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Die Titelseiten von PHOENIX werden jeweils mehrstufig geprägt. Als Vorlage dazu dienen abstrahierte Pläne von Objekten, die in der Zeitschrift vorgestellt werden. Das Cover der aktuellen Ausgabe ziert ein Situationsplan der Neuen Nationalgalerie Berlin.


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Redaktion PHŒNIX


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Archiv Neue Nationalgalerie, Berlin

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D IE N EU E N A T ION A L G A L ER IE

Erbaut von Mies van der Rohe in den Jahren 1965 bis 1968, bedarf die Neue Nationalgalerie in Berlin einer Grundinstandsetzung. Diese Aufgabe übernimmt der Architekt David Chipperfield mit seinem Team. Dabei will der Brite nicht nur den Baukörper reparieren, sondern auch dessen Seele schützen.


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I N H ALT

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F U N D U S

06 · Baumeister vs. Baumeister — 08 · MoMa Young Architects Program — 09 · Battersea Reloaded — 12 · Die Baustelle — 13 · Die weisse Stadt Tel Aviv — 14 · Frei Otto — 15 · Literatur — 16 · Die Karte — 18 · Lego Architect Series — u. v. m.

F OR U M 22 · Lissabons früheres Rotlichtviertel Intendente

wird zur bunten Mikro-Nachbarschaft —

28 · Chipperfield und die Neue Nationalgalerie, Berlin — 34 · Society of Architectural Historians feiert 75-jähriges Bestehen —

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U N IK A T E

40 · Die Hinterlassenschaft von Frank Lloyd Wright — 50 · Lichtstrasse Basel oder was den Halbkanton so speziell macht — 56 · Der Eiffelturm als Projektionsfläche für Technik, Kunst und Kitsch

V A D EM EK U M

62 · Farbstrategien (Lux Guyer und die «malerische Promenade») –

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Gläsernes Palmenhaus (die «Neue Flora» in Köln) – 68 · Exklusive Möblierung einer Sakralbaute (Hildesheimer Dom) – 70 · Corian im Küchenbau – 72 · Euroluce 2015 – 74 · Salone del Mobile –

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K OM PEN D IU M

76 · Spenglerarbeit (Villa Patumbah) — 78 · Modulbau (Erne AG Holzbau) — 80 · Küchenumbau (Brunner Küchen AG) — 82 · Beschattung (Storama AG)

K A T A L OG Neue Produkte aus der Welt des Umbauens –

Neue Produkte, präsentiert am Salone del Mobile – Neue Produkte, präsentiert an der Euroluce

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FU N D U S

Ingo Arndt, Knesebeck-Verlag

Ein Termitenhügel übertrifft die bauliche Komplexität des Burj Khalifa um ein Mehrfaches.

B aumeister v s. B aumeister # 0 2 NAS UTI TER M ES TR I O D I AE V S . S K I D M O R E, O W I NGS & M ER I L L Die Türme der australischen Spinifex-Termiten (lat. Nasutitermes triodiae) erreichen Höhen von bis zu sieben Metern ab Boden (unter dem Erdboden geht der Bau nochmals in die gleiche Tiefe). Würden Menschen ein vergleichbares Bauwerk errichten, wäre es unter der Annahme, dass eine durchschnittliche Spinifex-Arbeitertermite einen Zentimeter lang ist, ab Boden rund 1260 m hoch. Das ist mehr als ein Drittel höher als das höchste Gebäude der Welt, der 828 m hohe Burj Khalifa in Dubai. Während in diesem 12 000 Menschen arbeiten und leben, wird ein «Hügel» der

Spinifex-Termiten von bis zu drei Millionen Tieren bewohnt. Diese kommen in den Genuss eines ausgeklügelten Belüftungssystems, das auch in der australischen Sommerhitze eine konstante Innentemperatur von 30 Grad Celsius bei einer fast hundertprozentigen Luftfeuchtigkeit aufrechterhält. Ganz im Gegensatz dazu muss die Luft im rundum verglasten Burj Khalifa ständig heruntergekühlt werden, weshalb der Bau bereits vor seiner Fertigstellung als «Relikt der fossilen Gesellschaft» und mehr als Mahnmal denn als Zukunftsmodell galt. (phb)

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Architektier

Ingo Arndt: «Architektier – Baumeister der Natur», mit Texten von Prof. Dr. Jürgen Tautz, 160 Seiten, gebunden, mit 120 farbigen Abbildungen, KnesebeckVerlag, München 2013. ISBN 978-3-86873-568-0 EUR 49,95 www.knesebeck-verlag.de


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ST A N D PU N K T E …

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«Weniger ist mehr.» L UD W I G M I ES V AN D ER R O H E Q uelle: Erstmals erwähnt 1 8 5 5 im G edicht « Andrea del Sarto» von Robert Browning und später übernommen von Ludwig Mies van der Rohe.

«Weniger ist nur mehr, wenn mehr zu viel ist.» F R ANK L L O Y D W R I GH T Q uelle: goodreads.com

«Wenn weniger mehr ist, ist nichts vielleicht alles.» R EM

K O O L H AAS Q uelle: wikipedia.org

«Mehr ist nicht weniger.» R O B ER T V ENTUR I Q uelle: « C omplexity and C ontradiction in Architecture» ( 1 9 6 6 )

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Entwürfe von Architekten aus allen fünf Kontinenten sind für den offenen internationalen Architekturwettbewerb für das Bauhausmuseum Dessau fristgerecht eingereicht worden. Zuvor hatten sich nicht weniger als 2185 Interessenten aus über 60 Ländern für eine Wettbewerbsteilnahme registriert. www.bauhaus-dessau.de

Ersatzneubau oder Sanierung? Diese Frage erhitzt derzeit die Gemüter. In Bern findet am 24. September zum brisanten Thema eine SIA-Tagung statt (Ersatzneubau/Erneuerung, Entscheidungskriterien). Anmeldungen unter www.sia. ch/energie. Das Basler Architekturbüro Buchner Bründler gewinnt den ersten Preis beim Konkurrenzverfahren für das neue Kunsthaus Baselland im Freilager Dreispitz in Basel. Der Wettbewerb war im Auftrag der C hristoph-MerianStiftung Basel sowie der Stiftung Kunsthaus Baselland ausgelobt worden. kunsthausbaselland.ch


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N EW S

Architektur soll überraschen, aufrütteln, irritieren. Das Projekt «Phenomena» der Architekten Dillenburger und Hansmeyer war bei den Finalisten des PS1-Architekturwettbewerbs.

Visualisierungen: Demetris Shammas

B A R OC K ER L U ST G A R T EN Z usammen mit dem PS1-M useum lanciert das M oM A allj ährlich einen W ettbewerb f ü r j ung e A rchitekten. D ie A uf g abe des « M oM A PS1 Y oung A rchitects Prog ram» besteht darin, einen temporären Pav illon während der Sommermonate im Innenhof des PS1-M useums in L ong Island C ity zu entwerf en und zu realisieren. Sie sind nicht die Gewinner des Projekts, aber sie gehören zu den Finalisten des diesjährigen MoMA-PS1-Wettbwerbs: Benjamin Dillenburger und Michael Hansmeyer. 2013 sorgten die beiden Architekten mit ihrem Projekt «Digital Grotesque» für Furore (https://vimeo. com/74350367). In der Grauzone zwischen Chaos und Ordnung, Künstlichkeit und Natur angesiedelt, schufen Dillenburger/Hansmeyer eine groteske Raumstruktur, deren befremdlich-vertraute Formensprache

In der Kulturbotschaft legt der Bund die finanziellen Mittel für den Erhalt und die Pflege von geschützten Denkmälern, Ortsbildern und archäologischen Fundstätten fest. Für die Periode von 2016 bis 2020 wurden diese auf jährlich 28,5 Millionen Franken festgesetzt. Die Alliance Patrimoine fordert nun eine Erhöhung auf mindestens 30 Millionen Franken und die Zusicherung von zusätzlichen 5 Millionen Franken für den Erhalt der UNESCO-Welterbestätten. Zur Entwicklung tragfähiger Konzepte für die energetische Sanierung in Städten haben sich Institutionen aus ganz Europa im EU-Projekt «Sinfonia» zusammengeschlossen. Ziel in den Modellstädten Innsbruck (A) und Bozen (I) sind PrimärEnergie-Einsparungen von 40 bis 50 Prozent und bei der Versorgung eine Aufstockung des Anteils erneuerbarer Energien auf 20 Prozent. www.sinfonia-smartcities.eu

mit einem 3D-Drucker aus Sandstein realisiert wurde. Dabei entstand eine komplexe Geometrie, die sich aus Millionen von einzigartigen Facetten zusammenfügte. «Digital Grotesque» zeigte exemplarisch, dass die neue Technologie ein Potenzial eröffnet. Auch ihr Projekt «Phenomena» – ein Pavillon, der während der Sommermonate Raum für Events und Erholung bieten sollte – präsentiert sich als fantastischer und fantasievoller «Jungbrunnen» in grotesker Manier. Angst vor dem Manierierten scheinen die Architekten nicht zu haben; der Pavillon entführt in eine fantastische Traumwelt à la «Alice im Wunderland» und war für die Jury des Wettbewerbs offensichtlich zu grotesk. (chh) momaps1.org/yap benjamin-dillenburger.com

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Die Stadt Zürich will die Baumeisterhäuser aus der Zeit der frühen U rbanisierung ( Mitte bis Ende des 1 9 . J ahrhunderts) besser schützen. Dafür sollen im Rahmen der Revision der BZO im Seefeld und am Zürichberg neue Kernzonen eingerichtet werden. Widerstand erwächst dem Vorhaben aus den Reihen der G rundeigentümer, welche die « Ballenbergisierung der Kreise 7 und 8 » heftig kritisieren.


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B A T T ER SEA R EL OA D ED auf ein Wirrwarr von Baugerüsten und Trümmern – faszinierende Reliquien aus einer längst vergangenen, postindustriellen Blütezeit. Und nun soll alles anders werden.

Ein weiterer A bschnitt der South B ank in L ondons C ity wird bis 20 19 mit L uxus-W ohnung en ü berbaut: das A real der B attersea Power Station (19 32). D ie T urbinenhalle wird g esamtsaniert, umg enutzt und bleibt als W ahrzeichen erhalten.

Luxus-Apartments, öffentliche Begegnungszonen, Shops und Restaurants werden auf dem Areal von Londons Wahrzeichen entstehen. In der sanierten Power Station sind Büros und eine Shoppingmall geplant (Bild unten).

Ja, es sind die vier Schlote, die auf dem Plattencover «Animals» (1977) der britischen Musiker von «Pink Floyd» zu sehen sind. Dazwischen schwebt ein Schweinchen in der Luft. In naher Zukunft werden über dem Londoner Wahrzeichen allerdings Kranarme schweben. Denn die Battersea Power Station und das umliegende Brachland (170 000 m²) sollen bis 2019 in einem ambitionierten Grossprojekt revitalisiert und überbaut werden. Im Rückblick mag es erstaunen, dass die Battersea Power Station 32 Jahre leer stand und klaglos vor sich hinrottete. Bis vor Kurzem noch traf man in der dach losen Turbinenhalle

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Malaysische Investoren erwarben 2012 die Gestaltungspläne an dieser Erfolg versprechenden Lage, wo es im Grunde vor allem um eines geht: um Rendite. So interessieren sich vor allem Investoren aus Fernost für den Kauf der Luxus-Wohnungen, die auf dem Areal der Battersea Power Station entstehen werden. Für Personen aus Schanghai etwa sind Einstiegspreise von 495 000 Pfund für eine Wohnung sogar ein Schnäppchen ( Q uelle: www. welt.de) . Es wundert allerdings nicht, dass auch kritische Stim men zu hören sind. Für Peter Rees, 30 Jahre lang Stadtplaner in der Londoner City und heute Professor am University College in London, ist das Zupflastern der South Bank zwischen Battersea und der London Bridge mit Luxus-Wohntürmen ein «Disaster» für die Themsestadt. Andererseits entsteht auf dem Areal auch ein gänzlich neues Stadtquartier mit 4000 Wohnungen (inklusive begehbarer und begrünter Dachterrassen), Shops, rund 250 Restaurants und Bürogebäuden. Die Ersten sollen bereits 2016 bezugsbereit sein. Zu den Architekten, die für die Battersea-Power-Station-Überbauung Häuser entworfen haben, gehören Frank Gehry und Norman Foster – doch es sind auch noch andere mit dabei. Die Power Station selbst bleibt in ihrer äusseren und inneren Gesamtstruktur weitgehend erhalten (siehe Visualisierung ganz unten). Die vier Schlote werden abgetragen und wieder neu aufgebaut. Im Innern der Station, das heisst im Boilerraum sowie in den zwei Turbinenhallen soll – so die Investoren – ein neuer «Fashion Hub» mit über 100 weiteren Shops und Restaurants entstehen. (chh) www.batterseapowerstation.co.uk


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Abnahme der Landwirtschaftsfläche in der Schweiz zu Gunsten der Siedlungsfläche in Hektaren (1985 bis 2009)

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Q uelle: Bundesamt für Statistik BfS

Das Bundesamt für Statistik BfS hat im Hinblick auf das «Internationale Jahr des Bodens 2015» eine Studie zur Bodennutzung in der Schweiz erstellt. Und diese birgt eine gewisse Brisanz: Während die Bevölkerung zwischen 1985 und 2009 um «nur» 17,5 Prozent gewachsen ist, hat sich die Siedlungsfläche im selben Zeitraum um 23,5 Prozent ausgedehnt – und dies zu über 90 Prozent auf Kosten der Landwirtschaftsfläche (siehe Grafik). Zwischen 1985 und 2009 hat sich auch die Wohnfläche massiv vergrössert, und zwar um 44,1 Prozent. Das heisst nun nichts anderes, als dass nicht etwa die Zuwanderung der zentrale Faktor für die

Zersiedelung ist, sondern vielmehr unser aller erhöhter Anspruch ans eigene Heim – verbunden mit einem erhöhten Bedarf an zusätzlicher Fläche: Die Siedlungsfläche, die jeder Einzelne für sich und seine Arbeit beansprucht, hat zwischen 1985 und 2009 um 17 m² (+ 6,5 %) zugenommen. Die Gründe? Sicher der Trend zu grösseren Wohnungen und Single-Haushalten, aber auch die Zunahme des Platzbedarfs für die Mobilität: Die Fläche für den Privatverkehr hat stark zugenommen, insbesondere für Autobahnen (+ 48,8 %) und Parkplätze (+ 54,4 %). Die Zunahme beim Schienenverkehr (+ 3 %) blieb hingegen nahezu unverändert. (phb)

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W H O’ S W H O Q uelle: www.wikipedia.org

In der aktuellen Ausgabe wird wieder nach einer Architektenpersönlichkeit gesucht. Diesmal ist es eine Frau. Die klassische Moderne kennt nur wenige Architektinnen mit Diplom. Sie war eine davon. Das Licht der Welt erblickte sie Ende des 19. Jahrhunderts in einer Stadt, deren Name im Zusammenhang mit der künstlerischen und architektonischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts immer wieder fällt. Als sie dort ihr Studium aufnahm, glaubte niemand – nicht einmal sie selbst –, dass je eine Frau damit beauftragt würde, ein Haus zu errichten. Aber sie schaffte es. Mit dem Verfasser/Architekten der Streitschrift «Ornament und Verbrechen» (1908) plante sie Wohnhäuser für Invalide und Veteranen des Ersten Weltkriegs. Kurz bevor in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht kamen, entwarf sie für eine internationale Wohnbauausstellung – als einzige Frau – zwei Reihenhäuser mit je 35 m2. Die Architekturgeschichte kennt sie vor allem aber aufgrund einer innenarchitektonischen Innovation, die unter einem stehenden Begriff (zwei Wörter: eine deutsche Stadt und eine Raumfunktion) in die Architekturgeschichte eingegangen ist. Ihr Projekt für diesen Raum – im Rahmen eines Stadtplanungsprogramms in der besagten deutschen Stadt ent wickelt – wurde auch «Labor für die Hausfrau» genannt. Die gesuchte Person war auch politisch engagiert. Mit ihrem Ehemann und Architekten wanderte sie deshalb in ein Land aus, dessen damaliger Potentat ihnen zu einer Reihe von Aufträgen verhalf. Noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verliess sie das Land wieder und wirkte in verschiedenen Städten Europas. Ihre politische Einstellung wurde ihr fast zum Verhängnis. Nach ihrer Befreiung aus der Gefangenschaft am Ende des Zweiten Weltkrieges entwarf sie weitere Häuser. Ihr Werk wurde in ihrem Geburtsland allerdings erst spät öffentlich anerkannt. (chh) Alphanumerische Auflösung (nur Nachname): 19 – 3 – 8 – 21 (Umlaut) – 20 – 20 – 5 (Bindestrich) – 12 – 9 – 8 – 15 – 20 – 25 – 11 – 24


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FU N D U S Der Abrissbagger hat ganze Arbeit geleistet. Der historisch wertvolle Bestand des Deutschlandhauses (1930 und 1960) ist freigelegt und wird saniert.

ST EC K B R IEF Projekt: Ausstellungs- und Dokumentationszentrum, Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Berlin Architektur: Marte.Marte Architekten, Weiler (A) Bauherrschaft: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BlmA) Realisierung: 2013 bis 2017 Gesamtbaukosten: 37,6 Mio. Euro

Foto: zVg

D ie B austelle # 1 ER G Ä N Z EN , W EIT ER D EN K EN U N D W EIT ER B A U EN . In Berlin entsteht aktuell im Rahmen der Sanierung und Erweiterung des Deutschlandhauses ein Ausstellungs- und Dokumentationszentrum, das Flucht und Vertreibung im Kontext des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik sowie ihre Folgen wachhalten will. Gewonnen haben den Wettbewerb für den Museumsneubau die Vorarlberger Architekten Marte. Marte. Die Jury überzeugte vor allem der Vorschlag, den Bestand konsequent und ausschliesslich auf die unter

Denkmalschutz stehende historisch wertvolle Substanz zu reduzieren. Der Rest des Gebäudes weicht einem zeitgenössischen Museumsbau mit frei bespielbaren Ausstellungsflächen. Der Altbau hingegen wird – ebenfalls konsequent – in seiner Nutzung auf die Verwaltung, das Dokumentationszentrum und die externen Büroflächen reduziert. Diese Aufteilung der Funktionen, so die Architekten, ermöglicht eine der Typologie der Fassade entsprechende Nutzung – völlig frei von Zwängen und räumlichen Konflikten. Der Neubau des Museums

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entwickelt sich aus einem an das Deutschlandhaus angefügten Sockelgeschoss. Über einen zweigeschossigen zentralen Raum führt das Museum in die darüberliegenden Geschosse mit der Dauerausstellung. Zwischen Alt- und Neubau entsteht ein schmales viergeschossiges Atrium, das sowohl der Belichtung wie auch der räumlichen Durchgestaltung dient. Mit der skulpturalen Durchbildung des Gebäudes wird das neue Museum zu einem weiteren Markstein im Stadtbild von Berlin. (chh) www.marte-marte.com


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D EU T SC H -ISR A EL ISC H ER W ISSEN ST R A N SF ER Seit 20 0 3 g ehö rt die « W eisse Stadt» in T el A v iv zum U N ESC O-W eltkulturerbe. Israel und D eutschland wollen nun mit dem A uf bau eines Z entrums f ü r denkmalg erechtes B auen das B auhaus-Erbe erhalten und pf leg en. Trotz immer wiederkehrender politischer Vertrauenskrisen zwischen Israel und Deutschland gibt es auch Silberstreifen am Horizont – zumindest im Umgang mit historischem Baubestand. So unterstützt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit mit dem Projekt «Netzwerk Weisse Stadt Tel Aviv» den Aufbau eines Zentrums für denkmalgerechtes Bauen. Damit soll die gemeinsame historische und baukulturelle Bedeutung der «Weissen Stadt» für Deutschland und Isreal unterstrichen werden. Die «Weisse Stadt» in Tel Aviv bezeichnet eine Sammlung von über 4000 Gebäuden, die überwiegend im Bauhausund internationalen Stil errichtet wurden. Als die «Weisse Stadt» entstand, war das 1909 gegründete Tel Aviv eine kaum mehr als 20 Jahre alte Siedlung

N EW S

jüdischer Einwanderer vor den Toren der Hafenstadt Jaffa. Im Auftrag von Meir Dizengoff (Bürgermeister von 1921 bis 1936) entwarf der schottische Stadtplaner Patrick Geddes einen Masterplan für das schnell wachsende Tel Aviv. Ein bestimmter Baustil war nicht vorgegeben, doch in den 1930er-Jahren begannen vor allem jüdische Architekten nach ihrer Ausbildung am Bauhaus Dessau dem neuen Stadtteil ihren Stempel aufzudrücken. Seit 2009 stehen etwa 1000 Gebäude unter Denkmalschutz. Das Ziel des Projekts «Netzwerk Weisse Stadt Tel Aviv» ist nun der Aufbau eines deutsch-israelischen Kooperationsnetzwerks, um in einem partnerschaftlichen Dialog einen Technik- und Wissenstransfer zu ermöglichen. Im Fokus stehen die Vermittlung von Know-how und Strategien für die Denkmalpflege. Im Umgang mit dem weitgehend authentisch erhaltenen Gebäudebestand sollen nicht zuletzt auch die Aspekte Ökologie und Nachhaltigkeit behandelt werden. (chh) www.netzwerk-weisse-stadt.de www.bauhaus-center.com

Das Bauhaus Center, Tel Aviv (www.bauhauscenter.com), bietet Führungen durch die «Weisse Stadt», bei denen die bedeutendsten Bauten besichtigt werden. Bild links: Wohnhaus von H. Sima & A. Glick (1935)

Q uelle: Bauhaus C enter, Tel Aviv

Bild unten: Eckhaus von Shimon Hamadi Levy (1934)

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Der Stadtrat von Winterthur fasst den Abbruch des 1979 errichteten Theaters am Stadtgarten zugunsten eines Ersatzbaus (Hotel und Kongresszentrum) ins Auge. Der Theaterverein protestiert heftig gegen diese Pläne und hat eine Petition lanciert, die von über 6000 Personen unterstützt wird.

Das Museum für Architekturzeichnung in Berlin zeigt bis zum 2. Juni Werke des russischen Künstlers und Architekten Alexander Brodsky. Brodsky gehört zu den Mitbegründern der sowjetischen Bewegung der «Papierarchitektur». www.tchoban-foundation.de

Die Rekonstruktion der historischen Bahnhofhalle von O lten, die der Dampfbahnverein Zürcher O berland DVZO derzeit als U nterstand für sein historisches Rollmaterial im Tösstal realisiert, verzögert sich aufgrund des schlechten Wetters. Mit der Eröffnung der H alle in Bauma/ ZH wird nicht vor Ende J uni gerechnet.


Der diesjährige Pritzker-Preisträger Frei Otto (1926 bis 2015) überzeugte nicht nur durch seine innovativen Leichtbauweisen, sondern auch als städtebaulicher Vordenker.

