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G R O S S E BÜ H N E

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GR HE ME NS O S CHW S E E R PU NK BÜ T HN

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Die Titelseiten von PHOENIX werden jeweils mehrstufig geprägt. Als Vorlage dazu dienen abstrahierte Pläne von Projekten, die in der Zeitschrift vorgestellt werden. Das Cover der aktuellen Ausgabe zeigt einen Situationsplan des Royal National Theatre in London.


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PHOENIX

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Tany a H asler

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Redaktion PHŒNIX


PHOENIX

Matteo Piazza

I N H ALT

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S H AK ES PEAR E- T H EAT ER D AN Z IG

Einen Theaterbau zu realisieren, der William Shakespeares Werk und Wirkung gerecht wird – und dies erst noch in einem Land wie Polen mit seiner leid- und wechselvollen Geschichte – braucht Mut. Der italienische Architekt Renato Rizzi hat genau das mit seinem Entwurf des Shakespeare-Theaters in Danzig unter Beweis gestellt und übergibt den «Souffleuren», die ihn bei der Arbeit geleitet haben, in einem aussergewöhnlichen Essay das Wort.

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I N H ALT

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FU N D U S

08 · Baumeister vs. Baumeister — 10 · Bäume im Untergrund — 11· Unterirdische Klänge — 13 · Baukunst und Nationalsozialismus — 16 · Die Baustelle — 17 · Projekt Bauhaus — 18 · Die Karte — 20 · Das Haus mit dem Baum — 22 · Alpines Kulturhaus — u. v. m.

FO R U M 24 Theater in einer Kirche — ·

28 · Die

erste Geschichte des Theaterbaus — 32 · Die Umcodierung industrieller Produktionsflächen — 34 · Das Verhältnis zwischen Architektur und Bühnenbild — 40 · Causa: Eingeschränkte Sorgfaltspflicht

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U N IK AT E 44 · Shakespeare-Theater Danzig — 54 · Stadttheater Bern — 60 · National Theatre London

V AD EMEK U M

68 · Jazz-Campus Basel —

72 · Vom Block zur Küche 76 · Integrale Planung mit BIM 78 · Achtung Asbest

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K O MPEN D IU M 80 · Bestuhlung des Theaters Basel (Girsberger Holding AG) — 84 · Neue Fenster für David Chipperfield Architects (Alu-System 86 · Dachsanierung Haus zum Rechberg, Zürich (Scherer Metec AG) — 88 · Modulare Bodenbeläge (Interface Schweiz GmbH)

K AT AL O G Neue Produkte aus der Welt des Umbauens —

Neue Produkte für architektonische Lösungen —

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Weitere nützliche Neuheiten

AG) —

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Kengo Kuma and Associates

Ingo Arndt

Baumeister v s. Baumeister # 04

So unterschiedlich die beiden hier gezeigten Objekte auch sind, ist das Ziel bei beiden das Gleiche: Dritte sollen zuerst angelockt und anschliessend über den Tisch gezogen werden.

AMB L Y O R N I S I N O R N ATA V S . K EN GO K UMA AN D AS S O C I ATES Der Hüttengärtner sieht nicht gut aus und kann auch nicht singen. Deshalb muss sich der in den Tropen lebende Amblyornis Inornata richtig ins Zeug legen, wenn er ein adrettes Vogelweibchen an seine Seite bringen will. Was tun? Nun, er errichtet seiner Angebeteten mitten im Dschungel die schönste Balz-Arena der Welt – und tut gut daran. Denn die Weibchen seiner Gattung sind echt die pingeligsten Geschöpfe, die Gott erschaffen hat: Sie prüfen gewissenhaft jedes Detail der Dekoration. Ausserdem zupfen sie extra Zweiglein aus dem Gebälk, um zu schauen, ob die Kon-

struktion dem späteren Liebestaumel auch standhalten kann. – Da hatte es Kengo Kuma einfacher. Seine japanischen Landsleute sind so wohlerzogen, dass sie die Hölzer im Innern seines Starbuck's Coffee in Kyushu nur mit den Augen prüfen und sich für ein Schäferstündchen ein anderes Örtchen suchen. Das müssen die Weibchen der Hüttengärtner nach erfolgtem Akt übrigens auch: Das Männchen baut ihnen dann nämlich ein einfaches Nest, wo sie ihre Jungen alleine aufziehen müssen. Wozu das Männchen anschliessend seine Arena braucht, bleibt sein Geheimnis. (phb)

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Architektier

Ingo Arndt: «Architektier – Baumeister der Natur», mit Texten von Prof. Dr. Jürgen Tautz, 160 Seiten, gebunden, mit 120 farbigen Abbildungen, KnesebeckVerlag, München 2013. ISBN 978-3-86873-568-0 EUR 49,95 www.knesebeck-verlag.de


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Aussteller werden ihre Produkte an der kommenden «Swissbau» zeigen; vom 12. bis 16. Januar 2016 an der Messe Basel. www.swissbau.ch

Die ganze Welt ist Bühne, und alle Fraun und Männer blosse Spieler. W IL L IAM S H AK ES PEAR E (15 6 4 – 16 16 ) Englischer Dichter und Dramatiker. Q uelle: « Wie es Euch gefällt» , 1 5 9 9

Auf der Bühne spielt einer den Fürsten, ein anderer den Rat, ein Dritter den Diener, oder den Soldaten, oder den General usf. Aber diese Unterschiede sind bloss im Äusseren vorhanden, im Innern, als Kern einer solchen Erscheinung, steckt bei allen dasselbe: ein armer Komödiant, mit seiner Plage und Not. AR T H U R S C H O PEN H AU ER (17 8 8 – 18 6 0) Deutscher Philosoph

Wenn die ganze Welt eine Bühne ist, wo sitzen dann die Zuschauer? AR T H U R S C H O PEN H AU ER (17 8 8 – 18 6 0)

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N EW S «Nachhaltig denken in Architektur und Kunst» heisst ein soeben erschienenes Buch, welches das Schaffen von Bob Gysin + Partner dokumentiert; erschienen im Hatje-CantzVerlag unter der Herausgeberschaft von Gerhard Mack. ISBN 978-3-7757-4009-8

Für den diesjährigen EgonEiermann-Preis wurde ein Entwurf für ein ArchitekturInstitut gesucht; ein Traumthema, selbst wenn es sich um eine fiktive Bauaufgabe handelt. www.egon-eiermann.de

Das denkmalgeschützte Gebäude der Zürcher Sihlpost ist nach zweijähriger Umbauzeit wieder offen; im Innern komplett neu ausgebaut. In Los Angeles entsteht das grösste Filmmuseum der Welt. Das « Raumschiff» von Renzo Piano sieht auf den Skizzen aus wie eine gläserne Kugel. Die Kritik bezeichnet den Entwurf als « riesigen Albino-PacMan, der einen roten Teppich verschlingt» .


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BÄ U ME IM U N T ER G R U N D N ach der H ig h L ine die L ow line. Jung e Architek ten und U nternehmer w ollen mit der N utzung innov ativ er S olartechnolog ien einen historischen T rolley T erminal in L ow er East S ide in einen beg rü nten U nterg rundpark v erw andeln. D ie Machbark eit ist g arantiert. N un soll ein C row df unding die Finanzierung ermö g lichen. 4000 m² nimmt der Williamsburg Bridge Trolley Terminal in Lower East Side südlich der DelanceyStrasse ein. Eine Infrastruktur im Untergrund, die allerdings seit 1948 mit der Stilllegung des Trolleybus-Netzes nicht mehr benutzt wurde. Dabei bietet die

unterirdische Architektur mit ihrem Kopfsteinpflaster, den ebenerdigen Schienen und den gewölbten Decken einen perfekten Rahmen für eine neue Nutzung. Mit dem Projekt «The Lowline» soll nun dieser Ort wieder aufleben; und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der Lowline-Park soll begrünt sein und seinen oberirdischen Pendants in nichts nachstehen. Möglich macht dies eine innovative Solartechnologie, die das Sonnenlicht auffängt und über Parabolspiegel nach unten lenkt. Dabei werden die Sonnenstrahlen in der für die Fotosynthese

notwendigen Wellenlänge in den Untergrund gelenkt und ermöglichen ein Pflanzenwachstum. Bereits im September 2012 wurde ein 1 : 1-Prototyp der Technologie, die von James Ramsey von Raad-Studio entwickelt wurde, dem Publikum gezeigt. Verschiedene Fachplaner bestätigten den Visionären von «The Lowline» die Machbarkeit des Projekts. Was die Initianten antreibt, ist allerdings nicht nur die technologische Herausforderung, sondern auch der Wille, den Bewohnern und Besuchern von Manhattan einen weiteren begrünten Freiraum zur Verfügung zu stellen. Während des Realisierungsprozesses sind deshalb auch partizipative Events geplant, in denen die Bewohner ihre Vorstellungen eines unterirdischen Parks einbringen können. «The Lowline» soll zu einem dynamischen Kulturort werden, unter anderem auch mit Aktivitäten für Jugendliche. Und nicht zuletzt soll es ein Vorzeigebeispiel dafür sein, wie innovative Technologien im Rahmen der Verdichtung der Städte im 21. Jahrhundert sinnvoll eingesetzt werden können. (chh)

Bild oben: Parabolspiegel werden beim Lowline-Park das Sonnenlicht in den Untergrund leiten. Bild rechts: Der seit 1948 stillgelegte TrolleyTerminal fristete lange ein tristes Dasein.

www.thelowline.org

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U N T ER IR D IS C H E K L Ä N G E Eine raf f inierte Bew eisf ü hrung haben die Mü nchner Architek ten S chmidt- S chick etanz und Partner f ü r die Machbark eit eines unterirdischen K onzertsaals auf dem K ö nig splatz g ew ählt. D er Freistaat Bay ern hat nun allerding s einen anderen S tandort empf ohlen bek ommen. Die Hauptstadt des Freistaates Bayern diskutiert seit Jahren mögliche Standorte für den neuen «Konzertsaal München». Insgesamt 15 Standorte wurden in der von Kunstminister Wolfgang Heubisch eingesetzten Arbeitsgruppe auf ihre Eignung untersucht. Dazu gehörten Standorte auf dem Museumsareal neben der Pinakothek der Moderne, ein Gelände im Finanzgarten hinter dem Landwirtschaftsministerium, der Apothekenhof der Residenz oder die

Alte Akademie. Im Oktober hat die Staatsregierung vom Stadtplanungsbüro Speer & Partner Frankfurt fünf mögliche Standorte begutachten lassen. Der Entscheid fiel zugunsten des sogenannten Werksviertels an Münchens Ostbahnhof. Gemäss der «Süddeutschen Zeitung» war während der 15-jährigen Debatte kaum ein Monat vergangen, in dem nicht neue Standortvorschläge, aber auch Architektur-Konzepte an den Tag gelegt worden sind. Sie reichten von der Idee einer gläsernen Isar-Philharmonie auf einer Kiesbank der Museumsinsel (Roland Dieterle/Spacial Solutions) bis zur Umnutzung der Rampen zum Altstadttunnel am Oskar-von-Miller-Ring, versehen mit einem Deckel. Und offensichtlich schien

gerade diese Hochphase der konkreten StandortEvalution die Ideen weiter vorangetrieben zu haben. Einen gänzlich ungewöhnlichen und auch spektakulären Vorschlag zauberte der Münchner Architekt Christoph Nagel-Hirschauer aus der Tasche: einen unterirdischen Konzertsaal unter dem Königsplatz, in einem «kulturellen Kraftfeld» zwischen den Propyläen, der Glyptothek und der Antikensammlung gegenüber der Musikhochschule. Was auf den ersten Blick provokativfuturistisch erscheint, lässt einen genauer hinschauen, wenn man weiss, wer Christoph Nagel-Hirschauer ist. Als Geschäftsführer des grossen Architektur-Büros Schmidt-Schicketanz und Partner GmbH ist er nicht nur mit der Sanierung des Deutschen Museums beauftragt, sondern auch ausgewiesener Spezialist beim Bauen in die Tiefe.

Fotos: Konzertsaal Paris: Seier+ Seier

Gerade in Städten mit immer weniger freien Grundstücken könne unterirdisches Bauen, da heute technisch realisierbar, viele Probleme lösen, ist Christoph Nagel-Hirschauer überzeugt. Aber nicht nur

Zu einem «kulturellen Kraftfeld» hätte der Münchner Königsplatz werden können mit dem Vorschlag eines unterirdischen Konzertsaals. Montage: Seier + Seier

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die Idee des Architekten ist stupend, auch die architektonische «Beweisführung», dass ein grosser Konzertsaal, ob terrassenförmig («Weinberg») oder als Schachtel mit einer stattlichen Besucherzahl absolut machbar wäre. Als Argumentarium wurden in den Königsplatz, der eine Ausdehnung von ein bis zwei Fussballfeldern hat, drei massstabgebende Referenzen eingefügt: die Berliner Philharmonie v on Hans Scharoun, die Hamburger Philharmonie von Herzog & De Meuron sowie die Pariser Philharmonie von Jean Nouvel. Mit ihrer Massstäblichkeit als Referenz würde so immer noch genügend Platz unter und zwischen den Museumsbauten bleiben, um die weiteren unterirdischen Nebenräume (etwa 3000 m2), die Zugänge und eine Tiefgarage zu bauen. Zudem wäre auch eine direkte unterirdische Anbindung an die U2 machbar. Mit einer Unterbrechung einer Achse Brienner Strasse könnte der Königsplatz zu einem verkehrsfreien Kulturforum werden, so das ArchitekturBüro Schmidt-Schicketanz und Partner. (chh) www.architektenssp.de


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In 35 Jahren werden wir bis zu 70 Prozent mehr Nahrung brauchen, rechnet die UN. Das Architektur-Büro «Forward Thinking Architecture» in Barcelona schlägt zur Lösung dieses Problems sogenannte «Smart Floating Farms» vor; Plantagen auf Wasser, dreistöckig (200 × 350 m). So könnte die Zukunft der Landwirtschaft aussehen – selbstverständlich mit Strom aus Solarkraft.

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«¡Viva el Diseño!» Das Red Dot Design Museum Essen zeigt bis 10. Januar 2016 spanisches Design.

N O R D IS C H ES JU BIL Ä U M V or 8 0 Jahren f asste das f innische Architek ten- und D esig ner- Paar Alv ar und Aino Aalto mit w eiteren Partnern den Entschluss, in die Mö belproduk tion einzusteig en. Mit der G rü ndung v on Artek beg ann 19 35 eines der ung ew ö hnlichsten und ambitioniertesten Proj ek te der Mö belg eschichte. Der Gründungsakt stand ganz im Zeichen der jungen Bewegung der internationalen Moderne. Die Firmen­ gründer verfolgten das Ziel, in einen Dialog mit der internationalen Avant­ garde zu treten und den kulturellen Austausch zu intensivieren. Die Mission, die Artek dabei zu erfüllen hatte, war eine Doppelte: Während das Unternehmen in seiner Heimat Finnland als Botschafter und Propagandist von Design und Kunst wirkte, bestand die Aufgabe im Ausland darin, die im Werk der Aaltos verkörperte nordische Variante der Moderne bekannt zu machen und den Möbelexport anzu­ kurbeln.

Design­Geschichte – nicht zuletzt aufgrund seines fast schon arche­ typischen Charakters. Ganz im Geist der Moderne konzipierten die Aaltos diesen Hocker nicht etwa als extravagantes Einzelstück, sondern als funktionale Standard­Lösung für eine serielle Produktion. Mehr als acht Millionen Mal konnte Artek den Hocker in den letzten 80 Jahren verkaufen, und bis heute hat er nichts von seiner Ausstrahlung eingebüsst. Dies zeigt sich einerseits daran, dass er sich im Occasionshandel (zum Beispiel in Helsinki in einem Concept­Store namens «2nd Cycle and Vintage») sehr gut verkauft. Und andererseits, dass er von IKEA dreist kopiert wird (Modell «Frosta»). (phb)

Das finnische Architekten- und Designer-Paar Aino und Alvar Aalto auf einer Fotografie des Schweizer Fotografen Herbert Matter aus den 1940er-Jahren.

www.artek.fi www.2ndcycle.artek.fi

Bereits Anfang der 1930er-Jahre hatte Alvar Aalto damit begonnen, das traditionelle Möbelmaterial Holz für eine Gestaltung im Sinn der Moderne zu nutzen. Insbesondere sein 1933 kreierter Hocker «Stool 60» mit den L­förmig gebogenen Beinen wurde zu einer Ikone der

Die internationale Vereinigung für Sport- und Freizeiteinrichtungen (IAKS) hat im Oktober einen «All Time Award» an das OlympiaStadion Berlin verliehen. Gemeinsam geehrt wurden die Olympia-Stadion Berlin GmbH als Betreiberin und die Planer des umfassenden Umbaus (2000 – 2004), gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Berlin.

Bild oben: Ein Originaldokument des «Jakkara Taburett 60» aus dem Jahr 1945, gehoben aus den Tiefen des Artek-Archivs. Bild links: Der Hocker auf einer archivierten Werbeaufnahme wohl aus den 1960er-Jahren …

Vom 20. bis zum 29. Mai 2016 öffnen an zwei Wochenenden SIA-Fachleute ihre Bauwerke für die breite Öffentlichkeit und stehen Rede und Antwort. Bauwerke, die ins Besichtigungsprogamm aufgenommen werden sollen, sind bis 8. Januar 2016 über die Website anzumelden:

Bild rechts: … und auf einer aktuellen Fotografie, die im Hinblick auf den Vintage-Verkauf im «2nd Cycle and VintageStore» von Artek entstanden ist.

www.sia-tage.ch

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Foto: Landesarchiv Berlin, N achlass Wolters

Bild links: Grosse Modelle waren zentraler Bestandteil der Ausstellung. Bild oben rechts: Bruno Tauts Vision einer alpinen Architektur (1919). Bilder rechts: Architektur der Macht auch am Mittagstisch. Albert Speer wird neben Hitler platziert.

EIN V ER MEIN T L IC H ER N EU AN FAN G D as neue Buch « Bauk unst und N ationalsozialismus. D emonstration v on Macht in Europa, 19 40 – 19 43» thematisiert ein bis heute erstaunlich w enig beachtetes K apitel deutscher Architek turG eschichte. Während Deutschland Krieg führte, wurde die Ausstel­ lung «Neue deutsche Baukunst» zwischen 1940 und 1943 mitten in den grössten Kriegswirren in fünfzehn europäischen Grossstädten mit grossem Erfolg gezeigt. Die aufwen­ dige Schau demonstrierte einen selbstbewussten Machtanspruch: Das nationalsozialistische Deutschland reklamierte damit im Rahmen einer internationalen Kultur­Kam­ pagne seine Führung in Europa. Es unterstrich, erst der Nationalsozialismus habe einen Neuanfang in Archi­ tektur und Stadtplanung

nach. Sie beschreiben die Akteure und geben dem Thema selbst Raum: Was verstand man unter neuer deutscher Baukunst? Auf welche Vorbilder berief man sich, was waren die Ziele? Inwieweit waren Texte und das gesprochene Wort mit den architektonischen Entwürfen vereinbar? Ein Überblick über unterschied­ liche Positionen zu einer besseren Architektur und Stadt seit 1913 zeigt zudem, dass die Ideen zu einer neuen Architektur und Baukunst in Verbindung mit gesellschaftlichen Modellen nicht erst mit der Machtüber­ nahme der Nationalsozialis­ ten aufkommen.

möglich gemacht. Diese erste umfassende Leistungsbilanz, wenngleich nur wenige fertige Bauten zu sehen waren, sollte zugleich Vorbildliches für das zukünftige Bauen zeigen: Grosse Modelle und Zeichnungen versprachen ein ehrgeiziges Bau­ programm. Die Ausstellung, die damals in Lissabon, Ankara, Kopenha­ gen oder Tanger jeweils mehrere Zehntausend Besucher anlockte, war für die vorliegende Studie der Auslöser. Den Autoren Jörn Düwel und Niels Gutschow geht es in erster Linie um eine ideengeschichtliche Einordnung dieser heute nur noch wenigen Fachleuten bekannten Schau. Anhand umfangreicher, bislang unveröffentlichter Materia­ lien zeichnen sie die unmittelbare Entstehungs­ und Wirkungsgeschichte

Der wichtigste Akteur der Ausstellung war Rudolf Wolters. Er war einer der engsten Mitarbeiter von Albert Speer und seit 1938 in verschiedenen Funktionen für ihn tätig. Von Anfang an

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gehörte er zu den wichtigs­ ten Planern für die Neuge­ staltung der Reichshaupt­ stadt. Gewandt im Schreiben, oblag ihm die Darstellung der Vorhaben für die Öffentlichkeit. (chh) Jörn Düwel / Niels Gutschow Baukunst und Nationalsozialismus … 480 Seiten, 270 Abbildungen, Softcover ISBN 978-3-86922-026-0, CHF 34.80 DOM publishers Berlin, 2015


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D ie G raf ik # 04 EIN PO T EN Z R EG IO N EN U D IE U MW IN W O H N R

IAL - S IEG EL Z EIG T AN , N D U N T ER W EL C H EN AN D L U N G V O N BÜ R O G AU M L O H N EN S W ER T S

W H O ’S W H O

IN W EL C H EN U MS T Ä N D EN EBÄ U D EN EIN K AN N .

Q uelle: wikipedia

Q uelle: Implenia Schweiz AG , Abteilung Modernisation & Development ( H g.) , Modernisierungsstudie 2 0 1 5 : « U mnutzung von Bürogebäuden – My thos oder Realität? »

Der Büromarkt gilt schon länger als das Sorgenkind der Schweizer Immobilienbranche. Die Leerstände sind manchenorts am Steigen, und die Mieten sind unter Druck. Da stellt sich die Frage, ob sich aus leeren Büros neue Wohnungen machen lassen. Auch beim Baukonzern Implenia analysiert man Marktentwicklungen, Standortbedingungen, Objektkriterien und Kostentreiber aus Anlagesicht und kommt in der kürzlich publizierten Modernisierungsstudie 2015 zum Schluss: «Das Potenzial ist vorhanden, die erfolgreiche Umsetzung ist möglich.» Voraussetzungen dafür seien innovative Projektkonzeptionen, zuverlässige Kostenschätzungen und viel Umbauerfahrung. Aus einer Marktsicht, Potenzial bei sanierungsbedürftigen Bürogebäuden:

meinen die Autoren, dürften sich insbesondere Potenziale bei sanierungsbedürftigen Bürogebäuden an guten Makrolagen (mit Zentrumsnähe), also in urbanen und semiurbanen Gegenden eröffnen, die aufgrund einer schlechteren Mikrolage (grössere Entfernung zu einem Bahnhof) Vermietungsprobleme hätten. Dies wird in der untenstehenden Grafik abgebildet. Natürlich sei jedes Projekt anders, und jedes Bauteil müsse gesondert betrachtet werden. Generell lasse sich aber sagen, dass ein zusätzlich erzielbarer Ertrag zwar die wertsteigernden Massnahmen tragen müsse, aber nicht die reine Instandsetzung – sofern das richtige Produkt am richtigen Ort stehe. (phb)

Miete

Unser diesmal gesuchter Architekt wurde als Sohn eines Jachtkonstrukteurs geboren. Er hatte die Gelegenheit, in seinem Heimatland eine Privatschule mit mathematisch-naturwissenschaftlicher Ausrichtung zu besuchen. Ironischerweise war er gerade in Mathematik ein ausgesprochen schlechter Schüler. Den ersten engeren Kontakt zu Design und Architektur erhielt er durch seine Eltern, die nach einem Design-Messebesuch 1930 ihre gesamte Lebensweise umstellten, und dies nicht nur bezüglich der Einrichtung, sondern auch in Sachen Ernährung. So wurden für den Sohn fortan Helligkeit, Licht und Leichtigkeit zu ständigen Begleitern. Der Beruf des Architekten war nur zweite Wahl, da er die Offzierslaufbahn aufgrund seiner schlechten (Mathe-)Noten nicht einschlagen konnte. Nach dem Studium arbeitete er allerdings bei zwei Grossen seiner Zunft: Alvar Aalto und Frank Lloyd Wright. Nach diesen Erfahrungen und Reisen durch Mexiko und Europa gründete er sein eigenes ArchitekturBüro. Zu seinen Bauaufgaben gehörten Häuser und Wohnsiedlungen. Ein Entwurf allerdings machte unseren Architekten auf immer und ewig berühmt und verhalf ihm zu weltweitem Ansehen und zu Aufträgen. Doch genau genommen war das Projekt für ihn ein Misserfolg. Das zunächst veranschlagte Budget von 3,5 Millionen US-Dollar reichte bei Weitem nicht aus, die statisch anspruchsvolle Dachkonstruktion und die ausgeklügelte Inneneinrichtung zu finanzieren. Als die Kosten 57 Millionen Dollar erreichten, befahl die Bauherrschaft ein Ende der Kostensteigerung. Da unser Architekt aber nicht bereit war, einer billigeren Innenausstattung zuzustimmen, wurde er 1966 aus dem Projekt ausgeschlossen. Eine Gruppe junger Architekten und ein noch heute weltbekanntes Ingenieurbüro brachten den Bau zu Ende. Das vollendete Bauwerk hat der Architekt nie zu Gesicht bekommen.

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Fläche

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Leerstand

Betrieb

hoch hoch

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Numerische Auflösung 10 – 15 (spezieller Umlaut) – 18 – 14 21 – 20 – 25 – 15 – 14

Gebäude

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«VERLIERT DER ARCHITEKT IN ZUKUNFT SEINE PLANUNGS- UND DATENHOHEIT?»

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FU N D U S Jede neue Schicht wird fotografiert, katalogisiert und in einer 1 : 10-Zeichnung festgehalten.

