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Die Titelseiten von PHŒNIX werden jeweils mehrstufig geprägt. Als Vorlage dazu dienen abstrahierte Pläne von Projekten, die in der Zeitschrift vorgestellt werden. Das Cover dieser Ausgabe zeigt den Situationsplan der Gründerbauten des Freilager Zürich.


Mit dem von Andreas Störiko 1994 konzipierten Confair-Falttisch gelingt die vielfältige Nutzung von Konferenzräumen im Handumdrehen. Seine zeitlos gültige Formensprache verbindet sich elegant mit der Raumgestaltung von Mensing Timofticiuc Architekten im Coworking-Space «Hafven» in Hannover von 2016.


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PHŒNIX

FUNDUS

Was ist Heimat? Ist es das Quartier, woher wir kommen? Oder ist es vielleicht ein bestimmter Landstrich? Wir haben diese Ausgabe von PHŒNIX dazu genutzt, eine aktuelle Begriffs­ bestimmung zu wagen, und die Schweizer Kultur- und Architektur­ produktion dazu befragt. Ginge es nach Max Frisch, ist Heimat als Begriff Nadine Kahnt nicht zu definieren: Von Frage zu Frage eilend, verstrickt sich der Leser in «Heimat – ein Fragebogen» (1971) in Widersprüche, ohne uns letztlich eine eindeutige Antwort an die Hand zu geben. Vielleicht sind genau diese Differenzen aber ein Teil unserer Identität: Ob wir für einen Sportverein stehen, uns einem bestimmten Ort verbunden fühlen, von den Erinnerungen längst verflossener Ereignisse zehren oder ein «Swiss Made»-Produkt trotz Mogelpackung kaufen? Wo oder womit fühlen Sie sich heimisch?

Foto: Holger Jacob

Redaktorin

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PHOENIX

Bild: Bas Kooij BK Visuals

FUNDUS

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QUARTIER SPANGEN, ROTTERDAM

Seit dem 19. Jahrhundert wachsen Städte explosionsartig. Abertausende Menschen ziehen in die Zentren auf der Suche nach einem besseren Leben. Für die Architektur eine Herausforderung: Wie bringt man die Massen so unter, dass sie sich heimisch fühlen? In Rotterdams Arbeiterquartier Spangen experimentierte man in den 1920er-Jahren mit der Verdichtung. Der Justus-van-Effen-Komplex war mit seinen «Strassen in der Luft» revolutionär. Seine Sanierung erhielt den 2016 World Monuments Fund/Knoll Modernism Prize.

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PHŒNIX

FUNDUS

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FUNDUS

08 · Baumeister vs. Baumeister — 09 · Standpunkt  —  10 · Umgebautes Maiensäss als romantische Urhütte  —  11· Heimat auf dem Campingplatz  —  14 · Sanierung Davoser Eishalle  —  16 · Die Baustelle  —  17 · Megalomanes Mekka  — 19· Kuriose Wandteppiche

FORUM

22· Ein Stück Heimat bitte! —  30 · ISOS Schützenswerte Ortsbilder der Schweiz  —  32 · Schweizweite Vielfalt: Interview mit S AM Direktor Andreas Ruby  —  36· Causa: Heimat oder Die letzte Talfahrt nach Oberdorf

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UNIKATE 40 · Justus-van-Effen-Komplex in Rotterdam —  50 · Die nierenförmigen Balkone des Zürcher

Freilagers

VADEMEKUM 58· Verdichtung heisst zusammen leben 

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KOMPENDIUM

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62 · Echt schweizerisch: Der Stuhl «classic» (horgenglarus) —  66 · Umbau Citroën-Garage in Lyon (Jansen AG) —  68 · Internationale Möbelmesse Köln —  70 · Villa Tugendhat in Brünn (Laufen) —  72 · Heimatliches Licht (Schätti-Leuchten) —  74 · Skulpturale Decke am Max-Planck-Institut (Knauf)

KATALOG 76 · Produkte und interessante Neuheiten 

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PHOENIX

Bilder: Achensee Tourismus

FUNDUS

Ein Adlernest im Schweizer Gebirge im Direktvergleich mit einer von Menschehand geschaffenen Aussichtsplattform in den österrei­ chischen Alpen.

Bild: Dr. David Jenny /  Vogelwarte Sempach

Baumeister vs. Baumeister #09 AQUILA CHRYSAETOS (NORDHALBKUGEL) VS. MANFRED HÖRL (TIROL) Steinadler jagen meist in offenen oder halb offenen Landschaften im bodennahen Flug unter optimaler Ausnutzung jeglicher Deckung. Dank ihrer Kraft und Geschicklichkeit erbeuten sie regelmässig Tiere, die erheblich schwerer sind als sie selbst. Ihre Beute greifen und töten sie mit ihren ausserordentlich kräftigen Zehen und Krallen, etwa indem sie sehr grosse Beutetiere – Jungsteinböcke oder Gämsen – am Kopf greifen und ihnen ihre Krallen direkt durch die Schädeldecke ins Gehirn schlagen. Steinadler nisten in Felswänden und auf hohen Bäumen. Ihre Nistplätze im Gebirge liegen meist in von der Hauptwindrichtung abgewandten Höhlungen oder unter Überhängen. Ihre ovalen Felsnester werden oft über mehrere Jahre genutzt und dabei ständig erweitert, ergänzt und

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repariert. So entstehen mit der Zeit mächtige, nicht selten mehr als zwei Meter in Höhe und Breite messende Horste. Ein noch grösserer «Adlerhorst» thront in den österreichischen Alpen auf dem Gipfel des auf 2039 Höhenmetern gelegenen Gschöllkopfs. Geschaffen wurde die Aussichtsplattform mit Rundumblick, die einen Durchmesser von acht Metern hat, vom Tiroler Kunstschmied Manfred Hörl. Dieser empfand seine markante Konstruktion, für die er 15 Tonnen Armierungseisen verwandte und die rund 200 000 Euro kostete, dem Nest eines Adlers nach – wobei ein Adler sein Nest niemals auf einer Kuppe bauen würde. Nichtsdestotrotz (oder gerade deswegen) ist die Aussichtsplattform ein äusserst beliebtes Sommer-Ausflugsziel bei Wanderern. (phb)

Textquelle: Wikipedia

Früher war der Steinadler in Nordamerika, Europa und im nördlichen Asien weit verbreitet. Aufgrund der jahrhundertelangen, systematischen Verfolgung durch den Menschen kommt dieser majestätische Greifvogel bei uns leider nur noch im Gebirge vor. Ausgewachsene Steinadlerweibchen erreichen eine Körperlänge von 90 bis 100 cm, während ihre Flügelspannweite bis 230 cm betragen kann (die Männchen sind, wie bei allen Greifvögeln, etwas kleiner). Die Grundfarbe des Federkleides ist bei beiden Geschlechtern ein einheitliches dunkles Braun, das im Erwachsenenalter am Nacken goldgelb wird. Aufgrund dieser auffälligen Färbung war für Steinadler bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auch der Name «Goldadler» gebräuchlich (während man ihre Jungtiere für eine andere Art hielt). Im Flug wirkt der Steinadler trotz seiner Grösse sehr elegant.


PHŒNIX

FUNDUS NEWS

«Er fühlte sich am Quai Sud schon fast wie zu Hause, ein Gefühl, das für Dupin nicht durch die Häufigkeit von Besuchen entstand, sondern nur durch eines: seine innere Beziehung zu einem Ort.» KOMMISSAR GEORGES DUPIN, IN: JEAN-LUC BANNALEC, «BRETONISCHE FLUT», KIEPENHEUER & WITSCH, KÖLN 2016, S. 254.

Vom 10. und 11. Mai findet in Zürich zum 4. Mal die architect@work statt, der Highlight-Event für Architekten, Innenarchitekten und Planer. Über 190 Aussteller zeigen ausschliesslich Produktinnovationen, ausgewählt von einem Fachbeirat, der mit Architekten und Innenarchitekten besetzt ist. Das aussergewöhnliche Ausstellungskonzept mit Lounge-Atmosphäre wurde von den Innenarchitekten Creative Fo(u)r entwickelt. www.architectatwork.ch

100 Jahre nach der «Weis­ senhofsiedlung» soll in Stuttgart wieder eine inter­ nationale Bauausstellung stattfinden, die IBA. Mit ihr will die Stadt einen Kommu­ nikationsprozess anstossen. Konkrete Projekte sollen ohne Denkverbote diskutiert werden können. Dies vor dem Hintergrund grosser Herausforderungen von Stadt und Region in Sachen Nachhaltigkeit und Wand­ lungsfähigkeit. Anfang Feb­ ruar fand dazu ein interna­ tionaler Fachkongress mit Schweizer Beteiligung statt. iba2027.region-stuttgart.de

Per 1. Februar 2017 ist Jan Geipel neuer Kurator des Designers' Saturday. Der deutsche Architekt löst damit Sergio Cavero ab, der die erfolgreiche Plattform für Design geprägt und weiterentwickelt hat. www.designerssaturday.ch

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ROMANTISCHE URHÜTTE

Romantisch in die Waldlichtung eingebettet steht es da, das kleine Maiensäss am Rande von Flims. An einem einbrechenden Winterabend lässt aus der Ferne einzig die grosse Fensterfront erkennen, dass das «Gehütt» ein kleines Ferien-Chalet ist. Ein «versteinertes» Abbild seines Vorgängers, denn die ortsansässigen Architekten Selina Walder und Georg Nickisch haben es exakt an dessen Stelle neu gebaut, die massiven Rundhölzer dienten als Schalung für die Betonwände. Im Winter entsteht durch die Feuchte der Betonoberfläche und den Schattenwurf ein Vexierbild, das die

Erinnerung an die alten Rundhölzer lebendig werden lässt. Im Sommer hingegen tritt das Maiensäss als das zutage, was es ist: ein kompakter, fast «bunkerartiger» Betonbau. Ganz in der Tradition der sommerlichen Schutzhütten haben die Architekten den Wohnraum ohne Trennwände konzipiert; mit einer modernen Küche, einem offenen Kamin, einer in den Schlafraum integrierten Badewanne, die das Bild eines alten Steinbrunnens evoziert; so wie's früher war. In den Schweizer Alpen gibt es Hunderte kleiner Ferienchalets in vermeintlich unberührter Natur. In ihrer archetypischen und archaischen Schlichtheit verkörpern sie unsere romantischen Sehnsüchte nach Schutz und Überschaubarkeit: ein festes Dach, solide Wände, eine Feuerstelle. Mehr braucht es im Grund nicht, um sicher zu sein vor der unberechenbaren Natur, die auch als Metapher steht

für unsere immer technisiertere und unüberschaubarere Welt der Globalisierung und der digitalen Beschleunigung. Das «refugi lieptgas» ist die aufs Minimum reduzierte «Urhütte», wenn auch mit heutigem Komfort. Das alpine Chalet als Sehnsuchtsbild für den «urbanen» Menschen hat seine historische Wurzel in der Romantik. Und ist seit seiner «Entdeckung» Ende des 18. Jahrhunderts aber auch zu einem Produkt der Schweizer Heimatkultur avanciert: Chalet, Kühe, Käse ... Das Bild der Schweiz, wie es noch heute im TourismusMarketing Erfolg verspricht. Literarisches Vorbild ist das «Chalet» im Briefroman «La nouvelle Heloïse» von JeanJacques Rousseau (1761), das Schutz für die Liebenden bot. Den realen Maiensässen konnten die – vorwiegend englischen – «Grand-Tour»-Touristen zu Beginn des

19. Jahrhunderts allerdings noch wenig abgewinnen. Hingegen versprachen die Alphütten den bald folgenden Bergsteigern Schutz und Verpflegung. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die alpinen Regionen mit ihren Holz-Chalets – nicht zuletzt durch die «Heidi»-Bände von Johanna Spyri – zu einem Symbol für den romantischen «Fluchtort» ohne schwerwiegende Probleme und Modernisierungskrisen. Das Thema scheint offensichtlich hoch aktuell, und das Maiensäss von Walder Nickisch wirkt dabei wie ein architektonisches Kondensat dieser Sehnsucht nach der Einfachheit des Seins. (chh) www.conn.ch/ ferienunterkuenfte

Der Vorgänger (Modell) des «refugi lieptgas» verkörpert in seiner unbedingten Einfachheit das einfache Leben der alpinen Bevölkerung. Als «Chalet» wird es zum Sehnsuchtsmotiv der Romantik. Und bedient heute die (Ferien-)Sehnsucht nach Einfachheit.

Bild: Nikisch Walder

Die Sehnsucht nach dem Einfachen hat Hochkonjunktur. Dies zeigt sich nicht nur in diversen Retro-Trends, sondern auch im Wunsch nach Überschaubarkeit im Wohnen. Das Maiensäss «refugi lieptgas» verkörpert als kleines Ferienhäuschen diese Einfachheit perfekt.

Bilder: Ralph Feiner

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Fotos: SRF/BORJ (oben), Manuel Pestalozzi

HERING, RAD UND KEIL Heimatgefühl ist nicht mit Sesshaftigkeit gleichzusetzen. Schliesslich gab und gibt es auch Nomadisierende! Auch sie möchten sich mit ihrem Habitat identifizieren und in den eigenen vier Wänden zu Hause fühlen. Frei sein und wohnen, wo es einem gefällt! Die romantische Seite der Nomadenkultur begleitet die abendlän­ dische Kultur seit Jahrhunderten. «Lustig ist das Zigeunerleben» singt das sesshafte Volk aus voller Kehle und denkt dabei primär an Ferien und Feierabend. Lange waren mobile Heimstätten ausschliess­ lich Zelte, mit Tuch oder Haut bespannte Skelett­ strukturen, die sich leicht im Erdreich fixieren und mit wenigen Handgriffen wieder auseinander­ nehmen und transpor­ tieren liessen. Später kam der Planwagen hinzu, das von Zug­­ tieren angetriebene Gefährt, halb Kutsche halb Karren. Es diente Nomadisierenden als Wohn- und Arbeitsstätte und liess sich gleich­ zeitig als permanenter Stauraum für Hausrat

und Waren nutzen. Mit Fadenröllchen, Zigarren­ kistchen und alten Hemden-Stehkragen bastelten wir im Kinder­ garten solche kleinen «Zigeunerwagen». In den späten 1970er-Jahren begegnete der Autor zu seinem grossen Staunen im kommunistischen Rumänien dem Modell im Massstab 1 : 1 auf der Strasse: keine Nostalgie­ fahrt für Touristen, sondern die Kolonne eines Roma-Clans. Die Motorisierung breiter Bevölkerungsschichten gab der mobilen Heim­ stätte eine neue Bedeu­ tung. Der Besitz des eigenen Autos wird bis heute als Ausdruck persönlicher Freiheit verstanden, das Mitführen einer Wohn­ zelle auf Rädern ist gewissermassen eine Sublimierung dieser Freiheit. Tüftler kons­ truierten Wohnwagen, die sich von konventio­ nellen Autos ziehen lassen, später kamen eigentliche Wohnmobile hinzu, mit denen sich Unternehmen wie Volks­ wagen oder Winnebago einen Namen machten. Parallel zur technischen Entwicklung entstand eine Camping-Kultur,

die auf diesen strassen­ tauglichen Wohnzellen fundiert ist. Strassen­ tauglichkeit und Massenfabrikation sorgen für eine starke Standardisierung des mobilen Heims. Eigent­ lich widerspricht sie der verheissenen individu­ ellen Freiheit und erzeugt gelegentlich ein starkes Bedürfnis nach Kompensation über dekorative Eingriffe. Die Verwendung dieser Häuser auf Rädern ist seit je vielseitig, ihre Nutzerinnen und Nutzer sind Ferienreisende, Arbeitende im saiso­ nalen Einsatz oder auch traditionelle Fahrende. Alle bedienen sich grundsätzlich im selben Markt. In den USA gilt das Wohnen im «Trailer Home» manchmal als gesellschaftlicher Makel, wird er doch häufig mit beschränkten finanzi­ ellen Mitteln oder Bedürftigkeit verbunden. Der Stillstand erst kann die Versprechungen einlösen, welche das mobile Heim verheisst. Eigentlich lässt es sich überall dort abstellen, wo für Strassenfahr­ zeuge ein Hin- und Durchkommen ist. Der

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Standplatz sollte aller­ dings meistens eine Infrastruktur bieten – schliesslich braucht auch das campierende Volk Wasser und Strom. Und entsorgungsbedürf­ tige Rückstände produ­ ziert es auch. Zu klären ist zudem das Verhältnis zu den Sesshaften, die Fahrenden der Schweiz können davon ein Liedchen singen. So gibt es in unserem Land Gesetze, die den Camping-Betrieb regeln. Sie werden von den Kantonen erlassen. Da und dort lassen sie Camping-Kolonien zu, disziplinierte Wagen­ burgen, meistens in der Nähe von Seen oder Fliessgewässern. Dort werden Keile unter die Räder geschoben, manchmal wird die gesamte Karosserie aufgebockt. Garten­ zäune, Topfpflanzen und Grill-Anlagen deuten eine ephemere Anhänglichkeit der willentlich gestrandeten Nomaden an. (map)

«Tag der offenen Tür» bei Fahrenden im St. JohannQuartier in Basel und Campingplätze am Weihnachtstag 2016 am Obersee bei Bollingen (SG). Mobile Heimaten befriedigen ganz unterschiedliche Bedürfnisse.


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Die Grafik #09

WHO’S WHO

SEIT DEN 1980ER-JAHREN WERDEN EXPERTEN ZU ENTWICKLUNGEN UND ERWARTUNGEN AUF DEN IMMOBILIENMÄRKTEN BEFRAGT – UND OFT AUF DEM FALSCHEN FUSS ERWISCHT.

Quelle: wikipedia

Text: Stefan Fahrländer Quelle: Immobilien-Almanach Schweiz 2017 FPRE

Seit Mitte der 1980er-Jahre werden jährlich im Herbst und seit 2012 zusätzlich im Frühling mehrere Hundert Experten zu den Entwicklungen und den Erwartungen auf den Immobilienmärkten befragt. Die Umfragergebnisse des HEV Schweiz (Hauseigentümer­ verband Schweiz) sowie von FPRE (Fahrländer Partner Raumentwicklung) werden zum Preiserwartungsindex HEV Schweiz/FPRE verdichtet. Insbesondere der Vergleich des jeweils aktuellen Rückblicks mit der Erwartung des Vorjahres zeigt, dass selbst Experten immer wieder überrascht sind, wie dynamisch sich Immobilienpreise entwickeln können: Während die Experten beispielsweise Ende der 1980erJahre trotz sehr positiven Preiserwartungen rückblickend feststellen mussten, dass sie immer noch zu pessimistisch waren, schlug das Muster praktisch über

Nacht ins Gegenteil um. Von 1989 bis 1998 waren die Experten rückblickend jeweils überrascht, wie schlecht sich die Preise entwickelt haben. Und dies, obschon ihre Erwartungen an sich schon eher verhalten bis negativ waren. In einer eher kurzen ausgewogenen Phase um die Jahrtausendwende waren die Preisentwicklungen anscheinend gut prognostizierbar. Ab 2002 folgte aber wieder eine sehr lange Phase, in der die Preise deutlich dynamischer zulegten, als allgemein erwartet wurde. Obschon die Preise für Mehrfamilienhäuser heute sehr hoch sind und die Mieten aufgrund der steigenden Leerstände allmählich unter Druck geraten, geht Fahrländer Partner weiterhin von zumindest stabilen, vielerorts weiter steigenden Preisen aus, denn die Zinsen dürften negativ bleiben und der Anlagenotstand entsprechend sehr gross.

Die Erwartungen der Experten in Bezug auf die Preisentwicklung bei Mehrfamilienhäusern im Vergleich mit den tatsächlich eingetretenen Verhältnissen. (Quelle: ImmobilienUmfrage HEV Schweiz und Fahrländer Partner, Preis­e rwartungsIndex HEV Schweiz / FPRE)

Vergleich Erwartungen und Rückblick Mehrfamilienhäuser 200 150 100 50 0 -50 -100

Erwartung zu pessimistisch

Erwartung zu optimistisch

RückblickIndex

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

2000

1999

1998

1997

1996

1995

1994

1993

1992

1991

1990

1989

1988

1987

-200

1986

-150

Geboren ist unser gesuchter Architekt in Deutschland. Er besass auch einen deutschen Namen, den er dann in einen französischen umwandelte. Seine Jugend verbracht er zu einer Zeit, als der Historismus gerade erst zu einem Höhenflug ansetzte. Nach seinem Schulbesuch in Basel absolvierte er eine Berufslehre bei einem Baugeschäft, ebenfalls in Basel. Zugleich liess er sich an der Zeichnungs- und Modellierschule zum Zeichner ausbilden. Das Zeichnerische war eine Stärke, mit der er seiner Nachwelt fast mehr in Erinnerung blieb als mit seinen Bauwerken. Gestorben ist unser Architekt in einer Gemeinde am Vierwaldstättersee, von der aus man einen wunderbaren Blick auf den Pilatus geniesst. Die Berge beziehungsweise das Alpine und Ländliche haben ihn zeitlebens fasziniert. Entsprechend baute er vorwiegend Villen im Chalet- oder Landhausstil, Hotels, aber auch Ausstellungshallen. Von 1884 bis 1887 bildete er sich bei einem bekannten Architekten in St. Moritz weiter. Dieser baute unter anderem das Lyceum Alpinum in Zuoz, das «Maloja Palace» in Maloja und das Segantini-Museum in St. Moritz. Der Geschmack unseres gesuchten Mannes orientierte sich während seiner Schaffensphase bis 1907 aber zeitlebens am Historismus; einer Zeit also, als die Architektur Europas bereits vom Jugendstil und frühen Reformbewegungen beeinflusst war. Die Hinwendung zur Reformarchitektur sollte ihm nie gelingen. Seine Inspirationsquellen waren die Burgenromantik, das Berner Oberland sowie das Innerschweizer Bauernhaus. Damit traf er aber offensichtlich den Geschmack seiner Auftraggeber. Da er einige geschäftliche Fehlentscheide traf, musste er 1916 seine Villa auf dem Zürichberg verkaufen und wurde am Ende seines Lebens Bauführer bei seinem Schwager. Sein Hauptwerk auf dem Zürichberg aber prägt heute noch das Stadtbild, während er sonst als Architekt in Vergessenheit geriet. Numerische Auflösung: 10 – 1 – 3 – 17 – 21 – 5 – 19 – 7 – 18 – 15 – 19

PreiserwartungsIndex HEV/FPRE

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Fußboden: PIETRA DI PIOMBO Silk. “La Casa de Ester” designed by Homm, Madrid (Spanien)

Sintered Stone. Innen- und Außenanwendungen: Fußböden, Wandverkleidungen, Fassaden, Arbeitsplatten, Möbel. Beständig gegen Flecken, Kratzer, Chemikalien, extreme Temperaturen und UV-Strahlen. Maximalformat, Minimaldicke, verschiedene Finishes. Mehr als 50 Modelle erhältlich. Design, Langlebigkeit, Vielseitigkeit, Nachhaltigkeit.


