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n Ohne Gestern

kein Morgen n

 0 Jahre Diakonissen-Mutterhaus 9 St. Chrischona

April | Mai | Juni 2015

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Nr. 04


Es grüßt... schauen. Dankbarkeit ist die richtige Bril­ le, mit der wir alles scharf sehen, Gottes Wirken erkennen und darauf reagieren. Wer nur zurückschaut, dem entgleitet das Leben. Eine dankbare Rückschau ist damit nicht zu verwechseln. Der wichtigste Au­ genblick in unserem Leben ist jedoch heute, weil wir nur jetzt und hier unserem Herrn begegnen können. Wir haben nur jetzt die Chance, ihm unser Ja zu geben. Als Men­ schen können wir nicht die Vergangenheit ändern und auch nicht die Zukunft planen, „Ohne Gestern kein Morgen“, so lautet das Thema unserer Jubiläumsausgabe 2015 von „Mit & Für“. Dieses Thema regt zum Nachdenken an. Es zeigt auf, wie wichtig es ist, sich bewusst zu machen, dass zwi­ schen dem Gestern und dem Morgen das Heute liegt. Es eröffnet uns Möglichkei­ ten, unsere Zukunft zu gestalten. Nur wer weiß, woher er kommt, kann Vorstellun­ gen für die Zukunft entwickeln. Ohne Ges­ tern ist kein Heute und kein Morgen. Das erinnert an Hebräer 13, 8: „Jesus Christus gestern, heute und derselbe in Ewigkeit.“ Auch hier geht es um die Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wir sollen uns vor Augen halten, dass un­ ser Herr schon immer in unserem Leben gewirkt hat und was das im Hier und Jetzt und für unser zukünftiges Leben bedeutet. Ohne Gestern also kein Morgen. Es ist so, als würden uns Schlüssel in die Hand gelegt, um einen Raum nach dem anderen aufzuschließen und zu entdecken, was sich darin für unser Leben verbirgt. Dabei dürfen wir in Dankbarkeit zurück­

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Der wichtigste Augenblick in unserem Leben ist jedoch heute, weil wir nur jetzt und hier unserem Herrn begegnen können. denn unsere Zeit liegt in Gottes Händen. Wir haben keine Verfügungsgewalt da­ rüber. Dieser Augenblick ist Gottes uner­ setzliches Geschenk an uns. In diesem Au­ genblick ist Gott gegenwärtig. Genau jetzt ist er hier. Wir wissen nicht, was morgen sein wird. Wir wissen aber, wer kommt. Es kommt der, der gestern war und heute ist und in Ewigkeit – Jesus Christus! Mit herzlichen Segensgrüßen aus dem Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona

Ihre Schwester Ursula Seebach, Oberin

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THEMA Schwester Ursula Seebach, Oberin

Fröhlichkeit erfüllte die Räume Aus der Geschichte unseres Diakonissen-Mutterhauses St. Chrischona

Unser Mutterhaus ist mit der Geschichte der Pilgermission St. Chrischona (heute Chrischona International) eng verbunden. Ursprünglich war die Gründung nicht vorgesehen. Aber von den Arbeitsfeldern der Pilgermissi­ on kam die Bitte um Unterstüt­ zung von Schwestern mit guter Ausbildung zur Mithilfe in der Gemeinschaftsarbeit. In unserem Protokollbuch steht unter dem 23. Juni 1925: „Nach vielen Beratun­ gen und Erwägungen wurde von dem Komitee der Pilgermission beschlossen, die Pilgerhütte von St. Chrischona (bis dahin Trinker­ heilstätte) als Schwestern-Mutter­ haus einzurichten. Zum 01. Okto­ ber sollen die ersten Schwestern aufgenommen werden.“ Und so kam es, dass Anfang Ok­ tober 1925 schon 20 junge Schwes­ tern in das Mutterhaus eintraten. Fröhlichkeit erfüllte die Räume der Pilgerhütte auf St. Chrischo­ na im Kanton Basel. Im Lehrsaal wurde intensiv gearbeitet. Jeweils im Sommer der folgenden Jahre traten immer wieder junge Frauen ein, so dass die Statistik Ende 1929 bereits 100 Schwestern auswies. Wieso traten damals so viele Schwestern ein? Unser Mutter­

Eintrittsjahrgang 1961 haus hat nicht um Eintritte geworben. Eine Antwort ist immer wieder in den Jubiläumszeugnissen unse­ rer Schwestern zu hören, dass sie nämlich die Liebe unseres Herrn und Erlösers in Bewegung brachte. Ihm stellten sie aus Dank und Liebe ihr Leben zur Verfügung. Die jungen Schwestern empfingen in den ersten zwei Jahren im Mutterhaus eine biblisch-diakoni­ sche Ausbildung, danach machten sie gewöhnlich ein Praktikum in einem unserer Heime und traten dann in die fachliche Ausbildung ein, je nach Bega­ bung und Eignung. In den ersten Jahren waren die zur Verfügung ste­ henden Mittel sehr knapp, deshalb musste sorg­ fältig gewirtschaftet werden. Aber es ergaben sich nach und nach vielfältige Dienstmöglichkeiten für Gemeinschaftsarbeit, Gemeindekrankenpflege, Krankenhausdienst, Arbeit an Kindern, Blaukreuz­

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fürsorge und Äußere Mission. Hinzu kam der Dienst an jungen Mädchen in der Hauswirtschafterinnen-Schule in Lörrach, der Haushaltungsschule im Mutterhaus und der Haushaltslehre in Kastanienbaum. Außerdem vertraute uns der Herr im Laufe der Jahre Heime an: Alten- und Pflegehei­ me, Erholungs- und Kurheime, ein Heim für berufstätige junge Frauen und Schüle­ rinnen, Kindersanatorien und ein Freizeit­ haus. Die Anzahl der Schwestern stieg in dieser Zeit auf ca. 324 Schwestern an. Die Zeit und die Verhältnisse änderten sich, so dass ab den 80er Jahren immer weniger Schwestern eintraten. Die meisten Dienst­ stationen konnten wir nicht mehr aufrecht­ erhalten, da zunehmend Schwestern alters­ bedingt in den Ruhestand eintraten. So stellten wir Mitte 2012 fest, dass für die Erarbeitung einer klaren Wegführung zu­ erst die Voraussetzungen in der Schwes­ ternschaft unseres Diakonissen-Mutter­ hauses geschaffen werden mussten. Dies erfolgte durch moderierte Workshops. Wir begaben uns als Schwesternschaft hierbei auf den Weg, um Vertrauen zu erneuern und den Mut für zukunftsweisende Ver­

änderungen zu fassen. Letzteres umfasste die bewusste Entscheidung der gesamten Schwesternschaft, „Neues zu wagen“. Und dass ER führen wird, dessen durften wir ge­ wiss sein. So verstehen wir Gottes Verheis­ sung in Jesaja 43, 19, die uns in 2013 und 2014 immer wieder auf unterschiedlichste Art und Weise begegnete: „Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr`s denn nicht?“ Erstaunlicherweise führte dieser Prozess zu einer Wiederbesinnung auf unseren Ursprung. So steht der Name Diakonis­ sen-Mutterhaus (DMH) sowohl für unser christliches Werk als auch für unseren Auf­ trag: Diakonisch-Missionarisch-Handeln. Die Umsetzung erfolgt über die drei Tätig­ keitsschwerpunkte „Bildung, Begleitung und Heimat“. Diese Schwerpunkte zählen auch heute zu den Grundbedürfnissen der Menschen. Sie brauchen jedoch neue Aus­ drucksformen, um in der sich schnell ver­ ändernden Welt Wirkung zu entfalten und wahrgenommen zu werden. Nachdem unsere Schwesternschaft die grundlegende Klärung im Blick auf die zu­ künftige Ausrichtung getroffen hatte, war eine „Tür“ in die Zukunft aufgegangen, die in allen damit befassten Gremien als Führung Gottes gesehen wurde. In vielen weiteren Sitzungen wurde das konkrete Vorgehen erarbeitet. So wurde beschlos­ sen, periphere Liegenschaften zu verkau­ fen, um unser Zentrum auf St. Chrischona und den Standort Lörrach zu stärken und weiter auszubauen. In Deutschland konzentrieren wir uns auf Bildung und Begleitung von Menschen. Die 1985 eröffnete Altenpflegeschule in Lörrach erfreut sich bis heute großen Zu­ spruchs, so dass wir deren Kapazität und Schwesternausfahrt auf dem Vierwaldstättersee Angebote erweitern können. Der Neubau

