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Titel

knappe70 Beate Knappe Fotografien - mein Leben



knappe70 Beate Knappe Fotografien - mein Leben



FĂźr Tilda, Elmo und Sarah



Luise Knappe, 1964



Vorwort – Jordis Schlössser

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Verstehen kann man das Leben nur rückwärts ...

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Wie alles begann

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Was macht mich zu einer Fotografin?

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Begegnungen

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Heimat

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Grundgesetz Artikel 8

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Das Private ist politisch und das Politische ist privat ...

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Beruf und Familie

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Friedensdemonstration 10. Oktober 1981, Bonn

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Künstler für den Frieden

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9. Juli - 6. August 1983 Frauen-Friedensmarsch

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USA 1984

106

Diakonissen in der Menschenkette 1984

110

Arbeitskampf Krupp Duisburg 1987/1988

114

Moskau 1987

122

Wachsen

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Wrestling 1988

130

Weltmeisterschaft der Friseure 1988

134

Frauen in Chemnitz/DDR 1990

138

Obdachlos 1990

152

Zagreb / Kroatien – Dezember 1993

160

Meine Selbsterfahrung ist im wesentlichen die Erfahrung von Beziehungen, in die ich einbezogen bin

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Frauen ­Arbeit Leben

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Potenzial

192

Staatskanzlei NRW

198

Kreativ sein ist, mit dem Leben Liebe machen

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Danksagung

229

Werdegang

230

Impressum

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Abbruchhaus, Dortmund, 1983


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Vorwort 34 Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal bei Beate Knappe in ihrem Büro/Studio in Düsseldorf stand, dem „BILDWORT Pressebüro“. Gerade hatte ich nach nur zwei Wochen mein erstes Fotopraktikum bei einem Werbefotografen gekündigt, für das ich extra von Göttingen nach Köln gezogen war. Wohin es für mich in der Fotografie gehen sollte, wusste ich zwar nicht. Aber das reine Produktfotografie nicht das war, was ich suchte, war mir schnell klar. So stand ich erstmal ohne Praktikum und ohne Idee da. Auf den Rat einer Tante meldete ich mich bei Beate Knappe. Dass es ein großes Glück für mich werden sollte, bei ihr gelandet zu sein, ahnte ich, als ich in ihrem Büro stand, der Tisch voll mit Kontaktbögen, Portraits und Fotos von Demos an den Wänden. Hier waren nicht Fenster und andere Produkte Gegenstand der Fotos, wie bei dem Werbefotografen, sondern Menschen und ihr Leben. In den folgenden Monaten war die Dunkelkammer von Beate mein Lebensmittelpunkt. Hier sah ich im Rotlicht im Entwicklerbad jeden Tag neue Motive auftauchen: Zwei Nonnen in einer Menschenkette, die versuchen, nicht auseinandergerissen zu werden, Portraits ihrer Tochter, verzweifelte stolze Stahlarbeiter, die für ihre Rechte kämpfen. Melancholische Stillleben, eine Wendeltreppe, die sich scheinbar in die Unendlichkeit windet. Ganz nebenbei wurde so mein Auge geschult, für Kompositionen, Momente, Blicke. Und bei den Diskussionen beim Mittagessen bekam ich mit, was eine gute Fotografin ausmacht: ihre Leidenschaft, ihre Beharrlichkeit und ihr Einfühlungsvermögen, mit dem Beate ihre Projekte anging. Für all das bin ich ihr sehr dankbar, denn das alles hat sie mir auf meinen fotografischen Weg mitgegeben. Wenn noch Zeit war, durfte ich meine eigenen Fotos vergrößern, die ich mit Beate besprach. Manchmal konnte ich sie auch zu den großen Demonstrationen der Stahlarbeiter nach Oberhausen begleiten. Am Ende dieser Zeit fing Beate ihr Studium an der Universität in Essen an. Einmal nahm sie mich mit, damit ich der Professorin meine Arbeiten zeigen konnte. Ja, da sehe sie einen guten Blick, sagte die, aber ich solle erstmal leben, um zu wissen, wohin ich wolle. Ein Jahr später fing ich dann selber an zu studieren. Ich hatte meinen Weg gefunden. Für all das danke ich Dir, liebe Beate!

Jordis Antonia Schlösser geb. 1967 in Göttingen, machte ihr Diplom in Fotografie 1996 bei Prof. Arno Fischer in Dortmund. Seit 1997 ist sie Mitglied der Fotografenagentur Ostkreuz in Berlin.


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„Verstehen kann man das Leben rückwärts; leben muss man es aber vorwärts“. Soeren Kierkegaard (1813 -1855)

Die Fotografie ist die Musik, die den Rhythmus meines Lebens bestimmt. Sie ist für mich Leidenschaft und Herausforderung in gleichem Maße. Auch erstaunt es mich, welchen Stellenwert die Fotografie in meiner Familie hatte. Meine Großmutter, die Mutter meiner Mutter, ist mit ihren Kindern regelmäßig zu einem Fotografen gegangen und hat sie fotografieren lassen. Onkel Karl, ein Bruder meiner Mutter, hat als junger Mann flüssige, lichtempfindliche Emulsion auf Glasplatten gegossen und erst danach konnte er das Foto machen. Meine Mutter, obwohl kriegsbedingt evakuiert, hat es sich nicht nehmen lassen, den Alltag mit meiner Schwester fotografisch zu dokumentieren, was recht ungewöhnlich war in Zeiten, in denen nicht nur Lebensmittel knapp waren. Meine bisherige Erklärung, dass ich auf Grund einer nicht erkannten Legasthenie nicht viele andere Möglichkeiten hatte, als Fotografin zu werden, reicht mir nicht. Die Fotografie, so wie ich sie kennengelernt habe, hatte etwas Magisches. In dem Moment, in dem ich auf den Auslöser drückte, wusste ich nicht, was als latentes Bild auf dem Film landete. Es sollte feine Details haben, Schärfe an den richtigen Stellen, klar erkennbare Abstufungen in den Tonwerten. Und es sollte wesentlich sein. Weil ich den Moment, in dem ich auf den Auslöser drückte, für wesentlich gehalten habe. Im Mai 2019, auf der Suche nach einem bestimmten Motiv, öffnete ich Kartons und Mappen, die seit vielen Jahren langsam zustaubten, nicht ahnend, was das auslösen würde. Die Begegnung mit einem Selbstporträt aus lange vergangener Zeit löst bei mir eine Reihe von Erkenntnissen und Erschütterungen in beide Richtungen aus: in die Vergangenheit und in die Gegenwart. Mir wurde klar, dass ich, aus welchem Grund auch immer, keine Verbindung mehr zu der analog arbeitenden Fotografin der früheren Jahre hatte. Erinnerungen an Brüche und Verletzungen wurden zu einer inneren Welle, der ich mich nicht mehr widersetzen konnte. Nun, im Alter von 70 Jahren, sehe ich mir an, was ich seit über 50 Jahren bin und muss lernen zu akzeptieren, dass meine Arbeit einen gewissen Wert hat. Die Zeit schien gekommen! Zeugnisse jeder meiner Lebensphasen sind Fotografien: In je einem winzigen Augenblick konzentrierte Geschichten, mit denen die Bilder von der sichtbaren Welt erzählen und zugleich, als blicke man umgekehrt durch das Objektiv, über mich Auskunft geben. Entstanden ist die sehr persönliche Geschichte einer Entdeckungsreise zu mir selbst, die durch die zeitgeschichtliche Dimension dennoch weit über das Persönliche hinausreicht. Die Diskrepanz zwischen der in den Bildern stets spürbaren wertschätzenden und empathischen Zuneigung, die ich den von ihr porträtierten Menschen und Motiven entgegenbringe, und der eigenen zweifelnden Abwertung mir selbst gegenüber, rückt aus der Verdrängung in den Vordergrund. Seitdem ich mich intensiv mit meinem Leben und meiner fotografischen Arbeit beschäftige, hat sich eine Menge für mich verändert. Ich wachse. Im Zusammenhang mit der Realisierung der Retrospektive ist das Wort VOLLENDUNG aufgetaucht. Vollendet sich gerade etwas in meinem Leben?


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Heute, 2020, bin ich zweifache Großmutter und hätte niemals erwartet, was für ein unbeschreibliches Glück das ist. Apropos Glück. Heute kann ich aus voller Überzeugung sagen, dass es mich glücklich macht zu fotografieren. Ist es nicht das vorrangige Ziel unseres Lebens, glücklich zu sein? So beantwortet sich die Frage nach dem „Warum“ ich Fotografin werden wollte ganz von allein: Ich wollte glücklich sein.

Einschulung, 1956 Selbstportrait, 1983 Selbstportrait, 1966


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Wie alles begann Im Alter von 14 Jahren habe ich meine handwerkliche Ausbildung begonnen. Es muss zur gleichen Zeit gewesen sein, dass ich mir ganz alleine eine Ausstellung angesehen habe. Sie hat mich tief berührt, denn sie hatte für mich etwas Wesentliches: „The Family of Man!“ Diese Ausstellung ist eng mit dem Namen ihres Kurators verbunden: Edward Steichen (1879-1973). Ein, zu seiner Zeit und darüber hinaus, bedeutender Fotograf. Er war 76 Jahren alt, als er 1955 diese Ausstellung zusammenstellte. Für mich war diese Ausstellung das Universum der Fotografie. Was mich in einer ähnlichen Weise berührt hat wie diese Fotografien, waren die Arbeiten von Pablo Picasso (1881-1973). Meine Eltern, mein Vater war gelernter Melkermeister und meine Mutter Verkäuferin, haben mein Interesse an solchen Ausstellungen toleriert, wofür ich dankbar bin. Mein Vater hat viel gelesen, vor allem politische Bücher. Mich interessierte Heinrich Böll. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich mit meiner Mutter ein Gespräch führte, es muss 1964 gewesen sein, in dem ich sie davon überzeugen wollte, dass ich mit der Fotografie auch Geld verdienen könnte. Ich weiß nicht, ob sie mir geglaubt hat, auch erinnere ich nicht, ob ich mir geglaubt habe. Auf jeden Fall konnte ich sie davon überzeugen, mir zu Beginn meiner Ausbildung eine gebrauchte Rolleiflex, eine zweiäugige Spiegelreflexkamera der Firma Rollei, zu kaufen. Ich habe jahrelang gesagt, sie wäre das gleiche Baujahr wie ich. Sie wurde mit Rollfilmen gefüttert und die Negative hatten das Format 6 x 6 cm. Mit ihr habe ich 1966 den 1. Preis eines Fotowettbewerbs der evangelischen Kirche in Wülfrath gewonnen und 1967 den 1. Platz für das Titelbild der Schülerzeitung der Handwerkerberufsschule in Düsseldorf. Meine ersten Fotografien waren also Quadrate. Meine ersten Motive waren meine Freundinnen und meine Familie. Ein Foto vom Krapsteich in Wülfrath wurde sogar im „Generalanzeiger“, einer damals regional geprägten Tageszeitung, abgedruckt. Es zeichnete sich also ab, wohin die Reise ging. Gedruckt zu werden erschien mir ein lohnendes Ziel zu sein, doch Landschaften waren es irgendwie nicht. Menschen wollte ich vor meiner Kamera haben.