S T EC K BR IEF Hauptverantwortlicher: Mackintosh Building Restoration Project Architekten: Page\Park Architekten, Glasgow Bauleitung: Liz Davidson, Senior Project Manager, Mackintosh Building Restoration, The Glasgow School of Arts Planung/Realisierung: 2015 – 2018

D ie Baustelle # 2 K O N S ER V IER U N G S S T R AT EG IEN Im Mai 2014 wurde die Glasgow School of Arts in grossen Teilen durch einen Brand zerstört. Seither gleicht die Bestandesaufnahme forensischer Kleinstarbeit: Seit Monaten ist die AOC Archaeology Group Ltd dabei, wichtige Teile aus den verbrannten Resten zu retten. Dazu hat die Schule eine Liste aller erhaltenswerten Gegenstände herausgegeben, von Holzresten der Fenster bis zu Glasscheiben und Türbeschlägen. Denn als einflussreicher Impulsgeber für das moderne Design ist der Architekt Charles Rennie Mackintosh historisch höchst relevant. Erst 2009 wurde das Bauwerk durch

das Königliche Institut Britischer Architekten (RIBA) zum wichtigsten Gebäude der letzten zweihundert Jahre erkoren. Mit ihrer 30-jährigen Erfahrung im Umgang mit national bedeutenden Denkmalobjekten stellten Page\Park Architekten soeben ihren 10-Punkte-Plan für die Glasgow School of Arts vor, an dem sich eine erfrischende Strategie ablesen lässt. Anstatt auf die altbewährte Methode des minimalen Eingriffs zu bestehen, der infolge der immensen Zerstörung hinfällig geworden ist, verfolgen sie die Strategie der unterschiedlichen Gewichtung. Was ist für die Wieder-

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belebung des Werkes von Charles Rennie Mackintosh essenziell? Dabei geht es ihnen nicht darum, alles detailgetreu nachzubilden, sondern vielmehr einen Ausdruck zwischen Kontinuität und Wandel zu finden: Statt blosser Restaurierung suchen die Architekten gemeinsam mit dem Design Studio der Glasgow School of Arts nach einer Möglichkeit, das einzigartige kreative Moment wiederzubeleben, den das Gebäude über Generationen gleichermassen fasziniert hat. Die Fertigstellung ist für 2018 geplant. (nk a) www.pagepark.co.uk


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Jahre sind es im Jahr 2016, seit die ersten Worte an eine Empfangsstation gesendet werden konnten. Mit der Entwicklung der Technik manifestierte sich der Rundfunk beziehungsweise das Radio zum ersten Massenmedium. Das Museum für Angewandte Kunst in Köln zeigt vom 19. Januar bis zum 5. Juni 2016 die Ausstellung «RADIO Zeit. Röhrengeräte, DesignIkonen, Internetradio». www.makk.de

W ie muss das Museum aussehen, das in der T radition des « Bauhaus» stehen w ill, dieser einzig artig en H ochschule f ü r G estaltung , die Impulsg eber f ü r so v iele G enerationen v on Architek ten g ew esen ist? W elche Architek tur ist f ü r diese Bauauf g abe die Passende im 21. Jahrhundert ? Um diese Frage zu beantworten, gibt das Preisgericht des diesjäh­ rigen Bauhaus­Wettbewerbs mit ihrem Entscheid, zwei erste Preise zu vergeben, der Öffent­ lichkeit die Chance, auf internati­ onaler Ebene in Diskussion zu treten! Der Wettbewerb habe gezeigt, dass eine Umbruchphase begonnen hat, in der die Typolo­ gie der Museums­Architektur nicht mehr eindeutig gesetzt sei, so die Jury. Vermutlich aber geht es nicht nur um die Typologie an sich, sondern auch um die Aktualität der Bauhausideen im Allgemeinen. Der Anfang für das Neue zu sein, dafür wären Dessau und das «Bauhaus» jedenfalls ideal. Ob es der Entwurf aus Barcelona ist, der eine Zuspitzung der Architek­ tur­Sprache des «Bauhaus» der

20er­Jahre darstellt (Gonzalez Hinz Zabala, Barcelona/Spanien); oder vielmehr der Vorschlag der New Yorker Young & yata, die mit ihrem Thema auf Denk­ ansätze wie die zur Bühne, Malerei und Textilkunst den gesamtheitlichen Gestaltungsan­ spruch der Hochschule in den Mittelpunkt rücken: Mit beiden Entwürfen können Massstäbe für die Interpretation der Moderne im 21. Jahrhundert gesetzt werden. Die Bauhaus-Hochschule existiert längst nicht mehr. Während die abstrakte Rekonstruktion des Meisterhauses von Walter Gropius 2014 mit der Idee eines ursprünglichen Gipsmodells spielt und es damit auf moderne Art und Weise konserviert, will sich das «Bauhaus» mit einem neuen Museum nun nicht mehr in einer passiven Rolle sehen. Vielmehr will es sich offensicht­ lich auf dynamische Art und Weise der Welt wieder in Erinnerung rufen. Dies tritt in den prämierten Entwürfen in ganz unterschiedlicher Art und Weise in Erscheinung. Ob als Stage­Labor, «Bauhaus»­Bühne

oder internationale Plattform «Projekt Bauhaus»: Man hat sich bis zum 100­jährigen Jubiläum 2019 ganz bewusst zum Ziel gesetzt, über die Aktualität des «Bauhaus» mit einem alljährlich wiederkehrenden Call for Papers eine lebendige Debatte zu führen. In diesem Zusammen­ hang kann das Ergebnis des Museums­Wettbewerbs deshalb nur ein wesentliches Puzzleteil, das Antwort auf diese Fragen bereithält, bilden. Also lasst uns debattieren! Welche der «Bauhaus»­Ideen und der vermeintlich utopischen Überschüsse dieser Schule sind für die Gegenwart noch relevant? (nk a) www.bauhausmuseum-dessau.de www.projekt-bauhaus.de Die zwei erstplatzierten Büros: Büro Gonzalez Hinz Zabala, Barcelona, Spanien, Landschaftsarchitekt: Roser Vives de Delas, Barcelona, Spanien Michael Young vom Büro Young & Ayata, New York, USA, Landschaftsarchitekt: Misano Murat, New York, USA

N EW S Auf dem Areal Riverside in Zuchwil/SO ist die grösste FotovoltaikAnlage der Schweiz ans Netz gegangen. Die Bauherrin Swiss Prime Site hat die einzigartige Fotovoltaik-Anlage mit einer Gesamtleistung von 5764 Kilowatt Peak (kWp) im Sinne ihrer Nachhaltigkeitsstrategie zusammen mit ausgewählten Planern entwickelt. www.riversidezuchwil.ch

Am Forum der Schweizer Wohnbaugenossenschaften in Luzern vom 25. September zeigte man sich einig, dass im Kontext der Energiewende der gemeinnützige Wohnungsbau gestärkt werden soll. Die Wohnbaugenossenschaften unterstützen deshalb die Volksinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen», die unter anderem fordert, dass künftig jede zehnte neu gebaute Wohnung gemeinnützig sein muss. www.forum-wohnen.ch

Bis 10. 1. 2016: Ausstellung St. Petersburg von 1915 in der Basler Fondation Beyelerneu aufgelegt.

Bild oben: Entwurf von Young & Ayata, New York Bild rechts: Die beiden Erstplatzierten: Roberto Gonzalez und Michael Young.

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D ie K arte # 4 K AR T E V O N V ER O N A (I), EN T S T AN D EN Z W IS C H EN 18 37 U N D 18 6 6

Die asymmetrische Piazza delle Erbe von Verona (oben) diente als exaktes Vorbild für den Bahnhofplatz in St. Gallen (unten). Rechts die Skizze des SBB-Architekten Heinrich Ditscher (1870 bis 1963).

Q uellen Verona-Karte: Zentralbibliothek Zürich. Postkarten und G rundriss Bahnhofplatz St. G allen: H istorisches und Völkerkundemuseum St. G allen.

V erona ist bek annt f ü r sein Amphitheater, in dem die O pernf estspiele stattf inden. Fü r Architek ten f ast noch spannender ist, dass V erona der S tadt S t. G allen Anf ang des 20. Jahrhunderts städtebauliches V orbild w ar. Die hier abgebildete Landkarte von Verona und Umgebung stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Stadt zum österreichischen Kaiserreich gehörte. Die Österrei­ cher waren es gewesen, die Verona ab 1814 zum Teil eines Festungsvier­ ecks machen wollten, das von Mantua über Peschiera del Garda bis Legnago reichte. Ziel des riesigen Bauvorhabens war es, ein befestigtes Rückzugsgebiet für die eigene Armee zu schaffen, und dafür errichteten die Österreicher rund um Verona diverse Forts, die man auf der Karte gut erkennen kann (wie auch die von den Franzosen

zerstörte und von den Österreichern wieder aufgebaute venezianische Stadtbefestigung). Aus architektonischer Sicht bemerkens­ wert an Verona ist, dass der alte römische Schachbrettgrundriss im Stadtzentrum (Unesco­Weltkultur­ erbe seit dem Jahr 2000) noch heute gut erkennbar ist und sich mit der Piazza delle Erbe ein Teil des alten Forums zeigt. Und über diesen Platz gibt es eine städtebaulich äusserst spannende Geschichte mit Schwei­ zer Bezug zu erzählen: 1908 war es, als ein gewisser Heinrich Ditscher von der SBB den Auftrag erhielt, eine Studie «zur Bahnhofplatzfrage in St. Gallen» auszuarbeiten.

Städtebau nach seinen künstleri­ schen Grundsätzen». Ditscher zitierte nicht nur mehrfach aus diesem Standardwerk, sondern übernahm daraus einen Stadtplan von Verona, auf den er seine Vision des Bahnhof­ platzes in St. Gallen zeichnete. Ditscher schlug, wie man gut sehen kann, nichts weniger vor, als in St. Gallen einen Platz analog zu jenem von Verona zu gestalten. Und genau das wurde zwischen 1911 und 1915 auch realisiert. 1915? Ja, genau 100 Jahre ist's also her. (phb) PHŒNIX präsentiert an dieser Stelle mit der Abteilung Karten und Panoramen der Zentralbibliothek Zürich (Leitung Jost Schmid-Lanter) aussergewöhnliches Kartenmaterial. Bei der hier abgebildeten

Dem Zeitgeist entsprechend bezog sich Ditscher auf den Wiener Städteplaner Camillo Sitte und dessen berühmte, 1889 erschienene Schrift «Der

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Karte handelt es sich um eine besonders schöne österreichische Karte von Verona aus der Mitte des 19. Jahrhunderts – sowie um drei spannende Postkarten.


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D AS MAN U FAK T # 03: ILLUSIONSMALEREI Q uellen: wikipedia

Die Theaterbühne schaff t illusionäre Räume als Abbilder der Wirklichkeit oder der Vorstellungskraft. Im barocken Zeitalter liefen nicht nur die illusionistischen Bühnenbilder zur Hochform auf, auch die barocken Deckenmalereien nutzten die in der Renaissance entdeckten Fluchtpunktperspektive, um räumliche Tiefe vorzutäuschen. Da die Illusion allerdings nur von einem bestimmten Punkt aus «richtig» funktioniert, findet man Schein-Architektur vorwiegend bei hohen Decken von Kirchen und Repräsentationsbauten mit einem gewissen Abstand zum Betrachter. Kuppeln oder gewölbte Deckenansätze eignen sich architektonisch besonders für diese Art der Bemalung, da sie

den Übergang von Realität in die Illusion unterstützen. Im illusionären Raum werden die Geschichten des realen Raumes weitererzählt, um die Architektur grösser beziehungsweise grossartiger erscheinen zu lassen. Illusionsmalerei tritt aber auch bei profanen Bauten auf. Hier geht es vor allem um die Darstellung von Einfluss und Reichtum, üppig verziert (aufwendig) oder in Gestalt von Porträts und Besitztümern; zwecks Machtdemonstration oder zur Selbstvergewisserung der eigenen Stellung. Ein Unternehmen in der Schweiz, das auf die Restaurierung historischer Dekorationsmalerei spezialisiert ist, ist Fontana & Fontana in Rapperswil Jona. (chh)

D ER V O L K S MU N D # 04: «MAISKOLBEN» So wird der Augsburger Hotel-Turm genannt, das höchste Hochhaus der Stadt. Bei seiner Eröffnung 1972 galt der «Maiskolben» zudem als grösster europäischer Hotel-Bau. Ähnlichkeit besitzt der von Brockel und Müller entworfene Turm mit Zwillingstürmen von Marina City in Chicago (1964). Nach einer Gesamtsanierung 2001 wurde der «Maiskolben» wieder als 4-Sterne-Hotel Dorint (184 Zimmer) eröffnet; mit Apartments und dem Radiosender Klassik Radio.

Foto: Fontana & Fontana

L iteratur

Gerührt und geschüttelt Der nackte Beton, städtebaulich und in Form von Infrastrukturbauten als hässlich und kalt taxiert, erfährt eine immer grössere Akzeptanz. Denn «Beton» bezeichnet eigentlich eine ganze Palette von Steingemischen, kann samtig und warm anmuten, abhängig von der Oberflächenbearbeitung und Einfärbung. Der Taschen-Verlag hat nun ein zweibändiges Buch herausgegeben, das die besten Betonbauwerke der letzten Jahre vorstellt. Unter

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In «Sanierung – best of DETAIL» präsentiert der Verlag die Highlights zum Thema Umbau, Anbau, Instandsetzung, Modernisierung und Umnutzung, ergänzt durch theoretische Fachbeiträge und Projektbeispiele.

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den Baumeistern befinden sich Architektur-Ikonen von Herzog & de Meuron, Steven Holl oder Zaha Hadid, aber auch kleinere und unbekanntere Werke. Autor von «100 Contemporary Concrete Buildings» ist Philip Jodidio, der schon verschiedene Architekten-Monografien veröffentlicht hat.

Lebensläufe, Alltag und Zusammenleben werden immer individueller, komplexer. Christiane Feuerstein und Franziska Leeb haben die vielfältigen, derzeit neu entstehenden Lebens-, Wohn- und Haushaltformen mit ihren fliessenden Grenzen untersucht.

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Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) starten ein europaweit einmaliges Projekt: Auf einer rund einen Kilometer langen Teststrecke in Urdorf misst ein Sensor den Verkehrsfluss, woraufhin 27 LED-Leuchten ihre Leuchtstärke anpassen. Die dynamische Beleuchtungssteuerung verspricht Stromeinsparungen von rund 30 Prozent.

N EW S

Das Rautendach des Wiener H auptbahnhofs ist am 1 4 . September in Istanbul mit dem Europäischen Stahlbaupreis der European C onvention for C onstructural Steelwork ( EC C S) ausgezeichnet worden. Das Zürcher Architektur-Büro Theo H otz Partner proj ektierte das Dach im Rahmen der Arge Wiener Team.

Ist alles Kunst? Das Museum Tinguely in Basel zeigt bis 22. Januar 2016 eine Ausstellung über den Künstler Ben Vautier.

Fotos: Rolf Frei

Ursprünglich sollte die Lorzenbrücke an der Schmiedstrasse im Kanton Zug vom spanischen Architekten Santiago Calatrava gebaut werden. Nun hat sich der Chamer Gemeinderat für eine günstigere Lösung entschieden.

Was ist hier Vergangenheit, was Gegenwart? Der mit wiederverwerteten Tannenbrettern verkleidete Anbau setzt sich spielerisch in Kontrast mit dem Bestand.

D AS H AU S MIT D EM BAU M Alle drei Jahre zeichnet der Prix L ig num die besten S chw eizer L eistung en mit H olz aus. D ie diesj ährig e Auslobung stand unter dem Patronat v on Bundesrat Johann S chneiderAmann. PH Œ N IX ist f asziniert v on einem k leinen, aber f einen Preisträg er: D as « H ouse w ith a T ree» v on S auter v on Moos aus Basel ist g elung ener Anbau und k ü nstlerisches S tatement.

Man ist versucht, an die «Splittings» und «Cuttings» des amerikanischen Konzept­ künstlers Gordon Matta Clark (1943–1978) zu denken. In seinen Videoarbeiten der 1970er­Jahre zersägt und zerschneidet Gordon Matta Clark unter dem Begriff der «anarchitecture» zum Abbruch freigegebene Häuser mit vollendeter Präzision.

In Texten zur Architektur ist oft von Schichtung, Überlagerun­ gen oder Verschiebungen die Rede. Bei ihrem kleinen Einfamilienhaus im Basler Wettstein­Quartier aus den 1930er­Jahren hat das junge Basler Architekturbüro Sauter von Moos diese architektoni­ schen Strategien praktisch wörtlich interpretiert. Auf den ersten Blick erscheint das archetypische Giebelhaus auf einer Eckparzelle fast als künstlerische Intervention.

Das «House with a Tree» erhielt vom Prix Lignum den Zweiten Rang in der Region Nord. Die Jury würdigte vor allem «den Witz und die Unbekümmert­ heit, mit der die jungen Architekten ans Werk gingen» (Themenheft von Hochpar­ terre, Oktober 2015). Der Anbau an der Nordost­Ecke erweitert das Einfamilienhaus um einen geschützten Eingangsbereich (Velo­Abstell­ platz), einen Arbeitsraum im ersten Obergeschoss und

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einen kontemplativen Raum in der Dachschräge. Die mit wiederverwerteten Tannen­ brettern verkleidete Fassade setzt sich spielerisch in Kontrast mit dem Bestand. Dadurch entsteht ein Dialog, der respektvoll die Lücke schliesst zwischen der Vergangenheit des Hauses und seiner Umgebung sowie der aktuellen Gegenwart mit den heutigen Benutzern. Und als hätte ein Kind dieses Haus unter dem Aspekt der Ökologie entworfen, ist im westlichen Garten ein «Stamm» aus Stahl errichtet worden: einem Baumhaus ähnlich, aber mit einer Fotovoltaik­An­ lage (den «Blättern») als schützendem Dach gekrönt. Ein bisschen mehr von dieser erfrischenden Uneitelkeit wünschte man sich für die Baukultur allgemein. (chh) www.prixlignum.ch www.sautervonmoos.com


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EIN AL PIN ES K U L T U R H AU S g asser derung s aus Z ü rich bauten im Bü ndner W eiler R iom im Auf trag des ortsansässig en « O rig en Festiv al C ultural» ein altes G ebäude- Ensemble zu einem k leinen, aber f einen K ulturzentrum um. Von der Scheune zum Saal: Realisiert wurde eine Stätte für Kultur der besonderen Art(en) in Form eines grosszügigen Raumes, der nun für Theater, Konzerte, Tanz, Proben und Anlässe unterschiedlicher Inhalte, Darstellung und Form genutzt werden kann.

Zusammen mit Wohnhaus, Waschhaus, Hof und Garten bildet die Scheune ein kulturelles Ensemble und weist eine Stall-Architektur auf, die in der Region einmalig ist. Mit subtilen und präzisen Eingriffen wurde ein grosszügiger Raum geschaffen, wobei die Patina und mit ihr auch die bestehende Raumatmosphäre erhalten blieb. Die Holzarbeiten und die steinernen Rundbögen wurden ebenso erhalten wie die Holzbalkendecken. Das Dach musste erneuert

werden. In die Nischen wurden Abschlüsse eingebaut, damit der Raum beheizt und auch im Winter bespielt werden kann. So wurde die Scheune zum ganzjährigen Ort der kulturellen Begegnungen mit ureigenen dramatischen Qualitäten. Das frühere Wohngebäude – ein beeindruckendes Patrizierhaus aus dem 19. Jahrhundert – wurde zum Haus der Gastlichkeit. Dessen vitales Herz ist die (gute) Küche, während in den prächtigen, sanft

Der polyvalent nutzbare Saal kann dank einer optimierten Ausstattung nun auch im Winter für kulturelle Anlässe genutzt werden.

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erneuerten und neu ausgestatteten Wohnräumen Platz für die Restauration entstanden ist. Hier finden sich Holzverkleidungen und hochwertige Holzböden, die zu einer besonderen Atmosphäre des Wohlfühlens beitragen. Die Heizanlage und die sanitären Räume erfuhren eine angemessene Umwandlung und wurden an die neuen Bedürfnisse angepasst. So kann das Haus nun auch winters genutzt werden. (phb) w w w .orig en.ch w w w .g asserderung s.ch


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In jü n g ste r Z e it e r le b e n K ir c h e n u n d K a p e lle n v e r m e h r t p r o fa n e T r a n s fo r m a tio n e n . In d e r n ie d e r l ä n d i s c h e n St a d t H e l m o n d w e r d e n i m « T h e a t e r Sp e e l h u i s » d i e St ü c k e u n d P e r fo r m a n c e s v o r n e o b y z a n tin isc h e r K u lis se in sz e n ie r t. Text: cepezed architects / Christina Horisberger Fotos: Jannes Linders / Léon van Woerkom, cepezed

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elmond liegt im Südwesten der Niederlande und verfügt nebst zahlreichen Klöstern auch über Zeugnisse der modernen Architektur. Allerdings wurde eines davon im Dezember 2011 durch ein Feuer komplett zerstört; das «Speelhuis» im Komplex der modularen Kubus-Häuser des Architekten Piet Blom (*1934). Piet Blom studierte an der Amsterdamer Academie van Bowkunst als Student von Aldo van Eyck. In Helmond wurden 1975 drei seiner bekannten «Baumhäuser», über Eck gestellte Kuben auf einem Sockel, testweise erbaut. 1977 folgten 18 weitere dieser Häuser, gruppiert um ein Kulturzentrum mit dem Theater «Speelhuis». Grosses Bild: Gotteshaus und Theater; die Umnutzung zeigt, wie nahe sich beides kommt. Bild rechts: Die zwei Zusatzbauten – hier das Foyer – bilden einen Kontrast zur Architektur der Kirche.

Auf wend ige S tahlstruktur Nach dem Brand entschied sich der Stadtrat für die temporäre Umnutzung der neobyzantinischen Mariä-Himmelfahrt-Kirche in der Nähe des Stadtzentrums; einer Kuppelbasilika, die seit Längerem immer weniger Kirchgänger verzeichnete. Die Kirche allerdings ist nach wie vor ein religiöses Monument im Besitz der Römisch-Katholischen Diözese Den Bosch.

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Entsprechend waren die Auflagen für die Umnutzung in ein Theater sehr umfangreich. Die Interventionen mussten so geringfügig wie möglich und jederzeit rückbaubar sein. Zudem erfolgte die Umnutzung in sehr kurzer Zeit. Für das mit der Umnutzung beauftragte Delfter Architektur-Büro cepezed architects war von Beginn an klar, dass die starke Präsenz des Kirchenraumes mit seiner reichen architektonischen Ornamentik und den Kuppelfresken zu einem integralen Bestandteil der Theater-Ambiance werden sollte. Von den Zuschauerrängen haben die Besucher einen fast sphärischen Blick auf die Kuppelfresken, die Wände mit ihren Skulpturen, die Orgel und die Buntglasfenster. Alle baulichen Veränderungen und Ergänzungen, von der Bühne, der Bühnenfront, der Beleuchtungsbrücke bis zur Tribüne mit Balkon, wurden unabhängig von der vorhandenen Baustruktur eingefügt und sind auch optisch als unabhängige Strukturen lesbar. Die komplizierte Stahlstruktur setzt sich optisch bewusst vom Baubestand ab, zugleich suchten die Architekten einen fliessenden Übergang


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Bautafel Bauherrschaft S tadt H elmond (N L ) Architekten cepezed architects, D elf t (w w w .cepezed.nl)

Grundriss EG

zwischen Tribüne und Bühne zu schaffen, um eine intime und direkte Atmosphäre zwischen Zuschauer und Akteuren auf der Bühne zu ermöglichen. Logistisch sind die Plätze intuitiv über zwei seitliche Treppen direkt vom Parterre und über die Erschliessung im hinteren Bereich erreichbar. Die Schalldämmungen sind in die Treppengeländer eingefügt, denen auch eine statische Funktion zukommt und in welche die Erschliessungsbeleuchtung integriert ist. Das Theaterfoyer befindet sich unter der Zuschauertribüne. Die Bar fügt sich in eine Nische ein. Diese kann räumlich getrennt als Arbeitsbereich für das Personal verwendet werden.

K o ntrastierend e Erweiterungen Die weitere Bühneninfrastruktur ist grösstenteils in kompakten und architektonisch kontrastierenden Erweiterungbauten direkt angrenzend an die

Kirche untergebracht. Die Anlieferung, die Künstlergarderoben und der Aufenthaltsbereich für die Performer finden sich in einem zweigeschossigen neuen Anbau an der Südostseite der Kirche in der Nähe der Apsis mit einem direkten Zugang in die Sakristei. Die zweite Erweiterung mit dem Eingangsbereich, dem Ticketschalter, der Garderobe und den Toiletten befindet sich an der Nordseite, angrenzend an das Seitenschiff. Sie besitzt eine komplett transparente Front, ist mit einer Deckenbeleuchtung ausgestattet und ist mit der Kirche über einen Durchgang verbunden – an jener Stelle, wo früher der Beichtstuhl war. Die räumliche Organisation der einstigen Kirche wurde optimal in die verschiedenen Funktionsbereiche transformiert. Das neue Theater «Speelhuis» hat sich seit seiner Inbetriebnahme 2013 derart erfolgreich etabliert, dass in der Zwischenzeit die Entscheidung zugunsten einer permanenten Nutzung der Kirche als Theater gefallen ist.

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Bild oben: Zuschauertribüne und Balkon sind als unabhängige Stahlstruktur in den Kirchenraum eingefügt – direkt unter der Kuppel. Bild links: Auch die Bühnentechnik musste unabhängig vom Baubestand der Kirche integriert werden. Über die Sakristei haben die Schauspieler Zutritt zur Bühne.

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Auf dieser Tafel zeigt Stieglitz den Beginn der modernen Theaterbaugeschichte; mit dem «Palazzo da Porto» von Serlio (Fig. 145) in Vicenza, dem «Teatro Olimpico» von Andrea Palladio (Fig. 146) und dem «Teatro Farnese» in Parma (Fig. 147).

D ie erste Geschichte d es Theaterb aus D i e W i s s e n s c h a f t d e r Au f k l ä r u n g w i d m e t e s i c h in te n siv d e r e n z y k lo p ä d isc h e n B e sta n d e sa u fn a h m e v o n Er f a h r u n g e n ; d i e s g a l t a u c h f ü r T h e a t e r b a u t e n . Text Klaus Jan Philipp

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as späte 18. Jahrhundert ist die Zeit, in der das Wissen der Menschheit enzyklopädisch gesammelt und dargestellt wurde. Man verstand sich in der Geschichte verankert und sah sich aufgefordert, für alle zukünftigen Projekte die Erfahrungen der Geschichte zu nutzen. Die in fünf Bänden von 1792 bis 1798 erschienene «Encyklopädie der bürgerlichen Baukunst» blieb für Jahrzehnte das wichtigste Nachschlagewerk und Handbuch für alle, die sich mit dem Bauwesen auseinandersetzten. Sie ersetzte ältere Lexika und blieb lange Zeit das unangefochtene Grundlagenwerk für alle ArchitekturInteressierten. Als die «Encyklopädie» erschien, war ihr Autor, Christian Ludwig Stieglitz, Senator zu Leipzig und Canonicus des sächsischen Stiftes Wurzen; er lebte als Privatgelehrter und konnte seinen Interessen, vor allem der Architektur der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit, entsprechend viel Zeit widmen. Vor allem der Geschichte der Baukunst galt seine Neugierde. Einzelne Bauaufgaben, in denen sich das spezielle Interesse seiner Zeit spiegelt, werden in der Enzyklopädie ausführlich – zuweilen in Buchstärke – vorgestellt. Darunter auch Schauspielhäuser, die im Zeitalter der Aufklärung und der Entstehung des bürgerlichen Dramas im Fokus des allgemeinen Interesses standen. Da Stieglitz sehr belesen war, gelang ihm ein Überblick, der bis heute nichts an Gültigkeit verloren hat. Im Falle seines Artikels «Schauspielhaus» gilt dies umso mehr, als Stieglitz hier nicht nur seine theoretischen Kenntnisse ausbreiten konnte, sondern später auch selbst als Planer des Theaters in Leipzig tätig war. In seinem Artikel stellt Stieglitz die Geschichte des Theaterbaus auf 166 Druckseiten und 33 Abbildungen auf neun Tafeln umfassend von der Antike bis zu seiner Zeit dar. Der Artikel beginnt mit einer

sachlichen Definition: Ein Theater «ist ein öffentliches Gebäude, das zur Aufführung der Schauspiele bestimmt, und so eingerichtet ist, daß darin eine große Zahl Zuschauer sich versammeln kann, um den Schauspielen zuzusehen, welche auf der dazu aufgeführten Schaubühne vorgestellt werden». Hingewiesen wird sodann auf die zum Bau von Schauspielhäusern gehörigen weiteren Wissenschaften wie Mechanik (Bewegung der Szenen), Perspektive (Szenen der verschiedenen Vorstellungen) und Naturlehre (Akustik), die im weiteren Verlauf des Artikels auch ausgeführt werden.

I ntensiv d iskutiert Mit höchster Sachkenntnis verzeichnet Stieglitz alle ihm zugängliche antike und zeitgenössische Literatur und wertet die Materialien vergleichend und gewichtend aus. Hauptquelle aus der Antike ist natürlich die Darstellung des antiken griechischen und römischen Theaters bei Vitruv, die Stieglitz mit neueren Forschungen kommentierend korrigiert. Sodann entwickelt er die Geschichte des Theaters über die «dunkle» Zeit des Mittelalters bis in die frühe Neuzeit in Italien. In dem sich auf die Antike rückbeziehenden Theaterwesen der Renaissance in Italien seien Schauspiele zunächst in den Vorhöfen der Paläste der Fürsten und grossen Familien aufgeführt worden. Erste Bildquellen findet er in Serlios «De Architectura Libri quinque», wo Serlio sein Theater im Hof des «Palazzo da Porto» in Vicenza publiziert hatte (Abb. 1, Fig. 145). Damit beginne die Geschichte des modernen Theaterbaus, hält Stieglitz fest. Mit Palladios «Teatro Olimpico» in Vicenza (Abb. 1, Fig. 146) schliesse sich das chronologisch nächste Beispiel an. Als drittes Beispiel des frühen Theaterbaus folge das «Teatro Farnese» in Parma (Abb. 1, Fig. 147), dessen U-förmiger, in der Art eines Amphitheaters angelegter

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Stieglitz eigener Entwurf für einen Theaterbau integriert alle modernen Erkenntnisse; dieser sowie sein Artikel «Schauspielhaus» wurden noch 100 Jahre später beachtet. Tafel XXIX aus: Stieglitz, Encylopädie, Bd. 4, 1798.