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Sr. Marlene Affolter mit Kindergruppe wurde Ende März 2015 mit 180 Plätzen fertigge­ stellt. Das vor kurzem zugekaufte Belchen-Institut, in dem Heimleiter und Pflegedienstleiter ausgebil­ det und Führungsseminare durchgeführt werden, wird in die Altenpflegeschule integriert. In unseren Häusern Basecamp in Prenzlau und Lechaim in Lörrach und Rheinfelden werden ent­ wurzelte Jugendliche betreut und in Lörrach wird zusätzlich ein Mittagstisch angeboten. Hier sind wir seit 2014 zudem im Auftrag des Land­ kreises Lörrach Träger für die Betreuung junger Müt­ ter. Hierfür haben wir eine Kinderkrankenschwester der Fachstelle „Frühe Hilfe“ bereitgestellt. In der Schweiz bauen wir für unsere Schwestern das Mutterhaus auf St. Chrischona mit 26 Appartements wieder auf, das vor einigen Jahren zurückgebaut worden war. Die Schwestern, die derzeit noch in Zü­ rich leben, werden nach Fertigstellung im Sommer 2015 ins Mutterhaus einziehen. Der Herr schenke es, dass das neue Mutterhaus wieder ein Ort der Gebor­ genheit und Begegnung werde. Darüber hinaus haben wir eine Machbarkeitsstu­ die für einen Mehrgenerationenwohnpark auf St. Chrischona in Auftrag gegeben. Die vom Amt für Langzeitpflege in Basel in Aussicht gestellten weite­ ren 30 bis 40 Pflegeplätze sollen darin untergebracht werden. Unser Schwerpunkt für die Schweiz fügt sich somit in den Begriff Heimat ein. Wir sind 102 Diakonissen, die an den drei Standor­ ten auf St. Chrischona, Zürich und Lörrach leben so­ wie vereinzelt in Deutschland und in der Schweiz. 100 Mitarbeiter sind bei uns beschäftigt, die uns mit ihrem Fachwissen und ihrer Arbeitskraft in unter­ schiedlichster Weise unterstützen und bereichern.

Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona

Für ihren wertvollen Dienst sind wir sehr dankbar. Die gegenwärtige Zeit erlebe ich als Oberin als sehr spannend, aber auch segensreich. Sicher­ lich verläuft nicht immer alles so, wie man es sich idealerweise wünscht. Ich sehe trotzdem, dass unser Herr uns führt und seine Verheißung, „Neues zu schaffen“, erfüllt. Auch wenn wir „das Neue jetzt schon aufwachsen sehen“, so glaube ich, dass unser Herr mit seinen Erneuerungen bei uns noch nicht am Ende ist. Er hat uns in unserem Diakonissen-Mutter­ haus St. Chrischona mit vielerlei Möglichkeiten ausgestattet, die wir gerne auch zukünftig in un­ sere Gesellschaft einbringen wol­ len. Lassen wir uns überraschen, wie wir noch geführt werden, wie ER mit uns Geschichte schreibt. Eines ist dabei sicher: Die weite­ ren Schritte in die Zukunft wagen wir im Vertrauen auf Jesus, auf seine Leitung und Fürsorge, seine Macht und seine Treue.

Bei einem Workshop 2012

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Erinnerungen der Schwest

Was sind Ihre Erinnerungen an den ersten Tag als Schwester? Bei welcher Begebenheit hat Gott Ihnen auf besondere Weise geholfen? Wer war die interessanteste Person, der Sie begegnet sind bzw. von der Sie viel gelernt haben? Wann haben Sie am meisten gelacht? Wie hat ein Bibelwort Ihnen besonders geholfen? Wir haben unsere Schwestern gebeten, für das 90. Jubiläum einige schöne Erinnerungen mitzuteilen. Die Probemeisterin, Schwester M.B., mein­ te beim Einzug (15.07.1978): „Früher ka­ men die jungen Schwestern mit gestrickten Strümpfen, heute mit der Kaffeemaschine und mit dem Kofferradio.“ Aus Anlass ihres 65. Schwesternjubiläums möchte ich Schw. Erika Neukomm ein Kränzchen winden. Während der ca. 30 Jahre, die wir zusammenarbeiteten, lern­ te ich Schw. Erika als „guten Kameraden“ kennen. Mit Liebe und Hingabe lebte sie ihre Berufung. Als Hauswirtschaftslehrerin und Organisatorin der praktischen Arbei­

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ten hatte sie ein ausgefülltes Tagwerk. Sie selbst ging mit Eifer und Fleiß verbindlich ihren Aufgaben nach und den Schülerin­ nen voraus. In ihrem Zimmer hing der Mut machende Vers aus Ps. 138,3: „Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft!“ Diese Worte hingen nicht nur an der Wand, dies prak­ tizierte sie. ... Ihr größter Wunsch war es, dass die jungen Frauen in der Zeit ihres Hierseins Jesus kennen lernen möchten. Immer wieder kamen später dankbare Echos. Das umfangreiche Wissen von Schw. Erika und die vielen nützlichen Utensilien in ihrem Vorrat machten sie auch bei den Schwestern beliebt. Vielen konnte sie aus einer Verlegenheit helfen. Eine Freistunde kannte sie nicht, denn es gab doch Kir­ schen zu pflücken oder Bohnen zu ernten. Das war ihre Erholung! Diejenigen, die sie erst im vorgerückten Al­ ter in aller Hinfälligkeit kennen lernten, kön­ nen dies kaum glauben. Aber wenn Schw. Erika sich nicht schon früher in Selbstlosig­ keit geübt hätte, könnte sie dann so gedul­ dig ihre jetzige Schwachheit ertragen? Auch

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in dieser Situation kann ich von ihr lernen! Es ist nicht im Sinn von Schw. Erika, sie zu ehren. Sie wollte immer im Hintergrund bleiben. Doch sie gehört zu den Menschen, durch die das Licht Jesu schien. (verfasst von Schw. Andrea Reichart) Als Gott mich in seine Nachfolge rief, war das zugleich die Berufung in seinen Dienst. Das Wort aus Jes. 43,1 wurde mir dabei wegwei­ send: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Mein Glaube in Gottes Führung wurde dann auf die Probe gestellt durch eine schwere Krankheit, die meine Berufung in Frage stellte. In aller Ungewissheit aber blieb das Wort aus Jes. 43 ein Anker für mich, an dem ich mich festhielt. Wider alle ärztlichen Prognosen wirkte Gott das Wunder der Ge­ nesung. Der Weg für Gottes Berufung wur­ de frei. Gottes Zuspruch aus Jes. 43 begleitet mich durch mein ganzes Diakonissenleben und seine Berufung ist mir Gewissheit geblie­ ben, bis heute. Im Rückblick bleibt der Dank für Gottes treues Führen und Bewahren. Schw. Ruth Stetter