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Luise und Heinrich Knappe, WĂźlfrath, 1965


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DĂźsseldorf-Bilk, 1968


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Schwester und Schwager, WĂźlfrath, 1965


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Luise Knappe, Wülfrath, 1965 Krapsteich in Wülfrath, 1964


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Norbert, 1967


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Düsseldorf, 1967 Düsseldorf-Bilk, 1968 Klaus, Wülfrath, 1966


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Martin, WĂźlfrath, 1966


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Was macht mich zu einer Fotografin? Der Gesellenbrief, den ich seit dem 1. April 1968 habe, kann es nicht sein. Auch nicht, dass ich seit Januar 1996 Diplom Designerin bin. Meine Diplomarbeit trägt den Titel: „Die Atelier-Fotografin. Ein Frauenberuf im 19. Jahrhundert zwischen Modeerscheinung und Profession.“ Diese Diplomarbeit beinhaltet eine kleine Forschungsarbeit über die erste Atelierfotografin in Düsseldorf: Laura Lasinsky. Beim Schreiben dieser Arbeit, in der es u.a. um Fotografinnen in der Geschichtsschreibung der Fotografie ging, ist mir aufgefallen, dass es zur Zeit meiner Ausbildung keine weiblichen Vorbilder für mich gab, an denen ich mich hätte orientieren können. Meine Vorbilder waren Robert Capa, August Sander, Anselm Adams, Henri Cartier-Bresson, um einige wenige zu nennen. Nach meiner Gesellenprüfung habe ich für kurze Zeit bei einem Industriefotografen gearbeitet. Danach wurde ich Fotografin bei der Firma pixyfoto. Dies war ein Unternehmen, das junge Frauen an ihren analogen Kameras und in ihrem Foto-Stil ausbildete. Wir wurden befähigt, ein pixyfoto-Studio in einem Kaufhaus zu leiten und dort hauptsächlich Kinderfotos zu produzieren. Ich bin von meinen Kunden für meine Arbeit sehr gelobt worden und, obwohl ich gerade mal 20 war, hieß es, ich müsse recht viel Erfahrung mit Kindern haben, was nicht der Fall war – ich war einfach nur gerne Fotografin. In meiner Freizeit habe ich Freundinnen oder die Familie überredet, sich von mir fotografieren zu lassen. Die Fotografie bedeutet mir alles. Zu diesem Zeitpunkt wohnte ich noch zu Hause, denn ich war noch nicht volljährig. 1971 war ich es und zog in meine erste eigene Wohnung. Der Vermieter schrieb auf mein Klingelschild „Frl. Knappe“ und erlaubte sich meine Wohnung zu betreten, wenn ich nicht anwesend war. Aus heutiger Sicht unvorstellbar, unmöglich fand ich es schon damals. Dann wurde ich Fotolaborantin bei einem Modefotografen, später in einer Werbeagentur. 1972 war das Jahr, in dem es bei den Olympischen Sommerspielen in München zu einem Geiseldrama kam. Es war die Zeit der neuen sozialen Bewegungen. Links zu sein war richtig, und ich wendete mich von der Fotografie ab und wurde Sachbearbeiterin und Telefonistin. Ich erinnere mich nicht mehr, ob es dafür einen konkreten Grund gab. Ich hatte mein Interesse für gesellschaftliche und soziale Themen sowie die Politik entdeckt. Daher war es kein Zufall, dass ich bei Rank Xerox, wo ich inzwischen arbeitete, in den Betriebsrat gewählt wurde. Wie schon in meinen Lehrstellen, bekam ich auch hier Probleme mit den patriarchalen Strukturen. Ich legte mich mit dem Vorsitzenden des Betriebsrates an, daraufhin erfolgte unter dubiosen Gründen meine Kündigung. Zu dieser Zeit, den 1970er Jahren, ich klagte auf meine Wiedereinstellung vor dem Arbeitsgericht, fing ich erneut an, zu fotografieren, was mir außerordentlich gut gefiel. Ich habe mich für eine Kamera der Firma Nikon entschieden und für drei Festbrennweiten-Objektive. Das 35mm, das 24mm und das 85mm sollten für lange Zeit die Objektive sein, mit denen ich gerne arbeitete. Ich gewann den Prozess vor dem Arbeitsgericht und, anstatt die angebotene Abfindung anzunehmen, bin ich wieder in den Betrieb gegangen, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Doch ich wollte lieber Fotografin sein anstatt Sachbearbeiterin bei Rank Xerox. Zu kündigen, nachdem ich wieder im Betrieb war (und der Betriebsrat deswegen zurückgetreten war), ging irgendwie nicht. Ich konnte dennoch aus dem Betrieb ausscheiden, denn ich wurde schwanger.


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Annelie und Heidrun, WĂźlfrath, 1967


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Wülfrath, 1967 Wülfrath, 1968 Düsseldorf, 1967


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Spielene Kinder, DĂźsseldorf, 1968


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Begegnungen Als Portraitfotografin hatte ich seit 2010 viele unterschiedliche Menschen vor meiner Kamera. Für mich waren die allermeisten Begegnungen eine große Bereicherung, auch wenn es nicht immer einfach war. So erinnere ich mich an ein Shooting, es muss 2011 stattgefunden haben, da habe ich den Kunden gefragt, wofür ich diese Fotos mache. Er hat etwas rumgedruckst und dann gesagt: „(…) als Erinnerung für meine Familie, denn ich habe nicht mehr lange zu leben.“ Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich war, eine Kamera in der Hand zu haben, an der ich mich in diesem Moment festhalten konnte. Die „normalen“ Menschen sind für mich meist spannender als berühmte Personen. Wobei ich gerne zugebe, dass die Begegnung mit Prominenten einen ganz besonderen Reiz hat und Adrenalin schnell durch meine Adern strömen lässt. Ich wurde öfters zu Interviews dazu gebucht und bekam so die Gelegenheit interessante Künstler und Politiker zu fotografieren. Die ersten „Prominenten“, die ich fotografiert habe, waren die Schauspielerin Inge Meysel (19102004) und der Schauspieler Gustav Knuth (1901-1987). Sie waren zusammen auf Tournee und traten an einem Abend – es muss 1965 gewesen sein – in einem Kino auf, das auch als Theater genutzt wurde. Ich erinnere mich nicht mehr, wie das Stück hieß, doch daran, dass Gustav Knuth mir widersprach, als ich ihn einen „großen“ Schauspieler nannte. Es gelang mir, hinter die Bühne in die Nähe der Garderoben zu kommen und beide darum zu bitten, sie fotografieren zu dürfen. Naiv wie ich war, spielten Licht oder die Umgebung keine Rolle für mich. Hauptsache ich konnte ein Foto von den beiden machen.


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Gustav Knuth, Inge Meysel, WĂźlfrtah, 1965


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Peter Maiwald (1946 – 2008) lebte ab 1968 als freier Schriftsteller in München und trat der DKP bei. Ab 1985 lebte er in Düsseldorf wir trafen uns hin und wieder und er bezahlte regelmäßig mit dem Hinweis, wenn er alt wäre, müssten ich für ihn bezahlen. Das war wohl eine Anspielung auf seine nicht vorhandene Alterversorgung. Marcel Reich-Ranicki gilt als sein „Entdecker“. Der damalige Literaturchef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ lobte Maiwalds Lyrikband „Balladen von Samstag auf Sonntag“. Peter Maiwald gehörte zur Redaktion der „Düsseldorfer Debatte“. Düsseldorf und Neuss, 1978 + 1980


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Die „Düsseldorfer Debatte“ war eine Zeitschrift für Politik, Kunst, Wissenschaft und ist von September 1984 bis Sommer 1988 erschienen. Sie wurde von Michael Ben, Peter Maiwald und Thomas Neumann gegründet. Das Foto der Redaktion habe ich 1985 gemacht. Es waren spannende Zeiten, fand ich. Mit der Kamera in der Hand habe ich damals die Welt um mich herum wahr- und in mich aufgenommen, nicht ahnend was noch alles kommen würde. Düsseldorf, 1985


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Dieter Süverkrüp (*1934), deutscher Liedermacher, Kabarettist und Grafiker, lebt in Düsseldorf und gilt als einer der wesentlichen Gründerväter der Liedermacherbewegung in der Bundesrepublik. Am 8. März 1984 wurde ihm für seinen langjährigen stilprägenden Einfluß der Kleinkunstpreis des Mainzer Unterhauses, Abteilung Chanson, überreicht. Ich erinnere mich an so manchen Abend in seinem Wohnzimmer, anregende Gespräche und guten Wein. Und ich erinnere mich an Verkaufsverhandlungen zu einem Portrait von ihm, ein Verlag wollte das Negativ kaufen. Wir verhandelten am Telefon und der Käufer merkte an, ob ich, wenn es ums Geschirrspülen ginge, auch so kompromisslos verhandeln würde. Ich war sowas von fassungslos und konnte nicht wirklich reagieren oder das Ausmaß dieser Unverschämtheit wirklich erfassen. Düsseldorf, 1976


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Leider erinnere ich seinen Namen nicht mehr, doch das war schon ein ganz besonderes Shooting. Ich traf und fotografierte ihn 46m hoch, in der Kanzel seines Krans, er war von Beruf Kranführer. Ich hatte beschlossen, dass ich erst am Fuß des Krans entscheide, ob ich da tatsächlich hochklettern werde. Es sah nicht sehr gefährlich aus und so begann ich Hand um Hand den Aufstieg. So etwa in der Mitte wurde mir doch etwas mulmig und ich fragte mich, was denn sei, wenn ich mich nicht wieder runter trauen würde? Diese Sorge nahm mir der Kranführer, er meinte, runter sei es leichter und, was soll ich sagen, er hatte Recht. Ich war mächtig stolz auf mich und als ich wenige Zeit später den Auftrag bekam in die Kanalisation von Düsseldorf hinunter zu steigen, angetan mit einer Art Ganzkörperkondom, ist mir das nicht schwer gefallen. Düsseldorf, 1986


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1984, bei meinem ersten USA-Aufenthalt, traf ich Angela Davis (*1944), die in Berkeley bei Herbert Marcuse und in Frankfurt am Main bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno studiert hat. Sie sprach Deutsch und unterrichtete, als ich sie traf, am „California College of the art“ und sprach gerade mit ihrer Klasse über den deutschen Fotografen August Sander. 1970 war Angela Davis vom FBI auf die Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher in den USA gesetzt und angeklagt worden. Es wurde ihr vorgeworfen, die Waffen für den Gefängnisausbruch der „Soledad Brothers“ gekauft zu haben. Gegen ihre Verhaftung entwickelte sich eine über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinausreichende Welle des öffentlichen Protests. 1972 wurde sie in allen Punkten der Anklage freigesprochen. Bis 1980 gehörte sie zur Führung der KP USA. Sie gilt immer noch als Symbolfigur der Bewegung für die Rechte von politischen Gefangenen in den USA. Heute ist sie emeritierte Professorin an der University of California in Santa Cruz in den Abteilungen History of Consciousness und Feminist Studies. Ich nahm an der Feier zu ihrem 40. Geburtstag teil. Der Saal war geschmückt mit sehr vielen lila Luftballons und der Bürgermeister von San Francisco war mit seiner Familie ebenfalls anwesend. Es ging sehr emotional zu, da einige ihrer Weggefährten, aus der vergangenen Jahren des politischen Kampfs, ebenfalls zu Gast waren. Bei der Weltfrauenkonferenz in Moskau, 1987, traf und fotografierte ich sie erneut. 1987 war ich als Fotografin bei der Weltfrauenkonferenz in Moskau – Gorbatschow war Präsident – und ich habe Fotos für den „Spiegel“ und die „Brigitte“ gemacht. Ich liebte mein Leben. Dort habe ich auch Raissa Gorbatschowa (1932–1999) fotografiert. Die Soziologin und Ehefrau von Michail Gorbatschow war eine einflussreiche, sozial und kulturell engagierte Frau in der Sowjetunion.

