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Unsere Leser und wir

Nummer 157 • Montag, 12. Juli 2010

Sie leben in einer anderen Welt Zum Leitartikel „Leben im Gestern – Warum so viele Altpolitiker so hoch im Kurs stehen“ von Rainer Wehaus in der Ausgabe vom 5. Juli: Mit seinem kritischen Kommentar zum öffentlichen Auftreten von besserwisserischen Altpolitikern hat Herr Wehaus meiner Meinung nach voll ins Schwarze getroffen. Ich bin 1935 geboren, gehöre also zur Generation der genannten Altpolitiker. Deshalb kann ich leider sehr gut den Rückblick von Herrn Wehaus bis zur Ära Willy Brandt nachvollziehen. Finanziell bestens versorgt kritisieren sie die Schuldenpolitik der heutigen Politikergeneration und vergessen dabei, dass diese nichts anderes machen, als die von ihnen vor Jahrzehnten begonnene Politik der Kurzsichtigkeit und Naivität fortzusetzen! Dies ist schon für viele von uns Älteren sehr rücksichtslos, gegenüber unseren Kindern und Enkeln ist es jedoch im höchsten Maß unverantwortlich. Leider muss man befürchten, dass unsere in einer anderen Welt lebenden Politiker solche kritischen Artikel nicht lesen oder sie als Neidgehabe betrachten.

Alfred Eisgruber, Winnenden (per E-Mail)

Kontakt

Joachim Volk Reimund Abel Chef vom Dienst Chef vom Dienst (stv.) 07 11 / 72 05 - 71 10 07 11 / 72 05 - 71 20 cvd@stn.zgs.de www.stuttgarternachrichten.de/ kommentare

Stuttgarter Nachrichten Postfach 10 44 52 70039 Stuttgart

Massive Kritik an der schwarz-gelben Gesundheitsreform Der allgemeine Kassenbeitrag soll von 14,9 auf 15,5 Prozent steigen, Zusatzbeiträge können in unbegrenzter Höhe erhoben werden: Die Pläne der Regierungskoalition zur Bekämpfung der Defizite im Gesundheitswesen stoßen bei vielen Lesern auf massive Kritik.

Hohe Einkommen geschützt Diese Koalition ist an Inkompetenz kaum mehr zu toppen. Gesundheitspauschale ja oder vielleicht besser doch nicht? Beitragserhöhung oder Erhöhung der Zusatzbeiträge oder vielleicht beides? Hauptsache die Pharmabranche, die Ärzte und die Apotheker kommen ungeschoren davon. Die Gesundheitskarte wird von Lobbyisten verzögert bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Wollte die FDP nicht die Kassenärztlichen Vereinigungen abschaffen? Warum wird diese gute Idee nun von einem FDP-Gesundheitsminister nicht forciert? Es muss mal wieder der bezahlen, der sich nicht wehren kann. Die arbeitende Bevölkerung ist der Verlierer. Das gilt natürlich nicht für hohe Einkommen. Dieser Personenkreis wird durch die Beitragsbemessungsgrenze geschützt. Warum eigentlich? Die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze wäre eine faire Lösung. Den Wechsel in die private Versicherung zu erschweren wäre ebenfalls erstrebenswert. Aber solange die Lobbyisten in Berlin als Belohnung für ihre Arbeit die Gesetze gleich selbst schreiben, wird sich nichts ändern.

Jörg Wiedmann, Korb (www.stuttgarter-nachrichten.de/meinung)

Ein Selbstbedienungsladen Die Politik vergibt offenbar Lizenzen zur Selbstbereicherung. Solange Jahr für Jahr die Medikamentenausgaben fast schon unaufhaltsam steigen, ist es eine ziemliche Unverfrorenheit, darauf mit Erhöhungen oder Zusatzbeiträgen bei den Krankenkassen zu reagieren. Das Argument für steigende Ausgaben, die Bevölkerung werde immer älter und somit auch immer kränker, verfängt nicht in einem Land, in dem die Kosten für