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Denk du in mir, oh Jesus, dann denk ich licht und klar. Sprich du aus mir, oh Jesus, dann sprech ich rein und wahr. Wirk du durch mich, oh Jesus, gerecht ist dann mein Tun, geheiligt meine Arbeit, geheiligt auch mein Ruhn. Durchdring mein ganzes Wesen, erfüll mein ganzes Sein, daß man aus mir kann lesen, die große Liebe dein. In meinem Stille-Zeit-Buch stehen die­ se Verse von Pater v. Schönstadt, die mir einmal eine kath. Christin weitergab. Sie besuchte vor vielen Jahren ihre Mutter in unserem Alten- u. Pflegeheim. Ich war da­ mals an der Pforte. Aus welchem Anlass sie mir diese Verse sagte, weiß ich bis heute nicht. Aber eines weiß ich: Mir waren die­ se Worte so wichtig, dass ich sie schriftlich festhielt. Die Dame ist jetzt selbst schon über 90 Jahre und hat noch Kontakt zu mir. Wir grüßen uns immer am Telefon mit die­ sen Versen. Der Inhalt des Gedichts sagt

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mir: So möchte ich mein Leben leben. Auch wenn es manchmal nicht gelingt. Aber wir dürfen um Vergebung bitten und immer wieder neu beginnen. Es ist mein Wunsch, dass wir als Schwes­ ternschaft in dieser Gesinnung unseren Weg weiter gehen.

allein entscheiden musste, weil die Stati­ onsschwester Ferien hatte oder sonst nicht zu erreichen war. Da war es mir immer ein Trost zu wissen, dass ich mich auf den Herrn verlassen kann. Er hat mich nie ent­ täuscht und mir zur rechten Zeit geholfen. Schw. Adeline Gertsch

Eine ältere Dame ist zu Beginn der Kur in der Sprechstunde. Die Dame ist eher klein und recht rundlich. Zum Schluss fragt die Ärztin, ob sie nicht in dieser Zeit etwas ab­ nehmen möchte. Voll entrüstet antwortet die Dame: Was denken Sie denn, ich habe eine so schön, glatte Haut! Ich will keine Runzeln am Bauch! Aus der Kurheim Kastanienbaum

Es ist Weihnachten. Ein junger Mann steht unter einer Brücke. Die Heckklappe des Autos ist geöffnet, aus dem Auto tönt lau­ te Musik. Der junge Mann trägt eine ab­ gewetzte Lederjacke, sein Markenzeichen. Und er lächelt. Szenenwechsel ... Ich gehe mit einer Grup­ pe Jungscharkindern durch die Straßen von Worms. Es regnet. Wir wandern in Rich­ tung Rhein. Es regnet immer noch. Ich ach­ te darauf, dass die Kinder dicht zusammen­ bleiben. Irgendwie ein Abenteuer, diese weihnachtliche Wanderung. Wir kommen an den Rhein und suchen. Nach gefühl­ ten drei Stunden schließlich entdecken wir Eric. Aus seinem Auto unter der Brücke ertönt laute Musik – Weihnachtslieder. Er lacht, denn er hat alles vorbereitet als Über­ raschung für die Kinder. Weihnachtsüber­ raschung, Wald-Weihnachtsüberraschung, besser Rhein-Weihnachtsüberraschung. Wir stehen um Erics Auto, trinken Kin­ derpunsch und essen Weihnachtsgebäck.

Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen. Spr. 3,5. Dieses Wort hat mir oft geholfen in Situati­ onen, in denen ich nicht weiter wusste. Z.B in beiden Examen der Krankenpflege und der Heimerziehung durfte ich konkret Got­ tes Hilfe erfahren. In der Theorie hatte ich mehr Mühe als in der Praxis. Und gerade in der Theorie durfte ich erleben, wie Gott mir geholfen hat. Später in der Arbeit im Pflegeheim gab es Situationen, in denen ich

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Mein Jungscharmitarbeiter Eric und ich kamen auf die Idee, mit den Kindern der Wormser Stadtmission Waldweihnacht zu feiern. Da es im Umkreis der Stadtmission keinen Wald gibt, verlegten wir die Wald­ weihnacht an den Rhein. Worms und Jung­ schar, die wunderbaren Mitarbeiter mit ih­ rem Einfallsreichtum in Sachen „Jesus liebt die Kinder“. Ein Geschenk für mich. Schw. Corinna Hart Herr Inspektor Gutzke (der damalige Hausvater) war mir ein Vorbild darin, was Nachfolge heißt. Ein stiller, aber geistlich erfüllter Gottesmann. Er lebte im Wort. Er wurde mir zum geistlichen Vater. Jung, unerfahren, naiv. So trat ich 1961 in unser Mutterhaus ein. Die Einteilung in die Schlafräume der Pilgerhütte und noch manches andere ging alphabetisch. Bei der Vergabe des sog. Ältestenamtes ging es umgekehrt und ich kam als alphabetisches Schlusslicht als erste an die Reihe. Auf dem dazugehörenden Aufgabenplan stand u.a.: „Sonntags zum Gottesdienst läuten.“ Warum erledigen das nicht die „Brüder“, wie es damals hieß? So meine erste Reaktion. Es ging natürlich nicht um die Glocke in der Kirche, sondern um die kleine Handglocke, die zum Unterrichtsbe­

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ginn und zu unserem gemeinsamen Weg in den Gottesdienst geläutet wurde. Ja – es gibt eben verschiedene Glocken! Gelacht haben wir im Kurs viel. Ein Bei­ spiel: Während der Kurszeit gab Schw. Marie, unsere Probemeisterin, nach dem Mittagessen jeweils die Aufgaben für die praktische Arbeit von 13.00 – 16.00 Uhr bekannt. Schw. Marie war ein Genie darin, jeden Tag für uns 19 bzw. 20 junge Schwes­ tern eine Aufgabe zu finden. Nähstube, Kü­ che mit Spülküche, Waschküche, Garten, Hühner- und Schweinestall waren es vor allem. Wenn wir uns nach getaner Arbeit wieder trafen, rümpften wir manchmal die Nase über den „Duft“, den die Schwestern aus dem Stall mitbrachten. Prompt kamen wir, mit den empfindlichen Nasen, nach den Weihnachtsferien zum praktischen Einsatz in Hühner- und Schweinestall. Da­ rüber gab es im Kurs viel Gelächter. Ich selbst habe bei den entsprechenden Einsät­ zen viel gelernt. Schw. Helga Zapf Meine Hoffnung und mein Wunsch ist, dass wir als Schwestern alle ganz nahe bei Jesus bleiben! Schw. Brigitte Walther

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SCHWESTERNSCHAFT Schwester Ursula Seebach, Oberin

Ohne Gestern kein Morgen So lautet das Thema unseres Jahresfestes und Jubiläums 2015, das sich an der Jahreslosung unseres Mutterhauses orientiert: Der HERR, unser Gott, sei mit uns, wie er mit unseren Vätern war. Er verlasse uns nicht und ziehe die Hand nicht ab von uns. 1. Könige 8, 57

Zurückschauen auf das Vergangene, sich erinnern lassen an Gottes Treue und dafür danken. Gleichzeitig sich besinnen, auf das, was schief gelaufen ist. Wenn wir dafür ein Bewusstsein haben, dann haben wir die Chance, umzukehren, um Vergebung zu bitten und vertrauensvoll nach vorne zu gehen. Darum wollen wir im Hinblick auf unsere Zu­ kunft, die unseren Blicken ja noch verborgen ist, bitten: „Herr, verlasse uns nicht und ziehe deine Hand nicht ab von uns.“ Es ist reine Gnade, wenn unser Leben gelingt und Früchte trägt. Aber in diesem Vertrauen, dass uns Gott begleitet, Schuld vergibt und an seinen Zusagen festhält, können wir hoffnungsvoll von heute in das Morgen schauen. In diesem Sinne laden wir Sie ganz herzlich zu unserem Jubelfest ein: Sonntag, 10. Mai 2015 10.00 Uhr Festgottesdienst mit Einführung von Pfr. Friedhelm Geiß (Theologischer Leiter) 14.00 Uhr Jubiläumsfeier in das Konferenzzentrum Chrischonarain 135 CH-4126 Bettingen

