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blaulichtentchen Alles 체ber die Einsatzkr채fte

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Inhalt Feuerwehr - retten, löschen, bergen, schützen Freiwillige Feuerwehr (FF) Berufsfeuerwehr (BF) Flughafenfeuerwehr Werksfeuerwehr Betriebsfeuerwehr (BtF) Jugendfeuerwehr (JF) Taucherstaffel Pflichtfeuerwehr Höhenrettung Tierrettung Polizei - dein Freund und Helfer Schutzpolizei Kriminalpolizei Kriminaldauerdienst Weibliche Kriminalpolizei Spezialeinsatzkommando (SEK) Bereitschaftspolizei Hundestaffel Spurensicherung Helikopterstaffel Krimaltechnik (KTU/KTI) Wasserschutzpolizei Küstenwache Bundespolizei Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) Zoll Hundestaffel Bundesamt für Güterverkehr (BAG) Justiz Rechtsmedizin Stadtpolizei Ordnungsamt Jugendamt Steuerfahndung Bundesnachrichtendienst (BND) Bundeswehr Heer Luftwaffe Marine Feldjäger Bundeswehr-Feuerwehr www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 3


Deutsche Flugsicherung (DFS) Technisches Hilfswerk (THW) Fachgruppe Räumen Fachgruppe Trinkwasserversorgung Fachgruppe Elektroversorgung Fachgruppe Wassergefahren Fachgruppe Infrastruktur Fachgruppe Logistik Fachgruppe Sprengen Fachgruppe Ortung Fachgruppe Brückenbau Fachgruppe Ölschadenbekämpfung Fachgruppe Führung/Kommunikation Fachgruppe Beleuchtung Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen Deutsches Rotes Kreuz (DRK) Die Johanniter Malteser Hilfsdienst Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Weißes Kreuz/Croce Bianca Notfall-/Unfallseelsorge Bergwacht Bergrettungsdienst Höhlenrettung Höhlenrettungsverbund Deutschland Tierambulanz Deutsche Rettungsflugwacht (DRF) Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) Search and Rescue (SAR) Bundesministerium des Innern Lufftrettung Allgemeiner deutscher Automobilclub (ADAC) Notfallmanagment der deutschen Bahn Notdienst des städtischen Energieversorgers Notdienst des städtischen Wasserwerks Notdienst des städtischen Nahverkersbetreiber Notdienst der Firma Siemens

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Feuerwehr Die Feuerwehr ist eine Hilfsorganisation, deren Aufgabe es ist, bei Bränden, Unfällen, Überschwemmungen und ähnlichen Ereignissen Hilfe zu leisten, d. h., Menschen, Tiere und Sachwerte zu retten, zu schützen und zu bergen. Hauptaufgabe ist jedoch das Retten, das Priorität vor allen anderen Aufgaben hat. In Deutschland liegt die Zuständigkeit für die Regelung des abwehrenden Brandschutzes bei den Bundesländern, die entsprechende Brandschutzgesetze verabschiedet haben. Da in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Brände stark zurückgegangen ist, übernimmt die Feuerwehr zunehmend Aufgaben, die über die traditionelle Brandbekämpfung hinausgehen. Die Art der neu übernommenen Aufgaben und die Strukturen der Feuerwehren sind regional sehr unterschiedlich.

Eine Feuerwehr kann sein: •

eine technische Einrichtung der Kommune

eine betriebliche Einrichtung (Werk- und Betriebsfeuerwehr)

ein privates Unternehmen, das im Auftrag der Kommune oder des Betriebes die Aufgaben einer Feuerwehr wahrnimmt (beispielsweise Falck in Dänemark).

eine Truppengattung des Militärs

Je nach Bevölkerungsstruktur und -dichte sind auch die Strukturen der Feuerwehrorganisationen unterschiedlich. Sind es z. B. in Deutschland, in Österreich oder in Südtirol die Freiwilligen Feuerwehren, die den flächenmäßig größten Teil des Brandschutzes abdecken, setzen andere Länder auf Stützpunktfeuerwehren mit hauptamtlichem Personal. Die Schweiz kennt in vielen Gemeinden die allgemeine Feuerwehrpflicht für Männer und Frauen. In den meisten Ländern existiert auch ein Brand- und/oder Katastrophenschutz durch militärische Strukturen. Zugleich gibt es Länder, in denen mehrere dieser Strukturen vermischt oder parallel existieren. Bereits die alten Ägypter hatten die ersten organisierten Feuerlöscheinheiten. Im Römischen Reich entstanden Millionenstädte wie Rom. Die Häuser waren meist mehrstöckig und standen sehr eng beieinander, auch die Gassen waren sehr eng. Vielfach wurden hölzerne An- und Vorbauten an den Häusern errichtet. Etliche Male vernichteten www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 5


Feuersbrünste ganze Stadtteile von Rom. Im Jahr 21 v. Chr. wurde eine erste Feuerwehr mit 600 Sklaven gegründet. Schon im Mittelalter waren die Gemeinden verpflichtet, den Brandschutz aufzubauen. Für Feuermeldungen waren zunächst Türmer und Nachtwächter zuständig (Ruf: „Feurio!“). Im Notfall einzugreifen, wurden zuerst die Innungen und Zünfte verpflichtet. Da sehr viele Gebäude Fachwerkbauten aus Holz waren und oft innerhalb der Stadtmauern auf engstem Raum errichtet wurden, kamen Großbrände, bei denen ganze Stadtviertel abbrannten, sehr oft vor. Es wurden auch erstmals Feuerknechte in den Feuerlöschverordnungen verankert, so dass von den ersten Berufsfeuerwehren gesprochen werden kann, wie zum Beispiel in Wien 1685. Die feuerwehrtechnische Ausrüstung war in der vorindustriellen Zeit auf einfache Hilfsmittel wie Eimer, Leitern oder Einreißhaken beschränkt. Im 17. Jahrhundert wurde der Schlauch erfunden, der zuerst aus genähtem Leder angefertigt wurde; später wurde das Leder vernietet. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden noch Handpumpen, sogenannte Feuerspritzen verwendet, die von Pferden oder der Löschmannschaft an die Einsatzstelle gezogen wurden. Mit der Erfindung des Verbrennungsmotors verbesserte sich auch die Ausrüstung der Feuerwehren: Motorspritzen und selbstfahrende Feuerwehrfahrzeuge erhöhten die Leistungsfähigkeit um ein Vielfaches. In den USA wurden erst Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten, privatwirtschaftlich organisierten, Berufsfeuerwehren gegründet. Teilweise wurden nur Häuser, die die Plakette eines solchen Unternehmens trugen, gelöscht. Die Aufgaben der Feuerwehr werden in den Gesetzen jedes Staates geregelt. International weit verbreitet ist die Zusammenfassung der Aufgaben mit den Schlagworten Retten, Löschen, Bergen, Schützen.

Retten Das Retten ist die Abwendung einer Lebensgefahr von Menschen durch Sofortmaßnahmen (Erste Hilfe), die der Erhaltung oder Wiederherstellung von Atmung, Kreislauf oder Herztätigkeit dienen, und/oder Befreien aus einer Zwangslage durch technische Rettungsmaßnahmen. Tätigkeitsfelder hierfür sind z. B. Feuer, Überschwemmungen oder Verkehrsunfälle. Löschen Das Löschen ist die älteste Aufgabe der Feuerwehr. Bei diesem so genannten abwehrenden Brandschutz werden unterschiedlichste Brände mit Hilfe spezieller Ausrüstung bekämpft. Im Laufe der Zeit ist jedoch die Zahl der Brandbekämpfungen weltweit zurückgegangen. Aufgrund der zunehmenden Aufgabenvielfalt der Feuerwehr nehmen die technischen Hilfeleistungen stark zu und die Feuerwehr entwickelt sich zur Hilfeleistungsorganisation. Bergen Die Feuerwehr kann weiterhin das Bergen von Sachgütern, toten Menschen oder Tieren übernehmen. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 6


Schützen Vorbeugende Maßnahmen (das Schützen) beinhalten im wesentlichen Elemente des vorbeugenden Brandschutzes. Diese dienen der Vermeidung von Entstehungsbränden z. B. durch Brandsicherheitswachen bei öffentlichen Veranstaltungen oder konsequenter Brandschutzerziehung in der Bevölkerung, um auf Gefahren aufmerksam zu machen und richtiges Verhalten in Notsituationen aufzuzeigen. Besonders in Industrienationen wird dem Betriebsbrandschutz immer mehr Augenmerk geschenkt, sei es durch eigene betriebliche oder auch durch öffentliche Feuerwehren. Darüber hinaus wird die Feuerwehr im Rahmen behördlicher Baugenehmigungsverfahren größerer Bauvorhaben häufig hinzugezogen und um Stellungnahme gebeten. Weiterhin arbeitet die Feuerwehr in verschiedenen Fachgebieten bei der Erstellung von Standards mit. Außerdem betreibt die Feuerwehr aktiven Umweltschutz, etwa durch die Eindämmung von Ölunfällen, Beseitigung von Ölspuren auf Straßen und Schutz vor chemischen, biologischen und atomaren Gefahren. Um die ihr übertragenen Aufgaben zu erfüllen verfügt die Feuerwehr in der Neuzeit über eine Vielzahl von technischem Gerät, dies umfasst neben den Feuerwehrfahrzeugen auch deren Beladung und die persönliche Ausrüstung eines jeden Feuerwehrangehörigen, die in einem Feuerwehrhaus untergebracht sind. Diese Ausrüstung dient dazu, vor Gefahren des Feuerwehrdienstes bei Ausbildung, Übung und Einsatz zu schützen. In den meisten Ländern besteht diese aus einem Feuerwehrschutzanzug, einem Schutzhelm, Handschuhen und Sicherheitsschuhen. Darüber hinaus kommen bei der Feuerwehr auch Kommunikationssysteme, wie das BOS-Funksystem und Technik zur Alarmierung der Feuerwehrangehörigen zum Einsatz. In manchen Ländern gehören auch Rettungshunde zur Feuerwehr. Sie werden hauptsächlich im Katastrophenhilfsdienst nach Erdbeben oder anderen Katastrophen, aber auch bei der Suche nach einzelnen vermissten Personen eingesetzt. In einigen Ländern ist die Feuerwehr auch für den Rettungsdienst zuständig und hält somit entsprechende Fahrzeuge und Geräte vor. In Deutschland wird diese Aufgabe überwiegend im Bereich von Berufsfeuerwehren wahrgenommen.

Freiwillige Feuerwehr Eine Freiwillige Feuerwehr (offizielle Abkürzung in Deutschland, Österreich und Südtirol ist FF) ist eine öffentliche Feuerwehr, die sich hauptsächlich aus ehrenamtlichen Mitgliedern, mitunter auch einigen hauptamtlichen Kräften (z. B. für den Rettungsdienst etc.) zusammensetzt. Im Gegensatz dazu besteht eine Berufsfeuerwehr (BF) aus rein hauptamtlichen Einsatzkräften. Entgegen der www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 7


weitverbreiteten Meinung, in den meisten Städten Deutschlands würde es eine Berufsfeuerwehr geben, wird der Brandschutz in Deutschland hauptsächlich durch freiwillige Kräfte sicher gestellt. Bei einer Gesamtzahl von 2.074 Städten in Deutschland existieren lediglich in 102 dieser Städte Berufsfeuerwehren. In allen diesen Städten gibt es zur Verstärkung der Berufsfeuerwehr auch freiwillige Abteilungen. Die Organisation, den Brandschutz größtenteils mit Freiwilligen Feuerwehren abzudecken, hat sich vor allem in den deutschsprachigen Ländern durchgesetzt, während in den meisten anderen west- und auch osteuropäischen Ländern andere Organisationsformen vorherrschen. In manchen Ländern gibt es jedoch Bestrebungen ein freiwilliges System zu etablieren. Ein Beispiel hierfür ist die ESEPA in Griechenland. Freiwillige Feuerwehren sind in Deutschland ein Teil der kommunalen Verwaltung ohne eigene Rechtspersönlichkeit und in Österreich eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Eine der ältesten Freiwilligen Feuerwehren auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschlands ist die Freiwillige Feuerwehr der Kreisstadt Saarlouis im heutigen Saarland[1]. Sie wurde 1811 von der damaligen französischen Regierung gegründet. Im Jahre 1811, kurz nach einem in dem Nachbardorf Fraulautern ausgebrochenen großen Brand, wurde auf Beschluss des Magistrats der Stadt Saarlouis die bestehende Feuerlöscher-Kompanie unter Genehmigung des Präfekten von Metz Vincent-Marie Viénot de Vaublanc durch den Oberbürgermeister Renauld neu organisiert. Diese Neubildung geschah zu einer Zeit, als Napoleon ein Dekret für die Pariser Feuerwehr erlassen hatte, dessen Kerngedanken Freiwilligkeit der Rekrutierung der Mannschaft, militärisch straffe Organisation und unbezahlter Dienst, also Ehrenamtlichkeit, waren. Obwohl dieses Dekret ausdrücklich nur für Paris galt, die Brandschutzproblematik aber überall die gleiche war, erließen in der Folge auch die Präfekturen in Frankreich für ihre Verantwortungsbereiche vergleichbare Dekrete (z. B. der Präfekt Vaublanc für die Stadt Metz 1812). Am 1. Dezember 1815 ziehen die Preußen in Saarlouis ein (Ergebnis aus Wiener Kongress). Die Feuerwehr wird deutsch (preußisch). In Deutschland entstand 1835 dann die erste deutsch gegründete Feuerwehr. Dies ist die Spritzengemeinschaft Kierspe-Neuenhaus (Nordrhein-Westfalen, Märkischer Kreis), die auch noch heute als Löschgruppe Neuenhaus des Löschzuges IV Neuenhaus/Vollme[2] der FF Kierspe existiert. 1841 erfolgte die Aufstellung der ersten Freiwilligen Feuerwehr nach heutigem Verständnis im sächsischen Meißen[3]; 1846 entstanden dann nach und nach auch andere deutsch gegründete Freiwillige Feuerwehren in Heidelberg und Durlach (Karlsruhe). Meist sind sie aus politisch revolutionär eingestellten Turnvereinen hervorgegangen (siehe Badische Revolution). Die Freiwilligen Feuerwehren verwendeten damals neuartige und leistungsfähigere Spritzen, die vom Heidelberger Ingenieur Karl Metz gefertigt wurden. Da diese Spritzen noch muskelbetrieben waren, war ihre Bedienung anstrengend und erforderte besondere Fitness. Zu den ersten Einsätzen wurde die Heidelberger Freiwillige Feuerwehr gar nicht gerufen. Sie beeindruckte den Stadtrat aber dadurch, dass sie sehr schnell und erfolgreich arbeitete mit bisher in der Brandbekämpfung nicht gekannter Organisation und Logistik. Die Idee setzte www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 8


sich schnell durch, und schon wenige Jahre später gab es in der Region zahlreiche weitere ähnliche Organisationen. Der Begriff Feuerwehr wurde übrigens 1847 das erste Mal in einer Karlsruher Zeitung verwendet. Christian Hengst hatte 1846 in Durlach eines der ersten freiwilligen PompierCorps gegründet und setzte bei einem Großbrand in Karlsruhe die Stadtspritze Nr. 2 von Metz ein. Dies brachte die neuen Methoden der Brandbekämpfung tagelang in die überregionale Presse. Auch in Österreich wurden in den 1860er Jahren die ersten Freiwilligen Feuerwehren gegründet, die auch oft den Rettungsdienst übernahmen. Aus den Reihen der vorher unorganisierten Bürger wurden Feuerwehrvereine gegründet, die dadurch auch leichter Geldmittel erhielten. Die erste freiwillige Betriebsfeuerwehr hatte bereits 1831 die Kaiserlich-Königliche Tabakfabrik in Schwaz in Tirol. Die erste freiwillige Ortsfeuerwehr im heutigen Österreich war die 1857 gegründete Freiwillige Feuerwehr Innsbruck. In der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde bereits 1851 ein freiwillige Pompiers Corps in Reichstadt durch Ferdinand Leitenberger in Böhmen gegründet, der auch Instruktionen für die Organisation und Ausrüstung schrieb und damit zum Vorbild in Böhmen wurde. Heutzutage sind die meisten Freiwilligen Feuerwehren mit modernstem Gerät ausgestattet, um im Ernstfall schnelle und professionelle Hilfe leisten zu können. Neben den zahlreichen Freiwilligen Feuerwehren in den einzelnen Gemeinden, gibt es auch größere ebenso Freiwillige Feuerwehren, die mit einer umfangreicheren Ausrüstung die Feuerwehren der Umgebung bei speziellen Einsätzen unterstützen können. Mancherorts werden diese als Stützpunktfeuerwehren bezeichnet. Eine der ältesten Freiwilligen Feuerwehren auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschlands ist die Freiwillige Feuerwehr der Kreisstadt Saarlouis im heutigen Saarland[1]. Sie wurde 1811 von der damaligen französischen Regierung gegründet. Im Jahre 1811, kurz nach einem in dem Nachbardorf Fraulautern ausgebrochenen großen Brand, wurde auf Beschluss des Magistrats der Stadt Saarlouis die bestehende Feuerlöscher-Kompanie unter Genehmigung des Präfekten von Metz Vincent-Marie Viénot de Vaublanc durch den Oberbürgermeister Renauld neu organisiert. Diese Neubildung geschah zu einer Zeit, als Napoleon ein Dekret für die Pariser Feuerwehr erlassen hatte, dessen Kerngedanken Freiwilligkeit der Rekrutierung der Mannschaft, militärisch straffe Organisation und unbezahlter Dienst, also Ehrenamtlichkeit, waren. Obwohl dieses Dekret ausdrücklich nur für Paris galt, die Brandschutzproblematik aber überall die gleiche war, erließen in der Folge auch die Präfekturen in Frankreich für ihre Verantwortungsbereiche vergleichbare Dekrete (z. B. der Präfekt Vaublanc für die Stadt Metz 1812). Am 1. Dezember 1815 ziehen die Preußen in Saarlouis ein (Ergebnis aus Wiener Kongress). Die Feuerwehr wird deutsch (preußisch).

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In Deutschland entstand 1835 dann die erste deutsch gegründete Feuerwehr. Dies ist die Spritzengemeinschaft Kierspe-Neuenhaus (Nordrhein-Westfalen, Märkischer Kreis), die auch noch heute als Löschgruppe Neuenhaus des Löschzuges IV Neuenhaus/Vollme der FF Kierspe existiert. 1841 erfolgte die Aufstellung der ersten Freiwilligen Feuerwehr nach heutigem Verständnis im sächsischen Meißen[3]; 1846 entstanden dann nach und nach auch andere deutsch gegründete Freiwillige Feuerwehren in Heidelberg und Durlach (Karlsruhe). Meist sind sie aus politisch revolutionär eingestellten Turnvereinen hervorgegangen (siehe Badische Revolution). Die Freiwilligen Feuerwehren verwendeten damals neuartige und leistungsfähigere Spritzen, die vom Heidelberger Ingenieur Karl Metz gefertigt wurden. Da diese Spritzen noch muskelbetrieben waren, war ihre Bedienung anstrengend und erforderte besondere Fitness. Zu den ersten Einsätzen wurde die Heidelberger Freiwillige Feuerwehr gar nicht gerufen. Sie beeindruckte den Stadtrat aber dadurch, dass sie sehr schnell und erfolgreich arbeitete mit bisher in der Brandbekämpfung nicht gekannter Organisation und Logistik. Die Idee setzte sich schnell durch, und schon wenige Jahre später gab es in der Region zahlreiche weitere ähnliche Organisationen. Der Begriff Feuerwehr wurde übrigens 1847 das erste Mal in einer Karlsruher Zeitung verwendet. Christian Hengst hatte 1846 in Durlach eines der ersten freiwilligen PompierCorps gegründet und setzte bei einem Großbrand in Karlsruhe die Stadtspritze Nr. 2 von Metz ein. Dies brachte die neuen Methoden der Brandbekämpfung tagelang in die überregionale Presse. Auch in Österreich wurden in den 1860er Jahren die ersten Freiwilligen Feuerwehren gegründet, die auch oft den Rettungsdienst übernahmen. Aus den Reihen der vorher unorganisierten Bürger wurden Feuerwehrvereine gegründet, die dadurch auch leichter Geldmittel erhielten. Die erste freiwillige Betriebsfeuerwehr hatte bereits 1831 die Kaiserlich-Königliche Tabakfabrik in Schwaz in Tirol. Die erste freiwillige Ortsfeuerwehr im heutigen Österreich war die 1857 gegründete Freiwillige Feuerwehr Innsbruck. In der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde bereits 1851 ein freiwillige Pompiers Corps in Reichstadt durch Ferdinand Leitenberger in Böhmen gegründet, der auch Instruktionen für die Organisation und Ausrüstung schrieb und damit zum Vorbild in Böhmen wurde. Heutzutage sind die meisten Freiwilligen Feuerwehren mit modernstem Gerät ausgestattet, um im Ernstfall schnelle und professionelle Hilfe leisten zu können. Neben den zahlreichen Freiwilligen Feuerwehren in den einzelnen Gemeinden, gibt es auch größere ebenso Freiwillige Feuerwehren, die mit einer umfangreicheren Ausrüstung die Feuerwehren der Umgebung bei speziellen Einsätzen unterstützen können. Mancherorts werden diese als Stützpunktfeuerwehren bezeichnet. Um in die Einsatzabteilung einer Freiwillige Feuerwehr eintreten zu können, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Neben einem Mindestalter müssen die Bewerber in der Regel www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 10


"körperlich und geistig geeignet" sein, was jedoch nicht einheitlich festgeschrieben ist. In Deutschland liegt das Mindestalter je nach Bundesland bei 16 bis 18 Jahren. In Österreich ist der Eintritt in die FF teilweise schon mit 15 Jahren möglich. Der Vorgang der Aufnahme gestaltet sich höchst unterschiedlich, möglich sind eine Aufnahme durch Handschlag nach Teilnahme an mehreren Dienstabenden bis hin zu einer schriftlichen Bewerbung bei der für den Brandschutz zuständigen Institution (z. B. Referat Feuerwehr und Katastrophenschutz der Gemeinde). Üblich ist ein Aufnahmegespräch, in dem der Bewerber über die Rechte und Pflichten im Feuerwehrdienst aufgeklärt wird; seltener wird ein polizeiliches Führungszeugnis gefordert. Die Entscheidung über die Aufnahme liegt je nach Bundesland oder auch Gemeinde bei verschiedenen Stellen innerhalb der Feuerwehr oder bei übergeordneten Stellen. In Österreich ist die sogenannte Angelobung im Zuge der Aufnahme bei vielen Feuerwehren üblich. Die Ausbildung in der Freiwilligen Feuerwehr findet auf kommunaler Ebene und auf Landesebene in Feuerwehrschulen statt. Sie gliedert sich nach der Grundausbildung in weitergehende Führungssowie technische Ausbildung. Mit Dauer der Zugehörigkeit zur Einsatzabteilung, dem Erwerb weiterer Qualifikationen und der Wahrnehmung von Funktionen können die Feuerwehrangehörigen in der Hierarchie der Dienstgrade aufsteigen. Eine Weisungsbefugnis höherer Dienstgrade gegenüber Feuerwehrangehörigen niedrigerer Dienstgrade besteht jedoch nicht, diese ergibt sich vielmehr durch die Führungsstruktur im Einsatz durch erworbene und ausgeübte Führungsfunktionen (Gruppenführer, Zugführer, etc.), außerhalb des Einsatzes durch die jeweilige Führungs- und Leitungsstruktur innerhalb der Feuerwehr (Wehrführung, Kommandant, etc.).

Am Anfang eines jeden Einsatzes der Feuerwehr steht die Alarmierung. Besonders bei Freiwilligen Feuerwehren stellt diese Alarmierung ein nicht zu unterschätzendes Problem dar, da sich die Mitglieder in der Regel an Örtlichkeiten befinden, die der alarmierenden Leitstelle nicht direkt bekannt sind, z.B. zu Hause, am Arbeitsplatz oder unterwegs. Die Alarmierung kann durch unterschiedliche Alarmierungssysteme, wie durch Sirenen oder Funkmeldeempfänger durchgeführt werden. Mobiltelefone werden von Feuerwehren nicht, oder nur für eine optionale Sekundäralarmierung (Einsatzkräfte zur Ablösung bei langen Einsätzen) benutzt. Im Ernstfall, z.B. bei einem Terroranschlag oder im Katastrophenfall, würde ein Mobiltelefon aller Erfahrung nach nicht funktionieren, da das Mobilfunknetz durch die erhöhte Gesprächsaktivität überlastet wäre (anschauliches Beispiel ist die Überlastung der Mobilfunknetze in der Silvesternacht). Aber auch beim Ausfall der Stromversorgung von Sendemasten durch einen Katastrophenfall sind Mobiltelefone nicht mehr erreichbar. Die Alarmierung per Flash-SMS kann auch, da von Netzbetreibern keine Prioritäten garantiert werden, teilweise später als per Pager den Empfänger erreichen. In Deutschland erfolgt die Alarmierung über Funkmeldeempfänger (FME) - wie der Sprechfunk der Feuerwehren - auf den Frequenzen des BOS-Funks. Auch in Österreich haben die Feuerwehren eigene Frequenzbereiche. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 11


Nach Alarmierung begeben sich die Einsatzkräfte schnellst- und sicherstmöglich zum Feuerwehrhaus. Bei der Anfahrt mit dem privaten PKW dürfen die Feuerwehrangehörigen (in Deutschland) Sonderrechte nach §35 StVO in Anspruch nehmen, jedoch erkennen andere Verkehrsteilnehmer nicht, dass es sich um eine Einsatzfahrt handelt. Verbände und Landesfeuerwehrschulen raten daher meist von der Inanspruchnahme dieser Rechte ab. In Deutschland kennzeichnen deshalb manche Feuerwehrleute ihren PKW mit einem Dachaufsetzer, wenn sie Sonderrechte in Anspruch nehmen. Aber auch hier wird die Anwendung der Sonderrechte differenziert betrachtet. Ein Wegerecht ist hier generell ausgeschlossen, da Sondersignalanlagen in der Regel auf privaten Fahrzeugen nicht installiert werden dürfen. Ausnahmen gibt es hierbei in manchen Bundesländern bei bestimmten Führungskräften. Nach dem Anlegen der Einsatzkleidung folgt das Besetzen der Feuerwehrfahrzeuge und die Fahrt zum Einsatzort.

Berufsfeuerwehr Eine Berufsfeuerwehr (Abk.: BF) ist eine öffentliche, kommunale Feuerwehr, die in der Regel nur aus verbeamteten oder fest angestellten Einsatzkräften des Feuerwehrtechnischen Dienstes besteht. Einen Überblick über alle kommunalen Berufsfeuerwehren in Deutschland bietet die Liste der deutschen Städte mit einer Berufsfeuerwehr.

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Ab wann eine Berufsfeuerwehr vorhanden sein muss, regeln die entsprechenden Brandschutzgesetze der deutschen Bundesländer. Die Verpflichtung einer Kommune zur Unterhaltung einer Berufsfeuerwehr richtet sich entweder nach der Einwohnerzahl der Stadt oder deren Status (z. B. Kreisfreie Stadt in Nordrhein-Westfalen). Die Einwohnergrenze von 100.000 ist nur in wenigen Bundesländern ausschlaggebend. Es gibt auch Städte, die eine Berufsfeuerwehr unterhalten, obwohl sie dazu nicht gesetzlich verpflichtet sind (z. B. Minden, Cuxhaven oder Iserlohn). Eine Feuerwehr, die keine Berufsfeuerwehr ist, aber dennoch hauptamtliche Kräfte beschäftigt, wird als „Freiwillige Feuerwehr mit Hauptamtlichen Kräften“ bezeichnet. Wann diese einzurichten sind, regeln ebenfalls die einzelnen Ländergesetze (z. B. in Nordrhein-Westfalen ab 25.000 Einwohner). Diese Art der Feuerwehr ist in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen verbreitet. In anderen Bundesländern ist dieses Modell gänzlich unbekannt (z. B. Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern). In fast allen deutschen Groß- und einigen Mittelstädten (Gießen, Eisenach) existieren Berufsfeuerwehren. Baden-Württemberg kennt lediglich die Gemeindefeuerwehr, die, wenn sie aus freiwilligen Abteilungen, denen aber auch hauptamtlich angestellte Kräfte angehören können, besteht „Freiwillige Feuerwehr“ und ansonsten als „Feuerwehr“ bezeichnet wird. In diesen besteht dann eine Abteilung der Berufsfeuerwehr neben teilweise mehreren Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr. Bei Feuerwehren, die angestellte Gerätewarte beschäftigen, sind dies in der Regel keine hauptamtlichen Feuerwehrkräfte, sondern Angestellte der Kommune. Im Einsatzfall werden sie dann wie normale Einsatzkräfte von der Arbeit als freiwillige Feuerwehrleute freigestellt. In einer Stadt mit Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr ist der Leiter der Berufsfeuerwehr in der Regel auch für den Leistungsstand der Freiwilligen Feuerwehr verantwortlich. Die Brandschutzabteilungen der größeren Flughäfen und größerer Industriewerke sind keine Berufsfeuerwehren sondern Werkfeuerwehren (angeordnet oder anerkannt durch das zuständige Regierungspräsidium) oder Betriebsfeuerwehren. Diese privaten Feuerwehren zählen nicht zu den öffentlichen Feuerwehren und rücken (mit einigen Ausnahmen) nur zu Einsätzen auf dem jeweiligen Werk- oder Flughafengelände aus. Solche Feuerwehren können sich aus neben- und hauptberuflichen Kräften zusammensetzen, die dieselbe oder gar eine weitergehende Ausbildung wie Angehörige von öffentlichen Feuerwehren durchlaufen. Die Berufsfeuerwehren sind in Deutschland Behörden der jeweiligen Städte, welche die Aufsicht über den lokalen Brand- und Katastrophenschutz ausüben. Hauptaufgabe ist das Bereithalten einer Einsatzabteilung, zusätzlich wirken sie bei Baugenehmigungen, Brandschutzbegehungen, Brandschutzerziehung, Erstellen von Einsatzplänen und Sonderschutzplänen, Betrieb einer Leitstelle, Beschaffung von Einsatzfahrzeugen und Technik, Wehrdienstfreistellungen und anderen Aufgaben mit. Je nach Landesgesetz und kommunaler Regelung kann auch die Organisation des Rettungsdienst in das Ressort dieser Ämter fallen. Das Personal einer Berufsfeuerwehr setzt sich aus Beamten des mittleren, gehobenen und höheren feuerwehrtechnischen Dienstes zusammen. Dieses ist ein verschiedene Wachabteilungen eingeteilt, www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 13


die in der Regel im 12- oder 24-Stunden-Schichtbetrieb ihren Arbeits- und Bereitschaftsdienst auf der Feuerwache leisten. Hinzu kommen Angestellte die für Verwaltungsaufgaben zuständig sind, sowie weitere Beamte die in einer Leitstelle eingesetzt werden oder auch einzelne Abteilungen leiten.

Der Dienst bei einer Berufsfeuerwehr ist in Deutschland im allgemein sehr beliebt, so dass bei vielen Auswahlverfahren nur rund 3 % der Bewerber ein Stellenangebot bekommen. Die Zugangsvoraussetzungen richten sich dabei nach den jeweiligen Laufbahnverordnungen der Bundesländer: • mittlerer feuerwehrtechnischer Dienst - Hauptschulabschluss, abgeschlossene Berufsausbildung - meist in einem Handwerk, Bürger eines Staates der EU, gesundheitliche Eignung • gehobener feuerwehrtechnischer Dienst - Fachhochschulreife, Diplom/Bachelor in einem technischen oder naturwissenschaftlichen (Fach-)Hochschulstudiengang, ansonsten wie im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst • höherer feuerwehrtechnischer Dienst - Allgemeine Hochschulreife, Diplom/Master in einem naturwissenschaftlichen/technischen Hochschulstudiengang, ansonsten wie im mittleren Feuerwehrtechnischen Dienst. Ein positives Votum des deutschen Städtetages ist bei einigen Berufsfeuerwehren Voraussetzung zur Einstellung. • Rettungsdienst - da Berufsfeuerwehren manchmal auch im Rettungsdienst tätig sind, besteht zudem die Möglichkeit als Rettungsassistent hier eine Stelle zu erhalten, die sich dann jedoch auf den Tätigkeitsbereich im „Rettungsdienst“ beschränkt. • Die Stellen im Verwaltungsbereich werden in der Regel an Beamte des (mittleren, gehobenen u. höheren) allgemeinen nichttechnischen Verwaltungsdienstes und Kommunalangestellte vergeben. Aufgrund des weit verbreiteten 24-Stunden-Schichtrhythmusses haben Berufsfeuerwehrleute in Deutschland eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 48 Stunden (bis 2007 56 Wochenstunden). Während ihrer Arbeitszeit verrichten sie neben Feuerwehreinsätzen, auch ihre Ausbildungsberufe oder nehmen an Aus-/Fortbildungsveranstaltungen und am Dienstsport teil. Die zurzeit noch gültigen Regelungen beenden die aktive Dienstzeit eines Feuerwehrmannes mit Erreichen des 60. Lebensjahres. Eine Verlängerung der Dienstzeit bis zum 63. Lebensjahr wird gegenwärtig in den zuständigen Gremien diskutiert.

Mittelalter / frühe Neuzeit Aufgrund der engen Bebauung der Städte auch im Mittelalter war dort der Brandschutz schon immer ein bedeutendes Thema. Die Brandbekämpfung basierte damals in der Regel auf einer allgemeinen Hilfeleistungspflicht für alle Bürger einer Stadt. Aus damaligen Feuerlöschordnungen geht hervor, dass in größeren Städten in der Regel Türmer oder die Stadtwache verpflichtet war Brände zu melden. Außerdem wurde darin festgelegt welche Berufsgruppe/Zunft mit welcher Aufgabe betraut war. So lag es etwa nahe die Dachdecker dazu zu verpflichten Leitern zu stellen. Alle übrigen Bürger mussten sich an einem festgelegten Platz versammeln und sich verschiedenen Aufgaben zuteilen lassen. Besonders in der Zeit des dreißigjährigen Krieges war der Brandschutz lebensnotwendig, da eventuelle Angreifer einen Brand durchaus als willkommene Schwächung der Abwehreinrichtungen einer Stadt nutzen konnten. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 14


Auf das Missachten der Pflicht zur Hilfe bei Bränden, sowie auf vorsätzliche wie fahrlässige Brandstiftung standen in der Regel empfindliche Strafen.

17./18. Jahrhundert Von der Mitte des 17. bis Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Feuerlöschwesen in Deutschlands Städten novelliert. Anlass hierzu war die Entwicklung neuer technischen Geräte, wie etwa 1766 der Handdruckspritze, die eine effektivere Brandbekämpfung ermöglichte. Außerdem wurden vielerorts Löscheimer oder Feuerleitern von den Gemeinden angeschafft und allein für den Brandfall vorgehalten. Sie bestimmten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts das Bild und die Arbeitsweise der Feuerwehren in Deutschland.

19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert entstanden zunehmend die modernen Feuerwehren. Meist entstanden diese aus Studentenverbindungen oder Sportvereinen, die sich in den Dienst der Allgemeinheit stellten. Weitere technische Neuerungen, wie etwa Hydranten, machten es zudem nicht mehr nötig, dass alle Bürger der wachsenden Städte für den Brandschutzdienst herangezogen werden mussten. Dazu kam eine zunehmende Ausbildung und militärische Organisation der Feuerwehren. Ende des 19. Jahrhunderts wurden in den größten Städten erstmals hauptamtliche Kräfte für den Brandschutzdienst eingestellt, womit die Geburtsstunde der ersten Berufsfeuerwehren schlug.

bis 1950 In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die meisten Feuerwehren motorisiert, zudem standen nun auch Motorspritzen und Drehleitern zur Verfügung. Diese waren auch nötig, da durch den Ersten Weltkrieg die Anzahl feuerwehrtauglicher Männer deutlich zurückging. In den Jahren danach musste oft mit veraltetem Gerät gearbeitet werden, da Neubeschaffungen aufgrund der Inflation nicht möglich waren. Mit der Machtergreifung Hitlers erlebte das Feuerlöschwesen wiederum einen Aufschwung, was in Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges unumgänglich war. Unter anderem stammt das Konzept von Löschgruppenfahrzeugen aus dieser Zeit, auch das Martinhorn wurde in dieser Zeit entwickelt. 1935 wurden die Feuerwehren durch das Luftschutzgesetz aufgelöst und in die Feuerlöschpolizei umgewandelt, diese ging 1939 vollends in der Polizei auf. Da viele Männer bei der Mobilmachung eingezogen wurden, entstanden dann in den Jahren des Zweiten Weltkrieges viele Frauenfeuerwehren, die besonders bei den Bombardierungen deutscher Großstädte verlustreiche Einsätze bewältigen mussten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Brandschutz zunächst improvisatorisch mit Fahrzeugen aus dem dritten Reich aufrechterhalten.

ab 1950 Erst in den 50er Jahren wurden viele Feuerwehren neu gegründet und mit neuen Geräten ausgestattet. Neben und aus den Freiwilligen Feuerwehren entstanden auch zahlreiche zusätzliche Berufsfeuerwehren, die nun auch bereits mit Funk ausgerüstet wurden. Seit dem kamen zahlreiche technische Neuerungen hinzu, so dass (Berufs-)feuerwehren heute Einsatzgruppen sind, die neben der Brandbekämpfung ein vielfältiges Einsatzspektrum abdecken können. Dabei verfügen sie über modernste Technik, die einer einwandfreien Einsatzabwicklung dient.

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Der Löschzug als Standardeinsatzeinheit einer Berufsfeuerwehr besteht bundesweit in aller Regel aus zwei Löschfahrzeugen und einem Hubrettungsfahrzeug. Regional abhängig kann hier noch ein Einsatzleitfahrzeug (ELW) hinzukommen. Eine moderne Feuerwache ist ein Gebäude das vielfältige Arbeitsbereiche in sich beherbergt, die weit über Fahrzeughalle und Bereitschaftsräume hinausgehen.

Flughafenfeuerwehr Eine Flughafenfeuerwehr ist eine Werkfeuerwehr, die speziell auf die verschiedensten Unfallarten, die auf einem Flughafen oder in der näheren Umgebung auftreten können, ausgerichtet ist und zur Flughafeninfrastruktur gehört.

Die Flughafenfeuerwehr muss vielen unterschiedlichen Szenarien auf Flughäfen gewachsen sein: • der am häufigsten vorkommende Zwischenfall ist, dass ein Flugzeug von einer Rolloder Start- und Landebahn abkommt und in die Wiese rutscht. Dabei handelt es sich um einen reinen technischen Einsatz. Es muss nur sehr schnell gehen, um die Bahn wieder frei zu bekommen. Andererseits handelt es sich um wesentlich größere Gewichte als bei einem normalen Straßenverkehrsunfall. • sie muss für vorbeugenden Brandschutz sorgen, wenn ein Flugzeug aus welchem Grund auch immer eine Notlandung durchführen muss. Dabei kann z. B. ein Schaumteppich aufgetragen werden, um die Reibungswärme beim Landen auf dem www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 16


Flugzeugrumpf abzuleiten, um einen Brand (siehe Brandbekämpfung) im Flugzeug und speziell das Entzünden des Treibstoffes zu verhindern. Der Schaumteppich wurde jedoch auf den meisten Flughäfen abgeschafft. • der schwierigste Fall eines tatsächlichen Flugunfalles auf dem Gelände des Flughafens. • sie muss aber auch bei Flugunfällen außerhalb des Flughafengeländes zum Einsatz fahren. Je nach Entfernung kann sie natürlich meist nur in einer späteren Phase nach den örtlichen Feuerwehren in Einsatz kommen. Hier ist vor allem die Erfahrung gefragt, die die Standardfeuerwehr mit Flugunfällen nicht haben kann. • im Gegenzug werden aber bei einem großen Notfall je nach Gegebenheiten auch die Berufs- oder freiwilligen Feuerwehren je nach Alarmstufe und Ausrüstung mit in den Einsatz eingebunden. • aber auch der normale Feuerwehreinsatz innerhalb des Geländes gehört ebenfalls dazu, wenn man bedenkt, dass sich auf einem größeren Flughafen immer bis 100.000 Menschen, also so viele wie in einer mittleren Stadt leben, aufhalten. • nebenbei gehört auch der standardmäßige Brandschutz z.B. bei Schweißarbeiten oder die Feuerlöscherüberprüfung des gesamten Areals dazu. Eine Vorschrift der ICAO verlangt, dass der entfernteste Punkt des Flughafen-Areals in höchstens drei Minuten ab dem Alarmierungzeitpunkt erreicht werden muss. Um das zu erreichen müssen oft mehrere einzelne Wachen eingerichtet werden. Aber auch an die Fahrzeuge stellt das extreme Anforderungen. So vielseitig, wie die Aufgaben, muss dementsprechend auch die Ausrüstung und die Ausbildung der Feuerwehrangehörigen sein. Die Mindestanzahl an hauptberuflichen Feuerwehrangehörigen wird von der Behörde vorgeschrieben, dazu kommen üblicherweise noch eine größere Anzahl von freiwilligen Feuerwehrangehörigen, die sich aus den vielen Flughafenbediensteten rekrutieren. So hat ein großes Flugfeldlöschfahrzeug eine Fahrleistung bis zu 800 kW und erreicht trotz der 40 t Gesamtgewicht eine Geschwindigkeit von 120 km/h in 40 s. Gegenüber einem normalen Tanklöschfahrzeug hat es wesentlich mehr Wasser (bis 12.000 l) und Schaummittel an Bord, da es im Einsatz nicht möglich ist, eine Zubringleitung zur Wasserversorgung zu errichten. Eine Feuerlöschpumpe hat üblicherweise eine Leistung von 6.000 l/min und benötigt dazu einen eigenen Motor mit 250 kW, so dass der Tank mit dem Monitor in zwei Minuten leer ist. Solche Fahrzeuge haben üblicherweise eine Besatzung von ein bis drei Mann. Natürlich sind als Ergänzung noch einige fast normale Feuerwehrfahrzeuge, wie Rüstlöschfahrzeuge und Einsatzleitfahrzeuge, die in ihrer Ausrüstung den Anforderungen angepasst sind, vorhanden. Einer der weltweit größten Hersteller von Flugfeldfeuerwehrfahrzeugen ist die österreichische Firma Rosenbauer. Aber auch in der persönlichen Ausrüstung gibt es auf Grund von den erhöhten Risiken Abweichungen von den üblichen Feuerwehren. So hat beispielsweise die Feuerwehr des Flughafens Wien Schwechat Uniformen in blass-goldener Naturfaserausführung eingeführt, die Temperaturen bis 1.000 °C aushalten, die Uniformen in den herkömmlichen Farben zu stark absorbieren und damit nicht aushalten würden.

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Werksfeuerwehr Eine Werkfeuerwehr ist in Deutschland eine Feuerwehr, welche im Sinne des Gesetzes nicht öffentlich ist. Werkfeuerwehren sind durch das zuständige Regierungspräsidium angeordnete oder anerkannte Feuerwehren. Die Angehörigen von Werkfeuerwehren sind hauptberufliche Kräfte und/oder nebenberufliche Kräfte, die primär einer anderen Aufgabe in dem zu schützenden Betrieb nachgehen und im Einsatzfall alarmiert und von ihrer Tätigkeit freigestellt werden. Dem entsprechend kann eine Werkfeuerwehr wie eine Berufsfeuerwehr organisiert sein, wenn vorhanden ergänzt und unterstützt von nebenberuflichen Kräften, oder analog einer Freiwilligen Feuerwehr. Die Hauptaufgabe der Werkfeuerwehren besteht überwiegend in der Sicherstellung des Brandschutzes in großen Industriebetrieben. Sie müssen bezüglich Aufbau, Ausbildung und Ausrüstung den Erfordernissen sowohl der zu schützenden Betriebe als auch der öffentlichen Feuerwehr entsprechen. Werkfeuerwehren sind spezialisiert auf die in ihrem Unternehmen zu erwartenden Einsätze. So sind zum Beispiel Flughafenfeuerwehren speziell für die Brandbekämpfung an Flugzeugen ausgelegt. Entsprechend den Auflagen durch die Aufsichtsbehörden dürfen die Werkfeuerwehren auch außerhalb des Werkgeländes auf Anforderung eingesetzt werden. Öffentliche Feuerwehren (Berufs-, Pflicht- und Freiwillige Feuerwehren) bilden mit den Werkfeuerwehren die Feuerwehren der Gemeinde. Regelmäßig überprüfen die Aufsichtsbehörden, z.B. in NRW die Bezirksregierungen, den Leistungsstand der Werkfeuerwehren im Regierungsbezirk. Der Werkfeuerwehrverband Deutschland (WFVD) ist ein Zusammenschluss aller deutschen Werkfeuerwehren. Die Werkfeuerwehren der chemischen Industrie unterhalten gemeinsam mit österreichischen Betriebsfeuerwehren das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem TUIS. Das Aufstellen bzw. Einrichten einer Werkfeuerwehr kann zum einen eine gesetzliche Auflage aufgrund der besonderen Gefahrensituation in einem Betrieb sein oder auch eine www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 18


freiwillige Einrichtung eines Betriebs, der sich davon eine kürzere Eingreifzeit der Einsatzkräfte im Gegensatz zur öffentlichen Feuerwehr erhofft. Durch das schnelle Handeln im schadensfall verspricht sich das Unternehmen, beispielsweise durch kürzere Ausfallzeiten von Maschinen, eine Kostenersparnis. In Deutschland staatlich nicht anerkannt ist hingegen die Betriebsfeuerwehr. In Österreich gibt es diese Differenzierung nicht, hier werden diese Feuerwehren generell als Betriebsfeuerwehren bezeichnet.

Betriebsfeuerwehr Eine Betriebsfeuerwehr (BtF) ist eine Feuerwehr in Betrieben und Einrichtungen. In Deutschland fehlt einer Betriebsfeuerwehr im Gegensatz zur Werkfeuerwehr die staatliche Anerkennung. Sie wird z.B. auch aus versicherungstechnischen Gründen in Betrieben eingerichtet, die nicht zur Einrichtung einer Werkfeuerwehr verpflichtet sind, da von ihrem Unternehmen selbst keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Außer den von Brandschutzversicherern gewährten Rabatten können besonders zu sichernde Personengruppen (in Krankenhäusern, Hotels, Freizeitparks, im Zirkus) oder besondere Sachwerte (Sammlungen, Museen, Bootshäfen) die Einrichtung einer Betriebsfeuerwehr begründen. Betriebsfeuerwehren nehmen den Ersteinsatz vor und verfügen über wichtige Ortskenntnisse, sind aber meist nicht in der Lage, größere Brände zu löschen. Da für Betriebsfeuerwehren keine staatlichen Auflagen gemacht werden, entscheiden die Betriebe selbst über die Ausrüstung ihrer Feuerwehr, die Art der Alarmierung und die personelle Stärke, so dass sie flexibel auf die erforderlichen Notwendigkeiten reagieren können. Ein besonderer Vorteil der Betriebsfeuerwehr ist damit die Flexibilität und die Unabhängigkeit von staatlichen Eingriffen und Vorgaben. Viele Betriebsfeuerwehren rekrutieren Freiwillige aus den Reihen der eigenen Mitarbeiter, die nur im Einsatzfall der Feuerwehr zur Verfügung stehen. Übungen und Schulungen werden meist ähnlich wie bei Freiwilligen Feuerwehren in der Freizeit und zum Teil ehrenamtlich durchgeführt. Die Brandmeldeanlage (BMA) eines Betriebes mit Betriebsfeuerwehr muss (in der Regel) zur öffentlichen Feuerwehr durchgeschaltet sein, während die BMA-Alarme eines Betriebes mit Werkfeuerwehr in der Regel von dieser abgearbeitet werden, und dort Unterstützung durch die öffentliche Feuerwehr nur auf Anforderung erfolgt. In Deutschland gibt es etwa 280 Betriebsfeuerwehren in verschiedenen Bereichen. Ein Beispiel für ein Unternehmen mit einer gut ausgerüsteten Betriebsfeuerwehr ist die Messe Düsseldorf GmbH; dort verfügt man über hauptberufliche und freiwillige Feuerwehrleute, im Fuhrpark besitzt die Messe Düsseldorf zwei kleine Löschfahrzeuge, die mit Hochdrucklöschanlagen ausgestattet sind, sowie über

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einen Einsatzleitwagen, einen Gerätewagen/Rüstwagen, einen Anhänger für Brandschutzschulung und einen großen Anhänger für Ölschadensbekämpfung.

Jugendfeuerwehr Die Jugendfeuerwehr ist die Jugendabteilung in einer Freiwilligen Feuerwehr. Die Deutsche Jugendfeuerwehr (Abkürzung: DJF) ist die Jugendorganisation innerhalb des Deutschen Feuerwehrverbandes. Ihr entspricht der Feuerwehrjugend bei den österreichischen Feuerwehren. Die Jugendfeuerwehr hat das Ziel, Kinder und Jugendliche für den Einsatz in der Feuerwehr vorzubereiten, so dass sie nach Erfüllung der rechtlichen Voraussetzungen bei entsprechendem Alter und Qualifikation in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr eingesetzt werden können. Sie dürfen jedoch bis zu einem bestimmten Alter nicht in den Gefahrenbereich von Feuerwehreinsätzen eingesetzt werden. Zudem nimmt die Jugendfeuerwehr wichtige Aufgaben im Bereich der allgemeinen Jugendarbeit wahr, wo sie durch verschiedenste Freizeitmaßnahmen bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mitwirkt. Ein meist speziell geschulter Jugendfeuerwehrwart betreut im Auftrage der Führung der Freiwilligen Feuerwehr die Jugendfeuerwehr und fungiert als Übungsleiter. 1882 wurde die erste Jugendfeuerwehr Deutschlands in Oevenum auf der Insel Föhr gegründet. Damit ist die Oevenumer Jugendfeuerwehr vermutlich die älteste in Europa. Die Jugendfeuerwehr wurde im Zuge der Gleichschaltung in der NS-Zeit als Hitler-Jugendfeuerwehr gleichgeschaltet. Die Deutsche Jugendfeuerwehr (DJF) wurde 1964 in Berlin gegründet. In Deutschland sollte man bei Eintritt in eine Jugendfeuerwehr zehn Jahre alt sein. Doch es gibt Bundesländer in denen ein Beitritt zu einer Jugendfeuerwehr erst mit 12 Jahren möglich ist (z.B. Bayern). Es gibt jedoch in einigen Orten Kindergruppen, so dass bereits Kinder ab sechs oder acht Jahren die Feuerwehr kennenlernen können. Diese sind jedoch nicht Teil der offiziellen Jugendfeuerwehren. Mit 18 Jahren (Baden-Württemberg, NRW), in anderen Bundesländern schon früher (z.B. in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen mit 16 Jahren), kann ein Jugendfeuerwehrmitglied in den aktiven Dienst der Feuerwehr übernommen werden. Zu Beginn durchläuft der neue Feuerwehrmann (SB, Truppmannanwärter) die so genannte „Truppmannausbildung“ (auch Grundlehrgang oder Grundausbildung genannt), in der die in der Jugendfeuerwehr erlernten grundlegende Tätigkeiten vertieft und geprüft werden (beispielsweise Brandlehre, Feuerwehrfahrzeuge, Brandbekämpfung). Entsprechende Regelungen sind in den Landesgesetzen www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 20


verankert. In Schleswig-Holstein kann diese Truppmannausbildung auch schon vor der Übernahme in den aktiven Dienst der Feuerwehr erfolgen.

„Junge Brandschutzhelfer“ in der DDR Durch das „Jugendgesetz der DDR“ vom 4. Mai 1964 wurden in der DDR die Arbeitsgemeinschaften „Junge Brandschutzhelfer“ gegründet. Sie sollten den Kindern außerhalb der Schule Grundlagen des Brandschutzes und organisierende Tätigkeiten des Brandschutzes beibringen. Diese Arbeitsgemeinschaften wurden im Allgemeinen durch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr geleitet. Ab der 5. Klasse wurde im Schulunterricht beispielsweise Vorbeugender Brandschutz, Brandbekämpfung und Erste Hilfe gelehrt. Nach der deutschen Wiedervereinigung gingen die Arbeitsgemeinschaften in „Jugendfeuerwehren“ über. In so genannten Minifeuerwehren – oftmals auch Bambinifeuerwehren oder Kinderfeuerwehren genannt – wird Kindern ab sechs Jahre neben Spiel und Spaß das richtige Verhalten in Gefahrensituationen vermittelt. 1992 wurde im Frankfurter Stadtteil Praunheim die erste Minifeuerwehr gegründet. Dieses Konzept haben mittlerweile zahlreiche weitere Feuerwehren in Deutschland übernommen. In Rheinland-Pfalz und in Hessen (ab 11/2007) ist gesetzlich der Eintritt in eine solche Kinder-, Minioder Bambinifeuerwehr (auf öffentlich-rechtlicher Basis) ab 6 Jahren möglich. Ein wichtiges Anliegen der Jugendfeuerwehr besteht in dem Heranführen von Jugendlichen an die Aufgaben der Feuerwehr. Auf Grund der geänderten demographischen Entwicklung der westlichen Gesellschaft (weniger Kinder) ist diese Förderung sehr wichtig, da gerade kleinere Freiwillige Feuerwehren schon jetzt Personalsorgen haben. Leider ist die Zahl der Quereinsteiger in die Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehren rückläufig, so dass vielerorts die Jugendfeuerwehr die größte Nachwuchsquelle an Einsatzkräften ist. Gerade in Ostdeutschland gibt es das Problem, dass ein Großteil der ausgebildeten Jugendlichen, bereit für den aktiven Dienst in der Feuerwehr, aus ihrer Heimat nach Westdeutschland wegziehen. Begründet ist dies meist durch schlechtere Ausbildungs- und Einstellungschancen für die Jugendlichen in ostdeutschen Regionen. Letztlich wurden zwar Jugendliche als Feuerwehrleute ausgebildet, das Ziel der betroffenen Wehren, neue Feuerwehreinsatzkräfte an ihren Ort zu binden, wurde aber verfehlt. Somit gibt es nur noch sehr wenige junge Einsatzkräfte in wirtschaftsschwachen Regionen. Betreut wird eine Jugendfeuerwehr von Jugendfeuerwehrwarten, oftmals unterstützt von Jugendgruppenleitern und weiteren Betreuern. Alle sollten im Besitz einer gültigen Jugendgruppenleiterkarte sein. Die Zahl der Landkreise in Deutschland -speziell in Rheinland-Pfalzdie auf diese Qualifikation Wert legen nimmt stetig zu. Eine solche Gruppe trifft sich meist wöchentlich zur gemeinsamen Ausbildung. Die Ausbildung enthält das Erlernen von Grundtätigkeiten im Feuerwehrdienst, sowie die Übung von Geschicklichkeit, Beweglichkeit und Allgemeinwissen. Auch gemeinsame Unternehmungen außerhalb des Feuerwehrrahmens stehen in vielen Jugendfeuerwehren auf dem Programm. So können zum Beispiel Zeltlager, Kinobesuche oder www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 21


sportliche Tätigkeiten wie Fußball durchgeführt werden. Diese fördern ganz besonders den Aufbau eines Zusammengehörigkeitsgefühls (siehe auch Kameradschaft) innerhalb der Jugendfeuerwehr, welche später auf die Gemeinschaft in der Feuerwehr vorbereiten soll. Die Arbeit in der Jugendfeuerwehr umfasst demnach sowohl den Bereich der feuerwehrtechnischen Ausbildung, wie auch die allgemeine Jugendarbeit. Mittlerweile wird auch in der Jugendfeuerwehr auf soziale Aspekte vermehrt Wert gelegt. Beispielsweise kann die sogenannte „Jugendflamme“ in drei Stufen, deren Anforderungen auf das jeweilige Lebensalter abgestimmt sind, erwerben. Diese Auszeichnung erhalten nur Jugendfeuerwehrleute die ein gezieltes wenn möglich soziales Projekt durchgeführt haben (ab der Stufe II). Es können Theaterstücke eingeübt werden, Spielplatzpatenschaften übernommen oder sonstige Projekte durchgeführt werden, die der Gesellschaft zugutekommen sollen. Sei es zur Unterhaltung oder zur Unterstützung. Besonders fortschrittlich geführte Jugendfeuerwehren suchen bereits frühzeitig den intensiven Kontakt zu ihren „großen“ Partnern der „Aktiven Wehr“. In gemeinsamen Übungen mit diesen wird den Jugendlichen deutlich, dass auch sie schon „dazugehören“ und ein wichtiger Teil der Wehr sind. Im Rahmen der allgemeinen Jugendarbeit nehmen einige Jugendfeuerwehren an dem internationalen Jugendprojekt Young Helpers on the Air – YHOTA teil, bei dem es darum geht, mit anderen Jugendfeuerwehren sowie Jugendgruppen anderer Hilfsorganisationen und Schulsanitätsdiensten während einer weltweiten „Funkparty“ Kontakt miteinander aufzunehmen, die Kommunikation und Freundschaften untereinander zu fördern. Am 15. September 2007 fand in Rheinland-Pfalz das Projekt „Wasserwand für Ruanda“ statt. Ziel war es die längste Wasserwand der Welt aufzubauen und so Gelder für den Aufbau einer Gehörlosenschule in Ruanda zu sammeln. Die Uniform der Jugendfeuerwehr in Deutschland besteht aus festem Schuhwerk, Jugendfeuerwehrhose, Jugendfeuerwehrblouson, Helm und Lederhandschuhen (Bekleidungsrichtlinie der Deutschen Jugendfeuerwehr). Viele Jugendfeuerwehren beschaffen auf eigene Kosten zusätzlich wetterfeste Jugendfeuerwehrparkas, Sicherheitsschuhe, Sicherheitsstiefel und/oder Öl-Regenjacken. Die Jacken sind in der Grundfarbe Blau und an den Schultern Orange. Am Rücken sind sie mit einem Reflektorstreifen versehen. Die Hose ist in Blau mit Reflektorstreifen. Die Allwetterjacke ist Blau und ab Brusthöhe Orange. Auf dem Rücken befindet sich ein – mit Klett befestigtes – Rückenschild. Dieser ist oftmals mit dem Namen der jeweiligen Jugendfeuerwehr bedruckt. Die Öl-Regenjacke ist nur Orange. Von Bundesland zu Bundesland und teilweise innerhalb eines Landkreises unterscheiden sich die Regelungen, wie Jugendliche an Einsätzen der Feuerwehr teilnehmen können (oder dürfen). Beispielsweise nach dem bayerischen Feuerwehrgesetz können Jugendliche mit Vollendung des 16. Lebensjahres außerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone (Beispielsweise als Funker) an Einsätzen teilnehmen (Art.7 Abs. 2 Bayerisches Feuerwehrgesetz (BayFwG) und Verordnung zur Ausführung des Bayerischen Feuerwehrgesetzes (AVBayFwG)). Die Ausführung der Regelung unterliegt der jeweiligen Feuerwehr. So gibt es Feuerwehren, die ein Ausrücken der Jugendlichen gänzlich bis zum 18. Lebensjahr untersagen, andere hingegen erlauben dies ausdrücklich und statten ihre Jugendlichen mit tragbaren Funkalarmempfängern (sogenannte „Melder“) aus. Die Jugendfeuerwehr ist Teil der Freiwilligen Feuerwehr der jeweiligen Gemeinde. Trotzdem hat sie eine eigene Struktur und Organisationsform und Disziplin. Alle deutschen Jugendfeuerwehren sind in www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 22


der Regel über ihre Stadt- bzw. Kreisjugendfeuerwehren sowie Landesjugendfeuerwehren in der Deutschen Jugendfeuerwehr (DJF), eines Bereichs innerhalb des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), organisiert. Mittlerweile (Stand: Mai 2009) gibt die Deutsche Jugendfeuerwehr als Dachverband die Gesamt-Mitgliederzahl mit über 260.000 an, darunter seien mehr als 57.000 Mädchen. Die Gesamtanzahl der Jugendfeuerwehren in Deutschland belaufe sich auf „fast 18.000“. Die einzelnen Gruppen werden von den Jugendfeuerwehrwarten geleitet. Auf Stadt- oder Kreisebene finden sich die einzelnen Gruppen als Stadt- oder Kreisjugendfeuerwehr zusammen, welche durch einen Stadt- oder Kreisjugendfeuerwehrwart vertreten wird. Alle Jugendfeuerwehren sind zudem Teil der Landes- und der Bundesjungendfeuerwehr. Auch auf dieser Ebene finden Delegiertentreffen der Jugendfeuerwehren statt. So werden die Landesverbände durch den Landesjugendfeuerwehrwart und die Bundesjugendfeuerwehr durch den Bundesjugendleiter vertreten.

Jugendfeuerwehren messen sich untereinander in verschiedenen Wettbewerben. Zu nennen sind hier: • Löschangriff Nass Ein doppelter Löschangriff wird aufgebaut und Löschwasser in Zielbehälter gespritzt. • Der Bundeswettbewerb der Deutschen Jugendfeuerwehr bestehend aus einem A-Teil (Löschangriffsübung) und B-Teil (Staffellauf) mit verschiedenen Hindernissen und Aufgaben. • Der internationale Wettbewerb (CTIF) (Jugendfeuerwehr) bestehend aus einer Feuerwehrhindernisübung (Löschangriff) und einem sportlichen Teil (Staffellauf) mit verschiedenen Hindernissen und Aufgaben. • August-Ernst-Pokal Der August-Ernst-Pokal ist ein Wettkampf zwischen Jugendfeuerwehren, der alle 2 Jahre bundesweit und jedes Jahr auf den Raum der Stadt Hamburg beschränkt stattfindet. • Gruppenstafette Hier wird Geschicklichkeit und Schnelligkeit verlangt, beispielsweise durch Knotenkunde. • 5x80m Feuerwehrstafette Folgende Stationen sind enthalten: Eskaladierwand, Querbalken, Laufbalken, Hindernis mit Fenster, Löschen eines kleinen Feuers mit einer Kübelspritze • Sportliche Wettkämpfe (vor allem Fußball und Volleyball) • Theoretische Prüfungen • Auch beliebt sind Seifenkistenrennen, Orientierungsläufe oder das sogenannte „Spiel ohne Grenzen“, welches aus kleineren Geschicklichkeitsübungen besteht.

Taucherstaffel Unter Rettungstauchen oder auch Einsatztauchen versteht man das Tauchen in Hilfeleistungsunternehmen. Beispielsweise können in Deutschland Taucher der Wasserwacht, der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) oder der Feuerwehr (Feuerwehrtaucher), in Österreich unter anderem Taucher der Feuerwehr oder der Österreichische Wasserrettung (ÖWR) Österreichischer Rettungsdienst (ÖRD) und in der Schweiz der Schweizerische LebensrettungsGesellschaft (SLRG) zum Einsatz kommen. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 23


Zu den Aufgaben eines Rettungstauchers gehören Personenrettung, Leichenbergung oder Bergung von Fahrzeugen bzw. anderen Gütern aus dem Wasser. Die kleinste einsetzbare Einheit ist ein Tauchtrupp. Das Tauchen unter oft schwierigen Bedingungen stellt hohe körperliche und psychische Anforderungen an die Einsatzkräfte. Oftmals muss unter starkem Zeitdruck gearbeitet werden und in vielen Gewässern herrschen außerdem äußerst schlechte Sichtverhältnisse. Die Taucher müssen daher eine in der Regel ein bis zwei Jahre andauernde Ausbildung mit anschließender theoretischer und praktischer Prüfung absolvieren. Weiterhin müssen aktive Rettungstaucher zum Erhalt ihres Rettungstauchscheins jährlich eine bestimmte Anzahl an Tauchgängen absolviert haben. Zusätzlich müssen die geprüften Einsatztaucher jährlich an einer Unterweisung teilnehmen. In Deutschland sind, um Rettungstaucher im Sinne der GUV-Regel 2101 zu bleiben, jährlich mindestens 10 Tauchgänge unter Einsatzbedingungen durchzuführen, wobei diese Tauchgänge insgesamt mindestens 300 Minuten umfassen müssen. Zusätzlich müssen die Taucher dort einmal jährlich ihre gesundheitliche Eignung gemäß G31 (Überdruck) ärztlich überprüfen lassen. In seltenen Fällen kann ein Einsatztaucher zu Bergungszwecken eingesetzt werden. In diesen Fällen muss geprüft werden, ob der Einsatztaucher unter der verschärften Form der GUV-Regel BGV C23 der Berufstaucher eingesetzt werden muss.