K ON K R ET ER V ISION Ä R In den 19 6 0 er- und 19 7 0 er-Jahren entwickelten div erse A rchitekten V isionen, wie extreme K limazonen bewohnbar g emacht werden kö nnten. Ein Proj ekt war die « A rctic T own» (19 7 0 ) v on F rei Otto, Ewald B ubner und K enzo T ang e. 40 000 Menschen sollten unter dem frei schwebenden Kuppeldom leben können. Der Durchmesser der aufblasbaren Hülle sollte zwei Kilometer betragen. Der «Arctic Circle» – von Frei Otto, Ewald Bubner und Kenzo Tange entwickelt – entspricht sehr präzise dem Zeitgeist der 1970er-Jahre. Die Mondlandung, die nukleare Bedrohung durch den Kalten Krieg, aber auch das Potenzial neuer Technologien und Materialien beflügelte die Fantasien von Architekten und Filmschaffenden. Aus heutiger Sicht mögen die ArchitekturVisionen für die Besiedelung von Mars und Orbit lächerlich erscheinen. Doch genau hier zeigt das Projekt «Artic Town» eine konkrete stadtplanerische Weitsicht, die heutigen Zukunftsmodellen nicht unähnlich ist, da die Technologien vorhanden sind, diese zu realisieren. So gibt es Projekte für schwimmende Wohninseln, deren Räume sich unter der Meeresoberfläche entwickeln. Mit Abermilliarden Dollar Erdölgeld aus der Wüste gestampft ist Dubai, das um 1970, nebst dem Ölhafen, aus einer Handvoll Häuser bestand. Es war übrigens auch ein Chemiekonzern, der die Pläne für die

«Arctic City» erwarb: die Hoechst AG, eines der massgeblichen Unternehmen des deutschen Wirtschaftswunders. Und im Grunde genommen war das Projekt in der Tat eine Machbarkeitsstudie; nicht in jedem Detail, aber doch viel weiter ausdifferenziert als alle vergleichbaren Projekte jener Zeit. Frei Otto entwickelte zusammen mit ARUP den pneumatischen Kuppeldom, Kenzo Tange, der Japaner und Pionier der «megastrucutre», das Stadtplanungskonzept mit Hafen, Flughafen und eigenem Atomkraftwerk – ein autarkes System, dessen Geometrie und Massstäblichkeit statisch und weniger als klimatisches Bollwerk bedingt sind.

Fotos: Atelier Frei O tto Warmbronn

Quelle: www.iconeye.com/architecture/features/ item/10164-frei-otto-s-arctic-city

Bild oben: Dachkonstruktion der Multihalle in Mannheim (1975) Bild Mitte: Halle an der Internationalen Garten Schau, Hamburg (1963). Bild unten: «Arctic Town» (Modell, 1970)

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D A S M A N U F A K T # 0 2: DIE BUTZENSCHEIBE Q uellen: wikipedia.org, Scholz AG , G las Mäder

Die «Butzenscheibe» – auch «Batzen-» oder «Nabelscheibe» genannt – ist eine mundgeblasene, runde Glasscheibe, die seit dem Spätmittelalter für den Fensterbau verwendet wird. Ihr Name kommt daher, dass Butzenscheiben aus produktionstechnischen Gründen in der Mitte eine Erhöhung haben, im Fachjargon eben «Butzen» oder auch «Nabel» genannt. Lange Zeit war die Verwendung von Glas dem Adel und dem Klerus (für Sakralbauten) vorbehalten. Denn Glas – und besonders eingefärbtes – war bis zur Verbreitung seiner geheimen Fertigungstechnik und dem damit einhergehenden Aufkommen von Waldglashütten eine absolute Kostbarkeit. Das drückte sich

nicht nur im Preis, sondern auch in der Umgangssprache aus, sprach man doch vom «göttlichen Licht», das auf die Kirchgänger herabfiel. Während im frühen Mittelalter Fensteröffnungen nur mit Läden oder Pergament gegen Wind und Wetter geschützt werden konnten, brachte die Butzenverglasung der breiten Bevölkerung enorme Vorteile. Dass sie so «putzig» aussehen, haben sie indes nicht einem gestalterischen Willen zuzuschreiben, sondern einzig ihrem Herstellungsverfahren: Denn noch heute werden Butzenscheiben aus drei typischen Elementen zusammengesetzt: den Butzen, den Zwickeln (den kleinen Glasdreiecken dazwischen) und den (Blei-)Fassungen. (phb)

D ER V OL K SM U N D # 0 2: LANGER EUGEN Bis zum Umzug 1999 nach Berlin war der «Lange Eugen» Hauptstandort für die Büros der Mitglieder des Deutschen Bundestages. Erbaut wurde das Hochhaus im Bonner Ortsteil Gronau 1966 – 1969 nach Plänen des Architekten und Designers Egon Eiermann. Seinen Na men erhielt das 115 m hohe denkmalgeschützte Gebäude in Anspielung auf die geringe Körpergrösse des damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier, aufgrund dessen persönlicher Initiative das Hochhaus entstand.

Foto: König Architektur, Luzern

L iteratur

The Inevitable Specifity of Cities Vom Thema Stadt können Architektinnen und Architekten nicht lassen. Dieses Diskussionsthema ist auch Gegenstand der jüngsten Publikation des ETH-Studios Basel. Statt sich mit Idealvorstellungen zu befassen, widmet sich das Buch fast ketzerisch dem Speziellen und Spezifischen. Nach Überzeugung der Verfasser (Roger Diener, Mathias Gunz, Manuel Herz, Jacques Herzog, Rolf Jenni, Marcel Meili, Shadi Rahbaran, Christian Schmid,

Le Corbusier – Städtebau

S AM 12 – Translations

Milica Topalovic) ist gerade dieses in jeder Stadt charakterbildend. Das Spezielle findet sich nicht dort, wo Idealvorstellungen verwirklicht werden, sondern an jenen Orten, an denen die Bewohnerinnen und Bewohner ihren Alltag verbringen. Das Normale soll über die Idealvorstellung triumphieren.

Am 27. August jährt sich der Todestag von Le Corbusier zum 50. Mal. Zu diesem Anlass wurde das lange vergriffene Standardwerk mit dem Originaltitel «Urbanisme» (1929 erstmals in Deutsch erschienen) neu aufgelegt.

Frei Otto – forschen, bauen, inspirieren

ISBN 978-3-03778-374-0 (Englisch)

ISBN 978-3-421-03984-2

ISBN 978-3-95553-252-9

ISBN 978-3-85616-639-7

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Kaum ein anderer Architekt hat dem Bauen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so viele Anregungen und Impulse gegeben wie Frei Otto. Die soeben erschienene Publikation gibt Einblicke in alle wichtigen Aspekte seines Schaffens.

In den Projekten von Florian Beigel und Philip Christou (Architecture Research Unit, ARU) aus London steht das Entwerfen als Forschung im Mittelpunkt. Die Sonderpublikation (2014) dokumentiert den Prozess.


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FU N D U S

D ie K arte # 0 2

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W IN T ER T H U R IM V ISIER D ES SOW JET ISC H EN G EN ER A L ST A B S

N ach dem M auerf all wurde of f enkundig , dass der G eneralstab der Sowj etunion zwischen 19 5 0 und 19 7 0 im G eheimen umf assendes K artenmaterial ü ber die Schweiz hatte herstellen lassen. D ie K arten sind äusserst detailliert, und die F ü lle v on militärisch und g eheimdienstlich relev anten Inf ormationen ist erstaunlich. Der Militär­ und Polizeihistoriker Philippe Müller ist Chef Forschungs­ dienst der Spezialsammlungen der Bibliothek am Guisanplatz in Bern. In dieser Funktion hat er letztes Jahr für die Fachzeitschrift «Forum» des Bundesamtes für Bevölkerungs­ schutz zum Thema «Kartografie und Kulturgüterschutz» einen grösseren Artikel verfasst. Darin erzählt er die einmalige Geschichte nach, wie die sowjetischen Generalstabskarten in die Schweiz gekommen sind: Zu verdanken ist dies in erster Linie dem ehemaligen Leiter der Karten­ sammlung der Zentralbibliothek Zürich, Dr. Hans­Peter Höhener. Dieser hatte kurz nach dem Mauer­ fall an der alljährlichen Tagung der deutschen Kartenkuratoren erstmals gerüchteweise vernommen, dass in russischen Kasernen sowjetische Karten aus Militärbeständen verkauft würden. Eine erste solche

Karte – es handelte sich um eine russische Karte des Baltikums – kaufte er allerdings nicht selbst, sondern bekam sie im Sommer 1993 von Thomas Brupbacher, einem Schweizer Studenten, der beste Kontakte in die Ukraine unterhielt und als Nebenbeschäftigung mit Karten handelte. Die ersten sowjeti­ schen Karten der Schweiz erwarb Höhener drei Jahre später beim GeoCenter Touristik in Stuttgart, die Schweizer Stadtpläne aus sowjeti­ schen Beständen (darunter auch der hier abgebildete Stadtplan von Winterthur) stammten, man schrieb inzwischen das Jahr 1997, wiederum von Brupbacher. Das Kartenmaterial gezeigt wurde dem grossen Publikum erstmals im Rahmen der Expo.02, nachdem zuvor bereits in den Medien darüber berichtet worden war. Das Interesse war riesengross, insbesondere erstaunte der Umstand, wie detail­ liert und präzise die Karten gefertigt waren. Der damalige Bundespräsi­ dent Samuel Schmid meinte diesbezüglich zu Höhener, dass man zu seiner Dienstzeit noch davon ausgegangen sei, dass das Karten­ material der Sowjets eher schlecht sei. Nun zeigte sich, dass man sich grundlegend geirrt hatte:

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Die sowjetischen Kartografen hatten Karten von ganz Europa im Mass­ stab von 1 : 50 000 angefertigt, ausserdem von fast ganz Eurasien und Nordafrika im Massstab von 1 : 100 000. Zudem waren Pläne von ausgesuchten Städten rund um den Erdball hergestellt worden. Und dies alles nicht nur in ausgezeichneter Qualität, sondern auch mit Zusatz­ informationen, die militärische (wie Kasernen und Zeughäuser) und weitere strategische Ziele kennzeich­ neten. Die Karten der Schweiz, nehmen Militärexperten an, waren von den Sowjets mit dem Ziel gemacht worden, allfällige Militär­ operationen gegen Deutschland oder Italien über Schweizer Boden zu führen. Und um terroristische Anschläge in der Schweiz selbst durchzuführen – wie beispielsweise die Sprengung einer Ölpipeline im (bündnerischen und sanktgalli­ schen) Rheintal. (phb) PHŒNIX präsentiert an dieser Stelle gemeinsam mit der Abteilung Karten und Panoramen der Zentralbibliothek Zürich (Leitung Jost Schmid-Lanter) aussergewöhnliches Kartenmaterial. Bei der hier abgebildeten Karte handelt es sich um einen vom sowjetischen Generalstab hergestellten Stadtplan von Winterthur im Masstab 1 : 50 000.


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FU N D U S M ESSE V o m 8 . b i s 1 1 . Se p t e m b e r

findet in Basel die «ineltec» statt. Über 200 Aussteller aus der Elektrotechnik, der Gebäudeautomation und der Kommunikationsinfrastruktur zeigen dort ihre neusten Systeme. Thema wird auch die Elektrotechnik als Schlüsseldisziplin der Energiewende sein, die zunehmend auch für Architekten von Interesse sein muss.

A R C H IT EK T U R G ESC H IC H T E F Ü R S K IN D ER Z IM M ER

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Das Center for Architecture in New York zeigt bis zum 20. Juni Werke des Landschaftsarchitekten Dan Kiley. cfa.aiany.org

N EW S In den vergangenen Jahren geriet die Denkmalpflege in der Schweiz zunehmend unter Druck, ganz besonders im Kanton Bern: Dort soll die Anzahl der Schutzobjekte innerhalb von fünf Jahren von heute zehn auf dannzumal sechs Prozent reduziert werden.

D er dänische Spielzeug riese L eg o bietet in seiner M odellreihe « L EG O A rchitecture» neben weltberü hmten Sehenswü rdig keiten wie dem Eif f elturm oder dem B ig B en unter anderem auch die V illen v on F rank L loy d W rig ht oder L e C orbusier als B ausatz an. Die Baureihe «LEGO Architecture» präsentiert bekannte Bauwerke, darunter auch Ikonen der Moderne wie Frank Lloyd Wrights Imperial Hotel in Tokio, das Fallingwater House in den US-amerikanischen Allegheny Mountains oder das GuggenheimMuseum in New York. Die Lego-Reihe umfasst neben der «Architect Series» internationale Sehenswürdigkeiten, die von bekannten Wahrzeichen wie dem

A U SST EL L U N G

Brandenburger Tor, dem Eiffelturm oder dem Opernhaus von Sidney bis hin zu aussergewöhnlichen Bauwerken wie der Seattle Space Needle oder dem UNOHauptgebäude in New York reicht. Zugegeben, das Ganze ist für puristische Angehörige der Architektenzunft wohl kein Thema. Aber an Kitsch ist ja bekanntlich noch niemand gestorben, und wenn Kinder Architekturgeschichte quasi im Vorbeigehen mitbekommen, kann ja niemand etwas dagegen haben. Ja, vielleicht regt sich bei der Lektüre dieses Artikels so manches Kind im Architekten respektive in der Architektin … (phb) http://architecture.lego.com/de-de

«Fallingwater» gibt es als Lego-Bausatz 21005 und den Eiffelturm als Nummer 21019. Weshalb die «Architect Series» erst ab 16 Jahren jugendgerecht sein soll, erschliesst sich dem neutralen Betrachter nur bedingt. Lego ist schliesslich Lego, also alterslos.

«Wien. Die Perle des Reiches – Planen für Hitler» heisst eine Ausstellung, die bis zum 17. August im Architekturzentrum Wien (A) gezeigt wird. Die Bau- und Pla nungstätigkeit im Dritten Reich am Beispiel Wiens veranschaulicht die weitreichenden Zusammenhänge und Verflechtungen zwischen Architektur, Expansionspolitik und national-sozialistischer Bevölkerungspolitik. www.azw.at

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FU N D U S G A ST K OL U M N E S TEF AN C AD O S C H Architekt und Präsident SIA

N achhaltig keit ist keine Selbstv erständlichkeit

zVg

Mitte Januar gab die amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) bekannt, dass das Jahr 2014 das wärmste war seit Beginn der regelmässigen Aufzeich­ nungen im Jahr 1880. Nun muss man wegen eines warmen Jahres noch nicht unruhig werden. Spätestens aufhorchen – auch in der Schweiz – müssen wir aber beim Faktum, dass die letzten Wärmerekorde alle in den Jahren seit der Jahrtausend­ wende verzeichnet wurden. Knapp zwei Monate später, am vergangenen 8. März, schickte das Schweizer Stimmvolk die Energiesteuer­Initiative mit einer Deutlichkeit bachab, die nicht einmal auf die kleinste Beunruhigung schliessen lässt. Eine Vorlage, die auch mich nicht zu überzeugen vermochte, mit welcher ihre Verfechter aber trotz allem auch die Absicht ver­ folgten, das Umsteigen von fossilen auf erneuerbare Energien zu katalysieren. Dass ausgerechnet diese Initiative mit einem Ergebnis abgeschmettert wurde, das in der Schweizer Geschichte so noch nie vorgekommen ist, macht vor dem Hinter­ grund des Berichts der NOAA schon etwas nachdenklich. Eben­ falls nur verhaltenen Beifall erntete der kurz darauf erfolgte Vorschlag des Bundesrates für Lenkungsabgaben auf Brenn­ und Treibstoffe sowie Strom. Und dies, obschon davon in einer ersten Phase sogar Benzin und Diesel für Fahrzeuge ausgenom­ men wären und darüber hinaus die zusätzlichen Erträge an die Bevölkerung und die Wirtschaft zurückfliessen würden. Was heisst das? Dass Nachhaltigkeit nach wie vor nicht für alle selbstverständlich erstrebenswert ist und ihr Stellenwert und ihre Wertschätzung auf einem Konsens beruhen, der laufend neu erarbeitet werden muss. Den entsprechenden Wertebil­ dungsprozess in Gang zu halten oder, konkret, Herrn und Frau Schweizer für den Energie­Erneuerungsprozess zu motivieren, ist neben dem hochwertigen und zukunftsfähigen Planen auch und insbesondere die kommunikative wie politische Aufgabe der Architekten und Ingenieure auf dem Weg zu mehr Nachhal­ tigkeit. Das darf nie vergessen gehen. 21


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D IE W IED ER G EB U R T EIN ES V ER L OR EN EN Q U A R T IER S IN L ISSA B ON

W ie s ic h e in e h e m a lig e s Ro t l i c h t - u n d D r o g e n v i e r t e l i n n e u e Sp h ä r e n d e s s o z i a l n a c h h a ltig e n U n te r n e h m e r tu m s m a n ö v r ie r t u n d d a b e i d e n G e m e in sc h a ftsg e d a n k e n in d e n V o r d e r g r u n d s te llt. Text: Ivan Carvalho Übersetzung: Philipp Bitzer Fotos: Stefan Jermann

I ntend ente


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Bild links oben: Der «Mercado do Forno do Tijolo» aus den 1950er-Jahren ist nicht länger nur Markt, sondern beherbergt auch Start-up-Firmen aus dem Hightech-Bereich. Bild rechts oben: Die «Azulejo»-Keramikfliesen prägen das Stadtbild Lissabons. Leider werden die handgemachten Originale oft gestohlen und verkauft. Bild links: Im Quartier mischen sich die Ethnien, und es funktioniert prima.

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er Charme Lissabons wurde lange Zeit mit drei Dingen gleichgesetzt: Den «Carros eléc­ tricos» (den historischen gelben Strassenbah­ nen, die sich durch die engen, gewundenen, steilen Gassen der Innenstadt quälen), der «Calçada Por­ toguesa» (den für die Stadt so typischen zweifarbig gepflästerten Gehwegen) und den «Esplanadas» (den hübschen Strassen­Cafés mit ihren teilweise spekta­ kulären Ausblicken auf die Altstadt und den Fluss Tejo). Seit Kurzem richtet sich die Aufmerksamkeit zusätzlich auf ein bislang praktisch unbekanntes Quartier, das eingeklemmt zwischen zwei der sie­ ben berühmten Hügel liegt, auf denen das histori­ sche Stadtzentrum errichtet wurde. Denn hier, in die­ sem speziellen Viertel, wo einst Drogen­Dealer und Prostituierte einen geschützten Hafen vorfanden, befindet sich das Epizentrum eines soziografischen und städteplanerischen Erdbebens: der «Largo do In­ tendente». Die Einheimischen nennen den Platz (ob aus Zuneigung oder Bequemlichkeit, ist nicht klar) ganz einfach «Intendente». Dieser ist weder beson­ ders gross, noch kann er berühmte (Bau­)Denkmäler

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vorweisen. Trotzdem wurde er zum Symbol der städ­ tischen Erneuerung von Lissabon. Warum? Nun, so­ wohl die Stadtverantwortlichen als auch die Quar­ tierbewohner haben hier die Ärmel hochgekrempelt und gemeinsam und mit kreativen Mitteln ein Viertel zu neuem Leben erweckt, das einst als «Red Light Dis­ trict» gemieden oder zumindest mit Verachtung be­ straft wurde. – All dies, und das ist das Spannende an dieser Entwicklung, geschah ohne Zuhilfenahme ela­ borierter Masterpläne von auswärtigen «Star­Architek­ ten», sondern einzig durch den persönlichen Einsatz von ganz normalen Leuten. Kleine Cafés, Shops und kulturelle Einrichtungen schossen aus dem Boden. Diese wiederum zogen junge Kreative an, die auf der Suche nach erschwinglichem Wohnraum waren. Und gleichzeitig tröpfelte eine neue Spezies von Tou­ risten herein, die genug hatte von den immer glei­ chen Klischees, die ihnen von den Tourismus­Marke­ tingverantwortlichen als das wahre Lissabon verkauft wurden (der melancholische «Fado», die Blätterteig­ törtchen «Pastel de nata» und die Festungsanlage «Cas­ telo de São Jorge»).


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Das Gebiet rund um Intendente entwickelte sich innert kurzer Zeit zu einer Art «Mini-Distrikt». Diesem werden im Norden Teile des hippen Quar tiers Anjos (letzten Herbst von der lokalen Ausgabe des «Time Out Magazine» als der «coolste Platz von ganz Lissabon» bezeichnet) zugerechnet. Im Süden reicht er bis in die «Mouraria», das ehemalige maurische Ghetto, das sich mit seinen verwinkelten Gassen und alten Gemäuern bis zur «Baixa» ausdehnt, dem historischen (und touristischen) Zentrum Lissabons. Typisch für diesen urbanen Flickenteppich im Norden des vom Massentourismus umwogten Kastells war seit je, dass er von Immigranten bevölkert wurde (im 18. Jahrhundert waren es befreite Sklaven, später die Galizier, in der Neuzeit all die Ankömmlinge aus den ehemaligen Kolonien sowie in letzter Zeit die Einwanderer aus dem Fernen Osten). «Das Viertel spielte eine Schlüsselrolle in der städtischen Entwicklung», erzählt Alda Galsterer, eine deutschstämmige Lissabonnerin, die in der City eine Galerie für zeitgenössische Kunst betreibt. Zusammen mit ihrem Ehemann plant sie, nicht weit vom Largo do Intendente entfernt einen Kunsttreff in einer stillgelegten Schreinerei einzurichten. «Dieser Schmelztiegel hier macht wichtige Zugeständnisse an unser lokales Erbe», meint Galsterer. «Die aus Westafrika und anderen Ex-Kolonien stammende Bevölkerung sorgte dafür, dass in Lissabon der «Fado» entstand, dieser gefühlvolle Musikstil, der so eng mit unserer Stadt verbunden ist.» Wer in den Gassen von Intendente unterwegs ist, trifft überall auf Immigranten aus China, Brasilien und Afrika. Das Ganze mutet wie eine Ironie des Schickals an (oder eher wie ein Umkehrschluss auf die Zeit, als Portugal noch eine Weltmacht war und seine Seefahrer aussandte, um sich im Namen des Königs und des Königreiches von Macau bis Moçambique riesige Territorien anzueignen). Sinnbildlich für die Vermischung dieser Ethnien, ist hier ein bunter Mix aus Lebensmittelgeschäften und anderen Kleinunternehmen entstanden, die von Ausländern unterschiedlichster Herkunft betrieben werden. Typisch sind auch die «Clandestinos», jene illegalen chinesischen Restaurants, die zur Umgehung des Fiskus meist in privaten Altbauwohnungen geführt werden. Geplant ist derzeit auch der Bau einer Moschee sowie eines hinduistischen Tempels. Beide sollen, bloss einen Steinwurf voneinander entfernt, an der Avenida Almirante Reis errichtet werden, dem HauptBoulevard, der das Quartier in seiner ganzen Länge durchschneidet. 2011 war es, als der damalige Bürgermeister Lissabons, António Costa, mit dem klaren Ziel einer

Bild oben: Das Herzstück bildet der Platz «Largo do Intendente», an dem auch die Lokalregierung angesiedelt ist. Bild Mitte: Historische Gebäude werden meist sanft und liebevoll renoviert. Bild unten: Man trifft sich und geht aus; wie hier im «Casa Independente», das Küche, Drinks und Livemusik in sehr familiärer Atmosphäre bietet.

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Bild oben: «A Vida Portuguesa», ein Konzept-Shop, der auf portugiesische Produkte spezialisiert ist, war früher eine Keramikmanufaktur. Bild rechts: Randständige werden aktiv integriert und erhalten neue Aufgaben.

Bild oben: Largo Residencias ist nicht nur BoutiqueHotel, sondern bietet auch Zimmer für Künstler an und betreibt eine eigene Theaterproduktion.

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Bild rechts: Das Viertel ist ein Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen und Generationen. Bild unten: Die Skulptur «Love Seat» von Joana Vasconcelos ist ein Wahrzeichen für die Renaissance von Intendente.

Bild links: Um das Stadtbild zu schützen, wird von den alten Bauwerken so viel wie möglich erhalten.