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590 Diakonissen-Jahre Im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier am Nachmittag des 10.05.15 werden selbstverständlich unsere 10 Ju­ biläumsschwestern stehen, die auf 25, 50, 60, 65 und 70 Jahre ihrer Berufungs- und Dienstgeschichte zu­ rückschauen. Es sind in diesem Jahr wieder wie im Vorjahr stolze 590 Jahre in der Summe. Unsere Jubilarinnen

Schwester Brigitte Kuppel 25 Jahre

Schwester Ruth Wäfler 50 Jahre

Schwester Adeline Gertsch 60 Jahre

Schwester Lydia Schw. Elisabeth Schwester Erika Dohmann 65 Jahre Neukomm 65 Jahre Schindler 65 Jahre

Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona

Schw. Rosemarie Schley 60 Jahre

Schw. Lotti Wenk 60 Jahre

Schwester Lina Buchser 70 Jahre

Schwester Ida Roth 70 Jahre

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SCHWESTERNSCHAFT Schwester Ursula Seebach, Oberin

Neubau des Mutterhauses In Zeiten, wo viele DiakonissenMutterhäuser aufgelöst werden oder sich zumindest verkleinern, geschehen erstaunliche Dinge auf dem höchsten Berg des Kantons Basel, also auf St. Chrischona. Am auffälligsten ist wohl, dass das DMH auf seinem Gelände ein neues Mutterhaus errichtet. So wurde der Rohbau schon Ende 2014 fertiggestellt. Bis Juni 2015 soll dann auch der Innenausbau abgeschlossen sein. In dem barri­ erefreien und nach den neuesten energetischen Standards errichte­ ten Gebäude entstehen insgesamt 26 Einzelappartements mit drei

großen Gemeinschaftsräumen. Drei Appartements werden zudem rollstuhlgerecht ausgebaut. Welche Bedeutung dieser Neubau für das DMH hat, brachte ich in meiner Festrede zur Grundsteinle­ gung bzw. zum Baustellenfest am 3. Dezember 2014 lebhaft zum Ausdruck: „Für uns Schwestern bedeu­ tet der heutige Tag etwas ganz Besonderes: Wir be­ kommen wieder ein Zuhause! Das alte Mutterhaus, mit dessen Abriss in 2009 begonnen wurde und der 2010 zum Abschluss gekommen war, wird wieder aufgebaut. Der Rückbau war für uns Schwestern wie eine Amputation. Nun bekommen wir wieder ein Mutterhaus, das ansprechender, schöner und prak­ tischer sein wird. Neun unserer Schwestern, die in unserem früheren Alten- und Pflegeheim am Römer­ hof in Zürich gearbeitet haben und dort noch leben,

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können nun nach Hause kommen. Die Schwestern, die zur Zeit beengt in un­ seren alten Gebäuden im Wiesenrain untergebracht sind, erhalten mit dem neuen Mutterhaus ebenso ein angemes­ senes Zuhause. Darüber hinaus haben wir dann auch noch neun große Gästezim­ mer zur Verfügung, die wir gerne an Besucher des Mutterhauses oder unserer Region Dreiländereck vermieten. Somit haben wir heute am Baustellenfest viel Grund zum Danken.“ Im Rahmen des Baustellenfestes war auch das gän­ gige Prozedere der Baugenehmigung ein Thema: Es mussten mehr als sieben Behörden ihre Zustimmung erteilen, wobei es einen Einspruch gab. Dieser Ein­ spruch konnte am Ende in gutem Einvernehmen ge­ klärt werden, führte aber dazu, dass das Mutterhaus nun nicht zum 90-jährigen Jubiläum im Mai 2015 fer­ tiggestellt sein wird, sondern erst im Juni 2015. Bild­ haft verwies ich auf den Bauverlauf: „ Anfang Oktober 2014, eine Woche vor dem Eintref­ fen der Baubewilligung, wurde mit der Erstellung der Baustraße begonnen. Dann ging es flott voran. Nach vielen Vorarbeiten konnte mit dem Aufstellen des 1. Obergeschosses angefangen werden. Die Freude der Schwestern war groß, als die ersten Front­ wände mit den Fenstern zu sehen waren. Ich selbst bin angenehm überrascht, ja mehr noch, begeistert, wie schnell das Bauen jetzt vorwärts gegangen ist und wie ansprechend der Bau nun schon aussieht.

gibt bei diesem Neubau. Er ziehe mit uns ein und segne dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus.“ Dieser Segensspruch steht über dem Neubau des Mutter­ hauses: nicht nur während der Bauphase, sondern auch bei der in Kürze beginnenden Nut­ zung. Schon heute freuen sich die Schwestern darauf, im Rahmen des 90-jährigen Jahresfestes am 10. Mai 2015 allen Gästen und Interes­ sierten ihr neues Mutterhaus zu präsentieren.

„Der Herr baut das Haus“ Aber es geht nicht nur um den äußeren Bau, sondern auch um den inneren Bau, denn „wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen“. So steht es in der Bibel. Wenn ich das Wort positiv sage, muss es so heißen: „Wenn der HERR das Haus baut, so arbeiten erfolgreich, die daran bauen.“ Gott ist es, der den Segen schenkt und das Gelingen

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EINLADUNG

Im neuen Gebäude der Altenpflegeschule Manoah gGmbH und des Belchen Instituts findet bereits seit wenigen Tagen Unterricht statt. Im Rahmen eines

Tag der offenen Tür am Samstag, 9. Mai 2015, 9.30 – 16.00 Uhr

wird das Gebäude offiziell seiner Bestimmung übergeben. Gleichzeitig feiern wir 30 Jahre Ausbildung in der Alten­ pflegeschule Manoah. Dazu laden wir Sie sehr herzlich ein. Programm 09.30 Uhr E  röffnungsfeier Schw. Ursula Seebach, Oberin des Diakonissen-Mutterhauses St. Chrischona Vertreter von Stadt und Land­ kreis Lörrach Herr Rainer Böheim, Schulleiter und Geschäftsführer der Alten­ pflegeschule und Leiter des Belchen Instituts

Von 10.00 – 16.00 Uhr Kurzvorträge zu folgenden Themen: • Ausbildung zur Altenpflegerin/zum Altenpfleger sowie Altenpflegehelferin/ Altenpflegehelfer • Stereotypen des Alters • Demenz • Diabetes • Aktivierung • Palliative Care • Geschichte der Pflege Ausstellungen und Informationen • zur Fort- und Weiterbildung im Belchen Institut • unserer Kooperationspartner • Geschichte der Altenpflegeschule Manoah Verpflegung ist möglich. Wir freuen uns über Ihren Besuch.

