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Beate Knappe Black & white only

Mein besonderes Kleid

sinnlich - weiblich - stolz


Beate Knappe www.beateknappe.de mail@beateknappe.de +49 157 725 44376


Ein Kleid ist ein aus Oberteil und Rock bestehendes einteiliges Gewand, das üblicherweise von Frauen getragen wird. So die sachliche Beschreibung bei Wikipedia. Mir geht es jedoch um ein „besonderes Kleid“. So eines, das sich Francesca Johnson (Meryl Streep) in „Die Brücken am Fluss“ (Originaltitel: The Bridges of Madison County), kauft, als sie den Fotografen Robert Kincaid zum Abendessen einlädt. Die aus Italien stammende Farmersfrau ist Mitte 40 und lebt in Iowa. Als ihre Kinder und ihr Ehemann zu einer Landwirtschaftsmesse gefahren sind, trifft sie auf diesen Fremden, gespielt von Clint Eastwood, der auch Regie bei diesem Film führte. Der Fotograf sucht die Roseman Bridge und Francesca entscheidet sich, mit ihm zu fahren, um sie ihm zu zeigen. Der Film erzählt davon, wie Francesca ihre verloren geglaubten Sehnsüchte wiederentdeckt und sich, trotz aller Vorbehalte (die Geschichte ereignet sich in den

1960er Jahren) sich erneut mit dem Fotografen verabredet. Für dieses gemeinsame Abendessen fährt Francesca in die nahegelegen Großstadt Des Moines um sich ein neues Kleid zu kaufen. In meinen Fotos geht es mir vor allem darum, wie die Frau sich fühlt, wenn sie ihr „besondere Kleid“ trägt. Wie sie auch wahrgenommen werden möchte. Es geht mir um ein Gefühl von Frau-Sein, das, im Trubel des Alltags, einfach verloren gehen kann. Das sie aber leben möchte, weil es ein Teil von ihr ist? Ich möchte, dass sie dieses Gefühl nicht vergisst und habe Frauen eingeladen dieses besondere Kleid bei einem Fotoshooting zu tragen.


Britta, 44 Jahre Sozialpädagogin


Die 44 Jahre alte Sozialpädagogin hat drei Söhne und eine Tochter. Die jüngsten Zwei -Zwillingebestimmen gerade ihren Alltag und „hängen“ ständig an ihr, so ihr Gefühl. Als sie ihren ersten Sohn bekam, war sie so jung, dass kein Mensch ihr zutraute, es zu schaffen. Sie und ihr Sohn hatten es daher nicht gerade leicht, vor allem in der Schule. So war der Tag der Abiturfeier ihres Sohnes für Britta ein ganz besonderer Tag. Ein Tag der sie mit Stolz erfüllte - ihr Sohn hatte das Abitur geschafft, gegen alle Widrigkeiten hatte sie ihm geholfen Flügel zum Fliegen zu bekommen. Sie fühlte sich selbstbewusst und stark und hätte gern allen den Stinkefinger gezeigt. Stattdessen kaufte sie sich dieses Kleid. Um sich beim Tragen dieses Kleides so richtig gut zu fühlen, hat Britta drei Monate Diät und Intensiv-Sport auf sich genommen. Nun steht sie vor meiner Kamera.


Silvia ist 47 Jahre alt, hat zwei Söhne und ist Verwaltungsfachangestelle. Kleider waren nie ihr Thema, denn dafür sei sie einfach nicht der Typ, meinte die hochgewachsene Frau. Ihr Übergewicht spielte beim Wohlfühlen in der eigenen Haut eine wesentliche Rolle und sie ist stolz darauf, richtig viel abgenommen zu haben. Silvia leidet unter Fibromyalgie. Das ist eine chronische und häufig therapieresistente Erkrankung. Nach der Trennung von ihrem Mann im letzten Jahr habe sie an ihrem Selbstwert gearbeitet, berichtet sie. Durch die Gewichtsabnahme hatte sie dann auch Interesse an weiblicher Kleidung – was für sie ein Zeichen für ihre Selbstannahme ist. Dann sah sie dieses Kleid und wusste: Das muss ich haben. Noch nie hatte sie ein „kleines Schwarzes“ besessen und, es gab auch noch nie einen Grund eines zu tragen. Darum hing das Kleid seit einem Jahr ungetragen im Schrank. Vor einer Woche hat sie es endlich angezogen. Es war die Trauerfeier für Ihren verstorbenen Vater, der immer gesagt hat: „Silvia, du kannst auch ‚schick‘“.


