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Bochums Innenstadt. Es dämmert schon. Wir laufen durch eine der kleineren Straßen. Etwas ist heute anders als sonst. Aus einer schmalen Lücke zwischen zwei Häusern leuchtet es geheimnisvoll heraus. Beim Näherkommen sehen wir ein strahlendes Objekt, das über dem Boden schwebt. Leute schauen hinauf. Was könnte das sein? BLOON entwickelte sich aus einem Studentenwettbewerb heraus. Die Aufgabe

sah vor, studentisches Wohnen in Bochums Innenstadt anzusiedeln. Hierzu sollten unbrauchbare städtische Räume untersucht werden. Wie sieht Wohnen morgen aus? Es wurden 277 Studenten und Dozenten der Ruhruni 10 gleiche Fragen nach ihren Wohnvorlieben gestellt. Dabei zeigte sich das viele Studenten auf eine Küche verzichten können und dass das Bett für die meisten der wichtigste Ort des Zimmers ist. Mit den Ergebnissen der Befragung erstellten die Studenten Diagramme, aus den Diagrammen wurden Popups, die in die Architektur von Bloon einflossen. Bloon ist ein transluzentes pneumatisches Bauwerk, das sich wie eine Blase zwischen zwei Häuser quetscht. Die Blase wird über eine Telefonzelle betreten, die sich nach dem Bezahlen über das Smartphone mit „Pay with Data“ öffnet . Eine Dusche, ein WC und ein Waschbecken werden sichtbar und sind gleichzeitig der Weg in die schwebende Hülle. Über die transparente Haut kommuniziert BLOON und lässt die Grenzen zwischen virtuellem Raum und Realität verschwimmen. Diese „Kippung“, die ein Heraustreten aus der Virtualität erlaubt, führt zu einer besonderen Irritationen von Außen und Innen. BLOON lernt – mit jedem Standpunkt und jedem neuen Bewohner wächst Bloon heran und entwickelt sich. Pay with your Data macht diese Entwicklung visuell erfahrbar. Erlebnisse und Eindrücke speichern wir heutzutage ebenso in gedanklicher, wie auch digitaler Form, teilen diese und geben Einblicke. Werden diese auf bloon projiziert erleben wir eine neue Ebene der realen, durch die virtuelle Welt. ‚PWYD’ (Pay with your Data) ist das Zahlungsmittel dieser hybriden Welt. Eine Übernachtung in Bloon wird mit Daten vom eigenen Smartphone bezahlt, die ausschließlich in der lokalen Bloon-Cloud gespeichert werden. Diese werden im inneren visualisiert und für den Bewohner interaktiv erlebbar gemacht. So sammelt BLOON mit jedem Besuch Erfahrungen, die es mit dem aktuellen Bewohner teilen kann.


Stadt Jeder siebte Einwohner Bochums ist Student - ein gewaltiges, lebendiges Potential. Jedoch liegen die Wohnheime verloren und weit vor den Toren der Bochumer Innenstadt.

BLOON Ein Bindeglied zwischen Innen und Außen, Unten und Oben. Ein Platz zur Selbstverwirklichung und Individualisierung. Ein pulsierender Körper mit transparenter Hülle zur Außenwelt.

Baulücke Bochums Innenstadt. Aus einer schmalen Baulücke leuchtet es geheimnisvoll heraus, ein strahlendes Objekt das über dem Boden schwebt erscheint.

GSEducationalVersion


Telephonzelle Die heutige Nutzlosigkeit der Telephonzelle spielt eine große Rolle. Nicht nur aus urbanen Gründen sondern viel mehr aus dem Fakt des fast grenzenlosen Vorrats an ihnen. Sie sorgt für die Bodenhaftung der Blase und erzählt der Außenwelt etwas über den inneren Zustand des Körpers.

pay with data BLOON erweitert sich durch eine Cloud zum Speichern von Erlebnissen, Daten werden an der Tür abgeben und laden den Innenraum auf. Die Grenze zwischen virtuellem Raum und Realität verschwindet zeitweise. Eine eigene Welt / Community entsteht, anonymer aber nicht weniger interessant.


Die Telefonzelle ist das Bindeglied zwischen Innen und Außen, Unten und Oben. Sie steht für die Bodenhaftung der Blase, ist Schleuse und Zugang. Do It Yourself Die Telefonzelle ist ein urbaner Mikrokosmos, der längst seinen ursprünglichen Nutzen verloren hat. Genau wie im größeren Maßstab in Form der Baulücke wollen wir auch diesen kleinmaßstäblichen Raum aufwerten und einer neuen sinnvollen Nutzung zuführen. Die Telefonzelle wird hierbei ähnlich guerillaartig eingenommen, wie die Baulücke. Sie wird mit einfachsten Mitteln vom Studenten selbst für seine Zwecke und Bedürfnisse umgebaut. Nicht perfekt und unvollendet bietet sie Platz zur Selbstverwirklichung und Individualisierung durch den Bewohner. Die Telefonzelle ist Teil des urbanen Raumes, jedoch nicht Teil von BLOON. Mit dem Umzug von BLOON in eine andere Stadt müsste man sich Gedanken um einen neuen, urbanen Mikrokosmos mit ähnlichen Eigenschaften machen. Clean It Up Die Telefonzelle ist ein Gegenstand mit optimalen Eigenschaften für die von uns vorgesehene Umnutzung. Dabei spielt auch die eigentliche Nutzlosigkeit der Telefonzelle aus heutiger Sicht eine starke Rolle. Weniger jedoch aus urbanen Gründen. Vielmehr ist es der fast grenzenlose Vorrat an Telefonzellen, der gerade bei dem Gedanken einer industriellen Vervielfältigung von BLOON eine großartige (günstige) Grundlage für unsere Zwecke bieten würde.


