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26 STADT INGOLSTADT

ANZEIGE | Blickpunkt | KW10 2017

Lösungen für die Kurzzeitpflege

Die Stadt unterstützt Plätze und möchte gleichzeitig den Pflegeberuf attraktiver machen

Gut betreut, auch wenn die Angehörigen kurz verreisen möchten: in Ingolstadt sollen neue Lösungen für die Kurzzeitpflege gefunden werden. (sf) Die Pflege von Angehörigen kann sehr belastend sein. Deshalb wünschen sich viele, die diese Aufgabe übernommen haben, auch mal eine Auszeit und sind froh, wenn sie ihre Angehörigen gut betreut in der Kurzzeitpflege wissen. In Ingolstadt wird dieses Angebot in den kommenden Monaten und Jahren grundlegend überarbeitet. Die bislang im Heilig-Geist-Spital angebotenen Kurzzeitpflegeplätze mussten wegen der fehlenden ausreichenden Finanzierung durch die Pflegekassen aufgeben werden. Als Sofortmaßnahme hat der Oberbürgermeister in dieser Woche zugesagt, dass die Stadt die Förderung von fünf Pflegeplätzen übernehmen wird. Zusätzlich dazu wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches den tatsächlichen Bedarf ermitteln soll. Darüber hinaus möchte man auch den Pflegeberuf attraktiver machen. In einer Arbeitsgruppe mit dem Sozial-, dem Bildungs- und dem Stiftungsreferenten sollen Maßnahmen zur Gewinnung von Fachkräften in Ingolstadt entwickelt werden. Dies hat der Stadtrat so beschlossen.

Heilig-Geist-Spital machte Defizit von 2,4 Millionen Euro Bis jetzt war das Heilig-Geist-Spital das einzige Heim in Ingolstadt, das Kurzzeitpflege in dieser umfassenden Form dauerhaft angeboten hatte. Doch die zwölf Plätze seien im Schnitt nur zu 70 Prozent ausgelastet gewesen, was der Stiftung in den vergangenen 20 Jahren ein Defizit von rund 2,4 Millionen Euro eingebracht hat, wie Stiftungsreferent Helmut Chase erklärt. „Andere Heime möchten erst gar keine festen Plätze vorhalten, denn sie fürchten das Defizit. Allerdings kann es keine Lösung sein, dieses mit Stiftungsgeldern auszugleichen.“ Chase sieht vielmehr die Bundespolitik in der Verpflichtung, auch die vorgehaltenen Plätze (also solche, von denen immer eine feste Zahl zur Verfügung steht, ob belegt oder nicht) zu finanzieren. Denn seit 2017 stehen zwar jedem pflegenden Angehörigen laut Gesetz acht Wochen Auszeit zu, die genaue Finanzierung der Pflegeplätze, die dann tatsächlich da sein müssten, während der Angehörige im Urlaub ist, ist aber nicht geregelt. Stadt unterstützt fünf Plätze Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel hat nun in dieser Woche angekün-

digt, dass die Stadt Ingolstadt als Sofortmaßnahme zur Sicherung des Angebots von planbaren Kurzzeitpflegeplätzen die Förderung von fünf dauerhaften Plätzen ausgeschrieben hat. Dies aber unter der Bedingung, dass damit keine vollstationären Pflegeplätze wegfallen dürfen, die ebenfalls dringend benötigt werden. Als einzige Einrichtung hat sich das Heilig-Geist-Spital auf die Ausschreibung beworben und damit auch den Zuschlag erhalten. „Wir kümmern uns somit vor Ort um Probleme, die eigentlich bundesweit gelöst werden müssten. Im Sinne eines sozialen Ingolstadt ist es mir aber ein wichtiges Anliegen, denn eine zufriedenstellende Pflegesituation ist ein essentielles Interesse unserer Bürgerinnen und Bürger“, so der Oberbürgermeister. Bedarf ermitteln Ergänzend hat der Oberbürgermeister schon im Januar ein Gutachten zur Situation der Pflege in Ingolstadt in Auftrag gegeben. „Damit steht absehbar eine solide Datenbasis zur Verfügung, auf deren Grundlage weitere Lösungsstrategien erarbeitet werden können, um die Pflegelandlandschaft in Ingolstadt insgesamt auch auf lange Sicht bedarfsgerecht zu gestalten“, so Oberbürgermeister Lösel.

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Arbeitsteam soll bis zum Sommer Vorschläge liefern In der Februar-Sitzung des Stadtrates wurden viele weitere mögliche Maßnahmen diskutiert, deren Prüfung der Stadtrat über alle Parteien hinweg einstimmig beauftragt hat. Ein referatsübergreifendes Arbeitsteam soll noch vor der Sommerpause Vorschläge liefern, wie man beispielsweise vor Ort dem bundesweiten Fachkräftemangel in den Pflegeberufen begegnen kann. Aufgrund der überregionalen Zuständigkeit werden die Sozialministerinnen von Bund und Land, sowie die örtlichen Bundestagsabgeordneten und Landtagsabgeordneten angeschrieben und um Unterstützung gebeten – schließlich ist es ein bundesweites Problem.

Das Heilig-Geist-Spital hat unterdessen angekündigt, dass die fünf Kurzzeitpflegeplätze ab sofort bereitstehen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger erhalten Auskünfte unter den Telefonnummern 0841/305–46238 und 305–46200.

Blickpunkt KW 10 2017  

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