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DAVOSER HEIMSPIEL 37 Jahre alt ist das Davoser Eisstadion schon. Übernächstes Jahr wird die «Eiskathedrale» vom Luzerner Architekturbüro Daniele Marques saniert. Der Eissport hat in Davos Tradition. Bereits 1934 sorgte der Davoser Architekt Rudolf Gaberel mit dem «neuen Eisbahnhaus» für Aufsehen. Der moderne Holz­skelettbau öffnet sich mit seinen Tribünen auf das grösste Natureisfeld Europas. Curling, Eiskunst- und Eisschnelllauf sowie Eisstockschiessen wurden und werden hier gepflegt. Heute ist Davos vor allem aber auch eine Hochburg des Eishockeys. Und die Vaillant-Halle ist das Heimstadion des HC Davos und Schauplatz des Spengler Cups. Nachdem 1978 voraussehbar wurde, dass der HC Davos in die Nationalliga A aufsteigen würde, entstand für 12 Millionen Franken zwischen April und Oktober 1979 die «Eis­kathedrale» der

Davoser KrähenbühlArchitekten mit ihrer Aufsehen erregenden Dachkonstruktion. Diese Konstruktion ergab sich aus den vier bereits 1970 gebauten Fundamentpfeilern für eine geplante Über­dachung der damals offenen Kunsteisbahn. Es waren bauphysika­lische Gründe und andererseits optisch-ästhetische Komponenten, die zu dieser Dachform führten (Quelle: www.hcdavos.ch). Die Sanierung der Davoser Eishalle folgt nun aufgrund feuer­ polizeilicher Auflagen der Bündner Gebäudever­sicherung. Ein Studienauftrag wurde erteilt. Anfang Dezember informierte die Gemeinde Davos über das Siegerprojekt des Luzerner Architekturbüros Daniele Marques. «Städtebaulich», so die Architekten, «will sich die erneuerte Anlage [...] als Teil der öffentlichen Bauten am Kurgarten verstehen.» Ein angedocktes Volumen für den Umgang wird dabei

räumlich besser mit den umliegenden prismatischen Volumen kommunizieren. Die Halle und das Sportzentrum sollen besser in den Grünraum des Kurgartens inte­ griert werden. Aus architektonischer Sicht funktionieren Sport­ stadien in ihrer Ästhetik und schieren Grösse städtebaulich nicht selten als Wahrzeichen. In ihrer visuellen Strahlkraft symbolisieren sie zudem die identitäts­stiftende Bedeutung des Sports. Kehrseite der Medaille war in den vergangenen Jahren die zunehmende Gewalt in den Sport­ stadien – auch im Eishockey, dem Schweizer Städte mit dem HooliganKonkordat beizukommen versuchen. Sport lässt Emotionen hochgehen, die sich in der aufgeheizten Stimmung eines Spiels entladen können. Dass sich im Mannschaftssport derzeit «nationalistische» Komponenten stärker bemerkbar machen, beobachtet

Wolfram Eilenberger. Im Fokus des deutschen Philosophen steht vor allem der Fussball. Dieser, so Eilenberger, nehme gesellschaftliche Entwicklungen voraus: «Bei der WM 2006 hatten wir ‹die Welt zu Gast bei Freunden›, wo der Patriotismus und nicht der Nationalismus gefeiert wurde. [...] Bei der EM in Frankreich war nun dessen Fratze wieder viel stärker sichtbar.» (Quelle: «Tages-Anzeiger» vom 2.1.2017). «Heimatgefühl» und Gewalt liegen nah beieinander; und in den grossen Arenen vereint sich die aufregende Ästhetik mit der Symbolik von Regio­ nalismus und Nationalismus. (chh)

Mit der Erneuerung will das Architekturbüro Daniele Marques die Eishockey-Arena und Heimspielstädte des HC Davos städtebaulich mehr mit den öffent­ lichen Gebäuden des Kurgartens verbinden.

Visualisierung: Marques AG

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Bilder: Studio Willen

Seit Oktober 2016 zeigt sich die Fassade im Innenhof des Landesmuseums mit neuen Bilderfeldern und SkulpturenNischen. Das Kunst-am-BauProjekt stammt aus der Hand des Künstlers Mario Sala.

Das Museum mudac in Lausanne zeigt bis 30. April 2017 eine Ausstellung über die Arbeit von Aldo Bakker. Der niederländische Designer ist bekannt für sein kompromissloses Werk, das von einer geduldigen und sorgfältigen Recherche-Arbeit an der Form lebt und dessen Sprache in kein Schema passt. Er wendet sich nicht nur von jeglichem Funktionalismus und Postmodernismus ab, sondern bleibt generell von allen Zeitströmungen und Trends unberührt. Dennoch erscheinen alle Objekte des Designers auf den ersten Blick seltsam vertraut. www.mudac.ch

STEINERNE SPUREN Das Kunst-am-BauProjekt im Innenhof des Landesmuseums nennt der Künstler Mario Sala «DVSAVHELDS», eine Abkürzung für «Die Verletzten schreien aus vollem Hals: Es lebe die Schweiz». Eine Arbeit, die nicht nur ein überraschendes, ästhetischräumliches Erlebnis bietet, sondern auch nachdenklich stimmt. Ganz unterschiedliche Gesteinsarten aus der Schweiz, aber auch aus dem Ausland hat der Winterthurer Künstler Mario Sala für die Reliefs und «Skulpturen» der Arbeit «DVSAVHELDS» in den über Jahre frei gebliebenen Skulpturen-Nischen und Bildfeldern des Landesmuseums verwendet. Realisiert hat Mario Sala die Arbeit zusammen mit dem Steckborner Steinbildhaueratelier von Urs Traber.

«DVSAVHELDS» verbindet sich auf höchst präzise Weise mit dem Museumsbau und seiner Geschichte. Konkret bespielt Mario Sala sowohl die Bildfelder als auch die SkulpturenNischen der Fassaden. In die fünf leer gebliebenen Bildfelder setzte der Künstler mehrschichtig angeordnete, unregelmässig gebrochene Steinplatten von unterschiedlicher Farbigkeit, die Spuren menschlicher Bearbeitung tragen. So wirken die Markierungen auf der einen Platte wie Einschusslöcher, die trichterförmige Öffnung auf der anderen wie das Ergebnis einer Bohrung. In die vier SkulpturenNischen stellte der Künstler jeweils aus der Kombination von zwei geologisch unterschiedlichen, kaum bearbeiteten Gesteinsbrocken

geschaffene Skulpturen, die an «menschliche Typologien» oder archaische Gestalten erinnern. Im Grunde genommen ist Mario Salas Arbeit aber auch ein Anti-Denkmal; ein Mahnmal, das die Schweiz und ihre Errungenschaften würdigt, indem auch die Schattenseiten in einer symbolischen oder zeichenhaften Form zur Sprache kommen. Denn so, wie auch ausländische Steine in der Arbeit zur Verwendung kamen, ist die Schweiz, wie sie heute ist, über die Jahrhunderte hinweg geprägt durch zahlreiche Zuwanderer: Italiener, Spanier, Portugiesen und viele ander mehr. So waren etwa beim Bau des Zürcher Letten- und Oerliker Viadukts 1893 zwei Drittel der

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Arbeiter, die das Knowhow der Steinbearbeitung für den Bau der Bögen mitbrachten, Italiener. Beim Bau des Gotthardtunnels 1873 starben 199 Arbeiter bei der Bezwingung des Gotthardgesteins. Dementsprechend bleiben die Spuren in den Steinplatten in ihrer Bedeutung oft schwebend; bleibt die Interpretation dem Betrachter überlassen. Obwohl der Künstler den Stein nicht darstellenderzählerisch, sondern abstrakt einsetzt, berühren die entstandenen Formen tiefere Bedeutungsschichten. Es sind «versteinerte Zeichen», die von produktiven, aber auch zerstörerischen menschlichen Eingriffen in Material und Landschaft zeugen. (chh) www.nationalmuseum.ch

Max Bills Dreibeinstuhl, den der Architekt, Designer und Künstler bereits 1949 für «wohnbedarf» entworfen hatte, ist bei Kennern und Design-Liebhabern längst ein Klassiker der besonderen Art geworden. Was ihn auszeichnet, sind seine drei schlanken Beine und die geometrischen Grundformen, die von Bills Handschrift zeugen. Heute wird der Dreibeinstuhl als Teil der kompletten «max bill kollektion» exklusiv bei wb form produziert. www.wbform.com


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FUNDUS Repräsentation, Diskretion und Modernität zugleich wird der Neubau der schweizerischen Botschaft in Moskau repräsentieren.

STECKBRIEF Architektur: Brauen + Wälchli, Lausanne Bauherrschaft: Schweizerische Eidgenossenschaft Kunst am Bau: Anne Julie Raccoursier Während diesen Winter die Bauarbeiten am Neubau und die Sanierung der Residenz voranschreiten, läuft in der Schweiz die Umsetzung des Projekts «Bi-Location» der Künstlerin Anne Julie Raccoursier an: In jedem Kanton der Schweiz wird an einem symbolischen Standort der Russland - Schweiz-Beziehung eine «Berner Rose» (Apfelbaum) gepflanzt. Zum Abschluss wird auch ein Baum im Hof der Schweizer Botschaft in Russland gepflanzt – als Symbol der lebendigen Beziehung zwischen den beiden Ländern.

Visualisierung: Brauen Wälchli architectes architectes

Bild: Frank Herfort

Die Baustelle #5 EINE BOTSCHAFT REPR ÄSENTIERT EIN LAND AUCH VISUELL UND SYMBOLISCH Die schweizerische Vertretung in Moskau hat sich nach der politischen Wende innerhalb weniger Jahre zu einer der grössten und wichtigsten Botschaften der Eidgenossenschaft gewandelt. Bis gegen Ende der 1980er-Jahre genügte dabei das repräsentative, klassizistische Stadthaus mit pastellgrüner Fassade aus dem 19. Jahrhundert mit einem Anbau aus den 1960er-Jahren. Nach dem politischen und wirtschaftlichen Wandel stiegen vor allem die Visa-Gesuche sprunghaft an. Aber auch die Handelsabteilung musste stets ausgebaut werden. Der zur Verfügung stehende Raum

wurde viel zu eng, sodass zusätzliche Büroräumlichkeiten in der Stadt dazu gemietet werden mussten. In Zusammenarbeit mit Vertretern der Stadt Moskau und dem Eidgenössischen Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) einen Projektwettbewerb für die Neugestaltung der Botschaft in Moskau ausgeschrieben. Ziel des Wettbewerbs war, die gesamte Verwaltung an einem Standort zusammenzuführen, um langfristig eine optimierte Lösung für die räumlichen und betrieblichen Abläufe zu

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gewährleisten. Das Projekt des Planerteams Brauen + Wälchli aus Lausanne schafft mit der zweiwinkligen Anordnung des Neu- und Altbaus einen grosszügigen Innenhof, der von Residenz und Kanzlei genutzt werden kann. Die Strassenfassade orientiert sich in Gestaltung und Proportion am bestehenden historischen Altbau und fügt sich unauffällig in das umliegende Quartier ein. Das Bild, das die Schweiz von sich geben möchte, kommt in der Architektur wie auch in der Innenausstattung dieses Projekts gut zum Ausdruck. (cch)


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Der Kommerz- und Hotelkomplex Al-Bait stellt die Kaaba in den Schatten. Fotos von Ahmet Mater, in: Catherine David (Hg.), «Desert of Pharan. Unofficial Histories Behind the Mass Expansion of Mecca», Lars Müller Pulishers, Zürich, ISBN 978-3-03778485-3, CHF 60.00

GLAUBENSSACHE In den letzten Jahren mussten historische Stadtteile um die Kaaba einer megalomanen Tourismus-Infrastruktur weichen, die wortwörtlich ihre Schatten auf das heilige Zentrum wirft. Der saudi-arabische Künstler Ahmet Mater hat in einem fortlaufenden Projekt diesen Transformationsprozess fotografisch begleitet. Dazu ist nun bei Lars Müller Publishers ein Buch erschienen. Alljährlich wiederkehrende feierliche Rituale sind ein tragendes Moment jeder Religionsgemeinschaft. Sie schaffen Identität und Zugehörigkeit, was sich letztlich auch als «Heimatgefühl», als ein «Verortet-Sein» beschreiben lässt. Eingebettet in den Hajj, der Pilgerreise nach Mekka, die jeder Muslim einmal in seinem Leben gemacht haben sollte, ist auch das islamische

Opferfest Eid al-Adha, das an die Geschichte Abrahams erinnert, der einwilligte, seinen Sohn Gott zu opfern. Zu diesem Opferfest, das auf der ganzen Welt gefeiert wird, reisen jeweils über 3 Millionen Muslime nach Mekka. Verteilt aufs Jahr kommen noch einmal 15 Millionen Pilgerreisende für die kleine Pilgerfahrt (Umrah) hinzu. Anders als bei den christlichen Pilgerorten wie etwa Einsiedeln, Lourdes oder Santiago de Compostela, wo die Besucherströme offensichtlich relativ konstant bleiben, besitzt die Pilgerreise nach Mekka eine unglaubliche Sogwirkung in der muslimischen Gemeinschaft. Der saudi-arabische Künstler Ahmed Mater hat diese «magnetische» Wirkung bereits in einer künstlerischen Arbeit, «Modern Art of

Bilder: Ahmed Mater

Hajj», 2009), reflektiert. In ihr wird Magnesium – ähnliches kennen wir von Experimenten in naturwissenschaftlichen Museen – von einem kubischen Magneten, der die Kaaba symbolisiert, angezogen. In ihrem Buch «Desert of Pharan» nun, 2016 bei Lars Müller Publishers erschienen, dokumentieren Ahmet Mater (*1979) und Catherine David in Bild und Text die im Wortsinn tief greifende städtebauliche Veränderung, die im Umkreis der Kaaba stattgefunden hat. Dienten zuvor die Minarette der Grossen

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Moschee als visuelle Orientierung im Stadtbild, ist es heute der Al-Bait-Glockenturm, ein von vielen verachtetes und geschmähtes Luxushotel mit Einkaufszentrum und zudem zweihöchstes Gebäude der Welt. Doch die Al-Bait ist nicht die einzige weithin sichtbare Transformation der Skyline von Mekka.

65-jähriger Architekt, dokumentiert seit Jahren die Veränderungen. Dem «Guardian» sagte er 2012: «Man ist daran, das Heiligtum in eine Maschine zu verwandeln, in eine Stadt ohne Identität, ohne Vergangenheit, ohne Kultur und ohne natürliche Um­gebung.» (Quelle: theguardian.com).

Die megalomane Expansion der Stadt hat dazu geführt, dass 13 von 15 alten Stadtquartieren dem Erdboden gleich gemacht wurden, um Raum zu schaffen für Hotels und Kommerz. Sami Angawi, ein

Die Fotos von Ahmed Mater im Buch «Desert of Pharan» dokumentieren diesen gigantischen Trans­ formationsprozess auf einprägsame, wenn nicht schon fast erschreckende Weise. (chh)


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Bilder (2): Christoph Heilig, clevergie gmbh

FUNDUS Christian und Elisabeth Anliker realisierten zusammen mit der Clevergie GmbH das Konzept. Das einstige Handwer­ kerhaus ist nun ein «PlusEnergieBau», in dem primär gewohnt wird und der mehr Energie erzeugt, als es für seinen Betrieb benötigt.

HALB VERTRAUT Fotovoltaik plus traditionelle Architektur gleich zeitgemässe Heimat. Für das ehemalige Handwerkerhaus in Affoltern im Emmental ging die Rechnung auf: Es wurde mit dem Europäischen Solarpreis 2016 aus­gezeichnet. Und die Denkmalpflege ist glücklich. Gebaute Heimat ist vertraute Heimat. Dieser Grundsatz bestimmt die Wahrnehmung der meisten Einheimischen. Die Frage der Zukunftstauglichkeit traditioneller Strukturen muss aber gestellt werden. Beim einstigen Handwerkerhaus im Emmental ist man sie beherzt angegangen. Mit der Antwort kann man sich nun auseinandersetzen. Die Rede ist von einem Holzständerbau, 1765 errichtet im Weiler Eggerdingen, im Hügelland östlich von Burgdorf. Er bildet Teil einer für die Region typischen, lockeren Ansamm­lung von Gebäuden, die sich – ebenso wie das Strassen- und Wegsystem – in den vergangenen 150 Jahren kaum verändert haben. Im Gegensatz zu den

Nachbarliegenschaften war das Haus aber nie ein Bauernhof, sondern eine Glaserwerkstatt. Lebhaft kann man sich vorstellen, wie hier Scheibchen und Kitt eingefügt und dann über oft beschwerliche Wege zur Kundschaft gebracht wurden. In der Welt von Jeremias Gotthelf war das Werkstatthaus Bestandteil des wirtschaftlichen Gefüges. Drei Generationen leben heute im über 250-jährigen Gebäude. Die Arbeitswelt hat sich ebenso gewandelt wie die Mobilität. Dennoch präsentiert sich in Eggerdingen ein vertrautes Bild. Die traditionellen Gehöfte sind erhalten geblieben, die Bewahrung der Reize dieser Kulturlandschaft macht aus Affoltern im Emmental eine Tourismus-Destination, inklusive Schau­ käserei. Und wer Glück hat, findet einen Wohnsitz mit Südorientierung in Hanglage.

authentisch», so Christian Anliker. Die Süd­fassade war bau­­ fällig, das Bau-Team stiess auf «Lebkuchenholz», das seinen Dienst endgültig getan hatte. Dank gross­zügiger Dämmung des restlichen Hauses liess sich diese Schauseite kompromisslos in seiner ursprünglichen Pracht und Schönheit mit den ursprünglichen Fensterteilungen rekonstruieren. Das Tenn gehört jetzt zum Wohnraum.

einer Immobilie aus. Dass die baufällige Liegenschaft bestehen bleiben musste, war allerdings klar. Die Bauherrschaft, die bei der Entwicklung des Sanierungskonzepts Regie führte, arbeitete deshalb von Beginn weg eng mit der Denkmalpflege des Kantons Bern zusammen. «Ziel war die Rückführung in den Originalzustand», erklärt Bauherr Christian Anliker. Deshalb entfernte man Aus- und Anbauten, mit denen das Haus ergänzt worden war. «Der Kernbau mit einem Grundmass von rund 10 × 10 m präsentiert sich

Glück und romantische Visionen reichen allerdings auch hier nicht für die Sicherung der Zukunftstauglichkeit

Vor der Sanierung machte das Haus einen vernach­ lässigten Eindruck.

Bild: Urs Enz, Holzbau Enz GmbH

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Fünf Wechselrichter sind im hinteren Teil des Dachraumes aufgestellt. Denn die Strahlen der Emmentaler Sonne werden nicht wie ursprünglich von Holzschindeln empfangen, sondern treffen auf dachintegrierte Berner Fotovoltaik-Module. Die grossen Glasflächen bedecken das ganze traditionelle Dach. Sie erzeugen so viel Energie, dass das Haus jetzt eine «Heimat»Eigen­energieversorgung von 345 Prozent aufweist. Der bläuliche Schimmer der Dach­ flächen ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber ein untrügliches Zeichen der Gegenwart. (map)


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KURIOSE WANDTEPPICHE Der Begriff Heimat hat immer auch mit Vergangen­ heit zu tun, die aus einer ganzen Fülle von kaum datierbaren Erinnerungen entsteht. Die 32 kürzlich wiederentdeckten Bildtep­ piche der DDR bergen diese auf kuriose Weise in sich! Es sind Unikate, die erst kürzlich der Öffentlichkeit in einer kleinen Ausstellung in Berlin präsentiert worden waren. Sie geben uns einen ungewohnten Einblick in die Propaganda eines Staates, der schon längst nicht mehr existiert. Mehr noch machen sie aber die hohe Kunstfertigkeit und webtechnische Qualität der damaligen Zeit deutlich. Mit ihren Darstellungen erzählen sie uns eine ganz eigene Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik. Die Wandteppiche wurden von der Parteispitze der Sozialistischen

Einheitspartei Deutschlands (SED) für besondere Ereignisse in Auftrag gegeben. Mit Motiven, die zwischen 1959 und 1989 entstanden sind, zeigen sie Szenen aus dem politischen Leben, von besonderen Sportereignissen und aus dem Arbeitsalltag in der DDR. Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ist übersät von der propagandistischen Verwendung kunstvoll gewirkter Wandteppiche – viele Staaten nutzten sie als Element der Zurschaustellung ihrer politischen Macht. Nur ein Jahrzehnt nachdem der Wandteppich vom NS-Regime für seine repräsentativen Zwecke missbraucht worden war, ist er mit seinen ideologisch bestimmten Motiven als «sozialistische Volkskunst» von der DDR-Spitze vereinnahmt worden. Der künstlerisch gestaltete Wandteppich gehörte aber auch schon seit den frühen Hochkulturen zur

repräsentativen Ausstattung fürstlicher Höfe und kirchlicher Institutionen. Zudem haben sich ab dem 19. Jahrhundert auch Architekten wie Gottfried Semper und Adolf Loos mit dem Wandteppich im architektonischen Kontext auseinander­ gesetzt. Nach Gottfried Semper ist der Wandteppich eng mit der Architektur verbunden. Auch Adolf Loos betont in seiner Abhandlung «Das Prinzip der Bekleidung» von 1898 die Bedeutung des Wandteppichs im architektonischen Kontext. Für ihn entwickelt sich der «bauliche Gedanke sowohl in der Menschheit als auch im Individuum aus dem Bedürfnis nach Schutz vor den Unbilden des Wetters.» In der DDR nutzte man die Bildteppiche hingegen als Plakatersatz und Ausstellungsmittel, um die Macht eines noch jungen Staates zu manifestieren und zu legitimieren. (nka)

Mit der wissenschaftlichen Erfassung der Heimat beschäftigt sich hierzulande die Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. In der Buchreihe «Die Kunstdenkmäler der Schweiz» publiziert sie Informationen zu erhaltenswerten Bauzeugen. Eben erschien der Band zur Grossstadt Zürich 1860 – 1940 (ISBN: 978-303797-239-7), der das Entstehen der LimmatMetropole akribisch unter die Lupe nimmt. www.gsk.ch

Die Architektur des Brutalismus ist eine in den 1950er-Jahren in Gross­ britannien begründete, umstrittene Tendenz der Nachkriegsmoderne. Auch PHŒNIX hat sich mit diesem Thema in der Ausgabe 06 eingehend ausei­nander­gesetzt. Die Gallery des VitraMuseums zeigt bis 16. April 2017 in der Ausstellung «The Brutalist Play­g round», basierend auf Archivmaterial des Royal Institute of British Architects (RIBA) Rekons­ truktionen zerstörter «brutalistischer» Spielplätze – als Hybride aus Installation und begehbarer Skulptur für Erwachsene und Kinder. www.design-museum.de

Vom 8. bis 11. März 2017 findet auf dem Messegelände Fiera Milano Rho die MADE Expo statt – eine alle zwei Jahre stattfindende Messe im Bereich Bauwesen und Architektur. www.madeexpo.it

Die hausinternen Textil-Designer haben sich zu den jeweils gestellten Themen passende Entwürfe aus­ gedacht, die dann auf den Webstühlen in unterschiedlichen Formaten produziert wurden.

KORRIGENDUM In der Rubrik «Baustelle» der letzten Ausgabe – Umbau der Garage auf dem Schlotterbeck-Areal von Giuliani Hönger – ist uns leider ein Fehler unterlaufen: Das gezeigte Bild stammt nicht aus der Fotoserie von Linus Lintner, sondern von David Willen. Das Rendering ist von nightnurse images. Die Redaktion bittet um Entschuldigung.

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Die Karte #09

Die Manuskriptkarte «De situ confoederatorum descriptio» ist die älteste akkurate Karte der Eidgenossenschaft. Gezeichnet wurde sie Ende des 15. Jahrhunderts vom Zürcher Arzt und Wissenschafter Konrad Türst (etwa 1450 bis 1503). Konrad Türst, dessen Familienname je nach Quelle auch mit Dürst angegeben wird, wurde um 1450 in Zürich als unehelicher Sohn eines Zürcher Chorherren geboren. Wohl aufgrund dieser privilegierten Herkunft durfte er ab 1470 Medizin studieren, zunächst in Basel, danach in Pavia, wo er 1482 promovierte. Nach einem Abstecher an die Universität Ingolstadt kehrte er Mitte der 80er-Jahre des 15. Jahrhunderts in die Schweiz zurück und wurde 1489 – nachdem er sich bereits 1485

vergeblich um die gleiche Stelle in Bern beworben hatte – in Zürich zum Stadtarzt berufen. Bekannt ist auch, dass Türst als Astrologe für die Mailänder Adels­familie Sforza arbeitete und 1499 eine Anstellung als Leibarzt von Maximilian I. von Habsburg erhielt. Wahrscheinlich 1503 kehrte Türst nach Zürich zurück, wo er am 18. August desselben Jahres verstarb. Konrad Türst ist heute vor allem als Zeichner einer der berühmtesten Karten der Schweiz bekannt: Zwischen 1495 und wohl 1497 schuf er ein Werk über die 10-örtige Eidgenossenschaft, das er dem Berner Schultheiss Rudolf von Erlach (1448 bis 1507) widmete und als Handschrift in einer latei­nischen und einer deutschen Version veröffentlichte. Je eine Ausgabe in den

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beiden Sprachen enthielt eine gezeichnete Karte, die für heutige Betrachter unüblich, da südorientiert ist. Abgesehen davon zeigt sie in auch heute nachvollziehbarer, da stilisierter Art die Hügel, Berge und Flüsse der damaligen Schweiz und ihre Städte in Form von miniaturisierten, vereinfachten Ansichten. Bei Türsts Werk handelt es sich um eine der ältesten bekannten Karten, die das Gebiet der Schweiz detailliert darstellt. (phb) PHŒNIX zeigt an dieser Stelle gemeinsam mit der Abteilung Karten und Panoramen der Zentralbibliothek Zürich (Leitung Jost Schmid-Lanter) spezielles Kartenmaterial: In dieser Ausgabe eine Darstellung der 10-örtigen Schweiz, die vom Zürcher Arzt und Wissenschafter Konrad Türst zwischen 1495 und wohl 1497 gezeichnet wurde.