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urbanen Genesung vor Augen, sein Büro in den heruntergekommenen Distrikt verlegte. Dieser ostentative Umzug des gesamten Bürgermeisteramtes in eine kaputte Gegend, in der sich die Bewohner regelmässig über die vielen Drogensüchtigen beklagten, die sich in den Hauseingängen ihren Schuss setzten, war auch ein politisches Signal und eine Ansage an die Bevölkerung. Durch die erhöhte Polizeipräsenz ging die Anzahl Prostituierter und ihrer Freier sukzessive zurück. Costa verfügte, dass die Plaza vom Verkehr befreit und die Fussgängerzone neu gepflästert wurde. Und es gelang ihm, mit Joana Vasconcelos Portugals berühmteste zeitgenössische Künstlerin in das Projekt einzubinden: Ihr knallrot lackierter, schmiedeeiserner «Love Seat» lädt das Publikum dazu ein, sich auszuruhen. Gleichzeitig nimmt er mit seinen Herzmotiven subtil Bezug auf die Strassenmädchen, die hier früher so zahlreich unterwegs gewesen sind. Ausserdem leitete Costa wirtschaftsfreundliche Massnahmen für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) ein, die es Jungunternehmern erlauben, sich direkt vor Ort mit ihren Start-ups zu registrieren. Mit durchschlagendem Erfolg: Fast sofort begann das Geschäftsleben zu pulsieren auf diesem Platz, der von historischen Gebäuden, darunter auch einigen im sogenannten Pombaline-Stil mit seinen typischen Kachelfassaden, gesäumt ist. Auch soziale Einrichtungen entstanden, die ausstiegswilligen Prostituieren und Drogensüchtigen helfen. Und eine Bewohnerin fasst zusammen, was so typisch ist an diesem Viertel, das zum Glück noch immer ein Geheimtipp ist und (noch) nicht von Touristen überrannt wird: «Was mir am meisten gefällt an Intendente», meint Caterina Portas, die einen auf portugiesischen Food und portugiesische Homeware spezialisierten Shop betreibt, «dass es hier noch Unerwartetes gibt. Ich weiss nie im Voraus, was und wen ich in den Strassen antreffen werde. Hier», meint die ehemalige Journalistin, «gehen die afrikanischen Immigranten um 17 Uhr in die Moschee, danach sieht man portugiesische Teenager durch die Gassen ziehen, und abends trifft man lokale Künstler oder ausländische Paare, die in einer der vielen Bars einen Drink nehmen. Intendente ist ein viriler Treffpunkt für Menschen unterschiedlichster Couleur aus allen Gesellschaftsschichten.»

Bild oben: Das FabLab ist Labor und HightechEntwicklungsort und soll Jungunternehmer animieren, ihre eigenen Projekte zu realisieren. Bild unten: Proben der Companhia Limitada in einer ehemaligen Autowerkstatt.

D er Autor

Ivan Carvalho ist Korrespondent des internationalen LifestyleMagazins «Monocle» und schreibt regelmässig für eine Reihe von internationalen Architektur- und Reisezeitschriften. Diesen Text über Lissabons ehemaliges Rotlichtviertel «Intendente» hat der in Mailand ansässige Carvalho als Leitartikel für die kommende Ausgabe des Online-Magazins «Mirus» geschrieben, die am 27. Mai aufgeschaltet wird. www.mirusmag.com

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« S o viel M ies wie mö glich»


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Blick von der Potsdamer Strasse auf die Neue Nationalgalerie – kurz nach der Fertigstellung im Jahr 1968.

Text: Uwe Guntern Fotos: prismaonline und Archiv Neue Nationalgalerie, Berlin

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n den Jahren 1965 bis 1968 erbaut, gilt die Neue Nationalgalerie in Berlin als Architektur­Ikone von Weltrang. Seit ihrer Eröffnung wurde keine umfassende Sanierung vorgenommen. Der Betrieb des Hauses wurde in den letzten Jahren zunehmend durch Probleme im Bereich der baulichen Sicherheit sowie durch das verstärkte Auftreten von Mängeln und Defekten eingeschränkt. Die Gefährdungslage für Besucher und Kunstgüter erlaubte zuletzt nicht mehr, den Betrieb des Hauses länger aufrechtzuer­ halten. Im März 2009 wurde deshalb eine denkmal­ pflegerische und bauliche Bestandesaufnahme der Neuen Nationalgalerie durchgeführt. Dabei wurden bauliche und technische Schäden und Mängel festge­ stellt, darunter gerissene Glasscheiben, gebrochene Granitplatten auf der Terrasse und an der Sockelfas­ sade, nicht nutzbare Rettungswege, Asbest­ sowie Vorkommen weiterer Schadstoffe, fehlende Brand­ schutzabtrennungen, stehendes Wasser auf dem Stahldach über der Ausstellungshalle oder auch de­ fek te Grundleitungen. Darüber hinaus haben die technischen Anlagen und deren Infrastruktur ihre Lebensdauer weit überschritten und sind nur noch eingeschränkt funktionsfähig. Ausserdem bestehen schwere Defizite in den für den Museumsbetrieb not­ wendigen Funktionsbereichen. Die Infrastrukturein­ richtungen für die Besucher sind im Sinne heutiger Ansprüche und Anforderungen absolut unzurei­ chend.

Planung und Abstimmung

D ie N e u e N a tio n a lg a le r ie in B e r lin i s t d e r Sc h l u s s - u n d H ö h e p u n k t d e s Le b e n s w e r k e s v o n Lu d w i g M i e s v a n d e r Ro h e . N a c h 5 0 B e t r i e b s j a h r e n h a t d a s B a u w e r k n u n d a s En d e s e i n e s e r s t e n Le b e n s z y k l u s e r r e i c h t . 29

In einem offenen, konkurrierenden Verfahren wurde schliesslich das Büro David Chipperfield Architects für die Einleitung der Massnahmen zur Grundin­ standsetzung ausgewählt. Unter dem Leitsatz «So viel Mies wie möglich» wurde ab Mitte 2012 das Konzept der Grundinstandsetzung entwickelt. Die Planung für die restrukturierte Nutzung und Anpassung des Hauses an einen modernen Museumsstandard wurde in einem iterativen Prozess vorgenommen. Die Gren­ zen und Möglichkeiten des Gebäudes bildeten dabei die Grundlage. Eingriffe und Veränderungen wurden dabei immer auf das minimal erforderliche Mass be­ schränkt. Der Abstimmungsprozess erfolgte zwi­ schen den Staatlichen Museen zu Berlin, dem


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Berliner Landesdenkmalamt, dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, David Chipperfield Architects und weiteren Planern sowie unter beratendem Einbezug des ehemaligen Projektleiters Dirk Lohan (eines Enkels Mies van der Rohes) und des Mies-Experten Prof. Dr. Fritz Neumey. Die für die Grundinstandsetzung berechneten Gesamt kosten betragen über 100 Millionen Euro – ohne die Kosten für Risikovorsorge, Beräumung und Ersteinrichtung. Zur Behebung der Sicherheitsrisiken, Schäden und Mängel im Bestand ist eine vollständige bauliche und technische Instandsetzung aller Gebäudebereiche und Bauteile erforderlich. Im Ergebnis der Voruntersuchungen und Bauteilöffnungen wurden unter anderem erhebliche Schäden an der Stahlbetonkonstruktion des Hauses festgestellt. Um diese beheben zu können, müssen sowohl die komplette Aussenhülle als auch alle Innenbauteile bis auf den Rohbau demontiert werden. Erst dann kann die Sanierung der Stahlbetonkonstruktion erfolgen. Die hochwertigen Bauteile wie Granit-Natursteinplatten, Türen, Metallbauteile oder Marmorplatten werden ausgebaut, restauriert, ertüchtigt und wieder montiert. Diese Vorgehensweise ist nicht nur denkmalpflegerisch geboten, sondern zugleich nachhaltig und wirtschaftlich sinnvoll. Zum Erhalt der StahlGlas-Fassadenkonstruktion wird auf eine ther mische Trennung verzichtet. Es erfolgt jedoch eine denkmalverträgliche Anpassung der Stahlkonstruk tion, um Verformungen besser ausgleichen zu kön nen, sodass Glasbruch künftig vermieden wird.

Stimmen # 0 1 «Die Aufgabe, die Neue Nationalgalerie zu gründete 1985 David Chipperfield restaurieren, betrifft die Architects. Er betreibt heute Büros Haut und die Knochen von in London, Berlin, Mailand und Mies’ ausserordentlichem Shanghai. Gebäude. Unsere Aufgabe ist nicht nur, dessen Körper zu reparieren, sondern auch seine Seele zu beschützen. Effektiv verlangt unsere Arbeit nicht nach einer radikalen Intrusion oder Modifikation. Stattdessen müssen wir uns mit den relativ bescheidenen, aber dennoch komplexen Anliegen beschäftigen, die aus der Bausubstanz des Gebäudes hervorgehen, und die Integrität seiner Struktur wiederherstellen. Wir sind mehrmals gefragt worden, warum wir das tun, wenn es unsere Absicht ist, unsichtbar zu bleiben? Wir können natürlich sagen, dass es eine Ehre ist oder dass wir niemandem vertrauen! Wir können auch unsere tiefe Anerkennung für das Gebäude gestehen, die eine kritische Komponente einer solchen Aufgabe ist (weil man das Gebäude lieben muss). Aber ich glaube, es hat uns etwas anderes motiviert: Die Möglichkeit, in einer kohärenten und intelligenten Umgebung den physischen Stoff der Architektur zu betrachten und zu diskutieren.»

David Chipperfield

Wiedereröffnung 2020 Die Genehmigung der Arbeiten erfolgte im Januar 2015. Damit wurde die Aufnahme der Ausführungsplanung ermöglicht. Zur Umsetzung der Massnahme wurde der Ausstellungsbetrieb seit Beginn des Jahres für rund fünfeinhalb Jahre geschlossen. Im Januar hat zunächst die einjährige Beräumung des Hauses begonnen, die unter anderem die Auslagerung der über 1400 hochwertigen und einzigartigen Gemälde und Skulpturen in einem extra dafür noch einzurichtenden Interimsdepot beinhaltet. Anschliessend beginnen bauvorbereitende Massnahmen über einen Zeitraum von sechs Monaten. Danach folgt die Hauptbaumassnahme mit einer Dauer von etwa zweieinhalb bis drei Jahren, die vor allem auf die tief greifenden Massnahmen zurückzuführen ist. In dieser Zeit wird das Gebäude auf seine Rohbaukonstruktion zurückgeführt werden. Dazu gehören umfangreiche Demontagen, Restaurierungen und Remontagen unter denkmalpflegerischer Begleitung. Die bauliche Fertigstellung ist für das Jahr 2019 geplant. Voraussetzung dafür ist ein störungsfreier Bauablauf. Daran schliessen sich weitere 12 Monate für die Ersteinrichtung an. Innerhalb dieser Zeit werden alle Kunstobjekte und die dann restaurierten historischen Möbel von Mies van der Rohe sowie weitere Ausstattung in die sanierte Neue Nationalgalerie rückgeführt. Die Wiedereröffnung des Ausstellungsbetriebes wird im Sommer 2020 erwartet.

Grundriss Untergeschoss.

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Ende der 1960er-Jahre wurde das Dach in neun Stunden von 24 Hydraulikhebern angehoben und lagert seither auf acht StĂźtzen.

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« D ie H erausf orderung ist der unsichtbare A rchitekt.» Geht man mit so bedeutender, historischer Architektur um, ist eine Mischung von Anmut und Demut die beste Haltung.

M artin R eichert

ist Partner und Managing Director von David Chipperfield Architects Berlin. Er studierte Kunstgeschichte, klassische Archäologie und Architektur. Seit 1993 ist er als Architekt tätig. Anno 2000 begann Martin Reichert seine Zusammenarbeit mit David Chipper­ field Architects in Berlin. 2006 wurde er dort in die Direktion gewählt, und seit 2011 ist er einer der geschäftsführen­ den Direktoren und Partner. Er betreut diverse Projekte mit Schwerpunkt Denkmalpflege und Restaurierung und war unter anderem Projektleiter beim Wiederaufbau des Neuen Museums auf der Museumsinsel Berlin. Derzeit ist Martin Reichert über seine planerische Tätigkeit hinaus für das Projekt­ management, das Vertragswesen und die Presse­ und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Die Neue Nationalgalerie ist Schluss- und Höhepunkt des Lebenswerks von Ludwig Mies van der Rohe. Mit welchen Gefühlen geht man an die Sanierung eines solchen Bauwerks? Zunächst mit Respekt, weniger vor dem Haus an sich, als vor der nicht ganz einfachen Aufgabe. Ich habe eine sehr persönliche Bindung an das Haus, die bis in meine Studienzeit in Berlin zurückreicht. Es war immer mein Lieblingsbau, auch weil es ein Ort ist, der von der Architektur und der Kunst gleichermassen beseelt ist. Grundsätzlich gilt:

Besteht bei einer derart massiven Grundinstandsetzung, wie sie hier vorgenommen wird, nicht die Gefahr, die Aura des Bauwerks zu zerstören? Diese Gefahr besteht in der Tat. Der Erhalt der Aura war eines unserer grossen Themen. Wir hoffen, diese mit zwei Grundsätzen zu erhalten. Erstens akzeptieren wir die Alterswerte und reparieren eher, als dass wir renovieren. Zweitens versuchen wir, viele der zeitbedingten Phänomene, die man heute gerne als Mangel oder sogar als Schaden bezeichnet, einfach zu erhalten – natürlich in den Grenzen dessen, was für eine Nutzung zumutbar ist. Welche denkmalpflegerischen Positionen liegen Ihrem Planungskonzept zugrunde? Wir haben eingangs ein Thesenpapier formuliert, das sich im Zuge der Planung grösstenteils behauptet hat. Eine These lautet: Das Denkmal ist nicht das gedachte Gebäude von 1965 bis 1968, sondern das real gebaute und dann im Gang durch die Geschichte gealterte und teilweise veränderte Bauwerk. Eine andere These ist, dass die Nutzung als Museum moderner Kunst ein gleichberechtigter Denkmalwert neben dem Gebäude an sich ist. Die Bedürfnisse beider Denkmalaspekte sind sinnvoll und sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Wir wollen am Ende kein «Mies-Mausoleum», das nicht mehr benutzbar ist, sondern wir wollen einen vernünftigen, angemessenen Interessensausgleich zwischen dem Baudenkmal und dem Museum als Nutzung. Weiterhin legen wir Wert auf Nachhaltigkeit. Auch unsere Arbeit soll – wie die erste Lebensphase – noch einmal 40 bis 50 Jahre Nutzung ermöglichen.

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Ich glaube, angesichts der langen Schliessungszeit von fünf Jahren und des hohen Budgets haben wir die Verantwortung, dass unsere Massnahme für einige Jahrzehnte Bestand hat.

Welchen Bereich möchten Sie besonders hervorheben?? Beim Mies-Entwurf gibt es zwei Aspekte. Einmal die zeitlose Moderne, seine Klassizität. Zum Beispiel das Tempelmotiv auf dem Podium, der Granit oder die Bronze. Und auf der anderen Seite sind da die sehr zeitgebundenen Dinge: der Spannteppich im Untergeschoss, die Moduldecke in den Ausstellungsbereichen, die PVC-Fliesen in den Back-of-House-Bereichen, die Toiletten, das Café. Es ist uns wichtig, beide Bereiche gleichermassen zu erhalten. Es gibt eben nicht nur die Klassizität bei Mies, sondern auch das ganz und gar in der Zeit Ruhende. Das sollte man nicht wegrestaurieren. Inwieweit hatten Sie Massstäbe für den Umgang mit unserer Baukultur des letzten Jahrhunderts gesetzt? Wenn alles gut geht, ist die Potenz vorhanden, ein wichtiges Werk entstehen zu lassen mit der gleichen Ausstrahlung, wie sie das Neue Museum auf der Museumsinsel auch hatte. Das Interessante und Besondere an diesem Projekt ist, dass man hinterher wenig sehen wird. Das haben wir von Anfang an offen thematisiert. Die Herausforderung ist der unsichtbare Architekt. Denn es geht nicht um eine Neuinterpretation und nicht um eine Auffrischung unserer Sehgewohnheiten, sondern es geht um eine relativ demütige Restaurierung eines Hauptwerks des 20. Jahrhunderts.


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Massnahmen In den folgenden Bereichen des Gebäudes werden unter anderem denkmalverträgliche Anpassungen an heutige Anforderungen und Standards vorgenommen:

Nutz ungsverbesserung

Sozial- und Personalräume; Besucher-ServiceEinrichtungen; Neubau Kunstdepot; Barrierefreiheit +

B rand schutz

Brand- und Rauchabschnitte; Flucht- und Rettungswege; Entrauchung; Brandmeldeanlage +

H ü llensanierung

Granitfassade; Betonsanierung des Rohbaus; Aussenabdichtungen; Wärmedämmung; Terrassenbeläge und -aufbauten; Sanierung der Stahlglasfassade +

I nnensanierung

Reorganisation der «Back of house»-Bereiche; Schadstoffbeseitigung; Adaptierung und Rekonstruktion bauzeitlicher Teile +

Technische Gebä ud eausrü stung

Kompletterneuerung der technischen Gebäudeausrüstung; Personen- und Sachschutz; Wärmerückgewinnung; Neubau Technikräume +

Aussenanlagen Gartendenkmalpflegerische Instandsetzung aller Aussenanlagen

Bild oben: Die quadratische Stahl-/Glas-Konstruktion steht auf einer Granitterrasse, die einen leichten Abhang ausgleicht.

Bilder unten: Glaswände umschliessen das Gebäude. Sie sind um 7,2 m zurückgesetzt und bilden so die Haupthalle.

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C hicago C alling D i e « So c i e t y w ic h tig ste in te r g e sc h ic h te u n d Ü b e r 7 0 0 H isto i m Ap r i l z u m

o f Ar c h i t e c t u r a l H i s t o r n a tio n a le G e se llsc h a ft fe ie r t h e u e r ih r 7 5 - jä h r ik e r, T h e o r e tik e r u n d Ju b ilä u m sk o n g r e s s n

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ia n s» ist d ie f ü r Ar c h i t e k t u r r ig e s B e ste h e n . K r itik e r k a m e n a c h C h ic a g o .


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Links: Doppelstöckige Klappbrücke (Wells Street Bridge) Rechts: Tour Nr. 14: «Chicago Movable Bridges»

Foto: Elliott Sturm

Text: Dan Costa Baciu Fotos: Elliott Sturm, IIT Archives, Iwan Baan, Dan Costa Baciu

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ie «Society of Architectural Historians», kurz «SAH» genannt, wurde 1940 an der Harvard University gegründet. Seit 68 Jahren ver­ anstaltet die SAH jährlich eine internationale Kon­ ferenz, und diese stand heuer ganz im Zeichen des 75­jährigen Bestehens der Organisation, deren Mit­ glieder mittlerweile aus über 50 Ländern – darunter auch der Schweiz – stammen. Die Wahl für den Tagungsort des Kongresses fiel zum Jubiläumsjahr auf Chicago, da sich hier der Hauptsitz der Gesellschaft befindet. Das «Charnley­ Persky House», der Hauptsitz der SAH, ist selbst eine Architekturikone, die Louis Sullivan zusammen mit Frank Lloyd Wright erbaute. Der Kongress selbst fand aus Platzgründen jedoch in einem Hochhaus am Chi­ cago River statt. Das Wetter war herrlich, und immer wieder konnte man beobachten, wie sich die histori­ schen Brücken hoben, um die Segelschiffe zu Früh­ lingsbeginn auf den «Lake Michigan» hinauszulassen. Patrick T. McBriarty, Autor des Buches «Chicago River Bridges» (University of Illinois Press 2013), hat die Architekturhistoriker auf, über und unter die welt­ bekannten Brücken geführt. Die Stadt ist auch sonst vollgespickt mit Architekturikonen: Art­déco­Hoch­ häuser stehen neben Neoklassizismus. Die Sonne spiegelt sich in Glasfassaden und fällt auf Steintürme,

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Stahlträger oder auf Goldbergs Beton. Vom Hancock Tower überblickt man die Rasterstadt und fühlt sie Tag und Nacht pulsieren. Bei so viel Geschichtsträch­ tigkeit ist gut nachvollziehbar, dass Chicago diesen Oktober eine Architekturbiennale lanciert, die der Veranstaltung in Venedig mindestens ebenbürtig werden soll. PHŒNIX bleibt dran. Der SAH­Kongress ist ausserordentlich vielfäl­ tig. Das Plenarreferat von Gwendolyn Wright drehte sich um das Thema «Play» («Spiel»). Die Historikerin der Columbia University forderte die mehreren Hun­ dert Zuhörer auf, das Spielerische in der Architektur­ praxis zu untersuchen und ebenfalls spielerisch mit der Architekturgeschichte umzugehen. Obschon sich noch nicht so viele Architekturhistoriker mit dem Thema Spieltheorie befassen, war das Referat insbe­ sondere für jene, die das tun, äusserst interessant. Zum Thema «Play» passte auch Greg Castillos Refe­ rat über die deutsche Architektur im Kalten Krieg. Der Professor, der an der UC Berkeley lehrt, sprach neben der «Deutschen Sachlichkeit» auch die «Heiter­ keit» an und erläuterte diesen Begriff am Beispiel von Hans Scharouns Wettbewerbseingabe für die «Ameri­ can Memorial Library» in Berlin. Castillo, Architektur­ historiker durch und durch, beschäftigt sich auch Weiter auf Seite 38


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A us der V og elperspektiv e I m Ra h m e n d e s SAH - K o n g r e s s e s z e i g t e e i n e Au s s t e l l u n g , d a s s Ar c h i t e k t e n s c h o n l a n g e a u f Lu f t b i l d e r a l s P l a n u n g s w e r k z e u g z u r ü c k g r e ife n . « A view from above – The Transformation of IIT' s C ampus and N eighborhood» nannte sich eine Ausstellung, die im Rahmen des SAH -Kongresses gezeigt wurde. Diese wurde von Professor Michelangelo Sabatino vom Illinois Institute of Technology IIT kuratiert und zeigte eindrücklich, wie Architekten – lange bevor G oogle Earth diese zum Allgemeinplatz gemacht hat – Luftbilder als Planungswerkzeug einsetzte.

Luftbild entlang State Street in Richtung Norden (bevor IIT erbaut wurde) mit dem «Mecca»-Gebäude im Vordergrund. Das Gebäude war das Herzstück des Quartiers. Die Bebauung ist kleinteilig, historisch und dicht.

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Die Luftbilder aus dem Archiv des IIT beispielsweise dokumentieren sy stematisch, wie die historische C ampusN achbarschaft ( das mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnte Q uartier Bronzeville) verändert und teilweise sogar zerstört wurde, um der U niversität von C hicago – eine Architekturikone von Ludwig Mies van der Rohe – Platz zu machen. Das Institut war 1 9 4 0 aus dem Zusammenschluss des Armour Institute of Technology und des Lewis Institute gegründet worden. Private Investoren und die öffentliche H and transformierten hierauf das G ebiet im South Side C hicago, wobei das « Armour Mission Building» der Architekten Burnham & Root ( 1 8 8 6 ) und viele historische Steinbauten für Parkplätze, N utz- und Monumentalbauten abgebrochen wurden. Auch die « Mecca Flats» , ein ausserordentlich schönes und beliebtes Wohngebäude von 1 8 9 2 , wurden abgebrochen, um Ludwig Mies van der Rohes « SR C rown H all» ( 1 9 5 6 ) Platz zu machen. Die Luftbilder der Ausstellung sind aus der Entfernung aufgenommen und wirken kühl und kühn. G leichzeitig zeigen sie ein angespanntes Verhältnis zwischen dem C ampus und der historischen N achbarschaft auf. G edächtnis, Zerstörung, « tabula rasa» und Fortschritt prallen aufeinander.

H istorische Luftaufnahme: Illinois Institute of Technology

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Über-Eck-Perspektive Richtung Nordosten (mit Lake Michigan im Hintergrund). Fotocollage mit Campus-Modell von Mies van der Rohe.


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Blick entlang der State Street in Richtung Norden. Mies̕ Crown Hall steht dicht an einem historischen Bau, und eine ganze Nachbarschaft wurde abgebrochen, um neue Parkplätze zu schaffen.

2014

Begrünter Campus im Geist der Moderne. Freistehende Architekturikonen, sattgrüne Wiesen, BaumAlleen und die Chicago Skyline im Hintergrund.

Foto: Iwan Baan


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Highlights

in den USA mit dem Verhältnis zwischen architekto­ nischem Mainstream und Subkultur und arbeitet der­ zeit an einer Publikation zu diesem Thema. Auch eine Handvoll Schweizer und Auslandschweizer nahm am SAH­Kongress mit Referaten zu unterschiedlichen Themen teil: So führten beispielsweise Niklas Näh­ rig und Gregory Grämiger, zwei Doktoren der ETH, eine «Paper Session» durch. Nährig und Grämiger beschäftigen sich seit 2011 mit der Evolutionslehre in der Architektur und untersuchten, ob ein Architekt eine Theorie entwickelt hat, die wirklich an der Evo­ lutionslehre ausgerichtet ist. Der Befund ist nüchtern: «Es reicht nicht aus, dass sich ein Architekt einfach in irgendeinem Text auf Darwin beruft. Und um ehr­ lich zu sein: Wir haben keine einzige darwinistische

Gwend oly n W right

Columbia University The Role of Play: Looking for Patterns and Crossing Boundaries (Plenary Talk)

+

K urt W . F oster Fotos: Elliott Sturm

Yale University

What does Sullivan's Architecture Sound Like?

