Page 1

Karl-Michael Haake

GESTECKE Technik

Gestaltung

it . Auflage m 2 . über ar b chter Fach li it e h in e r e v en ch dem neu spr ache na exikon Floristik-L

Zeitgemäßes Lernen für die Praxis

Praxis


(5a) Damit die Werkstoffe

schaum vorbohren. Erst dann wird der Werkstoff in die-

Halt im Steckschaum fin-

ses Loch gesteckt. Wegen des Halts darf das Loch nicht

den und das darin befind-

zu groß vorgebohrt werden.

liche Wasser aufnehmen können, müssen sie in

(6b) Werkstoffe wie Orchi-

passender Länge schräg

deen,

angeschnitten werden. Bei

Alpenveilchen eignen sich

der Länge ist zu beachten,

nicht zur direkten Verar-

dass der Stiel wegen der

beitung in Steckschaum.

Festigkeit ausreichend tief eingesteckt werden soll. Zu

Sie haben eine zu schwa-

tiefes Einstecken ist aber zu vermeiden, besonders wenn

che Saugkraft, um aus

(5a)

viele Stiele verarbeitet werden, die sich dann in einem

(6b)

Christrosen

und

dem Steckschaum Wasser

recht vollen Steckblock gegenseitig stören würden. Die

aufzunehmen. Sie müssen

letzten Stängel wären kaum noch gut unterzubringen.

in wassergefüllte Röhrchen gegeben werden, die ihrer-

Auch dürfen seitlich eingesteckte Stiele nicht auf der an-

seits in den Steckziegel eingesteckt werden können.

deren Seite des Steckblocks wieder herausragen.

Diese Röhrchen müssen natürlich zusätzlich zum eigentlichen Steckblock nachgewässert werden.

(5b) Alle an einem Stiel-

(5b)

ende vorhandenen Ver-

(7) Nun werden die we-

dickungen, wie die Nodien

sentlichen

von Nelken, müssen ent-

des Gestecks ausgearbei-

fernt werden. Hier ist es

tet und gestaltet: Die

der kurze Teil des dicke-

senkrechte Mitte und eini-

ren Hauptsprosses, der

ge seitliche und abflie-

bezüglich der Stiellänge

ßende Bereiche geben die

nicht mehr wirklich erfor-

(7)

Richtungen

spätere Außenform be-

derlich ist. Solche verdickten Stielenden ergeben beim

reits vor. Auch die unte-

Einstecken ein größeres Loch im Steckschaum. Dringt

ren, seitlichen Blätter werden jetzt gesteckt, da diese

der Stiel nun tiefer ein, wird er oben, wo er aus dem

Bereiche später kaum noch erreicht werden können.

Steckschaum austritt, nicht mehr ausreichend gehalten. (8) Bevor die Zwischen(6a) Die schräge Schnitt-

räume vollständig aus-

stelle des Stiels lässt sich

gesteckt werden, muss

gut in die Struktur des

die Basis komplett ausge-

Schaums einführen, wäh-

staltet werden. Einerseits

rend gerade abgeschnitt-

gehört es zu einer guten

ene Stiele die Schaum-

Gestaltung,

struktur wie ein kleiner

(8)

sorgfältig

auch

hier

Blüten

und

Stempel zerdrücken wür-

Blätter einzufügen, ande-

den, ohne wirklich Halt zu

rerseits muss die Steckschaumbasis bedeckt werden. Sie

finden. Übrigens: Sind besonders dicke oder auch beson-

soll, mit der Ausnahme des farbigen Steckschaums, im

ders weiche Stiele zu verarbeiten, kann man mit einem

fertigen Gesteck nicht mehr zu sehen sein.

(6a)

entsprechend starken, festen Stab ein Loch im Steck-

001-013_Vorlauf1_RZ.indd

10

27.03.2009

12:13:15 Uhr


TECHNISCHE GRUNDLAGEN

II

(9) Alle Bereiche des Gestecks sind gestaltet, die Steckbasis ist kaschiert und zur Vervollständigung werden passende Bänder eingefügt. Als letzter Arbeitschritt muss Wasser bis zur maximalen Aufnahmefähigkeit des Gefäßes aufgefüllt werden. Wird das Gesteck noch transportiert, erfolgt dieser Schritt erst am Bestimmungsort.