Bildquelle: Türst, Konrad: De situ confoederatorum descriptio (1495 / 97?), Zentralbibliothek Zürich / Textquelle: Wikipedia

KONRAD TÜRST, «DE SITU CONFOEDERATORUM DESCRIPTIO – BESCHRIBUNG GEMEINER EYDGNOSSCHAFT» (1495 BIS 1497)


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DAS MANUFAKT #09 ORNAMENT Quelle: wikipedia.org, «Ornamentum», Werner Oechslin

Ein Ornament ist ein sich meist wiederholendes, oft abstraktes oder abstrahiertes Muster mit für sich genommen symbolischer Funktion. Je nach Kulturkreis und Jahrhundert changierte es zwischen abstrakten und naturalistischen Darstellungen. Anders als im Kunsthandwerk, wo es als einzelnes Schmuckmotiv Bestandteil der Dekoration ist, verschwand das Ornament in der Architektur seit Adolf Loos' Schrift «Ornament und Verbrechen» (1908) fast vollständig als Gestaltungsmittel aus dem Bewusstsein der Architekten. Mit der digitalen Revolution könnte dem Ornament jedoch eine erneute Blüte bevorstehen, die sich bereits latent in der jungen zeitgenössischen

Schweizer Architekturproduktion abzeichnet. Wenn das Trägermedium oder die Fertigungstechnik nämlich wechseln, dann entwickeln sich auch die Motive weiter. Mit dem Masswerk hat sich im mittelalterlichen Europa die wichtigste Ornament-Gattung der Gotik herausgebildet. Als Architekturelement wurde es zur Gliederung und statischen Bewältigung grosser Glasfensterflächen nützlich. Wenn man also Leon Battista Alberti glauben möchte, dann ist das Ornament für die Architektur mehr als blosse Verzierung. Sondern erst mit ihm wird das Ganze eines Bauwerks bzw. Raumes erfüllt und bringt es zum intendierten Zweck zu Ende. (nka)

DER VOLKSMUND #09 «VILLA TURQUE»

Werner Huthmacher, Berlin

Ihren Namen erhielt die Villa wohl wegen ihres orientalischen Stils, der u. a. durch die Verbindung von verputzten Wand­ flächen und ockerfarbenen Backstein­arbeiten entstand. In La Chaux-de-Fonds 1912 für den Uhren-Industriellen Anatole Schwob erbaut, wird die «Villa Turque» gern als Gesellenstück Le Corbusiers gesehen: Noch im alten Stil erbaut, enthält sie dennoch Merkmale der «Fünf Punkte zu einer neuen Architektur», womit er später die moderne Architektur prägen sollte.

Literatur

The Swiss – Fotografien von Christian Nilson Der Schwede Christian Nilson lebt seit gut 13 Jahren in der Schweiz, ist mit einer Schweizerin verheiratet, seine Tochter kam hier zur Welt. Über die Fotografie versucht er seit einiger Zeit, sich seiner neuen Heimat anzunähern. Nilson besuchte Veranstaltungen und Orte – typisch schweizerische ebenso wie multikulturelle – und nahm Traditionelles und Innovatives, Bürgerliches und Schräges, Allgemeinverständliches und Spezielles auf.

Bewährt

Architekturführer

American Dream

Zehn Jahre nach Andri Pols Buch «Grüezi. Selt­sames aus dem Heidiland» porträtiert ein «Zugezogener» die Schweiz. Mit liebevollem Blick, nie von oben herab, aber bisweilen mit Augenzwinkern zeigt Nilson ein Land, das zwischen Verschlossenheit und Offenheit, zwischen Tradition und Fortschritt oszilliert – seine neue Heimat.

Der deutsche Architekt Johannes Kottjé widmet sich in seinem Buch «Moderne Häuser in regionaler Tradition» bewährten, vertrauten Bauformen, die durch Umbauprojekte neu interpretiert und um einen zeitgemässen Komfort erweitert wurden.

ISBN 978-3-85881-52-3

ISBN 978-3-421-03953-8

ISBN 978-3-86922-448-0

ISBN 978-3-03860-002-2

CHF 49.00

CHF 65.00

CHF 46.40

CHF 49.00 (E)

www.scheidegger-spiess.ch

www.randomhouse.de

www.dom-publishers.com

www.park-books.com

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Mit der Ausrufung der Republik Türkei 1923 wurde Ankara auf die politische Weltbühne katapultiert: Im planmässigen Ausbau der einst kleinen Stadt sollten sich das junge Staatswesen und die Gesellschafts­ reform von Kemal Atatürk manifestieren.

Das Buch «Atlas of Another America» von Keith Krumwiede widmet sich dem Statussymbol des American Dream, dem suburbanen Einfamilienhaus. Mit der ökonomischen und ökologischen Krise ist das «Massenprodukt» Einfamilienhaus in die Kritik geraten.


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Ein Stück Heimat Es gibt sie in jeder Stadt: Einzelne Strassen mit ihren exotischen Läden; oder ganze Quartiere, in denen man sich in der Fremde fühlt. Für viele Migranten bedeuten sie ein Stück Heimat. Text: Christina Horisberger  Bilder: Tanya Hasler

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o gehst du hin, wenn du das Gefühl von Heimat erleben willst? – Die Antworten der Freundinnen und Freunde fallen unter­ schiedlich aus. «Wenn ich Heimat haben will, muss ich nur in die Ankunftshalle am Flughafen und auf einen Flug aus Palermo warten. Sobald sich die Türen öffnen, hört man überall Sizilianisch, ein Stimmen­ gewirr, das sich wie Heimat anfühlt», meint eine sizi­ lianische Freundin. Geboren ist sie in der Schweiz, hat die Volksschule und die italienische Scuola media besucht, eine Seconda mit bester Ausbildung. Und doch, über Weihnachten essen wir Panet­ tone aus dem Tessin mit Kandisfrüchten – wie aus Sizilien. «Nicht alles machen sie gut, die Sizilianer. Aber auf das, was sie wirklich können, bin ich stolz.»

Und schon sind wir bei der Esskultur! Sind bei der Sprache und nach Heimat klingenden Namen! Bei Geschmacksnoten und Verpackungen. Natürlich hätten wir auf ihren Rat auch an den Flughafen fahren können, wo «Heimat» mit den automatischen Schiebetüren in kleinen Flutwellen in die Halle schwappt, langsam verebbt und eine Viertelstunde später von einer weiteren Welle aus einem anderen Land ersetzt wird. Heimat! Das sind aber auch die vielen Läden, Shops, Take-aways und Restaurants, die in urbanen Zentren ganze Strassenzüge, ganze Quartiere prägen; oder manchmal auch ganz versteckt liegen, einem Geheimtipp gleich und ein kleines Stück fremde oder eben – eigene – Kultur vermitteln. Das «Anders-

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African Queen Coiffure «Ich mache Kultur», sagt Mimi Tchan­tcho. Schon seit mehr als 20 Jahren führt die Kamerunerin ihren Laden an der Klingen­strasse im Zürcher Kreis 5. Mit Kultur meint Mimi Tchantcho das Verschmelzen beider Welten, der europäischen und der afrikanischen. «Dreadlocks können schon mal 12 Stunden dauern. Dann wird bei mir wie in Afrika geredet, gegessen, getanzt.» Exotik und Heimatgefühle, die findet man bei «African Queen», wie Mimi Tchan­tchos Laden heisst.


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Lian-HuSupermarkt Asiatische Lebensmittel, gestapelte Reissäcke, Sojasauce in 5-LiterKanistern, reihenweise exotische Gewürzmischungen. Die asiatische Exotik ist fast perfekt, wären da nicht die orangefarbenen Preis­ kleber, die an unsere Schweizer Genossenschaftsläden Volg erinnern. Im Lian Hu kaufen Asiatinnen und Asiaten aus vielen Ländern ein, weil hier diejenigen Produkte zu finden sind, wie sie auch die Mutter in der traditionellen Küche verwendet. «Sweet-HomeFeeling» nennt es der Geschäftsführer des Lian-Hu.

artige» kündigt sich unsereins schon von der Strasse aus an: mit den Schildern und Fotoplakaten in anderen Schriftzeichen, einer anderen Bildsprache, den auf­ gestapelten – sofern erlaubt – Früchten und südlän­ dischen Gemüsen. Im Winter liegen Tücher auf der Catalogna, den Okra-Schoten, die es das ganze Jahr über gibt, da unverzichtbar für die jeweilige Küche.

Sweet Home «Hier findet man alle Produkte und Zutaten, wie sie auch Mutter in der Küche verwendet – das ‹Sweet Home-Feeling›, sagt nicht ohne Stol der Geschäfts­ führer des Asia Shops an der Zürcher Birmensdorfer­ strasse. In der winterlichen Kälte winken die Porzellankatzen mit ihrer Pfote meditativ durch die matten Schaufenster. Kaltes Deckenlicht, grauer No­ vilon-Boden: Die Innenarchitektur mit ihren Draht­ gestellen und der kalten Deckenbeleuchtung zeigt sich mit unterkühltem Charme. Doch ist man erst mal drin, taucht man als «Hiesige» ein in diese exotische Welt mit Sojasauce, reihenweise in 5-Liter-Kanistern, unzähligen Sorten Nissan-Suppen, fremden Gemüse­ sorten, tiefgefrorenen Meeresfrüchten.

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Und im Kleinangebot gibt es hier alles, was für Asiatinnen und Asiaten Heimatgefühl verspricht: vom Dampfkörbchen in unterschiedlichsten Grössen bis zum Haarspray. «Es sieht hier manchmal eher wie in einer Lagerhalle als wie in einem gepflegten Food-Shop aus», entschuldigt sich der Geschäfts­ führer. Mit den immer einfacheren Import- und Transportmöglichkeiten soll sich das ändern: weni­ ger gestapelte Lagerprodukte, mehr Frischware. Auf der Suche nach Exotik steht dies für den globalisierten Städter nicht im Vordergrund, ist aber verständlich aus der Sicht des Ladeninhabers: Man ist stolz auf die eigene (Ess-)Kultur, entsprechend attrak­ tiv will man sie präsentieren. Vor allem auch, weil nicht nur Asiatinnen und Asiaten auf der Suche nach dem «Eigenen», sondern auch immer mehr Europäer hier einkaufen, mal dies und jenes probieren und mit der Zeit das Sortiment besser kennen.

Welschland Alle Orte, die wir in Zürich besucht haben und die unsere Fotografin Tanya Hasler porträtiert hat, verbindet für Migrantinnen und Migranten das


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FORUM Versprechen, ein Stück Heimat anzutreffen, sich auf Gewohntes verlassen zu können: eine vertraute Sprache, Düfte, Verpackungen, Ingredienzen und Musik. Auch Musik ist wichtig. Für die Diaspora sind es Orte, wo keine Übersetzungsleistung nötig ist, kein Kulturtransfer. Hier müssen keine Erklärungen abgegeben werden. Das gilt umgekehrt aber auch für den Quartier- und Spezialitätenladen «Welschland», der für sein Fondue weit über die Kantonsgrenze hinaus berühmt ist. Hier versteht man sich in der Liebe zu kleinen Manufakturen von Käse und Wurst aus der welschen Schweiz, dem Wissen um das Woher und Wie. Heimatkultur über den Röstigraben hinweg.

Klein Istanbul Läden wie «Welschland» liegen ebenso im Trend wie die Exotik ausländischer Lebenmittelläden. So findet sich in den Zürcher Stadtkreisen 3, 4 und 5 der vertraute kleine und gehobene Quartierladen mit

Selbst­verständlichkeit in der Nähe des «Türken» und «Italieners». Fremd und unbehaglich fühlen sich Besucherinnen und Besucher aus Agglomeration und vom Land vielleicht noch an der Langstrasse, weil hier das Fremdartige und (noch) etwas Ungepflegte überwiegt, was gleichgesetzt wird mit dem Un­­be­ hagen fremden Kulturen – früher dem dortigen Sexgewerbe – gegenüber. Doch Zürich ist in dieser Hinsicht ein «Dorf». In Berlin sind es ganze Stadtteile wie Kreuzberg, die sich in «fremden Händen» befinden. In Kreuzberg lebt weit über ein Drittel aller Berliner Türken. Da hier nicht selten verschwommene Vorurteile von «Kebab, Kriminalität und gegenseitigem Misstrauen» (Quelle: www.welt.de) festgemacht werden, bieten die Ber­ liner Verkehrsbetriebe seit einigen Jahren «Klein-­ Istanbul-Touren» für Neugierige an. Denn Minarette, Dampfbäder und Teestuben sind seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil von Kreuzberg.

« ‹Welschland› ist ein Spezialitätenladen für Produkte aus der welschen Schweiz, aber auch ein beliebter Quartiertreff. Es macht Spass,

«Welschland» ist schon seit Jahren legendär für sein Fondue, das immer frisch von den Käselaiben im Kühlregal geschnitten und geraffelt wird; selbstver­ständlich «moitié-moitié». Überraschend sind auch die Öffnungszeiten von Montag bis Samstag, von 9 bis 21 Uhr. «Welschland» ist auch ein Quartiertreff für die Bewohnerinnen und Bewohner und die Kreativszene, wo man sich noch nach dem offiziellen Ladenschluss mit einem Käsplättli und frischem Bio­gemüse versorgen kann.

hier zu arbeiten. Es bleibt immer Zeit für einen kurzen oder längeren Schwatz.» Carolina von «Welschland»

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Little Italy ...

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entsprach das heruntergekommene Image noch der Realität. So hatten auch Epidemien wie Tuberkulose starke Auswirkungen. Und auch das organisierte Verbrechen – in Little Italy die Mafia und die Cosa Nostra – hatten grossen Zulauf. Mit den sozialen Aufstiegsmöglichkeiten bis Mitte des 20. Jahrhunderts lösten sich in New York die ethnischen Viertel wie Little Italy langsam auf. An die Geschichte des Italo-Viertels erinnert heute noch die «Festa di San Gennaro», ein grosses Fest, das in der Mullberry und der Grand Street jedes Jahr am 19. September abgehalten wird. Und die New Yorker schätzen das italienische Viertel vor allem wegen des preiswerten italienischen Essens. (Quelle: Wikipedia). Wiederum ist es das kulina­

Zu jedem ersten London- oder New York-Trip gehört der Besuch von Chinatown. Andere exotische Stadtteile, so aufregend und bunt sie den Besuchern auch immer erscheinen, haben historisch allerdings auch ihre Schattenseite. Sie entstanden aus Armut oder aufgrund von Gettoisierung. In New York waren die italienischen Einwanderer im 19. Jahrhundert auf günstigen Wohnraum angewiesen. In Little Italy in Manhattan lebten damals an die 40 000 Italiener in zumeist schmuddeligen Mietshäusern, die 17 Blocks rund um die Mulburry Street umfassten. Die Häuser waren derart dicht aneinandergebaut, dass untere Stockwerke kaum Licht bekamen. Dieses Bild wird heute manchmal noch auf neu entstehende Migrations-Quartiere übertragen.

EGE-Import/Export 40 Jahre lang gab es den «Türkenladen» von Erol Kutlu an der Josefstrasse im Kreis 5 in Zürich; bis die Verwaltung der Liegenschaft dem traditionsreichen Lebensmittelladen kündigte. Mit der Aufwertung von Zürich West scheinen «Türkenläden» mit ihrem Frisch­ gemüse vor der Tür offensichtlich nicht mehr ins Konzept zu passen. EGE ist für die muslimische Bevölkerung bekannt für sein Halal-Fleisch wie auch für das backfrische Fladenbrot.

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rische Erbe, das als «Erinnerung» an eine einst lebendige Kultur im Quartier bestehen bleibt.

... und Chinatown Historisch bedeutsam ist die Entstehung der Chinatowns in den grossen Metropolen wie New York oder San Francisco – im Spannungsfeld von Ausbeutung und Stigmatisierungen. Mitte des 19. Jahrhunderts führte der kalifornische Goldrausch zu einem ersten chinesisch-amerikanischen Migrationsschub. Auch für den Bau der transkontinentalen Eisenbahn und zum Aufbau der kalifornischen Landwirtschaft und Fischerei leisteten die Chinesen einen wichtigen Beitrag. Ausgelöst worden war der Migrationsschub einerseits durch die chinesisch-amerikanischen Seehandelsbeziehungen als Folge des von China verlo­ renen Ersten Opiumkrieges (1840 – 1842). Die Lage und Massenarmut durch den Zweiten Opiumkrieg (1856 – 1860) führte zu einer zweiten Massenauswanderung, die sich anfänglich auf den südostasiatischen Raum beschränkte, sich mit dem

Goldrausch weiter auf Amerika ausdehnte. Die Mehrzahl der chinesischen Migranten waren Bauern und Handwerker, die ihre Frauen und Kinder im Heimatland zurückliessen. Und sie hatten stark unter dem Rassismus der europäischstämmigen Bevölkerung zu leiden, der in den 1870er-Jahren in Massakern und der Zwangsansiedlung der chinesischen Einwanderer in Chinatowns gipfelte. Verschärft wurde der Konflikt 1882 durch den Chinese Exclusion Act: Die Neu-Einwanderung wurde darin für mehr als 60 Jahre verboten, was einen Familiennachzug verunmöglichte. Vor dem Hintergrund der aktuellen Einreisesperre für Angehörige aus sieben vorwiegend muslimischen Ländern, initiiert durch Trump-Berater Stephen Bannon, ist dies ein Thema von aktueller politischer Brisanz. Von den mehr als 3,3 Millionen Chinesen, die heute in Amerika leben, gehören übrigens die meisten der Mittelschicht an, und sie sind gut integriert. Sie sind ebenso wie andere Einwanderer ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. 

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Pasticceria Caredda Die stadtbekannte italienische Patisserie an der Josefstrasse im Kreis 5 in Zürich fällt Fremden zunächst durch die sizilianischen Marzipanfrüchte in dem einen und die riesigen Hochzeitstorten im anderen Schaufenster auf. Die Hochburg der süssen Köstlichkeiten, die man hinter den geschwungenen Glasvitrinen findet – und sich kaum entscheiden kann –, ist Neapel.


Bild oben Auch Zeugen der Industrialisierung stehen unter Schutz. Ein interessantes Beispiel ist das Sulzer-Areal in Winterthur. Es wird mit einer Langzeitstrategie in Etappen umgenutzt. Bild unten Der Schutz der historisch relevanten und vertrauten Orts­bilder beschränkt sich nicht auf klassische «Post­kartenSujets» wie die Schellen­ursliGemeinde Guarda im Engadin.

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Bitte nicht stören! Heimat ist ein Erbe. Diese Sichtweise ist in die Verfassung und das Gesetzeswerk der Schweiz eingeschrieben, ebenso die Meinung, dass das Erbe schutzbedürftig ist. Inventare wie das ISOS weisen die Schutzbedürftigkeit rechtsverbindlich aus. Text: Manuel Pestalozzi  Bilder: Schweizer Heimatschutz

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nd wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute ... Mit diesem Schlusssatz wird manches Happy End in Märchen besiegelt. Alles ist gut, und es soll möglichst lange so bleiben – wenn nicht ewig. Diese fantastische Vorstellung wird auch auf eine Idealvorstellung der Heimat übertragen: Sie wurde einst schön und stimmig hergerichtet. Wir Erbinnen und Erben müssen dafür kämpfen, dass es so bleibt. Mit diesem Ziel wurde in der Schweiz 1962 der Naturund Heimatschutz in der Bundesverfassung verankert, vier Jahre später gab es ein Gesetz dazu.

Mentalität einer Epoche Die Bemühungen, historische Bauten zu erhalten, ist natürlich viel älter. Schon im 19. Jahrhundert gab es in unseren Breiten ein aufgeklärtes Bürgertum, das den Wert historischer Bausubstanz erkannte. Es war sich bewusst, dass diese Identität stiftet und somit das Bild der Heimat mitprägt. Lange standen allerdings Landmarken im Vordergrund: Kirchen, Schlösser, Burgen oder Klöster. In den Boom-Jahren der Hochkonjunktur veränderten sich weite Teile des Siedlungsgebietes der Schweiz dramatisch. Grosse Infrastrukturbauten entstanden, auch kleinere Ortschaften erlebten einen Massstabssprung bei neueren Bauvorhaben und im Vergleich mit dem Hergebrachten arge Stilbrüche. Der Wunsch, erst mal «aufzuräumen» und eine Tabula rasa zu schaffen für eine moderne, bessere und effizientere Welt, war weit verbreitet. Symptomatisch zeigen dies einige Filme des französischen Komikers Jacques Tati. Gegen diese Vorgänge regte sich Protest. Verlustängste nahmen in der Bevölkerung ebenso zu wie die Bedenken gegen den blinden Fortschrittsglauben. Aus dieser eher defensiv orientierten Gemütslage wuchs der Wunsch, nicht nur die «Edelsteine» im Siedlungsgefüge vor Zerfall und Zerstörung zu retten, sondern auch den «Kitt», also traditionelle Landschaftsräume und Ortsgefüge.

Die Epoche direkt vor dem Erdöl­schock 1973 war die Geburtsstunde der heutigen Denkmalschutzmentalität. Aus ihr leitet sich ein umfassender, sich über ganze Flächen erstreckender Schutz der Spuren historischer Siedlungsaktivitäten her. Obwohl eher selten ausgesprochen, ist es doch auch klar, wer die Feinde sind, die diese aktiven Schutzbemühungen nötig machen: Die rationalen, technisch orientierten, oft vom Gewinnstreben befeuerten Kräfte der Gesellschaft und deren Ignoranz in kulturellen und kunsthistorischen Belangen.

ISOS und die Deutungshoheit Das Inventar schützenswerter Ortsbilder von nationaler Bedeutung der Schweiz (ISOS) ist ein Stein im Mosaik der Schutzbemühungen, an dem sich in unserem föderalistischen Staat verschiedene Ebenen und Instanzen beteiligen. Es ist aufgrund verschiedener Streitfälle in den vergangenen Jahren aus seinem Schattendasein getreten. Aktuell steht die Frage im Raum, ob das ISOS der aktuell energisch betriebenen, vom neuen Raumplanungsgesetz geforderten Verdichtung nach innen Hindernisse in den Weg legt. Aufgrund der neu gewonnen Aktualität dieses Inventars veranstalteten der Schweizer Heimatschutz SHS, die Vereinigung für Landesplanung VLP-ASPAN und das Bundesamt für Kultur BAK am 24. Januar 2017 in Aarau eine Tagung, die das Verhältnis des ISOS zu Verdichtungsprojekten darlegte. Die Veranstaltung war ausgebucht, rund 200 Anmeldungen konnten nicht mehr berücksichtigt werden. Offenbar brennt das Thema vielen unter den Nägeln. Die Organisatoren hatten mehr oder weniger ein Heimspiel: Das Publikum bestand grösstenteils aus Personen, die in Planungsbehörden oder Unternehmen tätig sind und die eingangs erwähnte Mentalität nicht grundsätzlich infrage stellen. Das ISOS startete 1972 / 73: Unter der Führung der jungen Architektin Sibylle Heusser wurde eine Wertungs-Me­thodik entwickelt. Sie besteht aus Klassifizierungs- und

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Kategorisierungskriterien, die auf klar zu umgrenzende Flächen angewendet werden. Dieses Grundgerüst wurde seither auf rund 6000 Ortsbilder im ganzen Land angewendet. Das ISOS enthält allerdings nur ca. 1300 von ihnen, jene nämlich, welche die Klassifizierung «von nationaler Bedeutung» verdienen. Sie sind übers Internet via www.isos.ch abrufbar. Die Erstellung des Inventars erfolgt durch ein Fachgremium, das durch sein fundiertes historisches und kunstgeschichtliches Wissen legitimiert ist. Das amtlich besiegelte «Heimatbild» zeigt sich als Top-Down-Angelegenheit in der Tradition des eingangs erwähnten aufgeklärten Bürgertums. Dies garantiert eine wissenschaftlich exakte Begründung getroffener Schutzentscheide. Das ISOS besitzt eine gewisse Dynamik, die an der Tagung allerdings kein Thema war. Vom Kanton Zürich ist bekannt, dass das ISOS im vergangenen Jahr angepasst wurde. Dabei kam es auch zu Entlassungen aus dem Inventar.

