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Health In All Policies: Gesundheitsziele gemeinsam entwickeln Professor Dr. Ilona Kickbusch Bundesgesundheitskonferenz Wien, 20. Mai 2011

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Der Kontext

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Die Machbarkeit von Gesundheit  

Die großen Gesundheitsrevolutionen: Die erste Gesundheitsrevolution: der große gesundheitspolitische Fortschritt des 19 Jahrhunderts ist die Sicherung der öffentlichen Gesundheit, SICHERUNG Die zweite Gesundheitsrevolution: die Absicherung des einzelnen bei Krankheit, Invalidität und Alter im Verlauf des 20 Jahrhunderts, VERSORGUNG Die dritte Gesundheitsrevolution: die des 21 Jahrhunderts ist die FÖRDERUNG der Gesundheit in den vielfältigen Lebenswelten des modernen Alltags. Kickbusch Wien HIAP 2011


Die dritte Gesundheitsrevolution 

die FÖRDERUNG der Gesundheit in den vielfältigen Lebens- und Konsumwelten des modernen Alltags.

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Zwei Szenarien mangelnder Nachhaltigkeit 

Szenario1: Überalterung der Gesellschaft – Verlust der systemischen und sozialen Erfolge der 1. und 2. Gesundheitsrevolution: Zusammenbruch der Systeme und Solidaritäten

Szenario 2: Verlust der epidemiologischen Erfolge der 1. und 2. Gesundheitsrevolution: Die heutige Generation der 610 jährigen könnte die erste sein, die eine geringere Lebenserwartung haben wird als ihre Eltern - wenn wir nicht eilends handeln und unsere Lebensweise und unseren Umgang mit Gesundheit und Krankheit grundlegend verändern (Olshansky, J. et al., 2005).

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For the first time ever, the United Nations General Assembly will hold a Non-communicable Disease (NCD) Summit involving Heads of State, in September 2011, to address the threat posed by NCDs to low- and middle-income countries (LMICs). Kickbusch Wien HIAP 2011


Wo/wie wird Gesundheit hergestellt ?

Gesundheit wird im Alltag hergestellt – dort wo Menschen leben, arbeiten, lieben und spielen Ottawa Charter 1986

Wo sie einkaufen, googeln, reisen…… Kickbusch Wien HIAP 2011


Gesellschaftliche Umbruchssituation 

viele der Lebens- und Arbeitsweisen, die sich herausgebildet haben, sind für die Gesundheit des einzelnen und für die der Gesellschaft häufig kontraproduktiv und machen krank

die neue Gesundheitsverantwortung muss breit in der Gesellschaft eingefordert werden, von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft – verbunden mit Wohlbefinden

das „Gesundheits“system, so wie es heute organisiert ist, ist den neuen Aufgaben, die sich aus der zweiten Moderne ergeben, nicht gewachsen und es braucht eine neue Organisationsform für Gesundheit

Eine neue ökonomische Dimension: Gesundheit ist ein Wachstumsmarkt von hoher Bedeutung. Kickbusch Wien HIAP 2011


Konsequenz: Expansion der Gesundheitspolitik 

In andere gesellschaftliche Bereiche – auch Regulierung

Koordination, Einbindung neuer Akteure

Gesundheitsziele Kickbusch Wien HIAP 2011 Internationale Konferenz Helsinki 2013


Die gesellschaftliche Problematik erfordert die Expansion der Gesundheitspolitik    

In andere gesellschaftliche Bereiche – besonders die Konsumwelt Ineinander wirken verschiedener Entscheidungsebenen – horizontal und vertikal Koordination, Einbindung und Regulierung (neuer) Akteure Neue Rolle der G-Ministerien (und Minister) Schwerpunkt der neuen WHO EURO Gesundheitspolitik 2020 Kickbusch Wien HIAP 2011


Welche Ziele?

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Gemeinsam handeln 

Gesundheit als gesellschaftliches Ziel: – der Beitrag anderer Sektoren und Handlungsträger zum Erreichen des Zieles

Gesundheit als Beitrag zu anderen gesellschaftlichen Zielen: – Chancengleichheit; ökonomische Entwicklung; Umwelt; soziale Herausforderungen – „ökologisch – sozial“

Interdependenz sozialer Zielsetzungen Gemeinsames handeln Kickbusch Wien HIAP 2011


Fair Society - Healthy Lives The Marmot Review 2010 Action on six policy objectives

Give every child the best start in life

Enable all children young people and adults to maximise their capabilities and have control over their lives Create fair employment and good work for all

Ensure healthy standard of living for all Create and develop healthy and sustainable places and communities

Gesundheitspolitik wird zur Gesellschaftspolitik

Strengthen the role and impact of ill health prevention

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Was für Ziele? 