Altenpflegeschule Manoah und Belchen Institut Wiesentalstraße 27, 79540 Lörrach Herzliche Einladung Samstag, 9. Mai 2015, um19 Uhr Konzert mit Manfred Siebald

Im Rahmen des 90-jährigen Jubiläums des DMH im Konferenzzentrum von Chrischona International, Chrischonarain 200, CH - 4126 Bettingen

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PROJEKT Rainer Böheim, GeschäftsführerSchulleiter Altenpflegeschule Manoah gGmbH

Eine wachsende Familie Stellen Sie sich vor, Sie gründen eine Familie und leben zunächst zur Untermiete in einem Zimmer. Die Familie wächst und Sie können eine Wohnung mit einem großen und einem kleineren Raum beziehen. Und wie das so ist, die Familie wächst weiter, Sie brauchen mehr Platz und es wird Ihnen ein zusätz­ licher Raum im Untergeschoss des Hauses angeboten. Sie nehmen gerne den Raum in Anspruch und nutzen ihn. Mit der Zeit reichen auch diese Zimmer nicht mehr aus und Sie bekommen einen weiteren Raum, diesmal unter dem Dach. Wieder sind Sie froh, zumindest vorübergehend eine Lö­ sung gefunden zu haben, aber es ist Ihnen auch bewusst, das kann keine Dauerlösung sein. Dann meldet der Hausbesitzer Eigen­ bedarf an, Sie müssen einen Raum abgeben, doch Sie finden ein Zimmer in der Nach­ barschaft auf der anderen Straßenseite. Alle

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Abläufe werden etwas um­ ständlicher. Diese Umstän­ de werden jedoch gerne in Kauf genommen, denn an anderer Stelle entsteht ein Neubau, ganz nach den Be­ dürfnissen der wachsenden Familie. Die eben beschriebene Situ­ ation trifft auf die Altenpfle­ geschule Manoah und ihre nun 30-jährige Geschichte zu. Am 1. April 1985 begann der erste Kurs mit der Alten­ pflegeausbildung. Anfäng­ lich reichte ein Unterrichts­ raum, denn der zweite Kurs begann erst, nachdem die schulische Ausbildung des ersten abgeschlossen war. Mit Einführung der drei­ jährigen Ausbildung 1989 wuchs der Bedarf an zusätz­ lichem Unterrichtsraum, zumindest tageweise. Er­ leichterung brachte 1992 der Bezug der neu erbauten Un­ terrichtsräume im Chrischo­ naheim, heute Haus der Altenpflege, an der Mozart­ straße 27. Rund 20 Jahre reichten die Räume aus.

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PROJEKT

Dem Entscheid der Gesellschaf­ terversammlung, die Schule zu er­ weitern und zusätzlich Fort- und Weiterbildungsangebote anzubie­ ten, folgte Handlungsbedarf in Bezug auf das Schulgebäude. Die Anzahl Kurse hat sich zwischen­ zeitlich verdoppelt und mit der Übernahme des Belchen Instituts, einer Einrichtung für Fort- und Weiterbildung, im Sommer 2014, kam es zu einer zusätzlichen deut­ lichen Erweiterung des Bereichs Bildung im Diakonissen-Mutter­ haus St. Chrischona. Auf den Tag genau 30 Jahre nach Beginn der Ausbildung in der Al­ tenpflegeschule Manoah konnten wir mit dem Unterricht im neuen Schulgebäude an der Wiesental­ straße 27, 79540 Lörrach beginnen. Kurzer zeitlicher Ablauf der Bau­ maßnahme: 2012 Konzeption, 2013 Planung; Herbst/Winter 2013/2014 Abriss bestehender Ge­ bäude, Frühjahr 2014 Vorbereitung des Geländes und Aushub der Baugrube, Beginn mit dem Bau; 6. Juni 2014 offizieller Spatenstich zusammen mit der Stadtmission Lörrach, 30. März 2015 Auszug aus der Mozartstraße, seit 1. April 2015 ist die Schule in Betrieb. „quadratisch – praktisch – gut“ so wirbt ein Schokoladehersteller und diese drei Adjektive sind auch auf das Schulgebäude zu übertra­ gen. Zwar fehlen 50 cm auf einer Seite zum Quadrat, aber das fällt

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nicht weiter auf. Dieser Grund­ riss ermöglichte eine zweckmä­ ßige, also praktische Planung. Sechs Unterrichtsräume à 70m² sind nicht nur praktisch, sondern auch sehr gut. Sie sind mit heu­ te üblichen Unterrichtsmedien ausgestattet. Gruppenräume und weitere Nebenräume sowie Büro vervollständigen das Gebäude. Beeindruckend ist der Eingangs­ bereich, der als Aufenthaltsbereich und Ort für größere Veranstaltun­ gen, also multifunktional, genutzt wird. Große Fenster nach außen und Glasabtrennungen zu den Bü­ ros ermöglichen Transparenz und viel Licht. Entsprechende Sitzmö­ bel laden zum Small-Talk oder zur Pause ein. Neben der Treppe zieht sich ein Luftraum über alle Stock­ werke. Hier wird noch ein Kunst­ objekt installiert. Derzeit erhält

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man aber einen sehr guten Eindruck von der unterschiedlichen Farbgestaltung der einzelnen Etagen, von grüngelb über blau­ grau zu beige-orange, jeweils abgestimmt auch auf die Außenfarbe in dezentem Flie­ derblau. Die ganze „Bildungs“-Familie ist nun unter einem Dach. Wir freuen uns sehr über das neue Schulgebäude und genießen den Ge­ ruch frischer Farbe, neuer Möbel und neu­ er elektrischer Geräte. Kommentare und Reaktionen unserer Auszubildenden und Dozenten lassen den Schluss zu, dass die Schule nicht nur quadratisch, sondern auch praktisch und gut geworden ist. Gespannt warten wir, nach dem Einzug des Belchen Instituts, auf die Rückmeldungen der Kurs­ teilnehmer.

Die ganze „Bildungs“Familie ist nun unter einem Dach ... Kommentare und Reaktionen unserer Auszubildenden und Dozenten lassen den Schluss zu, dass die Schule nicht nur quadratisch, sondern auch praktisch und gut geworden ist.

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BERICHT Lena Leuenberger, Assistentin der Geschäftsleitung des DMH

Eine Überraschung Nicht viele Menschen bekommen die Gelegenheit, in Jerusalem an einer archäologischen Ausgrabung mitzuwirken. Für unsere Pflegeheimbewohnerin Frau Dr. Wagner-Lux ist dieses Erlebnis ein Teil ihrer Geschichte. Seit Juni 2012 lebt Frau Dr. Wagner-Lux in Bettingen und ist hier zufrieden, glücklich – und vor allem zu Hause. Die Wälder von Bettingen er­ innern sie an ihre ursprüngliche Heimat Thüringen und stellen einen krassen Gegensatz zu ihrem Ar­ beitsplatz bei den Ausgrabungen dar.

Die Hoffnung, dass man die zweite Stadtmauer von Jerusalem gefunden hätte, war groß – und noch größer war die Überraschung, als man entdeckte, worauf man tatsächlich gestoßen war. Mit 33 Jahren zog es Frau Dr. Wagner-Lux als Ar­ chäologin in das Heilige Land und mit 37 Jahren – nach dem plötzlichen Tod ihres Vorgängers – über­ nahm sie die Leitung des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI) und damit die Verantwortung für mehrere Ausgrabungen in der Region. War es Zufall oder Führung, dass der Architekt Ernst W. Krüger 1970 bei den Restaurierungsarbeiten an der deut­ schen Erlöserkirche in Jerusalem bei der Erneue­ rung des Fußbodens auf eine Mauer gestoßen war, die sich von Ost nach West durch das Kirchenschiff zog? Die Hoffnung, dass man die zweite Stadtmauer von Jerusalem gefunden hätte, war groß – und noch größer war die Überraschung, als man entdeckte, worauf man tatsächlich gestoßen war. Um das Alter der Mauer festzustellen und genau zu datieren, wurde die Restaurierung an dieser Stelle auf Anlass von Frau Dr. Wagner-Lux unterbrochen und eine Ausgrabung gestartet, die bis auf den Grund Jerusalems reichte. Was so eine Begebenheit damals wie heute bedeutet, bringt Frau Dr. Wagner-