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De r L eh rbuc h Disk urs üb er das Baue n Uta Hassler, Torsten Meyer, Christoph Rauhut, Institut für Denkmalpflege und Bauforschung an der ETH Zürich (Hg.) Der hier publizierte Aufsatz von Klaus Jan Philipp ist ein Zusammenzug eines wissenschaftlichen Beitrags im Band «Der Lehrbuch-Diskurs über das Bauen». Der Band stellt Konzepte für eine Theorie und Lehre der Architektur von der Antike bis zur Gegenwart vor. Bis ins späte 19. Jahrhundert änderten sich Bauprozesse und -techniken evolutionär. Das 19. Jahrhundert ist auch im Bauwesen geprägt vom Glauben an Fortschritt durch Wissenschaft: Ausgehend vom revolutionären Frankreich entwickelte sich eine akademische Ausbildung für Bauberufe. Mit den Schulen kommen die Lehrbücher. Sie sind oftmals Konstruktionslehren nach Baustoffen («Holzkonstruktionen», «Steinbau») oder Gebäudelehren (zum Beispiel Musterentwürfe für öffentliche Bauten). Bis ins 20. Jahrhundert hinein zeigen Lehrbücher zudem Beispielsammlungen gebauter Konstruktionen – weitergehende Forschung entwickelt sich weniger im Kern der Disziplin als an ihren Rändern. Zudem bleiben sie stets abhängig von Kontext und Zeit: Das Lehrbuch ist – bis heute – zeitgebunden, abstrakt und unpersönlich.

Zuschauerraum nicht nur praktisch sei, sondern auch für eine gute Akustik sorge. Zusammenfassend schreibt Stieglitz: «Dieses sind die ältesten guten Schauspielhäuser der neuern Zeit, und man sieht an ihnen sehr deutlich, wie nach und nach die Theater so gebildet wurden, wie sie jetzt ausgeführt werden. Aus der Scena des Theaters des Serlio entstand die neuere Scene, indem man anstatt der an einander hängenden Gebäude, einzelne Flügel, oder Coulissen so aufstellte, daß ein Raum dazwischen blieb und man hinter jeder Coulisse hinweg gehen konnte, welches auch deswegen nöthig war, um eine bessere und eine solche Beleuchtung anzubringen, die selbst nicht sichtbar war, sondern deren Wirkung nur gesehen wurde. Nach dem Platz der Sitze in dem Theater zu Parma wurden die Sitze der neuern Theater eingerichtet, dessen Form man, im Ganzen genommen, beybehielt, und nur noch die Logen hinzusetzte, die wahrscheinlich daher entstanden, theils weil man in dem Schauspielhause gesellschaftlicher bey einander zu seyn wünschte, und nicht ganz so öffentlich erscheinen und von allen gesehen seyn wollte, theils um Raum zu gewinnen und für die Zuschauer mehr Platz zu verschaffen.» Hiervon ausgehend entwickelt Stieglitz die weitere Geschichte des modernen Theaterbaus, der um die Mitte des 18. Jahrhunderts in ganz Europa intensiv auch hinsichtlich Bühnentechnik, Beleuchtung und Feuersicherheit diskutiert wurde.

S p ezialist f ü r Theaterb au Stieglitz’ eigener Entwurf (Abb. 2 und 3) integriert alle diese modernen Erkenntnisse und wurde wie sein Artikel «Schauspielhaus» noch 100 Jahre später beachtet. Fortan galt Stieglitz als Spezialist für Theaterbau, und als man sich 1816 in Leipzig entschloss, ein neues Theater zu errichten, spielte er eine wichtige Rolle und legte auch Pläne vor. Der Auftrag ging jedoch an Friedrich Weinbrenner, dem seinerzeit bekanntesten Theaterbaumeister, der kurz zuvor das Karlsruher Theater fertiggestellt hatte. Ob Stieglitz’ Überlegungen in irgendeiner Weise in Weinbrenners Planungen eingeflossen sind, ist schwer zu beurteilen. Die Anlage der Foyers und der Treppen weist Analogien zu Stieglitz’ Entwurf aus der «Encyklopädie» auf. Jedenfalls aber dürften Stieglitz’ Ausführungen auch Weinbrenner nicht unbekannt geblieben sein, denn die «Encyklopädie» gehörte zu den Standardwerken, die jeder Architekt besitzen sollte. Zur « Ency klopädie der bürgerlichen Baukunst» und zu anderen Schriften von C hristian Ludwig Stieglitz, siehe: Klaus J an Philipp, U m 1 8 0 0 . Architekturtheorie und Architekturkritik in Deutsch land zwischen 1 7 9 0 und 1 8 1 0 , Stuttgart und London 1 9 9 7 .

vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, 2015 376 Seiten, zahlreiche Abb., durchgehend farbig, gebunden

Grundriss des von Stieglitz entworfenen Theaters, Tafel XXVII aus: Stieglitz, Encyklopädie, Bd. 4, 1798.

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K raf twerksO p erette V o n d e r U m c o d ie r u n g in d u str ie lle r P r o d u k tio n sflä c h e n d e r in n e r stä d tisc h e n B r a c h e K r a ftw e r k M itte in D r e sd e n . Text: Nadine Kahnt Fotos und Pläne: SUB Dresden, PFP Planungs GmbH, Ed. Züblin AG, ddbd/Männel

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uf 75 trapezförmigen Zeichen, die zusammen ein fünf auf neun Meter grosses Display bilden, flimmern Tag und Nacht grün leuchtende Restzeichen vorüber. Mit etwas Glück erhascht man sogar das eine oder andere lesbare Wort, das auf eindringliche Weise die Transformation des ehemaligen Energieversorgungs-Zentrums Dresden durch den zukünftigen Kulturtransfer ankündigt: Sie stehen für die Umcodierung von industriellen in kulturelle Produktionsflächen der innerstädtischen Brache Kraftwerk Mitte, Dresden (Künstler: Paul Elsner). Es scheint so, als wäre seit ein paar Jahren in Dresden ein Dialog zwischen Traditionalisten und Zeitgenossen in Gang gekommen, der nicht nur den nötigen Respekt vor der komplexen Geschichte Dresdens wie dem Trauma der Kriegszerstörung im Februar 1945 wahrt, sondern auch endlich Raum für eine zeitgenössische Architektur anbietet, an der es ihr in den letzten zwei Jahrzehnten so oft gefehlt hat. Denn unmittelbar westlich der neu erschaffenen Dresdner Traditionsidylle – Semperoper, Neumarktensemble und Frauenkirche –, die zum Ideal eines verklärten ArchitekturKanons, der sich weitestgehend am Barock orientiert, verkommen ist, entsteht bis Ende

2016 auf knapp 36 000 m² eine Kultursymbiose aus Staatsoperette, Theater der Jungen Generation und Kreativwirtschaft. Die Zusammenführung dieser beiden grundverschiedenen Häuser, die seit Kriegsende heute noch immer am Stadtrand Dresdens zu finden sind, ist für Dresdens bisherige Rekonstruktionseuphorie eine erfrischende Geste. Als das Kraftwerk 1994 stillgelegt wurde, existierte im Zentrum Dresdens ein vollständig erhaltenes Industriedenkmal aus neugotischer Anlage und roten Klinkerfassaden der Neuen Sachlichkeit, das fast lückenlos die Entwicklung im Industriebau von 1895 bis 1928 dokumentierte. Besonders die kathedralenartige Halle des Kesselhauses, das Parallelen zum fast zeitgleich errichteten Hans-Poelzig-Kraftwerk Schulau – gestaffelte Backsteinkuben, vertikale Fenster – aufwies, fügte sich in die neogotische Werks-Architektur ein. Hier wurde das Material des roten Klinkers wieder aufgegriffen und im Sinne der Neuen Sachlichkeit in kubische Formen mit flächigen Fassaden und Flachdächern transponiert. Durch die einheitlichen Materialien und Formen wirkten die monumentalen Baukörper des Kesselhauses als geschlossenes Ganzes und staffelten sich über Jahrzehnte

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zum stadtbildprägenden Volumen Kraftwerk Mitte, Dresden. 2006 wurde dieses Kesselhaus trotz Denkmalschutz und ohne viel Protest der Dresdner Öffentlichkeit abgebrochen. Am Rohbau des Theaterneubaus, der diesen Herbst fertiggestellt wird, lässt sich der Versuch erkennen, diese Wirkung mittels unterschiedlicher Volumen der Bühnentürme erneut zu interpretieren. Als Rohling fügt er sich auf den ersten Blick zwischen neugotischer Werks-Architektur und Reaktanzenhaus in die ursprüngliche Werksanlage ein. Ob damit aber der Aufbruch Dresdens ins 21. Jahrhundert architektonisch sichtbar gemacht wird, bleibt bis zur Fertigstellung im Sommer 2016 abzuwarten.

Entwicklung im

S inne d er K unst

Feststeht, dass die Synergieeffekte und die längst fällige Wiederbelebung der innerstädtischen Brache dazu beitragen, das Viertel Dresden Mitte neben der Musikhochschule Carl Maria von Weber zum eigenständigen Musikerviertel zu entwickeln. In diesem Fall möge man den Abriss des Kesselhauses, der im Nachhinein fast schon notwendig erscheint, um dieser Entwicklung Platz zu bieten, als Befreiungsschlag sehen. (nk a)


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1994

Das über hundertjährige Kraftwerk Mitte in Dresden wird als Energieerzeugungsanlage abgemeldet +

Bild rechts: Neues Haupthaus mit Bühnenturm. PFP Planung GmbH Hamburg, Prof. Jörg Friedrich.

2006

Das im Volksmund «Aurora» genannte Kesselhaus der Anlage wird abgebrochen +

2014

Die Baugrube für den Neubau Kraftwerk Mitte wird ausgehoben, und schon im Juli findet mit grossem Interesse der Öffentlichkeit die Grundsteinlegung statt

Bild links: Die Kunstinstallation Restzeichen auf dem Reaktanzenhaus. ddbd/Männel

+

Oktobe

r 2015

Richtfest der «Theaterbaustelle» für Staatsoperette, Theater der Jungen Generation und Puppenbühne +

2016

Bis Ende des Jahres ist der Einzug der drei Theater geplant.

Der markante Bühnenturm des Neubaus soll an das stadtbildprägende Kesselhaus erinnern.

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FORU M Geometrisch komponierte Bauten ohne Bezug auf tradierte Formen: «La GrandeMotte» in Südfrankreich

Text Bernadette Fülscher Redaktion Nadine Kahnt Fotos Bernadette Fülscher, Lucia Moholy, Bauhaus-Archiv, Berlin, Archiv Raiffeisen

W e sh a lb sic h Ar c h i t e k t u r u n d T h e a te r z u n eh m en d g l e i c h e n: W ä h r e n d d ie Ar c h i t e k t u r f e s t e n B e sta n d in u n s e r e r Al l t a g s w e lt h a t u n d u n v errü ck b a r v o r Or t « i s t » , g eh ö rt d a s B ü h n e n b ild d e r W e lt d e s T h e a te r s a n – u n d d a w ir d g e m e in h in « g e s p ie lt» .

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Q uelle: Bauhaus-Archiv, Berlin, Lucia Moholy 2 0 1 5 , ProLitteris, Zürich

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umindest auf den ersten Blick ist das Verhält­ nis zwischen Architektur und Bühnenbild ge­ prägt vom Verhältnis «Sein» versus «Schein». Während die Architektur festen Bestand in unserer Alltagswelt hat und unverrückbar vor Ort «ist», gehört das Bühnenbild der Welt des Theaters an – und da wird gemeinhin «gespielt». Führen Schauspieler ein Stück auf, kommt dem Bühnenbild traditioneller­ weise die Aufgabe zu, jene Räume darzustellen, in denen die gespielten Szenen handeln. Dabei sind im europäischen Kulturraum jahrhundertelang Dramen entstanden, in denen von Räumen die Rede ist, die wir vom Alltag her kennen: Theaterstücke spielen auf den Vorplätzen von Tempeln und Wohnhäusern, in städtischer Umgebung, in Wäldern, Schlössern, Wohn­ und Schlafzimmern. Bühnenbilder scheinen erst dann überhaupt möglich zu sein, wenn räumli­ che Vorbilder in der Alltagswelt als Grundlage exis­ tieren. Es bedarf also, könnte man denken, eines Ori­ ginals im realen Leben, damit es in der Folge auf der Bühne imitiert, kommentiert oder weitergedacht werden kann. Selbstverständlich – wir werden darauf noch zu­ rückkommen – greift diese Auffassung des Bühnen­ bildes als einer Raumdarstellung für das heutige Theater zu kurz. Dennoch dient das vermeintliche Gegensatzpaar «Sein» versus «Schein» dazu, das Ver­ hältnis zwischen Alltagsraum (beziehungsweise Ar­ chitektur) und Bühnenbild besser zu verstehen.

Bild-Entwicklung à la Baudrillard: vom Abbild der römischen Szenenwand in Orange (oben) über die Befreiung von Vorbildern beim Bauhaus in Dessau (links) zur Fassadensimulation am «Hôtel Fouquet’s Barrière Paris».

Illusionsmedium Szenografie Zum Theaterspiel gehört von jeher der Wunsch nach grösstmöglicher Illusion. Vom Zuschauerraum aus können wir einen Moment lang unsere Alltagswelt vergessen, die Inszenierung auf der Bühne verfolgen und dabei ins gespielte Geschehen eintauchen. Be­ reits im antiken Griechenland im 5. Jh. v. Chr. kam

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dem damals entstandenen Bühnenbild die Aufgabe zu, auf abwesende Räume zu verweisen und sie möglichst realistisch auf einer Bühne darzustellen. Dafür verwendete Aristoteles den Begriff skenographia: Ein zunächst einfacher und funktionaler Holzunterstand (skeno: Zelt; Laube, Hütte; Bühne, Szene) wurde mit Tüchern bedeckt, die bemalt waren (gráphein: ritzen, schreiben), wobei sich die Motive auf die gespielten Szenen bezogen. Wie weit die Suche nach grösstmöglicher Illusion in der Folge führte, lässt sich noch heute beim Besuch in der südfranzösischen Stadt Orange überprüfen. Im gut erhaltenen römisch-antiken Theater aus dem 1. Jh. n. Chr. bildet der halbrunde Zuschauerraum mit seinen Sitzreihen eine architektonische Einheit mit der monumentalen Bühnenwand direkt davor – einer aus Stein gebauten «scenae frons» als einer reliefartigen Architektur-Schauwand. Vor 2000 Jahren spielten die aufgeführten Dramen also vor einer prunkvollen Gebäudefassade mit Nischen und Säulen, und die Abgeschlossenheit des gesamten Theaters sicherte den Zuschauern die Illusion, sich tatsächlich vor einem Palast zu befinden.

Erden, verkörperten die Gegenstände auch lange Zeit die symbolische Ordnung des Lebens, und Wirklichkeit und Sinnhaftigkeit waren in ihnen unmittelbar gegenwärtig. Erst in der Neuzeit begann man, zwischen Wirklichkeit und Repräsentation zu unterscheiden, und es war der Mensch, der in diesem «Zwei-Welten-Modell» die Welt abbildete und imitierte. Später, unter industriellen Bedingungen, schienen die Möglichkeiten hierzu unbegrenzt.

I m p lo sio n d er W erte Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in Europa die Forderungen laut, Architektur, aber auch Theater und Bühnenbild grundlegend zu erneuern. Die Unterscheidung zwischen «Sein» und «Schein» wurde dabei neu thematisiert: Die moderne Baukunst hätte von stilistischen Ornamenten und Dekorationen abzusehen, denn «Stile», die in der Ausschmückung der Fassaden und der Salons auftauchten, seien «Entartungen echter Stile, der Theatrale Spielereien mit dem Vokabular von Bauten und mit dem Betrachter: Kunst- und Medienzentrum Rheinhafen in Düsseldorf von Frank O. Gehry Associates

« Z wei- W elten- Mo d ell» Die damalige Funktion des Bühnenbildes als Illusionsraum zeigt sich in der lateinischen Übersetzung der «Szenografie» durch Vitruv. Der Begriff scaenographia stand damals nicht mehr für das Bühnenbild allein, sondern auch für die Disziplin, ein solches zu entwerfen. Szenografie wurde also zur perspektivischen Darstellung beziehungsweise zur zeichnerischen Abbildung von Räumen und Bauten überhaupt: Sie hatte eine konkrete Form im Hier und Jetzt – etwa als gebautes Bühnenbild im Theaterraum –, und nahm als Darstellung zugleich Bezug auf einen abwesenden Raum oder Ort. Unter diesem Blickwinkel ist Szenografie stets Präsentation und Repräsentation – das heisst nichts anderes als ein Zeichen mit abbildenden Funktionen, das sich auf ein reales oder imaginiertes Original bezieht. Immer wieder in der Geschichte des Theaters sind diese abbildenden und darstellenden Funktionen von Szenografie allerdings entfallen, weil das Spiel Fest- oder Kultcharakter annahm und vorab in der Alltagswelt verankert war. Bereits die Entstehung des Theaters in der griechischen Antike war ja aus religiösen Riten erfolgt, die den Gott Dionysos ehrten – und nicht etwa imitierten. Ähnlich gingen auch im Mittelalter aus der christlichen Liturgie geistliche Mysterienspiele, Oster- oder Passionsspiele hervor, und im Barock entstanden zu Ehren von Fürsten oder Königen temporäre Fest-Architekturen, die sich durch aufwendige theatrale Effekte auszeichneten. Bei der Frage nach «Sein» und «Schein» geht es letztlich um Glaubens- und Deutungsfragen. Im einen Fall wird der Raum mit «Echtheit» oder «Wahrheit» in Verbindung gebracht und mit sozialen Funktionen verknüpft, im anderen Fall gilt der Raum als verweisendes Zeichen, dem es an Echtheit und Relevanz vielmehr mangelt. Dass solche Differenzen aber überhaupt erst gedacht werden können, hängt von kulturellen und gesellschaftlichen Faktoren ab. Weil das europäische Weltbild jahrhundertelang geprägt war vom Glauben an die Erscheinung Christi auf

Abschaum einer vergangenen Zeit», die nichts mehr zu sagen hätten (Le Corbusier). Geebnet wurde so der Weg für eine «abstrakte» Architektur, die als «das kunstvolle, korrekte und grossartige Spiel der unter dem Licht versammelten Baukörper» galt, wobei dem Architekten die Aufgabe zukam, die auf reiner Geometrie beruhenden Bauelemente zu «modulieren». Die in den 1960er- und 1970er-Jahren von Jean Balladur in Südfrankreich errichtete Touristenstadt La Grande-Motte zeigt diese Entwicklung exemplarisch mit ihren Pyramidenhäusern und geschwungenen Fensterformen. Auch für die Bühne forderten zu Beginn des 20. Jahrhunderts Theater reformer wie

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Foto: Ralf Bohn

Szenografische Kunstwelten an der Landesausstellung Expo.02 in Murten von Jean Nouvel (links) und in der StadtLounge auf dem Raiffeisenplatz in St. Gallen (Pipilotti Rist/Carlos Martinez) (rechts).

Edward Gordon Craig, kein dass es in einer Gesellschaft, Literaturtheater mehr zu bederen Werte sich laufend treiben und keine Bedeutunwandeln und zunehmend ingen mehr zu übermitteln. Statt dividuell geprägt sind, kein alleiniges «Echt» und «Wahr» dramaturgische Texte zu interpretieren, darzustellen und mehr geben kann. Als eigentnachzuspielen, sollten mit geliche Neuerung im 20. Jahrstalterischen Mitteln «Wirkunhundert lässt sich deshalb gen» erzeugt werden, die einvielmehr das ZusammenfalB ernad ette zig «sich selbst» waren und auf len von «Sein» und «Schein» F ü lscher nichts verwiesen. So ersetzten hat als diplomierte Architekverstehen. Es zeigt sich im lustvollen Spiel mit simulieauf der Bühne architektoni- tin an der ETH Zürich über sche Konstruktionen die ge- die Gestaltungsdisziplin renden Zeichen, die zugleich malten Dekors, das Licht Szenografie am Beispiel der «sind» und auf etwas anderes «verweisen». Diese Räume erwurde zum Gestaltungsmittel, EXPO.02 promoviert und in Basel und Kiel unterrichtet. Sie das Spiel zur Performance, die lebt heute in Zürich und Sète. zählen – wie es übrigens Aufführung zum autonomen (Publikation zur EXPO 02 im Räume von jeher schon tun – einzig davon, was die GesellKunstwerk. Verlag hier + jetzt: Gebaute Die Thesen des Medien- Bilder – künstliche Welten) schaft, die sie hervorbringt, philosophen Jean Baudrillard eigentlich umtreibt. helfen, diese Entwicklung kulEntsprechend sind in den letzten Jahrzehnten in turhistorisch zu erklären. Tatsächlich hat sich im 19. Jahrhundert mit dem der urbanen westlichen Welt die alten Grenzen Aufkommen von seriell produzierten Massen- zwischen Alltags- und Theaterraum verschwomwaren die Vorstellung von Original und Kopie men oder weggefallen. Dies äussert sich etwa – und damit das Verständnis von Realität und darin, dass Theateraufführungen auch im urbaWahrheit – erneut gewandelt. Während Gegen- nen Aussenraum stattfinden und ihre «Zustände einst symbolisch die Welt verkörpert schauer» – bisweilen ausgerüstet mit einem hatten, entstanden nun produzierte Waren, Headset – als «normale» Passanten in den Alltag denen der Mensch beliebig Warenwerte zu- entlassen werden und nicht mehr zwischen schrieb. Die Bedeutung der Dinge war also «real» und «gespielt» zu differenzieren wissen. willkürlich und veränderbar – und damit letzt- Das Verwischen von Grenzen äussert sich auch lich verzichtbar. durch Ausstellungsszenografien, die mitten in Mit ihrem Wunsch nach mehr «Sein» statt eine Alltagswelt gebaut werden, die ihrerseits «Schein» gaben sich die Architekten der klassi- längst aus gebauten Bildern und künstlichen schen Moderne – deren Haltung in der Schweiz Welten besteht. Die Schweizerische Landesausbis heute fest in so manchen Köpfen verankert stellung Expo.02 hat uns 2002 eindrücklich geist – einem Trugschluss hin: Sie ignorierten, zeigt, wie diese Vermengung zustande kommt:

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Während in Yverdon-les-Bains eine riesige künstlich erzeugte Wolke – das Blur Building von Diller/Scofidio – ihre Form aufgrund der lokalen Witterungsbedingungen veränderte, spielte in Murten Jean Nouvel in Anlehnung an die Thematik «Augenblick und Ewigkeit» mit baulichen, landschaftlichen und alltäglichen Elementen, die an Vergänglichkeit beziehungsweise Dauer erinnerten: Er erzeugte aus dem Miteinander von Bestehendem und Neuem eine Realität, in der Inszenierung und Alltag nicht mehr zu unterscheiden waren.

S im ulatio n v o n R ealität Diese an der Expo.02 auf die Spitze getriebenen Verfahren waren in der Schweiz bereits wenige Jahre später Normalität. Pipilotti Rist und Carlos Martinez schufen in St. Gallen mithilfe eines riesigen «roten Teppichs» zwischen den Bürogebäuden der Raiffeisen-Bank eine ebenso artifiziell wie real «bewohnbare» «StadtLounge». Szenografische Merkmale sind auch aktuellen Bauten eigen, die auf Bild- und Zeichenhaftigkeit ebenso bedacht sind wie auf die Dekonstruktion der Form von bedeutenden Bauelementen wie Fenstern oder Dächern. Schillernde Beispiele sind etwa Frank O. Gehrys Kunst- und Medienzentrum im Düsseldorfer Rheinhafen oder Edouard François’ Fassadenerneuerung des «Hôtel Fouquet’s Barrière Paris». Baudrillard hätte in diesem Zusammenhang von «Simulakren» gesprochen, die nicht mehr die Realität simulieren, sondern die Simulation von Realität: Es sind identische Kopien von etwas, was nach neustem Verständnis gar nie als «Original» im ursprünglichen Sinn existiert hat. Die Kausalitäten von «Sein» und «Schein» sind ausser Kraft gesetzt.


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« S o rg f alt ist K ö nnen, K unst; Unso rg f alt ist m angelnd es K ö nnen, ein K unstf ehler.»

Wer haftet, wenn aufgrund von fehlender Abstimmung zwischen zum Beispiel der Lüftungs- und der Fassadenplanung an einer Metallfassade durch kondensierte Abluft Schäden entstehen? Das Kantonsgericht Schwyz hat diese Frage im Oktober 2014 in einem wegweisenden Entscheid behandelt.

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ufgrund der herrschenden Rechtslage können Architekten und Ingenieure komplexer Bauten von einer eingeschränkten Sorgfaltspflicht bei fachkundigen Bauherren profitieren: Schwierige oder «einmalige» Bauvorhaben – ob Um- und Erweiterungsbauten oder Neubauprojekte – erfordern erhebliches Fachwissen aller Baubeteiligten und eine besonders gute Koordination in der Planung und Realisierung. Der Fachkoordination und dem Bauablauf ist besonderes Augenmerk zu schenken. Heikle Schnittstellen der Verantwortlichkeiten ergeben sich vielfach im Verhältnis zwischen Architekt und Haustechnikplanern und alsdann bauseits Werkunternehmern, namentlich General- oder auch Totalunternehmern. Für die einem Hochbauvorhaben zugrunde liegenden Planungsarbeiten sind Architekten in der Regel als Gesamtleiter sowie Ingenieure als Fachplaner und Spezialisten tätig. Sie sind wiederum gegenüber dem Bauherrn, der gegebenenfalls General- oder Totalunternehmer beizieht, für vereinbarte Leistungen haftbar.

K o o rd inatio n d er H austechnik – eine klassische C ausa Der nachfolgend erörterte Fall aus dem Kanton Schwyz betraf eine zunehmend typische Konstellation mit Haustechnikproblemen bei komplexen Bauvorhaben.1 Konkret ging es um eine fehlende Abstimmung zwischen der Lüftungs- und der Fassadenplanung. Der Totalunternehmer erhob den Vorwurf des Planungsfehlers, weil der Ingenieur nicht auf die Problematik des geplanten Lüftungsausmasses (Fortluftauslass) und der damit verbundenen Kondensation an der Fassade hingewiesen habe. Grundsätzlich hat jeder Planer laut Art. 364 OR bei der Anfertigung von Plänen die werkvertraglichen Sorgfaltspflichten einzuhalten: «Sorgfalt ist Können, Kunst; Unsorgfalt ist mangelndes Können, ein Kunstfehler», befand das Bundesgericht bereits vor Jahrzehnten prägnant.2 In der Folge ergingen diverse höchstrichterliche Präzisierungen: Text: Dr. Daniel Thaler

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• Der Planer hat die ihm übertragene Arbeit sorgfältig auszuführen und die berechtigten Interessen des Auftraggebers in guten Treuen zu wahren.3 • Einzustehen ist für die volle Sorgfalt, welche nach der gängigen Verkehrsauffassung von einem Planer erwartet wird, der die Ausführung eines bestimmten Werkes übernimmt.4 • Massgeblich sind dabei die zur Zeit der Projektrealisierung anerkannten Regeln der Technik5, wozu in der Schweiz vermutungsweise die veröffentlichten Empfehlungen und Normen des SIA gehören.6 • Anders ausgedrückt geht es darum, inwieweit für einen Planer im Lichte seiner Ausbildung allfällige Schädigungen bei der Werkerstellung voraussehbar sind. Dabei hat der Planer auch die eigenen Fähigkeiten selbstkritisch einzuschätzen;7 verfügt er umgekehrt über besondere, überdurchschnittliche Kenntnisse, so trifft ihn eine erhöhte Sorgfaltspflicht.8 • Namentlich treffen den Planer Aufklärungs- und Hinweispflichten gegenüber dem Besteller. Beispielsweise sind genaue Anweisungen über das für eine installierte Zentralheizung zu verwendende Heisswasser zu geben.9

D em Planer steht ein Erm essenssp ielraum

zu

Allerdings stellt nicht jede vom Planer gewählte Vorgehensweise, die nachträglich betrachtet einen Schaden bewirkt oder nicht vermieden hat, eine Pflichtverletzung dar. Denn jedem Planer steht ein Ermessenspielraum zu, was eine Auswahl unter verschiedenen in Betracht fallenden Optionen zulässt. Entsprechend haftet der Planer dann nicht, wenn er rückwirkend betrachtet zwar nicht die objektiv beste, jedoch eine nach dem allgemeinen fachlichen Wissensstand vertretbare Lösung gewählt hat.10 Dabei ist mit zu berücksichtigen, dass Planer oft unter Zeitdruck künftige Risiken abzuwägen haben. Symbolbild: Gassler AG


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D r. iur. D aniel Thaler

ist Rechtsanwalt und Partner der auf Immobilien-, Miet- und Baurecht spezialisierten Zürcher Anwaltskanzlei Tschudi Thaler Rechtsanwälte. Er bildete sich am Institut für Schweizerisches und Internationales Baurecht in Fribourg weiter und ist einer der ersten Schweizer Fachanwälte SAV Bau- und Immobilienrecht. Der Autor ist beratend und prozessierend tätig und publiziert regelmässig zu immobilienrechtlichen Themen. www.ttlegal.ch

Der Bauherr darf somit grundsätzlich erwarten, dass die als Spezialisten beigezogenen Planer ihre Pflichten vollständig, sorgfältig und rechtzeitig erfüllen.11 Nach der Bundesgerichtspraxis ist vom Planer auf voraussehbare Risiken hinzuweisen, sofern der Besteller die Gefahren nicht kennt und auch nicht kennen müsste.12 Das Gesetz beruht auf der Vorstellung, dass der Planer sachverständig ist und der Bauherr nicht, weswegen die Sorgfaltspflichten eines Planers immer dann eingeschränkt sind, wenn der Bauherr seinerseits als sachverständig gilt.13 Somit trägt der Bauherr eine Mitverantwortung, wenn er selbst über Fachwissen verfügt. Davon ist stets auszugehen, wenn der Bauherr seinerseits über die im konkreten Fall erforderlichen fachlichen Kenntnisse verfügt sowie wenn er Fachleute beratungs- oder vertretungsweise beigezogen hat.14 Information, Aufklärung und Beratung sollen bewirken, dass ein Bauherr in der Lage ist, seine Entscheidungen in voller Kenntnis von Sachlage und Konsequenzen zu fällen.15 Insofern hängen die Sorgfaltspflichten des Planers von den eigenen Kenntnissen und Erfahrungen des Bauherrn ab,16 welcher den Planer somit nicht als «Generalverantwortlichen» betrachten darf. Fachwissen von selbst beauftragten Sachverständigen – seien es Totalunternehmer, Bauherrenberater oder andere Spezialisten – hat sich der Bauherr anrechnen zu lassen.

