Hans Hoffsümmer, Gierather Str. 51 51469 Bergisch Gladbach Tel. (02202) 59517, Fax (01805) 62 45 62-11415 Bundesschriftführerin: Karin Stumpf, Am Heiligenhäuschen 2, 50859 Köln, Tel. (0221) 950 51 55, Fax (0221) 950 51 57 LV Baden-Württemberg (www.tierschutz-bmt-bw.de) Leiter: Dr. Uwe Wagner Ohnastetter Straße 13, 72805 Lichtenstein Tel. (07129) 6 09 93, Fax (07129) 6 08 98 Kreissparkasse Reutlingen Kto. 75 7889 (BLZ 640 500 00) LV Bayern (www.bmt-bayern.de) Leiterin: Ewa Gara Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München Tel. (089) 38 39 52-0, Fax (089) 38 39 52-23 Postbank München Kto. 142 20-802 (BLZ 700 100 80) Sonderkonto Rumänien HypoVereinsbank Kto. 35 94 68 29 (BLZ 700 202 70)

Das Recht der Tiere 1/2004

LV Berlin (www.tierschutz-bmt-berlin.de) Leiter: Dr. Jörg Styrie Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin Tel. (030) 43 65 58 63, Fax (030) 43 65 58 65 Postbank Berlin Kto. 9603-107 (BLZ 100 100 10)

34

LV Niedersachsen 1. Geschäftsstelle u. Tierheim „Arche Noah“ Leiterin (Gst): Renate Domaschke; Leiterin (TH): Verena Krüpe Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum Tel. (0421) 89017, Fax 80 90 553 (www.tierheim-arche-noah.de) Sparkasse Bremen Kto. 1050 004 (BLZ 290 501 01) 2. Geschäftsstelle Vollenborn (Thüringen) Leiterin: Hannelore Thied, Hauptstraße 7a, 37355 Vollenborn Tel. (036076) 40 555, Fax (036076) 40 556 „Katzenhaus Luttertal“, (www.katzenhaus-luttertal.de) Luttertal 79, 37075 Göttingen Leiterin: Monica Bossmann, Tel. (0551) 2 28 32 Postbank Hannover Kto. 732 223 06 (BLZ 250 100 30) 3. Geschäftsstelle Norden Leiter: Dieter Kuhn und Ursula Sottmeier Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum Tel. (04933) 99 28 24, Fax (04933) 99 28 26 Tierheim Hage (www.tierheim-hage.de) Leiterin: Marion Kück, Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage Tel. (04938) 4 25, Fax (04938) 91 49 90 Raiffeisen-Volksbank Fresena e.G. Norden Kto. 6302020300 (BLZ 283 615 92)

LV Hamburg / Schl.-Holstein (www.franziskustierheim.de) Leiterin: Angelica Blank Tel. (040) 55 49 28-34, Fax -32 „Franziskus-T Tierheim“, Tel. (040) 55 49 28 37 Lokstedter Grenzstraße 7, 22527 Hamburg Haspa Kto. 1049220799 (BLZ 200 505 50) LV Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland 1. Geschäftsstelle u. Tierheim „Elisabethenhof“ (www.tierheim-elisabethenhof.de) Leiterin: Jutta Breitwieser “Elisabethenhof”, Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim Tel. (06035) 59 16, Fax (06035) 96 11 18 Frankfurter Sparkasse Kto. 5975 (BLZ 500 502 01) Hundeauffangstation Ikervar/Ungarn Petöfi u. 23, H-9756 Ikervar, Sonderkonto Ausland: Frankfurter Sparkasse Kto. 847 275 (BLZ 500 502 01) 2. Geschäftsstelle u. Tierheim „Wau-M Mau-IInsel“ Leiter (TH): Karsten Plücker (www.wau-mau-insel.de) Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel Tel. (0561) 86 15 680, Fax (0561) 86 15 681 Postbank Frankfurt Kto. 1717 55-608 (BLZ 500 100 60) LV NRW 1. Geschäftsstelle u. Tierheim Dellbrück (www.tierheim-dellbrueck.de) Leiterin (Gst): Sylvia Bringmann , Leiter (TH): Bernd Schinzel Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln Tel. (0221) 68 49 26, Fax (0221) 68 18 48 Postbank Köln Kto. 924 02-505 (BLZ 370 100 50) 2. Geschäftsstelle Issum (www.bmt-nrw.de) Leiterin: Dagmar Weist Drosselweg 15, 47661 Issum Tel. (02845) 3 75 57, Fax (02835) 44 46 99 Sparkasse Moers Kto. 115 002 066 (BLZ 354 500 00)