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Lux ganz einfach auf den Punkt: „Wenn man schon die Gelegen­ heit hat, in Jerusalem zu graben, sollte man das auch tun.“ Die besonderen Herausforderungen waren die damaligen politischen Ereignisse in den späten 60er und den 70er Jahren in Israel. Dadurch wurde die Trennung von den verschiedenen Ausgra­ bungsstätten des DEI verursacht und so blieb Frau Dr. WagnerLux bei der Ausgrabungsstätte bei der Erlöserkirche. Die Bege­ benheiten waren schwierig, die Ausgrabung nie einfach. Den­ noch wollte Frau Dr. Wagner-Lux nie aufgeben, es kam ihr niemals in den Sinn. Rückblickend sagt sie: „Es war kein Tag einfach. Man wurde damit fertig, indem man eine Mauer um sich herum aufbaute und die Geschehnisse nicht an sich heran ließ. Jeder Tag wurde gelebt, so gut es ging.“ Klare Richtlinien halfen Frau Dr. Wagner-Lux dabei, „… den Au­

Dr. Wagner-Lux heute in Bettingen

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genblick zu ergreifen und nichts auf spätere Zeiten zu verschieben“. In dieser Zeit halfen ihr auch die guten Arbeitsbeziehungen zu ihrem Kollegenteam, das aus Israelis, Arabern, Engländern und anderen Nationen bestand. Wenn man Frau Dr. Wagner-Lux heute danach fragt, ist sie immer noch von den gu­ ten Beziehungen zu den verschiedenen Kollegen be­ geistert. Mit nur wenigen Arbeitern grub Frau Wagner-Lux auf einer Fläche von 3,60 x 2,80 m 15 Meter in die Tiefe, bis sie auf den Felsboden stieß. Die Mau­ er war nicht, wie vermutet, die sogenannte zweite Stadtmauer, sondern eine Stützmauer außerhalb der Stadt, die im 2. Jahrhundert nach Christus von Kai­

Dr. Wagner-Lux auf der Mauer in Jerusalem 1970

Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona

ser Hadrian gebaut wurde. Diese Stützmauer wurde damals für die Planierung des Geländes errichtet. In der Tiefe fand man einen Stein­ bruch, der bestätigte, dass dieses Gelände außerhalb der Stadt lag. Damit wurde aus archäologischer Sicht auch bestätigt, dass die be­ nachbarte Grabeskirche tatsäch­ lich an dem Ort Golgatha stehen kann, was bis zur Datierung der Mauer immer wieder in Frage ge­ stellt worden war. Für Christen ist diese Erkenntnis eine besondere Entdeckung, denn wenn sie die Grabeskirche besuchen, befinden sie sich höchstwahrscheinlich an der Stelle der Kreuzigung. De­ taillierte Informationen über die Ausgrabung finden Sie auch in Deutsch unter: www.church-ofthe-redeemer-jerusalem.info Für Frau Dr. Wagner-Lux war und ist es eine große Freude, „ein Steinchen zur Klärung der Ge­ schichte beigetragen zu haben“. Und sie ist auch erleichtert, dass sie ohne große Hindernisse bis auf den Felsboden Jerusalems graben konnte – an dem einzigen Punkt, wo es noch Originalboden von vor der Geburt Jesu gibt. Mit ihrer Erfahrung empfiehlt sie je­ dem, „… sich Zeit zu nehmen, um sich mit der eigenen Geschichte wie auch mit der Weltgeschichte auseinander zu setzen, um so die Gegenwart besser zu verstehen – denn die Gegenwart ist aus der Vergangenheit entstanden“ – und prägt unser Morgen.

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BERICHT Joachim Rastert, Geschäftsführer des DMH

Ein Überblick Die innere Struktur des DMH

Umgänglich und unkompliziert soll sie sein. Mit so jemandem freundet man sich gerne an. Und das gilt nicht nur für natürli­ che Personen, sondern auch für Strukturen. Jedoch gehen Wunsch und Wirklichkeit oftmals ausein­ ander. So auch bei den Struktu­ ren des DMH. Es ist alles andere als einfach darzustellen, wer die Rechtssubjekte des DMH sind, wie diese miteinander in Verbin­ dung stehen, welche Organe mit welchen Aufgabenstellungen es hierbei gibt und wer die verant­ wortlichen Akteure sind. Diese Komplexität hat mehrere Ursachen: Zum einen schlägt sich die 90-jährigen Geschichte des DMH auch in seinen Strukturen nieder. Zum anderen sind sowohl die formal-rechtlichen Erforder­ nisse als auch die Interessen der Eigentümerinnen, nämlich der Diakonissen, zu berücksichtigen. Vor allem wird die Komplexität aber dadurch gesteigert, dass das DMH in zwei unterschiedlichen Rechtsräumen, nämlich Deutsch­ land und der Schweiz, angesie­ delt ist und seine Rechtssubjekte unterschiedliche Rechtsformen aufweisen. Um hier Licht ins Dunkel zu brin­ gen, wird in dieser Mit & Für-­ Ausgabe ein Überblick über die innere Struktur des DMH gege­ ben. In nachfolgenden Mit & Für werden dann der Stiftungsrat und seine Ausschüsse, die Schwes­ ternschaft und deren Schwestern­

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rat sowie die Geschäftsleitung vorgestellt. Nun also zum Überblick der Strukturen: Das DMH wurde 1925 als evangelische Schwesternschaft ge­ gründet. Die geographischen Schwerpunkte liegen in Deutschland und der Schweiz. In beiden Ländern besteht jeweils eine juristische Person, die die diako­ nisch-missionarischen Aktivitäten operativ mit ei­ genem Personal umsetzt. In Deutschland ist dies die „Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona gemein­ nützige GmbH“ und in der Schweiz die „Stiftung Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona“.

APS = Altenpflegeschule DMH = Diakonissen-Mutterhaus FUK = Fürsorge- und Unterstützungskasse

Ergänzt werden diese beiden DMH-Einheiten durch je eine Pensionskasse, die die soziale Absicherung der Diakonissen in Deutschland und der Schweiz zur Aufgabe haben. Deren Rechtsformen sind die der Stiftung mit dem Namen „Stiftung Fürsorgeund Unterstützungskasse des Diakonissen-Mut­ terhauses St. Chrischona“, kurz FUK. Beide Pensi­ onskassen haben kein eigenes Personal, sondern

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Von links nach rechts: hintere Reihe: Schw. Hanni Bundrück, Schw. Ruth Keilholz, Schw. Christa Röcken, Dr. Dominik Klenk; mittlere Reihe: Rolf Waller, Schw. Ruth Gassmann, Sergio Omlin, Andreas Heinemann, Schw. Edith Gieck, Mario Götsch, vordere Reihe: Joachim Rastert, Schw. Ursula Seebach, Friedhelm Geiß (nicht auf dem Bild: Schw. Hildegard Schneider) werden seitens der operativen DMH-Ein­ heiten bewirtschaftet. Aufgrund der verstärkten Tätigkeit im Bereich der Bildung wurde 1985 die „Al­ tenpflegeschule Manoah“ gegründet. Sie ist seit 2008 Tochtergesellschaft der FUK Deutschland und wird als eigenständige gemeinnützige GmbH geführt. Somit besteht das DMH aus insgesamt fünf Rechtspersönlichkeiten: auf deutscher und Schweizer Seite je eine operative DMHEinheit und je eine Pensionskasse plus die Altenpflegeschule in Deutschland. Deren Organe sind die Geschäftsleitung und das Aufsichtsgremium. Letztere sind je nach Rechtsform der Stiftungsrat oder die Ge­ sellschafterversammlung. Die Aufsichts­ gremien haben zu ihrer Unterstützung je­ weils zwei Ausschüsse gebildet, nämlich den Präsidialausschuss sowie den Finanz­

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ausschuss. Ergänzung findet diese formalrechtliche Struktur durch die Vertretung der Schwesternschaft, den Schwesternrat. Um die Steuerung des DMH einfach zu ge­ stalten, werden vergleichbare Funktionen durch dieselbe Person verantwortet. So sind die Organe, d.h. die Geschäftsleitun­ gen, die Präsidien, die Finanzausschüsse sowie die Stiftungsräte bzw. bei gGmbHs die Gesellschafterversammlungen der fünf DMH-Rechtssubjekte mit denselben Perso­ nen besetzt. Die Aufgaben dieser Organe und die Zu­ sammenhänge derselben werden in den kommenden Mit & Für ebenso vorgestellt werden wie die verantwortlichen Personen. Dadurch wird die Komplexität der DMHStruktur nicht reduziert, aber für alle Inter­ essenten hoffentlich verständlicher.