B eurteilung in co ncreto Im eingangs erwähnten Fall stellte das Kantonsgericht Schwyz fest, dass der Totalunternehmer grundsätzlich über die gleichen Kenntnisse der Bauphysik verfügte wie der Ingenieur. Damit waren die Auswirkungen des geplanten Fortluftauslasses auf die Aussenfassade auch für den Totalunternehmer erkennbar. War bei beiden Parteien von derselben Sachkunde auszugehen und war der Totalunternehmer – im Gegensatz zum Ingenieur – mit der fachlichen Koordination der Arbeitsleistungen betraut beziehungsweise wurde für die Bauleitung vom Totalunternehmer eine Drittfirma beigezogen, so kann der Ingenieur nicht für eine fehlende Koordination zwischen der Lüftungs- und der Fassadenplanung belangt werden.17

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Z W EIT W O H N U N G S G ES ET Z

Nach Annahme der Initiative «Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen» am 11. März 2012 (Art. 75b BV) trat ab 1. Januar 2013 die bundesrätliche Verordnung über Zweitwohnungen in Kraft, die übergangsweise bis zum Inkrafttreten des Ausführungsgesetzes gilt. Das Zweitwohnungsgesetz (ZWG) wurde am 20. März 2015 verabschiedet, das Referendum kam nicht zustande, womit das ZWG wohl am 1. Januar 2016 in Kraft tritt. Mit dem ZWG als «helvetischem Kompromiss» wird das Bauverbot in Gemeinden mit Zweitwohnungsquoten («kalten Betten») von über 20 Prozent wieder etwas gelockert: Bestehende Gebäude dürfen erweitert und umgenutzt werden, für touristisch bewirtschaftete Wohnungen und unrentable Hotels sowie schutzwürdige Bauten gelten Ausnahmen.

V ER G ABER EC H T Klarstellungen des Bundesgerichts: Annulierung eines Vergabeverfahrens und Neuanordnung eines Ausschreibungsverfahrens nur bei wichtigen Gründen des öffentlichen Interesses; 19 Wiederholung des Submissionsverfahrens gibt Unternehmen die Möglichkeit, ein neues Angebot einzureichen 20. 1 9

Der sachverständige Bauherr muss mit eingeschränkten Sorgfaltspflichten seiner beauftragten Architekten und Ingenieure rechnen, wenn sich diese auf bauseitiges Fachwissen berufen können. Dies erscheint durchaus sachgerecht und entspricht den gelebten Verhältnissen bei professionell abgewickelten komplexen Bauvorhaben. Im seit 1. November 2014 gültigen SIA-112-Modell Bauplanung wird explizit auf erforderliche eigene Leistungen und Entscheide des Auftraggebers hingewiesen, namentlich dass er sich aktiv am Planungsprozess beteiligen und ein Projektpflichtenheft zur Verständigung mit dem Planer führen und über die Projektphasen aktualisieren soll. Eine grosse praktische Bedeutung kommt ebenfalls der sachgerechten (technischen und räumlichen) Fachkoordination zu, was in Art. 3.7 der neuen Ordnungen SIA 102 und 108 sowie Art. 9 SIA Ordnung 108 (Ausgaben 2014) Eingang gefunden hat. Fussnoten 1 U rteil Kantonsgericht Schwy z [ KG er SZ] , ZK1 2 0 1 3 1 1 , vom 6 . O ktober 2 0 1 4 , siehe BR/ DC 3 / 2 0 1 5 , S. 1 8 0 f.; 2 Entscheide Schweizerisches Bundesgericht [ BG E] 6 2 II 2 7 6 ; 7 0 II 2 1 0 ; 3 BG E 1 2 9 III 6 0 4 E. 4 .1 ; 4 BG E 1 1 6 II 4 5 7 ; 5 BG E 1 1 7 II 2 6 1 ; 6 BG E 4 A_ 4 2 8 / 2 0 0 7 E. 3 .1 ; 7 BG E 9 3 II 3 1 7 E. 2 e/ bb; 8 BG E 5 C .3 6 / 2 0 0 1 E. 3 .1 ; 9 BG E 4 A_ 6 0 8 / 2 0 1 1 ; 1 0 vgl. BG E 1 2 0 Ib 4 1 1 E. 4 .a; 1 1 BG E 4 C .4 2 4 / 2 0 0 4 E. 3 .2 .1 ; 1 2 BG E 1 2 9 III 6 0 4 E. 4 .1 ; 1 3 BG E 4 A_ 1 6 6 / 2 0 0 8 E. 2 .1 ; 1 4 BG E 4 A_ 1 6 6 / 2 0 0 8 E. 2 .1 u. E. 2 .2 ; 1 5 KG er SZ ZK1 2 0 1 3 1 1 E. 2 ; 1 6 BG E 1 1 9 II 3 3 5 ; 1 7 KG er SZ ZK1 2 0 1 3 1 1 E. 3 .

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2 C _ 8 7 6 / 2 0 1 4 v. 1 7 .0 9 .2 0 1 5 2 C _ 9 1 9 / 2 0 1 4 v. 0 3 .1 0 .2 0 1 5

IMMO BIL IEN R W ER B

Das Bundesgericht schränkte jüngst zum Schutz von Immobilienkäufern die Selbstverantwortung ein.18 Trotz vertraglicher Enthaftung des Verkäufers für nicht im Grundbuch eingetragene öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkungen und expliziter Wegbedingung für Sach- und Rechtsmängel, musste der Verkäufer dafür einstehen, dass in der fraglichen Bauzone die käuferseitig gewünschte Überbauung unzulässig war, weil er die Käufer nicht darauf hingewiesen hatte. 1 8

4 A_ 1 1 / 2 0 1 5 v. 2 5 .0 6 .2 0 1 5 und 4 A_ 6 1 9 / 2 0 1 3 v. 2 0 .0 5 .2 0 1 4


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Text: Renato Rizzi

Einleitung und Übersetzung: Christina Horisberger

Pläne: Rizzi – Pro. Tec. O. s. c. r. l.

Bilder: Matteo Piazza

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G I Z N A D R E T 0 A E # 1 T H A T K E U N I X R I N A E P PH ΠS E K S H A Рu n d G e sc h ic h te Р, d ie se m o ch d en


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« D ie ganze W elt ist B ü hne ...»


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« Und wenn D u d en Eind ruck hast, d ass d as L eb en

Schnitte Erschliessung und Tribünen- / Bühnenraum

Ü BER D EN U R S PR U N G D ER FO R M [Originaltext: Renato Rizzi, The Image of Form, 2015]

Schon seit Längerem unterlässt es die zeitgenössische Architektur, über ihre Grundlagen nachzudenken. Doch wie gelangt Architektur zu ihrer «Form»? Welches sind die Kräfte, die von einem unsichtbaren Nährboden zur Präsenz der Sichtbarkeit führen? Um diese Fragen zu beantworten – sie sind weder neu noch spezifisch einer bestimmten Zeit zuzuordnen –, muss der Bann der wissenschaftlichen Rationalität gebrochen werden. Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass «Form» in direkter Abhängigkeit von uns Architekten entsteht. Dies gelingt uns allerdings nur, wenn wir aufhören, an eine technische Rationalität zu glauben. Um uns dem Sog des Argumentierens zu entziehen, reicht es im Grunde genommen zu erkennen, dass Form ausschliesslich auf zwei Gegensatzpaaren ästhetischer Kräfte beruht, mithin Widersprüchlichkeit vs. Untrennbarkeit und Unbezwingbarkeit vs. Kontrollierbarkeit. Während Letzteres durch den Pragmatismus des Alltags erklärbar und in der heutigen Praxis einfach zu erkennen ist, entzieht sich uns das erste Kräfteverhältnis in den meisten Fällen, weil wir uns ihm gedanklich verweigern. Der Antagonismus von Widersprüchlichkeit und Untrennbarkeit nährt sich aus bedeutenden ikonografischen Speichern unsichtbarer Kräfte. Diese sind von erkenntnistheoretischer, symbolischer und ahistorischer Natur. Ich meine damit metaphysische Zonen, in denen das Universelle dem Individuellen begegnet. Lassen Sie mich ein paar Beispiele erwähnen: Die Häuser von Ludwig Mies van der Rohe sind moderne Altäre einer protestantischen Theologie. Die Wandhäuser von John Hajduk übernehmen die theologischen Szenen der Passion. Die Kartonhäuser von Peter Eisenman sind symbolische Abstraktionen der jüdischen Theologie. Und die stillen Fassaden von Aldo Rossi sind Träger einer säkularisierten Magie. Theologische Bezugssysteme gibt es für viele architektonische Sprachen. Um die Thematik der ikonologischen Kraft zu verstehen, die auf die Gestaltung des ShakespeareTheaters eingewirkt haben, ist es wichtig, die

d ann suche D ir eine R o lle aus, d ie D ir so richtig S p ass m acht.» William Shakespeare

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A

m 23. April, dem Todestag von William Shakespeare, wurde letztes Jahr in Danzig ein neues Shakespeare-Theater eröffnet – das erste Shakespeare-Theater nach elisabethianischem Vorbild auf kontinentalem Boden und der erste neue Theaterbau in Polen seit 1989. Zurück geht das Projekt auf eine Initiative unter dem Patronat von Prinz Charles. Genau an diesem Ort, am Rande der nach dem Krieg wieder aufgebauten Altstadt, befand sich einst eine alte Fechtschule. Diese diente im 17. Jahrhundert, als es noch nicht überall Theaterbauten gab, durchreisenden Schauspielern als Aufführungsort. Der italienische Architekt Renato Rizzi gewann 2005 den Wettbewerb für den Neubau. Rizzi hat für PHŒNIX einen Essay verfasst und bringt darin sein geheimnisvolles Bauwerk sowohl mit der menschlichen Natur im Sinne Sheakespeares als auch mit der dramatischen Geschichte Polens «auf die Bühne». Obwohl Neubau, ist das Shakespeare-Theater derart vielschichtig mit der Geschichte des Ortes, seiner politischen und kulturellen Vergangenheit, aber auch mit der Ur-Idee des Theaters verflochten, dass dieser Genius Loci die Architektur in jedem Winkel bestimmt. Wo immer man sich im Gebäude aufhält, ob auf den Wegen in der massiven Umfassungsmauer oder im klaren, hellen Innenraum: Die Dramaturgie der Architektur verweist immer wieder auf eine höhere Idee. War es hier in Danzig, oder war es doch in der Burg von Helsingør, wo Prinz Hamlet dem Geist seines Vaters begegnete? Befinden wir uns in einer Kirche oder in einer ägyptischen Tempelanlage, wo Aida mit den Gefangenen den Chor anstimmt? Orte und Zeiten verschwimmen hier. Zugleich ist das Shakespeare-Theater fest mit dem baulichen Bestand der Altstadt verbunden, ja darin verankert. Bodenständig sind im Innern auch die Zuschauerbalkone aus hellem Holz, angelehnt an das Vorbild des Shakespearschen Globe-Theater, das in der Londoner Bankside auf den Fundamenten des 1644 abgerissenen Originalbaus rekonstruiert und 1997 neu eröffnet wurde. In seiner funktionalen Flexibi lität lässt der Theaterbau von Renato Rizzi aber ganz unterschiedliche Theater-Spielformen zu: vom klassischen Theater bis zur Arena dank beweglichen Podesten ( siehe dazu die Pläne auf Seite 5 0 und 5 1 ) .

Theater ist,


Bild oben: Sicht vom Dach auf 12 m Höhe auf die geöffneten Flügel des Theaters. Die Wand im Hintergrund gehört zum Bühnenturm. In der Mitte liegt das offene Innere des Theaters.

Bild links: Gesamtansicht von Süden; im Hintergrund die Altstadt von Danzig, die nach dem Zweiten Weltkrieg komplett neu aufgebaut wurde. Im Hintergrund ist am Horizont das Baltische Meer erkennbar.


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Bild oben: Die «innere» Fassade des Theaters: Gut erkennbar sind die drei Ebenen der Bühne. Das Dach kann bis 90 Grad geöffnet werden. Damit verdoppelt sich die Höhe des Innenraumes. Bild rechts: Ein System erhöhter Fussgängerwege ermöglicht beeindruckende Ausblicke. Die stark gerippten Mauern kontrastieren den Fluss der Wege.

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Formgebung in den Mittelpunkt eines Strahlenkranzes zu setzen, der von ganz unterschiedlichen Quellen genährt wird. Im Falle des ShakespeareTheaters in Danzig tragen diese Kraftquellen die Namen Shakespeare, Polen, Danzig, Günter Grass, Solidarnosc, Andrzej Wajda, Wisława Szymborska, Jerzy Grotowski. Sie sind die unverrückbaren magnetischen Kraftfelder, die auf die Gestaltung einwirken. Sie sind quasi die metaphysischen Gesetze, die das Projekt durchdringen. Das Raumprogramm setzt lediglich die quantitativen Regeln fest, aber dieses ist vollkommen machtlos gegenüber dem Einfluss dieser Namen. Lassen Sie mich diese deshalb etwas genauer beschreiben. W I L L I AM S H AK ES PEAR E – Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass das Shakespeare-Theater in Danzig dem Werk des «Bard of Avon» gewidmet ist. Jenem Genius der Schauspielkunst und des Theaters also, der die Tore zu einer neuen Ära aufgestossen und den Weg geebnet hat für das Bewusstsein der modernen Menschheit. Für den französischen Schriftsteller Victor Hugo war Shakespeare ein «Mann des Meeres» wie Aischylos und Dante, «ein Fluss der menschlichen Gefühle». Victor Hugo sagte zudem, Lucrez sei die Erde, während Shakespeare die Weltkugel sei. Die kopernikanische Revolution explodierte mit Shakespeare sozusagen auch in der menschlichen Psyche. PO L EN – Dieses Land war immer schon ein eingeklemmter Wirbel in Europas Rückgrat. Erdrückt vom preussischen Block ebenso wie vom russischen. Es ist erst zehn Jahre her, seit unter der baltischen Sonne eine Wende stattfand, die ebenso folgenreich wie unvorstellbar war. Polen wanderte aus der Sowjetunion aus und ein in die Europäische Union; von Osten nach Westen. In den letzten 50 Jahren änderten sämtliche Kräfte – die politischen, kulturellen und ökonomischen – komplett die Richtung, so als hätte sich eine Pol-Wanderung ereignet. D AN Z I G – Bevor das Süsswasser des Flusses Vistula in die Baltische See mündet, fliesst es durch die hydraulischen Pumpen der Wasserversorgung von Danzig. [Es fliesst über die Hydraulik des beweglichen Daches somit auch durch das Theater, Anm. der Red.].

Doch noch bevor dieses Wasser zurückkehrt zum Ursprung des unendlichen Shakespearschen Atlantischen Ozeans, durchquert es die Meerenge bei Helsingør, vorbei an den Festungsmauern jener Burg, die bewohnt wird von Hamlets Geistern. GÜ N TER GR AS S – Nur etwas mehr als zehn Jahre waren seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen, als der Schrei eines Knaben Kaschubien erzittern liess. In der Kehle von Oskar Matzerath bündelten sich alle traumatisierten Angstschreie, die in der Stille des zerstörten Europas bis dahin unterdrückt worden waren. Dieser Schrei, der sich in die Literaturgeschichte eingebrannt hat, liess sämtliche Fenstergläser bersten mit dem Ziel, den Machtmissbrauch und dunkelste Formen von Gewalt ans Tageslicht zu holen. Der Schriftsteller der «Blechtrommel» (die erste Auflage erschien 1959) wurde 1927 in Danzig geboren und erhielt 1999 den Nobelpreis für Literatur.

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S O L I D AR N O S C – Nur eine Dekade später multiplizierte sich der Solidaritätsschrei von Oskar Matzerath und verstärkte sich in den Strassen von Danzig. Die illegalen Demonstrationen und Arbeitsniederlegungen von Hafenarbeitern der Lenin-Werft im Jahr 1970 markierten den Beginn einer Serie von unaufhaltsamen historischen Ereignissen. Der Elektriker Lech Walesa – 1983 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet – gehörte seit Mitte der 1970er-Jahre dem Streikkomitee der Arbeiter an. Nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis 1980 gelang ihm im gleichen Jahr die Gründung der polnischen Widerstandsbewegung Solidarnosc. Ein Jahr vor seiner Wahl zum Präsidenten der Republik (1990) gelang es Walesa mithilfe von Papst Karol Wojtyla, den Eisernen Vorhang niederzureissen. Die Trompeten Jerichos waren in diesem Falle Jubelschreie. Und die Geopolitik Zentraleuropas wurde gänzlich neu geschrieben. Das Epizentrum dieses Erdbebens war Danzig. AN D R Z EJ W AJ D A – «Der Mann aus Marmor» (1977) und der Folgefi lm «Der Mann aus Eisen» (1981) sind seine beiden Filme über die Unionsbewegung der Danziger Hafenarbeiter. Und es sind Filme über den Zorn, der die Herzen der Menschen entflammt und zerstört. Der heroische Maurer Birkut, der in Nowa Huta arbeitet, einer neuen Stadt am Rande von Krakau,

Die Bühne kann für verschiedene Theaterformen angepasst werden (v. l. n. r.): EventKonfiguration mit Seitenwänden, experimentelle Konfiguration, Event-Konfiguration.


« D as im m erhin leistet d ie L iteratur: S ie schaut nicht weg, sie v ergisst nicht, sie b richt d as S chweigen.» Günter Grass

Diese beiden Theaterformen unterscheiden sich in der Bühnenform. Oben die italienische Bühne, unten die elisabethianische Theaterform; eine englische Theaterform für «alle Stände».

Bild rechts: Sicht auf die Zuschauergalerie von der Bühne aus. Im Vordergrund erkennbar sind die mobilen Elemente, die je nach Art der Aufführung verändert werden können.


DA N R E # 10 E AT H IK AT T N U NIX ARE E PH ΠP S KE SH A

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Bautafel + Bauherrschaft

GTS (Gdanski Teatr Szekspirowski) + Überbaute Fläche

4000 m2 + Kosten

versinnbildlicht diesen Konflikt zwischen Unschuld, Heuchelei und Selbstaufopferung; eine tragische Mischung. Es bedarf der Opferung des eigenen Lebens für das Leben vieler. Der Filmemacher erhielt 2000 einen Ehren-Academy-Award für sein Lebenswerk.

– Szymborska; die «heilige» Unantastbarkeit der Bühne – Grotowski. Jede dieser Theologien ist komplementär und stösst in verschiedene Gefilde vor: Einsamkeit, Entscheidung, Rettung, Aufopferung, Ideale, Qual, Stille und das Heilige. Das typologische Renato Rizzi Programm für dieses ist Architekt und Professor für Open-Air-ShakespeareEntwurfslehre und ArchitekWISŁAWA SZYMBORSKA – Theater wird überlagert turtheorie an der Universität von Venedig (IUAV). Die Krakauer Dichterin, von einem theologischen Programm, seit die 1996 ebenfalls mit dem Nobelpreis ausgeder gemeinsame Nenner zeichnet wurde, durchzerstört, seit der «Eiserne lebte unterschiedlichste radikale Veränderungen in- Vorhang» der modernen Kultur niedergerissen wurde. nerer Sensibilisierung. Sie verhalf der gewöhnlichen Aus diesem Grund ist die innere Formgebung des polnischen Alltagssprache zu ungewöhnlichen theo- gesamten Projekts kontinuierlich geprägt von Paaren logischen Höhenflügen. Die Dichterin vollführte eine gegensätzlicher Kräfte: Absorption und Abstrahlung; unerwartete Rotation des geistigen Auges weg von offen und geschlossen; horizontal und vertikal; transeiner horizontalen, frontalen Sichtwiese des banalen zendent und immanent; spirituell und funktional; Individuums hin zu einer vertikalen Sicht von oben voller Hingabe und mit einer grossen Innovations(im Polnischen «widziane z glory» genannt). Damit kraft. wird Individualität zurückgeführt zu dem, was sie Zeremonieller Akt einst war: eine universelle Einzigartigkeit der Dinge, die für uns so unbedeutend ist wie ein toter Käfer. Die Gesamtanlage mit ihren eingemauerten Volumen, dunkel wie die Erde, nimmt über den Inhalt die JERZY GROTOWSKI – Zwischen dem griechischen Spiritualität der Form auf. Im Gegensatz dazu liegen Theater – einem Ort der Visionen (theoria) par excel- die aufklappbaren Flügel auf dem Dach gut verankert lence – und Grotowskis experimentellem Konzept auf den gerippten Mauern. Sie öffnen sich weit in den des «armen Theaters»* spannt sich ein Bogen über die Himmel, damit sich die Kräfte frei entfalten können, Jahrhunderte. Beim griechischen Theater manifes- die von der Geschichte kanalisiert und in Luft auftiert sich die Ankunft philosophischer Wahrheit. Im gelöst wurden. Die Flügel repräsentieren alle unsere Experimentaltheater von Grotowski wird die verlo- Sehnsüchte. Und diese wiederum finden ihre Reprärene Wahrheit Wirklichkeit. Die Bühne ist der ver- sentation im Theater. Die geöffneten Flügel sind aber bliebene Raum des Sakralen, wo die «Liturgie» der auch eine Geste der Dankbarkeit gegenüber der kosmischen Kräfte und des universellen Bewusst- Stadt, unseren Vorgängern und jenen, die noch komseins inszeniert wird. Wie also kann ein Projekt für men werden. Das Shakespeare-Theater ist ein immerein neues Theater die unerschütterlichen Kräfte dieser währendes Ritual, auch in der Klangstruktur. Die Namen ignorieren, die nichts weniger sind als ikono- schweren Lasten bilden mit der dynamischen logische Universen? Die gewaltige Einsamkeit des Spannung der vertikalen Rotation der Dachflügel Bewusstseins – Shakespeare; die gekippte Weltsicht – eine Einheit. Das mechanische Öffnen ist ein zeremoPolen; die hydrogeografische Struktur – Danzig; nieller Akt. Als Synonym für menschliche Arme beder Schrei – Günter Grass; der Zorn – Lech Walesa; die deuten sie somit auch eine Gebetsgeste, die Hoffnung Aufopferung – Wajda; der Blick vom Himmel und Gnade zum Ausdruck bringt.

52 / 53 * Zwischen 1 9 6 1 und 1 9 6 8 beschäftigte sich G rotowski hauptsächlich mit der Ausbildung der Schauspieler, der Körper trat in den Mittelpunkt seiner Forschung mittels der vergleichenden Theater-Anthropologie. Die Verbindung von Leben und Theater wurde immer wichtiger, es kam zu einer N eudefinition der Zuschauer-/ Schauspielerrolle und einer Ö ffnung der Schauorte. So entstand G rotowskis Konzept des « armen Theaters» .

25 Mio. Euro + Wettbewerb

2005 + Ausführungsplanung

2008–2010 + Realisierung

2011–2014 + Architektur

Renato Rizzi + Mitarbeit

Rizzi – Pro. Tec. O. s. c. r. l. (Roberto Giacomo Davanzo, Roberto Rossetto Andrea Rossetto, Emiliano Forcelli, Susanna Pisciella, Denis Rovetti, Lorenzi Sivieri, Luca Sirdone, Ernst Struwig) + Statik

Armando Mammino + Dachmechanik

A. C. R. + Beratung

Gianfranco Rorato Realisation vor Ort Q-Arch Sp. z o o., Krakau (Robert Kuzianik, Wieslaw Socha (Koordination), Anna Socha (Koordination), Karol Korycki (Koordination), Andrzej Dabrowski (Baustatik), Jan Wachacki (Elektrotechnik), Arkadiusz Kontecki (Mechanik), Lukasz Pilch (Hydraulik), Bartek Zdeb (Diverses), Zbigniew Koska (Bautechnik), Feliks Mikulski (Brandschutz) + Bauunternehmen

N. D. I. Bauleitung Bud-Invent


UMBAUEN HAT ETWAS TIEFGRÜNDIGES. www.halter.ch /gesamtleistungen


54 / 55 595 Kuppel

+3.63m


N R E B

Text: Nadine Kahnt

Pläne: Smolenicky & Partner, BWKI GmbH

Bilder: Philipp Zinniker, Konzert Theater Bern

Der neobarocke Bau des Berner Stadttheaters ersetzte 1903 das Hôtel de Musique am Theaterplatz. Als klassisches Dreispartentheater für Tanz, Musik und Schauspiel konzipiert, ist sein Erfolg unterdessen ohne die vierte Sparte Konzerte nicht zu begründen. Aber nicht nur das hat zur Notwendigkeit einer grundlegenden Sanierung geführt.

T D A ST

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N B ER

T S TA D

Bild rechts: Die neue Bühnentechnik konnte bei der Premiere von «Lohengrin» erstmals eingesetzt werden. Bild unten: Die neobarocke Fassade des Stadttheaters Bern.


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as Stadttheater Bern befindet sich seit Monaten wegen umfassender Bauarbeiten im Ausnahmezustand, und der Zenit der Bauphase wird Ende 2015 überschritten. Trotzdem wird dem Besucher auf den ersten Blick nicht viel Neues geboten: Noch sind die Unebenheiten der alten Boden­ beläge sichtbar, und auch die Umgänge der Ränge sind noch immer im düsteren Beige der vergangenen Jahrzehnte gestri­ chen. In der Kassenhalle aber, die eben von der Nägeligasse in das Hauptgebäude am Kornhausplatz eingezogen ist, wird man plötzlich doch noch von frisch restaurierten Stuckaturen und aufgearbeiteten Holztüren überrascht. Um den Spielbe­ trieb im Berner Stadttheater in Zukunft ohne Einschränkun­ gen aufrechtzuerhalten, sind in erster Instanz sicherheits­ und damit vor allem bühnentechnische Neuerungen notwendig ge­ worden. Diese wurden bereits teilweise an der Premiere von «Lohengrin» eingesetzt! Damit begann diesen Herbst – trotz un­ vollendeter Bauarbeiten – eine ganz besondere Spielzeit, die unter abenteuerlichen Vorzeichen Inszenierungen wagt und einem aufgeschlossenen Publikum erlaubt, die «Atmosphäre des Unfertigen» im Theater mitzuerleben.

Eine B ü hnenp lanung im

Als René von Wurstemberger das Stadttheater Bern 1903 im neobarocken Stil errichtete, übernahm er, wie dies auch in vie­ len anderen europäischen Städten geschah, die damals gän­ gige Form des Hufeisens. Den Bühnenkörper gestaltete er aber als Guckkasten, der erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts an Be­ deutung gewann und die barocke Kulissenbühne ablöste, die anstelle der unendlichen Tiefe den Eindruck eines geschlosse­ nen Raums suggerieren sollte. Die Kulissen wurden daraufhin zunehmend plastisch gestaltet, womit auch die Verwandlung der Bühne erheblich aufwendiger wurde und die Entwicklung der bis heute verwendeten Bühnenmaschinerien zum schnel­ len Wechseln der Kulissen einläutete.