Silvia, 47 Jahre

Verwaltungsfachangestellte


Sarah, 35 Jahre Angestellte


Sarah ist 35 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn. Aus Liebeskummer ist sie als Au-pair in die USA gegangen und war bei einer wunderbaren Familie. so berichtet sie. Obwohl sie von Männern die Nase voll hatte, wie sie sagt, verliebte sie sich dann doch wieder und blieb ein weiteres Jahr in den USA. Dort hat sie auch ihr besonderes Kleid gekauft. „Es hat mich gerufen.“ berichtet sie. Getragen hat sie es einmal, in der Küche ihrer Gastfamilie - und dann nie wieder. Auch wenn das Kleid ihr dabei hilft, sich als Frau zu fühlen, hat sie als berufstätige Mutter keine Gelegenheit es zu tragen. Nun hat sie es an, steht vor meiner Kamera und ein Hauch von Marilyn weht durch mein Studio.


Sandra ist zwar in Düsseldorf geboren, hat aber lange in Mainz gelebt. Dort wollte sie auch ihren inzwischen sechs Monate alten Sohn großziehen. Doch manchmal kommt es eben anders, und so wohnt die 36-Jährige wieder in ihrer Heimatstadt. Sie hat Sozialwissenschaften studiert und als Redaktionsassistentin gearbeitet. Es waren ihre Kolleginnen, die ihr in der Mittagspause ganz dringend zu diesem Kleid geraten haben. Als sie es trägt, wird auch klar warum: Es steht ihr einfach unglaublich gut - so, als wäre es für sie entworfen worden. Sie hat es einmal auf einer Familienfeier getragen. Es ist der inzwischen sehr schlanken, jungen Frau etwas zu groß. Sie wird es von einer Schneiderin auf ihre Figur anpassen lassen oder an Gewicht zulegen müssen. Mal sehen, wie sie sich entscheidet. Noch eine nette Geschichte zum Namen ihres Sohnes hat sie mir erzählt, der heißt nämlich Linus. Die Oma fragte,: „So wie der zweite Papst?“ Freunde dachten hingegen an den Erfinder von Linux. Nein, er heißt Linus, weil seine Mutter ein Fan der Peanuts ist.


Sandra, 36 Jahre

Sozial- + Geisteswissenschaftlerin


Carmen, ist promovierte Biologin, hat Pharmazie und Psychologie studiert. Es ist spannend, was sie über ihr Fachgebiet zu berichten weiß und hätte gern weiter studiert, wenn Geldverdienen nicht auch eine lohnende Option gewesen wäre. Als kluge Frau hat sie an der Uni auch schon mal den „Rat“ erhalten, sie solle doch lieber heiraten und nicht ihren männlichen Kommilitonen die Stelle wegnehmen. Dieser Stimmung ist sie in die USA entflohen, um mit einem „Bienen-Guru“ zu arbeiten. Sie war Kundenberaterin in einer Werbeagentur, Pressesprecherin bei einem Pharmaunternehmen und Maketingleiterin bei einer Bank. Mittlerweile arbeitet sie als bewaffnete Personenschützerin, betreibt Kampfsport und unterrichtet Frauen in Selbstverteidigung. Endlich fühlt sie sich den Männern gegenüber stark, die sie in der Vergangenheit gerne schon mal diskriminiert haben. Verheiratet ist sie mit einem Künstler und ihr besonderes Kleid ist ein Overall. Den hat sie bei einer Versteigerung von Filmrequisiten in Hamburg erworben und wenn sie ihn trägt, fühlt sie sich besonders stark.


Camen, 52 Jahre

promovierte PersonenschĂźtzerin


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Mein besonderes Kleid  

In meinen Fotos geht es mir vor allem darum, wie die Frau sich fühlt, wenn sie ihr „besondere Kleid“ trägt. Wie sie auch wahrgenommen werden...

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