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30 DAS ALLERLETZTE

Blickpunkt | KW10 2017

KOMMENTAR

BÖSER BLOG

Von Hermann Käbisch

Von Melanie Arzenheimer

Kinder des Konzerns

Alles kopiert, kapiert?

Maro Karmann ist Leiter des „Amtes für Kinderbetreuung und vorschulische Bildung“ bei der Stadt Ingolstadt. Er weiß genau, welche Angebote es in Ingolstadt in Kindertagesstätten und Kindergärten gibt. Natürlich ist ihm auch bekannt, dass es Kooperationen der Stadt beziehungsweise der freien Träger mit einigen großen Unternehmen der Region gibt. Insgesamt fünf große Firmen beziehungsweise Institutionen, darunter Audi, Media-Saturn und das Klinikum haben vorrangig Zugriff auf insgesamt 163 Plätze von insgesamt 4 900 Kinderbetreuungsplätzen. Das sind etwa 3,3 Prozent. Dafür zahlen diese Firmen. Ingolstadt hat etwa 100 000 Arbeitnehmer, davon sind circa 43 000 bei Audi. Von den Audi-Mitarbeitern kommen etwa ein Drittel aus dem Stadtgebiet, die anderen aus der Region. Oft arbeiten beide Ehepartner bei Audi, auch bei Familien aus der Region. Daher ist es nicht verwunderlich, dass am 20. Mai 2010 der Stadtrat unter Mitwirkung von Anton Böhm einstimmig beschloss: „1. Der Einrichtung von 10 weiteren Kindergartenplätzen in der Kita Mariengarten wird zugestimmt. 2. Die Kindergartenplätze werden vorrangig für Kinder, deren Aufenthaltsgemeinde nicht Ingolstadt ist, zur Verfügung gestellt.“ Ver-

wunderlich hingegen ist, dass Anton Böhm in einer Presseerklärung öffentlich die Frage stellt: „Kommt es ... vor, dass Kinder von Eltern, die nicht in Ingolstadt wohnen und nicht bei uns Einkommensteuer zahlen, betreut werden?“ Auch Böhms geäußerte Sorge, dass Kinder von Audi-Eltern bevorzugt werden könnten (Frage 5 seines über die Medien verbreiteten Fragenkataloges ) überrascht. Der SPD-Stadtrat war auch am einstimmigen Stadtratsbeschluss vom 31. März 2011 beteiligt: „Kooperationsvereinbarung für 36 Krippenplätze für Mitarbeiter/-innen der Audi AG ... Die Plätze sollen in der viergruppigen Kinderkrippe (48 Krippenplätze) in der Trägerschaft der Bürgerhilfe Ingolstadt KiTa GmbH in den Räumlichkeiten des Vereins Bürgerhilfe Ingolstadt e.V. in der Spretistraße ... (Anm.: also nahe Audi) vorgehalten werden.“ Das alles hätte Maro Karmann als zuständiger städtischer Mitarbeiter Anton Böhm gern gesagt. Leider wurde er nicht gefragt – stattdessen Presserklärungen. Dabei hat Anton Böhm diese Art von „Öffentlichkeitsarbeit“ nicht nötig. Sein Ansehen, gerade auch im medizinischen Bereich – etwa seine engagierte Mitwirkung als Aufsichtsrat bei der Aufklärung der Vorgänge im Klinikum – ist parteiübergreifend hoch.

So eine Frisur möchte ich haben, wie die Jennifer Lawrence. Ich möchte so cool sein wie Ironman. Der Hintern von Kim Kardashian, den lass ich mir auch machen. Ich möchte so aussehen wie Ryan Gosling. Stopp! Hilfe! Es laufen nur noch Kopien durchs Leben. Wo bleiben die Originale? Trauen sich die Leute nicht mehr, sie selbst zu sein? Man könnte ja unangenehm auffallen, weil man anders ist. Der Mensch

ist und bleibt ein Rätsel. Da hat er sich hierzulande so viele Freiheiten erkämpft, unterliegt keinem Zunftzwang mehr, darf wählen (sogar Frauen!), kann sich beruflich vom Lehrling bis zum Großunternehmer hoch arbeiten, genießt künstlerische Freiheit und kann eigene Werke veröffentlichen, wie er möchte. Eigentlich doch die besten Voraussetzungen dafür, dass jeder seine eigenen Talente entfaltet. Und dann? Dann möchte man so werden wie jemand, den es schon gibt, anstelle etwas Einzigartiges zu vollbringen. Vielleicht ist das letztendlich der einfachere Weg, denn was es schon gibt, ist anerkannt und gesellschaftlich akzeptiert. Man geht das Risiko nicht ein, ein Außenseiter zu werden. Aber waren diese Typen, denen heute nachgeeifert wird, nicht alle mal Außenseiter oder zumindest Menschen, die etwas anders gemacht haben? Warum sollte man sonst eine Person wegen eines XXL-Hinterns verehren? Sicher nicht, weil sie jemand anderen nachgeahmt hat, sondern weil sie in diesem Fall PO-Sition bezogen hat. Und das äußerst PRträchtig. Wir haben die Wahl. Setzen wir uns vor die Glotze oder den Computer und eifern einem berühmten Gesäßmuskel nach oder gehen wir raus und sind das, was wir sind – nämlich einzigartig!

Praktisch, so eine Clownsnase, wenn man sich in der Politik eine blutige Nase geholt hat...

SPRÜCHEKLOPFER

Aha. So hat es sich bis zum Schulz-Effekt im Umfragetief angefühlt.

Kabarettist Josef Brustmann unter der mobilen Orgel beim politischen Aschermittwoch der SPD im Kastaniengarten.

Die Stadträte Anton Böhm und Robert Bechstädt beim Faschingsumzug in Gerolfing. Fotos: Arzenheimer

Blickpunkt KW 10 2017  

Zeitung für Ingolostadt und die Region

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