Zur Kommunikation zwischen Signalmann und Rettungstaucher werden Leinenzeichen, oder bei modernen Vollgesichtsmasken auch eine Drahtfunkeinrichtung oder UltraschallFunkeinrichtung verwendet. Die verbindlichen Leinenzeichen werden in der GUV-Regel 2101 festgelegt, vor jedem Tauchgang können aber zusätzliche Zeichen festgelegt werden. Leinenzeichen vom Taucher vom Leinenführer Notsignal Notsignal x Ich brauche Hilfe! Sofort Austauchen! xx Nach links xxx Nach rechts xxxx Ich tauche aus Austauchen xxxxx Alles in Ordnung! Alles in Ordnung?

Zusätzlich werden bei den meisten Organisationen noch folgende Leinenzeichen verwendet: Leinenzeichen vom Taucher vom Leinenführer xx - x Vorwärts xx - xx Zurück xx - xxx Auf der Stelle suchen xxx - xxx Brauche Unterstützung! x steht hierbei für einen Zug der Leine. Die Ausbildung zum Rettungstaucher regelt die Ausbildungs/Prüfungsvorschrift Tauchen (APV-T) und die Anlage 3 der GUV-Regel 2101. Dabei muss ein Tauchanwärter eine 1-2 www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 24


jährige Ausbildung mit abschließender theoretischer und praktischer Prüfung absolvieren. Um die Ausbildung als Rettungstaucher zu beginnen müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: • Vollendung des 15. Lebensjahres vor Beginn der Ausbildung • Bei Minderjährigen, schriftliche Genehmigung der Erziehungsberechtigten zur Ausbildung • Mitgliedschaft Wasserwacht • Deutsches Rettungsschwimmabzeichen Silber oder Gold (nicht älter als 2 Jahre) • Erste-Hilfe-Ausbildung (nicht älter als 2 Jahre) oder Erste-Hilfe-Training (nicht älter als 1 Jahr) • Sanitätsausbildung A, B und C (Qualifikation: Wasserretter im Wasserrettungsdienst) • Gesundheitliche Eignung nach G 31 (Überdruck) Ausbildungsverlauf: • 20 UE Ausbildung an Land • 20 UE Ausbildung im Schwimmbecken o Ausbildung mit ABC-Ausrüstung o Ausbildung mit Tauchgerät • 30 UE Ausbildung im Freiwasser 1 Unterrichtseinheit (UE) entspricht 45 Minuten

Pflichtfeuerwehr Eine Pflichtfeuerwehr ist eine öffentliche Feuerwehr. Sie wird dann eingerichtet, wenn eine Freiwillige Feuerwehr nicht zustande kommt und deshalb der Brandschutz nicht gewährleistet werden kann. Es werden dann geeignete Personen (insbesondere dienstfähige und ausgebildete) zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Der Feuerwehrdienst in der Schweiz ist im Gegensatz dazu generell eine Pflicht. Wer herangezogen werden kann, regeln die jeweiligen Landesgesetze. Beispielsweise kann dies jeder Einwohner vom 18. bis zum 63. Lebensjahr sein. Bestimmte Gruppen können von der Dienstpflicht ausgeschlossen sein, dazu können gehören: Polizeivollzugsbeamte, Angehörige der Bundeswehr, Zivildienstleistende, Angehörige der Bundespolizei, Forstbeamte sowie aktive Angehörige einer anderen im Katastrophenschutz mitwirkenden Organisation oder Einrichtung sowie diejenigen, die einen Ablehnungsgrund für ein kommunales Ehrenamt geltend machen können. Als gesetzliche Grundlage dienen die Landesfeuerwehrgesetze, z. B. der § 14 des Niedersächsisches Brandschutzgesetzes (NBrandSchG), der § 14 des Gesetzes über den Feuerschutz und die Hilfeleistung (FSHG) von Nordrhein-Westfalen oder der § 11 des Feuerwehrgesetzes (FWG) von Baden-Württemberg. Es kommt heute relativ selten vor, dass eine Gemeinde gezwungen ist, eine Pflichtfeuerwehr aufzustellen. In der näheren Vergangenheit wurde dieser Schritt beispielsweise notwendig, wenn ein Großteil der Feuerwehrleute aus Protest aus der Freiwilligen Feuerwehr www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 25


ausgetreten ist. Gerade in näherer Zukunft könnte dies aber wieder öfter der Fall werden, denn viele Wehren sind am Tage aufgrund der weiten Fahrtwege der Kameraden zu ihren Arbeitsplätzen und aufgrund uneinsichtiger Arbeitgeber, die ihre Angestellten trotz eindeutiger gesetzlicher Regelungen nicht zum Einsatz fahren lassen, während der Hauptarbeitszeit nur noch sehr schwach besetzt. In einigen Ländern (z.B. Bayern) wird die Pflichtfeuerwehr als eigenständige Organisationsform angesehen. Andere (z. B. Baden-Württemberg) kennen den Begriff der Pflichtfeuerwehr im Landesrecht gar nicht und stellen dienstverpflichtete Feuerwehrangehörige den Angehörigen einer Freiwilligen Feuerwehr gleich. Die Feuerwehr die mit Dienstverpflichteten arbeitet, trägt dann auch die Bezeichnung "Freiwillige Feuerwehr" (außer die Gemeindefeuerwehr hat daneben eine Abteilung Berufsfeuerwehr, dann ist die Bezeichnung generell nur "Feuerwehr"). Wer die Verpflichtung ablehnen kann, ist auch nicht gesetzlich geregelt, sondern von der Gemeinde in einer Satzung zu regeln. Eine Feuerwehrdienstpflicht nur für Männer verstößt mit Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 24. Januar 1995 (Az.: BvR 403 u. 569/94) gegen das Diskriminierungsverbot nach Art. 3 Abs. 3 des GG. Beispiel [Bearbeiten] • Feuerwehr Burg (Dithmarschen) in Schleswig-Holstein (Pflichtwehr nach Massenaustritt) (2009) • Feuerwehr List auf Sylt (zu wenig Mitglieder) (2005) • Feuerwehr Pietzpuhl in Sachsen-Anhalt (zu wenig Mitglieder)

Höhenrettung Als Höhenrettung bezeichnet man das Aufsuchen, die rettungsdienstliche, bzw. notärztliche Versorgung und die Evakuierung von Menschen aus Notlagen in Höhen oder Tiefen. Die Methoden sind eng mit dem Bergrettungsdienst und dem medizinischen Rettungsdienst verwandt, sie werden von Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Betreibern von großen Objekten (Strommasten/Energieversorger) sowie in Deutschland seit 2001 auch von THW, Arbeiter-SamariterBund, Johanniter-Unfall-Hilfe und Malteser Hilfsdienst vorgenommen. Auch alle Einsatzkräfte der Bergwacht-Landesverbände sind in der Höhenrettung ausgebildet. Der Begriff „Höhenrettung“ wird von verschiedenen Disziplinen (Rettungsorganisationen, Alpinisten, Höhlenforschern, Industriekletterern, Feuerwehren) zum Teil unterschiedlich verwendet. Gegenstand dieses Artikels ist nur die Höhenrettung im Sinne der bundeseinheitlichen Definition der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr der AGBF aus 2001 „Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen (SRHT)“. Die Arbeiten werden stets im Seil verrichtet und zeichnen sich u. a. durch stets mehrfache (redundante) Auslegung von Sicherungs- und Rettungssystemen aus. Typische Einsätze für Höhenretter sind Suizidversuche, Herzinfarkte oder Schlaganfälle von Kranführern, Rettungseinsätze an Hochhäusern oder Kletterunfälle, Personen in Schächten oder Silos und Personen, die in große Tiefe abgestürzt sind. In der Industrie sind die Unternehmen Bornack, Petzl, Mittelmann Sicherheitstechnik und Skylotec im Bereich Höhenrettung aktiv. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 26


Anfänge der Höhenrettungstechniken wurden in den 1970er und 1980er Jahren von Alpinisten und Speläologen in Frankreich, Belgien und Großbritannien entwickelt. Pioniere waren beispielsweise die Gebrüder Petzl und George Marbach. Ein Meilenstein war die von W. Morlock 1978 in Westdeutschland eingeführte Einseiltechnik. Trotzdem blieb die Höhenrettungstechnik lange eine Domäne der Höhlenrettung. In der DDR wurde 1982 bei der Berufsfeuerwehr Berlin der "Spezielle Rettungsdienst (SRD)" gegründet, der Methoden der Bergrettung einsetzte. 1986 wurde er in der gesamten DDR eingeführt, später in Höhenrettungsdienst (HRD) umbenannt. In Frankreich ist der Höhenrettungsdienst seit etwa 1985 der Feuerwehr angegliedert. 1993 erfolgte die Gründung der ersten westdeutschen Höhenrettungsgruppe bei der Feuerwehr Frankfurt am Main. Ein Höhenretter bei der Feuerwehr muss zusätzlich zur Feuerwehrausbildung eine 80-stündige Grundausbildung und jährlich 72 Ausbildungs- und Übungsstunden leisten. Ein Höhenretter im Rettungsdienst muss zusätzlich zu seiner Ausbildung zum Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten eine 80-stündige Ausbildung zum Höhenretter absolvieren. Sowohl in Rettungsdienst und Feuerwehr wird ein jährliches Trainingsaufkommen von mindestens 72 Stunden empfohlen. Einige Höhenrettungsgruppen knüpfen an die Erfüllung dieser Vorgabe unmittelbar den Verbleib im Höhenrettungsdienst. Eine anerkannte Ausbildungseinrichtung ist u. a. die Brandschutz- und Katastrophenschutzschule Heyrothsberge, wo Frank Haverney und Peter Wölke, zwei anerkannte Experten und Autoren im Bereich Höhenrettung, seit Jahren ausbilden und zahlreiche Lehrmedien produziert haben. Generell wird die Ausbildung nach der Empfehlung der AGBF für Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen abgehalten, die Materialkunde, Knotenkunde, Rettungstaktiken und vieles mehr festlegt. Bei der Höhenrettung kommen im Gegensatz zur Sportkletterei vornehmlich Materialien für seilunterstützte Zugangstechniken aus dem Bereich des Industriekletterns zum Einsatz, die höheren Qualitätsstandards genügen. Das Handwerkszeug einer Höhenrettungsgruppe besteht neben der erweiterten persönlichen Schutzausrüstung wie speziellen Kletterhandschuhen, Helmen, Auffanggurten aus Statikseilen zur Lastaufnahme, Dynamikseilen zur Sicherung, Karabinern, diversen Seilbremsen und Abfahrgeräten wie Abseilachter, Radeberger Haken, Industrial Descender oder DSD, Befestigungsmaterialien wie Bandschlingen, Seilschutzkomponenten, Handsteigklemmen, sowie Schleifkorbtragen oder Rettungsgurten zur Patientenaufnahme. Bei Karabinern wird aus Sicherheitsgründen meist Stahl statt Aluminium verwendet. Es gibt Abseilrettungsgeräte (DIN EN 341), die es einem einzelnen Retter (z.B. Kollegen) ermöglichen, abgestützte Personen schnellstmöglich zu retten. Diese Rettungsgeräte werden u.a. in dem Rettungskonzept der Telekom (ASIR) eingesetzt. Heute findet man auf vielen Windkraftanlagen diese Geräte, zur Sicherstellung eines zweiten Fluchtwegs sowie zur Rettung abgestürzter Mitarbeiter. Diese Geräte werden auch zur Rettung aus Schächten, Kanälen, Silos, Tanks etc. eingesetzt. Rettungsübungen (Einweisung/Unterweisung) werden vom Hersteller dieser Rettungsgeräte angeboten. Als Medizinisches Handwerkszeug werden die üblichen rettungsdienstlichen Geräte eingesetzt, absolutes Mindestmaß ist ein Notfallset für Grundlagen in Traumaversorgung, Kreislaufstabilisierung www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 27


und Airway-Management. Die kontinuierliche Überwachung erfolgt aus Platzgründen meist nicht wie üblich mit einem Mehrkanal-EKG, sondern mit einem viel kleineren Pulsoxymeter.

Taktische Grundvarianten (nach AGBF) • • • • • •

passives Abseilen (Ablassen) im Einfachseil und Sicherungsseil aktives Abseilen im Doppel- oder Einfachseil retten aus der Tiefe mit Flaschenzug im Einfachseil gesichertes Aufsteigen oder Quersteigen (Vorstieg) retten einer Person aus dem Seil (Pickup) Seilbahn zwischen zwei Punkten (Schrägseil)

Tierrettung Unter Tierrettung versteht man jede Maßnahme der technischen Hilfeleistung, die dazu geeignet ist, Tiere aus Notlagen oder lebensbedrohlichen Situationen zu retten. Sie kann je nach Situation mit einfachen technischen Hilfsmitteln, aber auch mit großem Aufwand von Einsatzmitteln und Einsatzkräften erfolgen.

Beispiele für Tierrettungseinsätze: Eine einfache Einsatzmöglichkeit wäre, ein verunfalltes Tier dem Tierarzt zuzuführen. Es kann sich aber auch um das Einfangen von entlaufenen Haustieren oder Exoten (z. B. Schlangen) handeln. Es besteht auch die Möglichkeit, dass Tiere in Höhen geklettert sind und den Abstieg nicht mehr schaffen. Die Rettung wird dann mittels tragbarer Leitern oder mit der Drehleiter durchgeführt. Im Winter besteht die Möglichkeit, dass Tiere im Eis einbrechen und mit entsprechenden Rettungsmitteln, beispielsweise Mehrzweckboot, Eisschlitten oder Hansa Board gerettet werden müssen. Es kommt auch vor das z.B. Wasservögel bei starkem Frost mit den Füßen im Eis einfrieren und befreit werden müssen. Zur Tierrettung gehört auch das Umsiedeln von geschützten Wespennestern, Hornissennestern und Bienenvölkern, oder das Einfangen von Bienenschwärmen. Unter Tierrettung fällt ebenso das Heben verletzter Pferde und Kühe mittels Hebegeschirr als Drehleiter- oder Kraneinsatz.

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Polizei Die Polizei ist ein Exekutivorgan eines Staates. Ihre Befugnisse sind u. a. im Polizeirecht (Recht der Polizei) geregelt. Sie hat in den meisten Staaten die Aufgaben, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten, den Verkehr zu regeln bzw. zu überwachen und als Strafverfolgungsbehörde strafbare und ordnungswidrige Handlungen zu erforschen. In der erstgenannten Funktion kommt ihr dabei oft die Rolle einer Notfallhilfe mit eigenem Notruf zu. Eine weitere Aufgabe in allen Staaten der Welt ist die Gefahrenabwehr im Bereich der inneren Sicherheit, das heißt die Verhütung oder Unterbindung von Taten, die sowohl straf-/bußgeldbewehrt sind als auch die Taten, die einem gesetzlichen Verbot zuwiderhandeln. Im Gegensatz zu fast allen anderen Personen oder Organen - mit wenigen Ausnahmen wie beispielsweise der Zollbehörden oder der Bundespolizeibehörden - ist der Polizei als Exekutivorgan des staatlichen Gewaltmonopols beim Einschreiten die Anwendung unmittelbarer Gewalt durch unmittelbaren Zwang innerhalb gesetzlicher Grenzen erlaubt. In fast allen Ländern wird die Polizei mittels ihrer Vollzugsbeamten tätig, vgl. Polizeivollzugsbeamter. Oft vertritt sie im Rahmen der Eilzuständigkeit auch Interessen anderer Ämter. Die polizeilichen Strukturen weisen von Staat zu Staat starke Unterschiede auf. Die Abgrenzung zwischen Militär und Polizei als bewaffneten staatlichen Exekutivorganen ergibt sich aus der Ressortzuständigkeit: Die Polizei untersteht dem Innenministerium des Bundeslandes oder des Nationalstaats (in den USA auch der Kommune oder einer bemächtigten Behörde wie z. B. einer Universität) und vertritt üblicherweise den Staat nach innen, während das Militär dem Verteidigungsministerium untersteht und den Staat nach außen und an dessen Grenzen militärisch sichert. Dies schließt nicht aus, dass die polizeiliche Organisation eines Staates militärähnlich oder militärisch organisiert sein kann (Dienstgrad). Beispielhaft stehen dafür die italienischen Carabinieri oder bis 1976 der deutsche Bundesgrenzschutz, heute Bundespolizei. Teilweise gehören diese Polizeieinheiten auch zum Geschäftsbereich des Verteidigungsministeriums, sind Teil der regulären Armee oder militärisch ausgebildet, auch wenn sie in Friedenszeiten ausschließlich Polizeiaufgaben im Auftrag des Innenund Justizministeriums wahrnehmen. Auch können sie im Kriegsfall als Kombattanten eingesetzt werden, wenn sie die völkerrechtlichen Anforderungen des Kombattantenstatus erfüllen. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der Einsatz der Carabinieri nach dem Irak-Krieg im Irak. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 29


Klar von der Polizei abzugrenzen ist in der Bundesrepublik Deutschland das Militär, obwohl auch die Bundeswehr im Rahmen ihrer Auslandseinsätze durchaus Polizeiaufgaben wahrnimmt und in Anbetracht von Terrorbedrohung ein Einsatz im Inland diskutiert wird. Die Ordnungsbehörden (in Bayern: Sicherheitsbehörden) können hingegen, je nach zugrunde liegendem Polizeibegriff, zur Polizei gezählt werden. Sie haben nämlich wie die Polizei die Aufgabe, Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwehren. Damit erfüllen sie den materiellen Polizeibegriff und übernehmen die Funktion einer Verwaltungspolizei. Sie sind mit ähnlich weitreichenden Befugnissen wie die Polizei ausgestattet. Ein Haupttätigkeitsfeld liegt in der Ermittlung, Verfolgung und Ahndung von Ordnungswidrigkeiten. Da das Polizei- und Ordnungsrecht Ländersache ist, ist die Ausgestaltung jedoch in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. So besteht in Nordrhein-Westfalen eine sehr strikte Trennung, in Baden-Württemberg besteht der Unterschied eigentlich nur darin, dass der Polizeivollzugsdienst für sofortige Maßnahmen und Ausführungsorgan der Polizeibehörde, die Polizeibehörden für längerfristige und Verwaltungsmaßnahmen zuständig sind. Aber auch der frühere deutsche Bundesgrenzschutz besaß bis 1994 Kombattantenstatus, nicht hingegen die Polizeibehörden der deutschen Länder, wenngleich dies Gegenstand politischer Auseinandersetzungen war. Polizeibeamte werden auch im Rahmen von Missionen der EU, UN und OSCE im Ausland eingesetzt (etwa im Kosovo). Abzugrenzen ist die Institution Polizei ferner von privaten Sicherheitsdiensten (Wachschutz/Security), die vom Staat nicht mit besonderen Rechten ausgestattet sind, daher keine ausführenden Organe des staatlichen Gewaltmonopols sind und deshalb häufig nur als ausführende Organe für privates Hausrecht fungieren. Sie nehmen stellvertretend für die Eigentümer deren Rechte wahr und besitzen zudem die Rechte, die auch jedem Bürger zustehen (Notwehr, Nothilfe, Notstand, Recht zur vorläufigen Festnahme und Sachwehr). Für weitergehende Schritte müssen auch sie die Dienste der Polizei in Anspruch nehmen. Die meisten Staaten sind Mitglied der Internationalen Kriminalpolizeilichen Organisation (IKPOInterpol), gegründet zur Verbesserung der internationalen Kooperation und Koordination vor allem (aber nicht nur) im Bereich der grenzüberschreitenden Kriminalität. Die Organisation der Polizei ist sehr verschieden Der Auftrag der deutschen Polizeien ist die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit. Dazu hat die Polizei durch Polizeiverfügungen und sonstige Maßnahmen und in einigen deutschen Ländern auch durch Polizeiverordnungen Gefahren für die öffentliche Sicherheit und teilweise auch für die Öffentliche Ordnung abzuwehren (Prävention). Des Weiteren erforscht die Polizei strafbare und ordnungswidrige Handlungen (Repression), wobei sie Ermittlungen jeder Art vorzunehmen hat und alle keinen Aufschub gestattenden Anordnungen trifft, um die Verdunklung der Sache zu verhüten. Außerdem schützt die Polizei private Rechte, falls ein gerichtlicher Schutz nicht rechtzeitig zu erlangen ist und widrigenfalls die Verwirklichung des Rechts vereitelt oder wesentlich erschwert würde und nimmt sonstige ihr von Rechts wegen obliegende Aufgaben wahr.

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Die Polizei vertritt bei ihrem Handeln die Rechtsordnung als Exekutive. Seit dem Bestehen der Bundesrepublik sind durch Waffengebrauch der Polizei und des polizeilichen Gegenübers mehrere hundert Menschen getötet worden. Aus historischen Gründen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten die Polizeiaufgaben der Reichspolizei geteilt: In den Polizeigesetzen der meisten Länder wird die Polizei in Polizeiverwaltungsbehörden (Ordnungsaufgaben) und Vollzugspolizei untergliedert. Im Polizeibrief der Alliierten wurde auch die Trennung von Aufgaben der Polizei von denen der Verfassungsschutzbehörden bestimmt (Hintergrund: Geheime Staatspolizei). Anfangs gab es – vor allem in der amerikanischen Besatzungszone – auch noch die kommunale Polizei (Stadtpolizei). In der weiteren Entwicklung (in Baden-Württemberg in den 70er Jahren) wurde die Polizei jedoch durchgängig Aufgabe des Landes. Die genaue Organisation der Polizei muss vor dem historischen Hintergrund, insbesondere der Besatzungszeit, betrachtet werden. Besonders in den Ländern der französischen Besatzungszone ist die Stellung der allgemeinen Polizei besonders stark. So war z. B. in Rheinland-Pfalz bis 1992 der Bürgermeister dem Polizeivollzugsdienst gegenüber weisungsbefugt (seitdem strikte Trennung von Ordnungsbehörden und Polizei). Generell ist die Trennung aber mehr oder weniger stark ausgeprägt; so ist sie z. B. in Nordrhein-Westfalen sehr stark. Die sog. Ordnungsbehörden sind vollkommen vom Polizeivollzugsdienst getrennt (sog. Entpolizeilichung der Verwaltung). Es gelten jeweils unterschiedliche Gesetze (Ordnungsbehördengesetz bzw. Polizeigesetz). Dagegen ist in BadenWürttemberg und Sachsen die Trennung weit weniger stark. Die Polizeiverwaltungsbehörden (in Baden-Württemberg und Sachsen als Polizeibehörde bezeichnet) sind generell für die Polizeiaufgaben zuständig, der Polizeivollzugsdienst ist ihr ausführendes Organ und für Situationen, in welchen sofort gehandelt werden muss, (parallel) zuständig (§ 60 PolG BW, § 60 SächsPolG). Polizeiverwaltungsbehörden (in Baden-Württemberg und Sachsen: Polizeibehörde, in Bayern: Sicherheitsbehörde) sind die Behörden, die in der Regel zur Gefahrenabwehr in Ausführung anderer Gesetze als dem Polizeigesetz tätig werden. Es handelt sich je nach Verwaltungsaufbau des Landes um Landes-, Bezirks-, Kreis-, und Ortspolizeibehörden. Die Aufgaben werden von einzelnen Ämtern wie dem Ordnungsamt oder dem Gewerbeaufsichtsamt (früher Gewerbepolizei) für die Behörde wahrgenommen. Diese Definition ist für Baden-Württemberg nicht in vollem Umfang anzuwenden (s. o.). Vollzugspolizei ist der Teil der Polizei, der den Hauptteil der Gefahrenabwehr nach dem Landespolizeigesetz vornimmt. Das sind vor allem die Schutzpolizei (SchuPo), die Kriminalpolizei (KriPo), die Bereitschaftspolizei (BePo) und die Wasserschutzpolizei (WSP). Den Begriff der Vollzugspolizei gibt es jedoch nicht in allen Ländern (z. B. nicht in Schleswig-Holstein). Angehörige der Polizei sind zumeist Polizeibeamte und Polizeiangestellte. Im Jahr 1992 gab es 219.887 Länderpolizisten und 26.424 Bundespolizisten und somit insgesamt 246.311 Polizisten in der Bundesrepublik. Auf einen Polizisten kamen 1992 ca. 330 Bundesbürger. Im Vollzugsdienst sind ausschließlich Polizeivollzugsbeamte zuständig. Diese bilden mit 265.000 Personen den hauptsächlichen Personalkörper. Die Beamten haben mitunter eine spezielle berufliche Funktion bei der Polizei. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 31


Als neue Farbe der Polizeiuniformen wählten die meisten Polizeien ab 2004 stahlblau (RAL 5011), in der Regel mit weißen oder blauen Hemden bzw. Blusen und weißen oder blauen Dienstmützen. Bislang versehen die Beamten der Polizei beim Deutschen Bundestag ihren Dienst in bürgerlicher Kleidung. Nur gelegentlich wird eine Weste zur Kennzeichnung verwendet. Die deutschen Polizeien nutzten als Dienstfahrzeuge überwiegend Fahrzeuge der Marke Audi, BMW, Mercedes-Benz, Opel und Volkswagen. Vereinzelt kommen auch Fahrzeuge anderer Hersteller zum Einsatz. Streifenwagen sind derzeit Audi A6, Audi A8, BMW 3er, BMW 5er, BMW X3, Mercedes-Benz B-Klasse, Mercedes-Benz C-Klasse, Mercedes-Benz E-Klasse, Mercedes-Benz S-Klasse, Mercedes-Benz Vito, Opel Astra, Opel Vectra, Opel Zafira, VW Caddy, VW Golf, VW Passat, VW Sharan, VW Touran, VW T4 und VW T5. Die Bereitschaftspolizeien der Länder sowie des Bundes nutzen zudem auch Einsatzfahrzeuge der Marken Fiat, Ford, Landrover und Mitsubishi. Selten kommen auch Fahrzeuge der Marken Nissan und Toyota zum Einsatz. Die aktuelle Fahrzeuglackierung der meisten Polizeien ist verkehrsblau (RAL 5017) in Verbindung mit silber oder weiß. Die Karosserie deutscher Streifenwagen war ab 1975 weiß lackiert, wobei die beweglichen Teile wie Türen, Motorhaube und Kofferraumdeckel minzgrün lackiert oder später foliert waren. In einigen Ländern (z.B. Bayern und mit Einführung der Folienbeklebung auch Hamburg) wurde eine komplett weiße Karosserie mit einem minzgrünen Streifen im Seitenbereich, genannt Bauchbinde, über die gesamte Fahrzeuglänge ausgestattet. Nach der Wiedervereinigung 1990 bekamen die bis dahin hellelfenbein- und olivgrünfarbenen Fahrzeuge der Volkspolizei auch das weiß-grüne Aussehen. Um einen höheren Wiederverkaufswert ausgedienter Streifenwagen (die derzeit häufig Leasingfahrzeuge sind) zu erreichen, wurden Streifenwagen ab 2002 auch in der Grundfarbe silbermetallic, statt der auf dem Markt unbeliebten Farbe weiß, lackiert. Bei fast allen Polizeien werden heute neue Fahrzeuge in der Farbgebung blau-silber bzw. blau-weiß beschafft. Die blaue Farbgebung geht auf europäische Bestrebungen zurück, alle Polizeifahrzeuge europaweit einheitlich zu gestalten. Die aktuelle Fahrzeuglackierung ist verkehrsblau (RAL 5017) in Verbindung mit silber bzw. weiß. Einzige Ausnahmen sind zur Zeit die Streifenwagen und Einsatzfahrzeuge der Polizeien der Länder Bayern und Saarland, die weiterhin bei der Farbgebung grün-silber bleiben. Da die Fahrzeuge oft geleast sind, werden die grünen bzw. blauen Flächen nicht mehr lackiert, sondern mit spezieller Folie geklebt. Ober- und unterhalb der Folie wird meist eine retroreflektierende Konturmarkierung in Form von einzelnen Rechtecken, genannt „GAPS“, angebracht. Das Fahrzeugleasing steht gegenwärtig zur Debatte, da es Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Modells gibt. Infolgedessen gibt es Überlegungen, Fahrzeuge wieder selbst anzuschaffen. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 32


Dienst- und Amtsbezeichnungen: Mittlerer Dienst • Polizeimeister-Anwärter PMAnw • (in Bayern nach dem ersten Dienstjahr: Polizeioberwachtmeister POW) • Polizeihauptwachtmeister PHW • Polizeimeister PM • Polizeiobermeister POM • Polizeihauptmeister PHM Gehobener Dienst • Polizeikommissaranwärter PKA • Polizeikommissar PK • Polizeioberkommissar POK • Polizeihauptkommissar PHK • Erster Polizeihauptkommissar EPHK Höherer Dienst • Polizeirat PR • Polizeioberrat POR • Polizeidirektor PD • Leitender Polizeidirektor LPD/Ltd. PD • Polizeivizepräsident PVP • Polizeipräsident PP • Landespolizeipräsident LPP Außerdem gibt es weitere Amtsbezeichnungen für Leitungsfunktionen.

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Schutzpolizei Die Schutzpolizei (SchuPo, S) bezeichnet eine Organisationseinheit bei der deutschen Polizei (Landespolizei). Die Angehörigen der Schutzpolizei verrichten ihren Dienst meist in Polizeiuniform. Hauptaufgabe der Schutzpolizei ist die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung innerhalb des zugewiesenen Schutzbereiches zu gewährleisten (Gefahrenabwehr). Die Aufgaben umfassen die Prävention, die Erfassung einer gesetzeswidrigen Handlung und die Ahndung von Ordnungdelikten. Die Kriminalpolizei führt die anschließende weitere Verfolgung und Sachbearbeitung der Straftaten fort. Typische Tätigkeitsfelder der Schutzpolizei sind: • • • • • • •

allgemeiner Streifendienst Aufnahme und Bearbeitung von Strafanzeigen Verkehrskontrollen Aufnahme von Verkehrsunfällen Betreuung und Überwachung von Veranstaltungen Fahndungen Bewältigung polizeilicher Lagen durch Einsätze im Rahmen des Erstzugriffs

Der Schutzpolizei gehören unter anderem folgende Teile der Polizei an: • •

Verkehrspolizei Kontaktbereichsbeamter (KOB) bzw. Kontaktpolizist (KOP) bzw. Bezirksdienst (BadenWürttemberg, Nordrhein-Westfalen)

Beamte der Schutzpolizei wurden bis in das 20. Jahrhundert als „Schutzmann“, von den 1920er bis 1950er Jahren jedoch auch häufig als „Schupo“ bezeichnet.

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Kriminalpolizei In der Bundesrepublik Deutschland ist die Kriminalpolizei (umgangssprachlich: „Kripo“) jener Teil der Polizei (und damit der Innenverwaltung), der sich – im Gegensatz zur Schutzpolizei – ausschließlich mit der Verfolgung von Straftaten und ihrer Verhütung beschäftigt. Ihre Angehörigen versehen ihren Dienst in Zivilkleidung. Die Organisationsformen der Kriminalpolizeien sind in der Bundesrepublik Deutschland unterschiedlich, da die Polizeiangelegenheiten grundsätzlich in den Zuständigkeitsbereich der Bundesländer fallen. Die ersten Anfänge der Kriminalpolizei sind in Berlin zu finden. Im Jahre 1799 wurden in Berlin sechs Polizeibeamte dem Berliner Kriminalgericht zugeordnet und durften alle zur Aufklärung von Verbrechen und Vergehen erforderlichen Ermittlungen und Vernehmungen durchführen. Zur Wahrnehmung der Aufgaben war ihnen in Ausnahmefällen gestattet, auch ohne Uniform tätig zu werden. Faktisch waren sie die ersten Kriminalbeamten in Deutschland. Deklaratorisch wurde die Ermittlungskompetenz der Polizei in Kriminalitätsfällen durch das Berliner Polizeireglement vom 1. April 1811 festgelegt. Die Polizeibehörde durfte in eigener Verantwortung Straftaten aufklären und die Fälle ohne sofortige Hinzuziehung der Gerichte bearbeiten. Im Jahre 1820 wurde in Berlin die Berufsbezeichnung Kriminalkommissar eingeführt, die organisatorische Trennung zwischen Schutz- und Kriminalpolizei erfolgte jedoch erst 1872. Dies war die Geburtsstunde einer selbstständigen kriminalpolizeilichen Organisation in Preußen, was später in anderen Teilen Deutschlands übernommen wurde. Neben Berlin wurde in Bremen (1853) und Hamburg (1875) die Polizei reformiert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verfügten alle großen deutschen Städte über eine Kriminalpolizei. Nachdem sich in der Polizei diese Spezialisierung durchgesetzt hatte, war eine Aufteilung in Kriminalitätsfelder nicht weit: 1855 wurde in Berlin anlässlich des Mordfalls Dickerhoff die erste Mordkommission aufgerufen. Im Jahre 1886 wurde in Berlin der Erkennungsdienst gegründet.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs beschlossen die Siegermächte auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam das Polizeiwesen in Deutschland zu entnazifieren, entmilitarisieren, demokratisieren und dezentralisieren. Die Dezentralisierung hatte die Zuständigkeit der Länder zur Folge und bedeutete für die Bekämpfung der Kriminalität, dass die reisenden und überörtlichen Täter nicht mehr wirkungsvoll bekämpft werden konnten. Deshalb haben die Siegermächte erlaubt, dass der Parlamentarische Rat in den Artikeln 73 und 87 GG für die Kriminalpolizei eine Sonderregelung einführte: „Die Zusammenarbeit von Bund und Ländern darf sich nicht auf das gesamte Polizeiwesen erstrecken, sondern ist nur auf die Kriminalpolizei bezogen. “Darüber hinaus hat der Parlamentarische Rat auch die Tätigkeit der Kriminalpolizei beschrieben, nämlich: „Verhüten, Aufdecken und Verfolgen wichtiger Straftaten.“ Mit Inkrafttreten des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 wurde in Artikel 73 festgelegt, dass der Bund „die ausschließliche Gesetzgebung über […] die Zusammenarbeit des Bundes und der Länder in der www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 35


Kriminalpolizei…“ hat. Dazu wurde im März 1951 das Gesetz über die Errichtung eines Bundeskriminalamtes geschaffen. Parallel dazu wurden in den Ländern auch Landeskriminalämter eingerichtet, die innerhalb der Bundesländer eine Koordinierung und Informationssteuerung gewährleisten sollen. Die voranschreitende Spezialisierung in der Kriminalpolizei machte es erforderlich, die Bandbreite der Einsatzfelder weiter zu untergliedern. Die Gliederung der Kriminalpolizei ist, wie die gesamte Polizei, Ländersache. Somit kann in jedem Bundesland die Kriminalpolizei anders strukturiert und organisiert sein. Da der Kriminalpolizei jedoch überall die Bekämpfung der schweren Kriminalität obliegt, gibt es bestimmte Deliktsbereiche, die überall von der Kriminalpolizei bearbeitet werden. Hierzu gehören folgende Deliktsfelder: • • • • • • • • •

Kapitaldelikte (Tötungsdelikte, Brandermittlungen, Raub und Erpressung) Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung Vermisstensachbearbeitung Bandendelikte (Betäubungsmittel, Glücksspiel, organisierte Kriminalität, Falschgelddelikte) Delikte von und zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen Wirtschaftsdelikte (Wirtschaftskriminalität, Betrug, Computerkriminalität, Korruption) Eigentumsdelikte (Diebstahl/Einbruch) (dieses Deliktsfeld ist stellenweise auf die Schutzpolizei übertragen worden, z. B. in Baden-Württemberg) Staatsschutzdelikte Servicedienststellen wie Kriminaldauerdienst, Fahndung, Mobiles Einsatzkommando, Erkennungsdienst / Spurensicherung, Computer-Forensik, Zeugenschutz, Vermögensabschöpfung und VP-Führung

Anfang der neunziger Jahre gab es innerhalb der Polizeien der Länder den Trend, die Spezialisierung aufzuheben. Dies äußerte sich sowohl in der Ausbildung des Polizeinachwuchses als auch in der Organisationsform. In vielen Polizeien der Länder wurden der Kriminalpolizei als eigener Zweig innerhalb der Polizei die entsprechenden Laufbahngruppen aufgehoben und eine Fachausbildung abgeschafft. Im Jahre 2004 gab es hier einen Sinneswandel: In den Innenverwaltungen der Bundesländer wurde die Tendenz zu einer weitgehenden Generalisierung gestoppt, da die fachliche Spezialisierung einzelner Dienststellen und ihrer Kriminalpolizeibeamten für notwendig gehalten wurde. Die Angehörigen der Kriminalpolizei (Polizeivollzugsbeamte) weisen sich mit der Kriminaldienstmarke und mit dem Dienstausweis aus. Auf europäischer Ebene erfolgt die polizeiliche Zusammenarbeit durch Europol, eine unabhängige Einrichtung der Europäischen Union, die zum Bereich der polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit in Strafsachen gehört. Auf internationaler Ebene erfolgt die polizeiliche Zusammenarbeit durch Interpol. In Deutschland agiert das BKA als Nationales Zentralbüro.

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Kriminaldauerdienst Der Kriminaldauerdienst (KDD) ist ein 24/7-Bereitschaftsdienst der Kriminalpolizei. In erster Linie übernimmt der KDD den Auswertungsangriff im mutmaßlichen Auftrag des Fachkommissariates. Bei Tatorten oder Straftaten, die einen erhöhten Personaleinsatz erfordern, ist der KDD auch befugt bzw. verpflichtet, außerhalb der gewöhnlichen Dienstzeiten die Fachdienststelle zu informieren. Gegebenenfalls übernimmt diese dann sofort die weitere Sachbearbeitung. Zudem ist bei größeren Lagen die Alarmierung von Vorgesetzten und Einsatzkräften eine der zentralen Aufgaben. In ländlichen Gebieten verrichtet der KDD auch Streifendienst. Jedes größere Polizeipräsidium (im Bundesland Baden-Württemberg heißen die Polizeipräsidien in der Regel Polizeidirektionen), die Landeskriminalämter (LKA) sowie das Bundeskriminalamt (BKA) unterhalten einen KDD. Bei den übrigen Dienststellen ist in der Regel ein Bereitschaftsdienst vorhanden, der über den örtlichen Polizeiführer vom Dienst (PvD) aufgerufen werden kann.

Weibliche Kriminalpolizei Die Weibliche Kriminalpolizei (WKP) war in Deutschland ein Teil der Polizei, der vorrangig für minderjährige Straftäter, Opfer und Zeugen zuständig war. Den Dienststellen der WKP gehörten nur weibliche Bedienstete an, die ihren Dienst in Zivilkleidung versahen. Die Organisationsform der weiblichen Kriminalpolizei entstand in den 1920er Jahren und wurde im Rahmen der Neuorganisation der Polizei in den 1970er Jahren aufgelöst. Ihre Angehörigen wurden in die Kriminalpolizei integriert. Die weibliche Kriminalpolizei war für kriminell und sexuell gefährdete Minderjährige (damals bis 21 Jahre) zuständig. Sie bearbeitete Strafanzeigen gegen weibliche Kinder, Jugendliche und Heranwachsende und vernahm Tatzeugen oder Tatopfer (vor allem bei Sexualdelikten) in dieser Altersklasse. Bei Jungen waren sie nur für Kinder bis 14 Jahre zuständig. Aufgabe der WKP war nicht nur repressive Ermittlungstätigkeit, sondern auch der Opferschutz und der Umgang mit benachteiligten Problemgruppen. WKP-Beamtinnen wirkten bei der Einleitung von erzieherischen und fürsorgerischen Maßnahmen mit. Bei Betreuungsmaßnahmen für ihr Klientel kooperierten sie mit Fürsorgeeinrichtungen.

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Spezialeinsatzkommando Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) ist eine Spezialeinheit der Polizei. In Deutschland verfügen die Polizeien aller Länder über mindestens ein SEK. Die Spezialeinheit des Bundes ist die 1972 gegründete GSG 9. Das SEK Baden-Württemberg gehört als einziges SEK dem Atlas-Verbund europäischer Polizei-Spezialeinheiten an. Während früher auch im amtlichen Sprachgebrauch Sondereinsatzkommando verwendet wurde, wird es heute nur noch umgangssprachlich verwendet, da der Begriff wegen der gleichnamigen SS-Spezialeinheit belastet ist. SEKs sind für Terrorismusbekämpfung, Geiselbefreiung und Zugriffe ausgebildet. Sie kommen bei besonderen Gefährdungslagen sowohl präventiv (zum Beispiel zum Schutz bei Staatsbesuchen), als auch operativ (auf Anforderung regulärer Polizei) zum Einsatz und sind vergleichbar mit den SWATTeams der US-amerikanischen Polizei. Das SEK kann organisatorisch der Bereitschaftspolizei, dem Innenministerium oder auch einer großen überörtlichen Polizeidienststelle (Präsidien usw.) angegliedert sein. In den meisten Ländern jedoch verstärkt sich die Tendenz, die SEK den Landeskriminalämtern (LKA) organisatorisch anzugliedern, möglichst gemeinsam mit den Mobilen Einsatzkommandos (MEK). Die Struktur der SEK im Detail ist von Land zu Land verschieden. Manche Länder orientieren sich dabei an regionalen Kriminalitätsschwerpunkten. So haben beispielsweise Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz SEKs in mehreren größeren Städten eingerichtet, während in Bayern und Hessen zwei Einheiten existieren, die jeweils für die Nord- und die Südhälfte des Landes zuständig sind. Flächenländer mit vergleichsweise geringer Gewaltkriminalität wie Brandenburg haben hingegen ein SEK zentral eingerichtet, meistens in der Landeshauptstadt. SEK-Kräfte tragen schwere ballistische Westen und Helme, standardmäßig Pistolen und je nach Einsatzlage Maschinenpistolen, sowie Präzisionsschützen entsprechend Präzisionsgewehre verschiedener Ausführungen. Außerdem benutzen SEK-Kräfte zivile, meist stark motorisierte Einsatzfahrzeuge verschiedenster Fahrzeughersteller mit Tarnkennzeichen, um im Alltagsverkehr nicht erkannt zu werden und um schnell zum Einsatzort gelangen zu können. Die hohe Motorleistung ist höchstwahrscheinlich auch darauf zurückzuführen, dass das SEK ggf. an Verfolgungsjagden der Polizei teilnimmt (z. B. um im Rahmen einer mobilen Geiselnahme in einem Kraftfahrzeug dieses gewaltsam zu stoppen). Weiterhin zeichnen sich SEK-Einsatzfahrzeuge durch spezielle Umbauten (z. B. zwei Magnetblaulichter statt einem, um besser erkannt zu werden) aus. Hierzu werden aber aus Geheimhaltungsgründen keine weiteren Details genannt. Die Ausrüstung der SEKs kann von den Einheiten selbst ausgewählt werden (siehe Fahrzeuge) und ist nicht an die Beschaffungspolitik der übergeordneten Landespolizei gebunden. Allgemein aber haben sich im Bereich der Schusswaffen die Pistolen Glock 17 und Sig Sauer P228 und die Maschinenpistole Heckler & Koch MP5 durchgesetzt, im Bereich der Präzisionsgewehre das Heckler & Koch PSG1 und das Blaser R 93. Die Schutzausrüstung kann variieren und ist je nach Einsatzzweck bis zu 30 Kilogramm schwer. Seit Mitte der 1990er Jahre setzen immer mehr SEKs auch auf Schrotflinten zur www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 38


Abwehr von Kampfhunden oder zur Öffnung von Türen. Weiterhin wurden von einigen der Einheiten auch Sonderwaffen angeschafft wie Präzisionsgewehre im übergroßen Kaliber .50 BMG, welche bei Einsatzlagen auf großen Freiflächen wie Flughäfen und Hafenanlagen aber auch auf Seen, bei Einsätzen im Hochgebirge (SEK Südbayern) und in Städten mit hohen Gebäuden wie Frankfurt am Main zum Einsatz kommen könnten. Um ihre Identität zu verbergen, tragen Beamte des SEK außerdem Sturmhauben. Die offizielle Begründung für diese Praxis ist der Schutz der Beamten und ihrer Angehörigen vor Racheakten und dem bei Enttarnung allgemein höherem öffentlichen Interesse des sozialen Umfelds und ferner die Erhaltung der Einsatzfähigkeit bei verdeckten Observationen, bei denen die Beamten nicht im Vorhinein erkannt werden sollen. Außerdem dient die Maske psychologischen Zwecken (Einschüchterung des Täters). Das SEK tritt sowohl in oben beschriebener „voller Kampfmontur“ als auch zivil in Aktion, um bei Zugriffen auf Schwerkriminelle nicht von vorneherein erkannt zu werden. Im Alltag auf der Dienststelle tragen die SEK-Beamten Einsatzoveralls, die in den meisten Bundesländern mit einem SEK-internen Abzeichen, der sog. „SEK-Schwinge“, versehen sind. In puncto Einsatzhäufigkeit gibt es zwischen den Bundesländern durchaus Unterschiede; so sind die SEKs in Berlin, Frankfurt sowie im Ruhrgebiet am meisten mit Einsätzen belastet. Das SEK Berlin und Frankfurt bringen es seit Jahren auf Spitzenwerte von ca. 500 Einsätzen pro Jahr, die SEKs in NRW zusammen auf etwa 900 Einsätze. Insgesamt haben die einzelnen SEKs seit ihrer Aufstellung in den frühen 1970er Jahren bis zu mehrere tausend Einsätze bewältigt. In der Regel wurde nur bei einem verschwindend geringen Anteil dieser Einsätze von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. In keinem Bundesland übersteigt die Zahl des Schusswaffengebrauchs gegen Menschen (den finalen Rettungsschuss mit eingeschlossen) die Marke von 10 Fällen. In manchen Bundesländern zählen zu den Spezialeinheiten auch die Mobilen Einsatzkommandos (MEK) und die Verhandlungsgruppen, die sich aus speziell als Unterhändler geschulten Beamten zusammensetzen. Die MEKs arbeiten sehr eng mit dem SEK zusammen und sind spezialisiert auf Observationen sowie Einsätze zwischen wechselnden Orten (z. B. Omnibusentführungen), sog. mobile Lagen. SEKs sind, wie auch die GSG 9 der Bundespolizei, nach dem terroristischen Anschlag während der Olympischen Spiele 1972 in München gegründet worden. In der Folge dieser Ereignisse beschloss die Ständige Konferenz der Innenminister und -senatoren 1974 das „Konzept für die Aufstellung und den Einsatz von Spezialeinheiten der Länder und des Bundes für die Bekämpfung von Terroristen“. Dieser Beschluss kann als die Geburtsstunde der Spezialeinheiten in Deutschland angesehen werden. SEKs sind, wie auch die GSG 9 der Bundespolizei, nach dem terroristischen Anschlag während der Olympischen Spiele 1972 in München gegründet worden. In der Folge dieser Ereignisse beschloss die Ständige Konferenz der Innenminister und -senatoren 1974 das „Konzept für die Aufstellung und den Einsatz von Spezialeinheiten der Länder und des Bundes für die Bekämpfung von Terroristen“. Dieser Beschluss kann als die Geburtsstunde der Spezialeinheiten in Deutschland angesehen werden.

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Spezialeinsatzkommandos stehen insbesondere bei Geiselnahmen, aber auch bei brisanten Entführungsfällen im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Beispiele hierfür waren das Gladbecker Geiseldrama im August 1988 oder die Kaperung eines Touristikbusses in Köln 1995, Geiselnahmen in Gefängnissen und ähnliches. Obwohl öffentlich viel beachtet, machen derartige Einsätze nur einen geringen Teil des SEK-Alltags aus. Die meisten SEK-Einsätze finden in den Medien und der Tagespresse kaum Erwähnung und haben auch die Vollstreckung von Haftbefehlen, die Reaktion auf Selbstmordversuche, die Begleitung von Gefangenentransporten oder den Einsatz gegen verbarrikadierte Personen zum Inhalt, allerdings werden auch Razzien im Bereich der organisierten Kriminalität (beispielsweise „Türsteherszene“ oder illegales Glücksspiel) durchgeführt. Zum Aufgabengebiet gehören weiterhin Personen- und Zeugenschutz-Maßnahmen. Früher wurden SEKs auch bei besonders gewalttätig verlaufenden Demonstrationen eingesetzt, allerdings haben sich seit den Auseinandersetzungen an der Baustelle der geplanten Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf in den späten 1980er Jahren in diesem Bereich die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten, in Bayern auch Unterstützungskommando (USK) genannt, etabliert.

Bereitschaftspolizei www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 40


Die Bereitschaftspolizei (BePo) ist ein Großverband der Landespolizeien in Deutschland, deren Einheiten als geschlossene Einheiten fungieren. Der Begriff wird auch in der Gesamtheit aller Bereitschaftspolizeiverbände verwendet. Einzig die Polizei beim Deutschen Bundestag unterhält keine BePo. Hauptaufgabe der BePo ist die Unterstützung der Landespolizei bei Großlagen sowie Wahrnehmung von Schwerpunktaufgaben (z. B. Unfallschwerpunkte und der Kriminalitätsbekämpfung). Zu weiteren Aufgaben vgl. Art. 35 Abs. 2 S. 2, Abs. 3, 91 GG. Damit auf besondere Lagen schnell reagiert werden kann, sind diese Polizeieinheiten in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht und werden für diese Einsätze ausgebildet. Neben Einsätzen im eigenen Bundesland können die Einheiten aus besonderem Anlass auch in anderen Bundesländern eingesetzt werden. Die Einrichtung der Bereitschaftspolizeien in den Bundesländern ist auf ein Verwaltungsabkommen zwischen Bund und Ländern vom 27. Oktober 1950 über die Errichtung von Länderbereitschaftspolizeien zurückzuführen. Die Führungs- und Einsatzmittel werden vom Bund beschafft und sind einheitlich. Die Bereitschaftspolizei besteht aus Beamten des mittleren, gehobenen und höheren Dienstes in Führungspositionen z. B. Ausbildungsbeamten, Klassenleitern, Gruppen-, Trupp-, Hundertschaftsführer o. ä. Eine Koordination aller Bereitschaftspolizeien findet durch den Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder statt. Dieser ist Angehöriger des Bundesministerium des Innern. Die Gliederung ist je nach Bundesland unterschiedlich. Bundeseinheitlich vorgegeben ist aber folgender Rahmen: Bereitschaftspolizeiabteilung (BPA) - Bereitschaftspolizeihundertschaft (BPH) Zug - Gruppe - Halbgruppe (z. T.) - Trupp.

Baden-Württemberg [Bearbeiten] Die BePo der Polizei Baden-Württemberg besteht aus: • •

Bereitschaftspolizeipräsidium Baden-Württemberg (Göppingen) o Spezialeinsatzkommando Baden-Württemberg Bereitschaftspolizeidirektionen (BPD) o BPD Bruchsal o BPD Göppingen o BPD Biberach o BPD Lahr o BPD Böblingen

Jede BPD verfügt über eine Technische Einsatzeinheit (TEE) und bis zu fünf Einsatzzüge. stationiert.

Hundestaffel Die Hundestaffel besteht aus Diensthunden. Ein Diensthund ist ein speziell für den Aufgabenbereich von Polizei, Zoll, Rettungsdienst oder Militär ausgebildeter Gebrauchshund, der von einem Diensthundeführer geführt wird. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 41


Als Einsatzmittel der Polizei ist er formell ein Hilfsmittel der körperlichen Gewalt (vgl. Unmittelbarer Zwang). Sie werden praktisch weltweit von Polizeien eingesetzt. Verwendung als Diensthunde finden vor allem Hunde der anerkannten Diensthunderassen. „Die Diensthunderassen sind einmal vom Arbeitskreis der diensthundehaltenden Behörden in Deutschland definiert worden.“ Zugelassene Diensthunderassen in Deutschland: • • • • • • • • • •

Airedale-Terrier Belgischer Schäferhund Bouvier des Flandres Deutscher Schäferhund Boxer Dobermann Hollandse Herdershond Hovawart Riesenschnauzer Rottweiler

Erforderliche Eigenschaften wie gute Nasenleistung, Unterordnungsfreude und Schutztrieb wurden bei diesen Rassen durch gezielte Züchtung gefestigt. Polizeihunde werden für verschiedene Aufgaben ausgebildet und eingesetzt: • • • • • • • •

Schutzhund Spürhund Drogenspürhund Sprengstoffspürhund (verschiedenste Sprengstoffe, aber auch Waffen und Munition) Brandmittelspürhund Leichenspürhund Personensuchhunde (Mantrailing) Geldmittelspürhund

Spurensicherung Als Spurensicherung bezeichnet man sowohl die Tätigkeit innerhalb der Forensik, kriminalistisch relevante Spuren zu sichern, sie also zu dokumentieren und gegebenenfalls sicherzustellen (Kriminaltechnik), wie auch den damit beauftragten Erkennungsdienst. In diesem Artikel ist die Sicherung von Sachbeweisen gemeint; daneben gibt es auch Personenbeweise, bei denen es sich aber nicht um einen technischen Begriff handelt. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 42


Die Spurensicherung ist ein Teil des Auswertungsangriffes im Rahmen des „Ersten Angriffes“. Eine Spurensicherung beinhaltet die Spurensuche, die Spurenerfassung (Ausnummerierung, Fertigung von Abbildern [z. B. fotografisch, dreidimensional]) und der Spurenauswertung (zum Beispiel Spurenlage, Spurenbild, Spurenvergleich). Die Spurensicherung beginnt mit der so genannten Tatortarbeit. Sie nimmt ihren Verlauf mit Auswertungen (z. B. Untersuchung, Vergleichsspuren) und endet mit der Zusammenführung von Gegenstands- und Personenspuren zu Gegenständen am Tatort oder an Opfern und Tatverdächtigen. Theoretisch basiert die Spurensicherung auf der Locard’schen Regel. Der Spurensicherung kommt die elementare Aufgabe der Beweissicherung zu; das heißt, dass vor Gericht relevante Indizien und Beweise strenger Kontrolle unterliegen und dementsprechend fachmännisch behandelt werden müssen. Es gibt verschiedene Techniken innerhalb der Spurensicherung, beispielsweise die Daktyloskopie (Aufnahme und Auswertung von Fingerabdrücken), die Abnahme von Körperzellen (und dem nachfolgenden „genetischen Fingerabdruck“) und Nachweis von Blut (beispielsweise mit Luminol). Besonders bei Tatortsituationen muss darauf geachtet werden, dass keine neuen Spuren gesetzt werden. Daher tragen Spurensicherer Schutzkleidung (häufig Tyvek-Anzüge) und sperren den Tatort für andere Polizisten und natürlich auch Schaulustige ab. Das Ergebnis eines DNA-Tests, eines Fingerabdrucks oder einer sonstigen Spur alleine kann nicht über Schuld oder Nichtschuld eines Verdächtigen entscheiden. Es wird nur als Indiz gewertet, das durch weitere ergänzt werden muss. Viele Verdächtige legen allerdings ein Geständnis ab, wenn man sie mit dem Resultat konfrontiert. Ist das nicht der Fall, muss das Ergebnis interpretiert werden, wobei aber auch Fehlschlüsse nicht auszuschließen sind. Es muss dabei beachtet werden, dass der Täter oder Teilnehmer einer Tat möglicherweise fingierte Spuren gesetzt haben könnte. In Deutschland ist hierbei die „Anleitung Tatortarbeit - Spuren“ (ATOS) maßgebend, welche aus dem nicht mehr aktuellen „Leitfaden (LF) 385 (Tatortarbeit, Spuren)“ hervorging. Bei der Spurensuche ist zu beachten, dass keine neuen Spuren gesetzt werden. Dafür werden Pfade angelegt und der Zutritt zahlenmäßig eingeschränkt. Außerdem wird protokolliert, wer welchen Raum betreten und wer welche Veränderungen vorgenommen hat. Für Tatorte im Freien haben sich Faltpavillons (Spurenzelt) aus Gründen des Sichtschutzes (z. B. Presse, Neugierige), des Wetterschutzes (Niederschlag, Wind) und zum Zwecke des Spurenschutzes bewährt. Die aufnehmenden Polizeibeamten verwenden zur Abnahme von Spuren verschiedene Utensilien (Spurensicherungskoffer). Ein Spurensicherungskoffer ist ein Koffer oder auch eine Tasche, in der Utensilien für die Spurensicherung zu einem Tatort gebracht werden. Sein Inhalt wird vom Erkennungsdienst der Polizei verwendet. Der Spurensicherungskoffer ist meist ein stabiler, d.h. weder flexibler noch wasserdurchlässiger Koffer, meist ein Werkzeugkoffer.

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Inhalt des Koffers: Pulver (adhäsive Mittel) • • • • •

Argentorat (aufbereitet mit Lycopodium) Mangandioxidpulver („Allroundpulver“) Rußpulver (aufbereitet mit etwas Stärkepulver) Magnetpulver in tiefschwarz, grau, hellgrau, silber und evtl. Bi-Chromatik und fluoreszierend Eisenoxidpulver (einsetzbar wie Rußpulver, aber auch auf dunklen Oberflächen)

Folien Filmolux (Fa. Neschen) im Format 10 × 13 cm • Spurfix als Rollenware, 10 cm breit, beispielsweise zur Abnahme von Schuhabdruckspuren • Spurensicherungsband, 6 cm breit • Neschenfolie (DIN A 4; zur Sicherung von Griffspuren) • Gelatine-Folien in schwarz und weiß (13 × 18 cm und 13 × 36 cm, zur Sicherung von Schuhabdruckspuren Material als Träger gesicherter, daktyloskopischer Spuren [Bearbeiten] • Chromkarton (13 × 18 cm in schwarz und weiß) • Glanzpapier (DIN A 4) • Chromkarton in weiß und schwarz (13 × 36 cm, für Schuhabdruckspuren) •

Behältnisse und Tüten • Papiertüten in verschiedenen Größen • Gerätschaften zum Aufbringen von Pulvern • Kohlefaserpinsel • Fiberglaspinsel (Zephyrpinsel) • Fehhaarpinsel (Fellpinsel) • Marabu-Feder • Magnetstab (Magna Brush)(evtl. auch große Ausführung für die Sicherung von Schuhabdruckspuren) • Kipphebelflaschen • Zerstäuber zum Aufbringen von UV-Pulver oder Lycopodium Werkzeugspuren • Mikrosil / AccuTrans (ehemals Transfer) (Silicon-Abformmaterialien mit dazugehörigem Härter in Tuben bzw. in Kunststoffkartuschen mit statischem Mischer) • Pergamintüten zum Verpacken (auch zum Beschriften von Vorteil) Medizinisch-serologische Spuren/DNA • Wattestäbchen • passende Pergamintüten (atmungsaktiv) • alternativ DNA-Entnahmekit (Wattestäbchen und dazugehöriger Transportkarton (Faltschachtel) Sonstiges www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 44


• • • • • • • •

• • • • • • • • • • •

Schutzhandschuhe (zum Beispiel Latex oder Nitrilkautschuk) Arbeitshandschuhe Abroller mit einem Spurenmaßband (fotografische Sicherung von daktyloskopischen Spuren oder sonstige Bildaufnahmen) Spurenstempel mit Stempelkissen bzw. alternativ Spurenaufkleber zur Beschriftung von daktyloskopischen Spuren Kleine Schere Spurennummern (11 × 7 cm) mit Halterungen Maßbänder (z.B. Rollenmaßband oder Meterstab) Tafelkreide, Fettkreide in rot oder gelb oder Sprühkreide in verschiedenen Farben zum Anbringen von Markierungen (nicht zum Anzeichnen der Kreideleiche, diese gibt es nur im Film) Kompass kleine Wasserwaage Pinzette Feldbuch (Klemmbrett) mit Anhängern, Drähten, Schreibstiften Phasenprüfer Spurensicherungsband (Breite 2,5 cm) zur Sicherung von Faserspuren Schraubenzieher, Kombizange Skalpell bzw. hochwertiges Taschenmesser Forensische Lichtquelle Schutzanzug, Schutzhaube, Schuhüberzieher Mundschutz und Eukalyptus zum Einträufeln (gegen Fäulnisgeruch)

Helikopterstaffel Die Hubschrauberstaffel ist organisatorisch, wie auch das Landesmusikorchester, bei der Bereitschaftspolizei angegliedert. Die Hubschrauberstaffel verfügt seit November 2004 über zwei Hubschrauber des Typs Eurocopter 135 Das Einsatzmittel Hubschrauber ist in der Lage, in 7 Minuten jeden Punkt innerhalb Hamburgs zu erreichen. Die Flugzeit bis zur Elbmündung bei Cuxhaven (ca. 90 km) beträgt ca. 25 Minuten. Aufgabenspektrum der Hubschrauberstaffel: • • • • •

Überwachung/Lenkung des Straßenverkehrs Überwachung im Bereich des Umweltschutzes Aufklärung jeglicher Art auch im Katastrophenschutz und für die Feuerwehr Fotoflüge für das Landeskriminalamt und andere Dienststellen Soforteinsätze wie: o Verfolgungen o Fahndungen www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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o o o

Suche nach Personen Ausleuchten von Einsatzräumen bei Nacht Spezialeinsätze mit dem Mobilen Einsatzkommando

Durch die eingebauten Wärmebildkameras sind viele dieser Aufgaben noch effektiver und auch vermehrt in der Nacht durchführbar.

Kriminaltechnik Unter dem Begriff der Kriminaltechnik sind alle Erkenntnisse und Maßnahmen zusammengefasst, die sich mit der Anwendung und Nutzbarmachung wissenschaftlicher und auf Erfahrung basierender Erkenntnisse im Hinblick auf kriminalistische Spuren (Spurenkunde) beschäftigen. Hierzu gehören:

Formspuren Hierbei handelt es sich um den thematisch größten Bereich der Kriminaltechnik, der in erster Linie für technische Formspuren zuständig ist und bei der Auswertung das umfassendste Fachwissen erfordert. Hierunter fallen Untersuchungsbereiche wie: • • • • • • • • • • •

Schließtechnik (Schloss, Schlüssel, Schließzylinder) Werkzeugspuren Schuhspuren Reifenspuren Handschuhspuren Wiedersichtbarmachung entfernter Prägezeichen Kfz-Delikte (Verfälschung, Überwindung von Wegfahrsperren etc.) Passspuren Glasbruch Bissspuren Bekleidungsidentifizierung www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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Waffen (der Bereich Waffen hat sich aufgrund des fachlichen Umfangs bereits in den 80er Jahren zu einem eigenen Fachgebiet entwickelt)

Urkundentechnik Die Urkundentechnik ist eine umfassende physikalische und chemische Überprüfung von Urkunden, Druckerzeugnissen, Pässen, Papier und sonstigen Schriftträgern hinsichtlich Merkmalen, die bei einer Echtheitsprüfung fälschungsrelevant sind oder ansonsten, z.B. bei illegalen Dokumenten wie Selbstbezichtigungsschreiben Zusammenhänge belegen und als Fahndungshilfsmittel dienen können.

Biologische Analytik Die forensische Biologie ist das jüngste kriminaltechnische Fachgebiet, aus der Forensik jedoch nicht mehr wegzudenken. Hierzu zählen die Fachgebiete: • • • •

DNA-Analyse Textiluntersuchungen (inkl. textile Stichspuren) Humanspuren (Lippen-, Ohr- und Hautabrücke) Bodenuntersuchungen

Chemische Analytik Gehört wie die Biologische Analytik zu der so genannten wissenschaftlichen Kriminaltechnik. Dieses Fachgebiet befasst sich hauptsächlich mit Materialanalysen.

Daktyloskopie Unter dem Begriff der Daktyloskopie sind alle Erkenntnisse und Maßnahmen zusammengefasst, die sich mit der Anwendung und Nutzbarmachung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Hinblick auf kriminalistische Spuren (Spurenkunde) von Hautleistengebilden (z.B. Fingerabdrücken) beschäftigen.

Handschriftenuntersuchung Forensische Handschriftenuntersuchungen oder Gerichtliche Schriftvergleichung haben das Ziel, im Wege der Vergleichung von Merkmalen zweier oder mehrerer Schreibleistungen Aussagen zur Frage der a) Echtheit oder Unechtheit von Unterschriften oder/und b) Schrifturheberschaft zu treffen. In (seltenen) Ausnahmefällen ist eine zeitliche Einordnung fraglicher Schreibleistungen (relative Altersbestimmung) möglich.Untersuchungsvoraussetzungen: das fragliche Material muss immer im Original vorliegen und es müssen genügend Vergleichs(-unter-)schriften zur Verfügung stehen.