(1)

(2)

(3)

(4)

(5a)

(5b)

(9)

Das Fixieren des Steckschaumblocks Fest soll’s sein Viele Gefäße, in denen Gestecke gefertigt werden, sind weite, flache Schalen. Hier fehlt die Halt gebende seit-

(2) Danach wird die Knetmasse über einer Flamme er-

liche Wandung des Gefäßes. In diesen Gestaltungssitua-

wärmt. Dadurch erhöht sich die Klebefähigkeit. Die Masse

tionen gilt es, dem Steckschaumblock auf andere Weise

kann sich entzünden, da sie ölhaltig ist. Knetmasse sollte

die notwendige Fixierung zu verschaffen. Kleine Kunst-

nicht in offenporigen Gefäßen z. B. aus Terrakotta verwen-

stoffhalter, so genannte Pinholder, mit einer Knetmasse

det werden. Unschöne, nicht mehr entfernbare Flecken

in die Schale geklebt, sind die gängige Lösung. Häufig

würden den Wert der Schalen mindern.

wird auch in schmale Gefäße ein Halter eingeklebt. Dies ist jedoch unnötig und betriebswirtschaftlich abzulehnen,

(3) Jetzt wird der Pinholder an der Stelle, wo der Steck-

da es vermeidbare Kosten verursacht. Neben den Pinhol-

schaumblock platziert werden soll, auf dem Schalenboden

dern geben auch alternative und gestalterisch wirksame

fest angedrückt. Bei größeren Blockstücken ist der Ein-

Materialien, z. B. Zweigstücke oder Steine, guten Halt.

satz mehrerer Halter in sinnvoller Verteilung möglich.

Auch hier eine Darstellung der Vorgehensweise. (4) Der Steckschaumziegel kann nun aufgesetzt und bis (1) Zunächst wird ein kleines Stückchen der Knetmasse

zum Schalenboden herunter gedrückt werden. Auf dem

unter den Pinholder geklebt. Ein leicht knetendes Fest-

Boden sollte er vollständig und dicht aufliegen, damit er

drücken fördert den Halt.

nach dem Bestecken so wenig wie möglich wackelt.

10 11

001-013_Vorlauf1_RZ.indd

11

27.03.2009

12:13:17 Uhr


024-049_Kapitel1_RZ.indd

24

27.03.2009

12:19:39 Uhr


Alstroemeria Cultivar, Delphinium Cultivar, Dianthus caryophyllus, Gerbera Cultivar, Gypsophila paniculata, Hypericum androsaemum, Rhodocoma gigantea, Rosa Cultivar Keramikgefäß, Kiesel

40 min

2

1 Gestecke und Gestaltungsarten 1·1 Dekorative Gestecke 1·2 Formal-lineare Gestecke 1·3 Vegetative Gestecke

24 25

024-049_Kapitel1_RZ.indd

25

27.03.2009

12:19:50 Uhr


Geschlossene Kuppelformen gehören zum dekorativen Gestalten und sind als formbinderisch anzusehen. Schwierig daran ist die saubere Ausformung. Aufwändige, zusätzliche Elemente, die exakt vorgeformt werden müssen, bereichern die Gestaltung. Hier sind es Spiralen aus Draht und Blattkränzchen.

30 min

1

45 min

3

25 min

2

oben: Myrtus communis, Rosa Cultivar Keramikschale, Schmuckband

unten: Achillea millefolium, Astrantia major, Cyrtanthus purpureus, Muehlenbeckia axillaris, Rosa Cultivar, Rubus sect. Rubus, Scabiosa atropurpurea, Tricyrtis hirta, Zinnia elegans Keramikgefäß, Schmuckdraht

rechte Seite: Chrysanthemum Cultivar, Clematis-Ranken, Hypericum androsaemum, Malus Cultivar, Phytolacca acinosa, Rosa multiflora, Rubus fructicosus, Sambucus nigra, Viburnum opulus, Viburnum tinus Glaspokal

30 31

024-049_Kapitel1_RZ.indd

30

27.03.2009

12:20:42 Uhr


D E K O R AT I V E G E S T E C K E

024-049_Kapitel1_RZ.indd

31

1路1

27.03.2009

12:20:56 Uhr


050-081_Kapitel2_RZ.indd

50

27.03.2009

12:25:41 Uhr


vorderes Gesteck: Celastrus orbiculatus, Cotoneaster, Eucalyptus globulus, Ligustrum vulgare, Malus Cultivar, Phoenix canariensis, Physalis alkekengi, Rosa Cultivar, Rosa rugosa, Rubus sect. Rubus, Sambucus nigra, Viburnum tinus Terrakottagefäß

je 50 min

3

hinteres Gesteck: Herbstlaub, Panicum virgatum, Phalaenopsis Cultivar Glasröhrchen, Stäbe, Terrakottagefäß

2 Gestecke und Anordnungsarten 2·1 Radiale Gestecke 2·2 Parallele Gestecke 2·3 Frei-ungeregelte Gestecke 2·4 Flächige Gestecke