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THEMA Schwester Marlies Schwab lebt im Feierabend auf St. Chrischona

Gebet bewegt Wir beten nicht, um Gott zu informieren – denn das würde heißen: ER weiß nicht! Wir beten nicht, um Gott zu motivieren – denn das würde heißen: ER will nicht! Wir beten nicht, um Gott zu aktivieren – denn das würde heißen: ER kann nicht! Sondern wir beten, weil wir das Gespräch mit dem Vater brauchen und um unseren Willen in seinen Willen zu legen! — Siegfried Kettling —

Wir laden Sie ein, sich mit der eingehefteten Gebetskarte, über unsere Homepage oder per Mail an uns zu wenden. Gerne beten wir für Sie! Ihre Schwesternschaft

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„Wir laden Sie dazu ein, uns mit der Ge­ betskarte Ihre Gebets­ anliegen mitzuteilen. Selbstverständlich behandeln wir alle Informationen ver­ traulich! Ihre Schwes­ ternschaft“ So habe auch ich es mit Erstaunen im ersten Mit & Für gelesen. „Da bin ich ge­ spannt, wie wir das praktisch umsetzen. Im Mutterhaus haben wir ja verschiedene Gebetszeiten. Ich warte einmal ab“, denke ich. Die Anliegen werden in einem Ordner aufbewahrt und sind in einer Schublade im Gebetsraum zugänglich. Verschiede­ ne Schwestern haben, in aller Stille, diese Anliegen vor den Herrn gebracht. Ich will bekennen, dass ich nicht dazu gehört habe. Aber der Herr hat mir keine Ruhe gelassen und hat mir eine Last aufs Herz gelegt, ei­ nen Weg zu finden, in Gemeinschaft diese Aufgabe tun zu können. Daraus sind nun „Karten“ geworden, die jedes Ihrer Anliegen aufnehmen. Wir ha­ ben eine feste Gebetszeit bestimmt, am Montagmorgen. Da werden in der Runde die Karten verteilt und für jedes Anliegen gebetet. Ich danke dem Herrn, dass er mir keine Ruhe gelassen hat und dass wir Schwestern uns alle freuen, dass wir für Sie so einen wichtiger Dienst tun können. Ich bin gespannt und voller Erwartung, wie sich dieser Dienst noch weiter entwi­ ckeln wird!

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NACHRUF

Zum Heimgang von Herrn Paul Graf Ein Abschied in Dankbarkeit und Wertschätzung „Sei nur getrost und ganz unverzagt . . .“ (Josua 1, 7) Das war der Einsegnungsspruch von Herrn Graf, den er nach drei­ jähriger Ausbildung als Gastschüler am Theologischen Seminar als Zuspruch auf den Dienstweg bekam. Frisch von der Schulbank weg erging an ihn die Anfrage und Berufung, die Leitung des neu gekauf­ ten Jugend- und Ferienheims Meielisalp ob Leissigen am Thunersee zu übernehmen. Einige Jahre später, als die Anfrage von St. Chrischona kam, das Amt des Vorstehers unseres Diakonissen-Mut­ terhauses zu übernehmen, war der Zuspruch „Sei nur ge­ trost und sehr freudig . . .“ göttliche Aufmunterung. Herr Graf schrieb selbst: „Es ist ja nicht nur eine schwere, son­ dern auch eine schöne Aufgabe, im Reich Gottes zu ste­ hen, Verantwortung zu übernehmen und von der Fürbitte der Schwestern getragen zu werden.“ Herr Graf war von 1963 bis 1982 in der Leitung unseres Mutterhau­ ses. Der Herr war mit ihm und seiner Familie. ER hat sie täglich neu beschenkt mit vielen guten inneren und äußeren Gaben. Mission und Evangelisation waren ihm dabei ein besonderes Herzensanliegen. So nahm er bei Diensten in den Chrischona-Gemeinden gerne Schwestern mit, die von ihren Erfahrungen mit Jesus Christus berichteten. Freund­ lich und fürsorglich begleitete er uns. Wir sind sehr dankbar für den Dienst, den er bei uns getan hat. Herr Graf wurde nun von unserem Herrn am Sonntag, 18. Januar 2015, überraschend in seinem 89. Lebensjahr zu sich in die ewige Heimat gerufen. Am 26. Januar 2015 fand der Abschiedsgottesdienst in der re­ formierten Kirche Zell im Tösstal statt, wo sich eine große Trauerge­ meinde versammelte, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Für die nächste Zeit wünschen wir den Töchtern und Söhnen von Herrn Graf mit ihren Familien den Trost und Beistand unseres Herrn. Schwester Ursula Seebach Oberin

Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona

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PERSONELL Ein Interview mit der Geschäftsleitung

„Herr, du hast uns gerufen

Friedhelm und Christa Geiß Seit Februar 2015 wohnen Friedhelm und Christa Geiß in Inzlingen. Pfarrer Friedhelm Geiß ist seit 01. März 2015 im DMH als Theo­ logischer Leiter unterwegs und seine Frau Christa wird im DMH Lörrach als Seelsorgerin arbeiten (Minijob). Verheiratet seit 1979 Vier erwachsene Kinder Seit 1982 in verschiedenen Werken in leitender Verantwortung und zuletzt von 2007-2015 im Gemein­ schaftswerk Berlin-Brandenburg als Inspektor.

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Das Quietschen der Fahrradbrem­ sen ist unüberhörbar, wenn Fried­ helm Geiß vor der Pilgerhütte morgens ankommt. Immerhin – die Tour von Inzlingen hoch auf den Chrischona-Berg erspart auf jeden Fall ein Fitness-Studio. Um den neuen Kollegen in der Ge­ schäftsleitung kennen zu lernen, haben sich die Oberin Schwester Ursula und der Geschäftsführer Joachim Rastert mit Friedhelm Geiß unterhalten. Da alle drei sich schon seit etlichen Jahren kennen, bleibt es natürlich beim vertrau­ ten Du. Joachim Rastert: Inzlingen und Berlin ist ja schon ein gewisser Unterschied. Wie kommt man auf die Idee, solch einen Wechsel zu vollziehen? Friedhelm Geiß: Berlin ist eine Super-XXL-Stadt und als ich diese Woche durch Zürich fuhr, hatte ich schon etwas wehmütige Gefühle. Trotzdem freuen wir uns riesig, dass wir in Inzlingen so eine schö­ ne Wohnung gefunden haben. Ohne eine Berufung hätten wir diesen Schritt auch nicht gewagt. Die Arbeit in Berlin-Brandenburg war herausfordernd schön und schwer. Liebe Geschwister sind uns in den vergangenen acht Jah­ ren „ans Herz gewachsen“. Aber für das Leben meiner Frau und mir gilt: „Herr, du hast uns geru­ fen und darum sind wir hier…“ Mir war das in der Entschei­ dungsphase sehr wichtig, ob hier