Forensische Information und Kommunikation (IuK) [Bearbeiten] •

Analyse von Computerdaten, vgl. Forensik

Kriminaltechnische Auskunftsdienste Zur weiteren Bearbeitung sowie Lösung kriminaltechnische Problemfelder, stehen verschiedenste Auskunftssysteme zur Verfügung. Diese entwickelten sich im Laufe der modernen kriminalpolizeilichen Geschichte und werden unter anderem vom Bundeskriminalamt, den Landeskriminalämtern sowie weiteren Polizeidienststellen bereitgestellt. Zu den meist gebrauchten Auskunftsdiensten gehören: •

Automatisiertes Fingerabdruckidentifizierungssystem (AFIS) www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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• • • • • • •

Leuchtendatei für Unfallfluchtnachforschungen Lackspurensammlung HAns Schuhdatenbanken (Spuren- und Musterdatenbanken) Fahrzeugdatenbanken DNA-Datenbank Informationssystem Urkunden ISU

Wasserschutzpolizei Die Wasserschutzpolizei (Abkürzung WSP bzw. WaPo) ist eine Organisationseinheit der Landespolizeien in Deutschland, welche für die Einhaltung von See- und Binnenschifffahrtsvorschriften, Gefahrenabwehr im Bereich Schifffahrt, Umweltschutz und, je nach Land, grenzpolizeiliche Maßnahmen zuständig ist. Neben den allgemein polizeilichen Aufgaben hat die Wasserschutzpolizei auf den Bundes- und Landeswasserstraßen sowie in den Häfen die schifffahrtspolizeilichen Vollzugsaufgaben wahrzunehmen. Zu den schifffahrtspolizeilichen Vollzugsaufgaben gehören: • •

• •

Erkennen von Gefahren für den Schiffsverkehr und unaufschiebbare Maßnahmen zu ihrer Abwehr zu treffen. Einhaltung der Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs dienenden Vorschriften, z.B. das Verhalten im Verkehr, die Ausrüstung, die Besatzung und die Bemannung, den Betrieb und die Kennzeichnung der Wasserfahrzeuge und schwimmenden Anlagen. Überprüfung der Schiffspapiere und Befähigungsnachweise der Schiffsführer, Mannschaften, Floßführer, Fährführer und Lotsen auf den Wasserfahrzeugen. Bei der Abfertigung einkommender Schiffe in den Seehäfen fungiert die Wasserschutzpolizei auch als Vertreterin der Ausländerbehörde. So werden z. B. für fremdländische Seeleute, die der Visumspflicht unterliegen, örtlich und zeitlich begrenzte Visa ausgestellt, die sogenannten Landgangsausweise. Von zunehmender Bedeutung ist auch die Funktion der Wasserschutzpolizei als Exekutivorgan der Umweltbehörden. Hierzu gehört vor allem die Überwachung der internationalen maritimen Umweltübereinkommen (MARPOL). Dazu unterhalten die einzelnen Wasserschutzpolizeien meist eigene speziell ausgebildete Abteilungen (Gruppen), die insbesondere technisch geschult werden und oft aus technischen Seeberufen (z. B. Maschinisten) rekrutiert werden.

Alle Landespolizeien mit Ausnahme Thüringens unterhalten eine Wasserschutzpolizei, deren örtliche Zuständigkeit sich in der Regel auf die schiffbaren Wasserstraßen, sowie die angrenzenden Ufer-, Schleusen und Hafenanlagen begrenzt. Der Aufgabenbereich der Wasserschutzpolizei der deutschen Küstenländer beinhaltet darüber hinaus regelmäßig das deutsche Küstenmeer bis zur 12 www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 48


Seemeilengrenze. Außerhalb dieses Bereichs ist der Koordinierungsverbund Küstenwache, bestehend aus Bundespolizei, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung und Zoll für wasserschutzpolizeiliche Maßnahmen örtlich zuständig. Für die Koordinierung größerer wasserschutzpolizeilicher Lagen im deutschen Küstenmeer wurde 2002 die WSP-Leitstelle Cuxhaven eingerichtet. Im Hamburger Freihafen wurde 1945 die Wasserschutzpolizeischule gegründet, um in einer gemeinsamen Einrichtung Beamte der Wasserschutzpolizeien aller Bundesländer auszubilden. Die Wasserschutzpolizeien verfügen über See- und Binnenschiffe sowie -Boote. In MecklenburgVorpommern ist die Hubschrauberstaffel der Polizei Teil der WSP.

Boote:

Küstenboot Bremen 2 der Wasserschutzpolizei während der Sail 2005

Boot Hessen 401 der Wasserschutzpolizei während der WM 2006 auf dem Main bei Frankfurt

Hafenboot Bremen 6 der Wasserschutzpolizei während der Sail 2005

Boot Werder der Wasserschutzpolizei

Boot WS 42 der Wasserschutzpolizei im Hamburger Hafen

Boot WSP 11 der Wasserschutzpolizei auf dem Mittellandkanal bei Hannover

Boot Hessen 7 der Wasserschutzpolizei auf dem Main bei Frankfurt

Boot WSP 1 der Wasserschutzpolizei auf dem Rhein bei Düsseldorf

Fahrzeuge

Wagen der Wasserschutzpolizei Berlin (im alten grünen Desgin)

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Kampfmittelräumdienst Der Kampfmittelräumdienst (kurz: KMRD), auch Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) oder Munitionsbergungsdienst (MBD), dient der zivilen Kampfmittelbeseitigung in der Bundesrepublik Deutschland Der Kampfmittelräumdienst ist zuständig für Kampfmittel aller Art (Bomben, Granaten, Munition, Waffen). Schwerpunkt ist dabei die Entschärfung und Entsorgung von Blindgängern – also nicht detonierter Munition – und nicht fachgerecht „entsorgter“ – z. B. vergrabener, versenkter oder unfachmännisch gesprengter – Munition aus dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg sowie von nicht mehr genutzten militärischen Übungsplätzen. Die Organisation des Kampfmittelräumdienstes obliegt den Bundesländern, sie ist – da es sich bei der Abwehr der von Kampfmitteln ausgehenden Gefahren um eine Aufgabe der öffentlichen Sicherheit handelt – üblicherweise im Bereich des Innenministeriums, überwiegend bei der Polizei, in Hamburg bei der Feuerwehr und in Schleswig-Holstein beim Katastrophenschutz angeordnet. Die meisten Bundesländer haben auf der Grundlage ihres Sicherheits- und Ordnungsgesetzes Verordnungen erlassen, die Umgang und Verfahrensweisen in Bezug auf Kampfmittel regeln. Die Kräfte des KMRD sind ausgebildete Feuerwerker und Sprengberechtigte, vielfach von der Bundeswehr in diesen Bereich übernommen, auch Luftbildauswerter und Räumstellenhelfer sind im Einsatz. Die Aufgaben des Kampfmittelräumdienstes bestehen aus: • • •

Aufklärung (Auswertung von Luftbildern, Archivalien, Zeugenaussagen) sowie Untersuchungen vor Ort Flächenräumung (meist von Vertragsfirmen durchzuführen) Beseitigung (Entschärfen, Abtransportieren, Zerlegen und Vernichten)

Es gibt innerhalb der einzelnen Bundesländer immer wieder Überlegungen, den Kampfmittelräumdienst zu privatisieren und nicht mehr als hoheitliche Aufgabe zu betrachten (in Bayern gab es z. B. noch nie einen staatlichen Räumdienst, in Thüringen wurde der damalige MBD in den 1990er Jahren privatisiert). Gleichwohl dürfte auch 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland die Bedeutung der geordneten Kampfmittelbeseitigung eher an Bedeutung gewinnen. So kommt es durch Alterung der nach wie vor gefährlichen Kampfmittel statistisch zu einer Selbstdetonation pro Jahr. Darüber hinaus sind bis in die 70iger Jahre bis zu 1,5 Millionen Tonnen Kriegsmunition allein in Nordsee und Ostsee versenkt worden. In der jüngeren Vergangenheit, auch durch gestiegenes Umweltbewusstsein der Bevölkerung, wird diese als erhebliche Gefahr wahrgenommen. Der Erfassung der Gefahr und der Entwicklung alternativer Beseitigungsmethoden der Kampfmittelentsorgung widmet sich Schleswig-Holstein federführend, als durch maritime Gefahren am stärksten betroffenes Bundesland. Seit dem Jahr 2008 versucht die Landesregierung, unter Beteiligung der übrigen Küstenländer und des Bundes, Lösungsansätze für dieses gesamtgesellschaftliche Problem zu erarbeiten. Den Umfang dieser Arbeiten beschränken die dem www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 50


dortigen Kampfmittelräumdienst des Amtes für Katastrophenschutz zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Küstenwache Eine Küstenwache ist zumeist eine nationale, meist dem jeweiligen Innenministerium unterstehende Behörde oder aber auch ein Zusammenschluss von mehreren Behörden eines Staates zur Sicherung und Kontrolle des Seeverkehrs (Schifffahrtspolizei), zur Rettung in Not- und Katastrophenfällen und zur Prävention und Verfolgung von Straftaten im Küstenmeer und auf der Hohen See, wie z. B. die Überwachung von Fischfangquoten und der Einhaltung anderer Auflagen (Prüfung von Fangnetzmaschengrößen, um den Bestand an kleinen und Jungfischen nicht zu gefährden) oder von Umweltschutzbestimmungen. Auch kann eine nationale Küstenwache Teil der Streitkräfte zur See darstellen, wie z. B. die United States Coast Guard. In der Bundesrepublik Deutschland werden diese Aufgaben von dem 1994 gegründeten Koordinierungsverbund Küstenwache aus mehreren Bundesbehörden und -anstalten (Bundeszollverwaltung/Wasserzoll, Bundespolizei, Wasser- und Schiffahrtsverwaltung, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung) wahrgenommen. Die Küstenwache des Bundes bildet als Koordinierungsverbund von Bundesbehörden die Küstenwache der Bundesrepublik Deutschland. Zu den Aufgaben der Küstenwache gehört der maritime Umweltschutz, die Sicherheit im Schiffsverkehr, der Fischereischutz, die Überwachung der Zollgrenzen (Grenzaufsicht) und der polizeiliche Grenzschutz, wobei es nach dem Seeaufgabengesetz viele übertragene Aufgabenbereiche untereinander gibt. Die beteiligten Behörden stimmen den Einsatzplan der Fahrzeuge ab und steuern über die beiden Küstenwachzentren in Neustadt in Holstein (für die Ostsee) und in Cuxhaven (für die Nordsee) die aktuellen Einsätze. Die Weisungsbefugnisse liegen unabhängig von dieser Organisation weiter bei den entsprechenden Behörden, nämlich der Bundespolizei, dem Wasserzoll (Zollkommissariate), den Wasser- und Schifffahrtsämtern und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Es werden zahlreiche Schiffe und Boote der o. g. Institutionen (u. a. BPOL: sechs Schiffe; Zoll: acht Zollboote und vier Zollkreuzer; WSV: vier hochseegängige Mehrzweckschiffe, BLE: drei Fischereischutzboote und drei Fischereiforschungsschiffe) eingesetzt. Die Fahrzeuge sind optisch einheitlich (Schriftzug „Küstenwache“, die Schwarz-Rot-GoldKennzeichnung am Schiffsrumpf und das Wappen der Küstenwache), allerdings unterscheiden sich die Grundfarben. Die Grundfarbe der Fahrzeuge der Bundespolizei ist Blau, die des Zolls Grün, die der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Schwarz und in der Regel mit weißen Aufbauten und die der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung Schwarz mit grauen Aufbauten und der zusätzlichen Beschriftung „Fischereischutz“.

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Überblick über nationale Küstenwachen: Staat Bezeichnung Belgien „Vlaamse Maritime Rescue and Coordination Center“ in Oostende, SAR Deutschland Koordinierungsverbund Küstenwache, Kooperationsverbund „Küstenwache SchleswigHolstein“ (bis 2005) Großbritannien HM Coast Guard, Royal National Lifeboat Institution, Trinity House Island Landhelgisgæsla Íslands Italien Guardia Costiera Japan Kaijō Ho'an-chō Kanada Canadian Coast Guard Neuseeland The Royal New Zealand Coastguard Niederlande, Kustwacht Niederländische Antillen und Aruba Norwegen Kystvakta/Kystvakten Schweden Kustbevakningen Singapur Singapore Police Coast Guard Türkei Sahil Güvenlik Komutanlığı Vereinigte United States Coast Guard Staaten

Weblinks http://www.mil.be http://www.kuestenwache.wsd-nord.de

http://www.mcga.gov.uk, http://www.rnli.org.uk, http://www.trinityhouse.co.uk http://www.lhg.is http://www.guardiacostiera.it/de http://www.kaiho.mlit.go.jp/e/index_e.htm http://www.ccg-gcc.gc.ca/ http://www.nzcoastguard.org.nz http://www.kustwacht.nl

http://www.mil.no/sjo/kv http://www.kustbevakningen.se http://www.spf.gov.sg/about_spf/pcg2/ http://www.sgk.tsk.mil.tr/ http://www.uscg.mil, http://www.gocoastguard.com

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Bundespolizei Die Bundespolizei (BPOL), früher Bundesgrenzschutz, ist eine Polizei des Bundes in der Bundesrepublik Deutschland und gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministerium des Innern, welches durch seine Abteilung B auch die Rechtsaufsicht über die Behörden der Bundespolizei ausübt. Im Sicherheitssystem des Bundes nimmt die Bundespolizei umfangreiche und vielfältige sonderpolizeiliche Aufgaben wahr, die im Gesetz über die Bundespolizei, aber auch in zahlreichen anderen Rechtsvorschriften, wie z. B. im Aufenthaltsgesetz, im Asylverfahrensgesetz und im Luftsicherheitsgesetz geregelt sind. Sie trug bis zum 30. Juni 2005 die Bezeichnung „Bundesgrenzschutz“. Der Name ergab sich aus der früher ausschließlichen und seit den 1970er Jahren Hauptaufgabe, dem Schutz der Landesgrenzen (gem. Art. 73 Abs. 1 Nr. 5 GG). Die Aufgaben und Befugnisse der Bundespolizei sind im Bundespolizeigesetz (BPolG) geregelt. Gesetzesgrundlage ist das zum 1. Juli 2005 durch Artikel 1 des „Gesetzes zur Umbenennung des Bundesgrenzschutzes in Bundespolizei“ vom 21. Juni 2005 (BGBl. I S. 1818) umbenannte „Bundesgrenzschutzgesetz“ vom 19. Oktober 1994 (BGBl. I S. 2978, 2979). Die Bundespolizei arbeitet in den Aufgabenbereichen der Prävention und Repression sowie im Rahmen der Vollzugshilfe zu Gunsten anderer Behörden. Die Aufgaben der Bundespolizei sind aufgrund des Föderalismus und der Polizeihoheit der Länder auf spezielle Aufgaben begrenzt. Zu den begrenzten Aufgaben der Bundespolizei gehören: • • • •

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Sicherung eigener Einrichtungen, Behörden und Verbände Prävention von Straftaten im Aufgabenbereich der Bundespolizei und Strafverfolgung und Verfolgen von Ordnungswidrigkeiten Schutz privater Rechte, wenn gerichtlicher Schutz nicht gewährleistet ist grenzpolizeilicher Schutz des Bundesgebietes: polizeiliche Überwachung der Grenzen zu Lande, zu Wasser und aus der Luft; polizeiliche Kontrolle des grenzüberschreitenden Verkehrs einschließlich der Überprüfung der Grenzübertrittspapiere und der Berechtigung zum Grenzübertritt sowie der Grenzfahndung; die Abwehr von Gefahren, die die Sicherheit der Grenzen beeinträchtigen, im Grenzgebiet bis zu einer Tiefe von 30 km und von der seewärtigen Begrenzung an bis zu einer Tiefe von 50 km Aufgaben der Bahnpolizei Schutz vor Angriffen auf die Sicherheit des Luftverkehrs Sicherheitsmaßnahmen an Bord von Luftfahrzeugen Schutz von Verfassungsorganen des Bundes und von Bundesministerien Aufgaben auf See polizeiliche Aufgaben im Notstands- und Verteidigungsfall www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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Mitwirkung an polizeilichen Aufgaben im Ausland unter Verantwortung der Vereinten Nationen (UN), der Europäischen Union (EU) oder anderer internationaler Organisationen Unterstützung des Polizeivollzugsdienstes der Polizei beim Deutschen Bundestag Unterstützung des Auswärtigen Amtes zum Schutz deutscher diplomatischer und konsularischer Vertretungen im Ausland (Haussicherungs- und Objektschutzdienst – HOD) Unterstützung des Bundeskriminalamtes (BKA) im Schutz- und Begleitdienst (Personenschutz) Unterstützung des Bundesamtes für Verfassungsschutz auf dem Gebiet der Funktechnik Unterstützung der Deutschen Lufthansa beim Schutz von Auslandsstationen Unterstützung der Polizeien der Bundesländer, insbesondere bei Großeinsätzen Hilfeleistung bei Katastrophen und besonderen Unglücksfällen einschließlich Luftrettungsdienst Verfolgen von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten im Aufgabenbezug

Diese Auflistung ist abschließend. So ist die Bundespolizei z.B. im Sinne des Versammlungsrechtes keine Polizei, so dass sie dortige Aufgaben nicht wahrnehmen darf (vgl. Art. 20 Abs. 3 GG), außer bei Gefahr im Verzug. Ein wichtiges Betätigungsfeld der Bundespolizei ist die Bekämpfung der organisierten oder überörtlich tätigen Kriminalität insbesondere im Deliktsbereich des Schleusungswesens (Verstöße gg. §§ 96, 97 AufenthG) durch die sog. Bundespolizeiinspektionen Kriminalitätsbekämpfung (BPOLI KB). Diese Dienststellen sind unterteilt in eine Führungsgruppe, einen Ermittlungsdienst und eine operative Komponente für größtenteils verdeckte operative Maßnahmen, wie Observationen (insbesondere nach § 163f StPO) oder verdeckte technische Überwachungen (insbesondere nach §§ 100c und 100f StPO). Dieser operative Teil nennt sich Mobile Fahndungseinheit (MFE) und ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Von den neun verschiedenen MFEen, die es bundesweit gibt, operieren die meisten sehr unterschiedlich. Einige ähneln den Mobilen Einsatzkommandos (MEK) der Polizeien der Länder und führen auch Festnahmen grundsätzlich selber durch, andere arbeiten nur im absoluten Ausnahmefall offen und überlassen die eigentlichen Festnahmen uniformierten Polizeibeamten (zum Beispiel den o.g. Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten), um ihre Tarnung bei öffentlich sichtbaren Einsätzen nicht zu gefährden. Die grundsätzlichen Arbeitsweisen der MFEen sind jedoch in einer entsprechenden Rahmenanweisung einheitlich geregelt. Ende 2005 wurde bei der Bundespolizei die neue blaue Polizeiuniform eingeführt. Damit wird die alte moosgrüne-beige Uniform nach und nach abgelöst. Die Umstellung erfolgt sukzessive. Bis Ende 2012 sollen alle Beamten mit der neuen Uniform eingekleidet sein. Bis dahin werden beide Uniformen zu sehen sein.

Fahrzeuge Die Bundespolizei nutzt als Dienstfahrzeuge überwiegend Fahrzeuge der Marke BMW, Ford, Mercedes-Benz, Opel und Volkswagen. Vereinzelt kommen auch Fahrzeuge anderer Hersteller wie zum Beispiel Mitsubishi zum Einsatz. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 54


Streifenwagen sind derzeit BMW 5er, Mercedes-Benz C-Klasse, Mercedes-Benz Vito, Opel Astra, Opel Vectra, VW Golf und VW Passat. Seltener kommen auch Pajero zum Einsatz. Aktuelle Gruppenkraftwagen sind Ford Transit, Mercedes-Benz Sprinter und VW T5. Aktuelle Streifenmotorräder sind BMW R 1150 RT.

Farbgebung Im Zuge der Farbumstellung änderte sich die Farbe der Streifenwagen und Einsatzfahrzeuge von grün-silber bzw. grün-weiß zu blau-silber bzw. blau-weiß. Die ersten blau-silbernen Streifenwagen wurden Anfang 2005 beschafft.

Kennzeichen Die Fahrzeuge der Bundespolizei führen mittlerweile fast alle das neue Kfz-Kennzeichen BP, das früher an die Deutsche Bundespost vergeben wurde. Seit dem 30. April 2006 wird für Neuzulassungen nur noch das Unterscheidungszeichen BP zugeteilt. Mitte Juli 2006 wurden auch den davor beschafften Fahrzeugen neue Kennzeichen zugeteilt. Die Umstellung ist mittlerweile abgeschlossen. Von der Umstellung ausgenommen sind Fahrzeuge, die demnächst ausgesondert werden. Sie behalten das Unterscheidungskennzeichen BG, was für Bundesgrenzschutz steht. Die Kennzeichen sind alle nach dem System BP XX–YYY bzw. BG XX–YYY aufgebaut. XX ist immer eine zweistellige Zahl und steht für die konkrete Fahrzeuggattung: • • • • • • • •

10 bis 12: Motorräder 15 bis 19: Personenkraftwagen 20 bis 24: Geländefähige Personenkraftwagen 25 bis 29: Personenkraftwagen 30 bis 39: Mittlere geländefähige Personenkraftwagen und Lastkraftwagen 40 bis 49: Fahrzeuge auf einem LKW-Fahrgestell und Omnibusse 50 bis 54: geschützte Sonderwagen 55: Anhänger

YYY ist eine beliebige ein-, zwei- oder dreistellige Zahl.

Hubschrauber Die Bundespolizei verwendet verschiedene Hubschrauber des Herstellers Eurocopter. Die EC 120 als Schulungshubschrauber, die zweimotorige EC 135 als Verbindungs- u. Beobachtungshubschrauber sowie als Zivilschutzhubschrauber, die größere EC 155 B und den Großraumhelikopter AS 332 Super Puma.Außerdem besitzen sie noch mehrere Maschinen vom Typ Bell 212

Boote

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Für die Aufgabenwahrnehmung im Bereich Küstenwache werden insgesamt sechs Seefahrzeuge eingesetzt. Diese gehören u. a. zur Bredstedt-Klasse und zur Bad-Bramstedt-Klasse. Die Besatzungsstärke beträgt jeweils 14 Beamte. Die Abschiebepraxis der Bundespolizei wird von Menschenrechts- und Flüchtlingsgruppen wie etwa Pro Asyl seit Jahren kritisiert.[6] In die Schlagzeilen gelangte 1999 der Tod von Aamir Ageeb, der bei einer Abschiebung an Bord eines Lufthansa-Flugzeuges starb. Was die Personalpolitik betrifft, hat die in einem Buch von Roman Grafe beschriebene Karriere des ehemaligen Politoffiziers der DDR Sven Hüber bei der Bundespolizei Anfang Dezember 2006 für ein großes Medienecho gesorgt. Dort ist Hüber heute Erster Polizeihauptkommissar und Vorsitzender des Hauptpersonalrates der Bundespolizei. Hüber versuchte eine Berichterstattung über seine DDRVergangenheit gerichtlich zu untersagen, unterlag jedoch in der zweiten Instanz. Die Dienst- bzw. Amtsbezeichnungen der Bundespolizei – fälschlicherweise umgangssprachlich Dienstgrade genannt – sind in Deutschland die beamtenrechtlichen Bezeichnungen von Ämtern, die ein Polizeivollzugsbeamter innehat. Bei Beamten bis zur Anstellung wird sie Dienstbezeichnung genannt, da ihnen noch kein Amt übertragen wurde. Im uniformierten Dienst sind die Dienst- und Amtsbezeichnungen durch Schulterklappen bzw. Aufschiebeschlaufen aus Stoff sichtbar (in der Regel aber nicht bei Einsatzanzügen). Sie zeigen Sterne, im Vorbereitungsdienst Litzen/Streifen oder bei der Wasserschutzpolizei Litzen/Streifen. Der Untergrund der Schulterklappen ist blau. Sie sind zum Ende spitz zulaufend. Im Bundespolizeiamt - Amt See ist der Untergrund marineblau. Gewöhnlich sind die Sterne übereinander in einer Reihe angeordnet. Bei der Wasserschutzpolizei werden die Abzeichen als Streifen oder Litzen bezeichnet. Sie sind immer goldfarben. Breite Litzen/Streifen sind 12 mm (gehobener Dienst), schmale Litzen/Streifen 8 mm breit (mittlerer Dienst), die Litze/Streifen auf der Schulterklappe des Leitenden Polizeidirektors ist in der Regel 30 mm breit. Bei der deutschen Bundespolizei gibt es die nachfolgend aufgeführten Dienst- und Amtsbezeichnungen für Polizeivollzugsbeamte.

Grenzschutzgruppe 9 www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 56


Die GSG 9 der Bundespolizei (GSG 9 BPOL oder umgangssprachlich nur GSG 9), früher Grenzschutzgruppe 9, ist die Antiterroreinheit der deutschen Bundespolizei (früher Bundesgrenzschutz) mit Standort in Sankt Augustin-Hangelar. Nach der Umbenennung des Bundesgrenzschutzes trägt die GSG 9 ihren Namen weiter, jedoch nur noch in der Abkürzungsform mit dem Zusatz „der Bundespolizei“. Sie wurde am 26. September 1972 aufgrund der Erfahrungen beim Überfall eines palästinensischen Terrorkommandos auf die israelische Olympiamannschaft während der Olympischen Spiele in München gegründet. Die GSG 9 ist auf Antiterrorkampf, Geiselbefreiung und Bombenentschärfung spezialisiert. Die Einheit der Bundespolizei wird heute vornehmlich im Bereich der Schwerstkriminalität eingesetzt, der für Beamte im Streifendienst oft zu gefährlich wäre. Im Jahr 2000 absolvierte die Einheit 26 erfolgreiche Einsätze. Dazu zählen sowohl die der GSG 9 originär zugedachten Einsatzaufgaben als auch Einsätze, bei denen sie andere Sicherheitsbehörden unterstützt hat. Seit ihrer Aufstellung hat die GSG 9 mittlerweile mehr als 1.600 Einsätze durchgeführt. Anders als die Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei, die für ähnliche Aufgaben gebildet wurden und den einzelnen Bundesländern unterstehen, ist die GSG 9 eine Einheit des Bundes und kann mit dem Einverständnis des Einsatzlandes außerhalb der Bundesrepublik eingesetzt werden. Im Gegensatz zur Bundeswehr ist hierfür kein Bundestagsmandat notwendig. Kriegseinsätze können mangels Kombattantenstatus, der dem Bundesgrenzschutz mit einem neuen Bundesgrenzschutzgesetz (BGSG) 1994 entzogen wurde, durch die GSG 9 nicht mehr durchgeführt werden. In Folge dessen wurde das Kommando Spezialkräfte aufgestellt. Rechtsgrundlage für den Einsatz der GSG 9 ist das Bundespolizeigesetz (BPolG) als Teil des Besonderen Verwaltungsrechts. Zur Versetzung in die GSG 9 können sich ausgebildete Polizeivollzugsbeamte der Bundespolizei und der Polizeien der Länder bewerben. Sie werden einem Auswahlverfahren unterzogen. Als erstes gibt es ein dreitägiges Auswahltraining, bei dem Leistungsfähigkeit, Konzentration, Ausdauer, Motorik und der Umgang mit der Waffe getestet werden. In der Regel bestehen 10–15 % der Bewerber und haben dann eine viermonatige Basisausbildung vor sich. Im Anschluss daran folgt eine speziellere Schulung, deren Inhalte sich nach der geplanten taktischen Verwendung des jeweiligen Beamten richtet. Die Ausbildung bei der GSG 9 dauert neuneinhalb Monate und setzt sich aus Auswahlverfahren, Eignungstest, Basisausbildung, Härtewoche, Spezialausbildung und Ausbildungslaufbahnprüfung zusammen. Hat der Aspirant diese erfolgreich durchlaufen, wird er einer der folgenden Einsatzeinheiten zugeteilt: 1. Präzisionsschützen 2. Einsatztaucher in der maritimen Gruppe 3. Fallschirmspringer und Boarding-Spezialist in der Luftlandeeinheit 4. Sprengstoff- und Kampfmittelexperten 5. Beobachtungs- und IT-Techniker in der Dokumentationseinheit Einsätze werden von allen Einheiten durchgeführt. Das Präzisionsschießen, Tauchen und Fallschirmspringen sowie der Observationsdienst sind nur „Zusatzqualifikationen“, falls spezielle Einsatzlagen es erfordern. Die Einsatztaucher der GSG 9 sind regelmäßig in Eckernförde, um dort www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 57


unter anderem mit den Kampfschwimmern der Bundeswehr Erfahrungen bezüglich Ausbildungsverfahren und Ausrüstung auszutauschen. Die Polizeivollzugsbeamten der GSG 9 sind, wie alle Bediensteten im öffentlichen Dienst, zum Schweigen über den Inhalt ihrer Tätigkeit verpflichtet. Ihre Dienstpläne gelten als Verschlusssache. Die Erschwerniszulage für Polizeibeamte der GSG 9 beträgt 400 Euro monatlich (seit dem 1. Januar 2008). Die Motivation von Polizeibeamten, dieser Spezialeinheit anzugehören, dürfte aber nicht im finanziellen, sondern im ideellen Bereich liegen, nämlich dem Eliteverband der Bundespolizei anzugehören. Außerdem ist das Gesamtgehalt größtenteils von der Grundbesoldung und den Zulagen für den Familienstand abhängig. Allen Polizeibeamten wird zusätzlich die Polizeizulage gewährt. Jede Einsatzeinheit bietet weitere Zulagen. Zudem gibt es einen zusätzlichen "Auslandsverwendungszuschlag" und weitere Zulagen. Die GSG 9 hat zusätzlich ein anderes Beförderungssystem als die Bundespolizei. Da es aufgrund der Altersgrenze bei der Einstellung keinen Direkteinstieg in den höheren Dienst gibt, werden die Beamten vom mittleren in den gehobenen und vom gehobenen in den höheren Dienst versetzt. Im Gegensatz zum normalen PVBDienst (4-7 Jahre) werden Beamte der GSG 9 alle 1-2 Jahre befördert. Die GSG 9 übt auch im Ausland aufgrund dort teilweise geeigneterer Trainingsmöglichkeiten.

Ausrüstung • • • • • • • • • • • •

Maschinenpistole Heckler & Koch MP7 Maschinenpistole Heckler & Koch MP5 in zahlreichen Versionen und Konfigurationen Sturmgewehr Heckler & Koch HK416 Sturmgewehr Heckler & Koch G36, G36K und G36C Maschinengewehr Heckler & Koch HK 21 bzw. G8 Scharfschützengewehr PSG-1 Scharfschützengewehr DSR-precision DSR 1 Scharfschützengewehr PGM Précision 338 Sturmgewehr SIG 550 und Modifikationen Sturmgewehr Steyr AUG A3 Pistole Glock 17 Pistole Heckler & Koch HK USP und Modifikationen (Mark 23 und weitere)

Zoll www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 58


Die Bundeszollverwaltung ist neben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, dem Bundeszentralamt für Steuern, dem Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen, dem Zentrum für Informationsverarbeitung und Informationstechnik, dem Bildungs- und Wissenschaftszentrum, dem Bundesausgleichsamt sowie der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein Bestandteil der Bundesfinanzverwaltung und dem Bundesfinanzministerium unterstellt.[2] Sie umfasst sowohl die Vollzugsdienste als auch die fiskalische Verwaltung. Die Aufgaben des Zoll sind, die Bundessteuern zu verwalten, Geldforderungen des Bundes und bundesunmittelbarer Körperschaften zu vollstrecken, die Einhaltung der Verbote und Beschränkungen im grenzüberschreitenden Warenverkehr zu überwachen (Grenzaufsicht) sowie Schwarzarbeit zu verhindern. Die deutsche Bundeszollverwaltung stellt als Teil der Bundesfinanzverwaltung die Einnahmen von Bundessteuern sicher (die sog. besonderen Verbrauchsteuern – Branntweinsteuer, Stromsteuer, Tabaksteuer, Energiesteuer, usw., inklusive der Biersteuer, deren Einnahmen den Ländern zusteht), sowie Einnahmen der Europäischen Union (75 % aller Zölle werden an die EU abgeführt, 25 % verbleiben als Aufwandsentschädigung und gehen an den Bund). Der Zoll ist für die Überwachung sämtlicher Einfuhren, Durchfuhren und Ausfuhren zuständig und überwacht die Einhaltung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens. Zu seinen Kernbereichen zählt die Verhinderung verbotener Im- und Exporte von Waffen, Drogen und anderen gesundheitsschädlichen Substanzen sowie von sonstigen verbotenen Gegenständen.

Vollzugsbehörde Zu den Aufgaben der Vollzugsbereiche der Zollverwaltung gehören die zollrechtliche Überwachung des Warenverkehrs in, durch und aus der EU, grenzpolizeiliche Aufgaben, allgemeinpolizeiliche Aufgaben im Straßenverkehr, Schutz des deutschen Festlandsockels in Nord- und Ostsee (d. h. die Überwachung von unterseeischen Bergbau- und Schürfrechten) sowie die Bekämpfung von Schwarzarbeit und Geldwäsche. Der Wasserzoll bildet zusammen mit anderen Behörden die Küstenwache. Die Vollzugsbereiche der Zollverwaltung arbeiten in vielen Bereichen eng mit den Polizeien der Länder und der Bundespolizei zusammen. Sie sind Strafverfolgungsbehörden und werden auch zur Terrorbekämpfung eingesetzt. Im Vollzugsbereich sind

den Bundesfinanzdirektionen nachgeordnet: die Kontrolleinheit Verkehrswege (KEV, zugehörig einem Hauptzollamt) die Zollkommissariate mit den Grenzaufsichtsstellen (zugehörig einem Hauptzollamt) die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS, zugehörig einem Hauptzollamt) der Wasserzoll (zugehörig einem Zollkommissariat)

dem Zollkriminalamt (Zollfahndungsdienst) nachgeordnet: die Zollfahndungsämter die Observationseinheiten Zoll (OEZ, zugehörig einem Zollfahndungsamt) die Gemeinsame Finanzermittlungsgruppe (GFG, zum Zollfahndungsamt) das Spezialeinsatzkommando Zentrale Unterstützungsgruppe Zoll (ZUZ, direkt beim ZKA angesiedelt)

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die Gemeinsamen Ermittlungsgruppen Arbeit (zur FKS)

Vollstreckungsbehörde Die Bundeszollverwaltung vollstreckt öffentlich-rechtlichen Geldforderungen des Bundes und der bundesunmittelbaren juristischen Personen des öffentlichen Rechts wie z. B. der Bundesagentur für Arbeit, den Berufsgenossenschaften und anderen. Die ausführenden Beamten sind Vollziehungsbeamte und haben genauso wie Gerichtsvollzieher das Recht, Sachen, Grundstücke und Forderungen zu pfänden und später ggf. zu verwerten.

Auktionator Es finden regelmäßig Auktionen bei Hauptzollämtern statt, welche über ein Sachgebiet Vollstreckung verfügen. Dort werden Gegenstände versteigert, die gepfändet oder von Behörden zur Verwertung bestimmt worden sind. Es gibt unter www.zoll-auktion.de ein Internet-Auktionsportal, über das ebenfalls auf solche Waren geboten werden kann. Neben dem Zoll nutzen auch andere Behörden und Verwaltungen dieses Angebot und versteigern mit. Von den Versteigerungen ausgenommen sind beschlagnahmte Waren wie: • •

• •

Zigaretten und andere Tabakwaren, da diese nur in Verkehr gebracht werden können, wenn sie den Bestimmungen nach dem Tabaksteuergesetz entsprechen, Waffen – Sofern diese an Erwerbsberechtigte abgegeben werden dürfen (und nicht z. B. dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegen), erfolgt die Verwertung direkt durch das Beschaffungsamt der Bundeszollverwaltung in Offenbach am Main. Betäubungsmittel (Drogen) und Tiere und Pflanzen; wenn sie in Ihrem Bestand gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht sind, stehen sie unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens. Tote Tiere und Pflanzen werden auf Nachfrage an öffentliche Einrichtungen für Lehr- und Anschauungszwecke überlassen (z. B. an Schulen, Museen, Universitäten); lebende werden an zoologische bzw. botanische Gärten abgegeben.

Hundestaffel Ebenso wie die Polizei setzt die Zollverwaltung Diensthunde als Schutzhunde und Spürhunde im gesamten Aufgabenspektrum ein, um Drogen, Waffen, Sprengstoff, Bargeld, Tabak, Erzeugnisse www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 60


tierischen Ursprungs (ETU) und andere illegale Stoffe oder mit Beschränkungen versehene Waren an Flughäfen, EU-Außengrenzen, in Privatwohnungen, auf Autobahnen und an der Grenze ausfindig zu machen (siehe Schmuggel). Diese werden auch darin ausgebildet, einen Fund stumm und ohne für einen Außenstehenden erkennbare Hinweise, z.B. bei der Zollkontrolle), anzuzeigen (siehe Passivhund). Der Einsatz von Schutzhunden beim Zoll hingegen begrenzt sich auf den Grenzaufsichtsdienst an der Deutsch-Schweizerischen Grenze. Diensthunde des deutschen Zolls werden von Zollhundeführern geführt und bundesweit in den Zollhundeschulen in Bleckede und Neuendettelsau ausgebildet. Für Zollhunde in Deutschland gilt folgende Regelung in Bezug auf die Diensthundrassen: „Zu Schutzdiensthunden beim Zoll dürfen nur Hunde der anerkannten Diensthunderassen Schäferhund, Rottweiler, Riesenschnauzer, Airedale Terrier und Bouvier des Flandres angekauft und ausgebildet werden. Für Rauschgiftspürhunde ist eine bestimmte Hunderasse nicht vorgeschrieben. Allerdings wird überwiegend auf Cocker-Spaniel, Labradors und Hunde der Diensthunderassen zurückgegriffen.“

Bundesamt für Güterverkehr www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 61


Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) ist die für das (gewerbliche) Güter-Verkehrswesen in Deutschland zuständige selbstständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, vgl. § 10 Abs. 1 GüKG (Güterkraftverkehrsgesetz). Das BAG hat seinen Sitz in Köln; derzeitiger Präsident ist Andreas Marquardt. Sein Vertreter (Vizepräsident) ist Robert Maiworm. Geleitet wird das BAG durch einen Präsidenten. Er arbeitet am Hauptsitz Köln. Daneben gibt es noch weitere acht Außenstellen und drei Außenstellen mit Schwerpunktaufgaben. Die Zentrale in Köln gliedert sich in vier Abteilungen und 18 Referate, die sich mit den allgemeingültigen Aufgaben befassen. Die acht Außenstellen in Schwerin, Hannover, Münster, Dresden, Erfurt, Mainz, Stuttgart und München sind für die Arbeit mit den Außenaufgaben verantwortlich. Sie sind in Sachbereiche aufgegliedert. Die drei Außenstellen mit Schwerpunktaufgaben in Kiel, Bremen und Saarbrücken befassen sich ausschließlich mit ordnungsrechtlichen Verfahren. Die Zentrale des BAG arbeitet in folgenden Aufgabenfeldern: • • • • • • •

Rechtsentwicklung Planung, Koordinierung und Steuerung der Straßenkontrollen, der Marktzugangsund Ordnungswidrigkeitsverfahren sowie der zivilen Notfallvorsorge Verkehrsträgerübergreifende Marktbeobachtung Verkehrsfachstatistik Erhebung und Verwaltung der Autobahnbenutzungsgebühr sowie der Konzessionsabgabe der Autobahnnebenbetriebe Genehmigung und Überwachung der Beförderungsentgelte im Fluglinienverkehr Allgemeine zentrale Verwaltungsaufgaben (Organisation, Personal, Haushalt Kassenund Rechnungswesen, Informationstechnik, Innerer Dienst) sowie Disposition und Aufsicht über den Shuttle- und Pendlerverkehr Bonn-Berlin Erhebung und Verwaltung der Lkw-Maut, Kontroll-, Prüfungs- und Überwachungsfunktionen (zum Teil auch Durchführung durch Toll Collect, soweit es sich nicht um hoheitliche Aufgaben handelt)

Dabei sind die Aufgaben allgemeingültig und zweckgebunden für den Betrieb des gesamten Amtes. Die Außenstellen befassen sich vorrangig mit den Aufgaben, die den Kontakt zu den Teilnehmern des Güterverkehrs (Unternehmen, Personal, Verbände, Einrichtungen) und anderen zuständigen Behörden wie den Landesverkehrsämtern beinhalten. Im Wesentlichen sind das: • • • • •

Durchführung von Straßenkontrollen Einleitung von Ordnungswidrigkeitsverfahren Einleitung von Marktzugangsverfahren Durchführung von Betriebskontrollen Allgemeine, dezentrale Verwaltungsaufgaben

Die Schwerpunktstandorte sind ausschließlich mit der Durchführung von ordnungsrechtlichen Verfahren befasst; vorrangig dabei Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen Betroffene aus dem Ausland. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 62


Die Mitwirkung bei der Rechtsentwicklung ist im Wesentlichen die Angleichung bestehenden nationalen und multilateralen Rechts an die Gegebenheiten der alltäglichen Arbeit des BAG sowie die Beurteilung von Neuentwürfen durch das Verkehrsministerium und andere Stellen. Die Straßenkontrollen sind das Hauptaufgabenfeld des BAG. Dadurch sollen die Verkehrssicherheit erhöht und der Umweltschutz sichergestellt werden sowie die Einhaltung der „Marktordnung im Straßengüterverkehr“. Kontrolliert werden die LKW, Busse und deren Fahrer u. a. auf technische Sicherheit, Einhaltung der betreffenden Güterverkehrs-Gesetze (Lenkzeiten, Genehmigungen, ...) sowie allgemein des Verkehrsrechts (Fahrerlaubnis, Fahrtüchtigkeit,…). 2003 wurden 649.148 Kontrollen durchgeführt. Bei 21,5 % der Kontrollen wurden Verstöße festgestellt. Die Arbeit im Bereich Marktzugang besteht im Wesentlichen in Genehmigungsvergabe und Kontrolle, Betriebskontrollen, Zusammenarbeit mit zuständigen (Landes-) Ministerien sowie die internationale Kooperation mit Behörden und Unternehmen. Die Verhängung von Sanktionen besteht im Wesentlichen aus der Ermittlungstätigkeit und der Verhängung von Bußgeldern. 2003 wurden 68.764 Verfahren durchgeführt, bei denen eine Bußgeldsumme von rund 9,15 Millionen € verhängt wurde. Die Marktbeobachtung betrifft die Zusammenarbeit des BAG mit der Privatwirtschaft sowie die Auswertung statistischer Daten, um die Gewährleistung eines geregelten Marktablaufes sicherzustellen. Durch die Marktbeobachtung sollen z. B. Dumping-Aktionen und strukturelle Probleme erkannt und eliminiert werden. Das BAG war bis August 2003 für die Erhebung der bis dahin gültigen Autobahnbenutzungsgebühr (ABBG) durch die Eurovignette verantwortlich. Dabei handelte es sich um eine zeitlich gebundene Gebühr für LKW, nach deren Entrichtung die Benutzung des deutschen Autobahnnetzes für den bezahlten Zeitraum erlaubt war. 2003 wurden durch die Gebühren rund 367 Millionen € eingenommen. Seit Januar 2005 gilt die neue „Streckenbezogene Lkw-Maut“. Verantwortlich für die Eintreibung der Maut-Gebühren ist Toll Collect, ein Unternehmenskonsortium der Deutsche Telekom AG, DaimlerChrysler AG und der französischen Cofiroute S.A.. Der Betreibervertrag wurde im September 2002 unterzeichnet. Im neuen Mautsystem übernimmt das BAG als hoheitlich tätige Behörde einen Teil der Kontrollfunktionen, z.B. ordnungsrechtliche Ahndung von Verstößen gegen die Mautpflicht. Dazu wurde beim BAG die Abteilung Maut eingeführt, die sich um die Kontrolltätigkeiten im Mautsystem sowie die Aufsicht über Toll Collect kümmert sowie Verstöße gegen die Mautbestimmungen ahndet. Für die neuen Funktionen wurden Stellen für 530 Mautkontrolleure eingerichtet. Zur Durchführung wurden 278 Mercedes-Benz Vito beschafft, die über eine mobile Büroeinrichtung verfügen. Der Kontrolldienst wird von Zwei-Personen-Teams durchgeführt. Die Kontrollteams haben dabei die nötige Ausstattung für die Maut-Kontrollen sowie die Verstoßahndung dabei.

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Justiz Justiz ist ein Synonym für Rechtspflege. Rechtspflege im materiellen Sinn ist die Anwendung des Rechts auf den Einzelfall durch den Staat bzw. durch seine Organe (der Rechtspflege) (Behörden). Rechtspflege im formellen Sinn ist der Sammelbegriff für sämtliche von den Gerichten und von weiteren Organen der Rechtspflege wahrgenommenen Aufgaben und Angelegenheiten. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 64


Rechtspflege ist im weiteren Sinne Sorge für einen geordneten Ablauf der Rechtsbeziehungen zwischen den Menschen. Der Begriff der Justiz wird teils synonym mit dem der Rechtspflege gebraucht. Der Begriff wird in einem staatsrechtlichen Sinne als Synonym für die Judikative gebraucht. In einem engeren Sinne beschreibt der Begriff Justiz die ordentliche Gerichtsbarkeit, die Staatsanwaltschaften, die Justizverwaltung, die Strafvollzugsbehörden und die Notariate. n der Hauptsache besteht Rechtspflege in der Tätigkeit der Gerichte aller Gerichtszweige, die dem Schutz und der Durchsetzung von Rechten und der Abwehr und Ahndung von Unrecht dient. Neben der streitentscheidenden Tätigkeit der Gerichte, der Strafrechtspflege und der Vollstreckung von Entscheidungen sind zur Rechtspflege auch Tätigkeiten zu rechnen, die zur freiwilligen Gerichtsbarkeit gehören und der Rechtsvorsorge dienen (Beispiel: Betreuungsrecht). Vorsorgende Rechtspflege ist auch die Tätigkeit der Notare, zu deren Aufgaben die Beurkundung von Rechtsvorgängen und die sonstige Betreuung der Beteiligten, insbesondere durch Anfertigung von Urkundenentwürfen und Beratung, teilweise auch durch Vertretung vor Gericht, gehört (§§ 1, 24 Abs. 1 BNotO). Weitere Organe der Rechtspflege sind die Rechtsanwälte als unabhängige Berater und Vertreter ihrer Mandanten in allen Rechtsangelegenheiten (§§ 1, 3 Abs. 1 BRAO). Sie wirken außergerichtlich beratend, vertragsgestaltend und konfliktvermeidend und vertreten vor Gericht. Die Rechtspflege umfasst folgende staatliche Institutionen: • •

die gesamte Judikative, also die Gerichte aller Gerichtsbarkeiten, Teile der Exekutive o Staatsanwaltschaft, o Rechtspfleger, o Gerichtsvollzieher, o Urkundsbeamten der Geschäftsstelle, o Justizverwaltung durch die Justizministerien, o Amtsnotare in Baden-Württemberg.

Welches Gericht tätig wird, bestimmt sich nach der Zuständigkeit. Welcher Spruchkörper (Einzelrichter, Kammer, Senat) zuständig ist, bestimmt sich nach dem anwendbaren Verfahrensgesetz (zum Beispiel Gerichtsverfassungsgesetz (GVG), Zivilprozessordnung (ZPO)) und nach dem Geschäftsverteilungsplan, der von den Gerichten in eigener Verantwortung erstellt wird. Der Ablauf einer Gerichtsverhandlung ist in verschiedenen Rechtsquellen normiert. Keine Gerichte im Sinne des Gerichtsverfassungsgesetzes sind die sogenannten Seeamtsverhandlungen („Seegerichte“); sie sind behördliche Sachverständigenverfahren der Seeämter. Darüber hinaus werden die staatlich bestellten und privat tätigen Notare der Rechtspflege zugerechnet. In Deutschland werden darüber hinaus die Rechtsanwälte und Patentanwälte berufsrechtlich als „Organe der Rechtspflege“ bezeichnet. Diese „Organformel“ wurde erstmals vom Reichsgericht als Ehrengerichtshof für Rechtsanwälte in einer Entscheidung vom 25. Mai 1883 gebraucht. Inhaltlich bedeutet dies, dass der Anwalt nicht nur seinem Mandanten verpflichtet ist, sondern auch der Rechtsordnung. In Österreich werden Rechtsanwälte dagegen nicht als Organe der www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 65


Rechtspflege angesehen. Sie üben einen freien Beruf aus, in dessen Rahmen sie Klienten sowohl rechtlich beraten als auch vor Gerichten (und anderen Behörden) vertreten.

Rechtsmedizin Die Rechtsmedizin (auch: Gerichtsmedizin, Gerichtliche Medizin, Forensische Medizin) umfasst die Entwicklung, Anwendung und Beurteilung medizinischer und naturwissenschaftlicher Kenntnisse für die Rechtspflege sowie die Vermittlung arztrechtlicher und ethischer Kenntnisse für die Ärzteschaft. Die Aufgaben- und Forschungsbereiche der Rechtsmedizin sind Thanatologie (z. B. Leichenschau bei außergewöhnlichen Todesfällen), forensische Traumatologie, Toxikologie, Drogenforschung und -Diagnostik (Alkohologie), forensische Molekularbiologie (etwa DNA-Untersuchungen), forensische www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 66


Sexualmedizin, Verkehrsmedizin und -psychologie, Glaubhaftigkeitsbeurteilungen aus medizinischer und forensischer Sicht, medizinische Begutachtungskunde, Behandlungsfehlergutachten, Abstammungsgutachten, Versicherungsmedizin (etwa Verletzungsgutachten), Fotografie & Neue Medien (Streifenlichttopometrie), Informationstechnologie & -management. Interdisziplinär gibt es auch in anderen Studiengängen als der Humanmedizin Vorlesungen in Rechtsmedizin, etwa für Zahnmediziner oder Juristen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Rechtsmedizinern und Pathologen. Auch wenn es in Krimis oft „Pathologen“ sind, die gerichtliche Leichenöffnungen durchführen, so ist dies doch falsch. Pathologen führen zwar auch Obduktionen durch, aber nur zur Abklärung der Todesursache von Patienten, die im Krankenhaus verstorben sind, oder wenn eine nicht-natürliche Todesursache vorher ausgeschlossen wurde. Rechtsmediziner hingegen werden im Auftrag der Staatsanwaltschaft tätig. Die rechtsmedizinische Leichenöffnung dient der Klärung • • • •

der Todesursache der Todesart (natürlich oder nicht natürlich) der Identität des Opfers, falls diese nicht geklärt ist des Todeszeitpunktes, was ab einer gewissen Liegezeit nicht mehr genau möglich ist

Wenn im Fernsehen nach einem mutmaßlichen Verbrechen eine Leiche obduziert wird, ist immer ein Rechtsmediziner am Werk, nie ein Pathologe. Der geläufige Irrtum erklärt sich aus einer Fehlübersetzung: Im amerikanischen Sprachgebrauch entspricht der Rechtsmediziner dem forensic pathologist, gängig ist aber auch die Bezeichnung coroner. Wird der Rechtsmediziner im Auftrag einer Ermittlungs- oder Gerichtsbehörde tätig, wird ihm in der Regel die Funktion eines Sachverständigen übertragen. In der Schweiz kann der entsprechende Auftrag namentlich auch von einem Organ der Militärjustiz erteilt werden (Art. 85 ff. MStP).

Die erste systematische Ausarbeitung zur Rechtsmedizin sind die Questiones medico-legales des römischen Arztes Paolo Zacchia (latinisiert: Paulus Zacchias Romanus, 1584-1659). Im Jahr 1532 findet man in der „Peinlichen Halsgerichtsordnung“ (Constitutio Criminalis Carolina) Karls V. Hinweise auf die Zuziehung von Ärzten bei der Entscheidung medizinischer Fragen in der Rechtsprechung. Der Zürcher Stadtrat ließ ab dem 16. Jahrhundert verletzte oder getötete Personen regelmäßig durch die Vorsteher der Gesellschaft der Bader und Chirurgen, die „fünf geschworenen Meister“, besichtigen. Im 19. Jahrhundert legten Ambroise Tardieu, Johann Ludwig Casper und Carl Liman die Fundamente für die moderne Rechtsmedizin als empirisch fundierte Wissenschaft. In Freiburg (Breisgau) war "Medicina legalis" seit der Mitte des 18. Jahrhunderts durch eigene Vorlesungen vertreten. 1804 wurde in Wien die erste Lehrkanzel für „Staatsarzneykunde“ oder für „Gerichtliche Medizin und Medizinische Polizei“ im deutschsprachigen Raum eingerichtet. Miklos Nyiszli wurde gezwungen als Pathologe für die SS zu arbeiten. In Deutschland gibt es 31 universitäre Institute für Rechtsmedizin, vier in Österreich (Gerichtsmedizin) und sechs in der Schweiz.

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Daneben gibt es in Deutschland städtische Institute für Rechtsmedizin, etwa in Bremen, Dortmund und Duisburg, sowie das Brandenburgische Landesinstitut für Rechtsmedizin in Potsdam und das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin Berlin.

Stadtpolizei Die Stadtpolizei ist eine Einrichtung der Stadt, die, je nach Land unterschiedlich ausgeprägt, polizeiliche Aufgaben wahrnimmt. Meist setzt sie Stadtrecht, gelegentlich aber auch übergeordnetes Recht, um. In vielen Ländern liegt die Zuständigkeit für polizeiliche Aufgaben auch bei den Verwaltungen der Städte und Gemeinden, die dann häufig über eigene uniformierte Polizeikräfte verfügen. Diese treten insbesondere dann besonders deutlich in Erscheinung, wenn sie (was die Regel ist) für verkehrs- und ordnungspolizeiliche Belange im Stadt- bzw. Gemeindegebiet zuständig sind.

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In den meisten dieser Länder gibt es landesweit geltende Gesetze und Vorschriften, die den Rahmen der polizeilichen Zuständigkeit der Kommunen regeln und eine gewisse Einheitlichkeit in der Polizeiorganisation gewährleisten. Gerade in Äußerlichkeiten (etwa der Uniformierung) können sich die Polizeien einzelner Gemeinden in ein und demselben Land aber stark unterscheiden. Klassische Beispiele sind die italienische Polizia Municipale, die spanische Policía Local oder die schweizerische Gemeindepolizei. Aber auch in Deutschland gibt es seit neustem Stadt-/Kommunalpolizeien, die der kommunalen Verwaltung einer Gemeinde untergeordnet sind. Auch historisch gab es bundesweit noch in der jüngeren Vergangenheit eigene Polizeikräfte der Gemeindeämter.

In Deutschland wurden alle Stadtpolizeien, die teilweise erst nach 1945 entstanden, in den 1960er und 1970er Jahren verstaatlicht. In Hessen und Nordrhein-Westfalen entwickelte sich in den letzten Jahren eine Diskussion, die Bezeichnung Stadtpolizei wieder einzuführen. Dies geschah vor dem Hintergrund, den Ordnungsämtern zu mehr Autorität zu verhelfen und eine geeignete gemeinsame Bezeichnung für den Außendienst der Behörden einzuführen. Zudem nahmen die kommunalen Ordnungsbehörden immer mehr polizeiliche Aufgaben wahr.

Ordnungsamt Das Ordnungsamt ist Teil der Kommunalverwaltung. Nach dem Muster-Verwaltungsgliederungsplan der KGSt (Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement) ist es mit der Ordnungsnummer 32 dem Bereich Rechts-, Sicherheits- und Ordnungsverwaltung zugegliedert. Das Ordnungsamt nimmt eine Reihe ordnungsbehördlicher Aufgaben wahr. Diese können aber aufgrund der gemeindlichen Organisationshoheit sehr unterschiedlich sein. Viele Städte haben im Ordnungsamt den Vollzugsdienst der Ordnungsbehörde angesiedelt. Uniformen und Fahrzeuge tragen die Aufschrift Ordnungsamt, in Hessen auch Stadtpolizei oder Ordnungspolizei. Die Beamten www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 69


des Ordnungsamtes bzw. der Stadtpolizei sind teilweise bewaffnet und verfügen, je nach Landesrecht unterschiedlich ausgeprägt, über ähnliche Befugnisse wie die Landespolizei.

Jugendamt Das Jugendamt ist eine Organisationseinheit innerhalb der Kommunalverwaltung. Nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) (Sozialgesetzbuch VIII (SGB VIII)) muss jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt ein Jugendamt einrichten (§ 69 Abs. 3 SGB VIII). In NordrheinWestfalen können kreisangehörige Gemeinden ab 20.000 Einwohnern Jugendämter errichten. Für die Förderung und Finanzierung überregionaler Jugendarbeit, Anerkennung von überregionalen Vereinen, Ausgestaltung landesspezifischer Umsetzungen des KJHGs usw. sind auch die Landesjugendämter zuständig, die ebenfalls laut KJHG in jedem Bundesland errichtet wurden. Im Gegensatz zu anderen Behördenteilen (Ämtern) besteht jedes Jugendamt nicht nur aus der Verwaltung, sondern aus dem Jugendhilfeausschuss und der Verwaltung des Jugendamtes ( →Zweigliedrigkeit). Obwohl gerade kommunale Spitzenverbände gegen die Zweigliedrigkeit des Jugendamtes Einfluss zu nehmen suchten, blieb sie im Kinder- und Jugendhilfegesetz bestehen. Die Kommunale Selbstverwaltung führte dazu, dass die Rechtsaufsicht in den meisten Bundesländern über das Innenministerium ausgeübt wird. Eine Fachaufsicht ist nicht vorhanden. Die Dienstaufsicht ist ein wesentliches Element der Verwaltung . Manchmal ist auch der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) ein Teil des Jugendamtes. Dienst- und Fachaufsicht über das Jugendamt hat in den kreisfreien Städten der (Ober-)Bürgermeister, über die Kreisjugendämter der Landrat. Die Jugendämter beziehen ihre gesetzliche Legitimation aus dem allgemein formulierten Auftrag, dass die staatliche Gemeinschaft über die Betätigung der Eltern wacht. Ein konkreterer Aufgabenkatalog ergibt sich aus den allgemeinen Zielen der Jugendhilfe (s . § 1 Abs. 3 SGB VIII). Als öffentlicher Jugendhilfeträger ( →Jugendhilfe) ist das örtliche Jugendamt für die Vergabe von Leistungen im Sinne des 2. Kapitels des Sozialgesetzbuchs (SGB VIII) und für die sogenannten "anderen Aufgaben der Jugendhilfe" (Drittes Kapitel SGB VIII) zuständig.

Allgemeiner Schutzauftrag Der konkretere Schutzauftrag des Jugendamtes ergibt sich aus dem einfachgesetzlichen Auftrag, Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen (§ 1 Abs. 3 Nr. 3 SGB-VIII). Zur Abschätzung des Gefährdungsrisikos siehe (§ 8a SGB-VIII).

Leistungen der Jugendhilfe Leistungen der Jugendhilfe sind u.a. • •

Förderung von Jugendarbeit, (§ 11, § 12, § 13, § 14 SGB-VIII) Förderung der Erziehung in der Familie, (§ 16, § 17, § 18, § 19, § 20, § 21 SGB-VIII) www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und in Tagespflege.

Ebenfalls zu den Leistungen gehören die Hilfen zur Erziehung, die das Jugendamt auf Antrag der Sorgeberechtigten gewährt, sofern die Hilfen geeignet und notwendig sind. Das Jugendamt berät bei der Kindererziehung, bei Adoptionen, bei Unterhaltsstreitigkeiten, bei Sorge- und Umgangsrecht

Andere Aufgaben Unterstützung von Gerichten Das Jugendamt unterstützt das Vormundschaftsgericht und das Familiengericht bei allen Maßnahmen, die das Sorgerecht und das Umgangsrecht für die Person von Kindern und Jugendlichen betreffen. Das Gericht hat in Verfahren, die die Person des Kindes betreffen, das Jugendamt anzuhören (§ 162 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG)). Das Jugendamt ist auf seinen Antrag an dem Verfahren zu beteiligen. Dem Jugendamt sind alle Entscheidungen des Gerichts bekannt zu machen, zu denen es zu hören war. Gegen die Beschlüsse steht dem Jugendamt ein eigenes Beschwerderecht zu. Auch ist eine Beteiligung im Jugendstrafverfahren durch die Jugendgerichtshilfe (JGH), die eine beratende Funktion für die Betroffenen sowie auch für die Gerichte hat, im § 38 Jugendgerichtsgesetz (JGG) vorgeschrieben.

Vormundschaften und Pflegschaften Das Jugendamt kann auch zum Vormund oder Pfleger eines Minderjährigen bestellt werden (Amtsvormundschaft, Amtspflegschaft), ist also gesetzlicher Vertreter des Betreffenden, vgl. §§ 55 ff. SGB-VIII, § 1751, § 1791b, § 1791c BGB. Zur Unterstützung bei der Vaterschaftsfeststellung und der Unterhaltsverpflichtung wird das Jugendamt auf Antrag des sorgeberechtigten Elternteils als Beistand tätig (§§ 1712 ff. BGB). Urkundspersonen des Jugendamtes beurkunden Vaterschaftsanerkennungen, Unterhaltsverpflichtungen und Sorgeerklärungen (§ 59, § 60 SGB-VIII).

Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen - Eingriffe ins Sorgerecht Jugendämter dürfen und müssen unter bestimmten Voraussetzungen eine sogenannte Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen durchführen (§ 42 SGB-VIII). Die wichtigsten Voraussetzungen sind: 1. Das Kind oder der Jugendliche bittet selbst darum, in Obhut genommen zu werden oder 2. eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen erfordert die Inobhutnahme, beispielsweise wenn eine so genannte Gefährdungsmeldung eingereicht wurde. Findet eine Inobhutnahme gegen den Willen der Sorgeberechtigten statt, muss das Jugendamt das Kind an den/die Sorgeberechtigten mit Ablauf des nächsten Tages herausgeben, wenn bis dahin nicht eine Entscheidung des Familiengerichtes herbeigeführt wurde, welche anderes besagt. Das Familiengericht trifft gemäß den § 1666 und § 1666a BGB geeignete Maßnahmen, um die Gefahr abzuwenden, wenn die Eltern nicht Willens oder in der Lage sind, dies selbst zu tun. Maßnahmen, die www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 71


mit einer Trennung des Kindes von der Familie verbunden sind, gelten nur als zulässig, wenn die Gefahr nicht auf andere Weise wirkungsvoll beseitigt werden kann.

Grenzen der Amtsbefugnisse Die ausschließliche Zuständigkeit des Familiengerichts in den im Gesetz genannten Fällen (§ 621 Abs. 1, § 640 ZPO) zieht Grenzen für ein Tätigwerden oder Agieren des Jugendamtes. Die Feststellung des Bestehens oder Nichtbestehens der elterlichen Sorge eines nichtehelichen Vaters zu seinem Kind ist somit, falls zwischen diesen beiden streitig, Sache des Familiengerichts und nicht des Jugendamtes. Durch das im Grundgesetz positivierte Elternrecht ist allen Staatsgewalten, also auch den Mitarbeitern des Jugendamtes, eine zu beachtende Schranke gesetzt. Der Wesensgehalt des Elternrechts (s. auch Erziehungsrecht) darf nicht angetastet werden (s. Art. 19 II GG). In Verfahren nach dem Jugendgerichtsgesetz wirkt in Deutschland in der Regel auch das Jugendamt mit (§ 52 Achtes Buch Sozialgesetzbuch). Hierfür ist häufig ein spezieller Fachdienst zuständig, die Jugendgerichtshilfe (JGH). Als Vertreter der Jugendgerichtshilfe (Jugendgerichtshelfer/-in) wird bezeichnet, wer diese Aufgabe wahrnimmt. Die Vertreter der Jugendgerichtshilfe bringen unter anderem sozialpädagogische Gesichtspunkte in Strafverfahren vor den Jugendgerichten zur Geltung, indem sie (schriftlich und/oder mündlich) über die Beschuldigten berichten. Ebenfalls prüfen sie aber auch, ob Leistungen der Jugendhilfe eingeleitet werden sollten und ob es Alternativen zu einem förmlichen Strafverfahren gibt (Diversion). Sie nehmen Einfluss auf den weiteren Gang des Verfahrens und organisieren und überwachen gerichtlich angeordnete pädagogische Maßnahmen (§ 38 und § 50 Jugendgerichtsgesetz).

Die Jugendgerichtshilfe berät die jungen Straftäter und ihre Familien, nimmt an den Gerichtsverhandlungen teil, macht einen Vorschlag für ein mögliches Urteil und übt die Nachbetreuung aus (z.B. Vermittlung und Überwachung sozialer Arbeitsstunden oder eines Verkehrserziehungskurses, Besuch in der Justizvollzugsanstalt, Durchführung einer Betreuungsweisung oder eines Sozialen Trainingskurses usw.).