Angela Davis, San Francisco/USA, 1984


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Angela Davis, Moskau, 1987 Raissa Gorbatschowa, Moskau, 1987


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Bei dem Interview mit Wolfgang Niedecken (*1951) habe ich mich wie ein Groupie gefühlt, denn ich bin ein großer Fan seiner Musik. Da habe ich allerdings auf ein Autogramm verzichtet, ebenso bei dem Interview mit Herman van Veen, dessen Musik ich ebenfalls sehr liebe – war ich inzwischen erwachsen geworden? Köln, 1981


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Die Münsterländer Schalmeienkapelle ernannte Udo Lindenberg (*1946) zu ihren Ehrenmitglied. In Münster fand, zusammen mit der Kapelle, eine Tonaufnahme für seine neue LP statt. Münster, 16. Juli 1987


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Es gibt Fotografien, die, wenn wir sie einmal gesehen haben, für immer in unserem Gedächtnis bleiben. Am 8. Juni 1972 machte der Fotograf Nick Út so ein Foto. Die damals neunjährige Phan Thi Kim Phúc, (*1963) floh nackt aus dem Ort Trang Bàng/Vietnam. Amerikanische Flugzeuge, auf dem Rückflug zu ihrem Stützpunkt, hatten, zu ihrem eigenen Schutz, Napalm-Bomben abgeworfen. Kim erlitt schwere Verbrennungen und es war nicht klar, ob sie überleben würde. Der Fotograf Nick Út brachte Kim in ein Krankenhaus. 30 Prozent ihrer Körperoberfläche war verbrannt, fast ihr ganzer Rücken, der Nacken und ihr linker Arm. Erst nach zahlreichen Hauttransplantationen, Operationen und Therapie konnte sie nach Hause zurückkehren. Unter anderem ist sie in Deutschland mehrfach operiert worden. 1984 war sie erneut in Deutschland, auf Einladung der Nicki-Lauda-Stiftung, um erneut operiert zu werden. Ich war für ein Interview mit ihr gebucht. Düsseldorf, 1984


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Ich erinnere mich an eine Situation im Jahr 1981, da war ich als Fotografin für eine Konferenz gebucht und ein Journalist vom „Spiegel“ wollte, dass ich sein Interview mit Wadim Walentinowitsch Sagladin (1927 –2006) fotografiere. Sagladin war als Politikwissenschaftler sowohl der Berater Breschnews als auch von Gorbatschow. Diesen Auftrag nahm ich gerne an. Nach dem Interview zog er sein Portemonnaie aus der Tasche und wollte mir Geld geben – das fand ich sehr unangenehm. Später hat der „Spiegel“ selbstverständlich den Abdruck meiner Fotos bezahlt.


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Erich Fried (1921 -1988) Er war in der Nachkriegszeit ein Hauptvertreter der politischen Lyrik in Deutschland. DĂźsseldorf, 1982


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Auto Becker – Helmut Becker (1942 – 2018) war der Mann mit dem Vornamen AUTO. Düsseldorf, , 1982


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Heimat Ich bin der Meinung, dass der Ort, in dem ich lebe, nicht unwichtig dafür ist, wie ich mich selber wahrnehme. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich 2002 nach Hildesheim gefahren bin, um dort eine Probevorlesung zu halten. Ich hatte mich um eine Professur an der dortigen Fachhochschule beworben und es in die letzte Auswahlrunde geschafft. Nach meinem „Vorsingen“ bin ich durch den Ort gebummelt und war beim „Italiener“, um vor meiner Heimfahrt etwas zu essen. Das war nicht das, was ich aus Düsseldorf kannte. Auch wirkte die Stadt auf mich irgendwie nicht gerade einladend. Mit anderen Worten, ich war nicht unbedingt traurig darüber, dass jemand anderes als ich berufen wurde. Wenn ich längere Zeit nicht in Düsseldorf sondern auf Reisen war, gab es bei meiner Rückkehr ein Ritual: mindestens ein Glas Alt.

Karnevalssitzung in Düsseldorf, 1988


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Altweiberfastnacht in DĂźsseldorf, Karlsplatz, 1985


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Strassenszene, DĂźsseldorf, 1988


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Rennbahn, DĂźsseldorf, 1988


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GroĂ&#x;e Rheinkirmes, DĂźsseldorf,1989


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DĂźsseldorf-Bilk, 1985


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GroĂ&#x;e Kirmes am Rhein, DĂźsseldorf, 1989


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Auf dem Weg zur Demonstration, Bonn, 1986


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Grundgesetz Artikel 8 „Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“ Bei der Durchsicht meines Archivs finden sich unzählige Fotografien von Demonstrationen und Kundgebungen und mir wird klar, was die 1970er und 1980er Jahre geprägt hat: Es waren Krisen, Umbrüchen und große Veränderungen und vor allem Demonstrationen. Hier ein paar Schlagworte für diese Zeitspanne: Hippies, RAF, Ölkrise, Watergate, Guillaume, Radikalenerlass, Friedensbewegung, Anti-Atomkraft-Bewegung, Apple, Microsoft, Barschel-Affäre, Greenpeace, der Krieg in Afghanistan. Tschernobyl, Hitler-Tagebücher, Brokdorf, Nato-Doppelbeschluss. AIDS wurde als pandemische Krankheit erkannt. Helmuth Kohl wurde Bundeskanzler und Michael Gorbatschow leitete die Perestroika ein. Die ersten Proteste gegen die Stationierung von Raketen im Hunsrück fanden statt und die ersten Ghettoblaster tauchten auf. Das Privatfernsehen startet in Deutschland und MTV in Europa. Die USA flogen Luftangriffe gegen Libyen und erlebten die Challenger-Katastrophe. Die Partei der Grünen wurde 1980 gegründet. Es gab die Anti-Atomkraft- und Umweltbewegung. Ich war Bildredakteurin bei einer überregionalen linken Tageszeitung und gründete später mit Kollegen das BILDWORT Pressebüro und arbeitete freiberuflich. Wir hatten Aufträge von Gewerkschaftszeitungen und überregionalen Tageszeitungen. Meine Themen waren hauptsächlich soziale Konflikte, die entstehende Friedens- und Frauenbewegung der 1980er und 1990er Jahre und immer wieder auch Portraits. Ich war alleinerziehend. Es war anstrengend. Es war ein täglicher Kampf. Es war großartig. Bei all den Demonstrationen und Protesten, die in diesen Jahren stattfanden, hatten Protestierende immer einen ganz klaren Focus, zum Beispiel die Abschaffung der Kernenergie, den Erhalt des Friedens oder die Gleichberechtigung von Frauen sowie die Abschaffung sozialer Ungerechtigkeit. Ich kann wirklich nicht sagen, wie viele Demonstrationen, Muttertagsdemos, Ostermärsche, Märsche zum 1. Mai, Friedensdemos, Demos gegen Lohnkürzungen, Demos zum Erhalt der Arbeitsplätze, des Standorts, für das Ladenschlussgesetz, für die 35-Stunden-Woche, gegen die Stationierung von Raketen und so weiter ich fotografisch begleitet habe, es waren unzählige. Es war gelebte Demokratie.


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Mein erstes Demo-Foto, DĂźsseldorf-Gerresheim, 1976


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Demonstration gegen den Ăœberfall der USA auf Libyen, Bonn, 1986


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Stahlstreik, DĂźsseldorf, 1987 Demonstration gegen die Neutronenbombe, Bonn, 1984


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Streik der Stahlarbeiter, Dortmund, 1987 Demonstration zum internationalen Frauentag, BrĂźssel, 1983


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Demonstration gegen RECHTS, 1986


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Internationale Frauendemonstration S.T.A.R.-Aktion Brßssel, 8. März 1983


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Demonstation gegen den Luftangriff der USA auf Libyen, Bonn, 1986


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Rund 200.000 Menschen demonstrierten friedlich gegen die Stationierung der Cruise Missiles. Hasselbach, Oktober 1986


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Demonstrationen, Bonn, 1985


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Ostermarsch, DĂźsseldorf, 1985


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Mein Bett in einem Kloster in Volterra, Toscana, 1986


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Nicht mein Bett, Dortmund, 1983


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Das Private ist politisch und das Politische ist privat... 1977 stand politisch vor allem im Zeichen der RAF. Ich erinnere mich noch gut an die Plakate, mit denen nach den Mitgliedern der RAF gefahndet wurde und die an Litfaßsäulen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln angebracht waren. Ich habe Sarahs Vater geheiratet und mich nach ein paar Jahren wieder scheiden lassen. Es ist mir fast peinlich, mich daran zu erinnern, wie dumm ich in dieser Beziehung gewesen sein muss. Damals hatte ich Veröffentlichungen in Zeitungen, und wenn wir mit Freunden zusammentrafen, wurde ich darauf angesprochen. Das hat mir gefallen, mein Ehemann jedoch fand, ich erinnere mich sehr gut daran, ich hätte mich „gespreizt wie ein Pfau“. Meine Trennung von ihm habe ich nie bereut und es war auch der Zeitpunkt, an dem ich anfing, mich intensiver mit meiner Rolle als Frau in dieser Gesellschaft zu beschäftigten. Für mich bedeutete die Erfahrung der Schwangerschaft und Mutter zu sein schon eine wesentliche Veränderung und das nicht nur in meiner alltäglichen Lebenssituation. Mein Eindruck war, dass andere Fotografinnen und Künstlerinnen, diesen biologischen Aspekt ihrer Persönlichkeit gerne unter den Tisch fallen ließen. Mir ist bewusst, warum sie dies taten, denn sie befürchteten, heute leider immer noch, dass sie nicht „ernst“ genommen würden, wenn sie davon sprechen auch Mutter zu sein. Mich auf diese biologische Fähigkeit zu reduzieren, habe ich nie zugelassen. Ich fand aber, dass diese Erfahrung einen Einfluss auf meine Weltsicht hatte. Vor allem auch darum, weil ich als alleinerziehende berufstätige Frau in einer ganz anderen Situation agierte als männliche Kollegen, die sich so gut wie nie um ihre Kinder kümmern mussten. So gab es interessante Aufträge, die ich nicht angenommen habe, weil ich zum Beispiel meiner Tochter versprochen hatte, gemeinsam mit ihr Urlaub zu machen. Es war in diesen Jahren für mich ein immenser Aufwand, die qualifizierte Versorgung meiner Tochter für die Zeit meiner Abwesenheit sicher zu stellen. Ich habe meine Situation nicht als ein gesellschaftliches oder strukturelles Problem angesehen, sonder als mein persönliches. Ich hatte ständig ein schlechtes Gewissen, denn die Forderung „Ich will alles“, Karriere und Familie, war nicht umzusetzen, wenigstens nicht für mich. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, freiberuflich als Fotografin zu arbeiten, mein Studium zu beenden und meine Tochter gut zu versorgen. Beim Verfolgen der aktuellen Diskussion höre und lese ich, dass sich die Situation von Fotografinnen nicht wesentlich verändert hat und sie, wie alle Frauen in unserer Gesellschaft, immer noch darum kämpfen den gleichen Lohn für ihre Arbeit zu bekommen, den Männer bekommen, oder das ihr Muttersein ihnen als Nachteil ausgelegt wird, macht mich das nachdenklich und traurig. Ein ganz anderes Kapitel schlage ich auf, wenn es darum geht, dass ich nicht nur Fotografin und Mutter war, sondern auch eine Frau. Das war kompliziert. Als Tochter einer Mutter, die die Zeiten des zweiten Weltkriegs ohne ihren Mann an ihrer Seite bewältigt hatte, fand ich es eher normal, auf eigenen Beinen zu stehen, meine eigenen Entscheidungen zu treffen und nicht ständig eine Schulter zu haben, an die ich mich anlehnen konnte oder zwei „starke Arme“, die mir die Last des Alltags abnahmen. Nach der Scheidung von Sarahs Vater und der Erfahrung der Ehe mit ihm, hatte ich von Männern und Beziehungen erst einmal genug. Doch Gefühle waren und sind etwas, das sich auch meiner Kontrolle entzieht. Dieses Gefühl, sich zu verlieben und eine Leidenschaft zu leben, die nicht Fotografie heißt, fand Raum in meinem Leben. Auch der Schmerz und die Enttäuschung, die dazu gehörten. Meine Tochter Sarah wurde im Dezember 1977 geboren. Als Sarah gerade mal ein Tag alt war, holte ich meine Kamera aus dem Schrank. Meine Zimmernachbarin fragte mich, ob mein Mann mir die Kamera eingestellt hatte. Ich schaute sie überrascht an und antwortete: „Gottseidank nicht!“