+

M ichelangelo S abatino Illinois Institute of Technology

Brutalism in Canada: Concrete and Climate

+

Greg C astillo

University of California Berkeley Cheerfulness in Cold War Architecture

+

J ustin F owler, D an H and el

Princeton University, Technion Israel

Bigger than Big: American Matter out of Scale

Architektur gefunden. Genauso wenig wie eine Ar­ chitekturtheorie, die an der Evolutionslehre ausge­ richtet ist. Was wir hingegen gefunden haben, ist ein kreativer, ideenreicher und vielschichtiger Aneig­ nungsprozess, in dessen Verlauf die Evolutionsthe­ orie so lange transferiert, übersetzt und angepasst wurde, bis etwas ganz Neuartiges daraus entstand.» Dieser negative Befund überraschte und ernüchterte, gingen doch manche Teilnehmer davon aus, dass es sehr wohl darwinistische Ansätze in der Architektur­ theorie gebe. Das Schlussreferat von Kurt W. Forster, Doktor der Universität Zürich und Professor an der Yale Uni­ versity, lockerte die Stimmung wieder auf. Studenten stiessen hinzu, die Gänge füllten sich, und manch etablierter Professor setzte sich zu ihnen auf den Boden, um zuzuhören, als Forster über den US­Ar­ chitekten Louis Henri Sullivan (1856 bis 1924) sprach. Forsters Ausführungen legten nahe, wie untrennbar Sullivan, Chicago und die Evolutionstheorie mitein­ ander verbunden sind. Sullivan habe seine Architek­ tur zuweilen der Evolution preisgegeben, meinte Kurt W. Forster, dessen Position sich im Einklang mit der aktuellen Forschung befindet, die zum Beispiel durch die Publikationen «Design in the Age of Darwin»

+ Die Schweizer Referenten am SAH:

O le W . F ischer Dr. Sc. ETH / University of Utah

Bild oben: Patrick T. McBriarty, Autor von «Chicago River Bridges» Bild Mitte: Es ist heute noch eindrücklich, wie sich die historischen Brücken anheben und senken. Bild unten: Begrüssung mit ( v. l. n. r. ) Scott Weir, David Winterton, Michelangelo Sabatino, Yumiko Hayasaka.

Emma J ones Universität Zürich

And reas B uss

Lutz & Buss Architekten

R uth F igueired o ETH Zürich

Gregory Grä miger Niklas Nä hrig ETH Zürich

Ulrike F aurbach Arnd H ennemey er ETH Zürich

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Foto: Dan C osta Baciu

(2008) oder «Umberto Boccioni Architettura Futurista 1914» (2011) unterlegt ist und einen interdisziplinären Dialog aufzeigt, der für die junge Evolutionstheorie zwischen 1830 und 1920 ausserordentlich bereichernd war (Architekten und Theoretiker haben damals zusammen mit Philosophen und Künstlern wichtige Beiträge geleistet). Nach den «Paper Sessions» der ersten beiden Tage gab es am Schlusstag Veranstaltungen in der Stadt selbst. Ein Podiumsgespräch mit Ausstellung widmete sich der neuen Campus-App, die das Illinois Institute of Technology kürzlich lanciert hat. Diese App ist nach jener des Princeton University Campus erst die Zweite in den USA, welche die Baugeschichte integriert. Ausserdem sprach Michelangelo Sabatino, der eine Ausstellung

über Luftaufnahmen in der Architektur kuratiert hatte, über die Baugeschichte seiner Universität: Der Campus wurde nicht etwa auf der grünen Wiese entwickelt, sondern von Mies van der Rohe mitten in eine beliebte Nachbarschaft von Chicago gesetzt. Dabei wurde die ansässige afroamerikanische Bevölkerung nach und nach verdrängt. Luftbilder zeigten eindrücklich, was vor dem Universitätscampus da war und wie die Nachbarschaft durch die modernen Bauwerke verändert wurde. «Das matte Glas im Erdgeschoss», erklärte der beliebte Professor, «war vielleicht auch ein Weg, sich von der unmittelbaren Nachbarschaft abzusondern.» Wie wörtlich das gemeint ist, erkennt man am Luftbild: Mies’ Crown Hall stand 1964 nicht in einem Park, sondern Wand an Wand mit der ursprünglichen Bausubstanz.

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Chicago River, von der Wells Street Bridge aus fotografiert.


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Text: Dan Costa Baciu

Pläne: Harboe Architects, Chicago

en d f e in ha t k t sic h r e in

er M od ern a u sg e z e ic ü r z lic h d a z u r z e it m e Au f n a h m

e z u r e sta u h n e t e s Ar c h s « Em i l B a it d r e i v o n e in d a s U

r ie r e n ? ite k tu r ch zeh n N ESC O-

Bilder: Art Institute Chicago, Historic American Building Survey, Harboe Architects, Claudiu Voichin, Dan Costa Baciu

W i e f ü h l t e s s i c h a n , Ar c h i t e k t u r i k o n P H Œ N IX e r ö ffn e t d ie P e r s p e k tiv e a u b ü r o i n C h i c a g o : H a r b o e Ar c h i t e c t s H o u s e » fe r tig g e s te llt u n d b e s c h ä ftig B a u t e n Fr a n k Ll o y d W r i g h t s , d i e f ü W e ltk u ltu r e r b e n o m in ie r t s in d .

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Übereckperspektive mit Blick auf Ost- und Südfassade. Auf diesen Steinen ging Emil Bach täglich zum Lake Michigan.

Schlafzimmer 1 Balkon

Esszimmer Küche

Bad

Auffangbecken

Dach Hintereingang Halle Pflanzkasten Dach

Schlafzimmer 2 Balkon

Halle

Wohnzimmer Dach

Balkon Balkon

Schlafzimmer 3

Eingang

Rasen

Rasen Gehweg Gehweg

Dach

Dach


Bild oben: Südfassade nach der Restauration. Bild unten: Westfassade, Ansicht von der Strasse aus.

« I ch hielt mich immer f ü r z utief st religiö s und besuche auch gelegentlich Gottesd ienste d ieser und j ener Glaubensrichtung. M eine K irche, in d ie ich gehe, ist allerd ings eine and ere. S ie schreiben GO TT mit Grossbuchstaben? Nun, ich schreibe NATUR gross. Frank Lloyd Wright

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Bild oben: Schlafzimmer in der Abendsonne. Bild unten links: Wohnzimmer mit Cheminée. Bild unten rechts: Portikus und Eingang. Der Raum wurde ausgebaut, aber im Rahmen der Restaurierung wieder als witterungsgeschützter Aussenraum bespielt.

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Fotos: Dan C osta Baciu


Obj ekt # 0 1

W

ie fühlt es sich an, eine Architekturikone zu restaurieren oder umzubauen? Was ist üblich, was nicht? PHŒNIX öffnet die Perspektive auf die Praxis in den Vereinigen Staaten. Harboe Architects hat von Louis Sullivan bis zu Mies van der Rohe alles schon mal angetastet. Derzeit beschäftigen sich die Architekten mit drei Hauptwerken Frank Lloyd Wrights: Das «Unity Temple» und das «Robie House» werden restauriert; «Taliesin West», wo Frank Lloyd Wright die Winter mit seinen Studenten verbrachte, wird umgebaut. PHŒNIX hat die Villa besichtigt, die Frank Lloyd Wright für den Backsteinfabrikanten Emil Bach erbaute. Harboe Architects haben die Restauration kürzlich abgeschlossen, und das Objekt wird heute als luxuriöses Ferienhaus vermietet.

D as letz te Prä riehaus von W right 1915 erbaut, war das «Emil Bach House» eines der letzten Präriehäuser, die Frank Lloyd Wright realisierte. Es hatte volle Aussicht auf den «Lake Michigan». Die Baumaterialien waren roh belassen und wirkten lebendig neben dem See, der alle paar Minuten seine Farbe von Blau zu Grau und Orange ändert. In der Nachbarschaft am Stadtrand war die Villa im Laufe der Zeit allerdings verblasst. Heute, nach einer dreijährigen Restaurierung, sticht sie wieder ins Auge: Dunkle Holzbalken gliedern die Fassaden und weisen in die Ferne. Nachdem das Haus in verschiedenen Farben deckend gestrichen wurde, glänzen die Hölzer wieder wie früher im alten Lack mit der dunklen Beize. Auch der Verputz ist erneut roh, also ohne Farbanstrich, wirkt aber um so feiner im Schatten des alten Baumschmucks, wie er in Chicago so häufig anzutreffen ist. Der Backstein, den der Bauherr Emil Bach produzierte, war Frank Lloyd Wright nicht gut genug. Als Kontrast zum Holz wählte er deshalb ein leuchtend gelbes Produkt mit feinen vertikalen Rillen. «Diese Art zu mauern ist typisch für Wright», erklärt Architekt Gunny Harboe. «Der Backstein wird heute, es sind ja bereits 100 Jahre her seit der Entstehung des Hauses, nicht mehr produziert.» Laut Harboe eine Challenge, denn manches Stück Wand sei beschädigt gewesen, und beim Eingang hätten sie einen Wandflügel komplett neu aufbauen müssen. Sie hätten zwar einen ähnlichen Lehm gefunden und ähnliche Backsteine herstellen lassen. Derzeit sähen die alten und die neuen Backsteine auch fast identisch aus, aber unter der starken Witterung würden sie halt verschieden altern.

Taliesin W est

Das «Taliesin West» war ab 1937 Frank Lloyd Wrights Winter residenz und seine Architekturschule. Den Namen «Taliesin» hatte Wright von seiner Sommerresidenz in Wisconsin übernommen und mit der geografischen Angabe «West» ergänzt. Heute beherbergt das Gebäude die Frank-Lloyd-WrightArchitekturschule. Harboe Architekten haben dazu eine Vorstudie erstellt, welche die Baugeschichte eindrücklich dokumentiert und nicht weniger als 500 Seiten umfasst. Da das Gebäude in der Wüste von Arizona geplant und erstellt wurde, ist das Planmaterial jedoch ziemlich dürftig. Eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes würde bedeuten, den Zeichensaal offen und ohne Klimagrenze zu gestalten, weshalb sich einmal mehr die Verhältnisfrage zwischen Alt und Neu stellt. Taliesin West gehört zu den zehn Gebäuden von Wright, die für eine Aufnahme in das UNESCOWeltkulturerbe nominiert wurden.

Das «Taliesin West» befindet sich in Scottsdale in Arizona (USA).

Foto: Art Institute Chicago

Historisches Bild: «Taliesin West» – Steinmauern in der Wüste.


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« W ir mö chten

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mö glichst ehrlich sein und gleichz eitig mö glichst nahe an d as O riginal heran. Es ist ein D ilemma, man kann wed er d as eine noch d as and ere vollkommen erreichen.» Gunny Harboe

Bild oben: Der Portikus ist wieder offen und ohne Klimagrenze gestaltet. Bild unten: Typisch für die Präriehäuser: Das Cheminée befindet sich im Zentrum des Gebäudes.

Fotos: Dan C osta Baciu

Bild links: Holzrahmen im Treppenbereich. Das Holz war deckend gestrichen worden.

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Obj ekt # 0 2 Direkt nebeneinander würde man den Unterschied erkennen. «Wir haben deshalb», erzählt Harboe weiter, «eine alte Stützmauer im Garten als Materialreserve für die Flickarbeiten verwendet. Diese Mauer haben wir aus den neuen Backsteinen komplett wieder aufgebaut.» Das sei so, wie wenn ein Chirurg eine Narbe im Gesicht mit einem körpereigenen Stück Haut korrigiere. Tatsächlich ist das Haus auf sehr feinfühlige Weise so nah wie möglich ans Original von 1915 gebracht worden.

W issenschaf t od er Entwurf «Unsere Herangehensweise ist wissenschaftlich», sagt der Architekt und zeigt auf Expertisen und historische Recherchen. Das Ziel sei es zu verstehen, wie der ursprüngliche Zustand war und wie dieser verändert wurde. Diese «Timeline» müsse indes zuerst rekonstruiert werden. Moderne Architekturikonen seien zum Glück ziemlich gut dokumentiert, aber die Information müsse neu strukturiert werden. Es gebe das Gebäude selbst, aber das sei nicht mehr im alten Zustand. «Pläne zeigen immer nur die Absichten des Architekten», erzählt Harboe, «sie müssen nicht 1 : 1 realisiert worden sein. Dahingegen zeigen Bilder immer den fertigen Zustand – aber dafür nur in einzelnen Perspektiven.» Dann gebe es Briefe und Schriften, welche die Zusammenhänge zwischen Realität und Absichten festhielten. Viele Gebäude hätten auch Bauschäden gehabt, die zwischenzeitlich repariert wurden, und da müsse man vorsichtig sein, wenn man rekonstruiere. «Wir stellen Hypothesen auf, und manchmal testen wir auch am Bestand». Auch wenn die Recherche wissenschaftlich ist, fühlt sich Harboe nicht minder als Architekt. Restaurator sei er indes nicht, sagt er entschieden. Die Recherche dient dazu, den ursprünglichen Entwurfsgedanken in seinem Kontext zu verstehen. Die Entscheide, was effektiv ausgeführt wird, sind dann wieder Entwurf und Architektur.

R obie H ouse

Frank Lloyd Wright erbaute das «Robie House» 1910. Es ist vielleicht sein bestes Präriehaus. Noch 1957 schrieb das «House and Home»-Magazin, Robie House sei das Jahrhunderthaus überhaupt. Der Bau hat den gleichen Stil wie das Bach-Haus. Die Baukörper sind lang gestreckt und aus länglichem, rotem Sichtbackstein. Ausserordentlich schön sind auch die Fensterornamente. Das Haus befindet sich im Hyde Park auf dem Campus der University of Chicago und steht Besuchern offen. Harboe Architects planen punktuelle Eingriffe, die das Haus auch wieder ein Stück näher an das Original bringen sollen. Der RestaurationsMasterplan für das Robie Haus muss jedoch noch einige Hürden nehmen, bis er zur Ausführung kommt. «Lego Architecure» stellt das «Robie House» seit dem Jahr 2011 in Serie her. Mit über 2000 Exemplaren ist es der meistproduzierte Bausatz der gesamten Linie.

Dieses Gebäude befindet sich in Chicago und ist für Besichtigungen zugänglich.

« Alt und Neu» ging nicht mehr auf Kurz vor der Restaurierung wurde eine neue Küche eingebaut, und sie ist sichtbar «neu» gestaltet. Dann kamen ältere Schäden am Gebäude zum Vorschein, und da ging «alt versus neu» nicht mehr auf. Wenn

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Foto: Cervin Robinson, Historic American Building Survey

Dekorative Verglasung – typisch für Frank Lloyd Wright.


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Fotos: Lane G ilman, Art Institute C hicago

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Harboe Architekten nutzen die historischen Bilder als Dokumentation für den früheren Zustand. Aus verschiedenen Bildern lässt sich unter anderem ableiten, wie lange die Anstriche gehalten haben. Besonders heikle Materialanwendungen und Bauschadenfälle sollen im Rahmen der Rekonstruktion nicht mit rekonstruiert werden.

Fotos: Richard N ickel, H istoric American Building Survey


Obj ekt # 0 3

Ä sthetik als H aup tkriterium Der Fokus auf die Oberflächen ist nicht mit Ober flächlichkeit gleichzusetzen. Die anspruchsvolle Ästhetik wird nicht ohne Weiteres erreicht. Faktisch bedeutet es beispielsweise, dass das Architekturbüro die Bauleitung übernimmt. Viele Entscheidungen werden auf dem Bau getroffen. Manchmal kommt da auch eine Überraschung. So schwärmen Architekt und Bauherr von dem Augenblick, als sie ein altes Stück Farbe hinter einem Schrank entdeckten und daraus die Farbe der Wände ableiten kon nten. Rückkehr zum Original heisst auch, dass gewisse Erwartungen nicht mehr erfüllt werden. Der «Portikus» des Bach House wurde in den 1960er-Jahren ausgebaut. Heute hat der Raum wieder Aussenklima.

D ie d rei nä chsten O bj ekte Zehn Werke von Frank Lloyd Wright wurden für das UNESCO-Weltkulturerbe nominiert. Anders als die bisherigen Einträge in diesem Inventar sind diese zehn Objekte über mehrere amerikanische Bundesstaaten verstreut. Harboe Architekten restaurieren nicht weniger als drei Objekte davon: den «Unity Temple» und das «Robie House» in Chicago sowie die Architekturschule «Taliesin West» in Arizona. «Unser Vorgehen ist immer das Gleiche, aber das Resultat überrascht mich jedes Mal von Neuem», sagt der Architekt und bringt zum Ausdruck, wie verschieden Frank Lloyd Wrights Entwürfe sind. Auf die Frage, ob er ein Buch über Frank Lloyd Wright publizieren möchte, reagiert der Architekt skeptisch: Wir wissen so viel über den Architekten wie niemand sonst. Aber wen interessiert all das Fachwissen?»

Unity Temp le

Der «Unity Tempel» gehört zu den Klassikern der Architekturgeschichte. Frank Lloyd Wright beschrieb ihn so: «Kein Tempel für die Kirche, sondern einer für den Menschen.» Die Fassade wurde 1908 aus Sichtbeton ausgeführt, wobei zuerst feiner Kies mit wenig Zement an die Schalung gespachtelt und erst in einem zweiten Schritt gegossen wurde. Das ergab eine sehr poröse Oberfläche, die das Wasser aufsaugte, danach zufror, und die schnell beschädigt war. Die Fassade wurde in den 1970er-Jahren mit Spritzbeton erneuert. Harboe Architekten entschieden sich, den aktuellen Zustand beizubehalten und auszubessern. Alle neuen Betonteile wurden sandgestrahlt, was dem heutigen Erscheinungsbild am nächsten kommt. Im Innenraum wird die historische Farbgebung wiederhergestellt. Als PHŒNIX den Bau Mitte April besichtigte, war das Fassadengerüst im Bau. Die Fertigstellung ist auf Herbst 2016 geplant.

Der «Unity Temple» ist eine Kirche in Oak Park, Chicago.

Foto: Philip Turner, Historic American Building Survey

man die neuen Eingriffe sichtbar macht, ent fernt man sich vom Original. Wenn man rekonstruiert, ist es originalgetreu, aber nicht mehr echt. Es scheint, als könne man nicht beides haben. Der Architekt schwärmt von der Ästhetik der Frühmoderne und bringt das Dilemma zwischen Original und Kopie zum Schweigen: «Bautechnisch gesehen hat das Gebäude so viele heikle Stellen, die Frank Lloyd Wright um der Ästhetik willen in Kauf genommen hat: das gebeizte, aber bewitterte Holz, den rohen Verputz, das Auflösen der Grenze zwischen innen und aussen. Die Ästhetik und die Raumwirkung waren seine Kriterien für Entwurfsentscheide, und wir haben diese Kriterien auch berücksichtigt.» Ästhetisch gesehen seien sie möglichst nahe an das Original herangegangen.

Historisches Aussenbild.


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Text: Dan Costa Baciu

Pläne: HHF Architekten, Basel

Bilder: HHF Architekten, Marius Mezulis, Benjamin Krüger, Tom Bisig

Basel-Stadt ist nicht nur der kleinste Kanton, sondern auch ein Vorreiter im Umbauen. Das Statistische Amt hat auch dieses Jahr verzeichnet, dass mehr um- als neu gebaut wurde. Doch Geld und Zahlen beiseite – was macht die neuen Basler Umbauten so modern und reizvoll?

T H C LI

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Tom Bisig

Umbau und Er weiterung an der Voltamatte. Hinten rechts der Novartis Campus. Und gleich dahinter die französische Grenze.

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asel­Stadt ist nicht nur der kleinste Schwei­ zer Kanton, sondern auch derjenige, in dem am meisten umgebaut wird. Das Statistische Amt erfasste auch für 2015, dass über die Hälfte der Bauinvestitionen in Umbauten, Erweiterungen oder Abbrüche floss. Auch die Wohnungsbilanz zeigt, dass mit Umbauten nicht nur grössere Wohnungen, sondern vor allem auch mehr Wohnungen geschaf­ fen wurden. Doch Geld und Zahlen beiseite – was macht die Basler Umbauten so modern und so reiz­ voll? PHŒNIX hat einen repräsentativen Erweite­ rungsbau ausgesucht und unter die Lupe genommen. Und sich mit Simon Hartmann von HHF Architekten darüber unterhalten: «Unsere Nachbarn», meint die­ ser zu seiner Herangehensweise an den Umbau an der Lichtstrasse 9 in Basel, «haben in den 1960er­Jah­ ren die ganze Strassenecke abgebrochen. Anschlie­ ssend haben sie einen ziemlich groben Klotz in die Baufluchten ‹hineingepresst›. Das Resultat gefiel uns nicht, und wir wollten einen anderen Weg einschla­ gen. Deshalb haben wir das Eckhaus erhalten und erweitert.»

F ragmentierte S tad t Vor fünf Jahren wurde das westliche St.­Johann­ Quartier neu gestaltet. Die Stadtautobahn ging in den Untergrund, und «Volta» wurde zum Schlagwort im Wohnungsbau. Christ & Gantenbein stellten einen gezackten, schiefergrauen Neubau hin. Degelos Ent­ wurf war rot und rundlich. Buchner Bründler «protz­ ten» mit einem hellen Monolith aus Beton. In direk­ ter Nachbarschaft dazu, an der Voltamatte, wurde ein Robinson­Kinderspielplatz erstellt. Selbst die

«NZZ» berichtete, das Arbeiterquartier habe sein Ge­ sicht verändert. Dennoch bleibt es enorm schwierig, das Quartier überhaupt zu beschreiben. Die histori­ schen, kleinteiligen Blockränder grenzen im Süden an die grossen Wohnbauten an. Im westlichen Teil des Quartiers befinden sich ein Bahnhof und In­ dustriebauten. Im Norden ist die Grenze zu Frank­ reich, und im Osten steht der Novartis Campus. Wer seine Nase gegen den Zaun drückt, kann Bauten von Frank Gehry, David Chipperfield und Saana bestau­ nen, um nur einige der «Stars» zu nennen, die dort gebaut haben.

W ie bauen an einem solchen O rt? Wenn in diesem Quartier so viele Welten aufein­ anderprallen – Wohnen, Industrie, Blockrand, For­ schung, Branding, Bahnhof und Landesgrenze – erscheint das Ganze wie ein Auszug aus einem Lehrbuch über die postmoderne Stadt. Man fragt sich, wie ein Architekt auf diese Collage antworten soll. Bei HHF fiel die Antwort, wie Simon Hartmann erzählt, mit «Umbauen» ziemlich leicht. «Was hätte man da zwischen Novartis, Stadt und Grenze ent­ werfen sollen? Das Quartier ist stark fragmentiert. Wir konnten nicht kontextuell entwerfen. Umbauen und erweitern war eine Antwort auf dieses Quar­ tier, es war eine Strategie, um so wenig wie mög­ lich zu entwerfen.» Selbst die Fassade des Erweite­ rungsbaus ist nur teilweise von Architektenhand: Die vertikalen Metallstangen variieren im Durchmesser, und einige davon sind als Baumstämme gestaltet. Sie sind ein Kunstwerk von Erik Steinbrecher, der diese Idee eigens für den Umbau an der Lichtstrasse


« Unsere

der Speisesaal im historischen Teil liegt. Doch wer glaubt, dass damit der historische Raum intakt gehal­ ten worden wäre, liegt falsch, denn der Saal ist eine freie Neuschöpfung in einem historischen Bau. Die Verkleidungen der Aussenwände wurden entfernt und das darunter sichtbar gewordene Mauerwerk in einem glänzenden schwarzen Farbton gestrichen. Die tragenden Innenwände wurden abgebrochen und durch eine zentrale Stütze und Unterzüge er­ setzt. Die Stütze zieht die gesamte Aufmerksamkeit auf sich, denn sie ist das einzige Element, das ohne Anstrich roh in Sichtbeton belassen wurde.

