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ihre Relation in Erstheiten aufsplitten lässt. Gilt das nicht, ist sie genuin. Symbolizität kennt analog zwei Stufen der Degeneration, während Ikonizität kein Raum mehr für Aufsplittung nach unten bleibt. Abseits von diesen diagrammatischen Unterschieden trennen die beiden Formen handfeste epistemische Eigenschaften. Genuine Indexikalität funktioniert symptomatisch: Das geläufige Beispiel ist Rauch als Index für Feuer, wobei zwischen den beiden Phänomenen ein kausaler und nicht intentionaler Zusammenhang besteht. Die genuine Indexikalität nimmt deshalb eine besondere Position im peirceschen Zeichenmodell ein, da die Abwesenheit von Intentionalität hier einen Bezug zu Realität herstellt, der bei anderen Objektbezügen nicht gegeben ist.40 An anderer Stelle bezeichnet Peirce diese Form der Indices aufgrund ihrer kausalen Struktur auch als »Reagent«.41 Degenerierte Indexikalität – auch »Designativ« genannt – dagegen arbeitet primär deiktisch und ist somit intentional hervorgebracht:

Designatives (or Denotatives), or Indicatives, Denominatives, which like a Demonstrative pronoun, or a pointing finger, brutely direct the mental eyeballs of the interpreter to the object in question, which in this case cannot be given by independent reasoning.42 Der Bezug zur Störung ergibt sich, wenn man diese Bestimmung der degenerierten Indexikalität neben Jägers Definition von Störung als »Fingerzeig […] für die Notwendigkeit der transkriptiven Weiterbearbeitung der Äußerung«43 legt. Hier wiederholt sich mit dem »Fingerzeig« das Paradigma der Deixis – ein Zusammenhang, der Sinn macht, denn erstens sind transkriptive Bezugnahmepraktiken in oder zwischen Medien ohne ein verbindendes Element nicht zu realisieren, und zweitens bedarf Störung immer der Verschiebung von Aufmerksamkeit vom Mediatisierten hin zum Medium. Wie das Zitat zeigt, ist Aufmerksamkeitsverschiebung eine der Kernkompetenzen des degeneriert Indexikalischen.

48  —  Indexikalität und Störung

40 Vgl. Uwe Wirth: »Zwischen

genuiner und degenerierter Indexikalität: Eine Peircesche Perspektive auf Derridas und Freuds Spurbegriff«, in: Spur. Spurenlesen als Orientierungstechnik und Wissenskunst, hrsg. v. Sybille Krämer/ Werner Kogge/Gernot Grube, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2007, S. 55–81, hier S. 62. 41 Vgl. Peirce: CP, 8.368.

42 Ebd., 8.350.

43 Jäger: »Störung und Transpa-

renz. Skizze zur performativen Logik des Medialen«, S. 46.

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Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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