Reduktion von Mortalität und Morbidität

Gesundheitsdeterminanten

Soziale Ungleichheiten

Verbesserung der Prozesse

Mehr Wissen, bessere Daten, bessere Strategien

Frankreich 2008

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Ziele: Gesundheit und Wohlbefinden       

Subjektiv Ungleichheit objektiv Systemische Risiken Lebenswelten Gesundheit und Umwelt Gesundheitskompetenz Lebensqualität mit chronischer Krankheit Neuorientierung des Gesundheitssystems

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Ziele: Ungleichheit - Determinanten 

The objective of public health policy is to create social conditions to ensure good health on equal terms for the entire population

11 Objectives (Schweden)

Participation and influence in society Economic and social prerequisites

Conditions during childhood and adolescence Health in working life

Environments and products

Health-promoting health services

Protection against communicable diseases Sexuality and reproductive health Physical activity Eating habits and food Tobacco, alcohol, illicit drugs, doping and gambling

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UK: The Health Inequalities National Target 

In 2007, the Department of Health agreed a new Departmental Strategic Objective and Public Service Agreement structure with HM Treasury as part of the 2007 Spending Review.

The Health Inequalities National Target is to:

Reduce health inequalities by 10% by 2010 as measured by infant mortality and life expectancy at birth.

Neue Rolle des Gesundheitsministeriums:

The review will be wide ranging and will require the Department of Health leadership across government to develop a joint approach to tackling health inequalities.

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Ziele: Systemische Risiken gemeinsam angehen 

Psychische Gesundheit

Adipositas

Alkohol

Armut Kickbusch Wien HIAP 2011


Ziele: Lebenswelten obesogenic environments“ Lebenswelten, die das Übergewicht fördern. „

Individuelles Verhalten

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Epidemiologie des 21. Jahrhunderts

Cholera: Broad Street Pump

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Epidemiologie des 21. Jahrhunderts

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CH Salzstrategie 2008 -2012 Verarbeitete Produkte wie Brot, Käse, Würste und andere Fleischprodukte, Suppen und Fertigmahlzeiten sind wichtige „versteckte" Quellen von Kochsalz

Deshalb wird in enger Zusammenarbeit mit der Lebensmittelindustrie und der Forschung abgeklärt wie in verarbeiteten Lebensmitteln und in der Gastronomie der Salzgehalt längerfristig und ohne Geschmackseinbussen gesenkt werden kann.

Bis 2012 soll der Salzkonsum um bis 16% (4% pro Jahr) auf 8g pro Tag und Person gesenkt werden. Längerfristig werden die empfohlenen maximalen 5g pro Tag angestrebt.

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Einbindung anderer Akteure  

EPODE : ein Präventionsansatz in 127 Französischen Städten Januar 2004 in 10 – heute 117 Initiiert von den Krankenversicherungen, Nestlé und la Fondation Internationale Carrefour

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ActNow BC: horizontale Partnerschaften $30 Millionen 

Einbindung aller Sektoren und aller politischen Ebenen – nicht staatliche Organisationen, Nachbarschaften, Schulen und der Privatsektor – über 70 Partner

Ein Partnerprogramm mit der Milchwirtschaft machte für Schulen 900 Kühlschränke verfügbar um frische Nahrungsmittel aufbewahren zu können

Das Verkehrministerium gibt den gemeinden finanzielle Unterstützung zur Einrichtung von Radwegen

Das Landwirtschaftsministerium unterstützt die Einführung von community gardens and kitchens in 12 First Nations Gemeinden. ADELAIDE ERKLÄRUNG 2010 Kickbusch Wien HIAP 2011


Europäische Initiativen 

Netzwerkprojekte:

Gesunde Schulen Städte Arbeitsplätze Krankenhäuser

Parma Konferenz 2010: Gesunde Kinder

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Ziele: Gesundheit und Umwelt 

es genügt nicht die gesundheitlichen Folgen unserer Essgewohnheiten zu betrachten. Wir müssen zunehmend die Umweltlasten der Ernährungsweise mit in Betracht ziehen. So ist der hohe Fleischkonsum in den westlichen Industrieländern extrem Umwelt belastend. Kickbusch Wien HIAP 2011


Der Nachhaltige Warenkorb 

DEU: Der neue Nachhaltige Warenkorb, den die imug Beratungsgesellschaft für sozial-ökologische Innovationen mbH im Auftrag des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) erarbeitet hat, setzt im Alltag an

Die beste Wahl ist immer das Produkt das die folgenden Charakteristika in sich vereint: organisch, regional und saisonal.

