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Die starke Zuwanderung von jungen Asylsuchenden hat im siebten Jahr des Bestehens unseres Vereins zu einem gesteigerten Betreuungsbedürfnis und entsprechendem Engagement unsererseits geführt. Nach den jeweiligen Einzelgesprächen mit interessierten Patinnen und Paten sowie mit jungen Asylsuchenden haben wir in unseren monatlichen Vorstandssitzungen weitere Patenschaften eingerichtet und bestehende betreut. Der Bedarf an Patenschaften ist erneut stark gestiegen, sodass die Erhöhung unseres Patinnen/Paten-Pool zur grossen Herausforderung wird. In verschiedenen Anlässen konnten der Bekanntheitsgrad unseres Vereins gesteigert werden und weitere Patinnen und Paten für eine Betreuungsaktivität gewonnen werden:
Rund ein Dutzend Patinnen und Paten halfen unsimFebruar 2023in Fokusgruppen deren Bedürfnisse besser zu verstehen und ihren Aktivitäten noch effektiver zu unterstützen.
ImMärz2023organsiertenwirimQuartierzentrumBachletteneinen Begegnungsabend mit dem bekannten, ursprünglich aus Syrien stammenden Erfolgsautor Usama Al Shamani. Der Abend war sehr gut besucht und führte beim anschliessenden Apéro zu einem lebhaften Austausch.
Und schliesslich organisierten wir im Oktober 2023 wiederum im Quartierzentrum Bachletten einen interaktiven Workshop zum Thema «Interkulturelle Kommunikation». Auf Grund des sehr positiven Echos werden wir ähnliche Anlässe wieder ins Programm aufnehmen,förderndiesedochdenErfahrungs-austauschunterden Patinnen und Paten.
Die Verleihung des Prix Schappo im Jahr 2022 ist für uns Verpflichtung und Ansporn zugleich, unsere Tätigkeit weiter zu professionalisieren und zukunftsgerichtet zu gestalten. Die Schlussfolgerungen aus mehreren internen Strategie-Workshops
waren, die Unabhängigkeit unserer Organisation langfristig zu bewahren, unsere internen Strukturen an die wachsende Zahl von Patenschaften anzupassen und die eigenen Prozesse zu vereinfachen.
Mit Freude haben wir durch das Mitwirken von Wolf Stauch eine willkommene Verstärkung im Vorstand erhalten. Erfreulicherweise ist auch die Anzahl Mitglieder in unserem Verein weiterhin nun auf 34 (Stand Februar 2024, inkl. Vorstand) gewachsen.
Der Vorstand 2023
Niklaus Freuler Präsident
Roland Beyeler, Kassier
Kasper
Catherine Dessemontet Vize-Präsidentin
Claudia UebersaxFischer
Ruedi Meyer
Wie bereits zu Beginn unseres Berichts angedeutet, hat derZustrom von Asylsuchenden im Jahr 2023 europaweit weiterhin zugenommen. Die Ursache dürften nun vor allem volkswirtschaftliche Gründe mit steigenden Preisen infolge des Ukraine-Krieges sein. Bei einem 25%igen Zuwachs gegenüber 2022, wurden letztes Jahr in der Schweiz 30‘000 Gesuchegestellt. Das Asyl wurdeschliesslichinknapp6000Fällengewährt.Afghanistanunddie Türkei machen50%derGesucheaus,gefolgtvonEritrea>Algerien> Marokko > Syrien. Obwohl die Schweiz nicht mehr Ziel-, sondern vor allemTransitlandfürFlüchtendeist,betrugderAnteilderSchweizan den gesamthaft in Europa gestellten Asylgesuchen 2,4% und lag somit über dem europäischen Durchschnitt von 2,3%. Gemessen an der Einwohnerzahl ergab dies in der Schweiz 3,5 Asylgesuche / 1000 Einwohner (vgl. Deutschland 4,0/ Österreich 6,5 / Island 11,4).
Der Anteil der Minderjährigen blieb im Vergleich zum Vorjahr bei etwa 10%, stieg allerdings in Anbetracht der höheren Gesamtzahl Asylsuchender von 2450 auf 3271 an.
Weiterhin machen afghanische UMA den weitaus wichtigsten Anteil der geflüchteten UMA aus. Mit grossem Abstand folgen nun neu minderjährige Flüchtlinge aus Afrika (Guinea, Somalien, Marokko und Algerien) sowie Jugendliche aus Syrien und der Türkei, wenige noch aus Eritrea.