Gefangen in der Gegenwart Heimatschutz bedeutet eine Kollision von Wissenschaft, Politik und Sentimentalität. Das ISOS kann bei diesen Zusammenstössen eine wirkungsvolle Waffe sein. Eingesetzt wird sie weniger von Heimatschutzkreisen als von Privaten. Der Fall Rüti ZH ist dafür exemplarisch: Ein Anwohner protestierte gegen ein Überbauungsprojekt im Zentrum des Ortes, insbesondere gegen ein siebengeschossiges Wohnhochhaus. Rüti ist im ISOS als «verstädtertes Dorf» eingetragen, der Standort zählt zur Aufnahmekategorie AB, das heisst ursprüngliche Substanz und Struktur, und hat das Erhaltungsziel A, das heisst: alle Bauten, Anlageteile und Freiräume integral erhalten, störende Eingriffe beseitigen. Das Argument, dass das Projekt nicht den

Der Ortsbildschutz des historischen Städtchens Sempach im Luzerner Hinterland wurde dieses Jahr mit dem Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes ausgezeichnet. In einer steten Auseinandersetzung bemüht sich die Gemeinde, Bauprojekte ortsverträglich zu machen. Das hier gezeigte Resultat befindet sich im Bereich der alten Stadtmauern Sempachs.

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Vorgaben des ISOS entspricht, wurde vom Bundesgericht in diesem Fall gutgeheissen. Die Investoren mussten nochmals über die Pläne und ersetzten das Hochhaus durch zwei Neubauten, die sich in Grösse und Gestalt der Umgebung anpassen. Ein Bau, der abgerissen werden sollte, blieb stehen, statt des ursprünglich geplanten Parkplatzes entstand eine grosse Tiefgarage. Das korrigierte Projekt ist nun fertiggestellt. Rüti bleibt Rüti, kann man dazu sagen. An der Tagung wurde diese Wirkung des ISOS natürlich positiv gewürdigt. Auch die Investoren hatten in diesem konkreten Fall ein Einsehen und erklären sich heute froh darüber, dass die via Bundesgericht erzwungene Korrektur vorgenommen wurde. Das Beispiel zeigte vor allem das, was auch in weiteren Beiträgen des Anlasses zum Ausdruck kam: Der gesammelte und geordnete Wissensschatz des ISOS sollte für Leute, die Projekte planen, Pflichtlektüre sein. Es stellt diesen Menschen die «patriotische Aufgabe», sich mit dem Bestand, seinem Wesen und seiner Morphologie auseinanderzusetzen. Die Rede war in Aarau von einem Hilfsmittel, das gerade bei Verdichtungsprojekten dazu beitragen kann, die Entwicklung in erträgliche Bahnen zu lenken. Trotz diesem vorsichtig positiven Fazit bleibt ein leicht mulmiges Gefühl zurück. Ist die Heimat ein Bild? Kann man Zustände in der Siedlungslandschaft teilweise «einfrieren», obwohl sich die ökonomischen und soziologischen Bedingungen, die sie einst schufen, fundamental geändert haben? Auch Wissenschafterinnen und Wissenschafter, die für die gewissenhafte, harte Arbeit am Schutz der Heimat Respekt verdienen, müssen sich diesen Fragen stellen – und sich eingestehen, dass auch sie gefangen sind in der Gegenwart. 


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Schweizweite Vielfalt Der internationale Ruf der Schweizer Architektur wird noch immer stark mit dem Begriff des «Minimalismus» in Verbindung gebracht. Doch die Realität spricht eine ganz andere Sprache – ein Interview mit S AM-Direktor Andreas Ruby in Basel. Interview: Nadine Kahnt

Bilder: Tom Bisig, Joël Tettamanti, Mark Niedermann


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Bilder (4): Tom Bisig

Herr Ruby, Sie sagen, das Bild der Schweizer Architektur sei international noch immer sehr stark von den 1990er-Jahren geprägt? Im Vergleich zu anderen Architekturen Europas ist das aktuelle Image der Schweizer Architektur noch stark von ihrer Vergangenheit ge­prägt. Die «Swiss Box» machte die hiesige Architekturszene in den 1990-Jahren mit einem Schlag weltberühmt. Und sie gilt zumindest im Ausland als repräsenta­tiver Ausdruck der Schweizer Architektur. Die internationale (und zum Teil auch lokale) Wahrnehmung von Schweizer Architektur befindet sich in einer Art kulturellem Jetlag. Welche Entwicklung hat die Schweizer Architekturproduktion genommen? Die Schweizer Architektur hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten spürbar über ihr Klischee der «Swiss Box» hinaus entwickelt. In unserer Ausstellung «Schweizweit», die wir derzeit im Architekturmuseum in Basel zeigen, wird das sehr deutlich. Viele Projekte wenden sich bewusst vom Prinzip der «Swiss Box» ab, die fremd in ihrer Umgebung steht und mit ihrem Kontext vor allem über seine Ablehnung kommuniziert. An ihre Stelle ist eine architekto­ nische Vielsprachigkeit getreten.

Ich beobachte mit Interesse, dass junge Schweizer Architekten immer weniger mit einem vorgefassten architektonischen Identitätsverständnis arbeiten, das sie an einem Ort einfach nur deponieren würden. Vielmehr nähern sie sich jeder Situation auf unterschiedliche Art und Weise. Sie suchen nach dem, was dieser am meisten fehlt. Zudem offenbart die Ausstellung, dass sich ganz viele junge Architektinnen und Architekten mit «Bauen im Bestand» auseinandersetzen und als grosse Inspirationsquelle verstehen. Dort können sie sich an einer Geschichte, einem vorgefundenen Material – also einer sinnlich und inhaltlich definierten Situation – reiben. Dabei geht es ihnen nicht darum, das Vorgefundene wortwörtlich fortzusetzen. Vielmehr wollen sie es verfremden, überschreiben und damit spielen. Die Unmöglichkeit, die derzeitige Schweizer Architekturproduktion auf einen einzigen Begriff zu reduzieren, ist inspirierend und spricht für die Vitalität der Szene.

Woher, glauben Sie, kommt dieser Sinneswandel? Es hat sicher damit zu tun, dass sich die jüngere Generation zunehmend kritisch mit ihren Vorbildern und

In der Ausstellung offenbart sich auf einer 22 Meter langen Projektionsfläche eine Art «Panorama der Differenzen». Durch einen Algorithmus bestimmt, verändert sich immer genau eines der gezeigten Bilder. So kann jeder Besucher ein Projekt in Relation zum anderen betrachten.

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dem «Branding» der 1990er-Jahre auseinandersetzt. Einerseits profitieren sie von der Aufbauleistung der vorangegangenen Generation. Andererseits suchen sie natürlich auch eigene Antworten und Wege und wollen sich nicht nur in das gemachte Nest setzen. Ausserdem schreiben sich ihre Biografien anders als früher, denn sehr viele studieren inzwischen nicht mehr nur in der Schweiz, sondern gehen auch für einige Zeit ins Ausland. Dadurch entwickeln sie ein Interesse gegenüber anderen Herangehensweisen. Das heimische Umfeld ist zwar noch wichtig, aber es ist nicht mehr der einzige Referenzkontext.

Inwieweit könnte auch Ihr eigenes Fremdsein zur Öffnung des schweizweiten Architekturdiskurses beitragen? Die Ausstellung soll als Fundament dienen, um einen weitergehenden Diskurs aufzubauen. Dabei ist mir der Luxus des Fremdseins von Vorteil, weil ich als von aussen Kommender gleichzeitig und relativ vorurteilsfrei auf alles schauen kann, ohne dass ich eine Strömung bevorteilen würde. Ich kann mich also relativ unvorbelastet heran­ tasten und mich mit der ganzen Schweiz gleichermassen intensiv beschäf­tigen.


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«Die Architektur kann vielleicht einen Beitrag dazu leisten, die Angst vor dem Verlust der eigenen Identität zu verlieren.

Sie haben die 162 aus­gewählten Architekten stark in den kuratorischen Prozess der Ausstellung einbezogen. Wie muss man sich das vorstellen? Der Ausstellung ging ein sehr intensiver dialogischer Prozess mit den Architektinnen und Architekten voraus. Mit drei von uns eingefor­ derten Bildern haben uns die Büros eine Art Selbstauskunft über ihre Denkweise geliefert. Im ersten Bild zeigen sie jeweils ein eigenes Projekt. Im zweiten Bild präsentieren sie ein in der Schweiz gebautes oder ungebautes Projekt eines anderen Architekturbüros. Das ist für uns ein wichtiger Aspekt, weil wir wissen wollten, wie sich die Architekten untereinan­ der wahrnehmen und was für ein Wertekanon aus diesen Nomina­ tionen abgeleitet werden kann. Im dritten und letzten Bild sollten sie ein Beispiel der vernakulären Architektur in der Schweiz aus­ wählen, das sie in ihrer architektoni­ schen Arbeit inspiriert. Diese Selbsteinschätzung war für viele Architektinnen und Architekten erst einmal eine unge­ wöhnliche Aufgabe, weil sie norma­ lerweise daran gewöhnt sind, von anderen eingeschätzt zu werden.

Verzerrt es nicht die Wahrnehmung, wenn rein schweizerische Referenzen gefragt werden, obwohl andere Einflüsse offensichtlich sind? Es ist eine Fokussierung. Natürlich holen sich Architekten ihre Referen­ zen auch aus einem internationalen Kontext, aber das war nicht das Thema dieser Ausstellung. Wir wollten mit dieser Ausstellung einen aktuellen Atlas der Architektur in der Schweiz herstellen, weil es den so im Moment nicht gibt. Deswegen wollten wir wissen, wie die Archi­ tekten den Schweizer Kontext einschätzen, was sie an der hiesigen Bauproduktion für wichtig und relevant halten und wie sie aus dem hier Gebauten ihre eigenen Beiträge entwickeln. Dabei wurde unter anderem deutlich, dass für die jüngeren Schweizer Architektinnen und Architekten die Produktion einer Handschrift, mit der ein Projekt immer seine Autorenschaft kommuniziert, keine Priorität mehr hat. Vielmehr richten sie ihre Pro­ jekte so aus, dass sie auf die Beson­ derheiten einer Situation auch besonders reagieren. Sie haben rea­lisiert, dass die Logik des Bran­ dings mit ihrem Überschuss an sich wiederholenden Marken zu einer Verarmung der gebauten Umwelt führt. Hier kann die zeitgenössische

Und zum Schluss: Was verbindet die Ausstellung «Schweizweit» mit dem Begriff «Heimat»? Der Begriff «Heimat» ist wieder sehr aktuell. Interessant ist er deshalb, weil es relativ schwierig ist, ihn eindeutig zu definieren. Max Frisch hat 1971 während seines USA-Auf­ enthaltes einen Fragebogen entwor­ fen, bei dessen Beantwortung man sich immer mehr in Widersprüche verwickelt. Je mehr Fragen man beantwortet, desto deutlicher wird, dass sich dieser Begriff nicht ein­ deutig beantworten lässt. In der Schweiz muss man nur zwei Stunden mit dem Zug fahren, und schon ändern sich Sprache, Landschaft, Gesten, Küche und eben auch die Architektur. Und vielleicht ist diese permanente Modulation von kultu­ rellen Differenzen das eigentliche Identitätsprinzip der Schweiz.  Andreas Ruby ist seit Mai 2016 Direktor des Schweizerischen Architekturmuseums S AM in Basel. Die Ausstellung ist dort bis zum 7. Mai 2017 zu sehen: www.sam-basel.org

Bild: Joël Tettamanti

Sie kann

Architektur als kritisches Dispositiv entgegenwirken, gerade in einem Land wie der Schweiz, die im Ver­ hältnis zu ihrer überschaubaren Grösse ein extrem hoch entwickeltes Differenzierungsbedürfnis hat.

kenntlich machen, dass jeder von uns auch mehrere Identitäten

Bild: Mark Niedermann

Bild oben Conversion Obstalden, lilitt bollinger studio Obstalden GL, 2016

haben kann: ‹Je est un

Bild links Forini house, Guidotti architetti, Monte Carasso TI, 2009 – 2010

autre›.» Andreas Ruby 34


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Heimat oder die letzte Talfahrt nach Oberdorf Ein Bild aus vergangenen Tagen: Die in den 1950er-Jahren erstellte Seilbahn Weissenstein im Kanton Solothurn wurde trotz Einwänden des BAK und des Heimatschutzes durch eine Gondelbahn ersetzt.

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FORUM Text: Walter Maffioletti  Bild: Keystone

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er Begriff «Heimat» verweist gemäss Wikipedia zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum und wird meistens auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem unter anderem Identität, Charakter, Einstellung und Weltauffassung geprägt werden. Heimat reimt sich auch auf Siedlung: In der Heimat fühlt sich der Mensch zu Hause. Ein einheitlicher Heimat-Begriff existiert aber nicht. Heimat ist formbar, dehnbar und vielfältig. Jede Person definiert, wie sie das Wort «Heimat» auslegt.

Der konkrete Heimat-Begriff Der Autor begibt sich aufs Glatteis und listet spontan in beliebiger Reihenfolge Elemente auf, die für ihn Teil des Heimat-Inventars sind: Kühe, Gotthard, Fondue, Uhren, Gigi von Arosa, Matterhorn, Schokolade, Demokratie, Ursula Andress, Swissair, Adolf Ogi, Bernhard Russi und Doris De Agostini. Nach kurzem Nachdenken erscheint ihm die Liste jedoch als Trugschluss: Kühe gibt es überall, Uhren und Schokolade werden auch im Ausland hergestellt und rühmen sich wie unsere nationale deutsche Fluggesellschaft als «Swiss». Auch der Glanz eines Gigi von Arosa oder einer Ursula Andress ist – wie derjenige der Swissair – längst verblasst. Und die Demokratie ist auch nicht mehr das, was sie früher einmal war. Somit beschränkt sich die Heimat des Autors auf Gotthard, Matterhorn, Adolf Ogi, Bernhard Russi und Doris De Agostini. Wobei die «Grande Dame» des Skizirkus, deren Glanz keine Einbusse erlitt, natürlich mit Kindheitserinnerungen verbunden ist an die Zeit, als die Schweiz noch Ski fuhr und die ganze Familie vor dem Fernseher in der Stube bei den De-Agostini-Abfahrten mitfieberte. An die­ sen Tagen wurde garantiert kein Risotto gekocht (man wusste ja nie genau, wann sie startet), und dank Doris war sogar erlaubt, was sonst verboten war: vor laufendem Fernseher auf der Couch das Mittag­essen einzunehmen. Heimatgefühle erweckt für einen in Airolo aufgewachsenen Buben aber auch ein eher exotisch anmutender Gipfel: Der Weissenstein ob Solothurn mit seinem historischen Sessellift: Beides entdeckte der Autor dank eines im Jura wohnhaften Onkels, der aber grossen Wert auf seine Tessiner Abstammung legte. Mit einer ähnlichen Liftanlage konfrontiert wurde der Bub übrigens auch auf dem Monte Lema, dies allerdings zusammen mit seiner Grossmutter. Sowohl der Monte-Lema- als auch der Weissenstein-Lift existieren heute nicht mehr in dieser Form: Beide wurden durch Gondelbahnen ersetzt, die den Charme eines Hotels in der Pariser Banlieue versprühen. Immerhin durfte der inzwischen gross gewordene Bub aber mehrmals mit dem alten Sessellift auf den Weissenstein

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hochfahren, bevor dieser in den heiligen Hallen des Bundesverwaltungsgerichts feierlich auf Talfahrt geschickt wurde (dies im Gegensatz zur alten Tessiner Anlage, die sang- und klanglos von der Bildfläche verschwand …). Kurzum, auch alte Sessellifte sind aus Sicht des Schreibenden unter «Heimat» zu subsumieren.

Die Talfahrt Eine Talfahrt setzt stets vorgängig eine Bergfahrt voraus. Der historische Sessellift im Solothurnischen startete von Oberdorf und führte in zwei Sektionen über eine Strecke von 2340 m zum Gipfel des Weissen­ steins, der 1977 ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von natio­naler Bedeutung aufgenommen wurde (aber mit seinen 1395 m ü. M. nicht viel höher ist als die hügeligen Hänge des Dorf-Skilifts in Airolo, auf denen Doris De Agostini ihre Skikarriere startete). Die Sesselbahn Weissenstein wurde im Jahr 1950 in Betrieb genommen und hob sich unter anderem auch durch die Kreuzung mit dem Tunnelportal der Eisenbahnlinie Solothurn – Moutier ab. 2009 wurde der Betrieb des Sesselliftes eingestellt, obwohl dessen historischer Wert eigentlich unbestritten war: Verschiedene Behörden, unter anderem das Bundesamt für Kultur, waren für den Erhalt dieses wichtigen Zeugen der Vergangenheit. Der Schweizer Heimatschutz setzte sich sogar gegen die Plangenehmigung zum Neubau einer Anlage und für den Erhalt des historischen Sessellifts ein. In seiner Rechtsschrift bemängelte er die Kompetenz und Unabhängigkeit des Bundesamts für Verkehr (das für eine neue Anlage war), die Unmöglichkeit der Erstellung einer voll­ ständigen Sicherheits-Analyse und der umfassenden Abklärung der notwendigen Sicherheits-Massnahmen. Für die Rettung des histo­ r ischen Sessellifts hatten die Rechtsgelehrten kein offenes Ohr. Auch die Meinung des Bundesamts für Kultur blieb unberücksichtigt. Interessant war die Tatsache, dass durch den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts der Bau einer Anlage wie die neu geplante Gondelbahn in ein geschütztes Gebiet ermöglicht wurde, obwohl verschiedene Instanzen (eidgenössische Fachkommissionen für Natur- und Heimatschutz sowie die Kommission für Denkmalschutz) das Vorhaben als kritisch eingestuft hatten. Was die Kommissionen als schwerwiegenden Eingriff einschätzten, beurteilte das Bundesverwaltungsgericht eben als leichten Eingriff. Glaubt man den Fach­leuten, scheint die höhere Gewichtung der Meinung des Bundesamts für Verkehr gegenüber der­ jenigen der Fachkommissionen durch die Rechtsgelehrten als praxisfremd. Umso spannender wäre es gewesen, wenn das


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FORUM Bundesgericht als oberste Instanz das letzte Wort über die Verabschiedung dieses wichtigen Stücks Heimat gehabt hätte. Dies wäre aber mit hohen Kosten und beträcht­lichem Zeitaufwand verbunden gewesen. Vermutlich deshalb hatte das Bundesverwaltungsgericht die Ehre, den einzigartigen historischen Sessellift, den der Autor als Kind entdeckt hatte und als Erwachsener zu schätzen lernte, auf die letzte Talfahrt zu schicken.

Tanya Hasler

Gedankenspiele

Walter Maffioletti

ist Rechtsanwalt und Mitglied der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS). Er spe­zialisierte sich an der Uni Freiburg auf Bau- und Immobilienrecht und ist beratend und prozessierend bei Vialex Rechts­anwälte in Zürich und Lugano tätig. Zudem wirkt er als Dozent und Referent an diversen Ausbildungs­ stätten und ist Mit­he­ rausgeber des Hand­­buchs zum Bauwesen.

Aus dem Sachverhalt Weissenstein geht hervor, dass Rechtsgelehrte und/oder das Recht (diese gehen nicht immer im Gleichschritt) auch über die Heimat das Sagen haben. Dies mögen die meisten Leser vermutlich bereits geahnt haben. Dennoch verursacht das Lesen des am Anfang aufgelisteten Heimat-Inventars, zumindest beim Schreibenden, ein mulmiges Gefühl: Der «Swissair» setzten die Gerichte ein Ende. Dass viele Produkte, die mit der Schweiz wenig zu tun haben, als schweizerisch bezeichnet beziehungsweise mit der Schweizerfahne versehen werden dürfen, ist umstrittenen Gesetzen zu verdanken. Und notorisch ist auch, dass die Demokratie manchmal widersprüch­liche und schwer anwendbare Gesetze gebiert, wie es uns unter anderem die Zweit­ wohnungsinitiative lehrt. Wenn das Heimat-Inventar etwas substanziiert wird, stösst man auf Konstellationen, die teilweise zum Himmel schreien. Hier eine kleine Auswahl, um den Lesern das Heimat-Gefühl zu verderben: Bündnerfleisch, auf der Packung hoch dekoriert mit einem echten Bündner (Stein-)Bock, hat die Möglichkeit, sich eine brasilianische Seele zu leisten: Das Fleisch darf tatsächlich aus Brasilien stammen. Oder wie wäre es mit echten schweizerischen Koffern eines die Heimat und deren Armee verkörpernden Messerherstellers, die in China gefertigt werden? Es gibt auch Produkte eines schweizerischen Premium-Outdoor-Ausrüsters, der über die Hälfte in China produziert und die andere Hälfte ebenfalls nicht in der Schweiz. Und um Gigi von Arosa nicht zu vergessen: Bis vor einigen Jahren stammte die offizielle Ausrüstung der Schweizer Skilehrer von einer Firma, die sich hoch­ trabend «Goldtest of Switzerland» nennt. Wo die Kleider produziert wurden, kann der Leser erraten. Immerhin war die Seele der Uniform (gemeint ist der Skilehrer), im Gegensatz zum Bündnerfleisch, nach schweizerischen Standards in der Schweiz ausgebildet. Somit handelte es sich doch nicht um eine Mogelpackung, denn es steckte ein Stück Heimat darin. 

Fazit Auch wenn der Begriff Heimat verwässert wird, auch wenn einige ihrer Grundpfeiler wegrationalisiert wer­ den, bleibt das Heimat-Gefühl oder zumindest dessen Kern erhalten. Der Platz des historischen Sessellifts auf den Weissenstein wurde von der neuen Gondelbahn nämlich nicht eingenommen. Auf Adolf Ogi folgten mehrere Bundesräte, aber ersetzt wurde er nie. Auch der Gotthard steht immer noch kräftig und mächtig da – ein Loch mehr oder weniger vermag daran nichts zu ändern. Auch das Matterhorn bleibt trotz höheren Erhebungen das Mass der Dinge. Und last but not least: Sowohl Bernhard Russi als auch Doris De Agostini werden als Botschafter der Heimat erhalten bleiben – trotz einigen hervorragenden Athleten, die seither den Skizirkus bereichert haben.

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Codex BAUHANDWERKERPFANDRECHT Handwerker und Unternehmer haben Anspruch auf Errichtung eines Grundpfandrechtes zur Sicherung ihrer Forderungen. Nach Art. 839 ZGB hat dessen Eintragung bis spätestens vier Monate nach der Vollendung der Arbeit zu erfolgen. Das Werk ist nicht vollendet, solange notwendige Arbeiten noch nicht ausgeführt wurden, dies auch, wenn diese eine untergeordnete Bedeutung haben. Weniger wichtige bzw. nebensächliche Arbeiten oder Retuschierungen tangieren hingegen die Vollständigkeit des Werkes nicht. Die Beurteilung der Vollständigkeit des Werkes ist eher aus qualitativer Sicht zu beurteilen und nicht aus quantitativer. (4D_40_ 2015)

BAUWERK VERTRAG Kürzlich erschienen ist die zweite Auflage des praxisnahen Buchs «Die Vergütung im Bauwerkvertrag» von Rainer Schumacher und Roger König. Im ersten Teil werden Bauwerkverträge mit und ohne Preisverein­ barung samt Grundvergütung, deren Fälligkeit und andere wichtige Fragen behandelt. Im zweiten Teil gehen die Autoren der Ursache der Mehrvergütung nach. Dabei wird die Thematik auch für Nicht-Juristen auf den Punkt gebracht.