50 51

050-081_Kapitel2_RZ.indd

51

27.03.2009

12:25:54 Uhr


2·2 Parallele Gestecke Gemeinsame Richtung dingungen der Gestaltungsarten man beachtet, entsteht dekorative, formal-lineare oder vegetative Parallelität. Als eigene Gestaltungsart ist sie dementsprechend nicht zu zählen, sondern als Anordnungsart innerhalb der Gestaltungsarten. Parallele Gestecke erfordern Gefäßformen, die ebenfalls Parallelität zeigen. Eine Quader- oder Würfelform ist ebenso geeignet, wie flache Schalen mit parallel einander gegenüberliegenden Seitenwänden. Dabei können quadratische, rechteckige und auch rautenförmige Grundflächen vorkommen. Selbst Zylinder sind möglich. Von oben gesehen sind sie zwar rund, von der Seite betrachtet zeigen sie aber parallele Begrenzungen. Insgesamt darf das Gefäß die Stielführung nicht verdecken, damit die Parallelität erkennbar bleibt. Glasgefäße sind so besonders gut geeignet. Die Skizzen verdeutlichen die theoretischen Überlegungen zu verschiedenen Ausrichtungen paralleler Stielführung.

Das Wesentliche dieser Anordnungsart besteht darin, dass innerhalb eines Werkstücks jeder Werkstoff seinen eigenen Wuchspunkt hat, die Linien der Stiele parallel zueinander verlaufen und damit eine gemeinsame Ausrichtung haben. Die Parallelität muss nicht technischmathematisch exakt sein, eine annähernde Umsetzung ist ausreichend und wirkt natürlicher. Verschiedene Ausrichtungen der Parallelität im Raum sind denkbar: Horizontale, vertikale, diagonale und auch gebogene oder geknickte Linienführungen werden entwickelt. Innerhalb eines einzigen Gestecks ist die Kombination mehrerer Richtungen möglich, allerdings dürfen es nur wenige sein, damit gestalterische Klarheit erhalten bleibt, denn gestalterische Parallelität bedingt die Sichtbarkeit der entsprechenden Stielführung. Häufig lässt

Ein Gesteck mit zwei annähernd diagonal-parallelen Ausrichtungen der Werkstoffe, die sich in symmetrischer Winkelstellung kreuzen.

2·2 Fit für die Prüfung [1]

sich der Reiz paralleler Gestecke noch steigern, indem man bewusst eine anders geartete Bewegungsform als

Parallelität im Raum.

[2]

Kontrast hinzufügt, z. B. einen spielenden Zweig zu gerade aufstrebenden Werkstoffen. Hierbei darf es sich nur

Nennen Sie mögliche Ausrichtungen der Welche Überlegungen helfen bei der Auswahl passender Gefäße für parallele Gestecke?

[3]

Wo finden Sie Beispiele parallelen Wuchses als Vorbilder in der Natur?

um eine Andeutung, einen formalen Akzent handeln.

[4]

Beschreiben Sie die Gestaltung des Gestecks

Je nachdem, wie dicht die Werkstoffe stehen, welche

auf Seite 65 hinsichtlich der Parallelität.

Ordnungsart entwickelt wird und welche sonstigen Be-

(Lösungen Seite 157)

050-081_Kapitel2_RZ.indd

60

27.03.2009

12:27:25 Uhr


2·2

PA R A L L E L E G E S T E C K E

Parallelität in jeder Beziehung: Die Stiele der Werkstoffe verlaufen so, das Gefäß zeigt parallele Flächen, die Rindenscheiben haben parallele Kanten und die Schichtung der Werkstoffe in verschiedenen Ebenen ist ebenfalls streng parallel.

Angaben für das vordere Gesteck: Allium aflatunense, Birkenrinde, Dahlia Cultivar, Lavandula angustifolia, Miscanthus sinensis Steingefäß

40 min

2

60 61

050-081_Kapitel2_RZ.indd

61

27.03.2009

12:27:35 Uhr


082-097_Kapitel3_RZ.indd

82

27.03.2009

12:33:12 Uhr


Achillea millefolium, Amaranthus caudatus, Anethum graveolens, Cucumis melo, GladiolusKnollen, Gyosophila paniculata, Macleaya cordata, Peddigrohr gefärbt, Physocarpus opulifolius, Rosa Cultivar Keramikgefäß

40 min

3

3 Gestecke und Ordnungsarten 3·1 Symmetrische Gestecke 3·2 Asymmetrische Gestecke

82 83

082-097_Kapitel3_RZ.indd

83

27.03.2009

12:33:24 Uhr


3·1 Symmetrische Gestecke Im Gleichmaß

Monosymmetrie

Disymmetrie

Radiärsymmetrie

120°

Drehsymmetrie

Reihensymmetrie

Komplementärsymmetrie

Schematische Skizzen verdeutlichen verschiedene Arten von Symmetrie.

