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Diagrammatik lösen zu wollen – schon allein, weil die Übertragung ins Produktdesign erst einmal ein ungelöstes Problem darstellt. Nichtsdestotrotz liegt viel Potenzial in der peirceschen Diagrammatik, da sie Wissenschaft und Design einander annähert: einerseits, weil nach Peirce jede Form von Deduktion notwendigerweise diagrammatisch ist74 und somit keine Wissenschaft denkbar wäre, die nicht auch diagrammatisch arbeitet und dabei designerische Aufgaben vollzieht. Wissenschaftlichkeit ist also stets an diagrammatische Werkzeuge gebunden, deren performative und zeichentheoretische Materialität es zu reflektieren gilt.75 Von der anderen Seite markiert das Modell der Diagrammatik logische Aspekte im Design und liefert mit dem diagrammatischen Denken die Basis für eine solide wissenschaftliche Methodik. Das peircesche Projekt, Philosophie als exakte Wissenschaft zu betreiben, bietet so zumindest einen Ansatz, auch Design auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Mit dem Analysehorizont von Materialität, Störung und Diagrammatizität als eng verwobenen Kategorien ist ein Rahmen geschaffen, um die frühe digitale Typografie zu untersuchen. Der performative Charakter dieser drei Größen macht es allerdings nicht nur nötig, Beispiele im Detail zu analysieren, sondern diese auch kulturwissenschaftlich zu kontextualisieren, da die jeweiligen produktiven und rezeptiven Performanzen sich stets in kulturell-materiellen Geflechten entfalten. Dieser Versuch soll im Folgenden unternommen werden.

Ikonizität und Diagrammatik  —  79

74 Vgl. Peirce: CP, 2.667.

75 Vgl. dazu etwa Bruno

Latour: »Drawing Things Together: Die Macht der unveränderlich mobilen Elemente«, in: ANThology: Ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, hrsg. v. Andréa Belliger/ David J. Krieger, Bielefeld: Transcript, 2006, S. 259–307.

Profile for Björn Ganslandt

Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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