SYMPOSIUM «Bau und Wissen» organisiert zum zweiten Mal das Symposium Baurecht in Wildegg. Dieses richtet sich an Bauherren, Planer, Unternehmer und Juristen. Im Fokus stehen dieses Jahr das Risikomanagement, die Erdbebensicherheit, die Ästhetik beim Bauen, die Leistungsverzeichnisse, die vorsorgliche Beweisaufnahme und die Konfliktbewältigung. www.bauundwissen.ch


SCHW eIZ eR m a RKe nQ ua LI tÄt CL e a ne t R IVa – D Ie eLeganZ De R D ISKR e tIon aLS R eSuLtat SouVeR Ä neR t eCHnIK .  —   Re D u ZI e Rt eS Ko m pa Kt DeSIg n WIe beI eInem noR m aLen WC   —   geSC H Lo S SeneR K eR amI KKöR peR   —  S pü LR a nD Lo S e fo Rm   —   LCC -VeReD eLung DeR KeR am IKobeR f L ÄCH e  —   IntuItIVe b eDI enung mI t Dem DReHKn o pf   —   f e Rnb e D I e nu ng   —  KR Äf tIgeR unD D oC H Sanf teR D u SC H StR a H L  —   poWeR-moDu S mIt 5,6 L /mIn  —   Sa nf t e Re L a Dy-D u SCH e  —   D u SC H Kopf Vo LLStÄnD Ig geSC H üt Z t  —   autom atI SCHe geR uCHSab Sau g u ng   —   Le D -n aCH t LI C H t  —   pRog R am m I eR baRe benut Z eR pRofILe  —   Integ R IeRte S eLb St ReIn I g u ng S f u nK t I o ne n  —   a b n eHmba ReR SIt Z unD D eC Ke L  —   nIeD R Ig eR eneRgIe VeRbR auCH

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Text: Manuel Pestalozzi       Pläne/Visualisierungen: Molenaar  &  Co architecten      Fotos: Bas Kooij BK Visuals

Überlegungen, wie sich Heimat und bauliche Dichte vereinen und planen lassen, werden seit über hundert Jahren angestellt. Ein wichtiger Zeitzeuge zu diesem Thema ist der Justus-vanEffen-Komplex in Rotterdams Stadtteil Spangen. Eine kürzlich durchgeführte Sanierung interpretiert seine Qualitäten neu.

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Die historischen Aufnahmen aus dem Justus-van-EffenKomplex wurden zur Verfügung gestellt von Molenaar & Co architecten. Sie zeigen, dass die «Strassen in der Luft» als vollwertige öffentliche Erschliessungs- und Begegnungszone im Stadtraum konzipiert wurden.

Die sanierte Über­bauung befindet sich an der Peripherie von Spangen, die durch einen alten Bahndamm klar gekenn­ zeichnet ist.


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Der historische Plan zeigt den Reihen­hausCharakter des Ensem­bles.

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pangen war einst der Name eines Lehens­g utes. Und das gleichnamige Quartier liegt rund 4 km westlich des historischen Stadtzentrums von Rotterdam. Es ist Teil eines von Deichen umgebenen Polders im Bereich des Meeresspiegels und klar eingefasst: Im Osten verläuft die Delft­ havense Schie, ein schiffbarer Wasserlauf, im Süden stösst Spangen an den Mathesser­ weg. Die Allee verbindet das Stadtzentrum mit dem Hafen. Vervollständigt wird die Quartiergrenze durch einen alten Bahn­ damm. Vom Marconiplein, einem Platz am Ende des Mathesserwegs beim Hafenge­ lände, erstreckt sich dieser als breiter, baumbestandener Grünzug in einer sanften, konkaven Krümmung nach Nordosten bis zur Delfthavense Schie. Das Gebiet von rund 65 a wurde ab 1914 von der Stadt als neues Arbeiterquartier konzipiert. Die zugewanderten Menschen, die am Hafen den Lebensunterhalt zu be­ streiten hofften, sollten hier eine neue Heimat finden. Rotterdam machte sich an den Bau seiner grössten öffentlich finanzier­ ten Wohnsiedlung der Zwischenkriegszeit. Aus ökonomischen Gründen wurde das Niveau des Quartiers nicht, wie sonst üblich, über jenes des Polders angehoben. Deshalb liegt Spangen 2 bis 3 m tiefer als die umlie­ genden Wohnquartiere. Die Stadtplanung von Spangen wird als «radikal sozialdemokratisch» bezeichnet. Sie orientierte sich am städtebaulichen Konzept, das Architekt Hendrik Petrus Berlage (1856 bis 1934), Absolvent der ETH Zürich und

einer der Urväter der Moderne, für Amster­ dam Süd entwickelt hatte: Block­ r and­ bebauungen von riesigen Ausmassen mit Innenhöfen, dazwischen durchgrünte Stra­ ssen- und Platzräume. Auf Plänen und Luft­ aufnahmen zeichnet sich Spangens Sied­ lungsstruktur als Strichmännchen ab, das mit gespreizten Beinen auf dem Ma­ thenesserweg steht und beide Arme in die Höhe streckt. Den Kopf des streng symme­ trisch angeordneten Quartiers bildet «Het Kasteel». Das Kastell ist allerdings keine Wehranlage, sondern das Stadion des Fuss­ ballclubs Sparta Rotterdam aus dem Jahr 1916. Auf dessen Eingangspavillon in der Hauptquartierachse erheben sich fünf Türmchen, die an eine Zitadelle denken lassen.

Schöne neue Welt An Sparta denkt man auch, wenn man Span­ gens Architektur betrachtet. Sie wirkt streng und etwas spröde, der fast allgegenwärtige Sichtbackstein wurde hier primär als Mittel zum Zweck verwendet und nicht für die Ge­ staltung von anmutigen expressiven Fanta­ sien, wie dies zur selben Zeit in der sogenannten «Schule von Amsterdam» der Fall war. In den Niederlanden nennt man Spangen den architektonischen und urba­ nistischen Schrein der «Maakbarheid». Dieser Begriff, er heisst schlicht Machbar­ keit, umschreibt die sachliche, von einem grossen sozialen Engagement getragene Archi­tektur Rotterdams aus jener Zeit. Der Geist, dem sie geschuldet ist, lebt bis

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44 / 45 Die Rhythmisierung in den Fassaden sorgt für eine kleinteilige Gliederung innerhalb der Anlage. Die Begrünung war immer eher zurückhaltend.


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heute fort und prägt die Hafenstadt nach wie vor. Angesichts der politischen Grundstimmung und den nüchtern-pragmatischen und visionären Zielsetzungen für das Quartier, in dem rund 10 000 Menschen leben, mag es nicht erstaunen, dass berühmte Pioniere der klassischen Moderne in Spangen wirkten: Jacobus Johannes Pieter Oud, der sich an Stuttgarts Weissenhofsiedlung beteiligte, und Michiel Brinkman (1873 –1925), der mit dem Justus-van-Effen-Komplex radikale Lösungen für das verdichtete Bauen vorschlug. Das Projekt ist eine nachhaltige Inspira­ tionsquelle für Architekturschaffende.

Gemeinschaft im Zentrum Der Justus-van-Effen-Komplex entstand zwischen 1919 und 1921. Michiel Brinkman erhielt von Stadtbauamt den Auftrag, auf zwei Baufeldern beidseits der Justus-vanEffen-Strasse Wohnhäuser für Arbeiterfa­ milien zu planen. Die Baufelder befinden sich am Südwestrand von Spangen – zwischen einem der Arm- und Beinpaare des

«Männchens». Sie präsentierten sich als längliche Rechtecke, im Nordwesten ist das linke Feld dem Verlauf des Bahndamms angepasst und leicht abgerundet. Für seine Zeit war der Entwurf radikal; er vereinte die beiden Baufelder zu einem grösseren Block, der mehr Luft, Licht und Sonne bot und schon fast den Charakter einer kleinen Stadt erhielt. Die Justus-vanEffen-Strasse wurde zur Hof- respektive zur Stadtdurchfahrt. Der Strassenraum verlor dadurch den ursprünglich wohl angedachten Korridor-Charakter zugunsten einer Abfolge von Höfen, die untereinander ver­ bunden sind. Am Nordrand verzahnt sich der Blockrand durch die Bildung von Seiten- und einem Mittel-«Risaliten» mit der Umgebung. Ein Tor in der Zeilenmitte führt in eine kurze Gasse, die in den Hofbereich geleitet. Hier erhebt sich eine quer verlaufende zentrale Bauzeile. Als prototypische urbanistische Langsamverkehrs-Massnahme blockiert sie die Durchsicht entlang der Achse; die Fahrbahn teilt sich, führt zu zwei separaten Portalen in der Zeile,


Der Justusvan-EffenKomplex wirkt wie eine kleine Stadt – mit Plätzen, Gassen, Galerien und Nischen.

Das Spiel von Licht und Schatten, von Enge und Weite prägt den Justusvan-Effen-Komplex bis heute. Jede Wohneinheit hat ihre individuelle Adresse.


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vereint sich im nächsten Hofraum wieder und erreicht, flankiert von zwei weiteren Quertrakten, die Durchfahrt im süd­lichen Blockrand. Im nördlichen Bereich existiert eine Querverbindung durch den Komplex, eine Folge von vier Durchgängen über zwei Hofbereiche und die kurze Gasse. Die Tore in den Bauzeilen sind auch bei diesem Weg zueinander leicht versetzt, sodass das «Drin­ sein» eine höhere Bedeutung erhält als die Möglichkeit der schnellen Passage zwischen Strassenräumen beidseits des Komplexes. In der Mitte der zentralen Zeile erhebt sich ein etwas höherer Hauptbau. Er ist keine Kirche, obwohl man es angesichts der Ausmasse und Proportionen spontan an­ nehmen könnte, sondern ein emblema­ tisches Gemeinschaftsgebäude mit Bädern und einer Wäscherei, die über einer Zen­ tralheizung angeordnet wurden. Die Be­ deutung der Zusammengehörigkeit in­nerhalb des festungsartigen Komplexes wurde damit durch die Architektur klar zum Ausdruck gebracht. Doch diese Arbei­ terheimat beruhte nicht so sehr auf einem sozialistischen Wohn- und Gemeinschafts­ ideal, wie man es annehmen könnte. Joris Molenaar, der als Architekt die letzte Sanierung leitete, weist in einem Kommentar darauf hin, dass die Initiative für kostengünstigen Wohnraum in Rotter­ dam einen aufgeklärten, liberalen Hinter­ grund hatte und sich die Stadt auch in dieser Hinsicht vom «röteren» Amsterdam klar un­ terschied. Gemäss Molenaar stand das ame­ rikanische Effizienzdenken hinter dem Justus-van-Effen-Komplex. Als Anekdote ist hier anzufügen, dass beim Justus-van-Effen-Komplex ein junger und später berühmter Schweizer Architekt als Bauführer wirkte: Hans Schmidt (1893 – 1972), einer der wichtigsten Protago­ nisten der klassischen Moderne in unserem Land, Miterbauer der Werkbundsiedlung Neubühl in Zürich, überzeugter Kommunist und nach dem Zweiten Weltkrieg Architek­ turlehrer in der DDR.

Neues Heimatgefühl Architekt Brinkman kommentierte seinen Entwurf 1920 mit der erwarteten prag­ ­ matischen Nüchternheit, wie im Kommen­ tar von Joris Molenaar nachzulesen ist: «Das Zusammenlegen der beiden Baufelder er­ laubte es, dem Inneren des Blockrandes, wo alle Eingänge angeordnet sind, einen angenehmen Charakter zu geben, ohne die Fassadenabwicklung zu reduzieren.» Ein­ wandfreie Hygiene und eine gesundheitsför­ dernde Atmosphäre wollte er den Familien in den 264 kleinen Wohnungen bringen. Bemerkenswert sind die Einschnitte in den Eckpartien des Blocks und den Anschlüs­ sen zu den Gebäuden, die im Hof stehen. Sie optimieren die Tageslicht­ ausbeute, brechen die Monotonie und ergänzen das offene Erschliessungssystem im zweiten Obergeschoss mit Stadtbalkonen. Die berühmteste Eigenheit des Justusvan-Effen-Komplexes sind diese «Strassen in der Luft», die sich den Höfen entlang ziehen, an denen sämtliche Hauseingänge liegen. Sie erschliessen die Maisonnetten über den Etagenwohnungen, die auf Strassenniveau je­ weils über separate Eingänge verfügen. Diese Urform der «rue intérieure» dient nicht nur als Verbindung zum Hof und zur Stadt, sie er­ schliesst auch direkt den Zentralbau mit den Bädern und der Wäscherei. Mit zehn Trep­ penhäusern und zwei Aufzugsanlagen ist sie vielseitig ins Weg­gefüge des Komplexes und auch der Stadt integriert. Ursprünglich kamen der Milchmann und der Gemüsehändler mit ihren Handwagen über die geräumigen «Stra­ Im Zuge einer ssen in der Luft» bis vor die Haustür, auch der Sanierung in den 1980er-Jahren Briefträger machte hier seine Runden.

Revitalisierung Mit einer Zentralheizung und den Müll­ abwurfanlagen war der Komplex zur Zeit seiner Entstehung State of the Art. Ab den 1970er-Jahren häuften sich die Proteste über die Rückständigkeit in Sachen Wohn­ komfort. «Zu jener Zeit hatten die Nutzerin­ nen und Nutzer das absolute Sagen»,

wurden die Sichtbackstein­ fassaden mit grauer Farbe übertüncht. Das machte man rück­gängig.

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Das Wohnangebot liess sich unter Beibehaltung des ursprünglichen Charakters stark diversifizieren.

BAUTAFEL Bauherrschaft Woonstad Rotterdam ROTTERDAM

Architektur Sanierung Molenaar & Co architecten ROTTERDAM

Hebly Theunissen architecten DELFT

Landschaftsarchitekt Michael van Gessel

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AMSTERDAM

Fertigstellung Sanierung 2012

reminisziert Architekt Molenaar, «die Rolle der Architektur war es, ihre Wünsche zu befriedigen.» In den 1980er-Jahren fand eine erste Sanierung statt. Obwohl der Komplex denkmalgeschützt ist, wurde der Gesamt­ eindruck stark beeinträchtigt. Aus 264 Woh­nungen mit 50 m² Nutzfläche wurden 164 grössere Einheiten. Trotzdem ging es mit Spangen bergab. Das Quartier erhielt nach Generationenwechseln und sozialen Umschichtungen einen schlechten Ruf. Deshalb fand im Jahr 2000 wieder ein Revitalisierungs-Ideen-Wettbewerb statt, der von Molenaar & Co und Hebly Theunissen architecten gewonnen wurde. Die Realisation verzögerte sich und wurde ab 2006 in Angriff genommen. Ein wichtiges Ziel der Massnahmen bestand darin, das Heimatgefühl wieder zu stärken. So wurden die schön detaillierten, in den 1980er-Jahren überstrichenen Fassaden freigelegt und die Treppenaufgänge zur «Strasse in der Luft» erneut mit Glastüren versehen, sodass sie wie Laternen den Hof erleuchten. Bei den Materialien und Oberflächen wurde die Strategie «100  % MoNUment» angewendet: Erhalt und Frei­ legung des Bestandes, Anpassung der neuen Elemente.

So sieht das Wegsystem im zweiten Obergeschoss heute wieder ähnlich aus wie die entfernte Pioniertat in Sichtbeton von einst. Fensterrahmen aus Aluminium wurden durch Modelle aus Holz ersetzt. Der Vitalisierungsprozess umfasste auch die Wohnungen, die im Rahmen der «100 % MoNUment»-Strategie ein diversifiziertes Angebot und mehr Flexibilität bieten. Heute stehen 154 Einheiten zur Verfügung, die Nutzflächen reichen von den ursprüng­ lichen 50 m² für Studios bis zu 200 m² für grössere Familien oder Wohnungen mit integrierten Arbeitsplätzen. Einige Einheiten belegen alle vier Geschosse. Für die fortlaufende Nutzbarmachung des Justus-van-Effen-Komplexes im Sinne ihrer Erbauer erhielten Molenaar  &  Co, Hebly Theunissen und Landschaftsarchitekt Michael van Gessel den «2016 World Monuments Fund/Knoll Modernism Prize». Jurypräsident Barry Bergdoll kommentierte den Entscheid: «Der Justus-van-EffenKomplex erinnert uns daran, dass der Wohnungsbau ein bedeutendes architek­ tonisches und öffentliches Monument hervorbringen kann und sich nicht darauf be­­chränken muss, Raum zur Verfügung zu stellen.» 


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H C I R Ü Z X UN I , N R E PH Œ G A L I FR E

Text: Nadine Kahnt

Bilder und Pläne: Marcel Meili, Markus Peter Architekten, Archiv Zürcher Freilager AG, Mario Ridolfi, Wolfgang und Liselotte Fischer, Akademie der Künste, Berlin, Hans-Scharoun-Archiv, Rita Palanikumar

Das zolltechnisch zum Ausland zählende Areal des Freilagers in Zürich-Albisrieden war über 90 Jahre vom übrigen Stadtkörper getrennt und verschwand aus dem Bewusstsein einer ganzen Generation. Um es wieder in den Stadtraum einzugliedern, hat man die Gründerbauten erhalten und mit nierenförmigen Balkonen angereichert.

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ngewöhnlich opulent ragen neuerdings Balkone im Zürcher Freilager in den Strassenraum hinein. Sie rufen Bilder beschwingter Sommertage, üppiger Barock­ architektur oder der letzten Italienreise hervor. Eigenständig, aber auch irgendwie vertraut wollen sie uns unverblümt mit­ teilen: Hier wird heute gewohnt! Obwohl die schiere Dimen­ sion des Backsteinriegels, an dem die Balkone so zahlreich hängen, und seine Lage unmittelbar neben dem Albisrieder Dorfkern etwas gewöhnungsbedürftig erscheint, gehört er doch schon längst zum Inventar der Stadt. Allerdings hat man hier über 90 Jahre, geschützt durch einen zwei Meter hohen Drahtgitterzaun, Waren aus aller Welt eingelagert. Das mehr als 70 000 m² umfassende Gelände war nur für die Arbeiter und Händler zugänglich, weshalb es für die Mehrheit der Bevölke­ rung über die Jahre aus dem Bewusstsein verschwand. Aus diesem Grund wird vielleicht auch nicht auf den ersten Blick sichtbar, was an diesem Gebäude neu ist und was nicht. Das Zollfreilager wurde 1923 als Gesellschaft ins Leben gerufen, die neben der zollfreien Einlagerung auch den zoll­ freien Transithandel mit ausländischen Gütern ermöglichen sollte; was sich vor allem für die Händler lohnte, die viele Pro­ dukte präsentierten, ohne gleich alles verkaufen zu können. Etwa zur selben Zeit wurden diese damals nur drei- und vier­ geschossigen Backsteinriegel auf dem Gelände erstellt. Das historische Bild von 1942 unterstreicht auf eindrückliche Weise die nüchtern funktionale Architektursprache der Ge­ bäude. Durch die unglaublich präzise Linienführung könnte es auch als Fotografie interpretiert werden und getrost in den berühmten Fotoaufnahmen industrieller Monumente von Bernd und Hilla Becher einen Platz finden!

Verbindungen schaffen Mit ihren endlos aneinandergereihten Fensteröffnungen zeugen die 135 m langen Gründerbauten auch heute noch von einer repetitiven Betonskelettstruktur des Tragwerks im Inne­ ren der Gebäude. Als man 2007 mit den ersten Testplanungen für die Umstrukturierung zu einem neuen Wohnquartier

begann, wurde ihr strenger Rhythmus zum Leitbild für die ge­ samte Arealentwicklung. Die Bestandsbauten blieben als iden­ titätsstiftende Baukörper erhalten. Doch wie kann es gelingen, einem ehemaligen Lagergebäude einen «wohnlichen Charak­ ter» zu verleihen, um sich dort heimisch fühlen zu können? Für Meili und Peter Architekten, die mit der Umnutzung betraut wurden, erwies sich sowohl das Stützenraster von 5 m als auch die erhebliche Bautiefe von 24 Metern auf den ersten Blick als völlig untauglich. Es machte wenig Sinn, sie den kano­nischen Regeln des modernen Wohnungsbaus unterord­ nen zu wollen. Und auch städtebaulich war der räumlichen und architektonischen Ausformulierung der alten Lagerhäuser ein besonders hoher Stellenwert beizumessen. Nach so langer Trennung vom Stadtkörper, sollten sie nun wieder stärker in ihre Umgebung eingliedert werden. Dafür haben Meili und Peter die Bestandsbauten, neben anderen Elementen, mit einer neuen Schicht nierenförmiger Balkone angereichert, die einer­ seits im verdichteten Geschoss-Wohnen als privater Aussen­ raum bedeutend werden und andererseits städtebaulich, als essenzielles Fassadenelement, eine gewisse Vermittlerrolle übernehmen.

Balkone, Balkone, Balkone Balkone bilden eine wichtige Schnittstelle zwischen Öffent­ lichkeit und Privatheit, zwischen Wohnung und Strasse. Und ihre Ausformung ist eng mit der jeweiligen Gesellschaft und der entsprechenden baulichen Dichte verknüpft. Durch das «Hinaustreten aus den eigenen vier Wänden hinein in den öffentlichen Gesellschaftsraum der Strasse» wird nämlich ein wichtiger «kommunikativer Akt zwischen Individuum und Gemeinschaft» vollzogen. (Quelle: Tröger, Eberle: «Dichte Atmosphäre», 2015) Was bedeutet das, will man es auf die nierenförmigen Balkone der Bestandsbauten im Zürcher Freilager übertragen? Klar ist erst einmal: Je dichter heute gebaut wird, desto anspruchsvoller wird es, die richtige Dosierung von Nähe und Distanz herzustellen. Der Blick zurück in die Geschichte


Bild oben: Die historische Handzeichnung, die so gestochen scharf auch eine Fotografie sein könnte, stammt aus dem Jahr 1942. Sie zeigt auf eindrückliche Weise die Nüchternheit des Lageralltags, in dessen Zentrum die Gründerbauten stehen.

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Bilder unten: Die nierenförmigen Balkone übernehmen im verdichteten Geschoss-Wohnen die Rolle des privaten Aussenraums und werden zum essenziellen Fassadenelement, dem eine gewisse Vermittlerrolle zwischen Öffentlichkeit und Privatheit zukommt. (Ansichten unten)


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Quelle: disegnoeprogetto.wordpress.com

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zeigt, dass Balkone in der Stadt erst ab dem späten 18. Jahr­ hundert zum gängigen Fassadenelement avancierten. Damals basierte seine Ausrichtung ausschliesslich auf gesellschaft­ lichen Aspekten und fungierte als geschmückter «Erschei­ nungsbalkon», der sich öffentlichen Strassen und Plätzen zuwandte, um dem Würdenträger als Plattform zu dienen, sich seinem Publikum zu zeigen. Seit der architektonischen Moderne veränderte sich seine Funktionsanforderung aber zum rein privat genutzten Aussenraum, der sich nur noch der Sonne entgegenstreckte. In der Folge existieren bis heute Häuser, deren Nordaus­ richtung die Fassaden «glatt und abweisend» wirken lassen und den angrenzenden Strassenraum «zur reinen Verkehrsader degra­dieren». Aber auch die Wohnungen selbst verlieren spä­ testens ab dem dritten Obergeschoss den Bezug zur Strasse. Doch was spricht eigentlich dagegen, den städtischen Raum in seiner vollen Höhe wieder zum erweiterten Wohnraum auszu­ schöpfen, wie zum Beispiel mit einem übertiefen Wohnbalkon, wie er im Zürcher Freilager Realität geworden ist? Wie muss diese empfindliche Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und Privatheit und innerhalb verdichteter Lebensräume heute

gestaltet werden? Im Grunde genommen muss sie drei wesent­ liche Anforderungen erfüllen: Sie sollte auch mit dem Strassen­ raum interagieren, repräsentativ genug sein, aber auch private Rückzugsmöglichkeit bieten.