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...“

nur ein menschlicher Ruf uns ins DMH lockt oder ob Jesus selbst uns hier haben möchte. Und ich bin sehr froh, dass wir diese Gewissheit gerade auch in Tagen der Stille gewinnen konnten und deshalb wa­ ren wir gerne in Berlin und Brandenburg und sind jetzt gerne auch hier. Schwester Ursula: Ich spüre, dass dir die Beziehung zu Jesus wichtig ist. Kennst du die Sehnsucht nach Gott und wie versuchst du ihr zu begegnen? Friedhelm Geiß: Je besser eine Beziehung ist, desto größer ist die Sehnsucht, mit dem anderen zusam­ men zu sein. So geht es mir mit meiner Christa, aber auch in meiner Beziehung zu Jesus. Ich brauche die Zeiten der Stille, des Schweigens, des Hörens auf IHN. Jeden Tag – geplant oder einfach zwischen­ durch. Aber ich freue mich besonders, wenn ich mich auf eine bestimmte Bank an meinem „Stilleort“ in Hohrodberg (Vogesen) setzen kann und den Ein­ druck habe, jetzt setzt sich Jesus neben mich. Diese Zeiten waren und sind für mich sehr entscheidend und wichtig. Joachim Rastert: Welche Ziele verbindest du mit deiner Berufung ins DMH? Friedhelm Geiß: Ich möchte auf jeden Fall das DMH mit allen seinen vielfältigen Bereichen kennen ler­ nen und dabei vor allem die Schwestern und Mitar­ beitenden. Erst muss ich verstehen lernen, bevor ich von Zielen sprechen kann. Aber ich werde genau zu­ hören. Dabei ist mir wesentlich, eine Sicht zu gewin­ nen, was Gott durch uns mit unseren Möglichkeiten getan haben möchte. Mich hat sehr beeindruckt, wie konkret und konsequent hier im DMH über Neues nicht nur gesprochen wird, sondern es auch geschieht. Da möchte ich gerne mit meinen Gaben

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mithelfen. Vor allem möchte ich darauf achten, dass in aller Akti­ on, allem Umbau, Neubau und in allen Veränderungen unser geist­ liches Anliegen tragend bleibt. Dabei haben die Schwestern als Herz des DMH nach wie vor eine ganz wichtige Aufgabe. Übrigens – als „Schwestern-Bruder“ in die­ ser Familien-Gemeinschaft mit­ leben zu dürfen, finde ich richtig schön. Schwester Ursula: Gibt es auch etwas, was dich aufregt, ja sogar zornig macht? Friedhelm Geiß: Lauwarme Sup­ pe und vertrödelte Zeit. Oder dass ich uns einen Tag vor dem Umzug aus dem Haus ausge­ sperrt hatte und wir das Schloss aufbohren mussten. Schwester Ursula: Und worüber kannst du herzhaft lachen? Friedhelm Geiß: Ach, da gibt es einiges: Ich mag gute Witze und Geschichten, die die Missgeschi­ cke des Lebens von der leichten Seite anschauen. Joachim Rastert: Wir wünschen dir und deiner Frau einen guten Einstieg bei uns und vor allem den Segen Gottes.

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IMPULS Pfarrer Friedhelm Geiß, Theologische Leiter des DMH

Ohne Gestern kein Morgen

Wer beständig, solide und vor allem nach­ haltig bauen möchte, tut gut daran, zuerst den Boden und den Baugrund gut zu erfor­ schen. Nur auf einem soliden Fundament können neue Räume Heimat für nächste Generationen werden. So war es auch in Israel nach dem Exil. Die Aufbruchstimmung war durch die harte Realität schnell verflogen. Erst durch den Weckruf Gottes und das Wirken seines Bo­ ten Haggai wurde das Volk wieder bereit, Neues zu wagen. Der Tempel sollte wieder gebaut werden. Der Ort der Versöhnung, der Ort der Anbetung, der Ort der Begeg­ nung, der Ort der Weisung – all das hatte

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Erfahrungen der Vergangenheit sind keine Parkplätze, sondern Wegweiser. ihnen gefehlt in den vergangenen Jahren. Aber nun sollte es wieder losgehen. Die Gefahr aber war, zu vergleichen mit dem alten Tempel. „Ach, wie war es früher so schön…“ „Aber das haben wir doch immer schon so ge­ macht“– kennen Sie das auch? Solche Aus­ sagen können sehr blockieren und das Werk des Herrn heute hindern. Erfahrun­ gen der Vergangenheit sind keine Park­

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plätze, sondern Wegweiser. Heute baut Gott sein Reich, durch uns, trotz uns und ohne uns. Tradition ist wertvoll, weil sie uns eine Beständigkeit gibt und einen Rahmen, in dem wir uns entfalten kön­ nen. Werte müssen erhalten werden. Formen müssen sich ändern, sonst verlie­ ren Werte an Wert. Hier zu unterscheiden ist lebens­ notwendig. In der Traditi­ on der Väter und Mütter

des Glaubens zu arbeiten, bedeutet heute, mit der Lei­ denschaft, Liebe zu Jesus, Dynamik und Hingabe der Väter und Mütter zu arbei­ ten. Nicht mit deren Metho­ den. „Und der Herr erweckte…“ (Haggai 1,14) – das war die eigentliche Wende. Nun kamen sie und arbeiteten mit neuer Kraft und Mo­ tivation. Vielleicht mit ge­ ringeren Möglichkeiten, vielleicht mit weniger Men­ schen, vielleicht mit weni­ ger Geld, aber das ist nicht entscheidend. Hauptsache Gottes Sache geht vorwärts. Was uns dann antreibt, ist nicht: „Unsere Kinder sol­ len es einmal besser haben“ oder: „…sonst sterben wir aus“, sondern – der Auftrag Gottes: „Lasst mein Haus nicht wüst stehen“ (Haggai 1,9). Und wenn Gott mit­ baut, dann wird es gut. Un­ ter seinen Händen wird das, was wir geben, immer ver­ vielfältigt. Wer das hingibt, was er hat, der kann nur staunen, was Gott daraus macht. So wächst Neues. So gestaltet sich Gegenwart – auf dem guten Fundament der Vergangenheit gehen wir zuversichtlich und manchmal auch verwegen in die Zukunft.

Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona

IMPRESSUM Die Zeitschrift MIT & FÜR des Diakonissen-Mutterhauses St. Chrischona erscheint vier­ mal jährlich kostenfrei. Auflage: 5000 Exemplare Herausgeber: Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona Chrischonarain 135 CH-4126 Bettingen Tel.: +41 (0)61 606 65 65 Mail: mitundfuer@dmhchrischona.org Redaktionsleitung: Schw. Ursula Seebach, Oberin Joachim Rastert. Geschäftsführer Grafik und Layout: Variation Design L. Leuenberger www.variation-design.de Bilder: © DMH außer; ©freeimages.com: Fond S.3-5, ba1969; Fond S. 6-9, walldiskpaper.com/hondajazz; S.10-11, ©freepik.com;s.15-17, Fotostudio Weisheitinger; S.19 ©DEIAHL; S.23 Chrischona In­ ternational; S.26-27 photodune. com/©digitalstormcinema Druckerei: Lautertal-Druck Franz Bönsel GmbH D-64686 Lautertal Bankverbindungen: Basler Kantonalbank IBAN: CH55 0077 0016 0503 1447 8 Sparkasse Lörrach-Rheinfelden IBAN: DE69 6835 0048 0001 0084 16 BIC: SKLODE66

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( ) Damals gelernt

Am Anfang meiner Mutterhauszeit habe ich gelernt zu beten: a) für meinen Dienst im Hühnerstall – ca. 45 Hühner waren zu betreuen.

b) f ür das Heizen des kleinen Eisenofens im Winter in der Gärtnerei, dass die Wärme für die ganze Nacht anhält für Treibhaus und Treibbeet im Freien.

(Schw. Ruth Schenkel Aus den Erinnerungen der Schwestern, Seite 6)

www.dmh-chrischona.org www.facebook.com/dmhchrischona

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Mit & Für April 2015  

Die Zeitschrift der Diakonissen Mutterhaus, St. Chrischona.

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