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EatECO -Essgewohnheiten nachhaltiger gestalten Ein englische Studie (SDC, 2009) zeigt drei Bereiche auf, bei denen man kurzfristig signifikante Erfolge erzielen könnte - bei diesen drei Bereichen ergänzen sich die Gesundheits, Umwelt, ökonomischen und sozialen Einflüsse ganz besonders. Alle drei beinhalten aber auch das Potential für signifikante Konflikte. .

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Gesunde und nachhaltige Entwicklung

Healthy3 Projekt GF Schweiz. White Paper Kickbusch Wien HIAP 2011


Rose Theorem des public health 

Eine kleine Veränderung in einer grossen Bevölkerungsgruppe zieht grosse Gesundheitsgewinne auf gesamtgesellschaftlicher Ebene nach sich.

EVIDENZ: EPIC-Norfolk Prospective Population Study (2008) Vier kombinierte „Alltags“ Gesundheitsverhalten führen zu einem durchschnittlichen Gesundheitsgewinn von 14 Jahren.

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Gesundheitsziele 

Verdeutlichen und vermittels das übergeordnete Ziel: die Gesundheit der Bevölkerung

unterstützen planmäßiges Handeln

Ermöglichen verbindliche Vereinbarungen der verantwortlichen – mitunter sehr unterschiedlichen Akteure

fördern Transparenz/ Partizipation

Schaffen eine gemeinsame Wahrnehmung und Lösung von Herausforderungen Kickbusch Wien HIAP 2011


Daten - Monitoring

NCHS (National Center for Health Statistics) is responsible for coordinating the effort to monitor the Nation's progress toward the targets -from

more than 190 different data sources,

more than seven Federal Government Departments (including Health and Human Services, Commerce, Education, Justice, Labor, Transportation, and the Environmental Protection Agency),

voluntary and private non-governmental organizations. Kickbusch Wien HIAP 2011


Transparenz 

Rechenschaftspflicht der Ministerien

Neue Form der gemeinsamen – all of government Gesundheitsberichte

Parlament

Öffentlichkeit

NZ:The Ministry has published the health targets quarter one results in four of the major metropolitan newspapers in November 2009 (NZ Herald, Dominion Post, Christchurch Press, and Otago Daily Times). Kickbusch Wien HIAP 2011


Target fact sheets – Rechenschaft - accountability 

The 98 targets in South Australia's Strategic Plan are framed using the SMART criteria.This means that they are Specific, Measurable, Achievable, Realistic and Time-bound.

Target fact sheets show the latest measurement of progress (updated every 6 months). Kickbusch Wien HIAP 2011


Gemeinsam entwickeln: Süd Australien – health lens

Health Lens Analysis

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Ziele: Einbinden der BevÜlkerung – auch durch Technologie m-health The numbers of consumer smartphone apps downloaded over the past two years went up from 300 million apps downloaded in 2009 to five billion in 2010!*

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Gemeinsam: Bürgerkompetenz für Gesundheit 

Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit, im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken zu Hause, am Arbeitsplatz, im Gesundheitssystem, im Markt, in der Politik und in der Gesellschaft ganz allgemein.

(Kickbusch, Maag, Saan 2005) Kickbusch Wien HIAP 2011


“The most political act we do on a daily basis is choosing what to eat”

Professor Jules Pretty, University of Essex, UK

“LESBARE” SYSTEME

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Gemeinsam: NUDGE - Strategie 

„Die Entscheidung für die Gesundheit zu erleichtern“. Dies geschieht durch Maßnahmen, die die Konsum- und Lebensumwelt einerseits gesundheitsförderlicher gestalten (z.B. Regulierung, gesunde Produkte, Einrichtung von Fahrradwegen, Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, gesunde Schulspeisung), sowie durch Maßnahmen, die die Gesundheitsressourcen und kompetenzen der Menschen stärken. Kickbusch Wien HIAP 2011


Partizipation - Wahlfreiheit 

Konsument

Bürger

Individuum das auf dem Markt aus einem Menu von Optionen wählt – Freiheit = Marktzugang 24/7

Ohne wirklichen Einfluss auf die Optionen

Erwachsener der öffentlich eine Wahl trifft und auch die Möglichkeit besitzt auf das Umfeld kollektiv Einfluss zu nehmen Politisch für Gesundheit handeln

Barber 2007 Kickbusch Wien HIAP 2011


Gesundheitspolitik im 21JH. Sozial - ökologische Zielsetzungen

Neue strategische Partnerschaften

Systemische Politiksteuerung Bürger

Partizipation

SOZIALE DETERMINANTEN

EQUITY

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NACHHALTIGKEIT


Wer ist der Gesundheitsminister?

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Health in All Policies-Gesundheitsziele gemeinsam entwickeln  

Health in All Policies-Gesundheitsziele gemeinsam entwickeln, Präsentation von Prof.(in) Dr.(in) Ilona Kickbusch

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