Einb au einer neuen B ü hnenm aschinerie Aber auch die Guckkastenbühne wird inzwischen von vielen Theaterregisseuren als überholt betrachtet: Von einem moder­ nen Theater wird heute vielmehr erwartet, dass der Zuschau­ erraum in die szenische Konzeption einer Art Raumbühne ein­ bezogen werden kann. Im bestehenden Stadttheater Bern fehlen dafür natürlich die Voraussetzungen. Aber die zuneh­ mende Diskrepanz zwischen den bühnentechni­ schen Möglichkeiten und dem Bedürfnis, tech­ nisch anspruchsvollere Stücke ins Berner Stadttheater zu holen (für das hiesige Publikum bislang weitestgehend unerfüllt), konnten die Bay­ reuther Bühnenspezialisten in der eben vollende­ ten Etappe dank einer neuen Bühnenuntermaschi­ nerie bereits wesentliche Neuerungen einbringen. Das Berner Stadttheater war teilweise so ver­ altet, dass es nicht einmal mehr Ersatzteile für ein­ zelne Maschinen gab, geschweige denn den dazu­ gehörenden Hersteller. Dies hatte zur Folge, dass gewisse Effekte oder Podien nur eingeschränkt oder gar nicht mehr genutzt werden konnten. Die drei Hubpodien, die sich nun automatisch öffnen und nicht mehr mit sogenannten Schiebern von Hand bedient werden müssen, haben für die ef­ fektvolle Kulissenverwandlung heute eine enorme Bedeutung: «Diese grossen Doppelstockpodien», erklärt von Graffenried, «können bis zu sieben Meter aus dem Bühnenboden herausfahren. Da­ hinter liegen drei kleinere Ausgleichspodien, die man in geringeren Höhen hoch­ oder runterfahren kann.» Ob Schrägstellungen, das Einsetzen einer Drehscheibe oder das Anwenden einer sogenann­ ten Tischversenkung im Podium – mit der neuen Untermaschinerie können ab jetzt, also bereits

Z eichen d er H uf eisenf o rm

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Als hufeisenförmiges Theater mit steilen Rängen steht das Ber­ ner Stadttheater (wie viele ähnliche Einrichtungen) unter Denkmalschutz und ist als Gesamtheit geschützt – also auch jene Teile, die schon immer schlecht funktionierten. Um diese Störungen möglichst einzudämmen, wurden zwei internatio­ nal renommierte Bühnenplanungsspezialisten von BWKI aus Bayreuth beigezogen: Für Walter Kottke und Andreas von Graffenried ist die «Hufeisenform, durch die der Schall vorwie­ gend in die Mitte zurückreflektiert wird, massgeblich daran beteiligt, dass das Berner Stadttheater für seine Akustik nicht sonderlich berühmt ist». Um das akustische Erlebnis für den Zuschauer dennoch zukünftig zu stärken, wird es deshalb, so Kottke, «neben den baulichen Verbesserungen auch eine mo­ derne Tontechnik wie Surround­Lautsprecher oder Linien­ Lautsprecher geben müssen». Der ursprünglich halbrunde Zuschauerraum des antiken Theaters hatte sich während der Barockzeit zur Hufeisenform gestreckt, womit sich der bis heute überlieferte prototypische Aufbau von Bühne und Theatergebäude herausgebildet hat, wie er auch in Bern wiederzufinden ist. Die gestreckte Form ist eng mit dem damaligen Repräsentationsbedürfnis des euro­ päischen Hofstaats verbunden. Das Volk konnte die Notabeln von den seitlichen Rängen aus direkt auf dem Parkett bewun­ dern, während die Vorführungen auf der Bühne in den Hinter­ grund traten.

S tad ttheater nichts auf

gef ü hrt wurd e, heisst d as nicht, d ass

keine N utzer v o r O rt waren.

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B ackstage,

Brandschutz best. akz.

354 Umgang rechts AVZ86

AVxxx BEL-Trasse im Boden - NEU -

+10.46m

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Kabelsteigschacht

BELxxx

B au f unktio -

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BEL-Trasse unter Decke parallel Haustechnik - NEU -

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AVxxx

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AVZ81

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AV-Trasse 200 im Boden - NEU -

AVZ91 AVZ93 Delay-Line

Surround-LS

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nieren.»

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best. HFL

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351 Garderobe links

Brandschutz neu

BELxxx

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Surround-LS

ins 4.OG AVZ87

397 Treppe Kuppel

BEL/AV-Steigtrasse 100 parallel Haustechnik - NEU -

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Linienstrahler AVZ31 AVZ31a

xxx

357 Entrée links Brandschutz best. akz.

AVP31

335 WC Damen

353 Umgang links

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AV-Steig-Trasse - Bestand -

393 3. Rang

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329 Abluftschacht

364 Mansarde

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391 Proszeniumsloge links

Delay-Line

363 Durchgang neu

AV-Stapa Einzelrohre im Boden- NEU -

BEL-Stapa Einzelrohre im Boden- NEU -

BELxxx

395 3. Rang

Das Berner Stadtheater im Grundriss: Das Bühnenhaus links fügt sich der gestreckten Form des Publikumsbereiches an.

neb en d em

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Delay-Line

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AVZ92

AVZ82

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Delay-Line

Surround-LS

Subwoofer

xxx

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Linienstrahler

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Brandschutz neu

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usw. m ussten

381 Treppenhaus rechts BVH FB+10.46 RB+10.38

FB+9.22 RB+9.14

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392 Proszeniumsloge rechts

best. HFL

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ins 4.OG

382 IV-Lift BVH

358 Entrée rechts

352 Garderob rechts

Surround-LS

330 Kabelsteigschacht

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Tablaranlage 2-etagig

339 W Herren

AVP32 AVZ88

CT

Tiefkühlschrank EK

CT

BEL-Steigtrasse - Bestand -

WP

338 Küche AV-Steig-Trasse 500 - NEU -

WP

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d ie K ü nstler

372 Zuluftschacht

371 Treppenhaus links BVH

Roger Dietrich, Bauleiter


11 AT # K I N U TER N IX A E PH Œ H T Bild links: Die frisch restaurierten Türen werden wieder eingebaut.

T S TA D

Bild Mitte: Der Kronleuchter wird demontiert für die Reproduktion in Tschechien.

Bautafel Gesam tleitung

Kontur Projektmanagement AG, Bern +

Gesam tleitung B au Itten + Brechbühl AG, Bern +

Architekt

Smolenicky & Partner Architektur GmbH, Zürich +

B ü hnenp lanung

Walter Kottke Ingenieure GmbH, Bayreuth +

B auingenieur

Ingenta AG, Ingenieure und Planer, Bern +

Akustik

Müller BBM GmbH, München +

R estaurato r

Fischer + Partner AG, Bern

Der Publikumsbereich wird für die anstehende Sanierung bereits ausgemessen.

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in der Interimszeit der Bauphasen, neue Effekte erzielt und kann zum Beispiel eine Person über die neue Versenkung durch die Podien hindurch erscheinen, wie gerade bei «Lohengrin» zu sehen ist. Der alte Bühnenboden wurde ebenfalls in der zurückliegenden Sommerpause Stück für Stück herausgeschnitten, um die Arbeiten an der Unterkonstruktion durchführen zu können. Die besten Teile des alten Bühnenbodens wurden vorübergehend eingelagert und sollen später im neuen Theatercafé, das anstelle der Kassenhalle in die Nägeligasse einziehen wird, zum Einsatz kommen. Der neue Bühnenboden besteht aus drei Schichten; aus einer Birkensperrholzplatte und einer Zwischenlage aus gelbem Seekieferholz. Die Widerstandsfähigkeit indes wird erst erreicht durch einen Bühnenbelag aus österreichischer Schwarzkiefer, die auch Pechkiefer genannt wird. Diese Holzsorte diente früher der Harzgewinnung und ist äusserst harzhaltig. Sie macht den Boden erst gegen die starke Beanspruchung durch Schauspieler und Tänzer beständig.

S chnittstellen m it d er Ä sthetik Auch wenn es in den ersten beiden Bauetappen keine aktiven Aufführungen im Haus gegeben hat, durfte nicht einfach der gesamte Theaterbetrieb zum Erliegen kommen. Ob Perückenmacher, Schneider, Maskenbildner oder Backstage – für sie alle musste und muss der Betrieb auch in den beiden letzten Phasen bis zur Fertigstellung im Herbst 2017 gewährleistet bleiben. Während die Interims-Aufführungen ab März 2016 im Provisorium auf dem Berner Waisenhausplatz fortgesetzt werden, wird vor allem die nächste Sommerpause dazu genutzt, den Publikumsbereich und die Bühnenobermaschinerie umfassend zu erneuern. «Während wir», so Andreas von Graffenried, «im Bühnenraum noch unter uns waren, werden wir im Zuschauerraum, den Foyers und Umgängen wesentlich mehr Schnittstellen mit anderen Gewerken haben, die eine genaue Abstimmung mit dem Architekten, dem Restaurator und anderen verlangen.» Dies sei gerade erst bei der Sanierung der Kassenhalle sichtbar geworden: Um die richtige Lautstärke und den richtigen Abstrahlwinkel der Lautsprecher zu erreichen, wären nämlich grosse säulenförmige Lautsprecher nötig gewesen. «Aus denkmalpflegerischen und ästhetischen Gründen mussten wir hier aber den Kompromiss eingehen, die Lautsprecher sehr diskret auf den Simsen zu verteilen. Die Folge davon war, dass die von uns als Richtwert vorgeschlagene Dezibelzahl nur knapp erreicht werden konnte.»

Z ugm ö glichkeiten an ( f ast) unm ö glichen S tellen Der Publikumsbereich im Stadttheater Bern, dessen Parkett, wie eingangs erwähnt, im Barock zu Repräsentationszwecken diente und nicht bestuhlt gewesen ist, wird von einer üppig

ausgeschmückten Kuppeldecke überwölbt. Das Berner Stadttheater musste diesem Anspruch zwar nie gerecht werden. Aber trotzdem oder gerade deswegen wird der heutige Wunsch nach einem hohen Kunstgenuss beeinträchtigt. Das Verhältnis von Publikumsbereich und Bühne hat sich grundlegend verändert. Deshalb benötigt das Stadttheater Bern nun genau dort sogenannte Zugmöglichkeiten, die nie vorgesehen waren, um die Ausleuchtung mithilfe von Moving Lights, Verfolgern usw. bewerkstelligen und diese oder schwere Lautsprecher fachgerecht einhängen und platzieren zu können. Ja, um schlicht und einfach mehr Flexibilität für Fremdveranstaltungen anzubieten, wird gerade die ausgeschmückte Kuppeldecke im Zuschauerbereich zur grossen Herausforderung. Zudem werden momentan mittels 3D-Analysen die Sichtlinien jedes einzelnen Platzes überprüft und im Parkett wie auch in den Rängen neu positioniert oder sogar eliminiert. Ausser den Sitzen wird auch die Wandausbildung in den Rängen massgeblich zur Verbesserung der Akustik einbezogen. Neben dem Architekten, dem Akustiker, dem Belüftungstechniker und sogar dem Intendanten des Hauses ist die Firma Szeno aus Stans als Evaluationspartner für das neue Stuhlkonzept beigezogen worden. Um tatsächlich einen akustischen Mehrwert zu erzielen, versuchen die Projektverantwortlichen derzeit, die genaue Oberflächenbeschaffenheit, mithin die unterschiedlichen Härtegrade der Rückenlehnen, des Bezugs oder der Polsterung und vieles mehr auf die übrigen Raumverhältnisse abzustimmen. Im Gegensatz zur Bühnentechnik zielen die architektonischen Massnahmen des Architekturbüros Smolenicky und Partner aber insgesamt auf eine konsequente Minimierung baulicher Eingriffe. Diese orientieren sich am Bestand und gleichen sich in ihrer Formensprache bewusst an, sodass Neu und Alt sich nicht gegenseitig akzentuieren, sondern in ihren Grenzen vielmehr verwischen. Für das neue Foyer im dritten Rang war jedoch der Durchbruch einer hundertjährigen Wand unabdingbar. Nur so lässt sich die weitere Nutzung zukunftsfähig machen und lassen sich die Publikumsströme in den Pausen besser verteilen. Die Garderoben auf den Rängen und die heute unschön in die Langfenster hineinragenden Decken werden in der kommenden Etappe ebenfalls auf den ursprünglichen Zustand zurückgebaut. Aber noch sollte man die einzigartige «Atmosphäre des Unfertigen» einer Theaterbaustelle geniessen, bevor man sich in die neuen Fauteuils fallen lassen kann. Denn erst kürzlich wurde der alte Kronleuchter in der Eingangshalle demontiert und nach Tschechien transportiert. Dort wird er von einer Spezialfirma 1 : 1 aufgenommen, um bis zum endgültigen Auftakt im Herbst 2017 als Vorlage für die neuen Kronleuchter in den Treppenhäusern zu dienen.

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Der Bühnenturm mit der neuen Unter- und Obermaschinerie.


Text: Nadine Kahnt

Interview: Martin Lydon

Pläne: Haworth Tompkins

D a s « N a t i o n a l T h e a t r e » a n d e r So u t h B d e s B r u t a l i s m u s . D i e Ar c h i t e k t e n H a w o 2 0 1 5 e in e r T r a n s fo r m a tio n u n te r z o g e n v o r a u sg in g u n d d ie sc h lie s slic h m e iste r K o n te x t r e a g ie r t, tr o tz d e m a b e r D e n y s Bilder: Philip Vile

e in M e iste r w e r k e n e s b is in s Ja h r n g e Sp u r e n s u c h e d e r u n g e n im s u b til w e ite r fü h r t. Architektur: Denys Lasdun, Haworth Tompkins

a n k Lo n d o n s i s t r th T o m p k in s h a b , d e r e in e ja h r e la lic h a u f d ie V e r ä n La s d u n s K o n z e p t

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Der dreigeschossige Sitzbereich des «Lyttelton Café» scheint durch die riesigen raumhohen Verglasungen nahtlos in den Platz überzugehen.

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as «National Theatre» in London ist ein Meisterwerk des Brutalismus. Seit Denys Lasdun es 1977 fertigstellte, hat sich die South Bank allerdings noch weiter vom unwirtlichen Industriequartier zum beliebten kulturellen Stadtteil gewandelt. Die Architekten Haworth Tompkins haben es bis ins Jahr 2015 einer Transformation unterzogen, die meisterlich auf die Veränderungen im Kontext reagiert und Lasduns Konzept weiterführt. Sie weist nun auch den Zuschauern, Passanten und Gästen selbst eine Hauptrolle im Gebäude zu. Martin Lydon, Architekt bei Haworth

Tompkins und einer der führenden Köpfe des Projekts «National Theatre Future», hat exklusiv für das Magazin PHŒNIX den Prozess der jahrelangen Spurensuche kommentiert:

Martin Lydon, Sie sagen, dass die Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde ein langer Prozess von über sieben Jahren gewesen ist. Was waren die wichtigsten Entscheidungen, die sie gemeinsam getroffen haben? Das «National Theatre» pflegte schon immer eine enge Beziehung zum «Lambeth Council Conservation Department» in

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W ir hab en v ersucht, seine Ged ankenwelt zu b egreif en, ein V erständ nis d af ü r zu entwickeln, wie er d as « N atio nal Theatre» ursp rü nglich ko nzip iert hat und wie es sich ü b er seine b ald 4 0- j ährige London. Neben dieser kommunalen Ebene suchten wir dann 2007 aber auch das Gespräch zur staatlichen Kommission von «Historic England», ehemals «English Heritage» und von der «Twentieth Century Society», die sich um den Erhalt britischer Architektur und Design ab 1914 bemüht. Mit ihrer Hilfe konnten wir ein tief greifendes Verständnis für Lasduns Architektur entwickeln und wichtige Grundlagen für die spätere Planung des «NT Future»-Projekts legen. Wir entwickelten gemeinsam eine Art Managementplan, in dem wir jedes scheinbar noch so unwichtige Gebäudeteil auflisteten und es entsprechend seiner Konstruktion und architektonischen Bedeutung nach fünf Kategorien einordneten: absolut unverzichtbar, bedeutend, wichtig, weniger wichtig, unwesentlich. Damit war es uns möglich, gemeinsam mit den Behörden jene Gebäudeteile zu identifizieren, die

sich für eine Änderung oder eine neue Nutzung eigneten, und jene, die auf jeden Fall erhalten bleiben sollten. Die «Twentieth Century Society» unterstützte uns zudem intensiv bei der Suche nach den bestmöglichen Konservierungsmethoden für die Betonstruktur, die inzwischen etwas in die Jahre gekommen war. Neben den behördlichen Instanzen, die auch in jeder Planungsphase und später in sehr vielen Baustellenbesuchen und -besprechungen involviert waren, haben wir unser Ideen und Ansätze aber nicht zuletzt auch mit ehemaligen Mitarbeitern von Lasduns Planungsteam, Architektur-Historikern und Denys Lasduns Frau Susan Lasdun besprochen.

Das «Max Rayne Centre» wurde als neuer Gebäudeteil an den Bestand angefügt. Wie gelang es Ihnen, die Denkmalbehörden davon zu überzeugen, dem strengen

L eb ensd auer v eränd ert hat. Martin Lydon


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orthogonalen Ausdruck von Lasduns «National Theatre» eine weichere Formensprache entgegenzusetzen? Es war uns wichtig, dass das neue Produktionsgebäude, das «Max Rayne Centre», die übrigens einzig wirkliche Erweiterung, als ergänzender Gebäudeteil wahrgenommen wird und sich an das bestehende Werkstattgebäude anfügt, aber keine blosse Nachbildung der massiven Ausdrucksform des Theaters ist. Gleichzei­ tig war es notwendig, Lasduns strenge orthogonale Sprache zu würdigen, indem wir den neuen Gebäudeteil an Lasduns Grundraster und den Rhythmus der Beton­Lisenen ausrichteten. Obwohl das gewellte Stahlgewebe der Ausfachun­ gen ein neues Material ist und damals nicht verwendet wurde, haben wir es sehr sorgfältig ausgewählt, damit es mit den erdigen Farbtönen von Lasduns Beton harmoniert. Dank unserer sorgfältigen und analy tischen Methodik, ähnlich dem Managementplan, und einer ganzen Reihe von physischen Modellen konnten wir mit den Denkmalbehörden unsere Ansätze diskutieren.

Wie war es für Sie, neben der Kategorisierung zu entscheiden, welche Räume verändert werden konnten und welche nicht? Mithilfe des «Conservation Management Plan» gelang es uns, das Gebäude zu verstehen und anhand der zuvor erwähn­ ten Stufen in unverzichtbare, also erhal­ tenswerte Bereiche (beispielsweise die meisten Foyers) und in Bereiche zu unterteilen, die für den Ausdruck des Theaters weniger prägnant sind und deshalb für Veränderungen zur freien Verfügung standen (die innerbetrieblichen Werkstätten mit ihrer fast fensterlosen, ziegelverkleideten Fassade, die Warenan­ lieferung und Entsorgungsbereiche im Nordosten). Der Katalog diente uns immer als wesentliche Grundlage – in den äusserst intensiven jahrelangen Planungs­ phasen und den vielen Lagebesprechun­ gen mit Behörden und Nutzern. Waren neue konstruktive Ideen notwendig, oder sind Sie der vorherrschenden Gestaltungssprache treu geblieben? Wir waren sehr inspiriert davon, wie Denys Lasdun mit einer sorgfältig

Das umgestaltete «Dorfman Theatre» steht zusammen mit dem neuen «Clore Learning Centre» für ein junges Publikum offen.


Grundriss EG links: Zurückgebautes Entrée und neues Café. Grundriss OG rechts: Neues Werkstattgebäude und «Clore Learning Centre».

Londons grösste innerstädtische Produktionshalle: das neue Werkstattgebäude «Max Rayne Centre».

ausgewählten Materialienpalette die Wirkung im «National Theatre» bewusst steuerte. Zum Beispiel die Betonwände mit ihrer horizontalen Bretterschalung, Holzelemente aus Wengeholz, weinrote Bodenbeläge, die dünnen Aluminiumprofile der Fenster in den Foyers, die Kalksandsteinwände oder der rötliche Backstein der Werkstätten. In den Bereichen, wo unsere neuen Interventionen nahtlos mit der existierenden Bausubstanz verschmolzen, verwendeten wir sehr ähnliche Materialien. Aber wir wollten auch unbedingt neue Materialien einsetzen wie die fröhlich farbigen Polsterungen in den Foyer-Zonen oder die mit Douglasie furnierten Sperrholzplatten der neuen Werkstattwände. Aber auch für das heutige «Dorfman Theatre», das ehemalige «Cottesloe Theatre», das erst später zu Lasduns Entwurf hinzugefügt wurde und deshalb nicht sehr gut an die umliegenden Foyers angeschlossen war, reagierten wir mit einer neuen Materialsprache, welche die Verschiedenartigkeit der dortigen Vorstellungen zum Ausdruck bringen soll. Diese Douglasie ist kräftiger gemasert


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und vermittelt für unsere Begriffe sehr gut zwischen Lasduns Wengeholz und der natürlichen Douglasie der Produktionsstu­ dios am «Max Rayne Centre».

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Stanton Williams hat das «National Theatre» bereits 1996 das erste Mal saniert. Ist davon etwas zurückgeblieben, oder haben Sie alles auf das ursprüngliche Gebäude zurückgeführt? Genau genommen legte Stanton Williams damals sogar die Grundlage für unser Projekt, indem er die Strasse, die um das Gebäude führte, beseitigte. Er ergänzte das Gebäude mit einem verglasten Eingangspavillon und legte ein neues farbiges Besucherleitsystem an, das auf die

Passanten können nun gemütlich unter den majestätisch ausladenden Dachflächen in der «Understudy Bar» verweilen.

vom Fluss her kommenden Besucher reagierte und damit die öffentliche Zone um das Erdgeschoss erheblich stärkte. Der entstandene Theaterplatz ist inzwischen zum unverzichtbaren Ort für Happenings und Inszenierungen geworden. 15 Jahre später hatten wir allerdings das Gefühl, dass diese Änderungen eigentlich nicht der ursprünglichen Gestaltungsidee Lasduns entsprachen und sich der Pavillon nur an die aus dem Westen kommenden Passanten richtete, nicht aber an diejeni­ gen aus der entgegengesetzten Richtung. Zudem beherbergte der raumhohe verglaste Pavillon einen Buchladen, dessen Ein ­und Ausblicke an solch prominenter Lage durch die überfüllten Regale


verhindert wurden. Aber auch die Aussicht aus dem Foyer über die Themse zum prachtvollen «Somerset House», das eines der wichtigsten Kunst­ und Kulturzent­ ren Londons ist, wurde durch den Pavillon letztlich erheblich gestört. In unserem Projekt «NT Future» haben wir diesen Pavillon nun zugunsten einer sinnvollen Neuordnung abgebrochen.

Das Verständnis, was Theater ist und wie es produziert wird, ist heute ein anderes als vor 40 Jahren. Sie haben deshalb einige wesentliche Änderungen vorgenommen. Welche sind Ihrer Meinung nach die Wichtigsten? Existierte das «Learning Centre», wie es am heutigen «Dorfman Theatre» vorkommt, schon? Nein, das «National Theatre» hatte bisher keine Lernmöglichkeiten. Das «Clore Learning Centre» ist Teil unseres «NT Future»­Projekts und wurde erst in diesem Frühjahr eröffnet. Die neuen Lehrräume bieten dem «NT» endlich die Möglichkeit, junge Leute, Schüler und Studenten in das Theater einzubinden. Die neu geschaffene Transparenz zwischen den unterschiedlichen Zonen im Gebäude, die neu gestalteten Foyers oder die, wie schon von Denys Lasdun vorgesehen, mit warmen Farben bemalten Theatersäle suggerieren ein Gefühl von Aufgeschlossenheit, die auch nicht so Theater­affine Leute ermutigen soll, das Gebäude ohne Hemmung zu betreten. In derselben Absicht haben wir zum Beispiel auch das neue Mal­Atelier im «Max Rayne Centre» mit grossen verglasten Öffnungen gestaltet, damit es vorübergehenden Passan­ ten erlaubt ist, einen flüchtigen Blick auf die Werkplätze in der, nebenbei bemerkt, heute grössten Produktionshalle im Zentrum Londons zu werfen. Martin Lydon, können Sie mir kurz erläutern, von wem oder was sich Haworth Tompkins für dieses Projekt inspirieren liess? Unsere Einflüsse lassen sich eigentlich alle um Denys Lasdun herum aufspüren. Wir haben versucht, seine Gedankenwelt zu begreifen, ein Verständnis dafür zu entwi­ ckeln, wie er das «National Theatre» ur­ sprünglich konzipiert hat und wie es sich über seine bald 40­jährige Lebensdauer verändert hat. Dabei bezogen wir uns sehr häufig auf den ursprünglichen

Gebäudezustand 1977, im Jahr seiner Eröffnung. Massgeblich geholfen hat uns hierbei die Ausgabe der «Architectural Review» vom Januar desselben Jahres. Die darin abgebildeten Fotos gaben uns den grössten Aufschluss, zum Beispiel über das wunderbare Lichtspiel in den Foyers oder die originalen Beleuchtungskörper. Aber wir bezogen uns auch auf unsere eigenen Erfahrungen aus früheren Theaterprojekten, wie zum Beispiel dem «Young Vic Theatre», «Royal Court Theatre» so wie auf das vollkommen neu gebaute «Royal Danish Playhouse» in Kopenhagen.

Singularität, die auch am «National Theatre» deutlich wird, ist ein Merkmal des Brutalismus. Wie verträgt sich diese mit der neu angelegten Verflechtung der öffentlichen Zonen um das Gebäude herum? Korrespondiert es mit Lasduns Position? Wir hoffen sehr, dass unser «NT Future»­Pro­ jekt diese Singularität von Lasduns Entwurf stärkt, indem wir die sichtbar störenden Ergänzungen, die seit der Eröffnung hinzuge­ kommen sind, wieder entfernt haben: kalte nüchterne Beleuchtung, nachträglich eingebaute Büroeinheiten innerhalb des Werkstattgebäudes, unpassende Signaletik, unüberlegte haustechnische Installationen oder lieblose Möblierungen. Wir ersetzten diese durch eine einheitlich gestaltete dritte Schicht, die sich an Denys Lasduns Überle­ gungen und Materialien anlehnt und uns erlaubte, seinen allumfassenden Gestaltungs­ anspruch am «National Theatre» erneut aufleben zu lassen. Unsere neuen Ansätze, wie zum Beispiel der dreigeschossige Sitzbereich des «Lyttelton Café», der durch die riesigen raumhohen Verglasungen nahtlos vom quirligen Platz in eine Zone des Stillstands überzugehen scheint, folgen ebenfalls Lasduns ursprüngli­ cher Intention, das Theater zum Stadtraum zu öffnen. Das «Lyttelton Café» und die «Understudy Bar» an der nordöstlichen Ecke des Gebäudes, die heute dem Fluss zuge­ wandt sind, besetzen einen Ort, der von Lasdun für die Warenanlieferung und Abfallentsorgung vorgesehen war, als der Fussweg am Themse­Ufer noch nicht existierte und man auf eine Ansammlung von unwirtlichen Lagerhäusern blickte.

Steve Tompkins

Das britische ArchitekturBüro Haworth Tompkins wurde 1991 durch Steve Tompkins und Graham Haworth gegründet. Es besitzt international Anerkennung im Theaterbau und hat mit dem «Liverpool Everyman Theatre» 2014 den RIBA Stirling Prize für das beste Gebäude des Jahres in Grossbritannien gewonnen.

Bild oben: Vom Café hat man einen schönen Blick über die Themse. Bild unten: Durch die grossen Verglasungen lassen sich die Arbeiten «hinter den Kulissen» beobachten.