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Sarah, Krankenhaus DĂźsseldorf-Gerresheim, 1977


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Vater und Tochter, HunsrĂźck, 1978 Mutter und Fotografin bei der Arbeit, DĂźsseldorf, 1978


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Auf dem Weg in den Urlaub, Niederlande, 1982


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Lothar Schmelzer, DĂźsseldorf, 1979


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Lothar Schmelzer, Düsseldorf, 1976 Lothar Schmelzer und Sarah, Düsseldorf, 1978


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Luise Knappe, meine Mutter mit ihrer Enkeltochter Sarah, DĂźsseldorf, 1978


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Im Kinderladen, DĂźsseldorf, 1981


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Selbstportrait, Dortmund, 1983


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Lothar Schmelzer, DĂźsseldorf, 1978


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Sarah, DĂźsseldorf, 1979


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Lothar und Sarah, DĂźsseldorf, 1979


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Sarah und ihre Freundin Petra, Wildpark DĂźsseldorf, 1980


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Beruf und Familie Ich hatte die Absicht, nach der Geburt meiner Tochter Sarah, nur noch Mutter und Hausfrau zu sein. Ich wollte dieses Kind und ich liebte dieses Kind – doch etwa nach drei Monaten wurde mir bewusst, dass es noch etwas anderes gab, das ich auch liebte und sein wollte: Fotografin. Und so nahm ich, kurz nach Sarahs Geburt, wieder Aufträge an. Das konnte ich, da ich eine Mutter hatte, die es liebte, sich um ihr Enkelkind zu kümmern. Trotzdem ist es mir nicht leicht gefallen, mein Baby zu verlassen. Mein Mann hat damals als Sozialarbeiter im Schichtdienst gearbeitet und wir haben uns zeitweise bei der Versorgung unseres Babys abgewechselt. 1978 war einer meiner Aufträge das Treffen einer Delegation mit dem sowjetischen Parteichef Leonid Breschnew auf Schloss Gymnich, zu fotografieren. Ich war so beeindruckt von der Begegnung, die ich erleben durfte, dass ich, zurück in Düsseldorf, sofort anfing, die Filme zu entwickeln und dabei übersah, dass die Temperatur weit über 20 Grad lag. Im Ergebnis hat der Film ein sehr grobes „Korn“. Das ist mir jedoch nur einmal passiert.


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Leonid Breschnew (1906-1982), Staatsoberhaupt der Sowjetunion, Bonn, Schloss Gymnich, 1978


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Franz Josef StrauĂ&#x;, Neuss, 1976


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Franz Josef Strauß (1915 -1988) war ein CSU Politiker. Ich fotografierte ihn bei einem Wahlkampfauftritt in Neuss, 1976. Da er eine Art Feindbild war, wollte ich keine „netten“ Fotos von ihm machen und setzte mein 24mm Objektiv in die Kamera ein und fotografierte ihn aus einer ziemlich geringen Distanz. Das konnten keine schmeichelhaften Fotos werden, trotzdem lächelte er mir zu, erinnere ich mich, was wahrscheinlich an meinem Alter lag. Ich war eine junge Frau, gerade mal 26 Jahre alt.


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Norbert BlĂźm,1987


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1987 war ein Jahr, in dem ich viele Gewerkschaftsveranstaltungen, soziale Proteste und Demonstrationen fotografiert habe. Bei einigen davon bin ich immer wieder auf Norbert Blüm getroffen, so dass ich von seinen Personenschützern schon fast mit Handschlag begrüßt wurde. Norbert Blüm (1935 – 2020) war ein CDU Politiker, der zum Kritiker der eigenen Partei wurde und vor allem den sozialen Frieden in unserem Land in Gefahr sah.


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18. M채rz 1987 - Oberhausen - Metall Demonstration gegen den geplanten Abbau von 3.000 Arbeitspl채tzen in der Stahlindustrie. Lt. Polizei nahmen 35.000 Menschen teil. Die Stahlindustrie befand sich in einem starken Wandel und somit gab es zahleiche Demostrationen und Proteste. Franz Steink체hler (* 1937), der ab Oktober 1986 Vorsitzender der Gewerkschaft IG Metall war (Er trat 1993 von diesem Posten zur체ck) habe ich immer wieder getroffen.


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Stahlaktionstag – Kundgebung im alten Walzwerk, Duisburg-Rheinhausen, 17. 02. 1988


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1977 traf und fotografierte ich Fasia Jansen (1929 – 1997) zum ersten Mal. Wir trafen uns immer wieder, denn als politische Liedermacherin war sie auch Friedensaktivistin und bei den gleichen Demonstrationen zu finden, an denen ich teilnahm. Volker Götz habe ich erstmals 1976 fotografiert. Der 1945 geborene Volker Götz wurde 1973 vom NRW Justizminister Diether Posser zum Richter auf Probe ernannt. Diese Ernennung wurde rückgängig gemacht. Volker Götz war Mitglied der legalen Partei DKP. Im Jahr zuvor, 1972, war von den Ministerpräsidenten der Länder der sogenannte „Radikalenerlasses“ beschlossen worden. Volker Götz arbeitete als Anwalt und engagierte sich für Bürgerrechte.


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Fasia Jansen , Volker Gรถtz


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Friedensdemonstration 10. Oktober 1981, Bonn Ihr Motto war: Gegen die atomare Bedrohung gemeinsam vorgehen. Protestiert wurde gegen den Nato-Doppelbeschluss. Über 800 Organisationen hatten zu dieser Demonstration aufgerufen und in dem Aufruf hieß es: „Die 80er Jahre werden mehr und mehr zum gefährlichsten Jahrzehnt in der Geschichte der Menschheit. Ein 3. Weltkrieg wird aufgrund der weltweiten Aufrüstung immer wahrscheinlicher.“ Die etwa 300.000 reisten nach Bonn überwiegend in Sonderzügen an und es gab 5 Auftaktkundgebungen. Von denen zogen die Demonstranten sternförmig zum Bonner Hofgarten, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Heinrich Böll hielt die Hauptrede. Das Bundesverfassungsgericht nannte diese Demonstration, in seinem Brokdorf-Beschluss, ein Beispiel für die Möglichkeit, so eine Großdemonstration friedlich durchzuführen, an denen sich Behörden im Vorfeld anderer Großdemonstrationen orientieren sollten. Ich war mit Mann, Kind und Freunden auch dabei, als Teilnehmerin und Berichterstatterin.


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Heinrich Bรถll Willy Brandt


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Künstler für den Frieden So hieß eine 1981 von Eva Mattes und anderen gegründete Initiative westdeutscher Künstler, die die damalige Friedensbewegung unterstützten und unter dem gleichen Namen bis 1983 vier große Konzerte organisierten. Ich war am 21. November 1981 in der Dortmunder Westfalenhalle und am 11. September 1982 im Bochumer Ruhrstadion dabei. Das Konzert in Bochum was das größte seiner Art. Vor etwa 200.000 Zuschauern traten über 200 Persönlichkeiten auf. Curt Bois (1901 - 1991), ein deutscher Schauspieler, sprach damals nur drei Sätze, diese waren jedoch sehr beeindruckend: „Ich bin ein alter Mann. Ich habe zwei Weltkriege erlebt. Ich bin hierhergekommen, weil ich verhindern möchte, daß ein dritter Weltkrieg Sie und Ihre Kinder vernichtet.“


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Im Bochumer Ruhrstadion, 11. September 1982


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Harry Belafonte, Bochumer Ruhrstadion, 1982


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Abschlussauftritt aller Teilnehmer, Dortmunder Westfalenhalle,1981


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Ina Deter und Herbert Grรถnemeyer, Dortmunder Westfalenhalle, 1981


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Mercedes Sossa, Dortmunder Westfalenhalle, 1981 Ziemlichen Ärger habe ich mir eingehandelt, als ich 1983 Mercedes Sossa (1935- 2009) – sie zählte zu den „Nuevos Cancioneros“ Argentiniens – bei einem Konzert fotografierte. Es sollte das Coverfoto für die nächste LP werden. Meine einäugige Spielreflexkamera, eine Nikon, war ziemlich laut, wenn ich auf den Auslöser drückte, was den Konzertbesuchern gar nicht gefallen hat.


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9. Juli - 6. August 1983 Frauen-Friedensmarsch Von Dortmund nach Brüssel (Nato-Hauptquartier) In Westdeutschland haben sich immer wieder Frauen zusammengeschlossen, um unter anderem die Wiederbewaffnung der BRD zu verhindern. „Seid wachsam! Seid kritisch! Zeigt Zivilcourage!“ hieß ihre Losung. In den 1980er Jahren kam es zu mehreren von solchen Frauenorganisationen initiierten Protestmärschen und Menschenketten, so auch im Juli 1983. Mehr als 3500 Frauen aus dem Ruhrgebiet sind von Dortmund aus zum Friedensmarsch gegen die geplante Stationierung neuer US-amerikanischer Raketen in Richtung Brüssel gestartet. Sie wollen vor dem Nato-Hauptquartier protestieren. Das NATO-Hauptquartier ist der Sitz der politischen und der obersten militärischen Führung der NATO in Brüssel und hat eine Bannmeile. Dies ist eine Art Schutzzone, in der öffentliche Versammlungen und politische Demonstrationen verboten sind. Daher stoppte die belgische Polizei die Frauen und drängt sie mit Gewalt aus dieser Zone. Mit dem Foto des Polizeieinsatzes gegen die demonstrierenden Frauen in Brüssel habe ich 1985 den 1. Preis bei der „bifota, Berliner Internationalen Fotoausstellung“ gewonnen. Ich erinnere mich noch sehr gut an diese Situation und an das Grinsen im Gesicht der belgischen Polizisten, als sie die Frauen gewaltsam abdrängten. Ich musste rückwärts gelaufen sein, um diese Fotos zu machen, jedoch erinnere ich das nicht. Ich erinnere mich aber daran, dass diese gesamte Situation mich emotional sehr mitgenommen hat, schließlich wurden dort Macht und Gewalt praktiziert. Männliche Gewalt gegen Frauen, etwas, dass ich immer noch nicht aushalten kann, egal ob ich selber betroffen bin oder nicht.


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Auftakt in Dortmund, 9. Juli 1983


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Auftakt in Dortmund, 9. Juli 1983 Der Marsch erreicht die holländiscehe Grenze.