Der anhaltende Zuwachs an Asylsuchenden führte zu einer zunehmenden Überlastung unseres Asylwesens. Nebst einem Mangel an Unterkünften und knappen finanziellen Ressourcen, entwickelte sich ein ausgeprägter Fachkräfte-mangel im sozialen Bereich mit hoher Fluktuation beim Personal, nicht nur in den Bundesasylzentren, sondern auch in den einzelnen Wohnheimen für
unbegleitete minderjährige Asylsuchenden (WUMA) mit konsekutiver ungenügender Betreuungsmöglichkeit der UMA. Dieser Zustand schlug sich unmittelbar in den Anmeldungen junger Flüchtlinge für eine Patenschaft bei PUMA nieder.
ImVerlaufdesJahreserreichtenuns33neueAnmeldungenausallen bisherigen und neuen in Basel, Reinach, Gelterkinden und Lausen eröffneten WUMA, oder direkt von Beiständinnen. Dies entspricht einer Zunahme von 57% gegenüber dem Vorjahr. Abgesehen von einer jungen Frau aus Äthiopien, waren alle Asylsuchenden männlichen Geschlechts. Zwei junge Männer stammten aus Syrien, einer aus Somalien, alle übrigen waren afghanischer Herkunft.
Mehr als 3/4 der Jugendlichen wurden uns kurz vor oder nach der Volljährigkeit zugewiesen, Zeitpunkt, zu welchem sie den schützenden Rahmen des WUMA verlassen mussten oder bereits verlassen hatten, ohne genügend auf ein selbständiges Leben in unserer Gesellschaft vorbereitet zu sein. Nur bei 7 der jungen Geflüchteten unter 17 Jahren blieb genügend Zeit für die Entwicklung einer stabilen Beziehung innerhalb einer Patenschaft
vor diesem kritischen Schritt. Ausserdem manifestierte sich die prekäre Lage erstmals auch dadurch, dass knapp ein Drittel der zugewiesenen UMA sich kaum oder gar nicht auf Deutsch verständigen konnten und für eine Patenschaft zum Teil noch nicht in Frage kamen.
Nach dem Rückzug von 4 weiteren Jugendlichen, welche eine alternative Unterstützungsvariante fanden oder in einer Pflegefamilie untergebracht werden konnten, gelang es uns, für 20 derangemeldetenUMAeinegeeignetePatenpersonzufinden.Die6 Verbleibenden kamen auf die bestehende Warteliste von bereits 6 anderen Flüchtlingen. Wir hoffen, allen 12 Jugendlichen im neuen Jahr schnellstmöglich eine gute Lösung anbieten zu können.
Von 19 Interessentinnen und Interessenten, welche wir anlässlich von eingehenden Gesprächen kennenlernen durften, liessen sich 18 definitiv für eine aktive Zusammenarbeit gewinnen. Nebst zwei Ehepaaren zählten wir zehn Damen und sechs Herren. Wiederum handelteessichgrösstenteilsuminBaselwohnhaftePersonen,über 2/3 bereits pensioniert. Je 1/3 waren durch Bekannte, über unser Inserat bei GGG-Benevol oder anlässlich einer unserer Veranstaltungen auf unser Projekt aufmerksam geworden.
Insgesamt konnten wir im Verlauf des Jahres 20 neue Patenschaften errichten. Zwei der involvierten Patenpersonen hatten vorgängig bereits einen jungen Asylsuchenden während einer gewissen Zeit begleitet und stellten sich nach einer mehrmonatigen Pause nun erneut für eine Patenschaft zur Verfügung. Drei weitere Pat:Innen wünschten, nach Abschluss einer ersten Patenschaft eine Pause einzulegen und sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder für einen jungen Flüchtling aktiv einzusetzen. Sieben Pat:Innen zogen sich nach abgeschlossener Patenschaft definitiv aus unserem Programm zurück, sei es krankheitshalber, wegen Wegzug aus der Region, oder
in zwei Fällen wegen enttäuschenden Erfahrungen bezüglich der Motivation ihrer anvertrauten UMA.
Ende 2023 verzeichneten wir 47 aktive Patenschaften (ein Zuwachs von 10 gegenüber Dezember 2022). Für drei wartende Interessent:Innen fanden wir erst Anfang 2024 einen geeigneten jungen Asylsuchenden.