Schleuse zur Blase

2 4 1,00 21 5

Duschkopfhalterung

37

14

5

71

14

5

82

4 10 5

82

13

13 1

2

2

1

Duschkopfhalterung

37

Waschbecken

21

10

1,095

1,14

85 4

65

Feuerlöscher + Durchlauferhitzer

20

2

2,33 10

88

Gebläse

2

5

4

885

Gebläse


Der Raum . Die Blase bietet Geborgenheit, durch eine Haut, die einen Raum über und um seinen Bewohner spannt. Der daraus entstehende Raum ist einfach. Reduziert. Ursprünglich. Ähnlich wie in einer Höhle, jedoch weich, ein Kokon, nur offener, weiter, großzügiger. Jeder von uns kennt das Bild der Sofa-Decken-Höhle aufgespannt zwischen Stuhl, Esstisch und Sessel. Uns ist wichtig, dass sich der Raum von den herkömmlichen, konventionellen Vorstellungen des Wohnens löst. Daher fiel die Entscheidung der Gestaltung des Innenraumes auf einfache, abstrakte und diffuse Formen. Was ist ein Bett? Was ein Tisch? Was ein Stuhl? Was ist der Boden, was kann der Boden sein? All dies sind Fragen, auf die wir mit BLOON in Form von Erfahrungen und Experimenten neue Antworten geben wollen. Diese Form der Reduktion des Wohnens entspricht dabei unserer eigenen Vorstellung des studentischen Lebens. Der Student braucht schon heute nicht vielmehr als ein Schlafplatz, einen Ort des Rückzugs und Geborgenheit und seinen Laptop. Er soll sich hierbei möglichst frei entfalten und den Raum und Ort seinen persönlichen Anforderungen anpassen können. Die Grenzen der Entfaltungsmöglichkeiten sind nicht durch die Blase begrenzt. Warum soll durch die Blase nicht ein ganzer Block oder ein ganzes Viertel angeregt werden und zu pulsieren beginnen?


Die Hülle . Nicht mehr als eine zweite Haut trennt den Bewohner von seiner Umwelt, schirmt ihn von äußeren Einflüssen ab und bietet ihm so ein Gefühl des Schutzes. Die Hülle ist allerdings mehr als nur eine Haut. Sie ist Wand, Fenster, Dach - ist ebenso Boden, wie Tragwerk. Vielleicht kann die Hülle noch mehr sein. Sie ist die Kommunikationsebene. Eine Membran, welche Außen und Innen ebenso trennt, wie sich verschmelzen lässt. Sie öffnet sich zum Teil stark, gewährt einen Blick ins Innere, wenn gleich sie sich an anderer Stelle wieder stark verschließt um Privatsphäre zu schaffen. In Form von diffusen Formen und Bewegungen bleibt die Blase so ein pulsierender, sich stetig wandelnder Organismus, der dies auch jederzeit nach außen zeigt. Sie passt sich perfekt an den Ort an – ohne diesen dauerhaft zu verändern. Oder doch?


Hochschule Bochum Konzept und Umsetzung Leitung Agnes Brigida Giannone Studenten Elisa Jakaytis, David Keuer, Lala Muradowa, Alexander Rakow, Jennifer Reufels, Melanie Rosenthal, Kim Stolfik, Lukas Beckert, Eileen Boos, Arturo Ollero Carillo, Kristina Deutsch, Julius Frodermann, Franziska Fischer, Timm Fröhlich, Carlos Orihuela-Garcia, Alexander Klier, Franziska Stasch, Pascal Terbach, Jaciento Garrudo-Villar, Lisa Winter Hochschule Hildesheim Projektionskonzept Leitung Sandro Engel Amelie Künzler, Florian Schober, Finn Quoos

Konstruktion Blase Pneumocell Dipl.-Ing. Architekt Thomas Herzig Weyringergasse 29 171040 Wien Brandschutzgutachten insa 4 Dipl.-Ing. Gürsel Dincer Am Brögel 19a 42285 Wuppertal Tragwerk Prof. Michael Maas Dipl.-Ing. Gaspar Galambos Hochschule Bochum Grundstückseigentümer Bochum Angelika Koch Dr. Bernd Schäfer Marlo Rodenkirchen


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