WEITERE ANSCHRIFTEN

VON

MITARBEITERN:

Renate Domaschke (Tierschutzlehrerin) Fam.domaschke@t-online.de Hassel 2, 21261 Welle Tel. (04188) 899 434, Fax (04188) 899 435 Claudia Lotz (Redakteurin) (lotzcl@nexgo.de) Hugo-Vogel-Str. 5b, 14109 Berlin, Tel. (030) 80 58 33 38, Fax (030) 80 58 33 39 Jochen Prinz (Wissenschaftlicher Mitarbeiter) (joprinz@debitel.net) Alte Straße 40a, 53123 Bonn Tel. (0228) 65 10 72, Fax (0228) 65 10 82 Dr. Jörg Styrie (Wissenschaftlicher Mitarbeiter) (JStyrie@aol.com) Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin Tel. (030) 43 65 58 64, Fax (030) 43 65 58 65

INTERNET:

http://www.bmt-tierschutz.de


HAPPY END

"Das Tier im Recht 99 Facetten der Mensch-Tier-Beziehung von A-Z" Von Dr. jur. Antoine F. Goetschel und Dr. jur. Gieri Bollliger, 2003 (orell füssli-Verlag; ISBN 3-280-07040-6) In 99 Kapitel auf 350 Seiten beleuchten die Autoren in alphabetischer Stichwortabfolge die neuen Bestimmungen und die interessantesten Fragen des Tierschutzes in der Schweiz und im nahen Ausland. Neben privatrechtlichen Bestimmungen werden dabei auch verfassungs-, verwaltungs- und strafrechtliche Aspekte und die Artikel des Schweizer Tierschutzrechts erläutert und ihre Alltagsrelevanz aufgezeigt. Ein Buch voller Anregungen und Wissenswertem über die rechtliche Erfassung der Mensch-Tier-Beziehung. Vergleiche mit Deutschland und Hinweise auf die europäische Rechtssituation machen dieses Buch auch für deutsche Leser zu einem wertvollen Nachschlagwerk.

GITANA AUS MADRID

Kimba

Kimba ist eine wundervolle Hündin, die leider nicht mehr lange zu leben hat. Die tödliche Diagnose lautet Knochenkrebs, doch noch ist Kimba ohne Schmerzen, voller Lebenslust und Begeisterung für Spiel und Spaziergang. Wir suchen auf diesem Weg inständig Menschen, die Kimba für die letzten Monate ihres Lebens aufnehmen wollen. Sie machen dieser anhänglichen Hündin, die sich schon einmal von ihren Besitzern trennen musste, die größte Freude, wenn Sie ihr für kurze Zeit schenken, was für andere Tiere so selbstverständlich ist: Wärme, Geborgenheit und die Liebe einer Bezugsperson. Kimba wird nur in einen Haushalt ohne andere Hunde und Katzen abgegeben! Tierheim Wau-Mau-Insel, Tel: 0561/ 86 15 292