Dieser Rückblick führt zur Erkenntnis, dassder Bedarfan tatkräftiger Unterstützung im Bereich der Integration von UMA durch die Zivilgesellschaft keinesfalls rückläufig ist, sondern leider zunimmt. Ebenso müssen wir aber auch feststellen, dass das Angebot freiwilliger Patinnen und Paten den Bedarf trotz Intensivierung unserer Bemühungen nun nicht mehr deckt! Wenn PUMAPatenschaften auch nur einen Tropfen auf den heissen Stein sind, bedeuten sie doch jedes Jahr erneut für einige Dutzend vom SchicksalschwergetroffenejungeMenschen,welchedasWichtigste, ihre Heimat und ihre Familie, verloren haben, einen Lichtblick, eine Hoffnung und die Chance auf ein Leben in Sicherheit und Würde.
Unseren engagierten Patinnen und Paten, welche dies ermöglichen, danken wir an dieser Stelle von ganzem Herzen!
3.1.1 Erfolg
Die PUMA-Jahresrechnung für das Jahr 2023 schliesst mit einem Verlust von CHF 3’825 ab. Der Verlust ist hauptsächlich auf nicht budgetierte Kosten bei der Informatik von CHF 1’423 und bei der Weiterbildung von CHF 1’483 zurückzuführen. Budgetiert für das Jahr 2023 war ein Verlust von CHF 2’380. Unser aktuelles Eigenkapital (CHF 17’863) entspricht dem Saldo des PostFinanceKontos (CHF 17’863).
3.1.2 Ertrag
Die Mitgliederbeiträge stiegen 2023 auf CHF 1’040 an. Wir werden weiter versuchen, mehr Mitglieder zu gewinnen.
3.1.3 Aufwand
Die Informatikkosten beinhalten im Wesentlichen die Abonnementskosten.SiebelaufensichimBerichtsjahraufCHF1’206 für Claris (ehemals FileMaker). Die Beschaffung dieser Software dient der Administration und Verwaltung der Dossiers der jungen Asylsuchenden, der Mitglieder und der Patinnen und Paten sowie den verschiedenen involvierten Institutionen und Personen. Der Mehraufwand bei der Weiterbildung ist auf die Finanzierung der Kosten für die Lesung des afghanischen Schriftstellers Al Shamani von CHF 1'417 zurückzuführen.
Die budgetierten Kosten werden die budgetierten Einnahmen um CHF 3’400 übersteigen. Da unser Verein kaum Einnahmen hat, werden wir uns mittelfristig um die Gewinnung von Fördergeldern und grosszügigen Spenden bemühen.
BILANZ PER 31.12.2022 UND 2023
ERFOLGSRECHNUNG BUDGET
Für die nahe Zukunft zeichnet sich eine weitere zunehmende Migration von jungen Asylsuchenden vor allem aus Afghanistan ab. Die Aufnahmekapazitäten der Bundesasylzentren stossen seit 2023 an ihre Grenzen. Entsprechend steigen die Anfragen an unsere Organisation, eine wachsende Anzahl Patenschaften einzurichten. Unser Patenpool wächst leider nicht im gleichen Masse. Deshalb werden wir weiterhin Anlässe durchführen, welche vor allem potenzielle Patinnen und Paten ansprechen. Unsere Werbemittel werden attraktiver gestaltet und wir verstärken unsere Öffentlichkeitsarbeit.
Auch intern sind wir daran, uns an die erweiterten Bedürfnisse anzupassen:WirhabenunserenVorstandverjüngtundverstärkt.Die Standardisierung unserer internen Prozesse zusammen mit einer verbesserten Software für unsere Datenbank wird unsere administrative Arbeit vereinfachen. Wir berücksichtigen dabei das neue Datenschutzgesetz.
Allerdings lassen sich unsere wertvollen Einzelgespräche mit den jungen Asylsuchenden und den potenziellen Patinnen und Paten nicht vereinfachen. Sie sind unabdingbar für ein gutes «Matching», d.h. die bestmögliche Kombination im Betreuungs-Tandem. Dies zusammen mit der Unterstützung unserer Patinnen und Paten wird weiterhin die edelste und wichtigste Kernaufgabe unserer Tätigkeit bleiben.
Basel, im April 2024
Der Vorstand