Die Ordnungsart Symmetrie heißt auch strenge Ordnung.

Arten der Symmetrie (vergleiche Skizze):

Sie wird häufig für repräsentative und festliche Anlässe

angewendet. Die grundlegenden Prinzipien lauten:

Nach der Anzahl der Symmetrieachsen können Mono-, Di- und Radiärsymmetrie unterschieden werden.

Ist die Bezugsstelle ein Punkt, spricht man von Dreh-

Spiegelgleiche oder drehgleiche Aufteilung aller Teile

oder Rotationssymmetrie. Dabei sind die Motive um

entsteht. Bezugselemente sind entweder Symmetrie-

gleichbleibende Winkel gedreht, die sich aus der Menge

achsen bzw. –ebenen oder es ist ein Mittelpunkt.

der Wiederholungen ergeben. Bei einer Dreiteilung

Es entstehen Gleichheitsproportionen.

ergibt sich demnach 360°:3=120°. Die Radiärsymme-

Die Symmetrieachse deckt sich mit der Gruppenachse

und geht durch die geometrische Mitte.

trie kann ebenfalls drehsymmetrisch aufgefasst werden. ■

Reihen- oder Translationssymmetrie zeigen die Elemente

Der Waagepunkt liegt unter der geometrischen Mitte.

von Reihen. Sie sind nicht gespiegelt oder gedreht, son-

Das Hauptmotiv befindet sich in der geometrischen Mitte.

dern werden gegeneinander verschoben wiederholt.

Es muss nicht das größte, wohl aber das bedeutendste Element sein. Eine leere Mitte ist möglich, wartet aber

Komplementärsymmetrie mit sich ergänzenden Teilen ist selten.

auf Sinnfüllung. Beispiel: Zwei umrahmende Gestecke auf einer noch leeren Bühne. ■

Die Nebenmotive sind jeweils rechts und links gleichartig in Größe, Form und Farbe und in gleichem Abstand

3·1 Fit für die Prüfung [1]

Gestaltung und die jeweiligen Regeln dazu.

zur Symmetrieachse angeordnet. ■

Nebenmotive können in sich asymmetrisch sein, müs-

[2]

Welche Arten der Symmetrie kennen Sie?

sen aber spiegelbildlich bzw. bei der Punktsymmetrie

[3]

Welche Wirkung/Ausstrahlung hat die Symmetrie?

gedreht wiederholt werden. ■

Nennen Sie die Motive in einer symmetrischen

Die Wirkung ist klar, ruhig, festlich, streng und statisch,

Wie verhalten sich in der Symmetrie Waage-

[4]

punkt, geometrische Mitte, Symmetrie- und

je nach Werkstoffauswahl auch verspielt bis naiv.

Gruppenachse zueinander?

Genaues Abmessen ist nicht nötig, Augenmaß reicht.

(Lösungen Seite 157)

082-097_Kapitel3_RZ.indd

84

27.03.2009

12:33:28 Uhr


3·1

SYMMETRISCHE GESTECKE

Ein großvolumiges Gesteck mit einer kräftigen Farbigkeit belebt den Entree-Bereich eines Geschäftsgebäudes und zieht die Blicke auf sich. Die dekorative Gestaltungsart bringt die hier notwendige üppige und prächtige Wirkung. Dazu gehören eine symmetrische Außenform und die gleichmäßige Verteilung der Werkstoffe.

Alstroemeria Cultivar, Chrysanthemum x grandiflorum, Gerbera Cultivar, Gypsophila paniculata, Limonium sinuatum, Peddigrohr, Solidago canadensis Keramikgefäß mit Kunststoffeinsatz

45 min

3

84 85

082-097_Kapitel3_RZ.indd

85

27.03.2009

12:33:45 Uhr


098-123_Kapitel4_RZ.indd

98

27.03.2009

12:44:38 Uhr


Angaben für beide Gestecke: Asclepias tuberosa, Carthamus tinctorius, Cocos nucifera, Dahlia Cultivar, Gräser, Rosa Cultivar, Sandersonia aurantiaca, Vicia cracca, Zinnia elegans Keramikgefäße

je 20 min

2

4 Gestecke und Gefäßfaktoren 4·1 Gestecke und Gefäßfarbe 4·2 Gestecke und Gefäßform 4·3 Gestecke und Gefäßmaterial 4·4 Gestecke und Gefäßstil