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Kurz bevor die Polizei die demonstrierenden Frauen mit Gewalt aus der Bannmeile drängt, Brßssel, 1983


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Kurz bevor die Polizei die demonstrierenden Frauen mit Gewalt aus der Bannmeile drängt, Brßssel, 1983


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Auftakt in Dortmund, 9. Juli 1983


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Kurz bevor die Polizei die demonstrierenden Frauen mit Gewalt aus der Bannmeile drängt, Brßssel, 1983


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Die Polizei greift ein und drängt die Frauen aus der Bannmeile, Brßssel, 1983


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Die Polizei greift ein und drängt die Frauen aus der Bannmeile, Brßssel, 1983


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BrĂźssel, 1983


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USA 1984 Kein Foto, kein Film hatte mir bis dahin vermittelt, wie hoch diese Wolkenkratzer tatsächlich sind. Ich konnte fast meinen Kopf nicht so weit in den Nacken legen, um die Spitze von einen Skyscraper zu betrachten. In den zwei Wochen, in denen ich dort gewesen bin, war es mir nicht möglich, ein Gefühl für die Menschen dort zu bekommen, ich war eine Touristin und immer nur tief beeindruckt. Ich flog nach New York, von dort nach Minneapolis. Ein paar Tage später dann nach Los Angeles, und von dort ging es nach San Francisco, von wo ich wieder nach Deutschland zurückflog. Der Besuch der Schule für Indianer in Minneapolis „Heard of the Earth“ hat mich über die aktuelle Situation der Ureinwohner dieses Kontinents informiert. Den Anflug auf Los Angeles werde ich nie vergessen: diese unzähligen aquamarinblauen Punkte waren Swimmingpools. In San Francisco über eine Pershingstraße zu fahren war eigenartig, denn in der BRD hatte ich gegen die Stationierung der Raketen mit diesem Namen protestiert. Es hat mal einen US-General mit dem Namen John J. Pershing gegeben. Ich wohnte ein paar Tage in Sausalito in der Nähe von San Francisco, bei Johannes, einem gebürtigen Holländer. Mit ihm konnte ich mich ein wenig verständigen und er lieh mir sein Auto. Damit begab ich mich auf eine Entdeckungsreise durch San Francisco. In einer Buchhandlung fand ich erstmals Literatur zu der Fotografin Tina Modotti.


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Einreise in New York/USA, 1984 Obdachloser in der Nacht, Los Angeles/USA, 1984


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San Francisco/USA, 8. März 1984


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Nachts, Los Angeles/USA, 1984


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Diakonissen in der Menschenkette 1984 Es war eine der ersten Großaktionen der Friedensbewegung im Hunsrück und machte öffentlich, was sich in dieser Region im Zusammenhang mit dem Nato-Doppelbeschluss abspielte. 96 Cruise Missiles sollten in der Nähe von Hasselbach stationiert werden. Dagegen richtete sich der Protest. Es gab damals schon viele Stammtische der Friedensbewegung überall im Hunsrück, die gut organisiert und vernetzt waren. Und so gelang die Menschenkette von Hasselbach nach Duisburg. Duisburg darum, weil bekannt geworden war, dass Krupp und Mannesmann beschlossen hatten, über 6000 Arbeitsplätze an diesem Standort abzubauen. Im Oktober 1836 eröffnen Theodor Fliedner und seine Frau Friederike in Kaiserswerth das Mutterhaus der Diakonissen. Unverheirateten Frauen wurde hier die Möglichkeit einer Berufsausbildung ermöglicht: Krankenpflege und Erziehungsarbeit. Die Frauen verpflichteten sich zu einem einfachen Lebensstil, der Ehelosigkeit und dem Gehorsam. Sie trugen meist eine Schwesterntracht, die gewöhnlich aus einem dunkelblauen, grauen oder schwarzen Kleid, einer Schürze und einer weißen Haube bestand. Diakonissen scheinen 1984 ein Anachronismus zu sein und eine Menschenkette die aktuelle Form des Protestes – wie kam beides zusammen? 1988, zum gleichen Zeitpunkt als mein Studium begann, war diese Fotografie von mir Teil der großen STERN-Ausstellung: „STERN BILDER - 40 Jahre Bild-Journalismus in der BRD“. Die Fotografie hatte mir schon als Doppelseite im Magazin den Atem stocken lassen. Eine Doppelseite im Stern zu haben, war in dieser Zeit ein großer Erfolg, und ich frage mich heute, wieso ich daran nicht anknüpfen konnte.


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Martha Messner (84) und Emmi Neumann (86), DĂźsseldorf-Kaiserswerth, 1984


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Martha Messner (84) und Emmi Neumann (86), DĂźsseldorf-Kaiserswerth, 1984


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Martha Messner (84) und Emmi Neumann (86), DĂźsseldorf-Kaiserswerth, 1984


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Arbeitskampf Krupp Duisburg 1987/1988 Das Krupp-Stahlwerk war seit fast 100 Jahren der wirtschaftliche und soziale Mittelpunkt in Rheinhausen. Sukzessive waren seit Jahren Arbeitsplätze abgebaut worden. Die sich weltweit abzeichnende Stahlkrise war der Grund dafür. In der Nacht zum 27. November 1987 machte im Betrieb das Gerücht die Runde, das Werk werde schon im nächsten Jahr ganz geschlossen. Spontan kam es zur ersten Protestversammlung am Morgen von 3000 Stahlkochern vor der Krupp-Hauptverwaltung. Der damalige Konzern-Chef Gerhard Cromme verkündete öffentlich die Schließungspläne. Ein über fünf Monate dauernder Arbeitskampf begann, der weltweit für Schlagzeilen sorgte und der bislang längste Arbeitskampf in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands war. Es kam zu zahlreiche Demonstrationen, an denen sich Hunderttausende beteiligten. Ganz Duisburg stand hinter den Hüttenwerkern von Krupp und seinem Betriebsrat. Anfang Mai 1988 wurde in der sogenannte „Düsseldorfer Vereinbarung“, unter der Moderation des damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau (SPD), die endgültige Schließung des Stahlwerks beschlossen.


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Vor dem Landtag in DĂźsseldorf, 11.04.1988


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Johannes Rau, Landtag DĂźsseldorf, 11.04.1988


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Rund 1000 Beschäftigte des Krupp-Stahlwerks und deren Angehörige protestierten innerhalb der Bannmeile um den Landtag, um vom Ministerpräsidenten Johannes Rau empfangen zu werden. In der Nacht hatten rd. 100 Streikende die Zufahrt zur RheinKnie-Brücke blockiert und damit ein großes Verkehrschaos in Düsseldorf ausgelöst. Landtag Düsseldorf, 11.04.1988


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Stahlaktionstag – Kundgebung im alten Walzwerk, Duisburg-Rheinhausen, 7. 02. 1988


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Stahlaktionstag – Kundgebung im alten Walzwerk, Duisburg-Rheinhausen, 7. 02. 1988


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Dieter Kelb, Pfarrer (1937 -2019) Er leitete das Bürgerkomitee im Ruhrgebiet, das, zusammen mit den Stahlarbeitern, für den Erhalt des Stadortes Rheinhausen kämpfte, Duisburg 1988.


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Moskau 1987 Michail Gorbatschow war Präsident und ich war zum ersten mal in Moskau. Einen Monat zuvor, im Mai, war Mathias Rust auf dem Roten Platz in Moskau gelandet. Nun war Juni und es war Weltfrauenkonferenz. Ich hatte Aufträge von der „Brigitte“, dem „Stern“ und der „Freundin“, es war alles sehr aufregend. Ich erinnere mich noch sehr gut an die imposante U-Bahn und die Straßenschilder, denn sie waren für mich unlesbar, da in kyrillisch verfasst. Meine Begleitung, sie war Rechtsanwältin, konnte griechisch lesen und somit haben wir uns ein wenig orientieren können, als wir durch die Geschäfte schlenderten, um Geschenke einzukaufen. Kurz vor meiner Reise nach Moskau hatte ich etwas von Gabriel García Márquez gelesen. Er beschrieb in dieser Geschichte Erlebnisse seines Moskaubesuchs. Unter anderem merkte er an, dass die Taxifahrer in Moskau immer noch so fahren würden, als wenn sie nicht in einem Auto, sondern auf einem Eselskarren sitzen. Ich konnte seine Beschreibung gut nachvollziehen. Der Rückflug nach Deutschland gestaltet sich auch nicht wirklich einfach, den der Flug war überbucht worden.


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Begegnung im GUM, Moskau, 1987


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FrĂźhstĂźcksbedienung im Hotel, Moskau, 1987 Auf jeder Etage im Hotel in Moskau sahs eine Frau, Moskau, 1987.


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Teilnehmerinnen der Konferenz, Moskau, 1987


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Anlässlich der Weltfrauenkonferenz, gab es eine groĂ&#x;e Kundgebung im Gorki Park. Teilnehmer waren auch Petra Kelly und Gerd Bastian.


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Moskau, GorkiPark, 1987 Petra Kelly und Gerd Bastian, Moskau, GorkiPark, 1987 Petra Kelly (1947 –1992) war Gründungsmitglied bei den „Grünen“ und Friedensaktivistin. Gerd Bastian (1923 –1992) war Generalmajor der deutschen Bundeswehr und lies sich in den einstweiligen Ruhestand versetzen, weil er den „NATO-Doppelbeschluss“ ablehnte. Er gehört zu den Gründern des „Krefelder Appells“, der sich gegen die Stationierung von Atomraketen in Europa einsetzte.


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Wachsen Im Laufe meines Lebens bin ich oft mit Krisen, Niederlagen und Krankheiten konfrontiert worden. Ich habe nicht wirklich eine Ahnung, wie ich es geschafft habe, damit umzugehen. Es scheint da eine geheime Kraft zu geben, die allen Widrigkeiten zum Trotz verhindert, dass mir die Lust am Leben genommen wird – die Fotografie? Die 1990er Jahre waren geprägt durch eine Art von Neuordnung der Welt, von bedeutenden gesellschaftlichen Umbrüchen. Der Computer zog in die privaten Haushalte ein und wir fingen an, eMails zu schreiben und das World Wide Web zu nutzen. Bill Clinton wurde Präsident der USA, in Deutschland gab es Attentate auf Politiker wie Schäuble und Lafontaine. Der Völkermord in Ruanda forderte etwa eine Million Menschenleben. Das geklonte Schaf Dolly wurde geboren. Schröder wurde Bundeskanzler. Und Amokläufe, wie der an der Columbine High School in den USA, erschüttern die Menschen weltweit. Piercings und Tattoos scheinen gesellschaftsfähig geworden zu sein. „Das Schweigen der Lämmer“, „Schindlers Liste“, und „Shakespeare in Love“ waren Kinofilme, die mit einem Oscar ausgezeichnet wurden. Was meine fotografische Arbeit betraf, so kündigte sich schon länger an, dass sich meine Interessen und meine Art zu fotografieren veränderten. Mir ist es immer wichtig gewesen zu wissen, auf wessen „Schultern ich stehe“, also wer vor mir da gewesen ist und diesen Job gemacht hat. Im Grunde ist doch schon alles fotografiert worden und ich muss mich fragen, warum ich trotzdem die Kamera in die Hand nehme und Fotos mache. Nach über 50 Jahren würde ich sagen: „Weil ich nicht anders kann!“. Meine kreative Batterie habe ich immer gerne dadurch aufgeladen und tue es noch heute, in dem ich mir die Arbeiten von anderen Fotografinnen und Fotografen ansehe. Wenn ich einen Bildband in die Hand nahm, und eigentlich ist es noch immer so, dann lasse ich mich in diese Fotografien „fallen“, verlasse für eine kurze Zeitspanne die Gegenwart und tauche ein in eine Anderswelt, eine, die sich zwischen den Zeiten zu befinden scheint, nicht Gegenwart, nicht Vergangenheit. Wichtig für dieses Erlebnis ist, dass mich die Fotografien ansprechen, mir etwas sagen. Robert Lebecks oder Robert Capas Fotografien gehören hundertprozentig dazu. Und selbstverständlich beneide ich Annie Leibovitz (*1949) aus tiefstem Herzen um die Persönlichkeiten, die sie vor ihrer Kamera hatte. Oder Barbara Klemm (*1939), deren Fotografien, die sie als festangestellte Tageszeitungsfotografin machte, ein Teil des kollektiven Gedächtnis‘ dieser Republik sind. Mir ist inzwischen bewusst, dass ich, wenn ich fotografiere, mit der Kamera in meiner Hand verschmelze, ich liebe dieses Gefühl. Die Kamera wird das Instrument, mit dem ich meine inneren Bilder materialisiere. Bei dem Vortrag eines Kollegen habe ich folgenden Satz gehört und nie mehr vergessen: „The camera is just a tool.“ Das bedeutet unter anderem, dass ich meine Umwelt, beim Fotografieren, nur noch in diesem rechteckigen Ausschnitt sehe, der durch das Format meines Films, 24 x 36 mm, vorgegeben ist und ich intuitiv diese Fläche gestalte durch die Wahl der Brennweite und die Verteilung von Schärfen und Unschärfen. Es war üblich, grundsätzlich einen schwarzen Rand um das Motiv, bei dem Abzug, mitzubelichten, um zu beweisen, dass dieses Foto genau so in der Kamera entstanden ist. Davon habe ich mich erst während meiner Studiofotografie verabschiedet. Jetzt werden die Ergebnisse aus einer Fotosession zur Grundlage der Bearbeitung am Computer, was Ausschnitt und Format betrifft.