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Steuerfahndung Die Steuerfahndungsstellen sind Dienststellen der Landesfinanzbehörden. Aufgabe der Steuerfahndung ist nach § 208 Abgabenordnung (AO) 1. die Erforschung von Steuerstraftaten und Steuerordnungswidrigkeiten, 2. die Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen in den in Nummer 1 bezeichneten Fällen, 3. die Aufdeckung und Ermittlung unbekannter Steuerfälle. Die Beamten der Steuerfahndung haben im Strafverfahren wegen Steuerstraftaten dieselben Rechte und Pflichten wie die Behörden und Beamten des Polizeidienstes nach den Vorschriften der Strafprozessordnung. Sie sind wie diese auch Ermittlungsperson der Staatsanwaltschaft. Sie haben danach das Recht des so genannten ersten Zugriffs sowie das Recht, Hausdurchsuchungen durchzuführen und Gegenstände zu beschlagnahmen. Seit dem 1. September 2004 haben auch Polizeibeamte auf Anordnung der Staatsanwaltschaft das Recht zur Durchsicht der Papiere des von einer Durchsuchung Betroffenen, ein Recht, das ohne Anordnung nur den Beamten der Steuerfahndung zusteht und auch schon früher zustand. Durchsuchungen und Beschlagnahme geschehen in der Regel nur aufgrund richterlicher Anordnung, in seltenen Ausnahmefällen auch bei Gefahr im Verzuge. Da den Beamten der Steuerfahndung auch die Rechte und Pflichten der Beamten www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 73


der Finanzämter im Besteuerungsverfahren zustehen, haben sie quasi eine rechtliche Zwitterstellung. Ihr Aufgabenbereich umfasst sowohl die Ermittlungen steuerstrafrechtlicher Sachverhalte als auch die Feststellung steuerlicher Sachverhalte. Sie haben jedoch nicht Rechte und Pflichten der Polizei, soweit diese im Polizeiaufgabengesetz begründet sind. Bundesweit führten im Jahre 2004 Ermittlungen der Steuerfahndungsstellen zu bestandskräftigen Mehrsteuern i. H. v. 1.613,4 Millionen Euro, zu Freiheitsstrafen i. H. v. 1.624 Jahren und zu Geldstrafen i. H. v. 30,7 Millionen Euro und Geldbußen i. H. v. 3,8 Millionen Euro.

Typische Ermittlungsanlässe der Steuerfahndung Ein auf konkreten Tatsachen beruhender Anfangsverdacht als Voraussetzung für strafprozessuale Maßnahmen liegt bereits dann vor, wenn nach kriminalistischer Erfahrung die Möglichkeit einer verfolgbaren Straftat gegeben ist (BVerfG vom 8. März 2004 - 2 BvR 3/04). Die Hürde ist also nicht allzu hoch, um sich strafrechtlichen Ermittlungen ausgesetzt zu sehen. Die für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Steuerfahndung erforderlichen Informationen stammen häufig aus dem Umfeld des Steuerpflichtigen. Typische, immer wiederkehrende Konstellationen werden hier vorgestellt. (Anonyme) Anzeigen aus dem nahen Umfeld, z. B. des Ex-Ehepartners, von Nachbarn, Arbeitnehmern (insbesondere nach Kündigungen), Kollegen, Geschäftskunden, Familienmitgliedern oder Freunden nach Streitigkeiten. Kontrollmitteilungen: Die Finanzämter notieren sich bei der Prüfung von Steuerfällen Angaben zu Geschäftspartnern und teilen diese den zuständigen Finanzämter zur weiteren Überprüfung mit (sog. Kontrollmitteilungen). Beispiel: Hat der überprüfte Steuerpflichtige Betriebausgaben angesetzt, so muss nach allgemeiner Logik ein anderer die korrespondierende Einnahme angesetzt haben. Dem Finanzamt des Empfängers wird dies mitgeteilt, um die Erfassung der Einnahme zu prüfen. Mitteilungen deutscher Behörden oder Gerichte, z.B. im Rahmen einer Zivilrechtsstreitigkeit wird eine Schwarzgeldabrede bekannt, die das Gericht dann der Finanzbehörde mitteilt. Andere Behörden sind zur Mitteilung des Verdachts von Steuerstraftaten verpflichtet. Auskünfte ausländischer Behörden an die deutschen Finanzbehörden Auch ausländische Finanzbehörden teilen steuerliche Daten zur weiteren Überprüfung an inländische Finanzämter mit. Dies betrifft im Ausland festgestellte steuerrelevante Sachverhalte, z.B. Festgelder in Luxemburg. Das Erteilen von Auskünften stellt zwischenstaatliche Amtshilfe der Finanzbehörden dar. Mitteilungen von Kreditinstituten und Notaren:

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Notare und Kreditinstitute sind verpflichtet, bestimmte Sachverhalte zu melden, so z. B. im Erbfall an die Erbschaftsteuer-Finanzämter, allgemein über vom Notar beurkundete, steuerlich relevante Vorgänge. Rasterung von Bankkonten: Unter bestimmten Voraussetzungen können Daten von Bankkunden durch die Ermittlungebehörden technisch abgeglichen werden. Noch nicht abschließend geklärt ist, inwieweit die Steuerfahndung die Ergebnisse nutzen darf. Eigene Auswertungen der Finanzbehörden: Zeitungen (z.B. Berichte über Jubiläen, Geburtstage, Großveranstaltungen etc.), Internet (z.B. Versteigerungen auf ebay, Autobörsen). Die Finanzverwaltung setzt einen sog. Webcrawler ein, der Internetbörsen, vor allem ebay, systematisch durchforstet. Des Weiteren stellen Finanzämter sog. Vorfeldermittlungen an, bei denen sie wachen Auges Zeitungen und ähnliches auf Auffälligkeiten sichten. Private (zufällige) Entdeckungen des Steuerfahnders: Fehlende Firmenbenennung auf Bauschildern von Großbaustellen, widersprüchliche oder fehlende Beschilderung von Klingelschildern und Briefkasten.

Bundesnachrichtendienst Der Bundesnachrichtendienst (BND) mit Sitz in Pullach bei München sowie in Berlin ist neben dem Bundesamt für Verfassungsschutz und dem Militärischen Abschirmdienst einer der drei deutschen Nachrichtendienste des Bundes und zuständig für die Auslandsaufklärung. Er wird, wie alle deutschen Dienste, vom Parlamentarischen Kontrollgremium überprüft. Erst seit 1990 ist seine Tätigkeit durch ein Gesetz geregelt. Der BND ist eine dem Bundeskanzleramt angegliederte Dienststelle und beschäftigt rund 6000 Mitarbeiter (Stand 2005). Innerhalb des Bundeskanzleramtes ist die Abteilung 6 für den BND zuständig, deren Leiter gleichzeitig Geheimdienstkoordinator ist. Der Jahresetat 2009 betrug 460 Millionen Euro. Der BND ist der Auslandsnachrichtendienst in Deutschland und damit zuständig für die Beschaffung sicherheits- und außenpolitisch relevanter Erkenntnisse aus dem Ausland bzw. über das Ausland (§ 1 Abs. 2 BND-Gesetz). Er darf hierzu nachrichtendienstliche Mittel wie zum Beispiel Observation, Legendierungen und Tarnkennzeichen anwenden. Im Unterschied zu den Auslandsgeheimdiensten einiger anderer Staaten hat der BND nach § 2 des BND-Gesetzes grundsätzlich keine polizeilichen Exekutivbefugnisse, ist also z. B. nicht zur Durchführung von Festnahmen berechtigt. Seit Anfang 2009 ist der BND nicht mehr in acht sondern in die folgenden Abteilungen unterteilt. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 75


Gesamtlage / Führungs- und Informationszentrum (GL) Durch die Abteilung GL fließen alle Informationen des Dienstes. Sie ist für die Koordinierung und Steuerung der Produktionsprozesse des BND zuständig und stellt auch eine Schnittstelle zum Nachrichtenwesen der Bundeswehr dar. Der Beauftragte des BND für besondere Krisenlagen ist dieser Abteilung zugeordnet und koordiniert das Krisenmanagement, zum Beispiel bei einer Gefährdung deutscher Staatsangehöriger im Ausland. GL berichtet der Bundesregierung und Obersten Bundesbehörden.

Unterstützende Fachdienste (UF) UF liefert den produzierenden Abteilungen LA, LB, TE und TW vor allem Grundlageninformationen, wie die folgenden Dienstleistungen: • • •

weltweite topografische und geografische Daten Auswertung von Satelliten- und Luftaufnahmen offene Informationsgewinnung (OSINT) aus Internet, Print und sonstigen Datenquellen und -banken.

Einsatzgebiete / Auslandsbeziehungen (EA) EA steuert und koordiniert die Außenbeziehungen des BND, wobei den sogenannten Residenturen, die Auslandsdienststellen des BND, eine Schlüsselstellung zukommt. EA kooperiert mit inländischen Bundes- und Landesbehörden und hält zum Schutz der Bundeswehr im Ausland engen Kontakt mit selbiger. Die Abteilung ist ebenfalls für die Etablierung von Standards im BND zur Informationsbeschaffung aus menschlichen Quellen (HUMINT) zuständig.

Technische Aufklärung (TA) Die Abteilung gewinnt Informationen mit technischen Mitteln. Sie ist für die Fernmeldeaufklärung (SIGINT) zuständig. Dabei werden Erkenntnisse über das Ausland durch Filterung der internationalen Kommunikationsströme gewonnen. Die Aufklärung wird juristisch kontrolliert.

Regionale Auswertung und Beschaffung A (LA) und Regionale Auswertung und Beschaffung B (LB) LA und LB werten gewonnene Informationen aus allen Regionen der Erde aus und bereiten diese für die Bundesregierung und weitere Adressaten in Form von Berichten und Analysen auf. Der Interessenfokus liegt dabei auf Konflikten in Krisenregionen und der Beobachtung noch stabiler Regionen, um sich abzeichnende Krisen möglichst früh erkennen zu können. LA und LB setzen die Aufklärungsaufträge der Bundesregierung um in sogenannte Beschaffungsaufträge. Die Regionale Auswertung erstellt dazu Lagebilder aus Einzelinformationen und berichtet mündlich und schriftlich der Bundesregierung und Entscheidungsträgern verschiedener Behörden. Sie berücksichtigt dabei folgende Elemente: www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 76


Politik • Militär • Ökonomie • Ökologie • Soziologie • Geschichte. Internationaler Terrorismus und Internationale Organisierte Kriminalität (TE) •

TE ist zuständig für die Aufklärung grenzüberschreitender Gefahren des internationalen Terrorismus und der international organisierten Kriminalität. TE beschafft Informationen über sogenannte asymmetrische Bedrohungen (symmetrische Bedrohungen waren oder sind Gefahren, die bei Kriegen mit herkömmlichen Waffen und klaren Frontlinien bestehen), wertet diese aus und stellt sie der Bundesregierung zur Verfügung. Die Abteilung kooperiert international mit vielen Partnerdiensten, Sicherheitsbehörden und wissenschaftlichen Einrichtungen.

Proliferation, ABC-Waffen, Wehrtechnik (TW) Die Abteilung TW ist für die Beschaffung und Auswertung von allen Information zum Thema Proliferation, also der Weitergabe von atomaren, biologischen und chemischen Waffen, sowie entsprechender Trägertechnologie, sowie für die Beobachtung rüstungstechnischer Entwicklungen zuständig.

Eigensicherung (SI) Die Eigensicherung ist für die Sicherheit und Spionageabwehr zuständig. Beispiele der Aufgaben dieser Abteilung sind:

Schutz von Daten bei Bearbeitung, Speicherung und Übertragung • Materielle Absicherung von Liegenschaften • Sicherheitsberatung • Sicherheitsüberprüfungen von aktiven und zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Technische Unterstützung (TU) •

TU ist zuständig für die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Neuerungen auf den Gebieten der

Datenverarbeitung • Telekommunikation • Büroautomation • Chemie • Physik usw. Technische Entwicklung (TK) •

Die Abteilung Technische Entwicklung entwickelt spezielle technische Systeme für den BND und hält diese instand. Sie beschäftigt sich dabei mit Neuerungen auf den Gebieten der • •

Nachrichtentechnik Informationstechnik und www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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Softwareentwicklung.

Sie erteilt Entwicklungs- und Beschaffungsaufträge auch an die Industrie. Ebenfalls ist sie zuständig für die

Beratung der internen Bedarfsträger • Planung und Projektierung • Beschaffung und Entwicklung • Erprobung und Bewertung • Inbetriebnahme und Weiterentwicklung technischer Systeme. Zentralabteilung (ZY) •

Die Zentralabteilung nimmt alle Personal- und verwaltungsaufgaben wahr, das heißt Aufgaben in den Bereichen:

Organisationsentwicklung • Personalmanagement • Aus- und Fortbildung (in eigener Schule und Fachhochschule) • Finanzwesen • Rechtswesen. Gesamtumzug (UM) •

Das Programm für den Gesamtumzug des BND hat nachfolgende Aufgaben: • • • •

Projekt Chausseestraße Projekt Bayern Projekt Zwischenumzüge Projekt Soziales, Mitarbeiterbetreuung und -information informiert BND-intern seiner Mitarbeiter über den Gesamtumzug.

Die erste für die Amerikaner wichtige Operation der Organisation war die Funkaufklärung der sowjetischen Luftwaffe während der Berliner Luftbrücke. Zwischen 1948 und 1952 unterstützte die Organisation Gehlen eine Gruppierung in Polen (WIN), die sich für einen bewaffneten Umsturz des kommunistischen Regimes einzusetzen schien. 1952 wurde jedoch öffentlich, dass es sich hierbei um eine sowjetische Tarnorganisation handelte, welche mit dem Geld der „Organisation Gehlen“ aufgebaut worden war. Insgesamt hatte die „Organisation Gehlen“ in den frühen 1950er-Jahren zahlreiche Spione in die staatlichen Strukturen der DDR und anderer osteuropäischer Staaten eingeschleust, die aber weitgehend erfolglos agierten. Vor allem in der DDR starteten die gegnerischen Geheimdienste 1953 eine erfolgreiche Spionageabwehr-Kampagne, zahlreiche Agenten wurden enttarnt, verhaftet und verurteilt. Auch den Bau der Berliner Mauer konnte der BND 1961 nicht voraussagen. Darüber hinaus sind laut neueren Ergebnissen der Birthler-Behörde etwa 90% aller damaligen Ost-Quellen des BND von der Stasi geführt worden und damit Doppelagenten gewesen. Anfang der 90er-Jahre kam der BND auch außergeheimdienstlich weltweit in den Ruf, unfähig zu sein, nachdem dieser weder den Fall der Mauer, den Zusammenbruch der Sowjetunion noch die deutsche Wiedervereinigung vorhergesehen bzw. die Vorgänge, die dazu geführt hatten, falsch beurteilt hatte. Insgesamt wurden und werden dem BND häufig Defizite beim Einsatz von Spionen www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 78


und Informanten (Human Intelligence) nachgesagt. Dagegen soll die technische Aufklärung, insbesondere das Abhören des Funkverkehrs in Osteuropa, vergleichsweise effizient gearbeitet haben. Die Aktivitäten des BND unterliegen aber im Allgemeinen der Geheimhaltung; daher ist darüber seit 1956 recht wenig bekannt. So soll – laut Medienberichten – der BND seit 1996 ausländische Agenten im Hamburger Islamisten-Milieu angeworben haben. Dies könnte möglicherweise, so wird gemutmaßt, der eigentliche Hintergrund für die Weigerung ausländischer Geheimdienste befreundeter Staaten gewesen sein, im Hamburger Prozess gegen den marokkanischen Studenten Mounir al Motassadeq, Informationen an den BND bzw. an die bundesdeutschen Gerichte weiterzugeben. Mounir al Motassadeq wurde der Unterstützung der Anschläge in den USA vom „11.9.“ verdächtigt und vom Oberlandesgericht Hamburg zu 15 Jahren Haft verurteilt. In dieser Sache wirkte der BND bei der Aufklärung der saudischen Kontaktpersonen Motassadeqs mit. Ende 2007 erwarb der BND von Heinrich Kieber, einem ehemaligen Mitarbeiter der liechtensteinischen LGT Bank für 5 Mio. € eine DVD mit den Kundendaten von Personen, die Vermögen in Liechtenstein mit dem Ziel der Steuerhinterziehung angelegt hatten. Er leitete sie im Wege der Amtshilfe an die Steuerfahndung Wuppertal weiter, die daraufhin gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Bochum Ermittlungen gegen mehrere hundert Verdächtige einleitete (Steueraffäre in Deutschland 2008). Am 14. Februar 2008 wurde eine Razzia gegen den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG, Klaus Zumwinkel, wegen Verdachtes der Hinterziehung von Steuern in Millionenhöhe durchgeführt, die bereits am folgenden Tag zu Zumwinkels Rücktritt führte. In der Folgezeit erfolgten weitere Durchsuchungen in mehreren deutschen Großstädten. Der BND hat als einziger Auslandsnachrichtendienst Deutschlands die Aufgabe, Informationen zu sammeln und auszuwerten, die zur Gewinnung von Erkenntnissen über das Ausland, die von außenund sicherheitspolitischer Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland sind, notwendig sind (§1 BNDG). Diese Informationen werden der Bundesregierung übermittelt und erstrecken sich auf viele Themenbereiche: Politik, Wirtschaft, Militär, Wissenschaft oder Technik. Zur Beschaffung dieser Informationen stehen dem BND viele Methoden der Nachrichtengewinnung zur Verfügung; ein Großteil stammt allerdings aus dem als „OSINT“ bezeichneten Studium offener Quellen wie Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen oder auch dem Internet. Daneben setzt der BND auch geheimdienstliche Methoden ein, wie die Anwerbung und Führung von Agenten im Ausland (Operative Beschaffung) oder die funkelektronische Aufklärung (Technische Beschaffung). Dies geschieht auf vielen Ebenen, dazu gehört die Telefonüberwachung ebenso wie geheime Bild- und Tonaufzeichnungen oder die Internetüberwachung. Die gewonnenen Informationen werden im BND analysiert und ausgewertet, um Lagebilder und Berichte zu erstellen, die für Entscheidungen der Bundesregierung von Bedeutung sind. In zunehmenden Maß versteht der BND dabei seine Aufgabe als Politikberatung. Neben den Kernaufgaben der Auslandsaufklärung übernimmt der BND, auf politische Vorgabe hin, zunehmend auch Aufgaben in der Beobachtung der international operierenden Organisierten Kriminalität, insbesondere auf den Gebieten Waffen- und Technologietransfers (Proliferation), Geldwäsche, Menschenhandel und Rauschgiftschmuggel. Gerade in jüngerer Zeit ist zudem die Aufklärung des internationalen Terrorismus noch bedeutsamer geworden. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 79


Seit ca. Januar 2007 verhandelte ein ca. 50-jähriger BND-Agent mit den Tarnnamen „Gerhard Konrad“, „Gerhard Conrad“ oder auch „Gerhard C.“ über einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah. Am 16. Juli 2008 wurden am Grenzübergang in der Stadt Rosch haNikra zwischen Israel und dem Libanon die Leichen der beiden israelischen Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser gegen fünf lebende Hizbullah-Kämpfer wie z. B. den Terroristen Samir Kuntar und 199 tote Hisbollahangehörige ausgetauscht. „Gerhard C.“ der fließend Arabisch, Französisch und Englisch spricht, war jahrelang BND-Resident in Syrien, Beirut und Jerusalem. Dienstjet Der BND besitzt ein eigenes Strahlflugzeug, das hauptsächlich der Präsident des BND nutzt. Mit ihm wurden im Frühjahr 2006 zwei deutsche Geiseln aus dem Irak nach Deutschland transportiert. Der Jet ist vom Typ Falcon 900EX, Zulassungsjahr 2003 und besitzt die offizielle Kennung D-AZEM. Der Jet gehört offiziell der Firma „Zeman Flugtechnik und Logistik München GmbH“ (Handelsregister: München HRB 148243), wahrscheinlich ein weiteres Tarnunternehmen des BND. Die Flugbewegungen des Jets sind durch Planespotter-Datenbanken im Internet abrufbar. Kfz-Versteigerungen Der BND versteigert nicht mehr genutzte Kfz im Internet. Modelle sind hauptsächlich MercedesBenz-Limousinen mit Kennzeichen aus München in den 14xxx, 15xxx und 16xxx Bereichen. Der BND versteigert die Kfz auf der Zoll-Auktionsseite unter der Tarnung „Bundesvermögensverwaltung, Abt. Sondervermögen – Referat Kraftfahrwesen“ oder „Technischer Dienst der Bundesfinanzverwaltung Abt. Kraftfahrwesen“. Als Kontaktadresse ist eine bekannte BND-Adresse in München (HeleneWeber-Allee) verzeichnet. Personalvertretung Die Außenstellen des BND sowie die Zentrale verfügen über Personalvertretungen nach dem Bundespersonalvertretungsgesetz, wobei der Personalrat der Zentrale als Stufenvertretung für die Personalräte der Außenstellen fungiert. Außerdem sind Gewerkschaften sowie Interessenvertretungen der Bundesbeamten im BND vertreten. Kochbuch Im Jahre 2002 gab der BND unter dem Motto „Speisen, Spannung und Spione“ ein internationales Kochbuch mit dem Titel TOP F Secret: Die „Geheimrezepte“ des Bundesnachrichtendienstes heraus, das neben Rezepten auch landeskundliche Informationen und, laut Verlagsmitteilung, „amüsante Geschichten mit geheimdienstlichem Hintergrund“ enthält. Missbrauch von Befugnissen Im September 2007 wurde bekannt, dass ein Mitarbeiter des BND seine Überwachungsbefugnisse privat ausgenutzt haben soll, um den E-Mail-Verkehr des Liebhabers seiner Frau auszuspionieren.

Bundeswehr www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 80


Der Begriff Bundeswehr bezeichnet die Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland und die zivile Bundeswehrverwaltung. An ihrer Spitze steht der Bundesminister der Verteidigung als Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt im Frieden. Im Verteidigungsfall geht die Befehls- und Kommandogewalt auf den Bundeskanzler über (Art. 115b GG). Oberster Soldat der Bundeswehr ist der Generalinspekteur der Bundeswehr, der den Dienstgrad General oder Admiral trägt, jedoch nicht militärischer Oberbefehlshaber der Bundeswehr ist. Einen solchen kennt die Kommandostruktur der Bundeswehr nicht. Die Verantwortung für die personelle und materielle Einsatzbereitschaft ihrer Bereiche haben die Inspekteure der Teilstreitkräfte (Heer, Luftwaffe, Marine) und der militärischen Organisationsbereiche (Streitkräftebasis, Zentraler Sanitätsdienst). Die Bundeswehrverwaltung besteht aus der Territorialen Wehrverwaltung und dem Rüstungsbereich. Gemäß Art. 87b GG als eigenständige Bundesverwaltung und eigenem, von der Truppe unabhängigen, Unterbau, dient sie den Aufgaben des Personalwesens und der unmittelbaren Deckung des Rüstungs- und sonstigen Sachbedarfes der Streitkräfte nach den Haushaltsgesetzen des Bundes. Das Hoheitszeichen der Bundeswehr ist das stilisierte Eiserne Kreuz. Die Bundeswehr hat gemäß Art. 87a Abs. 1 Satz 1 GG den Auftrag, Deutschland zu verteidigen („Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf.“), d. h. Deutschland und seine Staatsbürger gegen Angriffe, äußere Gefahren und politische Erpressung zu schützen. Während des Ost-West-Konflikts war die Abwehr eines Angriffs aus dem Osten Hauptaufgabe der Bundeswehr. Seit 1990 hat sich das Aufgabenspektrum verschoben und Auslandseinsätze sind in den Vordergrund getreten. Die Verteidigung der Bundesrepublik erfolgt nach den Worten des ehemaligen Verteidigungsministers Peter Struck „nicht mehr nur in Hindelang, sondern auch am Hindukusch“. Gemäß dem Weißbuch 2006 hat die Bundeswehr den Auftrag, • • • • •

die außenpolitische Handlungsfähigkeit zu sichern, einen Beitrag zur Stabilität im europäischen und globalen Rahmen zu leisten, die nationale Sicherheit und Verteidigung zu gewährleisten, zur Verteidigung der Verbündeten beizutragen und die multinationale Zusammenarbeit und Integration zu fördern.

Als Aufgaben sind in der Konzeption der Bundeswehr festgelegt: • • • • • •

Internationale Konfliktverhütung und Krisenbewältigung, einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus, Unterstützung von Bündnispartnern, Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger, Rettung und Evakuierung, Partnerschaft und Kooperation, Hilfeleistungen (Amtshilfe, Naturkatastrophen, besonders schwere Unglücksfälle).

Nach Art. 24 GG kann sich der Bund zur Wahrung des Friedens einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit einordnen und hierbei in die Beschränkungen seiner Hoheitsrechte einwilligen, www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 81


um eine friedliche und dauerhafte Ordnung in Europa und zwischen den Völkern der Welt herbeizuführen und zu sichern. Die Bundesrepublik Deutschland ist am 9. Mai 1955 der NATO beigetreten. Ihre Streitkräfte waren während des Ost-West-Konflikts fest in die Gliederung der NATO eingebunden. Nach 1990 ist diese feste Bindung zwischen Teilen der nationalen Streitkräfte der Verbündeten und bestimmten Gliederungselementen der NATO-Kommandostruktur aufgehoben worden. Gleichwohl bleiben die deutschen Streitkräfte in den Streitkräfteplanungsprozess der NATO eingebunden. Die Anzeige von Kräften an die NATO ist eine Selbstbindung, die NATO kann die Nationen nicht zwingen, bestimmte Kräfte zu unterhalten. Als Beitrag zur NATO Response Force ist die Bundeswehr darauf eingestellt, jederzeit bis zu 5.000 Soldaten in hoher Bereitschaft zu halten. Mit dem Bündnisfall regelt der NATO-Vertrag im Artikel 5 in Verbindung mit Art. 115a GG eine weitere Einsatzmöglichkeit der Bundeswehr. Die Bundeswehr kann auch eingesetzt werden, wenn ein NATO-Bündnispartner angegriffen wird. Der Bündnisfall wurde seit seiner Festlegung erstmals nach dem 11. September 2001 erklärt. Als Folge der seit 1990 veränderten Sicherheitslage wird die Bundeswehr auch zu friedenserhaltenden und -sichernden Maßnahmen außerhalb der Bundesrepublik Deutschland eingesetzt. Bereits unmittelbar nach der Wiedervereinigung begann eine heftige Debatte über den Einsatz der Bundeswehr außerhalb des NATO-Vertragsgebiets (out-of-area-Debatte). Die ersten derartigen Einsätze waren 1991 die Operation Südflanke, eine Minenräumaktion der Marine nach dem 2. Golfkrieg im Persischen Golf, und 1993 die Entsendung eines Feldlazaretts nach Phnom Penh im Rahmen einer UN-Mission. Es folgten Einsätze in der Adria (SHARP GUARD 1992–1996), in Somalia und auf dem Balkan im Rahmen der Einsätze IFOR und SFOR. Die verfassungsrechtliche Zulässigkeit der Einsätze nach Maßgabe des Art. 24 Abs. 2 GG (also innerhalb von NATO- oder UN-Mandaten) hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 12. Juli 1994 geklärt. Darüber hinaus enthält dieses Urteil die Grundlegung für den Parlamentsvorbehalt für den Einsatz bewaffneter deutscher Streitkräfte im Ausland. Im Schrifttum ist umstritten, ob dieser Vorbehalt durch das Urteil nur explizit klargestellt oder in extensiver Auslegung der Verfassung erst durch das Gericht "eingeführt" wurde. Wichtigste laufende Einsätze sind:

1999 unter NATO-Kommando: KFOR (Kosovo Force), derzeit noch rund 1.500 deutsche Soldaten bei einer zulässigen Mandatsobergrenze von 3500 (vormals 8.500). • seit 2001 Operation ACTIVE ENDEAVOUR im Mittelmeer zum Schutz des Seeverkehrs gegen terroristische Bedrohungen, deutsche Fregatten, U-Boote und Schnellboote. •

Seit Januar 2002 unter US-Kommando: Operation Enduring Freedom als Teil des Kampfes gegen den Terrorismus. Zunächst Marinepräsenz am Horn von Afrika und Spezialkräfte in Afghanistan. Derzeit nur Marineeinsatz (Beteiligung OEF und OAE: 800 Soldaten).

Beteiligung Deutschlands an UN-Missionen im Oktober 2008 UN-Mission

Soldaten Militärbeobachter Polizisten

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UNAMA (Afghanistan)

-

1

-

UNAMID (Darfur, Sudan) 1

-

6

-

-

UNMEE (Äthiopien, Eritrea) -

1

-

UNMIK (Kosovo)

-

-

146

UNMIL (Liberia)

-

-

5

UNMIS (Sudan)

5

33

5

UNOMIG (Georgien)

-

12

4

UNIFIL (Libanon)

240

seit Januar 2002 ISAF-Einsatz in Afghanistan zur Friedenssicherung unter NATOKommando; derzeit etwa 4.100 deutsche Soldaten (Mandatsobergrenze: 5350 Soldaten statt bisher 4500. Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe handelt es sich um einen nichtinternationalen bewaffneten Konflikt. seit Dezember 2004 unter EU-Kommando: EUFOR (European Union Force in Bosnia and Herzegovina - Operation Althea), Derzeit etwa 120 Deutsche Soldaten (bis 2.400 Deutsche Soldaten als Mandatsobergrenze möglich). seit April 2005 UNMIS (United Nations Mission in Sudan) - Entsendung von bis zu 75 unbewaffneten Militärbeobachtern in den Süden und Osten des Sudans zur Überwachung des Friedensabkommens. seit September 2006 - Seeraumüberwachung vor der Küste des Libanons im Rahmen von UNIFIL II mit Fregatten, Schnellbooten und Hilfsschiffen unter deutscher Führung. Einschließlich Landkomponenten zur Versorgung und zur Unterstützung der libanesischen Kräfte ca. 460 Soldaten entsandt (Mandatsobergrenze 2.400). seit Dezember 2008: Beteiligung an EU NAVFOR Somalia (Operation Atalanta) zum Schutz von Schiffen, die im Rahmen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen Hilfslieferungen nach Somalia transportieren (Mandatsobergrenze: 1.400 Soldaten).

Bei Auslandseinsätzen kamen seit 1990 insgesamt 81 Soldaten ums Leben (Stand: 24. Juli 2009). Insgesamt starben seit ihrer Gründung etwa 2600 Angehörige der Bundeswehr in Erfüllung ihrer Pflicht. Nach langer Diskussion wurde am 27. November 2008 schließlich der Grundstein zum Ehrenmal der Bundeswehr auf dem Gelände des Verteidigungsministeriums in Berlin gelegt. Die Einweihung erfolgte am 9.September 2009. Das Grundgesetz sieht den Einsatz der Bundeswehr vorrangig zur Außenverteidigung der Bundesrepublik Deutschland vor. Für alle anderen Einsatzformen, also auch die Verwendung der Bundeswehr auf oder über deutschem Staatsgebiet, sind die Behörden nach Art. 87a II GG an grundgesetzliche Regelungen gebunden. Sind die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt, kann die Bundeswehr unterstützende Funktionen in Bezug auf bereits laufende polizeiliche Sicherheitsmaßnahmen erfüllen. Hierfür gibt es folgende zwei Möglichkeiten. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 83


Im Rahmen der Amtshilfe und Organleihe ist es nach Art. 35 II 2 GG zulässig, dass ein Land "Kräfte und Einrichtungen" der Streitkräfte "zur Hilfe bei einer Naturkatastrophe oder bei einem besonders schweren Unglücksfall" anfordert. Dabei kann nach aktueller Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts der Begriff "Unglücksfall" nach Sinn und Zweck des Bundeswehreinsatzes, nämlich dem wirksamen Katastrophenschutz, weit ausgelegt werden. Eine weitere Einsatzmöglichkeit der Bundeswehr im Innern ergibt sich gemäß Art. 87a IV GG in Verbindung mit Art. 91 II GG aus der Gefährdung des Bestands der Bundesrepublik in der Form, wie ihn das Grundgesetz vorsieht. Dies umfasst zum einen eine Bedrohung der Existenz des Bundes oder eines Landes oder aber auch der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. In jedem Fall müssen die Bestimmungen des Artikels 91 II GG erfüllt sein, nach dem das bedrohte Land entweder nicht fähig oder nicht willens sein darf, damit ein Streitkräfteeinsatz im Innern verfassungskonform ist.

Während von 2001 bis 2006 weltweit die Militärausgaben um 30 Prozent stiegen, sank der Verteidigungsetat der Bundeswehr in dieser Zeit um neun Prozent. Seither wurde der Etat wieder nominell erhöht. Der derzeitige Finanzplan sieht für 2009 einen Etat von 31,1 Mrd. Euro vor, womit die Ausgaben für die Bundeswehr seit 2006 um 3,23 Mrd. oder 11,59 % gestiegen sind. Dabei geht es unter anderem darum, die Streitkräfte für die Auslandseinsätze auszustatten. Zu diesem Zweck wurden bestehende Waffensysteme angepasst und neuartige Systeme beschafft. Weitere Kosten entstehen für Besoldungserhöhungen der Wehrpflichtigen und für die Renovierung der vernachlässigten Kasernen in Westdeutschland. Wegen der unterschiedlichen Anforderungen in verschiedenen Einsätzen, der Kategorisierung der Streitkräfte in Eingreif-, Stabilisierungs- und Unterstützungskräfte und auf Grund des schnellen technischen Fortschritts ist die Ausrüstung heute weniger homogen als in der Vergangenheit. Die Umstellung des Auftrags von reiner Landesverteidigung auf Auslandseinsätze hat eine Debatte um die Beschaffungspolitik des Bundesverteidigungsministeriums ausgelöst, wie sie auch in anderen westlichen Ländern − vor allem in den Vereinigten Staaten – entstanden ist. Vor allem ein zu geringes Budget und der Zukauf von Ausrüstung, die nur in symmetrischen Auseinandersetzungen zur Anwendung komme, werden vonseiten der Publizistik bemängelt. Die bedeutendsten Ausrüstungsprogramme der Bundeswehr, die bis ins Jahr 2015 und darüber hinaus laufen werden, beinhalten die Beschaffung von: • • • • • • • • •

180 Eurofightern 60 A400M-Transportflugzeugen 80 Eurocopter Tiger-Kampfhubschraubern 134 NH90-Transporthubschraubern unbemannten Luftfahrzeugen der MALE (Medium Altitude Long Endurance)-Klasse 5 Systemen des unbemannten Luftfahrzeugs vom Typ Eurohawk (High Altitude Long Endurance - HALE) 410 Schützenpanzern Puma 272 GTK Boxer-Radpanzern 4 F125-Fregatten www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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12 MEADS-Feuereinheiten (je 6 12fach-Werferfahrzeuge, also insgesamt 72 Werferfahrzeuge mit 864 Flugkörpern)

Die neu beschafften Systeme werden die derzeit aktiven nicht in gleicher Zahl ersetzen; so werden beispielsweise die 520 Schützenpanzer Marder durch nur 410 Schützenpanzer Puma ersetzt werden. Dies ist möglich, weil zum einen die neu zulaufenden Systeme bedeutend leistungsfähiger sind als die alten, und zum anderen die ursprünglich an Bedürfnisse des Kalten Krieges angepassten Stückzahlen nicht mehr benötigt werden. Die Bundeswehr verfügt mit Stand 2008 über folgende Ausrüstungen: • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • •

393 Kampfpanzer 521 Schützenpanzer 271 Spähpanzer 85 Flugabwehrraketenpanzer 1.558 Transportpanzer 218 Bergepanzer 42 Brückenlegepanzer 83 Pionierpanzer 153 Panzerhaubitzen 60 Raketenwerfer 29 Flugabwehrraketensysteme 1.149 Führungs-/ Funktions- und Transportfahrzeuge (teilweise für Auslandseinsätze) 283 strahlgetriebene Kampfflugzeuge 460 Hubschrauber 101 Transportflugzeuge 8 Seeaufklärer 15 Fregatten 10 Unterseeboote 10 Schnellboote 5 Korvetten 20 Minenabwehrfahrzeuge

Einzelheiten finden sich hier: • • • • •

Liste der Handwaffen der Bundeswehr Liste von Kettenfahrzeugen der Bundeswehr Liste von Luftfahrzeugen der Bundeswehr Liste von Radfahrzeugen der Bundeswehr Liste der Schiffe der Bundeswehr

Für die Soldaten der Bundeswehr gibt es eine große Zahl unterschiedlicher Uniformen. Neben den Dienstanzügen der Teilstreitkräfte gibt es verschiedenartige Arbeits- und Gefechtsanzüge und Sonderbekleidung für bestimmte klimatische Verhältnisse wie zum Beispiel Kälteschutzbekleidung. Die Bestimmungen für die Uniformen der Bundeswehr sind ausführlich in der ZDv 37/10 "Anzugordnung für die Soldaten der Bundeswehr" festgelegt.

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Heute befinden sich in Deutschland schätzungsweise 20 Atomwaffen in speziellen Bunkern auf dem Luftwaffen-Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz. In früheren Jahren, zu Zeiten des Kalten Krieges, gab es noch weitere entsprechende Sonderwaffen-Depots in Bundeswehr-Kasernen. Die ca. 130 Kernwaffen auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein wurden nach Expertenmeinungen im Jahr 2005 geräumt. Die Luftwaffe trainiert heute nur noch in Büchel im Rahmen der Nuklearen Teilhabe den Einsatz von Kernwaffen durch Jagdbomber vom Typ Tornado, wobei allerdings lediglich mit Attrappen geübt wird. Die Kernwaffen unterstehen den amerikanischen Streitkräften und müssen im Kriegsfall erst durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten freigegeben werden, Deutschland hat keine Verfügungsgewalt über diese Waffen.

Heer Das Heer ist neben Marine und Luftwaffe eine der drei Teilstreitkräfte der Bundeswehr. Mit einem Umfang von rund 92.000 Soldaten im Frieden ist das Heer die größte Teilstreitkraft. In allen militärischen Organisationsbereichen dienen etwa 160.000 Soldaten in Heeresunifom. Die ersten Truppen des Heeres wurden am 12. November 1955 ausgehoben. Das Heer sieht sich ausdrücklich nicht in der Tradition der Wehrmacht. Im Kalten Krieg war die Hauptaufgabe der www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 86


Bundeswehr die Landesverteidigung. An Kampfhandlungen war das Heer jedoch in dieser Zeit nicht beteiligt. Mit der Auflösung des Kommandos Territoriale Verteidigung 1969 wurde die Territoriale Verteidigung in das Heer eingegliedert und dieses organisatorisch in „Feldheer“ (der NATO unterstellt) und „Territorialheer“ (unter deutschem Kommando) unterteilt. Nach Beitritt der im Wiedervereinigungsprozess neu gegründeten Länder der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik sowie Gesamtberlins zur Bundesrepublik Deutschland wurden Teile der Landstreitkräfte der Nationalen Volksarmee in das Heer integriert. Das Feldheer wuchs dadurch auf 42 Kampfbrigaden und auf 360.000 aktive Soldaten auf und erreichte damit seine historische Maximalgröße. Die Truppenteile des Territorialheeres wurden im Rahmen der Umgliederung zur „von Grund auf erneuerten Bundeswehr“ 2001 aufgelöst, verbliebene nationale Strukturen und Aufgaben in den neu geschaffenen Organisationsbereich Streitkräftebasis eingegliedert. Die truppendienstliche Führung des Heeres obliegt dem Inspekteur des Heeres Werner Freers. Zum Aufgabenspektrum treten neben dem grundsätzlichen Auftrag der Landesverteidigung zunehmend internationale Kriseninterventions- und Stabilisierungsoperationen. Heerestruppen sind dazu im Rahmen multinationaler Einsätze wie KFOR, EUFOR und ISAF auch in Ländern außerhalb Deutschlands disloziert. Das Heer begegnet dieser Entwicklung mit einem umfassenden Transformationsprozess. Im Rahmen von NATO und der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU sind Truppen des Heeres in multinationale Stäbe und Verbände integriert. Als Teilstreitkraft der Bundeswehr ist der Auftrag des Heeres grundsätzlich deckungsgleich mit dem Auftrag und den Aufgaben der Bundeswehr, wie sie vom Generalinspekteur der Bundeswehr und dem Bundesminister der Verteidigung erarbeitet bzw. verantwortet werden. Maßgebliche Veröffentlichungen dazu sind die Verteidigungspolitischen Richtlinien Stand 2003 und das Weißbuch Stand 2006. Das Heer hat sich nach dem Ende des Kalten Krieges von einer reinen Landstreitkraft zur Landesverteidigung zu einem Heer mit erweitertem Aufgabenspektrum gewandelt. In den Verteidigungspolitischen Richtlinien werden folgende Aufgaben für die Bundeswehr definiert: • • • • • •

Internationale Konfliktverhütung und Krisenbewältigung, einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus, Unterstützung von Bündnispartnern, Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger, Rettung und Evakuierung, Partnerschaft und Kooperation, Hilfeleistungen (Amtshilfe, Naturkatastrophen, besonders schwere Unglücksfälle).

Luftwaffe Die Luftwaffe ist neben Heer und Marine eine Teilstreitkraft der Bundeswehr. Die Luftwaffe bringt die besonderen Fähigkeiten von Luftstreitkräften zur Erfüllung des Auftrags der Bundeswehr ein. In diesem Rahmen ist sie zuständig für die Überwachung und den Schutz des Luftraums über Deutschland. Dazu werden bereits im Frieden durch die Jagd- und Einsatzführungsverbände www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 87


lufthoheitliche Aufgaben wahrgenommen. Sie hält Kräfte bereit, die in Konflikten und Kriegen zur Kampf- und Einsatzunterstützung militärischer Operationen von Heer und Marine und zur Bekämpfung strategisch bedeutender Ziele aus der Luft eingesetzt werden können. Insbesondere die Lufttransportverbände tragen zu humanitären Hilfeleistungen und Friedensmissionen der Vereinten Nationen und zu nationalen Such-, Rettungs- und Evakuierungseinsätzen bei. Die Luftwaffe lässt sich analog zu den Truppengattungen beim Heer grob in die folgenden Dienstbereiche untergliedern: •

Flugabwehrraketendienst: Die drei Flugabwehrraketengeschwader mit dem Waffensystem PATRIOT, gegliedert in jeweils zwei typenreine Gruppen, sind in der Lage zugewiesene Lufträume gegen Flugzeuge, Hubschrauber und unbemannte Luftfahrzeuge in allen Höhenbändern zu schützen. Durch die derzeitigen Umrüstungsmaßnahmen wird deren Fähigkeit verbessert, taktisch-ballistische Raketen zu bekämpfen. Fliegerischer Dienst: Die Geschwader des Fliegerischen Dienstes unterteilen sich in die Kampf- und die Lufttransportverbände. o Drei Lufttransportgeschwader stellen mit der Transall C-160 und der Bell UH1D die Versorgung von Verbänden in praktisch allen Einsatzgebieten sicher, in denen sich Kräfte der Bundeswehr befinden. Durch die Hubschrauber wird zudem zum Such- und Rettungsdienst in Deutschland beigetragen. Eine Komponente zur bewaffneten Suche und Rettung (CSAR) befindet sich im Aufbau. o Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung leistet neben dem parlamentarischen Flugbetrieb einen wichtigen Beitrag für alle Einsätze deutscher und verbündeter Streitkräfte durch den schnellen Rücktransport von verwundetem Personal (Strategic Air Medical Evacuation) im Zusammenarbeit mit dem Sanitätsdienst. Durch Umrüstung der Airbus A310 zum Tankflugzeug steht der Luftwaffe zudem eine Engpassressource zur Verfügung. o Mit den beiden Jagdgeschwadern 71 und 74 wird in Zusammenarbeit mit dem Einsatzführungsdienst die Lufthoheit über Deutschland sichergestellt. Im Einsatz werden diese Kräfte mit ihren Waffensystemen Phantom F-4F und Eurofighter EF 2000 zum Schutz von zugewiesenen Lufträumen und bei verbundenen Luftkriegsoperationen zur Begleitung von Transport- und Luftangriffskräften eingesetzt. Das Jagdgeschwader 73 ist der Ausbildungsverband für die Eurofighter-Piloten der deutschen Luftwaffe und des österreichischen Bundesheers. o Die Jagdbombergeschwader der Luftwaffe sind mit dem Waffensystem Tornado ausgerüstet und verfügen über ein breites Aufgabenspektrum. Im Vordergrund steht die Unterstützung des Heeres durch Abriegelung aus der Luft und Luftnahunterstützung, der Marine im Rahmen der Seekriegführung aus der Luft, früher Aufgabe der Marinefliegergeschwader, und dem Kampf gegen gegnerische Luftstreitkräfte am Boden. Weitere Aufgaben deutscher Jagdbomberverbände sind die Durchführung von strategischen Angriffen und die Sicherstellung der Fähigkeit zum Einsatz von Atomwaffen im Rahmen der nuklearen Teilhabe (nur Jagdbombergeschwader 33). Die www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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Jagdbombergeschwader 31 und 33 werden im Laufe der kommenden Jahre auf das Waffensystem Eurofighter umgerüstet und sind dann sowohl in der Luftangriffs- als auch in der Luftverteidigungsrolle einsetzbar. Das Jagdbombergeschwader 32 wird auch weiterhin mit dem Tornado die Fähigkeit zum Einsatz gegen gegnerische Luftverteidigungssysteme sicherstellen. o Mit den Kräften des Aufklärungsgeschwader 51 werden ausgewertete Ergebnisse der (elektro-)optischen Luftaufklärung in Einsätzen (zum Beispiel bei ISAF) oder auch bei Katastrophen oder im Rahmen der Amtshilfe im Inland erstellt. • Objektschutz: Der Objektschutz der Luftwaffe umfasst neben der infanteristischen Sicherung von Objekten und Stellungen auch die ABC-Abwehr, die Kampfmittelbeseitigung, den Brandschutz (militärische Feuerwehr) und den Pionierdienst (zum Beispiel zur Startbahnschnellinstandsetzung). Obwohl dieser Dienstbereich in erster Linie als Unterstützung für die Luftwaffe aufgestellt wurde, leistet er durch seine begehrten und begrenzt verfügbaren Fähigkeiten regelmäßig einen wichtigen Beitrag in Einsätzen der Bundeswehr. • Technischer Dienst/Versorgungsdienst: Im Technischen Dienst und im Versorgungsdienst im Bereich des Luftwaffenführungskommandos lassen sich die organischen Unterstützungskräfte der Einsatzverbände zusammenfassen, die für deren Auftragserfüllung unmittelbar erforderlich sind und ihnen daher angegliedert sind. Dazu zählt beispielsweise die Instandhaltung und die Instandsetzung von Waffensystemen auf Verbandsebene durch die Technischen Gruppen. • Der Führungsdienst • stellt die luftwaffenspezifischen IT-Anbindungen der Gefechtsstände, Stäbe und Verbände – auch im Einsatz – sicher und koordiniert bei Bedarf Unterstützung durch die Streitkräftebasis. • stellt Spezialisten zur Elektronischen Aufklärung und Kampfführung. • trägt zur örtlichen und überörtlichen Flugsicherung bei. • überwacht durch seinen Teilbereich Einsatzführungsdienst an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr unter Führung eines NATOGefechtsstands oder der Führungszentrale nationale Luftverteidigung durch eigene Radargeräte und/oder Zuschaltung ziviler Daten den Luftraum. Auf Grundlage dieser Informationen können Jagdflugzeuge der Alarmrotte geleitet werden, um Luftfahrzeuge abzufangen und zu identifizieren, beziehungsweise können Flugabwehrraketensysteme auf zu bekämpfende Ziele voreingewiesen werden. Durch eine verlegefähige Komponente kann diese Fähigkeit auch in Einsätzen eingebracht werden. Kräftekategorisierung: Die Luftwaffe hat statt einer festen Zuweisung eine prozentuale Aufteilung des jeweiligen Verbands zu den Kräftekategorien (Eingreif-/Stabilisierungs-/Unterstützungskräfte) festgelegt. Vorrangiges Ziel ist, Fähigkeitsmodule, also Einsatzkräfte mit einer bestimmten Fähigkeit in einer bestimmten Größenordnung einschließlich der erforderlichen organischen Unterstützungskräfte, für Einsätze bereit zu stellen.

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Die Luftwaffe ist an allen Auslandseinsätzen der Bundeswehr beteiligt. Die Hauptlast tragen die Lufttransportverbände und die Flugbereitschaft BMVg mit der Verlegung von Personal und Material der Bundeswehr und befreundeter Staaten und der Bereitstellung der Fähigkeit zur Evakuierung von Verwundeten. Auch die Objektschutztruppe ist in nahezu allen Einsatzgebieten vertreten. Darüber hinaus wurden und werden Kräfte der Luftwaffe im Rahmen ihrer jeweiligen Fähigkeiten eingesetzt:

Luftverteidigung Die Sicherstellung der Lufthoheit über Deutschland ist eine Dauereinsatzaufgabe der Luftwaffe. Die Einsatzführungsverbände überwachen in Zusammenarbeit mit den angrenzenden Staaten und den zivilen Kontrollstellen den Luftraum. Unregelmäßigkeiten oder ungewöhnliches Verhalten eines Flugzeugs melden sie an ihren vorgesetzten Gefechtsstand, der dann entscheidet, wie weiter zu verfahren ist. Für eine nähere Überprüfung sind rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche im Norden (Wittmund) und im Süden (Neuburg an der Donau) jeweils zwei Jagdflugzeuge in hoher Alarmbereitschaft (QRA (I) – Quick Reaction Alert (Interceptor)). Diese Jäger können auch bei Luftnotlagen zur Unterstützung eingesetzt werden. Im Rahmen der Überwachung des NATO-Luftraums wurden deutsche Jagdverbände und Soldaten des Einsatzführungsdienstes 2005, 2008 und 2009 zur Durchführung des Air Policing über dem Baltikum (Estland, Lettland und Litauen) in Litauen stationiert.

Lufttransport Seit 1960 waren die Lufttransportverbände der Luftwaffe mit ihren Transportflugzeugen und Hubschraubern in jedem Jahrzehnt mehrfach im Rahmen von humanitärer Hilfe oder zur Katastrophenhilfe nahezu weltweit im Einsatz (zum Beispiel 1960 Marokko (Erdbeben), 1962 Iran, 1965 und 1969 Algerien, 1969 Tunesien (Hochwasser), 1973 Sahelzone, 1984 Äthiopien, 1988 Armenien, 1990 Russland, 1991 Irak (UNSCOM), 1992 Somalia (UNOSOM), 1992–1996 BosnienHerzegowina (UNPROFOR/IFOR/SFOR), 1994 Ruanda (UNAMIR), 1998 Sudan, 1999 Australien/Osttimor (INTERFET), 2000 Mosambik (Flutkatastrophe), 2003 Kongo (Operation Artemis). Auch zur Amtshilfe und zur direkten Unterstützung deutscher Staatsbürger werden Kräfte des Lufttransports zum Einsatz gebracht. Hier können neben dem Dauerauftrag SAR die Hubschrauber wertvolle Beiträge leisten (wie 1962 bei der Sturmflut in Norddeutschland, 1979 dem Schneechaos in Norddeutschland, 1995/1997/2002/2006 bei der Hochwasserhilfe). Doch auch Flächenflugzeuge kommen zum Einsatz. Die C-160 Transall flogen als Löschflugzeuge 1975, 1976 und 1983 Einsätze gegen Waldbrände in Niedersachsen, die Flugbereitschaft BMVg unterstützte Evakuierungsoperationen (zum Beispiel 1998 in Eritrea) und holte unter anderem Opfer der TsunamiKatastrophe 2004 in die Heimat.

Aufklärung Im Rahmen von Amtshilfe unterstützte das Aufklärungsgeschwader 51 Behörden zum Beispiel bei der Suche nach vermissten Personen, Massengräbern aus dem Zweiten Weltkrieg oder als Unterstützung bei Katastrophen (wie 2002 nach der Flugzeugkollision von Überlingen und 1995 und 2006 bei den Hochwasserkatastrophen). In die Kritik geriet die Luftwaffe durch umstrittene Einsätze im Rahmen der Amtshilfe beim G8-Gipfel in Heiligendamm 2007. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 90


Tornado-Aufklärungsflugzeuge der Luftwaffe wurden von 1995 bis 2001 in Piacenza (Italien) stationiert, um 1995 zunächst UNPROFOR (1995), IFOR (1995/1996) und SFOR (1996-1999) und im Kosovo-Krieg die Operation Allied Force (1999) und KFOR (1999-2001) zu unterstützen. Am 9. März 2007 wurde vom Deutschen Bundestag die Entsendung von sechs Aufklärungs-Tornados im Rahmen der ISAF-Mission nach Mazar-e-Sharif in Afghanistan beschlossen. Dieses Mandat wurde zuletzt im Dezember 2009 bis zum 13. Dezember 2010 verlängert.

Kampfeinsätze 1991 erfolgte während des Golfkriegs im Rahmen der NATO-Operation Ace Guard die Verlegung von achtzehn Alpha Jet-Jagdbombern des Jagdbombergeschwaders 43 als Teil der Allied Command Europe Mobile Forces (AMF) nach Erhac (Türkei) zur Sicherung der NATO-Südflanke gegen mögliche Angriffe des Irak. Zusätzlich wurden HAWK-Systeme des Flugabwehrraketengeschwaders 36 und Roland-Systeme der Flugabwehrraketengruppe 42 nach Dyarbakir und Erhac zur Verstärkung der Luftverteidigung in dieses Gebiet verlegt. Dies führte zu heftigen Diskussionen über die Zulässigkeit derartiger Auslandseinsätze und schließlich zu einer Klärung durch das Bundesverfassungsgericht am 12. Juli 1994. ECR-Tornados des Jagdbombergeschwader 32 wurden mit der Unterdrückung der jugoslawischen Luftverteidigung in der Operation Deliberate Force 1995 zur Unterstützung von UNPROFOR und der Operation Allied Force 1999 während des Krieges gegen das ehemalige Jugoslawien beauftragt. In Ausnahmefällen beteiligen sich sogenannte Austauschoffiziere der Luftwaffe an Einsätzen der Nationen, in denen sie verwendet werden.

Marine Die Deutsche Marine ist mit etwa 18.000 Soldaten die kleinste der drei Teilstreitkräfte der Bundeswehr. Die Bezeichnung Deutsche Marine trägt sie seit 1995 (zuvor inoffiziell Bundesmarine). Sie wird truppendienstlich vom Inspekteur der Marine geführt. Deutschland hat in seiner Geschichte nur wenige Versuche unternommen, als Seemacht aufzutreten. Das größte Vorhaben war der Aufbau der Hochseeflotte unter Kaiser Wilhelm II. vor dem Ersten Weltkrieg. Abgesehen von den Kriegsflotten einzelner früherer deutscher Teil- oder Bundesstaaten (etwa der österreichischen und preußischen Marine) gab es jedoch bereits zu früheren Zeiten Seestreitkräfte, die auf unterschiedliche Art und Weise gesamtdeutschen Seeinteressen dienen sollten und deren Bezeichnungen heute zum Teil kaum noch bekannt sind. Die historischen Namen dieser deutschen Marineverbände seit 1848 lauten: • • • • • • •

Reichsflotte (1848 bis 1853) Marine des Norddeutschen Bundes (1866 bis 1871) Kaiserliche Marine (1871 bis 1918) Reichsmarine (1919 bis 1935) (bis 1921 „Vorläufige Reichsmarine“) Kriegsmarine (1935 bis 1945) Bundesmarine (1955 bis 1990) (Bundesrepublik Deutschland) Volksmarine (1956 bis 1990) (bis 1960 „Seestreitkräfte der DDR“ genannt) (DDR) www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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Deutsche Marine (ab 1990) (aktuelle Bezeichnung)

Die Marine leistet einen Beitrag zu deren Aufgaben, wie sie in den jeweiligens gültigen Verteidigungspolitischen Richtlinien des Bundesministers der Verteidigung festgelegt sind. Seit 1990 haben sich die Aufgaben der Bundeswehr immer mehr weg von der Landesverteidigung hin zu friedensunterstützenden Einsätzen am Rande und außerhalb Europas gewandelt (siehe unten). Ihr heutiger Auftrag leitet sich aus der Konzeption der Bundeswehr ab: • • • • • •

internationale Konfliktverhütung und Krisenbewältigung, einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus, Unterstützung von Bündnispartnern, Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger, Rettung und Evakuierung, Partnerschaft und Kooperation, Hilfeleistungen (Amtshilfe, Naturkatastrophen, besonders schwere Unglücksfälle).

Der Inspekteur der Marine hat in seinen jährlichen Weisungen 2006 und 2007 festgelegt, wie diese Aufträge in der Marine umgesetzt werden. Danach soll die Marine im Rahmen von Auslandseinsätzen mit Schwerpunkt an streitkräftegemeinsamen Operationen teilnehmen. Sie soll entsprechend dem Konzept „Basis See“ mit ihren Mitteln von See aus andere Streitkräfte unterstützen, so dass die Hohe See als Basis für militärische Operationen genutzt werden kann. So können zum Beispiel die neuen Luftverteidigungsfregatten der Sachsen-Klasse in Küstennähe eingesetzte Landverbände gegen Luftangriffe schützen. Außerdem soll die Marine im Rahmen der Aufgabe „Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger“ die Seewege gegen asymmetrische Bedrohungen schützen und so zur Sicherheit des deutschen Seehandels beitragen. Als Beitrag zu der Aufgabe „Hilfeleistungen“ beteiligt sich die Marine am SAR-Dienst im deutschen Küstenbereich.

Schiffe und Boote •

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15 Fregatten o 3 SACHSEN-Klasse (124) o 4 BRANDENBURG-Klasse (123) o 8 BREMEN-Klasse (122) 5 Korvetten o 5 BRAUNSCHWEIG-Klasse (130) 10 Schnellboote o GEPARD-Klasse (143A) 10 U-Boote o 4 U-Boote Klasse 212A o 6 U-Boote Klasse 206A 19 Minenabwehrfahrzeuge o 5 Hohlstablenkboote ENSDORF-Klasse (352) www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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5 Minenjagdboote KULMBACH-Klasse (333) o 9 Minenjagdboote FRANKENTHAL-Klasse (332) 22 Hilfsschiffe o 2 Einsatzgruppenversorger BERLIN-Klasse (702) o 2 Betriebsstofftransporter WALCHENSEE-Klasse (703) o 2 Betriebsstofftransporter RHÖN-Klasse (704) o 1 Versorger/Munitionstransporter WESTERWALD-Klasse (760 A) o 5 Tender der ELBE-Klasse (404) o 1 U-Boot-Versorger ELBE-Klasse (404) o 1 Minentauchereinsatzboot FRANKENTHAL-Klasse (332) o 2 Seeschlepper WANGEROOGE-Klasse (722B) o 1 Bergungsschlepper FEHMARN-Klasse (720) o 2 Mehrzwecklandungsboote BARBE-Klasse (520) o 3 Flottendienstboote OSTE-Klasse (423) o

Luftfahrzeuge •

11 Flugzeuge o 8 Seefernaufklärungsflugzeuge P-3C Orion o 1 SIGINT-Aufklärungsflugzeug Breguet Atlantic o 2 Ölaufklärungsflugzeuge Dornier Do 228 LM 43 Hubschrauber o 21 Sea King Mk 41 o 22 Sea Lynx Mk 88A

Landeinheiten Zur Flotte gehören außerdem einige Landeinheiten, darunter •

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die Marinefliegergeschwader 3 und 5 in Nordholz und Kiel mit SAR-Abstützpunkten auf Helgoland und in Rostock-Warnemünde. Die Marinefliegergeschwader sollen bis etwa 2010 zu einem Geschwader in Nordholz zusammengefasst werden. die Spezialisierten Einsatzkräfte Marine (SEK/M) in Eckernförde die Marineschutzkräfte in Eckernförde das Schifffahrtmedizinische Institut der Marine, Kiel dem Presse- und Informationszentrum der Marine (PIZ Marine) im Flottenkommando unterstellte Einrichtungen der Öffentlichkeitsarbeit mit o dem Marinemusikkorps Nordsee in Wilhelmshaven, o dem Marinemusikkorps Ostsee in Kiel und o dem Truppenbesuchszentrum der Marine in Kiel

Die Deutsche Marine verfolgt zurzeit folgende größere Rüstungsvorhaben: • • •

2 weitere U-Boote Klasse 212A (unter Vertrag; leicht modifiziert gegenüber den ersten vier Booten) 4 Fregatten der Klasse 125 (unter Vertrag; für langdauernde Stabilisierungoperationen) 1 Einsatzgruppenversorger Klasse 702 www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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30 Marinehubschrauber vom Typ NH-90 (zurzeit Verzögerungen; als Ersatz für die SEA KING MK 41 und einen Teil der SEA LYNX Mk 88A geplant) 2 Joint Support Ships (in die Bundeswehrplanung eingebracht; Gesicherte Militärische Seeverlegefähigkeit) 6 Korvetten der Klasse 131 (in die Bundeswehrplanung eingebracht; Ersatz für die Klasse 143A), wird auch unter dem Namen MÜKE (Mittlere Überwasserkampfeinheit) erwähnt zukünftiges Mehrzweckeinsatzschiff (MZES); ein in seinen Spezifikationen noch zu definierender „Fähigkeitsträger“

Von den 25.000 Marinesoldaten dienen etwa 19.000 in der Marine selbst, die anderen in den übrigen Teilen der Bundeswehr, vor allem in der Streitkräftebasis, dem Zentralen Sanitätsdienst und im Ministerium. Etwa 6.000 Soldaten dienen auf seegehenden Einheiten. In der Marine gibt es neben Berufs- und Zeitsoldaten auch Wehrpflichtige, diese jedoch in erheblich geringerer Anzahl als in anderen Bereichen der Bundeswehr. Die Dienstgradbezeichnungen in der Marine unterscheiden sich von denen der anderen Teilstreitkräfte der Bundeswehr, folgen jedoch demselben System. Die Mannschaften und Unteroffiziere werden in unterschiedlichen Verwendungsreihen an Schulen der Marine und zum Teil in anderen Teilen der Bundeswehr spezialisiert ausgebildet. Leistungsstarke Unteroffiziere können zum Offizier des militärfachlichen Dienstes und in Einzelfällen zum Offizier des Truppendienstes weitergebildet werden. Alle Offiziere erhalten eine Ausbildung an der Marineschule Mürwik. Die Offiziere des Truppendienstes erhalten mit wenigen Ausnahmen ein Studium an einer Universität der Bundeswehr. Außer den Soldaten arbeiten in der Marine über 2.500 zivile Mitarbeiter. Einige Hilfsschiffe der Marine sind zivil besetzt, darunter die Flottentanker. Die Pflege von Tradition und Brauchtum der Marine vermittelt den Angehörigen ein besonderes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Teilstreitkraft. Wichtigste Vereinigungen von Marineangehörigen und Ehemaligen sind • •

Der Deutsche Marinebund Die Marine-Offizier-Vereinigung

Seit Beginn der Operation Enduring Freedom 2002 wurden deutsche Kriegsschiffe mehrfach mit Piratenüberfällen auf Handelsschiffe konfrontiert. Sie war nicht mit der Bekämpfung der Piraterie beauftragt, jedoch reichte in vielen Fällen das Erscheinen eines Kriegsschiffs aus, um die Piraten zum Abbruch ihres Angriffs zu veranlassen. Die seit Anfang 2008 sprunghaft angewachsenen Bedrohung der Schifffahrt durch die Piraterie vor der Küste Somalias soll nunmehr durch verschiedene militärische Operationen der NATO, der EU und einzelner Staaten gezielt bekämpft werden. Die deutsche Marine hat für den Einsatz in der EU-Operation Atalanta zunächst die Fregatte Karlsruhe bereitgestellt. Die Mandatsobergrenze einschließlich solcher Kräfte, die innerhalb der Operation Enduring für die Bekämpfung der Piraterie eingesetzt werden, beträgt 1400 Soldaten. Der Einsatz hat am 19. Dezember 2008 begonnen.

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Feldjäger Als Feldjäger wird seit 1955 die Militärpolizei der Bundeswehr bezeichnet. Sie gehört entsprechend der aktuellen Bundeswehrstruktur der Streitkräftebasis an. Die Bundeswehr verfügt über 30 Feldjägerdienstkommandos. Aufgaben der Feldjäger: Militärischer Ordnungsdienst Der Militärische Ordnungsdienst soll die Vorgesetzten beim Überwachen, Aufrechterhalten und Wiederherstellen der Disziplin und soldatischen Ordnung unterstützen. Die Feldjäger verstehen sich ebenso als zentrale Ansprechstelle für alle Soldaten, die Hilfe benötigen. Darunter fallen folgende Aufgaben: Feldjägerstreifendienst, Einsatz bei Großveranstaltungen mit militärischer Beteiligung, Kontrollen in militärischen Liegenschaften, Unterstützen der Wehrdienstgerichte und sonstiger Justizorgane, Mitwirken beim Sammeln und Rückführen von Versprengten und von in Gewahrsam genommenen Personen, Mitwirken beim Sammeln und Transport von Kriegsgefangenen. In multinationalen militärischen Einsätzen wird auf der so genannten „Arbeitsebene“ (d. h. unterhalb der Kommandoebene) traditionell der erste Kontakt zwischen Einheiten verschiedener Nationen über deren jeweilige Militärpolizeien hergestellt; diese Erfahrung hat auch die Feldjägertruppe in ihren verschiedenen Auslandseinsätzen gemacht. Wenngleich in dieser Form im „ständigen Auftrag“ nicht festgeschrieben, zählt diese Rolle wohl zum Aufgabenbereich Ordnungsdienst.