98 99

098-123_Kapitel4_RZ.indd

99

27.03.2009

12:44:52 Uhr


098-123_Kapitel4_RZ.indd

102

27.03.2009

12:45:10 Uhr


G E S T E C K E U N D G E F Ä S S FA R B E

4·1

oben: Allium aflatunense, Cestrum purpureum, Chrysanthemum x grandiflorum, Echinacea purpurea, Fritillaria persica, Gomphrena globosa, Hypericum androsaemum, Nelumbo nucifera Keramikschale

unten: Chrysanthemum x grandiflorum, Gomphrena globosa, Leucophytha brownii, Muehlenbeckia axillaris, Phalaenopsis Cultivar, Scabiosa caucasica Glasröhrchenkranz mit Häkelmantel

linke Seite: Dahlia Cultivar, Eucalyptus globulus, Rosa Cultivar, Trockenblatt Keramikschale

20 min

2

15 min

2

20 min

1

Harmonie der Ähnlichkeiten ist das Thema dieser Gestecke. Changierendes Farbenspiel in blauen und violetten bis zu magentaroten Farbtönen entsteht durch die Wahl von Nachbarschaftsfarben sowie Verweißlichungen und Verschwärzlichungen, die aufhellend bzw. abdunkelnd wirken. Der Übergang zum Rotbereich lässt die Gestecke rechts warm erscheinen, während links eine kühle Optik entsteht.

102 103

098-123_Kapitel4_RZ.indd

103

27.03.2009

12:45:25 Uhr


124-155_Kapitel5_RZ.indd

124

27.03.2009

12:50:56 Uhr


Äste, Tulipa Cultivar, Moos, Zweige Keramikschale, Schrauben

100 min

3

5 Gestecke und Anlassfaktoren 5·1 Gestecke im Jahreslauf 5·2 Gestecke für persönliche Anlässe 5·3 Gestecke für Tisch und Raum

124 125

124-155_Kapitel5_RZ.indd

125

27.03.2009

12:51:10 Uhr


124-155_Kapitel5_RZ.indd

138

27.03.2009

12:54:18 Uhr


5·2

GESTECKE FÜR PERSÖNLICHE ANLÄSSE oben: Chamaelaucium uncinatum, Pachysandra terminalis, Rosa Cultivar Filzherz, Schmuckband, Tonkarton, Vase

10 min

1

unten: Alchemilla mollis, Clematis vitalba, Lantana camara, Phalaenopsis Cultivar, Stachys byzantina Filzherz, Glasvase, Papierlaterne

linke Seite: Muehlenbeckia axillaris, Rosa Cultivar Herzaccessoire, Herzsteckform, Schmuckband, Schmuckdraht, Schmucknadel

10 min

1

30 min

2

Herzensangelegenheiten sind die persönlichsten aller Anlässe und alle Wünsche dazu wollen mit besonderem Feingefühl überbracht werden. In blumiger Gestaltung lassen sie sich besonders liebevoll ausdrücken. Das muss nicht immer das große überbordende Herz sein, sondern kann auch mit kleiner Geste gesagt werden.

138 139

124-155_Kapitel5_RZ.indd

139

27.03.2009

12:54:35 Uhr


IV DIE ANTWORTEN

Das ist die Lösung

1·1 Dekorative Gestecke (Fragen S. 26) [1] Die Bedingungen der dekorativen Gestaltungsart lauten: ■ Das Werkstück zeigt üppige Fülle. ■ Bewegungsformen stehen nicht im Vordergrund, werden jedoch vielfältig verwendet, um Fülle zu erreichen. ■ Es entstehen geschlossene oder relativ geschlossene Umrissformen mit wenigen Freiräumen. ■ Bei geschlossener, dichter Umrissform entsteht Formbinderei. ■ Symmetrische Ordnung wird bevorzugt, Asymmetrie ist möglich. ■ Die einzelnen Werkstoffe ordnen sich der Gesamtwirkung unter. ■ Die natürliche Werkstoffform kann verändert werden. ■ Geltungsansprüche werden kaum oder gar nicht beachtet. ■ Gefäße haben meist bauchige, rustikale oder klassische Formen. ■ Auch nicht florale Schmuckmittel wie Bänder finden Verwendung. [2] Dekorative Gestecke wirken üppig und prächtig. Sie haben eine prunkvolle, reiche Ausstrahlung und eignen sich für festliche und Prestige betonte Anlässe. [3] Das Gesteck enthält Aconitum Cultivar, Aster ericoides, Eremurus stenophyllus, Gaultheria shallon, Gerbera jamesonii, Hydrangea macrophylla und Lilium Cultivar. [4] Für ein dekoratives Gesteck wählt man klassische Gefäßformen, z. B. Amphoren und Krater, oder traditionelle, rustikale Formen wie Krüge, Fässer und Körbe. Ganz allgemein eignen sich bauchige Gefäße, da sie der üppigen Fülle entsprechen. Werden Gefäße mit rein technischer Funktion verwendet, sind sie nicht oder kaum zu sehen und haben keine gestalterische Aufgabe. Farbigkeit und Textur der Gefäße sind mit der Werkstoffwahl abzustimmen.