Heilmittel mit die höchsten in Europa sind. Für die Pharmaindustrie scheint das Gesundheitswesen immer noch ein Selbstbedienungsladen zu sein. Es ist kaum noch zu vermitteln, dass in Zeiten allgemeinen Reallohnverlusts bestimmte Industriezweige Freibriefe zur Plünderung von Bevölkerung und Sozialsystemen erhalten. Wie schon so oft macht es sich die Politik in Sachen Gesundheitswesen sehr einfach – und dies gilt nicht nur für die aktuelle Koalition. Den Murks, den wir momentan zu beklagen haben, verdanken wir auch der SPD.

Wolfgang Scheu, Nürtingen (www.stuttgarter-nachrichten.de/meinung)

Wieder die Kleinen Das jüngste Beispiel politischer Unfähigkeit unserer uns noch Regierenden erlebt der aufmerksame Staatsbürger im Augenblick – zum wievielten Male? – in der Gesundheitspolitik. Wieder kapituliert man vor der Macht der Pharma-, Ärzte- und Apotheker-Lobby und geht den einfachsten Weg: Man erhöht einfach die Beiträge! Glaubt denn jemand, der noch klar bei Verstand ist, dass immer mehr Geld den Moloch Gesundheitskosten heilen kann? Wieder erwischt es die Kleinen, die machtlos die Fäuste ballen. Zu einer wirklichen Reform sind diese Politiker nicht mehr in der Lage.

Marcus Schlüter, Weil im Schönbuch (per E-Mail)

Immer neues Geld ins System Neun Monate Diskussion über eine Strukturreform des Ministerleins Rösler enden in einer einfallslosen Beitragserhöhung. Zuvor sollte bereits der von Frau Merkel und der damaligen Ministerin Schmidt auch als Reform bezeichnete Gesundheitsfonds die große Wende bringen. Es geht schlicht und ergreifend darum, immer neues Geld ins System zu pumpen, damit sich gewisse Kreise weiter daraus ungeniert bedienen können. Zudem wird sich Frau Merkel wieder hinstellen und die Handlungsfähigkeit der Koalition loben, wie bei der Präsidentenwahl.

Wolfgang Hoppe, Kornwestheim (per E-Mail)

Wer hat ein wirksames Rezept zur Eindämmung der explodierenden Kosten im Gesundheitswesen? Das Bild zeigt einen Arzt in Frankfurt/Oder mit Stethoskop Archivfoto: dpa

Keine Vollversorgung mehr Das System der Vollversorgung ist gescheitert. Es kann nicht angehen, dass man Leistungen im Unverstand beansprucht. Wie bei der Kfz-Versicherung benötigen wir ein verursachungsgerechtes System. Jeder Versicherte sollte ein Jahreskontingent an Arztund Zahnarztbesuchen haben. Überschreitet man dies, steigt der Beitragssatz. Vor allem sollte sich der Beitragssatz an den Lebensgewohnheiten ausrichten. Wer raucht, trinkt, übergewichtig oder Extremsportler ist, sollte ebenfalls mehr zahlen müssen. Wer dagegen normalen Sport betreibt und Normalgewicht hat, sinkt im Beitragssatz.

Ausgenommen sind natürlich chronische oder lebensbedrohliche Krankheiten. Auch der Lobbyismus im Gesundheitssystem muss bekämpft werden. Wie kann es sein, dass viele Medikamente nur die Hälfte kosten, wenn ich sie in den Niederlanden bestelle? Zudem muss die Wirtschaftlichkeit der Krankenkassen überprüft werden. Die AOK freut sich, dass sie durch die Erhöhung ihren Verwaltungs-Wasserkopf querfinanzieren kann. Wirtschaftliche Kassen werden abgestraft. Mal ehrlich, wie oft haben Sie schon die Filiale ihrer Kasse aufsuchen müssen? Ich noch nie.

Andreas Strauß, Waiblingen (www.stuttgarter-nachrichten.de/meinung)

artismedia.de

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Kapitulation vor den Lobbyisten

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