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Akustik- L ö sungen d ank ko nstruktiv em D ialo g D ie M u sik r ä u m e d e s Ja z z -C a m p u s B a se l b e e in d r u c k e n d u r c h ih r e n a u s se r g e w ö h n lic h e n a k u stisc h e n C h a r a k t e r . D i e Ak u s t i k - Lö s u n g w u r d e in e n g e r Z u sa m m e n a r b e it z w isc h e n B a u h e r r s c h a ft, d e n k ü n ftig e n N u t z e r n ( M u s i k e r n ) , d e n Ar c h i t e k t e n u n d d e n Ak u s t i k - I n g e n i e u r e n e r a r b e ite t. Einleitung und Interview: Tilo Richter Bilder: Martin Zeller

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m Herbst 2014 haben die Musik-Akademie Basel und die Musikhochschulen der Fachhochschule Nordwestschweiz inmitten der Basler Altstadt einen Neustart gewagt. In einem einst unscheinbaren Hinterhof, am früheren Standort der Willy A. Bachofen AG, die hier Maschinen produzierte, und gut versteckt hinter mittelalterlichen Wohnhäusern ist seit Mai 2011 eines der ungewöhnlichsten Musikschulgebäude Europas gewachsen. Mit Mitteln der Stiftungen Habitat und Levedo realisierten das Basler Architektur-Büro Buol & Zünd und die Gelterkinder Akustikfirma Applied Acoustics den Umbau der historischen Gebäude und die dahinter liegenden zwei- bis sechsgeschossigen Neubauten. Entstanden ist dabei ein architektonischer und akustischer Ort der Extraklasse, bestehend aus knapp 50 unterschiedlich grossen Probenräumen, zwei Performance-Sälen, zwei Tonstudios und einem öffentlichen Jazz-Klub für bis zu 150 Gäste. Die Pläne für den Jazz-Campus Basel sind über Jahre gewachsen, wobei eine der wichtigsten Etappen auf diesem Weg die Befragung der Lehrkräfte dazu war, wie sie sich ihre künftige Musikschule vorstellen – räumlich, vor allem aber klanglich. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass Klangsituationen und akustische Qualitäten von Räumen nur sehr schwer in Worte zu fassen sind. Gerade deswegen lohnt der Blick zurück auf die Retraite der Jazz-Schule, die im März 2010 stattfand. Damals unternahmen die Dozierenden gemeinsam den Versuch, ideale Unterrichtsräume zu beschreiben, um daraus Entscheidungen für den Jazz-Campus abzuleiten. Ausgangspunkte waren also nicht nur der Raumbedarf, grundlegende technische Merkmale oder die für den Bau zur Verfügung stehenden Mittel einer solchen Musikschule, sondern zugleich auch ganz subjektive Faktoren. Die Herausforderung bestand zudem darin, die durchaus unterschiedlichen Blickwinkel der vier Partner bei der Planung des Campus

(Bauherrschaft, Architekten, Akustikplaner und künftige Nutzer) zu berücksichtigen. Im mehrjährigen Prozess von den ersten Ideen und Überlegungen bis zum fertigen Bau haben die Rollen innerhalb der Zusammenarbeit häufig gewechselt. Aus Platzgründen beschränkt sich das anschliessende Interview auf die Sichtweise der Akustik-Spezialisten. Martin Lachmann von Applied Acoustics hat den Bau des Jazz-Campus mit seinem Team unter der Leitung von Markus Spinnler als Akustiker begleitet und mit den klangraumbildenden Massnahmen seines Unternehmens den akustischen Charakter der Musikschule massgebend geprägt.

Martin Lachmann, wie sah die Arbeit am Jazz-Campus konkret aus, wie haben sich die vier involvierten Partner gefunden? Martin Lachmann: Bei jedem Projekt muss einer eine Vorgabe machen und anfangen. In unserem Fall wechselte dies ab, mal machte der Akustiker einen Vorschlag, mal der Architekt. Wer Huhn und wer Ei war, wechselte dabei immer wieder. Um im Bild zu bleiben: Im Falle des Jazz-Campus war in vielen Fällen der Architekt das Huhn und legte die Eier, der Architekt machte also den ersten, den architektonischen Entwurf. Doch dann kamen die vier Parteien ins Spiel. Bernhard Ley von der Jazz-Schule und Georg Hasler von Levedo (der Bauherrschaft) brachten sich als Advokaten der Nutzerinnen und Nutzer ein. Das war das Schöne an diesem Projekt: Da sassen wirklich gleichberechtigte Parteien am Tisch. Nicht in jedem Bauprojekt werden wir so gehört, wie es hier beim Jazz-Campus der Fall war. Wie sind Ihnen in diesem Prozess die Musiker begegnet? Lachmann: Viele von ihnen proben am liebsten in ihrer Altbauküche, in einem Wohnzimmer oder ähnlichen «normalen» Räumen. Mit dieser Ausgangslage gab es

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gewisse Vorbehalte der zukünftigen Nutzer gegenüber technisch-akustischen Massnahmen. Daraus folgte, dass wir Akustiker uns zumindest anfänglich dagegen wehren mussten, in diese «Techniker-Ecke» gedrängt zu werden. Im Laufe des Projekts ist es uns gelungen, den Projektpartnern zu vermitteln, dass wir uns nicht nur über die normierte Grösse und Lage von Absorptionsflächen Gedanken machen, sondern auch einen differenzierten Zugang zu Klang und Sound haben. Geholfen hat uns dabei, dass wir alle nicht einfach Physik studiert haben und uns nun mit Akustik beschäftigen, sondern dass wir alle einen engen Bezug zur Musikbranche haben und uns sehr gut vorstellen können, was und wie ein Jazz-Musiker gern hören möchte.

Aus den Reihen der Musikerinnen und Musiker kam ja der Vorschlag, gemeinsam zu musizieren und dann vor Ort über Vorzüge und Nachteile eines Raumes und seiner Akustik zu diskutieren. Kam es dazu? Lachmann: Ja, das haben wir gemacht. Und wir haben von Anfang an auf gleicher Ebene miteinander kommuniziert, auch wenn es ein harter Prozess war, sich als Akustiker zu positionieren. Unser Problem war, dass wir keinen Bestand hatten, den wir optimieren oder korrigieren sollten, sondern dass wir über neue Räume zu diskutieren hatten, deren akustische Konstitution wir alle noch nicht kannten. Aus Erfahrung wissen wir, dass neu gebaute Räume nicht von selbst zu akustisch brauchbaren Räumen werden. In der Praxis heisst das, dass wir nachhelfen müssen, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Das Organische funktioniert vielleicht in einer Wohnung, die man Stück für Stück möbliert, aber in den Arbeitsräumen einer Musikschule ist das nicht so einfach. Zudem gibt es die Zeit gar nicht, sich zuerst lange mit dem idealen Einrichten eines Proberaums zu beschäftigen. Wir mussten immer wieder argumentieren und auf eine konstruktive Art dafür kämpfen, dass ein gewisses Quantum an akustischen Massnahmen umgesetzt wurde, um in diesen Räumen anspruchsvoll musizieren zu können. Um Entscheidungen treffen zu können, haben Sie einen Musterraum in Originalgrösse gebaut, der Akustik-Tests erlaubte … Lachmann: … genau, das war im Grunde der Wendepunkt im Projekt. Unsere sehr unterschiedlichen Standpunkte führten dazu, diesen Musterraum zu schaffen, um konkrete Antworten auf unsere Fragen zu erhalten. Dort konnten wir verschiedene Stufen von akustischen Einbauten – von null bis maximal – untersuchen und wegweisende Entscheidungen treffen. Nachdem die Musikerinnen und Musiker dort gespielt hatten, hatten wir die Argumente für die Akustik auf unserer Seite. Wie darf man sich die Testphase im Musterraum vorstellen? Lachmann: Das Vertrauen der heutigen Nutzerinnen und Nutzer in unsere theoretischen Aussagen war beschränkt, also sollten praktische Versuche Aufschluss geben. Die Architekten stellten sich natürlich nicht gegen diese Idee, weil sie selten die Möglichkeit haben, solche akustischen Tests durchzuführen und den Raum auch für gestalterische und materialtechnische Studien selbst zu nutzen. Uns hat der Raum geholfen, mehr Mut aufzubringen, näher an die Grenzen zu gehen. Der Druck auf uns war selbstredend gross, weil 40 Räume nach einem Akustik-Konzept gebaut werden mussten. Die Ideen für eine schallharte Akustikdecke in Gips haben wir nach den Tests verworfen, weil unerwünschte klangliche Anomalien offenbar wurden. Sind solche Effekte auch für den Laien hörbar, oder bewegen wir uns da im Bereich feinster Nuancen?

Um eine optimale Akustik zu erreichen, wurde zuerst ein Musterraum in Originalgrösse gebaut. Erst als die Musiker darin gespielt hatten, waren sie für die Vorschläge der Akustiker empfänglich. Heute sehen die Musikzimmer so aus.

Lachmann: Nein, das war gravierend, um das kann man sich nicht drücken. Ich sage immer: Akustik spielt sich vor dem Komma ab. Was wir hier diskutieren, die Prognose-Genauigkeit in der gebauten Raum-Akustik, liegt im Prozent- oder zweistelligen Prozentbereich. In der Elektronik, etwa bei Kopfhörern oder Verstärkern, ist das ganz anders, da geht es mitunter um die dritte Stelle hinter dem Komma. Zehn Verstärker miteinander zu vergleichen ist etwas ganz anders, als wenn man zehn Räume miteinander vergleicht.

Kann man sagen, dass die Formfindung für die Oberflächen des Jazz-Campus im Musterraum stattgefunden hat? Lachmann: Der etwa 30 m² grosse Musterraum neben der Aktienmühle hat sich für alle Beteiligten vielfach gelohnt. Wir konnten unsere Strukturen in einen vorhandenen Raum einbauen. Dort konnten wir unsere Ideen überprüfen und in enger Zusammenarbeit mit den Architekten und der Bauherrschaft alle relevanten Entscheidungen zur Gestaltung treffen. Eine solche Gelegenheit, einen speziell ausgebauten 1 : 1-Raum zu nutzen, hatten wir zuvor noch nie. Und wie haben die Architekten auf Ihre Vorschläge zum akustischen Ausbau reagiert? Lachmann: Die Architekten wussten aufgrund ihrer Erfahrungen mit anderen Projekten, zum Beispiel dem Basler Musikerwohnhaus in der Lothringerstrasse, dass es

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V AD EM EK U M Obwohl am Ende alle am Projekt Beteiligten mit dem Ergebnis zufrieden waren, gab es zwischendurch Diskussionen. Insbesondere wurde regelmässig die Grundsatzfrage aufgeworfen, ob Akustik-Eingriffe per se legitim seien.

akustische Massnahmen braucht. Sie haben sich dabei sehr konstruktiv eingebracht, der Akustik eine Gestaltung zu geben. Und diese Vorschläge haben die Bauherrschaft davon überzeugt, dass Akustik nicht grundsätzlich schlecht aussehen muss, denn keiner von uns wollte, dass die akustisch nötigen Eingriffe die Räume auf ästhetisch unbefriedigende Art dominieren.

Wie lange hat Sie die Akustik des Jazz-Campus beschäftigt? Lachmann: Bis zum Projektende. Es gab immer wieder schwierige Momente, weil die verschiedenen Meinungen immer wieder aufeinandertrafen. Immer wieder stellte sich die Frage, ob Akustik-Eingriffe überhaupt nötig seien. Wohlgemerkt: Diese Frage stellte sich nicht aus ökonomischen Gründen, sondern als Ergebnis prinzipieller Überlegungen. Deshalb war die Auseinandersetzung für alle Beteiligten auch sehr gut und in jeder Hinsicht produktiv. Und wir als Akustiker wurden respektiert und waren bis zum Schluss involviert in die Gestaltungsprozesse. Sie und Ihr Team haben nach der idealen Akustik für Musikräume gesucht. Welche Rolle spielten dabei Vergleiche mit Schulen, Jazz-Klubs, Konzerträumen usw.? Lachmann: Diese Vergleiche sind sehr wichtig, weil sie auf konkrete Raum- und Klangsituationen Bezug nehmen. Bestimmte Räume kennen wir ja bereits. Und mit zunehmender Erfahrung kennt man mehr Räume, aus denen man Höreindrücke mitnimmt. Wenn mir ein Musiker beschreibt, das «Moods» im Schiffbau Zürich klinge super, dann nützt mir das nur etwas, wenn ich schon einmal dort gewesen bin. In unserem Büro kommt eine Menge Hörerfahrung zusammen, und jeder von uns hat im Laufe der Jahre durch seine Arbeit ganz verschiedene Lokalitäten kennengelernt. Aus diesem Fundus können wir heute schöpfen. Wie hören Sie als Spezialist? Lachmann: Wir haben zwei Arten zu hören: Zum einen hören wir künstlerisch-kreativ – nehmen Atmosphären und Klänge wahr. Zum anderen musst du als Akustiker die Fähigkeit haben, analytisch zu hören – ist die Klangbalance ausgeglichen, gibt es störende Nebeneffekte und so weiter. Im Grunde ist es wie bei einem Tontechniker, der technische Unzulänglichkeiten einer Aufnahme heraushören muss. Toningenieure und Akustiker müssen abstrahieren können. Und beide Höreindrücke, den atmosphärischen und den technischen, nehmen wir mit, abgesehen davon, dass wir bestimmte Dinge messen können. Aber mit Messungen allein kann man Klang nicht fassen und auch nicht steuern.

Und wie funktionierte der Dialog zwischen Ihnen und den Musikerinnen und Musikern? Lachmann: Musiker können Klänge verbal meist gut beschreiben. Wenn man diese Sprache kennt, dann hört man alle möglichen Nuancen: Klang kann hell oder dunkel sein, warm oder kalt, manches wird auch über visuelle Begriffe transportiert. Wenn man als Akustiker auf der gleichen Wellenlänge unterwegs ist, versteht man genau, was gemeint ist. Unsere Arbeit ist genau dieses «Übersetzen»: Wie komme ich von der subjektiven Beschreibung über den Ausbau des Raumes zum gewünschten Klang? Worin unterscheidet sich die Idee des Jazz-Campus Basel von anderen Schulen dieser Art? Lachmann: Auf der Suche nach einem zentralen Konzept für diesen Jazz-Campus stellte sich die Frage: Machen wir etwas mit variablen Räumen, die individuell gestaltet und eingerichtet werden können? Für mich war es eine wichtige Weichenstellung und eine sehr mutige Entscheidung der Bauherrschaft, die gesagt hat: Nein, wir machen es eben nicht wie die meisten Musikschulen, die Räume mit ähnlicher Akustik haben, in denen man einen Vorhang ziehen kann, um diese zu verändern. Sondern wir bauen verschiedene Räume mit ganz individuellem akustischem Charakter. Das ist sehr mutig, weil man sich auf ein Konzept festlegt, das nicht mehr so einfach zu ändern ist. Wie begegneten sich im Falle des Jazz-Campus Architekten und Akustiker, um am Ende ein für die Nutzung ideales Gebäude zu erhalten? Und inwieweit ist dieses Projekt exemplarisch? Lachmann: Wir Akustiker suchen immer nach vielen Strukturen in verschiedenen Massstäben, nach unregelmässig verteilten Oberflächen – das sind überwiegend Elemente, die einer stringenten architektonischen Gestaltung des Interieurs zuwiderlaufen. Akustiker müssen also Lösungen finden, die vielleicht von der «reinen Lehre» abweichen, aber dafür mit den architektonischen Prämissen korrelieren. Sie müssen ihre Absorptions- und Diffusionsflächen so dimensionieren und platzieren, dass sie sich in das Gestaltungskonzept möglichst nahtlos einfügen. Dies bezieht sich sowohl auf die Formgebung wie auch auf die Materialisierung der Akustik-Oberflächen. Und das ist beim Jazz-Campus sehr gut gelungen.

Vorabdruck in Auszügen aus: Applied Acoustics (Hg.), Vom Musik-Traumzimmer zum Jazz-Campus (erscheint 2016). Mit freundlicher Genehmigung von Applied Acoustics.

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Ausschnitt aus einer 17-seitigen Mappe, die im Jahr 1974 zur Erläuterung einer Dia-Show zur 100-jährigen Firmengeschichte zusammengestellt wurde.

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B lo ck zur K ü che

An f a n g d e r 1 9 5 0 e r - J a h r e b r e in e in n o v a tiv e a u s d e r b i s En d e d e r 1 9 6 e r f o l g r e i c h s t e Ei n

a c h te d a s T h u K ü ch en k o m b 0 e r -Ja h r e d ie b a u k ü ch e d e

r g a u e r St a h l u n in a tio n a u f d e n m o d e r n ste u n d r Sc h w e i z w e r d e

t e r n e h m e n Fo r s t e r M a r k t, sp ä te r a u c h d ie n so llte .

Text: Nicole Thier und Philipp Bitzer Fotos und Plakat: Archiv AFP Küchen AG, Archiv Arbonia Forster AG

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Wenige Jahre nach Kriegsende brachte das Thurgauer Stahlunternehmen Forster einen innovativen Küchenblock auf den Markt, der mit einem Kochherd und einem Spültrog ausgestattet werden konnte und im Innern Platz für Boiler und Kühlschrank bot [siehe Abbildung links oben, Anm. der Red.]. Ausgehend von dieser einfachen Grundkonstruktion entwickelte sich in der Folge ein modulares Baukastensystem, aus dem in kurzer Zeit die modernste und erfolgreichste Einbauküche der Schweiz werden sollte. Doch der Reihe nach. Die Erfolgsstory der Forster-Küche begann nicht erst in den 1950erJahren, sondern bereits 1874. Damals hatte der Ostschweizer Spenglermeister Franz-Josef Forster in Arbon eine Kupferschmiede gegründet, in der er Bettflaschen, Pfannen und andere Behälter herstellte. Gleichzeitig führte er grössere Spengleraufträge durch, wobei sich sein handwerkliches Geschick noch heute an den Kupferdächern der Kirchen von Arbon und Romanshorn zeigt. Seinen Geschäftssinn stellte Forster allerdings in einer anderen Sparte unter Beweis: Die erfolgreiche Produktion von kupfernen Wasserschiffen (Metallbehältnisse für die Warmwasseraufbereitung, die damals in praktisch jedem Kochherd zum Einsatz kamen) führte ihn zur Herstellung von ersten Kupferwaschherden, Waschküchen und sanitären Einrichtungen. Waren dies anfänglich Einzelaufträge, gelang es Forster ab 1904, den später in der ganzen Schweiz bekannten – und bis in die 1950er-Jahre hinein verkauften – «ForsterKupferwaschherd» seriell herzustellen. Damit war der Schritt vom Handwerker zum Industriellen vollzogen und der Grundstein für den späteren Apparatebau gelegt. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm 1913 dessen Sohn Hermann das Ruder. Auf ihn geht das zweite Standbein der Firma zurück, das Röhrenwerk. Dieses konnte aufgebaut werden, weil Hermann Forster als erster Unternehmer in der Schweiz

Versuche zur Herstellung von autogen geschweissten Stahlrohren durchführen liess. Man machte rasch Forstschritte, und noch während des Ersten Weltkriegs konnte die erste Autogen-Schweissmaschine der Schweiz in Betrieb genommen werden. 1918 folgte die Fertigung von ersten gezogenen Rohren, und ab 1929 bis in die 1940erJahre wurden in Arbon neben Motoren auch Ölkühler für Lokomotiven hergestellt. Aus diesen Kühlern, die aus mehreren gebogenen Rohren zusammengeschweisst waren, entwickelte sich das dritte Standbein von Forster: Jemand kam auf die Idee, nach dem gleichen Muster Elektro-Heizungen herzustellen. Diese bestanden ebenfalls aus mehreren gebogenen Rohren, die mit Öl gefüllt wurden. Dieses wurde mittels Elektrizität erhitzt, und die Temperatur wurde über Thermostaten geregelt. Die Forster Elektro-Radiatoren setzten zu einem weltweiten Siegeszug an und wurden im November 1939 sogar in den Vereinigten Staaten patentiert. Gesellschaftsrechtlich war aus dem ehemaligen Familienbetrieb längst eine Aktiengesellschaft geworden. Diese wurde von Hermann Forster geleitet und vom neuen starken Mann, Hans Hofmann, präsidiert. Als Forster starb, wurde die Geschäftsleitung einem Quartett übertragen, das 1949 nach einem verheerenden Grossbrand und schwierigen Jahren verkleinert wurde. Ein Trio unter der Führung von Dr. Hermann Hofmann führte fortan bis 1973 die Geschicke des rasant wachsenden Unternehmens, und dies mit grossem Erfolg: Die Nettoumsätze schnellten zwischen 1950 und 1973 von 3,5 auf 82,2 Millionen Schweizer Franken. Die Belegschaft vergrösserte sich in derselben Zeit von 125 Beschäftigten auf deren 700. 1973, also kurz vor dem 100-jährigen Firmenjubiläum, übernahm der einstige Metzgermeister Jakob Züllig, früher Zulieferer und später Inhaber und Patron der ebenfalls auf die Produktion von Heizkörpern spezialisierten Arbonia AG, die Hermann Forster AG. Aus diesem

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W erk sfüh runge n rfü Arc h itek ten und Plan er Das Schweizer Traditionsunternehmen Forster lädt Architekten und interessierte Baufachleute zur Besichtigung seiner Küchenproduktion nach Arbon: Angeboten werden zwei VIP-Backstage-Touren, die am 3. März und 19. Mai 2016 jeweils abends durch die neuen Werkshallen führen. Die Teilnehmer erhalten dabei Einblick in die bewegte Firmengeschichte, die hochmoderne Lean Production und die vor kurzem in Betrieb genommene Pulverlackierungsanlage. Ausserdem erleben die Gäste, wie aus Chirurgenstahl ein Schweizer Qualitätsmesser hergestellt wird. Den Abschluss der Veranstaltung bildet jeweils ein Candlelight-Dinner, das durch einen Schweizer Spitzenkoch zubereitet und direkt in der Werkhalle serviert wird. Interessenten können sich ab sofort voranmelden unter www.forster-küchen.ch/backstagetours


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Bild oben: Forster-Showroom in den 1980erJahren. Bild links: Eine Küche aus den 1970er-Jahren, die bereits über die heute üblichen Oberschränke verfügte.

Zusam menschluss formte Züllig den Konzern AFG (Arbonia­Forster­Gruppe), den er 1988 erfolgreich an die Börse brachte. Doch zurück zum Geschäft mit den Küchen: Anfang der 1950er­Jahre hatte Forster mit der Produktion von Kühlschränken begonnen. Während die ersten 45­l­Kühl­ schränke schon starke Gemein­ samkeiten mit heutigen (Klein­) Kühlschränken hatten, verstand man unter dem Wort Küche damals noch etwas völlig anderes: Wer nicht den «oberen Zehntausend» angehörte, verfügte wohl über einen Schüttstein, Küchenmöbel, einen Boiler und allenfalls gar einen Kühlschrank. Dies alles war jedoch in aller Regel zusammengewürfelt, und falls die unterschiedlichen Elemente doch zu einer Einheit zusammengefügt waren, war dies das Werk eines lokalen Schrei­ ners, der die Küche nach seinem Gusto zusammengebaut hatte. Dies sollte sich radikal ändern. Im Jahr 1958 wurde in der Schweiz

die Küchennorm 550 /600 /900 eingeführt, was auch von Forster massgeblich unterstützt worden war. Die Vorteile lagen auf der Hand: Dank einer solchen Norm war es auf einen Schlag möglich, sowohl die Küchenapparate als auch deren «Verpackung», sprich die Küchenmöbel, formal zu standardisieren. Aus dem praktischen Küchenblock, der seit seiner Einführung im Jahr 1952 bereits um mehrere Kombinationsmöglichkeiten erweitert worden war, wurde nun innert wenigen Jahren ein eigentliches Baukastensystem, das sich jeder Küche anpassen konnte und schweizweit zur Anwendung gelangte. Natürlich brauchte es zum Erfolg mehr als bloss eine neue Norm. Auch die Qualität der angebote­ nen Küchen möbel und ­apparate war entscheidend. Die Zeiten waren indes günstig: Einerseits waren die hauseigenen Absorber­ Kühlschränke für die damaligen Ansprüche absolut top. Anderer­ seits konnte dank einem neuarti­ gen Edelstahl aus Japan, der just

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in jenen Jahren sehr günstig auf dem Weltmarkt erhältlich war, ein sensationelles Preis­Leis­ tungs­Verhältnis angeboten werden. Der Clou an den von Nippon Steel und Kawasaki bezogenen Stahlblechen war, dass sie als Erste auf dem Weltmarkt direkt in der Walze verzinkt wurden. Sie waren also rostfrei und boten auch sonst viele Vorteile (und den Nachteil, dass die Lieferfristen für eine Sendung drei Monate betrugen). Die japanischen Stahlbleche wurden in Arbon nach einem völlig neuartigen Verfahren verarbeitet: Der damalige Produktionsleiter, ein schlauer Mann namens Ubezio, hatte sich von der Flugzeugindustrie inspirieren lassen, wo man die Tragwerke zu kleben begonnen hatte. Zur Stabilisierung der Flügel wurde zwischen der unten und der oben liegenden Stahlhaut ein Wabensystem eingebaut. Und genau eine solche Sandwichkons­ truktion wurde nun auch bei den Fronten und Tablaren der Forster­Küche angewandt. Mit durchschlagendem Erfolg.


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V AD EM EK U M Sie war nicht nur leichter als alle anderen damaligen Küchen, sondern auch viel stabiler. Und das wurde von der Bauindustrie und später auch von den Endkonsu­ menten erkannt. Während vieler Jahre war die «Forster­Küche» die Schweizer Küche schlechthin: Dank ihrer ausgeklügelten Fertigungstechnik, hervorragenden Materialeigen­ schaften sowie einem standardi­ sierten und dadurch relativ einfachen Einbauverfahren war sie der Konkurrenz bei ihrer Markt­ einführung Ende der 60er­Jahre nicht nur weit voraus, sondern auch (relativ) kostengünstig. Die Stahlküchen von Forster setzten sich aufgrund all dieser Vorzüge in praktisch allen Wohnsegmenten durch. Erst als Ende der 1980er­ Jahre verstärkt billigere Materia­ lien im Küchenbau Einzug hielten – gemeint sind in erster Linie die bereits in den 1930er­Jahren entwickelten Pressplatten aus Holzspan –, geriet der bislang unangefochtene Marktleader stark unter Druck: Forster Küchen bildeten qualitativ zwar weiterhin den Benchmark. Sie wurden jedoch aufgrund ihrer höheren Material­ und Fertigungskosten – und damit verbunden auch deutlich teureren Verkaufspreise – verstärkt ins Luxussegment abgedrängt, während die «Säge­ mehlküchen», wie man die kostengünstigeren Modelle aus Holz anfänglich despektierlich nannte, ihren Siegeszug durch die Schweizer Küchen fortsetzten.

S chlank e Produk tion Forster gehört seit 2014 zur Alno-Gruppe und bildet zusammen mit Piatti und Warendorf die AFP Küchen AG. Der Hauptsitz der Aktiengesellschaft ist im zürcherischen Dietlikon, produziert werden die Forster-Stahlküchen hingegen im thurgauischen Arbon. Im brandneuen Werk, dessen hochmoderne Lackieranlage diesen Juni in Betrieb genommen werden konnte, werden jährlich 3000 Stahlküchen nach den Grundsätzen der Lean Production hergestellt. Vor der Optimierung der Produktion betrug die Durchlaufzeit pro Küche rund 17 Tage. Heute sind es nur noch sieben. Auch die Lackierzeiten konnten markant verkürzt werden und betragen seit Inbetriebnahme der neuen Pulverlackierungsanlage nur noch anderthalb Stunden pro Küche. Im neuen Werk arbeiten rund 50 Mitarbeitende im Zweischichtbetrieb. www.forster-küchen.ch

Erst durch die Aufwertung der Küchenzone in den letzten Jahren und damit einhergehend dem Wiedereinzug von hochwertigen Materialien wie Massivhölzern, Naturstein, Verbundglas, Keramik u. a. wurde auch Stahl in der Küchenfertigung wieder konkur­ renzfähig. Die aktuellen Modelle aus Arbon zeichnen sich durch Umweltfreundlichkeit (100­prozen­ tig rezyklierbar) und hygienische Vorteile aus und gewannen auch mehrere Design­Preise. Letzteres nicht zuletzt dank ihrer Filigrani­ tät: Die Stahlblechtablare zum Beispiel sind nur 8 mm dick, können aber selbst bei grossen Längen (bis 180 cm) stark beladen werden, da ihre Belastbarkeit um ein Vielfaches höher liegt als bei Spanplatten von vergleichbarer Dicke.

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I ntegrale Planung m it B I M

D i e Ar c h i t e k t e n v o n a a r d e p l a n a u s d e m z u g e r i s c h e n B a a r h a b e n a u c h v o r Or t s t e t s d e n a k tu e lls te n P r o je k ts ta n d a u f d e m T a b le t d a b e i. M ö g lic h is t d ie s d a n k e in e r in te g r a le n P la n u n g s o w i e d e r V e r w e n d u n g v o n z w e i z e n t r a l e n d i g i t a l e n W e r k z e u g e n : B I M u n d Ar c h i C AD .