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SPD Parteitag in Düsseldorf, 1998 Unter den Pressefotografen erkannte ich Robert Lebeck (1929 -2014) und erstarrte in Ehrfurcht. Ich kannte und bewunderte seine fotojournalistische Arbeit schon lange. Er war für mich eine Art „Gott“ der journalistischen Fotografie. Die anwesenden Kollegen (an Kolleginnen erinnere ich mich nicht) gingen an ihm vorbei, kannten ihn nicht oder erkannten ihn nicht. Für sie war er wohl nur ein „alter Mann“, er war 69 Jahre alt. Ich sprach ihn an und fühlte mich wie das Groupie einer Rockband. In seiner bescheidenen Art erzählte er mir, dass er gerade, für den „Stern“, an einem Portrait über Schröder arbeiten würde. Ich war tief beeindruckt.


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Wrestling 1988


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Wrestling ist eine besonders in Japan, den USA und Mexiko populäre Schaukampf-Sportart. Der Sieger steht schon vor dem Match fest, die Abläufe werden teilweise improvisiert und mit Showelementen und Storylines angereichert (Wikipedia). Diese Veranstaltung war die erste ihrer Art in Düsseldorf.


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Wrestling, DĂźsseldorf, 1988


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Wrestling, DĂźsseldorf, 1988


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Weltmeisterschaft der Friseure 1988

Weltmeisterschaft der Friseure, DĂźsseldorf, 1988


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Weltmeisterschaft der Friseure, DĂźsseldorf, 1988


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Weltmeisterschaft der Friseure, DĂźsseldorf, 1988


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Weltmeisterschaft der Friseure, DĂźsseldorf, 1988


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Frauen in Chemnitz/DDR 1990 Am 3. Oktober 1990 hörte die DDR auf zu existieren. Im März und Juli 1990 war ich jeweils 2 Wochen in Chemnitz, der Partnerstadt von Düsseldorf. Was ich dort wollte? Ein Gefühl dafür bekommen, was sich gerade veränderte, denn ich bin in dem Bewusstsein aufgewachsen, das es zwei deutsche Staaten gibt: DDR und BRD. Um nicht den Überblick zu verlieren, habe ich meinen Focus auf ein Thema gelegt: „Frauen in Chemnitz“. Ich hatte schon zuvor die Gelegenheit gehabt, die DDR zu bereisen, doch diesmal war alles anders und nicht nur an der Grenze. Ich bekam ungehinderten Zugang zu vielen Betrieben und konnte Fotos machen, die wenige Monate später schon historisch waren. Sowas habe ich nie zuvor und auch danach nicht wieder erlebt. Aus meinen Fotos wurden ein Buch und eine Ausstellung: „Bestandteil Stück vom Ganzen - Frauen in Chemnitz/DDR.“ Die Ausstellung wurde 2x in Chemnitz, in Düsseldorf und an weiteren 10 Orten gezeigt.


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Chemnitz, 1990


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FahrstuhlfĂźhrerin im Kaufhaus, Chemnitz, 1990


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Chemnitz, 1990


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Hochzeitsgesellschaft, Chemnitz, 1990


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Nadelfabrik, Chemnitz, 1990


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Wartburg, Chemnitz, 1990 Der erste Pornoladen, Chemnitz, 1990


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Busfahrerin, Chemnitz, 1990 Baumwollspinnerei, Chemnitz, 1990


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Pfรถrtnerin, Chemnitz, 1990 Im Warenhaus, Chemnitz, 1990


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Studentin, Chemnitz, 1990


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Im Krankenhaus, Chemnitz, 1990


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Im Krankenhaus, Chemnitz, 1990


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Jessika, sie war Praktikantin im BILDWORT Pressebüro, Düsseldorf, 1988


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Obdachlos 1990 Auszüge zu einem Text, den ich 1990 zu der Serie geschrieben habe. Die Icklack ist eine Einrichtung der Diakonie. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten habe ich mich für ein erstes Treffen mit Helma, der Leiterin dieses Hauses, verabredet. Die „Icklack“, sowohl Name als auch Adresse, ist eine Seitenstraße im Düsseldorfer Stadtteil Flingern. Das Haus macht von außen einen fast klinisch reinen Eindruck. Ich betrete das Haus und fühle mich verunsichert, fühle mich unwohl angesichts der sauber aufgehängten Plakate und der vor sich hin blühenden Grünpflanzen. Die niedrigen Decken des Neubaus lassen mich meinen Kopf einziehen. Ist die „Icklack“ wirklich eine Zufluchtsstätte, ein Zuhause? Ich treffe Helma in ihrem Büro, dem organisatorischen Herz der „Icklack“. Formulare und Gesetze, sowie unzähligen Akten sehe ich zuerst. Wir verabreden uns für eine Gruppensitzung der Frauen von der ersten Etage, damit diese mich kennenlernen. Die Gruppensitzung findet in der relativ großen Küche dieser Etage statt. Die Frauen sitzen um den Tisch herum, sind neugierig und hören interessiert zu. Zwei Frauen, Carola und Roswitha, entscheiden sofort, dass sie nichts mit mir zu tun haben möchten, auf keinen Fall darf ich sie fotografieren. Wieder in meinem Zuhause angekommen bin ich sehr betroffen, bestürzt, verwirrt. Die meisten Frauen in der Icklack sind jünger als ich. In mir entsteht ein sonderbares Gefühl. Es mündet darin, dass ich eine Woche lang ziemlich aggressiv meine Fingernägel abkaue. Die Schwächen, die ich an den Frauen beobachte, sind auch meine: Ich habe auch schon versucht, meine Probleme einfach wegzuschlafen, oder durch Alkohol zu unterdrücken. Auch ich fühle mich an manchen Tagen ungeliebt, hänge manchmal nur lethargisch vor dem Fernseher. Ich kenne Selbstzweifel, bin oft unzufrieden oder habe das Gefühl: Ich schaffe nichts. Doch angesichts der obdachlosen Frauen in der „Icklack“ frage ich mich, warum ist es mir gelungen, halbwegs normal zu leben und ihnen nicht? Warum scheine ich an den Aufgaben zu wachsen, die mein Leben mir stellt? Was ist bei ihnen anders gelaufen als bei mir? Ich erlebe, dass sie sich, aufgrund meines ehrlichen Interesses an ihnen, verändern, aufblühen. Doch wenn ich mich anderen Frauen zuwende oder mich zurückziehe, werden sie schroff und ablehnend. Carola ruft mich zu Hause an und wirft mir Unzuverlässigkeit vor. Ich hätte doch versprochen, wiederzukommen. Natürlich habe ich weitere Besuche zugesagt, doch eine konkrete Terminabsprache gab es nicht. Können diese Frauen akzeptieren, dass mein Interesse an ihnen zeitlich begrenzt sein wird? Ich war ein Ereignis, das ihren Alltag veränderte. Es ist schwer für mich, zu begreifen und zu akzeptieren, dass ich ihre Situation nicht verändern kann, es nicht meine Aufgabe oder meine Verantwortlichkeit ist. Ich bin nur die Fotografin, die an einem Projekt arbeitet das „Soziale Randgruppe“ heißt.


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In der Icklack, Düsseldorf, 1990


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In der Icklack, Düsseldorf, 1990


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In der Icklack, Düsseldorf, 1990


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In der Icklack, Düsseldorf, 1990


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In der Icklack, Düsseldorf, 1990


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In der Icklack, Düsseldorf, 1990


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In der Icklack, Düsseldorf, 1990


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Zagreb / Kroatien – Dezember 1993 Gerade habe ich zusammen mit meiner Tochter den Weihnachtsmarkt in Düsseldorf besucht und jetzt stehe ich bei minus 9 Grad Celsius und über 60 cm Schnee in Zagreb. Hier wurde schon lange kein Schnee mehr geräumt, und das verhinderte streckenweise das Überqueren der Straße. Wenn es tagsüber taut, wird dieses Wasser auf der Erde sofort wieder zu Eis und alles ist spiegelglatt. PKW sehen so aus, als seien sie seit dem ersten starken Schneefall nicht mehr bewegt worden. Am Flughafen sehe ich viele Uniformierte und Autos mit der Aufschrift UN. Ich sehe auch viele Männer jedweden Alters in Drillichzeug. Sie sind sowohl von der kroatischen Armee, der kroatischen Militärpolizei, als auch von der UN und der Grund einer ganz besonderen Stimmung in der Stadt: eine Mischung aus zur Schau gestellter Männlichkeit sowie der Anwesenheit von Krieg und Gewalt. Ich wohne in einem zentral gelegenen Hotel. Im Aufzug treffe ich immer wieder auf Kollegen/ Journalisten in schusssicheren Westen auf dem Weg nach Sarajevo. In der Innenstadt treffe ich auf Frauen, die betteln. An einem Hot-Dog Stand bittet mich ein kleines Mädchen um Geld. Der Hot-Dog kostete 8.000 Dinar, das sind über 20 DM. Ich war in zwei Flüchtlingslagern. Beide Lager bestehen aus alten ehemaligen Unterkünften für Bauarbeiter. In beiden Lagern lebten überwiegend Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina. Ich traf eine Familie, die beschlossen hatte, am folgenden Tag zurück nach Sarajevo zu gehen. Sie würden dort lieber zusammen mit ihrer Familie sterben, als weiter unter diesen Bedingungen in Zagreb zu wohnen. Es ist mir fast unangenehm „wohnen“ zu sagen. Dieser Raum ist vielleicht 3x4 m groß und gefüllt mit 3 Doppelstock-Betten. Eines der Lager, so erfahre ich, wird durch großzügige Spenden eines „Arabers“ unterhalten, das andere von einer humanitären Organisation, deren Name ich nicht erfahre. Ich sehe, wie eine Frau bei Minus-Temperaturen ihre Kleidung im Freien wäscht. Die sanitären Anlagen sind in einem traurigen Zustand und nicht ausreichend für so viele Menschen. Rund 300 Flüchtlinge leben schon über zwei Jahre illegal in Zagreb, für sie ist es unmöglich, eine Art Wohnrecht oder eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Unter den Flüchtlingen sind über 100 Kinder im Alter von drei Monaten bis 15 Jahren. Die Kinder besuchen die umliegenden Schulen und haben Spaß beim improvisierten Rodeln. Ihre ganze Welt ist dieses Lager, die meisten haben nie etwas anderes in ihrem Leben gesehen. Das Brennholz ging zu Ende und Neues war nicht in Aussicht. Das Geld dafür war da, doch es ist auf unerklärliche Weise verschwunden. Ich bin kaum in der Lage, diese Situation auszuhalten, denn vorbereiten konnte ich mich darauf nicht, daher bin ich froh, nach einer Woche wieder in Düsseldorf zu sein.