1·2 Formal-lineare Gestecke (Fragen S. 36) [1] Die Bedingungen der formal-linearen Gestaltungsart lauten: ■ Formen und Linien (Bewegungsformen) stehen im Vordergrund. ■ Die asymmetrische Ordnung wird bevorzugt, Symmetrie ist möglich. ■ Eine Beschränkung auf wenige, wesentliche Werkstoffe ist besonders deutlich. ■ Große Freiräume lassen alle Einzelformen klar erkennen. ■ Formkontraste steigern die Wirkung der verwendeten Einzelformen. ■ Formation bzw. Massierung von gleichen Werkstoffen ist möglich. ■ Die Werkstoffe können gestalterisch verfremdet werden. ■ Nicht-natürliche Schmuckmittel finden Verwendung. ■ Das Gefäß ist als gestalterisch relevante Form von Bedeutung. [2] Ein gleichförmiges Zueinanderfügen verhältnismäßig großer Mengen des gleichen Werkstoffes, allgemein auch gleicher Elemente, nennt man Formation. Stetige Reihen können z. B. Formationen sein. [3] Folgende floristische Bewegungsformen werden unterschieden: aufstrebend (Delphinium-Sproß), aufstrebend-allseitig-entfaltend (Hippeastrum-Blütenschaft), aufstrebend-einseitig-entfaltend (einblütiger Narcissus-Schaft), aufstrebend-lagernd oder rund-endend (Gerbera-Schaft mit Körbchen), ausschwingend (Aspidistra-Blatt), entfaltend (Nephrolepis-Pflanze), lagernd-sammelnd (MalusFrucht), abfließend (Columnea-Trieb), brüchig (Prunus spinosaZweig), spielend (Gypsophila-Stiel), seitwärts-strebend (PiceaZweig) und abwärts-rückschwingend (Cedrus-Zweig).

156-160_Antworten_RZ.indd

156

[4] Als technisch konstruierte Form eignen sich Gefäße besonders gut als Kontraste zu den organisch gewachsenen Formen pflanzlicher Werkstoffe. Daher sind kubische Formen (Würfel, Quader) gut geeignet. Auch sehr flache Schalen und Zylinder werden verwendet. Unikate eignen sich ebenfalls und müssen in ihrer Besonderheit besonders berücksichtigt werden.

1·3 Vegetative Gestecke (Fragen S. 44) [1] Die Bedingungen der vegetativen Gestaltungsart lauten: ■ Mit ihr soll eine weitgehend naturhafte Wirkung erzielt werden. ■ Die Asymmetrie wirkt natürlich, Symmetrie ist möglich. ■ Die natürlichen Bewegungsformen müssen beachtet werden. ■ Eine Verfremdung der Natürlichkeit der Werkstoffe verbietet sich. ■ Die Pflanzensoziologie findet Anwendung: Es sollten nur Pflanzen miteinander kombiniert werden, die auch in der Natur zusammen vorkommen könnten. Hierbei geht es um Vorstellbarkeit und nicht um genaue Nachahmung natürlicher Pflanzengesellschaften. ■ Natürliche Entwicklungsstadien und natürliche Blütezeiten müssten bei der Kombination der Werkstoffe berücksichtigt werden. ■ Der Geltungsanspruch einer Pflanze muss beachtet werden. ■ Meist werden viele Wuchspunkte entwickelt. Ein gemeinsamer Wuchspunkt der Werkstoffe ist in der Regel imaginär, d. h. man stellt ihn sich unterhalb des Gefäßbodens vor. ■ Die Basisgestaltung bzw. Bodengestaltung muss passend zum natürlichen Umfeld der verwendeten Pflanzen erfolgen. ■ Gefäße sollen natürlich-erdig erscheinen oder gestalterisch im Hintergrund bleiben und keine wesentliche Eigenwirkung entfalten. [2] Je nach den verwendeten Hauptwerkstoffen können Bruchsteine, Kiesel und Sand die Optik des Erdbodens nachbilden. Hinzutreten evtl. Wurzeln, trockenes Laub, Rinden- und Aststücke. Auch Moose, rankende Bodendecker und Flechten sind denkbar. [3] Die Floristik unterscheidet folgende Geltungsansprüche: ■ Blumen, die herrschen wollen, z. B. Strelitzia reginae. ■ Blumen, die gelten wollen und vermitteln, z. B. Dianthus Cultivar. ■ Blumen, die Gemeinschaft liebend sind und sich unterordnen, z. B. Massenblüher wie Aster novi-belgii. ■ Blumen, die edel wirken, z. B. Phalaenopsis Cultivar. ■ Blumen, die prunken wollen, z. B. Hydrangea macrophylla. [4] Die Gefäße müssen naturhaft wirken oder möglichst unauffällig sein. Sie stellen sozusagen einen Ausschnitt des Erdbodens dar, auf dem die Blumen gewachsen sein könnten, und sollen daher eine erdige Farbigkeit aufweisen. Raue Texturen und organisch geschwungene sowie flache Formen sind günstig.