Text: IDC/Roland Eggspühler Fotos: Aura Fotoagentur/Guido Baselgia


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Die Verbindung von hochstehender Architektur mit Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema der aardeplan AG im zugerischen Baar. Das Büro kombiniert Architektur, Beratung, Forschung und Lehre und setzt dabei integrale Planung ein. Im Zentrum steht nicht nur das Endprodukt, sondern vor allem auch der Weg dahin. Zentrale Werkzeuge bei diesem Prozess sind das digitale Gebäudeinforma­ tionsmodell Building Information Modeling (BIM) und ArchiCAD. Für aardeplan­Gründer Manfred Huber allerdings steht fest, dass man «BIM nicht einfach nur kaufen kann.

aardeplanGründer Manfred Huber mit dem Modell eines Projekts.

Man muss es verstehen und richtig einsetzen.» Dazu gehört auch das Filtern der Informationen: Für den Statiker ist nicht wichtig, welche Farbe eine Wand hat. Und der Designer interessiert sich eher weniger für den konstruktiven Aufbau eines Bauteils. «Es geht bei uns immer um die Frage, wer wann welche und wie genaue Informationen braucht», erklärt Manfred Huber. Der «Level of detail» (kurz «LOD») und der «Level of information» (kurz «LOI») bilden bei aardeplan den roten Faden im Planungsprozess. Darum zeichnet das Team nicht einfach Striche, sondern definiert von Anfang an Bauteile. In ArchiCAD lässt es sich sehr einfach zuordnen, ob eine Wand «tragend» oder «nicht tragend» ist, oder ob es sich um eine Aussen­ oder Innenwand handelt – die Materialisierung, das Produkt und die Ausgestaltung kommen erst später hinzu. «Die wichtigsten fünf bis sieben Zuordnungen gleich zu Beginn zu definieren, geht mit sehr wenig Mehraufwand, schafft aber einen grossen Mehrwert», so Manfred Huber. «Damit sind der Statiker und der Energiespezialist mit präziseren Informationen bedient, und auch der Kostenplaner hat von Anfang an genauere Grundlagen über «open BIM». Wie es in ArchiCAD Standard ist, lässt sich jede andere Spezial­Software problemlos anspielen, und die Resultate der Spezialisten lassen sich wieder ins Architekturmodell einbauen. Diese Rückführung zu koordinieren und allfällige Konflikte sofort zu erkennen, ist sehr wichtig», stellt Manfred Huber fest: «Erfolgreich bauen heisst für mich integral planen. Sauber arbeiten lautet das Credo.»

Am Ende eines Bauprozesses kann aardeplan der Bauherrschaft immer zwei Gebäude übergeben: das Reale und das Virtuelle. Das virtuelle Gebäudemodell bildet für die professionelle Bewirtschaftung eine perfekte Grundlage.

Bei aardeplan gibt es drei Arten von Teilprozessen: sequenzielle, parallele und reziproke. Dass Letztere immer wichtiger werden, drückt Manfred Hubers stetes Streben nach dem Optimum aus. «Wir müssen vom Nachweis­Denken wegkommen. Das ist Minimalismus, und der reicht im Zeitalter des energieeffizienten Bauens nicht mehr für ein gelunge­ nes Gesamtwerk. In meinen Augen werden – speziell im Komfortbereich – Simulationen immer wichtiger. Nur so kann man das bestmögliche Resultat für das angestrebte Ziel erreichen!» Das Ziel – zum Beispiel Minergie­A/P, Minergie­Eco oder Minergie – vereinbart aardeplan mit den Auftraggebern ganz am Anfang. Anschliessend entsteht der BIM­Nut­ zungsplan, und daraus gibt es einen BIM­Modellplan sowie einen BIM­Koordinationsplan. Dabei geht es vor allem, aber längst nicht nur um Baufragen: Denn gerade bei energieeffizienten Gebäuden spielt das Nutzer verhalten eine grosse Rolle.

« S im ulatio nen werd en im m er wichtiger. N ur so kann m an d as b estm ö gliche R esultat erreichen.»

www.aardeplan.ch

Manfred Huber

www.idc.ch

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O nline gegen Asb est D e r se it 2 5 Ja h r e n v e r b o te n e B a u sto ff As b e s t f o r d e r t n o c h i m m e r j e d e s J a h r T o d e s o p fe r u n d b le ib t d e s h a lb h o c h a k t u e l l . D i e Su v a b i e t e t z a h lr e ic h e fu n d ie r te In fo r m a tio n e n i m U m g a n g d a m i t . D a s « As b e s t In v e n ta r » e tw a e r m ö g lic h t e in e e r ste g r o b e An a l y s e b e i B a u t e n , d i e v o r 1 9 9 0 e r ste llt w u r d e n . Text: Suva/ Christina Horisberger Fotos: Suva

Ed gar K äslin

Bereichsleiter Chemie (Suva)

Die Suva engagiert sich seit Langem mit Kampagnen und Aktionen gegen Asbest-Gefahren. Wo liegt die grösste Herausforderung? In der angemessenen Sensibilisierung. Wir wollen die Leute nicht in Panik versetzen, aber die potenzielle Gefährdung durch Asbest angemessen präsent halten. Dies erreicht man mehr mit fundierten Informationen und weniger durch Angstmacherei. Asbest ist zweifellos ein sehr problematischer Stoff. Wir wollen, dass Betroffene angemessen damit umgehen. Mit welchen Massnahmen möchten Sie eine angemessene Sensibilisierung erreichen? Das virtuelle Asbest-Haus zum Beispiel lädt auf einer

niederschwelligen Ebene dazu ein, dem Thema Asbest erst einmal näherzukommen [www. suva.ch/asbesthaus, Anm. der Red.]. Man kann sich auf relativ spielerische Weise durch die verschiedenen Räume klicken und sich überlegen, wo eventuell Asbest eingebaut worden sein könnte. Mit dem «Asbest-Inventar» gehen wir einen Schritt weiter. Diese Online-Anwendung erlaubt es, selbst ein Inventar zu erstellen. Ein weiteres Kernstück unserer Präventionsarbeit ist die enge Zusammenarbeit mit den betroffenen Branchen. Für viele dieser Branchen gibt es heute eine Zusammenstellung von Arbeitssituationen, bei denen die Möglichkeit eines Asbest-Kontaktes besteht. Für jede Situation werden Massnahmen und Verhaltensweisen für den sicheren Umgang mit Asbest aufgezeigt. Dies sind eigentliche lebenswichtige Regeln.

Welche Informationen und Hilfestellungen bietet das «Asbest-Inventar»? Die Applikation ist primär für Immobilienbesitzer und Liegenschaftsverwalter gedacht. Selbstverständlich kann sie aber von jeder interessierten Person genutzt werden. Sie ist so konzipiert, dass mit wenig Wissen zum Thema eine erste grobe Analyse durchgeführt werden kann. Vorgegebene typische Beispiele von Asbesthaltigen Materialien unterstützen die ohnehin einfache Anwendung. Die Applikation gibt eine

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Einschätzung und Hinweise zu den erforderlichen Massnahmen ab. Diese sollen in erster Linie Anwender davon abhalten, einfach unbedarft an Materialien zu hantieren und die eigene Gesundheit zu gefährden.

Welche Schritte müssen vonseiten der Architekten, Planer und Unternehmer eingehalten werden, wenn Verdacht auf Asbest besteht? Um Mitarbeitende verlässlich vor schädlichen Asbest-Fasern schützen zu können, müssen zwingend vor Beginn von Bauarbeiten drei Schritte eingehalten werden, die in der EKAS-Richtlinie festgehalten sind: Erstens muss ermittelt werden, ob in Gebäuden, die vor 1990 erbaut wurden, Asbest-haltige Produkte eingebaut wurden. Oft ist es notwendig, Analysen von Materialproben vorzunehmen. Bestimmte Arbeiten dürfen nur von Spezialfirmen ausgeführt werden, die von der Suva anerkannt sind. Zweitens müssen gemäss Bauarbeiterverordnung die Bauarbeiten so geplant werden, dass Risiken minimiert und die notwendigen Sicherheitsmassnahmen eingehalten werden können. Drittens müssen bei der Bewertung von Asbest-Gefahren und bei der Planung von geeigneten Schutzmassnahmen Fachspezialisten beigezogen werden. Alle notwendigen Informationen sowie die entsprechenden Richtlinien finden die am Umbau und der Instandsetzung involvierten Parteien im Internet. www.suva.ch/asbest


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ASBEST ERKENNEN UND RICHTIG HANDELN! Asbest galt einst als perfekter Baustoff. Die Fasern sind hitzebeständig, besitzen eine hohe Isolierfähigkeit und lassen sich leicht verarbeiten. Nur: Werden Asbest-Fasern eingeatmet, kann dies zu tödlichen Lungen- und Brustfell-Erkrankungen führen. Darum ist Asbest seit 1990 verboten. Allerdings wurden vier von fünf Gebäuden in der Schweiz vor 1990 errichtet, und insgesamt sind rund 3500 Asbest-Anwendungen bekannt: in Böden, Dächern, Fenstern, Fassaden und sogar in Blumentöpfen. Während Umbauten,

Renovationen oder einem Gebäudeabriss können AsbestFasern freigesetzt werden und Neuerkrankungen verursachen. Deshalb gibt es seit 2009 die gesetzliche Ermittlungspflicht. Der Arbeitgeber muss seither sicherstellen, dass bei Verdacht auf Asbest-haltige Materialien vor dem Start der Bauarbeiten die Gefahren ermittelt und die damit verbundenen Risiken bewertet sind. Nur so können die richtigen Massnahmen getroffen werden.

Asb est- I nv entar selb st erstellen Der Verdacht auf Asbest-haltige Materialien stellt die auf dem Bau involvierten Unternehmen vor grosse Herausforderungen. Das von der Suva entwickelte Online-Tool «Asbest-Inventar» ermöglicht es, während der Planungsphase eines Bauprojekts entsprechende Vorabklärungen zu machen. Alle Gebäuderäume werden im Tool erfasst. Das

«Asbest-Inventar» hilft, durch hinterlegte Erkennungsbilder die verdächtigen Materialien zu ermitteln. Danach beurteilt das Tool das Risiko und schlägt anhand eines Ampelsystems Massnahmen vor. Das «Asbest-Inventar» bestätigt noch nicht, ob tatsächlich Asbest verbaut wurde – dazu müssen Materialproben analysiert werden. Es befreit auch niemanden von der gesetzlichen Ermittlungspflicht. Hausbesitzer, Bauherren oder Planer können sich damit jedoch ein Bild von der Situation machen und allfällige Spezialabklärungen gezielter einleiten. Wer die Gefahrenquellen frühzeitig ermittelt, unterstützt die Bauunternehmer bei der Pflicht zur Ermittlung dieser Risiken und schützt letztlich die Handwerker vor Neuerkrankungen. Die Bauherrn und Unternehmer werden vor einem möglichen Baustopp bewahrt, der immer mit hohen Kosten verbunden ist. www.suva.ch

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M it se in e m g esch w u n g en en D a ch g eh ö rt d a s T h e a te r B a se l z u d e n a r c h ite k to n isc h e n Se h e n s w ü r d i g k e i t e n u n d k u ltu r e lle n M a g n e t e n d e r St a d t . N u n w ir d d a s T h e a te r u m fa n g r e ic h s a n ie r t; n e u e St ü h l e h a t e s s c h o n b ek o m m en .

N eue K lap p sitze f ü rs Theater B asel 80


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K OM P EN D I U M Mit dem Theaterbau schufen die Architekten Schwarz und Gutmann städtebaulich eine neue Raumfolge vom Barfüsserplatz über den Theaterplatz bis zum Pyramiden­

Bei Girsberger wird die neue Theaterbestuhlung mit handwerklichem Know-how hergestellt.

platz. Auch Kunstinteressierte kennen das 1975 eröffnete Theater als architektonisch wirkungsvolle Kulisse. Oben auf der Treppe steht die Raumplastik «Intersection» von Richard Serra, und auf dem Platz davor tummeln sich die Touristen beim Tinguely­Brunnen.

Da das Theater Basel in seinen 40 Jahren Dauerbetrieb in die Jahre gekommen ist, wird es nun bis 2018 in der spiel­ und probefreien Zeit umfangreich saniert. Eine besondere Herausforderung stellen dabei die 850 nahezu einzigartigen Freischwingerstühle im Grossen Saal dar. Dank privater Sponsorengelder konnte die Bauherrschaft, das Hochbauamt des Kantons Basel­ Stadt, zusammen mit der Theater­ direktion und dem Verwaltungsrat die Entwicklung eines Nachfolge­ stuhls in Auftrag geben. Der Designer Daniel Rindlisbacher von der Breitblick AG führte dabei Regie bei der Konzeption. Zunächst wurden von verschiedenen Entwür­ fen drei Modelle im Massstab 1 : 1 gebaut. Unter diesen wählte die Bauherrschaft erneut einen Frei­ schwinger als Nachfolgemodell aus. Nach einer Ausschreibung erhielt Girsberger in Bützberg den Zuschlag für die Detailplanung und Produk­ tion des Stuhls. So galt es unter anderem, den Freischwinger den hohen Sicherheits­, Festigkeits­, Dauerhaftigkeits­ und

Brandschutzanforderungen entspre­ chend zu konstruieren und zu materialisieren. Anschliessend entstanden weitere Prototypen, darunter 12 Dummys, die bei der Empa zusätzliche Akustiktests durchliefen. Davide Mastrodome­ nico, Bereichsleiter bei Girsberger für Costumized Furniture, ist noch immer bewegt von diesem Projekt: «Während des gesamten Prozesses gab es vom ersten bis zum letzten Tag keinen Moment, der nicht spannend war. Immer wieder konnten wir zu den ästhetischen und funktionalen Wünschen der Auftrag­ geber konstruktive Lösungen entwickeln.» Die Schreiner, Metallbauer und Polsterer von Girsberger realisieren nicht nur individuelle Möblierungen nach den Vorstellungen der Designer und Architekten. Sie überarbeiten auch abgenutzte Möbel. Letzteres ist ökologisch nachhaltig, budgetschonend und wurde von Girsberger bereits in mehreren Konzert­ und Theatersälen erfolg­ reich umgesetzt. ( chh) www.girsberger.com

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Plastisch in S zene gesetzt D e r W a lk e r T o w e r in N e w Y o r k w An s c h l ä g e n v o n 9 / 1 1 b e s c h ä d i g t . U m b a u v o m B ü ro g eb ä u d e z u m Ap a r t m e n t h a u s . Fa s s a d e u n d G e s i n d m i t ERC O- Sc h e i n w e r f e r n b e g r a n d i o s e n Au s b l i c k d u r c h St r e u Läuft man nachts durch den Stadtteil Tribeca in Manhattan, ist der Walker Tower nicht zu übersehen. Verstärkt durch die dramatische Beleuchtung zieht die sich nach oben verjüngende Backsteinfassade mit metallenen Pilastern und Paneelen den Blick der Passanten auf sich. Entworfen wurde der Wolkenkratzer aus dem Jahr 1929 vom Architekten Ralph Thomas Walker im Art-déco-Stil; er lässt sich in einem Atemzug mit dem Empire State Building und dem Chrysler Building nennen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde der beschädigte Walker Tower durch das New Yorker Architektur-Büro Cetra Ruddy vom Geschäftsgebäude zu einem der luxuriösesten Apartmenthäuser New Yorks umgebaut. Beleuchtet wird die Fassade mit über 100 ERCO-Scheinwerfern aus der Kollektion «Grasshopper» mit 7 Watt und einem Narrow Spot von 6 Grad. Das New Yorker Lichtplanungsbüro Kugler Ning wählte die Aussenraumleuchten, um mit nach oben gerichteten, über mehrere Stockwerke strahlenden Lichtkegeln die Proportionen des Gebäudes plastischer erscheinen zu lassen und die aufstrebenden Linien der Fassade zu betonen. Mit Streiflicht werden die Strukturen der baulichen Details in einem Licht-Schatten-Spiel

u rd e b ei d en Es f o l g t e e i n v o rn eh m en b ä u d e sp itz e n le u c h te t; o h n e d e n lic h t z u stö r e n .

hervorgehoben. Die präzise Lichttechnik garantiert eine hervorragende Abblendung und vermeidet Streulicht durch Fenster und auf Balkone. Bewohner und Besucher können so den Blick auf die Skyline und den Sternenhimmel geniessen, ohne geblendet zu werden. Das auf geometrischen Grundformen beruhende Gehäuse von «Grasshopper» fügt sich dezent in die Fassade ein. Aufgrund der LED-Technologie müssen die in schwer zugänglichen Höhen montierten Leuchten fast nicht gewartet werden. Auf dem Walker Tower befindet sich eine Krone, die bei der Sanierung vollständig ersetzt wurde. Den aktuellen Plänen lagen die Original-Zeichnungen von Ralph Thomas Walker zugrunde, wobei besonderes Augenmerk auf die Farben der Metalloberflächen gelegt wurde. Für die Beleuchtung entschied sich Kugler Ning für den Scheinwerfer «Lightscan» von ERCO, der so starke Lichtströme bietet, dass selbst der oberste Teil des Wolkenkratzers weithin sichtbar ist. Pro Spitze ist ein Lichtwerkzeug mit 20 Watt und einem Narrow Spot von 7 Grad an der Gebäudeecke und im Inneren der Krone befestigt. «Lightscan» passt sich mit seinem schlanken, digital anmutenden Design in die historische Architektur ein und stellt so eine Verbindung zur Gegenwart her. www.erco.com

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Fotos: Edgar Zippel

Der Wolkenkratzer wurde 1929 im Art-déco-Stil errichtet. Die Fassadenbeleuchtung lässt die Fassadendetails in neuem Licht erstrahlen.


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Regelmässige Wartung und umweltfreundliches Ökoheizöl wirken Wunder

Lebensdauer der Ölheizung aktiv verlängern Dank immer saubereren Brennstoffen und modernen Verbrennungstechniken haben die Schadstoffemissionen von Ölheizungen in den letzten zwei Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen. Die strengen Normen der Luftreinhalte-Verordnung (LRV) können heute mühelos eingehalten werden. Besonders attraktiv selbst für Besitzer von älteren Ölheizungen: Ein regelmässiger Wartungsservice und die Umstellung auf umweltfreundliches Ökoheizöl schwefelarm wirken sich positiv auf eine noch längere Lebensdauer der Ölheizung aus. Die Heizölbranche stellt sich erfolgreich der harten Konkurrenz durch staatlich geförderte Alternativenergien. Fossile Brennstoffe sind nach wie vor der Hauptpfeiler unserer Energieversorgung. Der gesunde Wettbewerb hat wesentlich mitgeholfen, dass zahlreiche Verbesserungen das Heizen mit Öl so umweltfreundlich und effizient gemacht haben wie nie zuvor. Eine moderne Ölheizung mit Brennwerttechnik spart gegenüber älteren Modellen bis zu 35 % Energie ein. Aber auch Inhaber von älteren Ölheizungen können noch mehr für die Umwelt tun und zugleich die Lebensdauer ihrer Heizung markant verlängern. Dank dem umweltfreundlichen Ökoheizöl können die Stickoxid-Werte weit unter den gesetzlichen Normen der Luftreinhalte-Verordnung gehalten werden. Zusätzlich wirkt sich der Wechsel positiv auf die Funktionstüchtigkeit der Anlage aus. Die lange Lebensdauer einer Ölheizung wird durch die schwefelarme Ökoqualität (0,005 % Schwefelanteil) sogar noch verlängert. Zusätzlich werden die Aufwendungen für Reparatur und Unterhalt verringert. Bei allen Heizsystemen, ob Wärmepumpe, Gas-, Holz- oder Ölheizung, ist ein regelmässiger Service empfehlenswert. Dabei geht Moderne Ölbrennwertkessel sind zuverlässig und energieeffizient.

Regelmässiger Service verlängert die Lebensdauer der Heizanlage.

es in erster Linie darum, einen Ausfall der Funktion zu vermeiden. Ein gut gewartetes Heizsystem garantiert einen effizienten Betrieb und führt zu tieferen Energiekosten. Experten rechnen, dass ein nicht regelmässig gewartetes Heizsystem bis zu 10 % mehr Energie verbraucht als nötig. Beim Service wird die Einstellung der Heizung überprüft und wieder neu reguliert. Es ist eine Tatsache, dass der Ersatz einer alten Ölheizung durch ein modernes Brennwertsystem auch langfristig preisgünstiger ist als die Umstellung auf irgendeine andere Energiequelle. In vielen Fällen ist es jedoch durchaus sinnvoll, die alte Ölheizung zu behalten und dank regelmässiger Wartung und der Umstellung auf umweltfreundliches Ökoheizöl sowohl die Energieeffizienz als auch die Lebensdauer deutlich zu erhöhen. Vorteile von Ökoheizöl und einer regelmässigen Wartung der Heizungsanlage Erhöhung der Lebens- und Nutzungsdauer Werterhaltung der Heizungsanlage Betriebssicherheit wird erhöht Heizung wird auf hohem technischen Stand gehalten Optimaler und sparsamer Energieverbrauch Gesetzliche Vorgaben werden mühelos unterboten

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K lare L inien En t w i c k e l t i n d e r Sc h w e i z – v e r b a u t i n B e r l i n : D a v i d C h i p p e r f i e l d Ar c h i t e c t s h a b e n i h r B ü r o e r w e i t e r t u n d w ä h l t e n e i n e e i n h e i t l i c h e Fa s s a d e a u s Si c h t b e t o n , d i e d u r c h g r o s s e « SOREG - g l i d e » - Sc h i e b e f e n s t e r u n t e r b r o c h e n w i r d . Fotos: David Chipperfield Architects

Die Fenster sind mit hochwärmegedämmten Schiebe-Elementen ausgeführt. Der Verbundwerkstoff GFK der bis 3700 mm hohen Fenstersysteme garantiert eine verzugsfreie und isolierende Bauweise.

Das rahmenlose Schiebefenstersystem «SOREG-glide», entwickelt und hergestellt in der Schweiz, entsprach den Vorstellungen der Bauherrschaft, die für die Büro-Erweiterung Schiebefenster mit minimalen Profilbreiten suchte. Um die monolithische Wirkung der Baukörper zu unterstützen, sollten die Fenster aussen bündig mit der Sichtbetonfassade gesetzt werden und aus Schiebe-Elementen bestehen. Auf dem Markt gibt es eine ganze Reihe filigraner Schiebefenster mit Aluminiumrahmen.

Doch das Minergie-P-zertifizierte System «SOREG-glide» erfüllte diese hohen Anforderungen am besten. Das Innere des Rahmens besteht aus dem Verbundwerkstoff GFK, besitzt einen hohen Dämmwert (geprüfter Uf-Wert = 0,9 W/m²K) und ist verzugsfrei, was für den als Fassade ausgeführten Dämmbeton von höchster Wichtigkeit war. Zusätzlich waren die festen Seitenteile nach TRAV (Technische Regeln für die Verwendung von absturzsichernden Verglasungen) auszubilden:

Die Flügel wurden daher innen mit Metallstabgittern als Absturzsicherung versehen. Da viele Anlagen Höhen bis 3700 mm ohne Oberlicht erreichen mussten, schieden Dreh-Kipp-Fenster von vorn herein aus. Diese Höhen und der teilweise Einbau im dritten Obergeschoss bedingten statische und bauphysikalische Spitzenwerte unter anderem bei der Schlagregendichtheit. Der deutsche Vertriebspartner von «SOREGglide» konstruierte zusammen

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mit den Architekten die speziell vor den Fenstern vorhandene Metallzarge, um eine einwandfreie und schmutzvermeidende Entwässerung der Elemente zu gewährleisten. So entstehen am Sichtbeton keine hässlichen Ablagerungen. Die mit kaum sichtbaren abschliessbaren Schiebegriffen ausgestatteten rahmenlosen Fenster im Erdgeschoss und auf dem Balkon sind einbruchhemmend und erreichen die Widerstandsklasse RC 2. Das Schienensystem mit den integrierten


Laufwagen ermöglicht ein geräuschloses Gleiten der grossen und breiten Fensterfronten. 2012 wurde der Erweiterungs­ bau nach und nach den Nutzern übergeben. Eine Cafeteria im Erd­ geschoss, mit dem gleichen Schiebefenster­ system ausgestattet, lädt aussenstehende Besucher zum Verweilen ein. Hinter der Marke «SOREG­glide» steht die Alu­System AG aus dem zürcherischen Wädenswil. Entwickelt und produziert wird das rahmenlose Schiebefenstersystem in der Schweiz. Da alle Produkte auf Mass gefertigt werden, kann auf technische und ästhetische Vorgaben individuell eingegangen werden. www.SOREG.ch

Zeichnung oben: «SOREG-glide»VertikalschnittLochfenster. Bild rechts: Grosse, geschossweise versetzte Fenster ermöglichen abwechslungsweise Ein-, Aus- und Durchblicke.

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Im Rahmen des 12. Innovationspreises für Architektur + Bauwesen erhielt der «SOREG-glide-SchienenFüller» auf der Bau 2015 eine «Besondere Auszeichnung». Speziell für raumhohe Schiebefenster hat das System einen Schienenfüller für barrierefreie Übergänge entwickelt. Bei herkömmlichen Hebe- und Schiebetüren wird durch die Laufschiene im Normalfall eine Erhöhung oder Vertiefung (mindestens 15–20 mm) zwischen Innen- und Aussenraum erzeugt. Der neue mitlaufende «SOREG-glide-SchienenFüller» aus Aluminium verhindert solche Stolperstellen und ermöglicht eine ebene Lauffläche. Eine weitere Neuentwicklung ist die mechanisch-elektrische Anschubhilfe «SOREG-glide-SchiebeSupport by Liberda». Die Verschlussprofile sind äusserst schmal ausgebildet, um eine rahmenlose Wirkung zu unterstreichen. Bedienungsgriffe werden daher minimalistisch gestaltet und müssen trotzdem leicht zu handhaben sein. Diese Problematik führt insbesondere bei Türflügeln mit Dreifachverglasung und Gewichten ab 350 kg zu höheren Kraftaufwänden bei der Öffnung der Elemente im Verschlussbereich. Für viele Personen ist ein Kraftaufwand von 10 kg zu schwer, deswegen hat SOREG-glide eine mechanisch-elek trische Anschubhilfe entwickelt. Auf den Einbau eines vollständigen Elektro-Antriebes kann verzichtet werden.


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Einm alig ko m p lex D ie H a u a lle k a m

In sta n d se tz u n g d e s s p ä tb a r o c k s e s « z u m Re c h b e r g » i n Z ü r i c h P a r te ie n a n s p r u c h s v o ll. B e im a l t e s Sp e n g l e r h a n d w e r k z u m

Die Rekonstruktion der historischen Originaldetails verlangte umfassendes Know-how.

en w a r fü r D a ch T ra g en .

Text: Christina Horisberger Baustellenbilder: Architekturbüro Tilla Theus

Die Architektin Tilla Theus ist bekannt für ihre hohen Ansprüche bei Instandsetzungen beziehungsweise dem Erhalt historischer Bausubstanz. Entsprechend komplex waren auch die Anforderungen an die Dachsanierung des Hauses «zum Rechberg». Das Palais mit schönem Barockgarten war 1759 von der reichsten Zürcher Familie WerdmüllerOeri errichtet worden. 1889 übernahm der Kanton die Liegenschaft. Später war sie eine Dépendance der Universität Zürich. Das restaurierte Palais dient neu der Kantonsregierung und wird auch für repräsentative Zwecke genutzt. Die Instandsetzung des Daches durch Scherrer Metec geschah in engster Zusammenarbeit mit der Architektin und der Zürcher Denkmalpflege. In einem ersten Schritt wurden Wunsch und Machbarkeit gegeneinander abgewogen: Trotz aufwendigen Sanierungsmassnahmen sollte das Dachbild mit den historischen Details erhalten bleiben, ebenso Dachaufbau und Struktur unter Berücksichtigung der geforderten Isolierungsmassnahmen. «Wir konnten zu Beginn die notwendigen Massnahmen

Für die Restaurierung wurden die alten Dachziegel entfernt. Dabei zeigte sich, dass der Grossteil der darunterliegenden Holzlatten verfault waren und ersetzt werden mussten

abschätzen und Vorschläge unterbreiten», resümiert Projektleiter Yves Remund. Allerdings wurde das tatsächliche Schadensbild erst bei der Entfernung der Dachziegel offensichtlich. Es waren diverse neue Ausholzungen bei den Lukarnenseiten und deren Konstruktion nötig. Seitenwände, die eine geringe Aufbauhöhe aufwiesen, wurden mittels Hochleistungsdämmung nachgedämmt, damit die äussere Struktur der Form nicht verändert werden musste.