Militärischer Verkehrsdienst Der Militärische Verkehrsdienst beinhaltet die Überwachung und Regelung des militärischen Straßenverkehrs und erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Polizei. Die Kontrollen dienen der Sicherheit im Straßenverkehr sowie der Abwehr von Gefahren für die Streitkräfte. Der Militärische Verkehrsdienst gliedert sich in folgende Aufgaben: Erkunden und Kennzeichnen von Straßen, Aufnahme von Verkehrsunfällen mit Bundeswehrbeteiligung, militärische Verkehrskontrollen, www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 95


militärische Verkehrsregelung, Begleiten und Kontrolle von militärischen Gefahrgut- oder Großraumtransporten, Mitwirken beim Planen und Überwachen des militärischen Straßenverkehrs, Einrichten eines Verkehrsleitnetzes inkl. Verkehrsleitpunkte, Regeln des Verkehrs im Spannungs- und Verteidigungsfall, soweit dies für die Erfüllung des Verteidigungsauftrages erforderlich ist.

Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben Bei der Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben werden Feldjäger eingesetzt, um Straftaten gegen die Bundeswehr zu verhindern und rechtswidrige Störungen der dienstlichen Tätigkeit zu beseitigen. Darüber hinaus können sie auch mit dem Schutz verbündeter Streitkräfte beauftragt werden. Feldjäger leisten außerdem Personen- und Begleitschutz für gefährdete Bundeswehrangehörige. Es gibt folgende Sicherheitsaufgaben: Absicherung von Operationszentralen in Gefechtsständen von Großverbänden, Personen- und Begleitschutz, Eskorten- und Lotsendienst, Absicherung von Besprechungen, Ausstellungen und Vorführungen, Überwachen von Liegenschaften der Bundeswehr, Mitwirken beim Schutz von Objekten, Schutz von Transporten sowie der Schutz von Veranstaltungen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit (zum Beispiel Feierliche Gelöbnisse).

Erhebungen und Ermittlungen Der Aufgabenschwerpunkt Erhebungen und Ermittlungen umfasst die Aufnahme von folgenschweren Unfällen aller Art (Verkehrsunfälle, Luftfahrzeugunfälle sowie Unfälle mit Todesfolge von Soldaten), das Feststellen und Dokumentieren von Sachverhalten in dienstlichem Interesse, das Mitwirken bei der Aufklärung von Dienstvergehen (auf Ersuchen von Disziplinarvorgesetzten durch Spurensicherung und Sammeln sonstiger Hinweise) sowie die Suche nach unerlaubt bzw. eigenmächtig abwesenden und fahnenflüchtigen Soldaten. Hierfür werden in der Regel speziell ausgebildete Feldwebeldienstgrade in den jeweiligen Feldjägerdienstkommandos bereitgehalten.

Raum- und Objektschutz Feldjäger wirken ebenfalls beim Schutz rückwärtiger Gebiete mit. Feldjägerkräfte können dabei in besonderen Lagen, zum Beispiel im Verteidigungsfall, in rückwärtigen Gebieten der Kampfzone zum Schutz von Objekten sowie zur Bekämpfung von Feindkräften beitragen. Feldjäger unterstützen den Schutz von besonders eingestuften Objekten, wie Gefechtsstände oder anderen Kommandobehörden durch Überwachung, Objektkontrollen oder Sicherung. Sie unterstützen weiterhin beim Schutz von Räumen die Maßnahmen der zuständigen Kommandobehörden, in ausländischen Einsatzgebieten der zuständigen Kommandeure. Dies dient dazu, Räume im nationalen Operationsgebiet wegen ihrer Bedeutung in eigener Hand zu behalten oder zu kontrollieren. Dabei sollen sie Einsätze des Gegners oder irregulärer Kräfte verhindern und die Zivilbevölkerung oder dort befindliche Anlagen und Einrichtungen vor dem Zugriff oder den Einwirkungen von Feindkräften schützen. Im Rahmen des Raum- und Objektschutzes können Diensthunde der Feldjägertruppe eingesetzt werden, um bei einer entsprechenden Verdachtslage Täter und Mittel (z. B. Sprengstoffe oder Waffen) aufzuspüren. Eine weitere Aufgabe des Raum- und Objektschutzes ist der Zugriff durch spezialisierte Zugriffskräfte ähnlich dem polizeilichen Zugriff zur Festnahme von Straftätern und die Zugriffsdurchsuchung (gezielte und systematische Suche z.B. nach Kriegsmaterial oder verbotenen Gegenständen), die durch die Feldjäger im Auslandseinsatz durchgeführt werden können.

Einsatz bei unfriedlichen Menschenansammlungen Die „Kontrolle von Menschenmengen und gewalttätigen Ausschreitungen“ oder auch Crowd and Riot Control (CRC) ist eine ebenfalls im Raum- und Objektschutz angesiedelte Aufgabe der Feldjägerkräfte. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 96


Hierbei werden speziell ausgebildete Feldwebeldienstgrade eingesetzt, um in Zusammenarbeit mit ebenfalls ausgebildeten Soldaten anderer Teilstreitkräfte, unter anderem den Marine- und Luftwaffensicherungskräften, unfriedliche Demonstrationen zu unterbinden. Seit 2006 stellen 5 Feldjägerkompanien einen CRC-Zug, üblicherweise sind dies die 4. Züge der jeweiligen Kompanien. In diesem werden Mannschaftssoldaten mit der Spezialisierung CRC ausgebildet. Das Hauptaugenmerk solcher Einsätze liegt bei Peace Support Operations (PSO) der Bundeswehr, da sich dortige Demonstrationen sehr oft gegen die militärischen Einrichtungen der ausländischen Truppen richten. Andererseits kommen die Kräfte auch im Inland, zum Beispiel bei der Räumung von durch Demonstranten blockierte Kasernenzufahrten zum Einsatz. Im Rahmen der CRC werden ebenfalls speziell ausgebildete Feldwebeldienstgrade in Greif- und Rückholtrupps eingesetzt, die die identifizierten Rädelsführer der unfriedlichen Demonstrationen gezielt fassen und festsetzen sollen.

Ausrüstung: Waffen Die Pistole Walther P1 wird heutzutage nur noch in Verbindung mit dem Weißzeug beim protokollarischen Dienst getragen. Sie wurde durch die HK P8 abgelöst, die die StandardDienstpistole der Bundeswehr geworden ist. Feldjäger mit der Spezialisierung Personenschutz tragen eine kleine, kompakte HK P7. Bei Personenschutz- oder Zugriffseinsätzen von spezialisierten Feldjägerkräften kommen die Maschinenpistole HK MP5k, HK MP7 sowie das Sturmgewehr HK G36k mit Holosight (ähnlich dem Reflexvisier) und Laserlichtmodul LLM01 neben dem HK G36 zum Einsatz. Für mehr Feuerkraft wird des weiteren im Auslandseinsatz das Sturmgewehr G36 mit dem Granatwerfer AG36 verwendet. Präzisionsschützen sichern und überwachen mit dem G22 Personenschutz-/CRC-Einsätze, sowie die Zugriffskräfte bei Festnahmen von Straftätern. Mit der Granatpistole HK69 werden bei CRC-Einsätzen durch den NLW-Trupp Gummigeschosse oder CSGranaten verschossen. Beim Feldjägerdienst im Inland kommt das Reizstoffsprühgerät RSG 4 und der Rettungsmehrzweckstock (RMS) als Hilfsmittel der körperlichen Gewalt, im Ausland bei CRCEinsätzen das RSG 8 zum Einsatz. Für den allgemeinen Gefechtsdienst verfügen die Feldjäger über das Maschinengewehr MG3 und die Panzerfaust 3.

Fahrzeuge Die Feldjägertruppe verfügt über fast alle gängigen Fahrzeuge, die in der Bundeswehr genutzt werden, so unter anderem den Mercedes-Benz 250 GD „Wolf“. Zusätzlich sind VW Funkbusse (Typ T3 und T4) für Fernmeldeaufgaben und Mercedes-Benz Unimog für Transport- und Unterstützungsaufgaben vorhanden. Transportaufgaben leistet der Lastkraftwagen vom Typ MAN TGA, teilweise mit eingerüsteter Signalanlage, der die älteren Lastkraftwagen verschiedener Typen ersetzen soll. Als Streifenfahrzeuge im Inland dienen der Mercedes-Benz Vito, wie unten abgebildet in oliv/weiß oder oliv mit 4x4-Antrieb, der VW T5 - ebenfalls in oliv/weiß oder oliv mit 4x4-Antrieb und der geländegängige Nissan Patrol. Im Auslandseinsatz kommen neben dem sondergeschützen SSA Wolf der ATF Dingo bei ISAF in Afghanistan und der TPz Fuchs bei KFOR im Kosovo zum Einsatz. Für mögliche CRC-Einsätze im Ausland wurde der Mowag Duro beschafft. Im Eskortendienst wurden die BMW K 75 Motorräder im Jahre 2004 von der BMW R 1150 RT bzw. der BMW R 1200 RT abgelöst. Die Motorräder sind mit Signalanlage, Funk und ABS ausgerüstet.

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Streifenfahrzeug Mercedes-Benz Vito

geländegängiges Streifenfahrzeug Mercedes-Benz Vito

geländegängiges Streifenfahrzeug Nissan Patrol

Motorrad BMW RT 1150 R

Uniformen Die Feldjäger tragen ein korallrotes Barett mit dem preußischen Gardestern (Stern des Schwarzen Adlerordens) als Barettabzeichen. Der lateinischen Schriftzug „suum cuique“ bedeutet übersetzt „Jedem das Seine“. Die Kragenspiegel der Tuchjacke des Dienstanzuges mit preußischer Litzenstickerei in der Waffenfarbe Orange unterlegt; ebenso in orange die Vorstöße (Litzen) an den Schulterklappen. Je nach Einsatzart wird das sogenannte Weißzeug (weißes Koppel mit Gurt über die rechte Schulter und weiße Armbinde) getragen. Die weiße Pistolentasche für die Pistole P1 hängt auf der linken Seite des Koppels, dies ist dadurch begründet, dass auf der rechten Seite der Koppel der Säbel getragen wurde. Das Weißzeug wurde inzwischen durch das „Schwarzzeug“ ersetzt, wobei das es bei der Feldjägertruppe für protokollarischen Dienst in der Öffentlichkeit, wie etwa dem Großen Zapfenstreich und dem Eskortendienst erhalten bleibt. Die Eskortenfahrer tragen zusätzlich zum Weißzeug weiße Stulpenhandschuhe. Auf der schwarzen Armbinde des neuen Schwarzzeuges, welche sich an der Ausrüstung der Militärpolizei anderer Länder orientiert, befindet sich ein großer MP-Schriftzug und darüber etwas kleiner der Schriftzug „Feldjäger“. Des Weiteren besteht die Möglichkeit auf der Armbinde Batallionszugehörigkeit durch einen Klettaufnäher zu kennzeichnen. Das Schwarzzeug besteht zudem aus einem schwarzen Koppel mit schwarzem Pistolenholster für die Pistole P8, Handschließentasche, RMS-Halter und weiterer Befestigungsmöglichkeiten für Ausrüstungsgegenstände.

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Bundeswehr-Feuerwehr Die Bundeswehrfeuerwehr ist eine feuerwehrtechnische Einrichtung der Bundeswehr. Die Bundeswehr ist für den Brandschutz in ihren Liegenschaften eigenverantwortlich. In der Regel übernehmen ortsansässige Feuerwehren den Brandschutz. In einigen militärischen Liegenschaften der Bundeswehr unterhält die Bundeswehr Feuerwehren. Eine solche Bundeswehrfeuerwehr wird bei besonderen Gefahrenschwerpunkten aufgestellt wie z.B. Untertageanlagen, Flugplätzen, Marinestützpunkten, Truppenübungsplätzen, Munitions- und speziellen Gerätedepots, Wehrtechnischen Dienststellen. In den Feldlagern der Bundeswehr im Ausland gibt es Militärfeuerwehren, die aus der regulären Truppe (Brandschutzsoldaten der Spezialpionierbataillone der Streitkräftebasis SKB/Brandschutzsoldaten des Objektschutzregiment der Luftwaffe) entstammen. Hauptaufgabe der Bundeswehrfeuerwehr ist die Sicherung der Bundeswehrangehörigen und die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte. Ihr Einsatz erfolgt beim Heer, der Luftwaffe, der Marine, im Bereich der Rüstung und bei den Wehrtechnischen Dienststellen - grundsätzlich in allen Anlagen, in denen eine besondere Brand- oder Explosionsgefahr auftreten kann und die für die Landesverteidigung von besonderer Bedeutung sind. Das Aufgabenfeld eines Bundeswehrfeuerwehrmannes ist dem eines Feuerwehrmannes aus einer öffentlichen Feuerwehr z.B. einer Berufsfeuerwehr sehr ähnlich. Auch sie retten Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen und bekämpfen Brände (so zum Beispiel Munitions- und Luftfahrzeugbrände). In Bereichen der Deutschen Marine müssen die Einsätze auch auf Schiffen, Booten und in Hafenanlagen erbracht werden. Die technische Hilfeleistung, Umwelt- und Katastropheneinsätze sowie Amtshilfe bei zivilen Feuerwehren gehören ebenso zu ihren Aufgaben. Die Bundeswehrfeuerwehren sind mit Löschfahrzeugen - meist Sonderbauten - und Sonderlöschmitteln ausgerüstet.

Erste Generation Das Konzept beruhte auf der Verwendung der militärischen Standardfahrzeuge der 1,5 t-, 5 t- und 7 t-Nutzlastklasse, allerdings abweichend von den Pritschen-Lkw mit Ganzstahlführerhaus und Beobachtungsluke. Charakteristisch war dabei die Glaskuppel, die in vielen Fällen auf die Beobachtungsluke aufgesetzt war. Die Aufbauten konnten relativ schnell vom Fahrgestell getrennt werden, um auch bei Beschädigung des Fahrzeugs den Aufbau auf einem „neuen“ Fahrgestell weiter nutzen zu können. Zu den Standardfahrzeugen der sogenannten ersten Generation der FlKfz, die ab 1958 ausgeliefert wurden, gehören das FlKfz 750 (Unimog S 404 mit Metz- oder Rathgeber-Aufbau, Pulverlöschanlage von Minimax), das FlKfz 1500 (Daimler-Benz LG315/46 mit Metz- oder Graaff-Aufbau, Pulverlöschanlage von Total), das FlKfz 2400 (Daimler-Benz LG315/46 mit Metz- oder BachertAufbau) und das FlKfz 3800/400 (Magirus-Deutz Jupiter 6x6 bzw. ab 1964 Magirus-Deutz M178D15A www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 99


mit Bachert-Aufbau). Nur in wenigen Exemplaren vorhanden waren die Typen FlKfz 3500/350 und FlKfz 4500/450 auf Magirus-Deutz A6500 mit Bachert-Aufbau. Lackiert wurden die FlKfz im damals üblichen gelboliv (RAL 6014). Teilweise wurden Fahrzeuge im Auslieferungszustand rot übergeben, Fahrgestell und Kotflügel waren gelboliv gehalten. Eine Besonderheit spielte damals die Fliegerhorst-Feuerwehr des Flughafen Köln-Bonn. Da hier der militärische und der zivile Flugbetrieb einhergingen, waren alle Fahrzeuge rot lackiert. Neben den Standardfahrzeugen der ersten Generation gab es in den 50er Jahren noch Fahrzeuge deutscher Produktion (Magirus und Mercedes), die ursprünglich für die alliierten Truppen gebaut wurden und mit der Übergabe von Liegenschaften an die Bundeswehr gingen. Hierunter waren auch zwei Drehleiter DL 22 auf Magirus-Deutz S 3500 in rot und in oliv. Sonst gab es nur noch drei weitere Drehleitern (u. a. auf dem Fliegerhorst Erding und im Marinearsenal Wilhelmshaven). Neben div. Anhängern wurde schließlich noch der Lkw 0,25 t gl, DKW Munga F 91/4, als Einsatzleitwagen (ELW) genutzt. Anfang der 70er Jahre ersetzte der Pkw 0,4 t, VW 181, den Munga als ELW und diejenigen Bundeswehr-Feuerwehren, die für den Brandschutz in Untertageanlagen zuständig waren, erhielten Mercedes-Benz LP 608 mit Bachert-Aufbauten. Die Beladung dieser Fahrzeuge orientierte sich an den zivilen Typen LF 8 und RW 1.

Zweite Generation Mit der 2. Generation, Auslieferung ab 1979, wurden die künftigen Standardfahrzeuge FlKfz 1000, FlKfz 3000, FlKfz 3500/400/750 und FlKfz 8000/800 ausgeliefert. In den Untertageanlagen wurden die Mercedes-Benz LP 608 durch Mercedes-Benz 814 F ersetzt. Das FlKfz 1000, aufgebaut auf Mercedes-Benz Unimog U 1300 L, ist in etwa vergleichbar mit dem zivilen Tanklöschfahrzeug TLF 8/18. Als Aufbauhersteller kam hier die Firma Metz zum tragen. Bei der 2. Generation (auch Folgegeneration genannt) war man bemüht, eine möglichst große Teilegleichheit zu erzielen. Bei den FlKfz 3000; 3500/400/750 und 8000/800 nutzte man das Baukastenprinzip; so sind z. B. die Fahrerhäuser identisch und es werden bei allen Typen die gleichen Motoren verwendet. Die Grundfahrzeuge kamen durchweg von FAUN, die Aufbauten bei den FlKfz 3000 und 3500/400/750 kamen von der Arbeitsgemeinschaft Bachert und Ziegler und beim FlKfz 8000/800 von Schörling. Das FlKfz 3000 basiert auf dem FAUN LF 16.30/45 V 4x4, das FlKfz 3500/400/750 auf dem FAUN LF 22.30/45 V 6x4 und das FlKfz 8000/800 auf dem FAUN LF 40.30x2/48 V 8x8. Eine größere Anzahl von FlKfz 2400-Aufbauten der 1. Generation setzte man Mitte/Ende der 1980er Jahre auf neue Fahrgestelle des Standard-Lkw 5 t 4x4. Mit der deutschen Wiedervereinigung fanden sogar die TLF 32 auf Tatra T 815 CAS 32 und einige IFA W 50 der Nationale Volksarmee ihren Weg in den Fuhrpark der Bundeswehr-Feuerwehren. Nutzer der TLF 32 war zum Beispiel die WTD in Meppen, die IFA W 50 fahren auf den Truppenübungsplätzen in den neuen Bundesländern. Auch im Anstrich kamen Veränderungen zum Tragen. Mit Einführung der neuen Grundfarbe bronzegrün (RAL 6031) für die Fahrzeuge der Teilstreitkräfte, erhielten auch die Feuerwehrfahrzeuge ein neues Farbenkleid. Auch der Dreifarb-Flecktarnanstrich machte nicht vor den FlKfz halt. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 100


Schließlich wurde feuerrot (RAL 3000) Ende der 1990er Jahre wieder Standard. Mitunter sind alle Lackierungsvarianten innerhalb einer Einheit vorzufinden.

Dritte Generation Fahrzeuge der zweiten Generation sind nach wie vor im Dienst. Auch sind vereinzelt noch Fahrzeuge der ersten Generation bei der Bundeswehr zu finden. Als Ersatz für die FlKfz 8000/800 werden seit Sommer 2005 die ersten Löschfahrzeuge - 3. Generation - der Truppe übergeben. Es handelt sich dabei um das Flugplatzfeuerlösch-Kfz, schwer, Z8 (FLF 80/125-12,5 Z8 „Advancer“) der Firma Ziegler. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist dieses 40 t Flugfeldlöschfahrzeug keine militärische Sonderentwicklung. Insgesamt beläuft sich die Gesamtstückzahl auf 16 Fahrzeuge. Für die FlKfz 2400 auf Basis des Daimler-Benz 1017 werden Löschgruppenfahrzeug 16/12 auf Mercedes-Benz Atego eingesetzt. Auf dem Truppenübungsplatz Bergen werden als Einzelstücke ein TLF 16/25 auf Mercedes-Benz Atego, ein TLF 16/50 auf Unimog und ein RW 2 auf MAN eingesetzt. Bei der Fliegerhorst Feuerwehr Köln-Bonn wird eine Drehleiter auf Atego 1628 eingesetzt. Drei weitere Typen der dritten Generation lösen nun die Fahrzeuge der ersten und zweiten Generation ab: • • •

Feuerlösch-Kraftfahrzeug Waldbrandbekämpfung (FlKfz - Waldbrand), aufgebaut auf einem Mercedes-Benz Unimog U 5000 Feuerlösch-Kraftfahrzeug Gebäudebrandbekämpfung (FlKfz - Gebäudebrand), aufgebaut auf einem MAN TGM 18.280 4x4 BB Feuerlösch-Geräterüstfahrzeug (FlKfz - Geräterüst), aufgebaut auf einem MAN TGM 18.280 4x4 BB

Aufbauhersteller ist in allen Fällen die Firma Albert Ziegler.

Sonderfahrzeuge Trotz der Standardisierung und gerade weil diese Standards oft nicht ausreichend waren gab es immer wieder Fahrzeuge die nicht in das Schema passten oder die als Truppenversuchsmuster (TVM) bei den Bundeswehr-Feuerwehren im Einsatz waren. Es gab mehrere DB Unimog S 404 Pritsche mit Rettungsbühne und 1 VW T2 Pritsche mit Rettungsbühne. Je ein Unimog U 1300 Pritsche mit Rettungsbühne ist bei den Fliegerhorstfeuerwehren Jagel und Wunstorf, in der Farbe RAL 3000 = feuerrot, eingesetzt. Die Wehrtechnische Dienststelle für Luftfahrzeuge (WTD 61) nutzte einige Jahre einen umgebauten Range Rover zur Pilotenrettung. Eine auf das Dach aufgesetzte Plattform bildete die Rettungsbühne. Lackiert war das Fahrzeug in rot.

Deutsche Flugsicherung Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH ist entsprechend Art. 87d des Grundgesetzes eine bundeseigene Verwaltung, die in der Form einer GmbH organisiert ist. Sie befindet sich komplett im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland, die durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) vertreten wird. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 101


Die DFS ist vom BMVBS durch Rechtsverordnung mit der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben zur Flugsicherung beliehen. Diese Aufgaben, die einen Sonderpolizeicharakter haben und im Luftverkehrsgesetz definiert sind (§ 27c LuftVG), umfassen insbesondere folgende Aufgaben: • • • • • • •

die Flugverkehrskontrolle des Luftverkehrs in Deutschland, die Errichtung und Inbetriebhaltung von technischen Einrichtungen und Funknavigationsanlagen, die Planung und Erprobung von Verfahren und Einrichtungen für die Flugsicherung, die Erstellung von gutachtlichen Stellungnahmen gemäß § 31 Abs. 3 LuftVG, die Überwachung aller Hindernisse in Bauschutzbereichen bzw. außerhalb dieser bei Höhen über 100 m ü. Grund, die Sammlung und Bekanntgabe der Luftfahrtinformationen und -karten, die überörtliche militärische Flugsicherung in Deutschland.

Die Flugverkehrskontrolle wird erbracht als Flugplatzkontrolle, Anflugkontrolle und Bezirkskontrolle. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich seit April 2002 in Langen (Hessen) und damit ganz in der Nähe des größten deutschen Flughafens, des Rhein-Main-Flughafens. Die DFS betreibt hier zur Ausbildung von Fluglotsen und verwandten Berufen eine eigene Flugsicherungsakademie. Außerdem ist hier eine Außenstelle des Amtes für Flugsicherung der Bundeswehr vertreten, mit dem die DFS eng zusammenarbeitet. Die Zentralen der Flugsicherung werden gemäß dem jeweiligen Zuständigkeitsbereich unterschieden in „ACC“ (Area Control Center) und „UAC“ (Upper Area Control Center). Für den deutschen Luftraum sind folgende Kontrollzentralen zuständig: Name

ACC Bremen

ICAOKürzel

Zuständigkeitsgebiet

unterer Luftraum im Fluginformationsgebiet (FIR, EDWW Flight Information Region) Bremen

ACC Langen EDGG

FIR Langen

UAC Karlsruhe

oberer Luftraum in der UIR (Upper Flight Information Region) Rhein; über der FIR Langen und der ehemaligen FIR Berlin (seit März 2005) über FL245, bzw. FL 285

ACC München

EDUU

EDMM FIR München und darüber liegender Teil der FIR Rhein bis unlimited (UNL)

Details

Standort

Flughafen Bremen Langen (Hessen) Funkrufzeichen „Rhein Radar“. Die Zuständigkeit für den oberen Luftraum über der FIR München soll Karlsruhe im Jahr 2012 ebenfalls nach Karlsruhe verlagert werden.

Flughafen München Franz Josef

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Strauß

UAC EDYY Maastricht

Hannover UIR (Oberer Luftraum - über FL 245)

Hier stellt die DFS das Personal zur Durchführung militärischer Flugsicherungsdienste innerhalb der Hannover UIR. Beim Personal handelt es sich überwiegend um Offiziere und Unteroffiziere der Luftwaffe, die zur Wahrnehmung militärischer Sonderaufgaben zur DFS beurlaubt wurden. Neben der Kontrolle des militärischen Flugverkehrs überwachen die Lotsen der DFS auch die Test- und Serieneinflüge von Airbus, welche Maastricht von Finkenwerder aus starten und Aachen sich im Rahmen ihrer Flugprofile Airport dabei auch im oberen Luftraum aufhalten. Seit März 2010 befinden sich jedoch die beiden ersten zivilen Auszubildenden vor Ort. Ab sofort werden regelmäßig zivile Auszubildende nach Maastricht geschickt, um die Aufgaben mit den militärischen Kollgen in Maastricht zu erledigen. Das Rufzeichen ist „Lippe Radar“. Der zivile Luftverkehr in der Hannover UIR wird vom UAC Maastricht „Maastricht Radar“ (Eurocontrol) kontrolliert.

Das ACC Berlin-Tempelhof (EDBB) wurde bis zum 15. Dezember 2006 betrieben; die Aufgaben im Kontrollgebiet Berlin wurden sukzessive nach Bremen, München und Karlsruhe verlagert. Es bearbeitete, wie heute noch die Kontrollzentrale München, den Luftraum von Grund bis Flugfläche 660, was ca. 20km entspricht (Säulenmodell).

Kontrolltürme: Die DFS betreibt die Flugsicherungsdienste im Auftrag und auf eigene Kosten gemäß Festlegung des BMVBS an folgenden Flughäfen: • • • •

Berlin-Schönefeld EDDB Berlin-Tegel - EDDT Bremen - EDDW Dresden - EDDC

• • • •

Frankfurt - EDDF Hamburg - EDDH Hannover - EDDV Köln/Bonn - EDDK

• • • •

Münster/Osnabrück - EDDG Nürnberg - EDDN Saarbrücken - EDDR Stuttgart - EDDS

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• •

Düsseldorf - EDDL Erfurt - EDDE

• •

Leipzig/Halle - EDDP München - EDDM

Im Jahr 2004 hat die Bundesregierung die Kapitalprivatisierung der DFS beschlossen; nur eine Sperrminorität an Anteilen sollten im Bundeseigentum verbleiben. Neben der Tatsache, dass es sich bei der Flugsicherung um hoheitliche Aufgaben mit sonderpolizeilichem Charakter handelt, ist der Umstand, dass die DFS die überörtlichen militärischen Flugsicherungsdienste vorhält, von verteidigungspolitischer Bedeutung. Interessiert am Erwerb von Anteilen zeigten sich neben anderen die Fraport und die Lufthansa, was aber die Gefahr von Interessenkonflikten bei der Arbeit der DFS bedeuten würde. Am 24. Oktober 2006 hat Bundespräsident Horst Köhler dem Gesetz, das die Kapitalprivatisierung ermöglichen sollte, wegen der hoheitlichen Aufgabenstellung und des sonderpolizeilichen Charakters der Flugsicherung seine Unterschrift verweigert und dieses so mit seinem Veto zurückgewiesen. Der Bundespräsident begründet seine Entscheidung damit, dass das Gesetz nicht vereinbar mit dem Grundgesetz sei, weil • • •

dort eine bundeseigene Verwaltung bestimmt war (Art. 87d Abs. 1 Satz 1); es ausreichende Steuerungs- und Kontrollrechte fordert; die Hauptbetriebsstätte der Flugsicherung nach Ablauf von 20 Jahren ins Ausland verlagert werden kann.

Die Flugverkehrskontrolle an den anderen Flughäfen in Deutschland mit Tower (sog. Regionalflughäfen) wird nicht von der DFS, sondern von einzeln beliehenen Fluglotsen erbracht, die im Dienst einer zertifizierten Flugsicherungsorganisation stehen. Die DFS hat diese Aufgaben durch die Gründung der The Tower Company GmbH am 20. Dezember 2005 in eine eigenständige Gesellschaft überführt. Die The Tower Company GmbH ist eine 100%-ige Tochtergesellschaft der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH und hat Ihren Sitz in Langen/Hessen. Sie ist an den Flughäfen Dortmund (EDLW), Paderborn-Lippstadt (EDLP), Hahn (EDFH), Leipzig-Altenburg (EDAC), Karlsruhe/Baden-Baden (EDSB), Memmingen (EDJA), Schwerin-Parchim (EDOP), Mönchengladbach (EDLN) und Niederrhein/Weeze (EDLV) tätig.

Technisches Hilfswerk Die deutsche Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) wurde am 12. September 1950 als Zivilund Katastrophenschutzorganisation des Bundes gegründet. Sie untersteht dem Bundesministerium des Innern und hat ihren Sitz in Bonn-Lengsdorf. Seit dem 25. August 1953 ist das THW eine nicht rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts ohne eigene Dienstherrenfähigkeit. Der internationale Name lautet „German Federal Agency For Technical Relief“. Es gibt weltweit keine andere Regierungs- oder Nichtregierungsorganisation mit einem vergleichbaren Aufgabengebiet. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 104


Die Aufgaben des THW sind durch das THW-Gesetz vom 29. Juli 2009 festgelegt:

Technische Hilfe im Zivilschutz Die Notwendigkeit des nicht-militärischen Schutzes der Zivilbevölkerung vor Kriegseinwirkungen und deren Beseitigung waren die hauptsächlichen Gründe für die Schaffung des Technischen Hilfswerkes. Mit dem gesetzlichen Auftrag wird heute direkt Bezug auf das Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz (ZSKG) genommen und damit auf die enge Zusammenarbeit von Bund und Ländern bei der Aufgabenbewältigung im Verteidigungsfall. Zur Erfüllung dieser Aufgabe stellt das THW flächendeckend Einrichtungen und Einheiten auf, die aus Helfern gebildet werden. Das THW ist bewusst dem Bundesministerium des Innern (BMI), und nicht dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) unterstellt. Es ist ausdrücklich keine militärische oder paramilitärische Organisation. Im Verteidigungsfall stehen die THW-Helfer unter dem besonderen Schutz der vierten Genfer Konvention als zivile Nichtkombattanten, das heißt, sie dürfen nicht kämpfen, aber auch nicht angegriffen werden (ähnlich wie Sanitätstruppen der Streitkräfte, diese sind militärische Nichtkombattanten).

Technische Hilfe im Ausland Die Bundesrepublik Deutschland bietet anderen Staaten vor allem bei Naturkatastrophen Hilfe an oder reagiert auf Hilfeersuchen anderer Staaten und bedient sich dabei u.a. der technischen und personellen Mittel des THW. Der Einsatz des THW als humanitärer Botschafter ist ein wichtiges Element im Rahmen internationaler Beziehungen, die Hilfe wird hierbei über das Auswärtige Amt vermittelt. Das THW hat für diese Zwecke Schnelleinsatzeinheiten wie die SEEBA die SEEWA aufgestellt, die innerhalb weniger Stunden weltweit Hilfe leisten. In europäischen Nachbarländern kommen reguläre Einheiten mit teilweise mehreren hundert Helfern (z. B. Hochwasser in Südfrankreich im Dezember 2003) zum Einsatz. Zusätzlich werden auch langfristige Entwicklungsoder Wiederaufbauprojekte im Auftrag des UNHCR durchgeführt, z. B. in Bosnien und Herzegowina beim Aufbau der Stari most in Mostar oder auf dem afrikanischen Kontinent (z. B. Brunnenbau).

Technische Hilfe im Katastrophenschutz auf Anforderung der zuständigen Stellen Als Behörde ist das THW gemäß den Regelungen des Verwaltungsverfahrensgesetzes anderen Behörden gegenüber zur Amtshilfe verpflichtet, wenn die dort genannten Voraussetzungen vorliegen. Darüber hinaus wird das THW durch das THW-Gesetz dazu verpflichtet, auf Anforderung der für die Gefahrenabwehr zuständigen Stellen technische Hilfe zu leisten, wenn es sich um Katastrophen, öffentlichen Notstände oder Unglücksfälle größeren Ausmaßes handelt. Dies betrifft den Einsatz des THW in der örtlichen Gefahrenabwehr der Gemeinden und Städte, also durch die Feuerwehren, aber auch für Rettungsdienste bei Massenanfällen von Verletzten, Polizeien der Länder und des Bundes oder den Zoll (z. B. Beleuchtung). In einigen Bundesländern kommt hierzu noch die Technische Hilfe auf Verkehrswegen. So hilft das THW bei vielen Unfällen, Unwettern, Erdrutschen oder Hochwassern und greift dabei auf seine zur Aufgabenwahrnehmung im Zivilschutz geschaffenen Potentiale an Technik und Organisation zurück.

Erfüllung öffentlicher Aufgaben durch Vereinbarung Über die Fälle der Amtshilfe hinaus kann das THW öffentliche Aufgaben durch Vereinbarung übernehmen.

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Das THW unterscheidet auf Grund seiner haupt- als auch ehrenamtlichen Mitarbeiter in seinem Aufbau zwischen der THW-Struktur, welche die hauptamtliche Struktur einer Behörde widerspiegelt und der Einsatzstruktur, die die operativen ehrenamtlichen Einheiten bündelt.

THW-Struktur 668 THW-Ortsverbände, 66 Geschäftsstellen, 8 Landesverbände und die Bonner THW-Leitung sind eingebunden in Verwaltungs- und Organisationsstrukturen.

THW-Leitung Die THW-Leitung untersteht dem THW-Präsidenten und unterstützt diesen bei seinen täglichen Amtsgeschäften. Sie besteht aus dem Leitungs-Stab, diversen Beauftragten und den zwei Abteilungen Einsatz mit den Referaten Grundsatz, Ausland, Kompetenzentwicklung, Logistik und Technik sowie der Abteilung zentrale Dienste mit den Referaten Helfer und Personal, Organisation, Finanzen, Recht und Information und Kommunikation.

THW-Landesverbände Die acht Landesverbände sind die Ansprechpartner der obersten Landesbehörden sowie der Landesverbände anderer Organisationen und Stellen. Ihnen stehen die Landesbeauftragten vor, denen für ihre Arbeit ebenfalls zwei Referate (Einsatz und Ehrenamt / zentrale Dienste) zur Verfügung stehen, sowie die Stellen Büromanagement und Kommunikation. Derzeit sind sie wie folgt auf geteilt: • • •

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Landesverband Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart Landesverband Bayern mit Sitz in München Landesverband Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt mit Sitz in Berlin und den Sonderaufgaben THW-Informationszentrum und Wahrnehmung von Hauptstadtaufgaben Landesverband Bremen, Niedersachsen mit Sitz in Hannover und den Sonderaufgaben Aufbau Ölschadensbekämpfung und Aufbau SEB ABC Landesverband Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein mit Sitz in Kiel Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland mit Sitz in Mainz Landesverband Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Heiligenhaus (ebenfalls Sitz des Logistikzentrums) Landesverband Sachsen, Thüringen mit Sitz in Altenburg

THW-Geschäftsführerbereiche In den Landesverbänden sind insgesamt 66 Geschäftsführerbereiche eingegliedert, die wiederum die Ortsverbände betreuen, ihnen als Außenstellen der Landesverbände aber nicht weisungsbefugt sind. Die Geschäftsführerbereiche werden von einem Geschäftsführer geleitet, welcher der Ansprechpartner auf der regionalen Ebene ist. Ihm zur Seite stehen mehrere Sachbearbeiter und Bürosachbearbeiter.

THW-Ortsverbände Das Konzept des THW sieht für jeden Landkreis und für jede kreisfreie Stadt mindestens einen Ortsverband vor, deutschlandweit gibt es derzeit 669 Ortsverbände. Jedem Ortsverband steht der www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 106


Ortsbeauftragte als ehrenamtlicher Behördenleiter vor. Er wird vertreten durch den stellvertretenden Ortsbeauftragten, der gleichzeitig auch Leiter des OV-Stabs ist. Daneben steht der Technische Zug als Einsatzeinheit eines Ortsverbandes.

OV-Stab Der OV-Stab bildet die Verwaltungseinheit eines Ortsverbands und dient der Führung und Organisation. Im Einsatzfall geht aus ihm die Leitungs- und Koordinierungsstelle des Ortsverbandes hervor, die LuK-OV. Folgende Mitglieder sind in einem OV-Stab tätig: • • • • • • •

Stellvertretender Ortsbeauftragter (Leiter des OV-Stabes, stv. OB) Ausbildungsbeauftragter (AB) Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit (BÖ) Jugendbetreuer (JB) Verwaltungshelfer (VwHe) Schirrmeister (SM) OV-Koch (Koch)

Des Weiteren sind in jedem Ortsverband zwei Fachberater (FaBe) vorgesehen, die dem Ortsbeauftragten direkt unterstellt sind. Die operativen Einheiten sind über die Stärke- und Ausstattungsnachweisung (StAN) definiert, daraus ergibt sich eine bundesweite Einheitlichkeit, die bei großen Einsätzen wie zum Beispiel dem Elbehochwasser 2002 von Vorteil ist. Egal ob eine Einheit aus Bayern oder aus Schleswig-Holstein kommt, der Anforderer kann sich auf vergleichbare Fähigkeiten verlassen. In den Ortsverbänden sind derzeit 727 Technische Züge (TZ) flächendeckend disloziert. Deshalb ist eine schnelle Einsatzfähigkeit für die vielfältigsten Anforderungen sichergestellt.

Technischer Zug Der Technische Zug untersteht dem Zugführer und besteht grundsätzlich aus dem Zugtrupp der ihn unterstützt, der 1. Bergungsgruppe für den schnellen und mobilen Einsatz, der 2. Bergungsgruppe für den überwiegend stationären Einsatz mit schwereren Geräten bzw. zur Unterstützung der 1. Bergungsgruppe sowie mindestens einer Fachgruppen. Die Bergungsgruppen sind flächendeckend in jedem Ortsverband vorhanden und stellen die Basis des THW dar. Verstärkt werden sie von den verschiedenen Fachgruppen. Der Funkrufname der THW Einheiten lautet im 2 m und 4-m-Sprechfunk Heros.

Zugtrupp Der Zugtrupp (ZTr) dient der Führung des Technischen Zuges (TZ). Ihm obliegt die Koordination und Abwicklung von Einsätzen. Er richtet eine Befehlsstelle ein und betreibt diese für den Technischen Zug sowie ggf. für weitere unterstellte Einheiten/Teileinheiten. Ferner organisiert der Zugtrupp den Personal- und Materialeinsatz sowie die Logistik für die unterstellten Einheiten. Der Zugtrupp stellt die Verbindung zur übergeordneten Einsatzleitung (EL) bzw. Führungsstelle (FüSt) sowie zu benachbarten Einheiten bzw. Organisationen her und hält diese. Im Bedarfsfall bilden ein oder mehrere Zugtrupps eine THW-Führungsstelle ohne Stab.

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1. Bergungsgruppe Die 1. Bergungsgruppe (1. BGr) ist die universellste Gruppe im Technischer Zug. Das Personal und die Ausstattung sind auf die Bewältigung eines möglichst breiten Aufgabenspektrums ausgerichtet. In der Regel kommt diese Gruppe auch zuerst zum Einsatz. Sie wird ergänzt und unterstützt durch die 2. Bergungsgruppe oder durch Fachgruppen bzw. sie unterstützt diese.

2. Bergungsgruppe Die 2. Bergungsgruppe (2. BGr) verfügt neben einer Grundausstattung, die weitgehend jener der 1. BGr ähnelt, zusätzliche, schwerer Komponenten. Insbesondere nutzt sie elektrische und hydraulische Werkzeuge mit denen eine schwere Bergung auch da geleistet werden kann, wo Abgase oder Lärm verbrennungsgetriebener Werkzeuge den Einsatz behindern oder Verletzte gefährden würden. In den 66 Geschäftsführerbereichen ist je einmal als Typ B eine „schwere“ Version der 2.BGr, vorhanden. Sie ist zusätzlich mit Betonkettensäge, Plasmaschneider, Kernbohrgerät und schweren Hebekissen (132 t) ausgestattet.

Fachgruppe Eine Fachgruppe ist eine Teileinheit des Technischen Zuges oder eigenständige Einheit mit speziellen überörtlichen oder -regionalen Einsatzaufgaben. Sie sind für Einsätze bei großen Schadenereignissen, für Auslandseinsätze sowie für besondere Schadenfälle vorgesehen. Sie sind auf Grund des unterschiedlichen Bedarfs in ihrer jeweiligen Spezialisierung teilweise in geringerer Zahl vorhanden. Durch die auf überörtliche Zusammenarbeit ausgerichtete Struktur stellt dies aber kein Problem dar, jede Fachgruppe ist jederzeit deutschlandweit verfügbar.

THW-Jugend Die THW-Jugend ist die Jugendorganisation des Technischen Hilfswerks. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Jungen und Mädchen ab zehn Jahren spielerisch an die Arbeit des THWs heranzuführen. Die THWJugend gehört jedoch nicht zur Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, sondern ist ein eigenständiger eingetragener Verein. Diese Regelung wurde mit dem Hintergedanken getroffen, keine staatliche Jugendorganisation zu unterhalten.

Helfervereinigungen Eine immer wichtigere Rolle spielen innerhalb des Technischen Hilfswerks die sogenannten Helfervereinigungen. Diese sind meist gemeinnützige Vereine, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Technische Hilfswerk von außen zu unterstützen. Die Helfervereinigungen stehen außerhalb der Behördenstruktur und unterstützen die Helfer und Ortsverbände durch eigene Angebote und Spenden. So zum Beispiel können sich die Helfer als Mitglieder einer Helfervereinigung für Fälle der Berufsunfähigkeit absichern. Manche Helfervereinigungen haben sich zum Beispiel das Ziel gesetzt, die früher im THW vorhandene kameradschaftliche Kommunikation wieder aufleben zu lassen. Eine große Rolle in diesem Zusammenhang spielen die großen Kommunikationsplattformen außerhalb des bundeseigenen THW-Extranets. In diesem Zusammenhang ist vor allen Dingen das neue Netzverständnis des Web 2.0 zu nennen. Größtes soziales Netzwerk mit mehr als 10.000 Nutzern ist meinthw.de. So wurde eine neue Dynamik in Bezug auf die Verknüpfung von Helfern geschaffen.

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THW-Angehörige sind zum Tragen einer eigenen Dienstkleidung verpflichtet, diese ist im Allgemeinen dunkelblau. Es wird zwischen Arbeits-, Einsatz- und Dienstanzug unterschieden. Letztere verfügen neben einem Ärmelabzeichen auch über Dienststellungskennzeichen.

Arbeitsanzug Der Arbeitsanzug besteht aus robuster, blauer Arbeitskleidung und wird bei allgemeinen Arbeiten in der Unterkunft getragen, z. B. bei technischen Diensten, wie Wartung und Reparatur von Geräten oder Fahrzeugen.

Einsatzanzug Der Einsatzanzug wird im Einsatz und auch bei bestimmten Ausbildungen getragen. Er dient auch zur Repräsentation des THW in der Öffentlichkeit, z. B. bei Festen und Vorführungen. In den 60er Jahren wurde der Einsatzanzug als Pilotenanzug bezeichnet. Am Anfang war er sandfarbig und wechselte in den 70er in die Farben grau-blau (heute noch oft als Arbeitsanzug getragen), bevor er im Jahr 2000 durch den neuen Multifunktionsanzug ersetzt wurde. Die neue Einsatzbekleidung besteht aus Helm, Jacke (mit Fleece-Innenjacke), T-Shirt (kurz- oder langarm), Hose (mit Innenhose) und Schnürstiefeln. Der gelbe Helm erfüllt die Norm DIN EN 443 für Feuerwehrhelme. Die blaue Gore-Tex-Jacke ist mit gelben Reflexstreifen an den Ärmeln ausgestattet. Auf der Rückseite ist ein Leuchtstreifen mit der Aufschrift THW (bzw. Zug/Gruppenführer). Für kalte Tage gibt es eine Fleece-Jacke. Blau sind auch die T-Shirts und die Hose, welche im unteren Bereich mit Leuchtstreifen versehen ist. Eine wasserdichte Innenhose schützt die Einsatzkräfte vor Chemikalien. Die Schuhe sind Sicherheitsschuhe, verstärkt mit feuer- und säurefester Sohle. Der Einsatzanzug kostet ca. 650 Euro.

Dienstanzug Für die übrigen Dienste, die keine besondere Schutzkleidung erfordern, steht ein Dienstanzug zur Verfügung. In der Praxis wird dieser jedoch oft nur zu besonderen Anlässen getragen, z. B. bei Tagungen, Empfängen oder Ehrungen.

Kopfbedeckung Der speziell für das THW angefertigte Schutzhelm HPS 4100 der Firma Dräger zählt zur persönlichen Schutzausrüstung eines jeden Helfers und muss im Einsatz getragen werden. Er hat die Form des Gefechtshelmes der deutschen Streitkräfte und kann weitere Ausstattung aufnehmen, wie Lampe, Visier oder Schutzbrille und Nackenleder. Wenn die Helfer einen Gefahrenbereich verlassen oder wenn es erlaubt ist, den Helm abzusetzen (z. B. bei der Deichverteidigung) können die Helfer auf eine Baseballmütze zurückgreifen. Der vormals getragene Helm entsprach einem Arbeitsschutzhelm, jedoch mit Kinnriemen. Ein Visier und ein Nackenschutz aus Leder konnten angebracht werden. Seit Anfang der 1990er-Jahre gibt es im THW auch Barette. Es hängt jedoch vom jeweiligen Ortsverband ab, ob und wann diese getragen werden. In der aktuellen Bekleidungsrichtlinie sind sie, wie auch die Dienstmütze, außer Dienst gestellt. Vorhandene Bestände beider Kopfbedeckungen dürfen jedoch getragen werden.

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Fachgruppe Räumen Die Tiefbauspezialisten Mit ihren leistungsfähigen Baumaschinen ist die Fachgruppe Räumen an fast allen alltäglichen Einsätzen des THW beteiligt, um beispielsweise umgestürzte Bäume zu entfernen oder Autos aus Straßengräben zu hieven. Häufig kommen die wendigen Radlader zum Einsatz, um die Feuerwehr bei der Brandbekämpfung zu unterstützen. Insbesondere wenn einsturzgefährdete Gebäude gesichert oder eingerissen, Bauwerksteile niedergelegt oder Trümmer weggeräumt werden müssen, ist diese Einheit eine große Hilfe. Die Einsatzkräfte dieser Fachgruppe unterstützen auch Rettungskräfte, die zu eingeschlossenen oder verschütteten Personen vordringen müssen. Die Fachgruppe Räumen ist die häufigste Fachgruppe im THW und kann schnell und flächendeckend eingesetzt werden. Je nach Leistungsfähigkeit des Bergungsräumgeräts gibt es die Fachgruppe in zwei unterschiedlichen Versionen. Typ A ist alternativ mit einem Vielzweck-Radlader oder Bagger (13 bis 15-Tonnen-Klasse) ausgestattet, Typ B dieser Fachgruppe hingegen mit Kompakt- bzw. KleinBaumaschinen. Die Fachgruppe Räumen (FGr. R) als Fachgruppe des THW beseitigt Hindernisse und Trümmer oder ebnet diese ein, schafft Zu- und Abfahrtswege für die eigene Einheit und für andere Fachdienste mit schwerem bzw. leichtem Bergungsräumgerät. Sie unterstützt das Vordringen zu Eingeschlossenen oder Verschütteten (durch Anheben, Zerkleinern oder Beseitigen großer Trümmer, Aushubarbeiten etc.) und führt unaufschiebbare Sicherungsarbeiten (Niederlegen, Einebnen) an einsturzgefährdeten Gebäude- oder Bauwerksteilen durch. Sie führt Stemm- und Bohrarbeiten im Rahmen der Fachaufgabe und für andere Fachgruppen (zum Beispiel Sprengen) durch.

Fahrzeuge/Ausstattung [ FGr Räumen Typ A www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 110


Die Fachgruppe ist wie dargestellt Teil des Technischen Zuges und unterhält

schweres Bergungsräumgerät (BRmG) als Radlader oder Bagger mit versch. Anbauteilen • LKW Kipper mit Seilwinde • Drucklufterzeuger (DLE) • Anhänger Tieflader FGr Räumen Typ B •

Abweichend vom Typ A verfügt die FGr Räumen des Typ B über folgende Einsatzmittel: • • •

Bergungsräumgerät: Klein-Lader oder -bagger LKW Kipper Anhänger Tieflader

Personal/Stärke Kurzform:

0/2/7/9 Funktions- und Helferübersicht:

1 Gruppenführer • 1 Truppführer (Atemschutzgeräteträger / ABC-Helfer) • 7 Fachhelfer In der Fachgruppe Räumen werden durch die 7 Fachhelfer folgende Zusatzfunktionen besetzt (Doppel-Zusatzfunktionen notwendig, zum Beispiel: Kraftfahrer und Sprechfunker): •

Typ A: 3 Bergungsräumgeräte-Fahrer / Kraftfahrer CE / Sprechfunker / Atemschutzgeräteträger • Typ A: 1 Maschinist Drucklufterzeuger • Typ B: 3 Kleinlader-Fahrer / Sprechfunker / Atemschutzgeräteträger / ABC-Helfer • 2 Kraftfahrer CE / Sprechfunker • 1 Sanitätshelfer •

Bundesweit sind 155 Fachgruppen Räumen aufgestellt.

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Fachgruppe Trinkwasserversorgung Die „Waterpeople“ Im Ausland werden die Einsatzkräfte der Fachgruppe Trinkwasserversorgung gerne als „Waterpeople“ bezeichnet. Überall dort, wo Trinkwasser verschmutzt oder knapp ist, kann die Trinkwasseraufbereitungsanlage dieser Fachgruppe mit einer Leistung von bis zu 15 Kubikmetern pro Stunde eingesetzt werden. Mobile Labors für Wasseranalysen stellen die Qualität des Trinkwassers sicher. Neben Herstellung, Transport und Förderung zählt auch die Verteilung von Trinkwasser zu den Aufgaben dieser Fachgruppe. Ihre Spezialisten können entsprechend den technischen Regeln Trinkwassernetze und –förderstrecken instand setzen oder errichten. Neben Maschinist und Schweißer zählt auch ein Trinkwasserlaborant, der die Wassergüte beurteilen kann und im Bereich der Hygienevorschriften besonders geschult ist, zu dieser Fachgruppe. Die Fachgruppe Trinkwasserversorgung (FGr TW) als Fachgruppe des THW betreibt bei allen Schadenlagen die Trinkwasseraufbereitung und -versorgung. Sie betreibt hierzu mobile TrinkwasserAufbereitungsanlagen. Sie fördert, lagert, transportiert und verteilt Trinkwasser unter laufender Qualitätskontrolle. Zur Behebung von Gefahren und Notständen führt sie unaufschiebbare Instandsetzungsarbeiten an Wasserversorgungsanlagen durch, baut bzw. repariert Wasserförderstrecken, regeneriert Brunnen und wirkt beim Betrieb von Notbrunnen mit. Sie arbeitet technisch und personell eng mit Wasserversorgungsunternehmen (WVU) und nach deren Weisung zusammen.

Fahrzeuge/Ausstattung Die Fachgruppe ist wie dargestellt Teil des Technischen Zuges und unterhält • •

LKW mit Ladebordwand Container-Anhänger mit Trinkwasseraufbereitungsanlage

Personal/Stärke Kurzform:

0/3/15/18 Funktions- und Helferübersicht: •

1 Gruppenführer

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2 Truppführer • 15 Fachhelfer In der Fachgruppe Trinkwasserversorgung werden durch die 15 Fachhelfer folgende Zusatzfunktionen besetzt (Doppel-Zusatzfunktionen notwendig, z. B.: Kraftfahrer und Sprechfunker): •

• • • • • •

4 Maschinsten Trinkwasseraufbereitungsanlage 3 Wasserlaboranten 4 Kraftfahrer CE / Sprechfunker 3 Sanitätshelfer 1 THW-Schweißer/Brennschneider 2 PE/PVC-Schweißer

Bundesweit sind 23 Fachgruppen Trinkwasserversorgung aufgestellt. Aufgaben der einzelnen Funktionen:

Gruppenführer Trinkwasserversorgung (GrFü TW) Der Gruppenführer hat die Verantwortung für die personelle und materielle Einsatzbereitschaft seiner Gruppe. Er wirkt bei der Erstellung der Dienst- und Ausbildungspläne für die Fachgruppe Trinkwasserversorgung mit. Der Gruppenführer leitet die Helfer seiner Fachgruppe zur Bewältigung von Einsatzaufgaben fachlich an und berät den Zugführer / Einsatzleiter insbesondere in Fragen der Fachkunde seiner Gruppe.

Truppführer Trinkwasserversorgung (TrFü TW) Der Truppführer führt die Helfer seines Trupps und leitet sie fachlich an zur Bewältigung von Einsatzaufgaben, die der fachtechnischen Ausrichtung und Aufgabenstellung der Gruppe entsprechen, und zur allgemeinen Unterstützung anderer Einheiten, Einrichtungen und Organisationen. Das schließt die Herstellung und Erhaltung von Verbindungen zu übergeordneten und nachgeordneten Stellen mit ein.

Maschinist Trinkwasseraufbereitungsanlage (MaschTWAA) Er bedient die Trinkwasseraufbereitungsanlage nach Weisung des Gruppenführers und führt einfache Trinkwasseruntersuchungen durch. Der Maschinist betreut außerdem die Anlage, um ihre Betriebsfähigeit, Betriebssicherheit und die Hygiene zu gewährleisten. Die Ausbildung richtet sich nach der Anlage, die zu betreiben ist: Für jede einzelne gibt es einen eigenen Lehrgang "Maschinist TWAA". Weiterhin besucht der angehende Maschinist noch den Lehrgang "Betriebsanalytik TWAA" und erhält jährlich eine Belehrung nach Lebensmittelhygieneverordnung.

Trinkwasserlaborant (Lab TW) Um in der Trinkwasseraufbereitung eine effiziente Arbeit leisten zu können, muss sowohl das Rohwasser als auch das Reinwasser auf physikalische, chemische und biologische Eigenschaften hin untersucht werden. Hierzu gehört auch die Erkundung nach nutzbaren Wasservorkommen. Aufgrund der Eigenschaften des Rohwassers ist der Laborant in der Lage, die Verfahrensschritte der Wasseraufbereitung so zu gestalten und zu kombinieren, dass im Einsatz mit möglichst geringem Aufwand ein hygienisches und trinkbares Wasser gewonnen werden kann. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 113


Weiterhin obliegt ihm die ständige Kontrolle der Qualität des produzierten Reinwassers. Er ist damit auch verantwortlich für die Überwachung der Einhaltung der Grenzwerte und das Aussprechen von Empfehlungen für nötige Maßnahmen. Der Trinkwasserlaborant ist durch eine Ausbildung in einem naturwissenschaftlichen Beruf sowie eine darauf aufbauende Ausbildung in der Trinkwasseranalytik durch die THW-Bundesschulen qualifiziert.

PE-/PVC-Schweißer (PSw) Ist es nötig, zum Transport von Wasser Leitungen zu verlegen, schweißt oder klebt der PE-/PVCSchweißer PE-/PVC-Rohre zusammen und stellt so unlösbare Verbindungen zwischen ihnen her. Weiterhin achtet er auf die Gebrauchsfähigkeit und vor allem auf die Betriebssicherheit seiner Schweißausstattung. Seine Ausbildung besteht aus den Lehrgängen "Fügen und Verlegen von PVCLeitungen" und "Fügen und Verlegen von PE-Leitungen".

THW-Schweißer / Brennschneider (SBr) Er stellt metallene Hilfskonstruktionen her und fügt Rohre und Halbzeuge zusammen. Dazu gehören Schweißarbeiten zur sicheren Schaffung von Festpunkten, zur behelfsmäßigen Schaffung von Stütz und Aussteifungselementen, sowie bei nichtabnahmepflichtigen Stahlbau- und Reparaturarbeiten. Mittels Brennschneiden trennt er Metallprofile und Bleche, bzw. kann auch Wegsamkeiten durch metallene Hindernisse schaffen. Die Betriebssicherheit seiner Ausstattung obliegt ebenfalls seiner Sorge. Es ist von Vorteil, wenn der THW-Schweißer / Brennschneider Vorkenntnisse aus einem metallverarbeitenden Beruf mitbringt. Darauf bauen dann die Lehrgänge "Thermisches Brennen" und "Schweißen im THW" auf.

Kraftfahrer CE (Kf CE) Er fährt und betreut das Einsatzfahrzeug der Fachgruppe. Hierzu gehört nicht nur vorschriftsmäßiges und sicherheitsbewußtes Fahren im Einsatz, sondern auch die Pflege des Fahrzeugs, die Überwachung der Prüffristen und die Maßnahmen zur Materialerhaltung. Auch die Fürsorge für dazugehöriges Gerät fällt unter seine Aufgaben. Die Voraussetzungen, um Kraftfahrer zu werden, sind der Führerschein der Klasse CE und eine zweiteilige "Bereichsausbildung Kraftfahrer".

Sprechfunker (SprFu) Der Sprechfunker ist für Informationsaustausch über Funk zuständig. Er errichtet Funkstellen und unterhält die Sprechfunkverbindungen seiner Teileinheit. Er sorgt auch für den gebrauchsfähigen Zustand der Geräte. Um diese Position zu erfüllen, absolviert der Helfer die "Bereichsausbildung Sprechfunk".

Sanitätshelfer (SanHe) Im Falle leichter Blessuren sorgt der "Sanhelfer" für Abhilfe. Er führt Erste-Hilfe-Maßnahmen durch und kann im Einsatz an Leichtverletzten die sanitätsdienstliche Betreuung übernehmen. Er sorgt auch für die Vollständigkeit und Verwendbarkeit der Sanitätsausstattung der Fachgruppe. Seine Qualifikation erlangt er durch die "Bereichsausbildung Sanitätshelfer", die er durch regelmäßige Auffrischungslehrgänge ergänzt.

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Fachgruppe Elektroversorgung Die Stromversorger Die Fachgruppe Elektroversorgung springt ein, wenn vorübergehend größerer Energiebedarf abzudecken ist. Mit ihrer 200 kVA-Netzersatzanlage ist sie das mobile Elektrizitätswerk des THW. Über die Stromerzeugung und –einspeisung hinaus sind die Spezialisten dieser Fachgruppe in der Lage, zur Unterstützung von Energieversorgungsunternehmen Reparaturen auf der Ebene des Mittelund Niederspannungsbereichs vorzunehmen – bis zum Übergabepunkt, denn dort beginnt das Aufgabenfeld der Infrastrukturgruppe. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 115


Die Fachgruppe Elektroversorgung (FGr E) als Fachgruppe des THW betreibt temporäre Stromversorgung mittels Netzersatzanlagen für Schaden- bzw. Einsatzstellen, Notunterkünfte, kommunalen Energieversorgungsanlagen, Einrichtungen und Betriebe öffentlichen Interesses sowie für andere Bedarfsträger. Sie führt zur Behebung von Gefahren und Notständen unaufschiebbare Reparaturarbeiten an elektrischen Versorgungsanlagen durch. Im THW-Auslandseinsatz übernimmt sie Aufgaben aus ihrem gesamten Leistungsspektrum.

Aufgaben • • • • •

• • •

• • • •

erkundet Schadengebiete, stellt Schäden fest und informiert oder berät Einheitsführer/Einsatzleiter sichert Gefahrenstellen ab sichert Schadenstellen an Elektroversorgungsanlagen führt Sicherungsmaßnahmen an Elektroversorgungsnetzen zur Verhinderung von Unfällen durch elektrischen Strom durch betreibt zeitlich begrenzt Ersatzstromversorgung für die Bevölkerung, für lebenswichtige Anlagen und Betriebe sowie Einrichtungen öffentlichen Interesses mittels mobiler Netzersatzanlagen speist in Netzabschnitte ein versorgt die Einheiten und Einrichtungen des THW und andere Bedarfsträger mit Strom aus Netzersatzanlagen repariert, baut und ergänzt (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) Elektroversorgungsanlagen im Niederspannungsbereich zur Aufrechterhaltung lebenswichtiger Einrichtungen unterstützt die Energieversorgungsunternehmen unterstützt die Fachgruppe Logistik bei der Prüfung von ortsveränderlichen E Geräten Sie führt alle Aufgaben im öffentlichen Netz unter Aufsicht und in Zusammenarbeit mit den Energieversorgungsunternehmen durch. Im Auslandseinsatz können alle vorgenannten Aufgaben übernommen werden.

Fahrzeuge/Ausstattung •

Mehrzwecklastkraftwagen 7 t mit Ladebordwand (MZKW MAN TGM)

LKW 7 t Nutzlast, geländegängig (gl), Plane / Spriegel, hydr. Ladebordwand 1,5 t, 1+2 Plätze Der Lastkraftwagen dient zur Beförderung der Einsatzmannschaft (1+2) und als Geräteträger der Ausstattung. •

Netzersatzanlage 200 kVA (Anh NEA 200 kVA)

Stromerzeuger 200 kVA, 230 V/400 V, 50 Hz, auf 2-Achs-Anhänger Der Anh NEA 200 kVA dient zur temporären Stromerzeugung, mit der Eignung zur parallelen Netzeinspeisung. •

Geräteausstattung

Die Geräteausstattung der FGr E beinhaltet umfangreiches Leitungs- und Verteilermaterial für den Einsatz der NEA, ferner Spezialwerkzeug, Prüf- und Messgeräten für Arbeiten an Niederspannungsnetzen oder –anlagen und verschiedene Hilfs- und Sicherungsgeräte. Den Großteil von manuellem Werkzeug mit Personal für Unterstützungsarbeiten stellen die Bergungsgruppen bereit. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 116


Personal/Stärke Kurzform:

0/2/7/9 Funktions- und Helferübersicht:

1 Gruppenführer • 1 Truppführer • 7 Fachhelfer In der Fachgruppe Elektroversorgung werden durch die 7 Fachhelfer folgende Zusatzfunktionen besetzt (Doppel-Zusatzfunktionen notwendig, z. B.: Kraftfahrer und Sprechfunker): •

• • •

3 Maschinisten Netzersatzanlage 2 Kraftfahrer CE / Sprechfunker 1 Sanitätshelfer

Bundesweit sind 89 Fachgruppen Elektroversorgung aufgestellt.

Fachgruppe Wassergefahren Die Wasserexperten Die Fachgruppe Wassergefahren ist die Fachgruppe für Rettungs- und Bergungsarbeiten auf dem Wasser. So können mit den Pontons schwimmende Arbeitsplattformen gebaut werden, die Mehrzweckboote können bei Hochwasser genutzt werden, um eingeschlossene Menschen zu evakuieren oder zu versorgen. Auch bei Deich- und Dammsicherungsarbeiten kann die Fachgruppe Wassergefahren mitwirken. Ihre Mehrzweck-Arbeitsboote erleichtern dank absenkbarer Bugklappe das Beund Endladen sowie Arbeiten auf dem Wasser erheblich. Ergänzt werden die Arbeitsboote bzw. Pontons durch ein Schlauchboot für Arbeiten auf seichten oder engen Gewässern. Die Fachgruppe Wassergefahren (FGr W) als Fachgruppe des THW rettet Menschen, Tiere und birgt Sachwerte bei Wassergefahren. Sie wirkt zusammen mit anderen Einsatzkräften bei der Versorgung der Bevölkerung mit. Sie transportiert Lasten verschiedener Art für den Einsatzbedarf bzw. bei Evakuierungen. Sie betreibt Mehrzweck-Wasserfahrzeuge auf dem Wasser, baut schwimmende Arbeitsplattformen und Anleger für verschiedene Arbeiten an und auf dem Wasser. Ferner wirkt sie bei der Damm- und Deichsicherung mit. Zur Zeit gibt es 132 dieser Fachgruppen verteilt über das Bundesgebiet. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 117


Diese Gruppe ist in zwei Varianten, Typ A und Typ B, vertreten. Bei Typ A liegt der Schwerpunkt auf der Arbeit mit Mehrzweckarbeitsbooten, wohingegen Typ B auch mit Mehrzweckpontons im Einsatz sind und Anleger und Arbeitsplattformen errichten. Entsprechend unterscheiden sich die Gruppen auch in der Ausbildung.