2·1 Radiale Gestecke (Fragen S. 52) [1] Die radiale Anordnung der Werkstoffe wird erreicht, in dem alle Stiele auf einen im Zentrum des Steckschaumblocks befindlichen, gemeinsamen Wuchspunkt ausgerichtet und eingesteckt werden. [2] Technisch gesehen ist der Wuchspunkt im Steckhilfsmittel die Stelle, auf die das Einstecken der Werkstoffstiele ausgerichtet ist. Gestalterisch betrachtet entspringen alle Bewegungsformen der Werkstoffe aus dem Wuchspunkt. So enthält ein Gesteck die Darstellung der natürlichen Wuchsbewegungen.

27.03.2009

12:59:36 Uhr


ANTWORTEN ZU DEN FRAGEN

[3] Vom imaginären Wuchspunkt spricht man, wenn der Wuchspunkt als gemeinsamer Ursprung aller Werkstoffe eines Gestecks nicht innerhalb des Gefäßes, sondern ein Stück weit unter dem Gefäßboden liegt. Hier ist er nicht tatsächlich vorhanden, sondern lässt sich nur erkennen, indem man sich die Bewegungsformen der Werkstoffe unter dem Gefäß fortgesetzt vorstellt. [4] Der Übergang zwischen der Wurzel und dem oberirdischen Spross einer Pflanze heißt Wurzelhals oder Hypokotyl.

IV

2·4 Flächige Gestecke (Fragen S. 76) [1] Eine lagernde Bewegungsform und gute Eignung für flächige Gestaltungen haben z. B. Früchte bzw. Fruchtstände von Viburnum opulus, Aesculus hippocastanum und Nelumbo nucifera, Blüten bzw. Blütenstände von Gerbera Cultivar, Dahlia Cultivar und Dianthus caryophyllus, Blätter von Galax urceolata, Asarum europaeum sowie ganze Pflanzen von Sempervivum, Echeveria und Moos-Arten. An Materialien können Steine, Keramik- und Glaskugeln, Streugranulate und Muscheln genannt werden.

2·2 Parallele Gestecke (Fragen S. 60) [1] Die parallele Anordnung kann horizontal, vertikal und diagonal erfolgen. Auch Biegungen und Knicke sind möglich. [2] Auch die Gefäße sollten in ihrer Form Parallelität enthalten. Diese Forderung erfüllen z. B. Quader und Würfel, aber auch die Begrenzungslinien eines seitlich betrachteten Zylinders. Gefäße ohne deutliche Parallelität sollten flach bleiben, um geeignet zu sein. [3] Geotropismus und Fototropismus als wesentliche Bestimmungskräfte der Wuchsrichtung von Pflanzen führen zu einer gemeinsamen Ausrichtung von Sprossen. Die entstehende Parallelität ist gut erkennbar bei geraden, ausreichend langen Sprossen von Pflanzen, die dicht beieinander stehen, wie die Bäume des Waldes, einer Allee oder die Halme eines Getreidefelds. [4] Das Gesteck ist in ein Gefäß mit paralleler Ausrichtung der gegenüberliegenden Seiten und einer horizontalen, parallelen Quergliederung gearbeitet. Die eingefügten Keulenlilien-Blätter bilden eine Formation paralleler Bögen. Die Blütenwerkstoffe stehen exakt senkrecht parallel. Diese bis dahin sehr strenge Gestaltung wird von Hartriegel-Zweigen, die von der Parallelität abweichen, nahezu wuchshaft kontrastiert und abgemildert. Allerdings greifen auch sie die Ausrichtung der Bogenformation auf.

2·3 Frei-ungeregelte Gestecke (Fragen S. 70) [1] Die entscheidenden Forderungen bei der frei-ungeregelten Anordnungsart sind ein eigener Wuchspunkt für jeden Werkstoff und keine Gemeinsamkeit in der Richtung der Stielführung. [2] Der frei-ungeregelten Anordnungsart entsprechen die asymmetrische Ordnung und die formal-lineare oder die vegetative Gestaltungsart. Jeweils ist das Ungleichmäßige, nahezu Zufällige hier am Besten umsetzbar. Bei einer vegetativen Gestaltung kommt das wild Wachsende zum Ausdruck, beim formal-linearen Gestalten sind Richtungskontraste, Überschneidungen und Brüche durch die Freistellung gut zu zeigen.

