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ANZEIGE | Blickpunkt | KW10 2017

Trauer um einen großen Künstler Im Museum, das seinen Namen trägt, nahm man Abschied von Alf Lechner

Im Lechner Museum fand die offizielle Trauerfeier für den Künstler statt. Foto: Kajt Kastl

(bp) Weggefährten, Freunde und Verwandte haben Abschied von Alf Lechner genommen. Der bedeutende deutsche Stahlbildhauer war unerwartet am 25. Februar im Alter von 91 Jahren in Obereichstätt verstorben. Er hinterlässt ein umfangreiches Werk an massiven Stahlskulpturen, die im Lechner Skulpturenpark in Obereichstätt sowie im Alf Lechner Museum in Ingolstadt zu sehen sind. Der Kunsthistoriker und Museumsleiter Armin Zweite sagt: „Lechner geht es um das Verhältnis von Maß und Material, von Proportion und Prozess, um Geometrie und Physik. Daneben spielt das Prozessuale eine wichtige Rolle.“ Alf Lechner hinterlässt ein Werk von über 700 skulpturalen Werken sowie über 4.000 Zeich-

nungen. Täglich arbeitete er, bis zum letzten Tag hat er neue Kunst geschaffen, sich mit den Eigenschaften des Stahls auseinandergesetzt. „Was keinen Widerstand bietet, interessiert mich nicht!“, sagte Alf Lechner oft. Diese Aussage spiegelt sich in seiner Kunst wieder. Im Stahl fand er das verbündete Material. Simone Schimpf, Direktorin des Museums für Konkrete Kunst in Ingolstadt, sagt: „Alf Lechner ist einer der bedeutendsten deutschen Stahlbildhauer. Dem tonnenschweren Stahl hat er alles nur Denkbare abgerungen und immer wieder die Grenzen des Machbaren überwunden. Dank seiner künstlerischen Kraft erfährt man in seinen Werken den Stahl als unfassbar zartes Material. Lechner hat eine einzigartige, in sich stimmige Formen- und Materialsprache hinterlassen.“

Mit seiner ersten Ausstellung in München 1968 begründete er seine erfolgreiche Bildhauerkarriere. Ab 1970 folgten großformatige Skulpturen, welche zunehmend an öffentlichen Orten in Deutschland zu sehen waren. Das gefiel nicht jedem, und Alf Lechner gefiel die Kontroverse, der Widerstand, der ihn die nächsten Jahrzehnte begleitete. Wenn eine Skulptur zu sehr gefiel, wurde er sogar misstrauisch – sollte doch seine Kunst zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Alf Lechner, der Querschläger, der Self-Made-Man, der Mann mit dem Willen aus Stahl, ließ sich nicht beirren. Als deutsche Antwort auf Richard Serra und Eduardo Chillida faszinierten ihn unter anderem die Möglichkeiten, geometrische Formen aus Stahl zu zerteilen und neu zusammenzufügen, das Spiel mit den Elementen, Geometrie, Chaos und Ordnung, in Verbin-

dung mit Architektur und Raum. Lechner verfolgte dabei ein Ziel: „Mein ganzes Lebensziel ist die Einfachheit. In der Einfachheit steckt so viel Kompliziertes, dass man gar nicht einfach genug sein kann.“ Zu seiner Verfolgung ging er an die Grenzen der Machbarkeit, steckte die Grenzen der Skulptur-Kunst neu. Der gebürtige Münchener blieb seiner Heimat Bayern treu und baute sich zunächst 1982 in Geretsried, dann 1999 in Obereichstätt ein Schaffensareal. Er schuf aus alten Industriekomplexen Freiräume für Kunst. Der Skulpturenpark auf dem Gelände einer ehemaligen Eisenhütte in Obereichstätt ist heute als Teil der Stiftung im Rahmen von Führungen zugänglich. 2000 wurde das Alf Lechner Museum in Ingolstadt eröffnet. 2002 wurde Alf Lechner mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Blickpunkt KW 10 2017  

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