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Im FlĂźchtlingscamp, Zagreb 1993


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Im FlĂźchtlingscamp, Zagreb, 1993


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Im FlĂźchtlingscamp, Zagreb, 1993


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Im FlĂźchtlingscamp, Zagreb, 1993


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Im FlĂźchtlingscamp, Zagreb, 1993


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Im FlĂźchtlingscamp, Zagreb, 1993


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Im FlĂźchtlingscamp, Zagreb, 1993


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„A photograph of a person is only a portrait if it captures the personality and essence of the subjekt.“ Philippe Halsman

Meine Selbsterfahrung ist im wesentlichen die Erfahrung von Beziehungen, in die ich einbezogen bin. Diese Portraitserie war eine Semesterarbeit. Die Portraits sind in den Jahren 1993-1995 entstanden. Nachstehend der Text – gekürzt –, den ich damals dazu geschrieben habe. (...) Und doch sind es die Photographien, die wie kein anderes bildnerisches Medium die Kultur und Sozialgeschichte unserer Gesellschaft reflektieren. (...) Unser Weltbild, unsere Sicht der Wirklichkeit, ist in einem beträchtlichen Maße das Ergebnis photographisch vermittelter Sekundärerfahrung. Sehen heißt auswählen, wir nehmen nur das wahr, was wir betrachten und so wie wir unsere äußere Welt wahrnehmen, wird unser Erleben insgesamt bestimmt. Diese Annahme hat ihre geistige Grundlage in der Philosophie eines David Hume (1711-1776). Für ihn waren die Eindrücke, die der Mensch von der Außenwelt empfängt, die Grundlage aller menschlichen Erkenntnisse. (...) Die Photographie ist zu einem Medium geworden, das vollkommen frei und undisziplinierter gebraucht wird. Bei keinem anderen Medium ist das vergleichbar der Fall. Die Frage „Was ist der Mensch?“ begleitete mich in meiner photographischen Arbeit, und das Portrait entwickelte sich zu einem der Hauptthemen dieser Arbeit. Vielleicht ist dieses In-den-Spiegel-Sehen mein Anliegen. Nach Lacan gibt die Erfahrung des Ich im Spiegel das Modell für die Erfahrung des Ich im Andern ab. Die Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick, hat mich zu der hier präsentierten Portraitserie veranlasst. Die Photos sind subjektive Interpretationen, sind Kommunikation, wie Watzlawick sie verstanden wissen möchte: es ist nicht möglich, nicht zu kommunizieren. (...) In dem ich die Menschen spiegele, geht es mir um das Sich-sehen im Anderen, es geht um Orientierung und Identifikation, um das Eigene und das Fremde. (...) Den von mir Portraitierten, die entweder zu meiner Familie oder zum Kreis meiner Freundinnen und Kolleginnen zählen, überließ ich die Wahl des Aufnahmeortes, ich war bemuüht ihre Individualität (Wahl der Pose/Haltung) auf jeden Fall zu respektieren. (...) Es war meine Bedingung, dass die Person direkt ins Objektiv meiner Kamera blickt (...) Menschen müssen nach Watzlawick, um ihr Ichbewusstsein zu erhalten, kommunizieren, und jede Art der Kommunikation enthält eine Definition der Beziehung.


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Roswitha, Mettmann, 1993


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Jessika, Berlin, 1995


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Manuel, DĂźsseldorf, 1994


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Udo Achten, Düsseldorf, 1994


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Luise Knappe, Wülfrath 1993


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Frauen Arbeit Leben Diese Fotografien sind eine Zusammenstellung von mehreren Projekten zum Thema Frauen und ihr Lebensumfeld. Da gab es 1989 den Auftrag zu einer Fotoausstellung der HBV: „Immer nur Lächeln – Frauen im Einzelhandel“. „Barrieren – Karrieren “ war ein Projekt des NRW Wirtschaftsministeriums und wurde eine Broschüre und eine Ausstellung. „Frauen und ihre Schreibtische“, ergab sich, als ich für das NRW Umweltministerium Broschüren fotografierte. Dann habe ich Freundinnen und Bekannte zu Hause besucht, um sie in ihrem selbst gewählten Umfeld zu portraitieren.


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Ausverkauf, Düsseldorf, 1985


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Busfahrerin, Rheinbahn DĂźsseldorf, DĂźsseldorf 1989


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Marit von Ahlefeld Mitglied der Grünen Ratsfraktion im Stadtrat Düsseldorf, Düsseldorf 1994 Serie „Immer nur Lächeln - Frauen im Einzelhandel“, 1989


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Alice Schwarzer (*1942), Köln, an ihrem Schreibtisch in der Redaktion der Frauenzeitschrift „Emma“, deren Gründerin und Herausgeberin sie ist. Sie ist bekannt für ihre mutige Positionierungen, nicht nur beim Feminismus. Immer wieder sorgt sie für Irritationen ihres Bildes in der Öffentlichkeit. Lt. einer Allensbach-Umfrage von 2006 kennen 83% aller Deutschen diese streitbare Journalistin. Köln, 1994


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Serie: Frauen im Ministerium, DĂźsseldorf, 1995


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Postbotin, DĂźsseldorf, 1993


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Serie: Frauen im Ministerium, DĂźsseldorf, 1995


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Ausstellung und BroschĂźre des NRW Wirtschaftministeriums, Barrieren-Karrieren, Frauen Berufs Bilder, 1991


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Ausstellung und BroschĂźre des NRW Wirtschaftministeriums, Barrieren-Karrieren, Frauen Berufs Bilder, 1991


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Ausstellung und BroschĂźre des NRW Wirtschaftministeriums, Barrieren-Karrieren, Frauen Berufs Bilder, 1991


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Auszubildende mit Migrationshintergrund. Die Eltern der jungen Türkin waren selbst streng religiös, erlaubten ihr aber ohne Kopftuch in die Öffentlichkeit zu gehen. Ich erinner mich, ihr Vater fand eine gute Ausbildung für seine Tochter, sehr wichtig. Ausstellung und Broschüre des NRW Wirtschaftministeriums, Barrieren-Karrieren, Frauen Berufs Bilder, 1991


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BroschĂźre des NRW Wirtschaftministeriums, Barrieren-Karrieren, Frauen Berufs Bilder, 1991


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BroschĂźre des NRW Wirtschaftministeriums, Barrieren-Karrieren, Frauen Berufs Bilder, 1991


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Mรถbelfarik, Zeulenrode, 1990


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1989 bekam ich den dritten Preis beim Fotografinnenpreis der Zeitschrift „EMMA“. Es war eine Fotografie, die im Straßenkarneval in Düsseldorf entstanden ist. Ich hatte damals experimentiert: Eine lange Belichtungszeit eingestellt, einen Blitz benutz und die Kamera mitgezogen.


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Potenzial Die Fotografien, die ich für dieses Buch zusammengestellt habe, sind zu einem großen Teil vor über 40 Jahren belichtet und entwickelt worden und heute noch in einem guten Zustand. Ich muss somit sehr sorgfältig gearbeitet haben. Darauf bin ich stolz. Nicht sehr sorgfältig bin ich hingegen mit meinem Potenzial umgegangen, dies ist im Rückblick jedenfalls mein Eindruck. Es war ein Mann, der mich darauf aufmerksam machte, ich sei offensichtlich mit angezogener Handbremse unterwegs. Er hatte Recht, muss ich heute zugestehen. Etwa 20 Jahre nach meiner Gesellenprüfung entschied ich mich für das Studium Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Fotografie an der Universität in Essen. Ja, ich konnte studieren, denn die Landesregierung NRW hatte ein Gesetz verabschiedet, durch das es qualifizierten Berufstätigen ermöglicht wurde, berufsbezogen zu studieren. Ich musste mich für eine umfangreiche Prüfung qualifizieren und, nachdem ich diese bestanden hatte, konnte ich an der regulären, ebenfalls umfangreichen Aufnahmeprüfung, des Fachbereichs teilnehmen. Auch diese habe ich bestanden und plötzlich war ich immatrikulierte Studentin. Ich erinnere mich sehr genau an den Moment, als ich die Benachrichtigung der Uni in der Hand gehalten habe. Wahnsinn, etwas, das ich mir von ganzem Herzen gewünscht hatte, war in Erfüllung gegangen, einfach unfassbar. Zeitgleich erkrankte ich an einer schweren Schilddrüsenüberfunktion. Ich war die Erste in meine Familie, die einen akademischen Abschluss anstrebte.


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Von 1997 - 2008 war ich angestellte Fotografin in der Staatskanzlei NRW. Den NRW Ministerpräsidenten Johannes Rau habe ich auch schon vor meiner Zeit als angestellte Fotografin bei diversen Anlässen fotografiert. Empfang für Georg Schulhoff (1898-1990) langjähriger Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Düsseldorf, 1987


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Empfang für Georg Schulhoff (1898-1990) langjähriger Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Düsseldorf, 1987


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Empfang für Georg Schulhoff (1898-1990) langjähriger Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Düsseldorf, 1987


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Empfang für Georg Schulhoff (1898-1990) langjähriger Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Düsseldorf, 1987


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Honnecker bei Johannes Rau, DĂźsseldorf, 1987 Gorbatschow bei Johannes Rau, DĂźsseldorf, 1989


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Staatskanzlei NRW Nach meinem Studium wollte ich verlässlich regelmäßig Geld verdienen und bewarb mich um eine Stelle als Fotografin in der Staatskanzlei NRW. Die Staatskanzlei ist die oberste Landesbehörde und arbeitet dem jeweiligen Ministerpräsidenten zu. Da der favorisierte Kollege den Termin für sein Bewerbungsgespräch schlicht vergessen hatte, bekam ich die Stelle, obwohl ich bei meinem Vorstellungsgespräch gesagt hatte, dass, wenn sie wollten, dass alles beim Alten bliebe, ich die Falsche für diesen Posten sei. Kollegen und Freundinnen verstanden nicht, warum ich in den Öffentlichen Dienst wollte, nun ja, sie waren weder ich, noch hatten sie viele Jahren damit verbracht auszuhalten, dass das Geld nie reichte. Es war hoch interessant, Johannes Rau als Ministerpräsident zu erleben, doch seit dieser Zeit sind mir alle naiven Vorstellungen in Bezug auf Politik abhandengekommen. Die analogen Filme, die ich in meiner Zeit als angestellte Fotografin der Staatskanzlei gemacht habe, sind im Besitz der Staatskanzlei und stehen mir hier nicht zur Verfügung.