Personal/Stärke Kurzform:

0/3/9/12 Funktions- und Helferübersicht:

1 Gruppenführer • 2 Truppführer (Bootsführer, bei Typ B zusätzlich: Fährenführer) • 9 Fachhelfer In der Fachgruppe Wassergefahren werden durch die 9 Fachhelfer folgende Zusatzfunktionen besetzt (Doppel-Zusatzfunktionen notwendig, z. B.: Kraftfahrer und Sprechfunker): •

• • • •

4 Bootsführer 2 Bootsführer / Sprechfunker 2 Kraftfahrer CE / Ladekranführer / Sprechfunker 1 Sanitätshelfer

Bundesweit sind 129 Fachgruppen Wassergefahren aufgestellt. Aufgaben der einzelnen Funktionen:

Gruppenführer Wassergefahren (GrFü W) Der Gruppenführer hat die Verantwortung für die personelle und materielle Einsatzbereitschaft seiner Gruppe. Er wirkt bei der Erstellung der Dienst- und Ausbildungspläne für die Fachgruppe Wassergefahren mit. Der Gruppenführer leitet die Helfer seiner Fachgruppe zur Bewältigung von Einsatzaufgaben fachlich an und berät den Zugführer / Einsatzleiter insbesondere in Fragen der Fachkunde seiner Gruppe.

Truppführer Wassergefahren (TrFü W) Der Truppführer führt die Helfer seines Trupps und leitet sie fachlich an zur Bewältigung von Einsatzaufgaben, die der fachtechnischen Ausrichtung und Aufgabenstellung der Gruppe entsprechen, und zur allgemeinen Unterstützung anderer Einheiten, Einrichtungen und Organisationen. Das schließt die Herstellung und Erhaltung von Verbindungen zu übergeordneten und nachgeordneten Stellen mit ein.

Bootsführer (BoFü W) Bei Einsätzen und Ausbildungen führt der Bootsführer das Boot gemäß den Vorschriften und Gesetzen. Er ist verantwortlich für die Überwachung der Verkehrs- und Betriebssicherheit des Wasserfahrzeugs und achtet auf die Einhaltung der Prüffristen. Hierfür absolviert der Helfer die Lehrgänge "Bootsführer Grundlagen", "Bootsführer Binnen" alternativ, "Bootsführer See" sowie zur Ergänzung regelmäßig "Fortbildung BoFü Binnen /See". www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 118


Fährenführer(FäFü W) Bei Einsätzen und Ausbildungen führt der Bootsführer die schwimmenden Arbeitsplattformen (mit und ohne Auffahrrampe) / Pontons gemäß den Vorschriften und Gesetzen. Er ist verantwortlich für die Überwachung der Verkehrs- und Betriebssicherheit des Wasserfahrzeugs und achtet auf die Einhaltung der Prüffristen. Die Ausbildung zum Fährenführer beinhaltet sämtliche Lehrgänge , die für den Bootsführer nötig sind sowie den Lehrgang "Bau und Fahrausbildung einer Arbeitsplattform (Spez 48)".

Ladekranführer(LKrFü W) Der Ladekranführer bedient den Ladekran gemäß den Vorschriften und Gesetzen. Er ist verantwortlich für die Überwachung der Verkehrs- und Betriebssicherheit des Krans und achtet auf die Einhaltung der Prüffristen. Neben den Bereichsausbildungen "Kraftfahrer I" und Kraftfahrer II" benötigt er den Lehrgang "Ladekranführer".

Kraftfahrer CE (KF CE) Er fährt und betreut das Einsatzfahrzeug der Fachgruppe. Hierzu gehört nicht nur vorschriftsmäßiges und sicherheitsbewusstes Fahren im Einsatz, sondern auch die Pflege des Fahrzeugs, die Überwachung der Prüffristen und die Maßnahmen zur Materialerhaltung. Auch die Fürsorge für dazugehöriges Gerät fällt unter seine Aufgaben. Die Voraussetzungen, um Kraftfahrer zu werden, sind der Führerschein der Klasse CE und eine zweiteilige "Bereichsausbildung Kraftfahrer".

Sprechfunker (SprFu) Der Sprechfunker ist für Informationsaustausch über Funk zuständig. Er errichtet Funkstellen und unterhält die Sprechfunkverbindungen seiner Teileinheit. Er sorgt auch für den gebrauchsfähigen Zustand der Geräte. Um diese Position zu erfüllen, absolviert der Helfer die "Bereichsausbildung Sprechfunk".

Sanitätshelfer (SanHe) Im Falle leichter Blessuren sorgt der "Sanhelfer" für Abhilfe. Er führt Erste-Hilfe-Maßnahmen durch und kann im Einsatz an Leichtverletzten die sanitätsdienstliche Betreuung übernehmen. Er sorgt auch für die Vollständigkeit und Verwendbarkeit der Sanitätsausstattung der Fachgruppe. Seine Qualifikation erlangt er durch die "Bereichsausbildung Sanitätshelfer", die er durch regelmäßige Auffrischungslehrgänge ergänzt.

Fahrzeuge/Ausstattung Die Fachgruppe Typ A • • • •

LKW mit Ladekran und Geräte-Container (LKW Ldk) 1 Mehrzweckboot 1 Schlauchboot (SchlB) mit einem Anhänger 2 Mehrzweckarbeitsboote (MzAB) auf Anhängern

Als Typ B: 2 Mehrzweckpontons (MzPT) auf Anhängern • • •

LKW mit Ladekran und Geräte-Container (LKW Ldk) 1 Anhänger mit Mehrzweckboot 1 Anhänger mit Schlauchboot (SchlB) www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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• •

Anhänger mit 4 x Mehrzweckponton Anhänger

Fachgruppe Infrastruktur Die Installateure Wenn am Einsatzort Gefahr durch Elektrizität, Wasser oder Gas besteht oder nach einem Schadenfall Versorgungsleitungen schnell provisorisch instand gesetzt werden müssen, kommt die Fachgruppe Infrastruktur zum Einsatz. Sie arbeitet eng mit den Bergungsgruppen zusammen, sichert deren Arbeiten vor Gefahren durch Strom oder Wasser und organisiert die Energieversorgung an der Einsatzstelle. Darüber hinaus kann die Fachgruppe Elektro-, Wasser- und Abwassersysteme in Notunterkünften, Schutz- oder Bereitstellungsräumen einrichten. Die Ausstattung der Fachgruppe Infrastruktur ermöglicht es, mit Leitungsdimensionen zu arbeiten, wie sie ab dem Übergabepunkt der Versorgungsunternehmen zu Gebäuden und darin vorkommen. Höhere Anforderungen in Netzen, Fernleitungen etc. werden von den Fachgruppen Elektrotechnik, Trinkwasserversorgung, Wasserschaden/ Pumpen und Öl abgedeckt.

Die Fachgruppe Infrastruktur (FGr I) ist eine Fachgruppe des THW für Gefahren durch schadhafte Ver- und Entsorgungssysteme. Sie führt zur Beseitigung von Gefahren und Notlagen notwendige Sicherungs- oder Absperrmaßnahmen an Elektro-, Wasser-, Gas- und Abwasserleitungen im Bereich der Haus- und Gebäudetechnik durch. Sie setzt wichtige Verteiler- und Verbraucheranlagen behelfsmäßig wieder instand, richtet Elektro-, Wasserund Abwassersysteme in Notunterkünften, Bereitstellungsräumen und Einrichtungen öffentlichen Interesses ein. Sie stellt die Stromversorgung von Einsatzgeräten in Zusammenarbeit mit anderen Einheiten an der Schadensstelle sicher. Sie arbeitet technisch und personell mit Ver- und Entsorgungsunternehmen zusammen. Bei Bedarf wirkt sie beim Betrieb von Notbrunnen und Schutzräumen mit. Fahrzeuge/Ausstattung Die offizielle STAN sieht für die Fachgruppe Infrastruktur in den neuesten Ausführung einen MLW IV sowie einen MLW V vor. Da vielerorts noch Überbestände an Fahrzeugen aus Zeit der Instandsetzungszüge vorhanden sind, gibt es vor allem bei der Fachgruppe Infrastruktur die unterschiedlichsten Kombinationen an Fahrzeugen. •

Mannschaftslastwagen I (MLW I) www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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Mercedes-Benz, Pritsche/Plane, Doppelkabine •

Mannschaftslastwagen II (MLW II)

Mercedes-Benz, Unimog •

Mannschaftslastwagen III (MLW III)

Mercedes-Benz, Gerätekofferaufbau, Doppelkabine •

Mannschaftslastwagen IV (MLW IV)

Pritsche/Plane, Ladebordwand, Doppelkabine •

Mannschaftslastwagen V (MLW V)

Transporter (Ford- Transit) mit Ladefläche und Doppelkabine

Personal/Stärke Kurzform:

0/3/9/12 Funktions- und Helferübersicht:

1 Gruppenführer • 2 Truppführer (Atemschutzgeräteträger / ABC-Helfer) • 9 Fachhelfer In der Fachgruppe Infrastruktur werden durch die 9 Fachhelfer folgende Zusatzfunktionen besetzt (Doppel-Zusatzfunktionen notwendig, z. B.: Kraftfahrer und Sprechfunker): •

• • • • •

4 Atemschutzgeräteträger / ABC-Helfer 4 Kraftfahrer CE / Sprechfunker 1 Sanitätshelfer 1 THW-Schweißer/Brennschneider 1 PE/PVC-Schweißer

Bundesweit sind 83 Fachgruppen Infrastruktur aufgestellt.

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Fachgruppe Logistik Die Versorger Dank seiner Fachgruppe Logistik fällt das THW niemandem zur Last. Denn sie ist das zentrale Serviceunternehmen für alle THW-Einheiten. Im Einsatz übernimmt sie die Versorgung mit Verbrauchsgütern, die Verpflegung, die Betreuung und die Materialerhaltung. Damit wird der reibungslose Einsatzverlauf sichergestellt und die anfordernde Behörde beziehungsweise die Einsatzleitung entlastet. Natürlich kann die Fachgruppe Logistik auch Einsatzkräfte anderer Organisationen versorgen. Die Fachgruppe Logistik (FGr Log) als Fachgruppe des THW versorgt die Einheiten und Einrichtungen des THW und anderer Bedarfsträger mit Material und Dienstleistungen, insbesondere im Bereich Verpflegung, Verbrauchsgüter und Materialerhaltung. Sie führt innerhalb des THW Wartungs-, Reparaturarbeiten und Sachkundigenprüfung durch. Im Einsatz übernimmt sie ferner allgemeine Transportaufgaben, Aufgaben der Materialverwaltung und Logistik-Aufträge für andere Bedarfsträger. Die Fachgruppe Log unterliegt dem Einsatzvorbehalt der dem Ortsverband übergeordneten Stellen, sofern sie nicht dem Ortsverband selbst zugeordnet wurde.

Fahrzeuge/Ausstattung Die Fachgruppe ist nicht Teil des Technischen Zuges und besteht seit 2004 aus 3 Trupps: Führungstrupp Logistik (FüTr Log) •

PKW Kombi

Logistik-Verpflegungtrupp (LogVTr) • • •

Mannschaftslastwagen LKW mit Ladebordwand Feldkochherd

Logistik-Materialerhaltungstrupp (LogMTr) • • •

Mannschaftslastwagen LKW-Kipper mit Ladekran 6mt Werkstatt-Anhänger

Personal/Stärke Kurzform:

1/3/14/18 Trupp-, Funktions- und Helferübersicht: www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 122


Führungstrupp Logistik (FüTr Log) 1 Führer FGr Log (Logistikführer) • 1 Truppführer FüTr Log (Rechnungsführer/ Kraftfahrer B / Sprechfunker) • 1 Fachhelfer: • 1 Kraftfahrer B / Sprechfunker Logistik-Verpflegungstrupp (LogVTr) •

1 Truppführer LogVTr (Koch) • 8 Fachhelfer: • 2 Köche FGr Log • 2 Köche FGr Log / Kraftfahrer B / Sprechfunker • 2 Kraftfahrer CE/GGVS/ADR / Sprechfunker • 1 Sanitätshelfer • 1 Hygienehelfer Logistik-Materialerhaltungstrupp (LogMTr) •

• • • • •

1 Truppführer LogMTr 5 Fachhelfer: 2 Kraftfahrer CE/GGVS/ADR / Sprechfunker / Ladekranführer 1 Sanitätshelfer 2 THW-Schweißer / Brennscheider

Bundesweit sind 66 Fachgruppen Logistik aufgestellt, eine pro Geschäftsführerbereich. Der Verpflegungstrupp und der Materialerhaltungstrupp einer Fachgruppe Logistik können an verschiedenen Standorten innerhalb eines Geschäftsführerbereiches stationiert sein.

Fachgruppe Sprengen Ein zündender Gedanke Stößt die Leistungsfähigkeit technischer Geräte an ihre Grenzen oder verspricht deren Einsatz keinen Erfolg, kann moderne Sprengtechnik helfen, das Leben von Menschen und Tieren zu retten und www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 123


Sachwerte zu erhalten. Das Leistungsspektrum der Fachgruppe Sprengen weist eine Fülle von Anwendungsfällen auf. Es reicht vom Schneefeldsprengen zur Beseitigung einer Lawinengefahr bis hin zum Deichsprengen, um bei extremen Hochwasserlagen das angestaute Wasser kontrolliert abfließen zu lassen. Die Sprengexperten verfügen über die notwendigen Kenntnisse, unterspülte und verbogene Schienenstränge schnell und präzise zu trennen oder einsturzgefährdete Gebäude oder Bauwerksteile kontrolliert niederzulegen. Auch für die Feuerwehr ist die Fachgruppe Sprengen von Interesse: Durch gezielte Sprengungen lassen sich beispielweise Waldbrände eindämmen. Die Fachgruppe ist außerdem in der Lage, bei Großbränden Rauchabzugsöffnungen zu sprengen oder Eindring- bzw. Löschöffnungen herzustellen. Die Fachgruppe Sprengen (FGr Sp) als Fachgruppe des THW übernimmt unter Einsatz der Sprengtechnik Aufgaben zur Rettung von Menschen und Tieren, zur Erhaltung bedeutender Sachwerte sowie zur Beseitigung von Gefahrenquellen. Im THW-Auslandseinsatz übernimmt sie Aufgaben aus ihrem gesamten Leistungsspektrum. Sie ist die einzige nichtmilitärische und nichtpolizeiliche Sprengkomponente in der Gefahrenabwehr.

Aufgaben • •

• •

• • • • •

Sprengungen von Bauwerken und Bauwerksteilen bei Einsturzgefahr, zur Schaffung von Zugängen und Zuwegungen oder zur Beräumung von Trümmern. Öffnungssprengungen zur Schaffung von Zugängen und Öffnungen in Bauwerken z. B. zur Rettung von Personen oder als Rauchabzug / Brandherd-Zugang zur Unterstützung der Feuerwehr. Holzsprengungen zum Trennen / Beseitigen von Holzkonstruktionen, Bäumen, Ästen, Windbruch, zur Räumung von Verkehrswegen u.a.m. Sprengungen von Metallbauteilen zum Niederlegen und Trennen von Gittermasten, zum Trennen / Lösen von Stahlbauteilen, Schienen, Drahtseilen etc., zum Öffnen von Metall- und Druckbehältern. Gesteins- und Felssprengungen bei Erdrutsch, Felssturz oder -Gefahr, zur Materialgewinnung für den Bau von Behelfsstraßen /-wegen, Knäppersprengungen, etc. Sprengungen am und im Wasser, insbesondere das Sprengen von Dämmen bzw. Deichen bei extremen Hochwasserlagen, Sprengungen von verkeiltem Treibgut vor Brücken und Einlässen, Unterwassersprengungen (in Zusammenarbeit mit geeigneten Tauchern). Eissprengungen zum Auflösen von Eisflächen vor Bauwerken und zur Beseitigung von aufgestautem Eis zur Abwehr von Überflutungen. Schneefeldsprengungen zum Beseitigung von Lawinengefahren. Löschsprengungen zum Bekämpfen von Flächen- und Waldbränden zur Unterstützung der Feuerwehr. Brunnensprengungen zur Trinkwasserversorgung und Brunnenregenerierung. Kultursprengungen im Natur- und Umweltschutz, zur Anlage von Feuchtbiotopen, Stubbensprengungen. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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• • •

Sonstige Sprengarbeiten wie Mastloch- und Grabensprengungen u.v.a.m. Pyrotechnik zur Schadensdarstellung bei Übungen. Im Auslandseinsatz können alle vorgenannten Aufgaben übernommen werden.

Bei der Beseitigung von Treibgut und gefährlichen Anschwemmungen bei Hochwasserlagen, sowie den Schneefeldsprengungen kommt der Fachgruppe Sprengen die größte Bedeutung zu.

Fahrzeuge/Ausstattung •

1 Mannschaftslastwagen, Typ V (LKW-Kombi, Doppelkabine, geschlossener Kofferaufbau, 1,2t Nutzlast, 1+5 Plätze). Der MLW V ist ein Multifunktionsfahrzeug, das in der Fachgruppe Sprengen und im Technischen Zug genutzt wird. Geräte zum Bohren und Stemmen von Löchern und Spalten

Personal/Stärke Kurzform:

0/2/4/6 Funktions- und Helferübersicht: •

Helfer) •

Helfer)

1 Gruppenführer (Sprengberechtigter, Atemschutzgeräteträger / ABC1 Truppführer (Sprengberechtigter, Atemschutzgeräteträger / ABC-

4 Fachhelfer In der Fachgruppe Sprengen werden durch die 4 Fachhelfer folgende Zusatzfunktionen besetzt (Doppel-Zusatzfunktionen notwendig, z. B.: Kraftfahrer und Sprechfunker): •

• • • • •

1 Sprengberechtigter, Atemschutzgeräteträger / ABC-Helfer 2 Atemschutzgeräteträger / ABC-Helfer 2 Kraftfahrer BE / Sprechfunker 1 Sanitätshelfer 3 Sprenggehilfen

Bundesweit sind 48 Fachgruppen Sprengen aufgestellt.

Fachgruppe Ortung Die Spürhunde Wenn Menschen eingeschlossen oder verschüttet sind, ist Rettung oft nur durch eine qualifizierte Ortung möglich. Die Einsatztaktik der Fachgruppe Ortung setzt auf eine Kombination von Rettungsspezialisten, ausgebildeten und geprüften Rettungshunden und technischem Ortungsgerät. Diese gebündelte Fachkompetenz verspricht auch in schwierigsten Lagen Erfolg. So kann der Einsatz www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 125


von Ortungsspezialisten Klarheit bringen, ob beispielsweise unter Trümmern Leben vorhanden ist oder nicht. Um ihre schwierige Aufgabe erfüllen zu können, werden die THW-Ortungshelfer auf den Gebieten der technischen Ortung beziehungsweise der Rettungshundearbeit speziell geschult. Die Fachgruppe Ortung kann aber neben der Suche nach vermissten oder verschütteten Personen auch andere Aufgaben übernehmen wie zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Versorgungsunternehmen das Aufspüren von Leckagen an Versorgungsleitungen oder Lageerkundungen. Die Fachgruppe Ortung (FGr O) als Fachgruppe des THW erkundet Schadengebiete und ortet bzw. lokalisiert verschüttete, eingeschlossene, vermisste und abgängige Personen mittels technischer Ortungsgeräte und ggf. durch den Einsatz ausgebildeter und geprüfter Rettungshundeteams (gemäß DIN 13050). Sie unterstützt insbesondere Bergungseinheiten bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Je nach Bereitschaft der Helfer ihre Hunde als Rettungshunde einzusetzen gibt es zwei unterschiedliche Ausstattungstypen: 1. Typ A: Rettungshunde und technische Ortungsgeräte 2. Typ B: nur technische Ortungsgeräte

Fahrzeuge/Ausstattung Die Fachgruppe ist wie dargestellt Teil des Technischen Zuges und unterhält • • • •

Mannschaftstransportwagen (MTW) spezielles Ortungsgerät Bei Typ A: Rettungshunde Bei Typ A: Anhänger zum Transport der Rettungshunde

Personal/Stärke Kurzform:

Typ A: 0/3/9/12 Typ B: 0/2/7/9 Funktions- und Helferübersicht:

1 Gruppenführer (Technischer Berater Ortung) • 1 Truppführer (Technischer Berater Ortung) • Typ A zusätzlich: 1 Truppführer (Ausbilder biologische Ortung) • Typ A: 9 Fachhelfer / Typ B: 7 Fachhelfer In der Fachgruppe Ortung werden durch die Fachhelfer folgende Zusatzfunktionen besetzt (Doppel-Zusatzfunktionen notwendig, z. B.: Kraftfahrer und Sprechfunker): •

• • •

nur Typ A: 6 Rettungshundeführer Typ A: 2 Bediener technisches Ortungsgerät Typ B: 5 Bediener technisches Ortungsgerät

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• •

2 Kraftfahrer BE / Sprechfunker 2 Sanitätshelfer

Bundesweit sind 71 Fachgruppen Ortung aufgestellt.

Rettungshunde Die Rettungshunde werden beim THW in sogenannten Rettungshundeteams eingesetzt. Ein Team besteht aus dem Rettungshundeführer und dem Rettungshund an sich. Ein Rettungshundeteam hat beim THW 2 Jahre Zeit um sich auf die erste Prüfung (Trümmerprüfung) vorzubereiten. Falls die Trümmerprüfung bestanden wurde, besteht noch die Möglichkeit eine Flächenprüfung abzulegen. Eine Flächenprüfung kann immer nur nach bestandener Trümmerprüfung erfolgen. Die Prüfungen haben beim THW eine Gültigkeit von 18 Monaten, danach verfällt die Einsatzbereitschaft des Teams, eine neue Prüfung muss dann abgelegt werden. Die Prüfungen an sich finden beim THW an eine der beiden THW Bundesschulen in Hoya oder Neuhausen statt. Eine Ortungsgruppe des Typs A gilt nur dann als einsatzbereit, wenn diese mindestens drei geprüfte Rettungshundeteams hat.

Fachgruppe Brückenbau Die verbindenden Elemente Wenn Brücken oder Übergänge beschädigt sind, sorgt die Fachgruppe Brückenbau kurzfristig für Ersatz. Die von ihr errichteten Brücken werden aus vorgefertigten Teilen zusammengebaut oder aber aus herkömmlichen Baumaterialien wie Holz oder Stahl. Das Leistungsvermögen dieser Fachgruppe beschränkt sich aber nicht aufs Brückenbauen. Auch andere Bautätigkeiten sind in den Händen ihrer Spezialisten bestens aufgehoben. Die www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 127


Transportkapazitäten ihrer geländegängigen LKW-Kipper mit Kran können beim Umschlagen und Transportieren von schweren Lasten wertvolle Unterstützung bieten. Die Fachgruppe Brückenbau (FGr BrB) als Fachgruppe des THW errichtet temporäre Übergänge, Brücken und repariert bzw. sichert zerstörte Brückenteile zur Aufrechterhaltung der logistischen Infrastruktur und von Verkehrsverbindungen für die Einheiten des THW, für andere Hilfskräfte und für die Bevölkerung. Dabei kommen so genannte Bailey-Brücken und D-Brücken zum Einsatz.

Fahrzeuge/Ausstattung Die Fachgruppe ist wie dargestellt Teil des Technischen Zuges und unterhält • • • • •

Mannschaftslastwagen II (MLW II) Autokran Anhänger, Container-Form LKW Kipper mit Seilwinde Schlauchboot

Personal/Stärke Kurzform:

0/4/14/18 Funktions- und Helferübersicht: • • •

1 Gruppenführer 3 Truppführer 14 Fachhelfer

In der Fachgruppe Brückenbau werden durch die 14 Fachhelfer folgende Zusatzfunktionen besetzt (Doppel-Zusatzfunktionen notwendig, z. B.: Kraftfahrer und Sprechfunker): • • • •

2 Kraftfahrer CE / Sprechfunker / Ladekranführer 2 Kraftfahrer CE / Sprechfunker 1 Sanitätshelfer 2 THW-Schweißer/Brennschneider

Bundesweit sind 14 Fachgruppen Brückenbau aufgestellt.

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Fachgruppe Ölschadenbekämpfung Die Ölbekämpfer Die Fachgruppe Ölschadenbekämpfung (auch Fachgruppe Ölschaden) hilft, wenn „Schwarzes Gold“ zur Pest wird. Mit schwimmenden Barrieren kanalisieren die Fachleute dieser THWEinheit die Verschmutzung, nehmen sie von der Wasseroberfläche auf und füllen die Schadstoffe in Spezialbehälter. Bei geringen Verschmutzungsgraden gelingt es ihnen, eine Reinigung des verschmutzten Wassers bis zur Einleitungsqualität in Oberflächengewässer zu erreichen. Es gibt drei Fachgruppen-Typen: Die Fachgruppen Ölschaden Typ A und B unterstützen die Küstenländer im Rahmen einer Bund-Länder-Vereinbarung im Bereich der Deutschen Küste bei der Bekämpfung von Schadstoffen auf Gewässern und an den Küsten. Sie bekämpfen www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 129


und beseitigen Ölschäden größeren Ausmaßes bundesweit und im Rahmen der technischen Hilfe auch im Ausland. Die Ölschadensbekämpfung erfolgt auf dem Wasser und auf dem Land durch Abskimmen von Öl auf Wasseroberflächen, Aufnehmen des Öles von Ufern und Stränden, Eindämmen und Kanalisieren durch Ölsperren, Umfüllen, Auffangen und Separation des Öl/Wassergemisches. Die Fachgruppe Ölschadenbekämpfung Typ C bekämpft und beseitigt kleinere und mittlere Ölschäden, füllt Öle um, fängt ausgelaufenes Öl auf und separiert Öl/Wassergemische. Die Fachgruppe Ölschaden als Fachgruppe des THW unterstützt bei der Bekämpfung von Schadstoffen auf Gewässern und an den Küsten. Sie bekämpft und beseitigt Ölschäden kleineren, mittleren und größeren Ausmaßes bundesweit und im Rahmen der technischen Hilfe im Ausland. Grundlage hierfür ist eine Bund-Länder-Vereinbarung und der Partnervertrag im Bereich der Deutschen Küste bei der Bekämpfung von Schadstoffen auf Gewässern und an den Küsten.

Ausstattung Von der Fachgruppe Ölschaden werden drei verschiedene Typen aufgestellt, deren Ausstattung sich unterscheidet: Fachgruppe Ölschaden, Typ A • • • •

Lastkraftwagen 13 t mit Abrollkippersystem Lastkraftwagen 7 t mit Anbaukran 2-Achs-Anhänger für Abrollbehälter Wasser/Öl-Separationsanlage (SEPCON), Leistung 80/160 m³ pro Stunde

Fachgruppe Ölschaden, Typ B • • •

Lastkraftwagen 13 t mit Abrollkippersystem Lastkraftwagen 9 t mit Ladekran 2-Achs-Anhänger für Abrollbehälter

Fachgruppe Ölschaden, Typ C • • • •

Lastkraftwagen 13 t mit Abrollkippersystem 2-Achs-Anhänger für Abrollbehälter Geländegabelstapler (als Mitnahmestapler) Wasser/Öl-Separationsanlage (SEPCON), Leistung 20/40 m³ pro Stunde

Die Ausstattung zur Ölschadensbekämpfung wird durch die Küstenländer, vertreten durch das Havariekommando beschafft und den Fachgruppen Ölschaden zur Verfügung gestellt. Die oben aufgeführte Ausstattung befindet sich aufgrund einer Neuausrichtung der Aufgabengebiete in der Beschaffung. In der Übergangszeit sind die Fachgruppen Ölschaden anders ausgestattet.

Personal/Stärke Kurzform:

0/4/14/18 www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 130


Funktions- und Helferübersicht:

1 Gruppenführer • 3 Truppführer (Atemschutzgeräteträger) • 14 Fachhelfer In der Fachgruppe Ölschaden werden durch die 14 Fachhelfer folgende Zusatzfunktionen besetzt (Doppel-Zusatzfunktionen notwendig, z. B.: Kraftfahrer und Sprechfunker): •

Typ A und B: 4 Atemschutzgeräteträger • Typ C: 6 Atemschutzgeräteträger • Typ A und C: 3 Maschinisten Separartionsanlage • Typ A: 2 Kraftfahrer CE / Sprechfunker / Kranführer Ladekran • Typ B: 2 Kraftfahrer CE / Sprechfunker / Kranführer Ladekran / Hägglundsfahrer • Typ A: 2 Kraftfahrer CE / Sprechfunker / Staplerfahrer • Typ B: 4 Kraftfahrer CE / Sprechfunker / Staplerfahrer/ Hägglundsfahrer • Typ C: 3 Kraftfahrer CE / Sprechfunker / Staplerfahrer • 1 Sanitätshelfer • 1 Sprechfunker •

Die Fachgruppe Ölschaden ist bundesweit an 16 Standorten aufgestellt

Fachgruppe Führung/Kommunikation Die Führungsspezialisten Bei der Fachgruppe Führung/Kommunikation laufen alle Drähte zusammen. Sie dient insbesondere der Führung von THW-Einheiten und übernimmt die Kommunikationsaufgaben, die zur Führung der THW-Einsatzkräfte und für die Verbindung zum Bedarfsträger erforderlich sind. Sie kann auch Bedarfsträger beim Aufbau eines Kommunikationsnetzes unterstützen. Kernstück der mobilen Führungsstelle sind die auf einem LKW untergebrachte Kommunikationszentrale und der Führungs- und Lageanhänger. Dieser bietet im aufgebauten Zustand ca. 22 qm Arbeitsfläche - eine Art Großraumbüro mit moderner technischer Ausstattung für die Führungskräfte. Die Fachgruppe Führung / Kommunikation (FGr FK) als Fachgruppe des THW dient zur Führung mehrerer Einheiten bei größeren Schadensereignissen (ab ca. 2-3 Technischen Zügen). Sie erstellt, betreibt und unterhält eine THW-Führungsstelle (FüSt) und kann auch als Untereinsatzabschnittsleitung, Einsatzabschnittsleitung oder bei Bedarf auch als Einsatzleitung eingesetzt werden. In der Regel unterstellt sich das THW jedoch den Anforderern (Feuerwehr, Polizei, etc.), zumal, wenn dort eine Führungsstruktur vorhanden ist. Zum Zweck der Einsatzführung erstellt www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 131


die Fachgruppe FK Telekommunikationsverbindungen zur vorgesetzten und zu/r benachbarten Führungsstelle/n sowie zu den der Führungsstelle unterstellten Kräften. Des Weiteren kann eine Fachgruppe FK auch einen LuK einer THW-Geschäftsstelle bilden. In dem Fall befindet sie sich dann in der THW-Struktur und nicht, wie im Einsatzfall in der Einsatzstruktur. Die Fachgruppe FK unterliegt dem Einsatzvorbehalt der dem Ortsverband übergeordneten Stellen, sofern sie nicht dem Ortsverband selbst zugeordnet wurde.

Fahrzeuge/Ausstattung Die Fachgruppe FK ist nicht Teil des Technischen Zuges und unterhält wie dargestellt Führungskraftwagen (FüKW) Funktion als: • • • • •

Transportfahrzeug Führungsfahrzeug mobile Relaisstelle Erkundungs- und Lotsenfahrzeug Meldekopf

Führungs-/Kommunikationskraftwagen (FüKomKW) mit Führungs- und Lageanhänger (AnhFüLa) Funktion als: • • • •

Transportfahrzeug Arbeitsraum für den Fernmeldebetrieb Zugfahrzeug für den Führungs- und Lage-Anhänger Arbeitsraum für den Stab (im aufklappbaren Anhänger)

Fernmeldekraftwagen (FmKW) mit Anhänger Funktion als: • •

Baufahrzeug zum Herstellen von Leitungsverbindungen Transportfahrzeug

Mastkraftwagen (nur in Gruppen mit Weitverkehrstrupp) Funktion als: •

Mobiler Antennenträger (40m Mast)

+ Relaisstelle PKW geländegängig (nur in Gruppen mit Weitverkehrstrupp) Funktion als: • •

Erkundungsfahrzeug Transportfahrzeug www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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Die Fahrzeuge FüKomKW und Anh FüLa sowie FüKW sind anders als die anderen nicht blau mit weißer Schrift, sondern weiß mit blauer Schrift (früher orange), damit man sie als Führungseinheit sofort zwischen anderen, eingesetzten Einheiten erkennt. Ebenfalls heizen sich diese Fahrzeuge bei Sonneneinstrahlung nicht so sehr auf.

Personal/Stärke Kurzform FGr FK ohne Weitverkehrstrupp:

5/5/8/18 Trupp-, Funktions- und Helferübersicht:

1 Führer der FGr FK (Leiter THW-Führungstelle / Leiter Stab THWFührungstelle, Sachgebietsleiter 1-4) • 3 Sachgebietsleiter (Leiter THW-Führungstelle / Leiter Stab THWFührungstelle, Sachgebietsleiter 1-4) • 1 Sachgebietsleiter 6 (Fernmeldeführer, Sachgebietsleiter 1-2) Die Sachgebiete umfassen: S1 Personal/Innerer Dienst/Psychosoziale Unterstützung, S2 Lage, S3 Einsatz, S4 Logistik und S6 Telekommunikation Führungstrupp (FüTr) •

1 Truppführer FüTr / Führungsgehilfe (Kraftfahrer BE / Sprechfunker) • 1 Fachhelfer: • 1 Kraftfahrer BE / Sprechfunker Führungs- / Kommunikationstrupp (FüKomTr) •

1 Truppführer FüKomTr / Leiter des Fernmeldebetriebs • 2 Truppführer / Führungsgehilfen • 4 Fachhelfer: • 1 Sanitätshelfer • 2 Kraftfahrer CE / Sprechfunker Fernmeldetrupp (FmTr) •

1 Truppführer FmTr • 3 Fachhelfer: • 1 Sanitätshelfer • 2 Kraftfahrer CE / Sprechfunker Weitverkehrstrupp (WVTr) ist nur fünfmal bundesweit (Balingen, Gelnhausen, Lehrte, Potsdam, Hamburg-Harburg) aufgestellt: •

• • • •

2 Truppführer WVTr 4 Fachhelfer: 1 Sanitätshelfer 2 Kraftfahrer CE / Sprechfunker

Bundesweit sind 66 Fachgruppen Führung / Kommunikation aufgestellt, eine pro Geschäftsführerbereich. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 133


Fachgruppe Beleuchtung Die hellen Köpfe Die Fachgruppe Beleuchtung macht die Nacht zum Tag. Sie besitzt eine breite Palette von Beleuchtungsmitteln, um Einsatzstellen, Bereitstellungsräume oder Veranstaltungsorte großflächig auszuleuchten. Mit dem heliumgefüllten Leuchtballon gelingt es, auch großflächige Areale von rund 100 x 100 Metern in kurzer Zeit aus mindestens 15 Metern Höhe weitgehend schattenfrei und ohne störende Blendwirkung taghell zu erleuchten. Weiteres Großbeleuchtungsgerät befindet sich zur Zeit in der Erprobung. Zoll- oder Fahrzeugkontrollen von Polizei und Bundesgrenzschutz wären ohne leistungsstarke Beleuchtungstechnik oftmals kaum möglich. Auch die Feuerwehr greift bei nächtlichen Brandeinsätzen häufig auf die Beleuchtungskomponente des THW zurück, um dadurch die schwierigen Lichtbedingungen zu verbessern und die Löscharbeiten sicherer zu machen.

Die Fachgruppe Beleuchtung (FGr Bel) als Fachgruppe des THW leuchtet eigene Einsatz- und Arbeitsstellen des THW und anderer Bedarfsträger großflächig aus. Im THW-Auslandseinsatz übernimmt sie Aufgaben aus ihrem gesamten Leistungsspektrum. Aufgaben •

• • •

Großräumiges, horizontales- und vertikales Ausleuchten von Einsatzstellen (Flächen und Strecken) zur Sicherstellung der Rettungs- und Bergungsarbeiten und sonstigen Hilfsmaßnahmen Ausleuchten von Arbeits-, Baustellen und Lagerflächen (z.B. für Brückenbau, Infrastruktur, Räumen, Wasserdienst u.a.m.) Ausleuchten von Bereitstellungs-, Sammelräumen und Plätzen Ausleuchten von Einsatzorten im Rahmen der Amtshilfe (Bundespolizei, Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste, Zoll u.a.)

Die Fachgruppe Beleuchtung wird aufgrund der vielfältigen Anforderungen an die Beleuchtung in zwei unterschiedlichen Ausstattungstypen aufgestellt. Hieraus ergeben sich: 1. Typ A: Lichtmastanhänger (Anh LiMa) mit Hochleistungsscheinwerfern 2. Typ B: Großbeleuchtungsgerät mit einer Lichtpunkthöhe über 15 m Die Fachgruppe Beleuchtung Typ A leuchtet mit dem Lichtmast und verschiedenen Einzelscheinwerfern auf Stativen Flächen und Strecken aus: • •

Strecken mit mindestens 150 x 20 m, Flächen mittels blendfreiem Licht, www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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horizontale oder vertikale Fläche von mindestens 35 x 35 m mittels gerichtetem Licht

Die Fachgruppe Beleuchtung Typ B leuchtet mit dem Großbeleuchtungsgerät und verschiedenen Einzelscheinwerfern auf Stativen Flächen und Strecken aus: • •

Strecken mit mindestens 150 x 20 m Flächen mit einem Durchmesser von mindestens 70 m mittels schlagschatten- und blendfreiem Licht.

Personal/Stärke Kurzform:

0/2/7/9 Funktions- und Helferübersicht:

1 Gruppenführer • 1 Truppführer • 7 Fachhelfer In der Fachgruppe Beleuchtung werden durch die 7 Fachhelfer folgende Zusatzfunktionen besetzt (Doppel-Zusatzfunktionen notwendig, z. B.: Kraftfahrer und Sprechfunker): •

• • • •

2 Maschinisten Stromerzeuger 2 Maschinisten Großbeleuchtungsgerät 2 Kraftfahrer CE / Sprechfunker 1 Sanitätshelfer

Bundesweit sind 140 Fachgruppen Beleuchtung aufgestellt.

Ausstattung Fachgruppe Beleuchtung Typ A • •

Mannschaftslastwagen, 3 t, gl (MLW IV) Anhänger, Lichtmast, 20 kVA (Anh LiMa)

Fachgruppe Beleuchtung Typ B • •

Mannschaftslastwagen, 3 t, gl (MLW IV) Großbeleuchtungsgerät mit einer Lichtpunkthöhe über 15 m z. B. Leuchtballon

Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 135


Wenn Wasser zur Last wird Die Fachgruppen Wasserschaden/Pumpen sind jeweils mit einer Pumpleistung von bis zu 15.000 Litern pro Minute das leistungsstärkste Instrument des THW bei der Bekämpfung von Hochwasser und Überschwemmungen. Mit ihren unterschiedlichen Pumpen kann sie in Kellern, Schutzräumen oder Verkehrsanlagen eindringendes Wasser abpumpen. Die Spezialisten dieser Fachgruppe können zudem Wasserleitungen über längere Strecken errichten, um beispielsweise Löschwasser für die Feuerwehr zu fördern. Bei der Beseitigung von Wasserschäden in Abwasseranlagen kann sie die Betreiber durch fachlich qualifizierte Arbeiten unterstützen. Neben dem Jahrhunderthochwasser 2002 haben sie sich in jüngerer Zeit bei den Überflutungen in Südfrankreich 2003 und im Mai diesen Jahres in Rumänien bewährt. Die Hochwasserexperten des THW waren auch bei den verheerenden Überflutungen in Südbayern in der vergangenen Woche im Einsatz. Ihre Ausstattung wurde in den vergangenen zwei Jahren aus Mitteln des Hochwasserprogramms der Bundesregierung weiter verbessert, unter anderem wurden Hochleistungspumpen beschafft. So kann schneller und effektiver auf großflächige Überflutungen reagiert werden. Die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen (FGr WP) als Fachgruppe des THW führt zur Behebung und Eindämmung von Gefahren bei Überflutungen und Überschwemmungen größeren Ausmaßes Pumpund Lenzarbeiten durch, beseitigt Schmutz-/Abwasser aus Schadengebieten und bekämpft schädigend eindringendes Wasser (z. B. in Kellern, Kanalisation, Schutzräumen, Brunnen, Verkehrsund anderen Anlagen öffentlichen Interesses usw.). Ferner arbeitet sie bei der Deich- und Dammsicherung mit und unterstützt andere Hilfskräfte.

Fahrzeuge/Ausstattung Die Fachgruppe WP ist Teil eines Technischen Zuges und unterhält • • • • • • • • •

LKW 7t mit Ladebordwand Anhänger 7t mit Plane MLW IV 3t Tauchpumpen bis 3000 Liter/Minute Schmutzwasser-Kreiselpumpe (5.000 bzw. 15.000 Liter/Minute Förderleistung) Gerät zur Eindämmung von Wassereinbrüchen und Wasserschäden Gerät zum Absperren von Wasser- und Abwasserleitungen Umfangreiche Kabel- und Schlauchausstattung Auffangbehälter für Wasser/Abwasser und kontaminiertes Löschwasser

Personal/Stärke Kurzform:

0/3/9/12 Funktions- und Helferübersicht: www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 136


1 Gruppenführer • 2 Truppführer (Atemschutzgeräteträger / ABC-Helfer) • 9 Fachhelfer In der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen werden durch die 9 Fachhelfer folgende Zusatzfunktionen besetzt (Doppel-Zusatzfunktionen notwendig, z. B.: Kraftfahrer und Sprechfunker): •

• • • •

4 Maschinisten Pumpen 4 Atemschutzgeräteträger / ABC-Helfer 4 Kraftfahrer CE / Sprechfunker 1 Sanitätshelfer

Bundesweit sind 109 Fachgruppen Wasserschaden/Pumpen aufgestellt.

Deutsches Rotes Kreuz Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist die Nationale Rotkreuz-Gesellschaft in Deutschland nach den Genfer Abkommen und als solche Teil der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung mit Hauptsitz in Berlin. Mit knapp fünf Millionen Mitgliedern ist es der zweitgrößte nationale Verband der Bewegung.

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Das DRK ist – als einer der großen Wohlfahrtsverbände in Deutschland – Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege. Es ist als Organisation für seine sparsame und satzungsgemäße Verwendung der Spendengelder mit dem DZI Spenden-Siegel ausgezeichnet.

Die Grundsätze wurden von der XX. Internationalen Rotkreuzkonferenz 1965 in Wien proklamiert. Der vorliegende angepasste Text ist in den Statuten der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung enthalten, die von der XXV. Internationalen Rotkreuzkonferenz 1986 in Genf angenommen wurden. • Menschlichkeit: Die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, entstanden aus dem Willen, den Verwundeten der Schlachtfelder unterschiedslos Hilfe zu leisten, bemüht sich in ihrer internationalen und nationalen Tätigkeit, menschliches Leiden überall und jederzeit zu verhüten und zu lindern. Sie ist bestrebt, Leben und Gesundheit zu schützen und der Würde des Menschen Achtung zu verschaffen. Sie fördert gegenseitiges Verständnis, Freundschaft, Zusammenarbeit und einen dauerhaften Frieden unter allen Völkern. • Unparteilichkeit: Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung unterscheidet nicht nach Nationalität, Rasse, Religion, sozialer Stellung oder politischer Überzeugung. Sie ist einzig bemüht, den Menschen nach dem Maß ihrer Not zu helfen und dabei den dringendsten Fällen den Vorrang zu geben. • Neutralität: Um sich das Vertrauen aller zu bewähren, enthält sich die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung der Teilnahme an Feindseligkeiten wie auch, zu jeder Zeit, an politischen, rassischen, religiösen oder ideologischen Auseinandersetzungen. • Unabhängigkeit: Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ist unabhängig. Wenn auch die Nationalen Gesellschaften den Behörden bei ihrer humanitären Tätigkeit als Hilfsgesellschaften zur Seite stehen und den jeweiligen Landesgesetzen unterworfen sind, müssen sie dennoch eine Eigenständigkeit bewahren, die ihnen gestattet, jederzeit nach den Grundsätzen der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung zu handeln. • Freiwilligkeit: Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung verkörpert freiwillige und uneigennützige Hilfe ohne jedes Gewinnstreben. • Einheit: In jedem Land kann es nur eine einzige Nationale Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft geben. Sie muss allen offen stehen und ihre humanitäre Tätigkeit im ganzen Gebiet ausüben. • Universalität: Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ist weltumfassend. In ihr haben alle Nationalen Gesellschaften gleiche Rechte und die Pflicht, einander zu helfen. Aufgaben und Selbstverständnis: Katastrophenschutz • Medizinische Task Force • DRK-Hilfszug • Einsatzeinheiten • Schnelleinsatzgruppen • Sanitätsdienst • Betreuungsdienst • Wasserwacht www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 138


Bergwacht • Rettungshundestaffel • Selbstrettung • Blutspende • Jugendrotkreuz • Schulsanitätsdienst • Rettungsdienst Krankenpflege •

Das DRK betreibt zurzeit (2010) 56 Krankenhäuser. Der Verband der Schwesternschaften (VdS) ist zuständig für alle Fragen der Ausbildung der Kranken- und Kinderkrankenpflege. Er unterhält die Pflegeschule „Werner-Schule vom DRK“ in Göttingen. Große Träger von Krankenhausgesellschaften sind zum Beispiel die DRK-Schwesternschaft vom Bayerisches Roten Kreuz und die DRKSchwesternschaft Berlin sowie die DRK-Landesverbände Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Sozialarbeit Der Aufgabenbereich der Sozialarbeit wird durch Sozialpädagogen, Zivildienstleistende und Ehrenamtliche abgedeckt. Die DRK-Sozialarbeit wendet sich an Menschen jeden Alters. Sie verhindert, betreut und versorgt soziale Einschränkungen auf Grund von Erkrankungen oder Notfällen. Exemplarische Bereiche sind in der Einzelfallarbeit im DRK sind Betreuungsangebote für Demenzkranke, Mobile Hilfsdienste und Sozialberatungen z. B. für Migranten. Auch diverse Gruppenangebote bietet DRK Sozialarbeit an, wie z. B. Seniorengymnastikgruppen. An vielen Orten betreibt das DRK auch Kleiderkammern oder Angebote für sozialbenachteiligte Gruppen oder Menschen in der Gesellschaft. Im Mobilen Sozialen Hilfsdienst werden ältere Personen beim Einkaufen, im Haushalt oder bei Arztbesuchen unterstützt. So wird ihnen ein normales Leben auch im Alter erleichtert. Der Essen auf Rädern-Service und das Haus-Notruf-Angebot des DRK richtet sich ebenso an ältere oder durch Krankheit eingeschränkte Personen.

Kinder-, Jugend- und Familienhilfe im DRK Die Kinder-, Jugend und Familienhilfe des DRK unterstützt Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien dabei, die Aufgaben und Herausforderungen ihrer Entwicklung und des Lebens zu meistern und die dafür notwendigen Kompetenzen zu erwerben. Auf der Grundlage der Grundsätze der Internationalen Rotkreuz-Rothalbmondbewegung setzt sie sich für Lebensbedingungen von Kindern, jungen Menschen und Familien ein, die allen ein eigenverantwortliches Leben in der Mitte der Gesellschaft, die Teilhabe an allen gesellschaftlichen Ressourcen und die Übernahme von Verantwortung ermöglichen. Ziel ist eine immer wieder herzustellende Chancengerechtigkeit: Kinder, Jugendliche und Familien sollen im Laufe ihres Lebens immer dann Hilfe zum Ausgleich von Benachteiligungen finden, wenn sie diese benötigen. Die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe des DRK trägt damit zu einer menschlichen Gesellschaft bei. Kinder und junge Menschen werden angesprochen als Träger von eigenen Rechten auf Schutz, Förderung und Beteiligung – entsprechend der Konvention der Vereinten Nationen für die Rechte des Kindes. Das DRK ist in allen Feldern der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe aktiv und unterhält Einrichtungen und Dienste der Kindertagesbetreuung und der Erziehungshilfe, Jugend- und Familienberatungseinrichtungen, Angebote der offenen Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 139


(schulische Jugendsozialarbeit sowie berufliche Eingliederung), Angebote der Familienbildung und Frühförderung sowie Möglichkeiten zum sozialen Engagement in Freiwilligendiensten in Deutschland und im europäischen und im außereuropäischen Ausland. In vielen sozialen Einrichtungen des DRK können junge Männer ihren Zivildienst leisten. Das DRK engagiert sich darüber hinaus in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Fachkräften.

DRK-Suchdienst Eine vordringliche Aufgabe des DRK nach dem Zweiten Weltkrieg war der Suchdienst, der ausgebombte, vermisste, verschleppte, vertriebene Menschen wieder ihren Familien zuführte oder Heimstellen für Waisenkinder fand. Er wurde durch Helmut Schelsky aufgebaut. Der Physiker Kurt Wagner und Joachim Leusch von der Seetransport-Leitstelle des Marineoberkommandos Ost gehörten zu den Gründern in Flensburg. Durch die etappenweise Öffnung und Freigabe von Archiven der östlichen Staaten können auch heute noch Schicksale geklärt werden. Seit der Gründung vor 60 Jahren konnten vom Suchdienst mehr als 16 Millionen Menschen zusammengeführt, mehr als 500.000 Kinderschicksale geklärt und weltweit rund 600.000 Menschen über den Verbleib von Angehörigen in Konflikten und Katastrophen benachrichtigt werden. Von 1946 bis 1976 war Kurt Wagner Leiter des DRK-Suchdienstes. Der Suchdienst des nach 1945 nicht existenten DRK, das nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Besatzungsmächte weitgehend aufgelöst und erst 1952 wieder in die Liga der RotkreuzGesellschaften aufgenommen wurde, befand sich in diesen Jahren in München in der Wagmüllerstraße, eine Querstraße zur Prinzregentenstraße auf der Höhe des Gebäudekomplexes, welcher für den Luftgau Süd erstellt wurde. Das heutige Spektrum des DRK-Suchdienstes umfasst im Wesentlichen die Aufgabenbereiche Nachforschungen, Familienzusammenführung und Ausreisen sowie den Hilfs- und Beratungsdienst. Die Zentrale des DRK-Suchdienstes (Suchdienst-Leitstelle, Direktion des Amtlichen Auskunftsbüros (D/AAB)) hat ihren Sitz beim Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin. Die Bearbeitung von Suchanfragen aus aller Welt und anderen mit der Aufgabenstellung verbundenen Anliegen wird - je nach Zuständigkeit - in den beiden Außenstellen (DRK-Suchdienst Hamburg und DRK-Suchdienst München) in Zusammenarbeit mit den DRK-Landes- und Kreisverbänden vorgenommen.

Konventionsarbeit Als Nationale Rotkreuzgesellschaft ist es Aufgabe des DRK für die Verbreitung des Wissens über die Genfer Konventionen zu sorgen. Dazu bestellt jeder Kreisverband einen Konventionsbeauftragten. Weitere Mittel sind juristische Konferenzen zu Themen des humanitären Völkerrechts und Schulungsangebote.

Internationale Hilfe Nach dem Grundsatz der Universalität ist jede nationale Gesellschaft verpflichtet, nach den eigenen Möglichkeiten Hilfen in Notfällen auch an Schwestergesellschaften anzubieten. Die Koordination der internationalen Hilfen erfolgt über die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) (Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung) in Fällen www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 140


von Naturkatastrophen bzw. durch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Fällen von Kriegen und Konflikten. Beide Organisationen haben ihren Sitz in Genf. Die Zusammenarbeit vor Ort findet immer in engster Abstimmung mit der jeweiligen Landesgesellschaft und - darüber - den staatlichen Institutionen vor Ort statt. Durch ein System von geschulten Katastrophendelegierten, die sich nach Schadensfällen sofort ein eigenes Bild von der Lage machen, wird eine weltweit vernetzte, optimal auf die Bedürfnisse des betroffenen Landes abgestimmte Hilfe innerhalb weniger Stunden und Tage nach der Katastrophe sichergestellt. http://www.drk.de/weltweit.html Das DRK ist in der Auslandshilfe eine der leistungsfähigsten Landesgesellschaften der Welt. Es beschäftigt durchschnittlich 150 Mitarbeiter in der Zentrale und in ca. 50 Einsatzorten über die ganze Welt. Hilfen werden als Prävention, in der Akutphase und im Wiederaufbau sowie in langfristigen Hilfe- und Entwicklungsprojekten geleistet. Das DRK bietet als Hilfe zur Selbsthilfe insbesondere Leistungen zum Aufbau und Stärkung lokaler Katastrophenschutz-Strukturen an. In der Akutphase ist das DRK neben der Lieferung praktisch aller benötigten Materialien spezialisiert auf die Massenaufbereitung von Wasser, Prävention von Krankheiten durch Sanitäranlagen und der medizinischen Hilfe. In sogenannten Emengency Responce Units (ERU) werden ständig in leicht zu transportierenden Verpackungen alle hierzu notwendigen Materialien vorgehalten und können innerhalb von 24 Stunden zum Einsatz gebracht werden. Im Logistikzentrum Berlin-Schönefeld lagert beispielsweise ein ganzes Kreiskrankenhaus für bis zu 30.000 Patienten in Kisten verpackt und wartet aus seinen nächsten Einsatz. Das DRK hat sich zudem auf den Wiederaufbau nach extremen Zerstörungen spezialisiert. Nach Katastrophen wie dem Tsunami, dem Erdbeben in Pakistan und ähnlichen Ereignissen ist es nicht nur Ziel, möglichst schnell Wohnungen, Schulen und Gesundheitsinfrastruktur wieder her zu stellen. Genauso wichtig ist, dass die vom Unglück betroffenen Menschen unmittelbar in den Wiederaufbau einbezogen werden, um ihnen und ihren überlebenden Familienmitgliedern eine neue Lebensperspektive zu schaffen. Das DRK hat z.B. Ende des Jahres 2009 offiziell die Aufbauarbeit aus den Schäden des verheerenden Tsunamis in Südasien im Dezember 2003 für beendet erklärt. Alle erhaltenen Spenden in Höhe von über 135 Millionen € konnten vollständig umgesetzt werden. http://www.drk.de/weltweit/katastrophenhilfe/tsunami.html Die Gemeinschaften des Deutschen Roten Kreuzes stellen die ehrenamtliche Basis der Hilfsorganisation dar. Die meisten aktiven Mitglieder des DRK sind in diesen organisiert. Als Gemeinschaften gelten • • • • •

die Bereitschaften die Bergwacht das Jugendrotkreuz die Wasserwacht die Wohlfahrts- und Sozialarbeit.

Es gibt im Deutschen Roten Kreuz auch zahlreiche weitere Formen der ehrenamtlichen Arbeit außerhalb der Rotkreuz-Gemeinschaften. Beispielsweise sind dies Arbeitskreise und Selbsthilfegruppen für Patienten oder die ehrenamtliche Mitarbeit im Hausnotruf oder Rettungsdienst. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 141


Als Hauptkritikpunkt am Deutschen Roten Kreuz nach dem Zweiten Weltkrieg wird gesehen, dass die sehr stark föderale Struktur eine Kontrolle und Lenkung von Oben nach Unten deutlich erschwert. Dies begünstigt regelmäßig Skandale in Untergliederungen, z. B. der "Blutbeutelskandal" (1999) bei einem Blutspendedienst, bei dem bestechliche Führungskräfte überteuerte Medizinprodukte eingekauft hatten oder die von der Kreiszeitung Syke (2006) und von MONITOR (2007) aufgedeckte Schwarzarbeit im Rettungsdienst. Auf der anderen Seite hat die föderale Struktur auch Vorteile, denn die Gliederung kann sich so besser auf die örtlichen Gegebenheiten einstellen. Diese Kritik sowie die Notwendigkeit, mit den regelfinanzierten Leistungen im Gesundheitswesen, in der Pflege und zunehmend im Bereich des Rettungsdienstes mit immer stärkeren Marktkräften Schritt halten zu können war der Auslöser einer Neuorganisation. Unter dem Titel "Strategie 2010plus" wurden in einer im März 2009 neu gefassten Bundessatzung (Eintrag ins Vereinsregister 11/09) die Zuständigkeiten und die Eingriffsrechte der Ebenen Bund, Länder und Kreise neu geregelt und ein Managementsystem zur übergreifenden Umsetzung gemeinsamer Standards geregelt. Weitere Elemente der Neuorganisation ist die Trennung zwischen Aufsicht und Exekutive und die Herstellung von Transparenz auf allen Ebenen. Ziel ist die Konzentration auf die ideelle Ausrichtung und die Steuerungsfähigkeit des Gesamtverbandes.

Die Johanniter Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH) ist als Ordenswerk des Johanniterordens eine evangelische Hilfsorganisation. Die JUH wurde im Januar 1952 unter Federführung von Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff in Hannover gegründet. Der wichtigste Anlass dafür waren die vielen Verletzten und Toten aufgrund der steigenden Anzahl von KraftfahrzeugUnfällen. Heute ist die JUH eher unter dem Namen „Die Johanniter“ bekannt. Das Signet der JUH zeigt das weiße achtspitzige Johanniterkreuz auf rotem, kreisförmigen Grund mit der Umschrift "Johanniter-Unfall-Hilfe". Die JUH ist im Zusammenschluss mit den Ordenswerken anderer Länder im Johanniter International (JOIN) verbunden. Die katholische Schwesterorganisation ist der Malteser Hilfsdienst. Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH) hat sich der christlichen Nächstenliebe verpflichtet. Als ein Werk des Johanniterordens sieht sie sich durch die Nöte und Gefahren der Menschen in unserer Zeit herausgefordert. Die Hilfe von Mensch zu Mensch bildet das zentrale Motiv der Johanniter. Zu den satzungsgemäßen Aufgaben der Johanniter-Unfall-Hilfe gehört: www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 142


Ausbildung: Die Johanniter betätigen sich sowohl in der Breitenausbildung in ErsteHilfe (für Führerscheinanfänger, Betriebe etc.) sowie in der Fachausbildung in der Alten- und Krankenpflege und von Rettungsdienstmitarbeitern. Rettungsdienst: Die JUH betreibt in Deutschland etwa 210 Rettungswachen, welche mit Krankentransportwagen, Rettungswagen oder Notarzteinsatzfahrzeugen besetzt sind. Zivil- und Katastrophenschutz (kurz: KatS): Der KatS hat die Aufgabe, die Folgen von Großschadensereignissen zu bewältigen. Dafür besetzt die JUH vom Bund und von den Ländern gestellte Sanitäts- und Betreuungseinheiten. Die Aufgaben im Katastrophenschutz werden vor allem durch ehrenamtliche Mitarbeiter betrieben. Zum Beispiel werden alle Rettungshundestaffeln ehrenamtlich betrieben. Die JUH verfügt auch über ein Netz von PSNV-Teams (Kriseninterventions- und Einsatznachsorgeteams) in Deutschland. Soziale Dienste: Die Johanniter betreuen Kinder und Jugendliche (auch im Schulsanitätsdienst), Behinderte und Senioren. Sie betreiben beziehungsweise betrieben Sozialstationen, Kindergärten und stationäre Senioreneinrichtungen, Hausnotrufe und liefern Essen auf Rädern („Menüservice“) aus. 2005 haben sie ihr erstes stationäres Hospiz eröffnet und engagieren sich in weiteren ambulanten Hospizdiensten. Darüber hinaus engagieren sie sich in der Betreuung von Demenzkranken und bieten (Selbst-)Hilfegruppen für Angehörige an. Auslandshilfe: Die Johanniter arbeiten in 30 Staaten dieser Erde. Sie bauen diese Hilfe auf ihrer medizinischen Kernkompetenz der Johanniter-Unfall-Hilfe im Inland auf. Daraus ergeben sich die zentralen Aufgaben der Johanniter-Auslandshilfe: medizinische Nothilfe nach Katastrophen, Unterstützung bei der Wiederherstellung des zivilen Alltagslebens in Krisengebieten, Aufbau von Gesundheitsdiensten, medizinische Aus- und Fortbildung, die Bekämpfung von Infektionskrankheiten und Seuchen und orthopädische Hilfe für Behinderte und Kriegsverletzte. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der medizinischen Grundversorgung der Menschen in Katastrophengebieten und besonders benachteiligten Regionen der Welt.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. ist ein als gemeinnützig anerkannter eingetragener Verein des privaten Rechts im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches. Die JUH ist ein Fachverband des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und als freiwillige Hilfsgesellschaft im Sinne des 1. Genfer Abkommens (Art. 26) vom 12. August 1949 anerkannt. In diesem Zusammenhang wird ihre Rechtsstellung im Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz und andere freiwillige Hilfsgesellschaften im Sinne der Genfer Rotkreuz-Abkommen geregelt.

Aktion Deutschland Hilft Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist Mitglied der Aktion Deutschland Hilft (ADH), einem Zusammenschluss deutscher Hilfsorganisationen, die im Falle großer Katastrophen und Notsituationen im Ausland gemeinsam schnelle und effektive Hilfe leisten wollen. In der akuten Phase großer Katastrophen im Ausland wendet sich der Zusammenschluss mit einem gemeinsamen Spendenaufruf an die Öffentlichkeit. In Ausnahmefällen ist Aktion Deutschland Hilft auch im Inland tätig. Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. in Deutschland gliedert sich in neun Landesverbände, die über 200 Orts-, Kreis- und Regionalverbände umfassen. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 143


Heute engagieren sich rund 38.000 Ehrenamtliche und 11.700 Hauptamtliche (Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte) Mitglieder. Fast 1,5 Millionen Menschen unterstützen die JUH als Fördermitglieder finanziell und ideell. Die Johanniter sind Träger des DZI-Spendensiegels. Auch Zivildienstleistende tragen zum wirtschaftlichen Erfolg der Johanniter-Unfall-Hilfe bei. In der Jugendorganisation der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Johanniter-Jugend beteiligen sich über 10.000 Kinder und Jugendliche. Die Johanniter-Jugend ist sowohl Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend als auch im Netzwerk Europäische Bewegung. Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe ist seit 2002 der General a.D. Hans-Peter von Kirchbach. Bundesarzt ist Prof. Dr. Horst Wilms.

Malteser Hilfsdienst Der Malteser Hilfsdienst e. V. (Deutschland) ist eine 1953 vom Malteserorden und der Caritas gegründete katholische Hilfsorganisation. Das Wappen der Malteser zeigt das weiße achtspitzige Malteserkreuz auf rotem schildförmigem Grund. Die evangelische Schwesterorganisation ist die Johanniter-Unfall-Hilfe. Der Malteser Hilfsdienst ist per Gesetz als freiwillige Hilfsgesellschaft im Sinne des Artikels 26 des Genfer Abkommens I anerkannt und Mitglied der BAGEH, der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe. Er ist neben der Deutsche Malteser gGmbH eine Teilorganisation der Malteser in Deutschland. In ihm wird die ehrenamtliche Arbeit gebündelt. Der Malteser Hilfsdienst e. V. und die Malteser Hilfsdienst gGmbH haben in Deutschland zusammen etwa 35.000 ehrenamtliche und 3.000 hauptamtliche Mitarbeiter sowie 850.000 Fördermitglieder.

Der seit dem 12. Jhd. gültige Leitsatz des Malteserordens "Tuitio fidei et obsequium pauperum", also "Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen" gilt auch für den Hilfsdienst. Organisation Bundesebene Das Präsidium ist das höchste Zentralorgan der Malteser. Der Geschäftsführende Vorstand führt das operative Geschäft nach Vorgabe des Präsidiums. Das höchste beschlussfassende Gremium der Malteser ist die jährlich stattfindende Bundesversammlung.

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Präsident des Malteser Hilfsdienstes e. V. ist Constantin von Brandenstein-Zeppelin. Der geschäftsführende Vorstand wird geführt von Johannes Freiherr Heereman (Geschäftsführender Präsident). Als Bundesarzt ist Rainer Löb der medizinisch Verantwortliche der Malteser.

Untergeordnete Gliederungen Die Malteser richten sich als katholische Organisation an den deutschen Bistümern aus. Den Diözesangliederungen sind dann die Orts- und Stadtgliederungen sowie die Pfarrgruppen angegliedert. Ihnen steht ein ehrenamtlicher Orts- bzw. Stadtbeauftragter vor. Teilweise gibt es auch hauptamtliche Kreis- oder Stadtgeschäftsstellen.

Organisation der Notfallvorsorge Im Bereich der Notfallvorsorge übernimmt der Malteser Hilfsdienst die üblichen Strukturen des Katastrophenschutzes. Der Leiter Einsatzdienste und/oder Leiter Notfallvorsorge bildet als Alarmspitze einen Ansprechpartner für die Katastrophenschutzbehörden. Ihm unterstehen Züge, Gruppen und Trupps mit ihren jeweiligen Führungskräften. Auch die Bildung besonderer Katastrophenschutzeinheiten, wie etwa Schnelleinsatzgruppen, ist möglich.

