traumhaus 05 2020

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LICHT

«LICHT WIRKT AUF UNSEREN VERSTAND, GEIST UND KÖRPER» Haben Sie sich schon Gedanken über die Beleuchtung im Haus gemacht ? Wenn nicht, dann wird es höchste Zeit. Experte Sven Martin erklärt im Interview, warum ein Lichtkonzept sinnvoll ist und welche Fehler Sie vermeiden sollten. INTERVIEW DONIKA GJELOSHI   FOTOS TIC BELEUCHTUNGEN AG

Sven Martin, ist das Lichtkonzept ein Bestandteil der Arbeit des Architekten, oder muss die Bauherrschaft diesbezüglich Wünsche äussern? Das ist vom Architekten sowie vom Bauprojekt abhängig. Allgemein ist die Beleuchtung ein Thema, das den Architekten beschäftigt. Doch wenn man als Bauherr für das Eigenheim mehr als den normalen ­Standard ­erwartet, sollte man das frühzeitig ansprechen. Licht brauchen wir, um uns nachts orientieren zu können. Inwiefern trägt Licht auch zu unserem Wohlbefinden bei ? Licht wirkt auf unseren Verstand, unseren Geist und unseren Körper. Überall, wo wir hinkommen, ist Licht, deshalb wird es als selbstverständlich angesehen und oft in der Wirkung unterschätzt. Das ist sehr schade, denn Licht zählt definitiv zu den grössten Erfahrungen für unsere Sinne. Und diese haben bekanntlich einen sehr grossen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Was sollte bei einer Lichtplanung berücksichtigt werden? Bei der Planung sollte man drei Einsatzbereiche unterscheiden: die Grundbeleuchtung, die Zonenbeleuchtung sowie die ­dekorative Beleuchtung. Bei der Grundbeleuchtung geht es um die homogene Ausleuchtung des Raums. Diese erfolgt meist durch Deckeneinbauleuchten oder Schienensysteme. Bei der Zonenbeleuchtung sollte man sich über die Teile des Raums Gedanken machen, die in einzelnen Momenten genutzt werden, beispielsweise das Licht zum Essen, zum Lesen oder zum Arbeiten. Schliesslich noch das dekorative Licht, das zum Beispiel mit LED-Bändern erzielt werden kann. Dabei geht es primär darum, einzelne Bereiche oder Objekte in Szene zu setzen. In welcher Form wird direktes und indirektes Licht eingesetzt? 66

Bei der Grundbeleuchtung wird praktisch immer mit direktem Licht gearbeitet. Dieses dient in erster Linie der Helligkeit. Der angestrahlte Bereich soll beleuchtet und somit erhellt werden. Die indirekte Beleuchtung ist zurückhaltend und dient der Hintergrund­ beleuchtung oder als Stimmungslicht. Welche Lichtfarbe eignet sich für welche Zone? In unseren Breitengraden setzen wir eher auf warmes Licht. Wir wollen entspannen und eine gemütliche Zeit in unseren eigenen vier Wänden verbringen. Warmes Stimmungslicht passt da sicherlich besser. Würde man aber Personen in südlichen Ländern befragen, in denen es lange, heisse Tage gibt, lautete die Antwort vermutlich anders. Dort geht es darum, mit kaltem Licht die Wahrnehmung zu beeinflussen und so die Hitze, zumindest über die Psyche, zu reduzieren. Achten Sie beim nächsten Urlaub in Italien oder Spanien einmal auf das Licht. Aber auch bei uns muss in manchen Bereichen auf verschiedene Lichtfarben zurückgegriffen werden. Ein Beispiel dafür ist das Badezimmer. Wenn man am Morgen motiviert in den Tag starten möchte – Zähneputzen, Duschen und Schminken –, benötigt man helles Licht, vorzugsweise Licht, das dem Tageslicht ähnelt. Möchte man aber einen anstrengenden Tag mit einem gemütlichen Schaumbad ausklingen lassen, klappt das mit warmem Licht besser. Somit benötigt man im Badezimmer also verschiedene Lichtquellen mit unterschiedlichen Lichtfarben. Welchen Einfluss haben die Materialien von Wänden, Böden und Fenstern auf das Lichtkonzept? Diese Frage muss man sich zusätzlich auch umgekehrt stellen. Welchen Einfluss hat das Licht auf Wände, Böden, Möbel und andere Einrichtungs­gegenstände? Es ist wichtig, beide Seiten zu betrachten. Wenn wir beispielsweise mit dunklen Farben arbei-

ten, hat das einen starken Einfluss auf die Lichtreflexion und somit auch auf die Wahrnehmung der Lichtmenge. Wenn wir ein Bild mit zu warmer Lichtfarbe beleuchten, werden die Farben verfälscht. Ein wenig Vorausplanung muss also sein. Konzentrieren Sie sich dabei auf ein paar grundlegende Punkte. Sehen Sie sich zuerst die Grösse und die Proportionen des Raums an, den es zu beleuchten gilt. Überlegen Sie, wie der Raum genutzt werden soll und welche Stimmung geschaffen werden soll. Dann machen Sie sich Gedanken über die Einrichtung und in welchen Farben und in welcher Stilrichtung diese gehalten werden soll. Nach diesen Überlegungen kommen die Details an die Reihe, auf die Raum für Raum eingegangen wird. Das können beispielsweise architektonische Elemente sein oder ­Dekorstücke, wie zum Beispiel eine Skulptur oder ein Bild. Es ist also ausgesprochen entscheidend, mit welchen Mate­ rialien in einem Raum gearbeitet wird, denn das wirkt sich sehr stark auf das Konzept der Beleuchtung aus. Wo geht Licht oft vergessen, obwohl es einen besonders guten Effekt hätte? Viele Bauherren haben Mühe damit, sich bereits in der Planung des Bauvorhabens mit der Inneneinrichtung zu beschäftigen. Oft werden Möbel oder andere Gegenstände erst nach Abschluss des Baus definiert und platziert. Dadurch wird beispielsweise die optimale Beleuchtung eines Objekts im Wohnzimmer oft erschwert oder sogar verunmöglicht. Das ist besonders bei Dekorstücken sehr schade. Aber auch vereinzelte Lichteffekt durch Wandleuchten können eine wunderbare Stimmung hervorbringen. Oft werden jedoch die dafür notwendigen Wandanschlüsse schlicht nicht berücksichtigt. So gibt es immer wieder Bereiche, in denen Licht einen besonders guten Effekt hätte. Wann ist also der richtige Zeitpunkt für die Planung des Lichtkonzepts?