Eigenwillige L ö sung f ü r d ie F enster Eigenwillig ist auch die Gestaltung der Fenster. Ob das Glas gross­ oder kleinformatig ist, hängt nicht etwa davon ab, ob das Fenster im Neu­ oder im Alt­ bau ist, sondern ob es zum Park oder zur Strasse hin orientiert ist. Zum Park hin sind die Fenster ohne Tei­ lung. Dieser recht pragmatische Ansatz hat den Alt­ bau von der Pflicht zu kleinen Fenstern ein­ für

Benj amin Krüger

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entwickelt hat. Einem grösseren Publikum be­ kannt geworden sind Steinbrechers Metallbaum­ stämme allerdings durch ihren Einsatz bei der Rat­ hausbrücke in Berlin. Die Brücke wurde zwar erst nach dem Wohnhaus in Basel entworfen, aber zuvor fertiggestellt. Doch zurück nach Basel: Wenn hier die Fassade in den Obergeschossen auch eine (saubere) Fuge zwischen Alt und Neu aufweist, so ist im Erd­ geschoss alles um so reizvoller zusammengeflossen: Die Steinbossen des historischen Gebäudes wurden in einem schwarzen Farbton mit Glimmer gestrichen, wie man ihn nie verwendet hätte, als das Haus gebaut worden war. Die neue Fassade ist mit glänzenden, ebenfalls schwarzen Fliesen verkleidet, die allerdings in einem stehenden Format angeordnet sind. Im Re­ staurant im Erdgeschoss ist man gleich überrascht, wie frei das Architekturbüro mit Alt und Neu umge­ gangen ist: «Es ging uns natürlich schon auch um Ehr­ lichkeit», erklärt Simon Hartmann, «aber wir wollten nicht dogmatisch sein.» Der Eingang zum Restaurant befindet sich heute im Erweiterungsbau, während

Nachbarn haben d ie S trassenecke abgebrochen und einen groben K lotz in d ie B auf luchten ‹ hineingep resst› . W ir wollten

Bild oben: Der Speisesaal des Restaurants im Erdgeschoss. Bild unten: Die Fassadenmaterialien im Erdgeschoss.

einen and eren W eg einschlagen und haben d as Eckhaus erweitert.» Simon Hartmann

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Foto: Tom Bisig

Bild oben: Die Decke ist Sichtbeton, die Wand ist weiss, aber die Tür ist historisch. Bild unten: Die Wohnungen im Neubau haben den Eingang im Altbau. Das Treppenhaus ist in den alten Lichthof hineingesetzt worden.

Oben: Grundriss Erdgeschoss . Unten: Grundriss Regelgeschoss.

H H F

allemal befreit. Dass die Raumstimmung im Restaurant so locker und entspannt ist, geht auch auf die gute Zusammenarbeit zwischen Architekt und Nutzer zurück. Die Leuchten hat der Architekt bestimmt, doch die Möbel hat der Betreiber des Restaurants eingebracht. Sie stammen aus historischen Lokalen, teils aus Basel, teils auch aus Zürich. Genau dieses Ineinander und Miteinander von Neuem und Altem bis ins Detail der Möbel macht das Erdgeschoss so reizvoll und reich. Altbau und Neubau sind auch funktional gesehen voneinander untrennbar. Das Restaurant befindet sich im Altbau, aber sein Eingang ist im Neubau. Umgekehrt haben die Wohnungen im Neubau ihren Eingang im Altbau. Das Treppenhaus ist in den Lichthof hineingesetzt worden. Der Neubau wurde genutzt, um den Wohnungen je einen grossen freien Raum zu geben. Die Kerne im Neubau haben die Funktion, das Gebäude erdbebensicher auszusteifen,

wären aber für ein Treppenhaus zu klein gewesen. Pro Geschoss befindet sich jeweils eine Wohnung komplett im Altbau, während die andere je zur Hälfte im Alt- und im Neubau liegt (aufteilbar in zwei Wohnungen) und durch den Altbau erschlossen wird.

Altes und Neues schmelz en z usammen Auch hier ist Alt und Neu miteinander verwoben: Es fällt beispielsweise auf, dass eine alte Tür in eine neue Wand eingesetzt wurde. Die Decke ist aus Sichtbeton, die Wand ist weiss, aber die Türe ist alt. «Wir haben die Türe aus einer Wand demontiert», erinnert sich Hartmann, «die abgebrochen wurde. Wand und Decke sind zwar neu, aber die Türe ist echt – und sie ist alt», rechtfertigt der Architekt das Vorgehen. In der Toilette zeigt er auf den geflickten Bodenbelag und erklärt, dass ihm der alte Bodenbelag gefallen habe. Das alte WC sei auf den Boden montiert gewesen,


Bild oben: Alt und Neu treffen aufeinander. Die Grenze zwischen Alt und Neu ist nicht didaktisch zur Schau gestellt. Bild Mitte: Gangzone im Erweiterungsbau. Bild unten: Balkon zum Innenhof.

Maris Mezulis

Die Bautafel HHF Architekten Basel:

Programm Restaurant, 9 W ohnung en +

Ort

Basel +

Bauphasen

Phase I: 20 0 8 – 20 12 Phase II: 20 12– 20 15 +

Team

Herlach Hartmann Frommenwiler C ella H ubel, N icole B aron, Philippe G uillod, W alter G loor, Y uj in H irase, L isa L o, D aichi T akana, Jens V an Z ele, C hristian W ey ell

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+

Brutto Geschossfläche 3059 m2 +

das Neue sei an der Wand aufgehängt. Also habe man einen Flick mit Hartbeton gemacht. Der alte Raum, die Platten aus den 70er-Jahren, der Flick, die neuen Sanitärapparate: Irgendwie fühlt man sich in seine Kindheit auf dem Land zurückversetzt. Das Gebäude an der Lichtstrasse hat mehr Ebenen von Geschichte, als man denkt. Vor dem Umbau gehörte es schon Simon Hartmanns Verwandten. «Das Quartier war heruntergekommen, und sie wollten das Haus verkaufen. Ich fand das viel zu schade, ich bin schliesslich hier aufgewachsen. Als ich vom Verkauf gehört habe, wollte ich es unbedingt selber umbauen.» Dieser Wunsch wurde wahr, und Hartmann hat selbst eine der Wohneinheiten bezogen. Die Käufer der anderen Wohnungen sind mit ihm so weit befreundet, dass er den Schreibenden durch das ganze Haus herumführen kann. Und vielleicht ist es gerade dieser persönliche Bezug zum Gebäude, der den

Umbau so stimmig gemacht hat. Alte und neue architektonische Elemente sind durch und durch miteinander verzahnt, und alles passt! So gut, dass das Gebäude als Lehrstück für jene dienen könnte, die eine Fuge zwischen Bestehendem und Neuem als unabdingbares Kriterium für einen Umbau halten. Denn wer glaubt, dass Alt und Neu stets voneinander getrennt werden müssen, wird an der Lichtstrasse eines Besseren belehrt: An der Hofseite, wo die Pflanzen schon die Brüstung hochklettern und die Hausbewohner vom historischen Teil des Quartiers umgeben sind, ergibt sich wieder eine neue Stimmung. Da wirkt alles improvisiert und heiter. Die Architektur fällt kaum ins Auge, als seien Debatten um die Architektur entweder nie erfunden worden – oder längst passé. Buchtipp HHF ARCH, Archilife Verlag, Seoul 2013. ISBN 978-89-964508-3-2 336 Seiten, Englisch, 29 x 25.1 x 1.5 cm

Bauvolumen 7832 m3 +

Bauherr Priv at +

Kunst

Erik Steinbrecher +

Fotos

T om B isig , M aris M ezulis, H H F


Text: Dan Costa Baciu und Nadine Kahnt Pläne: Gustave Eiffel, Moatti Rivière Architecture Bilder: Man Ray, Robert Delaunay, L. Moholy Nagy, Michel Denancé, Prolitteris, Historic American Building Survey, Wikipedia

R U O T

0 6 # T IK A N U L NI X E ΠF H P EI F

W i e s i c h d e r Ei f f e l t u r m v o m T e c h n i k - Ex p e r i m e n t z u m k u ltu r e lle n H e r z s tü c k e in e r g a n z e n St a d t w a n d e l t e . Ei n Rü c k b l i c k , v e r k n ü p f t m i t e i n e r B i g - D a t a - An a l y s e .


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Zwischen 1889 und 1925 wandelt sich der Eiffelturm vom technologischen Wunderwerk und Schauobjekt zum Herzstück von Paris: Bild rechts: Robert Delaunay, la Tour Eiffel 1928 Bild Mitte: Der Eiffelturm während der Bauphase 1888.

Foto: Wikipedia

Bild unten: Aufzug im Betrieb. Die Bilder und Texte aus dem Eröffnungsjahr zeugen von der Faszination für Technologie.

Foto: BPK Bildagentur

A

ls die Weltausstellung «Exposition Universelle» 1889 ihre Tore in Paris öffnete, war «La Tour Eif­ fel» das höchste und wichtigste Schaustück der Ausstellung. Eine Big­Data­Analyse französischer Pub­ likationen zeigt auf, dass der Eiffelturm während der Ausstellungsphase in französischen Publikationen häu­ figer genannt wurde als die Expo selbst. Die schlagar­ tige Aufmerksamkeit auf Turm und Ausstellung war je­ doch kurzlebig, denn zwei Jahre später, 1891, fand das technische Wunderwerk kaum noch Erwähnung. Eine länger andauernde Aufmerksamkeit erreichte der Turm erst wieder ab 1910 und – noch einmal eine Dekade spä­ ter – vor allem zwischen 1920 und 1940: «La Tour Eiffel» war während dieser Zeitspanne nicht nur ein aufblit­ zendes Schlagwort, sondern wurde im Lauf der Zeit zu einer Ikone beziehungsweise zu der Ikone von Paris. Der Eiffelturm mauserte sich also vom Schaustück einer Weltausstellung zum eigentlich Wahrzeichen einer Met­ ropole von Weltrang.

B ed eutungswand el

Foto: N apoleon Dufeu, Library of C ongress

Dabei stellt sich die Frage nach dem Bedeutungswan­ del, den der Turm über die Jahrzehnte hinweg durch­ machte. Wurde der Turm als das weltbekannt, als was er von seinen Erbauern konzipiert worden war? Oder doch eher als (weitherum sichtbares) Wahrzeichen von Paris? Oder gar beides? Die Grafik auf der gegenüberliegen­ den Seite zeigt, wie häufig der Name «Tour Eiffel» in


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französischen Publikationen erwähnt wurde. Span­ nend ist zu sehen, wie eine Verknüpfung der Bauge­ schichte des Turms mit einer Big­Data­Analyse seiner medialen Erwähnung neue Rückschlüsse zulässt.

TO UR

D as technologische Ex p eriment Schon vor dem Eiffelturm hatten die Londoner die Idee gehabt, einen Stahlturm von 1000 Fuss (rund 300 Me­ tern) Höhe zu erbauen. Der Eiffelturm war also ein tech­ nologisches Wagnis, aber auch ein zeittypisches Expe­ riment, das auf seine Umsetzung wartete. Der Franzose Gustave Eiffel übernahm die Idee aus England, und der Schweizer ETH­Ingenieur Maurice Köchlin entwarf, so sauber das ging, die Versuchsanordnung. Die Konzep­ tion der Ingenieure hatte eine vordefinierte Bedeutung. Der Turm war in erster Linie ein feierlich zur Schau ge­ stelltes, hoch technologisches Abenteuer. Wie wertvoll dieses Experiment für Paris werden sollte, stand damals völlig in den Sternen.

D as H erz stü ck von Paris

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Um 1924 treffen wir eine vollkommen veränderte, viel­ leicht sogar umgekehrte Situation an: «La Tour» war zu diesem Zeitpunkt ein von der Bevölkerung und von Be­ suchern aus aller Welt allgemein anerkanntes Herzstück von Paris geworden. Allerdings bestanden in der Rezep­ tion widersprüchliche Interpretationen: «La Tour Eiffel» wandelte sich also in gut 30 Jah­ ren vom technologischen Experiment zum Kulturgut. Der Hintergrund dieses Wandels ist offensichtlich: Das Experiment ist als technisches Abenteuer in seiner Be­ deutung beschränkt, während das Kulturgut in

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1889 Tour Eiffel Gustav Eiffel

Bild oben: Moholy Nagy, «Spielzeug, durch Bewegung erzeugtes virtuelles Volumen – optische Auflösung des festen Materials», 1929 (L. Moholoy Nagy, vom Material zur Architektur, in: Neue Bauhausbücher). Bild links: Man Ray «La Ville» (die Stadt), 1931, ist Teil einer Serie von zehn Bildern mit dem Titel «Electricité».

Foto: Man Ray , H eckscher Museum, ProLitteris

1924

1944

1989

Grafik: Die Big-Data-Analyse von Google zeigt, wie häufig der Name «Tour Eiffel» in französischen Büchern vorkommt. «Gustave Eiffel» wird im Vergleich zum Turm um ein Vielfaches weniger häufig erwähnt.


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TO UR

Fotos: Michel Denancé

seiner Bedeutung offen ist. Denn Kultur wird als Bestandteil des urbanen Lebens von Differenzen geprägt, und unterschiedliche Gesellschaftsschichten, Künstler, Autoren, Historiker, Theoretiker, Einwohner ringen um die Bedeutung von Kulturgütern, wie sie es ebenso um den urbanen Raum tun. Es gibt auch hier Auseinandersetzungen, wer, was, wie in Anspruch nimmt. Typisch für die verstädterte Gesellschaft ist, dass sich Differenzen anerkennen.

V ielf alt von B ed eutungen

Bild oben: Die neuen Pavillons füllen den Leerraum zwischen den vier Pfeilern und gewinnen dem Turm so etwas Neues ab. Bild unten: Auch die Aufzüge haben neue Räume erhalten.

Zum Zeitpunkt, als der Eiffelturm Wurzeln in der französischen Kultur schlug, wird genau diese Art von Wandel erkennbar. Der Eiffelturm ist gleichzeitig «träge» (Le Corbusier) und «immateriell» (Sigfried Giedion). Er ist aber auch «Festlichkeit» (Man Ray), «Machtsymbol» (Delaunay), «Elephantasie» (Pierre Dubreuil) und «Tanz der Sinne» (Moholy Nagy). Er ist im gleichen Atemzug überholte Technik und Analogie für moderne Hochhäuser, er bleibt wach und bleibt belebt, während die Metropole im Film «Paris schläft» (René Clair, «Paris qui dort») ruht, und wirdschliesslich und endlich zur Architektur (Le Corbusier, Esprit Nouveau). Obschon sich diese Bedeutungen teilweise widersprechen, ist die


« D ie M enschen eignen sich ein B auwerk an und machen es z ur Architekturikone. D eren B ed eutung ist nicht f ix iert,

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Vielfalt willkommen. Eine Forschungsarbeit zu diesem Thema von Dan Costa Baciu und Nadine Kahnt beschränkte sich exemplarisch auf den Eiffelturm. In einem weiteren Schritt wird nun von denselben Autoren untersucht, ob Kulturgüter, Türme und andere Gebäude einen ähnlichen Bedeutungswandel durchmachen, bis sie Berühmtheit erlangen. Die antreibende Kraft für den Wandel ist die Gesellschaft selbst, die sich das Objekt aneignet und es zum Sinnbild für etwas oder eben für vieles, letztlich zum Sinnbild für die gesellschaftlichen Differenzen erhebt. Die Big-Data-Analyse der medialen Erwähnung des Eiffelturms wird so wie ein Luftbild genutzt: sie zeigt die grossen Veränderungen in einem distanzierten und neutralen, ja objektiven Blick. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie Künstler, Fotografen, Filmemacher und Architekten den Eiffelturm über die Jahrzehnte hinweg interpretiert haben, sollte sich auf jeden Fall die neue Ausstellung anschauen, die auf der ersten Plattform des Eiffelturms gezeigt wird. Die Kuratorin Lydia Elhadad beleuchtet im neu erstellten Raum nicht nur Eiffels Vision, sondern auch die Arbeiten der Kultur Schaffenden. Die Vielfalt an Bedeutungen, die dem eisernen Konstrukt zugedacht werden, kommt in dieser Ausstellung zum Tragen.

D er Umbau d es ersten S tockwerks Im Gespräch mit dem Architekten Alain Moatti ist PHŒNIX der Frage nachgegangen, inwiefern der Umbau dem Eiffelturm etwas Neues abgewinnt. Wenngleich der Architekt Elemente der bestehenden Geometrie für seinen Entwurf übernommen hat, so galt sein Interesse doch etwas Neuem – er wollte den Leerraum zwischen den vier grossen Stahlpfeilern erlebbar machen. Die Bauvolumen sind zur Mitte des Turmes hin geneigt, und in die gleiche Richtung schauen auch die Besucher, wenn sie auf die kleinen Glasbalkone treten und sich – nur mit einem Glasboden unter den Füssen – schwerelos (oder voller Höhenangst) fühlen. «Die Geschichte ist mächtiger als die Gegenwart», erklärt Moatti, wenn man ihn über das Verhältnis von Alt und Neu fragt. «An die Geschichte können wir uns erinnern, sie dringt in unsere Fantasie.» Moatti sucht deshalb immer nach Wegen, die Geschichte zu verlängern, die Stadt zu erweitern, die Gebäude aus- und weiterzubauen und um eine neue Symbolik anzureichern.

Die Ausstellung zeugt von den vielen Bedeutungen des Eiffelturms und wurde in Anlehnung an die Bouqinisten gestaltet.

sond ern ebenso vielf ä ltig wie d ie Gesellschaf t selbst. Eine B ig- D ataAnaly se kann d iesen V organg beleuchten.»

Zweifach gekrümmte Oberfläche Der Bestand bewegt sich im Wind

Der Baukörper bewegt sich mit dem Bestand Wände sind gleitend auf dem Boden montiert


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Fotos: Archiv Institut gta, ETH

Zürich

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Bild oben: Haus Sunnebüel, Küsnacht. Wohnhaus von Lux Guyer. Bild Mitte: Raumfolge Haus Sunnebüel, Küsnacht. Bild rechts: Die Farbstrategien sind abstrakte Darstellungen, die aus der Beschäftigung mit konkreten Bauten abgeleitet wurden. Hier die Strategie «Malerische Promenade», die am Beispiel von drei Wohnhäusern von Lux Guyer formuliert und visualisiert wurde (Collage mit handgestrichenen Farbmustern, 57 × 57 cm).

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M alerische Promenad e In fr ü h e n W o h n b a u te n d Lu x G u y e r ( 1 8 9 4 – 1 9 5 5 ) e i n e m d y n a m i s c h e n Ra u i h r e r Ei n f a m i l i e n h ä u s e r P u b l i k a t i o n d i e Fa r b s t r a

e r Sc h w e i z e r Ar c h i t e k t i n m a c h t Fa r b e d i e Ar c h i t e k t u r z u m e r l e b n i s . An h a n d v o n d r e i a m Z ü r ic h se e e r lä u te r t e in e te g ie « M a le r isc h e P r o m e n a d e» .

Text: Lino Sibillano und Stefanie Wettstein

Fotos und Farbcollagen: Urs Siegenthaler

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as Haus der Farbe ist in seiner jüngsten, in Gemeinschaftsarbeit mit der Universität Edinburgh entstandenen Publikation «Farbstrategien in der Architektur» dem raumgestalterischen Potenzial von Farbe nachgegangen (siehe dazu den Literaturhinweis auf der folgenden Seite). Dabei wurden Bauten aus dem 20. und 21. Jahrhundert, von der Architektur-Ikone bis zum versteckten Kleinod untersucht. In der Publikation werden sechs unterschiedliche Strategien dargestellt, die den meisterhaften Umgang mit Farbe im Raum charakterisieren. Eine davon ist die Strategie «Malerische Promenade», die anhand von drei Einfamilienhäusern der Schweizer Architektin Lux Guyer veranschaulicht wird.

L ux Guy ers F arbkonz ep te Um 1930 erbaute Lux Guyer, die als erste selbstständig erwerbende Architektin der Schweiz gilt, eine Serie von Einfamilienhäusern in Küsnacht und im benachbarten Itschnach am rechten Zürichsee-Ufer. Die Bauten sind charakterisiert durch eine Typisierung der Form, des Raums sowie teilweise auch des Materials und der Konstruktion. Der Urtypus ist das «Saffa-Haus» von 1928. Fliessende Raumfolgen, die oft keine eindeutige Nutzung vorgeben, sondern Möglichkeiten anbieten, sollten die Häuser zu einem komfortablen Lebens- und Arbeitsraum für Familien machen. Die farbgestalterische Konzeption von Lux Guyer bestand in dieser Periode primär darin, jeweils pro Raum eine einzige Farbe für Wände und Decken

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zu wählen. Die Böden waren immer in einem dunkleren Farbton abgesetzt – mal monochrom, mal in einem anderen Buntton. Mehrheitlich kamen Holzböden zum Einsatz, entweder als sichtbelassenes Parkett oder als einfacher Riemenboden, der mit Öl farbe gestrichen wurde. Ausserdem verwendete die Architektin Klinkerböden in den Wohnhallen und schachbrettartig verlegte Keramikplatten in Nassräumen und Küchen. Vereinzelte Farbakzente wurden da und dort gesetzt, wie zum Beispiel beim Anstrich von Fussbodenleisten, Einbaumöbeln oder Fensterund Türrahmen.

Akz ente und B rü che Nur in ganz wenigen Fällen brach Lux Guyer das Prin zip der Einheitlichkeit von Wand und Decke. Diese Akzente und Brüche im Allover-Konzept sind nicht unbedeutend für die Gesamtwirkung. Schweift der Blick durch den Raum, bleibt er an diesen «aussergewöhnlichen» Details hängen. Er ruht einen Moment, um dann weiter in die Tiefe zu gleiten. Es sind diese expressiven Momente, die subtil leiten und berühren und die Meisterschaft des Farbkonzepts deutlich machen. Durchblicke in andere Innenräume oder auch in den Aussenraum werden in der Regel durch die abgesetzten Farben der Tür- oder Fensterrahmen strukturiert und gewissermassen inszeniert. Das Übergeordnete und Verbindende dieser Abfolge von einzelnen Farbentscheiden ist im Fall von Lux Guyer die in sich stimmige, zuweilen auch kühne Farbpalette.


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Haus der Farbe – Fachschule für Gestaltung in Handwerk und Architektur (Hg.) Farbstrategien in der Architektur Co-AutorInnen: Fiona McLachlan, Anne Marie Neser,

Farbporträts zeigen den Farbklang eines spezifischen Baus, hier zum Beispiel das «Saffa-Haus» in Stäfa (1928) der Architektin Lux Guyer. In dieser Darstellungsart werden Farbabfolgen im Raum sowie Farbquantitäten sichtbar gemacht (Collage mit handgestrichenen Farbmustern, 36 × 51 cm).

Lino Sibillano, Marcella WengerDi Gabriele, Stefanie Wettstein; Mit einem Vorwort von Iain Boyd Whyte Gestaltung: Barbieri Bucher, Stephanie Cuérel 168 Seiten, 20,4 × 27,0 cm, 18 Farbtafeln, 6 Klapptafeln, gebunden. Schwabe-Verlag Basel, 2015, CHF 68.– Anlässlich seines 20-Jahr-Jubiläums bie-

In der Publikation «Farbstrategien in der Architektur» werden die Farbkonzepte in den ausgewählten Bauten von Lux Guyer als «Malerische Promenade» bezeichnet. «Malerische Promenade» ist eine erlebnisorientierte und dynamische Farbstrategie, in der die Bewegung in Raum und Zeit ein integraler Bestandteil ist. Farben werden so gesetzt, dass sie in der räumlichen Zusammenschau eine eigenständige malerische Wirkung erzeugen. Das atmosphärische Zusammenspiel von Farbe, Raum und Licht lässt eine Vielzahl von begehbaren Farbbildern entstehen. Der malerische Spaziergang ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen und als orchestrierte Abfolge von Atmosphären in farbigen Räumen zu erfah ren. Deshalb ist die Strategie idealerweise aus der Wahrnehmung des Betrachters zu beschreiben.