Tätigkeitsbereiche Der Malteser Hilfsdienst e. V. ist in den ehrenamtlichen Bereichen der Malteser tätig. Dies umfasst vor allem die folgenden Bereiche.

Ausbildung An vielen Orten im Bundesgebiet bieten die Malteser unterschiedliche Lehrgänge im Bereich der Breitenausbildung (Erste-Hilfe-Kurse, Lebensrettende Sofortmaßnahmen etc.) an. Im Jahr 2005 wurde ein auf die DIN 9001 ausgerichtetes Qualitätsmanagement im Bereich der Ausbildung eingeführt. Dadurch ist ein bundeseinheitlicher Standard in der Ausbildung sichergestellt. Die Malteser sind in Deutschland Marktführer in der Ausbildung von Pflegehilfspersonal, die Qualifizierung zur Schwesternhelferin und zum Pflegediensthelfer wird vielerorts angeboten und durch verschiedene Programme der Agentur für Arbeit finanziell unterstützt. Für die Qualität des Lehrgangsangebotes vor Ort ist jeweils ein Leiter Ausbildung verantwortlich, der je nach Größe der Gliederung, sowohl haupt-, als auch ehrenamtlich beschäftigt ist.

Auslandsdienst Der zentrale Auslandsdienst wurde im Jahr 2005 aus dem Malteser Hilfsdienst e. V. ausgegliedert und ist jetzt als Malteser International (Auslandshilfswerk des Malteserordens) übernational, mit Sitz in Köln tätig. In vielen Gliederungen der Malteser findet ehrenamtliche Auslandsarbeit - insbesondere mit Ost- und Südosteuropa - statt.

Jugend Die Malteser Jugend ist die in Gruppen zusammengeschlossene Gemeinschaft von Jugendlichen im Malteser Hilfsdienst e. V. bis zum 27. Lebensjahr. Die Schwerpunkte der Jugendarbeit werden definiert durch die im Leitbild festgelegten vier Säulen der Malteser Jugend, die im Einzelnen sind: • • • •

Bildungsarbeit aktive Freizeitgestaltung malteserspezifische Ausbildung (z. B. Erste Hilfe) soziales Engagement. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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Das Fundament der Malteser Jugendarbeit bildet der Glaube an Jesus Christus. Die Jugendlichen sollen bestärkt werden, ihre Mitverantwortung für Kirche, Gesellschaft und Staat zu erkennen und zu tragen. Neben den regelmäßigen Gruppenstunden im Ortsverband sind es besonders die Fahrten, Zeltlager und Seminare, die das Vereinsleben prägen. Die Malteser Jugend hat es in den letzten Jahren geschafft, entgegen dem Trend in anderen Jugendverbänden seine Mitgliederzahl (etwa 9.000) zu halten und sogar zu erhöhen.

Notfallvorsorge Zum Bereich der Notfallvorsorge gehören die beiden großen Bereiche Katastrophenschutz und Sanitätsdienst. Hierzu halten die Malteser bundesweit Einheiten (Sanitäts- und Betreuungszüge, Fernmeldezüge und andere Einheiten) vor. Bei Großveranstaltungen wie dem Heiligen Jahr 2000 in Rom, dem Weltjugendtag in Köln, beim Besuch von Papst Benedikt in Bayern oder den Katholikentagen waren die Malteser im Einsatz. Zur Notfallvorsorge gehört auch der Bereich der Psychosozialen Notfallversorgung und damit die Fachbereiche Notfallseelsorge, Krisenintervention und Hilfe für Helfer (CISM).

Soziale Dienste Die sozialen Dienste im Malteser Hilfsdienst e. V. sind der Hospizdienst sowie ehrenamtliche Besuchs- und Begleitdienste (BBD). Die BBD bilden eine Schnittstelle zu den sozialunternehmerischen Diensten der Malteser Hilfsdienst gGmbH und kooperieren hier teilweise auch mit Pfarrgemeinden vor Ort (Krankenbesuche etc.).

Papst Benedikt der XVI. ist ein Ehrenmitglied der Malteser.

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Arbeiter-Samariter-Bund Der Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e. V. ist eine politisch und konfessionell unabhängige Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation. Er ist Gründungsmitglied des Internationalen Samariterbundes. Die Industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts führte zu einer dramatischen Zunahme an Arbeitsunfällen. 1877 entstand daher in England die „St. John’s Ambulance Association“ des Johanniterordens. In vielen Städten wurden Sanitätsschulen eingerichtet und freiwillige Helfer ausgebildet. Im Sommer 1881 lernte der deutsche Chirurg Prof. Friedrich von Esmarch (1823 - 1908) in London diese Organisation kennen und gründete nach seiner Rückkehr nach Deutschland eine „SamariterSchule“. Zahlreiche Lehrschriften des „Deutschen-Samariter-Bundes“ entstanden. Sie richteten sich jedoch in erster Linie an leitende Beamte des Gesundheitswesens und waren für die breite Masse der Arbeiter unerschwinglich. 1888 ergriffen sechs Berliner Zimmerleute die Initiative und setzten gegen viele Widerstände den ersten „Lehrkursus über die Erste Hilfe bei Unglücksfällen“ durch. Diese Zimmerleute waren nicht nur die Gründerväter des ASB; durch ihre Initiative haben sie auch der Notfallrettung in Deutschland wesentliche Impulse gegeben. Bald wurden diese Schulungen zu einer regelmäßigen Einrichtung des Vereines, der 1895 seinen Namen in „Samariterkursus für Arbeiter und Arbeiterinnen“ änderte und ab 1896 als „Arbeiter-Samariter“ in der Öffentlichkeit auftrat. 1909 schlossen sich auf einer Gründerversammlung in Magdeburg 11 Arbeiter-Samariter-Kolonnen zum Arbeiter-Samariter-Bund zusammen. Erster Sitz des Bundes war Berlin. 1923 wurden die beiden Chemnitzer Samariter Theodor Kretzschmar und Eugen Richter zum Bundesvorsitzenden und Bundesschatzmeister des ASB gewählt. Damit ging die Verlegung des Sitzes des ASB nach Chemnitz einher. Im dortigen Bundeshaus wurde auch die ASB-eigene Sanitätstasche, die „Chemnitz-Tasche“ hergestellt. 1933 waren im ASB etwa 50.000 Mitglieder aktiv. Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler wurde der ASB unter nationalsozialistische Leitung gestellt. Da viele Mitglieder jedoch nicht bereit waren, sich gleichschalten zu lassen, traten viele aus dem Bund aus, was am 1. August 1933 zu dessen Verbot führte. In der DDR wurde die Wiedergründung nach 1945 durch die Sowjets unterdrückt. In Bundesrepublik Deutschland bemühten sich unmittelbar nach Kriegsende ehemalige Arbeiter-Samariter in www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 147


verschiedenen Regionen Deutschlands ohne voneinander zu wissen,um die Wiedergründung des ASB. Mit Gründung der Bundesrepublik entwickelte der ASB schnell überregionale Strukturen. Im April 1952 fand die Neugründung des ASB Deutschland e.V. statt. Der Sitz des Bundesverbands wurde zunächst Hannover, mit dem Bau des neuem Bundeshaus erfolgte der Umzug nach Köln-Sülz. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands entstand der ASB 1990 in den neuen Bundesländern neu.

Arbeiter-Samariter-Jugend Die Arbeiter-Samariter-Jugend (ASJ), ist der Jugendverband des Arbeiter-Samariter-Bundes. Ihre Anfänge reichen bis in die zwanziger Jahre zurück. Sie ist integrierter und integrierender Bestandteil des Erwachsenenverbandes, hat aber innerhalb der Gesamtorganisation eine Sonderstellung. Diese ist in den zur Satzung des ASB gehörenden Richtlinien festgeschrieben. Mitglieder des ASB bis einschließlich 26 Jahren sind gleichzeitig auch Mitglieder der ASJ. Entsprechend seinem Erwachsenenverband gliedert sich die ASJ in Orts-, Kreis-, bzw. Regionalverbände, Landesverbände und in den Bundesverband. Die jeweilige ASJ Organisationsstufe trägt den Namen des entsprechenden ASB-Verbandes bzw. des Landes. Auf Bundesebene trägt sie den Namen ASJ Deutschland. Die jungen Samariter sind mit ca. 100.000 Mitgliedern in allen Bundesländern vertreten. Die ASJ legt Wert auf zeitgemäße Freizeitangebote, die Toleranz, Selbstbewusstsein, Verständnis und Mitmenschlichkeit fördern. Er will die Werte durch gemeinsames Handeln für Jugendliche erlebbar machen. Alle zwei Jahre findet der Bundesjugendwettbewerb der ASJ statt. Drei Tage lang ermitteln ASJGruppen ihre Einzel- und Gruppensieger in den Bereichen Allgemeinwissen / Kultur und Erster Hilfe. Teilnehmen können jeweils die Siegermannschaften der Landesjugendwettbewerbe. Im Wechsel mit dem Bundesjugendwettbewerb finden alle zwei Jahre Kindertage für die Sechs- bis Zwölfjährigen der ASJ statt. Durch Ferienfreizeiten und Internationale Jugendbegegnungen ermöglicht die ASJ ihren Mitgliedern vielerlei Einblicke in Lebensweise und Kultur von Jugendlichen anderer Nationen. Alle vier Monate erscheint das Bundesjugendinfo, die Zeitschrift der Arbeiter-Samariter-Jugend mit Neuigkeiten zur Jugendarbeit, Hintergrundbeiträgen, Berichten von Freizeiten, Tipps und Hinweisen.

Struktur In der Bundesrepublik Deutschland bestehen neben dem Bundesverband 16 Landesverbände und 228 regionale Gliederungen (Regional-, Kreis- und Ortsverbände). Der ASB hat ca. 1,1 Mio. Mitglieder. Die Bundesgeschäftsstelle hat ihren Sitz in Köln. Die Landesverbände sind jeweils eigenständige eingetragene Vereine. Je nach Struktur des Landesverbandes sind die regionalen Gliederungen wiederum eigenständige Vereine (z.B. in Nordrhein-Westfalen), aber auch unselbständige Gliederungen (z.B. in Hessen). Der ASB hat im Jahr 2008 ca. 23.100 hauptamtliche und 12.600 ehrenamtliche Mitarbeiter. Weiterhin werden ca. 1.500 Zivildienstleistende und 1.000 FSJ-ler beschäftigt.

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Mit 102 Altenheimen, über 260 Pflegediensten und anderen Angeboten gehört der ASB zu den größten deutschen Anbietern in der Altenhilfe. Im Jahr 2008 leistete der ASB in Deutschland 478.200 Einsätze der Notfallrettung und 438.300 Krankentransporte; dazu kommen noch 2.100 Einsätze der Primärluftrettung, über 11.000 Einsätze im Interhospitaltransfer und rund 6.000 Einsätze im Rahmen des Krankenrückholdienstes. Von 1985 bis zu ihrem Tod 2008 war die ehemalige SPD-Politikerin und ehemalige Bundestagspräsidentin Annemarie Renger Präsidentin des ASB. Seit 2006 ist Admiraloberstabsarzt a.D. Dr. Karsten Ocker Bundesarzt. Der Bundesvorstand besteht aus • • • • • • • • • •

Dr. Friedhelm Bartels - Bundesvorsitzender - LV Rheinland-Pfalz Helga Wurbs - stellvertretende Bundesvorsitzende - LV Hessen Arend Rahner - stellvertretender Bundesvorsitzender - LV Nordrhein-Westfalen Wolfgang Engel - Mitglied des Bundesvorstandes - LV Sachsen Dr. Wolfram Geier - Mitglied des Bundesvorstandes - LV Schleswig-Holstein Guido Jost - Mitglied des Bundesvorstandes - LV Saarland Hans-Werner Loew - Mitglied des Bundesvorstandes - LV Bayern Dr. Karsten Ocker - Mitglied des Bundesvorstandes und neuer Bundesarzt - LV Schleswig-Holstein Manfred Schlegel - Mitglied des Bundesvorstandes - LV Baden-Württemberg Prof. Dr. Michael Stricker - Mitglied des Bundesvorstandes - LV Nordrhein-Westfalen

Aufgaben Zu den Kernaufgaben zählen: • • • • • • • • • • • • • • • •

Rettungsdienst: Notfallrettung, Luftrettung, Wasserrettung, Rettungshunde, Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen Krankentransport Medizinischer Transportdienst Schnelleinsatzgruppe Alten- und Behindertenbetreuung, Ambulante Pflege, Hauskrankenpflege, Rufhilfe (Hausnotruf) Essen auf Rädern Angebote für die Generation 50+ Sozialpsychiatrische Einrichtungen Ausbildung: Lebensrettende Sofortmaßnahmen, Erste Hilfe, Betriebssanitäter, Sanitäts- und Katastrophenschutz-Helfer, Rettungssanitäter, Rettungsassistenten Katastrophenschutz Sanitätsdienst Jugendarbeit Rückholdienste Auslandshilfe Flüchtlingsbetreuung Kindergärten www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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Schulbetreuung Freiwilliges Soziales Jahr

Weißes Kreuz/Croce Bianca Der Landesrettungsverein Weißes Kreuz (kurz WK) ist eine Südtiroler tätige Organisation, dessen Haupttätigkeiten die Rettung und der Krankentransport sind. Das Weiße Kreuz wurde am 10. August 1965 gegründet und wird von ehrenamtlichen getragen. Der Landesrettungsverein Weißes Kreuz ist in den Bereichen Bodenrettung, Notarztdienst, Krankentransport, Aus- und Weiterbildung, Organ- und Labortransporte, Hausnotruf, verschiedenen Bereitschaftsdiensten, Pistenrettung, Notfallseelsorge und Zivilschutz tätig. Das Weiße Kreuz ist außerdem federführendes Mitglied der Südtiroler Flugrettung. Das Weiße Kreuz ist die größte Rettungsorganisation in Südtirol und stellt folgende Rettungsmittel, die rund um die Uhr im Einsatz stehen:

Sektion 28 Rettungswagen (RTW) 6 Notfall-KTWs 5 Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) 3 Notarztwagen (NAW) 140 Krankentransportwagen (KTW)

Ortschaft in allen 31 Wachen (Sektionen) Bozen, Brixen, Meran, Schlanders, Bruneck Bozen, Innichen, Sterzing in allen Wachen (nicht ständig verfügbar)

Die Koordination des Rettungsdienstes und die Alarmierung anderer Rettungsorganisationen oder der Feuerwehr übernimmt die Landesnotrufzentrale (Telefonnummer 118) der Provinz Bozen. Der Landesrettungsverein Weißes Kreuz hat etwa 48.800 Mitglieder aus der Bevölkerung, die einen jährlichen Mitgliedsbetrag entrichten, der sich nach der Art der Mitgliedschaft richtet. Diese sind "Südtirol" und der "Weltweite Rückholdienst", die jeweils als Einzelperson oder Familie abgeschlossen werden können. Die aktiven Mitglieder belaufen sich aus 2300 Freiwilligen und Ehrenamtlichen Helfern. Außerdem beschäftigt der Verein 330 Angestellte, die vor allem an Werktagen unter Tags den Dienst garantieren.

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Notfall-/Unfallseelsorge Notfallseelsorge oder auch Notfallbegleitung ist psycho-soziale und seelsorgerische Krisenintervention im Auftrag der Kirchen in der Gesellschaft. Sie ist darauf ausgerichtet Opfer, Angehörige, Beteiligte und Helfer von Notfällen (Unfall, Großschadenslagen usw.) in der akuten Krisensituation zu beraten und zu stützen. Aber auch Hilfe nach häuslichen traumatischen Ereignissen, wie nach erfolgloser Reanimation, plötzlichem Kindstod und Suizid, sowie Begleitung der Polizei bei der Überbringung von Todesnachrichten gehört zum Einsatzspektrum der Notfallseelsorge. Anders als etwa die Telefonseelsorge gehen die Notfallseelsorger direkt zum Ort des Geschehens. Die Alarmierung der Notfallseelsorger erfolgt zumeist über Rettungsdienste, Polizei oder Feuerwehr. Grundlage der Notfallseelsorge ist das christliche Welt- und Menschenbild. Dabei steht der Dienst der Notfallseelsorge allen Menschen ungeachtet ihrer Weltanschauung zur Verfügung. Der Dienst wird von Seelsorgern mit einer Zusatzausbildung in Notfallseelsorge geleistet. Verschiedene Dienste und Einzelpersonen der Notfallseelsorge organisieren über die ökumenische Arbeitsgemeinschaft Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst (AGS) als lockerem Zusammenschluss den Erfahrungsaustausch. Einrichtungen der Notfallseelsorge existieren in praktisch allen evangelischen und katholischen Kirchen in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Sie wird meist ehrenamtlich neben dem eigentlichen Dienstauftrag von hauptamtlichen Seelsorger/innen durchgeführt, aber es gibt zunehmend auch ehrenamtliche Seelsorger/innen, die hier mit anderen beruflichen Hintergründen mitarbeiten. Es gibt in Deutschland rund 250 Notfallseelsorgegruppen. In den allermeisten katholischen Bistümern gibt es den Diözesanreferenten oder Bischöflichen Beauftragten für Notfallseelsorge. Die Deutsche Bischofskonferenz lädt zur Jahrestagung und zur Fortbildungsveranstaltungen ein. Auch in den evangelischen Landeskirchen gibt es besondere Beauftragte für Notfallseelsorge auf den verschiedenen Ebenen und Fortbildungsangebote. Sie sind seit 1997 in der Konferenz Evangelischer Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger in der EKD zusammengeschlossen. Schwerpunkte der Notfallseelsorge sind Ansprache und Beistand, einfaches Da-Sein und die Aufmerksamkeit für die Angehörigen bzw. mitbetroffenen Personen aber auch der Einsatzkräfte, sowie die Aktivierung des sozialen Umfeldes/Netzes und das Angebot religiöser Betreuung. Dazu gehört auch die Gestaltung von Ritualen wie zum Beispiel Aussegnungen. Sie arbeitet grundsätzlich ökumenisch. Unterstützt wird die Arbeit der Notfallseelsorge durch Kriseninterventionsteams der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. und durch den Dienst Psychosoziale Unterstützung des Malteser Hilfsdienst e.V., der zwei Unterstützungssystem für Betroffene und www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 151


Angehörige anbietet: Krisenintervention (KIT) und Notfallseelsorge (NFS), wobei NFS auf einem rein christlichen Selbstverständnis basiert und KIT auf medizinisch psychologischen Gesichtspunkten. Häufig betreiben Initiativen der Notfallseelsorge auch die Seelsorge für Einsatzkräfte. Diese richtet sich an die bei einem Notfall beteiligten Einsatzkräfte, hierzu gehört auch die langfristig ausgelegte und kontinuierliche Betreuung von Helfern im Sinne der Stressbearbeitung nach belastenden Einsatzereignissen (SbE) oder Critical Incident Stress Management (CISM). Beide Aufgabenbereiche haben ein gemeinsames Ziel: Die Vermeidung einer PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung, engl. PTSD, Post traumatic stress disorder). Allerdings machen die beiden unterschiedlichen Zielgruppen durch ihre unterschiedliche Verarbeitung des Notfall-EinsatzGeschehens eine unterschiedliche Herangehensweise nötig. Das Konzept der Notfallseelsorge in der Schweiz hat in erster Priorität die Betreuung der Betroffenen zum Ziel - ist „Hilfe für die Seele“ in den ersten Stunden - seelsorgerliches Handeln (oder weitere psychologische Betreuung) folgt später und ist nicht primär die Aufgabe der NotfallseelsorgerInnen am Ort des Geschehens. Indikationen für den Einsatz der Notfallseelsorge sind unter anderem: • • • • • • • •

erfolglose Reanimation zu Hause Suizid oder Suizidversuch plötzlicher Kindstod Verkehrsunfall (auch im öffentlichen Nahverkehr), Betreuung von Zeugen nach einem Unglück Großschadensfälle (z.B. MANV oder GAU) Überbringung von Todesnachrichten mit der Polizei Evakuierung nach Brand oder Explosion.

Logo Der rote Kreis im Logo der Notfallseelsorge steht für die Welt mit ihren Nöten, seine Farbe symbolisiert das Blut der Opfer. Vor dem Kreis steht das Sternenkreuz als Symbol aller Christen und Zeichen der Hoffnung. Das Sternenkreuz reicht über den Kreis hinaus, wie auch die Seelsorge über diese Welt hinausreicht. Das Logo ist rechtlich geschützt.

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Bergwacht Organisationen mit der Bezeichnung Bergwacht gibt es sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Die Aufgaben der Bergwacht sind vielfältig:

Leben retten • Rettung aus alpinem und unwegsamen Gelände, Höhenrettung • Medizinische Versorgung von Verunfallten • Suche von vermissten Personen (siehe auch Search and Rescue) • Rettung aus Lawinen, Schluchten und Höhlen • Bergung von tödlich Verunfallten aus alpinem und unwegsamen Gelände • Betreuung und Unterstützung von Angehörigen (u.a. Kriseninterventionsdienst Berg (KID Berg)) • Unterstützung des DRK bei Auslandseinsätzen • Unterstützung des bodengebundenen Rettungsdienstes und Katastrophenschutz Natur bewahren • Durchführung von Naturschutzstreifen und Naturschutzprojekten • Unterstützung der Naturschutzwacht und der Naturschutzbeiräte • Unterstützung der geförderten Naturschutzprojekte (z. B. Wildtiere und Skilauf im Gebirge) • Öffentlichkeits- und Jugendarbeit im Natur und Umweltschutz (z. B. Jugendcamp Natur) Die Bergwacht ist eine Gemeinschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK-Bergwacht). Die Hilfsorganisation stellt in Deutschland zu über 90 % den Rettungsdienst aus dem unwegsamen Gelände des Deutschen Mittel- und Hochgebirges sowie an Einsatzschwerpunkten sicher. Die Gliederung der Bergwacht richtet sich nach der des Deutschen Roten Kreuzes. So ist die Bergwacht in elf DRK-Landesverbänden tätig. Eine Sonderstellung nimmt dabei die Bergwacht Schwarzwald (BWS) ein. Die BWS ist korporatives Mitglied des DRK Landesverbandes Badisches Rotes Kreuz und gleichzeitig selbstständiger Verband und stellt auf dem Gebiet des Badischen Roten Kreuzes die Bergrettung sicher (Schwarzwald). Einige Münchner Männer gründeten 1920 die erste deutsche Bergwacht mit dem Ziel, Ordnung, Sitte und Anstand im Gebirge wiederherzustellen. Die ziemlich wüsten Zustände nach dem Ersten Weltkrieg in den Bergen mit Wilderei, Hütteneinbrüchen, Vieh- und Holzdiebstählen veranlassten die Gründer, sich zusammenzuschließen zum „Schutz des Berges vor den Menschen“. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 153


1920 Kurze Zeit später gründete das Rote Kreuz den Gebirgsunfalldienst, kurz GUD genannt, einen Verbund von Rotkreuz-Sanitätern. 1923 umfasst die Bergwacht bereit drei Abteilungen, München, Allgäu und Chiemgau. Die Bergwacht erhält die Aufgaben einer „Vororthilfsstelle für das alpine Rettungswesen“ übertragen. Mit dem Anschluss Österreichs 1938 gingen auch die österreichischen Rettungsorganisationen in der Deutschen Bergwacht auf. 1939 wurde der Bergwacht auch der Naturschutz übertragen. Im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurden die Bergwachtmänner als Hilfspolizisten vereidigt. 1944 wurde die Bergwacht militärischen Stellen unterstellt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde in der US-amerikanischen Besatzungszone die Auflösung der Bergwacht verfügt. Die Abteilungen schlossen sich dem jeweiligen Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes an. In der französischen Besatzungszone genehmigten die Behörden die Gründung der selbständigen Bergwacht Schwarzwald. 1955 schlossen sich die Bergwacht-Landsverbände auf Bundesebene zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Aus dieser entstand der Bundesausschuss Bergwacht des DRK. Die Bergwacht Schwarzwald ist in diesem Ausschuss als korporatives Mitglied vertreten. Die Bergwacht ist heute Mitglied in der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen, kurz IKAR. Die Landesverbände: • • • • • • • • • •

Bergwacht Bayern Bergwacht Harz (bestehend aus den DRK-Landesverbänden Niedersachsen und Sachsen-Anhalt) Bergwacht Hessen Bergwacht Nordrhein Bergwacht Rheinland-Pfalz Bergwacht Sachsen Bergwacht Schwarzwald Bergwacht Thüringen Bergwacht Westfalen-Lippe Bergwacht Württemberg

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Bergrettungsdienst Der Bergrettungsdienst ist eine spezialisierte Form des Rettungsdienstes im Gebirge, insbesondere in Österreich, der Schweiz, im Schwarzwald, in Bayern, Südtirol und den deutschen Mittelgebirgen. Neben der rein medizinischen Rettung hat er zudem die Aufgabe, mittels spezieller Ausstattung, Fahrzeuge und Ausbildung der Einsatzkräfte Menschen aus akuter Bergnot zu retten oder zu bergen. Da es in den Bergen oft nicht möglich ist, über Notruf den Bergrettungsdienst zu alarmieren, gibt es das alpine Notsignal. Man unterscheidet zwischen der behelfsmäßigen und der planmäßigen Bergrettung. Bei der behelfsmäßigen Bergrettung werden normale Ausrüstungsgegenstände zur Rettung eines Verunfallten verwendet. Sie wird meist zur Kameradenrettung eingesetzt. Beispielhaft seien hier die Seiltrage oder der Seilsitz genannt. Die planmäßige Bergrettung ist genau organisiert und wird von ausgebildeten Kräften durchgeführt. Dabei kommt verschiedenes Rettungsgerät wie das Statikseil, die Gebirgstrage, der Akia oder der Rettungshubschrauber zum Einsatz. Der Bergrettungsdienst wird: • • • •

in Deutschland von der Bergwacht übernommen. In Österreich ist der österreichische Bergrettungsdienst zuständig. In der Schweiz wird in Fällen der Bergnot die Alpine Rettung Schweiz (SAC und rega) alarmiert. In Italien durch den Corpo Nazionale Soccorso Alpino e Speleologico "C.N.S.A.S." sowie durch den Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol gewährleistet.

Von Hospizen auf Alpenpässen (u. a. Grosser Sankt Bernhard und Arlberg) wurden ab dem Mittelalter viele Pilger aus Bergnot bzw. anderen Notsituationen gerettet. Der erste Bergrettungsdienst der Welt war der „Alpine Rettungsausschuß Wien“, der im Jahre 1896 als Reaktion auf ein Lawinenunglück auf der Rax mit drei Todesopfern gegründet wurde.

IKAR Die Internationale Kommission für alpines Rettungswesen (IKAR) mit Sitz in der Schweiz ist eine Arbeitsgemeinschaft der nationalen Bergrettungsorganisationen. Präsident ist derzeit der Schweizer Toni Grab. Die IKAR gliedert sich in die vier Kommissionen: • • • •

Bodenrettung Flugrettung Lawinen Alpinmedizin

Höhlenrettung www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 155


Eine Höhlenrettung ist eine spezielle Hilfsorganisation, deren Aufgabe es ist, verletzte Höhlenforscher oder -touristen aus Höhlen und unterirdischen Hohlräumen zu retten. Die Höhlenrettung ist in vielen Ländern bzw. Bundesländern unterschiedlich geregelt und organisiert. Teilweise wird sie durch Feuerwehr oder Bergwacht durchgeführt. In einigen deutschen Bundesländern sowie in vielen Alpengebieten existieren eigene Höhlenrettungen, die sich überwiegend aus Höhlenforschern zusammensetzen. Die regionalen Höhlenrettungsgruppen haben ihren Ursprung i. d. R. in den örtlichen Höhlenvereinen und entstanden aus der Erfahrung, dass gängige Hilfsorganisationen nicht den Erfordernissen einer Rettung in Höhlen gewachsen waren. So ist der Transport von Verletzten besonders aufwändig, erfordert spezielles Material und Wissen um die Besonderheiten dieser Umgebung und kann auch ggfls. sehr lange dauern. In den meisten deutschen Karstgebieten wurde die Notwendigkeit einer spezialisierten und durchorganisierten Höhlenrettung im Laufe der Zeit von den Rettungsorganisationen erkannt und akzeptiert, teilweise wurden die existierenden Gruppen dort integriert, je nach Bundesland z. B. bei Bergwacht (Deutsches Rotes Kreuz, Bayerisches Rotes Kreuz), Feuerwehr oder Malteser Hilfsdienst. In Bayern ist die Höhlenrettung ab dem 1. Januar 2009 explizit im Rettungsdienstgesetz (BayRDG) verankert.

Neben einer effizienten Rettung stehen auch Prävention, Schulung und Aufklärung von Höhlenforschern im Vordergrund. So werden in verschiedenen Seminaren den Teilnehmern die Technik der Kameraden- und Selbstrettung beigebracht. Kameradenrettung Kameradenrettung bedeutet, dass ein unverletzter Kamerad einem Verunfallten in der Höhle technisch wie medizinisch Erste Hilfe leisten kann. Bei Seilbefahrungen in einem Schacht beinhaltet dies ebenso das korrekte Befreien und Ablassen eines handlungsunfähigen Patienten. Die Kameradenrettung ist aufgrund der normalerweise langen Zeitspanne (bis zu mehreren Stunden) zwischen Unfall und Eintreffen der Höhlenrettung (vgl. therapiefreies Intervall) von erheblicher Bedeutung und entscheidet letztlich den weiteren Verlauf einer Rettung. Insbesondere dem Wärmeerhalt des Verletzten und seiner Betreuer kommt dabei ein hoher Stellenwert zu. Es ist empfehlenswert, neben einem auf Höhlen abgestimmten Erste-Hilfe-Päckchen (mind. eines pro Gruppe) auch Rettungsdecken mitzuführen (eine pro Person, z. B. im Helm).

Besondere Gefahren in einer Höhle • • • • • • • •

Absolute Dunkelheit. Kälte. Enge Stellen. Rutschiger Fels. Unberechenbarer Wasserstand. Genaue Position unbekannt (kein GPS-Empfang in Höhlen). Keine Kommunikationsmittel verfügbar (kein Funk- oder Handy-Empfang in Höhlen). Rettung ohne spezielles technisches Material und Know-how schwer durchführbar.

Gefahrenabwehr: •

Notrufnummern und Vorgehensweisen für den Notfall im Voraus abklären. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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Einer dritten, zuverlässigen Person die Zeit mitteilen, bis wann man die Höhle wieder verlassen haben will und ab wann die Höhlenrettung alarmiert werden soll. Nie alleine gehen. Ausreichend elektrisches Licht. Mindestens zwei Taschen-/Stirnlampen pro Person mit vollen Ersatzbatterien. Ausreichend Wärmeschutz. Fleece-Overall, Neoprenanzug, Wollsocken, wasserdicht verpackte Ersatzkleidung. Enge Stellen ggfls. meiden. Festes Schuhwerk und Handschuhe. Beim Begehen der Höhle jeden Schritt sicher durchführen. Auf lose Felsbrocken achten und meiden. Information über aktuellen und zu erwartenden Wasserstand einholen. Jahreszeit beachten. Höhlen nur in Begleitung einer ortskundigen Person besuchen. Besonders in verwinkelten Höhlensystemen mit mehreren Parallelgängen kann es leicht zu Verwirrung kommen. Höhlenpläne auf Papier sind aufgrund der dreidimensionalen Struktur einer Höhle nur eingeschränkt hilfreich und benötigen zur korrekten Interpretation ein Mindestmaß an Erfahrung und Ortskunde. Im Notfall unverzüglich Kameradenhilfe durchführen und schnellstens die Höhlenrettung alarmieren.

Notrufnummern In Europa kann prinzipiell der Euro-Notruf 112 verwendet werden. In vielen Ländern empfiehlt sich die Alarmierung der Höhlenrettung direkt über eine definierte Anlaufstelle. Unbedingt das Stichwort "Höhlenunfall unter Tage" angeben! Verwechslungen mit der Höhenrettung sind insbesondere bei der Alarmierung über Feuerwehr- und integrierte Leitstellen nicht ausgeschlossen und können das Eintreffen der Höhlenretter beträchtlich verzögern. Deutsche Höhlenrettungen werden über Rettungsleitstellen alarmiert. Ein Alarmplan für Deutschland ist auf den Seiten des HRVD zu finden.

Höhlenrettungsverbund Deutschland Der HRVD ist ein Arbeitskreis des Verbandes der deutschen Höhlen- und Kartsforscher e.V. In ihm haben sich Höhlenrettungen aus Deutschland zusammengeschlossen, um gemeinsam gute und effiziente Hilfe für in Not geratene Höhlengänger zu leisten.

Tierambulanz Tierambulanz? So funktioniert das! Verkehrsunfall auf einer Stadtstrasse. Auf der Fahrbahn liegt ein verletzter Hund. Der Unfallfahrer und die Passanten sind ratlos. Szenenwechsel: In einer Wohnung bekommt ein Schäferhund plötzlich einen Schlaganfall und kann sich nicht mehr rühren. Die Besitzer wissen nicht, wie sie das Tier transportieren oder ihm helfen sollen. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 157


Szenenwechsel: Auf einem verlassenen Fabrikgelände ist eine Katze in ein Abflussrohr gekrochen. Jetzt kann Sie nicht mehr vor oder zurück, sie ist gefangen. Die Leute des Wachdienstes wissen nicht, wie sie dem Tier helfen können. Szenenwechsel: Ein Meerschweinchen muss zur Untersuchung in eine Praxis, die Besitzer wissen nicht wie. Sie haben keine Fahrgelegenheit. Szenenwechsel: Ein moderner Busbahnhof. Unter dem zeltartigen Glasdach sind mehrere Vögel gefangen. Sie fliegen seit Tagen aufgeregt hin und her und finden den Weg in die Freiheit nicht mehr. Ein Tier ist gegen eine Scheibe geflogen und liegt verletzt am Boden. Die Passanten sind entsetzt und überlegen, wer helfen könnte. Die herbeigerufene Polizei ist ebenfalls ratlos. So unterschiedlich diese Situationen sind, haben sie doch eines gemeinsam: Hier hilft Ihnen die Deutsche Tierrettung e.V. Vom Vogel bis zum Elefantenbaby - wir helfen Haustieren, Wildtieren und herrenlosen Tieren sowie Fundtieren bei plötzlichen Krankheiten, in akuten Notlagen und in allen Transportfragen. Wir versorgen Ihr Haustier fachmännisch bei Ihnen zuhause. Wenn es eventuell noch nötig ist, fahren wir Ihr Haustier in eine Tierklinik. Fast immer können wir Ihrem Haustier aber den stressigen Transport ersparen und die ganze Versorgung bei Ihnen und für Ihr Haustier in gewohnter Umgebung durchführen.

24 Stunden täglich erreichbar: Notfälle kommen immer unpassend, Krankheiten auch! Deshalb sind wir auch rund um die Uhr für Sie da: Wir kommen schnell, wenn Not am Mann oder vielmehr am Tier ist. Und so erreichen Sie uns: Der erste zentrale Tiernotruf für ganz Deutschland: 02164 – 950 990 Der Tiernotruf ist deutschlandweit erreichbar. Hier bekommen Sie in kürzester Zeit schnelle und fachmännische Hilfe durch unser geschultes Personal damit Ihr Haustier oder ein Wild-, herrenloses- und Fundtier nicht lange leiden und warten muss. Alle Tierrettungseinsätze sind Gebührenpflichtig.

Der wesentliche Vorteil besteht darin, für das Tier stressige Anfahrtswege und Aufenthalte im Wartezimmer zu umgehen. Kleinere chirurgische Eingriffe können ambulant durchgeführt werden. Dies ist mitunter dank moderner und sicherer Anästhesiemethoden möglich. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 158


Ich biete ein grosses Spektrum von Untersuchungs- und Therapiemöglichkeiten an, bei speziellen Eingriffen vermittele ich Kontakte zu ausgewiesenen Spezialisten, mit dem Ziel den Patienten die optimale Betreuung zuteilwerden zu lassen.

Deutsche Rettungsflugwacht Die DRF Luftrettung mit Sitz in Filderstadt ist Teil des deutschen Rettungsdienstes auf dem Gebiet der Luftrettung. Präsident der gemeinnützigen Organisation ist seit Dezember 2004 der Stuttgarter Unternehmer Helmut Nanz. In Deutschland wurde Anfang der 1970er Jahre durch den Verkehrstod des Jungen Björn Steiger eine Verfügbarkeitslücke in der schnellen medizinischen Soforthilfe offenbar. Seine Eltern gründeten daraufhin die Björn-Steiger-Stiftung, deren Initiative im Jahr 1972 zur Gründung der Deutsche Rettungsflugwacht e.V. führte. Im darauffolgendem Jahr kam es zu ihrem ersten Rettungseinsatz per Hubschrauber. Nach ihrer Umorganisierung heißt sie heute DRF Luftrettung. Sie besteht aus einem Verein und einer Stiftung, die beide gemeinnützig sind. Zusammen betreiben sie die DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige Aktiengesellschaft, die mit ihren Tochterunternehmen HDM Luftrettung gemeinnützige GmbH und HSD Luftrettung gemeinnützige GmbH den Betrieb der Rettungstationen mit deren Hubschraubern durchführt. Zur DRF Luftrettung gehört außerdem in Österreich die ARAFlugrettungs GmbH, in Dänemark die Falck DRF Luftambulance A/S. In Deutschland ist die DRF Luftrettung neben der ADAC-Luftrettung der größte nichtkommerzielle Luftrettungsdienst. Die Einsatzzahlen sind seit der Gründung kontinuierlich ansteigend. Im Jahr 2008 leistete die DRF Luftrettung insgesamt 40.602 Einsätze, was einem Anstieg von 3,8% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Jahr 2009 ging die Zahl der Rettungsflüge leicht auf 40.375 zurück. In Deutschland hingegen flogen die Besatzungen im vergangenen Jahr 33.731 Einsätze, 1.224 mehr als im Jahr zuvor. Die DRF Luftrettung verpflichtet sich seit ihrer Gründung am 6. September 1972 der schnellen Hilfe von Notfallpatienten. In den Anfängen betrieb die DRF Luftrettung in Deutschland zunächst nur www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 159


Luftrettung mit Rettungshubschraubern, seit den 1980er Jahren auch Intensivtransporthubschrauber, die auch zum Teil auch Nachts durchgeführt werden können. Außerdem führt die DRF Luftrettung mit Ambulanzflugzeugen Rückholungsflüge aus dem Ausland durch. Die Flugzeuge sind am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden beheimatet. Diese Leistungen werden seitens der DRF den Fördermitgliedern der DRF gewährt, die für ihre Mitgliedschaft jährliche Beiträge leisten müssen und im Rahmen dieser Fördermitgliedschaft entsprechend versichert werden, jedoch können auch Urlauber, Geschäftsleute und andere diese Leistung in Anspruch nehmen. Die DRF Luftrettung verfügt nach eigenen Angaben über über 50 Hubschrauber im In- und Ausland, die in den Farben Rot und Weiß gehalten sind. Ein einheitliches Design der Flotte wird angestrebt und wurde bereits teilweise umgesetzt. Zum Einsatz kommen bei der DRF Hubschrauber der Typen BK 117, EC 135, EC 145, und Bell 412 Außerdem werden Flugzeuge der Typen Learjet 35A und Beechcraft King Air 200 eingesetzt. Seit dem Jahr 2000 gehören die folgenden Betreiber zur DRF Luftrettung: • •

HDM Luftrettung gemeinnützige GmbH HSD Hubschrauber Sonder Dienst Flugbetriebs GmbH & Co. KG

Hinzu kommen international folgende Luftrettungsanbieter: • •

ARA-Flugrettungs GmbH in Österreich Helitalia S.P.A. in Italien

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Deutsche Lebensrettungsgesellschaft „Jeder Nichtschwimmer ein Schwimmer – jeder Schwimmer ein Rettungsschwimmer.“ Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) ist eine gemeinnützige und selbstständige Wasserrettungs- und Hilfsorganisation. Sie arbeitet grundsätzlich ehrenamtlich mit freiwilligen Helfern. Mit über 560.000 Mitgliedern[1] in rund 2.100 örtlichen Gliederungen ist sie die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt. Sie ist im Vereinsregister Berlin-Charlottenburg eingetragen; Sitz der Bundesgeschäftsstelle ist jedoch das niedersächsische Bad Nenndorf. Gegründet wurde sie am 19. Oktober 1913 in Leipzig als Konsequenz aus einem schweren Unglück in Binz auf Rügen, bei dem ein Steg einstürzte und 17 Menschen ertranken. Seit damals ist es das Hauptziel der DLRG, Menschen vor dem Ertrinkungstod zu bewahren, indem sie möglichst vielen Menschen frühzeitig das Schwimmen beibringt und über das sichere Verhalten im und am Wasser aufklärt. Rettungsschwimmer der DLRG bewachen jedes Jahr die Küsten von Nord- und Ostsee, Badeeinrichtungen in den Binnengewässern und Flüssen, Schwimmbäder und Veranstaltungen am, auf und im Wasser. Die DLRG ist darüber hinaus im Katastrophenschutz der Länder und je nach Ländergesetzgebung auch im Rettungsdienst tätig. Der auf das Wasser spähende Adler ist das Logo der DLRG und als Markenzeichen ebenso wie die Wortmarke „DLRG“ nach dem Markenrecht im geschäftlichen Gebrauch geschützt. Schirmherr der DLRG ist Bundespräsident Horst Köhler.

Hauptaufgaben Die DLRG unterteilt ihre Ziele und Aufgaben in Hauptaufgaben und zusätzliche Aufgaben. Als ihre Hauptaufgabe sieht sie die Bekämpfung des Ertrinkungstodes. Dies will sie durch frühzeitige und fortgesetzte Information über Gefahren und sicherheitsbewusstes Verhalten im und am Wasser erreichen. Des Weiteren bildet sie Personen in der Selbstrettung, im Schwimmen und im Rettungsschwimmen aus, um einen sicheren Aufenthalt im Wasser zu gewährleisten. Eine weitere Kernaufgabe im Rahmen der Bekämpfung des Ertrinkungstodes ist die Organisation und Durchführung eines flächendeckenden Wasserrettungsdienstes im Rahmen der allgemeinen Gefahrenabwehr von Bund, Ländern und Gemeinden. Für diesen Zweck bildet die DLRG Rettungsschwimmer aus, die dann für die DLRG im Einsatz sind. Teil der Lehrtätigkeit ist darüber hinaus die Schulung und Weiterbildung von Ausbildern. Auch die Jugendarbeit und Nachwuchsförderung wird als bedeutende Aufgabe angesehen.

Zusätzliche Aufgaben Eine zusätzliche Aufgabe der DLRG ist die Ausbildung von Personen im Bereich der Ersten Hilfe und im Sanitätswesen. Hierzu zählt auch die Durchführung rettungssportlicher Übungen und Wettkämpfe sowie die Aus- und Fortbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter, insbesondere auch in den Bereichen Führung, Organisation und Verwaltung. Ebenso ist Naturschutz eine satzungsgemäße Aufgabe. Die DLRG sieht sich auch dazu verpflichtet, die Entwicklung und Prüfung von Rettungsgeräten und Rettungseinrichtungen sowie wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Wasserrettung zu www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 161


betreiben, und mit in- und ausländischen Organisationen sowie Institutionen und Bundesbehörden und -organisationen zusammenzuarbeiten.

Wasserrettungsdienst und Katastrophenschutz Die DLRG ist in den Katastrophenschutz der Länder integriert und führt den Wasserrettungsdienst durch. Neben den Schwimm- und Rettungsschwimmabzeichen können Mitglieder sich mit der Fachausbildung Wasserrettungsdienst zu Wasserrettern weiterqualifizieren. Volljährige Rettungsschwimmer haben auch die Möglichkeit, sich zu Wachleitern ausbilden zu lassen. Ferner können sich Mitglieder zu Bootsführern für Binnen- und Küstengewässer ausbilden lassen und auch dort noch weitere Qualifikationen erwerben, wie zum Beispiel bei einem Lehrgang im Brandungsretten mit Schlauchbooten. Die DLRG bildet Mitglieder auch zu Katastrophenschutzhelfern aus, einschließlich der Ausbildung von Helfern zu Gruppenführern und Zugführern. Überdies werden Sprechfunker und BOS-Funker ausgebildet. Die DLRG bietet seit dem März 2006 Fortbildungen für Wasserretter mit dem Titel „Rettung aus stark fließenden Gewässern“ an; diese beinhaltet eine dreistufige Ausbildung zum Strömungsretter sowie einen anschließenden Ausbildungsteil zur Luftrettung. Sinn dieser Ausbildung ist die Rettung von Menschen in stark strömenden Gewässern, in denen Rettungsschwimmer, Taucher und Boote nicht mehr eingesetzt werden können, vom Lande oder aus der Luft durchzuführen.

Sanitätswesen Einen großen Bereich der Ausbildung umfasst das Sanitätswesen. Die DLRG bietet Kurse für die Bevölkerung im Bereich Erste Hilfe und Sanitätsausbildung an. Mitglieder können sich zu Sanitätshelfern (San A) und Sanitätern (San B) ausbilden lassen.

Sonstiges Die DLRG bietet unter anderem Lehrgänge zum Thema Vereinsführung, Ausbildungen zum Schatzmeister und zum Versicherungsschutz an. Kinder ab dem 12. Lebensjahr können an der Ausbildung in realistischer Unfall- und Notfalldarstellung teilnehmen. Viele weitere Ausbildungen werden von der DLRG-Jugend angeboten. In allen Bereichen werden Multiplikatoren und Prüfer ausgebildet.

Einsatzbereiche Katastrophenschutz Als Wasserrettungsorganisation beteiligt sich die DLRG aktiv am Katastrophenschutz der Länder und des Bundes. Die DLRG ist darüber hinaus durch die Bundesregierung als Zivilschutzorganisation im Sinne des Artikels 63 des vierten Genfer Abkommens anerkannt. Die einzelnen Landesverbände stellen für den Bereich des Katastrophenschutzes Wasserrettungszüge auf. Bundesweit gibt es über 100 Wasserrettungszüge. Ein Wasserrettungszug wird aus mindestens einer Führungsgruppe und zwei Wasserrettungsgruppen gebildet. Zusätzlich können ihm noch weitere Facheinheiten angegliedert sein, wie beispielsweise: • • • • •

Führungstrupp Bootstrupp Einsatztauchtrupp Betreuung Sanitätsdienst www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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Technik/Logistik Umweltgefahren

Die einzelnen Ortsgruppen halten das Material, wie Boote, Fahrzeuge und andere Hilfsmittel, für allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz vor. Sie sind für allgemeine Hilfe auf örtlicher Ebene und den Wasserrettungsdienst zuständig und stellen Wasserrettungsgruppen auf, die im Einsatzfall zu Zügen zusammengefasst werden können. Die Wasserrettungszüge können bei Großschadensereignissen auch überregional eingesetzt werden. Der Bezirk übernimmt die Führung des Einsatzes, wenn der Einsatzbereich über den Zuständigkeitsbereich einer Ortsgruppe hinausgeht, und ist der Ansprechpartner für die in seinem Bereich liegenden Kreisverwaltungen. Die Landesverbände setzen Führungseinheiten ein oder übernehmen die Führung, wenn das Einsatzgebiet über die räumliche Zuständigkeit eines DLRG-Bezirks hinausgeht. Ein Wasserrettungszug rettet Menschen aus Wasser- und Eisgefahren und führt die sanitätsdienstliche Versorgung auf und am Wasser durch. Er birgt Tiere und Sachgüter aus Wasserund Eisgefahr und führt Tauchaufgaben durch. Ein Wasserrettungszug transportiert Personen und Material auf dem Wasser, sichert Einsatzkräfte am und auf dem Wasser ab und nimmt bei Bedarf andere Aufgaben wahr. Zusätzlich unterstützt er andere Fachdienste. Aber auch in anderen Bereichen kommt der DLRG Katastrophenschutz zum Einsatz, beispielsweise zur Hilfeleistung bei Schneekatastrophen.

Wasserrettungsdienst Ein Ziel der DLRG ist die Durchführung und Einrichtung eines flächendeckendes Wasserrettungsdienstes. Um diesen zu gewährleisten, haben viele Ortsgruppen im Binnenland Wasserrettungsstationen aufgebaut und überwachen von dort im privaten oder öffentlichen Auftrag Schwimmbäder, Seen und Flüsse. An den Küsten von Nord- und Ostsee hat die DLRG während der Badesaison von Mai bis September den zentralen Wasserrettungsdienst (ZWRD) eingerichtet. Für große Teile der Küsten-Wachstationen in den Landesverbänden Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wird der Wasserrettungsdienst zentral von der Bundesgeschäftsstelle in Bad Nenndorf aus organisiert. Die dort eingerichteten Wasserrettungsstationen werden nur zu einem Teil von den ansässigen Ortsgruppen selbst betrieben. Rettungsschwimmer aus ganz Deutschland können sich bei den zuständigen Einsatzleitstellen bewerben und werden von dort auf die einzelnen Stationen verteilt, wo sie zwei bis sechs Wochen Wachdienst absolvieren. Die Bewerber müssen während dieser Zeit Mitglieder der DLRG sein. Jeder Inhaber eines Rettungsschwimmabzeichen in Silber, das nicht älter als zwei Jahre ist, kann sich bewerben. Die Rettungsschwimmer sind ehrenamtlich tätig und bekommen nur eine Aufwandsentschädigung, freie Verpflegung und Unterkunft. Die Angaben in der Tabelle entstammen den Geschäftsberichten der DLRG[1]. 2002 wurde die Erfassung verändert, daher passen die Werte dort nicht ganz. Bei leeren Feldern gibt es keine Informationen.

Jahr 2000

davon Lebensunter rettunge Lebensgefahr n 345 19

Hilfeleistunge n Erste Hilfe im Wasser 7.323 35.494

Wachstunde Einsatzkräfte n 1.977.532 48.707

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2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 seit 1950

559 557 549 692 855 1079 482 519 63.845

29 55 145 36 28 26 46 8.983

9.120 13.281 6.620 8.381 8.846 8.253 7.815 7.296

45.376 36.910 47.502 44.969 46.354 44.346 35.853 45.668 2.022.939

2.391.370 2.300.000 2.250.000 2.112.794 2.152.877 2.171.667 2.037.280 2.177.807

46.525 45.630 61.600 51.072 48.806 61.682 46.862 43.809

Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) In einigen Bundesländern haben Ortsgruppen Schnell-Einsatz-Gruppen gebildet, um mit ihnen die Aufgaben des mobilen Wasserrettungsdienstes und erweiterten Katastrophenschutzes wahrzunehmen. Diese SEGn findet man häufig an großen Flüssen (z.B. an Rhein oder Elbe) oder Landkreisen mit großen Seen (z.B. Chiemsee, Starnberger See). SEGn können verschiedene Aufgaben wahrnehmen: • • • • •

Retten von Personen aus Gefahren im und am Wasser Retten und Bergen von Personen, Fahrzeugen und Gegenständen durch Taucher Betreuung von Verletzten bei einem Massenanfall von Verletzten (MANV) Sanitätsdienst-Aufgaben bei MANV organisierte Erste-Hilfe (First Responder (FR) / Helfer vor Ort (HvO))

Den Schnell-Einsatz-Gruppen stehen je nach Anforderung oder örtlichen Verhältnissen verschiedene DLRG-Fahrzeuge zur Verfügung, z.B. Gerätewagen Tauchen, Gerätewagen Wasserrettung oder Gerätewagen Technik Logistik. Eine spezielle Sonderaufgabe einiger Schnell-Einsatz-Gruppen ist der sogenannte First Responder oder auch „Helfer vor Ort“ (HvO), der meist in ländlichen Regionen Tag und Nacht bereit steht, um die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes zu überbrücken und sofortige notfallmedizinische Hilfe zu leisten.

Einsatzkleidung Die Einsatzkleidung der DLRG ist in den Farben Rot und Gelb gestaltet, den internationalen Farben der Rettungsschwimmer. Rettungsschwimmer tragen entweder gelbe T-Shirts mit roter Aufschrift oder rote T-Shirts mit gelber Aufschrift. Die Beschriftung lautet auf dem Rücken „DLRGWasserrettung“, auf der Brust steht „DLRG“. Diese Farbgebung und Beschriftung ist deutschlandweit einheitlich. Pullover und Jacken sowie Hosen, Shorts und die Badebekleidung sind immer rot mit gelber Schrift und zum Teil mit Reflektorstreifen in der Farbe Gelb-Silber-Gelb ausgerüstet. Die Beschriftung „Wasserrettung“ kann im Katastrophenschutz und auf Einsätzen durch die jeweilige Fachfunktion des Helfers ersetzt werden, zum Beispiel „Einsatztaucher“, „Sanitäter“, „Arzt“, „Einsatzleiter“,„Zugführer“ oder auch „Ausbilder“ (im Trainingsbetrieb). Die Einsatzfahrzeuge der DLRG sind in der Grundfarbe weiß lackiert und haben einen roten Streifen mit gelber Aufschrift „DLRG“ und „Wasserrettung“. Boote sind entweder wie die Fahrzeuge lackiert oder besitzen einen komplett roten Bootskörper mit gelben Beschriftungen.

Rettungshunde www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 164


Immer mehr Gliederungen der DLRG besitzen auch Rettungshunde. Diese Rettungshunde werden zwischen zwei und drei Jahre nach den Richtlinien verschiedener Rettungshundeorganisationen ausgebildet. Um eingesetzt werden zu können, müssen die Hunde ihre Prüfung alle zwei Jahre wiederholen. Grundsätzlich gibt es für Rettungshunde vier Einsatzgebiete: Die Suche in der Fläche, in Trümmern, unter Lawinen und im Wasser, während Letzteres das Haupteinsatzgebiet der DLRGRettungshunde darstellt. Ihre Aufgabe ist sowohl das Aufspüren der Stelle, an welcher eine vermisste Person ins Wasser gelangt ist (Mantrailing) als auch das Aufspüren von Menschen unter Wasser (Wasserortung). In diesem Fall können die Hunde Menschen wahrnehmen, die in einer Tiefe von bis zu 50 Metern liegen und somit Rettungstauchern die Stelle anzeigen, an der sie mit ihrem Tauchgang beginnen sollen. Ein weiteres Aufgabengebiet der Rettungshunde ist das Absuchen schlecht zugänglicher Uferregionen. Auch die Gebäude- und Trümmersuche kommt bei den DLRGRettungshunden speziell bei Hochwasser- und Evakuierungseinsätzen zum einsatz. Die Hunde werden dabei speziell ausgebildet im Bereich von Wasser zu arbeiten und mit verschiedenen Bootstypen zu fahren. Gut ausgebildete Rettungshunde können auch Rettungsschwimmer bei ihren Einsätzen unterstützen, indem sie mit einem speziellem Geschirr den Rettungsschwimmer zum Ertrinkenden ziehen, oder dieser sich selbstständig an den Hund hängt und von diesem an Land gezogen wird. Zusätzlich zu den Hunden werden auch die Hundeführer speziell in Karten- und Kompasskunde, Funk, Sanitätswesen, Erste Hilfe am Hund und Kynologie ausgebildet.

Aufklärungsarbeit Ein weiterer großer Einsatzbereich der DLRG ist die Aufklärung der Bevölkerung vor Gefahren im und am Wasser. In diesem Bereich ist die DLRG-Jugend zu großen Teilen aktiv. So führt die DLRG-Jugend Strandfeste und Kindergartentage durch, um schon die Jüngsten auf die Gefahren im und am Wasser aufmerksam zu machen und ihnen das richtige Verhalten beizubringen. Der DLRG-Hauptverband sorgt für eine Verbreitung der Baderegeln und Eisregeln, klärt über die Kennzeichnung von Badestellen auf, verbreitet Sicherheitstipps für Erzieher, Eltern sowie Aufsichtspersonen und veröffentlicht Verhaltensregeln für den Aktivitäten im Hochwasser, für Surfer und für Wattwanderer.

Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist eine Seenotrettungsorganisation. Im Seenotfall ist sie zuständig für den Such- und Rettungsdienst (SAR: Search and Rescue). Die nicht-staatliche DGzRS finanziert sich ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen und ohne Steuergelder. Schirmherr der DGzRS ist stets der amtierende Bundespräsident, zurzeit Horst Köhler. Die DGzRS führt ihre Aufgaben eigenverantwortlich und unabhängig durch. Einsatzzentrale für alle Maßnahmen im maritimen SAR-Dienst der Bundesrepublik ist die Seenotleitung Bremen (MRCC Bremen: Maritime Rescue Co-ordination Centre) der DGzRS (siehe Bremen Rescue Radio). Der www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 165


Überwachungsbereich umfasst im Wesentlichen die deutschen Hoheitsgewässer und die deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszonen in Nord- und Ostsee. Zur Erfüllung ihrer vielfältigen Aufgaben verfügt die Gesellschaft heute über eine Rettungsflotte von 61 modernen, leistungsstarken Seenotkreuzern und Seenotrettungsbooten auf 54 Stationen zwischen der Emsmündung im Westen (westlichste Station ist Borkum) und der Pommerschen Bucht im Osten (östlichste Station ist Ueckermünde). Zusätzlich zu den 54 Stationen unterhält die DGzRS eine SAR-Schule in Bremen mit Außenstelle in Neustadt in Holstein. Die Gesellschaft kann auf 185 festangestellte und rund 800 freiwillige Mitglieder zurückgreifen. Im Jahr 2008 rettete die DGzRS bei 2102 Einsatzfahrten in Nord- und Ostsee insgesamt 127 Personen aus Seenot. 978 Personen wurden aus kritischen Gefahrensituationen befreit. Weiterhin führte die DGzRS 466 Krankentransporte von Inseln oder Halligen auf das Festland durch. Ferner wurden 68 Schiffe vor dem Totalverlust bewahrt und 894 Hilfeleistungen aller Art erbracht. Zusätzlich wurden 542 Einsatzanläufe, Such-, Schlepp- und Sicherungsfahrten absolviert. In der Gesamtbilanz seit dem Bestehen der Gesellschaft 1865 bis Ende 2008 sind über 75.515 Menschen aus Seenot gerettet oder aus lebensbedrohenden Situationen befreit worden. Sitz der Gesellschaft ist Bremen. Sie ist eine gemeinnützige Hilfsorganisation, die vollständig ohne staatliche Gelder auskommt. Einnahmen stammen z. B. aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden (ca. 74−76 %), Nachlässen, Kondolenzen u. Ä. (ca. 7−8 %), Beiträgen aus der Schifffahrt (ca. 7−9 %), Sammelschiffchen – gewissermaßen die kleinste Bootsklasse der DGzRS, deren Form an die alten Ruderrettungsboote erinnert − (ca. 6 %) sowie Zuwendungen aus Bußgeldern (ca. 3−5 %). 2006 beliefen sich die Einnahmen auf 30,3 Mio. Euro. Die DGzRS unterhält auf 54 Stationen in Nord- und Ostsee zurzeit 61 Rettungseinheiten: 20 Kreuzer und 41 Rettungsboote. Unterschieden wird dabei zwischen Seenotkreuzern (SK) und Seenotrettungsbooten (SRB). Der Begriff Seenotkreuzer bezeichnet die größeren Einheiten der 20- bis 46-Meter-Klasse. Alle diese Einheiten haben trotz unterschiedlicher Größe gemeinsame Merkmale. Auffällig ist das in einer Heckwanne mitgeführte Tochterboot. Auch sind, mit Ausnahme der Seenotkreuzer der 20-MeterKlasse, alle Kreuzer so konstruiert, dass die Mannschaft während der 14-tägigen Wache an Bord leben und schlafen kann. Gemeinsamkeit ist ferner der offene oder überdachte obere Führerstand, der so genannte Fahrstand (oder Brücke), der einen möglichst guten Rundumblick gewähren soll. Die Seenotkreuzer sind mit hauptberuflichen Seenotrettern besetzt. Die Seenotrettungsboote hingegen werden von Freiwilligen gefahren. Sie üben ähnlich wie z.B. Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren andere reguläre Berufe aus und besetzen im Notfall umgehend die Seenotrettungsboote, um in Not geratenen Menschen zu helfen. Boote dieser Klassen sind zwischen 6,8 und zehn Meter lang und verfügen an Bord über keinerlei Aufenthalts- oder Wohnbereiche. Seenotrettungsboote und Seenotkreuzer operieren oftmals gemeinsam. Zur Unterstützung der Seenotkreuzer oder bei kleineren Einsätzen kommen die kleinen und wendigen Seenotrettungsboote zum Einsatz. Ihr typisches Revier sind die küstennahen Bereiche, sowie das Wattenmeer und die www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 166


Boddengebiete. Die Seenotkreuzer hingegen können im Einsatzfall über mehrere Tage autark auf See operieren. Zurzeit unterhält die DGzRS Einheiten aus zehn verschiedenen Typen; vier Bootstypen und sechs Kreuzertypen: Seenotkreuzer der 46-m-Klasse HERMANN MARWEDE Station Helgoland JOHN T. ESSBERGER Station Großenbrode

Seenotkreuzer der 44-m-Klasse WILHELM KAISEN Station Sassnitz Seenotkreuzer der 36-m-Klasse

SK 32 in Planung Seenotkreuzer der 27-m-Klasse BERLIN HERMANN HELMS Station Laboe Station Cuxhaven ALFRIED KRUPP VORMANN STEFFENS Station Borkum Station Hooksiel ARKONA BREMEN Station Warnemünde Station Grömitz Seenotkreuzer der 23,3-m-Klasse MINDEN Station List/Sylt VORMANN LEISS NIS RANDERS Station Amrum Station Maasholm VORMANN JANTZEN HANNES GLOGNER Reservekreuzer Ostsee Reservekreuzer Nordsee Seenotkreuzer der 23,1-m-Klasse HERMANN RUDOLF MEYER HANS HACKMACK Station Bremerhaven Station Büsum THEO FISCHER BERNHARD GRUBEN Station Darßer Ort Station Norderney Seenotkreuzer der 19,90-m-Klasse EISWETTE EUGEN Station Nordstrand Station Greifswalder Oie SK 33 im Bau Seenotrettungsboote der 9,50 (10,1)-m-Klasse HANS INGWERSEN EMIL ZIMMERMANN Station Travemünde Station Puttgarden NEUHARLINGERSIEL HEILIGENHAFEN Station Neuharlingersiel Station Heiligenhafen CASPER OTTEN GILLIS GULLBRANSSON Station Langeoog Station Brunsbüttel WILMA SIKORSKI WERNER KUNTZE Station Wangerooge Station Langballigau HEINZ ORTH HORST HEINER KNETEN Station Freest Station Hörnum KONRAD-OTTO HERTHA JEEP Station Kühlungsborn Station Stralsund KURT HOFFMANN NAUSIKAA Station Glowe Station Vitte/Hiddensee

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PAUL NEISSE ECKERNFÖRDE Station Eiderdamm Station Eckernförde ELLI HOFFMANN-RÖSER WOLTERA Station Baltrum Station Juist Seenotrettungsboote der 8,5-m-Klasse ASMUS BREMER MARIE LUISE RENDTE Station Schilksee Station Schilksee FRANZ STAPELFELDT GÜNTHER SCHÖPS Station Maasholm Station Timmendorf auf Poel GERHARD TEN DOORNKAAT KARL VAN WELL Station Ueckermünde Station Damp DORNBUSCH CASSEN KNIGGE Station Breege Station Norddeich OTTO BEHR HELLMUT MANTHEY Station Wilhelmshaven Station Lippe HERMANN ONKEN JENS FÜERSCHIPP Station Fedderwardersiel Station Gelting PUTBUS WALTER MERZ Station Lauterbach Station Schleswig CREMPE BALTRUM Station Neustadt Station Horumersiel BOTTSAND STRALSUND Station Laboe Station Prerow-Wieck auf dem Darß Boddenboote der 7-m-Klasse ZANDER HECHT Station Zingst Station Zinnowitz BUTT BARSCH Station Zinnowitz Station Wustrow Festrumpfschlauchboot (RIB) DORA (ex RESCUE UECKER) Station Ueckermuende

Search and Rescue Mit Search and Rescue (SAR) (deutsch: Suchen und Retten) werden international in staatlichem Auftrag tätige Such- und Rettungsdienste für Notfälle in der Luft- und Seefahrt bezeichnet. Alle Staaten, die dem Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt von 1944 beigetreten sind, sind verpflichtet, einen entsprechenden Dienst für Luftnotfälle bereitzuhalten. Die entsprechende Praxis bezüglich Seenotfällen wurde erst 1979 im Übereinkommen über den Such- und Rettungsdienst auf See international geregelt. Grundlage für die Durchführung ist das von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO und der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO gemeinsam herausgegebene IAMSAR-Handbuch (International Aeronautical and Maritime Search and Rescue Manual). Meist sind die SAR-Dienste in die Streitkräfte, vorhandene Rettungsdienste, Polizei oder andere Sicherheitsbehörden eingegliedert. In Deutschland ist für die SAR-Dienste das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung verantwortlich, das die Durchführung dieser Aufgaben jedoch an das Bundesverteidigungsministerium bzw. an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger übertragen hat. Weitere Mittel werden bei Bedarf durch andere Behörden und Organisationen www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 168


bereitgestellt, z.B. durch Polizei von Bund und Ländern, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, Wasserund Schiffahrtsverwaltung, Zoll, Technisches Hilfswerk und Bergwacht. Zu unterscheiden von den SAR-Diensten ist in Deutschland die Luftrettung, die das schnelle Transportmittel Hubschrauber für den allgemeinen Rettungsdienst nutzt.