Historisches & Kontextuelles Man könnte beinahe sagen, glücklicherweise standen die Bestandsbauten des Zürcher Zollfreilagers unter keinem be­ sonderen formalen Schutz. Denn so hatten die Architekten (fast) alle Möglichkeiten, um das Wohnen von heute auch einmal in ganz andere Richtungen auszuloten! Anstatt also an der sachlich funktionalen Architektursprache der Lagerhäuser festzuhalten, was es in den Augen von Markus Peter kaum ermöglicht hätte, dem Bestand wirklich neues Leben einzu­ hauchen, befreiten sich die Architekten von der «Zwangsform» der klassischen Moderne und griffen für das Balkonthema sowohl in Bezug auf die stilistische als auch städtebauliche Ausformulierung auf eine Vielzahl von kontextuellen und historischen Bezügen zurück: Neben Einflüssen der heute weitestgehend in Vergessenheit geratenen Strömung des «orga­ nischen Funktionalismus», wie sie Hugo Häring oder Hans

Um eine Vorstellung zu bekommen, wie das Wohnen, fernab der kanonischen Regeln des modernen Wohnungsbaus, aussehen kann, haben Meili Peter Architekten in einer ganz frühen Phase der Planung die Vorteile einer Raumsituation mit Texten im Grundriss veranschaulicht. Ausblick aus der Tiefe der Wohnung entlang der Stützenreihe in die süd­lichen Schrebergarten-Areale.

Der schräge Blick führt in den Innenhof und dem zweigeschossigen Verbindungsbau entlang.

Das Zimmer mit Blick in den 135 m langen Hof verhindert zugleich Übereck-Einsichten.


Die Gründerbauten Bauherrschaft Zürcher Freilager AG Architekten Marcel Meili, Markus Peter Architekten ZÜRICH

Gesamtprojektleitung Brandenberger + Ruosch Totalunternehmung Allreal Generalunternehmung AG ZÜRICH

Tragwerk Projektierung Basler & Hofmann ZÜRICH

Realisierung Nänny & Partner AG ST. GALLEN

Landschaftsarchitektur Vogt Landschaftsarchitekten ZÜRICH

Baumeister Ineichen AG BAAR

Betonelemente Nägele Bau GmbH RÖTHIS

Külling AG WILCHINGEN

Loacker AG HAUPTWIL

Mueller Steinag Element AG RICKENBACH

Schlosserarbeiten Balkone Krismer & Co. AG WALLISELLEN

Die spätbarocke Stadtanlage Notos auf Sizilien lebt vom Bild der «Erscheinungs­ balkone» und war eine wichtige Inspirationsquelle für die Erweite­ rung der Bestands­ bauten des Zürcher Freilagers.

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Akademie der Künste, Berlin, Hans-Scharoun-Archiv, Nr. 3804 F. 187/185, Fotograf: Wolfgang und Liselotte Fischer Copyright 2017, ProLitteris, Zurich

Für das nieren­ förmige Profil stand neben Hugo Härings Balkonen in Siemensstadt (Bild rechts oben) auch Scharouns Balkon­ version seiner Wohnhochhäuser «Romeo und Julia» im deutschen Zuffenhausen Pate. Während die Grundrisse (rechts unten) in ihrer Ausrichtung beschränkt bleiben, gewähren die Balkone, an der Gebäudeecke angebracht, ihren Bewohnern den absoluten Rundum­ blick, ohne dabei die Privatsphäre zu sehr einzuschränken!

Akademie der Künste, Berlin, Hans-Scharoun-Archiv, Nr. 3804 F. 187/11, Copyright 2017, ProLitteris, Zurich

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Scharoun proklamierte, widerspiegelt der Balkonentwurf von Marcel Meili und Markus Peter Architekten Einflüsse itali­ enischer Schmiedekunst des Barock und Mario Ridolfis Hang zum leicht Überladenen.

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Den Faden der Geschichte weiterspinnen

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In ihrer undogmatischen Herangehensweise bestärkt wurden Meili und Peter zudem durch die Architekten der Gründerbau­ ten selbst. Denn Otto Wilhelm Pfleghard und Max Haefeli in Zürich durchquerten in ihrem stilistischen Vokabular ihrer Bauwerke geradezu «ungezwungen das noch wuchernde For­ menrepertoire des Späthistorizismus ihres Lehrers Friedrich Blunschli» und bedienten sich «später des Jugendstils ebenso wie der regionalistischen Bauweise, ohne dabei der modernis­ tischen Doktrin des nackten Ausdrucks einer Ingenieurkons­ truktion zu verfallen». (Quelle: Freilager Zürich, Parkbooks, 2016) Und dies trotz ihrem nachweisbaren Interesse an der Ingenieur-Ästhetik ihrer Zeit, wie die Bestandsgebäude des Zürcher Freilagers im Inneren heute immer noch zeigen. Um diesem besonderen Augenmerk Rechnung zu tragen, wird die Strenge der Maillartschen Pilzstütze innerhalb der neuen Woh­ nungen gestaltprägendes Element, während die nackten Fassa­ den frei schwingende Balkonelemente vorgelagert bekamen. Fast tollkühn könnte man also behaupten, dass die Archi­ tekten mit der heutigen Nutzungsänderung der Gebäude nicht dem Prinzip der Moderne und ihrer Ingenieur- und Maschi­ nen-Ästhetik huldigen, sondern das Repertoire mit neuen Ele­ menten anreichern und damit den Faden der Geschichte weiterspinnen, um die Verzahnung mit der hetero­genen Um­ gebung meistern zu können. Scheinbar Widersprüchliches wird von Meili und Peter als verbindendes Ganzes begriffen: Dissonanz als Gradmesser der polyfonen Würde. Betrachtet man alle heute existierenden 195 Wohnungs­ typen kontinuierlich von innen nach aussen, fällt eines auf: Durch die enorme Breite des Bestandsbaus von 24 m liessen sich sehr tiefe Wohnungsgrundrisse nicht vermeiden. Um dieser Stringenz etwas entgegenzusetzen, suchten Meili und Peter geradezu nach einer weicheren, organischen Geometrie des Balkons. Für das nierenförmige Profil standen neben Härings Balkonen an der Goebelstrasse in Berlin (Siemens­ stadt) auch Scharouns Balkonversion seiner Wohnhochhäuser «Romeo und Julia» im deutschen Zuffenhausen Pate, wie Markus Peter berichtet. «Romeo und Julia» sei ein extremes, aber sehr schönes Beispiel, was ein Balkon alles zu leisten vermag: Während die Grundrisse in ihrer Ausrichtung be­ schränkt bleiben müssen, gewähren die Balkone, an der Gebäude­ ecke angebracht, ihren Bewohnern den absoluten Rundumblick, ohne dabei die Privatsphäre zu sehr einzu­ schränken! Der «organische Funktionalismus» beschäftige ihn als Forschungsschwerpunkt schon seit einigen Jahren, und wenn alles nach Plan laufe, werde noch 2017 eine Publikation dazu erscheinen. Hugo Häring jedenfalls versuchte, jedem Bauelement des Gebäudes nach dem Vorbild der Natur eine lebendige, eine vi­ talisierende Gestalt zu geben, die gleichberechtigt neben der reinen Zweckerfüllung des Bauwerks stand.

«architecture parlante» Vor diesem Hintergrund sind die nierenförmigen Balkone des Zürcher Freilagers letztlich ein geglückter Versuch, dem sach­ lich nüchternen Ausdruck der Lagerhäuser eine neue Leben­ digkeit zu verleihen sowie neue Allianzen für eine etwas andere Balkonidee, die wieder repräsentativ erscheinen darf, zu schmieden. Denn trotz des offenen Staketengeländers fühlt man sich durch die konkave Wölbung der überhohen Balkon­ brüstung rundum geborgen! Und trotzdem kann man als Be­ wohner, ob dem Hof oder der Strasse zugewandt, stolz auf den Balkon in die Öffentlichkeit hinaustreten und dabei das neue Strassenleben in Zürich Albisrieden ganz bewusst ein Stück weit mitgestalten. 

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Verdichtung heisst zusammen leben! Im Sommer 2017 wird Marco Ryter den «Kompetenzbereich urbane Entwicklung und Mobilität», kurz: «Dencity», verlassen. Als Ideengeber hat er das Schiff in gut zweieinhalb Jahren so weit auf Kurs gebracht, dass es nun allein manövrierfähig ist. Sein Kerngedanke: vorhandene Potenziale in innerstädtischen Verdichtungen früh genug einbeziehen. Text: Nadine Kahnt  Bilder: Tanya Hasler

Um mit der Bauherrschaft zu kommunizieren, kommen Planer und Architekten kaum darum herum, ihre Vorstellungen des zu Bauenden durch Visualisierungen oder Modelle sichtbar zu machen. Geplante Räume werden zu Häusern, gebaute Häuser wachsen zu Quartieren oder sogar zu einer Stadt heran. So wie Bewohner von den Gebäuden leben, lebt eine Stadt auch von ihren Bewohnern! Wie lassen sich also öffentliches Leben und vorhandene Potenziale nutzen, wenn es sich dabei um eine innerstädtische Verdichtung handelt? Was verändert sich, wenn wir immer weiter zusammenrücken? Und – wer dirigiert diese Ströme? Wie können wir uns darüber austauschen? Wäre hier ein interdisziplinäres Team von Vorteil? «Genau hier setzt», sagt Marco Ryter, neben William Fuhrer Mitbegründer von «Dencity», «der Kompetenzbereich für urbane Entwicklung und Mobilität der Berner Fachhochschule an. Der Begriff setzt sich aus dem englischen Wort für Dichte, ‹dense›, und für Stadt, ‹city›, zusammen. Denn durch die Revision des Raumplanungsgesetzes rückt die Verdichtungsproblematik auch in vielen kleineren Gemeinden zunehmend in den Fokus. Aber genau dort

fehlt es oft an geeigneten Gefässen, um diesen neuen Anforderungen gerecht zu werden. In den grossen Städten wie Bern, Zürich oder Basel wird diese Aufgabe von professionell aufgestellten Hochbauämtern geleistet. In kleineren Gemeinden trifft man auf ein Vakuum, das ‹Dencity› zu füllen versucht.» Doch nur selten wird dabei die geforderte Arbeit so eindeutig sichtbar: Erst einmal beruht sie auf einem dialogisch geführten, partizipativen Kommunikationsprozess, der angestossen werden sollte, bevor überhaupt gebaut wird. Um die allgemeine Bevölkerung von Kindheitsbeinen an für eine qualitätsvolle Verdichtung zu sensibilisieren, entwickelte «Dencity» aus der Murmelbahn von Cuboro gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit ein «Verdichtungsspiel», das auf einfache Art und Weise helfen kann, Ängste und Vorurteile abzubauen und die Bewohner mit der Denkweise einer verdichteten Stadt vertraut macht. Aber auch in der Realität kann «Dencity» bereits einige Aufträge vorweisen. Mit dem Neubau des BFH-HochschulCampus in Biel zum Beispiel, der 2019 bezugsbereit sein wird, ist die ehemalige Brache zwischen Bahnhof Biel, Bieler See und der Nachbargemeinde Nidau in den Fokus der

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Gruppe gerückt. Für die Belebung des neuen Stadtquartiers, das im Übrigen noch keinen Namen besitzt, werden die rund 3000 Studierenden keine unwichtige Rolle übernehmen. Mit dem Bau des neuen Campus-Gebäudes, das pool Architekten in Zürich im letzten Sommer für sich entschieden, und weiteren Grossprojekten wird sich die Identität dieses Quartiers in den nächsten Jahren stark verändern. «Dencity» hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Transformationsprozess frühzeitig zu begleiten und die Qualitäten für den Ort herauszukristallisieren: Wie impft man einen neuen Stadtteil, damit sich einerseits neues Leben entfalten kann, aber umgekehrt vorhandene Bewohner sich nicht abgehängt fühlen? Wie kann die Identität des Ortes für seine weitere Entwicklung genutzt werden? Marco Ryter fühlt sich als Bieler, obwohl er in Nidau aufgewachsen ist. Mit seinem bunten Hemd verkörpert er nicht unbedingt den klassischen Architekten. Als Menschenfreund, Pilzsammler, und Jodler sei er ein sozial denkender Mensch, aber kein klassischer Wissenschafter, wie man es vielleicht von einer Forschungseinrichtung erwarten würde.

Die Arbeitsweise von «Dencity» – Der Kompetenzbereich für urbane Entwicklung und Mobilität wurde vor gut 2½ Jahren gegründet, um der Verdichtungsproblematik im Kanton Bern mit anwendungsorientierten Lösungsansätzen zu begegnen. Entgegen grösseren Städten kennen kleinere Gemeinden zwar ihre Orte wie ihre Westen­ tasche. Sie haben aber keinen sogenannten «Drohnenblick», da die notwendigen Gefässe fehlen, die ihnen andere Perspektiven aufzeigen könnten. Im Zuge dessen hat «Dencity» zum Beispiel ein Tool entwickelt, mit dem sich durch Simula­ tionen ganz einfach darstellen lässt, welche baulichen Auswirkungen eine Veränderung der Ausnützungsziffer mit sich bringen kann.

Das Team befindet sich im Umbruch. Zu sehen sind Fabienne Imober­ dorf, Robert Braissant, William Fuhrer, Marco Ryter, Christine Seidler, Simon Gilgen, Michael Walzcak, Joachim Huber (v. l. n. r.)


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Marco Ryter mit der abgewandelten Murmelbahn von Cuboro: «Verdichtung beginnt bei unseren Kindern: Das ‹Verdichtungsspiel› soll sie mit der Denkweise der verdichteten Stadt vertraut machen.»

Das ist eine hochsensible Angelegenheit, in der unterschiedliche, sozial und wirtschaftlich bestehende Gefüge aufeinander treffen. Marco Ryter

«Dencity forscht und arbeitet anwendungsorientiert», sagt Ryter. «Wir betreiben in dem Sinne keine Grundlagenforschung, sondern entwickeln Produkte, die den Städten und Bewohnern einen direkten Nutzen bringen sollen. Meine Muttersprache ist Französisch, ich lebe und arbeite auf Deutsch, aber meine Herzsprache ist das Italienische! Ich liebe meine Dreisprachigkeit, und genauso mag ich auch die Leute», sagt Ryter. Und er fügt fast überschwänglich hinzu: «Wenn man das Wort Verdichtung durch einen anderen Begriff ersetzen müsste, würde ich das Wort ‹Vielfalt› oder noch besser ‹Zusammenleben› vorschlagen». Die Brache in Biel hat für Marco Ryter ein ganz besonderes Potenzial: «Biel ist die einzige Stadt der Schweiz, die über eine so wertvolle innerstädtische Brache verfügt. Hier ist die Stadt tatsächlich noch nicht gebaut!» Der Ort ist dabei,

sich in einen urbanen Verbindungsraum zwischen Innenstadt, See und Nidau zu entwickeln, der sich in den nächsten zehn Jahren zu einem neuen Stadtquartier verwandeln wird. Eine innerstädtische Verdichtung an exklusiver Lage heisst aber gleichzeitig auch, im bestehenden Kontext zu bauen. Das wiederum ist eine hoch sensible Angelegenheit, in der unterschiedliche sozial und wirtschaftlich bestehende Gefüge aufeinandertreffen. Man greift in Lebensräume von Bewohnern ein, die sich oftmals schon lange mit diesen arrangiert haben und identifizieren. «Deshalb kümmern wir uns um die sogenannten «weichen» Faktoren, die zu einer Identitätsbildung beitragen, aber schwerer zu planen sind», sagt Ryter. Wie kann diese «Identifikationsspritze» konkret aussehen? Marco Ryter bezieht dazu eine ganz klare Position: «Eigentlich kann sich der Mensch doch

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nur an einem Ort richtig entfalten, wenn er mit seiner Geschichte in irgendeiner Form verbunden ist – mit dem, was wir wahrnehmen und woran wir uns erinnern. Der Unterschied besteht doch darin, ob man nur zu Besuch an einem Ort ist oder ob man dort lebt und wie lang. Je länger, desto mehr identifiziert man sich doch damit und eignet sich diesen Ort an – es entsteht ein Zugehörigkeitsgefühl. Ich als Bieler, der 22 Jahre seines Lebens an diesem Ort verbracht hat, weiss, was mir hier in diesem Quartier wichtig gewesen ist. Das ist natürlich eine sehr komfortable Situation, aber gerade deshalb auch bestens für ein Pionierprojekt wie dieses geeignet.» Das Ziel von «Dencity» ist es, dieses neue Quartier zum Stolz aller Anwohner zu machen. Sie sollen sich dem Quartier zugehörig fühlen. Von oben verordnen oder planen lässt sich das aber nur


bedingt. Deshalb hat «Dencity» einen bisher noch wenig beachteten Weg gewählt: Sie organisierten mehrere grosse Akteure, die jetzt schon auf dem Areal tätig sind, in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe, wie zum Beispiel die SBB, COOP, die Berner Fachhochschule, Vertreter des zukünftigen Inno-Campus sowie die städtischen Vertreter von Biel und Nidau. Als Koordinator verschiedener Stakeholder nimmt «Dencity» damit eine Aufgabe war, die kein klassisches Planungsbüro übernehmen kann. Als Aussenstehende können sie die Fragen aufwerfen, die über alle einzelnen Interessen hinweg Mehrwerte für die Stadt generieren könnte. Zum Beispiel, ob es auf dem neuen BFH-Campus überhaupt eine Cafeteria braucht, wenn es doch rundherum verschiedene Verpflegungsmöglichkeiten gibt? Wie lässt sich die vorhandene Infrastruktur in der Umgebung also mit dem neuen Quartier verquicken? Ausgehend von 3000 Studierenden, die hier tagtäglich leben und konsumieren werden, stellt sich auch die Frage, was sie dem Quartier bringen könnten und was man im Gegenzug von ihnen beziehungsweise von der Hochschule als neue Institution erwarten kann? Muss der Campus wirklich wieder alles selber anbieten, oder entstehen Synergien, die genutzt werden könnten? «Und, wie gesagt», so Marco Ryter freudestrahlend, «ganz viele ortsansässige Player haben sich bereit erklärt, darüber nachzudenken! Tatsächlich existieren bereits 32 Restaurants in diesem Ort. Wozu braucht es also noch eine Mensa? Genauso gut könnte ein System entwickelt werden, womit Studierende zu einem bevorzugten Tarif in den umliegenden Restaurants essen könnten. Im Gegenzug könnte die Hochschule ihr gut ausgebautes Kommunikationsnetz für eine Quartier-interne Seite oder eine App zur Verfügung stellen. Oder wir denken an

ausländische Studenten, die ein Semester in der Schweiz verbringen und eine temporäre Unterkunft benötigen. Vielleicht könnten sie in der benachbarten Jugendherberge für eine zusätzliche Auslastung sorgen, damit diese auch in der Nebensaison rentabel wird?»

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«Seit meiner Jugend weiss ich», so Ryter, «dass Biel und Nidau sich nicht gern gehabt haben, was zum Teil geschichtlich bedingt ist. Der Kanal, das Schloss Nidau und das Salzhaus, an dem man immer die Salzsteuer zahlte, haben immer schon eine trennende Wirkung auf die beiden Nachbargemeinden ausgeübt. Nie wieder habe ich bisher davon gehört, dass Orte, die so dicht zusammenliegen, keinen Austausch pflegten. Als Bieler ist man nie zu Fuss in den Schlosspark von Nidau gelaufen, und als Nidauer ist man nie zu Fuss zum Bahnhof von Biel gegangen. Das ist mit Sicherheit auch ein wesentlicher Grund, warum man sich an dieses Areal mit solchem Potenzial nicht herangewagt hat.»

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Die Bühne für das Quartier ist jedenfalls vorhanden, und was für eine! Biel hat wie Luzern einen See und einen Hauptbahnhof direkt am See! Aber es gibt beispielsweise keine Seepromenade, auf der man am Abend herumschlendern kann. Als neues Rückgrat könnte sie zu einer wichtigen Lebensader für Biel werden, auf der man sich vergnügen und spazieren gehen kann. Marco Ryter wird «Dencity» jedenfalls diesen Sommer verlassen, träumt aber schon davon, vielleicht doch noch eines Tages mit dem Rollator entlang der Seepromenade von Nidau nach Biel hinüber zu gelangen. «Am schönsten wäre es aber», so Marco Ryter abschliessend, «wenn es ‹Dencity› irgendwann gar nicht mehr benötigen würde, weil die Gemeinden mit den neuen Planungswerkzeugen vertraut sind.»

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Ein echter Schweizer Der «classic» von horgenglarus steht stellvertretend für die Schweiz. Innovativ, schlicht und zurückhaltend verhält sich der bald 100-jährige Holzstuhl wie ein guter Schweizer Gastgeber: Er ist da, ohne aufdringlich zu sein, und lässt den Gästen den Vortritt. Text: Hubertus Adam Bilder: horgenglarus

Heimat existiert im grossen wie im kleinen Massstab. In einem seiner berühmten Fragebogen warf Max Frisch 1971 die Frage auf, was als Heimat bezeichnet werden könne: ein Dorf, eine Stadt, ein Sprachraum, ein Erdteil oder eine Wohnung. Das Gefühl von Heimat, von Heimisch-Sein, vermitteln aber auch noch kleinere Dinge als eine Wohnung; Objekte wie Stühle beispielsweise. Und wenn es einen Stuhl gibt, der geradezu als Inbegriff des Schweizerischen gelten kann, dann ist es der «classic» von horgenglarus. Natürlich hiess der Stuhl, der seit 1918 ohne Unterbrechung produziert wird und im

kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag feiern kann, nicht von Anbeginn so. Auch Goethe wurde in jungen Jahren noch nicht unter dem Schlagwort des Klassikers rubriziert. Als «classic» wird der Stuhl erst seit den Neunzigerjahren vermarktet, und der neue Name hat die etwas sperrige Benennung nach der Modellnummer 1 / 380 in den Hintergrund gedrängt. So wie es heute auch nicht mehr «A. G. Möbelfabrik Horgen-Glarus» heisst, sondern geschmeidiger, cooler, internationaler: horgenglarus. Zusammengeschrieben und in kleinen Buchstaben.

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Wie und von wem genau der 1 / 380 entwickelt wurde, lässt sich im Archiv von horgenglarus nicht rekonstruieren. Ausschlaggebend dafür ist nicht fi rmeninterne Ignoranz gegenüber der eigenen Geschichte, sondern die Art und Weise, wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts Möbel entworfen wurden: Zumeist im Werk, zumeist von anonymen Entwerfern, die perfekt mit den Produktionsprozessen vertraut waren, aber nicht als Autoren in Erscheinung traten.

Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert hatte kostengünstige Serienproduktion zur Folge, die eine kosten- und personalintensive handwerkliche Fertigung nicht vollständig ersetzte, aber doch marginalisierte. Dass sich auch Geschmacklosigkeiten massenhaft produzieren lassen, empörte kulturell besorgte Zeitgenossen, zunächst in England, dem Mutterland der Industrialisierung. Die Arts-and-Crafts-Bewegung auf der Insel


postulierte die künstlerische Gestaltung; aber der Spagat zwischen handwerklicher Tradition und industrieller Realität gelang nur bedingt, da viele Reformer die Maschine ablehnten und letztlich Luxusgüter produzierten. Diesem Dilemma entkam der 1907 gegründete Deutsche Werkbund, der die Zusammenarbeit von Künstlern und Unternehmen postulierte, nicht zuletzt um mit geschmackvollen Produkten neue Absatzmärkte zu erschliessen. Eine entscheidende Rolle spielte Peter Behrens, der ein Jahr zuvor zum künstlerischen Berater der AEG berufen worden war. In dieser Funktion verantwortete er sämtliche gestalterischen Belange des Konzerns, vom Wasserkessel über den Messestand bis zum grafischen Auftritt und zur Fabrikarchitektur. Mit Peter Behrens war der Beruf des Industrial Designer entstanden. Dass Firmen künstlerisch ausgebildete Entwerfer beschäftigten oder mit Aufträgen versahen, war Anfang des 20. Jahrhunderts immer noch die Ausnahme. Auch bei der «A. G. Möbelfabrik Horgen-Glarus» war dies nicht anders. 1880 von Emil Baumann in Horgen am Zürichsee gegründet, wurzelt das Unternehmen in einem handwerklichen Tischlereibetrieb. Der Übergang zur industriellen Produktion erfolgte mit der Übernahme der Bugholztechnik, also der Verformung von Holz mittels Druck, Wasserdampf und Wärme. Das Verfahren,

das um 1830 von Michael Thonet entwickelt worden war, liess sich aufgrund der aufwendigen Maschinen in einem herkömmlichen Sägerei- oder Tischlereibetrieb nicht umsetzen, weswegen ein zweiter Fabrikstandort in Glarus entstand. Bugholzstühle wirkten elegant, liessen sich in grosser Stückzahl produzieren, in Einzelteile zerlegen und damit platzsparend versenden. Sie besassen aber auch ein Problem, nämlich die Verbindung der ringartig ausgebildeten Sitzzargen und der Hinterfüsse. Für die Stabilität sind Versteifungen unerlässlich – gebogene Bughölzer, welche die Sitzzarge mit den Vorder- und Hinterbeinen verbinden, Streben zwischen den Füssen, Ringe oder ähnliche Lösungen. Starke Beanspruchungen führen zur Lockerung der Verbindungen, was jeder kennt, der einmal auf einem in die Jahre gekommenen Bugholzstuhl gesessen hat. Die geniale und eigentlich simple Erfindung der Schweizer bestand darin, die Sitzzarge so massiv auszubilden, dass sie jeweils vermittels zweier Schrauben stabil mit den Beinen verbunden werden kann. Weitere Verbindungen sind überflüssig, der Stuhl ist nahezu unverwüstlich und beginnt auch bei massiver Beanspruchung nicht in sich zu wackeln. Und er besteht, anders als die üblichen Bugholzstühle, nur noch aus sieben Teilen: den vier Beinen, dem Sitzzargenring und der Rückenlehne – beide

Das Innovative des «classic» aus dem Jahr 1918 zeigt sich vor allem in der massiven Ausbildung der Zarge. Im Gegensatz noch zu den Bugholzstühlen mit ihren Ringen sind beim «classic» weitere Verbindungen überflüssig. Er besteht lediglich aus sieben Teilen. Das macht den beliebten Beizenstuhl äusserst stabil und nahezu unverwüstlich.