D ie R ä ume entf alten einen S og Der Blick schweift durch einen in Farbe gehüllten Raum, eine Tür öffnet den Blick in weitere Farbräume, sowohl in der Horizontalen als auch stockwerkübergreifend. Sie versprechen Weite und Vielfalt, locken, machen neugierig und laden den Betrachter ein, durch die Räume zu spazieren. Dabei begegnet man immer neuen Farbkompositionen, die Harmonien und Spannungen erleben lassen. Mal wird man von weichen Abfolgen fein abgestufter Farbräume begleitet, mal durchschreitet man stärkere Hell-dunkelKontraste. Oder man taucht in ein nuanciertes Spiel mit Buntheit und Vergrauung ein. Die Räume entfalten einen Sog, kommen auf einen zu, weichen zurück. Zudem werden ihre unterschiedlichen Dimensionen

tet das Haus der Farbe auch eine FaksimileSonderedition an. Die Mappe enthält sechs Faksimile-Drucke der Farbstrategien im Originalformat

In gemeinsamen Workshops des internationalen Forschungsteams wurde das gesammelte Material wie Farbmuster, Bilder und Texte aufbereitet und diskutiert, hier in Edinburgh im Herbst 2013.

570 x 570 mm. Offsetdruck sechsfarbig mit einer Modulationsfarbe im Steindruck. CHF 650.– (inkl. Porto/ Verpackung) Bestellung:

und Charaktere durch die differenzierte Farbgebung prägnanter. «Malerische Promenaden» schaffen also charak ter volle Farbräume, die eine einprägsame Farberin nerung hinterlassen, als malerische Abfolge räum liche Farbkompositionen bilden und miteinander in Dialog treten. Die Kunst der Strategie besteht darin, die einzelnen Farbräume so zu gestalten, dass Durchblicke und Ausblicke sowohl eine malerische Qualität offenbaren als auch eine räumliche Wirkung erzeugen. Insofern geht es um das Komponieren einer Abfolge von Atmosphären, die dynamisch erlebt werden und sich im Gesamteindruck zu einem übergeordneten Farbkonzept zusammenfügen. Die Strategie setzt bei den Gestalterinnen und Gestaltern neben dem versierten Umgang mit Raumproportionen und -atmosphären ein ausgeprägtes Gefühl für Farbklänge und Farbwirkungen voraus. Je virtuoser sich jemand in der Welt der Farben bewegt, desto weniger Gefahr, dass die Farbräume und ihre Abfolgen plakativ oder spannungslos bleiben.

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info@hausderfarbe.ch www.hausderfarbe.ch Ergänzend zur Publikation wird eine Wanderausstellung im Gewerbemuseum Winterthur gezeigt (bis 4. Oktober 2015).


EXPLORINGMICROURBANENMIRUS A QUARTERLY DIGITAL MAGAZINE

VIRONMENTS MIRUS A QUARTERLY DIGITAL MAGAZINE mirusmag.com

«Mirus digs down to uncover the unexpected side of cities. Tailored to a sophisticated audience, it’s a unique approach in micro-publishing». Ivan Carvalho, Monocle Magazine

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Z eitgemä ss rekonstruiert 2 0 1 4 w u r d e d i e Sa n i e r u n g d e s e h e m a l i g e n , G la s p a la s t k o n z ip ie r te n P a lm e n h a u s e s im B G a r t e n K ö l n a b g e s c h l o s s e n . D a s St u t t g a r t e r b ü r o K + H Ar c h i t e k t e n e r w e i t e r t e d i e « N e u e e i n e m m o d e r n e n v e r g l a s t e n An b a u . Z u r Re d e r h is to r is c h e n B e fe n s te r u n g w ä h lte n d ie P St a h l p r o f i l s y s t e m J a n i s o l v o n J a n s e n .

a ls o ta n isc Ar c h i t e k Fl o r a » k o n str u la n e r d

h en tu r m it k tio n a s

also nur noch wenig an den einstigen Glaspalast erinnerte, wurde die «Flora» 1980 in die Denkmalliste der Stadt Köln eingetragen.

Bild oben: Ein verglaster Neubau, der mit einer Glasfuge vom denkmalgeschützten Bestandsbau abgelöst ist, ersetzt die heterogenen Anbauten aus der Nachkriegszeit. Bild oben rechts: Die etwa 2 m breiten und 6 m hohen Elemente sind eine aufwendige Konstruktion aus einem relativ massiven tragenden Teil und einem dazu in der Ebene um 60 mm nach innen versetzt liegenden Einsatzelement.

Redaktion: Christina Horisberger Fotos: Jens Willebrand / Jansen AG

Als prunkvoller Glaspalast war die «Flora» in den 1860er-Jahren in Köln errichtet worden. Als Vorbild dienten der Londoner «Crystal Palace» und der «Jardin d’Hiver» in Paris – allesamt konstruktions- und ingenieurstechnische Meisterleistungen, die einen neuen Gebäudetypus hervorbrachten. Das Bauwerk wurde als Palmenhaus, zugleich aber auch für Ausstellungen und festliche Veranstaltungen genutzt. Während des Zweiten Weltkriegs zerstörten Bombenangriffe die «Flora» bis auf die Grundmauern. Zwar wurde sie Anfang der 1950er-Jahre wieder aufgebaut, jedoch in stark vereinfachter Form. So ersetzte man unter anderem das verglaste Tonnendach durch ein schlichtes Walmdach. Obwohl

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Wesentliches Ziel des von K + H Architekten, Stuttgart, in Abstimmung mit der Denkmalpflege erarbeiteten Sanierungskonzeptes war es, die Kubatur des ursprünglichen Baukörpers mit dem gekreuzten Tonnendach wiederherzustellen. Die «Neue Flora» steht auf den originalen Grundmauern, sowohl was den Altbau von 1864 betrifft als auch die Räumlichkeiten, die nach dem Zweiten Weltkrieg hinzugefügt wurden. Die heterogenen Anbauten wurden abgerissen und durch einen verglasten Neubau ersetzt, der mit einer Glasfuge vom Bestandsbau abgelöst ist. So nimmt die mit einem floralen Muster bedruckte Glasfassade den gestalterischen Gedanken von früher auf und führt ihn in zeitgemässer Architektursprache fort. Zu den wichtigsten räumlichen Veränderungen gehört die Ausbildung eines Sockelgeschosses. Hier ist unter anderem der neue Haupteingang angeordnet, der nun vom Parkplatz aus ebenerdig zugänglich ist. Das grosszügige Foyer entwickelt sich über die gesamte Gebäudehöhe von rund 2 m. Ein verglaster Panorama-Aufzug erschliesst die oberen Ebenen mit dem historischen Festsaal, dem Parksalon und dem neuen Dachsalon unter dem


wiederhergestellten Tonnendach. Dieses ist jedoch nicht mehr aus Glas, sondern mit Zinkblech gedeckt. Auch von anderen Gewerken wurden die neu zu erstellenden Bauteile nicht als originalgetreue Replik gefertigt, sondern in Anlehnung an das historische Vorbild gestaltet. Dies gelang mittels moderner Materialien, die dem ursprünglichen Charakter entsprechen und gleichzeitig die heutigen Anforderungen an Wärme­, Schall­ und Brandschutz erfüllen. Die Fassaden nahm die mit der Fassadenpla­ nung beauftragte FFT Fenster­ und Fassadentechnik Bohner, Fichtenberg, auf und zeichnete sie auf der Grundlage von Fotografien der Eröffnung 1864 nach. Für die Rekonstruktion der erdgeschossig umlaufenden Befensterung wählten die Planer in Abstimmung mit der Stadt und der Denkmalbehörde das wärmedäm­ mende Stahlprofil Janisol der Schweizer Jansen AG. Die etwa zwei Meter breiten und sechs Meter hohen Elemente sind eine aufwendige Konstruktion aus einem relativ massiven, tragenden Teil und einem dazu in der Ebene um 60 mm nach innen versetzt liegenden Einsatzelement. Nicht minder aufwendig gestaltete sich die Rekonstruktion der vier festverglasten Fensterelemente des Tonnendachs. Die Rosettenfenster waren früher aus vielen einzelnen Scheiben mit gusseisernen Sprossen gefertigt. Nun sind sie dem Stand der Technik entsprechend aus Wärme­ schutzglas hergestellt, auf das die Orna­ mentik der historischen Befensterung aufgedruckt wurde. Es handelt sich um

Erdgeschossig umlaufende Befensterung mit wärmedämmenden Stahlprofilen Janisol.

eine zweischalige Konstruktion aus einer Pfosten­Riegel­Fassade mit Stahlprofilen und einer Structural­Glazing­Fassade, bei der Tragwerk und raumabschliessende Hülle voneinander getrennt bestehen. Die Ornamente ziehen sich über die Randbe­ druckung der SG­Verglasung hinweg von einer Scheibe auf die benachbarte und stellen rein optisch das einstige Erschei­ nungsbild wieder her. Die massiven, optisch hervortretenden Ornamente aus Stahlrohrprofilen in differenzierten Abmessungen (100 × 150 mm, 60 × 60 mm und 30 × 50 mm) sind vor der Verglasung angeordnet. Neben dem Dachsalon unter

der Kuppel des Tonnendachs bietet die «Neue Flora» vier weitere Räume für Veranstaltungen: den 800 m² grossen Festsaal im Erdgeschoss, ein Bistro, die Orangerie sowie den Parksalon. Die Räumlichkeiten können zwischen 80 und 1200 Personen beherbergen. Auch die angrenzenden Terrassen wurden im Zuge der Instandsetzung neu gestaltet und für eine gastronomische Nutzung hergerichtet. So ist die «Neue Flora» – damals wie heute – eine beeindruckende Location für Tagun­ gen, Konzerte und gesellschaftliche Veranstaltungen aller Art. www.jansen.com

Bauherr: Stadt Köln, Hochbauamt Architekten: K + H Architekten, Stuttgart Fassadenplaner: FFT Bohner, Fichtenberg Metallbauer: Trauschke Brandschutz GmbH, Zörbig und WB-Metall-Design GmbH, Lissendorf/Eifel Systemlieferant: u.a. Jansen AG, Oberriet, Schüco International KG, Bielefeld Profilsysteme Bogenfenster 1. OG: Janisol Primo mit Sprossen aus Janisol Arte Profilsysteme Fenstertürelemente EG: Kombination aus Janisol (Türen) und Janisol Primo (Festverglasung) Profilsystem Eingang UG: Schüco FW 50+ Fassadensystem Profilsystem Neubau: Schüco FW 50+ Fassadensystem

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Tausend S tü hle f ü r einen D om Se l b s t f ü r e i n U n t e r n e h m e n v o n i n t e r n a t i o n a l e r Re p u t a t i o n w ä r e d e r Z u s c h l a g f ü r d i e Au s s t a t t u n g e i n e s U N ESC O- W e l t k u l t u r e r b e s e t w a s Au s s e r g e w ö h n l i c h e s g e w e s e n . Fü r d i e ä l t e s t e St u h l - u n d T i s c h m a n u f a k t u r d e r Sc h w e i z , H o r g e n G l a r u s , w a r d e r Au f t r a g f ü r d i e B e s t u h l u n g d e s H ild e s h e im e r M a r ie n d o m s m it 1 0 0 0 fü r d e n Or t e n t w i c k e l t e n « C a t h e d r a l - C h a i r s » h in g e g e n e in e g a n z b e so n d e r e H e r a u sfo r d e r u n g – u n d e in e B e s tä tig u n g d e r U n te r n e h m e n s p h ilo so p h ie . Redaktion: Christina Horisberger Fotos: Christian Richters

Dank diesen Haupteigenschaften sind die Möbel von horgenglarus besonders auch bei Architekten begehrt, speziell wenn es – wie bei Schilling Architekten aus Köln – um die Sanierungen wichtiger historischer Gebäude geht. Auf die Renovierung des UNESCO-Weltkulturerbes «Mariendom Hildesheim» haben die Projektbeteiligten und Architekten einige Jahre maximale Sorgfalt verwendet. Sie reichte bis ins Detail der Bestuhlung hinein. So konnten zur Eröffnung im August letzten Jahres 1000 Besucher auf den «Cathedral-Chairs» Platz nehmen. Auf Initiative der Architekten speziell für dieses Projekt vom Studio Meda in London entworfen, hat das Glarner Unternehmen die Stühle eigens für das DomProjekt produziert. Solche Sonderanfertigungen – selbst in grosser Stückzahl – sind eine Spezialität der Manufaktur. Der «Cathedral-Chair» liesse sich zukünftig bei Bedarf auch für andere Projekte von Schilling

Seit ihrer Gründung im Jahr 1880 nimmt die «ag möbelfabrik horgenglarus» den Begriff der Qualität wörtlich. Von Beginn an arbeitete das Glarner Unternehmen mit renommierten Gestaltern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren dies vornehmlich Schweizer Architekten, wie beispielsweise Max Ernst Haefeli oder Werner Max Moser. Aber auch heute wird das Unter nehmen mit seiner erfolgreichen Kollektion von überwiegend massiven Holzstühlen und -tischen den hohen Erwartungen einer anspruchsvollen Kundschaft gerecht. Denn die Kollektion hat es mit Weiterentwicklung und neuen Ent würfen geschafft, die Ideale der klassischen Moderne ins neue Jahrtausend zu überführen: Neben messbaren produktionstechnischen Eigenschaften geht es heute noch immer um jene exzellente Gestaltungsqualität, die sich über kurzlebige Trends hinwegzusetzen vermag.

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Die leichte, filigrane Anmutung der neuen Bestuhlung unterstützt die andachtsvolle Grösse des Kirchenraums.


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Architekten nachproduzieren: «Die Zusammenarbeit mit dem Designer im Vorfeld der Produktion war sehr effektiv», erinnert sich Marco Wenger, Geschäftsführer von horgenglarus. «Es waren nur minimale Modifikationen des Entwurfs nötig, etwa hinsichtlich Verkettung und Reihung.» Der Stuhl ist aufgrund seiner Spezifika der Einzige seiner Art weltweit. Er orientiert sich im Prinzip an der Geometrie einer klassischen Kirchenbank, bietet eine Ellenbogen- beziehungsweise Gebetbuchauflage und lässt sich über ein Kniebankmodul verketten. Dabei wirkt das Modell angenehm feingliedrig, da es keine geschlossene Rückenlehne besitzt.

handwerk lich-traditioneller Weise zusammengefügt. Auch die Individualisierung der Stühle von Herzog & de Meuron für das Volkshaus Basel, von denen jeder eine leicht abweichende Rückenlehne aufweist, zeigt, dass die älteste Stuhlmanufaktur der Schweiz auch heute auf der Höhe der Zeit ist. www.horgenglarus.ch www.schillingarchitekten.de www.studiomeda.co.uk www.domsanierung.de

Von den insgesamt 1000 bestellten Stühlen sollten ausserdem 300 Stück mit einem speziell geflochtenen Sitz angefertigt werden. Das mag selbstverständlich klingen, doch horgenglarus ist eine Manufaktur, die zwar über modernste CNC-Technik verfügt, aber lediglich knapp 50 Mitarbeitende beschäftigt. Vor diesem Hintergrund bekam der Zuschlag für die Herstellung von 700 plus 300 Exemplaren eines Sondermodells einen ganz anderen Stellenwert. Dies lässt sich neben der normalen Produktion nur in einem Betrieb bewerkstelligen, in welchem sich handwerkliches und technisches Fertigungs-Know-how und grosse Flexibilität verbinden lassen. Einen geflochtenen Sitz für ein neues Modell anzubieten ist ein eigenes kleines Projekt. Bei horgenglarus arbeitet zwar eine Flechterin. Mit maximal zwei Stühlen pro Tag wäre sie allerdings allein am Zeitfenster verzweifelt. Im Rückgriff auf das persönliche Netzwerk der Mitarbeiterin konnte ein mehrköpfiges Flechter-Team zusammengestellt und der Auftrag termingerecht ausgeführt werden. «Diese Flexibilität wäre in einem grossen Betrieb nicht so schnell möglich gewesen», ist Wenger sicher. Ein weiterer Grund für diese Flexibilität sind zudem die flachen Hierarchien innerhalb des Unternehmens.

300 Stühle sind Sondermodelle, deren geflochtene Sitze nur dank der handwerklichen und technischen Flexibilität des Traditionsunternehmens horgenglarus zeitgerecht realisiert werden konnten.

Der Hildesheimer Mariendom steht in einer langen Reihe von Aufträgen, bei denen es um eine Sonderanfertigung ging. Ein vorangegangenes Beispiel war das Zürcher Zunfthaus zur Zimmerleuten, das Ende 2007 einem Brand zum Opfer gefallen war. Neben allen Anforderungen der Denkmalpflege sowie der Eigentümer an die bauliche Wiederherstellung gab es auch die klare Forderung nach einer exakten Reproduktion der historischen Stühle. Für horgenglarus war der erste Schritt die rechnerische Erfassung aller Einzelteile eines Stuhles anhand mehrerer beschädigter Exemplare. In einem zweiten Schritt wurden diese Einzelteile mass- und form identisch entsprechend der erforderlichen Stückzahl nachgebaut und in

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R evival eines K lassikers D e r m in e r a lisc h - o r g a n isc h e V e r b u n d w e r k sto ff C o r ia n e r l e b t e i n Re v i v a l . D e r p o r e n l o s e , f o r m b a r e Ac r y l s t e i n z e ic h n e t sic h n ic h t n u r d u r c h k l a s s i s c h e Sc h ö n h e i t a u s . Se i n e h a n d w a r m e H a p tik u n d St r a p a z i e r f ä h i g k e i t l ä s s t i h n a u c h k a u m a lte r n .

Bereich von Design und Architektur kaum mehr wegzudenken, vor allem haben ihn Bad-Designer für sich entdeckt. Mit seiner Bad-Linie «state» heimste das Schweizer Unternehmen talsee gleich mehrere Design-Preise ein. Ein Beweis auch dafür, dass der Werkstoff immer wieder neue Gestaltungsmöglichkeiten bietet.

Z um ersten M al gegossen

Redaktion: Christina Horisberger Interview: Silvana Meisel Fotos: talsee

B runo S cherer

Geschäftsführer talsee AG

Corian wurde vor knapp 50 Jahren vom US-amerikanischen Chemie- und Werkstoff-Konzern DuPont auf dem Markt eingeführt. Corian besteht aus zu einem Drittel aus Acrylharz und zu zwei Drit teln aus natürlichen Mineralien, die aus Bauxit, dem Rohstoff für Aluminium, gewonnen werden. Die Verbindung der beiden Stoffe wird mit geringem Energieaufwand geschaffen und vollzieht sich in einem sauberen Verfahren. Seine fugenlose Verarbeitungs- und Verformungsmöglichkeit und seine geschlossene Oberflächenbeschaffenheit liessen Corian zuerst in Labors und Operationssälen zum Einsatz kommen. Heute ist der Werkstoff auch im

Corian gilt als besonders langlebig und anwenderfreundlich. Die Produktion von Corian verursacht zudem kaum Abfall. Allfällige Überreste werden zu Schmuck oder Dekorationsgegenständen verarbeitet. Die Verwendung des Verbundwerkstoffs ist überaus vielfältig. Auch Gebäudehüllen, Küchen, Möbel oder Leuchten werden aus dem seidig-glatten Oberflächenmaterial gefertigt. Im Gegensatz zu anderen Materialien kön nen Waschbecken, Badewannen und Duschen aus Corian nicht reissen oder abplatzen. Das Material wird wie Holz bearbeitet und lässt sich sägen, bohren, fräsen, schleifen und wärmeverformen. Der Gestaltung sind daher kaum Grenzen gesetzt. So hat die Firma talsee mit dem Verarbeiter Pionierarbeit geleistet und den Werkstoff zum ersten Mal gegossen, um engere Radien realisieren zu können. Waschbecken und Ablagefläche im Bad wirken dank unsichtbarer Verklebung wie aus einem Guss.

H y gienisch und langlebig Schmutz und Kalk können sich auf der glatten Oberfläche nicht absetzen. Auch Bakterien und Schimmelpilze haben kaum eine Chance. Gerade aus diesem Grund ist der Werkstoff optimal für ein hygienisches Bad. Ätherische Öle und Chemikalien kön nen dem Material nichts anhaben. Wird von den Benutzern ein sanftes Scheuermittel

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verwendet, wird das Material bei jeder Reinigung leicht poliert und bleibt über Jahre schön. Kratzer oder andere Schäden können von einem Fachmann mit Sandpapier abgeschliffen werden. Bei den Farben liegen bislang 73 Farbstellungen vor: von einfarbig, texturiert bis transluzent. Da die Farbstoffe bei der Herstellung beigemischt werden, sind sie licht- und lebensmittelecht. Corian ist geruchs- und geschmacksneutral sowie biologisch einwandfrei. Mit Mustern oder Schriftzügen lässt sich Corian auch bedrucken, «hinterleuchten» oder prägen. (chh)

Bruno Scherer, warum haben Sie sich als Unternehmen entschieden, Corian einzusetzen? Bruno Scherer: Corian vereint alle Vorteile, die man sich von einem wertbeständigen und ästhetischen Material wünscht. Das Bad sieht mit Corian auch in 30 Jahren noch wie neu aus. Es ist äusserst pflegefreundlich und handwarm in der Haptik. Aus der Sicht des Designs liegt der Reiz des Materials vor allem darin, dass es thermisch verformbar und fugenlos zusammenbaubar ist. Mit diesen Eigenschaften stehen den Gestaltern alle Grenzen offen. Corian ist das Material der 1000 Möglichkeiten. In welchem Preissegment bewegen sich Corian-Anfertigungen? Anfertigungen in Corian bewegen sich ab dem mittleren Preissegment. Im Vergleich zu einem herkömmlichen KeramikWaschtisch greift der Kunde sogar weniger tief in die Tasche. Er erhält zudem unvergleichliche Mehrwerte wie Schlagfestigkeit und Reparierbarkeit sowie eine lebenslang gleich bleibende Optik. Ich kenne, ehrlich gesagt, kein Produkt oder Material, für das wir eine gleich bleibende,


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Grenzenlose Möglichkeiten: Corian kann wie Holz bearbeitet werden. Das Material lässt sich sägen, schleifen und sogar giessen.

schöne Optik lebenslang garantieren können – sofern die Oberfläche, wie empfohlen, mit einer leicht scheuernden Reinigung immer wieder aufpoliert wird.

Bild links: Die Bad-Linie «state» wurde mit dem iF und Red Dot product design award ausgezeichnet.

Obwohl sehr viele Farbstellungen möglich sind, bevorzugt die Mehrzahl der Kunden von talsee eine Corian-Ausstattung in Weiss – welchen Grund gibt es dafür? Ich sehe zwei Gründe. Einerseits hat es mit dem Wunsch nach Zeitlosigkeit zu tun. Durch seine garantierte Langlebigkeit begleitet die Bad-Einrichtung aus Corian den Kunden mehrere Jahrzehnte. Kunden entscheiden sich darum zu über 90 Prozent für die klassische Bad-Ausstattungsfarbe Weiss. Die wechselnden Trendfarben bringt der Kunde hingegen selbst mit stimmigen Accessoires ein. Eine weisse Umsetzung verleiht dem Bad auch eine edle Note. Sie ist stim mig zum heutigen Zeitgeist und wirkt sehr schön in Kombination mit diversen Holzarten oder matten Farben.

Bild unten: Für die elegante Eckbadewanne «pearl» hat talsee Corian in gegossener Form eingesetzt.

www.talsee.ch

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L ichterstad t M ailand Al l e z w e i J a h r e f i n d e t i n M ö b e l m e s s e d i e « Eu r o l u d i e s e r r i e s i g e n Li c h t m e s d e s Li c h t s 2 0 1 5 » b i s i n d

M a ila n d p a r a lle l z u r c e » s t a t t . D i e St r a h l k r a f t se w ir k te im « U n e sc o -Ja h r ie In n e n s ta d t. Der italienische Architekt Attilio Stocchi realisierte zusammen mit dem Automobilhersteller Ford auf der Piazza San Fedele das Lichtprojekt «Favilla, ogni luce una voce».