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Johannes Rau und Jassir Arafat. Das Gastgeschenk an den damaligen Palästinenser-Präsidenten war eine bergische Dröppelminna. Das ist eine bauchige Kaffeekanne mit drei Füßen. Wuppertal, 1997


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Familie Rau auf Spiekeroog, 1997


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Johannes Rau trifft Javier Solana, Generalsekretär der NATO, Brüssel, 1997


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Kurz nach dem Ende meiner Probezeit in der Staatskanzlei gab es eine Kampagne, die gegen Johannes Rau gerichtet war und seinen Rücktritt beschleunigen sollte. In einem Artikel im Magazin Focus wurde behauptet, er wüsste nicht, was in seinem Haus vor sich ginge. Sachverhalte wurden so dargestellt, als wenn Positionen aufgrund von Seilschaften, die zum Beispiel in Kölner Karnevalsvereinen entstanden seien, besetzt worden waren. In diesem Artikel ging es um mehrere Personen, die politische Mandate hatten und um mich, die Fotografin. Zu dem Artikel wurde auch ein Foto von mir, welches mich mit der Kamera vor dem Gesicht zeigt, abgedruckt sowie mein voller Name. Es wurden Sachverhalte behauptet, die nicht den Tatsachen entsprachen, mit dem Ziel, nicht nur mich zu verunglimpfen. Ich habe letztendlich über zehn Jahre in der Staatskanzlei gearbeitet und hatte in diesen Jahren häufig Probleme mit dem Rücken. Heute bin ich der Meinung, das war deshalb, weil ich dort keinen Raum hatte, in dem ich wachsen konnte. Leben bedeutet jedoch wachsen zu können. Ich hingegen habe mich wohl immer klein machen müssen, um dort hineinzupassen. Wen wundert es, dass ich auch ein Mobbing-Opfer wurde. Was dann folgte, war mein Zusammenbruch und anschließend fünf Jahre schwere Depression und eine Zeit, in der ich dachte, nie wieder fotografieren zu können.


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1998 wurde Wolfgang Clement in das Amt des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein Westfalen gewählt. Im gleichen Jahr empfing er den Ministerpräsidenten von Bayern Edmund Stoiber..


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Mai 2000: Der Düsseldorfer Flughafen wird, nach einer Umbauphase, wieder eröffnet und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder nahm, zusammen mit dem damaligen NRW Ministerpräsidenten Wolfgang Clement, daran teil. Da habe ich schon digital fotografiert.


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DĂźsseldorf, Mai 2000


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Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt. Hermann Hesse


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Kreativ sein ist, mit dem Leben Liebe machen. 2011 hatte ich die Naivität oder den Mut, mir meinen Herzenswunsch nach einem eigenen Studio für Portraitfotografie zu erfüllen. Mir war zwar eine rezidivierende depressive Störung attestiert worden, doch das nahm ich als eine Herausforderung an. Ich habe diesen Schritt nie bereut, auch wenn diese Jahre sehr anstrengend waren und ich meine Arbeit lange Zeit unter ihrem tatsächlichen Wert verkauft habe – ich habe es geliebt. Frauen und Weiblichkeit waren immer schon das Meta-Thema in meiner fotografischen Arbeit. So habe ich neben den Kundenaufträgen verschiedene freie Projekte zu diesem Themenkreis realisiert, die zu Ausstellungen wurden. 2014 war es die Serie „Silbergrau – das bin ich“. Portraits von Frauen, die ihre Haare weiß werden lassen und nicht färben. 2015 folgte die Portraitserie „Fuck you cancer“: Portraits von Frauen, die an Brustkrebs erkrankten und aufgrund einer Chemo keine Haare mehr hatten. Kurz vor dem Ende meiner Studiozeit habe ich ein Projekt angefangen, an dem mir viel liegt: 70 x 70 ist der Arbeitstitel, und es geht darum, dass ich 70 Frauen portraitieren möchte, die um die 70 Jahre alt sind. Ja, da geht noch was, auch wenn ich selber in diesem Jahr 70 geworden bin. Ich fühle mich auf der Höhe meiner Leistungsfähigkeit. Ein Adenokarzinom, im September 2019 entdeckt und erfolgreich operiert, konnte mich nicht stoppen. Erst als mein Mietvertrag für mein Studio ab Juli 2020 nicht verlängert wurde, habe ich aufgehört, als Studiofotografin zu arbeiten, mir jedoch eine neue Kamera gekauft. Selbstverständlich höre ich nicht auf Fotografin zu sein.


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Eine Collage aus der Zeit der Depression


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Aus der Serie „Hommage an August Sander“ - Düsseldorf 2010


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Wien, 2010


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Hommage an Edward Weston, Regina, DĂźsseldorf, 2013


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Schwangerschaftsportrait, DĂźsseldorf, 2010


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Serie Was ist weiblich?, DĂźsseldorf, 2018


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Serie Silbergrau - das bin ich, DĂźsseldorf, 2014


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Serie Fuck you cancer, Düsseldorf, 2016


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Ich bin gebucht für ein Gespräch mit Asfa-Wossen Asserate (*1948) Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Weithin bekannt machte ihn sein Buch Manieren (2003). Während des Gesprächs betritt eine Frau den Raum: Marla Glen (*1960). Die US-amerikanische Blues/Soul/Jazz-Sängerin lebt seit 1998 in Deutschland und ich liebe ihre Stimme und bat sie um eine Fotosession. Düsseldorf, Parkhotel, 2015


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Marla Glen, DĂźsseldorf, Parkhotel 2015


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Serie 70 x70, DĂźsseldorf, 2020


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Serie 70 x70, DĂźsseldorf, 2020


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Sarah mit meiner Kamera, DĂźsseldorf, 1985


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Danksagung Meinen Eltern bin ich dafür dankbar, dass sie mich haben Fotografin werden lassen. Meiner Schwester Roswitha Hardt dafür, dass sie mir immer wieder geholfen hat Fotografin zu bleiben und mir die gemeinsame Zeit auf unserer Insel schenkt. Meiner Tochter Sarah Schmelzer danke ich dafür, dass sie so ein bereichernder Teil meines Lebens ist und mich so unendlich reich beschenkt. Meiner Freundin und Kollegin Marie Theres Niessalla danke ich für ihr offenes Ohr, die Zeit, die sie mir für Gespräche schenkt, wenn ich sie brauche, dass sie mit mir die Liebe zur Fotografie teilt und mich versteht und letztendlich eine unendlich wichtige Unterstützung bei diesem Projekt war. Christoph Bünten, einem Freund und Kollegen, danke ich für seinen Rat und seine Hilfe, die ich bekomme, wann immer ich sie brauchte. Meiner Freundin Gabi Schoek danke ich dafür, dass sie so ist, wie sie ist - was ganz Besonderes eben - und sie mir hilft, wenn ich sie darum bitte. Den Menschen, die Teil meiner zahlreichen Projekte sind, danke ich sehr, denn ohne sie wären diese nicht zu realisieren. All denen, die mir in verschiedenen sozialen Netzwerken virtuell folgen, danke ich für ihren ungebrochenen Support. Ich bedanke mich bei den Menschen, die mich auf die Veranstaltung „OpenTable“ in Köln aufmerksam gemacht haben. Vor allem den Anwesenden dort, im Mai 2019, die mich ihre Begeisterung für meine Fotografie haben spüren lassen und die den Titel „knappe70“ kreiert haben. Kristina Starke, die ich noch nie persönlich getroffen habe, danke ich für ihre liebevolle, zeitintensive und tatkräftige Unterstützung bei all den Anträgen, die ich gestellt habe, um das Projekt „knappe70“ zu realisieren und die ohne sie niemals gestellt worden wären. Christian Ahrens danke ich für seine kollegialen Ratschläge und seine Unterstützung bei der Realisierung dieses Buches. Und ich danke Sebastian H. Schroeder für seine professionelle Beratung bei der Auswahl der Fotografien für das Projekt knappe70 und dafür, dass er mich dazu gebracht hat, mich auf dieses Abenteuer einzulassen, ohne zu ahnen, auf was ich mich tatsächlich einlasse und was für eine wunderbare Erfahrung es letztendlich für mich werden würde. Selbstverständlich danke ich auch den UnterstützerInnen des startnext-Projektes, die geholfen haben, dieses Buch zu finanzieren, sowie all denen, die ein Exemplar vorbestellt haben.


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Beate Knappe * 1. Juni 1950 in Wülfrath/Bergisches Land 1968 Gesellenprüfung 1995 Diplom Kommunikationsdesign: Titel der Diplomarbeit: Die Atelier-Fotografin. Ein Frauenberuf im 19. Jahrhundert zwischen Modeerscheinung und Profession 1975 Erste Veröffentlichungen als Fotojournalistin 1977 Geburt der Tochter Sarah 1980 - 1983 Bildredakteurin bei einer Tageszeitung 1983 - 1996 Freiberufliche Fotografin 1986 - 1989 BILDWORT Pressebüro 1997 - 2008 Staatskanzlei NRW – Leiterin der Bildstelle 2011-2020 Portraitstudio für fine art photography in Düsseldorf Preise 1966 1. Preis: Fotowettbewerb der ev. Kirche in Wülfrath 1967 1. Preis: Titelbild der Schülerzeitung der Handwerkerberufsschule 1985 1. Preis: bifota, Berliner Internationalen Fotoausstellung & Sonderpreis der Zeitschrift „Für Dich“. 1989 3. Preis: Fotografinnenpreis der Zeitschrift „Emma“ Ausstellungsbeteiligung 1980 Hamburg: Frauen hinter der Kamera 1984 Düsseldorf: Frauen-Fotografie 1985 Berlin: Europäische Fotografen 1986 Düsseldorf: Portraits 1987 Düsseldorf: Düsseldorfer Fotografinnen 1988 Köln: photokina: STERN – Bilder: 40 Jahre Bild-Journalismus in der BRD 1988 Duisburg: UNRUHE, der Arbeitskampf bei Krupp 1998 Köln: photokina: STERN – Das Bild des Menschen 1998 Hamburg: STERN – Bilder: Das Bild des Menschen 1999 Düsseldorf „Große Kunstausstellung“ Einzelausstellungen 1984 Düsseldorf: Frauenfriedensmarsch 1986 Düsseldorf: Frauenbilder – Menschenbilder 1990 Oberhausen: Immer nur lächeln – Frauen im Einzelhandel 1990 Düsseldorf: BESTANDTEIL 1992 Chemnitz: BESTANDTEIL 1993 Frankfurt/Oder: BESTANDTEIL 1990 -1994 BESTANDTEIL wurde an 7 weiteren Orten gezeigt. 1996 Düsseldorf: „Komm tanz mit mir....“ – Thema: Men-Strip 1999 Düsseldorf - PPS Galerie: „My favourites“ – Photographien aus 35 Jahren 2000 Düsseldorf – Stadttor: BESTANDTEIL 2014 Düsseldorf: „Silbergrau – das bin ich“ 2016 Düsseldorf, Kunstpunkte, „Fuck you cancer“ 2019 Düsseldorf, Kunstpunkte, „Portraits“


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DĂźsseldorf, Juni 2020, Foto: Marie-Theres Niessalla


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Impressum Herausgeberin: Beate Knappe Texte und Bilder: Beate Knappe Kurator: S.H. Schroeder Grafische Gestaltung: Ulrich Scholz Design Druck: DDH GmbH, Hilden © Beate Knappe photography Graf-Recke-Strasse 130 40237 Düsseldorf www.beateknappe.de www. knappe70.de Die Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne Zustimmung der Herausgeberin nicht reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.


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