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wie auch die Hinter­ füsse aus verformtem Massivholz bestehend – sowie der aus Sperr­ holz erstellten und aus ergonomischen Gründen ebenfalls verformten Sitzplatte. Die Reduktion sparte nicht nur Material und Herstellungskosten, sie führte auch dazu, dass die Fertigungs­ technik und die Mate­ rialien unverändert blieben und der Stuhl seit einem Jahrhundert seine Gestalt nicht gewandelt hat. Bild: Swissphotoart

Bild: Swiss Arts Council

Bild oben Installation von Alois Lichtsteiner mit «classic»Stühlen. Bild Mitte Der «classic» in der Inszenierung von Miroslav Šik an der Architektur­ biennale 2012. Bild rechts Auch im Schweizer Pavillon an der Mailänder Weltausstellung 2015 machte der «classic» eine bella figura.

Bild: Präsenzschweiz

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Zum Erfolg des «classic», der aufgrund seiner Robustheit besonders als Stuhl für Gaststätten Karriere gemacht hat, trägt aber vor allem das Erscheinungsbild bei. Mit seiner Klarheit und Schlichtheit wirkt er wie das Urbild eines Stuhls und nicht wie dessen zeitbedingte, modische Ausformulierung. Gerade dies erklärt seinen «klassischen» Charakter und garan­ tiert seine Einsetzbarkeit in ganz verschiedenen Kontexten. Man begegnet ihm in der trendigen Zürcher Bar ebenso wie in einer Dorfbeiz auf dem Land. Und er funktioniert generationenübergrei­ fend. Da er gleichsam ein anonymes Design darstellt, gibt es kaum ein Sitzmöbel, das Designer und Künstler in den vergangenen Jahren in vergleich­ barem Masse zum Adaptieren, Transfor­ mieren und Weiter­ denken inspiriert hat. «Stühle, Horgen Glarus, mit Ölfarbe bemalt» heisst eine Installation von Alois Lichtsteiner mit 40 grellbunt bemalten «classics».Der britische Design­-Purist Jasper Morrison ersetzte

Sitzplatte und Rücken­ lehne durch Kunststoff und verwandelte den «classic» zum «Basel Chair» (2008). Und das Café Z am Park in Zürich-Wiedikon beauf­ tragte zwischen 2009 und 2015 insgesamt 65 Künstler und Desi­ gner, jeweils vier «clas­ sics» zu bearbeiten, die dann nach einigen Monaten des Gebrauchs versteigert wurden. Darüber hinaus findet sich der «classic» immer dort, wo es um eine unaufgeregte Inszenie­ rung des Schweizeri­ schen geht – jenseits von Patriotismus oder verkrampf ­­ter «Swiss­ ness». Beispielsweise im von Miroslav Šik kura­ tierten Schweizer Pavillon der Architek­ turbiennale 2013 in Venedig, beispielsweise im Schweizer Pavillon auf der Weltausstellung in Mailand 2015. Und Herzog & de Meuron nutzten den «classic», um damit den Besucher­ raum des Ricola-Kräu­ terzentrums in Laufen zu möblieren. Es sind verschiedene Faktoren, die zusam­ menkommen, sodass der «classic» als Inbegriff eines Schweizer Stuhls wahrgenommen wird: Die Verwendung des lokalen Materials Holz. Die Klarheit der Kons­ truktion. Die Präzision der Fertigung. Der Purismus. Der Minima­ lismus … Der «classic» ist keine Ikone, die mit extravaganter Form auftrumpft. Eigentlich verhält sich der «classic» wie ein guter Schweizer Gastgeber: Er ist da, ohne aufdringlich zu sein und sich in Szene zu setzen, und er lässt seinen Gästen den Vortritt. www.horgenglarus.ch


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Feingliedrig, dämmend Die Citroën-Niederlassung in Lyon aus dem Jahr 1932 widerspiegelt die Eleganz ihrer Epoche in vollendeter Form. Nach einer umfassenden Sanierung tut sie dies mit einem zeitgemässen Wärmedämmkonzept. Trotzdem wirken die Fenstergliederungen nach wie vor filigran. Redaktion: Manuel Pestalozzi

Es war das grösste Autohaus der Welt: Rund 1000 Fahrzeuge waren in der Lyoner Citroën-Niederlassung ständig ausgestellt, dazu kamen Werkstätten für die Montage von Neuwagen, Reparaturwerkstätten und ein Ersatzteillager. Mit der Sanierung wurde es unter der Ägide von SUD Architectes | ALEP Architectes für die Bauherrschaft Groupe 6e Sens Immobilier grösstenteils einer neuen Nutzung zugeführt. Neben der Ertüchtigung der Tragstruktur galt das Hauptaugenmerk einem

Fotos: Guillaume Perret und Descasystem/Jansen AG

zeitgemäs-sen Energiekonzept und dem baulichen Wärmeschutz. Die historischen Fenster-, Tür- und Torkonstruktionen adaptierten die Architekten mit hoch wärmedämmenden Stahlprofilsystemen. Das prächtige Gebäude im 7. Arrondissement war das Letzte einer Serie von ungefähr 20 Liegenschaften, die André Citroën binnen weniger Jahre von seinem Chefarchitekten Maurice Jacques Ravazé hatte errichten lassen. Der Niederlassung in Lyon muss der erfolgreiche Autobauer besondere

Bedeutung zugemessen haben, anders kann man sich ihre enormen Abmessungen kaum erklären: Rund 135 m lang und 52 m breit ist der Stahlbetonbau, der sich entlang zweier Hauptverkehrsachsen – der Rue de Marseille und der Rue de l'Université – erstreckt. Auf sechs Etagen bietet das Autohaus eine Fläche von rund 40 000 m². Über innen liegende Rampen erreichten die Fahrzeuge die oberen Etagen. Die fussläufige Erschliessung der Niederlassung erfolgt über fünf

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Treppenhäuser, die in den markanten Ecktürmen liegen. Passanten bot die Niederlassung ein Spektakel: Grossflächige Schaufenster gaben den Blick auf die neuesten Modelle frei. Kauflustige betraten das Gebäude am Schnittpunkt der Rue de Marseille und der Rue de l'Université durch eine verglaste Schiebetüre. Von der riesigen, über drei Etagen reichenden, zur Strasse hin verglasten Lobby führen beidseits des Haupteingangs angeordnete Freitreppen nach oben. Im rückwärtigen Bereich an der Rue Salomon Reinach sorgte

Kompromisslos modern und offen zur Stadt – so muss die Botschaft gelautet haben, als die Niederlassung in Betrieb ging. Die sorgfältige Sanierung erlaubt es, den Geist von damals auch heute noch zu spüren.


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Die ins Volumen integrierten Rampen zeichnen sich deutlich an der Fassade ab. Sie sind noch heute in Betrieb und erschliessen 170 Parkplätze in den oberen Geschossen.

ein 14 m breites und 10 m hohes Falttor für maximalen Lichteinfall ins Innere der Werkstatt. Im Übrigen gliedern horizontale Fensterbänder aus dunklem Stahl mit einer teils transparenten, teils satinierten Verglasung die hellen Putzfassaden. Alles in allem enthielt der Originalentwurf rund 6000 m² Fensterund Festverglasungen sowie Tür- und TorKonstruktionen. Trotz seinem Alter fasziniert das Gebäude bis heute durch seine augenscheinliche Modernität und die klare Linienführung. 1992 wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Die baulichen Strukturen, einschliesslich der innen liegenden Rampen waren beizubehalten und unabdingbare Voraussetzung für die nunmehr abgeschlossene Revitalisierung. Die Umwidmung durch den neuen Eigentümer sah eine gemischte Nutzung mit Büros und Schulungsräumen in den oberen Etagen sowie Werkstätten und

Verkaufsflächen im Erdgeschoss vor. Das gemeinsame Anliegen der beauftragten Architekturbüros war es, den Charme des Art-décoGebäudes in die Gegenwart zu transferieren und zeitgemässe Baustandards zu gewährleisten, ohne welche die Immobilie kaum marktgängig geworden wäre. «New Deal», wie das Gebäude von seinen neuen Eigentümern getauft wurde, ist seit der Sanierung nach dem (ursprünglich) britischen Baustandard BREEAM zertifiziert. Geothermie und Wärmepumpe liefern die Energie für Heizung und Warmwasser. Die im ursprünglichen Entwurf angelegten und später zugebauten Lichthöfe wurden freigelegt; sie erhöhen die Tageslichtausbeute und helfen so, Energie zu sparen. Die Sanierung der Fenster und Festverglasungen erforderte eine enge Abstimmung der Wünsche der Denkmalpflege mit den Anforderungen der Bauherrschaft. Es galt, die

Authentizität des Gebäudes zu wahren und zugleich zeitge­ mässen Komfort zu bieten. Jedes Bauteil bedurfte einer Interessenabwägung. So wurden die 18 m hohe Festverglasung des grossen Foyers und die inte­grierte automatische Schiebetüre restauriert. In den Treppenhäusern bestand der Kompromiss bei den Öffnungen darin, dass in die Originalkonstruktion des Bestands öffenbare Flügel mit dem Stahlprofil-System «Janisol Arte» eingepasst wurden. Die Rekons­ truktion der Schaufenster des Erdgeschosses erfolgte mit dem hochwärmedämmenden Stahlprofilsystem «VISS HI». Bei der darüberliegenden, zur Zeit der Erbauung als feingliedrige Indus­ trieverglasung hergestellten Fenster und Festverglasungen kam erneut «Janisol Arte» zum Einsatz. Dessen in der Ansicht äusserst schmalen Profile wahren das Aussehen historischer Konstruk­ tionen unter Erfüllung

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aktueller bauphysikalischer Anforderungen. Allerdings verlaufen nun die klaren Scheiben unten und die satinierten darüber: heute fungieren sie nicht wie einst als Sicht-, sondern als Sonnenschutz. Die Eingangshalle fand zu ihrer ursprünglichen Würde zurück; eine nachträglich eingezogene Decke wurde zu diesem Zweck rückgebaut. Über die Rampen erreicht man heute 170 Stellplätze in den oberen Stockwerken. Die Architekten haben die Idee des «Autohauses» in ihren Entwurf eingebunden. Mit dem OriginalSchriftzug «CITROËN» über dem Haupteingang bleibt die Marke des ursprünglichen Hausherrn weiterhin gut sichtbar. Schliesslich ist Citroën im Gebäude nach wie vor präsent – wenn auch nur als Mieter. Der Umbau hat in der Zwischenzeit bereits zwei französische Architekturpreise eingeheimst: den Grand Prix SIMI 2015 sowie den Prix AMO 2016. www.jansen.com


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Besucher-Rekord Erstmals strömten über 150 000 Besucher an die «imm cologne», wie die internationale Möbelmesse in Köln seit einigen Jahren auf Neudeutsch heisst. Mit zum grossen Publikumserfolg beigetragen hat auch die gleichzeitig durchgeführte «LivingKitchen». Redaktion: Philipp Bitzer

Die «imm cologne» und die parallel dazu ebenfalls in den Messehallen von Köln stattfindende «LivingKitchen» verzeich­neten dieses Jahr mit über 150 000 Messe­besuchern einen neuen PublikumsRekord. Und noch

erfreulicher für die Veranstalter: Mit einem Anteil von nahezu 50 Pro­zent kam fast jeder zweite Fachbesucher aus dem Ausland. Mehr Gäste als im Vorjahr waren insbesondere aus den EU-Staaten Spanien und Italien

gekommen. Ausserdem war ein grosser Zu­wachs bei den Besuchern aus Russland sowie dem Nahen Osten und Südkorea zu verzeichnen gewesen. Genaue Zahlen für Besucher aus der Schweiz

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wurden leider von den Veranstaltern nicht mitgeteilt. Von den Schweizer Ausstellern war indes allenthalben zu vernehmen gewesen, dass sich die Anzahl Kunden, die am Stand vorbeischaute, zumin­ dest gefühlt auf dem

Vorjahresniveau bewegte. Der Hingucker der diesjährigen Messe war – im wahrsten Sinne des Wortes – die Lichtinstallation «Time Drifts Cologne II», eine Weiterentwicklung der Media


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Kölner Impressionen 2017: Die Lichtinstallation «Time Drifts Cologne II» von Philipp Geist (linke Seite), Bilder von «Das Haus by Todd Bracher» (rechte Seite oben rechts und Mitte rechts) sowie von Stefan Diez' Ausstellung «FullHouse» im MAKK (rechte Seite linke Hälfte sowie unten rechts).

Performance «Time Drifts Cologne», die der Berliner Lichtkünstler Philipp Geist für die Silvesternacht 2016/2017 für die Stadt Köln entwickelt hatte. Ihre Neuauflage für die «imm» wurde zwar gleichfalls auf die

Domplatte West und den Roncalliplatz sowie auf die Fassaden des Dom-Forums, des Römisch-Germanischen Museums und des Dom-Hotels projiziert. Die Installation visua­ lisierte auch wieder die Themen Zeit und Raum

sowie die Wünsche der Kölner Bevölkerung für das Jahr 2017.

internationalen Publikum der «imm» zu entsprechen.

Neu hingegen war, dass die in den Raum geworfenen Begriffe in zahlreiche Sprachen über­setzt worden waren, um dem

Weitere Höhepunkte waren die Ausstellung «FullHouse» des Designers Stefan Diez im Museum für angewandte Kunst MAKK sowie auf der

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Messe die Installation «Das Haus», die vom New Yorker ProduktDesigner Todd Bracher entworfen worden war. Die nächste «imm cologne» findet vom 15. bis 21. Januar 2018 statt.


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Massgeschneidert Der Schweizer Keramikproduzent Laufen hat im Rahmen der Restaurierung der Villa Tugendhat von Ludwig Mies van der Rohe acht Sanitär­keramiken detailgetreu «nachgebaut». Produziert wurden die Lavabos und das Bidet im gleichen Werk wie schon die Originale von Mies van der Rohe. Redaktion: Christina Horisberger  Bilder: David Zidlizky / Villa Tugendhat

Ludwig Mies van der Rohes Villa Tugendhat in Brünn (Tschechien) gehört zu den Meilensteinen der modernen europäischen Architekturgeschichte. 2012 wurde sie nach äusserst detailgetreuer Restaurierung wieder den Besuchern zugänglich gemacht. Laufen erhielt im Rahmen der Restaurierungen den Auftrag, Nachbildungen von acht Sanitärkeramiken auf der Basis alter Fotografien, Kataloge und den beschädigten Originalen zu entwickeln. Das dreigeschossige Wohnhaus, das van der Rohe für das UnternehmerEhepaar Fritz und Grete Tugendhat von 1929 bis 1930 erbaute, ist zum Unesco-Welterbe gelistet. Die Stahl­ skelett­konstruktion, die einen offenen Grundriss und Raumfluss ermöglichte, war damals ein Novum. Aufgrund ihrer ikonischen Bedeutung für die Architekturgeschichte der Moderne wurde die Restaurierung der Villa unter der Leitung des Designers Daniel Pišcˇ äusserst sorgfältig, ja mit fast forensischer Detailtreue in Angriff genommen und durchgeführt. Die Restaurierung der Villa Tugendhat nahm deshalb einige Jahre in Anspruch. Eine Herausforderung war vor allem auch, dass im Laufe der Jahre ein Teil der

Inneneinrichtung durch einen sorglosen Umgang mit dem Erbe entfernt oder beschädigt worden war. Um die Innenarchitektur des Wohnhauses originalgetreu wiederherzustellen, waren Expertisen und das Know-how zahlreicher Experten gefragt. Gerade bei jenen Inneneinrichtungselementen, die nicht mehr vorhan­den waren, war ein besonderes historisches Geschick gefragt. Im Zusammenhang mit Nachbildungen von Originalen waren Partner gefragt, die über ein langjähriges und fundiertes Know-how verfügen. Dies war auch der Hauptgrund, die Keramik Laufen auf die Idee brachte, die Sanitärkeramiken der Bäder wieder in den Originalzustand zurückzuführen, ihnen wieder ihren ursprünglichen Glanz – auch im übertragenen Sinne – zurückzugeben. Das Schweizer Keramikunternehmen Laufen bewies sich bei dieser Aufgabe als Spezialist für aussergewöhnliche Herausforderungen in einem denkmalpflegerischen Kontext. Im Rahmen des Auftrags entstanden acht originalgetreue Nachbildungen. Das Team konnte sich hierbei auf erhaltene Originalfotografien und alte

Kataloge berufen, um vier verschiedene Modelle von Lavabos für die Bäder, zwei Waschbecken für die Küche, eine Toilette und ein Bidet «nachzubauen». Jedes einzelne Produkt wurde aus glasierter Sanitärkeramik gegossen, um sich der Materialität der Originale möglichst detailgetreu anzunähern. Diese Detailtreue war umso wichtiger, als es Ziel der Restaurierung war, die authentische Atmosphäre des avantgardistischen Bauwerks wiederauferstehen zu lassen. Da Mies van der Rohe selbst akribisch genau jedes Detail der Inneneinrichtung im Spannungsfeld seines ästhetischen Rationalismus und des praktischen Nutzens gestaltet und entwickelt hatte, liess er damals die Sanitär-Elemente in einer Fabrik in Znojmo

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als Massanfertigungen produzieren. Das Unternehmen Ditmar Urbach, das heute zur LaufenGruppe gehört, existiert seit 1878 und war zur damaligen Zeit die erste Firma auf dem europäischen Kontinent, die industriell Sanitär­ keramik herstellte. In genau diesem Keramikwerk wurden unter der Aufsicht des verantwortlichen Designers Daniel Pišcˇ die Stücke mit höchstem Fertigungsstandard schliesslich umgesetzt und produziert. Die Villa Tugendhat wurde 2012 wieder für das Publikum zugänglich gemacht. Den Besuchern ist es heute möglich, die Räume zu erleben, so wie sie auch Mies van der Rohe geplant und im Stil der klassischen Moderne als Gesamtkunstwerk realisiert hatte. www.laufen.ch www.tugendhat.eu

Nach der äusserst detailgetreuen Restaurierung präsentiert sich die Villa Tugendhat in Brünn (1930) wieder in ihrem ursprünglichen Glanz und vermit­ telt noch mehr als zuvor die erstaun­ liche Modernität des Wohnhauses von Ludwig Mies van der Rohe.


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Ludwig Mies van der Rohe hat für die Villa des UnternehmerEhepaars Fritz und Grete Tugendhat jedes Detail der Inneneinrichtung selbst entwickelt. Die Sanitärkeramik liess van der Rohe im damals innovativen Werk Ditmar Urbach als Massanfertigung produzieren. In genau diesem Keramikwerk, das heute zur LaufenGruppe gehört, wurden die Nachbildungen der Lavabos im Bad (Bild unten links), der Küche, der Toilette sowie das Bidet original­ getreu hergestellt.

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Die Stehleuchte «Circular F» gibt es mit den Durchmessern 400 und 600 mm und den Höhen 1620 und 1915 mm. Im Leuchtenkopf befindet sich die LED-Lichttechnik. Die hoch effizienten LED-Leuchten sind in zwei Lichtfarben und in verschiedenen Lichtstärken erhältlich.

Heimatliches Licht Jeder Ort hat seine eigene Lichtstimmung. Je nach geografischer Lage, Topografie und Witterungsbedingungen ergibt sich ein bestimmtes Ambiente. Dies mag sich auch auf die Entwicklung von Kunstlichtquellen auswirken, wie dieses Beispiel aus dem Glarnerland andeutet. Redaktion: Manuel Pestalozzi

Schwanden ist ein Dorf, das heute zur Gemeinde Glarus Süd gehört. Vor der grossen politischen Fusion nannte man es auch das grösste Dorf des Glarner Hinterlandes. Es liegt bei der Mündung der Sernf in die Linth, die durch das Haupttal des Gebirgskantons fliesst. Das Glarnerland wurde einst stark industrialisiert, auch in Schwanden ent­stan­den Fabriken, vor

allem für Textilien und Haushalts­geräte. Die Produktion des Schönen und Nützlichen ist seit Generationen im Ort verankert. Das Familienunternehmen Schätti AG ist seit über 80 Jah­ren in Schwanden ansässig. Gegründet wurde die Firma von Josef Schätti-Zopfi als Installationsgeschäft für Zentralheizungen. Bald

gesellte sich zum Zweckmässigen das Kreative: In den 1940er-Jahren begann der Firmengründer mit der Produktion von Metallwaren. In enger Zusammenarbeit mit seinen Kunden entwickelt und fertigt das Unternehmen Komponenten und Produkte in mittleren oder kleineren Losgrössen. Heute ist die Schätti AG flexibler und spezialisierter Partner für

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Haushaltgeräte, Leuchten, Möbel, Funktionsbeschläge, Lüftungstechnik und Bauteile für den Maschinen- sowie Apparatebau. Die dritte Familiengeneration wirkt am Gründungsort und zeigt damit Heimatverbundenheit. Die Leuchten der Schätti AG stehen in der Glarner Tradition, globale Entwicklungen mit wachen Sinnen zu


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Bekannte Typologien bildeten einen Erfahrungsschatz, auf den Jörg Boner bei der Entwicklung der Schätti-LEDLeuchten zurückgreifen konnte. Seit vier Jahren arbeitet er kontinuierlich an der Leuchten-Kollektion. Sie besteht aus schlichten, technisch hochstehenden

Modellen für die Architektur. Die Kollektion bietet eine Auswahl von hoch effizienten LED-Steh-, Pendel- und Wandleuchten. Sie bilden eine in sich gut kombinierbare Familie. Die Leuchten zeichnen sich durch gutes, blendfreies Licht und eine einfache Bedienung aus. Sie werden von Grund auf in der eigenen Fertigung bei Schätti in Glarus Süd produziert – von der Blechtafel zum lackierten Leuchtengehäuse, vom Stahlstab zum gedrehten Kupplungsteil. Auch haptisch bieten die LEDLeuchten aus dem Glarnerland einen sinnlichen Genuss: Wer über die pulverbeschichteten Oberflächen fährt, bekommt Metall zu fassen – wertig und langlebig. Der Fuss der Stehleuchten steht stabil und wirkt trotzdem zierlich. Im Leuchtenkopf befindet sich hoch effiziente LED der besten Energieklasse. Wer die

Leuchten bedient, entdeckt intuitiv, was in der eleganten Leuchten-Familie steckt. Es sind bleibende Werte, die sich im Laufe der Zeit herausstellen: gut entblendetes Licht, einfache Handhabung, raffiniert einfacher Aufbau. «Circular F» steht im Fokus der Schätti-Leuchtenfamilie. Es handelt sich um eine Stehleuchte der aktuellen Leuchten-Kollektion. Jörg Boner formte das für die Schätti-Leuchten charakteristische Metallband zu einer runden, konischen Leuchte. Zur Auswahl steht «Circular F» mit den Durchmessern 400 und 600 mm und den zwei Höhen 1620 und 1915 mm. Die hoch effizienten LED-Leuchten sind in zwei Lichtfarben, 3000 oder 4000 Kelvin, und in verschiedenen Lichtstärken ab 2000 lm bis über 10 000 lm erhältlich. «Circular F» passt gut in Arbeitsräume und mit dem Fusstaster genauso gut in moderne Wohnräume.