Fotos: Salone del Mobile Milano/ C arola Merello, Alessandro Russotti

Alle zwei Jahre findet vor den Toren Mailands auf dem von Massimiliano Fuksas realisierten Messegelände «Rho Fiera» die «Euroluce» statt. Diese ist, zusammen mit der «Light + Building», die jeweils im Zwischenjahr in Frankfurt stattfindet, die bedeutendste Lichtmesse Europas, die auf dem Messegelände jeweils nicht weniger als vier der 20 riesigen Ausstellungshallen in Beschlag nimmt. Diesen Mai haben 475 Hersteller aus dem Leuchten- und Beleuchtungssektor auf der fast 40 000 m grossen Ausstellungsfläche um die Gunst der insgesamt über 300 000 Besucherinnen und Besucher der Möbelmesse gebuhlt. Da die Eingänge der

beiden Messen physisch nicht getrennt sind, lässt sich zwar nicht genau sagen, wie viele davon wirklich auch die «Euroluce» besuchten. Aber man darf getrost davon ausgehen, dass während der fünf Messetage gegen 100 000 Besucher in den «Hallen des Lichts» waren. Die Fülle an Neuheiten war gewaltig, und dies sowohl für den Innen- als auch Aussenbereich, den privaten Wohnsektor und den Objektbereich, für die Industrie und den Strassenbau, den Beherbergungssektor und weitere Spezialgebiete. Auffallend und für Architekten spannend waren die vielen neuen

funktionalen Beleuchtungssysteme, die sich bauseitig oder in Schienen wie auch häufig magnetisch im Raum verteilen lassen. Ein besonderes Highlight war das mit einer Fläche von 32 × 32 cm momentan weltweit grösste Lichtelement aus der zukunftsträchtigen OLED-Technologie (OLED = Organic Light Emitting Diodes), das der südkoreanische Chemiekonzern LG Chem präsentierte. Ebenfalls ins Auge stach ein neuartiges Beleuchtungssystem des flämischen Start-upUnternehmens Kinetura, das aufgrund seiner Beschaffenheit auch bei Umbauten wunderbar eingesetzt werden

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kann: Beim Einbau dieser neuartigen Lichtquelle wird einer bestehenden Wand eine zweite Wand «vorgehängt». Anschliessend wird der Zwischenraum mit speziellen Leuchtmitteln ausgestattet. Der Clou der Sache ist, dass gewisse im Voraus definierte Felder – oder besser gesagt Ausschnitte – der vorgehängten Wand durch elektronische Steuerung mechanisch bewegt werden. Dadurch wird die Lichtmenge, die durch die Schlitze in den Raum dringt, je nach Position des Ausschnittes reduziert oder vergrössert. So kann die Lichtmenge, je nach gewünschter Stimmung oder zur konstanten Regulierung der Beleuchtung, beliebig variiert werden. (phb)

Eine kleine Auswahl von Produkten, die der Redaktion an der «Euroluce» aufgefallen sind, finden Sie im Katalog auf S eite 9 4 f .


In den Messehallen strahlten die grossen Leuchtenhersteller um die Wette: hier der Stand von Luceplan mit den Modellen «Costanza» (links) und «Mesh» …

Die Technologiemesse für Gebäude und Infrastruktur

8. bis 11. September 2015 Messe Basel | www.ineltec.ch … der finnische Leuchtenhersteller SAAS Instruments mit der LED-Schaukel «Sense» von Alexander Lervik …

Seit 50 Jahren Partner der Schweizer Elektrotechnik-Branche

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… oder der Mailänder Anbieter Martini Light mit seinen schnörkellosen Beleuchtungssystemen für den Objektbereich.

Die Schweiz steht unter Strom.


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Möbelmesse Mailand: Neben klaren Linien, spannenden Materialkombinationen und poetischen Installationen fiel vor allem der grosse Andrang von Besuchern aus Asien sowie dem Mittleren und Nahen Osten auf.

Fotos: Salone del Mobile Milano / Andrea Mariani, C arola Merello, Saverio Lombardi Vallauri

M ekka M ilano J a h r f ü r J a h r ö f f n e n s i c h i m Ap r i l d i e Sc h l e u s e n d e s Sa l o n e d e l M o b ile M ila n o , d e r v o n H e e r sc h a r e n v o n D e s ig n -In te r e s s ie r te n ( d a r u n t e r a u c h s e h r v i e l e Ar c h i t e k t e n ) g e f l u t e t w i r d . Exakt 310 840 Fachbesucherinnen und ­besucher wurden heuer gezählt, die anlässlich der sechs Messetage die Drehkreuze der Hallen auf dem von Massimiliano Fuksas entworfenen Messegelände Rho Fiera ins Rotieren brachten. Der grösste Anteil der Besucher kam aus China, gefolgt von Deutschland. Auffallend war der markante Anstieg der Messebesucher aus Saudi­Arabien, Ägypten und Libanon sowie der anhal­ tende Trend von Personen aus den USA, Grossbritannien und Indien.

Auch aus der Schweiz waren die üblichen «Verdächtigen» anzutreffen, zumindest auf Besucherseite: Denn auffallend viele kleinere und mittlere Schweizer Möbelher­ steller, die während vieler Jahre ihre Produkte in Mailand ausgestellt hatten, fehlten an der diesjährigen Messe. Für die Messeorganisation waren die insgesamt 1504 Aussteller indes eine erfreuliche Anzahl, und auch punkto Qualität des Gebotenen gab es, wie üblich, nicht viel zu kritteln. Im Gegenteil, das im Rahmen des Salone del Mobile, des Salone Satellite und

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der nur alle zwei Jahre stattfindenden Lichtmesse Euroluce Gezeigte war geprägt von hoher Qualität und einem Optimis­ mus, der im Vorfeld der Messe und insbesondere angesichts der Wirtschafts­ lage in Italien nicht unbedingt so zu erwarten gewesen war.

Eine Auswahl an Produkten, die der Redaktion am Salone del Mobile aufgefallen sind, finden Sie im Katalog S eite 84 f f .


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Arbeit und Freizeit fliessen immer mehr ineinander. Deshalb kommt den Übergängen eine grössere Bedeutung zu.

Passag en Michele De Lucchi hat für den Salone del Mobile die Rauminstallation «La Passegiata» («Der Spaziergang») entwickelt. Darin materialisiert der Mailänder Architekt seine Vision, wie Menschen seiner Meinung nach künftig zusammenleben und -arbeiten werden. In erster Linie wird dies laut De Lucchi in einer Umgebung stattfinden, in welcher der öffentliche Raum zum Ausgleich des Spannungsfeldes zwischen Sozialisation und Privatsphäre immer wichtiger wird. Insbesondere die Passagen, welche die funktional gegliederten Zonen erschliessen, werden dabei zum zentralen Element, da sie einerseits verbinden, was zusammengehört, und andererseits trennen, was nicht zusammengehört. (phb) www. www.amdl.it

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TINDARI / TAORMINA / ENNA design by Alfredo Häberli

aliasdesign.it


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Alte H and werkskunst Al l e d r e i J a h r e f ü h r t d e r V e r e i n d i p l o m i e r t e r Sp e n g l e r m e i s t e r d e r Sc h w e i z ( V D SS) d e n n a t i o n a l e n W e t t b e w e r b « G o l d e n e Sp e n g l e r a r b e i t » d u r c h . 2 0 1 5 w a r u n t e r d e n N o m i n a t i o n e n a u c h d e r n e u e D a c h k r a n z d e r V illa P a tu m b a h in Z ü r ic h m it P a lm e tte n a u s T ita n z in k .

Da das oberste Geschoss der Villa Patumbah trocken und belüftet sein musste, musste ein neues Dach realisiert werden.

Redaktion: Christina Horisberger Fotos: zVg

Als die Sanierung der Villa Patumbah in Angriff genommen werden konnte, zeigte sich bei näherer Untersuchung, dass durch das Dach Feuchtigkeit ins Gebäude drang und die Substanz zerstörte. Hinzukam die geplante erhöhte Nutzung des obersten Geschosses als Archiv, weshalb dieses trocken und belüftet sein musste. Nebst der Realisierung eines neuen Daches nach altem Vorbild und heutigen Normen konnte auch der metallene Dachkranz dank privater Sponsoren umgesetzt werden. In alten Akten waren die Proportionen gut zu erkennen, allerdings waren keine genauen Dokumente vorhanden. Im Archiv der Scherrer Metec AG – deren Firmengeschichte bis 1896 zurückreicht – fanden sich dafür in historischen Katalogen geeignete Blechornamente, die neu gezeichnet und produziert wurden. So entstanden 385 Blätterornamente, sogenannte Palmetten, in drei Grössen aus Titanzink. Der gesamte Metallaufbau mit Trägern, Schmuck­ elementen und Geländern ist direkt an den Stahl­ ankern fixiert und schwebt praktisch über dem Dach. Durch den allseitigen, fünf Zentimeter hohen Entwässerungsschlitz zwischen Dach und Aufbau kann das Regenwasser vom Metalldach ablaufen. Die waagrechten Stahlträger sind mit Schichtplatten und diese mit Titanzinkblech bekleidet. Sie bilden einen überkragenden Kastenaufbau, an dessen Aussenkante ein konvex/konkav ausgebildeter Kranzwulst mit profiliertem Wulststab angebracht wurde, an dessen Oberkante die Palmetten montiert sind. Im gleichen Zug wurde auch die Blitzschutz­ anlage erneuert.

Vorlage für die Palmetten des neuen Dachkranzes aus Titanzinkblech bildeten alte Akten und historische Kataloge aus der Bauzeit der Villa Patumbah (1883 bis 1885).

Bauherr Stiftung Patumbah, Zürich Spengler Scherrer Metec AG, Zürich

www.vdss.ch

Architekt Pfister Schiess Tropeano + Partner Architekten AG,

www.stiftung-patumbah.ch

Zürich, kantonale Denkmalpflege Bauleitung Heinz Aebi, Zürich

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Vom VSGU zu «Entwicklung Schweiz»: Direkt in die Zukunft. Der Verband Schweizerischer Generalunternehmer heisst neu «Entwicklung Schweiz» und präsentiert sich in einem neuen Auftritt.

Der Name ist Programm, denn die Verbandsmitglieder – Anbieter von Gesamtdienstleistungen im Bau- und Immobilienmarkt – wollen vermehrt Verantwortung übernehmen und Position beziehen in Sachthemen von der Raumplanung bis zur «Energie 2050» und so die nachhaltige Entwicklung der Schweiz aktiv mitgestalten und sich in vielen Bereichen in der Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft wie auch in der Nachwuchsförderung persönlich einbringen. «Entwicklung Schweiz» für eine lebenswerte Schweiz.

Entwicklung Schweiz Effingerstrasse 13 CH-3011 Bern T +41 31 382 93 82 www.entwicklung-schweiz.ch

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Ausstellungen: Zürich, Pfingstweidstrasse 102 b | Rothrist, stilhaus | orea-kuechen.ch | twitter.com/OreaAG | Hergestellt in Muotathal


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Erster viergeschossiger H olz bau 2 0 0 9 w a r e s fü r d a s B u n d e s a m t fü r M ig r a tio n n o tw e n d ig g e w o r d e n , d e n g e s t e i g e r t e n Ra u m b e d a r f d u r c h e i n P r o v iso r iu m a b z u d e c k e n . U m d ie B a u z e it so k u r z w ie m ö g lic h z u h a l t e n , w u r d e d i e En t s c h e i d u n g g e tr o ffe n , d ie b e n ö tig te n 1 3 9 0 m 2 B ü r o f lä c h e in v o r g e fe r tig te r H o lz - M o d u lb a u w e ise z u r e a lisie r e n .

Bundesamt für Migration Nutzung: Verwaltungsgebäude, ausgeführt in zwei Phasen. Sitzungszimmer: Aufstockung auf Phase 1 Bauherr: Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, Bern Architektur: W2 Architekten AG, Bern Generalunternehmer: Erne AG Holzbau, Laufenburg Nutzfläche Phase 1 (2009): 1390 m2 Nutzfläche Phase 2 (2012 – 13): 1980 m2

Für die Fassade des Erweiterungsbaus in Holz-Modulbauweise kam dunkel lasiertes Sperrholz zur Anwendung.

Fotos: N adj a Frey

2012 fiel seitens des Auftraggebers die Entscheidung, das Gebäude um weitere 1980 m2 zu erweitern. Erne AG Holzbau war wiederum als Generalunternehmer beauftragt, gemeinsam mit W2 Architekten, Bern, die Erweiterung zu planen und auszuführen. Um die vorhandene Grundstücksfläche optimal auszunutzen, entschieden sich die

Pro Geschoss wurden in nur drei Monaten Bauzeit jeweils 24 Module realisiert.

Architekten, den Erweiterungsbau für das Bundesamt für Migration in Wabern viergeschossig zu realisieren. Das zusätzliche Sitzungszimmer wurde auf den bereits bestehenden dreigeschossigen Bau aufgesetzt. Pro Geschoss wurden in drei Monaten Bauzeit jeweils 24 Module realisiert. Zwei Module blieben in offener Bauweise Treppenhaus und Lift vorbehalten. Als Fassade kam dunkel lasiertes Sperrholz zum Einsatz. Akzentuiert wird die Fassade zudem durch die horizontalen Fensterbänder. Die vom Generalunternehmen eingesetzten «ERNE vitrum Holzfenster» garantieren langlebige Funktion. Die durchgäng igen Aluminiumlamellen verkleiden die dahinter liegenden Ein zel raumlüftungen und betonen die horizontale Anmutung. Das Bauwerk stellte zur Zeit seiner Realisierung in der Schweiz als erster viergeschossiger Holzbau ein Novum dar. Die Aufstockung auf den dreigeschossigen Bestandsbau erforderte es, diesen statisch speziell zu ertüchtigen. An den Erweiterungsbau wurden ebenfalls spezielle Anforderungen gestellt: Erdbebensicherheit, erweiterter Brandschutz- und Schallschutz. Aufgrund der geforderten Nicht-Brennbarkeit des Treppenhauses wurden die Module mittels Stahl-Leichtbaukonstruktion ausgeführt. www.erne.net

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Energiesituation des Gebäudes ist wesentlich für die Wahl der Heizung

Sanierung muss ganzheitlich geplant werden Gas, Wärmepumpe, Holzpellets oder beim bewährten Heizöl bleiben? Gebäudesanierungen wachsen sich heute aus energetischer Sicht schon fast zu Glaubenskriegen aus. Im Internet überbieten sich Vergleiche der Energieträger mit immer noch prägnanteren Schlussfolgerungen und Parolen. Für echte Energieexperten ist derweil klar: Der nackte Vergleich von Heizsystemen wird den Ansprüchen einer durchdachten Gebäudesanierung bei Weitem nicht gerecht. Alter, Zustand und Konsistenz der Immobilie sind mindestens genauso wichtig. Erst wenn all diese Komponenten im Detail überprüft sind, ist die Basis für ein gezieltes Vorgehen gelegt. Allzu häufig schauen Konsumenten und Hauseigentümer nur auf die Etikette. Sie planen eine Sanierung ihrer Immobilie und werden bei der Wahl des Energieträgers regelrecht indoktriniert. «Heizöl schlecht, Wärmepumpe gut», lautet dann das Verdikt. Sie haben den Satz von Politikern und aus anderen Kreisen so häufig gehört, dass sie ihn ungefiltert wiedergeben und ihn – ohne zu hinterfragen – zur eigenen Überzeugung machen. Dabei gehen die Stärken von Heizöl vergessen: Die Unabhängigkeit der Versorgung, die Speicherfähigkeit, die Rolle als Back-up für andere Energiesysteme. Selbst beim Umweltschutz muss sich die Ölheizung nicht verstecken. Ölheizung kann ökologischer sein als Wärmepumpe In vielen Fällen (gerade im Sanierungsmarkt) sind hoch qualifizierte Energiespezialisten der Ansicht, dass die Ölheizung ökologischer sein kann als eine Wärmepumpe. Ihre Überzeugung: Wer sich blind für einen alternativen Energieträger entscheidet, kann in bestimmten Fällen der Umwelt sogar mehr Schaden zufügen. Es sei daher ein grosser Fehler, Wärmepumpen in einem Gebäude zu installieren, das dafür nicht geeignet ist. Wenn zum Beispiel die Vorlauftemperatur – das heisst die Temperatur des Wassers, das zu den Heizkörpern fliesst – hoch ist, führt das Ersetzen der Ölheizung durch eine Wärmepumpe zu einem deutlich überhöhten Stromverbrauch. In einem solchen Fall, vor allem bei Renovationen, sind die Luft-Wasser-Wärmepumpen ineffizient und daher meist ungeeignet. Ausserdem ist mit einer solchen Massnahme das Geld falsch investiert: Wer seine alte durch eine neue, energieeffiziente Ölheizung zum Preis von 15 000 bis 20 000 Franken ersetzt, spart gegenüber

Ganzheitliche, objektspezifische Beratung bringt die massgeschneiderte Lösung.

der Anschaffung einer viel teureren Erdsonden-Wärmepumpe rund 30 000 Franken. Wer dieses Geld dafür verwendet, parallel zur Installation der neuen Ölheizung gleich auch noch Teile der Gebäudehülle energetisch zu sanieren, tut mehr Gutes für die Umwelt. Von allzu viel Erfindergeist raten Energieexperten auch ab, wenn in einem Gebäude dringender Sanierungsbedarf besteht. Wenn zum Beispiel eine ältere Ölheizung aussteigt, ist ein schneller Ersatz durch eine moderne Ölheizung fast immer die sinnvollste, einfachste und wirtschaftlichste Variante. Mit diesem Vorgehen reduzieren Sie den Heizölverbrauch zum Teil markant und zudem liegen die Abgaswerte einer modernen Ölheizung mit Kondensationstechnik weit unter den gesetzlichen Normen der Luftreinhalte-Verordnung (LRV). Wer in einer solchen Situation Hals über Kopf das System wechselt, also auf Wärmepumpe, Holzpellets oder auf den anderen fossilen Energieträger, Erdgas, umsteigt, läuft grosse Gefahr, dass die neue Lösung die eigenen Erwartungen nicht erfüllen kann. Daher der dringende Ratschlag an alle Eigentümer: Ziehen Sie Fachleute aus den verschiedensten Gebieten hinzu und schauen Sie vor allem auf Energieeffizienz und nicht auf den alleinigen Wechsel des Energieträgers. Das langfristig rentabelste Heizsystem passt idealerweise zur Gesamtsituation des Hauses und sollte nicht bloss irgendwelchen Modeströmungen gerecht werden.

Lassen Sie sich kostenlos durch die regionalen Informationsstellen beraten.

INFORMATIONSSTELLEN Region Zürich/ Innerschweiz: Beat Gasser Telefon 044 218 50 21 gasser@erdoel.ch Region Mittelland/ Nordwestschweiz: Markus Sager Telefon 062 842 85 72 sager@erdoel.ch Region Ostschweiz/ Graubünden: Moreno Steiger Telefon 071 278 70 30 steiger@erdoel.ch www.heizoel.ch


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M od erne L eichtigkeit K a u m w ie d e r z u e r k e n n e n ist d ie n e u e K ü c h e , d i e i m Ra h m e n e i n e s G e sa m tu m b a u s e in e s C h a le ts r e a lisie r t w e r d e n k o n n te . M it d e m V e r s e t z e n d e r Ei n g a n g s t ü r i n d e n N e b e n r a u m w u r d e Ra u m g e s c h a f f e n fü r e in e a c h s e n s y m m e tr is c h e K ü c h e n in s e l m it fu n k tio n a le r Z e ile a n d e r Rü c k w a n d . Redaktion: Christina Horisberger

Moderne Klarheit und optischer Kontrapunkt zum Lärchenparkett: das Chromstahlverkleidete Küchencenter und die mit schwarz gefärbten MDF-Platten verkleidete Küchenzeile.

Fotos: Brunner Küchen

Käufer oder Erben von Schweizer Ferien-Chalets können mit den altmodischen Interieurs und engen Raumverhältnissen oft nicht viel anfangen. Und auch beim Gesamtumbau dieses Ferienhauses waren das Schaffen von Raum sowie von einem modernen hellen Ambiente die Hauptthemen. Dies galt insbesondere für die Küche. Der Vergleich zwischen vorher und nachher überrascht sogar Franz

Hermann von Brunner Küchen immer wieder aufs Neue: «Wie aus der gedrungenen Kochnische eine moderne, offene Küchenlösung wurde, hat mich sehr beeindruckt.» Hermann hat die Küchenplanung als Projektleiter begleitet. Für ihn ist jede Küche eine neue Herausforderung, und

bei diesem Projekt erwies sich das Versetzen der Eingangstür in den Nebenraum als der Match entscheidende Schachzug: Dadurch konnte der Raum für die Küche um 1,6 m gestreckt werden. «Nur so konnten wir auch ein Kochcenter realisieren», sagt Franz Hermann. Die Zeile im Rücken wurde für Spüle und Stauraum erhalten.

Originalzustand

Zentrales Gestaltungselement ist Chromstahl im Kontrast mit hellem Holz: Chromstahlzarge im Spülbereich, Chromstahlabdeckung, Chromstahlkücheninsel. «Der kühle, klare und matt zurückhaltende Charakter erzeugt Leichtigkeit und ist zugleich ein optischer Gegenpart zum Lärchenparkett», erklärt Franz Hermann. Die kubische Dampfhaube über dem Kochfeld ist dazupassend mit Metall verkleidet. Drei Seiten der Kochinsel sind Blindfronten, in der vierten Seite sind mittig Schubladenauszüge, links und rechts Flaschenauszüge versteckt. Das harmonische Bild wird durch die Achsensymmetrie bei der Anordnung der Elemente erreicht. Die Spüle befindet sich auf der gleichen Höhe wie das

Zustand heute

Kochfeld. Die klappbaren Oberschränke sitzen dazu kor rekt in der Mitte, flankiert von Backofen und Kühlschrank. Verkleidet sind die Geräte mit schwarz gefärbten MDF-Platten. «Das Resultat ist vor allem darum

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erstaunlich, weil wir es mit einer vierzig Jahre alten Substanz zu tun hatten und trotzdem ein so modernes Raumkonzept verwirklichen konnten», freut sich der Projektleiter. www.brunner-kuechen.ch


Geberit Monolith Plus

Einleuchtend.

Geberit Monolith Plus ist kein gewöhnlicher Spülkasten. In diesem Sanitärmodul für das WC steckt weit mehr, als das schöne Äussere vermuten lässt. Intelligent integriert der Geberit Monolith Plus Extras wie ein angenehmes, in sieben Farben einstellbares ComfortLight sowie eine automatische Geruchsabsaugung, die Gerüche dort eliminiert, wo sie entstehen. → www.geberit.ch/monolithplus


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B eschattung in neuen D imensionen 9 2 0 0 0 m 2 N u t z f l ä c h e , b i s z u 2 2 Et a g e n : D a s T o n i - Ar e a l in Z ü r ic h h a t b e a c h tlic h e D im e n sio n e n – d a s g ilt a u c h f ü r d e n U m b a u . Fü r d i e U m n u t z u n g w u r d e d a s s c h w e i z w e i t g r ö s s t e Fa s s a d e n v e r b a u u n g s p r o j e k t d e r l e t z t e n z w e i Ja h r e d u r c h g e fü h r t. D a b e i w u r d e n u n te r a n d e r e m in l u f t i g e r H ö h e 2 6 2 4 w e t t e r f e s t e St o r e n m o n t i e r t .

Die mausgraue gewellte Fassadenbekleidung prägt das Erscheinungsbild des Toni-Areals in Zürich-West.

Hinter der Streckmetallverkleidung sorgt das Beschattungssystem SHY-ZIP von Storama für eine klimatisch optimale Beschattung. Das Reissverschluss-System sorgt dafür, dass auch starker Wind das Tuch nicht aus der Führung reisst.