SAR-Dienst für Luftfahrzeuge in Deutschland Aufgaben In dem Bereich der Luftfahrt wird der SAR-Dienst von der Bundeswehr (Luftwaffe und Marine) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung wahrgenommen. Aufgaben des SAR-Dienstes der Bundeswehr sind: • • • •

Suche von in Not geratenen Luftfahrzeugen, Ortung der Maschine; Rettung von Crew und Passagieren; Unterstützung des Seenotrettungsdienstes in der deutschen Nord- und Ostsee; Unterstützung der eigenen und verbündeten Streitkräfte bei Notfällen.

Daneben werden auch Aufgaben außerhalb des SAR wahrgenommen, sofern militärische und SARAufgaben dem nicht entgegenstehen und genügend Kapazitäten vorhanden sind: • •

Unterstützung des zivilen Rettungsdienstes; Abstellung von Rettungshubschraubern zur Unterstützung der Länder im Katastrophenfall.

Bei Luftnotfällen über See wird der SAR-Dienst für Luftfahrzeuge durch den maritimen SAR-Dienst unterstützt.

Organisation Für Deutschland bestehen zwei SAR-Bereiche mit eigenen Leitstellen in Münster und Glücksburg, die von der Luftwaffe bzw. der Marine betrieben werden. Den Leitstellen obliegt die Einsatzleitung der Such- und Rettungsmaßnahmen für ihren Bereich. Der SAR-Bereich Glücksburg umfasst die Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg, die deutschen Hoheitsgewässer und Inseln sowie das Gebiet des deutschen Festlandsockels, der SAR-Bereich Münster das deutsche Festlandsgebiet ohne Schleswig-Holstein und Hamburg. Im SAR-Bereich Münster bestehen acht mit SARHubschraubern der Luftwaffe besetzte SAR-Kommandos in Laage, Diepholz, Holzdorf, Nörvenich, Erfurt, Malmsheim, Ingolstadt und Landsberg. Temporär werden derzeit die Kommandos Laage, Erfurt und Ingolstadt nicht besetzt; das Kommando Diepholz wird mittelfristig nach Hohn in Schleswig-Holstein verlegt. Im SAR-Bereich Glücksburg bestehen SAR-Kommandos auf Helgoland und in Warnemünde, die jedoch derzeit nicht besetzt werden können, so dass ein SAR-Hubschrauber vom Standort des Marinefliegergeschwaders 5 in Kiel aus eingesetzt wird. Ab Windstärke acht wird jedoch ein Hubschrauber nach Helgoland verlegt. Der SAR-Leitstelle Münster steht außerdem ein flächendeckendes Netz von 33 Flugfunkstationen zur Verfügung. Die SAR-Leitstellen und die SARHubschrauber bilden die Einrichtungen und Mittel ersten Grades, die in ständiger Bereitschaft sind. Weitere bei Bedarf mobilisierte Mittel sind Mittel zweiten Grades. Die Bundesländer haben, in der Regel bei den Innenministerien oder den oberen Polizeibehörden, SAR-Bereichssuchstellen eingerichtet, die auf Anforderung der SAR-Leitstellen Such- und Rettungsmaßnahmen am Boden durchführen. Die Stadtstaaten Bremen und Hamburg betreiben jeweils eine gemeinsame www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 169


Bereichssuchstelle mit Niedersachsen bzw. Schleswig-Holstein. Daneben fungiert die Seenotleitung Bremen des maritimen SAR-Dienstes als Bereichssuchstelle für die Seegebiete von Nord- und Ostsee. Von den Wehrbereichskommandos können ebenfalls Truppen angefordert werden. Außerdem können weitere Einsatzmittel der Bundeswehr und verbündeter Streitkräfte, insbesondere Luft- und Seefahrzeuge, herangezogen werden. Ist dringende Nothilfe erforderlich, alarmieren die SARLeitstellen die Rettungsleitstellen der Kreise. Mit benachbarten SAR-Diensten anderer Staaten findet eine enge Kooperation und gegenseitige Hilfeleistung statt.

SAR-Hubschrauber SAR-Bereich Münster Die medizinische Ausrüstung der SAR-Hubschrauber der Luftwaffe ist gleichzusetzen mit der eines zivilen Rettungshubschraubers. Diese umfasst unter anderem folgende Geräte: • • • • • • • • • • • • •

Beatmungsgeräte Oxylog 2000, Life Base III (Notfall-Respirator) Defibrillator Zoll M Patienten Monitor Propaq EL 106 Absaugpumpe Accuvac Rescue Injektionsautomat(3fach Perfusor Spritzenpumpe Combimat 2000 CS03) Notfallrucksack Kinderkoffer Burn Pack Antidotset Vakuummatratze zur Patienten-Immobilisierung 2 Krankentragen, Schaufeltrage KED System AEG-Innenwinde Zusatztank innen

Je nach Einsatz kann zusätzliche Ausstattung erforderlich sein. Der im Gebirge zum Einsatz kommenden Hubschrauber in Landsberg hat eine spezifische Ausstattung zur Bergrettung.

Bergrettungsausstattung Ein weiteres Einsatzgebiet von SAR-Hubschraubern ist die Rettung aus dem Gebirge oder schwer zugänglichem Gelände. Hierzu hält das Lufttransportgeschwader 61 (Penzing) einen besonders konfigurierten SAR-Hubschrauber mit speziell dafür ausgebildeten Besatzungen vor. Such- und Rettungsaktionen der SAR-Einheiten können, im Gegensatz zu vielen nur tagsüber vorgehaltenen zivilen Rettungshubschraubern, rund um die Uhr erfolgen. Die SAR-Hubschrauberbesatzungen arbeiten vor Ort sehr eng mit der Bergwacht zusammen. Trainiert werden neben gemeinsamen Suchaktionen auch Flüge mit Rettungs- und Suchhunden, um z.B. Lawinenopfer orten und retten zu können.

SAR-Bereich Glücksburg Die Hubschrauber der Marine haben eine andere Ausstattung. Bei der Rettung auf See mittels SARHubschraubern spielt die Aufnahme von Verletzten oder erkrankten Personen durch die www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 170


Rettungswinde eine maßgebliche Rolle. Ebenfalls eine Besonderheit ist, dass die Rettungseinsätze über See (engl. offshore) mangels alternativer Rettungsmöglichkeiten oftmals auch unter sehr schwierigen Wetterbedingungen erfolgen. Insofern unterscheiden sich die SAR-Einsätze auf See deutlich von der Luftrettung und von SAR-Einsätzen über Land.

Besatzung Die Besetzung von SAR-Hubschraubern mit Funktionsträgern richtet sich in Deutschland nach dem jeweils zugedachten Auftrag des Kommandos. Im Bereich der Marineflieger bilden stets mindestens vier Personen die Crew, darunter • • •

zwei Hubschrauberführer, ein Luftfahrzeugoperationsoffizier (LOPO) und ein Bordmechaniker mit medizinischem Ausbildungsstand (Rettungssanitäter).

Zum Einsatz kommen dabei Westland Sea King MK 41-Hubschrauber. Im Bereich der Luftwaffe hingegen werden die Hubschrauber regulär mit drei Crew-Mitgliedern besetzt: • • •

einem Hubschrauberführer, einem Bordmechanikermeister und einem Luftrettungsmeister.

Zum Einsatz kommen dabei Hubschrauber vom Typ Bell UH-1D.

Einsatzbereitschaft Die Hubschrauber an SAR-Kommandos sind generell 24 Stunden am Tag ganzjährig einsatzbereit. Tagsüber gilt eine Vorlaufzeit von maximal 15 Minuten, im Zeitraum von Sonnenuntergang plus 30 Minuten – spätestens jedoch 20.30 Uhr – und 7.30 Uhr morgens erhöht sie sich auf maximal eine Stunde.

SAR-Mittel zweiten Grades Neben den SAR-Hubschraubern, die zu den SAR-Mitteln 1. Grades zählen, gibt es noch Mittel 2. Grades. Bei Bedarf (ausgedehnte Suchgebiete) können weitere Luftfahrzeuge aus den Beständen der Bundeswehr dem SAR-Dienst unterstellt werden. Hierzu zählen weitere Hubschrauber, auch des Heeres, See-Fernaufklärer vom Typ Lockheed P-3 Orion, die beispielsweise mehrere Stunden über dem Meer operieren können um Wrackteile versunkener Schiffe zu orten, oder Transportmaschinen wie die C-160D Transall die ähnliche Aufgaben wahrnehmen können. Zu den SAR-Mitteln zählen auch Hubschrauber wie die CH-53, die wie die Transall auch als fliegender Großraum-Sanitätswagen verwendet werden können. Ein Gerät wird in Laupheim für Großschadenslagen in Bereitschaft gehalten.

Alarmierung Der Flugalarmdienst wird von der Deutschen Flugsicherung betrieben. Notfunkbakenalarme werden von den Mission Control Centers von COSPAS-SARSAT, Alarme über Seefunk von der Seenotleitung Bremen empfangen. Diese geben den Alarm an die zuständige Leitstelle weiter. Bei Beobachtungen durch die Bevölkerung oder bei überfälligen Fahrzeugen kann auch über eine örtliche Rettungsleitstelle, die Polizei oder die Feuerwehr über den Notruf 112 alarmiert werden, die den www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 171


Alarm über die SAR-Bereichssuchstellen weitergeben. Der Einsatz der SAR-Hubschrauber an den SARKommandos erfolgt über die SAR-Leitstelle Münster (Westfalen) für den Festlandbereich bzw. über die SAR-Leitstelle Glücksburg für den maritimen Bereich. Die Führung der Einsätze erfolgt ebenfalls durch die SAR-Leitstellen. Sofern andere Leitstellen oder Behörden zur Erfüllung eigener Aufgaben Hilfe von SAR-Einheiten benötigen, setzen sie sich mit der zuständigen SAR-Leitstelle in Verbindung.

Seenotrettung (maritimer SAR-Dienst) in Deutschland Aufgrund des im Rahmen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (International Maritime Organisation, IMO) 1979 geschlossenen Übereinkommens über den Such- und Rettungsdienst auf See wurde die Unterhaltung eines maritimen SAR-Dienstes auch in Deutschland zur staatlichen Aufgabe. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat diese Aufgabe durch eine entsprechende Vereinbarung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger übertragen, die bereits zuvor den Seenotrettungsdienst durchführte. Die DGzRS unterhält hierzu unter anderem eine Flotte von Seenotkreuzern und mit der Seenotleitung Bremen eine Rettungsleitstelle. Der maritime SAR-Dienst wird durch den SAR-Dienst für Luftfahrzeuge unterstützt. Dies betrifft insbesondere den von der Marine am Standort Kiel bereitgehaltenen SAR-Hubschrauber (Sea King) des Marinefliegergeschwaders 5. Bei komplexen Schadenslagen auf See übernimmt das Havariekommando die Einsatzleitung und die Seenotleitung wird zur Einsatzabschnittsleitung SAR. Sie entsendet außerdem einen Fachberater in den Havariestab.

SAR-Dienste im Ausland Im Folgenden ist exemplarisch ein Einblick in die Zuständigkeiten für den SAR-Dienst in einigen anderen Staaten der Erde gegeben. • •

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In Belgien werden Westland Sea Kings des 40. Squadron der Luftstreitkräfte für den Such- und Rettungsdienst eingesetzt. In den Niederlanden werden Hubschrauber des Typs Bell 412 der Luftstreitkräfte für den Such- und Rettungsdienst eingesetzt. Besonders häufig werden die westfriesischen Inseln angeflogen. In Großbritannien gewährleistet die Royal Air Force (RAF) mit Westland Sea King Hubschraubern den SAR-Dienst (siehe Bild). In Finnland stellt die Firma Copterline mit Hubschraubern den luftgebundenen SARDienst sicher (Foto) In Griechenland hält die dortige Luftwaffe Helikopter vom Typ AS-332 Super Puma für den SAR-Dienst vor (Foto). In Italien unterhält die Luftwaffe einen flächendeckenden luftgestützten SAR-Dienst. Wichtigster Stützpunkt ist Pratica di Mare bei Rom. Den maritimen SAR-Dienst übernimmt vor allem die Küstenwache. In Neuseeland übernimmt die Polizei in Küstennähe und die Küstenwache (Maritime Safety Authority) bei ausgedehnten Suchgebieten die Durchführung von Such- und Rettungsaktionen. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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In Kanada ist die Küstenwache maßgeblicher Anbieter des maritimen SAR-Dienstes. Auf den Bahamas gibt es keine Institution, die SAR-Dienste mit festangestellten Mitarbeitern betreibt. Diese Aufgabe (Gewährleistung der Seenotrettung) übernehmen ehrenamtliche Mitglieder der Organisation BASRA. Sie werden vom Militär und der US-Küstenwache bei Bedarf unterstützt.

Geschichte Größter SAR-Einsatz in der Geschichte der BRD war die Suche nach dem im Atlantik gesunkenen Schiff München, bei dem mehrere See-Fernaufklärer und Transall mehrere Tage im Einsatz waren. Auch SAR-Dienste aus dem Ausland halfen damals bei der weitgehend ergebnislosen Suche.

Bundesministerium des Innern Das Bundesministerium des Innern (BMI), auch Bundesinnenministerium, ist ein Bundesministerium der Bundesrepublik Deutschland. Es hat seinen Hauptsitz im Ortsteil Moabit des Bezirks Mitte von Berlin, der Zweitsitz befindet sich im Bonner Stadtbezirk Auerberg. Leiter der Behörde ist ex officio der Bundesminister des Innern, der als Bundesminister Mitglied der Bundesregierung ist. Das Bundesinnenministerium ist Innenministerium des Bundes und bestimmt damit maßgeblich die Innenpolitik. Seine Zuständigkeit erstreckt sich unter anderem auf: •

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die innere Sicherheit, insbesondere o die Kriminalitätsbekämpfung o den Grenzschutz o den Zivilschutz o den administrativen Schutz der Verfassung (insbesondere den Schutz vor Extremismus, Terrorismus, Sabotage, Spionage und Sekten) das Pass-, Ausweis- und Meldewesen den Öffentlichen Dienst die Organisation der öffentlichen Verwaltung, insbesondere o den Bürokratieabbau o die Verwaltungsmodernisierung die Statistik die Informationstechnik und -sicherheit die Angelegenheiten der Kirchen und Religionsgemeinschaften die Angelegenheiten betreffend Zuwanderung, Integration und nationaler Minderheiten (insbesondere Ausländer, Flüchtlinge, Asylsuchende, Vertriebene und Spätaussiedler) die politische Bildung den Sport

Der Bundesinnenminister ist Teil der Gesetzgebung der Europäischen Union im Rahmen des Ministerrates für Justiz und Inneres.

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Des Weiteren ist es gemeinsam mit dem Bundesministerium der Justiz zuständig für das allgemeine Verwaltungs-, Verfassungs-, Staats-, Europa- und Völkerrecht. Es wirkt beim Zustandekommen von Gesetzentwürfen in diesen Bereichen mit oder erstellt sie selbst und überprüft alle Rechtsetzungsvorhaben der Bundesregierung oder einzelner Bundesministerien auf ihre Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz und auf ihre Verwaltungsförmigkeit (Widerspruchsrecht der Verfassungsressorts). Das Beschaffungsamt des BMI ist für die Beschaffung von Ausrüstungsgegenständen und Dienstleistungen für alle Behörden im Geschäftsbereich des Ministeriums zuständig. Es kauft unter anderem Kraftfahrzeuge ein und unterhält eine eigene Kfz-Zulassungsstelle, die ein eigenes Dienstsiegel führt.

Luftrettung Die Luftrettung ist der Einsatz von Rettungsmitteln über den Luftweg in der Notfallmedizin. Die Luftrettung kommt dann zum Einsatz wenn aufgrund der Lage ein schnelleres Eingreifen als durch bodengebundene Rettungsdienste möglich ist. Das kommt meist in ländlichen Gebieten vor, wo dann meist ein Rettungshubschrauber verwendet wird; es fliegt aber z. B. in Australien im Outback der Flying Doctor Service Notfall- und auch reguläre ärztliche Einsätze mit Flugzeugen. Luftrettung in Deutschland DIN-Normen definieren folgende Begriffe für den Hubschraubereinsatz: •

Rettungshubschrauber (RTH): Ein zur Durchführung von Primäreinsätzen im Rettungsdienst für notfallmedizinische Aufgaben ausgerüsteter und ausgestatteter Hubschrauber. Er führt auch Sekundäreinsätze im regionalen Bereich durch. Intensivtransporthubschrauber (ITH): Ein für den Transport intensivüberwachungs- und intensivpflichtiger Patienten ausgerüsteter und ausgestatteter Hubschrauber. In Ausnahmefällen kann er auch für die Durchführung von Primäreinsätzen von der Leitstelle herangezogen werden.

Weitere Formen von medizinisch ausgestatteten Hubschraubern sind: • •

Großraum-Rettungshubschrauber (GRH): primär für militärische Einsätze gedacht, aber auch bei zivilen Katastrophen und Großunfällen einsetzbar Notarzteinsatzhubschrauber (NEH), kleinerer Hubschraubertyp, der verringerte Ausrüstung mit sich führt, dient nur der schnellen Zubringung eines Notarztes, vergleichbar einem Notarzteinsatzfahrzeug. Es kommt mittlerweile deutschlandweit nur noch ein NEH zum Einsatz. Als Ambulanzhubschrauber (AHS) werden gelegentlich Hubschrauber bezeichnet, welche im Regelfall für kommerzielle Luftfahrtdienstleister im Einsatz sind und nötigenfalls eine medizinische Ausstattung erhalten können. Aufgrund der Umrüstzeiten und nicht genormten Charakteristika kommen AHS im Regelfall www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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ausschließlich zum Einsatz um Nicht-Notfallpatienten luftgebunden zu verlegen. Da dies nicht Teil der Notfall-Luftrettung als Bestandteil des Rettungsdienstes ist, werden die AHS aber oftmals nicht als Bestandteil der Luftrettung gewertet. Sie sind auch nicht Teil der öffentlich-rechtlichen Luftrettung Deutschlands. Viele medizinische Fachgremien (z. B. "Konsensgruppe Luftrettung" des Ausschusses "Rettungswesen") sehen keine medizinische Indikation für AHS-Einsätze und lehnen deren Vorhaltung deswegen ab. Geschichte Die Etablierung der Luftrettung in Deutschland resultierte aus den erschreckend ansteigenden Zahlen der Unfalltoten Ende der sechziger Jahre. Diese war wesentlich auf den Anstieg des Automobilverkehrs bei schwacher Ausprägung der Sicherungsvorkehrungen zurückzuführen. Zudem war es dem noch strukturell eher schwachen Rettungsdienst und den Feuerwehren in vielen Fällen nicht möglich, die Einsatzstellen innerhalb einer aus medizinischer Sicht akzeptabler Zeitspanne zu erreichen. Als zusätzliche Schwierigkeiten ergaben sich Schwächen in der damaligen Organisation der präklinischen Notfallmedizin. Den Rettungsdiensten kam in erster Linie eine Transportfunktion zu, während vor Ort kaum medizinische Maßnahmen ergriffen wurden. Eine erhebliche Mortalität der Patienten war die Folge. Aufgrund dieser Fakten wurden Ende der sechziger Jahre erstmals Feldversuche im Einsatz von Hubschraubern zur Notfallrettung nach Unfällen durchgeführt. Internistische Indikationen wie der Herzinfarkt oder der apoplektische Insult (Schlaganfall) wurden dabei als Einsatzbereich für Hubschrauber-Notfallrettung noch nicht bedacht. Aufgrund teils beachtlicher Erfolge der Feldversuche organisierte Dr. med. Hans Burghart ab Pfingsten 1970 zunächst zusammen mit der Bundeswehr, die einen Hubschrauber vom Flugplatz Oberschleißheim stellte, an den Wochenenden und in den Ferien einen luftgebundenen Notarztdienst. Als sich die Bundeswehr aus wirtschaftlichen Gründen zurückziehen musste, sprang der ADAC mit Unterstützung des Landes Bayern, dem Bundesverkehrsministerium und der Allianz-Versicherung in die Bresche. So begann der erste Dauerbetrieb eines Rettungshubschraubers in Deutschland am städtischen Krankenhaus MünchenHarlaching als Christoph 1 am 1. November 1970. Über fast 10 Jahre war Christoph 1 eine Station des Katastrophenschutzes, bevor der Standort wieder durch den ADAC mit einem eigenen Hubschrauber betrieben wurde. Es folgte im November 1971 die Einrichtung eines sogenannten Test-Rettungszentrums der Bundeswehr in Ulm. Die Luftwaffe stellte in Kooperation mit dem Bundeswehrkrankenhaus Ulm einen notfallmedizinisch ausgerüsteten Hubschrauber vom Typ Bell UH-1D auch dem zivilen Rettungsdienst zur Verfügung. Ab Ende 1971 beschaffte dann auch das deutsche Bundesinnenministerium aus Mitteln des erweiterten Katastrophenschutzes Hubschrauber. Diese wurden für den Zivilschutz und den Rettungsdienst ausgerüstet und so den Bundesländern als Ausstattungspotential bis 1996 an 22 Stationen zur Verfügung gestellt. Die Länder setzen diese Hubschrauber in ihrem Rettungsdienst ein. Es folgte eine Reduzierung um sechs Stationen und 2005/2006 noch einmal um vier, so dass heute an zwölf Standorten geflogen wird. Die abgegebenen Luftrettungszentren wurden nahtlos von der ADAC-Luftrettung und der DRF weitergeführt. Am 19. März 1973 stationierte die Deutsche Rettungsflugwacht e. V. in Stuttgart einen Rettungshubschrauber vom Typ Alouette III. Dies stellt das erste private Luftrettungszentrum in Deutschland dar. Die DRF ist maßgeblich am Aufbau der Luftrettung in Deutschland beteiligt. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 175


1974 stellte der Begründer der deutschen Luftrettung Dr. Hans Burghart auf einem Kongress in den USA die deutsche Luftrettung vor und erntete Erstaunen - so eine Lösung gab es in dem Flächenstaat noch nicht. Die Idee fand jedoch sehr schnell Anklang. Nach der Wende wird auch die Luftrettung in den neuen Bundesländern neu strukturiert. Die DRF ist ab 1990 maßgeblich an der Weiterentwicklung der Luftrettung im Osten Deutschlands beteiligt. Die 1991 übernommene Station in Zwickau ist das erste Luftrettungszentrum der DRF in den neuen Bundesländern. In den folgenden Jahren kommen weitere hinzu, z. B. Greifswald, Bad Saarow, Suhl, Dresden, Magdeburg und Nordhausen (Flugbetrieb). Der ADAC stellte 1997 den ersten kombinierten Rettungs- und Intensivtransporthubschrauber in Dienst. Dieser fliegt unter der Kennung Christoph 77 (EC 145) und ist am Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz stationiert. Ein weiterer Meilenstein in der Luftrettung wurde 1999 in Koblenz gelegt: Am dortigen Bundeswehrzentralkrankenhaus wurde das erste zivil-militärische Gemeinschaftsprojekt gestartet. Der ADAC stellt in diesem Fall die Maschine (Christoph 23, EC 135) und das Flugpersonal, das medizinische Personal wird von der Abteilung Notfallmedizin des BwZK gestellt. Auch in Ulm findet zwischenzeitlich diese Kooperation statt. Der SAR 71 (UH-1D der Luftwaffe) am Rettungszentrum Bundeswehrkrankenhaus Hamburg wurde am 19. Januar 2006 von einem Hubschrauber Bell 212 des Bundesinnenministeriums (Zivilschutz) abgelöst; in Neustrelitz wurde die Luftwaffe am 1. Juli 2006 von der ADAC-Luftrettung abgelöst. Damit betreibt die Luftwaffe keinen Hubschrauber mehr an einem Luftrettungszentrum. Diese vier genannten Institutionen sind bis heute in der Luftrettung aktiv. Weitere Anbieter sind im Laufe der Zeit hinzugekommen, das Standortnetz wurde stetig erweitert. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde in den neuen Bundesländern nach westdeutschem Vorbild innerhalb nur weniger Jahre ebenfalls ein Luftrettungsnetz aufgebaut. Die DRF (Deutsche Rettungsflugwacht e. V.) hat sich mit ihren Partnern in Österreich und Italien im "Team DRF" zu Europas führender Luftrettungsallianz entwickelt. Bislang waren die Rettungshubschrauber der öffentlich-rechtlichen Luftrettung stets gedacht als Ergänzung des bodengebundenen Notarztsystems. In jüngster Zeit zeichnet sich ab, dass in einigen Gebieten aufgrund struktureller Probleme der präklinischen Notfallmedizin Hubschrauber schon fast zu einem Teil der rettungsdienstlichen Regelversorgung geworden sind. Zudem wird der Ruf nach mehr nachtflugbereiten Stationen lauter. Es bleibt abzuwarten, inwiefern diese Entwicklungen Einfluss auf das Einsatzspektrum der Hubschrauber haben werden.

Betreiber In Deutschland ist der Rettungsdienst Ländersache und wird daher durch Landesrettungsdienstgesetze geregelt. Zur Durchführung der Luftrettung greifen die Länder dabei auf unterschiedliche Organisationen zurück. Derzeit gibt es 71 Rettungshubschrauber-Stationen in Deutschland. Die meisten davon sind in die primäre Luftrettung eingebunden. Das bedeutet, dass sie hauptsächlich sowohl als schneller NotarztZubringer und Ersatz eines Notarzt-Einsatzfahrzeugs genutzt werden, jedoch auch Transporte www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 176


eigenständig durchführen können, wenn zum Beispiel eine weiter entfernte Spezialklinik angeflogen werden muss oder kein Rettungswagen vorhanden ist. Die Intensiv-Transport-Hubschrauber sowie weitere Hubschrauber, wie etwa die des militärischen Such- und Rettungsdienstes haben nicht die Primärluftrettung als offiziellen vorrangigen Auftrag, können aber in der Regel auch dazu genutzt werden, wenn erforderlich.

Luftrettungs-Stationen Betreiber[B 1]

Anzahl 30 12

ADAC Luftrettung GmbH Bundesministerium des Innern (mit für den Katastrophenschutz beschafften Hubschraubern) 19 DRF Luftrettung (früher Deutsche Rettungsflugwacht e.V. der Björn-Steiger-Stiftung) 5 HDM Luftrettung gemeinnützige GmbH (Team DRF) 3 HSD Hubschrauber Sonder Dienst Flugbetriebs GmbH & Co. KG (Team DRF) 1 Heli-Flight GmbH & Co. KG 1 Elbe Helicopter Rainer Zemke GmbH & Co. KG, Bautzen (Tochter des ADAC) 1. ↑ Stand: April 2007 Die Bundesrepublik Deutschland verfügt über ein nahezu flächendeckendes Luftrettungssystem, das in über 30 Jahren als Ergänzung zum bodengebundenen Rettungs- und Notarztdienst geschaffen wurde. Es hat sich als äußerst wirksam erwiesen. Der hohe Stellenwert ist heute unbestritten. Seit der Etablierung der Luftrettung durch den ADAC wurden in Deutschland bis heute (2005) mehr als 1 Million Einsätze geflogen, davon allein nahezu 310.000 Einsätze von der gemeinnützigen ADACLuftrettung GmbH. Die ADAC-Luftrettung GmbH betreibt 33 Rettungshubschrauberstationen, davon eine in Österreich und eine in den Niederlanden; Die Flotte der ADAC-Luftrettung umfasst zur Zeit 45 Hubschrauber. Die DRF (Deutsche Rettungsflugwacht e. V.) verfügt mit ihren Partnern über eine Flotte von über 50 Hubschraubern. Sie hat seit ihrer Gründung 1972 über 350.000 Rettungseinsätze geleistet. Im Jahr 2006 wiesen die Team DRF Luftretter einen Einsatzrekord auf: Insgesamt starteten sie zu 36.499 Einsätzen.

Standorte Rufname Christoph 1 Christoph 2 Christoph 3

Stadt München Frankfurt am Main Köln

Christoph 4

Hannover

Christoph 5 Christoph 6 Christoph 7

Ludwigshafen Bremen Kassel

Christoph 8 Christoph 9

Lünen Duisburg

Betreiber ADAC Luftrettung Bundesministerium des Innern Bundesministerium des Innern Bundesministerium des Innern ADAC Luftrettung ADAC Luftrettung Bundesministerium des Innern ADAC Luftrettung Bundesministerium des Innern

Internet Datenblatt Datenblatt Homepage des Christoph 2 Datenblatt

Bemerkung mit Rettungswinde

Datenblatt Datenblatt Datenblatt Datenblatt Homepage des Christoph 7 Datenblatt Datenblatt

fliegt auch grenzüberschreitende

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Einsätze in die Niederlande

Christoph 10

Wittlich

ADAC Luftrettung

Datenblatt

Christoph 11

VillingenSchwenningen

DRF Luftrettung

Datenblatt

Christoph 12

Ahrensbök

Datenblatt

Christoph 13 Christoph 14

BielefeldRosenhöhe Traunstein

Christoph 15 Christoph 16

Straubing Saarbrücken

Bundesministerium des Innern Bundesministerium des Innern Bundesministerium des Innern ADAC Luftrettung ADAC Luftrettung

Christoph 17

Kempten

Bundesministerium des Innern

Datenblatt

Christoph 18 Christoph 19 Christoph 20 Christoph 21

Ochsenfurt Uelzen Bayreuth

DRF Luftrettung ADAC Luftrettung ADAC Luftrettung

Datenblatt Datenblatt Datenblatt Datenblatt

Christoph 22 Christoph 23 Christoph 24

Ulm Koblenz

ADAC Luftrettung ADAC Luftrettung

Datenblatt Datenblatt Datenblatt

Christoph 25 Christoph 26

Siegen Sande

ADAC Luftrettung ADAC Luftrettung

Datenblatt Datenblatt

Christoph 27

Nürnberg

DRF Luftrettung

Datenblatt

Christoph 28 Christoph 29

Fulda Hamburg

Datenblatt Datenblatt

Christoph 30

Wolfenbüttel

ADAC Luftrettung Bundesministerium des Innern ADAC Luftrettung

Christoph 31

Berlin

ADAC Luftrettung

fliegt auch grenzüberschreitende Einsätze in Luxemburg (Kooperation mit der Air Rescue Luxemburg) höchst gelegenes deutsches Luftrettungszentrum

Datenblatt Datenblatt Datenblatt Datenblatt

Datenblatt Homepage des Christoph 30 Datenblatt Homepage des Christoph 31

mit Bergetau

fliegt auch grenzüberschreitende Einsätze in Frankreich fliegt auch Einsätze in Österreich (vor allem im Winter bei Skiunfällen);mit Bergetau früher Phönix 14 jetzt Christoph Europa 1 früher SAR 75 früher SAR 73 jetzt Christoph Europa 2 früher Christopher Friesland, rund um die Uhr einsatzbereit; mit Rettungswinde früher SAR 74, gemeinsamer Standort mit Christoph Nürnberg; mit Rettungswinde früher SAR 71 früher Phönix 14 meist eingesetzter Rettungshubschrauber Deutschlands

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Christoph 32 Christoph 33

Ingolstadt Senftenberg

ADAC Luftrettung ADAC Luftrettung

Datenblatt Datenblatt

Christoph 34

Güstrow

Bundesministerium des Innern

Datenblatt

Christoph 35 Christoph 36 Christoph 37 Christoph 38 Christoph 39

Brandenburg (Havel) Magdeburg Nordhausen Dresden Perleberg

Bundesministerium des Innern DRF Luftrettung DRF Luftrettung DRF Luftrettung ADAC Luftrettung

Datenblatt Homepage des Christoph 35 Datenblatt Datenblatt Datenblatt Datenblatt

Christoph 41

Leonberg

DRF Luftrettung

Datenblatt

Christoph 42

Rendsburg

DRF Luftrettung

Datenblatt

Christoph 43

Karlsruhe

DRF Luftrettung

Datenblatt

Christoph 44 Christoph 45 Christoph 46 Christoph 47 Christoph 48

Göttingen Friedrichshafen Zwickau Greifswald Neustrelitz

DRF Luftrettung DRF Luftrettung DRF Luftrettung DRF Luftrettung ADAC Luftrettung

Christoph 49 Christoph 50 Christoph 51 Christoph 52

Bad Saarow

DRF Luftrettung

Pattonville

DRF Luftrettung

Datenblatt Datenblatt Datenblatt Datenblatt Datenblatt Homepage des Christoph 48 Datenblatt Datenblatt Datenblatt Datenblatt

Christoph 53

Mannheim

DRF Luftrettung

Datenblatt

Christoph 54

DRF Luftrettung

Datenblatt

Christoph 60 Christoph 61

Freiburg (Breisgau) Suhl Leipzig

DRF Luftrettung ADAC Luftrettung

Datenblatt Datenblatt

Christoph 62

Bautzen

Elbe Helicopter

Datenblatt

Christoph 70

Jena

ADAC Luftrettung

Christoph 71

Datenblatt Homepage des Christoph 70 Datenblatt

Christoph 75

Datenblatt

Christoph 76

Datenblatt

Christoph 77 Christoph Berlin

Mainz Berlin

ADAC Luftrettung HDM Luftrettung

Datenblatt Datenblatt

Christoph

Senftenberg

ADAC Luftrettung

Datenblatt

gemeinsamer Standort mit Christoph Brandenburg

Inbetriebnahme der Station 3. Juni 2008 früher Rotkreuz Baden-Württemberg 7 rund um die Uhr einsatzbereit früher Rotkreuz Baden-Württemberg 6

früher SAR 93

jetzt Christoph Hansa jetzt Christoph Europa 5 früher Flugwacht Mannheim 71

gemeinsamer Standort mit Christoph Leipzig rund um die Uhr einsatzbereit; mit Bergetau früher SAR 77 jetzt Christoph Brandenburg jetzt Christoph Rheinland jetzt Christoph Westfalen früher ITH Berlin, rund um die Uhr einsatzbereit gemeinsamer Standort

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Brandenburg Christoph Europa 1

Würselen

ADAC Luftrettung

Datenblatt

Christoph Europa 2

Rheine

ADAC Luftrettung

Datenblatt

Christoph Europa 5

Niebüll

DRF Luftrettung

Datenblatt

Christoph Halle Christoph Hansa Christoph Hessen

Halle (Saale)

Hubschrauber Sonder Dienst ADAC Luftrettung

Datenblatt

Reichelsheim

Johanniter-UnfallHilfe e. V.

Datenblatt

Christoph Leipzig

Leipzig

ADAC Luftrettung

Datenblatt

Christoph München

MünchenGroßhadern

HDM Luftrettung

Datenblatt

Christoph Murnau

Murnau

ADAC Luftrettung

Datenblatt

Christoph Niedersachsen Christoph Nürnberg

Hannover

Datenblatt

Nürnberg

Hubschrauber Sonder Dienst HDM Luftrettung

Christoph Regensburg Christoph

Regensburg

HDM Luftrettung

Datenblatt

Köln

ADAC Luftrettung

Datenblatt

Hamburg

mit Christoph 33, rund um die Uhr einsatzbereit früher SAR 72, fliegt auch grenzüberschreitende Einsätze nach Belgien und in die Niederlande früher SAR 76, fliegt auch grenzüberschreitende Einsätze in die Niederlande früher Christoph 52 in Itzehoe davor über 20 Jahre in Hartenholm und auch im Nachtflug unterwegs., fliegt auch grenzüberschreitende Einsätze nach Dänemark Backup für Christoph Sachsen-Anhalt

Datenblatt

Datenblatt

früher Christoph Reichelsheim; rund um die Uhr einsatzbereit; primär ITH, jedoch auch für Primäreinsätze geeignet gemeinsamer Standort mit Christoph 61 früher ITH München, rund um die Uhr einsatzbereit. Name war ursprünglich "Sama München 78-1" 800 Einsätze Primärrettung (ca. 60 %), davon 100 im Gebirge sowie 100 mit der Rettungswinde rund um die Uhr einsatzbereit gemeinsamer Standort mit Christoph 27, rund um die Uhr einsatzbereit rund um die Uhr einsatzbereit früher Christoph 75

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Rheinland Christoph SachsenAnhalt Christoph Thüringen Christoph Westfalen Florian Dortmund 0084-01 Christoph Weser Florian Bielefeld 0184-01

Halle (Saale)

Hubschrauber Sonder Dienst

Datenblatt

rund um die Uhr einsatzbereit

Bad Berka (bei Erfurt) Greven

HDM Luftrettung

Datenblatt

ADAC Luftrettung

Datenblatt

rund um die Uhr einsatzbereit rund um die Uhr einsatzbereit

DortmundWickede

Hubschrauber Sonder Dienst

Datenblatt

Bremen

DRF Luftrettung

Datenblatt

Bielefeld

Teuto Air Lufttransporte

Datenblatt

Finanzierung Die Finanzierung wird in Verträgen mit dem Bundesland und den Kostenträgern (Krankenkassen) geregelt. Die Investitionen und die laufenden Kosten trägt in der Regel der Betreiber und/oder das Land, die Kosten für medizinische Versorgung und den Transport werden von der Krankenversicherung des Patienten erstattet. Die DRF (Deutsche Rettungsflugwacht e. V.) ist als gemeinnützige Organisation auf die Unterstützung von Förderern angewiesen. Die Kosten der Luftrettung werden bundesweit nicht in vollem Umfang durch die gesetzlichen Krankenkassen getragen. Für rund 1/4 der Kosten muss die DRF selbst aufkommen.

Allgemeiner deutscher Automobilclub Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V. (ADAC) ist Deutschlands größter Verkehrsclub mit Sitz in München. Er ist nicht auf die Erzielung von Gewinn ausgerichtet und somit ein Idealverein. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 181


Der ADAC nimmt für sich in Anspruch, die Interessen deutscher Auto-, Motorrad- und Bootfahrer zu vertreten. Er bietet – direkt oder über Tochterfirmen – Dienstleistungen an und produziert Stadtpläne sowie Straßenkarten. Außerdem betreibt er mehrere Fahrsicherheitszentren. Die ursprüngliche und bekannteste Dienstleistung des Clubs ist die Pannenhilfe. Die Pannenfahrzeuge sind einheitlich gelb gefärbt und werden im Club auch mit dem Spitznamen „Gelbe Engel“ bezeichnet. Außerdem betreibt der ADAC über die ADAC Luftrettung eine der zwei größten Flotten von Rettungshubschraubern in Deutschland, welche zu mehr als 45.700 Einsätzen im Jahr 2009 flogen. Über die ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH gehören dem ADAC eine Reihe von Tochterfirmen. Der Gesamtumsatz dieser GmbH betrug 818 Millionen Euro im Jahre 2004, das Eigenkapital wurde auf 250 Millionen Euro beziffert und es wurden 1780 Mitarbeiter beschäftigt. Sie ist die Dachorganisation der verschiedenen Geschäftsbereiche. Die Geschäfte gliedern sich in die strategischen Bereiche Versicherungen, Verlagsgeschäft, Luftfahrtunternehmungen und Sonstiges.

Tochterunternehmen Dazu gehören die • • • •

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ADAC Rechtsschutz Versicherungs-AG ADAC-Schutzbrief Versicherungs-AG sowie die ARISA Assurances S.A. in Luxemburg und die ADAC Autoversicherung AG ADAC Autovermietung GmbH ADAC Verlag GmbH (Umsatz rund 105 Millionen Euro) ist einer der größten deutschen Buch- und Zeitschriftenverlage (Ratgeber und Nachschlagewerke, Reiseführer, touristische Periodika wie „ADAC Camping- und Caravaningführer“, „ADAC SkiGuide“, Ratgeber, Nachschlagewerke, Reise- und Autozeitschriften… Vertrieb der ADAC-Straßenkarten: MairDumont, welcher am 30. Juni 2007 die ADACTochter CartoTravel (Bad Soden) übernahm und auflöste, ADAC bleibt als Marke erhalten). Den Handelsvertrieb des ADAC-Buchprogramms übernahm im August 2007 der Außendienst des Münchner Reiseverlages Travel House Media. ADAC Clubreisen GmbH GKS Gesellschaft für Kommunikatiosnservice mbH ACTA Assistance S.A. in Lyon (Frankreich) ARC Europe S.A. in Brüssel (Belgien) ADAC Sevices GmbH mit der ADAC TruckServices GmbH & Co. KG ADAC Sevices S.A. in Istanbul (Türkei) ADAC Luftfahrt Technik GmbH ADAC HEMS Academy GmbH ADAC Finanzdienste GmbH Aero-Dienst GmbH & Co. KG bietet Rücktransporte erkrankter oder verunfallter Personen aus dem Ausland (mittels umgerüsteter Geschäftsreiseflugzeuge). ADAC Touring GmbH STARTER Sp. z o.o. in Posen (Polen) Dienstleistungs-Center Halle GmbH Elbe Helicopter GmbH & Co. KG www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info

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ADAC Reisen ist eine Reiseveranstalter-Marke. Die Organisation und Abwicklung der Reisen erfolgt seit 2000 durch das zur Rewe Group gehörende Reiseunternehmen DER (bekannt unter der Marke DERTOUR). Die Marke war ursprünglich ein Produkt der früheren ADAC Reise GmbH. Im Rahmen derer – aus wirtschaftlichen Gründen betriebenen – Auflösung erfolgte die Übertragung an DER.

ADAC Luftrettung GmbH Die ADAC Luftrettung GmbH ist mit einem Eigenkapital von 52 Mio. Euro und 136 Mitarbeitern, 45 Rettungs- und Intensivtransporthubschraubern. Davon sind 2 EC 145, 28 EC 135 und 15 BK 117 auf 32[11] Luftrettungsstützpunkten verteilt. 2005 lag ihr Umsatz bei 40 Mio. Euro.

Stiftungen • Die ADAC Stiftung „Gelber Engel GmbH setzt sich seit 2007 für Unfallopfer ein. Mit ihr soll Menschen geholfen werden, die durch Unfälle geschädigt wurden. Sie ist mit einem Stiftungskapital von 10 Millionen Euro ausgestattet und fördert darüber hinaus auch wissenschaftliche Forschungen, die nach Ansicht des ADAC zur Verbesserung der Sicherheit im Straßenverkehr beitragen. • ADAC Stiftung Sport Nach seiner Satzung nimmt der ADAC die "Wahrnehmung und Förderung der Interessen des Kraftfahrzeugwesens und des Motorsports" wahr und widme sich dem Fortschritt im Straßenverkehrswesen, der Verkehrssicherheit, der Verkehrserziehung, dem Tourismus und dem Schutz der Verkehrsteilnehmer als Verbraucher. Derzeit betont der ADAC seine Kompetenz als Verbraucherschützer rund um die Mobilität. Unabhängige Verbraucherschützer weisen aber auf Eigeninteressen des ADAC hin, der beispielsweise Navigationsgeräte von Herstellern, an denen er beteiligt ist, auffällig mild testet und unangemessen gut bewertet.

Leitbild Der Verband hat sich ein eigenes Philosophie-Leitbild gegeben. So versteht er in seinem Selbstverständnis unter anderem, dass sein Handeln immer Fairness und Sachlichkeit verpflichtet sein müsse, dass seine Produkte immer qualitativ hochwertig zu sein hätten und dass eine seiner Hauptaufgaben das Anbieten von Hilfe, Rat und Schutz in Sachen Automobilität sei. Des Weiteren legt der ADAC in diesem Leitbild auch besonderen Wert darauf, dass Wünsche und Bedürfnisse der Mitglieder "der Maßstab allen Handelns" seien und dass die eigene Arbeit unabhängig sei. Eben diese Unabhängigkeit ist laut einem Bericht der "Capital" Nr. 12 vom 19. November 2009 intern stark umstritten. Hintergrund ist demnach die Expansionsstrategie des ADAC. Ende 2009 begann der ADAC dem Bericht zufolge in China mit der Gründung eines Unternehmens und der Erschließung des Marktes für Pannenhilfe. Der Verband beabsichtige geschäftliche Beziehungen mit internationalen Autoherstellern und wolle für diese in wenigen Jahren als führender Pannendienstleister in China tätig sein. Diese Geschäftsbeziehungen sind laut dem Bericht nun für viele unverständlich, da sie es als Hauptaufgabe des ADAC verstehen würden, die Hersteller im Sinne seiner Mitglieder kritisch zu begleiten und keine engen geschäftlichen Verbindungen einzugehen. Ein "hochrangiger ADAC-Mann" würde gar davor warnen, dass der ADAC sich damit an die Industrie verkaufe. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 183


Lobbyismus und Öffentlichkeitsarbeit Der ADAC ist einer der einflussreichsten Verbände in Deutschland und einer der größten Lobbyverbände der Welt. Themen seiner Öffentlichkeitsarbeit sind etwa die Erhaltung der motorisierten Mobilität, Tempolimits, Verkehrsrecht und Bußgeldbestimmungen, die Sicherheit von Tunneln und Autofähren und die Verkehrserziehung. Der ADAC gibt regelmäßig Pressemeldungen heraus[15], informiert seine rund 17 Millionen Vereinsmitglieder durch die monatlich erscheinende illustrierte Clubzeitschrift „ADACmotorwelt“ (Auflage: 13.606.592 Exemplare, Reichweite 18,4 Millionen Leser). Als Einflussnahme auf die Themen der Lobbyarbeit des Clubs bietet dieser seinen Mitgliedern den Abdruck von monatlich fünfzehn Leserbriefen in der Vereinszeitung. Grenzüberschreitend arbeitet der ADAC mit europäischen und internationalen Partnern zusammen.

Mitgliedschaft in anderen Verbänden Der ADAC ist Mitglied im •

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FIA, dem internationalen Verband der Automobilclubs (Er lässt seine Tätigkeiten im Verband allerdings ruhen, nachdem Details aus dem Privatleben des Verbandschefs Max Mosley illegal durch eine britische Boulevardzeitung an die Öffentlichkeit gelangten und dort für Verwunderung sorgten) FIVA, dem Weltverband der Oldtimer-Clubs Trägerkreis Erdgasfahrzeuge Crashtest-Konsortium Euro NCAP Lobbyverband Pro Mobilität, der sich für Ausbau und Erhalt des Straßennetzes einsetzt

Tourismus Der ADAC engagiert sich für den Automobil-Tourismus: So beteiligte sich der Verein im Zuge der Wiedervereinigung gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und dem Deutschen Tourismusverband an der Ausweisung der insgesamt rund 2500 Kilometer langen Deutschen Alleenstraße.

Verkehrssicherheit In Fachveranstaltungen und Fachbeiträgen positioniert sich der ADAC auch in Fragen der Verkehrssicherheit, des Verkehrsrechts, der Verkehrspolitik und -planung sowie in Umweltschutzfragen. In jüngeren Pressemeldungen äußerte sich der ADAC betont kritisch zum Thema Führerscheintourismus und forderte eine baldige Harmonisierung des Fahrerlaubnisrechts in Europa. Zudem bietet der ADAC Fahrsicherheitstrainings auf seinen bundesweit 60 Fahrsicherheitszentren an. Erklärtes Ziel hierbei sei es, die Fahrsicherheit der Teilnehmer zu steigern, diese für kritische Verkehrssituationen zu sensibilisieren und theoretische Kenntnisse in der Fahrzeugtechnik zu vermitteln. Es existieren spezielle Trainings für Pkw, Motorrad, Kleintransporter, Bus sowie Lkw. Allerdings sind mehrere der ADAC-Positionen auch heftig umstritten, ob sie wirklich der Verkehrssicherheit dienten oder ihr nicht viel eher schaden würden. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 184


So begründet der Verband seine ablehnende Haltung gegenüber einem generellem Tempolimit unter anderem damit, dass Autobahnen in Deutschland jetzt schon laut den Unfallstatistiken die sichersten Straßen seien und ein Tempolimit sich nicht auf die Unfallschwere auswirken würde. Befürworter wie der Verkehrsclub Deutschland (VCD) argumentieren, dass sich mit dem Tempolimit die Unfallgefahr und die Unfallschwere verringern würden und somit jährlich hunderte Tote und Schwerverletzte auf den Autobahnen vermieden werden könnten. Während der ADAC gerne seine Straßenausbauforderungen präsentiert und dadurch im restlichen Straßennetz Entlastungen erwartet, verweisen Umweltverbände häufig darauf, dass jede neue Straße zusätzlichen Autoverkehr induzieren würde und somit auch mehr Unfälle zur Folge hätte. Beim Thema Verkehrsüberwachung stellt der ADAC sich gern als Anwalt all derer dar, die vermuten, dass Blitzanlagen hauptsächlich dem Füllen öffentlicher Kassen dienen würden und nicht aus Verkehrssicherheitsgründen aufgestellt seien. Polizeibehörden hingegen betonen, dass Verkehrskontrollen auch abseits von Unfallschwerpunkten der Verkehrssicherheit dienen.

Notfallmanagment der Deutschen Bahn Warum Notfallmanagement? Die Bahn ist doch sicher! Die Bahn ist eines der sichersten Verkehrsmittel überhaupt. Dennoch kommen auch im Bereich der Bahn Unfälle vor, die in den allermeisten Fällen von Dritten verursacht werden. Dazu gehören z. B. die tragischen Unfälle an Bahnübergängen, aufgrund Missachtung der Straßenverkehrsordnung oder Unfälle, die aus dem unbefugten Betreten des Gleisbereichs resultieren. Aufgrund der technischen Sicherungssysteme und der Eigenschaft des Schienenverkehrs handelt es sich bei der überwiegenden Anzahl aller Unfälle im Bahnbereich um kleine Unfälle, zumeist, ohne dass Menschen verletzt werden. Vor der Tatsache, dass solche Unfälle, wie in jedem Bereich des öffentlichen und privaten Lebens auch bei der Bahn vorkommen können, verschließen wir nicht die Augen. Wo andere selten reagieren, agiert die Bahn bereits im Vorfeld. Die Leistungen, die unser Unternehmen in diesem Bereich jährlich erbringt, liegen in einem hohen zweistelligen Millionenbereich. In enger und ständiger Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen zur Gefahrenabwehr setzt die Bahn auch in diesem Bereich Maßstäbe, die oft international übernommen werden. Die Feuerwehren sind zuständig! Warum dann noch ein Notfallmanagement? Die Zuständigkeit für die Gefahrenabwehr liegt bei den Feuerwehren; diese haben den gesetzlichen Auftrag. Unabhängig davon verpflichtet das Allgemeine Eisenbahngesetz (AEG) alle Eisenbahnen in Deutschland, nicht nur die DB AG, an Maßnahmen des Brandschutzes und der Technischen Hilfeleistung mitzuwirken. Diesen pauschalen gesetzlichen Auftrag erfüllt die DB AG durch ihr Notfallmanagement. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 185


Was kann ich mir unter dem Begriff „Notfallmanager“ vorstellen? Der Begriff „Notfallmanager“ wurde anfangs sehr belächelt. Bei der Bahn wurde plötzlich sehr viel „gemanagt“. Tatsächlich ist der Begriff durchaus wörtlich zu nehmen. Der Notfallmanager organisiert den Ablauf der Rettungsmaßnahmen, d. h. er weist Aufgaben zu und delegiert Verantwortung. Er „managt“ also tatsächlich den aktuellen Unfall. Der in der Ländervereinbarung zugesagte Fachberater der Bahn wird durch den Notfallmanager bereit gestellt. Er ist seitens der Bahn der Einsatzleiter und unterstützt den Einsatzleiter der Feuerwehr in allen Fragen des Eisenbahnbetriebs. Er sorgt für den Schutz der am Ereignisort tätigen Einsatzkräfte und organisiert die erforderliche Notfalltechnik der Bahn. Als Einsatzleiter der Bahn ist er gegenüber allen Mitarbeitern der Bahn, die sich am Ereignisort aufhalten, weisungsbefugt. Aber auch im Vorfeld von möglichen Ereignissen ist der Notfallmanager stets der Ansprechpartner für alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), wie z. B. Feuerwehr, Rettungsdienste, THW, Polizei. Er organisiert in Abstimmung mit den BOS Übungen und wirkt bei der Erstellung von Alarm- und Ausrückeordnungen (AAO) bzw. ähnlichen Unterlagen mit. Der Notfallmanager ist erkennbar an orangeroter Wetterschutzjacke bzw. Warnweste mit Rückenaufdruck „Notfallmanager“. Bei Bedarf kann er sich mit einem Lichtbildausweis der DB AG mit Funktionsaufdruck „Notfallmanager“ legitimieren. Was ist eine Notfallleitstelle? Von erheblicher Bedeutung im Ereignisfall ist die schnelle Alarmierung der Rettungskräfte, aber auch die Durchführung der erforderlichen Schutzmaßnahmen. In Zeiten steigender Mobilfunknutzung werden zunehmend Meldungen über Unfälle von Anwohnern und Reisenden direkt über die Notrufe 112 bzw. 110 gemeldet. Aber auch die bahneigenen Kommunikationswege, wie z. B. Zugfunk, bleiben von Bedeutung. Um in beiden Fällen eine schnelle gegenseitige Information zu gewährleisten, hat die DB Netz AG bundesweit sieben Notfallleitstellen eingerichtet, deren Aufgabe darin besteht, Meldungen über gefährliche Ereignisse entgegenzunehmen und weiterzuleiten. Die Notfallleitstellen sind rund um die Uhr besetzt und verfügen über modernste Leitstellentechnik. Anders als von herkömmlichen Telefonanschlüssen bekannt, kann die Notfallleitstelle jede Feuerwehr- und Polizeileitstelle in ihrem Zuständigkeitsbereich über die Ortskennzahl (Vorwahl) und die Notrufnummer erreichen. Damit ist eine schnelle Alarmierung der Rettungskräfte gewährleistet. Im Gegenzug haben die Leitstellen der Feuerwehr und der Polizei die Möglichkeit, die jeweils zuständige Notfallleitstelle durch ein besonderes Routingverfahren über eine bundesweit einheitliche Rufnummer zu erreichen. Hierbei handelt es sich um ein so genanntes Festnetzrouting, das im Mobilfunkbereich nicht funktionsfähig ist. Durch die Notfallleitstelle werden der Leitstelle der Feuerwehr die ersten durchgeführten Schutzmaßnahmen, wie Sperren von Gleisen fernschriftlich per Fax bestätigt. Können die Einsatzkräfte durch die Oberleitung gefährdet werden? Die Oberleitung steht unter einen ständigen Spannung von 15.000 Volt. Von den Spannung führenden Teilen der Oberleitungsanlage muss der gemäß geltender DIN-Norm vorgeschriebene www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 186


Sicherheitsabstand eingehalten werden. Wird es im Rahmen eines Einsatzes erforderlich, diesen Sicherheitsabstand zu unterschreiten bzw. besteht die Gefahr eines Unterschreitens, muss die Oberleitung ausgeschaltet und bahngeerdet werden. Ein alleiniges Ausschalten ohne Bahnerdung ist nicht ausreichend, da benachbarte Spannung führende Anlagen, nicht nur Oberleitungsanlagen, sondern z. B. auch Überlandleitungen, die ausgeschaltete Oberleitung erneut unter Spannung setzen können. Diese so erzeugten Spannungen können Werte bis zu 8.000 Volt erreichen. Wer führt die Bahnerdung der Oberleitung durch? Die Bahnerdung der Oberleitung dient der Abwendung einer bahntypischen Gefahr und ist daher im Bereich der DB AG deren Aufgabe. Für die Sicherstellung einer Bahnerdung ist der Notfallmanager verantwortlich; er führt sie in der Regel selber durch. Ich habe gehört, dass auch Feuerwehren ausgebildet werden! Gemäß der Vereinbarung mit den Ländern ist es den jeweiligen Feuerwehren freigestellt, Einsatzkräfte im Bahnerden ausbilden zu lassen, um so auch eine erforderliche Bahnerdung durchführen zu können, wenn der Notfallmanager noch nicht vor Ort ist. Der Deutsche Städtetag unterstützt ausdrücklich diese Möglichkeit! Unabhängig davon, ob eine Feuerwehr über unterwiesene Kräfte verfügt, ist für die Sicherstellung der Bahnerdung weiterhin der Notfallmanager zuständig, d. h. die Ausbildung von Feuerwehren erfolgt zusätzlich und ersetzt nicht die Ausbildung der eigenen Mitarbeiter. Die Entscheidung, ob die Bahnerdung im tatsächlichen Ereignis durch die Feuerwehr ausgeführt wird, liegt immer beim jeweiligen Einsatzleiter der Feuerwehr. Entscheidet sich eine Feuerwehr dazu, die Bahnerdung im Einzelfall zu übernehmen, werden die Einsatzkräfte auf Kosten der DB AG aus- und fortgebildet. Der Feuerwehr wird entsprechendes Erdungsgerät zur Verfügung gestellt. Wartung und Reparatur des Geräts werden durch die DB AG organisiert und durchgeführt. Ansprechpartner für Ausbildung und Ausrüstung der Einsatzkräfte ist der Notfallmanager. Um für beide Seiten Rechtssicherheit zu erlangen, wird eine schriftliche Vereinbarung geschlossen, die jederzeit gekündigt werden kann. Eine Mustervereinbarung kann unter der E-Mailadresse notfallmanagement@bahn.de angefordert werden. Ist für Bahnunfälle eisenbahntypisches Rettungsgerät erforderlich? Hilfeleistungseinsätze im Bereich der Eisenbahn und im Bereich der Straße unterscheiden sich hinsichtlich des erforderlichen Geräts nicht. Besonderes Rettungsgerät, das ausschließlich im Bereich der Eisenbahn erforderlich wird, ist daher nicht vorhanden. Im Gegenteil: Gerade im Bereich des Straßenverkehrs erfordern die aufgrund des gestiegenen Sicherheitsbewusstseins der Kunden entwickelten Maßnahmen, wie z. B. Seitenaufprallschutz, zunehmend stärkere und leistungsfähigere Geräte zum Eindringen. Im Gegensatz dazu sind Bahnunfälle, bei denen die Schienenfahrzeuge so stark zerstört werden, dass keiner der Zugänge mehr nutzbar ist, die Ausnahme. www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 187


Notfallmanager der Deutschen Bahn sind Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG, die bei Gefährlichen Ereignissen und anderen Notfällen als Einsatzleitungskräfte tätig werden. Das Streckennetz der DB Netz AG ist in 180 Notfallbezirke unterteilt, um zu erreichen, dass der Notfallmanager innerhalb von maximal 30 Minuten den Ereignisort erreichen kann. Die 10-tägige Grundausbildung erfolgt im "Ausbildungszentrum Notfallmanagement" in Kassel. Diese Unterweisung ist alle zwei Jahre zu wiederholen. Schadensereignisse im Bereich der Deutschen Bahn können den Einsatz von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutzeinheiten wie denen des Technischen Hilfswerks erfordern. Im Gegensatz zur Straße sind den Einsatzkräften jedoch die Besonderheiten sowie die Funktion des Eisenbahnbetriebs in der Regel unbekannt. So sind z. B. die Bremswege eines Zuges erheblich länger als die eines Kraftfahrzeuges. Auch lassen sich Eisenbahnstrecken nicht auf die gleiche Weise absperren wie Straßen. Dem Einsatzleiter der Gefahrenabwehr steht mit der Person des Notfallmanagers ein Mitarbeiter der DB AG zur Seite, der sowohl Kenntnisse im Eisenbahnbetrieb hat als auch Schutzmaßnahmen für die vor Ort tätigen Einsatzkräfte durchführen bzw. veranlassen kann. Der Notfallmanager ist Einsatzleiter für den Bereich der DB AG, in dieser Funktion Fachberater für den Einsatzleiter der Gefahrenabwehr und somit Mitglied der Einsatzleitung. Zu den wesentlichen Aufgaben des Notfallmanagers gehören im Ereignisfall u. a. das Sicherstellen des Schutzes der vor Ort tätigen Einsatzkräfte gegen Gefahren aus dem Eisenbahnbetrieb, die Sicherstellung bzw. Durchführung der Bahnerdung der Oberleitung, soweit dies erforderlich ist, sowie die fachliche Beratung des Einsatzleiters für Fragen im Zusammenhang mit dem Eisenbahnbetrieb. Durch das Notfallmanagement erfüllt die Deutsche Bahn ihren gesetzlichen Auftrag beim Brandschutz und der Technischen Hilfeleistung mitzuwirken. Zu seinem Aufgabengebiet gehört es, während oder nach einem Ereignis den Bahnbetrieb ganz oder teilweise wieder aufzunehmen. Dabei stimmt er sich mit der Einsatzleitung vor Ort ab. Er hat ebenso betriebliche und teilweise technische Unregelmäßigkeiten zu bearbeiten und die Ursachen hierfür festzustellen. Sollten im Zusammenhang mit einem Ereignis polizeiliche Ermittlungen erfolgen, hat er diese zu unterstützen. Weitere Aufgaben wie z. B. die Anforderung bahneigener Notfalltechnik können sich im jeweiligen Ereignisfall ergeben. Den Leitstellen der Rettungskräfte stehen topographische Karten im Maßstab 1:25.000 mit den Daten zur Eisenbahninfrastruktur, wie z. B. Streckenverlauf, Streckenkilometer, Tunnel, Brücken etc. zur Verfügung um im Bedarfsfall die Bahnanlagen erreichen zu können. Für Tunnel liegt ein Betrieblicher Alarm- und Gefahrenabwehrplan (BAGAP) vor. Dieser ist mit den Brandschutzdienststellen abgestimmt. Mitarbeiter des Notfallmanagements beteiligen sich an praktischen und theoretischen Schulungen der Landesfeuerwehrschulen, des THW sowie der Landesund Bundespolizei. Hierbei wird besonders auf die Gefahren im Bahnbetrieb hingewiesen sowie die Besonderheiten des Wagenmaterials angesprochen. Für die praktischen Schulungen steht ein Ausbildungszug Gefahrgut zur Verfügung. In unregelmäßigen Abständen werden unter Beteiligung der Rettungskräfte Übungen durchgeführt. In schwierigen Fällen, z. B. Gefahrgutunfällen, veranlasst der Notfallmanager die Inanspruchnahme weiterer Fachberater oder Einsatzkräfte der Industrie oder TUIS. Bei schweren Unfällen im Bahnbetrieb kann der Notfallmanager auf die sechs Rettungszüge der www.blaulichtentchen.de / www.blaulichtentchen.info Seite 188


Deutschen Bahn zurückgreifen. Ebenso stehen im Ereignisfall Hilfszüge sowie Schienen- oder Autokräne zur Verfügung. Diese sind teilweise mit Personal des THW besetzt. Der Notfallmanager verfügt über ein Einsatzfahrzeug, das als Unfallhilfsfahrzeug der DB AG gekennzeichnet und mit Sondersignalen ausgerüstet ist. Neuere Fahrzeuge sind teilweise mit Notfallmanagement gekennzeichnet. Dies ermöglicht es dem Notfallmanager Wegerecht gemäß § 38 StVO in Anspruch nehmen zu können, um den Ereignisort möglichst schnell erreichen zu können. Die Ausrüstung des Fahrzeugs umfasst u. a. Erdungsvorrichtungen zum Bahnerden der Oberleitung, Kartenmaterial, Digitalkamera, Handlampe etc. Die Ausrüstung dieser Fahrzeuge mit blauem Blinklicht ist nach § 52 Abs. 3 Nr. 3 StVZO legitimiert. ("...Kraftfahrzeuge, die nach dem Fahrzeugschein als Unfallhilfswagen öffentlicher Verkehrsbetriebe mit spurgeführten Fahrzeugen, einschließlich Oberleitungsomnibussen, anerkannt sind..."). Am Ereignisort trägt der Notfallmanager orangefarbene Warnkleidung (Wetterschutzjacke oder Warnweste) mit dem Rückenaufdruck „Notfallmanager“. Er kann sich zusätzlich mit einem Lichtbildausweis (Konzernausweis) legitimieren.

Notdienste des städtischen Nahverkehrs, -Energieversorgers und -Wasserwerks All diese städtischen Betriebe haben einen Notdienst der bei Entgleisungen, Rohrbrüchen oder Gasleitungsbeschädigungen sofort zur Stelle ist diese Notdienste dürfen unter Umständen mit Sondersignal fahren.

Notdienst der Firma Siemens Die Firma Siemens betreibt in der BRD viele Ampelanlagen und ist bei Ausfall auch für die Reparatur dieser verantwortlich.

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