Bild: R. Ruis

verfolgen und mit dem eigenen Know-how in Einklang zu bringen. So stellte man auch in Schwanden fest, dass die Leuchtenbranche im Umbruch ist und Licht neu definiert wird. Die Physik der Lichtentstehung der LED, ihre hohe Lichtdichte, die gerichtete Lichtabgabe erkannte man bei der Schätti AG als die grossen Herausforderungen bei der Gestaltung neuer Leuchten. Wie baut man damit hoch effiziente Leuchten, die nicht blenden? Darf die LEDLeuchte weiterhin «Leuchte» sein? Auf der Suche nach Antworten wurde man vom Schweizer Designer Jörg Boner unterstützt.

Thomas Schätti

Der Ingenieur und Designer Thomas Schätti ist Mitinhaber und Geschäftsführer des Familienunternehmens Schätti.

www.schaetti-ag.ch

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KOMPENDIUM Drei plastische elliptische Felder mit unterschied­ licher Tiefe sind in die Decke des neuen Instituts­ gebäudes eingeschnitten. Die Trockenbau­ lösung erlaubte diese «kosmi­ sche» räumliche Wirkung, die an Galaxien erinnert.

Skulpturale Decke Über den Köpfen breitet sich das Universum aus – diese Gewissheit geht im Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung selbst im Foyer des Gebäudes nicht vergessen. Deckenellipsen sorgen für ein aufregendes Raumerlebnis. Das Gips-Plattensystem «FormBar» bot die dafür nötige gestalterische Freiheit. Redaktion: Manuel Pestalozzi

Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeiten am MaxPlanck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen steht unsere direkte kosmische Heimat: das Sonnensystem mit seinen Planeten und Monden, mit seinen Kometen und Aste­ roiden und natürlich mit der Sonne. Ziel der Wissenschafter ist es, Vorgänge im Sonnensystem zu beschreiben und am Computer zu simulieren. Ingenieure und Forscher entwickeln gemeinsam wissenschaftliche Instrumente, die diese Körper aus dem Weltall untersuchen. Zu diesem Zweck ist das Institut an zahlreichen Missionen internationaler Weltraumagenturen,

wie zum Beispiel NASA und ESA beteiligt. Die spektakulären Ellipsen an der Decke des Foyers symbolisieren den Flug der Raumsonde Rosetta zum Kometen ChuryumovGerasimenko – kurz «Chury». Das komplexe Decken-Design liess sich nur dank präzise vorgefertigter Trockenbautechnik realisieren. Es erzählt eine fantas­ tische, doch wahre Geschichte: Gebannt schaute die Welt zu, als die Raumsonde Rosetta die Lande-Einheit Philae auf dem Kometen «Chury» absetzte. Der nach den Plänen von Carpus + Partner realisierte Institutsneubau gibt im zwei­ geschossigen Foyer die

gestalterische Antwort der Architekten auf den Flug der Sonde. In der Decke sind drei grosse elliptische Felder mit unterschiedlichen Höhenniveaus eingeschnitten. Die Ellipsen erinnern an die Planetenbahnen des Sonnensystems. Oberlichter im Zentrum der Ellipsenkonstruktionen sym­bolisieren jeweils die Sonne. Da sich die Radien der eleganten Krümmungen mit den üblichen Messwerkzeugen nicht ermitteln liessen, war die anspruchsvolle Deckenkonstruktion mit dem üblichen Trockenbau-Verfahren nicht realisierbar. Die Spezialisten für komplexe Decken von Knauf unterteilten die

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Ellipsen in einzelne Plattenabschnitte und frästen die feinen Krümmungen auf den Millimeter genau aus den Gipsplatten heraus. Für die drei im Durchmesser bis zu 8,7 m messenden Ellipsen wurden insgesamt 125 Gipsplattensegmente gefräst. Die meisten davon erhielten Verstärkungen aus ebenfalls elliptisch gefrästen Gipskarton- und OSBStreifen. Abgesehen von der Aufsehen erregenden Optik trägt die Decke im Foyer entscheidend zur gelungenen Raumakustik bei. Basierend auf einem von den Architekten veranlassten akustischen Gutachten wurde der Schallabsorptionsgrad von 80 Prozent

vorgegeben – umgesetzt mit «Cleaneo Akustik» Linear-Lochplatten des Typs 12 / 25 in Quadratlochung. Das System «FormBar» von Knauf machte diese ungewöhnliche Lösung möglich. Es lässt die Realisierung von runden, gebogenen oder gekanteten Formen und raffinierte Detail­ lösungen zu. In diesem Anwendungsbeispiel garantierte es den Erfolg als Gips-Platte, als Formteil mit unterschiedlichen Biegeradien sowie Lösungsmöglichkeit für Kuppeln, inklusive Verspachtelung in gewünschter Ober­ flächenqualität – so wie es die Architekten geplant hatten. www.knauf-formbar.ch


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«Come, ply with us!» Anfang Februar eröffnete das aufstrebende Hamburger Interior-Label PLY am Zürcher Schanzengraben seinen ersten Standort in der Schweiz. Der Showroom im denkmalgeschützten Hochhaus zur Bastei präsentiert aus­ gewählte Kollektionen und wartet mit einem Event- und Vortrags-Programm auf. Bild: Daniel Cramer

Redaktion: Philipp Bitzer

Die Menschen hinter dem Erfolgs-Label PLY (v. l. n. r.): Joke Rasch, David Einsiedler und Sven Kraus.

Der Showroom von PLY präsentiert nebst eigenen Modellen und selektierten Vintage-Möbeln mehrere Sondereditionen, die in Kooperation mit Artek und Vitra entstehen. Geleitet wird das Lokal vom Zürcher Martin Rinderknecht. 210 m² Wohlgefühl für Design-Affi­cionados verströmt der PLY-Showroom an der Bärengasse 29 mit seinem installativen Charakter. Dabei wurde nichts dem Zufall überlassen. Denn das Konzept haben die umtriebigen Macher aus Hamburg – David Einsiedler, Joke Rasch und Sven Kraus – bereits seit mehreren Jahren in Hamburg erprobt und perfek­ tioniert.

Im Fokus stehen ausgewählte Design-Ikonen aus den 1920er- bis 1950er-Jahren der Hersteller Vitra, Artek, Wilde + Spieth und Thonet. Einen Sonderplatz nehmen die exklusiv von PLY produzierten Sondervarianten des «EM Table» von Jean Prouvé sowie Alvar Aaltos Ikone, der «Stool 60» von Artek, ein. Letzterer kann nur hier oder über den neuen Webshop (siehe dazu auch den Textkasten rechts) in unterschied­ lichen Farbversionen individuell zusammengestellt werden. Zur Eröffnung wurde eigens eine limitierte Serie von 25 Exempla­ren der Artek-Hocker aufgelegt, die durch

natürliche kleine Makel wie Astlöcher und Fehlstellen eine besondere Charakteristik erhalten. Ergänzt werden diese NeoKlassiker durch selektierte Vintage-Produkte sowie zeitgenössische Kollek­tionen von Atelier Alinea, System 180 und Verzelloni. Entscheidend für die Auswahl der Produkte ist neben Design und Qualität auch die nachhaltige Fertigung in Europa. Die haus­ eigenen Produkte wie die Hängeleuchte K 831 PLY oder der PLY Stool werden komplett in Hamburg produziert. PLY, Bärengasse 29, 8001 Zürich, Öffnungszeiten: Mo und Mi bis Sa von 12 bis 18.30 Uhr.

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Eigenentwicklung So wie die PLY-Showrooms keine klassischen Möbelgeschäfte sind, ist auch der mit einem fotorealis­ tischen 3D-Konfigurator und individuell gestaltbaren Mood­ boards bestückte Webshop nicht vergleichbar mit herkömm­lichen Shopsystemen. www.ply.com


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SEIDIGE DUSCHFLÄCHE

Aus der Fülle von Neuhei­ten sind der Redaktion bei ihrer täglichen Arbeit folgende Produkte ins Auge gesprungen. Lassen auch Sie sich davon bei Ihrem «Daily Business» inspirieren.

Mineralische Werkstoffe haben in der Bad-Gestaltung ihren festen Platz erobert. Sie fühlen sich, anders als Metall, Glas oder auch Keramik, angenehm warm an. Bei der Duschflä­ che «Setaplano» vermeint man, die Füsse auf einem Seidentuch abzuset­ zen. Seine porenfrei glatte Oberfläche ist rutschfest. www.geberit.ch

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KOMPAKTOBER­ FLÄCHEN «TheSize», Designer und Hersteller von Neolith, hat sein Sortiment an hoch­ wertigen gesinterten Kompaktoberflächen erneut um revolutio­ näre Produkte erwei­ tert. Die fünf neuen Dekors sind eine Verschmelzung von architektonischen Einflüssen, natür­ lichem Marmor aus der ganzen Welt und der Zusammenarbeit der hausinternen Designer. «Blanco Carrara» nennt sich ein luxuriöses, von natürlichem italie­ nischem Marmor inspiriertes Design. «Zaha Stone», ein grauer Stein aus dem Iran, ist ein Tribut an die Architektin Zaha Hadid. »»«

www.neolith.com

Der Stuhl «Mono» repräsentiert konsequent vollendete Sitzkultur. Leichtigkeit und Energie, Ruhe und Dynamik vereinen sich in einem harmo­ nischen Design. Der Taschenfederkern im Sitzbereich, die einzigartige Rückenkonstruktion aus Stahlrohr mit eingebauter Stahlfeder und die Armlehnen sorgen für entspanntes Sitzen über Stunden, und das während Jahren. Der davon abgeleitete «Mono Lounge-S»-Stuhl steht für die Wieder­ entdeckung einer fast verschwundenen Sitzkultur, das Sitzen «en passant». Dank seiner Leichtigkeit und seinem Charme lassen sich mit ihm anmutige Orte der Entspannung möblieren. www.wittmann.ch

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IM LANDESMUSEUM Das Schweizerische Landesmuseum in Zürich wird mit einem epochalen Erneuerungs- und Ausbauprojekt des Architekturbüros Christ & Gantenbein fit gemacht für die Zukunft. Die zweite Etappe mit dem Neubau wurde im Sommer 2016 voll­ endet. AS-Aufzüge installierte zwei Lasten- und fünf Personenaufzüge. Aufgrund enger Platzverhältnisse und geringer Überfahrten mussten spezielle maschinen­ raumlose Lösungen erarbeitet werden. www. lift.ch

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STUHLUND TISCHPROGR AMM Mit «Occo» haben die Designer Markus Jehs und Jürgen Laub für Wilkhahn ein Stuhl- und Tischpro­ gramm entworfen, in dem nicht nur alle Elemente optimal aufeinander abge­ stimmt sind, sondern auch eine grosse Einsatzbreite und enorme Gestaltungs­ vielfalt mit einer wieder erkennbaren Formensprache besteht. Aussparun­ gen in der Rückenund Seitenpartie stellen die Stapel­ fähigkeit sicher (in Verbindung mit dem verchromten vier­beinigen Metallgestell) und gewährleisten einen hohen Sitzkomfort . www.wilkhahn.ch

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ANSCHMIEGSAM Eine frei stehende Wanne an der Wand – diesen Widerspruch löst Schmidlin mit dem Wannenmnodell «Sella Shape Front» als sanfte Verfüh­ rung aus StahlEmail – in klas­ sischem Oval mit sanfter Formgebung,

ganz leicht und fliessend. Der ergonomische Innenkörper und die Grosszügigkeit der Wanne versprechen pure Erholung. «Sella Shape Front» gibt es in den Abmes­ sungen 175 x 75 cm und 185 x 85 und optional auch mit Whirlsystem SPA oder «Silent». www.schmidlin.ch

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PVD-OBERFLÄCHEN Der Begriff physi­ kalische GasphasenAbscheidung (englisch Physical Vapour Deposition, kurz PVD) bezeichnet vakuumbasierte Beschichtungs­ verfahren. Das Ausgangsmaterial kondensiert über dem Objekt und bildet die neue Zielschicht. Es entsteht eine neue Oberfläche, die besondere Eigen­ schaften besitzt. PVD-Oberflächen überzeugen nicht nur durch brillante Farbqualität, sondern auch mit hervorragenden mechanischen Eigenschaften. Vola bietet sein gesamtes Sortiment mit PVD an, unter anderem in Kupfer. www.vola.ch


PHÅ&#x2019;NIX

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PHOENIX

K ATALOG

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Produktwelt Diverse

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TIEFGAR AGENROLLTOR Das Tiefgaragentor «TGT» öffnet sich platzsparend senkrecht nach oben und schwenkt nicht nach vorne aus. So lässt sich zum einen der Platz direkt vor dem Tor nutzen. Zum anderen werden keine Passanten auf angrenzenden Trottoirs gefährdet. Die kompakte Konstruktion benötigt nur einen geringen Sturzbedarf, sodass der Raum unter der Decke frei bleibt und dort verlaufende Versorgungsleitungen kein Problem darstellen. Die montagefertig vorbereiteten Torkomponenten sind in wenigen Schritten schnell und einfach installiert.

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www.hoermann.ch

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WÄRME­ GEDÄMMTE FEST­ VERGLASUNG Das Profilsystem «unico XS» ermöglicht wärmegedämmte Festverglasungen und Fenster mit einer bisher unerreicht schlanken Ansichtsbreite von 23 mm für Verglasungen und 55 mm (Fenster-/Stulpflügel). Die vielseitigen Stahlprofile verfügen

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K ASSETTEN­ MARK ISE

www.forster-profile.ch

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FEINSTEIN­ ZEUGPLATTE Die Feinsteinzeugplatte «Nobile» mit ihren warmen Naturtönen und den Formaten 30 × 60, 60 × 60 und 40 × 80 cm besticht durch zeitlose Eleganz. Alle sechs erdigen Farbtöne sind dank ihren feinen, natürlich-leben­ digen Zeichnungen schmutz- und staubunempfindlich. Die unglasierte Oberfläche mit der zertifizierten Rutschfestigkeit R10 ermöglicht vielseitige Anwendungsmöglichkeiten im Wohnzimmer, im Barfussbereich, in öffentlichen Gebäuden und sogar im Freien. www.hgc.ch/keramik

«Cambox» ist eine formschöne geschlossene Markise in modernem kubischem Design. Sie zeichnet sich durch eine einfache und reduzierte Linienführung aus, wodurch sich die Kassette elegant in die Architektur einfügt. Als besonderes Highlight kann optional eine LED-Beleuchtung im Kasten integriert werden, die auch in den Abendstunden den Schattenplatz zum Erlebnis macht. Der bewährte geschlossene Kasten schützt das Tuch und die Gelenkarme effektiv und nachhaltig vor Witterungseinflüssen und Schmutz. www. stobag.com

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R AHMEN­ LOSES FENSTER Bei diesen Fenstern steht die absolute Transparenz im Mittelpunkt. Dank der filigranen und modularen Konzeption sind die Verglasungen von swissFineLine gleichermassen bei Neu- und Umgestaltungen, bei grossen oder kleinen Weiten, im Fassaden- oder Innenbereich anwendbar. Die sicherheitsüberwachte Mehrpunktverriegelung bietet in Kombination

mit Alarmsystemen und Verbundsicherheitsglas höchste Sicherheit. Beste Wärmedämmwerte und ein geräuscharmer Motor für grossflächige Schiebetüren bis 1200 kg Flügelgewicht sind weitere Pluspunkte. www.swissfineline.ch

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UM- UND ABLUFT Bei «autoSwitch» meldet ein Kontaktschalter am Fenster der Dunstabzugshaube regelmässig die Position des Fensterflügels. Bei geschlossenem Fenster läuft die Dunstabzugshaube im Umluft-, bei geöffnetem Fenster im Abluftbetrieb. Die Haube reagiert somit auf das Benutzerverhalten beim Kochen und entfaltet dabei ihr volles Leistungspotenzial – intuitiv und ohne manuelle Bedienung am Gerät. Unterdruckprobleme stellen sich erst gar nicht, die frühzei­ tige Planung einer Zuluftlösung entfällt komplett – bei geringen Einbaukosten. www.wesco.ch

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über hervorragende statische Eigenschaften und lassen viel Platz für Kreativität und hochwertige Konstruktionen. Sowohl grossflächige als auch feinste Elemente lassen sich mühelos realisieren. Das System überzeugt zudem durch eine exzellente Wärmedämmung (Uw-Wert 0,84).

Wir bringen Freiraum nach drinnen… und Wohnraum nach draussen. Mit unseren Wintergärten, Glas- und Lamellendächern schaffen wir eine stilvolle Freiluftbühne. Kaiserstuhlstrasse 2 | 8154 Oberglatt ZH T +41 44 850 67 69 | info@thermogreen.ch

www.thermogreen.ch


PHOENIX

VORSCHAU

IMPRESSUM

PHŒNIX – Bauen im Bestand 3. Jahrgang Erscheinungsweise 4 × jährlich Auflage 8000 Exemplare info@phoenix-magazin.ch www.phoenix-magazin.ch Herausgeberin B + L Verlags AG Steinwiesenstrasse 3, 8952 Schlieren Tel. 044 733 39 99, Fax 044 733 39 89 info@blverlag.ch, www.blverlag.ch Verleger Peter Boll Verlagsleiter Philipp Bitzer

U M T HE M EN E N SC H W TA ERPUN L I KT TÄ T

Inhaltskonzept Philipp Bitzer Martin Reznicek

Die Elbphilharmonie Hamburg: nicht nur ein Leuchtturmprojekt, sondern auch eine erstklassige Referenz für die beteiligten Firmen.

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Bild: Zumtobel

Gestaltungskonzept Martin Reznicek Redaktion Philipp Bitzer (phb) Christina Horisberger (chh) Nadine Kahnt (nka) Manuel Pestalozzi (map) Externe Autoren Stefan Fahrländer Walter Maffioletti Layout / Art Direction Harriet Angela Messing Anzeigenverkauf Sabina Guggenbühl Anzeigendisposition Denise Bucher Druckvorstufe Nataša Mirković

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Korrektorat Ullrich Noelle

In Zeiten, in denen über die Werte der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit intensiv diskutiert wird, steht auch die Frage nach Monumentalität in der Architektur wieder im Raum. Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher etwa plädiert im Tagesanzeiger für den «Mut zu einem gewissen Monumentalismus in einer modernen Demokratie». Fürs Standort-Marketing sind Projekte wie die Elbphilharmonie von grösster Werbewirksamkeit. PHŒNIX versucht in der nächsten Ausgabe, dieses Themenfeld auszuloten. Wie kann eine moderne, demokratische Monumentalität gelingen? Welche Strategien liegen ihr zugrunde? Wo überschreitet sie Grenzen, die von der Bevölkerung als Bedrohung wahrgenommen werden? 80

Druck AVD Goldach AG, Sulzstrasse 10 – 12 9403 Goldach SG, www.avd.ch Verkaufspreis* Einzelexemplar CHF 15.– Abonnement 1 Jahr CHF 50.– Abonnement 2 Jahre CHF 80.– *Ausland, zuzüglich Portokosten ISSN 2297-4849 Alle Rechte vorbehalten. Der Nachdruck von Artikeln ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion und mit genauer Quellenangabe gestattet. Mit Verfassernamen beziehungsweise Initialen gezeichnete Veröffent­ lichungen geben die Auffassung der Autoren und nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für unaufgefordert eingereichte Manuskripte und Bilder kann keine Haftung übernommen werden.


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Tageskurs für Immobilien- und Finanzfachleute

Der GEAK, ein nützliches Instrument für Sanierungen

Machen Sie bestehende Bauten fit!

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem GEAK. Der Gebäudeausweis der Kantone dient dazu, bei Liegenschaften den energetischen ist-Zustand in einem standardisierten, Vergleiche zulassenden Verfahren zu erfassen und konkrete Optimierungsmassnahmen festzulegen, namentlich in den Bereichen Gebäudehülle und Haustechnik. Ein ausgewiesener GEAK-Experte wird das nützliche Instrument anhand eines konkreten Beispiels vorführen.

Neu bauen oder sanieren? Bei einer grossen Zahl von Liegenschaften stellt sich diese Frage mit zunehmender Dringlichkeit. Neben Aspekten des zeitgemässen Komforts spielt auch die nachhaltige, kosteneffiziente Energieversorgung eine wichtige Rolle. Der energie-cluster.ch leistet mit den Tageskursen BAUEN | SANIEREN | ENERGIE | WIRTSCHAFTLICHKEIT wichtige Entscheidungshilfen für Immobilien- und Finanzfachleute. Sanieren / Modernisieren mit Energieeffizienz und erneuerbaren Energien schafft Mehrwerte und optimiert die Rendite. Mit diesem Ansatz sind die Tageskurse des energie-cluster.ch konzipiert. Sie zeigen, dass es möglich ist, mit optimierten Energieinvestitionen angemessene Renditen auf dem Eigenkapital zu erzielen. Gleichzeitig können die Bruttomieten im Rahmen gehalten werden. Unter Beachtung der Komfortsteigerungen für die Mieter entsteht eine Win-win-Situation. In den Tageskursen erklären erfahrene Fachreferenten, wie sich die entscheidenden Einflussfaktoren wie Energiepreise, Zinsen, Abschreibungsdauer oder Überwälzungsmöglichkeiten auf die Renditen von Energiemassnahmen auswirken. In einem praktischen Teil mit Übungen werden die Sensitivitäten gemeinsam durchgespielt. Auch die Finanzierungs- und Förderprogramme von Bund und Kantonen kommen detailliert zur Sprache. Auf eindrückliche Weise werden zudem die Chancen von Eigenverbrauchsgemeinschaften mit Photovoltaikstrom, Lastmanagement und Batterien aufgezeigt.

Der Tageskurs verschafft einen Überblick zum bestehenden «Labelsalat» und vermittelt klare Definitionen: Was heisst SNBS, LEED, MuKEn, Minergie, Plusenergie-Gebäude gemäss SIA etc.? Die Relevanz dieser Standards für energieeffiziente Sanierungen mit erneuerbaren Energien wird sichtbar gemacht. Ausgewählte Firmen und Referenten präsentieren Beispiele und Lösungen aus der Praxis. Welche guten umgesetzten Beispiele gibt es und an wen können sich Investoren wenden? Wie sehen gute umgesetzte Lösungen aus, und was bedeutet das für die Investition und die Betriebskosten? Auf diese Fragen werden Antworten gegeben. Abschliessend wird in der Übung die Wirtschaftlichkeit von Sanierungsmassnahmen berechnet. Die Teilnehmenden werden erkennen, welchen Einfluss verschiedene Parameter auf die Investition und den Betrieb haben und unter welchen Umständen sich diese rechnen. Mit dem Tageskurs erhalten sie einen sehr guten Überblick, wann welche Investition Sinn macht.

BAUEN | SANIEREN | ENERGIE WIRTSCHAFTLICHKEIT Tageskurse für Immobilienund Finanzfachleute Sanieren / Modernisieren mit Energieeffizienz und erneuerbaren Energien schafft Mehrwerte und optimiert die Rendite Mit dem Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) planen und rechnen

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TAGESK URSE Donner st 23. Mär ag, z in Sprei 2017 tenbach Mittwo ch 10. Mai , 2 in Bern 017 09.00 – 16.45 Uh r


Gebäude: Neue Flora, Köln/Deutschland Architekt: K + H Architekten und Generalplaner GmbH, Stuttgart/DE

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Das filigrane Stahlprofilsystem Janisol Arte überzeugt mit zeitlosem Design, fortschrittlichster Wärmedämmung und einer einfachen Verarbeitung. So lassen sich Industrie- und Loftverglasungen originalgetreu sanieren. Dank seiner äusserst schmalen Ansichtsbreite – von nur 25 mm bei Festverglasungen – setzt Janisol Arte auch im modernen Wohnungsbau stilvolle Akzente.

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Phoenix 01 2017  
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