1977 wurde an der Pfingstweidstrasse in Zürich der grösste Milchverarbeitungsbetrieb Europas eröffnet. 1999 wurde er aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Geblieben ist das Areal. Auf ihm entstanden ein Hochschulstandort für etwa 5000 Studierende, rund 100 Mietwohnungen sowie Gewerbeflächen: das Toni-Areal. Gleichzeitig wurde das Gebäude mit verschiedenen Massnahmen auf Minergiestandards für Neubauten umgerüstet. Im Rahmen der Umnutzung ging das grösste Fassaden-Verbauungsprojekt der letzten zwei Jahre in der Schweiz über die Bühne: Fahrni Fassadensysteme AG aus Lyss setzte für die etwa 37 000 m2 eine Elementfassade mit Streckmetallverkleidung und

Innenhoffassaden mit geprägter Streckmetallverkleidung aus. Für den Sonnenschutz wählte der Fassadenspezialist das extrem belastbare SHY-ZIP-System von Storama. So kommen heute auf dem Areal mit dem 75 m hohen, 22-geschossigen Hochbau 2624 Storen vom Typ «SHY-ZIP EVO» zum Einsatz. Das Reissverschluss-System aus dem Hause Storama ist eine Erfolgsgeschichte für Beschattungssysteme: SHY-ZIP ist in jeder Position absolut windfest und extrem formstabil bei grosser Hitze und Kälte. Da es auf ganzer Länge mittels Reissverschluss geführt wird, kann auch starker Wind das Tuch nicht aus der Führung reissen. Tests im Windkanal haben dies

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gezeigt. Möglich macht dies die weltweit patentierte Innenführung, die der Schweizer Beschattungsspezialist seit über 10 Jahren weiterentwickelt. Die Storama AG wurde 1980 gegründet. Seither werden laufend neue Produkte in der Sonnen- und Wetterschutztech nik entwickelt. Die hausinterne Entwicklungsarbeit bei Storama führt zu eigenen Patenten wie bei SHY-ZIP. Neben neuen Produkten stehen bei Storama die interne Werkstatt für Anpassungen und Änderungen im Zentrum, ebenso Sanierungen und Renovationen als wichtiger Beitrag für einen langlebigen Sonnen- und Wetterschutz. www.storama.ch


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Aus d er F ü lle von Neuheiten sind d er R ed aktion bei ihrer tä glichen Arbeit f olgend e Prod ukte ins Auge gesp rungen. L assen auch S ie sich d avon bei I hrem « D aily B usiness» insp irieren.

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M OD U L A R ES L IC H T Der italienische Leuchtenhersteller Artemide hat seit seinen Anfängen im Jahr 1960 mit führenden internationalen Designern und Architekten zusammengearbeitet und ist seit 1986 auch im deutschsprachigen Raum omnipräsent. An der diesjährigen «Euroluce» sprang in der Kollektion «Artemide Architectural» das von Carlotta de Bevilacqua und Laura Pessoni entworfene Leuchtmodulsystem «Scrittura» ins Auge. www.artemide.ch

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G EL U N G EN ER M A T ER IA L M IX Bei der Bad-Kollektion «Kartell by Laufen» treffen zwei Werkstoffe aufeinander, wie sie eigentlich unterschiedlicher nicht sein könnten: Das italienische Unternehmen Kartell veredelt einerseits Plastik, einen der jüngsten Werkstoffe der Menschheitsgeschichte, zu

Möbeln und Design-Objekten aus hochwertigem Kunststoff. Der Schweizer Bad-Spezialist Keramik Laufen ist Experte für Keramik, mithin einem der ältesten Werkstoffe der Menschheit, die er in verschiedenen Rezepturen wie kaum ein anderes Unternehmen beherrscht. Für beide Unternehmen ist der Schulterschluss eine Win-win-Situation. www.laufen.ch

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Z U M W EG K L A PPEN Die Dusche «Open Space» vom deutschen Bar-Hersteller Duravit ist nur da, wenn sie gebraucht wird. Denn die Duschabtrennung lässt sich nach dem Duschen bequem wegklappen. Das öffnet nicht nur optisch den Raum, sondern erweitert zudem den Bewegungsradius. Möglich wird diese neue Form der Raumeffizienz durch einen Rahmen in matter Chrom-Optik. Darin sind grossflächige und wahlweise (wie hier abgebildet) auch verspiegelte Glastüren eingelassen. Sie verdecken sowohl Armaturen als auch Bad-Utensilien. Das innovative Gestaltungskonzept gewann bereits mehrere Design-Preise. www.duravit.com

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M IN IM A L ER A U F B A U Minimale Aufbauhöhe, maximaler Komfort: Die Fussbodenheizung für die sanfte Renovierung überzeugt mit einer schnellen Verlegung und kurzen Aufheizzeiten. Das Uponor-MinitecFolienelement kann zur Befestigung der PE-Xa-Rohre mit Dimension 9,9 x 1,1 mm einfach auf den bereits vorhandenen Estrich-, Holz- oder Plattenbelag verlegt werden. Durch die geringe Elementhöhe von nur rund 1 cm ist das System bestens für die Renovierung geeignet. In regelmässigen Abständen befinden sich werkseitig eingestanzte Löcher in den Noppen und den Zwischenräumen. Diese sorgen nach der Rohrverlegung dafür, dass die eingebrachte Ausgleichsmasse (Fixit 871 evo oder Fixit 830 evo CAF) gut einfliessen und sich direkt mit dem Untergrund verbinden kann. www.fixit.ch


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Die Baubranche steht vor immensen Herausforderungen. Durch ihre Komplexität ist sie hervorragend für die Digitalisierung geeignet. Die Formel «first digital – then real» ist auch im Bauen unbestritten. Mit buildup, dem Spin-off der ETH Zürich, bietet sich Planern, Architekten, Ingenieuren, Unternehmern und Herstellern von Bauprodukten der Partner für die digitale Zukunft. Hier entsteht die Schweizer BIM-Library für Sie.


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In Zusammenarbeit mit Star-Designer Arik Levy hat Kaldewei die Premium-Kollektion «Meisterstücke» erweitert und das neue Wannenmodell gleichzeitig um passende Waschtische ergänzt. Das Ensemble aus «Meisterstück Ermerso»Badewanne und «Meisterstück Emerso»-Waschtisch besticht durch aussergewöhnliche Stilelemente: Die frei stehende, vollemaillierte Wanne besitzt einen leicht ansteigenden Rand, der das Auge wie auf einem in sich gedrehten Seidenband scheinbar endlos wandern lässt. www.kaldewei.com

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F L EC K EN SC H U T Z Bauwerk stellte an der Messe BAU 2015 in München seine Neuheit «B-Protect» vor. Optisch ist die Oberfläche nicht von

8 naturbelassenem, unbehandeltem Holz zu unterscheiden – funktional bietet sie indes sämtliche Vorteile der klassischen Versiegelung. Also Unempfindlichkeit gegen Flecken, optimalen Schutz gegen Kratzer und zu 100 Prozent gesund. www.bauwerkparkett.com

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ED L ER ST A H L Die Design-Werkstatt Franke in Aarburg fertigt in Handarbeit verschiedene Küchenabdeckungen aus Edelstahl an. Diese gibt es in sieben verschiedenen Veredlungsarten von Silbergrau matt bis Weiss glänzend. Die Oberfläche kann auch in der Haptik von Stein oder Holzmaserungen bestellt werden. Bereits seit über 100 Jahren bewähren sich Stilbewusstsein, Qualität und Funktionalität der Küchen von Franke. Dazu passen Armaturen und Becken aus der hauseigenen Produktpalette. www.franke.ch

T U R B OST EA M ER Beim Combi-Steam MSLQ von V-ZUG gesellt sich zu Hitze und Dampf eine PowerPlus-Funktion in Form einer integrierten Mikrowelle. Diese wirkt wie ein Turboschalter: Auf Knopfdruck beschleunigt sie jedes andere Garprogramm. Sämtliche Behei zungsarten sind frei kombinierbar. Bis zu einem Drittel Zeit spart der Combi-Steam MSLQ, wobei die Nährstoffe der Speisen erhalten bleiben, wie Labortests in Kooperation mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW gezeigt haben. www.vzug.com

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SC H W EIZ ER Q U A L IT Ä T Bei der Serie «KT­ 221» des Schweizer Design­Altmeisters Kurt Thut (1931 bis 2011) für De Sede handelt es sich um die Aktualisierung eines bereits 1956 entstandenen Entwurfs. Die Modelle dieser Serie des Schweizer Unternehmens, das heuer sein 50­jähri­ ges Bestehen feiert, bestechen durch ihre sachlich­funktionale Gestaltung sowie ikonografische, architektonische Konstruktion, die sie der Übertragung von Stahlbau auf Möbelstrukturen verdanken. Die Pro­ duktfamilie besteht aus Sessel, Sofas, Bank und Tischen für verschiedenste Szenarien. Die Sitz­ und Rückenkissen sind kapitoniert. Das Programm bietet sich für die Möb­ lierung von Lobbys und Wartebereichen an, passt aber auch in den modernen Wohnbereich.

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G U ET Z L IPA R K ET T Die spanische Star­ Designerin Patricia Urquiola hat für den zur italienisch­ französischen Margaritelli­Gruppe gehörenden Parketthersteller Listone Giordano die Kollektion «Biscuit» entworfen. Das Produkt, das heuer erstmals an einer Gala im Rahmen der Mailänder Möbel­ messe präsentiert wurde, ist formal an Löffelbiskuits angelehnt und visuell sicher etwas gewöhnungsbedürf­ tig. Je nach Art des umzubauenden Objekts könnte der originelle, um nicht zu sagen originäre Parkettboden jedoch einen spannenden Kontrapunkt zu Bestehendem bilden. www.margaritelli.com

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Mit dem neuen Brauseprogramm «Croma Select» setzt Hansgrohe Massstäbe im Volumensegment. Erstmals kommt in der «Croma»­Linie die Select­Techno­ logie zum Einsatz – sie ermöglicht den einfachen Wechsel der Strahlart durch intuitiven Tasten­ druck. Die leichte Bedienung und das ansprechende Design sorgen im Bad für mehr Komfort und Duschvergnügen. Die «Croma­Select»­ Familie besteht aus Hand­, Kopfbrausen und Showerpipes. www.hansgrohe.ch

berechnet, das sich durch den Einbau hochwertiger, moderner Minergie­ zertifizierter Fenster ergibt. Besitzer von älteren Liegenschaf­ ten werden vielleicht ihre schlimmsten Befürchtungen – einen grossen Ver­ schleiss ungenutzter Energie über das Fenster – bestätigt sehen. Ein voraus­ schauender Vergleich lohnt sich jedenfalls in der Planungs­ phase von Umbauten oder punktuell vor dem Einbau von neuen Fenstern in geheizten Räumen. www.egokiefer.ch/ klimaschutz

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F EN ST ER EIN B A U M IT K A L K Ü L EgoKiefer hat einen Energiesparrechner entwickelt, über den sich das individuelle Energiesparpotenzial konkret beziffern lässt: Ausgehend von der bestehenden Fensterart, der An zahl Fenster, ihrer Fläche sowie dem Standort der Liegenschaft, wird das Einsparpotenzial

Ä ST H ET ISC H U N D PR A K T ISC H Balkonvorhänge sind die passende Lösung für moderne und kreative Aussenar­ chitektur – und eine echte Alternative zu bewährten Sonnenstoren. Die

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L OC K ER V OM H OC K ER Der von Mathias Seiler, Leiter Design und Marketing bei Girsberger, entwor­ fene Holzdrehstuhl «G 125» erhielt am diesjährigen Red Dot Award die Auszeich­ nung «Best of the Best». Der Hocker erinnert an die Firmenanfänge (das Unternehmen feiert heuer sein 125­jäh­ riges Bestehen), als Girsberger sich mit höhenverstellbaren Pianohockern einen Ruf als Stuhlspezia­ list erwarb und spä­ ter zum Wegbereiter für Bürodrehstühle

K AT ALOG aus Massivholz avan­ cierte. Der traditio­ nelle Holzdrehstuhl verschwand dann vor rund fünfzig Jahren komplett vom Markt. «G 125» versteht sich als eigenständige Neuinterpretation dieser Klassiker, die jahrzehntelang Hauptumsatzträger bei Girsberger waren. www.girsberger.com

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R IESIG E F A SSA D E Im Rahmen der Um nutzung des Toni­Areals in Zürich ging das grösste Fassadenverbau­ ungsprojekt der

letzten zwei Jahre in der Schweiz über die Bühne: Die Fahrni Fassadensysteme AG aus Lyss setzte für die rund 37 000 m² eine Elementfassade mit Streckmetall­ verkleidung und Innenhoffassaden mit geprägter Streckmetallver­ kleidung aus. Für den Sonnenschutz wählte der Fassa­ denspezialist das extrem belastbare SHY­ZIP­System von Storama. So kommen heute auf dem Areal mit dem 75 m hohen, 22­geschossigen Hochbau 2624 Storen des Typs SHY­ZIP EVO zum Einsatz. Ausge­ stattet wurden diese mit dem Gewebe

Soltis 93­3043 (Oberfläche in H8022NOS3). SHY­ZIP ist in jeder Position absolut windfest und extrem formstabil bei grosser Hitze und Kälte. Da es auf seiner ganzen Länge mittels Reissver­ schluss geführt wird, kann auch starker Wind das Tuch nicht aus der Führung reissen. www.storama.ch

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A U S EIN EM ST Ü C K Die beliebte Schmidlin­Bad­Serie «Viva» wird ergänzt durch Schmidlin «Viva Shape»,

eine frei stehende Badewanne aus einem Stück Stahl­ Email. Verkleidung und Wannenkörper werden in hand­ werklicher Kunst in rohem Stahl fugenlos zusam­ mengeschweisst und anschliessend als komplette, frei stehende Wanne mit grosser Sorgfalt emailliert. Exklusives Design in höchster Qualität: «Viva Shape» vereint das prägende Merkmal der Bad­ Serie Schmidlin «Viva» – die flies­ sende Innenform – mit der markanten kubischen Aussen­

form. Eine verblüf­ fend harmonische Komposition, nahtlos schön aus einem Stück Stahl­Email gefertigt und optional mit dem Whirl­System «Schmidlin Spa» oder «Schmidlin Silent» ausrüstbar. www.schmidlin.ch

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K U R V EN W U N D ER Die Armaturenlinie «arwa curveplus» von Similor umfasst zwei Waschtisch­ mischer mit festem Auslauf: Die Armatur mit einer Ausladung von 110 mm wie auch die Variante mit einer Ausladung von

140 mm eignet sich für die Montage bei Aufsatzwaschbecken oder als Lösung für Einzel­ oder Doppelwaschbecken (wie hier abgebildet). Ein 350 mm hoher Standsäulenmischer mit einer Ausladung von 186 mm passt hingegen dank seiner Höhe hervorragend zu frei stehenden Waschtischschalen. Ein Bidet rundet das umfangreiche Sortiment ab. www.similor.ch

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H OR IZ ON T A L Z U Ö F F N EN Neu ist beim Bewilux-SchiebeSystem als RWA und Dachausstieg der horizontale Öffnungsmechanismus. Dabei ist dieser von der Innenseite unsichtbar. Zusätzlich kann das System auch teilweise oder vollständig für die tägliche Lüftung geöffnet werden. Der Dachzugang erfolgt ohne Hindernis, da die Motoren im Aufsatzkranz integriert sind. Die Montage für diese vollständig freie Kuppellicht-

Öffnung ist einfach. Schall- und WärmeDämmwert können auf die Bedürfnisse abgestimmt werden. www.bewilux.ch

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T R EPPEN PL A N U N G Ob Neubau oder grösseres Renovierungsprojekt: Das Gestalten der eigenen vier Wände macht Spass. Doch wenn es um die Treppe geht, stehen viele Bauherren und Renovierer bezüglich der Wahl der Treppe oft etwas ratlos da.

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Folgende Punkte, die über die Einhaltung aller Normen und Vorschriften hinausgehen, sollten bei der Planung berücksichtigt werden: Der Treppengrundriss ist von massgebender Bedeutung. Die Steigung soll ein komfortables Begehen ermöglichen. Hinzu kommen ein bequemes Steigungsverhältnis von etwa 18 cm sowie eine Auftrittsbreite der Stufen von 25 bis 27 cm. Die bequeme Begehbarkeit kann vor dem Kauf am besten in einem Treppenstudio der Hersteller getestet werden.

SA N F T ER T R A N SPOR T In industriellen Gebäuden sind Bodenfugen hohen Belastungen durch Gabelstapler ausgesetzt. Sind die Profile nicht absolut eben, entstehen Lärm, Vibration und Schläge auf die Radlager. Dem beugen die Fugenprofile «Sika FloorJoint S» vor. Sie eignen sich im Neubau oder können auch in einer sehr kurzen Zeit nachträglich eingebaut und belastet werden. www.sika.ch

T A K T IL ES L EIT SY ST EM Vor allem in Eingangsbereichen von öffentlichen Gebäuden ist der Einsatz visueller Leit- und Orientierungssysteme unterlässlich. Für blinde und sehbehinderte Menschen sind zusätzlich taktile Parameter erforderlich. Die Firma Geggus E∙M∙S hat hierfür ein Sicherheitskonzept mit tastbaren Orientierungshilfen entwickelt. www.geggus.ch

www.keller-treppen.ch

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EIN L A D U N G A N A R C H IT EK T EN Neuartig ist der Teppichboden «Scalino» von Tisca Tiara. Dabei sind ganz verschiedene Webarten in ein und denselben Teppich auf einer Ebene integriert und somit kombinierbar. Was webtechnisch eine Herausforderung

ist, gewährt Nutzern und Gestaltern ungewohnte Mög­ lichkeiten für die integrative Raumgestaltung. Durch die Nutzung des 3D­Effekts und der daraus resultie­ renden, variablen Lichtbrechung eröff­ nen sich unzählige Möglichkeiten zur akzentuierten Bodengestaltung.

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F EN ST ER M IT SY ST EM Mit der preisgekrön­ ten «Kömmerling InVitra» bietet profine Schweiz ein innovatives Kunst­ stoff­Fenstersystem an, das speziell für die Anforderungen des schweizerischen Marktes und der hohen Minergie­

Standards entwickelt wurde. Als vielseiti­ ges Komplettsystem, nicht zuletzt dank seiner geringen Bau­ tiefe, ist es sowohl im Neubau als auch in der Renovation einsetzbar und erlaubt Fenster in den verschiedensten Formaten und Öff nungsarten bis zur Geschosshöhe. «Kömmerling InVitra» wird von Bauherren und Architekten, die ihren Fokus auf Top­ Werte in Verbindung mit schlankem Design legen, gleichermassen geschätzt.

SC H IC K ER ST OR EN Die neue Design­ Offensive von markilux heisst «MX­ 1». Die neue Markise des deut schen Markisenspezialisten tritt als High­ End­Produkt für gehobene Ansprüche an und möchte, anders als die bisherigen Markisen, ein völlig eigenstän­ diges gestalterisches Element am Haus sein. Ihr Statement lautet daher: Wenn schon an der Fassade sichtbar, dann mit

einem Design, das auffällt und wirkt. So baut man bei diesem Modell, das gleichzeitig als schmales Vordach dient, ganz auf Grösse. Das hat sich ausgezahlt, wurde MX­1 doch bereits innert kürzester Zeit mit mehreren Design­Preisen aus­ gezeichnet (Interieur Innovation Award 2015, iF Design Award 2015 und Red Dort Award 2015). www.markilux.com

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Foto: EC AL / Axel C rettenand

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H IG H L IG H T Eines der Highlights an der diesjährigen «Euroluce» war der wunderbare Stand des kultigen kanadischen Design-Leuchten-Unternehmens Bocci. Die organischfiligranen Formen, die poetischen und zugleich auch im Objektbereich bestens einsetzbaren Ausführungen der verschiedenen Modelle waren von ausgesuchter Schönheit und liessen manchen Besucher sprichwörtlich in die Knie gehen. Die Leuchten von Bocci sind in der Schweiz in ausgesuchten Fachgeschäften erhältlich, die auf einer Karte unter www.bocci.ca/ dealers eingesehen werden können. www.bocci.ca

EC A L G OES M IL A N O

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D A S N OR D L IC H T EIN F A N G EN Die Leuchten der norwegischen Northern Lighting, die 2005 in Oslo gegründet wurde, entstehen in Zusammenarbeit mit Designern, Trendsettern und Innovationen rund um den Globus. Alle Produkte sind der nordischen Design-Philosophie der Einfachheit verpflichtet und sollen zudem das sich stetig verändernde Nordlicht einfangen. Herausgekommen ist für die diesjährige «Euroluce» eine formal äusserst gelungene Leuchtenfamilie namens «Say my name», also «Sag meinen Namen». Das Design stammt vom jungen norwegischen Design-Duo Morten & Jonas. ekaland@sunrise.ch

Der neue Showroom von Luceplan im Zentrum von Mailand beherbergte während der «Euroluce» eine Auswahl innovativer Leuchtenkonzepte, die in Zusammenarbeit mit der ECAL entwickelt wurden. Die Zusammenarbeit des italienischen Herstellers mit der Schweizer Kunst- und DesignHochschule, die weltweit zu den Top Ten gehört, begann schon vor einigen Jahren mit dem Ziel, das Talent und die Kreativität der Studenten zu fördern. Über die Jahre kam so das Unternehmen in Kontakt mit einer Vielzahl junger Produktgestalter, deren Ideen frei von kommerziellen Überlegungen sein durften und so auch unkonventionelle und oft auch weiterführende Lösungen zuliessen. www.arber.li

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IM PR ESSU M PHŒNIX – Bauen im Bestand 1. Jahrgang Erscheinungsweise 4 x jährlich Auflage 8000 Exemplare info@phoenix-magazin.ch www.phoenix-magazin.ch Herausgeberin B + L Verlags AG Steinwiesenstrasse 3, 8952 Schlieren Tel. 044 733 39 99, Fax 044 733 39 89 info@blverlag.ch, www.blverlag.ch Verleger Peter Boll Geschäftsleitung Patrick Schmid Philipp Bitzer

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Inhaltskonzept Philipp Bitzer Martin Reznicek Dan Costa Baciu

G ebäude zur Ausübung von Sportarten haben in der Architektur in den letzten J ahren einen enorm hohen Stellenwert erhalten. Insbesondere werden Bauten, die eigens für die grossen internationalen Anlässe wie beispielsweise O ly mpia oder Fussballweltmeisterschaften errichtet werden, heute aus Prestigegründen praktisch ausschliesslich von den weltweit renommiertesten Studios geplant und realisiert. Doch was passiert nach den Events damit? U nd wie geht man mit dem Bestand um? Ein Blick hinter die Tribünen.

Gestaltungskonzept Martin Reznicek Redaktion Dan Costa Baciu (dcb) Philipp Bitzer (phb) Christina Horisberger (chh) Freie Mitarbeit Nadine Kahnt Layout Harriet Angela Messing Benjamin Rüdlinger (Grafiken)

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Anzeigen Sabina Guggenbühl Anzeigendisposition Denise Bucher Korrektorat Ullrich Noelle Druck AVD Goldach AG, Sulzstrasse 10 – 12 9403 Goldach/SG www.avd.ch Verkaufspreis Einzelexemplar CHF 15.– Abonnement 1 Jahr (4 Ausgaben) CHF 50.– Abonnement 2 Jahre (8 Ausgaben) CHF 80.– Ausland – zuzüglich Portokosten Alle Rechte vorbehalten.

Der Nachdruck von Artikeln ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion und mit genauer Quellenangabe gestattet. Mit Verfassernamen beziehungsweise Initialen gezeichnete Veröffentlichungen geben die Auffassung der Autoren und nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für unaufgefordert eingereichte Manuskripte und Bilder kann keine Haftung übernommen werden.

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PHOENIX fokussiert als erste und einzige Schweizer Architektur-Fachzeitschrift exklusiv die Themenkreise Umbauen, Umnutzen, Erweitern, Renovieren und Restaurieren. PHOENIX zeigt exempla-

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