Mir wurden das Schlüsselbein und das Jochbein mit einem schaufelartigen Gegenstand zertrümmert. Schwer verletzt wurde ich zu einem Tierarzt gebracht. Danach wurde ich von der spanischen Tierschutzorganisation ALBA aufgenommen und fand über die bmt-AG Pfalz und die Dobermann-Nothilfe meine neue Familie in Luxemburg. Am 15.08.2002 trat ich die lange Reise in mein künftiges Zuhause an. Nach Flug und Autofahrt, die ich, den Kopf im Schoss der kleiner Tochter, ganz gemütlich verschlief, waren wir endlich im Süden Luxemburgs angekommen - und dann lernte ich das vierbeinige Mitglied der Familie kennen: Ich will euch nicht verheimlichen, dass man mit dem Prachtexemplar von Rüden, einem Dobermann-Mischling wie ich selbst einer bin, herrlich toben kann. Doch nach einigen Monaten machte mir meine Vergangenheit wieder zu schaffen; ich biss mir öfter auf die Zunge, durchbohrte sie regelrecht mit den Reisszähnen und konnte sie nicht mehr befreien. Nach einer Not-OP brachte man mich in eine renommierte Klinik im belgischen Lüttich. Es wurde gefachsimpelt, ob mein Problem am Kiefergelenk überhaupt beseitigt werden könnte. Doch am 8. Mai wurde in einer fünfstündigen Operation mein Maul erfolgreich gerichtet. Nach einer längeren Genesungsphase taten sich neue Welten für mich auf: Hecheln, ohne gleich Schaum vor dem Mund zu haben, Leckerlies zu knabbern und auch das Fressen nicht mehr als Qual zu erleben - wie großartig. Und wenn ich nach vielen anstrengenden Dingen am Abend müde werde, kann ich nach Lust und Laune gähnen. Es wäre schön, wenn dieser Artikel einige Leser dazu ermutigen würde, sich aktiv um das Wohlergehen von uns Tieren zu kümmern. Ein schönes Zuhause für Tiere ist leider noch immer keine Selbstverständlichkeit.

Das Recht der Tiere 1/2004

DRINGENDER NOTFALL AUS DER WAU-MAU-INSEL KASSEL

Mein Name ist Gitana. Geboren wurde ich etwa Anfang Herbst ´01 bei Madrid. In meinen ersten Lebensmonaten musste ich erfahren, was es heißt, schlimm misshandelt zu werden.

35


„ D a s R e c h t d e r T i e r e “ – Po s t v e r t r i e b s s t ü c k B 1 3 7 6 9 – E n t g e l t b e z a h l t

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. Als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar

Hauptgeschäftsstelle: D-80803 München , Viktor-Scheffel-Str.15 Tel. (089) 38 39 52 0 Fax (089) 38 39 52 23

BESSERE LEBENSBEDINGUNGEN

FÜR

TIERE -

WIR KÖNNEN ES SCHAFFEN Viel haben wir mit Ihrer Hilfe in den letzten Jahren für die Tiere erreicht. Der Ausstieg aus der Käfighaltung ist beschlossen und wird Dank Frau Künast weiterhin Bestand haben. Der Tierschutz hat Verfassungsrang und der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung liegt der Tierschutz am Herzen. Dennoch bleibt noch viel zu tun. Unsere Zielsetzung für die nächsten zwei Jahre lautet: Q Reduzierung der Käfigeier pro Jahr um 10 % Q Verbot der Fallenjagd auf Landesund Bundesebene Q Förderung von Alternativmethoden zur Reduzierung von Tierversuchen Q Durchsetzung und Umsetzung der neuen Zirkusverordnung Q Tierschutz im Unterricht verstärken

BEITRITTSERKLÄRUNG

Hierbei bauen wir weiter auf Ihre Unterstützung. Helfen Sie uns, helfen Sie den Tieren. Sie haben es verdient.

Ich unterstütze den Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und Q werde Mitglied zum selbstbestimmten Jahresbeitrag von EUR

......................................................................

(Mindest-Jahresbeitrag: 20 EURO. Mitgliedschaft kann jederzeit satzungsgemäß beendet werden.) Nach Überweisung des Beitrages erhalten Sie Ihre Mitgliedsunterlagen.

Q spende hiermit EUR.................................................................................................................................................................... Name:............................................ Vorname:.......................................... Geburtsdatum:.............................................. PLZ und Ort:....................................................... Straße und Hausnr.:............................................................................ Telefon:.............................................................. E-Mail-Adresse:................................................................................... Beruf:................................................................. Datum:.............................. Unterschrift:.............................................

ÜBERREICHT

VON:

Bitte Coupon ausschneiden und frankiert an die Hauptgeschäftsstelle oder untenstehende Geschäftsstelle senden.


Das Recht der Tiere