[2] Ein Fries ist in der Architektur ein schmückendes Band in gleich bleibender Breite, z. B. als Relief unter einem Giebel verlaufend. Daraus leitet sich die Bezeichnung für eine bandförmige, in sich geschlossene, oft strukturhafte Flächengestaltung mit geringen Höhendifferenzen zwischen den Werkstoffen ab. [3] Die Bedingungen für die flächige Anordnungsart lauten: Die Stielführung ist nicht sichtbar und ein weitgehender Verzicht auf das Gestaltungsmittel Stiel ist typisch. ■ Lagernde Bewegungsformen sind vorherrschend. ■ Schichtungen, Stapelungen und nur geringe Staffelung der Werkstoffe mit kleinen Höhenunterschieden werden eingesetzt. ■ Umbildungen des Werkstoffs zu flächigen Formen, z. B. durch Zerschneiden, Aufrollen etc., sind häufig. ■ Dichtes Aneinanderfügen bestimmt die Werkstoffverarbeitung. ■ Eine Betonung der Werkstoffeigenschaft Textur liegt vor. ■ Wuchspunkte sind von untergeordneter Bedeutung. ■ Gefäße sind ebenfalls vorwiegend flach oder werden nur flach gefüllt. ■

[4] Neben allgemeinen Begriffe, wie rau, weich, hart, glatt, dienen als wichtigste floristische Strukturbegriffe: gläsern (Weinbeere), porzellanen (Lilienblüte), metallisch (Alocasienblatt), lackartig (Anthurienspatha), ledrig (Efeublatt), brokatartig (Rex-Begonienblatt), wollig (Waldrebenfruchtstand), wächsern (Hyazinthenblüte), seidig (Mohnblüte), hölzern (Lotoskolben), samtig (Usambaraveilchen) und papieren (Lampionblumenfrucht).

3·1 Symmetrische Gestecke (Fragen S. 84) [1] Für die Motive in einer symmetrischen Gestaltung gilt im Allgemeinen: Das Hauptmotiv befindet sich in der geometrischen Mitte. Es muss nicht das größte, wohl aber das bedeutendste Element sein. Die Nebenmotive sind jeweils rechts und links gleichartig in Größe, Form und Farbe und in gleichem Abstand zur Symmetrieachse angeordnet. Nebenmotive können in sich asymmetrisch sein, müssen aber spiegelbildlich bzw. bei der Punktsymmetrie gedreht wiederholt werden.

[3] Die Farbgestaltung erfolgt ganz aus der Farbfamilie Blau-Lila heraus und enthält miteinander verwandte Farbtöne. So wird die unruhige Ausstrahlung der wie zufällig wirkenden, ungeregelten Anordnung der Stiele abgemildert. Das Gesteck erhält durch die Farbwahl und eine gleichmäßige Außenform gestalterische Ausgewogenheit.

[2] Nach der Anzahl der Symmetrieachsen können Mono-, Di- und Radiärsymmetrie unterschieden werden. Ist die Bezugsstelle ein Punkt, spricht man von Dreh- oder Rotationssymmetrie. Dabei sind die Motive um einen gleich bleibenden Winkel gedreht. Reihensymmetrie zeigen die Elemente von Reihen. Sie sind nicht gespiegelt oder gedreht, sondern in einem gewissen Abstand verschoben. Komplementärsymmetrie ergibt eine Ergänzung konkaver und konvexer Formen.

[4] Bei diesen Gestecken müssen alle Werkstoffe, die eine Wasserversorgung benötigen, mit ihren Schnittflächen bis zum Gefäßboden hinunter reichen. Außerdem muss auf einen jederzeit ausreichend hohen Wasserstand geachtet werden.

[3] Die Wirkung einer symmetrischen Gestaltung ist klar, ruhig und festlich. Sie hat eine strenge, statische Ausstrahlung und eignet sich für repräsentative Anlässe. Symmetrie kann je nach Werkstoffauswahl auch verspielt bis naiv erscheinen. [4] In der Symmetrie decken sich geometrische Mitte, Symmetrieund Gruppenachse und gehen durch den Waagepunkt.

156 157

156-160_Antworten_RZ.indd

157

27.03.2009

12:59:36 Uhr

BASICS Lernbuch Gestecke Leseprobe  

Technik, Gestaltung, Praxis. Von Karl-Michael Haake, Auszug aus 160 Seiten, Format Din A4, Paperback. ISBN 978-3-980991-99-5

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you