Das Haus zum Rechberg wurde 1759 von einer der reichsten Zürcher Familien, den WerdmüllerOeris, gebaut. 1889 ging das barocke Palais in den Besitz des Kantons über. Foto: G rafische Sammlung ZB Zürich

Eine grosse Herausforderung war die fachgerechte Demontage, Einlagerung und Restaurierung der historischen Elemente. So wurden die noch intakten Ziegel eingelagert und diese beim Eindecken mit alten Ziegeln gleicher Länge und Breite durchmischt. Aufwendiger gestaltete sich die Restaurierung der barocken Voluten und der Kupferschindeln an den Lukarnen, deren Holzkern komplett verfault und somit neu angefertigt werden musste. Diese Restaurierungsarbeiten sowie die Neueindeckung verlangte das Know-how alter Dachdecker- und Spenglerarbeit. Auch die

Isolierung forderte einen kreativen Lösungsansatz. Eine konventionelle Dampfbremse war aufgrund der mehrfachen Sparrenlagen nicht möglich. Aus diesem Grund wurde in die Hohlräume Isofloc eingeblasen. Die energetische Prüfung erfolgte mit einer Wärmebildkamera. Erst im Anschluss daran konnte wieder mit herkömmlichen Massnahmen gearbeitet werden. «In seiner Komplexität mit der behutsamen Demontage und aufwendigen Restaurierung war das Haus ‹zum

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Rechberg› für uns ein einmaliges Projekt», sagt Yves Remund abschliessend. Die Kosten für die Instandsetzung des Daches beliefen sich auf 800 000 Franken – im Vergleich zu den Gesamtrenovationskosten von 20 Millionen Franken nicht übermässig viel. Die Erfahrungen von Scherrer Metec im Umgang mit historischen Bauten – die Zürcher Firma war auch für die Dachsanierung der Villa Pathumba verantwortlich – kamen hier dem Projekt zugute. www.scherrer.biz


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Ergebnissen aus dem «Human Spaces Report». Dieser belegt, dass natürliche Elemente am Arbeitsplatz Wohlbefinden und Produktivität um bis zu 15 Prozent steigern können. Die aktuelle Kollektion thematisiert deshalb die Verbindung der freien Natur mit dem Innenraum. «Die drei neuen Kollektionen sind einerseits von der Natur inspiriert, insbesondere von den Variationen und der Bewegung von Farben und Texturen, die wir dort finden», erklärt David Oakley. «Zum anderen spiegeln sie den Wunsch nach stillen, reduzierten Innenräumen.» Die Produkte sind vielseitig einsetzbar und können einzeln oder mit Fliesen und Skinny Planks anderer Interface-Kollektionen kombiniert werden, um einen massgeschneiderten Bodenbelag zu kreieren. Die Produkte werden mit einem hohen Anspruch an die Nachhaltigkeit hergestellt. ( chh) www.interfaceflor.ch

Seit Jahren beschäftigt sich Interface mit den psychosozialen Aspekten von Design im Arbeitsumfeld. Für die neue Kollektion orientierte sich Chef-Designer David Oakley vor allem an den

Die drei neuen Kollektionen «Equal Measure», «Narratives» und «Near & Far» sind von der sinnlichen Natur inspiriert.

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Aus d er F ü lle v o n N euheiten sind d er R ed aktio n b ei ihrer täglichen Arb eit f o lgend e Pro d ukte ins Auge gesp rungen. L assen auch S ie sich d av o n b ei I hrem « D aily B usiness» insp irieren.

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IN T EG R IER T E L Ö S U N G Unsichtbar in Fensterrahmen und Fensterflügel integrierte und völlig verdeckte Beschläge tragen wesentlich zu einer klaren, geradlinigen Formsprache moderner Architektur bei. Und dies erst noch ohne Kompromisse bei Tragfähigkeit und Verschleiss. EgoKiefer-Fenster mit verdeckten Beschlägen sind in den Werkstoffen Kunststoff, Kunststoff/Aluminium, Holz sowie Holz/Aluminium erhältlich. www.egokiefer.ch

Der Stuttgarter LEDLeuchten-Hersteller Nimbus hat die DeckenleuchtenSerie RIM R zu einer Produktfamilie erweitert. Neu hinzugekommen ist die Wandleuchte RIM R 36 Wall. Sie hat das minimalistische Design und die Farbgebung mit ihrer erfolgreichen und mehrfach ausgezeichneten Schwester gemeinsam, wartet aber mit einer technischen Besonderheit auf: einem integrierten Sensor, über den sich die Leuchte berührungslos ein- und ausschalten sowie dimmen lässt. www.nimbus-group. com

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V ER W AN D L U N G S K Ü N S T L ER «Discovery» ist eine neuartige Leuchtenfamilie, die durch faszinierende Technik und minimalistische Form besticht. Mittels der sogenannten «EdgeLight-Technik» wird eine eben noch transparente Fläche aus Acrylglas per Knopfdruck zur leuchtenden beziehungsweise Licht gebenden Fläche und verwandelt die Leuchte so beim Einschalten von einem Design-Objekt in einen innovativen Lichtspender (Design: Ernesto Gismondi). www.artemide.com

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BES T E D ER BES T EN Mit der Auszeichnung seiner LED-Leuchte «Sequence» setzt Zumtobel die Erfolgsserie bei internationalen Design-Preisen fort: Dank ihrer brillanten Gestaltungs- und Lichtqualität setzt sie sich beim «Red Dot» als bestes Produkt in der Kategorie Licht und Leuchten durch und erhält die Auszeichnung «Best of the Best». www.zumtobel.ch


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JU BIL Ä U M Der Schweizer Leuchtenhersteller Ribag begeht heuer sein 20-jähriges Jubiläum und schenkt sich und seinen Kunden eine «Light Gallery». Diese wurde im Hauptsitz in Safenwil eingerichtet und zeigt 1 : 1 unterschiedliche Lichtlösungen für diverse Einsatzbereiche. Ebenfalls neu ist die Leuchten-

familie «Arva», die durch eine grosse Flexibilität in der Nutzung überzeugt. Dank ihrer Linsenoptik verfügen die Pendel-, Wand- und Deckenleuchten über präzise Lichtführung und Blendfreiheit. Die Leuchten bieten hochwertige Lichtqualität (CRI 95) in einem unaufdringlichen Leuchtenkörper unterschiedlicher Grösse (D = 140, 270, 440 mm). www.ribag.com

N EU E Q U AL IT Ä T Mit der Produktneuheit PerfectSense setzt Egger bei Melaminharzbeschichteten Platten punkto Optik, Haptik und Robustheit einen neuen Standard. Die neue PremiumProduktlinie ist hochglänzend (Ausführung PerfectSense Gloss) und matt (PerfectSense Matt) erhältlich. www.egger.com

Wo einst Hufe über den Boden klapperten, werden heute Tische und Stühle für Restaurantbesucher zurechtgerückt: Im Gastronomiebetrieb im ehemaligen Pferdestall des gräflichen Parks im deutschen Bad Driburg bewähren sich Klinkerpflaster von Hagemeister in der Ausführung «Monasteria». Das Produkt wurde gewählt, um das originale Flair der Räume zu erhalten. Und in der Tat erzeugen die im Riegelformat verlegten Klinker (Abmessungen 200 × 100 × 50 mm) ein rustikales Ambiente. www.hagemeister.de

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G U T E R AU MAK U S T IK Deckensegel von OWA werden heute als wirkungsvolles Mittel zur Verbesserung der Raumakustik sowie als Stil prägende Design-Elemente eingesetzt. In dieser Doppelfunktion sind sie für Räume mit hohem Personenbeziehungsweise

Gesprächsaufkommen geradezu prädestiniert, also beispielsweise in Foyers, Besprechungsräumen, Grossraumbüros oder Kantinen werden sie heute in zunehmendem Mass eingesetzt. www.owa.de


Erleben Sie an der Swissbau ein neues Messegefühl! Die Halle Innenausbau setzt Farben, Formen, Materialien und Produkte unkonventionell in Szene. Spielerische Teaser weisen den Weg durch die Raumwelten. Eine stilvolle Food- und Relax-Zone lädt zum Verweilen ein. Mehr über die Premiere auf swissbau.ch/raumwelten.

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Der Kochfelddunstabzug der neuen Premium-Gerätelinie Profi Line von Electrolux integriert sich zwischen den Kochfeldern und besticht durch seine Unauffälligkeit: bündig zum Kochfeld und schlicht im Design. Einfach zu bedienen, säubert er die Luft bereits an der Entstehungsquelle von Dampf und Fett. Speziell geeignet ist der Kochfelddunstabzug für Räume mit einer hohen Decke. Er lässt sich für jedes Kochfeld mit einer Breite von 38 cm verwenden.

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W ET T ER FES T Da sich das Wetter in Irland ständig ändert, sind Veranstaltungen im Freien schwierig realisierbar. Um den «Meeting House Square» im Herzen von Dublin wetterfest zu machen, wurden die Firmen Seán Harrington Architects und MDT beauftragt, eine faltbare Überdachung zu entwerfen. Das massgeschneiderte Design besteht aus 21 m hohen Masten und Stahlkonstruktionen. Diese tragen nun die 11 × 14 m grossen, asymmetrisch gelagerten und

www.electrolux.ch

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schräg geneigten Membranen. Das motorisch ferngesteuerte und synchronisierte Öffnen dauert etwa sieben Minuten. www.mdt-tex.com

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D IE AU S FAH R BAR E S AU N A So viel Sauna wie möglich auf so wenig Raum wie nötig: Die Sauna S1 von Klafs ist die weltweit erste Sauna, die sich auf Knopfdruck ganz klein macht – wie das Zoom-Objektiv

einer Kamera. Im eingefahrenen Zustand misst sie schlanke 60 cm und ist nicht tiefer als ein normaler Schrank. Ausgefahren bietet die S1 mit 1,60 m Tiefe viel Raum für den Saunagenuss. Die S1 ist in den drei Grössen Small, Medium und Large erhältlich und schlicht das ideale Produkt für einen nachträglichen Einbau. www.klafs.ch


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L Ü FT U N G S S Y S T EME AU S L IEC H T EN S T EIN Die Trivent AG aus dem liechtensteinischen Triesenberg ist bekannt für die Entwicklung und Herstellung von modernsten WohnraumlüftungsSystemen. Alle aktuellen Produkte, darunter auch die hier abgebildete Dunstabzugshaube DA209, werden auf der Swissbau in Basel präsentiert. Wie man mithilfe von intelligenten Produktlösungen die Frische der Natur in jede Wohnung und jedes Haus hineinbringen kann, wird ausserdem anhand des komplett erneuerten Firmenauftritts unter dem Motto «So wohnt Frischluft!» gezeigt. Trivent ist vom 12. bis zum 16. Januar 2016 an der Swissbau und freut sich auf Ihren Besuch (Halle 1.1, Stand D38)

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O N L IN E C AD L ER N EN Die ArchiCAD Academy bietet einen umfassenden Online-Lehrgang, um sich rasch und flexibel CAD-Kenntnisse zu erarbeiten. Diese Module sind ab sofort online buchbar: Modul 1 – Einführung; Modul 2 – Organisation; Modul 3 – Ausführung; Modul 4 – Wettbewerb; Modul 5 – Realisierung; Modul 6 – Visualisierung; Modul 7 – Entwurf; Modul 8 – Koordination und Modul 9 – BIM-Planung. Die erworbenen CAD-Kenntnisse werden anschliessend zertifiziert. www.ac-academy.ch

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U R BAN S H AD O W S Die neue visutexKollektion «Urban shadows» des Markisen- und Markisentuchherstellers markilux orientiert sich am modernen Lifestyle in der Stadt. Zehn neue Tuch-Dessins in feiner Leinen-, Streifen-, Minikaround 3D-Struktur unterstreichen mit ihren zurückhaltenden bis ausdrucksstarken Farbthemen das Stimmungsbild städtischer Architektur und greifen ein urbanes Lebensgefühl auf.

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L EN K U N G D ES L IC H T S Mit dem Lichtlenk­ system «Okasolar F» bietet der Isolier­ glashersteller Okalux ein zukunftswei­ sendes Produkt für energieeffiziente Gebäudehüllen an. Speziell geformte Lamellen aus beschichtetem Stahl helfen wirkungsvoll, die Energiebilanz eines Gebäudes zu optimieren. Die Querschnitte der Lichtlenkprofile sind extrem schmal – sie benötigen gerade einmal 16 mm Platz im Scheiben­ zwischenraum. Deshalb eignet sich Okasolar F auch speziell für den Einsatz in Dreifach­ isolierverglasungen und bei schmalen Isolierglasaufbau­ ten. Die horizontale Durchsicht ist mit 57 Prozent sehr gut. www.flachglas.ch

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S PAR EN D AN K R EC H N ER

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H IS T O R IS C H Einen Lift zu erneuern in einem geschützten Gebäude, das mög­ lichst nicht verän­ dert werden soll, ist eine anspruchsvolle Aufgabe: Im Schloss Nidau hatte die Denkmalpflege beim Einbau des ersten Aufzuges in den 1980er­Jahren Wert auf eine moderne Lösung gelegt. Der Lift wurde damals nicht etwa versteckt, sondern zentral ins Treppenhaus gesetzt. Nach 30 Jahren musste die Anlage nun erneuert werden. Die Ingenieure von AS Aufzüge arbeiteten ein Modernisie­ rungsprojekt aus, das die überzeugende Optik des Liftes nicht tangierte. Komplett ersetzt wurde hingegen die Lift­ technik: Steuerung, Antriebsmaschine, Tragmittel, Puffer, Türantrieb usw.

Dank Adhoconomy bis zu 54 Prozent Heizkosten sparen und 43 Tonnen weniger CO2 in die Atmosphäre pusten: Das wird das Ergebnis sein, wenn die Stadt Uster am Ende der jetzigen Heizperiode die Heiz­ abrechnung macht. Diese Prognosen kommen zustande auf der Basis eines von der Stiftung KliK verwendeten «Energy Performance Calcu­ lation Tool Reports», erstellt durch einen Projektbegleiter von Adhoco. Adhoconomy erfüllt die Norm SIA 386.110 und garan­ tiert eine Steuerung des Heizbetriebes auf höchstem Niveau. Alle mit Radiatoren beheizten Gebäude erreichen mit Adhoconomy die Effizienzklasse A. Das macht pro Quadratmeter EBF eine Entschädigung

FU T U R IS T IS C H Dächer von Prefa bestehen aus quali­ tativ hochwertigem Aluminium. Kein anderes Material verfügt über derart viele Vorteile (leicht, bruchfest, mit geringem Aufwand formbar und trotz­ dem ungemein stabil sowie rostfrei). Das Dachpaneel FX.12 ermöglicht durch seine Längs­ und Querkantung ein besonders futuristi­ sches Oberflächen­ Design. Neben der individuellen Optik bietet FX.12 aber auch praktische Vor­ teile, da es sich sehr schnell montieren lässt. www.prefa.ch

von vier bis sechs Franken aus, je nach der ursprünglichen Einstufung des Gebäudes. Eine drahtlose Kommuni­ kation erlaubt eine schnelle, einfache Installation während des laufenden Betriebes. Bauliche Massnahmen sind nicht nötig. Beratung: arno.mueller@adhoco.com

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K L APPS C H W IN G FEN S T ER Das Dachfenster Designo R8 des Schweizer Fenster­ herstellers Roto überzeugt durch durchdachte Funk­ tionen und eine hohe Energieeffizienz. Die intelligente Klapp­ Schwingtechnik ermöglicht bequemes

Lüften und Pflegen bei maximaler Kopf­ und Bewegungsfrei­ heit. Auch bezüglich Sicherheit und Design punktet das heimische Produkt. www.roto-dachfenster.ch

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S C H L AN K E PR O FIL E Das neue Profilsys­ tem Forster unico XS ermöglicht wärmege­ dämmte Fenster und Festverglasungen mit einer Ansichtsbreite von lediglich 55 mm für Fenster­/Stulpflü­ gel bzw. 23 mm für Verglasungen. Fili­ grane Sprossen und schlanke Rahmen mit hervorragenden statischen Eigen­ schaften erlauben die Umsetzung moderner gross­ flächiger Module, besonders auch bei der Sanierung von Altbauten und histo­ rischen Gebäuden. www.forster-profile.ch

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K R AFT PAK ET Domotec setzt mit der KompaktKlasse völlig neue Massstäbe in puncto Raumausnutzung. Auf nur 0,36 m² bzw. 0,64 m² sind die komplette Heizung, die Warmwasserbereitung und ein 300-l- bzw. 500-lSolarschichtspeicher untergebracht. Bei dieser kompakten Bauweise ist der Wärmeerzeuger (Gas-Brennwertkessel oder Luft-/ Wasser-Wärmepumpe) bereits in den Solarspeicher integriert, was den Platzbedarf und auch den Installationsaufwand minimiert. www.domotec.ch

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BR O S C H Ü R E S AN IER U N G Verschiedenste Überlegungen können dazu führen, die Heizanlage einer Liegenschaft einer gründlichen Standortbestimmung zu unterziehen: Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Effizienzsteigerung oder Systemvielfalt. Eine sorgfältige Planung in enger Zusammenarbeit mit einem Spezialisten hilft, schwerwiegende (und kostspielige) Fehler

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2 3 zu vermeiden. Als Entscheidungshilfe dient die kostenlose Broschüre «Heizungssanierung» von Walter Meier, die per E-Mail (heizen@ waltermeier.com) bestellt werden kann. (Walter Meier ist auch an der Swissbau 2016, Halle 1.2, Stand B50)

W AN D H Ä N G EN D Der Heiztechnikspezialist Vaillant ergänzt seinen europaweit millionenfach eingesetzten ecoTEC plus um eine neue Version für grosse Leistungen. Das wandhängende GasBrennwertgerät ist in

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vier Leistungsklassen zwischen 65 und 120 kW erhältlich. Somit ist der neuste ecoTEC plus so leistungsstark wie ein grosser Gas-Kessel, gleichzeitig so effi zient, so universell einsetzbar und so kompakt wie ein Wandheizgerät. Er kann als alleiniger Wärmeerzeuger, in Kombination mit einer Solaranlage oder in Kaskade eingesetzt werden.

Mit dem «Johammer J1», einem futuristischen ElektroCruiser, den es so noch nie gegeben hat, sowie der «BMW C evolution» (auch «die blaue Mauritius der Elektroroller» genannt) stehen in der UmweltArena Spreitenbach neu zwei spektakuläre Elektrozweiräder für Testfahrten bereit. Selbstverständlich ganz im Einklang mit der Natur. www.umweltarena.ch

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FL IES S EN D E Ü BER G Ä N G E Balkon und Terrasse gehören heute zum Wohnraum. Die Grenzen von Aussenund Innenbereichen fliessen ineinander, und mit den richtigen Materialien lassen sich verschiedene Variationen von Zwischenräumen kreieren: Balkonvorhänge sind die passende Lösung für eine moderne und kreative Form der Raumgestaltung und eine Alternative zu Sonnenstoren. Von aussen bieten sie Schutz vor Licht und Einblick, in den kühleren Jahreszeiten vor Wind und Wetter. Nach innen sorgen sie für Transparenz und ein wohnliches Ambiente. www.renova-roll.ch

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L EIC H T G EMAC H T Intuitiv, schnell, sicher: Noch nie war ein Lichtmanagementsystem so einfach zu planen, zu installieren, in Betrieb zu nehmen und zu bedienen wie mit dem System «LiveLink». Dieses wurde von Trilux und Steinel gemeinsam erarbeitet und überzeugt dank vorkonfigurierten Standard-Anwendungen, intuitivem Plug & Play, Steuerung via App, sensiblen Sensoren sowie einer intelligenten Steuerung.

Trotz Brandprävention können gefährliche Feuer ausbrechen. In solchen Extremsituationen ist es umso wichtiger, dass Tore und Türen zuverlässig funktionieren und den Vorschriften entsprechen. Mit den Brandschutztoren der TS Tor & Service ist man für den Ernstfall professionell vorbereitet: Alle Systeme sind VKF-zertifiziert und entsprechen den Brandschutzklassen EI30 und EI90. www.tstor.ch

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S C H W IMMEN D ER BO D EN Schalldämmung, Gehkomfort und Schlagresistenz mit bisher unerreichten Werten: Das verspricht die neuartige, nur 6 mm dünne Bodenbelagslösung «Hydrocork», die von der portugiesischen Amorimgruppe bzw. deren PremiumTochter Wicanders speziell für Renovierungsprojekte entwickelt wurde. Das Trägermaterial besteht aus wasserfestem CorktechKompositkork mit besonderen

Absorbtions-Eigenschaften. Hydrocork eignet sich sowohl zur schwimmenden Verlegung als auch zur Verklebung und ist in 15 edlen Dekors erhältlich. www.wicanders.ch

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H Ö H EN AU S G L EIC H IM H O L Z BAU Der Schaummörtel «POR» von Fixit ist eine sehr rasche und effiziente Lösung, wenn es um den Höhenausgleich im Innenbereich geht: Der Schaummörtel wird mit dem notwendigen Schlauchmaterial auf die Baustelle geliefert.

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W EL T N EU H EIT Das Einbringen des Schaummörtels und die Bedienung der Silopumpe werden von geschulten Fixit-Mitarbeitern begleitet. Der Holzbauer muss lediglich zwei Mitarbeiter einplanen, um den Schlauch zu führen, mit dem Laser die Höhe zu kontrollieren und mit einer Latte das Material abzuziehen. Nach spätestens zwei Tagen ist die Fläche begehbar, nach einer Woche belegbar. So werden unnötige Bauverzögerungen vermieden.

Mit insgesamt drei Eichen-Dekors erweitert Kaindl sein Angebot an NaturalTouch-Böden in der Laminate Flooring Collection. Die einzigartige Innovation 3 in 1 sorgt dabei für besonderes Aufsehen: Dabei werden drei Breiten auf einer Standarddiele mit 1383 × 193 mm vereint. Dies erlaubt es, Böden mit unvergleichlicher Lebendigkeit zu gestalten, ein Eindruck, der bislang allenfalls mit exklusiven Parkettböden zu erzielen war.

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S C H L AN K U N D R AN K Ästhetischer Minimalismus: «Slimfocus» heisst die neueste Kreation der Produktlinie focus. Dabei handelt es sich um eine schlanke, aufgehängte Feuerstelle mit geschlossener Feuerraumtür, die auch visuell eine Innovation darstellt. Die Feuerstelle slimfocus wird in einer fixen wie auch drehbaren Version angeboten. www.wirth-schmid.ch


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Bei talsee wählt der Kunde zuerst seinen ParkettBoden aus, und das Unternehmen fertigt anschliessend die passenden Badmöbel-Fronten aus demselben Holz. Ein harmonisches Bad-Erlebnis, das so perfekt auf die Materialisierung der übrigen Räume abgestimmt ist. www.talsee.ch

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K O L L EK T IO N ER W EIT ER T In Zusammenarbeit mit Designer Arik Levy hat Kaldewei seine PremiumKollektion «Meisterstücke» erweitert: Die frei stehende, voll emaillierte Wanne mit ihrem leicht ansteigenden Rand wurde ergänzt durch einen Waschtisch, der als inverses Gegenstück mit einem nach innen in die Grundform eintauchenden Beckenrand funktioniert. www.kaldewei.com

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IT AL IAN IT À Exklusiv in Aussehen und Haptik präsentiert sich die italienische Kollektion «Dimasi Bathroom» von Richner. In diesem Bad vereinen sich sanfte Rundungen und geometrische Linien mit dem hygienischen Mineralwerkstoff «White Stonage». Versehen mit einem attraktiven Preisniveau lässt «Dimasi Bathroom» das Herz moderner Ästheten höher schlagen. www.richner.ch

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D Ü N N W AN D IG Die neue Badkollektion Ino, die der französische Designer Toan Nguyen für Keramik Laufen entworfen hat, versteht sich als Neuinterpretation einer klassischen Waschtischform. Dazu nutzt die innovative Kollektion gekonnt die gestalterischen Möglichkeiten der neuen, feinrandigen Technologie der Saphir-Keramik.

An der Swissbau präsentiert die Franke Water Systems AG in der Halle 2.2 am Stand B27 ihre neue Produktlinie «Exos.». Charakteristisch sind die komplett aufeinander abgestimmten Waschtische und Accessoires. Je nach Raumsituation und Farbkonzept besteht die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Fronten für Seifenspender, Handtuchspender sowie für Abfalleimer zu wählen. Vielfältig ist auch das Angebot der Waschtische. Hier eine barrierefreie Anwendung mit schwarzem Sicherheitsglas. www.franke-ws.com

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R ET R O - 3D L O O K An der diesjährigen Cersaie stachen die Kollektionen von Tagina Ceramiche d’Arte ins Auge. Die Modeneser Traditionsfirma unter der Leitung von Gualdo Tadino erarbeitet im firmeneigene Atelier Tagina massgeschneiderte keramische Lösungen für Anforderungen unterschiedlichster Art.

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AU S G EZ EIC H N ET Die diesjährigen Neuheiten des DesignBad-Ausstatters Duravit konnten bei den «Iconic Awards» (dem internationalen Wettbewerb für Architekten, Designer, Bauwirtschaft und Industrie) auf der ganzen Linie punkten: Die Modelle «Paiova 5» (hier im Bild), «Cape Cod» und «ME by Starck» wurden in der Kategorie «Winner» prämiert. Gar mit dem «Best of Best»Award ausgezeichnet wurde die Duschwanne «Stonetto». www.duravit.ch

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IMPR ES S U M PHŒNIX – Bauen im Bestand 1. Jahrgang Erscheinungsweise 4 x jährlich Auflage 8000 Exemplare info@phoenix-magazin.ch www.phoenix-magazin.ch Herausgeberin B + L Verlags AG Steinwiesenstrasse 3, 8952 Schlieren Tel. 044 733 39 99, Fax 044 733 39 89 info@blverlag.ch, www.blverlag.ch Verleger Peter Boll Geschäftsleitung Patrick Schmid Philipp Bitzer Inhaltskonzept Philipp Bitzer Martin Reznicek

V E #0 R K 5 THE E H M E NSC R S HW ER W PU N K T EG E

Gestaltungskonzept Martin Reznicek

Von j eher bauen Menschen entlang von Verkehrswegen. U nd dies längst nicht nur bei Autobahnen. Die Seidenstrasse beispielsweise zog sich während J ahrhunderten wie eine pulsierende Lebensader durch Europa und Asien. Zur Bewältigung und G ewährleistung des ungeheuren Waren- und Menschenstroms wurden ganze Infrastrukturen errichtet, welche die unterschiedlichen Bedürfnisse der Reisenden und der Anrainer erfüllen mussten. H eute – im Zeitalter der Automobile, Flugzeuge, C ontainerfrachtschiffe und Mondraketen – braucht es andere Lösungen ( und O rte) zur Sicherstellung des Warenaustauschs und der Personenfreizügigkeit. PH Œ N IX zeigt die Auswirkung( en) der Mobilität auf die Architektur. U nd wie der menschliche Bewegungsdrang zum Stillstand und zu neuen Ansätzen führen kann. 104

Externe Autoren Bernadette Fülscher Klaus Jan Philipp Tilo Richter Renato Rizzi Dr. Daniel Thaler Nicole Thier Layout / Art Direction Harriet Angela Messing

( Zürich)

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Redaktion Philipp Bitzer (phb) Christina Horisberger (chh) Nadine Kahnt (nka)

Anzeigenverkauf Sabina Guggenbühl Anzeigendisposition Denise Bucher Druckvorstufe Pascal Zingg Korrektorat Ullrich Noelle Druck AVD Goldach AG, Sulzstrasse 10 – 12 9403 Goldach/SG, www.avd.ch Verkaufspreis* Einzelexemplar CHF 15.– Abonnement 1 Jahr CHF 50.– Abonnement 2 Jahre CHF 80.– *Ausland – zuzüglich Portokosten

Alle Rechte vorbehalten. Der Nachdruck von Artikeln ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion und mit genauer Quellenangabe gestattet. Mit Verfassernamen beziehungsweise Initialen gezeichnete Veröffentlichungen geben die Auffassung der Autoren und nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für unaufgefordert eingereichte Manuskripte und Bilder kann keine Haftung übernommen werden.


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