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und Diagramm zeigt bereits, dass der Einfluss des Symbolischen auf der Ebene des Diagramms wesentlich deutlicher ist als beim Bild. Das Zeichenverbundsystem ist allerdings keine inhärente Eigenschaft der (typo-) grafischen Konfiguration, sondern wird erst im Rezeptionsprozess ausgehandelt. Ob Druckerschwärze auf einer Seite Papier also Bild, Schrift oder Schriftbild ist, steht nicht von vornherein fest, sondern ist Sache des Interpreten. Wäre damit alles gesagt, bliebe nicht mehr viel Raum für eine Analyse der Zeichenverbundsysteme von gedruckten Seiten, die irgendeine Form von Allgemeinheit für sich in Anspruch nimmt. Glücklicherweise schwebt der Interpret nicht im luftleeren Raum, sondern ist in eine Kultur eingebunden und reagiert auf eine große Anzahl von Rahmungshinweisen, die seine Lektüre beeinflussen. Diese von der geteilten Kultur ausgehende Allgemeinheit ist der sandige Grund, auf dem eine Exemplifikation von Ikonizität in der Schrift in frühen digitalen Drucksachen ansetzen muss. In welcher Form Ikonizität im Zeichenverbundsystem einer Drucksache signifikant wird, soll im Folgenden für Bilder und Diagramme im peirceschen Sinne entwickelt werden. Die peircesche Metapherntheorie ist leider zu vage, als dass sie in diesem Kontext wirklich gewinnbringend eingesetzt werden könnte, da Ikonizität hier selbst zur Metapher wird und die Arbeit an konkreten grafischen Konfigurationen in den Hintergrund rückt.

6.2 Bildliche Ikonizität Nachdem im vorausgehenden Abschnitt allgemein herausgearbeitet wurde, warum sich weder Ikon und Symbol noch Wort und Bild gegenseitig ausschließen, sondern im Gegenteil bedingen, soll hier nun nach konkreten Beispielen von Schriftbildlichkeit im peirceschen Sinne gesucht werden – also nach bildlicher Ikonizität in der Typografie.28 Der vorausgehende

60  —  Ikonizität und Diagrammatik

28 Zu bildlicher und diagram-

matischer Typografie im literarischen Kontext siehe auch: Björn Ganslandt: »Die Seite als Bild und Diagramm. Zu peircescher Semiotik und Schriftbildlichkeit im Buchdruck«, in: Fontes Litterarum, hrsg. v. Philipp S. Vanscheidt/ Markus F. Polzer, Hildesheim: Georg Olms, erscheint.

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Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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